Kritik der zynischen
Vernunft ... oder:
Vom Wissen das dumm, und der Dummheit, die reich und
mächtig, macht. Eine leicht zynische Kritik Peter Sloterdijks Kritik der
zynischen Vernunft. [Suhrkamp 1099, 2 Bd.. Frankfurt a.M. 1983]Sloterdijk kritisiert die Postmoderne, das Ende der grossen Erzählungen ... und will natürlich selbst eine liefern, zum Weltinnenraum des Kapitals:
Er (der Ausdruck Weltinnenraum des Kapitals) umschreibt den Horizont der vom Geld erschlossenen Zugangschancen zu Orten, Personen, Waren und Daten - von Chancen, die ausnahmslos aus der Tatsache abzuleiten sind, dass die massgebliche Form von Subjektivität innerhalb der Grossen Installation durch die Verfügung über Kaufkraft bestimmt ist. [S. 309]
Er verwechselt aber grosse Erzählungen mit dicken Büchern. Grosse Erzählungen wären aber Erzählungen, die die Welt als ganzes präsentieren, mit der Verknüpfung der realen mit der und nur über Symbole zugänglichen transzendentalen Welt, so wie das im kleinen, ethnologischen, die dichte Beschreibung von Clifford Geertz liefert. Sloterdijk liefert nichts, was man als tiefe und breite (=grosse) Erzählung über diesen Weltinnenraum des Kapitals betrachten könnte.
Es gibt dennoch, trotz Postmoderne, noch höchst wirksame grosse Erzählungen, die, weiterhin äusserst wirksam sind und die Welt weiterhin mit gestalten. Es handelt sich insbesondere um den Koran, die Bibel und die Thora, denen sogar die Macht zugeschrieben wird, einen weiteren Weltkrieg auszulösen. (Die grossen Werke von Sloterdijk reichen hingegen gerade mal dazu aus, ein paar kleine Philosophen zu ärgern und einigen Mitläufern zu unverdienter Ehre zu verhelfen: Ich hab's auch gelesen! (d.h. gekauft und nach 20 Seiten in den Bücherschrank gestellt weil's ziemlich verwirrend ist und eigentlich nichts bringt, was ich aber nicht zugeben kann, denn ein grosser Philosoph sagt sicher was wichtiges, also blamier ich mich bloss, wenn ich's einen Stuss finde ...)).
Mit diesem postmodernen Sphärengelaber stellt sich Sloterdijk jedoch selbst in die Reihe der postmodernen Sophisten. Das Drechseln gewundener Sätze dient Sloterdijk nicht dem Ziel der echten Rhetorik, der wirksamen Rede von der Wahrheit, sondern ist zum Selbstzweck geworden, zum verkaufsfördernden Stil
Sloterdijk kritisiert die Monopolisierung des Globalisierungsdiskurses durch Politologen und Sozialwissenschaftler, denen man die Fortsetzung des Journalismus mit griesgrämigen Mitteln verdankt - vergisst aber bei seiner eigenen Arbeit, das Globalisierung ein wirtschaftlicher Prozess ist, über den das Kapital die Politik verdrängt, ein Problem, das er kaum angeht, oder höchstens über ein paar eingeschobene Sätze mit den bei ihm üblichen quirlig-hochgestochenen, aber häufig nichtssagenden, Formulierungen. [S. 18]
Sloterdijk kritisiert. Zu den bemerkenswertesten Nebenwirkungen der aktuellen paraphilosophischen Welle gehört die Proliferation von ungeprüften Behauptungen, die an den Grenzen der Nationalstaaten nicht mehr halt machen. [S. 18]
Sloterdijk kritisiert, dass im Historischen Wörterbuch der Philosophie Wörter fehlen wie: Abstand, Ausdehnung, Äusserlichkeit, Baldachine, Barbaren, Bildwerdung, Dichte, Einseitigkeit, Enthemmung, Entsendbarkeit, Erfassung, Hemmung, Investition, Kapital, Kartierung, Medium, Mission, Ökumene, Risiko, Rückkoppelung, Schulden, Unbekanntheit, Verbrechen, Verkehr, Vernetzung, Wahnsystem, Weltsystem, Wunschdenken, Zynismus. Mal hinten angefangen (Rest wird geprüft), Zynismus kommt vor, im letzten, im 12. Band, der erst erschienen ist. Zwar ist es nicht welterhebend was dort ¨über Zynismus zu finden ist, aber historisch fundiert. Da die meisten der von Sloterdijk gelisteten Worte eh etwas seltsam sind und in klassischen philosophischen Diskursen wohl kaum oder nur selten gebraucht wurden, haben sie in einem historischen Wörterbuch wirklich nichts verloren. Baldachin z.B. stammt von der italienischen Bezeichnung für kostbare Seidenstoffe aus Bagdad - die gerne für Traghimmel verwendet wurden, welche die orientalischen Herrscher vor der Sonne schützten. Diese Gewohnheit wurde dann von geistlichen Würdenträgern übernommen und später der Begriff für alle Überdachungen von Thronen, Altären und Statuen verwendet. Ob der Wandel vom luxuriösen Sonnenschirm zum luxuriösen Dach ein philosophisches Problem ist, darf man sich schon fragen. Da Sloterdijk aber offenbar die Posthistorie einleiten möchte, kümmert es ihn wenig, was die Historiker geleistet haben und er kritisiert mal um der Kritik willen und um zu zeigen: Ich bin besser als die!
Die Überprüfung hat ergeben, dass all die fett geschriebenen Ausdrücke im Historischen Wörterbuch der Philosophie, entgegen den Angaben von Sloterdijk, eben doch vorhanden sind. Dazu kommt, dass sich Sloterdijk selbst um eine Auseinandersetzung mit komplexen Systemen und deren Theorie drückt, also das Auslassen von Vernetzung und Rückkoppelung vielleicht dann auch nicht bei andern kritisieren sollte. Von 29 Begriffen stimmt die Behauptung, dass sie ausgelassen wurde, also bei 12 bis 14 nicht. d.h. die Hälfte der Aussage ist falsch. An einem Ort, wo wir in der Lage sind, die Qualität von Sloterdijks Behauptungen zu überprüfen, geht die Sache also voll in die Hosen. Eine Fehlerquote von "nur" fast 50% macht sich zwar an der Börse bezahlt, dürfte aber nicht als Philosophie qualifizieren.
Sloterdijk kritisiert die empirischen Wissenschaften, die durch Beschreibung, Benennung, Taxierung, Kartierung zu einem grossen Teil die Eroberung der Welt erst möglich gemacht haben: Es ist typisch für den neuzeitlichen Habitus des Erfassens, Bringens, Beitragens, Mitarbeitens, Nach-vorne-Gehens und Systematisierens, dass die wesentlichen Forschungen wettbewerbsförmig verlaufen. Den Wettfahrten um die zu erreichenden Ziele entspricht hier ein Wettschreiben auf dem Feld der wissenschaftlichen Ehre ... Na ja. Haben Sie die Kritik der zynischen Vernunft gelesen? Da quillt immer wieder zwischen den Seiten der Stolz hervor, als junger unbekannter Philosoph ein Buch mit einer Auflage von 500'000 etc. geschrieben zu haben. Ziel der Philosophie wäre aber eigentlich die Suche nach Wahrheit. Diese wurde aber betr. Zynismus durch die Masse manieristischer Formulierungen glatt verschüttet. Sloterdijk ist so weniger Philo-Soph, Wahrheitsliebender, als ein Meinungshändler und Marktschrei(b)er, was insbesondere die höchst überflüssige Publikation Menschenpark belegt.
Sloterdijk kritisiert Geschichte (nebst Soziologie und Philosophie: Man kann der Einsicht in den nachgeschichtlichen Charakter des Weltsystems im Global Age mühelos ausweichen, indem man weiterhin, wie in der Zunft üblich, jede Sequenz von Ereignissen im Makro- wie im Mikrobereich als Geschichte bezeichnet. Dank dieser terminologischen Festsetzung lässt sich jeder Gegenstand "historisch nehmen" - in der grossen Geschichtsnacht kommt es auf eine graue Kuh mehr oder weniger nicht an.
Sie schreiben die Geschichte der Menstruation im Mittelalter; sie schreiben die Geschichte der Projektile vom eiszeitlichen Jagdspeer bis zu den Interkontinentalraketen; sie schreiben die Geschichte der Sprühdosenkunst und des Gangsta-Rap; die Geschichte der zehn grössten Privatvermögen auf der Erde; die Geschichte der Raubkopie seit der Oeffnung Chinas; ... etc. x 3
Sloterdijk kritisiert die Rückkoppelung: Hingegen wird in den nachgeschichtlichen dichten Situationen jeder Impuls von seinen Rückmeldungen abgefangen, nicht selten schon bevor er sich recht entwickelt hat. Alles was vorwärts drängt, was weit hinaus möchte, was bauen will, spiegelt sich lange vor dem ersten Spatenstich in Protesten, Einsprüchen, Gegenvorschlägen, Abgesängen; was Massnahme sein will, wird von der Gegenmassnahme überholt - die meisten Reformvorschläge könnten mit einem Zwanzigstel der Energie verwirklicht werden, die zu ihrer Reformulierung, Vewässerung und vorläufigen Zurückstellung aufgeboten wird. Das Einschlagen eines Nagels verlangt die Zustimmung einer Kommission, die, ehe sie der Nagelfrage näher tritt, ihren Vorsitzenden, dessen Stellvertreter, den Kassenwart, den Schriftführer, den Frauenbeauftragten und ein externes Mitglied wählt, das die Anliegen des regionalen Ethikrats für Technologiefolgenabschätzung und Umweltschutz geltend macht. Es gab in der Schweizer Presse einige Rezensenten, die Sloterdijk so interpretierten, als sähe er die Kleinräumigkeit und den Föderalismus der Schweiz als Vorbild für ein Weltmodell. Anbetracht obigen Zitats muss man entweder annehmen, dass er hier einfach wieder mal verbos vor sich hingeploddert hat ohne gross nachzudenken, oder dass er von den Abstimmungsproblemen komplexer Systeme keine Ahnung hat ... und ihm die Problemlösung eigentlich ziemlich wurscht ist, solange sich sein Buch verkauft.
... Unter solchen Umständen können Therapiegruppen als die wahren Ausbildungsplätze für das Posthistoire gelten. Der Satz ist richtig, bloss sollte er in dem Falle nicht so zynisch tönen. Komplexe Systeme lassen sich nämlich wirklich nur therapieren, und nicht durch starke Männer (oder Frauen) lenken. (Grundlagen dazu s. Beratung als Systemtherapie. Politische Umsetzung: Wie lässt sich Politik betreiben, wenn sich komplexe Systeme nicht lenken lassen?) Zudem erfindet er mit dem Ausdruck Posthistorie einen, der noch blöder ist als die Postmoderne. Die Postmoderne verdankt den Titel der Doppeldeutigkeit des Ausdrucks Moderne. Geschichte ist aber ein-, nicht zweideutig. Geschichte ist das, was gewesen ist. Geschichte ist die Erinnerung, der Speicher des Wissens. Wenn ich also Postmoderne bereits als blöden Ausdruck bezeichne, so ist Posthistorie in dem Falle also "blöd im Quadrat".
Sloterdijk kritisiert die Staatsquote: An der aktuellen Lage des grossen Komforttreibhauses lässt sich ablesen, dass zwischen Kapitalwirtschaft und "öffentlicher Hand" ein festes, wenn auch zunehmend nervöses Band geknüpft ist - bei einer Staatsquote von über 50% des Sozialprodukts braucht man nach dem Hauptgewinner im Spiel, das Kapitalismus heisst, nicht lange zu fahnden. Na ja, in der Schweiz liegt die Kapitalquote sein 1998 höher als die Staatsquote. Die Staatsquote dient dem Aufbau gemeinschaftlich nutzbarer Infrastruktur und der Existenzsicherung der Verlierer. Die Kapitalquote dient denen, die Kapital haben. Hat Sloterdijk mit seinen überflüssigen Büchern so viel Geld gemacht, dass sich seine Interessen mit denen der Bankiers decken?
Welche Rolle spielt hierbei das moderne Geld in seiner dreifachen Gestalt als Handelskapital, als Industriekapital und als Finanzkapital? [S. 247]
Geld ist nur eine Form von Kapital und hat drei Funktionen:
Bereits diese drei Funktionen sind oft unverträglich (s. Geldökologie). Die Verwechslung von Geld mit Kapital um so tragischer.
Die tragischste Auswirkung der Globalisierung ist die Einrichtung eines auf Kapital statt bloss Boden basierenden Neo-Feudalismus. Bestand das Überlebensproblem für die Ausgeschiedenen und Überflüssigen im traditionellen Feudalismus (der in vielen Ländern, insb. Südamerika, noch in Betrieb ist) darin, dass sie bloss kein Land hatten (ein Problem, dass seiner Lösung durch eine Bodenreform in manchen dieser Länder immer noch harrt), aber andere Dienstleistungen beliebig verkaufen konnten; so besteht das Problem des neofeudalen Ausschlusses darin, dass es keine Nischen mehr gibt, die nicht monetarisiert sind. Der sich durch Globalisierung verstärkende Ausschluss, das natürliche, wenn auch meist nicht der Erwähnung wert erachtete Resultat der elitären Selektion durch Wettbewerb, schliesst Verlierer (die immer noch Menschen sind), nicht bloss von Landnutzung aus, sondern von der Nutzung sämtlicher Infrastruktur (Elektrizität, Wasser, Wohnung, Transport, Bildung ...), für die in den meisten Fällen, zunehmend mit der Privatisierung, Abgaben zu leisten sind.
Globalisierung ist in erster Linie ein Machtproblem. Davon steht bei Sloterdijk kein Wort. Das Buch ist also genau so überflüssig wie es dick ist (was übrigens auch für Sphärologie und die Zynische Vernunft zutrifft). Zu Deutsch: Sie verpassen nichts, wenn Sie den Käse nicht gelesen haben.
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In diesem horizontalen Babylon wird das Menschsein zu einer Frage der Kaufkraft und der Sinn von Freiheit enthüllt sich in dem Vermögen, zwischen Produkten für den Markt eine Wahl zu treffen oder selbst solche Produkte zu erzeugen. [S. 27]
Sloterdijk hat sich dem horizontalen Babylon offenbar gut angepasst, indem er äusserst gut verkaufbare Produkte anbietet, die Babylon kritisieren, aber meist noch babylonischer machen. [s. Kritik der zynischen Vernunft].
Bereits nach den ersten 30 Seiten des Buches wird einem klar, dass hier vermutlich wenig zu den Problemen der Globalisierung geliefert wird, da es sich offenbar um eine Restverwertung von Überbleibseln des Sphärengeschwafels handelt.
Die Schlüsselfigur des neuen Zeitalters ist der "Schuldner-Produzent" - besser bekannt unter dem Begriff Unternehmer -, der seine Geschäftsverfahren, seine Meinungen und sich selbst (die Mitarbeiter wurden vergessen) fortwährend flexibilisiert, um mit allen Mitteln an die Gewinne zu kommen, die ihn befähigen, aufgenommene Kredite rechtzeitig zu tilgen. ... Die Haupttatsache der Neuzeit ist nicht, dass die Erde um die Sonne, sondern dass das Geld um die Erde läuft.
Allenthalben tritt Fortuna als die Globalisierungsgöttin par excellence in Erscheinung: Nicht nur produziert sie sich als ewig ironische Aequilibristin, die auf ihrer Kugel balanciert, sie lehrt auch, das Leben im ganzen als ein Glücksspiel anzusehen, bei dem die Gewinner sich nicht zu rühmen und die Verlierer sich nicht zu beklagen haben. ... Was ist Liberalismus in philosophischer Sicht anderes al die Emanzipation des Akzidentiellen? Und was das neue Unternehmertum, wenn nicht eine Praxis, das Glück zu korrigieren? S. 82
Die letzte Kugel erlaubt weitere Konstrukte nur in der Horizontalen - was einzelne Hochbauten nicht ausschliesst. Sie stimuliert neighbourhoods, joint ventures, interkulturelle Transaktionen und künstlichen, nicht zu steilen Himmeln; sie verlangt nach Foren, Podien, Baldachinen, Schirmherrschaften, Allianzen, Mäzenaten; sie begünstigt Konvente aus Interessengruppen an verschieden formatierten Tischen, in Konferenzsälen von abgestufter Grösse. Den Gedanken an eine Super-Monosphäre oder ein machthabendes Zentrum aller Zentren wird sie in Zukunft nicht unterstützen.
Ist doch gut so. Also irgendwo im ganzen Krimskrams versteckt hat's immer
wieder ein paar brauchbare Ideen. Allerdings dient die Sphärensymbolik mehr der
Mystifizierung als der Klärung. Das Problem Erde-Globalisierung bestünde auch,
wäre die Erde ein Quadrat (gäbe bloss ein paar verkehrstechnische und
gravitationsmässige Probleme an den Kanten, und beträchtliche Probleme mit
der Verteilung des Wassers) oder
einfach eine Scheibe.
Das Problem des Kapitalismus und seiner höchsten Steigerungsform, der
Globalsierung heisst:
Reell verfügbarer Raum und Ressourcen sind beschränkt - Ansprüche des kapitalistischen Systems sind unbeschränkt.
Jede Beschränkung bedroht das kapitalistische Finanzsystem und damit den Kapitalismus selbst. Das Problem der Rechten mit dem Staat ist also begründet - aber auch das Problem der Linken, insbesondere Grünen, mit der Wirtschaft. Im einen Fall sieht sich die Wirtschaft zu recht bedroht, im andern die Erde, mit dem selben Recht.
Auch das Symbol des Glaspalastes ist dürftig. Es steht für die Konsumpaläste und weitere lichte Häuser, die helfen sollen, das Grundproblem der Menschheit zu beseitigen, das wahre Grundmotiv des Kapitalismus, die Langeweile. Die meist angeführten "unendlichen, durch den Markt zu befriedigenden Bedürfnisse" sind hier höchst sekundär und widersprüchlich. Dass wir immer mehr arbeiten um immer weniger Zeit und Genuss zu haben, ist längst klar. Das Nonplusultra dieser vertrottelten Theorie ist die Forderung nach höherer Produktivität durch längere Arbeitszeiten und spätere Pensionierung ... um den Wohlstand zu wahren. Produktivität heisst aber, in der selben Zeit mehr leisten, um Zeit zu sparen für anderes. Der Glaspalast maskiert aber die Härte des kapitalistischen Kerns, der eigentlichen Innenwelt des Kapitalismus: Der Schutz der Feude, des Kapitals, des Eigentums. Treffender als der Glaspalast dürfte die Festung, das Schloss (Kafkas, denn auch die Bürokratisierung des finanzwirtschaftlichen Kapitalismus ist ein grösseres, auf jeden Fall ausgedehnteres, Problem als die Staatsbürokratie), der Bunker, der Safe, die gated community sein.
Die einzige Terrormassnahme, die Erfolg garantiert, das lückenlose Schweigen der Medien über neue Anschläge und Entführungen.
Die dichte Welt:
Das Kennzeichen etablierter Globalität ist der Zustand erzwungener Nachbarschaft mit unzähligen zufällig Koexistierenden.
Kukuruz. Dies ist schlicht und einfach die Folge der Bevölkerungsexplosion, der Verdichtung des Wohnens in Städten - die das eigentliche Fundament des Kapitalismus sind.
Erhöhte Dichte impliziert steigende Wahrscheinlichkeit von Begegnungen zwischen Aktionszentren, sei es im Sinn von Transaktionen, sei es in dem von Kollisionen und Beinahe-Kollisionen.
Einseitige Diktate werden nun ebenso unplausibel wie anhaltende Nichtkommunikation. ... Hinreichend starke Akteure machen sich gegenseitig freundlich, klug, und kooperativ - und trivialisieren sich naturgemäss auch reziprok. Sie tun dies, weil sie einander erfolgreich im Wege stehen und gelernt haben, ihre jeweiligen Interessen aufzurechnen. [S. 277-78]
Richtig, aber banal. Dieser Effekt wird als Zivilisation beschrieben. Der Begriff ist römisch und kommt von civis, Stadt, cives: Städter, Bürger. Der Weltbürger ist allerdings noch nicht geboren.
Sloterdijk erkennt auch den negativen Effekt, der Zivilisation begleitet: Die Hemmung (kein s. aber höre: Mani Matter, unübertrefflich). Das freie Handeln wird zum Rollenspiel, deshalb gedeihen die Businessberater so gut, die eigentlich nicht viel anderes tun, als "richtige Verhaltensweisen" anzutrainieren. Der freie Denker steht hier händeringend oder grinsend, je nach Typ, als Beobachter am Rande.
Die bisherige Normalität: Das Leben in ethnischen oder nationalen Containerverhältnissen (mitsamt ihren spezifischen Phantasmen über Herkunft und Mission
Probleme:
Sloterdijks Lösung:
Die immunologische Transformation zur Gesellschaft mit dünnen Wänden. Vermutlich meint er was ähnliches wie die autopoietische Entwicklung relativ autonomer Subsysteme. Da dies aber nicht von ihm stammt, macht er natürlich keinen Verweis, wie insbesondere auch die (richtigen) Verweise auf Wallerstein und Quigley fehlen, die sich mit dem Problem der Weltbeherrschung durch die Wirtschaft länger, breiter, tiefer - und weitaus produktiver auseinander gesetzt haben.
.... hejodrnoo ... Sie verpassen also nix, wenn Sie das Buch nicht lesen. Insbesondere Vorschläge zur Lösung der Probleme, die durch die Globalisierung entstehen, sind darin nicht zu finden. Also, wenn ich ehrlich sagen dürfte, was ich davon halte ... 415 Seiten wichtigtuerisches Gebrabbel in gehobener Sprache. Überflüssig. [s. Kriterien zur Bewertung von Philosophie]
Martin Herzog, Inselstrasse 62, 4057 Basel. 29.05.2005
p.s: In der Zwischenzeit hat Sloterdijk für dieses Werk den Sigmund-Freud-Preis der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung erhalten. Tja. Entkräftigt obige Kritik nicht, denn eigentlich will Sloterdijk als Philosoph gelten. Da sollte er eben Sprache und Wahrheit verbinden, nicht Sprache und Dichtung.