Adam Smith: Theorie der ethischen Gefühle

[Walter Eckstein. ... Meiner: Adam Smith: Theorie der ethischen Gefühle. Philosophische Bibliothek. Hamburg 1994]

Nach Adam Smith wäre der Wohlstand dazu da, Menschen glücklich zu machen -
keinesfalls ist es aber Aufgabe des Menschen, sich für den Wohlstand zu Tode zu arbeiten. [mh]

Adam Smith war Professor für Logik, Rhetorik, Kritik und Moral. Aus dieser Tätigkeit entstand auch sein erstes Werk, eben die Theorie der ethischen Gefühle.

Das Werk blieb nicht unbeachtet und weitgehend unbekannt, a) sicher auch weil man ihn auf Oekonomie reduzieren wollte und den Widerspruch nicht ertrug (obwohl das zu gewissen Zeiten einen Teil beigetragen haben mag. S. Das Adam-Smith-Problem), b) aber auch "Reichtum" neu war, ein erstes wirklich ökonomisches Lehrbuch, die "Theorie" jedoch bereits damals eigentlich veraltet mit ihrem rein deskriptiv-empirischen Psychologismus.

Gerade aber weil Smith und seine Zeitgenossen noch ein ganz anderes Denkgerüst hatten als wir, ohne Psychologie und Soziologie, ist es um so wichtiger zu verstehen, wie sie ihre Argumente begründet haben, was wirklich Inhalt und Absicht der Theorie war.

1. Erster Grundsatz: Der Mensch ist zum Handeln geschaffen

Der Mensch ist zum Handeln geschaffen und ist dazu bestimmt, durch die Betätigung seiner Fähigkeiten solche Veränderungen in den äusseren Verhältnissen, die ihn selbst oder andere Personen betreffen, herbeizuführen, wie sie für die Glückseligkeit aller am günstigsten scheinen mögen. Er darf sich nicht bei einem lässigen, untätigen Wohlwollen beruhigen, noch sich einbilden, dass er darum schon ein Menschenfreund sei, weil er in seinem Herzen für die Wohlfahrt der Welt alle guten Wünsche hegt. Damit er vielmehr die ganze Kraft seiner Seele aufbiete und jeden Nerv anstrenge, um die Zwecke zu verwirklichen, die zu fördern die Bestimmung seines Daseins ist, darum hat die Natur ihm die Lehre gegeben, dass weder er selbst noch die übrigen Menschen mit seinem Betragen zufrieden sein, noch diesem vollen Beifall gewähren können, solange er nicht tatsächlich jene Zwecke verwirklicht hat. Sie lässt ihn wissen, dass der Ruhm guter Absicht ohne das Verdienst guter Handlungen nur wenig dazu helfen wird, den lauten Beifall der Welt hervorzurufen, oder auch nur den höchsten Grad der Selbstbilligung zu erwecken.

Kurz gefasst:

Es gibt nichts Gutes, ausser man tut es.

Dies gilt aber nicht nur aus ethischen Gründen, sondern genau so aus psychologischen. Niemand kennt Wünsche, Bedürfnisse, Fähigkeiten der Person besser, als das Individuum selbst: Nach Epikur sind körperliche Lust und Unlust die einzigen Gegenstände, auf welche sich in letzter Linie unsere natürliche Zuneigung und Abneigung richtet. [S. 491] - was mit modernen Erkenntnissen der hormonellen Steuerung im Gehirn absolut übereinstimmt. Das Individuum ist also jeweils das erste, oft das einzige, das sich darum kümmern muss. Der Mensch ist frei, er ist nicht dazu geboren, lebenslänglich nach Vorschriften zu handeln, Vorschriften der Eltern, Vorschriften der Schule, Vorschriften der Kirche, Vorschriften des Staates, whatsoever. Er hat seinen eigenen Zweck, sein eigenes Ziel. So hat Smith auch ganz klar formuliert, dass der Lebensplan, das eigene Lebensziel wichtiger sei als der Profit.Manchmal widerspricht er sich auch ein bisschen, z.B. dort wo er am Anfang des Buches erwähnt, dass Sicherheit immer prioritär sei und niemand diese leichtfertig aufopfere - aber am Ende des selben Buches jedoch die Oekonomie als Spiel darstellt.

Für Smith waren die zwei Gebiete Wirtschaft und Ethik klar getrennt: Die Sympathie hat ihr eigenes Reich, das der Moral, während in der wirtschaftlichen Welt der Nutzen herrscht.Seine Sympathien galten allerdings den "arbeitenden Armen", die durch fehlendes, ja verbotenes Koalitionsrecht in Verhandlungen mit den Arbeitgebern immer auf der schwächeren Seite standen.

Die Aufgabe des Staates sah er nur im Schutz vor Störungen der Glückssuche:

Das Glück eines anderen zerstören, nur weil es unserem eigenen im Wege steht, ihm zu nehmen, was ihm wirklich nützlich ist, nur weil es für uns ebenso nützlich oder noch nützlicher sein kann, das wird kein unparteiischer Zuschauer gutheissen können. [S. 122] Smith setzt hier also dem Wettbewerb ganz klare Grenzen.

Die Weisheit eines jeden Staates oder Gemeinwesens strebt so gut sie kann, die Gesellschaftsgewalt (nicht Staatsgewalt!) dazu zu verwenden, um diejenigen, welche ihrer Autorität unterworfen sind, davon zurückzuhalten, die Glückseligkeit der anderen zu verletzen oder zu stören. [S. 370]

2. Fundament der Wirtschaft ist der Nutzen

Dieser wurde und wird enorm gefördert durch Arbeitsteilung, Interessenharmonie, Unabhängigkeit von persönlichen Gefühlen für oder gegen "Kunden" - dies der Hauptgrund, warum Smith den Markt eigentlich als höchst soziale Organisationsform ansieht:

Die Vervollkommnung der Verwaltung, die Ausbreitung des Handels und der Manufaktur sind grosse und hochwichtige Angelegenheiten. Die Betrachtung derselben macht uns deshalb Vergnügen und es ist uns an allem, was dazu dienen kann, sie zu heben, viel gelegen. Sie bilden einen Teil des grossen Systems der Regierung und die Räder der Staatsmaschine scheinen mit ihrer Hilfe sich in grösserer Harmonie und mit grösserer Leichtigkeit zu bewegen. Es macht uns Vergnügen, die Vervollkommnung eines so schönen und grossartigen Systems zu betrachten und wir sind nicht ruhig, bis wir jedes Hindernis, das auch nur im mindesten die Regelmässigkeit seiner Bewegungen stören oder hemmen kann, beseitigt haben. [S. 318]

Smith beschreibt hier den Markt quasi als eben so wohltätiges System, wie wir heute die Umwelt beschreiben - mit all ihren Um-Brüchen und Unwettern.

Er (der Mensch, der solches hört) wird - wenigstens in diesem Augenblicke - ein gewisses Verlangen in sich fühlen, jene Hindernisse zu beseitigen und eine so schöne und wohlgeordnete Maschine in Gang zu bringen. [S. 320]

Mannigfaltigkeit gefällt besser als Eintönigkeit. [S. 340] Es ist also nicht nur die Biodiversität nötig, sondern auch die Marktdiversität, die nicht durch den Staat, sondern durch Grossbetriebe und Rationalisierung bedroht ist.

3. Ethik als bewertendes Element des handelnden Menschen

3.1 Sympathie/Mitgefühl/Liebe ....

Mitgefühl prägt den Menschen (heute würden wir das, was Smith meint, zwar eher als Empathie denn als Sympathie bezeichnen). Wir tauschen in Gedanken den Platz mit dem Leidenden und empfinden, was er empfindet, spüren den Schmerz, Kummer, Not, die Folter, werden innerlich berührt.

Wenn andere nicht das Selbe fühlen wie wir (besser die Mehrheit), empfinden wir das als unschicklich, unangemessen. (Hier zeigt sich bereits ein Problem von Smith' Ethik die auf Massengefühl zu basieren scheint: Sie kann leicht zu Lynchjustiz führen, oder zu übertriebenen Rache- und Strafforderungen, die Sühne und Besserung nicht mehr als Ziel der Strafe sehen. Etwas das wir heute etwa in der Schweiz anhand verschiedener Volksbegehren sehen.

Masslosigkeit und Rohheit des Zorns erscheinen uns als verachtungswürdig. Zartheit des Gefühls, Schärfe des Verstandes und Selbstbeherrschung finden sich aber nicht überall, insbesondere nicht beim Pöbel (ein anderes, etwas despektierliches Wort für Masse, wie es von Smith verwendet wird).

In der Liebe jedoch findet sich eine starke Beimengung von Menschlichkeit, Edelmut, Güte, Freundschaft und Achtung, Affekte mit denen wir sympathisieren. Beim einen Geschlecht führt der Mangel zu Verderb und Schimpf, beim andern fast immer zu Untüchtigkeit zur Arbeit, Vernachlässigung der Pflichten, Verachtung jeden Ruhms, ja Gleichgültigkeit gegenüber dem guten Ruf.

Bevor wir für andere etwas fühlen können, müssen wir selbst uns einigermassen wohl befinden. [S. 350] Eine etwas weniger polemische und darum um so treffendere Version von Brechts: "Erst das Fressen, dann die Moral".

Notwendigkeit des gesunden Masses: Unsere Empfänglichkeit für die Vergnügungen, für die Unterhaltungen und Genüsse des menschlichen Lebens kann in gleicher Weise durch ihr Uebermass wie durch ihr Fehlen Anstoss erregen. [S. 415]

Problem der Perspektive: Bei unsern Gefährten beklagen wir uns zweifellos weit häufiger über zu grosse als über zu geringe Selbstachtung. [S. 416]

3.2 Ethische Bewertung durch den unparteiischen Zuschauer

Der unparteiische Zuschauer ist meines Erachtens eine geschicktere Abstraktion als Kants kategorischer Imperativ, da er deutlich macht, dass sich der Zuschauer erst von seiner Parteilichkeit befreien sollte, was ihm allerdings nie ganz gelingt - während dem sich Kants Nachfolger, ungeachtet der Probleme der Parteilichkeit, grad zum Gesetzgeber aufschwingen will, eine Seuche die das 19. und 20. Jahrhundert geprägt hat - und heute noch nicht erledigt ist.<Gebieten und Verbieten> scheint nicht nur Fundamentalisten jeglicher Art das höchste der Gefühle, sondern auch Politikern und Bürgern, um so mehr, je weniger sie selbst zu melden haben.

3.3 Bewertungsfaktoren sind Angemessenheit, Schicklichkeit, Wohlanständigkeit

3.4 Dominante Werte sind: Menschlichkeit, Gerechtigkeit, Edelmut, Gemeinsinn

Menschlichkeit, Gerechtigkeit, Edelmut und Gemeinsinn sind diejenigen Eigenschaften, die für die anderen am nützlichsten sind. [S. 326]

3.4.1 Individuell dominante Affekte sind Bescheidenheit und Mass, Ehrgeiz, Wohltätigkeit und Wohlwollen

Wohltätigkeit wird gelobt, ist aber frei, kann nicht erzwungen werden. Wer Hilfe in der Not verweigert, wird allerdings verurteilt, zumindest moralisch. Sein Fühlen, oder besser nicht Mit-Fühlen wird mit Hass und Verachtung bedacht.

Ehrgeiz und Bescheidenheit, Mass: Nichts ist für uns so kränkend, wie wenn wir gezwungen sind, unsere Notlage den Blicken der Allgemeinheit preiszugeben und dabei zu fühlen, dass, obwohl unsere Situation für die Augen aller Menschen offen daliegt, doch kein Sterblicher auch nur die Hälfte dessen fühlt, was wir leiden. Ja es kommt hauptsächlich von dieser Rücksicht auf die Gefühle der Menschen, dass wir den Reichtum anstreben, und dass wir der Armut zu entrinnen trachten. Denn welcher Absicht dient all die Mühseligkeit und all die lärmende Geschäftigkeit dieser Welt? Was ist der Endzweck von Habsucht und Ehrgeiz und der Jagd nach Reichtum, Macht und Vorrang? Ist es der, den natürlichen Bedürfnissen Genüge zu tun? Der Lohn des geringsten Arbeiters reicht aus, um diese zu befriedigen. [S. 71]

> Diese Bemerkungen sind wichtig, besonders der Schluss: Der Lohn des geringsten Arbeiters reicht um den natürlichen Bedürfnissen Genüge zu tun. Unser Wirtschaftsapparat dient also vor allem Luxus, Eitelkeit und Vergnügen (weshalb diejenigen, ziemlich vergessenen Ökonomen, die sich damit befasst haben, eigentlich immer aktueller werden: s. Literatur: Veblen, Sombart Luxus der Reichen: Wir kaufen etwas nicht, weil wir es schön oder nützlich finden, sondern weil sich unser Nachbar darüber ärgert, dass er es sich nicht leisten kann.

3.4.2 Soziale dominante Affekte sind Ehre, Zorn und Kummer

Am meisten geneigt sind wir, mit Kummer und Freude zu sympathisieren, allerdings nur mit grossem Kummer - und kleinen Freuden, ansonsten sich Verachtung und Neid melden. Glück bedarf deshalb der Mässigung im Genuss, und besonders im Ausdruck. (Bestes Beispiel dafür die verdrückten Presseäusserungen von Olympia- und andern Siegern: Ich kann es kaum fassen, es ist bla bla, ich muss erst in Ruhe blabla - wehe dem der sagen würde: He hört mal, jetzt hab ich 5 Jahre darauf trainiert, mir sonst fast nix gegönnt, jetzt hat's mit etwas Glück geklappt. Heureka. Heut bin ich Sieger! Der Beste, der Grösste, der Schönste. So was konnte sich nur Cassius Clay leisten (oder eben Abraracourcix. Bild aus: Le combat des chefs.). Was man heute zu hören kriegt tönt eher nach Entschuldigung dafür, dass man gesiegt hat.

Bei übertriebener Reaktion auf Ehrverletzung kann daraus allerdings Hass und Vergeltungsdrang entstehen. Bis zu einem gewissen Grad gehören auch solche asozialen Affekte zum Menschen, denn, entgegen den Forderungen der Bibel, achten wir niemanden, der alles mit sich geschehen lässt und sich nicht wehrt. Wir (im Norden müsste man wohl sagen) achten ihn allerdings um so höher, je geduldiger er Widerwärtigkeiten erträgt, nicht je schneller er zurückschlägt (wofür er Achtung erfährt in Stammesgesellschaften, also vor allem im Süden, wozu vor 30 Jahren z.B. auch noch Sizilien gehörte. Ähnlich im Südjemen bei den Stämmen des Jebel Houf im Südjemen, wo man sich nicht mit dem koranisch-alttestamentarischen "Auge um Auge" begnügte, nicht mal mit dem Doppelten, sondern dem Feind 3 für 1 androhte). Die heisere, ungestüme und misstönende Stimme des Zornes erfüllt uns, wenn wir sie von weitem hören, mit Furcht oder Abneigung. ... Kummer zieht uns nicht mit stärkerer Gewalt zu der Person hin, an der wir ihn beobachten und nimmt uns nicht stärker für sie ein, als diese Affekte - solange wir über ihre Ursache in Unkenntnis sind - unseren Unwillen erregen und uns von ihr abstossen. ... Freude, Kummer, Liebe, Bewunderung, Ergebenheit sind alles Gefühle, die ihrer Natur nach musikalisch sind. [S. 49].

Ehrgefühl oder die Absicht, unseren Rang und unsere Würde in der Gesellschaft aufrecht zu halten, sind der einzige Beweggrund, der die Auesserung dieses unangenehmen Affekts adeln kann. [S. 51]

> Auch hier eine interessante Stelle, die äusserst historisch zu verstehen ist. Der Rang war wichtig - so was wie "Menschenwürde" gab es noch kaum. Es war allerdings bereits im Entstehen, denn zumindest in England war Sklaverei zu der Zeit nicht mehr tolerierbar.

3.4.3 Problematische Haltungen sind Eitelkeit, Stolz

3.5 Bedingungen der Billigung

Angemessenheit - Unangemessenheit, Schicklichkeit - Unschicklichkeit, Wohlanständigkeit - Unanständigkeit - das waren die Werkzeuge der "unsichtbaren Hand, d.h. also öffentliche Kritik!

Aengtstlich darauf bedacht zu sein oder gar Ränke zu spinnen, um den Besitz eines einzigen Schillings zu erwerben oder zu behaupten, das würde den gewöhnlichen Geschäftsmann in der Achtung seiner Nachbarn herabsetzen. Mögen seine Verhältnisse noch so ärmlich sein, niemals darf sich in seinem Verhalten eine Bedachtnahme auf so geringfügige Dinge um ihrer selbst willen zeigen. Mag seine Lage auch die strengste Wirtschaftlichkeit und die sorgsamste Geschäftsbeflissenheit erfordern, so darf doch die Betätigung dieser Wirtschaftlichkeit oder Geschäftsbeflissenheit in jedem einzelnen Fall nicht so sehr aus der Rücksicht auf Erwerbung oder Behauptung hervorgehen, als vielmehr aus der Rücksicht auf die allgemeine Regel, die ihm mit äusserster Strenge eine solche Art des Verhaltens vorschreibt. .... Der eine ist um geringe Dinge um ihrer selbst willen ängstlich besorgt, der andere schenkt ihnen seine Aufmerksamkeit bloss infolge des Lebensplanes, den er sich selbst festgesetzt hat. [S. 263]

Noch deutlicher kann man es eigentlich kaum sagen. Smith wäre absolut der Letzte, der von irgend jemandem gefordert hätte, sein Leben nach dem Erwerb auszurichten, denn genau umgekehrt lag für ihn die Sache: Wirtschaften und Wirtschaftlichkeit als notwendiges Mittel, ja Uebel - nicht aber als Lebenszweck! Solche Scherze wie sie heute geboten werden und die etwa lauten: Länger, mehr und härter arbeiten für mehr Wohlstand, sind bei Smith nirgends zu finden, denn die grösste Tugend war für ihn die Gerechtigkeit.

Billigung auf Grund von Selbstliebe, Vernunft oder Gefühl:

  1. Nach der Ansicht der einen billigen und missbilligen wir unsre eigenen Handlungen und die Handlungen anderer nur aus Selbstliebe oder von dem Gesichtspunkt aus, ob sie die Tendenz haben, unser Glück zu fördern oder zu unserem Missgeschick beizutragen;
  2. nach der Ansicht anderer ist es die Vernunft, dasselbe Vermögen, vermittels dessen wir zwischen Wahrheit und Falschheit unterscheiden, die uns auch fähig macht, zwischen demjenigen zu unterscheiden, was an unseren Handlungen und Neigungen angemessen und dem, was an ihnen unangemessen ist;
  3. nach der Ansicht der dritten Gruppe ist diese Unterscheidung durchaus die Wirkung einer unmittelbaren Empfindung und eines unmittelbaren Gefühles und entspringt aus der Befriedigung oder Abneigung, mit welcher die Betrachtung gewisser Handlungen oder Neigungen uns erfüllt. [S. 524]

Massstäbe der moralischen Selbstbeurteilung:

Wenn wir unsere eigenen Verdienste abschätzen, wenn wir über unseren Charakter und unser Verhalten urteilen wollen, haben wir zweierlei Masstäbe, mit welchen wir sie natürlicherweise vergleichen. Der eine ist die Vorstellung genauer sittlicher Richtigkeit und Vollkommenheit, soweit jeder einzelne von uns eben fähig ist, diese Vorstellung überhaupt zu fassen. Der andere Masstab ist jener Grad der Annäherung an diese Vorstellung, der gewöhnlich in der Welt erreicht wird, und welchen die Mehrzahl unserer Freunde und Gefährten erreicht haben mögen.

Der Weise und Tugendhafte wird seine Aufmerksamkeit hauptsächlich auf den ersten Masstab lenken. ... Er bemüht sich, so gut er kann, seinen eigenen Charakter diesem Urbild der Vollkommenheit ähnlich zu machen. [S. 417]

Wir sehen aus beiden Ansätzen, der Begründung der Billigung wie der moralischen Selbstbeurteilung, dass hier die Rücksicht auf die Gesellschaft vielleicht etwas zu sehr davon abhängt, dass das Individuum noch in die Gesellschaft eingefügt ist, auch von ihr abhängig ist, was damals sicherlich noch ganz massiv der Fall war, heute jedoch nicht mehr. Wenn Smith also etwas fahrlässiger mit den Staatsfunktionen umgehen konnte als wir heute, so liegt das eben auch am Zerfall gesellschaftlicher Strukturen, ja gesellschaftlicher Zwänge, denn auch jedes Gesetz ist ein Zwang. Wir haben aber immerhin die Chance, die Zwänge danach zu bewerten, wie notwendig und sinnvoll sie sind. Und diese Freiheit dürfen wir uns nie nehmen lassen, gerade nicht, wenn der Zwang Sachzwang heisst.

3.6 Hierarchie der Bedeutung sozialer Relationen

  1. das Selbst, Ich, die Freiheit
  2. Du
  3. Familie
  4. die Andern: Nachbarn
    1. Gesellschaft
    2. - fremde Völker

Jeder Mensch ist, wie die Stoiker zu sagen pflegten, in erster Linie und hauptsächlich seiner eigenen Obsorge empfohlen; und sicherlich ist jeder Mensch in jeder Beziehung geschickter und geeigneter, für sich selbst zu sorgen als für irgendeinen anderen. Jeder fühlt seine eigene Lust und Unlust lebhafter als die eines anderen. ...

Die Mitglieder seiner eigenen Familie, diejenigen, die gewöhnlich mit ihm im gleichen Hause leben, seine Eltern, seine Kinder, seine Geschwister, das sind, zunächst nach seiner eigenen Person, diejenigen Menschen, auf die sich wärmste Zuneigung richtet.

Im natürlichen Lauf der Dinge hängt, wie bereits bemerkt wurde, die Existenz des Kindes während einer gewissen Zeit, nachdem es zur Welt gekommen ist, ganz und gar von de Obsorge der Eltern ab.

Nachbarn können einander sehr förderlich sein und sie können eineinander sehr zur Last fallen. [.380]

Parteien entscheiden nach Mehrheit, womit der neutrale Beobachter häufig zum Schweigen gebracht wird,wo die "betroffene" Masse wütend eifert. Wo Interessen vertreten werden (oft auch zertrampelt), ist der neutrale Beobachter in weiter Ferne. Auch dort wo die Selbstliebe den eigenen Standort unmässig vergrössert, den Blick auf die Anderen verbirgt, ist keine Neutralität möglich. Sittlichkeit beruht dennoch zumeist darauf, dass unser stärkstes Verlange nach Liebe, Bewunderung und Dankbarkeit strebt.

So verlieh die Religion sogar in ihrer rohesten Form den Gesetzen der Sittlichkeit ein höheres Ansehen, lange bevor das Zeitalter bewussten Nachdenkens und Philosophierens angebrochen war. [S. 248]

Was allerdings die Religion angeht, so ist Smith nicht immer so positiv. Offenbar gab es zu seiner Zeit eine ganze Menge an religiöser Hetze, ohne dass dabei auch nur ein einziger Moslem beteiligt war. Davon mehr im Artikel zu wealth.

Die Liebe zu unsrem eigenen Volke macht uns oft geneigt, das Wohlergehen und das Wachstum eines anderen, benachbarten Volkes mit einer äusserst böswilligen Eifersucht und mit starkem Neid zu betrachten. ... Jede Nation sieht in der wachsenden Macht und Vergrösserung eines ihrer Nachbarn ihre eigene Unterjochung voraus oder bildet sich doch ein, dieselbe vorauszusehen. [S. 388]

Denn das sind die wahrhaften Fortschritte der Welt, in der wir leben (Entwicklung von Ackerbau, Häfen, Manufakturen, Handel, Sicherheit, Künste, Wissenschaften). Durch sie wird die Menschheit gefördert, die menschliche Natur veredelt. In solchen Fortschritten sollte nicht nur jede Nation sich auszuzeichnen trachten, sondern aus Liebe zur Menschheit sollte sie sich bemühen, hervorragende Leistungen ihrer Nachbarn auf diesem Gebiete zu fördern, anstatt ihnen entgegenzuarbeiten. Das alles sollen Gegenstände des Wetteifers der Nationen, nicht aber ihres Vorteils oder Neides sein. [S. 389]

Auch hier wieder eine deutliche und klare Darstellung dessen, was Smith mit Wettbewerb meint. Auf jeden Fall kein Wettbewerb um andere zu übervorteilen, in Bedrängnis zu bringen, sondern ein Wettbewerb darum, wer die Welt besser macht, mehr bereichert.

4. Das Leben als Spiel, nicht als Plan: Die Bedeutung der "Sportlichkeit" im Wettbewerb

Es scheint, dass die Stoiker das menschliche Leben als ein Spiel betrachtet haben, in dem es auf grosse Geschicklichkeit ankommt, in dem jedoch auch der Zufall mitwirkt oder das, was man eben gemeinhin unter Zufall versteht. In solchen Spielen ist der Einsatz gewöhnlich eine Kleinigkeit und das ganze Vergnügen des Spieles entspringt daraus, dass man gut spielt, anständig spielt und geschickt spielt. Wenn der gute Spieler trotz aller seiner Geschicklichkeit dennoch durch den Einfluss des Zufalls etwa verlieren sollte, dann soll der Verlust ihm eher ein Anlass zur Heiterkeit sein als zu ernsthaftem Kummer. Er hat den falschen Zug gemacht, er hat nichts getan, dessen er sich schämen müsste, er hat das Vergnügen des Spieles vollständig genossen. [S. 467]

Ein weitere interessante Perspektive, die uns sehr vertraut vorkommt, gerade mit der heutigen Dominanz äusserst seltsamer Glückspiele an der Börse. Was heute leider nicht mehr zutrifft ist de Charakter des Harmlosen und Vergnüglichen, denn es geht zunehmend um die Existenz, und statt spielerischem Vergnügen wird ernsthaftes Training schon für Kleinkinder gefordert. Hier haben wir Smith' Konzept vollständig missverstanden - und verbogen:

Unsere eifrige Sorge sollte nicht auf den Einsatz, sondern einzig und allein auf die richtige Art des Spielens gerichtet sein. Wenn wir unser Glück auf den Gewinn des Einsatzes einstellen, dann setzen wir es in etwas, was von Ursachen abhängt, die über unsere Macht hinausgehen, und die ausserhalb unserer Verfügung stehen. Wir setzen uns damit notwendig beständiger Furcht und Unruhe und häufig auch kummervollen und kränkenden Enttäuschungen aus. [S. 468]

Smith hängt hier ohne Bruch an die Entwicklung der Wissenschaften im 17. JH an, dem Jahrhundert der Aufklärung. Waren für die Wissenschafter selbst, die Instrumente und Methoden Werkzeug zur Vertiefung des Wissens (na ja ... auch Wissenschaftler spielen gern, müssen das, sonst bleibt ihre Tätigkeit unfruchtbar, bloss dürfen sie es nie zugeben), so waren sie für das breite Volk Instrumente der Zerstreuung, des Vergnügens, des Spiels. Viele Wissenschaftler konnten ihre Tätigkeit gerade durch die "Massenproduktion" von solchen Geräten, speziell Fernrohren, Mikroskopen, Dampfmaschinen, Heißluftballon etc. erst eigentlich finanzieren.

Ein weiterer wichtiger Punkt: Laut Smith herrschte damals eindeutig der Zufall im Handel, nicht wissenschaftlich fundierte Taktik und Strategie. Die Mittel, den Markt selbst zu beeinflussen waren gering- Es gab kaum PR. Viele der Möglichkeiten wurden aber nach und nach erkannt, und damit zum betriebswirtshaftlichen must, gleichzeitig aber auch zum volkswirtschaftlichen Problem (s. Dominanz der Betriebswirtschaft, speziell economy of scale / weitere Mittel der Marktbeherrschung, wie sie vom Liberalismus eines Smith nicht vorgesehen waren. Dass die Neoliberalen hier anderer Meinung sind, zeigt sich eben auch darin, dass ihr Wirtschaftssystem zum Herrschaftssystem wird, das ausschliesst statt zu integrieren).

Wem's von einer wohlgeordneten Wirtschaft träumt, die weder Arbeitslosigkeit noch Ungerechtigkeit, weder Überschuss noch Mangel verursacht, der mag ihn hier verfluchen. Nützt aber nix, denn auch die Evolution ging und geht recht spielerisch vor. Der tödliche Ernst von Religion und Wissenschaft mochte daran nie etwas zu ändern.

5. Klugheit als Lösung!?

Wir leiden ..., mehr, wenn wir aus einer besseren in eine schlechtere Lebenslage herabsinken, als wir uns jemals freuen würden, wenn wir aus einer schlechteren in eine bessere aufsteigen. Darum ist Sicherheit das erste und hauptsächlichste Ziel der Klugheit. Sie ist immer dagegen, dass wir unsere Gesundheit, unser Vermögen, unsren Rang oder unser Ansehen irgendeiner Art von Zufall oder Gefahr aussetzen, eifrig darauf bedacht, uns die Vorteile zu erhalten, die wir bereits besitzen, als uns zum Erwerb neuer, noch grösserer Vorteile anzuspornen. Die Wege, die sie uns in erster Linie empfiehlt, um unsere Lage zu verbessern, sind solche, die uns keinem Verlust oder Zufall aussetzen: wirkliches Wissen und Geschicklichkeit und Fleiss in unserem Gewerbe oder Beruf, Emsigkeit und Fleiss in dessen Ausübung, Sparsamkeit selbst eine gewisse Kargheit in allen unseren Ausgaben. [S. 362]

Nachtigall, ik hör dir trapsen ... Auch das sind die wohlfeilen Sprüche die heute zur Rettung der Wirtschaft verbreitet werden. Alles für Produktion und Handel - wobei die Frage leicht vergessen geht: Wozu Produktion und Handel? ... wenn nicht für den Konsum. Wer also zwar produziert auf Deibel komm raus - aber öffentlich Sparsamkeit als höchste Tugend lobt, ist ein ökonomischer Scherzkeks.

In die Stärke, Feinheit und Vollkommenheit des herrschenden Prinzipes wurde von Plato die wichtige Tugend der Klugheit gesetzt, die seiner Ansicht nach in einer richtigen und klaren, auf allgemeine und wissenschaftliche Vorstellungen gegründete Erkenntnis der Zwecke besteht, welche schicklicherweise angestrebt werden sollten, und in der Erkenntnis der Mittel, die zur Erreichung dieser Zwecke die schicklichen und richtigen sind. [S. 452]

Hier nun haben wir definitiv den Unterschied damaliger Anschauung, generell, mit heutiger. Seit den Positivisten (und vor allem Max Weber, auch wenn der keiner war) ist Wissenschaft ganz allgemein nicht mehr für Werte zuständig, also für Ziele und Zwecke, sondern ganz alleine für Kausalitäten, allenfalls in begrenztem Rahmen für die Auswirkungen der causa finalis, der Ziele, des Strebens, auf die Psyche und die Gesellschaft, nicht aber für die Wahl derselben. Genau aus diesem Grunde konnte die Wirtschaft derart unabhängig von jeglicher Bewertung ausserhalb der buchalterischen werden, und Geldvermehrung als einziges Ziel postulieren. Mässigkeit, die zur Harmonie der Seele führt, Gerechtigkeit, die zur Harmonie der Gesellschaft führt, wurden exkommuniziert.

Smith hinterlässt uns mit seinem Werk also nicht bloss ein Lob der heeren Marktwirtschaft - sondern auch die Lösung der Probleme, die dabei entstehen, wenn man ein komplexes System lenken will, und dies eben unabhängig davon ob die Lenkung politischer oder betriebs- oder volks- oder finanzwirtschaftlicher Art ist:

Auch die Wirtschaft steht heute in diesem Problemkreis, der nicht nur die Gesellschaft angeht (s. Risikogesellschaft, 2. Moderne, reflexive Moderne), der nicht durch politische Massnahmen (allein) gelöst werden kann, sondern der eine bessere Kooperation von Wirtschaft mit Volk und Politik verlangt. Vielleicht ist diesmal das neue Konzept der SP-Schweiz ja doch richtungsweisend. (Na ja, stimmt leider nicht ganz, denn zusammenfassen könnte man den Inhalt des Dokuments etwa so: Es soll schön war und kalt und wohltemperiert sein - gleichzeitig. Also z.B. Die Schweiz soll Führend sein in Spitzentechnologie - damit man daran gut verdient - diese aber gratis an benachteiligte Nationen abgeben. / Die Geldpolitik der Schweizerischen Nationalbank muss nebst der Preisstabilität auch die konjunkturelle Entwicklung sowie im Interesse des Werkplatzes auch den Wechselkurs gebührend berücksichtigen.) s. laufende Diskussion am Wissenscafe Basel.

Zusammenfassung der wichtigsten Punkte:

Der Mensch ist zum Handeln geschaffen. Er muss tätig werden, wenn er wirklich Gutes bewirken will.

Der Mensch reagiert primär auf Lust und Unlust. Diese Theorie von Epikur wird vollauf bestätigt durch die moderne Wissenschaft der hormonellen Steuerung durch den Nucleus accumbens

Für Smith waren die zwei Gebiete Wirtschaft und Ethik klar getrennt: Die Sympathie hat ihr eigenes Reich, das der Moral, während in der wirtschaftlichen Welt der Nutzen herrscht:

Fundament der Wirtschaft ist der Nutzen

Dieser wurde und wird enorm gefördert durch Arbeitsteilung, Interessenharmonie, Unabhängigkeit von persönlichen Gefühlen für oder gegen "Kunden" - dies der Hauptgrund, warum Smith den Markt eigentlich als höchst soziale Organisationsform ansieht.

Positive Gefühle sind: Sympathie, Mitgefühl, Liebe / Angemessenheit, Schicklichkeit, Wohlanständigkeit / Menschlichkeit, Gerechtigkeit, Edelmut, Gemeinsinn / Bescheidenheit und Mass, Ehrgeiz, Wohltätigkeit und Wohlwollen.

Negative Gefühle sind: Zorn,

Sozial dominante Affekte sind: Ehre, Zorn und Kummer / Geschlechtstrieb /

Der Schluss der Weisheit: Notwendigkeit des gesunden Masses:

Bedingungen der Billigung sind: Rücksicht auf die Gesellschaft

  • Individuell: Selbstliebe, Vernunft oder Gefühl
  • Gesellschaftlich: Angemessenheit - Unangemessenheit, Schicklichkeit - Unschicklichkeit, Wohlanständigkeit - Unanständigkeit - das waren die Werkzeuge der "unsichtbaren Hand, d.h. also öffentliche Kritik!

Allerdings gibt es eine Hierarchie der Bedeutung sozialer Beziehungen:

  1. das Selbst, Ich, die Freiheit: Zuerst muss der Mensch sich selbst kennen und in der Lage sein, für sich selbst sorgen zu können.
  2. Du: Dann obliegt ihm die Sorge um seine Nächsten, seine Familie
  3. Familie
  4. die Andern: Nachbarn
    1. Gesellschaft
    2. fremde Völker: "Die Anderen" werden meist eher als Negativ gesehen, etwas, wovon man sich abgrenzt. Aber genau hier entscheidet sich, ob jemand als "menschlich" gelten kann oder bloss als "nachbarschaftlich" oder gar "familiär". Smith hatte hier eine echt kosmopolitische Haltung:
      Denn das sind die wahrhaften Fortschritte der Welt, in der wir leben (Entwicklung von Ackerbau, Häfen, Manufakturen, Handel, Sicherheit, Künste, Wissenschaften). Durch sie wird die Menschheit gefördert, die menschliche Natur veredelt. In solchen Fortschritten sollte nicht nur jede Nation sich auszuzeichnen trachten, sondern aus Liebe zur Menschheit sollte sie sich bemühen, hervorragende Leistungen ihrer Nachbarn auf diesem Gebiete zu fördern, anstatt ihnen entgegenzuarbeiten. Das alles sollen Gegenstände des Wetteifers der Nationen, nicht aber ihres Vorteils oder Neides sein. [S. 389]

"Die göttliche Hand" taucht bei Smith eigentlich prägnanter auf als Urteil des unparteiischen, neutralen Zuschauers. Der Unternehmer steht dauernd unter der Beobachtung durch die Gesellschaft und strengt sich folglich an (strengte sich, müsste man wohl sagen), den gesellschaftlichen Anforderungen gerecht zu werden.

Das Leben, insbesondere die Wirtschaft, sind ein Spiel: Es scheint, dass die Stoiker das menschliche Leben als ein Spiel betrachtet haben, in dem es auf grosse Geschicklichkeit ankommt, in dem jedoch auch der Zufall mitwirkt oder das, was man eben gemeinhin unter Zufall versteht. In solchen Spielen ist der Einsatz gewöhnlich eine Kleinigkeit und das ganze Vergnügen des Spieles entspringt daraus, dass man gut spielt, anständig spielt und geschickt spielt.

Der Kern des Problemes, das uns Smith mit seiner Idee des freien Marktes hinterlässt:

In die Stärke, Feinheit und Vollkommenheit des herrschenden Prinzipes wurde von Plato die wichtige Tugend der Klugheit gesetzt, die seiner Ansicht nach in einer richtigen und klaren, auf allgemeine und wissenschaftliche Vorstellungen gegründete Erkenntnis der Zwecke besteht, welche schicklicherweise angestrebt werden sollten, und in der Erkenntnis der Mittel, die zur Erreichung dieser Zwecke die schicklichen und richtigen sind. [S. 452]

Heute (seit dem Positivismus und Max Weber [Werturteilsstreit] ist es weder Sache der Wissenschaft, heute nicht mal mehr der Kirche, Werte zu begründen, also besetzte die Wirtschaft dieses Loch - mit materiellen Werten und Preisen.

Die Wirtschaft, so unabhängig von jeglicher Bewertung ausserhalb der buchalterischen, postulierte Geldvermehrung als einziges Ziel der Klugheit.

Mässigkeit, die zur Harmonie der Seele führt, Gerechtigkeit, die zur Harmonie der Gesellschaft führt, wurden von den Wirtschaftspäpsten exkommuniziert.

Martin Herzog, 10.4.2010