Brainworker's Textwerkstatt (E)

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Der ideale Internet-Text

1. Gebot des Internet / 2. / 3. /

Schreibe kurz - und sie werden es lesen.

Schreibe klar - und sie werden es verstehen.

Schreibe bildhaft - und sie werden es im Gedächtnis behalten.

Joseph Pulitzer

Das Thema über das Sie gesonnen sind, mit mir nachzudenken, ist so ernsthaft und wichtig und in einem gewissen Sinne so beunruhigend, dass auch ich gleich Ihnen, zu jedem beliebigen gehen würde, der über dasselbe etwas zu lehren verspräche.

Nietzsche

Oder, webmässig ausgedrückt:

Zum Surfen braucht es Wellen. Um irgend welche schal und öde vor sich hindümpelnden Protokolle und Berichte macht SurferIn einen grossen Bogen.

Herzog

 

Die Nutzung einer Website steigt um:

58% - wenn die Texte kurz und klar gefasst und übersichtlich sind. Die Nutzer lesen nicht auf dem Web, sie "scannen", d.h. sie lassen ihre Augen über den Bildschirm wandern, picken da ein Bild, dort eine Überschrift, ein paar Sätze oder sogar nur Teile von Sätzen heraus, um diejenigen Informationen zu erhalten, die sie suchen. Genau wie bei Zeitungen wird oft nur der erste und/oder letzte Absatz eines Artikels, oder der erste Satz eines Paragraphen gelesen. Folglich steigt die Webnutzung um

47% - wenn die Texte sich leicht scannen lassen. Die Nutzer schätzen es nicht, wenn sie durch grössere Präsentationen zum verschieben des Bildschirmausschnitts gezwungen werden, speziell seitwärts. - Aber auch der Schreibstil ist von Bedeutung. Die Webnutzung steigt um

27% wenn die Präsentation objektiv ist statt verkaufsorientiert. Die Nutzer hassen alles was nach marketing Gags und Marktgeschrei, aber auch nach ideologischem Pamphlet, aussieht. 

Die Webnutzer werden genervt durch:

1 Popup Boxen                                                            52%

2 Banners und Werbung                                            50%

3 Überladene Webseiten                                               35%

4 Langsame Ladezeiten                                                 26%

5 Schwierigkeiten ein spezielles Produkt zu finden          20%

 

Definition Text (nach Beaugrande/Dressler 1981):

Ein Text gilt als kommunikativ wenn er folgende Kriterien erfüllt:

  1. Kohäsion - welche die korrekten grammatischen Beziehungen innerhalb eines Textes bezeichnet. Die geordnete Rede mit Konzept und klarem Ablauf (Dramaturgie) - keine Gedankensprünge!
  2. Kohärenz: semantisch konzeptioneller Zusammenhang - die klare und verständliche Rede. Besonders Webseiten müssen inhaltlich geschlossen sein.
  3. Intentionalität: Der Textproduzent hat eine Absicht, ein Ziel, die er mit dem Gesagten/Geschriebenen vermitteln will. Diese Intentionalität zu gewährleisten, ist Ziel der Rhetorik.
  4. Akzeptabilität: Beruht auf Erwartungen und Einstellungen des Lesers. Kann durch angepassten Sprachstil (s. Rhetorik) und Eingehen auf die Vorkenntnisse und Lebenswelt des Rezipienten gefördert werden. (s. Topik)
  5. Informativität: Ausmass, in dem der Text für den Leser neu ist. Für Zeitungen entscheidend, für das Internet nicht unbedingt. Es gibt manche Informationen, die über Jahre lang die selben bleiben, aber immer und intensiv genutzt werden, wie z.B. Telefonlisten, Bibliographien, Kochrezepte, Karten ....)
  6. Situationalität: Faktoren die für die Relevanz des Textes bestimmend sind: lokal, regional, weltweit - interpersonell, Firma, ... (s. Kontext)
  7. Intertextualität: Jeder Text gehört zu einer spezifischen Kategorie - welche entsprechende Erwartungen weckt, also Themen ein oder ausschliesst (wissenschaftlicher Text, Tagesjournal, politische Verlautbarung, ... vollständige Liste s. Texttypen)

Zum Wesen des Textes gehört also, dass er sich an Mitmenschen richtet, also kein Selbstgespräch ist, keine Notiz, sondern eine Mitteilung die sich an andere richtet, von diesen wahrgenommen werden soll und Reaktionen bewirken soll - ein Prozess der immer Text-Kritik beinhaltet.

 

Ein Text wird interessant durch: #

Neuigkeit

 

Verständlichkeit

  • Lebhaftigkeit
  • Überraschung, Unerwartetheit
  • Spannung
  • anziehende Themen: Sex, Macht. Tod
  • Emotionalität
  • Bilder
  • die Stimme des Autors
  • Zusammenhang
  • leichte Verständlichkeit
  • Vorwissen / Familiarität
  • Konkretheit
  • Einbeziehung des Leser
  • Sinn, Bedeutung des Inhalts / Wichtigkeit
  • einfache Sprache
  • Identifikation von Charakteren

 

 Empfehlungen:

s. How to write for the Web www.useit.com/papers/werbwriting/writing.html

Die Bedeutung des Kontexts für das Verständnis

Jeder Mensch hat ein eigenes konzeptionelles Modell, er liest die Texte nach der eigenen Vorliebe aus, interpretiert sie nach den eigenen Vorkenntnissen und wertet sie auf Grund der persönlichen Werthaltung aus. Es ist also der Leser der dem Text den Sinn gibt und nicht der Autor. Je geschickter der Autor, desto besser kann er die Interpretation in eine bestimmte Richtung lenken. Vollständig bestimmen jedoch kann er sie nicht. Dokumente sind zudem nicht unabhängige, allein stehende Inhalte. Sie hängen ab vom Vorverständnis, vom vorhandenen Wissen, von Kritiken, Antworten, Interpretationen – also von einem ganzen „Ökosystem“ an Con-Text.

Das Schaffen von Sinn ist also eine komplexe Aufgabe. Notizen am Rand eines Artikels sind Spuren der Auseinandersetzung des Lesers mit dem Text. Hier ist das Internet dem gedruckten Text unterlegen, sofern der Nutzer nicht planvoll seine Bookmarks organisiert und für Notizen ein Textprogramm (notepad z.B.) benutzt.) Der Leser muss bei seiner Interpretation,  das Verständnis, das ihm aus seiner Perspektive sinnvoll erscheint, mit dem Verständnis abgleichen, welches ihm der Schreiber nahe legen will. Ist der Unterschied zu gross, gilt es herauszufinden, ob die eigenen Informationen, auf denen sich die Interpretation stützt, zu ergänzen oder zu korrigieren wären - oder, was genau so gut möglich ist, ob der betrachtete Text eine zu einseitige Position bezieht oder eine zu enge Perspektive beschreibt.

Wer an die Öffentlichkeit tritt,

hat keine Nachsicht zu erwarten

 und keine zu fordern.

M. von Ebner-Eschenbach

Ein geschickt  geführter Dialog kann den Leser dazu bringen, eine andere Perspektive zu erkennen, ev. anzuerkennen. Eine auf Biegen und Brechen verteidigte Meinung kann das nur äusserst selten. Ein Dialog  kommt nur zustande, wenn der Leser gewillt bleibt, auf die präsentierte Meinung einzugehen, den Standpunkt wahrzunehmen und sich darauf einzulassen.

Allerdings ist zu bemerken, dass eine klare und gut gestaltete Präsentation langweiliger Inhalte nicht geeignet ist, Interesse zu wecken. Aber das dürfte kaum ein Problem sein, denn jeder Mensch hat eigentlich  interessante Geschichten zu erzählen. Falls Sie diese nicht finden, Hewww hilft Ihnen dabei.

Text als Grundbedingung jeden Wissensmanagements

Wenn Sie selbst den Aufwand nicht betreiben können oder wollen, um über interessante Texte auf Ihre Site aufmerksam zu machen, so sollten Sie sich bei andern gut besuchten Seiten anhängen, um Besucher von dorther auf Ihre Seite zu leiten:

Angebot von Brainworker-Diskussionsforen s. Bannerwerbung

Wissensmanagement umfasst folgende Prozesse:

Sämtliche hier erwähnten Verarbeitungsschritte basieren im Normalfall auf Texten - und nahezu alle Wissensarbeiter haben zumindest eine rudimentäre Erfahrung im Schreiben von Artikeln- und seien dies nur die Hausarbeiten und die Diplomarbeit ihrer professionellen Ausbildung. Sie wissen also, dass es in einem Artikel um eine basale Routine des Wissensmanagements geht, nämlich darum, eine (normalerweise) individuelle Lernerfahrung, Erkenntnis, Idee, Expertise, Überlegung, Reflexion etc. in eine bestimmte Form zu bringen. Diese Form hat folgende Merkmale:

  1. Der Autor muss eine Lernerfahrung machen, eine Idee haben, eine Konzeption entwerfen, eine Einsicht haben etc., also Wissen generieren.

  2. Der Autor muss sich selbst seine Expertise so klar machen (im Sinne von: vor Augen führen, vergegenständlichen, vorstellen), d.h. explizieren, dass er sie schriftlich formulieren kann.

  3. Er muss sein Wissen so ausdrücken, dass andere das Geschriebene lesen können, das heisst nachvollziehen und verstehen können.

  4. Er muss seinen Artikel öffentlich machen, d.h. publizieren, ihn also einem interessierten Publikum zugänglich machen.

  5. Der Erfolg des Artikels bemisst sich daran, von welchen und von wie vielen Personen er gelesen und genutzt wird.

  6. Ein geschriebener, publizierter und gelesener Artikel steht nicht allein, sondern ist Element eines kontinuierlichen Prozesses der Umwälzung und Revision von Wissen, weil seine Nutzung Anlass zu Kritik, Erweiterung, Nachfragen und neuen Anregungen gibt.

Voraussetzungen zum Erfolg, also zur Wirksamkeit der Präsentation

  1. Webdesign bedingt:
    1. Sachkenntnis
    2. Beherrschung der Sprache
    3. Verständnis für Design
    4. Beherrschung der Web-Technik

    ... in präzise dieser Reihenfolge.

    Wer etwas darstellen will, muss die Sache selbst beherrschen. Nur wer einen Vorgang genau kennt, wer einen Zusammenhang auseinander nehmen kann, wer eine bildliche Darstellung selbst mit Symbolik verstanden hat, kann sie sprachlich übermitteln, vormachen oder vorführend verdeutlichen.
  2. Wer etwas darstellen will, muss in der Lage sein, dies vor anderen wirkungsvoll zu tun.
  3. Wer etwas erfolgreich darstellen will, muss didaktisch vorgehen: Schülerorientiert, sachgemäss, situationsangemessen.

Grundbedingung für jedes Lernen ist die Motivation. Dazu muss ein Beitrag erst einmal wargenommen werden. Dazu dienen aufmerksamkeitsfördernde Methoden der Präsentation, wie

[Bönsch, M; Kaiser, A.: Unterrichtsmethoden – Kreativ und vielfältig. Basiswissen Pädagogik. Unterrichtskonzepte und –techniken. Band 4. Schneider Verlag Hohengehren. 2002]

Während das Internet absolut nichts zu bieten hat in den wichtigen Bereichen subjektives Erleben, Sinneserfahrung, Eigenaktivität und Originalbegegnung, hat es ein enormes Potential was Belebung und Modellbildung betrifft.

Was das Grundelement, den Text betrifft, so ist das Minimum an Text für Wissensvermittlung der Mikroartikel, ein Hypbrid aus Kleinkartei und Artikel. Dieser hält das gelöste Problem und die sich daraus ergebende Lernerfahrung, den Kern der zu vermittelnden Expertise, schriftlich fest, auf einer halben oder maximal einer Seite:

Entscheidend ist, dass ein Austausch in Form des wechselseitigen Lesens, Nutzens und Kommentierens der eingegebenen Mikroartikel in Gang kommt. In diesem Austausch liegt der eigentliche Sinn des Publizierens von Mikroartikeln.

Ø      Erfahrungskontext beschreiben und mittransportieren, auf dem eine bestimmte Expertise gründet. Also nicht Daten, sondern Problem, zu dessen Lösung er beiträgt, Fall, für dessen Behandlung er Vorschläge macht, kontextuelle Beobachtung, die zu neuen Fragen führt.

Ø      Stichworte, Indexierung: Kompakte Bezeichnung des Problems oder Lernanlasses

Ebenfalls geeignet als Grundlage für Wissensmanagement sind Lerngeschichten (story telling), in denen Projekte detailliert aufgearbeitet werden. Diese sollten möglichst viele Perspektiven enthalten, z.B. diejenige der beteiligten Forscher und Berater, ev. auch eines Schriftstellers. Um eine Story als Wissensgrundlage nutzbar zu machen, müsste sie allerdings als systemisch integrierte Story verfasst sein, also nebst Sachwissen auch über Aspekte der Macht, der Interessen, der Zielgruppe, der Ökonomie, Politik und insbesondere der  lokalen Rationalität (common sense) Auskunft geben. Umfangreiche Originalzitate sind erwünscht und machen das Dokument authentischer. Diese Lerngeschichten lasse sich durch Vergemeinschaftungs-Workshops als Lehrmaterial nutzen.

Martin Herzog, Dipl. Ing. ETH, Rheinfelden. 27.03.03

Den Satz: Entscheidend ist, dass ein Austausch in Form des wechselseitigen Lesens, Nutzens und Kommentierens der eingegebenen Mikroartikel in Gang kommt. In diesem Austausch liegt der eigentliche Sinn des Publizierens von Mikroartikeln - können wir nun 3 Jahre später wieder aufnehmen, ergänzen und generalisieren:

Entscheidend ist, dass ein Austausch in Form des wechselseitigen Lesens, Nutzens und Kommentierens von Beiträgen, sei es als html oder als pdf,  in Gang kommt. In diesem Austausch liegt der eigentliche Sinn des Publizierens.

Ich schlage darum als generelle Struktur vor, und werde diese selbst gleich als Design für meine Beiträge übernehmen:

Dem entspricht eigentlich, in ganz banaler Form, die die meisten Webdesigner schlichtweg auf die Palme bringt, "link- und webführungspsychologisch" aber eben so optimal ist wie für die Präsenz und Prominenz in und bei Suchmaschinen:

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