Web-Philosophie: Wahrheitssuche in intuitivem und anderem zerstreutem Wissen Kritik der zynischen Vernunft ... oder: Vom Wissen das dumm, und der Dummheit, die reich und mächtig, macht.
Wie liesse sich Politik auf Volkswissen statt auf Volksmeinung basieren?
Das Argument als Grundelement kommunikativer Rationalität - Politik als argumentativer Wettstreit um die bessere Lösung
Diagnose -Design - Systemtherapie: Planung und Management zwischen Sein und Sollen
Für eine vollständige Liste der philosophischen Beiträge bei Brainworker s. search
frei entwickelt nach: Historisches Wörterbuch der Philosophie.
Hrsg.: Ritter, Gründer, Gabriel. Schwabe Verlag Basel. 1960- (Bd. 12, W-Z, 2004)
.[Johannes Hirschberger: Geschichte der Philosophie. Altertum
und Mittelalter // Neuzeit und Gegenwart. Komet. Freiburg i.Br. irgendwann ...
Hirschberger ist weitgehend unbekannt, was vermutlich daran liegt, dass er
durchs Band praktisch allen Philosophen Monotheismus unterschiebt, sogar den
Vorsokratikern, obwohl a) die Griechen damals nicht im geringsten eine Neigung
zu bloss einem Gott hatten, und, vor allem, b) die Philosophie sich eben grad um
Dinge kümmern sollte, die Menschen verstehen und Denken können - nicht Götter.
Verständlich wird der Ansatz wenn man weiss, dass
Hirschberger
Theologe war.
Horst Poller: Die Philosophen und ihre Kerngedanken. Ein
geschichtlicher Überblick. Olzog. München. 2007. Ein ähnlicher Typ wie
Hirschberger. S. Kommentare ]
Die griechische Philosophie: Philosophie als Therapie /
Sophismus (2) /
Stoiker & Epikuräer / Sokrates
/ Kyniker / Aristoteles /
Platons Idealismus etcetc. Was (nicht nur) hier noch fehlt ist eine klare Aufteilung der Philosophie in praktische Philosophie (Ethik, Wirtschaftsethik), Philosophie als offenes Denken - und Philosophie als Denk-System (s. Web-Philosophie, Rhizom/Informion, Troglologie) also Theorie des Denkens, der Ueberprüfung von Wissen = theoretische Philosophie. Die Theorie des Denkens ist, wie das Wissen, heute in unzählige Disziplinen zersplittert und damit eben so stark (wissenschafts-)ideologisch wie von marktwirtschaftlicher Verwertungsideologie geprägt. Trotz, oder gerade wegen der enormen Leistungen der Fachwissenschaften auf ihrem jeweiligen begrenzten, engen Gebiet, bleibt der Philosophie die Aufgabe, die Uebersicht zu behalten. Die Denksysteme sind, gerade in ihrer methodisch bedingten Begrenztheit nur zu verstehen, wenn man, als Philosoph, nicht selbst einem eben so beschränkten Denksystem unterworfen, ja hörig bleibt. |
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Philosophie ist Liebe,
mh Philosophie ist die Entdeckung des Seins, und das Sein des Seins ist Wahrheit und Philosophie. Emmanuel Levinas |
Obwohl die griechische Philosophie im Ganzen als Philosophie bezeichnet wird, entstand der Begriff erst mit Platon (427-347 v.Chr). Die früheren ionischen "Philosophen" bezeichneten ihre Untersuchungen noch als Historie - oder Religion oder Mythologie, die oft einen Gehalt haben, den auch moderne Philosophie nicht überbieten kann (s. insbesondere das Gilgamesch-Epos). Etwa 600 bC begannen die lokalen Götter zu fusionieren, wurden zu Systemen, also zum Glauben.
Der wohl älteste, zumal bekannteste dieser Prozesse ist die Geschichte des Judentums. 1220 v.Chr. Auszug nach Aegypten, mit der Uebergabe der göttlichen Tafel mit den 10 Geboten am Berg Sinai. 40 Jahre später die Rückkehr. Teilung des Landes 925 v.Chr in ein Nordreich, Israel genannt (wurde 722 von den Assyrern erobert, die 30'000 Juden in die babylonische Gefangenschaft verschleppten (bis zur Eroberung Babylons durch den persischen König Kyros um 539 v.Chr - woraus man eigentlich eine etwas bessere Beziehung zu Persien erwarten dürfte ..), und ein Südreich Juda.
Zur selben Zeit lebte auch Zarathustra dort (628-551), der ein dualistisches System schuf: Ahura Mazda, Herr des Lebens und des Guten, stand Ahriman, Herr des Todes und des Bösen gegenüber
Ebenfalls zur
selben Zeit lebte im fernen China
Laotse (604-530), der mit dem
Tao-Te-King (sollten
Sie lesen, spricht für sich selbst), dem heiligen Buch vom Weg und der Tugend,
ebenfalls ein dualistisches System schuf, allerdings ein deutlich komplexeres
selbst als unser heutiges, das primär nach rechts-links, reich-arm,
liberal-sozial differenziert - dabei aber keine Mitte findet. Für Konfuzianer
ist weder das Gute noch das Böse etwas Wesenhaftes. Das
Böse ist ein, man höre, zu viel oder zu wenig des Guten, das Gute liegt in der
Mitte zwischen zu viel und zu wenig. (Präzise diesem Prinzip
entspricht der
Wertekompass.) Ba Gua etwa hat den Dualismus zu 8 Trigrammen erweitert, mit
denen allerdings heute weit weniger Philosophie als esotherischer Schabernack
getrieben wird. Dem Schöpferischen, dem Himmel, Licht, Festigkeit, männliches
Prinzip = Yang -
steht hier die Erde als das Empfangende, Schattige, weiche, weibliche Prinzip
Yin gegenüber. Diese Zeichen, wie auch die Symbole, speziell das Yin und
Yang, sind also quasi Karten die helfen sollen, die Welt zu verstehen, und nicht
Zauberformeln für magischen Schnickschnack. Allerdings entwickelte sich solcher
bereits früh, obwohl Konfuzius.selbst nichts von mystischen Betrachtungen hielt.
Bekannter noch als Laotse dürfte Kungtse alias Kung Kiu alias Kung Fu Dsi alias
Konfuzius (541-479) sein.
Der Kern seiner Lehre ist der Kulturschöpfer, der Edle, der hier nicht durch
Geburt oder Reichtum ein solcher wird, sondern durch Arbeit an sich selbst. Der
Konfuzianismus ist weit weniger reaktionär als man dies dem alten chinesischen
System der Mandarine zugeschrieben hat, deren erste Pflicht es eben war, die
alten, uralten, Schriften zu kennen. Dazu gehört insbesondere das
I Ging, das nun bereits auf
einen Hexagramm mit 64 Zeichen basiert. Pflicht eines Edlen (Weisen) ist etwa
die Wahrhaftigkeit, die sich in erster Linie durch Reinlichkeit in der
Richtigstellung der Namen auszeichnet, was heisst, dass er jeder Sache und jeder
menschliche Beziehung den Namen gibt, der ihr gebührt. Dies ist die Grundlage
aller sozialen Ordnung.
Tschuang Tsi (365-290), Gründer einer konfuzianischen, also daoistischen Schule, beschreibt die Welt als Welt unerträglicher Gegensätze. Die Meinungen sind verschieden, und es ist unmöglich, in dieser Welt der Gegensätze ein Kriterium zu finden, das absolut war wäre. Der einzige Weg ist also, sich darüber hinaus zu schwingen zu einer Identität jenseits von Erscheinungen, dahin, wo alles in seiner Relativität und wesentlichen Bedeutungslosigkeit klar wird.
Mong Ko / Mengzi / Menzius (370-290) war ebenfalls ein ziemlich praktischer Philosoph. Seiner Meinung nach braucht es keine höhere Magie um Ordnung in der Welt zu schaffen. Es genügt schon, wenn ein Fürst seine Leute nicht bedrückt, wenn er seiner liebevollen Gesinnung in solchen Gesetzen Ausdruck gibt, dass das Volk zu leben hat und sich rühren kann.
Buddhismus: Siddhartha Gautama (563-483) - Buddha: Die Denkkathegorien von Kausalität, Zeit, Raum, Materie, Substanz, Ich, Werden und Sein werden dialektisch aufgelöst und ein Punkt der Streitlosigkeit erreicht, der die Leere (ohne h, kein Schreibfehler) der Wirklichkeit durchschaut und sich von ihrem verstrickenden Einfluss löst. Buddha lehrt Befreiung durch Einsicht. Glückseligkeit ist weder hier noch in einem Jenseits möglich. Nur Friede ist möglich, nur die kühle Stille beendeter Sehnsucht. Der Sinn des Lebens liegt nicht in der Anhäufung materieller Güter, sondern im Gegenteil, in der Überwindung des Wunsches nach Besitztümern und der Auflösung der Persönlichkeit im alles umfassenden Nichts.
Wang Yang Ming 1472-1529) belebt das alte Gedankengut neu. Bewusstsein und Vernunftgesetz dürfen nie auseinander gerissen werden, da sonst die Einheit des Geistes verloren geht. Intuitives Erkennen soll den Weg durchs Leben weisen. (Wie weise, anhand der generellen Schizoidie der heutigen Gesellschaft)
Das Erkennen ist das Prinzip des Handelns, das Handeln ist die Verwirklichung des Erkennens. Erkennen ist der Beginn des Handelns, Handeln ist die Vollendung des Erkennens. Erkennen und Handeln lassen sich daher nicht trennen.
Yan Yüan & Si Dschai (1635-1705) bestätigen, dass es zwischen den Menschen zahllose Unterschiede gibt, in intellektueller wie willensmässiger Hinsicht, halten diese Unterschiede (wie übrigens die Schari'a, die sich also eigentlich nicht als Grundlage für irgend einen Totalitarismus eignet!) für gut. Das Böse liege nicht in Veranlagungen, sondern in schlechten Angewohnheiten und Verirrungen der Menschen. Sie wollen das Unterrichtswesen so reformieren, dass körperliche Ertüchtigung (Wagenfahren, Bogenschiessen) und Musik wie Künste das Bücherwissen ergänzt (was sie kaum Pestalozzi abgeschrieben haben dürfte, da dieser erst 1746-1827 lebte und wirkte). Auch sollte das Wissen nicht theoretisch bleiben, sondern durch Militärwesen, soziale und Wirtschaftswissenschaften wie Verwaltungskunde ergänzt werden. Dazu kam aber als Kernpunkt - die Wahrung der Persönlichkeit. Darin waren die beiden schon recht offen: In Wirklichkeit gehören gerade die Triebe und Gefühle zur ursprünglichen Wesensnatur des Menschen, so dass ihre Beseitigung nicht angeht. Die Triebe und Gefühle verlangen Befriedigung, sie sind aber an sich nicht böse. Wenn die Triebe sich nicht selbst sich äussern, so entsteht aus ihnen die Liebe, wenn sie nicht parteiisch sich äussern, die Gerechtigkeit, wenn die Gefühle das Richtige treffen, so entsteht die Harmonie. Es kommt also nicht darauf an, die Triebe und Gefühle zu unterdrücken, sondern sie naturgemäss zu entfalten. Naturgemäss entfaltet werden sie, wenn sie nicht durch Selbstsucht entstellt werden, sondern nach dem Gesetz der Gegenseitigkeit sich auswirken. Ebenso muss das Wissen gepflegt werden, das sich entfaltet, wenn es nicht durch Vorurteile verdunkeln will. Aeh .. tja ... ich hab so ein bisschen den Eindruck, dass man das heute vielleicht zweimal lesen sollte, in einer Zeit in der individuelles Sich-Durchsetzen am Markt über allem steht - und alles Wissen wie Urteilen sich ebenfalls nach diesem Markt richten.
Taosmus wie Buddhismus stehen unserer Geschäftigkeit und unserem Streben nach Wissen diametral gegenüber. Für Buddhisten und Taoisten ist Wissen immer eine Ganzheit - auch und gerade mit dem Tun. Es gibt also keine Praktiker und Theoretiker. Für beide ist Handeln primär ein Eingriff in eine wohlgeordnete Harmonie - stört also, zerstört oft. Handlung muss also ganz bewusst dort eingesetzt werden, wo sie unumgänglich ist. Die Geschäftigkeit, die Umweltverschmutzung, die Hetze im modernen fernen Osten zeigen allerdings, dass auch dort diese Prinzipien längst über Bord geworfen wurden.
[Richard Wilhelm: Chinesische Philosophie. marix verlag 2007 (Repr. von 1929)]
Die Welt erobern und behandeln wollen,
ich habe erlebt, dass das misslingt.
Die Welt ist ein geistiges Ding,
das man nicht behandeln darf.
Wer sie behandelt, verdirbt sie,
wer sie festhalten will, verliert sie.
Die Dinge gehen bald voran, bald folgen sie,
bald hauchen sie warm, bald blasen sie kalt,
bald sind sie stark, bald sind sie dünn,
bald schwimmen sie oben, bald stürzen sie ab.
Darum meidet der Berufene
das Zusehr, das Zuviel, das Zugross.Laotse: Tao te king. Der Sinn 29
Am Anfang der Philosophie mussten erst die Worte geschaffen werden, der Logos, die Begriffe wie Prinzip, Element, Atom, Materie, Geist, Seele, Stoff und Form, Potenz und Akt, Substanz und Akzidens, Sein und Werden, Ursächlichkeit, Ganzheit, Sinn, Zweck, Begriff, Idee, Kategorie, Urteil, Schluss, Beweis, Wissenschaft, Hypothese, Theorie, Postulat, Axiom etc.
Wesentliche philosophische Disziplinen am Anfang des westlichen Philosophierens waren Logik, Metaphysik, Ethik, Psychologie und Kosmologie.
Als Typen des Denkens traten bereits auf: Idealismus, Realismus, Skeptizismus, Materialismus, Sensualismus - und die vielen Mischformen.
Aus dem Grund ist die Präsentation einer Geschichte der Philosophie auch nicht so ganz einfach, da es sich nicht um einen linearen Ablauf handelt, in dem eine Geisteshaltung logisch auf die andere folgt. Es bestehen immer mehrere gleichzeitig nebeneinander. Die Konkurrenztheorie die ein System ersetzen will lebt noch, manchmal länger als das neue System - und das System welches die Konkurrenztheorie wiederum ersetzen will ist irgendwo im Keime auch schon vorhanden. Es ist deshalb kein Irrtum, wenn sie hier ab und zu einen Philosophen unter verschiedenen Gattungen (Topen, Themenschwerpunkten der Zeit) finden, denn eine klare und ausschliessliche Geisteshaltung wäre ja schliesslich totalitär - und damit wenig philosophisch.
Homers Mythologie beschreibt die Vergänglichkeit des Lebens, sucht den Ursprung des Übels, stellt die Frage von Verantwortung und Schuld, Schicksal und Notwendigkeit und nach dem Leben nach dem Tode ...
Das Chaos, die gähnende Leere, das Nichts, Tohuwabohu, Kluft - wurde verbunden durch den Eros, der Himmel, Ozean, Erde und die Götter entstehen liess.
Orientalische Einflüsse (womit auch und vor allem indische (Upanischaden) und persische (Zoroaster/Zarathustra) gemeint sind) begründeten den Dualismus von Leib und Seele, Diesseits und Jenseits. Man darf nicht vergessen, dass Griechenland 540 bC von den Persern besetzt wurde, die erst wieder abzogen nach der verlorenen Schlacht bei Marathon, deren Siegesmeldung griechischerseits nach Athen noch heute mit einem 42-km-Sprint an der Olympia zelebriert wird:
Thales von Milet (624-546): Bereits der ist von der realitätsbezogenen Welt, präzise einer Magd, ausgelacht worden, als er beim Sinnen in eine Grube viel. Er stellte Fragen, die zuvor nie gestellt worden waren, wie die Frage nach dem Urgrund der Dinge, dem Seienden, danach, was die Welt im innersten zusammen hält. Also die Art von Fragen, die das Eigentliche der Philosophie ausmachen ... und die heute dank Oekonomismus wieder genau so lächerlich sind wie damals.
Anaximander (610-545)
Anaximenes (585-528)
Weg zur PhilosophieWenn Sie Philosophie interessiert, Sie gerne mehr darüber wissen möchten, Sie sich eine Denkweise aneignen möchten, die nicht durch wissenschaftliche Beschränkung (Disziplinen) und noch weniger durch politische oder soziale Einschränkungen behindert ist, die sich schon gar nicht mit "Meinen" oder politischer Interessenvertretung verwechselt, sondern nach dem sucht, das stimmt, was ist, was Tatsache ist, also funktioniert, kurzum was wahr ist, wenn Sie also Philosophie verstehen möchten, dann machen Sie NICHT das, was üblicherweise empfohlen wird: Steigen Sie nicht über die Philosophiegeschichte ein, denn diese präsentiert weder eine sachliche Ordnung noch ein stufenweises Aufsteigen der Erkenntnisqualität. Sie haben meist mehrere Philosophen zur gleichen Zeit oder nacheinander, die fast das Gegenteil behaupten, sondern fangen Sie an mit dem Philosophen, der Sie am meisten anspricht und überzeugt. (in meinem Falle Diogenes). Erst wenn Sie die Denkweise eines Philosophen richtig verstanden haben, sollten Sie sich an weitere wagen und damit an die Aufgabe, Widersprüche aufzudecken (s. Kritik) - zu überbrücken (s. Troglologie), und in dieser Vernetzung zu verstehen (s. Webphilosophie). Ein lohenswerter und nicht all zu schwieriger Einstieg ist auch Bertrand Russells: Philosophie des Abendlandes. Ihr Zusammenhang mit der politischen und der sozialen Entwicklung. Allerdings erhält man damit keine präzise Darstellung der einzelnen Philosophien, darum muss man sich dann immer noch selbst und anderweitig bemühten, aber Russell zeigt sehr bidlich, was Philosophie war und ist, was sie kann und was nicht, wo sie irrt, wo sie (bereits zu seiner Zeit) bedroht war - und wo mehr Philosophie nötig wäre. Allerdings können auch einzelne Philosophen anspruchsvoll sein, aus dem ganz einfachen Grunde, dass ihre Philosophie versucht die Totalität des ihrer Zeit gemässen Denkens zusammenzufassen - und bestenfalls zu übersteigen. Das Verständnis ihrer Philosophie erfordert also die Kenntnis der Zeit, ihrer Ideen, Probleme und Ideologien. |
Pythagoras (570-520): Lehre von der Seelenwanderung. Askese. Allabendliche Selbstprüfung. Ideal der Freundschaft und Verbrüderung aller Menschen. Harmoniegedanke: Wenn in einer musikalischen Harmonie .. die mathematische Struktur als Wesenskern erkannt wird, so muss auch die sinnvolle Ordnung der uns umgebenden Natur ihren Grund in dem mathematischen Kern der Naturgesetze haben (Heisenberg). Tugend ist für Pythagoras die Harmonie des Vernünftigen und des Unvernünftigen in der Seele - also keine Abgehobenheit von Wissen und Prinzipien.
Heraklit (544-484): Pantha rei - alles fliesst. Man kann nicht zweimal in dem selben Fluss baden, nichts beharrt in ständigem Sein. Das Sein beruht primär auf Werden, auf Entwicklung, nicht auf Beharren. Die Welt ist ein ständiger Prozess des Werdens und Vergehens. (Ein klares Verdikt gegen übermässigen Konservatismus).
Xenophanes (570-475):
Parmenides (540-470):Nur Logik und Vernunft erschliessen die wahre Erkenntnis. Das Sein wird alleine durch das Denken erfasst. Denken und sein ist das selbe. Parmenides ging also Descartes um 2000 Jahre voraus.
Zenon (um 460)
Empedokles (492-432): Entdeckte die Luft als Stoff für sich, wusste, dass der Mond nur Sonnenlicht reflektiert, Entdecker der Zentrifugalkraft. Hielt sich allerdings für Göttlich. Sein Versuch, dies durch einen Sprung in den Aethna zu bestätigen, eher zu vollenden, wurde von diesem allerdings mit Zynismus begegnet: Er soll nur seinen Schuh wieder ausgespuckt haben.
Anaxagoras(ca. 500-426): Es entsteht unmöglich etwas aus dem Nichts oder vergeht ins Nichts.
Demokrit (460-370): Das höchste Ziel eines Weisen sah Demokrit, ähnlich den fernöstlichen Philosophen, in der Ataraxia, der Unverwirrtheit, dem unverschütterlichen Gleichmut der Seele. Diese ist zu erreichen, in dem man sich frei macht von Affekten wie Furcht und Hoffnung - indem man sich Einblick in den natürlichen Verlauf der Dinge verschafft. Eine Idee, die später von den Skeptikern und Stoikern perfektioniert wurde.
Sophia war im 5. JH. v.Chr. ein weit verbreitetes Wort für Wissen, Kenntnisse, Fertigkeiten im Handwerk, Vertrautheit mit einer Sache - aber auch für Klugheit, Urteilsfähigkeit und praktische Umsicht in allen Lebensfragen, vor allem der Politik. Wer sich als Lehrer, Schüler oder interessierter Laie mit intellektuellen Dingen befasste, philosophierte, .d.h. er bildete sich. Wenn Sokrates nach einem Kriegszug nach Athen zurückkehrte, so fragte er, wie es um die Philosophie der jungen Leute bestellt sei, und wollte damit herausfinden, wer sich in Geometrie, Astronomie, Musik, etc. besonders hervorgetan habe. (Das damalige intellektuelle Gegenstück zu heutigen Star-Machereien und der kulturellen Katastrophe der Eurovision).
Philosophieren war meist öffentlicher Disput, in dem Behauptungen begründet, angegriffen oder aus anderen Perspektiven beleuchtet wurden. Dies war auch die herrschende Form des Philosophierens und der Wissenschaften im Mittelalter (Scholastik).
Die Sokratiker
Die Ideenwelt ist für Platon die eigentliche Welt, die Welt der Wissenschaft und Wahrheit. Die Idee (idea = Aussehen, Gestalt. Der Habitus des Menschen ist also die ganze Gestalt des Menschen, nicht nur äusserlich, sondern inklusive der Psyche) ist hier mehr als der Begriff, der das primäre Denkmittel darstellt. Die Idee ist eine einheitliche, geistig schaubare Gestalt, die Allgemeingültigkeit besitzt, weil sie gegenstandsbezogen ist. Die Idee ist für Platon immer auch Wesenheit. Sie ist damit also auch mehr als eine Hypothese oder Theorie, die nur Modelle darstellen, dadurch allerdings der Kritik offener gegenüberstehen (sollten), als die Idee(ologie).
Die höchste Idee ist die Idee des Guten. Platon unterschied vier Tugenden:
Interessant ist, gerade aus heutiger Sicht, seine Gegenüberstellung von Körper und Geist (Idee): Denn auch Kriege, Aufruhr und Schlachten sind eine Folge des Körpers und seiner Begierden. Denn um den Erwerb von Hab und Gut aber sehen wir uns gezwungen zu erwerben um des Körpers willen, dessen Ansprüche befriedigt werden wollen (Phaid. 66b). ... So verstehen wir seine Forderung, mit dem Körper nur so weit in Verbindung zu treten, als es unbedingt notwendig ist, und uns von ihm und seiner Natur nicht durchringen zu lassen, sondern davon rein zu halten, bis der Gott uns davon erlösen wird.
All dies wurde in der Zwischenzeit, dank Protestantismus und Kapitalismus, völlig ins Gegenteil verkehrt: Menschen wollen glücklich sein, aber, sie suchen das Glück immer an der verkehrten Stelle. Die einen suchen es dort, wonach die naturhafte Begierde verlangt, der niedere Seelenteil, also im Reichtum, im Wohlstand, in der Lust und Leidenschaft. Aber das ist nie wahres Glück. Menschen dieser Art sind nie zu befriedigen; sie verschmachten vor Begierde, weil sie Sklaven ihrer Leidenschaft sind und so ihre eigenen Kerkermeister werden. Andere glauben durch den Ehrgeiz und das Machtstreben glücklich werden zu können. Bei ihnen herrscht der muthafte Seelenteil vor. Sie sind etwas besser als die Erstgenannten. Allein was erreicht wird, ist im besten Fall ein ehrenwerter Soldat oder guter Sportler, oft genug auch nur ein Streber und Karrieremacher. Das wahre Glück liegt nur dort, wo die Wahrheit und die Werte selbst erschaut und realisiert werden.
Aus dem kleinen Absatz wird bereits völlig klar, wie weit wir Werte ins Gegenteil verkehrt haben. Die unendliche Begierde nach Mehr ist der Treibstoff unseres gesamten Systems, Karrieremacher die bestbezahlten Mitglieder der Gesellschaft. "Wert" hat nur noch das, wofür jemand bereit ist zu bezahlen.
- Definitionen schaffen Begriffe. Der Begriff ist immer allgemein und erfasst das Bleibende und Notwendige, kurz das Wesentliche (wesentlich bedeutet: das, was das Wesen bestimmt).
- Kategorien ordnen Begriffe
- Urteile sind zusammengefasst Begriffe
- Schlüsse sind verknüpfte Urteile
Induktion (Ableitung des Allgemeingültigen aus den Einzelfällen) und Deduktion (Ableitung des Einzelfalles aus dem allgemein gültigen Gesetz, den Schlüssen) ... zwei Grundbegriffe der Logik, die noch heute für viele Professoren das Höchste darstellen, was sie von der Epistemologie begriffen haben. Indizienschluss, Wahrscheinlichkeit (Stochastik), Enstase (Widerspruch) ... Entscheidend für Aristoteles ist, ob der Schluss wissenschaftlich ist oder nicht. Als wissenschaftlich wird nur der beweisende Schluss betrachtet, die denknotwendige Folge aus sicher stehenden zugrunde liegenden Sätzen, d.h. Fakten. Wissenschaft ist immer reine, autarke Schau der Wahrheit, jenseits von utilitaristischen Zweckbestimmungen.
Zwar sind induktive Argumente keine Beweise - aber wir haben keine besseren.
Aristoteles hatte sich, wie die heutigen Denker denen der postmoderne Beliebigkeitswahn zuwider ist, mit Protagoras` Skeptizismus auseinander zu setzen: Es gibt kein objektiv Seiendes, sondern nur unsere augenblicklichen, subjektiven Empfindungen, also Perspektiven. Obwohl für den damaligen Menschen die Welt noch nicht derart zerschlagen war in Atome und Sinnesempfindungen, aus denen die Erfahrung erst wieder ein Ganzes macht, kein leichtes Unterfangen.
Staatslehre: Der Staat entsteht um des nackten Lebens willen; aber er besteht um der Eudämonie, also einer sittlichen Grösse, willen. Nicht die reine Utilität ist sein Sinn noch die brutale Macht, sondern die "schönen Taten", das glückliche und schöne Leben.
Unter Aristoteles hatte das Wort Philosophie bereits 4 Bedeutungen Philosophie kann sein:
eine Haltung
- eine Tätigkeit,
- insbesondere die theoretische Lebensform des philosophischen Menschen in Abgrenzung von der des Politikers und Praktikers.
- eine wissenschaftliche Disziplin
- eine spezifische Lehre, Schule
- eine intellektuelle, ingeniöse Tätigkeit im Sinne von: etwas erfinden, ausdenken, ersinnen.
Der Weise (oder Weisheitssuchende, also Philosoph) zeichnet sich aus durch folgende Eigenschaften:
- Er muss so viel wie möglich alles wissen, ohne dabei die Kenntnis aller Einzelheiten zu besitzen.
- Er kennt die Schwierigkeiten und das dem Menschen nicht leicht Durchschaubare.
- In jeder Wissenschaft und Kunst ist der Genauere und die Ursachen zu lehren Fähigere jeweils der Weisere, d.h. der bessere Kenner der Materie.
- Unter den Wissenschaften ist die, welche um ihrer selbst willen und des Wissens willen gesucht wird, in vollerem Sinne Weisheit als die um eines anderen Zweckes willen gesuchte
- Die mehr leitende und gebietende Wissenschaft ist mehr Weisheit, denn der Weise (der Meister und Fachmann in einer Kunst) dürfte sich nicht befehlen lassen, sondern müsste seinerseits die Anordnungen treffen. Dieses Wissen und die Kennerschaft in seiner reinsten und höchsten Form ist nicht poietisch, also kein auf die Produktion von Dingen und Gütern bezogenes praktisches Können, sonder es ist die theoretische Natur, da es um keinen äusseren Nutzens willen gesucht wird, ist es allein frei; es ist ferner von göttlicher Art, da einerseits der Gott es am meisten zu besitzen vermag und da es andererseits das Göttliche zum Gegenstand hat; denn Gott gilt allen für eine Ursache und ein Prinzip.
Kommentare zu Horst Poller: Die Kommentare von Poller sind mit Vorsicht zu geniessen, da er eindeutig eine ziemlich rechtsliberale Haltung vertritt, was sich vor allem in den Kapiteln über Hayek, Popper, Eucken, Dahrendorf, Huntingdon etc. zeigt, die er zu "Sozialphilosophie" zusammenfasst. Diese Aussagen zu Aristoteles sind also unter dem Aspekt zu werten, und keinesfalls eins zu eins zu nehmen: Was ist das Ziel menschlichen Strebens? Für Aristoteles war die Antwort eindeutig: Der Mensch strebt nach Glück, das ist Freude haben, an dem was man tut, Lust am rechten Tun, Kraft auszuüben in einer Weise, die der Natur und den Lebensbedingungen des Menschen "angemessen" ist. Der Mensch ist nur glücklich, wenn er alle seine Fähigkeiten und Möglichkeiten entfalten und benutzen kann. Das beste Leben besteht für ihn in der Entfaltung dessen, wozu er sich am besten eignet. Aristoteles erkennt auch an, dass der Mensch um glücklich zu leben zwar nicht reich sein muss, aber doch in guten äusseren Verhältnissen leben sollte. Auch mit mässigen Mitteln lässt sich gut und ehrenhaft handeln.
Das Buch ist tendenziell gut und empfehlenswert - allerdings sollte man eben die Kapitel über die sog. Sozialphilosophen nicht auslassen - und sich die andern Kapitel dann nochmals überdenken. Die Perspektive der Interpretation wird dann um vieles klarer - was die anfängliche Begeisterung über "das reiche Wissen" in diesem Buch doch so ziemlich zum Schwinden bringt.
In diesem <Widerspruch> steckt allerdings auch ein Missverständnis, denn Stoiker sind beileibe keine Masochisten, sondern ziehen Genuss aus der Erkenntnis und der Gestaltung eines naturgemässen Lebens. Sie suchen eigentlich nach der Art von Harmonie, die Grundlage der asiatischen Philosophien ist, na ja, vielleicht war. Der Hedonismus der Epikuräer rief ebenfalls nicht nach Orgien und Gelagen, sondern primär nach Freiheit von Unlust und Schmerz, was auch für sie am effizientesten erreicht wurde, in dem man über den Gelüsten stand. Das Gelüst zum allgemeinen Prinzip des Lebens, der Wirtschaft und des Staates zu erheben ist erst der modernen Wirtschaft eingefallen und gelungen.
Waren Stoiker wie Epikuräer dogmatisch geworden in ihrer Methode, entstand in der Periode der Mittleren Akademie eine Gegenbewegung die wieder auf Skepsis und Kritik - was die Neuere Akademie dann wieder umkehrte. Wir sehen in der Griechischen Geistesgeschichte also deutliche Beispiele für den immerwährenden Wellengang einseitig übertriebener (extremer ) Geisteshaltungen, und nicht eine feste Linie der Entwicklung des Wissens und Denkens.
Neuplatonismus: Gott von der Welt und vom Sein generell abgetrennt als Ueberseiendes, das schon vor dem Geist besteht. Das Eine für Plotin, DER Gedanke, der vom Islam wiederbelebt wurde gegenüber der "Häresie", der Vielgötterei der Dreifaltigkeit. Das Eine im Gegensatz zum Vielen, aber auch zum zeitlich Bedingten, als Ursprung. Das Eine als DAS Gute. Vom mittleren Platonismus und Neuplatonismus wird die Transzendenz Gottes immer stärker betont.
| Philosophie ist ein liebevoller Umgang mit der
Wahrheit.
Dante Alighieri |
Platon wandte sich gegen die Auffassung der Sophisten, die Philosophie als verfügbares Wissen, als Ware ansahen, die man an Schüler weitergeben kann. (Gruss an die moderne Kurseuphorie und lebenslange Schulung). Für Platon war Philosophie ein lebenslanges Sich-Bemühen um Wissen (nicht um Arbeitsmarktfähigkeit). Forschen, Prüfen, Widerlegen im Gespräch sind für Sokrates notwendige Lebenshaltung.
Platon löst das Verständnis der Sophisten von Philosophie als Bildungsbeflissenheit auf und engt es ein auf die Beschäftigung mit den Logoi und der Wahrheit: Der Bildungsbeflissene hat nur Meinungen, er ist deshalb kein Philosoph, ... ein Philosoph hingegen will wissen. Wissen über Ideen, Wissen über die letzten Instanzen, Wissen um die letzten Ursachen aller Ideen des Guten, die Grund der Wahrheit und des Seins sind. Er bezeichnet die Sophisten als Händler von Wissen, Taschenspieler und Trugbildner (- deswegen der Titel unter Postmoderne). Der wahre Politiker hingegen erweist sich im Politikos als Philosoph, nämlich als der, der die dialektische Kunst beherrscht, das Verschiedene zusammenzulegen und somit die Einheit eines Staates zu sichern.
Bereits in seiner Entstehungszeit hat sich philosophisches Wissen und Fragen mit dem absoluten Wissen der Religion angelegt.
Philosophie ist Einübung in den Tod - Philosophie ist der vorgezogene Tod (Platon).
Die Philosophie versprach Trost durch Vernunft, statt durch Glauben:
Wer, statt den Körper zu lieben, ein philosophisches Leben führt, indem er sich mit Logoi, mit Reden und Argumenten beschäftigt, der kann schon auf Erden des Glückes teilhaftig werden, das vollkommen erst der geniesst, dessen Seele sich gänzlich vom Körper gelöst hat. [Platon, Hist. Wörterbuch, S. 578]
Dies, wie die damalige Verwandtschaft der Begriffe Denken und Meditieren, zeigt, dass die fernöstliche Philosophie mit ihrem Versinken in Ruhe (Nirwana) so exotisch und fern nicht ist, wie sie meist dargestellt wird.
| Es gibt keinen Gott, aber ich glaube an ihn. Peter Bichsel Das dürfte vermutlich auch die Einstellung vieler Philosophen (gewesen) sein. |
War diese erste Phase der Philosophie eine ethisch-pragmatische, begann mit dem 2. JH n. Chr. eine Phase der Exegese. In der ethischen Phase (Ethik wird heute noch als praktische Philosophie bezeichnet) war Philosophie eine Bildungstechnik, die den Menschen auf das öffentliche oder private Leben vorbereiten sollte. Philosophie war aber auch Therapeutik, die den Menschen von seinen (übermässigen oder falschen) Leidenschaften und Ängsten befreien und ihm das Glück ermöglichen sollte (damals glaubten offenbar wenige, dass Geld und Wettbewerb dazu ausreiche), wozu vor allem die Kunst der Sprache (Rhetorik) von Nöten ist.
In der zweiten Phase wurde dann das Wissen der alten Philosophen gelehrt, kommentiert und interpretiert. In der Scholastik wurden sie zu unangreifbaren Autoritäten. Insbesondere mit der, der Christianisierung wegen einsetzenden, 3. Phase der mystisch-theurgische Vereinigung von Platonismus und Aristotelismus vom 3. JH n.Chr., die bis zum Ende der Antike dauerte, setzte sich die Vorstellung durch, dass die christl. Religion nun die Philosophie abgelöst habe. Religion biete das notwendige und wichtige Orientierungs-Wissen. Philosophie habe die heilsnotwendige Wahrheit nicht gefunden, reize zu fruchtloser Spekulation und Wissbegierde. Al Ghazali hat für diese problematische Beziehung zwischen Wissenschaft-Philosophie und Religion zwar eine optimale Lösung gefunden, wurde aber von den Fundamentalisten überrannt. Während sich in Europa Wissenschaft und Philosophie mit der Renaissance von der kirchlichen Bevormundung befreiten, blieben die Beziehungen im islamischen Bereich bis heute problematisch und gespalten.
Allerdings war auch in Europa der Weg ein harter. Die Religion unterdrückte mit Inquisition, Schule, Lehre, schlechtem Gewissen, Predigern, Juristen, Angst vor dem Fegefeuer, jeglichen Anspruch auf Welterklärung ausserhalb der Bibel. Der Anspruch der Philosophie, dass Trost und Heil auch im Diesseits zu finden sei, unterminierte natürlich ihre Position und wurde aufs schärfste bekämpft. Die Verachtung christlicher Mönche für das irdische Leben und die weltliche Kultur war dabei äusserst hilfreich. Unterstützt wurde die Kirche dabei durch ein Problem mit der Popularität. Philosophie ist ein hartes Geschäft, das sich nur von einer Schar auserwählter (einer Elite) betreiben lässt. Das Christentum hingegen sprach alle, insbesondere die Armen, Unterdrückten und Verstossenen an, die sich den Luxus der Philosophie nicht leisten konnten.
Hier ist eine kleine Korrektur zum Begriff Sophisterei anzubringen. Diese wird meist negativ aufgefasst, als Haarspalterei, Spitzfindigkeit, leeres Argumentieren. Wohl so - aber, sie ist damit auch "sinn-loses", ungebundenes, freies Denken, also eher ein Denk-Spiel. Und präzise dieser spielerische Umgang mit dem Denken ist überall dort nötig, wo wir nicht bereits Gedachtes wiederkäuen, sondern Neues finden wollen, also dort, wo der Philosoph innovativ sein soll. Ohne sophistischen Kern bleibt er Haberdrescher.
Die Systeme der Stoa und Epikurs basierten auf Lehrsätzen, theoretischen Prinzipien, die sich kaum hinterfragen liessen, also Dogmen.
Dem gegenüber steht die platonische und sokratische Philosophie als kritische Tätigkeit ohne theoretischen Inhalt. Hier wird keine Lehrmeinung vertreten, sondern für oder gegen (andere, immer reichlich vorhandene: Kritik und Skepsis setzen voraus, dass jemand anders was zu Kritisierendes liefert, sind also sekundär) Thesen argumentiert.
Bei der Suche nach Wahrheit, die den Göttern vorbehalten ist, gibt es für die Griechen zwei Alternativen:
Die dialogische Wahrheit war also bereits 2000 Jahre vor Habermas ein Kernstück philosophischer Wahrheitssuche.
Gott ist die Wahrheit - (weshalb Al Haladschs "ana al haq" im Islam als Gotteslästerung empfunden wurde). Gott ist die Weltordnung. Gott ist das letzte sittliche Prinzip, DAS Gute, also das Axiom von dem sich Ethik ableiten lässt.
Die Philosophie des Mittelalters, das, nicht zu vergessen, bereits mit dem Untergang des Römischen Reiches begann, wurde durch den Aufstieg und die Herrschaft des Christentums geprägt. Allerdings war auch diese Zeit bei weitem nicht so Wissens- oder Aufklärungsfeindlich wie das oft angenommen wird. So der Grundsatz von Augustinus und Anselm von Canterbury: Wisse, um glauben zu können, glaube, um wissen zu können. Oder der biblische Grundsatz: Alles was nicht aus Überzeugung geschieht ist Sünde (Röm, 14.23). Ja mei, überlegen Sie sich mal, was von der heutigen Wirtschaft noch bleiben würde, gälte diese Wertung noch.
Während der Patristik galt allerdings das geoffenbarte Wort als sicherer Weg zum unbedingten Heil - so wie heute noch oder wieder viele Fundamentalisten christlicher, muslimischer oder anderer, oft recht absurder Provenienz. Dennoch ist die Philosophie der Patristik eingebettet in die Schriften von Seelsorgern, Predigern, Exegeten, Theologen, Apologeten, die ihre christliche Lehrverkündigung verfolgen, dabei aber, von der Natur der Sache getrieben, mitten darin plötzlich gezwungen sind, Probleme anzuschneiden, die sachlich in die Philosophie gehören und dann natürlich mit philosophischen Methoden angefasst werden müssen. [S. 333]
Das Neuheitserlebnis des Christentums (also das, was wir heute "Event" nennen würden, und was der Advent ja antönt) wie überhaupt die grundsätzliche Haltung des Christentums als eines neuen Lebensstils brachten es von selbst mit sich, dass dieser Glaube gegenüber dem Wissen so sehr überbewertet wurde, dass er es zu absorbieren drohte.
Scholastik beginnt erst mit dem 9. JH, das Mittelalter aber mit dem Niedergang des Weströmischen Reiches, also 476 - und Endet mit dem Untergang Ostroms 1453 ... aber nur, weil der sich zufälligerweise mit der Renaissance deckt. Als Vater der Scholastik gilt Anselm von Canterbury (1033-1109). Wahrheit meint nach Anselm die "Richtigkeit" der Wesenheit, die damit gegeben ist, dass sie mit ihrem Urbild im Geiste Gottes übereinstimmt.
Im Mittelalter galten die ersten drei der sieben freien Künsten (artes liberales) als Grundlagenstudium (trivium) und die letzten vier zum weiterführenden Studium (quadruvium). [Trivial hat dennoch nichts mit dem Trivium zu tun, sondern mit der Strassengabelung (tri-via), an der man sich auf dem Weg zum Markt traf, um ein bisschen zu plaudern. Triviale Gespräche sind also trivialer als ein Grundstudium.]
Trivium:
Quadrivium:
lectio & disputatio: In der lectio las der akademische Lehrer sententiae (Sätze, Aussagen) anerkannter Autoren wie Petrus Lombardus, Boethius oder Aristoteles und kommentierte deren Meinungen. Als DER Kommentator galt Averroes. In der disputatio wurden Argumente für und wider Thesen vorgebracht und durchgesprochen. Aus den Kommentare entwickelten sich die Summen, in denen man sich mehr und mehr von den Vorgaben löste und Wissen nach systematisch-sachlichen Gesichtspunkten ordnete.
Kritik: Man klebte viel zu sehr am Wort. Ausläufer der damaligen Scholastik ist heute noch die Jurisprudenz.
| Die ältesten Universitäten: http://de.wikipedia.org/wiki/Liste_der_%C3%A4ltesten_Universit%C3%A4ten | ||
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Im Jahre 1500 gab es in Europa insgesamt 66 Universitäten, davon 17 in Frankreich, 16 im Heiligen Römischen Reich, 13 in Italien, 11 in Spanien, drei in Schottland, zwei in England und je eine in Dänemark, Polen, Portugal und Schweden.
- Respekt vor Autoritäten
- Gewohnheit
- Abhängigkeit von den marktgängigen Meinungen der Menge
- Unbelehrbarkeit unserer natürlichen Sinne
Er bereitete damit also eigentlich schon den Weg zur Renaissance - und zum Ansatz seines Namensvetters Franzis Bacon (1561-1626)
- Idola Specus (Höhlen-Trugbilder) nennt er diejenigen Täuschungen, die sich aus den dunklen Tiefen des Individuums ergeben. Er spricht damit das Unbewusste in unseren Handlungen und Denkweisen an (Der Eine etwa hebt Ähnlichkeiten hervor, wo der Andere Differenzen sieht). Nach seiner Auffassung sind diese Irrtümer zu wirr und vielfältig, um systematisch beschrieben zu werden.
- Idola Theatri (Trugbilder des Theaters/der Tradition), Irrtümer aus überlieferten, überzeugend dargelegten Lehrsätzen: „Dogmen“ oder Meinungen einer Autorität, die wir glauben, ohne zu „hinterfragen“. Dazu zählt Bacon nicht nur die unkritische Haltung der Scholastiker gegenüber „den Autoritäten“. Sondern er kritisiert in diesem Zusammenhang auch die eher skeptischen Humanisten, soweit sie dogmatisch zwischen Geistes- und Naturwissenschaften trennen und die letzteren geringschätzen.
- Idola Fori (Trugbilder der Tribüne/des Marktes) nennt er diejenigen Irrtümer, für die unser Sprachgebrauch verantwortlich ist. Diese Idolae entsprängen der Gewohnheit, an die Stelle der Dinge Worte zu setzen: sie verwechseln die konventionellen Zeichen für die Dinge mit den Dingen selbst, den Marktwert mit ihrem Realwert - womit Bacon diesmal die Nominalisten aufs Korn nimmt. Laut Hans-Joachim Störig ("Kleine Weltgeschichte der Philosophie", 1987: 306) entspringen solche "idola fori" bzw. stereotypisierte Begriffe "aus Berührung und geselligem Verkehr der Menschen untereinander. Eine besondere Rolle spielt dabei die Sprache als das wichtigste Instrument des zwischenmenschlichen Verkehrs." In diesen Überlegungen finden sich somit auch schon die Anfänge einer Sprachkritik der Philosophie (und Soziologie).
- Idola Tribus (Trugbilder der Gattung) waren für ihn Fehler unseres Verstandes – am schwierigsten zu erkennen und zu vermeiden. Die Gattung Mensch neige naturgemäß dazu, Dinge und Vorgänge aus menschlicher Sicht zu sehen und zu beurteilen. Dabei verlören die Dinge der Natur ihre Eigentümlichkeit und würden von der Denkweise oder den Affekten des Forschers beeinflusst. Beispiele sind für ihn plötzliche oder außergewöhnliche Vorgänge, die wir gerne überbetonen.
Das berühmteste, ihm zugeordnete Produkt ist Ockhams Messer, scheint von ihm bloss verwendet, aber bereits von den Griechen entworfen worden zu sein: Die einfache Erklärung ist der komplizierten vorzuziehen; eine Theorie ist immer möglichst einfach aufzubauen.
Renaissance: Der Mensch wird ins Zentrum gestellt, mit seinen Lebenserfahrungen, so wie er sich selbst erlebt und sieht. Hier liegt offenbar der Ursprung des westlichen Individualismus in dem der huomo singulare, das Individuum, zum Lebensideal wird (ein Ideal, das durch die grosse Maschine nach und nach wieder zerfleddert wird, den Menschen zum Rädchen macht.).
Hier beginnt, mit der Befreiung von den Klammern kirchlicher und akademischer Autorität, auch die Zersplitterung des Wissens, die gegenwärtig in der Postmoderne gipfelt, was immer wieder zu autoritären Regressionsbewegungen führt. Probleme, Methoden, Theorien werden in immer grösserer Zahl, immer schneller hervorgebracht, so dass niemand mehr in der Lage ist, wirklich einen Ueberblick zu erlangen, so, dass sich die einzelnen Theorien auch dem gegenseitigen Dialog entziehen, weil man sich gar nicht mehr versteht. Das Studium wird so immer mehr zum Erlernen einer neuen Sprache und Denkweise, die von immer weniger Spezialisten verstanden wird. Die Spezialisierung verengt die Welt, welche die Universität erschliessen wollte. Zudem verzweifelt der Geist an sich selbst und schreit nach Selbstmord, indem er das Unbewusste über das Bewusste stellt (Freud), oder heute, die strukturellen automatischen Abläufe welche die Gehirnforschung ergründet, über das freie Denken. Philosophie allerdings besteht immer noch im unbedingten Willen zur Wahrhaftigkeit. Kein Problem soll unbeachtet bleiben, nichts ohne Kritik hingenommen werden, kein Standpunkt sich verhärten. (S. 5. 2. Teil)
Demgegenüber sah der Humanismus der Renaissance in Cicero sein Vorbild. Philosophie sollte mittels Rhetorik nicht zu wortreicher Geschwätzigkeit, sondern zu politisch-denkerisch wirksamem Dialog werden.Die Menschen sind undankbar, wankelmütig, heuchlerisch, scheuen die Gefahr und sind gewinnsüchtig. Solange du ihnen Gutes tust, sind sie dein ... Wenn aber Not da ist, empören sie sich. ... Aber die Furcht erhält sich durch die Angst, die niemals aufhört. Der Fürst muss mehr gefürchtet sein als geliebt. Machiavelli trennt Politik von Moral, genau so wie wir es heute mit der Wirtschaft tun. Da sich die heutigen Kriege zumeist auf dem Feld abspielen, oder es als Grund haben, finden sich heute die meisten Empfehlungen von Machiavelli in Management-Ratgebern wieder, wenn auch meist in verbrämter Form.
Das teleologische Weltbild des Aristoteles wird ersetzt durch ein kausalistisches, in dem sich innerhalb der Objektwelt (der Welt der res extensa also) alles notwendig durch Druck und Stoß ergibt. Diese Annahme ist im weiteren Voraussetzung für die Theoriebildung in vielen Erfahrungswissenschaften geworden und allgemein Kennzeichen mechanistischen Denkens.
Die aristotelische Hervorhebung des Organischen negiert Descartes. Selbst der menschliche Körper wird einmal als bloße „Gliedermaschine“, dann wieder als „Leichnam“ beschrieben. Diese Betrachtung hat eine Fortsetzung in der Denkweise, den Menschen körperlich als mechanischen Apparat, also als Maschine zu betrachten und sein Denken heute beispielsweise mit dem Funktionieren von Computern zu vergleichen, wenn nicht gleichzusetzen.
Hier liegt die Basis unserer "Wissenschaftlichkeit" - und zugleich ihre Grenzen.
Das Recht darf nicht mit der Summe der Gesetze verwechselt werden, will man nicht auf den Fehler verfallen, das Recht der Macht gleichzusetzen. Gesetze können nämlich ungerecht sein, das Recht aber nicht.
Locke machte auf sprachliche Probleme der Philosophie (und Wissenschaft aufmerksam. Er kritisierte die Philosophie wegen ihrer eigennützigen Verwendung einer dunklen Sprache mit vieldeutigen Wörtern und dem unbeirrbaren Festhalten der Schulen an ihren Thesen. (Ein Vorwurf der heute noch auf die meisten Wissenschaften anwendbar ist). Als Philosoph wies er auf die Notwendigkeit des Dialogs und der Abstimmung hin - die nur über klare Rede möglich sind.
Nur Nutzen und Macht bestimmen das Wesen der Gemeinschaft. In der Naturphilosophie waren das Druck und Stoss. Und wie es dort keine ewigen Wahrheiten gab, so hier keine ewigen Normen. Wenn der Naturalismus von einem Natur-Recht spricht, so ist das Sophistik; er müsste von Natur-Brutalität reden. Bezeichnenderweise taucht denn auch das Tier auf zur Illustration staatlicher Verhältnisse; bei Hobbes der Wolf, bei Macchiavelli der Löwe und Fuchs, bei Nitzsche das Führertier, bei Spengler der einsam horstende Raubvogel und bei Theodor Lessing der Raubaffe. [II. S. 397]
Die Vertragstheorie ist nicht so harmlos, wie sie aussieht. Sie bedeutet eine Interpretation von Sinn und Wesen des Staates, die den zügellosen Individualismus der cupiditas naturalis voraussetzt und anerkennt. Nachdem er im kleinen, für den Einzelnen nämlich, verboten wurde, wird er für die Gemeinschaft und den Staat wieder erlaubt und jetzt sogar im grossen organisiert. Nun darf der Staat bzw. seine Majorität tun, wonach man gelüstet und was man vermag.
In der Zwischenzeit wurde diese staatliche Willkür bereits an das Kapital übergeben, dass nicht mal der Mehrheit bedarf, sondern per Unterstützung gläubiger Oekonomen und nach Wertvermehrung strebender Eigentümer quasi alles tun darf, ohne Rücksicht auf Verluste bei den Andern, was der Mehrung des Kapitals, dem sog. Wachstum dient.
John Stuart Mill (1806-1876): Für Mill war das Wohl des Individuums der einzige Zweck der Wirtschaft - und die Menschen werden vom Erwerbstrieb angetrieben. Leider hat sich diese Ansicht heute ins Gegenteil verkehrt, da der Zweck des Individuums nun ist, in die Wirtschaft (alias Markt) zu passen. In einem weiteren Punkt war Mill der Gegenwart, also unseren heutigen Illusionen betr. nachhaltigen Wachstums, weit voraus: Mill meinte, es werde eine Zeit kommen, in der das Wirtschaftswachstum zum Stillstand kommen wird, weil es auf die eisernen Zwänge begrenzter Ressourcen stossen wird und steigende Soziallasten seine Vorteile vermindern werden. In einer solchen stagnierenden Gesellschaft sollte die Veränderung der gesellschaftlichen Werte dazu führen, dass geistige und kulturelle Genüsse den Vorrang haben, ohne trennende Klassengegensätze. Das war Mills "liberale Utopie". [Poller s. 302]
> heutige Folgerungen daraus s. Ueberflusswirtschaft
Die stoischen Moralisten des 18. JH. setzten allerdings ebenfalls nicht auf Populismus, noch nicht mal auf Verständlichkeit. Sie waren noch immer der gleichen Meinung wie ihre Griechischen Urväter: Der Philosoph braucht das Urteil der Menge nicht. Die Aufklärung änderte dies radikal: Philosophie soll durch Beredsamkeit volkstümlich werden und nicht weltfremde Spitzfindigkeiten lehren.
Dummerweise werden komplexe Ideen meist banalisiert, durch und für die Anwender zurechtgebogen. So muss der Utilitarismus heute für sämtliche dämlich Propaganda der Marktliberalisten herhalten, die Nützlichkeit, wirtschaftlichen Nutzen, über alles stellen. Ein Kernpunkt des Utilitarismus war aber eben auch, dass er die moralischen Kriterien für Handlungen nur aus deren Folgen/Konsequenzen ableitet. Würde man diesen Punkt ernster nehmen, wäre es um die Verantwortlichkeit des Kapitals wohl besser bestellt.
Man kann niemals Philosophie lernen, nur Philosophieren.
[Kant]
Kant schuf vor allem einen umfangreichen, leider auch äusserst komplizierten Apparat an Begriffen. Er hatte einen grossen über- und durchblick, leider aber nicht die Begabung, dies halbwegs verständlich zu vermitteln. Seine bekannteste Leistung, der kategorische Imperativ, ist heute, in einer Zeit der Spezialisierungen und der selbstorganisierenden Teil-Systeme mit eigenen Gesetzen obsolet. sapere aude - habe den Mut zu wissen. Erkenntnistheorie: Kritik der reinen Vernunft. (KEIN Buch GEGEN Metaphysik, eher im Gegenteil. Aber dank seiner mühsamen Schreibe in unverständlichen und nicht mehr präzise analysierbaren Schachtelsätzen ist er halt so vielfältig zu interpretieren wie die Bibel). Ethik: Kritik der praktischen Vernunft.
Die Mehrzahl der Philosophen und Mathematiker, wie z.B. Leibnitz, Hume, d'Alembert, Bolzano, Brentano, Hilbert, Couturat, Poincaré, Einstein, Geyser, Scholz, Russell, entscheiden sich für den analytischen Charakter der mathematischen Sätze. Man ist heute in den Kreisen der Logistik sogar geneigt, in den herkömmlichen mathematischen und geometrischen Sätzen nur Postulate zu sehen, die per definitionem aufgestellt werden, dann natürlich in ihrer innerlogischen Analysis notwendige Sätze darstellen, aber über die Wirklichkeit als solche nichts aussagen.
Der Begriff Logistik wurde damals offenbar, etymologisch richtig, als Synonym für analytische Philosophie verwendet. Heute ist er zum rein betriebswirtschaftlichen Begriff geworden für alles, was Güterverteilung und -Lagerung angeht. Die logistische Funktion/Kurve beschreibt die logistische Verteilung als einen "Wachstumsprozess" mit Sättigung. Diese lässt sich für praktisch alle Wirtschaftszyklen sinnvoll einsetzen.
Wolff, deutsche Aufklärung:
Die Weltweisheit nenne ich die Wissenschaft von der Glückseligkeit des Menschen; in so weit wir sie, nach dem Masse unserer Vollkommenheit, erlangen und ausüben können.
Helveticus (1715-1771. Franzose, trotz des Namens): Die Kenntnisse der Gesetze der moralischen Welt, der menschlichen "passions" und "facultés" verhilft dem Philosophen dazu, die Rolle des Gesetzgebers und Erziehers der Menschheit anzunehmen und sie zu Tugend und Glück zu führen.:
L'architecte de l'édifice moral, c'est le philosophe.
Da die Dialektik seit Aristoteles betrieben wird, gibt es daür natürlich die unterschiedlichsten Methoden und Definitionen. Die bekannteste und handlichste ist die von Hegel, die auch vom dialektischen Materialismus übernommen wurde:
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These > Antithese : Synthese Hegel |
Philosophie des 19. Jahrhunderts
Friedrich Schleiermacher:
Ueber diese ersten Principien ohne Rücksicht auf das Reale zu philosophieren, scheint etwas Unerfreuliches, und für die Wissenschaft gefährliches, besonders wenn es wohl gar eine Art von Gegensatz zwischen der Speculation und dem realen Wissen zur Folge hat.
Wissenschaft, Philosophie, Forschen besteht also aus zwei Teilen, dem Abbild und der Spekulation; der Realität und den Vorstellungen, dem Modell, der Theorie darüber; der Erforschung realer Gegebenheiten und der Heuristik, als Kunst, erst einmal überhaupt die richtige Frage zu stellen. Diese ist heute weitgehend abhanden gekommen, da sie auf eine Frage reduziert werden kann: Rentiert's - oder wer bezahlt's?.
Der wissenschaftliche Geist überhaupt und das Talent für die ersten Prinzipien sind nicht verschieden, das spekulative Talent steht also für sich in gar keiner Opposition mit dem Talent fürs Reale, nur seine Isolirung wirkt zerstörend, und beide sind immer nur mit einander zu üben.
Was in neuren Zeiten Metaphysik und Logik hiess, war nichts, als diese beiden Theile der Dialektik isolirt, und deswegen ihres eigentlichen Lebens beraubt; deswegen gab es keine Brücke mehr von der Metaphysik zur Physik und Ethik; dadurch entstand der Fehler, den man durch den Namen des Transcendenten bezeichnet; sie war in dieser Trennung etwas durchaus nicht Festzuhaltendes. Eben so leer und zu Nichts führend war auf der andern Seite die Logik, und so folgte aus dieser Trennung der Tod der Philosophie.
Philosophie ist also die Kunst, die Dinge, auch diejenigen die nicht zusammen zu passen scheinen, als Bestandteile eines Ganzen zu sehen - und so verständlich zu machen:
Das Philosophieren ist das Zustandebringen einer Erkenntnis, verbunden mit dem klaren Bewusstseyn ihrer Zustandebringung (s. Psychoanalyse der Intuition); es fällt daher in die Kategorien der Kunst.
Friedrich Schleiermacher: Vorlesung über die Dialektik. Teilband 2. A. Arndt, Hrsg. de Gruyter, 2002: Kolleg 1811: Nachschrift Twesten
Dieser wird beherrscht vom dialektischen Dreischritt: Thesis - Antithesis - Synthesis, denn kein rechts lässt sich denken ohne das links, kein Ich ohne ein nicht-Ich.
Für Fichte gibt es nur zwei Möglichkeiten der Philosophie: Dogmatismus oder Idealismus. Erstere nimmt transzendentale Dinge an sich und bringt damit das Ich um seine Freiheit (Spontaneität), ganz abgesehen davon, dass nicht einzusehen sei, wie etwas, das nicht Bewusstsein und Geist ist, auf Bewusstsein und Geist sollte wirken können. (Die oft verheerende Wirkung des Unbewussten, kollektiv oder persönlich, war offensichtlich weder bekannt noch vorstellbar.) Letzterer aber, der Idealismus, kennt nur Vorstellungen, lässt sie aus dem Ich hervorgehen und macht damit dieses frei und unabhängig. [S. 364-5]
- Logik
- Naturphilosophie
- Philosophie des Geistes - der Zustand des An- und- für-sich-Seins des Geistes
Die Philosophie des Geistes gliedert sich wiederum in drei Stufen:
- der subjektive Geist: das Leben des einzelnen Menschen
- der objektive Geist: Familie, Staat, Gesellschaft und Geschichte
- der absolute Geist: Kunst, Religion, Philosophie
Leider sah Hegel den Staat als Gottesersatz: Der Mensch verdankt alles, was der Mensch ist, dem Staat. Der Mensch ist also Diener des Staates - und nicht umgekehrt. Der Staat steht über dem Individuum. Er hat damit vermutlich die Untertänigkeit und Staatstreue der Deutschen ziemlich gefördert, die 100 Jahre später gleich in 2 Katastrophen führte. Zudem brachte er Brocken wie: Das Leben ist nicht zum Glück, sondern zu Leistung geschaffen, womit er neben dem Untertanen des Staates auch gleich noch den der Wirtschaft richtig dressiert. Hegel, wie generell der Idealismus, gaben sich der Illusion hin, man könne die Fülle der empirischen Wirklichkeit aus den Gesetzen des Denkens ableiten. Er schuf eines der umfassendsten und schwer verständlichen Systeme, erfuhr aber bereits zu Lebzeiten höchste Achtung, ist also nebst Kant DIE Ursache dafür, dass deutsche Philosophie wie Wissenschaft quasi den Auftrag hat, unverständlich sein zu müssen.
Bereits Fichte hatte darauf aufmerksam gemacht, dass es DIE Wissenschaft nicht gibt, dass die Wissenschaften keine gemeinsame Basis haben, sondern jeweils auf eigenen Axiomen aufbauen, also untereinander nicht zusammen hängen. Hegel entwickelt nun allerdings keine Philosophie, die diese Tatsache als Grundlage nimmt, sondern versucht noch, eine gemeinsame Grundlage zu schaffen, eben die Transzendentalphilosophie als unhintergehbare, sich selbst reflexif begründende Struktur. Die Subjektivität ist hier nur möglich, wenn sie mit der Objektivität eine Einheit bildet - woraus sich dann so hübsche Dinge ableiten lassen wie: Freiheit ist die Einsicht in die Notwendigkeit. Und die Notwendigkeiten sind offenbar klar, unterliegen keinen Diskussionen, genau wie heute: rentiert's? wer bezahlt's?
Was den Widerspruch in sich hat, geht in dem Widerspruch zugrunde (eine Aussage, die in der Postmoderne bedeutungslos wurde, denn sonst wären sämtliche irgendwo in der Wirtschaft tätigen längst zu Grunde gegangen ... (s. Die Schizophrenie des Neoliberalismus). Schizophrenie wurde längst zur Norm. Unter Hegel wurde allerdings die absolute Idee, die Logik zum Motor des ganzen Systems. Dieses unterscheidet sich nun immer stärker von der östlichen Philosophie, in der das eine immer einen Teil des andern beinhaltet (Yin und Yang), dadurch aber nicht verunreinigt, sondern eben wirklich wird.. Mit der Aussage: Inhalte können nur innerhalb eines Ganzen gerechtfertigt, d.h. bewiesen werden - nimmt er wieder das klassische stoische Konzept wieder auf, nach dem alles mit allem verbunden ist. Hier nun wiederum besteht absolut kein Widerspruch zu den östlichen Philosophien. Der Widerspruch findet sich also bloss in der Vorhersagbarkeit, der Berechenbarkeit, der Gestaltbarkeit, denen der Westen huldigt, obwohl hier die Zukunft genau so sehr durch Zufälle und Intrigen uvorhersehbar beeinflusst wird, wie im Osten. . Es dürfte eben dieses Ideal der Kontrollierbarkeit sein, dass nach und nach zum völligen Ausschluss aller Philosophie führt, die, im Gegensatz zur Oekonomie, keine Kontrollmechanismen mehr erzeugt. Wissenschaft die Herrschaftswissen erzeugt erlangt die Oberhand über das Denken. Diesen Denken hat Hegel vorschub geleistet, indem er die Philosophie quasi zur Geschichtswissenschaft machte: Die Philosophie ist Erinnerung, Rückblick auf das Vergangene, nicht Prolepse und Entwurf des Kommenden, Sein-Werdenden. Und insofern das Sein-Sollende noch nicht realisiert ist, darf es die Philosophie nicht interessieren; sie hat nur zu begreifen, was ist und was war. Die Kantische Frage: "Was soll ich tun?" hat somit keinen Platz innerhalb der Hegelschen Philosophie - womit sie für die Lebenspraxis einigermassen unbrauchbar ist. Die Begrenzung auf die absolute Objektivität schafft keinen Realismus, sondern vernichtet Intersubjektivität - führt also zu Nihilismus.
Nach Hegel setzte die Philosophie eher auf die Vermittlung intersubjektiver Strukturen durch die Sprache.
Dialektisch gearbeitet haben z.B. Vico, Schopenhauer, Karl Marx - und der Autor (s. Webphilosophie - die eigentlich nichts anderes darstellt, als eine Anwendung des neuen Mediums Internet für die Philosophie).
Mit dem Tode Schellings 1854 ging nebst diesem auch der Idealismus vergessen.
Der Wille, nicht der Geist, die Triebe, nicht das Wissen, treiben den Intellekt. Primär ist es der unbewusste Wille zum Leben, der Erhaltungstrieb, dessen stärkste (und dessen wohl meist am stärksten kontrollierte, d.h. meist unterdrückte) Emanation der Trieb zur Fortpflanzung ist (s. Zensur). Die Welt ist nicht vernünftig, und die Vernunft nur Werkzeug des unvernünftigen Willens (unvernünftig, weil triebbedingt, was für den Geldtrieb genau so gilt wie für den andauernden Trieb zur <Fortpflanzung>). Schopenhauer machte den Weg frei zur Anerkennung des Unbewussten, die durch Nietzsche und vor allem Freud bald erfolgten.
Schopenhauer hielt sich nicht an gesellschaftliche und besonders nicht an geistige Normen und Einschränkungen. Sie finden drum reichlich Zitate von ihm in meinen Präsentationen (search)
Der Religion ist nur das Heilige wahr, der Philosophie nur das Wahre heilig.
Ludwig Feuerbach
Schon der allgemeine Zeitgeist suggeriert den Materialismus: die mit der Welt der Materie hantierende Technik und Industrie, die immer mehr von Grossmachtgedanken besessene internationale Politik und der mit der voranschreitenden Zivilisation um die Wette laufende Hunger nach Geld, der Kapitalismus heisst, wenn man das Geld schon hat, und Sozialismus, wenn man es noch nicht hat, aber haben will. [S. 468]
Die Utopisten fangen darum am falschen Ende an, wenn sie Staat und Gesellschaft auf eine Idee stellen; Stärke und Lebenskraft des Marxismus-Leninismus bestehen darin, dass er sich in seiner praktischen Tätigkeit eben auf die Bedürfnisse der Entwicklung des materiellen Lebens der Gesellschaft stützt.
Lebensphilosophie, Begründet von Schopenhauer und Nietzsche, wurde auch von O.F. Bollnow betrieben, aus hermeneutischer Perspektive. Für ihn stand nämlich das Verstehen von Menschen über dem Verstehen von Texten. Da dieser Anspruch äusserst sinnvoll ist, aber längst nicht erfüllt wurde, ist hier weitere Denkarbeit nötig. Die Lebens-Philosophie kann eben so wenig an die Psychologen abgegeben werden, wie die Ökonomie an die Ökonomen, da beide kausale Zwangsveranstaltungen daraus machen. Psychologie befasst sich vor allem mit geistigen Wirrungen bei bewussten und unbewussten Denkfunktionen, kann aber, als Wissenschaft, nicht den Sinn des Lebens ergründen oder schaffen. Lebensphilosophie gibt auch dem Irrationalen Raum, und setzt eher auf Intuition als auf Wissenschaft. Das mag etwas absurd tönen, aber wenn Sie sich ansehen, welch kalte Welt pure Rationalität schafft, wie sehr eine Welt verarmt, die nach rationalen Kriterien restrukturiert wird, wie irrational oft die Ergebnisse rationalen Handelns sind (s. Restrukturierung & Flexibilität) ...
Ein wichtiger Vertreter dieser Richtung war auch Georg Simmel, der besonders bekannt wurde durch sein Werk, Philosophie des Geldes.
Philosophie ist die wahrhaftigste aller Wissenschaften, die Kunst des Misstrauens.
Die Wissenschaft ist hässlich, trocken, trostlos, schwierig, langwierig - lasst uns sie verschönern! > Immer wieder etwas, das sich Philosophie nennt. Sie will was alle Künste und Dichtung wollen - vor allem Unterhalten (wie die Gartenkunst ...).
[Morgenröte 427]
Persönlich würde ich heute Nietzsche lieber den Kynikern zuordnen. Er wollte die Menschen befreien von falschen Mächten die sie in ihrer Entfaltung hemmten, insbesondere vor einer verlogenen Kirche:
Morgenröte 411: Du willst von deiner Leidenschaft Abschied nehmen? Tue es, aber ohne Hass gegen sie! Sonst hast du eine zweite Leidenschaft. - Die Seele des Christen, die sich von der Sünde frei gemacht hat, wird gewöhnlich hinterher durch den Hass gegen die Sünde ruiniert. Sie die Gesichter der grossen Christen an! Es sind die Gesichter von grossen Hassern.
Mit seiner Betonung der Stärke und des Willens gerät er natürlich an den Rand des Sozialdarwinismus, ja Faschismus ... oder gar Neoliberalimus ... hätte er wirtschaftlich gedacht, aber er dachte weder politisch noch wirtschaftlich. Beides war für ihn Zeitverschwendung.
Der Antichrist 2: Was ist gut? - Alles, was das Gefühl der Macht, den Willen zur Macht, die Macht selbst im Menschen erhöht. Was ist schlecht? - Alles was aus der Schwäche stammt. Was ist Glück? - Das Gefühl davon, dass die Macht wächst, dass ein Widerstand überwunden wird. ...
Morgenröte 179: Sowenig als möglich Staat! - Alle politischen und wirtschaftlichen Verhältnisse sind es nicht wert, dass gerade die begabtesten Geister sich mit ihnen befassen dürften und müssten. ... Es sind und bleiben Gebiete in der Arbeit für die geringen Köpfe, und andere als die geringsten Köpfe sollten dieser Werkstätte nicht zu Diensten stehen: Möge lieber die Maschine wieder einmal in Stücke gehen! ... Unser Zeitalter, soviel es von Oekonomie redet, ist ein Verschwender: Es verschwendet das Kostbarste, den Geist.
Morgenröte 186: Geschäftsleute. - Euer Geschäft ist euer grösstes Vorurteil, es bindet euch an euren Ort, an eure Gesellschaft, an eure Neigungen. Im Geschäft fleissig - aber im Geiste faul, mit eurer Dürftigkeit zufrieden und die Schürze der Pflicht über diese Zufriedenheit gehängt: So lebt ihr, so wollt ihr eure Kinder!
Wahr ist, was sich durch seine praktischen Konsequenzen bewährt. Nicht das Denken ist der eigentliche Prüfstein der Wahrheit, sondern das Handeln (gr: pragma). Denkern mag der Satz einigermassen zuwider sein, allerdings erhält er in der Zeit der komplexen Systeme, deren Reaktionen nicht mehr vorher bestimmbar sind, eine ganz neue Aktualität.
Der Grundsatz des Pragmatismus ist ein äusserst vernünftiger: Was in einem bestimmten Kontext wesentlich oder unwesentlich ist, hängt von den Interessen und Zielsetzungen ab, die unsere Unternehmungen leiten. [Graeser: Positionen der Gegenwartsphilosophie. S. 18] Logischerweise ersetzt der Pragmatismus, genau wie der Kommunismus, Wissenschaft durch Ethik, im erstern Falle durch eher individalistisch getönte Ethik, im zweiten durch eine Ethik der Gemeinschaft. Problematisch für eine "Wissenschaft" oder auch Philosophie mit Wahrheitsanspruch ist, dass ethische Aussagen eben kontextabhängig sind, z.B. von Kultur, ja sogar von Geschlecht (s. Carol Gilligans zwei-moralen-Theorie: Jungs sind unpersönlich, prinzipienorientiert - girls persönlich, eher auf Zuwendung, Konfliktlösung, Integration fokussiert), also keine allgemeingültigen Aussagen erlauben, sondern auf Verhandlungen basieren - und damit auch von Machtstrukturen abhängig sind.
Spengler erkannte allerdings auch, dass es keine universelle Wahrheit gibt, dass jede Kultur ihre eigene Wahrheit hat, Denken also standortsgebunden, vom Kontext abhängig ist.
Aufgabe der Philosophie ist es, einen Beitrag zum fortwährenden Gespräch der Menschheit über die eigene Zielsetzung zu leisten.
Die Philosophie soll bei Auseinandersetzungen Partei ergreifen und im Auge behalten, wie sich der Gang des Gesprächs verändern lässt. Sie soll sich fragen, ob die Entscheidungen für diese oder jene Seite Auswirkungen hat auf soziale Hoffnungen, Handlungspläne und Prophezeihungen einer besseren Zukunft.
| Hier zerbricht nicht nur der alte Glaube der Glaube an Gott oder Götter, hier zerbricht auch die Philosophie. Sie gibt sich quasi selbst auf, kappt ihre Wurzeln, wo sie die Suche nach der Wahrheit aufgibt und sich mit dem Führwahrhalten begnügt. Sie fördert damit den neuen Glauben, den Glauben an die Machbarkeit, gefördert durch die Wissenschaften (den Scientismus), vor allem die Technik, und die dieses Wissen umsetzende Wirtschaft, ganz egal ob es nun um die kommunistische, sozialistische oder liberale Version des Produktivismus oder gar der <Produktionsgesinnung> geht. Die Philosophie, die nicht mehr nach Wahrheit fragt, wird zum Zulieferer der Wissenschaft und Technik, vor allem über die analytische Philosophie. Der Produktivismus hat sich in den letzten Jahren derart als einziges Leitbild durchgesetzt, dass er zu Recht als fundamentalistisch beschrieben werden darf, und gerade wegen der Starrheit jeden Fundamentalismus so eigentlich nur noch zerbrechen kann. Es war bereits Martin Heidegger der vor einem halben Jahrhundert beklagte, es würde nicht mehr gedacht. Sein berühmtes Diktum: Die Wissenschaft denkt nicht darf so nicht als sinnlose Veräppelung von Wissenschaftlern verstanden werden, denn natürlich führen auch diese hochkomplexe Denkprozesse durch - aber ein jeder immer nur im strengen Rahmen seiner Disziplin. Dort allerdings wo diese Rahmen noch nicht vorhanden sind oder wieder zerbrechen, dort wäre philosophisches Denken angebracht - und an diesem hapert es, auch und gerade bei den Herren (meist auch Damen) Professoren. Heidegger wird kaum gelesen, denn er ist a) unverständlich und war b) ein Nazi. Marcuse der das selbe Problem etwas später und mehr im Detail analysiert hat, wird vermutlich nicht gelesen weil er Jude war und mit der Freiburger Schule irgendwie den 68ern zugerechnet wird ... |
Philosophie des 20. Jahrhunderts
Positivismus, Geld, Existentialismus, Sophistik, Postmoderne, Konstruktivismus, Strukturalismus, Dekonstruktion
Neue Aufgaben der Philosophie im 20. JH:
Philosophie ist die Wissenschaft des Möglichen.
Philosophie ist die Gesetzgebung der Vernunft. Kant: Kritik der Vernunft. Die nationalsozialistische Agitations-Philosophie führte allerdings zur Zerstörung der Vernunft. Gegen diesen antiaufklärerischen agressiv- revolutionären Trend setzte die Philosophie wieder stärker auf die hermeneutische Tradition der Auslegungsvielfalt. Diktatur ist ein Wahrheitsmonopol.
Ideologiekritik: Von Soziologie: Voir pour prévoir bis hin zur Kritik, die auf Realisierung drängt. Für Marx etwa war Ökonomie ist die Basiswissenschaft, und Philosophie bietet die notwendige Zusammenhangsorientierung. Er kritisierte die Philosophie, weil sie ihre eigene, dreifache Forderung: Wirksamkeit, Wahrheit, Universalität des Denkens - nicht erfüllt hatte.
Die Philosophen haben die Welt nur verschieden interpretiert; es kommt darauf an, sie zu verändern.
Marx
Wissenschaftswissenschaft (heute Wissenschaftsphilosophie)
W. Wundt: Philosophie als reaktive Disziplin, die nicht den Wissenschaften voraus geht, sondern sie verarbeitet.
Hegel, Schelling, Kant und dessen Nachfolger waren allerdings der Meinung, dass die Philosophie den Wissenschaften ihre Prinzipien vorgibt.
H. Rickert: Philosophie als Wertwissenschaft und universale Wissenschaft vom Weltganzen
Rettung der philosophischen Diskussion
Philosophy is completely unified knowledge
H. Spencer
Philosophie ist Politik in der Theorie
Merlau-Ponty:
Vertritt die These, dass sich nach der mythologisch-theologischen Phase, dem Polytheismus, Monotheismus und der 2. Phase, der metaphysischen Periode, nun eine dritte einstellen müsse, in der nur das positiv gegebene, das unmittelbare, wirklich erfassbare als wissenschaftlich gelte. Allerdings ist vermutlich auch die These, dass nur Seiendes als Erscheinungen auftrete eine metaphysische Illusion, die durch viele Sinnestäuschungen belegt ist. Zudem findet hier der freie Wille kaum einen Platz. Positivismus ersetzt Philosophie durch Wissenschaft, vergisst dabei aber, dass die wenigsten Probleme menschlichen Lebens, insbesondere Probleme des Sinns und der Freiheit, irgend was mit Wissenschaft zu tun haben.
Auguste Comte (1798-1857): A. Comtes System der Wissenschaften: Mathematik <> Astronomie <> Physik<> Chemie <> Physiologie <> physique sociale (Soziologie).
Diese Reihenfolge ist eine notwendige, da jede Wissenschaft auf der vorherigen beruht und die folgende vorbereitet, beschreibt gleichzeitig den wissenschaftlichen Entwicklungsgang der Menschheit: Die Mathematik als abstrakteste, einfachste und allgemeinste Wissenschaft steht am Anfang der Geschichte, die Soziologie als die komplizierteste, schwierigste und konkreteste Lehre hat erst angefangen, wahrhaft Wissenschaft zu werden.
John Stuart Mill (1806-1873): Baute vor allem auf Induktion und Deduktion, unterscheidet streng zwischen Natur- und Geisteswissenschaften, wobei er zu den letzteren auch Ethologie und Soziologie rechnet, die heute meist als Sozialwissenschaften klassiert werden.
Der Hauptfehler des Positivismus ist es, den Menschen als ein von Trieben und Instinkten beherrschten Automaten zu betrachten. Der Mensch kann aber, völlig unwissenschaftlich, total auf Ursache-Wirkung sehend, hörend oder pfeifend, zielorientiert agieren. Zudem kann er zwischen unterschiedlichen Verhaltensmöglichkeiten wählen, oder nicht wählen, oder was total sinnloses tun und sich irrational verhalten - oder, was er am liebsten tut, das selbe tun, was die andern tun (was oft eben auch nicht gerade rational ist, s. Börse. Kurzum, der Mensch hat etwas, was wissenschaftliche und philosophische Regeln nicht fassen können: Er ist frei.
A.A. Cournot's System der Wissenschaften:
science mathématiques
sciences physiques et cosmologiques - praktisch-technische Seite: Industrie -
science biologiques
sciences noologiques et symboliques (Logik, Ästhetik. natürliche Theologie, Ethik)
sciences politiques et histoire - praktisch-technische Seite: Militär- und Finanzwirtschaft
Spekulative Philosophie - kritischer Rationalismus,
tönt verwerflich, entspricht aber eigentlich dem Verfahren, dass der so geschätzte Popper für die Wissenschaften vorschlägt , dem kritischen Rationalismus, der eigentlich bloss eine verwissenschaftlichte Form der Dialektik ist: Auf Deibel komm raus Theorien (Hypothesen) produzieren - und diese kritisch an der Realität und an andern Theorien und auf Logik testen. Hegel stellte fest, dass nur die spekulative Philosophie den Geist in Tätigkeit und als Prozess sieht, dass also nur sie den wahren Geist erfassen kann. Der unentbehrliche Ausgangspunkt philosophischer wie wissenschaftlicher Forschung, die Heuristik, ist immer spekulativ. Ohne diesen Anteil, der das künstlerische und eigentlich innovative der Forschung darstellt, verkommt jene zu Handwerk und Schule, die nur noch anwenden und wissen, aber nicht mehr forschen und lernen wollen.
Von Kant bis zu Beginn des 20 JH, kann, wie heute, fast alles Philosophie heissen: Philosophie der Landwirtschaft, der Geschichte, des Spinnrockens - Betriebsphilosophie, Designphilosophie ... aber die Philosophie kam immer mehr in die Defensive und kämpfte, insbesondere in Anbetracht der Erfolge der technischen Wissenschaften, gegen die eigene Überflüssigkeit.
Analytische Philosophie Sprachanalyse/Logizismus/Logik
Analytische Philosophie basieren auf Russell, More, Frege (formale Logik), Carnap, Mach. Sie hat einiges vollbracht in Sachen Logik, allerdings den Begriff Philosophie auf einen zu engen, wissenschaftlichen, verengt und den Überblick wie die Praxis verloren. Wittgenstein leistete enormes in der Grenzziehung zwischen dem klar Sagbaren und dem sich nur Zeigenden. Der linguistic turn steht aber in scharfem Gegensatz zur System-Philosophie, die für reelle Belange mehr zu leisten vermag
Obwohl sich die analytische Philosophie oft sehr weit von den Problemen befindet, die für den Alltag "normaler" Menschen von Belang sind (und dementsprechend unverständlich), bietet sie dem Forscher ein gewaltiges Arsenal an neuen Forschungsinstrumenten. So ist z.B. die Duhem-Quine-These, dass sich wissenschaftliche Konzepte nur als ganzes, nicht in einzelnen Sätzen widerlegen lassen, zwar bekannt, ist Grundlage ganzheitlichen, holistischen Denkens - und wird gerade darum vermutlich grossräumig umgangen. Ebenso die These der Wahrheit durch Uebereinkuft (truth by convention), die zwar in der Politik gang und gäbe ist, aber in Forschung und Wissenschaft ebenfalls grossräumig umfahren wird. Die mathematische Grundlage, die boolsche Algebra, ist ebenso einigen wenigen Spezialisten bekannt. Diese Instrumente sind absolut genial für Sucher, Forscher, Denker - werden aber gerade wegen ihrer Kompliziertheit eigentlich vorwiegend für Propagandazwecke der Marktbeherrscher missbraucht. Sie sind auch weit weniger nutzbar für Sozial- und Geisteswissenschaften.
Prof. Andreas Graeser [Positionen der Gegenwartsphilosophie. Vom Pragmatismus bis zur Postomoderne. becksche reihe. München2002] sieht hier den point of no return erreicht, der die Philosophie für die meisten zu einer unzugänglichen, esoterischen oder zumindest technikalisch anmutenden Angelegenheit machte. Die analytische Philosophie verlangt Präzision, die für die Geisteswissenschaften destruktiv war. Philosophie war immer auf das Allgemeine hin angelegt, und darf Verbindendes nicht aus den Augen lassen. Analyse trennt aber alles Verbindende und kümmert sich nur um das, was eben mit den historisch bedingten und zufälligerweise vorhandenen Methoden bearbeitet werden kann (s. Feyerabend). Philosophische Probleme werden auf Sprachprobleme reduziert. Was darüber hinaus geht, davon kann diese Philosophie nicht mehr reden.
Naturgesetze bedingen nicht unserer Anerkennung, um wahr zu sein, sie brauchen nicht einmal von uns gedacht zu werden.
Logik ist die Wissenschaft der allgemeinsten Gesetze des Wahrseins.
Psychologismus-Diskussion:
- Es ist das Psychologische von dem Logischen, das Subjekt von den Objekten scharf zu trennen.
- Nach der Bedeutung der Wörter muss im Satzzusammenhange, nicht in ihrer Vereinzelung gefragt werden.
- Der Unterschied zwischen Begriff und Gegenstand ist im Auge zu behalten.
Obwohl das Individuum, insbesondere die Psyche aus der Diskussion um allgemeine Wahrheiten eliminiert wird, erhält das Kontext-Prinzip, und damit trotzdem eine Art von Relativität, herausragende Bedeutung. Dem Wort wird keine selbständige Bedeutung mehr zugestanden ausserhalb des Satzes. Das Prinzip ist zwar einigermassen vernünftig, wird aber gerade heute wieder aufgelöst, wenn unter Google praktisch nur noch nach Worten gesucht wird, in Wikipedia Bedeutungen und Zusammenhänge sich unter einzelne Worte ordnen.
Der Gedanke entsteht, laut Frege, in drei Stufen:
- das Fassen des Gedankens - das Denken
- die Anerkennung der Wahrheit des Gedankens - das Urteilen
- die Kundgebung des Urteils - das Behaupten
Interessant ist hier der äusserst kritische Umgang mit der Wahrheit, denn auch nach Denken und Urteilen wird das Resultat nicht als Wahrheit verkündet - sondern als Behauptung, als Meinung quasi, und dem Urteil der Um-Welt überlassen. Hier basiert das Problem, das Russell so formuliert hat: Der grosse Jammer in dieser Welt ist, dass die Dummen immer felsenfest von ihrer Sache überzeugt und die Klugen voller Zweifel sind.“
Die Philosophie ist nach meiner Auffassung ein Mittelding zwischen Theologie und Wissenschaft. Gleich der Theologie besteht sie aus Spekulation über Dinge, von denen sich bisher noch keine genaue Kenntnis gewinnen liess; wie die Wissenschaft jedoch beruft sie sich weniger auf eine Autorität, etwa die der Tradition oder die der Offenbarung, als auf die menschliche Vernunft. Jede sichere Kenntnis, möcht ich sagen, gehört in das Gebiet der Wissenschaft; jedes Dogma in Fragen, die über die sichere Erkenntnis hinausgehen, in das der Theologie. Zwischen der Theologie und der Wissenschaft liegt jedoch ein Niemandsland, das Angriffen von beiden Seiten ausgesetzt ist; dieses Niemandsland ist die Philosophie. [S. 11]
- Die Welt ist alles, was der Fall ist.
- Was der Fall ist, ist die Tatsache, ist das Bestehen von Sachverhalten.
- Das logische Bild der Tatsache ist der Gedanke. Fritz Mautner: Der Zweck der Philosophie ist die logische Klärung der Gedanken.
- Der Gedanke ist der sinnvolle Satz. (s. Denkstücke)
Der Satz ist ein Bild der Wirklichkeit.
Der Satz ist ein Modell der Wirklichkeit, so wie wir sie uns denken.
Nur dadurch kann der Satz wahr oder falsch sein, indem er ein Bild der Wirklichkeit ist.- Der Satz ist eine Wahrheitsfunktion der Elementarsätze.
Die allgemeine Form der Wahrheitsfunktion ist
"Tractatus", 6.52: Wir fühlen, dass selbst wenn alle möglichen wissenschaftlichen Fragen beantwortet sind, unsere Lebensprobleme noch gar nicht berührt" sind. Freilich bleibt dann eben keine Frage mehr; und eben dies ist die Antwort.
. Dies ist die allgemeine Form des Satzes
- Die Logik als Lehre von den Tautologien (Logische Sätze bilden nichts ab, sind also Tautologien. Mathematik sagt nichts über die Welt aus..
- Die Mathematik als logische Methode
- Die Naturwissenschaften als Beschreibungsmittel von Sagbarem
- Die Ethik (und Aesthetik) als transzendentales (oder transzendentes) Phänomen.
- Das Mystische als Grenzerfahrung
- Fazit: Wovon man nicht sprechen kann, darüber muss man schweigen.
Dies tönt, wie alles bei Wittgenstein, natürlich sehr logisch, muss aber deshalb trotzdem noch lange nicht stimmen, denn mit der Logig verhält es sich so ähnlich wie mit der Mathematik, zu der Russell meinte:
Das Kriterium der Mathematik ist nicht Wahrheit - sondern Folgerichtigkeit.
Russell drückt das wittgensteinische Konzept so aus: Das Hauptgeschäft jeder Sprache ist, Tatsachen zu behaupten oder zu verneinen. Aber das ist überhaupt keine Aufgabe. Tatsachen behaupten oder verneinen sich selbst; das heisst, entweder sie existieren oder sie existieren nicht. Er bleibt stumm. Die Aufgabe der Sprache als einer Erweiterung des Lebens liegt darin, zu entscheiden, welche Tatsachen es wert sind, behauptet oder verneint zu werden. , welche Tatsachen für die Menschen bestehen und nicht bestehen. Es ist die Aufgabe der Sprache, das bestmögliche Werkzeug für die Gruppierung von Tatsachen einer geordneten Weltanschauung zu sein; es muss die Tatsachen auswählen, verdichten oder hierarchisch klassifizieren können; und in eine solche Weltanschauung muss das Subjekt eingehen. Die Gesellschaft muss zweimal erscheinen, als ich und Welt, und in beiden Fällen muss sie ihre materielle Geschichte nach sich ziehen.
Wovon man nicht sprechen kann, darüber muss man schweigen, schloss Wittgenstein, in mystischer Form behauptend, dass die Sprache, weil sie ja Tatsachen wiedergibt, nicht von nicht gegenständlichen Wesen sprechen kann, sondern in eine mystische Intuition zurückfallen muss. Das ist nicht wahr. Indem Wittgenstein die Funktion der Sprache willkürlich begrenzt ("Reden in Zungen" sicher nicht erfasst. Kommentar des Red.), schliesst er sie aus den Bereichen aus, in denen sie sich schon lange erfolgreich behauptet hat. Gerade die Kunst - Musik, Poesie und Roman -spricht in der affektiven Vielfalt das aus, worüber man in der logischen Vielfalt nicht sprechen kann. [S. 251]
- Wittgenstein I und II: Vom logischen Positivismus zur Postmoderne der Sprachspiele
Luitzen E. J. Brouwer (1881-1966): Ein typischer Fall hoher Intelligenz - und sozialer Isolation. War ein eigenwilliger und schwieriger Charakter der sich in eine Hütte zurückzog. Er betrachtete die Sprache als Versklavungsinstrument, mit dem das Individuum beherrscht wird durch die Übermittlung uralter moralischer und ideologischer Muster. Obwohl dies so weit enorm an Theodore Kaczynski, den una-Bomber erinnert, hat auch er bis zu einem gewissen Mass recht: So pflanzt sich vor allem der Materialismus unter Vortäuschung geistiger Werte von Generation zu Generation fort, - die Sprache als Erbsünde. Dem Solipsismus (nur das eigene Ich ist wirklich) versucht er über die Signific-Bewegung mit einer Theorie der Zeichen zu überwinden:
- Mathematik hat nicht bloss formale, sondern auch inhaltliche Bedeutung
- Die mathematischen Gegenstände werden von dem denkenden Geist unmittelbar erfasst; die mathematische Erkenntnis ist daher von der Erfahrung unabhängig.
Gödel zerstört die Illusion, das zumindest abstrakte Systeme wie die Mathematik widerspruchsfrei möglich sind. Er zerstört damit Hilperts Programm, eben diese Widerspruchsfreiheit zu beweisen. Einstein hat dann sogar Raum und Zeit ihre Verlässlichkeit genommen und sie von der Geschwindigkeit abhängig gemacht. (s. Lorenz-Transformationen).
Neopositivismus / Logischer Empirismus / / Wiener Kreis
Philosophie ist nicht ein System von Sätzen, sie ist keine Wissenschaft. Philosophie ist die Tätigkeit, die den Sinn der Aussage feststellt oder aufdeckt.
Wissenschaftsphilosophie/Wissenschaftstheorie
Aufgabe diesen Zweiges der Philosophie, oft auch Wissenschaftsgeschichte genannt, ist die Klärung des Bestandes von Wissenschaften, die Beschreibung des faktischen Tuns der Wissenschaften, Beurteilung bzw. Rechtfertigung bestimmter Annahmen wissenschaftlichen Denkens und gegebenenfalls auch Verbesserung der Wissenschaften durch entsprechende methodologische Normierungen. [Graeser S. 143] Solche Aktivitäten sind in der Philosophie angesiedelt, weil die Reflexion auf Wissenschaft und Wissenschaftlichkeit, Exaktheit und Evidenz hier immer schon eine wichtige Rolle gespielt hat.
Karl Popper (1902-94): kritischer Rationalismus: Es gibt keine reinen Beobachtungen: sie sind von Theorien durchsetzt und werden von Problemen und Theorien geleitet. Eine Theorie lässt sich nicht verifizieren, weder induktiv noch deduktiv (alle Raben sind schwarz ... ist ein Rabe, der in die Mehltruhe gefallen ist noch ein Rabe?), sondern nur falsifizieren, denn es können nie alle Bestandteile geprüft werden - wobei ein einzige Fehlfunktion reicht, ihre Mängel zu belegen. Wissenschaftliche Theorien erklären vorliegende Sachverhalte und prognostizieren zukünftige, nach dem deduktiv-nomologischen Erklärungsprizip Hempels.
Ein bisschen fies ist Popper dort, wo er Brouwers Sorge um die propagandistische Wirkung der Sprache auf die in Stämmen organisierte Gesellschaft reduziert [Die offene Gesellschaft und ihre Feinde], denn innerhalb der offenen Gesellschaft gibt es natürlich eben solche Herrschaftsstrukturen die ihre Interessen propagieren und durchsetzen.
Eben so fies ist er, wo er nach stückweiser Veränderung im kleinen ruft, und Systemänderungen verwirft - obwohl er selbst des langen und breiten erklärt hat, wie stark Theorien unsere Sicht der Welt beeinflussen. Und eine der einflussreichsten Theorien ist nun eben zur Zeit der Liberalismus, insbesondere in der Form des Neoliberalismus.
Häufig, so auch vom Schreibenden im ersten Ansatz, wird Phänomenologie mit Phänomenalismus, also Illusionismus verwechselt, der sich, quasi aus Sachzwang, wirklich nur mit den "Erscheinungen" befasst, während dem sich die Phänomen-ologie, also die Wissenschaft der Phänomene, darum bemüht, diese von allen Verzerrungen zu reinigen um möglichst nahe an den Kern, die Substanz, das Wesen der Dinge heranzukommen. Bis zu Husserl wurde der Begriff in der Philosophie allerdings eher vage benutzt.
Bei Brentano erhält der Begriff Phänomenologie eine zentrale Stellung innerhalb der Metaphysik, da sie. von den Grundbestandteilen des «Inhalts gewisser Vorstellungen», d.h. «von realen physischen Phänomenen» handelt. Ihre Gegenstände sind: «1. sinnliche Qualitäten; 2. Ort- Zeitbestimmungen; 3. Bewußtsein: Vorstellen, Urtheilen, Lieben und Hassen; 4. Intensität in verschiedener Bedeutung; 5. Relationen (Vergleich, Causalität, Intentionalität, Zahl, Ausdehnung); 6. Richtigkeit (Evidenz, motivierte Liebe); 7. das Reale (Analysen mit Rückführung auf die Elemente, z.B. Möglichkeit, Nothwendigkeit, Existenz, Substanz)» [4]. [nach: Historisches Wörterbuch der Philosophie, S. 26099]
Husserl führte den Begriff "Phänomenologie" 1901 ein als Ersatz für das bis dahin verwendete "deskriptive Psychologie".
Eine Folge der verzweigten, uneinheitlichen Geschichte der Ph. ist es, daß die Termini Ph. und phänomenologisch heute oft jede spezifische Bedeutung verloren haben und in einem vagen allgemeinen Sinn für vorurteilsfreies Sehen und Beschreiben verwendet werden.
Die phänomenlogische Methode wird heute vor allem in deskriptiven Wissenschaften verwendet, also Wissenschaften die mit -graphie oder -kunde enden wie Geographie, Historiographie etc. und begrenzt sich auf eine widerspruchslose Darstellung von Fakten, ohne Wertungen. Von daher wäre es vielleicht günstig, die Oekonomie mal wieder als Wirtschaftskunde zu bezeichnen und phänomenologisch zu betreiben, sie von der Aura des autoritativen Kalküls zu befreien.
Methoden der Phänomenologie:
In humanistisch-therapeutischen Theorien, Gestalttherapie, Gesprächstherapie oder auch Logotherapie, steht die Phänomenologie häufig als erkenntnistheoretisches Werkzeug im Vordergrund. Gemeinsam ist allen Theorien die Vorsicht bezüglich schneller Interpretation, Theorien nicht verabsolutieren zu wollen, sondern immer dem konkreten Erfahrungsbereich des Alltags verbunden zu bleiben, sowie die Autonomie der Erfahrung des anderen zu achten.
Edmund Husserl (1859-1938):
gehört zu denen, die Philosophie als Wissenschaft begründen wollten. Grundsatz der Phänologie ist es, sich ausgreifender Weltdeutungen zu enthalten und vorurteilsfrei das zu beurteilen, was sich dem Bewusstsein offenbart, also die Phänomene. Husserl basiert dabei auf der Intentionalität von Franz Brentano, die besagt, dass psychische Phänomene sich von physischen darin unterscheiden, dass sie auf etwas gerichtet sind, Bewusstsein von etwas darstellen. Ein Grundzug der Intentionalität ist das Streben nach Evidenz, die zweifelsfreie Selbstgegebenheit bezeichnet.
Husserls setzt auf intuitives direktes Wahrnehmen, kommt aber dabei enorm in den Clinch mit der Psychologie - mit der er die Phänomenologie nicht verwechselt haben möchte, sondern deren "naturwissenschaftliche" Basis er schaffen will. Dass das Resultat der bevorzugten philosophischen Denkweise, des "denken lassens" über Intuition nicht ganz so über jeden Verdacht erhaben ist, wurde hier bereits unter Intuition und Denken analysiert. Besonders letzterer Beitrag dürfte Ihnen verständlich machen, was Philosophie (oder Denken allgemein) mit Psychologie gemeinsam haben.
Diese Nutzung von Phänomenen als zweifelsfreiem Ausgangspunkt mutet uns also heute etwas seltsam an - allerdings hätten auch die Skeptiker vor 2500 Jahren bereits daran gezweifelt. Wie viele optische Täuschungen (2 , 3) sind uns bekannt? Glauben Sie nicht, dass man sich echt täuschen kann, und klar zu sehen vermeint, obwohl es nicht sein kann? Besuchen Sie mal das Technorama in Wintertur. Da steht eine Demonstration, bei der Lichtflecken projiziert und bewegt werden, und der blaue läuft langsamer als der rote und der gelbe. Dies kann ja rein physikalisch nicht sein - sondern ist durch die Physiologie des Auges bedingt, das auf Blau träger reagiert. Slow blue dürfte einer der überzeugendsten Argumente dagegen sein, dass die Dinge so sind wie wir sie sehen.
Dazu kommen 1000 weitere Gründe, warum das Auge gerne irrt. Diese wurden bereits vor 900 Jahren detailliert beschrieben von Al Ghazali in Die Nische der Lichter. Aus der Perspektive leben wir im Jahr 1425, und nicht die Muslime.
1901 jedoch, als Husserl seine logischen Untersuchungen publiziert, war eine Zeit intensivster psychologischer Forschung (Wundt, Freud, Adler, Jung: s. Geschichte der Psychologie). Das "Unbewusste" war erkannt, auch wenn die Konzepte von Freud und Jungs kollektives Unbewusstes noch Entwürfe waren. Wie stark Erkenntnis also von der individuellen Konstellation des Gehirns abhing, war bekannt.
Sieht man sich allerdings die Werke der Psychologen an, so wird bald klar, dass auch sie (s. sp. Freud) ein Cartesianisches Bild vom Menschen hatten: L'homme machine, der Mensch der ganz von seiner Natur und seinen Trieben abhängig, eben, getrieben, war. Folgerichtig entwickelte sich aus der Phänomenologie später der Behaviorismus (der, so meine Meinung, samt Positivismus und Phänologie, auf den Misthaufen der Geschichte gehört. * )
Der Grund dafür ist ein recht einfacher. Je mehr Wissenschaften es gibt, die jede ganz klar, wahr, deutlich und unumstössliche Wahrheiten verkünden, je mehr der Mensch vom final sich orientierenden (s. causa finalis) zum kausal getriebenen wird, um so mehr gerät er in den Spagat zwischen unterschiedlichen Ansprüchen. Gerade in unserer Zeit ist dieser Spagat wieder enorm. Die Wirtschaft weiss, dass der Markt alles am besten weiss. Die Politiker wissen's besser. Seine eigenen Triebe sowieso. Die Lehrer und Professoren, aber auch Vorgesetzten, auch ... und trotzdem (oder gerade deswegen ...) funktioniert nichts mehr so, wie es laut den Einzelwissen sollte. Resultat: Postmoderne, Nihilismus, Flucht in Zynismus, Konsum, Arbeit, Glauben oder Sektiererei. Die meisten denkenden Menschen befinden sich heute in einer Situation wie die armen Bären von Zürich - von denen sich einer schon mal einge-igelt hat. Es handelt sich um den berühmten Orchideenfarbene Stachelbären (Ursus spinosus var. orch). Durch seine Farbe zeigt er uns, dass er zur Gattung der postmodernen Hedonisten gehört. Er fühlt sich zwar (annähernd) rosa, weiss aber, dass die Welt nicht so ist. Also sichert er sich durch seinen Stachelpanzer. Da steht er also stellvertretend symbolisch für eine ganze Generation - wie viel mehr Kunst will man dem armen Viech denn noch zumuten? [Diese Meinung wurde offenbar geteilt, denn bei der Versteigerung zum Abschluss der Aktion erzielte der Stachelbär mit 19'000 Fr. den Maximalpreis.]
Von den einen gelobt, die sich dran freuen, von den andern mit der Aufgabe bedacht, Kunst zu sein (- und wegen Nichterfüllung des ja kaum selbst gewählten Auftrags verdammt) und/oder politisch motivierend zu sein ... aber nur so weit, dass sich kein potentieller Kunde darüber ärgert (wie die Chinesen über den Gallenbären) - da sie sonst ihre eigentliche Funktion als Werbeträger nicht mehr erfüllen können. In einer Welt widerstrebender Interessen und Selbstentwürfe (positive Folge des Existenzialismus) taugen derartige "wissenschaftliche Philosophien" der Gesellschaft nicht mehr. Die Philosophie muss hier, ganz im Sinne der Systemtheorie, neue Entwicklungsmöglichkeiten für neue Strukturen und Funktionen aufzeigen die dem Menschen die Erfüllung seines Auftrags ermöglichen, nämlich den, erst eigentlich Mensch zu werden. Die Einzelphilosophie beschränkt hier meist zu sehr. Der sich selbst entwickelnde Mensch steht nämlich mindestens zwischen zwei Polen: Der Natur (Diogenes), die ihn treibt, aber auch Grenzen setzt - das Ideal, das ihn anzieht, das er sich selbst als Ziel setzt, teleologisch, nicht kausal getrieben. Phänomenologie und Behaviorismus machen den Menschen vom Schöpfer seiner Selbst zum Getriebenen.
Je ausgeprägter Philosophie zu Wissenschaft wird - desto mehr verliert sie den Überblick.
Scheler unterscheidet nun drei ArteDas phänomenologische Philosophieren ist von diesen Relativitäten frei und gelangt zur schauenden Erkenntnis der «Sachen», wie sie «an sich selber» sind.
[Historisches Wörterbuch der Philosophie: Phänomenologie. HWPh: Historisches Wörterbuch der Philosophie, S. 26130
(vgl. HWPh Bd. 7, S. 501)]
n oberster Wissensformen:
- das Leistungs- und Herrschaftswissen der positiven Wissenschaften zur Erlangung praktischer Ziele
- das Bildungswissen der Philosophie zur Ausformung der Persönlichkeit
- das Erlösungs- und Heilswissen der Religionen als liebende Teilhabe am Prozeß des Seins selbst
Beim Verstehen und Deuten von Dokumenten der Kunst und Literatur geht es nicht darum (wie es in der Schule meist falsch gelehrt wird!) zu ergründen, was der Autor sagt, meint, mitteilen will, denn der hat seine eigene beschränkte Perspektive, die per Lebensgeschichte dann gerne ergründet wird, sondern die Suche nach dem Sinn und der Bedeutung ist darauf abzustellen, was UNS der Text sagt, zu sagen hat. Gadamer macht so den Text zum Gesprächspartner, mit dem sich der Interpret unterhält.
Wilhelm Dilthey: Lebenswelthermeneutik
Für Dilthey war der Gegenstand der Geisteswissenschaften Mensch, Gesellschaft und die Produkte menschlicher Tätigkeit. Der Unterschied zwischen Geistes- und Naturwissenschaften besteht vor allem darin, das die ersteren "verstehende", die letzteren "erklärende" Wissenschaften sind. Als Methode des Erklärens wurde die Hermeneutik entwickelt: Sofern die Hermeneutik den Beitrag der Wissenschaften in diesen Verständigungszusammenhang (in dem wir selbst stehen) einordnet, der uns mit der Überlieferung, die auf uns gekommen ist, zu lebenswirklicher Einheit verbindet, ist sie nicht selber eine Methode und auch nicht ein blosses Bündel von Methoden, wie es im 19. Jahrhundert von Schleiermacher und Boeckh bis zu Dilthey und Emilio Betti als Methodenlehre der philologischen Wissenschaften entwickelt wurde, sondern sie ist Philosophie. Sie gibt nicht nur Rechenschaft über die Verfahren, die die Wissenschaft anwendet, sondern auch über die Fragen, die der Anwendung aller Wissenschaft vorgeordnet sind - wie die Rhetorik, die Plato meinte. Es sind die Fragen, die alles menschliche Wissen und Handeln bestimmen, jene >grössten< Fragen, die für den Menschen als Menschen und seine Wahl des >Guten< entscheidend sind."
Das Auslegen unterscheidet sich von dem Verstehen durchaus nur wie das laute Reden von dem inneren Reden. Schleiermacher, in Gadamer II
Gadamer, H-G: Hermeneutik II. Wahrheit und Methode. Ergänzungen. Register.
Gadamer, Hans-Georg (1900-2002)
H.G. Gadamer schuf das Basiswerk der Hermeneutik: Wahrheit und Methode. Grundzüge einer philosophischen Hermeneutik. Gesammelte Werke Bd. 1. J.C.B. Mohr (Paul Siebeck) Tübingen 1990. Das Wort Hermeneutik leitet sich von dem griechischen "hermeneuein" ab, welches soviel heisst, wie das Auslegen von Göttersprüchen. Geschichte ist somit eine Disziplin, die historische Tatbestände "auslegt" bzw. interpretiert, und zwar nicht in dem Sinn, dass sie Gesetzmässigkeiten zu finden sucht, sondern ein historisches Datum im Rahmen des jeweiligen Gesamtzusammenhangs "verstehen" will. Hermeneutik kommt so nicht nur zur Anwendung bei der Deutung historischer und literarischer Zusammenhänge und Abläufe, sondern auch bei der Deutung menschlicher Sinnstrukturen. Denn gerade diese sind keine vom Individuum frei und unabhängig erstellten Strukturen, sondern Wurzeln tief in Vergangenheit und Kultur. Oder wie es H. Lipps ausdrückte: Der Mensch kann nicht über seinen Anfang verfügen. Er kann nie in Freiheit voraussetzungslos von vorn beginnen, sondern findet sich immer schon gebunden an einen Grund. Lipps war der erste der die Hermeneutik in der Phänomenologie verwendete. Dies wissend, sehen wir sofort, dass an der Aussage, obwohl sie gut (d.h. so richtig philosophisch) tönt, etwas nicht stimmt. Es ist dies der Grund. Der Mensch ist nicht auf ein Reaktives Wesen zu reduzieren, dass nur auf Gründe reagiert, sondern der Mensch setzt sich selbst Ziele, die er, je nach seinen Wurzeln und Potentialen (und nicht zu vergessen der Fortuna), eben verwirklichen kann oder auch nicht. Der Glaube an die Bestimmung des Menschen durch einen Grund, ist der Glaube an Vorherbestimmung und negiert die Freiheit. Ausgeprägt war diese Tendenz im Historismus/Historizismus, insbesondere des Marxismus-Leninismus, der den Lauf der Geschichte als vorherbestimmt sah. Hier wurde und wird die Tendenz auch ausgeprägt kritisiert. Wer heute historizistisch argumentiert, ist wissenschaftlich tot. Total übersehen wurde aber präzise der selbe Trend in positivistischen Denkrichtungen, die alles kausal und real begründen wollen, wobei Sinn und Ideale offenbar keine zielgerichtet (teleologisch) treibenden Kräfte sind. Unsinn also in seiner fundamentalistischen Form. .
Sein, das verstanden werden kann, ist Sprache. Gadamer
Man lässt die Widersprüche stehen, spitzt sie sogar zu und versucht, das Sich-Widersprechende und dadurch Auseinanderfallende in einer umfassenden Einheit zusammenzustellen.
Man nennt dieses Verfahren Dialektik.
Martin Heidegger: Zur Sache des Denkens
Heidegger's hermeneutischer Zirkel ist eine ahnende Vorwegnahme des Ganzen - nachfolgende Explikation im einzelnen: "Folgerichtig gipfelt die Theorie des Verstehens in Schleiermachers Lehre von dem divinatorischen Akt, durch den man sich ganz in den Verfasser versetzt und von da aus alles Fremde und Befremdende des Textes zur Auflösung bringt.. Demgegenüber beschreibt Heidegger den Zirkel so, dass das Verständnis des Textes von der vorgreifenden Bewegung des Vorverständnisses dauerhaft bestimmt bleibt."
Apropos Heidegger ...Zur Zeit wird wieder mal diskutiert, ob Heidegger wohl Reden für Hitler geschrieben habe. Schön wär's! Haben Sie mal versucht, Heidegger zu lesen? Ist zwar erleuchtend, klar und wahr - die Lektüre aber Knochenarbeit. Hätte Heidegger Hitlers Reden geschrieben, wären diese für vielleicht noch für ein Viertelprozent der Bevölkerung verständlich gewesen - und die ganze nationalsozialistische Katastrophenpartei wäre sang und klanglos untergegangen. Schade, hat er's nicht getan ... Hitler kam hoch dank Populismus, nicht dank Philosophie, höchstens dank apolitischer Philosophie die sich im Abstrakten verkroch. Nationalsozialismus ist nicht ein Problem einer herrschenden Philosophie, sondern ein Problem herrschender Banalitäten.
Umfangreiche online Infos zu Hermeneutik
Die Philosophen sind die Denker.
Die Philosophie ist DIE Wissenschaft. Die Philosophie ist <das wirkliche Erkennen dessen, was in Wahrheit ist>
Die eigentliche Wissenschaft ist die <Wissenschaft der Logik>
Philosophie ist Metaphysik. Diese denkt das Seiende im Ganzen - die Welt, den Menschen, Gott - hinsichtlich des Seins, hinsichtlich der Zusammengehörigkeit des Seienden im Sein.
Heidegger
* Ob sich die Wissenschaftler und Philosophen mit Hermes, dem Götterboten, die rechte Person für ihre Kunst erwählt haben, ist ein bisschen fraglich, denn immerhin war Hermes der verschlagene Gott der Händler, der Gott der List.
Existenzphilosophie/Existentialismus:
Eine der wichtigsten philosophischen Strömungen des 20. JH.s war die Existenzphilosophie. Begründet wurde sie von Sören Kierkegaard (1813-55), der Hegels System für völlig verfehlt hielt, denn man könne zwar ein System des Denkens aufstellen - nicht aber ein System des Daseins (auch gegen diesen Grundsatz verstösst die gegenwärtige normierte Einstellung, nach der es nur, und zwar ab kleinster Kindheit, ab 3 Jahren, darum geht, seinen Platz im Markt zu finden, also sich der Wirtschaft anzupassen. Philosophisch ausformuliert wurde der Existentialismus von Karl Jaspers (1883-1969) in "Philosophie", literarisch von Jean-Paul Sartre (L'être et le néant) und Albert Camus, tief analysiert - aber sprachlich etwas unverständlich gemacht - durch Martin Heidegger.
Was der Mensch eigentlich
sein kann, ist mit seinem blossen empirischen Da-Sein noch nicht gegeben,
sondern Aufgabe, die er in seiner Freiheit leisten muss.
dtv-Atlas Philosophie
Gerade weil sich der Mensch in Freiheit selbst gestalten muss, dauernd gezwungen ist, Entscheide zu fällen und zu wählen, muss er diese Möglichkeit auch andern lassen, ist also in der Selbstgestaltung immer auch für die andern verantwortlich. Durch sein Tun setzt er Werte in die Welt, und dies ist präzise der Grund, warum Sartre den Existentialismus als Humanismus bezeichnete.
Dass dieses philosophische, denkende Streben dem religiösen Glauben, und Streben danach, dem göttlichen Vorbild und seinen Anforderungen gerecht zu werden, diametral entgegen steht, ist klar. So sagt Augustinus gerade etwa das Gegenteil von dem, was der Existentialismus anstrebt: Wenn du dich selbst erbaust, wird du eine Ruine erbauen.
Die Voraussetzung für den philosophischen, selbstgestaltenden Ansatz, und gleichzeitig einen weiterer Kontrapunkt, hatte Erasmus von Rotterdam, Humanist, Basel bereits im 16. JH. gesetzt:
Höhepunkt des Glücks ist es, wenn der Mensch bereit ist, das zu sein, was er ist.
Was wirklich wichtig ist, findet der Mensch meist erst heraus, wenn er in eine wirklich kritische Situation gerät, durch Tod, Kampf, Leiden, Schuld ganz auf sich selbst zurückgeworfen wird. Was dann noch wichtig ist, ist existenziell, was hinfällig wird, ist überflüssig. Vielleicht liegt hierin ein Grund, warum der Existentialismus durch eine relativ hohle Postmoderne abgelöst wurde. Die Langeweile und Beliebigkeit der Postmoderne ist weitaus wirtschaftsfördernder als die entsagende Haltung der Existenzphilosophie.
Da sich der Mensch in der Gesellschaft nur entwickeln kann, wenn er kommuniziert, erhielt die Kommunikation eine zunehmende Bedeutung in der Philosophie. (s. Sozialphilosophie, Habermas).
Was die Wahrheit angeht, das zentrale Thema aller Philosophie, so entwickelte Karl Jaspers in Von der Wahrheit ein Konzept, das weit über die bisherigen, doch recht simplizistischen, hinaus geht. Wahrheit wird umklammert von den sieben Weisen des Umgreifenden:
Dasein: Der Erfahrungsraum (in dem Phänomenologie und Positivismus stecken bleiben)
Bewusstsein: Das Medium des objektiven Denkens
Geist: Die Teilhabe an den ganzheits- und sinnstiftenden Ideen (also eine idealistische Komponente)
Existenz: (Wie deutlich zu sehen, nicht mit dem puren Dasein zu verwechseln!) Das, was der Mensch sein kann
Transzendenz
Chiffren (Symbole): Die Zeichen, über die uns Transzendenz alleine zugänglich ist deren Existenz von Positivismus bis hin zur analytischen Philosophie, spez. Wittegenstein, bestritten wird.
Vernunft: Die einheitssuchende und Wahrheit hervortreibende Kraft
Für Jaspers ist es entscheidend, dass alle 7 Weisen des Umgreifenden zusammengehören und ineinander greifen. Jede bedarf um wahr zu sein der andern. Unwahrheit entsteht, wenn eine der Weisen isoliert und ihre Geltung absolut gesetzt wird. [dtv-Atlas Philosophie]. Dies belegt deutlich, wie untauglich, da unwahr, die absolut gesetzten Maximen sind, die uns Wirtschaft und Politik tagtäglich in der Presse vorsetzen: Mehr Wachstum durch mehr Wettbewerb. Mehr Wohlstand durch härter Arbeit. Mehr Arbeit durch mehr Arbeit. blablabla.
Einer der wichtigsten Exponenten des Existenzialismus, Jean-Paul Sartre, betrachtete den Menschen als ein Sein, dass sich über das Gegenwärtige hinaus in die Zukunft entwickelt - also zielorientiert, nicht kausal getrieben. Der Mensch ist also immer ein Entwurf, ein Entwurf, der das reine Dasein erst gestaltet, willentlich und frei gestaltet, nicht als Agent irgend einer Weltformel oder "grossen Erzählung".
Albert Camus widmete sich dem Spiel der Anpassung des Entwurfs ans Dasein. Obwohl der Selbstdesign (früher vielleicht als Seele bezeichnet) andauernd scheitert, darf der Mensch ihn nicht aufgeben, denn nur er macht den Menschen zum Menschen. Wie Sisyphos kämpft der Mensch gegen das Absurde, um er selbst zu sein, um innerhalb seiner eigenen Möglichkeiten das rechte Mass zu finden. Er entwickelt also den Existenzialismus aus Kynismus und Stoizismus heraus.
Der gegenwärtige Trend, Wirtschaft und Wachstum über alles, entspricht dem nicht, was bereits von Heidegger kritisiert wurde:
Die Gefahr besteht darin,
dass der Mensch alles Seiende (einschliesslich sich selbst)
nur noch als Material für die am Erfolg orientierte Herstellung und Verwertung begreift.
Strukturalismus untersucht Strukturen der Bedeutung, des Sinns ...
ursprünglich auf der Grundlage der Sprache, später auch als Kultur-, Politik-, Kunst-Analyse .... Präziser:
Die Strukturalisten
wiederum interessieren sich dafür,
wie Sprache, Mythos und andere symbolische Systeme genutzt werden,
um der gemeinsamen gesellschaftlichen Erfahrung Sinn zu geben.
Jeremy Rifkin: Access. Das Verschwinden des Eigentums. Campus Verlag. Frankfurt, New York. 2000. S. 185
[s. auch Piaget, der etwas leichter verständlich macht, was Lévi-Strauss damit meinte, denn der konnte es nie wirklich plausibel erklären.]
Definition Struktur: Ein System, in dem innerer Zusammenhang herrscht
Definition Strukturalismus: Dieser Zusammenhang offenbart sich in unterschiedlichen Transformationen, dank denen wir in scheinbar unterschiedlichen Systemen die selben Eigenschaften wiederfinden.
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Carl Buchheister |
Ich versuch's mal in meinen Worten (da mich Strukturalismus wie Sprachtheorie aber eigentlich wenig interessieren, vergewissern Sie sich bitte bei einem Experten): Strukturalismus basiert auf der Tatsache, dass, bevor man über etwas reden oder etwas beschreiben kann, eine Sprache vorhanden sein muss. Diese Sprache ist, im Gegensatz zu den modernen, aber im Vergleich zu gesprochenen Sprachen relativ banalen, Programmiersprachen, nicht logisch konzeptioniert worden, sondern entstand durch primär unbewusste und intuitive Vorgänge. Es lässt sich also annehmen, dass in der Struktur der Sprache manches verborgen ist, das Auskunft gibt, über die Struktur menschlichen Daseins selbst.
So haben denn auch manche Anwender des Strukturalismus auf diesen Begriff verzichtet und reden lieber von Struktur und struktural - oder ziehen Saussures Begriff des Systems vor.
Strukturalismus entstand aus der Linguistik. Er beinhaltet das Grundkonzept dialektischer Wahrheitssuche, die Differenz zwischen Realität und Wunsch (oder Beschreibung) - die er über den Bereich des Symbolischen bearbeitet. Symbole haben an und für sich keine Bedeutung. Sie erhalten diese erst durch Beziehung zu andern Elementen, also innerhalb von Strukturen. Strukturalismus könnte also als topologische Symbolanalyse bezeichnet werden.
Strukturalismus macht bewusst, dass die Analyse und Beschreibung von Einzelelementen (z.B. einer Gesellschaftsform) oft nur eine Menge unnützen Wissens bringt, aber nicht ermöglicht, eben Struktur, Zusammenhänge und Funktion (einer Gesellschaft, oder Geschichte) zu verstehen. Er überschreitet damit weit die Erkenntnismöglichkeiten eines Forschens durch Sammeln. Der Grundsatz, dass Zusammenhänge und Funktionen zu beachten sind, wäre eine wirksame Korrektur der Überheblichkeit neoliberaler Propagandisten, die ihre Empfehlungen, die sie aus betriebswirtschaftlichen Erkenntnissen ableiten, auf die Gesamtwirtschaft anwenden, ohne Rücksichten. Sie vergessen dabei, dass die Mehrheit der Bevölkerung eigentlich weltweit in strukturschwachen (renditeschwachen) Betrieben arbeitet, die aber Leistungen erbringen, auf die im Interesse des ganzen, ja sogar im Interesse des wirtschaftlichen Ganzen, nicht verzichtet werden darf. Mehr Wettbewerb, Strukturwandel etc könnte sonst Folgen haben wie: Regionen ohne Land- und Forstwirtschaft, Regionen ohne Arbeitsplätze, Regionen ohne existenzielle Infrastruktur und Dienstleistungen - die man dann einfach, im Einvernehmen mit einigen genau so (einfach umgekehrt) bornierten Naturschützern, zu Naturschutzgebieten erklärt. Der so gelobte MBA ist eine betriebswirtschaftliche Qualifikation. Er befähigt offensichtlich nicht zu volkswirtschaftlichem, nicht zu politischem, und noch weniger zu philosophischem Denken. So komplex die Wirtschaftswissenschaften sein mögen, Nur-Wirtschaftswissenschaftler sind eben Fachidioten, genau wie andere Nur-Spezialisten.
Ein Problem des Strukturalismus ist allerdings, dass er die historische Entwicklung nur dann wahrnimmt, wenn sie sich bereits strukturell manifestiert. Man könnte also vielleicht Strukturalismus als Versuch ansehen, den menschlichen Geist naturwissenschaftlich fassen zu wollen, auf Beziehungen zwischen sprachlich zum Ausdruck gebrachten Elementen zu reduzieren, was zu einer ziemlich "konservativen" Sicht des Menschen führt. Durch Barthes' "Spiel der Signifikanten" wurde diese Restriktion später aufgelöst - und Freiheit möglich.
Damit entwickelte Lévi-Strauss neue Grundlage für die ethnologische Forschung, in dem er die semiotischen (semiologischen) Ansätze von de Saussure weiter entwickelte. Die Ethnologie muss oft Zeichen interpretieren, die nicht geschrieben, ja nicht einmal aus-gesprochen werden: (Heirats-)zeremonien, kultische Architektur und Kunst, Verwandtschaftssysteme, Muster ökonomischen Austausches (Die Sache mit Preis & Menge ist ein Mythos und der sog. Markt um einiges komplexer. Aber über den Mythos macht sich eine Oberschicht der Interpretatoren (Wirtschafts- und Finanzberater) unentbehrlich, genau so wie früher die Priester, die für das ewige Seelenheil unentbehrlich wahren).
Übervater des Strukturalismus ist Claude Lévi-Strauss, der diese sprachanalytische Denkweise in und über die Ethnologie eingeführt hat. Die ethnologische Mythenanalyse von C. Levi-Strauss zeigt, wie eine unbewusste Aktivität des Geistes jenem Inhalt Formen aufprägt; die Regeln des Codes sind unbewusst. Für Lévi-Strauss waren Kulturen schöpferisch - nicht Individuen.
Die Zuordnung von Piaget zum Strukturalismus zeigt die fehlende Berücksichtigung des Intentionalismus, der direction of fit. Während dem im Strukturalismus die bestehenden Strukturen bestimmen was sich daraus entwickeln kann - werden diese Strukturen im Konstruktivismus zu etwas, das ebenfalls veränderlich ist, sich also an andere Strukturen wie auch Intentionen anpassen kann, also veränderlich ist. Piagets Ausdruck der Akkommodation, als eines strukturändernden Lernens zeigt zumindest eine starke Tendenz zum Konstruktivismus. Für Piaget sind die Strukturen wandelbar. Es ist der Mensch, der sie schafft - nicht umgekehrt. Diese Erkenntnis sollte man sich heute zu Herzen nehmen, denn der Mensch macht den Markt und bestimmt was er ist. Wo der Markt den Menschen bestimmt, ist dekonstruktivistisch zu fragen: Wer hat die Form bestellt? Wer ist der Bäcker-wer der Teig? Wer kriegt das Brot?.
Philosophiegeschichtlich hat der Radikale Konstruktivismus Wurzeln im Skeptizismus, aber auch in anderen Traditionen]. Schon bei Demokrit (Vorsokratiker) findet sich die Erklärung: „daß wir nicht erkennen können, wie in Wirklichkeit ein jedes Ding beschaffen oder nicht beschaffen ist.“
Wissenschaftliche Vorläufer sind z.B. der Biologe Ludwig von Bertalanffy, der eine Allgemeine Systemtheorie formulierte, der Anthropologe Gregory Bateson sowie letztlich auch die Physiker Heisenberg und Einstein, welche einen Paradigmenwechsel in der Physik auslösten, bevor er konsequenterweise auch in den Humanwissenschaften vollzogen wurde. Grundlage: Der Beobachter ist immer Teil der Welt und hat immer einen subjektiven Standpunkt und beeinflusst so immer auch die Beobachtung selbst.
Grundprinzipien des Radikalen Konstruktivismus nach Piaget:
Piaget erklärt Wissen biologisch, auf Grund seiner Erforschung der psychischen Entwicklung von Kindern:
Entscheidend ist die Fähigkeit des Kindes in seiner Entwicklung, sich an Gegenstände zu erinnern. Diesen Vorgang nennt v. Glasersfeld Re-Präsentation, das Objekt wird wiedervorgestellt. Dabei wird das Objekt - nach einer vergangenen Erfahrung - aus dem Gedächtnis - zum Zeitpunkt der Re-Präsentation - neu konstruiert.
Ein weiterer entscheidender Schritt in der Entwicklung des Kindes ist getan, wenn es einem Objekt eine eigene Existenz zumisst. Das Objekt gilt nunmehr also nicht als verschwunden, wenn das Kind es nicht sieht. Damit kann das Objekt sich auch bewegen, altern, wandeln, und wird trotzdem wiedererkannt. Es wird auch als Objekt in kausalen Prozessen erkannt.
Das Kind verbindet nun mit diesem Objekt allgemein Erwartungen. Werden diese Erwartungen mit nur geringen Abweichungen erfüllt, nennt der RK diesen Vorgang Assimilation. Die Erfahrung mit diesem Objekt wird bestätigt, verstärkt, v. Glasersfeld spricht auch von einer Verstärkung des Wiedererkennungsmusters.
Wird diese Erwartung nicht erfüllt, entsteht eine Störung, die der RK Perturbation nennt. Diese Perturbation führt zu einer Veränderung der vorhandenen Erkennungsmuster. Es wird ein neues Erkennungsmuster unter Einbeziehung der neuen Bedingungen erzeugt, so dass in Zukunft die Erwartungen in der Situation wieder erfüllt werden. Der RK nennt diesen Vorgang Akkommodation. Das Kind hat etwas gelernt - die Perturbation wurde beseitigt.
Durch den Vorgang der Beseitigung der Perturbation durch Akkommodation wird der Zustand des Gleichgewichts für das Individuum wieder hergestellt. Diesen Vorgang nennt der RK Äquiliberation. V. Glasersfeld sieht darin eine neuartige Lerntheorie. Nach v. Glasersfeld arbeitet Äquiliberation wie ein Regelsystem mit negativer Rückkopplung und gilt nicht nur für den begrifflichen Bereich sondern auch für den Bereich der sozialen Interaktion. Soziale Interaktionen sind eine viel reichhaltigere Quelle für Perturbationen und die darauf folgenden Akkommodationen als die auf der sensomotorischen Ebene veranlassten Störungen.
v. Glasersfeld schließt daraus, dass kognitive Organismen mindestens vier Merkmale besitzen müssen:
Das Individuum baut daher Handlungsschemata auf, um adäquat mit der Welt umzugehen. Allerdings:
Der Konstruktivismus kann keine Ethik produzieren.
Ethische Konsequenzen daraus ist, dass die Verantwortung für alles Tun und Denken demjenigen zugerechnet werden muss, der sie tut und denkt: dem einzelnen Individuum. Diesem schafft er aben dennoch einen systemtheoretisch-ethischen Imperativ, den er ehrlicherweise an sich selbst adressiert, der aber für alle komplexen Systeme und alle die damit herumhantieren gilt:
Heinz, handle stets so, dass die Anzahl der Wahlmöglichkeiten größer wird!“
d.h. Die Freiheit muss stets ausreichend gross sein, um so grösser sogar, je komplexer ein System ist. Die Vermehrung harter polizeilicher Vorschriften wie sie zur Zeit rundum zu beobachten ist, ist so eindeutig kontraproduktiv, denn die Gesellschaft wird dadurch nicht einfacher, bloss die Freiheit enger.
Paul Lorenzen (1915-1994): methodischer (erlanger) Konstruktivismus der Erlanger Schule
Heinz von Foerster (1911-2002): radikaler Konstruktivismus
Humberto Maturana (1928-): Entdecker der Autopoiesis: Prozess der Selbsterschaffung und -erhaltung eines Systems (Systemtheorie - Niklas Luhmann (1927-1998):
"Ein soziales System kommt zustande, wenn immer ein autopoietischer Kommunikationszusammenhang entsteht und sich durch Einschränkung der geeigneten Kommunikation gegen eine Umwelt abgrenzt. Soziale Systeme bestehen demnach nicht aus Menschen, auch nicht aus Handlungen, sondern aus Kommunikationen" (Luhmann 1986: 269).
Da diese Systeme jeweils nach eigenen Gesetzmäßigkeiten arbeiten, hält Luhmann Eingriffs- bzw. Steuerungsversuche eines Systems in ein anderes grundsätzlich für problematisch: Die Wirtschaft kann etwa von der Politik nur sehr bedingt gesteuert werden; die Moral kann die Politik nur bedingt steuern usw. Das Gesetz der Autopoiesis setzt laut Luhmann den Bemühungen einer rationalen, ethischen, gerechten Gestaltung der gesellschaftlichen Verhältnisse enge Grenzen. s. Wie lässt sich Politik betreiben, wenn sich komplexe Systeme nicht lenken lassen?
Francisco Varela (1946-2001):
...
"Aber >Glocke< heisst doch gar nicht ein <einmalig schlagender Beweis>, wandte Alice ein.
"Wenn ich ein Wort gebrauche", sagte Goggelmoggel in recht hochmütigem Ton, "dann heisst es genau, was ich für richtig halte - nicht mehr und nicht weniger."
"Es fragt sich nur", sagte Alice, "ob man Wörter einfach etwas anderes heissen lassen kann."
"Es fragt sich nur", sagte Goggelmoggel, "wer der Stärkere ist, weiter nichts."
Alice hinter den Spiegeln
Prägte das Ende des 20. JHs wie die Gegenwart weitaus stärker als uns bewusst ist. Hat vermutlich zu einigen Absurditäten, wie der gegenwärtigen Dominanz der Finanzwirtschaft als Motor wirtschaftlich-politischer Entwicklung geführt, wie zur gegenwärtigen Herrschaftsideologie der USA und der Global Players, die alle Freiheit, d.h. allgemeine Anerkennung, für ihre selbst konstruierte, höchst private Ideologie verlangen. Kommt dennoch etwa im Lexikon der Philosophie nicht vor und wird von den meisten Philosophen, vielleicht grad weil er im Absurden endet, einfach ignoriert - dafür um so intensiver von Pädagogen, Didakten und Journalisten kommentiert. Sollte gerade aus diesem Grund dringendst untersucht werden.
Konstruktivistisch ist aber nicht nur das Bankbusiness, das in einem imaginären Markt mehr Geld verschiebt als der reelle je verkraften könnte (und damit Inflation verhindert, womit zumindest ein positiver Effekt gegeben wäre), sondern eigentlich die ganze Wirtschaft die auf PR basiert. Insbesondere die nebst den Banken so hochgelobte Pharmabranche kann es sich leisten, 1/3 des Budgets für Werbung auszugeben, also den Markt zu machen, zu konstruieren. Da der Gesundheitsmarkt aber zu viel vom Heilige-Kuh-Syndrom profitiert, nehmen wir ein banales Beispiel: NESPRESSO:
Nespresso wurde 1986 mit 5 Mitarbeitern gegründet in Vevey, Schweiz. Der Erfinder, Eric Favre, hat bereits vor 30 Jahren zum ersten Mal Kaffee in Kapseln gefüllt, bei Nestle. 1989, beim Abgang von Favre, der 1989 Monodor gründete, wurden bereits 15 Mitarbeiter beschäftigt und die Tätigkeit auf die ganze Schweiz ausgedehnt. Dann der Trick, der zum Erfolg führte: Die Koppelung eines Techno-Kaffees an die Maschine. Jahr für Jahr kamen neue Ländervertretungen für solche Maschinen hinzu: Eugster Frismag AG, Matsushita Electric Industrial, Aerolux Ltd. Alessi wird Partner für den Tischdekorationssektor. (s. Geschichte). Nespresso-Clubs entstehen in den Städten, man kreiert also das, wovor Naomi Klein gewarnt hat in "No Logo" und Jeremy Rifkin in "Access", ein treues Untertanenvolk der Nespressisten, eine freiwilliges Vasallentum.
Die Nespresso-Werbung: richtet sich ganz offensichtlich an die Yuppie-Schnöselfraktion und nervt seit Jahren fürchterlich, offensichtlich nicht nur mich (s. Schweizer Werbung). Trotzdem kommt sie offenbar an. Offensichtlich sind überheblich, arrogante Schnösel (Typ New Yorker) für breite Teile der Gesellschaft zu einer Art Vorbild geworden. Anders lässt es sich kaum erklären, warum inzwischen eine Mehrheit überteuerten dünnen Kaffee aus überteuerten Schischigagamaschinen einem richtigen Espresso vorzieht. Vermutlich würde sich der Zieltyp der Nespressowerbung an einer Kolbenmaschine die von Hand gefüllt werden muss, den Daumen verbiegen ...
Die Werbung wurde inzwischen besser ... aber dass nun auch noch die Migros ähnliche und genau so überflüssige Maschinen anbietet, macht die Angelegenheit nicht sinnvoller. Tee aus Kapseln, was für ein Sch... , gerade bei Tee, dessen Geruch und Geschmack derart von der Einwirkungsdauer abhängt:
1-2 Minuten ziehen lassen: Volle Entwicklung des Geruchs
3-4 Minuten ziehen lassen: Volle Entwicklung der "Aufweckstoffe" (Teeïne) und des Geschmacks
5-6 + Minuten (im Irak kochen die Soldaten den Tee von morgens bis abends, und rühren mehrere Löffel Zucker rein, aber daran muss man sich gewöhnen ....): herb, gute Nacht Tee.
Werbung ist Volksverdummung!
Durch die Nutzung der konstruktivistischen Philosophie, sowie der inzwischen enormen Palette an psychologischen Beeinflussungsmethoden, steigerte Nespresso von 2003 bis 2005 seinen Marktanteil in diesem Segment von 10 auf 16 Prozent, während Saeco im gleichen Zeitraum von 16 auf 13 Prozent zurückfiel. 2006 wird Nespresso bereits 1 Milliarde Fr. an Umsatz erreichen, 2010 2 Milliarden.
Da Konstruktivismus den alten (und berechtigten) Skeptizismus mit einem unbedachten Aktivismus verbindet,
gilt für diese Philosophie wohl das Selbe wie für diese Anwendung:Wirtschaftlich, generell was Wirkung betrifft (Konstruktivismus wird gerne verwendet von Presse, Ingenieuren, Politikern und Wissensvermittlern), ein Erfolg - sachlich, philosophisch - ein gefährlicher Witz. (s. Populismus und Fundamentalismus).
Dem Konstruktivismus ist es zwar gelungen, die durch den Positivismus extrem eng gewordene Welt wieder zu öffnen, aber leider nicht für eine allumfassende und integrierende Metaphysik, sondern bloss für individualistische und gruppenspezifische Spekulationen.
Abgesehen von diesen seltsamen Konstruktionen ist die seltsamste davon eigentlich das ganze Kapselsystem. Man nennt diesen Marketing-Trick als lock-in-Effekt der capture pricing erlaubt, also die Gefangennahme des Kunden. Während eine Nespresso Maschine ab 159.- Fr zu haben ist, kostet jede Kapsel, also jede Tasse Kaffee 0.45 Fr, was einem Kilopreis von 60 Fr. entspricht. 48 Fr. kostet das Kilo "gekapselter" Maestro-Lorenzo bei Coop, während genau das selbe gemahlen für 13.90 zu haben ist.
Die Kritik gilt natürlich genau so für alle Nachahmer, die den Kunden dieses ach so unentbehrliche Produkt heute anbieten, also Lavazza, Tassimo, Delizio und Dolce Gusto. Sie sind deutliche Beispiele dafür, welches Schindluder "der Markt" mit dem Begriff "Bedürfnisse" treibt. Stillschweigend wurde nämlich längst die Bedürfnisse, die vom Menschen ausgehen, durch Begehren ersetzt, die a) von Aussen, und b) meist durch Gegenstände oder Dienste angeregt werden. Ein typisches, und in Dämlichkeit der Nespressowerbung nicht im geringsten hintan stehendes, Beispiel dafür ist die Tassimo-Werbung: Dieses Luder. Kaum hat sie Tassimo, kriegt sie schon die Handwerker. Ja so ein hanebüchener Unsinn. Welcher Handwerker würde wohl seinen Terminkalender ändern, weil ihm irgendwo ein dünner Espresso geboten wird.
Ein ähnlicher Schwindel sind die Toner für Printer. Für 2 oder drei Toner kann man sich ein neues Gerät kaufen .... inklusive der ersten Kartusche. Während Jahren hab ich nun ca. 80 Fr. für Samsung ML 1250 bezahlt, vor einem Jahr sogar bloss 60.- Fr (und ich dachte, endlich werden die Preise hier normal) - und heute ist der Preis bei 129.- im Geschäft, und bloss um die Postspesen tiefer beim Versand (119.45). Die Propagandisten des freien Marktes behaupten aber, die Konkurrenz lasse solche Probleme gar nicht erst entstehen. Pustekuchen. Wenn es ein System gibt, mit dem man mehr verdient, warum sollten die Marktteilnehmer es liquidieren durch billigere Produkte? Da braucht es nicht mal Absprachen unter Kartellen. "Der Markt" optimiert also nicht auf günstigste Produkte für die Konsumenten - sondern auf die günstigste Profitschöpfung für die Unternehmer.
K. Bühler:
Der Philosoph ist derjenige, der sich entschlossen hat, nur den Weg einzuschlagen, der sich durch Denken rechtfertigen lässt.
Nach Foucault, der die Wirkung von Wille und Macht in den Klassifikationen sucht, verfolgt jedes soziale System eine Wahrheitspolitik, die von einer diskursiven Polizei gesichert wird. Sie sichert das reibungslose funktionieren des wahren Diskurses, indem sie verhindert, dass nach dem Willen gefragt wird, der ihn treibt. Subversion des erkennenden Subjekts durch das Unbewusste (s. Intuition)
Strukturalismus, Diskursanalyse, Dekonstruktivismus sind die Basis der Postmoderne, in der wir uns befinden, und die uns sagt, dass wir nach 2000 Jahren auf der Suche nach Wahrheit und Weisheit, wieder beim Nichtwissen angelangt sind.. Und dies trotz der Explosion der Wissensbestände die sich alle 2 Jahre verdoppeln und unter dem Banner der lebenslangen Lernens Heerscharen von Lehrern und KursatorInnen beschäftigen!
Frankfurter Schule [kritische Theorie]
Wissenschaften, Wissen generell, ist interessegeleitet. Die Resultate forschender Tätigkeit sind also im Lichte der Bewertung dieser Interessen zu beurteilen. Ein Grundsatz der angesichts der vehementen Werbung welche die meisten Gen-, Atom-, Nanotechik- und Spitzenforscher ähnlicher Disziplinen für ihre Wissenschaft, d.h. die Anwendung ihres Wissens betreiben, äusserst akut ist. Ebenso ist Habermas' herrschaftsfreier Diskurs keine alte Kamelle, sondern wurde in Anbetracht der Beschränkung der <Weisheit der Vielen> durch Herrschaft eindeutig unterbewertet.
Die wahre gesellschaftliche Funktion der Philosophie liegt in der Kritik des Bestehenden. Philosophie ist der methodisch beharrliche Versucht, Vernunft in die Welt zu bringen.
Jürgen Habermas legte die Grundregeln fest für die Wahrheitssuche im Dialog in seiner Theorie kommunikativen Handelns. (Da sich diese strikt an Wahrheits- und Richtigkeitsansprüchen orientiert, ist sie allerdings genau so ungeeignet wie die Wissenschaften generell für einen Dialog über <das gute Leben> oder <die gute Ordnung>, oder andere Utopien, der über Ökonomie und Administrationstechnik hinaus geht.
Ein weiterer Kernpunkt von Habermas ist die Lebenswelt, ein ursprünglich von Husserl geprägter Begriff zur Unterscheidung von der abstrakten Welt der Wissenschaft, welche die Lebenswelt zwar prägt, oft usurpiert und verbiegt, aber sich der dort vorhandenen Probleme nur selten wirklich widmen kann:
In unserer Lebensnot – so hören wir – hat diese Wissenschaft uns nichts zu sagen. Gerade die Fragen schliesst sie prinzipiell aus, die für den in unseren unseligen Zeiten den schicksalsvollsten Umwälzungen preisgegebenen Menschen die brennenden sind: die Fragen nach Sinn oder Sinnlosigkeit dieses ganzen menschlichen Daseins.
Die Lebenswelt ist ein Fundus von Überzeugungen, Deutungsmustern und Wissensbeständen, die als Kontext immer vorhanden sind. Soziologisch ein Zusammenspiel von kulturellem Wissen, Formen sozialer Integration, anerkannten normativen Erwartungen und Persönlichkeitsstrukturen. Der soziologische Lebensweltbegriff beinhaltet, im Unterschied zum formalpragmatischen auch: soziale Machtverhältnisse, Strategien, Zwang, Repression etc. Habermas unterscheidet <Kultur> als Wissensvorrat, <Gesellschaft> als normative Ordnung, und <Persönlichkeit> als Ensemble von Kompetenzen, die zur Ich-Identität beitragen als drei zentrale Komponenten der soziologisch beschreibbaren Lebenswelt.
Eine komplexe Übersicht der Lebenswelt-en und System-e schaffte dann Niklas Luhmann mit seiner Systemtheorie, die ebenfalls zum Konstruktivismus gehört. Dies, weil Systeme (und Teilsysteme) immer eine Grenze haben zum Nicht-System, das Umwelt genannt wird, und weil diese Grenzen in der Realität meist weitaus diffuser sind als in der Theorie. Systemtheorie basiert also häufig (fast immer in der Soziologie) auf der "Konstruktion" von Grenzen. Um dieses Problem zu umgehen brauchte es also eine systemische Feldtheorie, so ähnlich wie von Kurt Lewin vorgeschlagen.
Der Dekonstruktivismus Jaque Derridas ist die logische Antwort auf den Konstruktivismus. Er stellt das analytische Werkzeug zur Verfügung, mit dem die Konstruktionen sich, auf der Basis der Sprache, analysieren und verstehen lassen.
Obwohl die Grundregeln der Wahrheitssuche durch Kommunikation längst klar sind, beschäftigen sich ausser einigen Philosophen und Entwicklungshelfern kaum jemand ernsthaft damit. Wahrheit wird nach wie vor von Personen und Institutionen deklariert, speziell von wissenschaftlichen Organisationen. Punktum. Die Arbeiten von Habermas bildeten die Grundlage für viele Ansätze der partizipativen Planung und Entwicklung, die im Zeichen der Effizienz längst untergegangen sind ... aber auch sonst nicht so recht funktionierten (s. Agenda 21). Warum dem so ist haben Martin Buber und Emanuel Levinas in ihren Werken beschrieben:
Martin Buber's Ich & Du (Das dialogische Prinzip)
Die wahre Gemeinde entsteht nicht dadurch, dass Leute Gefühle füreinander haben (wiewohl freilich auch nicht ohne das), sondern durch diese zwei Dinge: dass sie alle zu einer lebendigen Mitte in lebendig gegenseitiger Beziehung stehen und dass sie untereinander in lebendig gegenseitiger Beziehung stehen.... aber der Baumeister ist die lebendige wirkende Mitte.
Emmanuel Levinas: Weiterführung der dialogischen Philosophie
Totalität und Unendlichkeit. Versuch über Exteriorität
Jenseits des Seins oder anders als Sein geschieht
Der Philosoph sucht die Wahrheit und gibt ihr Ausdruck.
Das Ideal der sokratischen Wahrheit beruht also auf der essentiellen Genügsamkeit des Selben, auf seiner Identität als Selbst, auf seinem Egoismus.
Die Philosophie ist Egologie.Das Wissen wird erst zum Wissen einer Tatsache, wenn es gleichzeitig Kritik ist, wenn es sich selbst in Frage stellt.
Die Philosophie ist identisch mit dem Vorgang, an die Stelle der Personen die Ideen, des Gesprächspartners das Thema, des äusseren Verhältnisses des Anrufs das interne Verhältnis logischer Beziehungen zu setzen.
Die Philosophie ist niemals eine Weisheit, weil ihr der Unterredner, den sie gerade umgriffen hat, schon entkommen ist. Der Andere, dem das 'Ganze' gesagt wird, der Meister oder der Schüler, wird von der Philosophie, die in einem gewissen Sinne wesentlich liturgisch ist, angerufen.
Levinas überschreitet den Existentialismus, in dem er von der einen Existenz wieder zum Sein führt, die Gegenseitige Bedingtheit von Sein und Existenz betont, und er bietet einen Ausweg aus der Postmoderne, indem er zwar auf das freie Individuum baut, diesem aber Anker und Orientierung a) am Du, b) Andern, am Fremden und c) an der Transzendenz bietet. Levinas Werke sind also, obwohl eben so umfangreich wie dicht, nicht die von der Postmoderne kritisierten "grossen Geschichten", sondern "bloss" eine Beschreibung, wie aus vielen kleinen Geschichten auch eine grosse werden kann.
Herbert Marcuse (1898-1979): In seinem Hauptwerk <Der eindimensionale Mensch> beschreibt Marcuse die Zwänge der fortgeschrittenen Industriegesellschaft, die eine totalitäre ökonomisch-technische Gleichschaltung unter dem Szepter der Produktivität betreibt. Dieser Konformismus des Denkens, in dem nichts anderes mehr sinnvoll, ja möglich scheint als immer weiter, immer mehr, immer schneller zu produzieren reduziert die Vernunft auf eine technologisch-ökonomische, die damit ein enormes Manipulationspotential erhält. Da dies zur Lektüre der 68er gehörte, wird es heute kaum noch gelesen oder gar zitiert ... obwohl sich die Verhältnisse in präzise diesem Sinne noch um ein Vielfaches verstärkt haben. Heute soll die Dressur auf Marktkonformität bereits mit 3 Jahren beginnen ...
Wenn die Vernunft ... verwirklicht worden ist, dann ist auch die Philosophie gegenstandslos.
Antonio Gramsci (1891-1937) unterscheidet die Philosophie der Praxis (Marxismus), von der professionellen Philosophie der Berufsphilosophen und der Philosophie des Volkes, die in seiner Praxis als normierendes Element kollektiven Handelns enthalten ist.
Philosophische Praxis ist immer eine Art politischer Praxis.
Die gegenwärtige Aufgabe der Philosophie ist also eigentlich gar nicht so eine andere, als die, die sie sich selbst vor 2500 Jahren stellte. Nach wie vor gilt ihr Suchen der Wahrheit, die sie von Ideologien, Einflüssen des Unbewussten (s. Strukturalismus, Intuition), und purer Macht, Demagogie & Populismus freihalten muss. Und dies nicht bloss aus theoretischem Interesse und "Wunderfitz", sondern auch darum, weil der politische Dialog über das Leben das wir führen wollen nur dann zum gewünschten Erfolg führt, wenn er auf Tatsachen und Ehrlichkeit und einer optimistisch-realistischen, realitätsnah-utopischen, Einschätzung des Machbaren beruht. Es ist vor allem die Gestaltung der Zukunft, die sich weder an Wissenschaftler noch an Oligarchen delegieren lässt, sondern die konstruktive Mitarbeit aller erfordert.
Philosophie im Zeitalter der Computer:
Philosophie befasst sich mit all dem Wissen, das nicht be- und verrechnet werden kann.
http://de.wikipedia.org/wiki/Semantic_Web
[Jürg Altwegg/Aurel Schmidt: Französische Denker der Gegenwart. Beck'sche Reihe. München 1987.]
Definition Philosophie und Wissenschaft von Gilles Deleuze:
[Gilles Deleuze: Schizophrenie und Gesellschaft. Texte und Gespräche von 1975 bis 1995. Hrsg: Daniel Lapoujade. Uebers: Eva Moldenhauer. Suhrkamp 2003]
Die Philosophie beschäftigt sich mit Begriffen: sie produziert sie, erschafft sie. Die Malerei erschafft eine bestimmte Art von Bildern, Bewegungsbilder und Zeitbilder. Aber die Begriffe selbst sind Bilder, es sind Gedankenbilder. Und es ist weder schwieriger noch einfacher, einen Begriff zu verstehen als ein Bild zu betrachten. S. 202
Die Philosophie ist eine ebenso schöpferische, ebenso erfindungsreiche Disziplin wie jede andere, und sie besteht darin, Begriffe zu schaffen oder zu erfinden. Und die Begriffe existieren nicht fix und fertig in einer Art Himmel, wo sie nur darauf warten, dass ein Philosoph sie ergreift.
Es muss eine Notwendigkeit bestehen, in der Philosophie wie anderswo, sonst ist alles sinnlos. Ein Schöpfer ist kein Priester, der zum Vergnügen arbeitet. Ein Schöpfer tut nur, was er unbedingt tun muss. S. 299
Ein Wissenschaftler ist einfach jemand, der Funktionen erfindet oder erschafft. Ein Wissenschaftler als solcher hat nichts mit Begriffen zu tun. Wissenschaft arbeitet mit dem Grundbegriff der Menge. Sobald man Mengen in eine geregelte Korrelation bringt, erhält man Funktionen und kann sagen, "ich treibe Wissenschaft". S. 300
Eine Funktion liegt vor, sobald man zwischen mindestens zwei Mengen eine geregelte Wechselbeziehung herstellt.
Kommentar:
Da fasst Deleuze aber extrem zu kurz. Erstens gibt es kaum eine Branche, die so viele Begriffe schafft, wie die Wissenschaften. Eine Wissenschaft lernen, heisst erst mal, ihre Terminologie, ihre Begriffe lernen, das macht ja das Erlernen der Grundkenntnisse einer Wissenschaft zum eigentlichen Sprachkurs. Damit sind schon mal zwei bis drei Jahre rum (Bachelor). Mit diesem Begriffs-Instrumentarium arbeiten zu können, es als Ganzes in seinem Zusammenwirken verstehen und erklären zu können, bedarf bereits des Masters. Und erst der Dr wäre in der Lage, Begriffe und Methoden kritisch zu werten ... wenn er sich denn trauen würde. Da Wissenschaftlichkeit meist darüber bestimmt wird, wie, d.h. mit welchen Methoden jemand arbeitet, hütet sich jeder, hier auszuscheren und zu riskieren, mit dem Dekret "nicht wissenschaftlich" in die Hölle des Profanen, allgemein Verständlichen, zurückgeworfen zu werden.
Wissenschaftler erfinden also weitaus mehr Begriffe als Philosophen. Ausserdem dienen Begriffe nur dem Begreifen. Wissenschaftler, Philosophen und die meisten Menschen wollen aber nicht nur Begreifen (= in Begriffe fassen und beschreiben) können, sie wollen auch verstehen: Warum ist das so, wie funktioniert das, was passiert da, warum passiert das etcetc. All dies ist noch keine Philosophie, denn Philosophie strebt nach Weisheit und Weisheit ist die Fähigkeit eine optimale (nicht extremistische) Wert-Ordnung zu sehen, also die Werte die hinter der Erkenntnis oder vor der angestrebten Handlung stecken. Anders ausgedrückt: Philosophie will wissen, ob Wissen zur Handlung taugt und ob die sich daraus ergebende Handlung weise ist, also das rechte, d.h. das weise Mass trifft. s. Wertekompass.
Sie merken's, hier wird's kompliziert. Vielleicht auch, weil es vor allem französische Philosophen sind, die sich mit dem postmodernen Chaos auseinandersetzen, wie gewohnt wortreich, wortgewandt ... aber nicht immer verständlich. Deleuze scheint hier am Anfang dieser Bewegung zu stehen, mit seiner Rückkehr von Hegels streng systematischer Philosophie zu Nitzsches freiem Denken und Erzählen (= machtvollem freiem Konstruieren). Hier kommt ein Element in die Philosophie, mit dem sich bereits der Existentialismus auseinandergesetzt hat, dass dieser bereits als konstituierendes Element der menschlichen Entwicklung anerkannte: Das Absurde, Sinnlose, das Chaos und die sich daraus ergebende ungeplante Entwicklung, die seit Jahrtausenden Kern östlicher Philosophien ist: etwas passieren lassen, das nicht codierbar ist, und alle Codes durcheinanderbringen, wogegen die grossen Bürokratien alles zu rekodieren versuchen; also das Recht auf Systemwidrigkeit. [Jürg Altwegg/Aurel Schmidt: Französische Denker der Gegenwart. Beck'sche Reihe. München 1987. S. 14] Der Abschied von Hegel bedeutet den Abschied vom absoluten Wissen - und eine kopernikanische Wende, die den Menschen als Zentrum allen Geschehens relativiert. Claude Lévi-Strauss, in Traurige Tropen: Die Welt hat ohne den Menschen begonnen und sie wird ohne ihn aufhöhren, allerdings durch seine Schuld, durch Anmassung.
Jacques Attali (1943-): Attali sah die Aufgabe der Intellektuellen in der Produktion von Sinn, von universalem, nicht personalem Sinn. In seiner Wirtschaftsgeschichte teilt er die Welt in drei Strukturen auf:
Regulation (rituelle Ordnung)
Produktion (imperiale Ordnung)
Organisation (Wirtschaftsordnung)
Man beachte, dass bereits in dieser Aufteilung meine Aussage in Kritische Gesellschaftstheorie: Nicht die Politik, die Wirtschaft dressiert den Menschen! bestätigt wird. Nicht mehr "die Gesellschaft" organisiert sich, die Wirtschaft hat dies übernommen. Als Ganzes versucht sie immer wieder die Weltherrschaft zu übernehmen (Globalisierung bedeutet in der Tat nichts anderes als die Hegemonie der Grossen), ist also imperialistisch. Für Attali hat bisher im Zentrum der Geschichte bloss "das Funktionieren des Ensembles des gesellschaftlichen Prozesses" gestanden. Der Mensch war im besten Fall Opfer, Ausgestossener, ausbeutbare Arbeitskraft, Kopie. Die Gefahr, dass der Mensch verschwindet, war noch nie so gross. [S. 35]
Jean Baudrillard (1929-2007): Die Utopie ist realisiert, die Apokalypse liegt hinter uns, wir haben es geschafft. Wir sind angekommen. Wir sind im Paradies. Die Illusion ist unmöglich geworden. [Die fatalen Strategien].
Die Masse:
Die Masse ist ohne Attribut, ohne Prädikat, ohne Qualität, ohne Referenz. Das ist ihre Definition oder ihre radikale Undefinition. Sie ist das schwarze Loch, in dem der Sinn, das Soziale verschwinden. Es ist keine Revolution von ihr zu erwarten, ihre Stärke besteht in ihrer radikalen Indifferenz.
Fortschritt der Wissenschaft? Objektive Information? Kollektives Glück? Gerechtere Bestrafung der Schuldigen? Nichts von alledem interessiert die Massen. Was sie wollen, ist das Spiel, das Spektakel.
Die einzige Revolution - wenn es noch möglich ist, eine Hoffnung in sie zu setzen - besteht darin, dass die Dinge, wenn sie an ihre äusserste Grenze getrieben werden, einem entweichen.
Pierre Bourdieu (1930-2002): brachte die Soziologie wieder in die Linguistik, und damit die Sozialkritik in die Philosophie ein. s. Die feinen Unterschiede. Er machte auf die Selektive Funktion des Habitus aufmerksam, der immer noch quasi durch familiäre Erziehung und schulische Bildung "vererbt" wird. Anders als Derrida sieht er nicht Sprache als wichtig an, sondern das Sprechen, das für ihn radikal performativ, auf soziale Handlung und sozialen Kontext ausgerichtet ist. Sprechen ist aber, wie Sprache, äusserst stark sozial determiniert, vor allem aber durch die erworbene "Kultur", den Habitus, der jeweiligen Gruppe. Er bezweifelt auf Grund dieser Determiniertheit eine wichtige Funktion der Sprache bei der Konstruktion von Realität. Wir kommen allerdings zu einem ähnlichen Schluss, wenn wir die gegenseitige Unverständlichkeit der einzelnen Teilsystemsprachen (Oekonomie, Soziologie, Recht, Technik, Verwaltung, Bildung) untereinander und noch mehr für die breite Bevölkerung in Betracht ziehen.
Gilles Deleuze (1925-1995) & Felix Guattari (1930-1992): Anti-Oedipus: Schizoanalyse - ersetzt Freuds Neurotiker im Zentrum der Psychiatrie durch den Schizophrenen, den universellen Produzenten, dessen Wunschmaschine erfolgreich operiert. Der Wunsch ist revolutionär, weil der produktiv ist, egal was er produziert. Oedipus dagegen produziert gar nichts. Das ist schlimmer. Da Deleuze und Guattari eine eigene Sprache verwenden, sind sie sehr schwer verständlich und werden gerne als Sophisten abgelehnt. Interessant ist allerdings ihr Fundament des Wissens, das nicht mehr der Baum ist, sondern das Rhizom, was Wurzelgeflecht. Wissen wird nicht mehr als hierarchisch aufgebaute Ordnung betrachtet, sondern als verästelt, vernetzt, so ähnlich wie in der Webphilosophie.
Deleuze und Guattari halten das dichotomische Baummodell für epistemologisch unangemessen, weil es nicht offen ist für mögliche Veränderungen der Sichtweise wie etwa Verschiebungen der Forschungs- und Verstehensperspektive. Hierarchische Ordnungsstrukturen wie das Baummodell dürfen sich nicht kreuzen oder überschneiden. In einem Baummodell kann weder ein Element mehreren Ordnungsebenen angehören, noch sind Querverbindungen zu Elementen anderer Äste erlaubt. Genau dies aber erscheint in einer modernen Wissenswelt unumgänglich. Die Autoren halten das Baummodell als rigide Machtstruktur auch für politisch gefährlich − Nationalstaaten und vor allem Diktaturen sind ähnlich organisiert.
„Ein Rhizom kann an jeder beliebigen Stelle gebrochen und zerstört werden, es wuchert entlang seiner eigenen oder anderen Linien weiter.“
"Der Poststrukturalismus denkt sowohl in differenten Vielheiten wie in Zusammenhängen. Das dabei entstehende Bild von Einheit und Vielheit ordnet die Vielheit der Einheit nicht identitätslogisch unter bzw. sie verfällt nicht in bloß nominalistische Opposition, die nichts am Baumschema … ändert. Vielmehr verweben sich Einheit und Vielheit ineinander und weder existiert das eine vor oder über dem anderen noch hebt das eine das andere auf. Keines gibt es ohne das andere."
Im Detail behandelt unter: Wissen II: Gespaltenes Denken wieder verwurzeln über das Rhizom/Informion: Vom autoritär-nationalen Neurotizismus des vorletzten Jahrhundertwechsels zum heutigen wirtschaftsliberal-individualistischen Schizoidie.
Jacques Derrida (1930-2004): Dekonstruktion Je mehr das Feld der philosophischen Bildung in diesem Land beschränkt wird, um so weniger kann es ausserhalb der Schule kritische Kompetenz geben. ... ein äusserst kritischer Satz, denn wie viel kritische Kompetenz gibt es innerhalb von Schulen? Er kritisiert aber auch den philosophischen Trend einer Beschränkung auf Linguistik und Psychoanalyse, da diese die Autonomie des Subjekts völlig zum Einsturz bringen. Von daher versteht sich das Gewicht, dass er auf Dekonstruktion all der Konstruktionen legt, die uns lenken wollen.
Die Schrift ist Zeichen - das Gedanken wieder erwecken soll, mit dessen Hilfe gedacht werden soll. Da Kultur von Schrift abhängt, soziale Kultur von Schriftsystemen bedingt ist, ist es Aufgabe des Denkens, die Bedingungen des Denkens stets neu zu prüfen und dem Denken neue Wege zu öffnen.
Michel Foucault (1926-1984): Seit Nietzsche hat die Philosophie ihren Universalcharakter, das heisst, die Fähigkeit und Berechtigung, absolute Wahrheiten auszusprechen, verloren und die Aufgabe des Diagnostizierens übernommen. So diagnostiziert Foucault um das 18. JH, also mit dem Aufkommen der Industrialisierung, eine Änderung der Kontrolle von Marter zu Zeit- und Verhaltenskontrolle::
Der Straffällige muss gebessert werden, aber was durch die Besserung schliesslich wiederhergestellt werden soll, ist nicht so sehr das Rechtssubjekt, das in die fundamentalen Interessen des Gesellschaftsvertrags integriert ist, sondern das gehorchende Subjekt, das Individuum, das Gewohnheiten, Regeln, Ordnungen und einer Autorität unterworfen ist, die um es und über ihm stets ausgeübt wird, und die es automatisch in sich selber wirken lassen soll. .... Foucault erblickt in der Macht zunehmend eine Technologieform: Ein Dispositiv von Techniken und Strategien der Körperbeherrschung, Disziplinierung und Normalisierung, die bis in die innersten Fasern des Individuums dringen, sich festsetzen und sich schliesslich über den gesamten sozialen Körper erstrecken.
In dem Augenblick, in dem man sich darüber klar geworden ist, dass alle menschliche Erkenntnis, alle menschliche Existenz, alles menschliche Leben und vielleicht das ganze biologische Erbe des Menschen in Strukturen eingebettet ist, d.h. in eine formale Gesamtheit von Elementen, die beschreibbaren Relationen unterworfen sind, hört der Mensch sozusagen auf, das Subjekt seiner selbst zu sein.
Daraus erwächst die Aufforderung, sich selbst als moralisches Subjekt zu konstituieren. Wir müssen uns als Kunstwerk konstruieren, herstellen, bestimmen. Das Leben als ethisches und ästhetisches Problem.
René Girard (1923-): Religionsphilosophie / mimetische Theorie: Im Anfang war eine wirkungsvolle Hypothese. Der Mensch steht nicht am Anfang seiner Wünsche. Diese sind vielmehr mimetisch - sie werden von aussen beeinflusst und gesteuert. ... So wie das Kleinkind durch Nachahmung lernt, ist die Kultur ein einziger Lernprozess der mimetischen Uebermittlung. Er betrifft sowohl die Sprache wie das Denken, ja sogar die Gesten. Girard reduziert also den Menschen wieder ganz auf die Assimilation vorgegebener Werte und Normen.
André Gorz (1923-2007): Gorz hat sich als Sozialphilosophie der Entwicklung der Wirtschaft angenommen, kapitalismuskritisch versucht, Alternativen herauszuschälen: Nur noch 20'000 Stunden pro Leben (= 18.Stunden-Woche) werden die Menschen am Ende des Jahrhunderts arbeiten und dafür ein lebenslänglich garantiertes Volleinkommen beziehen (womit er mit ein Urheber des Grundlohns ist). Die Alternative zu seinem Modell, die sich bereits abzeichnet, ist die Horrorvision, in der der Kapitalismus (vertreten durch den Staat) die Bürger fürs Konsumieren bezahlt (weil es die Effizienz stört, wenn alle mitarbeiten wollen ...), wofür sie aber ein völlig standardisiertes und normiertes Verhalten im kollektiven wie individuellen Leben hinnehmen müssen, ein Nachteil den jeder Wohltäterismus aufweist.
Jacques Lacan (1901-1981): Nach Lacan ist die Sprache gleich strukturiert wie das Unterbewusste. Als Organ einer spezifischen Funktion beschränkt es sich darauf, unartikulierten Elementen, die von aussen kommen - wie Antrieben, Emotionen, Vorstellungen, Erinnerungen - Strukturgesetze aufzuerlegen, die seine Realität erschöpfen. Das Unbewusste als individuelles Lexikon, in dem jeder das Vokabular seiner persönlichen Geschichte sammelt, dass aber nur soweit Bedeutung für uns selbst und für die andern gewinnt, als das Unbewusste es gemäss seinen Gesetzen formt und eine Rede daraus macht.
Jean Francois Lyotard (1924-98): Definition der Postmoderne (s. auch eigene Definition)
Edgar Morin (1921-): Die Komplexität des Denkens (zu komplex offenbar, weshalb der deutsche Wikibeitrag sooo kurz ist). Morin lehnt jedes reduzierende und simplifizierende Denken ab, tritt also für Komplexität, Multidimensionalität und -disziplinarität der Wissenschaft ein.
Michel Serres (1930-): Serres tritt, wie Feyerabend, für einen epistemologischen Pluralismus ein: Wenn der Wissenschaftler kein Weiser wird, sind er und die Wissenschaft verloren.
Alain Touraine (1925-): Wenn die Soziologie bisher über die Gesellschaft gesprochen hat, dann ist sie von der Produktion, der Arbeit, der Macht ausgegangen. Was wir heute jedoch auftauchen sehen, ist ein neuer Typus von Gesellschaft, der mehr durch Information, den Einfluss, das Subjekt gekennzeichnet ist; an die Stelle des produktiven Handelns ist das kommunikative Handeln getreten. Das heisst, nicht mehr die Produktion von Waren ist dominierend, sondern die Produktion von Wissen, Dienstleistungen, Sprachen, von Arten, die Welt zu repräsentieren, und von Lebensarten .... Der zunehmende Integrationszwang der <gelenkten Veränderung> (alias freier Markt) führt zu einem Kampf gegen Entfremdung. Die neuen Gesellschaftstypen haben auch neue Subjektivitäten hervorgebracht, eine neue Art des Subjekts, über sich zu denken, mitbestimmen zu können, und diesem Subjekt gilt Touraines ganze Aufmerksamkeit. ... Ueber die Bedeutung der gesellschaftlichen Realität können nur die Akteure selbst Auskunft erteilen ... und diese wollen wieder Herr über den Sinn ihres eigenen Lebens werden: Wir verlangen nicht, den Gang der Dinge zu lenken, aber wir verlangen einfach unsere Freiheit, das Recht, wir selbst zu sein, ohne von den Apparaten der Macht, der Gewalt und der Propaganda erdrückt zu werden.
Philosophie ist denkende Auffassung der Ausübungsbedingungen des Denkens in dessen verschiedenen Registern.
(Alain Badiou)
Philosophie wurde lange als "Mutter der Wissenschaften" betrachtet, da sich diese aus ihren relativ generellen Betrachten entwickelten und spezialisierten. Heute meint die Wissenschaft, d.h. natürlich ihre Träger, die Wissenschaftler, sie könne der Philosophie entbehren. Folgende graphische Darstellung zeigt allerdings, dass dem nicht so ist. Die Wissenschaften zersplittern in x Disziplinen und Fachgebiete, die voneinander nichts wissen, präziser, deren Professoren von andern nichts wissen wollen. Zudem beschäftigen sich Wissenschaften kaum mit den Dingen, die für Menschen wirklich von Bedeutung sind, nämlich mit Zielen, Werten, Orientierungen, denn sie müssen, gemäss ihren eigenen Gesetzen, sachlich bleiben. Der Mensch ist aber keine Sache.
Die Graphik zeigt die drei wichtigsten Verbindungen zwischen Philosophie und Wissenschaft:
die Logik / Mathematik
der Dialog / die Sprache - Fachsprache
die Lebenswelt, als Ort der Anwendung von Wissenschaften, als Ort der Wertung und Anwendung von wissenschaftlichen und philosophischen Erkenntnissen
Die Graphik macht aber auch das Problem der Multikulturalität, oder genereller des Pluralismus verständlicher. Bereits in einer Kultur haben wir nämlich höchst unterschiedliche Sprachsysteme, damit Denksysteme, damit Kulturen - in den Wissenschaften Paradigmen genannt, in der Philosophie Schulen (s. oben: auch hier ist die Ganzheit, die eine Sprache, Illusion, Ideal oder Wunschtraum).
Es bleibt uns also nichts, als die Vielheit anzuerkennen, was aber bedingt, die einzelnen Sprachen und insbesondere ihre Ansprüche und Wirkungen zu erkennen. Der Strukturalismus nahm an, dass Sprache das Denken und die Kultur bestimmt. Er scheiterte - vermutlich weil er sich an einfachen, zu einfachen Kulturen versuchte, die Komplexität, die sich durch die Vielfalt sich überschneidender Sprachen ergibt, aber übersah. Dekonstruktivismus macht auf diese Vielfalt aufmerksam, endet aber in einer unübersichtlichen Postmoderne, wenn er sich nicht zyklisch durch Konstruktivismus ergänzt - und aus dem Scheitern der Konstruktionen und Neukombinationen lernt. Der klare Begriff ist längst Illusion. Begriffe haben Auren von unklar Mit-Gemeintem, von Resten aus der Verwendung des selben Wortes in andern Sprachsystemen. Ueberlegen Sie sich z.B. was wohl dabei rauskommt, wenn sich ein Elektrotechniker, ein Pflanzenphysiologe, ein Statiker und ein Literat über das Wort SPANNUNG unterhalten, obwohl das in jeder einzelnen Disziplin wohl aufs präziseste definiert ist, in den Naturwissenschaften sogar mit Formeln. Deshalb die Forderung nach einer Feldtheorie.
Auf Grund der Erkenntnis, dass wir bereits in einer Kultur unterschiedlichste widerstreitende Teilkulturen haben, macht das Topos vom Krieg der Kulturen absurd, d.h. es entblösst die Absicht. Von einem Krieg der Kulturen kann nur reden, wer seine Kultur als herrschende imperiale Kultur durchsetzen will.
Diese Gefahr, die Gefahr des Imperialismus, besteht nun jedoch schon bei den lokal vorhandenen Kulturen, Sprech- und Denkstrukturen, die Wirkungsräume darstellen. Sie erkennen diese an der Herkunft und Ausbildung der Herrschenden, der Elite, der Führer, der heutigen goldenen Horde. Waren dies vor 40 Jahren noch die Juristen, wurden sie abgelöst von Fachleuten des Marketings, dann von Managern und andern Netzwerkherren, speziell aber den Kennern der Finanzmärkte. Alle bedienen sich spezifischer Sprachen, die dem Normalbürger kaum verständlich sind, die ein Studium voraussetzen - die aber Herrschaft begründen. Dass es dabei um mehr geht als bloss Wissen (eine Behauptung, mit dem die heranwachsende Jugend, die Studenten vor allem, in die Irre geführt werden), zeigt das zeremonielle Brimborium mit dem Rechtssprechung (früher Talare, Perücken - heute noch streng formeller Ablauf), Management und "Investitionen" betrieben werden: Bedeutung der richtigen Schule - nicht des Wissens per se, Bedeutung der richtigen Einstellung, des rechten Glaubens (an den Markt natürlich), kurzum des Habitus, der Form, der Gestalt des Wissensträgers, inklusive Dekor (Uhr, Auto, Haus, Frau ...).
Die Philosophie hat also eine Menge Aufgaben, insbesondere die, eine für die jeweilige Lebenswelt verständliche Sprache zu finden. Brouwers Konzept taugt hier leider wenig, da er zu sehr auf der Seite der Logik steht, zu wenig auf der des interaktiven Dialogs, der Konsensfindung, der Anpassung von Ordnung und Orientierung in einer wechselhaften Welt - an Teilwissen, das zudem in oft unverständlichen Sprachen dargeboten wird - leider auch von den Philosophen selbst. Die heutigen zynischen Definitionen: Wissenschaft ist, wenn's niemand versteht. Philosophie ist, wenn's niemand versteht ... und es eigentlich auch niemanden interessiert liessen sich offensichtlich mit nicht all zu viel Aufwand in nützlichere verwandeln: Wissenschaft schafft verlässliches Wissen in Teilbereichen - Philosophie integriert Teilwissen zu einer Gesamtschau und unterzieht kausales Verstehen einer Wertung, bevor es final, als Ziel oder zur Erreichung von Zielen verwendet wird.
Wissenschaft schafft Wissen, ohne Wertung (wertfrei)
- Philosophie fördert das Denken, traditionell meist im Dialog - und wertet das
Wissen.
Eigentlich ist die heute doch eher problematische Situation der Geisteswissenschaften generell eher verquert, denn je mehr Detailwissen wir anhäufen, um so mehr bedürfen wir der Philosophie. Dummerweise hat sie allerdings keinen Platz innerhalb der materiell produktorientierten Welt des Marktes, der heute das dominante Sprachsystem begründet und alle andern usurpiert, nicht nur als solcher, sondern sogar als Teilsystem Betriebswirtschaft, was weniger gegen die Philosophie spricht als gegen die imperiale Herrschaft Oekonomie - sogar über den Geist.

Aus dieser Differenz zwischen Wissenschaft und Philosophie darf nun aber nicht der Schluss gezogen werden, dass es sich um zwei unverträgliche "Disziplinen" handelt, die getrennt zu unterrichten und zu lernen seien. Die Vielzahl der wissenschaftlichen Disziplinen machen es heute fast jedem Philosophen unmöglich, einen Uberblick zu behalten und wirklich zu verstehen was dort läuft. Genau gleich geht es dem philosophierenden Wissenschaftler, der immer mehr oder weniger an seiner Disziplin hängen bleibt, hier einen Schwerpunkt hat, der seine Perspektive formt. Philosophie braucht es in jeder Disziplin, da jede auf Nachbardisziplinen wie entferntere stösst, da neues Wissen fast notgedrungen sich immer häufiger zwischend den Diszpiplinen findet (s. strukturelle Löcher & Troglologie), also nur durch undiszipliniertes = freies, , aber an Wahrheit orientiertes philosophisches Denken gefunden werden kann.
Insbesondere braucht es philosophisches Denken und dialogische Verfahren - ganz im Sinne der Theorie kommunikativen Handelns - immer dort, wo wissenschaftliches Wissen nach Anwendung drängt, also Handlung, denn Handlung bedeutet Verantwortung, misst sich also an Werten, die nicht zu der Domäne der Wissenschaften gehören.
Philosophie ist Beschäftigung mit dem Umgreifenden, also dem, was Wissen zusammenhält und Wahrheit schafft.
- Philosophie ist Beschäftigung mit den Koordinatensystemen und Räumen des Denkens
- Philosophie ist Erkenntnis der Einheit in der Vielheit
Wilhelm Dilthey (Lebensphilosophie, Hermeneutik) der 1867 ein Jahr lang als ausserordentlicher Professor in Basel lehrte, als ein Philosoph, der sein Fach mit der Naturwissenschaft zu verbinden versuchte.
Karl Jaspers. Mit Jaspers wurde Basel zu einem Zentrum der Existenzphilosophie.
Heinrich Barth.
Jacob Burckhardt (1818-1897), Historiker und Humanist
Nietzsche 1876-1879
1872-1874 Rudolf Eucken, Vater des Nationalökonomen Walter Eucken.
Franz Brentano
Voltaire, Bakunin, Bergson http://switzerland.isyours.com/d/Beruehmtheiten/fa.ca.6.html , J.F. Herbart
http://pages.unibas.ch/philosophie/geschichte.html
Hier sind vor allem zwei Dinge interessant:
Offensichtlich war Zürich noch nie ein tragfähiger Boden für Philosophie - im Vergleich zu Basel.
Aber auch in Basel und im Rest der Schweiz sind die bekannten Philosophen eigentlich meist Ausländer ... Die "theoretische Lebensart" widerstrebt den Schweizern ganz offensichtlich. Vermutlich ein Hauptgrund, warum von Intellektuellen so wenig zu hören ist. Wer will sich schon exponieren (ausser Wichtigtuern ....)
| Der
Philosoph ist, wie der Künstler, ein therapeutischer Stein des Anstosses. mh |
Bereits bei den Griechen und Römern waren Philosophen eher Störenfriede und seltsame Gesellen als angesehene Mitglieder der Gesellschaft. Kallikles meinte:: Wenn man es (die Philosophie) mit Massen betreibt in jungen Jahren, soweit es um der Bildung willen geschieht, ist es ganz nett. Im fortgeschrittenen Alter jedoch wirkt sie (die Philosophie) lächerlich und steht dem tatkräftigen politischen Willen entgegen.
Isokrates wandte sich gegen die Philosophen, in dem Falle gegen Gerichtsrethoren (s. Skeptizismus pervertiert), Politiker und Eristiker, da diese die Wahrheit oft ins Gegenteil verkehren: Man darf, so meine ich, Philosophie nicht das nennen, was uns jetzt weder zum Reden noch zum Handeln nützt. Wer tätig sein wolle im Leben, müsse alles leere Reden und Tun unterlassen, das ohne Belang fürs Leben ist. Er lehnte darum z.B. die Mathematik ab, die er als "sog. Philosophie" bezeichnete. Philosophen sind verschroben, völlig verdorben durch ihre Tätigkeit, unbrauchbar für den Staat, meint zeitweilen sogar Platon, da der Ruf vieler Philosophen sehr schlecht ist.
In Rom hatte man eh wenig übrig für griechische Philosophen, da man den Griechen Unaufrichtigkeit und Leichtfertigkeit nachsagte. Dennoch erhielten viele Griechen bis Mitte des 1. JH. v.Chr. eine Stelle als Hausphilosoph (Hauslehrer). 161 v.CHr. beschloss allerdings der Senat, dass alle Philosophen und Rhetoren des Landes zu verweisen seien.
Kritik hatte auch politische Ursachen. Da etwa die Stoiker (und Kyniker) sich gegen das Imperium und für die republikanische Gesinnung einsetzten, wurde ab und zu auch ein Philosoph als Staatsfeind zum Tode verurteilt.
| Und es wäre die des empirischen Menschen oder
Empirikers, des sattsam zur offenen Frage gewordenen Erfahrungsmenschen, der
aus hundert gemachten Erfahrungen tausend neue zu machen weiss, die doch
immer nur im gleichen Erfahrungskreis verbleiben, und der damit das
gewinnreich erscheinende riesenhafte Einerlei des technischen Zeitalters
erzeugt hat. Der Empirismus als Philosophie könnte als die philosophische
Kinderkrankheit dieser Art des Menschen gelten. Robert Musil: Der Mann ohne Eigenschaften S. 1271 |
Gefördert wurde die Philosophie, mit staatlichen Professuren, unter Vespasian (9-79 a.D). Unter höchstem Ansehen stand sie unter Hadrian (76-138 A.D.), dem ersten Philosophenkaiser (mit Philosophenbart) und später unter Marc Aurel (121-180 A.D).. Wie immer wenn etwas "marktfähig" wird, kamen damit auch die Schätzer wieder ans Tageslicht. Zudem wurde weiter Mantel, Wanderstab, grosser und ungepflegter Bart, zur Mode.
Da damals wie heute viele, nicht nur Philosophen, zwar Moral predigen, aber anders leben, Heuchler sind oder geldgierig, wird ihre Theorie durch die vorgelebte Praxis unglaubwürdig. Da sie sich nicht der Produktion, sondern der Kontemplation widmeten, wurden sie auch damals bereits oft einfach als faul bezeichnet. Philosophie war eher geduldet als gefördert, als Liebhaberei, betrieben nebst Jagd, Pferde- und Hundezucht. Der Vorwurf Ciceros könnte auch heute noch zutreffen, und zeigt, dass Unterhaltung und Events bereits damals nicht optimal mit Wissensvermittlung oder gar Denken verbunden waren: Den schwatzenden Philosophen laufen die Hörer davon, sobald eine andere Unterhaltung lockt.
| Die Philosophie hat nicht gut, sondern wahr zu sein.
Baruch Spinoza |
|
Was für eine Philosophie man wähle, hängt davon ab, was für ein Mensch man ist. Fichte |
Von den Wissenschaften her wären wir gewohnt, so zu fragen. Hier jagt eine Publikation die andere, jeder versucht an der Spitze der Forschung zu stehen, sei es, um mit neuen Erkenntnissen die Wissenschaft vorwärts zu bringen (das idealistische Ziel), sei es, um mit neuen Produkten, Verfahren, Patenten Geld zu verdienen (das materialistische Ziel), sei es, um den Nobelpreis oder zumindest die Anerkennung in Fachkreisen zu erringen (das soziale und psychologische Ziel. Weitere sind durchaus auch möglich). Wissenschaft liefert also immer etwas Neues, etwas, das wir noch nicht gewusst haben, neues Wissen.
Aufgabe und Resultat der Philosophie sind anders geortet. Philosophie such Wahrheit in Ganzheit, also im System. Philosophie ist also DIE (qualitative) Systemtheorie per se. Philosophie ist nicht Politik, denn Politik ist der Kampf um Macht, aber Grundlage der Politik, Theorie der Politik. Philosophie ist auch nicht Praxis, aber das theoretische Durchdenken der Praxis.
Da sich die Systeme in denen wir leben und die wir denkend zu bewältigen suchen, dauern verändern durch Moden/Trends wie natürliche, soziale, politische und wirtschaftliche Einflüsse, entwickelt sich die Philosophie mit und verändert sich entsprechend. Gegenwärtige Philosophie sollte also gegenwärtige Systemkomplexität verständlich machen und uns die Mittel in die Hand geben, Strukturen, Funktionen und Produkte der Systeme auf ihren Wahrheits- oder Sinngehalt zu überprüfen. Das heisst nun aber nicht, dass die neuste Philosophie die beste und einzige ist, fast im Gegenteil. Philosophen sind keine Götter, auch ihnen fehlt oft der Überblick, darum nennen sie sich ja Philo-Sophen (die Weisheitsliebenden) und nicht Sophen (die Weisen). Auch sie können weder die Wirkung komplexer Systeme - noch die Zukunft, vorhersagen. Wie jeder Liebende ist auch der Philosoph in seinem Streben nicht perfekt. Aus der heutigen Perspektive extremer Komplexität erscheinen uns die philosophischen Systeme der Griechen heute fast banal - so banal, dass wir deren Erkenntnisse gerne vergessen. Zu Unrecht. Die Welt der Griechen war einfacher als unsere, darum konnten sie einige Dinge noch weitaus klarer sehen, als und dies heute möglich ist. Die Explosion nichtigen Wissens verdeckt gerne wichtiges Wissen, insbesondere die praktische Weisheit (Phronesis) und den beträchtlichen Unterschied zwischen wissenschaftlichem Wissen und poietischem Wissen, dem Handlungswissen des Ingenieurs. Dazu ist heute ist eine gesellschaftliche Entwicklung, die auf einem integralen Verständnis des Denkens und Handelns und Strebens in der Gesellschaft basieren muss, z.B. nicht ohne Rhetorik, nicht ohne Topik, und auch nicht ohne Logik möglich. Viele der Erkenntnisse, die unterschiedliche Philosophien geliefert haben, sind nach wie vor wichtig, viele der Methoden unverzichtbar, wie etwa Dialog, Majeutik, Dialektik, Ideologiekritik und viele mehr. Durch die Verwissenschaftlichung der Philosophie, durch ihre Disziplinierung, geht der Gesamtheitsaspekt, der Gestaltaspekt, der Philosophie verloren, und damit die Philosophie selbst.
Würden Sie heute allerdings in einer Hochschule mit dem Cartesianischen Ansatz forschen, sie flögen in hohem Bogen raus. Würden Sie heute in Schule oder Uni so schreiben wie Kant, müssten Sie einen Nachhilfekurs in (verständlichem) Schreiben besuchen.
Kontrollfragen zur Qualität von Philosophie können sich also weitaus weniger als bei Wissenschaften auf "das Neueste" beschränken, sondern müssen eher die aufklärerische Wirkung und den Systemumfang berücksichtigen, also z.B.:
Martin Herzog, Webphilosoph, Basel. 25.5.05
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Glauben Sie das? Nöööö - das wäre eben gerade übertrieben, einseitig und damit unphilosophisch. Positivismus und analytische Philosophie waren und sind mit entscheidend für die Erfolge der Naturwissenschaften und der Technik. Was man daran kritisieren darf und muss ist einzig, dass sie diesen Ansatz zum überlegenen in jedem Fall deklariert, also umgekehrt das Selbe tut wie wir gerade - ein Erkenntnismonopol definiert.
Die offene, fragende Philosophie die mit unterschiedlichen, der Frage angepassten Methoden arbeitet, hat gegenüber der Wissenschaft insbesondere den Vorteil, dass sie sich nicht an das halten muss, was ist, sondern eigentlich den Auftrag immer mit sich trägt, nach dem zu fragen, was sein könnte und was sein sollte, also die ethische Frage. Sie ergänzt hier die Politik ideal, die eigentlich die Kunst sein sollte, das Notwendige möglich zu machen und zu klären, wie weit sich auch das Wünschenswerte realisieren lässt.
Dass Philosophie sich auf das unendliche Spiel zwischen Frage und vernünftiger Antwort beschränken, und nicht betonieren sollte, wie zu denken sei, beschreibt D.R. KHASHABA herrlich in: 'INTERPRETING PLATO'.
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Tinguely-Brunnen, Basel. |
Demgegenüber ist eine Politik die auf der Basis wissenschaftlicher Erkenntnis betrieben wird, eine Diktatur des Sachzwangs ... wie wir sie seit Jahren erleben. Unsere Manager sind Dirigenten mit vorgegebener Partitur. Das Stück heisst: Die unendliche Vermehrung des Kapitals. Und dieses dirigieren sie, wie alle Dirigenten, ohne Mitsprachrecht des Orchesters, also diktatorisch. Nicht gerade erhebend, nicht gerade zukunftsweisend. Gerade durch die Reduktion auf das wirklich gegebene, erkennbare, sichere, das Positive, fallen wichtige (metaphysische) Gebiete wie Wertung, Zielorientierung, Gerechtigkeit und viele mehr aus dem Kanon der Wissenschaften raus, die sich hier also ihrer Kommentare enthalten müsste und diese Fragen an Philosophie und öffentlichen Diskurs weiterreichen sollte. Im öffentlichen Diskurs herrscht allerdings die Macht der Ökonomie: Was rentiert ist gut, was mehr Kosten verursacht als es einbringt, ist böse - und dennoch herrscht ein enormer Leerlauf was den Sinn des Ganzen betrifft. Materieller Überfluss wird auf Halde produziert - Arbeitsplätze, Lehrplätze, Einkommen - und vor allem Sinn- fehlen. Um die Halden abzubauen steht der Konsument im Dauerregen der Botschaften: Kauft, kauft, kauft - billig, billiger, am billigsten - mehr -Wachstum ... Hier muss die Philosophie immer wieder korrigierend eingreifen, denn sie ist das einzige gesellschaftliche Subsystem dessen Steuerungsprinzip Wahrheit heisst. Politik sucht Macht, Wirtschaft sucht Geld, Gesellschaft sucht Anerkennung, Wissenschaft schafft Wissen in Teilgebieten. Nur die Philosophie hätte theoretisch den Auftrag, alles zu einem Ganzen zu reintegrieren, dem Diktat der Wahrheit gehorchend. Die Kunst kann durch Bewusstseinsbildung ebenfalls viel dazu beitragen.
Hier lässt sich auch philosophisch eine Frage beantworten, die uns gegenwärtig stark beschäftigt: Soll sich der Staat ganz aus der Wirtschaft heraus halten?
Also der rechte Slogan: Die Staatsquote ist zu hoch! Während Links dem Staat die Lösung aller Probleme zutraut, traut ihm Rechts zu, aller Probleme erst eigentlich zu verursachen. Beide Extreme dürften schief liegen. Wir brauchen uns eigentlich nur zu fragen: Wie viele meiner essentiellen Bedürfnisse kann die Privatwirtschaft erfüllen?
Welche Art Wirtschaft kann langfristig planen?
Welche Art Wirtschaft kann eine gewissen Verteilungsgerechtigkeit garantieren?
Welche Art Wirtschaft sorgt für Natur, Umwelt, Landschaft, Wasser, Boden, Luft?
Welche Art Wirtschaft fördert die Gemeinschaft, die um so notwendiger wird, je enger wir auf-, mit- oder nebeneinander leben.
Kommunismus und Sozialismus setzen da fast zu 100% auf den Staat - was sich als Irrtum erwiesen hat. Gerade in den sozialistischen Diktaturen war Überleben oft nur möglich, durch massive Anteile an Schwarz- und Grauarbeit. Im totalen Kapitalismus dagegen, eigenen sich 20% der Kapitaleigner, die 80% des Kapitals besitzen, 80% der wirtschaftlichen Tätigkeit an, beschneiden also das Existenzrecht einer Mehrheit. Mit Freiheit hat das Ganze wenig zu tun, da Betriebsdiktaturen im Westen heute weitaus verbreiteter sind als Staatsdiktaturen.
Der "Konsument" will eben nicht nur (billige, effizient und rational zu erbringende) Güter und Dienstleistungen, er will auch einen gerechten Anteil an der wirtschaftlichen Produktion über Lohn, er will Sicherheit, Bildung, öffentlichen Verkehr, Kultur, ein Gesundheitssystem das er sich leisten kann und einiges mehr. Einiges, dass ihm die Privatwirtschaft vorenthält, falls er nicht über entsprechende Mittel verfügt. Die Erfüllung des Wünschenswerten über "nur Staat" führt zur Diktatur der Bürokratie. Die Erfüllung des Wünschenswerten nur über den Markt führt zu Ausschluss durch Wettbewerb. Folgerichtig bewegen sich die meisten Staatsquoten in Europa zwischen 30 (Japan, Schweiz 1990) und 60% Schweden 1990). Die kritisierte Erhöhung der Staatsquote der Schweiz auf 39% 2004 bedeutet also nicht den wirtschaftlichen Weltuntergang, sondern zeigt bloss die Diskrepanz zwischen den Erwartungen der Bevölkerung an die Privatwirtschaft und den erbrachten Leistungen: Die Wirtschaft optimiert nach betriebwirtschaftlichen Gesichtspunkten (s. Die Dominanz betriebswirtschaftlichen Denkens in der Politik ruiniert Volkswirtschaft, Volk und Kultur), die Kosten für die Existenzsicherung der "Restrukturierten" fallen jedoch beim Staat an.
Grundlage der Willensfreiheit ist der Wille zu Wissen - also die Philosophie! [mh]
Die Philosophiegeschichte zeigt folgende Phasen wechselnder Herrschaftsorientierung
Scheinbefreiungen:
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LINKS:
Sehen wir uns aber einige der Definitionen von Philosophie an: Philosophie such Wahrheit in Ganzheit - Philosophie ist das theoretische Durchdenken der Praxis - Philosophie ist die theoretische Lebensform des philosophischen Menschen - Philosophie ist die Kunst des Misstrauens - Philosophie ist der vorgezogene Tod - Philosophie hat den Auftrag, nach dem zu fragen, was war, ist, sein könnte und sein sollte- sehen wir uns die Kritik an den Philosophen an, die nie wirklich in ihrer Zeit leben, sondern bereits weiter sind oder noch irgendwo hinterher, dann könnte einem die Idee kommen, dass Philosophie im Café vielleicht der falsche Ansatz war, ein zu kleinbürgerlicher Ansatz, der zu Kaffee und Hörnchen ein bisschen Philosophie reicht. Philosophie ist aber in erster Linie Kritik, Kritik zu leichtfertig hingenommener Wahrheiten, Kritik an Selbstzufriedenheit, Kritik überkommener und übernommener Werte. Philosophie ist also unbequem, was eigentlich nicht zu einem Kaffeekränzchen passt. Vielleicht sollte die Philosophie sich nicht unter Gleichgesinnten im Kaffee abspielen, vielleicht sollte sich Philosophie weniger darauf beschränken, Fachkräfte zu lehren, sondern öffentlich werden und dem Volk das selbständige Denken beibringen:
Philosophie sollte also weder zum Kaffeekränzchen oder zum Event verkommen, noch so elitär betrieben werden, dass praktisch nur noch die Universität zuständig dafür ist. Philosophie, als offenes und freies Denken, ist um so wichtiger, je weniger die wissenschaftlich Verschulten dazu fähig sind. (betr. Ökonomie s. Beispiel zu Strukturwandel-Strukturbrüche) Internet Zeitschriften:
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noch zu bearbeiten: Funktionalismus besser FunktionalismusII, der der links hier bereits durch eine etwas seltsame und wenig interessante Bewegung der Geistesphilosophie besetzt ist - aber die Lebenswelt heute beherrscht: Alles und alle müssen in erster Linie funktionieren - als Marktteilnehmer. Alle sind also Funktionäre - oder draussen. / Systemtheorie - mit der Sicht aufs Ganze, aber weniger besessen mit Details, als mit der Idee: Wie läuft das Ding, wie kriegen wir's zum Funktionieren. Hat also eine stark pragmatische Haltung, wenn auch von den, das einfache liebenden, Praktikern, als "Theorie" verschrien. Prägend für den Schreibenden, da Ingenieur.
so lange s. http://plato.stanford.edu/contents.html#d