1. Theorie - 2. Idee und Gedanke - 3. Aesthetik -4. Wissen - 5. Wahrheit - das Kernthema der PhilosophieDer Aufstieg des Begriffs von Lebenshauch (ruah) und Seele (nefs) zur Weltseele - und sein Absturz zum <undefinierbaren Begriff> in der analytischen Philosophie.
[nach: Historisches Wörterbuch der Philosophie: Geist]
Geist (griech. pneuma, hebräisch rûah (was auf arabisch heute noch <Wind/Hauch> bedeutet), lat. spiritus, mens, ital. spirito, frz. esprit, engl. spirit, mind). Es besagt in seiner ursprünglichen Bedeutung: Hauch, Wind. So wird gesprochen vom Hauch des Mundes, vom Atem, vom Lebensodem, von Wind und Sturm. Es handelt sich um uralte Vorstellungen lebenstiftender Kräfte.
Das zuweilen ebenfalls verwendete hebräische nefes unterscheidet sich von ruah dadurch, daß nefes mehr das individuelle, konkrete Leben von Mensch und Tier betrifft, also für Seele steht (was übrigens präzise die Bedeutung ist, die das Wort heute im Arabischen hat).
Mit dieser Definition entspricht Geist fast ganz der Seele, also einem doch eher individualistischen Geist - wenn auch in religiöser Tradition von Gott geschaffen, von Gott beseelt, und von Gott mit Verstand, Vernunft und Weisheit versehen, also vorstrukturiert.
Schon mit den ersten Vorsokratikern kommt allerdings die Bedeutung hinzu, die für die meiste Zeit der folgenden 2500 Jahre prägend war: Der Geist als Ursprung, Mittel und Produkt denkender, schöpferischer, menschlicher Handlung:
nous (Verstand oder Vernunft).
ANAXAGORAS (499-428), der die Vernunft als Prinzip der Welt anführte, weil er ihre vernünftige Ordnung zur Aussage und zur Geltung bringen wollte, erschien dem ARISTOTELES (384-322) daher wie ein Nüchterner unter Trunkenen. Als innerer Grund vernünftiger Ordnung besagt dieser noys aber auch keineswegs schon, Selbstbewußtsein, subjektives Denken. Denken als immateriellen Vollzug und Akt eines geistigen Wesens kennen erst Platon und Aristoteles, obwohl auch PLATON (428/27-348/47) primär das objektiv Geistige, die Idee, thematisiert und auch ARISTOTELES (384-322) den noys oder Geist ontologisch durch seine Immaterialität und seine ihm im Unterschied zur sinnlichen Seele eigenen Leistungen charakterisiert, nicht aber durch sein Selbstbewußtsein.
> Die Vermischung von Verstand (reines Erkenntnisvermögen) und Vernunft (wertende Erkenntnis, basierend auf Wissen) zeigt allerdings bereits hier, in der Entstehung, dass es sich beim Geist um ein äusserst diffuses Konzept handelt, bei dem die Philosophie ihrem eigenen Gebot von Klarheit der Begriffe nicht genüge tat.
Um die Notwendigkeit des Geistes, also der Vorstrukturierung des Denkens, und seine Funktion im Erwerb weiteren Wissens besser zu verstehen, hilft es, wenn man sich bewusst macht, was bei Lernprozessen abläuft. Es wird zumeist nicht einfach Lehrmaterial ins Gedächtnis abgefüllt, sondern bestehendes Verständnis wird erweitert, und dadurch meist auch geändert. Es erfährt neue Verknüpfungen, neue Anwendungen. s. strukturänderndes Lernen
Vermischt wurden des weitern der Geist als umfassender Begriff der immanenz Gottes (na ja, der Götter bei den Griechen) auf der einen, der Geist (die Seele) als Begriff der integralen geistigen Einheit des Menschen auf der anderen Seite:
In der stoischen Philosophie erhält der Ausdruck Pneuma eine umfassende Bedeutung. Er wird einerseits gebraucht, um ebenso die Substanz der immanenten Gottheit wie die der individuellen Seele zu bezeichnen.
Geist als Gestaltungswille, Kraft, Macht (die jedem Kraftfeld innewohnt) taucht erstmals in der Renaissance auf und dominiert vor allem das 19. JH. Erst von hier an wird er ein echter Komplementärbegriff zu «Natur, also in der Beziehung verwandt mit Kultur - die Bestehendes pflegt und neues daraus schafft (ein angemessenerer Ausdruck für die inflationäre und dadurch obsolet gewordene "Nachhaltigkeit".)
Mit Hegel und Hartmann tritt im 19. JH der <objektive Geist> als mehr oder minder harmonisches Gefüge geschichtlicher Wirklichkeit zutage. Er umfasst nun Sprache, Sitte, jede Art von Lebensform, von Stil des Lebens ebenso gutwie Familie, bürgerliche Gesellschaft, Staat und Recht; Kunst, Religion und Philosophie. - Was im deutschen Sprachraum Anlass gibt zur Etablierung der sog. <Geisteswissenschaften>, ein Ausdruck, der, da von kaum definierbarbarem Inhalt, nicht eben glücklich gewählt war.
Ursprünglich hat das deutsche Wort Geist nicht die Bedeutung von Hauch und Atem, hat aber auch nicht, wie die frühere Forschung annahm, die dämonologische Bedeutung von «Gespenst» und «Geistererscheinung», sondern bezeichnet eine übermenschliche belebende göttliche Kraft, die sich in der religiösen Ekstase wirksam zeigt.
Noch besser drückt sich das im französischen Wort génie aus, in dem das lateinisch genius und ingenium zusammen fallen. Synonym zu esprit, caractère, nature, don, talent, umfasst es die ganze Skala der ingenium-Bedeutungen, es bezeichnet also die Gesamtheit der charakterlich-geistigen Fähigkeiten (son noble génie, son génie étroit), dann das Talent, die spezifische Neigung, Anlage, Begabung (son génie de la géometrie), schließlich, metonymisch, die Person selbst (être un grand génie - was ja auch auf Deutsch gesagt wird, manchmal sogar von Lebenden: Ein grosser Geist!).
Synopsis der Bedeutungsfelder des Begriffes <Geist>
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Bei PHILON VON ALEXANDRIEN (15.10 BC - 40 AD) fließen gnostische und stoische Elemente zusammen. Er sieht pneyma einerseits als Zeugungsorgan höherer Erkenntnis und für sich als prophetischen Geist, andererseits identifiziert er das göttliche pneyma mit dem Logos.
Dort hat sich die Vorstellung von den beiden widerstreitenden Geist am deutlichsten ausgeprägt. Die Rollen sprechen vom Geist des Lichtes, dem Geist der Wahrheit und Erkenntnis bzw. vom Geist der Finsternis. Sie kämpfen um den Menschen. Ein allgemeiner Grundzug der Gnosis ist die Vorstellung von der im fleischlichen Leibe gefangenen Geist-Seele, die aus der göttlichen Sphäre niedersteigt, für die Gnostiker ein unverlierbarer Besitz ist und durch asketisches Leben befreit wird.
In den katholischen Briefen zeigt sich Geist (spiritus, spiritus sanktus animus, mens und Spiritus) als Kraft der Prophetie, der Heiligung, als Inspirator.
Der Heilige Geist der Trias (Bezeichnung für die göttliche Dreieinigkeit) wird, in Anlehnung an die alttestamentliche Weisheitsliteratur, verstanden als neben dem Logos waltende Sophia (d.h. Vernunft & Weisheit). Allerdings macht Philon zwischen logos, sophia und pneuma kaum Unterschiede.
Irenaeus (135-202): Er nennt den Heiligen.Geist auch sapientia (Weisheit) und unterscheidet zwischen dem Hauch (afflatus) des Lebens als dem Lebenshauch der Schöpfung und dem lebenspendenden Geist (spiritus vivificans), als Kraft des geistigen Lebens, die den Menschen geistig macht.
TERTULLIAN (150-230): Unterscheidet zwischen «flatus» (= Seele) und «spiritus» (= Gott)
Cicero (106-43 BC): Für jedes Wesen ist es notwendig, ein Höchstes in sich zu haben, wie den Geist im Menschen.
Auch Seneca (1-65) geht von einem unmittelbaren Gottesbezug des menschlichen Geistes aus: «in corpus humanum pars divini spiritus mersa» (in den menschlichen Körper [ist] ein Teil göttlichen Geistes. gesenkt).
> Auch hier wieder der Anteil des Göttlichen in uns, der uns zu göttlicher Erkenntnis verhilft. Dieser Ansatz kann beträchtliche Probleme verursachen, wenn die einen behaupten eben dieser Göttlichkeit anteilhaftig geworden zu sein - andere aber davon ausschliessen, so wie zur Zeit der Kolonialisierung Schwarze und Indianer, generell nicht christliche Völker, oft kaum als Menschen wahr genommen wurden. Es ist der Kern des Problems, das sich Fundamentalisten jeglicher Art zunutze machen, um "unwürdige" zu diskreditieren und vor allem zu diskriminieren (im Sinne von negativ unterscheiden und abspalten von der Gemeinschaft).
Definition des Geistes durch Seneca:
Die Vernunft aber ist nichts anderes als ein Teil des göttlichen Geistes, der in den menschlichen Körper hineingesetzt ist. Das Pneuma durchdringt alles und garantiert die Einheit des Kosmos und der Einzelwesen, die in ihm enthalten sind. Der Kosmos wird als ein großer Organismus betrachtet, als ein Lebewesen, dessen Teile alle aufeinander abgestimmt sind und sich gegenseitig beeinflussen. So wird die Gottheit als ein Lebensatem aufgefaßt, der den kosmischen Organismus von seinem Innern her beseelt wie die individuelle Psyche den Leib.
Der Geist hat bei Seneca also die Aufgabe, den Kosmos in Harmonie zu bringen. Hätte man dabei von unten angefangen statt bei der Religion, wären wir mit dem da
bereits bei der Renaissance.
Geist hat hier folgende Funktionen:
Plutarch (45-125): Der entoysiasmos (Enthusiasmus: göttliche Begeisterung) kann vielleicht ohne jede Einwirkung einer äußeren Ursache erreicht werden, im allgemeinen aber gelangt der Mensch in diesen Zustand nur durch den Einfluß des mantischen Pneuma, das an verschiedenen Orten der Erde entsteigt. Das bedeutet jedoch nicht, daß Plutarch eine rein naturalistische Erklärung der Inspiration verträte. Vielmehr bezieht er auch die Dämonen in die Interpretation dieser Erscheinung ein. – Bei den Gnostikern wird der Ausdruck Pneuma in verschiedener Bedeutung gebraucht. Manchmal meint dieses Wort das formale Prinzip des Kosmos, welches die chaotische und plastische Materie beseelt. Bei anderen wird der gleiche Ausdruck gebraucht zur Bezeichnung eines kosmischen Prinzips, das in der Mitte zwischen Licht und Finsternis liegt oder zwischen den höheren Regionen des Universums und der Welt. Manchmal bedeutet Pneuma auch den höheren Teil des Menschen wie bei Philon.
Für BOETHIUS (475/480-524/26) ist mens der Bezugspunkt der Teleologie. Die «divina providentia» eint das Viele in der «divina mens». Gott im Geist ähnlich (deo mente consimilis), hat der Mensch die Aufgabe, sich dem göttlichen Geist zu unterwerfen (was präzise die Bedeutung des Ausdrucks Islam ist). Ihm ist es gegeben, naturaliter nach dem wahrhaft Guten zu verlangen, und aufgegeben, das Wahre in der Rückwendung auf ihn (den Geist) selbst zu suchen. Die Eigenständigkeit des Geistes wird durch fama, gloria und den Sachbereich der Mathematik deutlich aufgezeigt.
Isidor von Sevilla (560-636): Die anima ist es, durch die wir leben, der animus, durch den wir geleitet werden, der Spiritus, durch den wir atmen, mens ist die Fähigkeit, Gutes und Böses ins Denken einzubeziehen.
C.G. Jung hat die selben Begriffe dann wieder etwas anders verwendet: Anima ist synonym mit Seele und von der Persona, der äusseren Erscheinung abgetrennt. Der Animus ist eine Sammlung unbewusster männlicher Triebe in der Frau. Man kann das als Yin und Yang verstehen, bei dem jedes Grundprinzip immer einen Kern des Gegenprinzips in sich selbst trägt. Nach ANSELM VON CANTERBURY (1033-1109) ist spiritus das Prinzip der Tätigkeit von mens und ratio. Spiritus ist ausdrücklich Gegenbegriff zu corpus.
Trotz der Übersetzung von noys mit animus und intellectus bei Johannes Scotus Eriugena (9. JH) setzt sich im 13. Jh. im wesentlichen mens durch. Daneben wird auch dianoia mit mens übersetzt.
Wir kriegen hier einen beträchtlichen Salat, da offensichtlich fast jeder einfach so mal vor sich hin definiert hat - dann aber die klärende Trennung unpraktisch war, und doch wieder der Einheitsbegriff gebraucht wurde. Gehen wir mal in die Gegenwart und versuchen von dort zurückzukommen. Heute heisst das Ding, das damals Seele war, Mentalität und bezeichnet:
vorherrschende Denk- und Verhaltensmuster einer Person oder einer sozialen Gruppe von Menschen oder einer gesamten Nationen. Der Begriff kann negativ konnotiert sein bis hin zur Benutzung als Klischee, Vorurteil oder Stereotyp. Andererseits kann Mentalität auch Grundlage für ein Normverhalten in gesellschaftlichen Gruppierungen sein. [wiki]
Es vermischen sich hier also immer noch (euphemistisch gemeint, denn das ist heute noch so ...) individuelle Perspektiven mit kollektivem Wissen/Normen von Gruppen, Gesellschaft, Staat.
Die ratio dagegensteht für Klugheit und Einsicht, im Zusammenhang mit einem zu vertretenden Standpunkt aber auch zur Begründung bzw. als Grundsatz und Prinzip einer wissenschaftlichen Aussage. Ein Urteil, das nach Gesetzmäßigkeiten der Ratio getroffen wurde, ist eine aus nachvollziehbaren Gründen erlangte Erkenntnis oder Entscheidung.
Als Gegenspieler der Ratio gilt die Imagination.
Die ratio muss also, auch dort wo sie per Klugheit individuelle Interessen vertritt, sich objektiver, allgemein geteilter, akzeptabler Begründungen bedienen.
Sie muss also aus dem "geteilten Geist" schöpfen, um den eigenen zu erhalten und weiter zu entwickeln.
Womit vermutlich das Geheimnis der Integration der myriaden individueller Geister und Seelen in den Weltgeist (den es nicht gibt, den es sowieso nicht gibt, solange wir keine Weltsprache haben, wovor uns die weise Hera behüten mögen) gelöst wäre.
Die Rationalität oder Vernunft wird dummerweise auch heute noch von jedem Philosophen anders definiert. Fazit: Wir sind hier auch nicht klarer oder weiter als die Mittelalterlichen. Als letzter Rettungsanker gilt im kritischen Rationalismus noch das Falsifikationsprinzip, also die Forderung, dass eine Aussage per se mal widerlegbar sein muss, um überhaupt als rational gelten zu können.
Albertus Magnus (1200-1280): Der Mensch enthält in sich alles Erkennbare durch ein Wissen, das höher ist als alles Wissen, indem er zuerst in sich die ganze Erkenntnis aufnimmt, die durch die Erstursache aller Dinge gewonnen wird, die ja Gott selber ist.
BONAVENTURA (1221-74) unterscheidet drei Aspekte des Geistes:
Für THOMAS VON AQUIN (1225-74) ist «mens eine Gattung der Seelenkräfte ..., die sich in ihren Akten gänzlich von der Materie und ihren Zuständen trennen - obwohl Thomas anerkennt, daß der Geist zur Erkenntnis auf sinnliche Vermittlung angewiesen ist.
Hier beginnen die unterschiedlichen Aspekte die immer noch in einem Begriff wohnen, sich zu trennen.
NICOLAUS CUSANUS (1401-64): Unser Geist ist eine Kraft der Begriffe, mit der er alles dem Begriffe nach schafft.
Was mit Begriffen schafft wäre der Antrieb zur Tätigkeit, also heute Motivation, Gestaltungswille und -Kraft. Die Kraft, die Begriffe schafft, wäre eigentlich bloss der Verstand. Den Geist hier zu beanspruchen ist etwas übertrieben - genau so wie hundert Jahre später die Ansicht von Giordano Bruno betr. des Geistes:
G. BRUNO (1548-1600) ... der Geist, der Vernunft, Verstand und Sinnlichkeit voraufgeht und überragt, unzugängliches Licht, das jedes Licht begrenzt und von keinem Licht begrenzt wird.
Hier setzt sich Bruno natürlich massiv in die Nesseln, und zwar so massiv, dass er dafür als Ketzer verbrannt wird. Das 16. Jahrhundert war auch in Europa noch nicht dasjenige der Aufklärung, im Gegenteil. Bruno findet sich hier in der Position, die Ibn Ruschd (Averroes 1126-1197) gegenüber Al Ghazali (1058-1108) einnahm, menschliche Vernunft gegen göttliche Erleuchtung. Um das Problem mit dem Licht heute verstehen zu können, müssten Sie sich mal Die Nische der Lichter zu Gemüt führen, allenfalls meine kurzen Kommentare dazu (leider beides auf Englisch: 3.6.2 What did Ghazali Say? The Early Islamic Concepts of Science.). Im übrigen wurde Ibn Ruschd, 400 Jahre vor Bruno, von den islamischen Herrschern (Khalifen) nicht verbrannt, sondern bloss aus Cordoba nach Marokko in die Verbannung geschickt. ![]()
Trotz nicht durchgängiger Einheitlichkeit in der Übersetzung kann besonders bei kultischen Texten eine Übernahme des theologischen und dämonologischen Bedeutungsbereiches von spiritus bzw. seiner griechischen und hebräischen Äquivalente durch alle Sprachen des germanischen Sprachraumes festgestellt werden. MEISTER ECKART (1260-1328) kennt Geist als den Ort der Gottesschau.
Für TH. MÜNTZER (1489-1525) ist alle Gewißheit im Geist begründet. Der Empfang des Geistes im «Abgrund der Seele» setzt die Vernichtung der menschlichen Natur voraus, durch die der Mensch zu einem «innerlichen Narren» wird.
Müntzer formuliert hier eine Wirkung göttlichen Wissens, vor der wir uns heute wohl hüten würden, nämlich die vollständige Ueberprägung des menschlichen Willens durch göttliche Vorgabe, die aber damals eben der Prädetermination entsprach - und sich auch in der Bergpredigt ganz deutlich findet mit: Selig sind die geistig Armen, denn ihrer ist das Himmelreich. (Mt 5.3) Diese, im Sinne des Islam (= Unterwerfung unter Gottes Wille) klassische theologische Ansicht hielt sich aber nicht lange, denn nur 100 Jahre später begann die Aufklärung sich von der göttlichen Vorhersehung immer mehr zu entfernen.
Für PARACELSUS (1493-1541) ist der Geist mit der Willenssphäre verbunden. Er wirkt in der Imagination und im «liecht der natur». «Was lebt nach seinem Willen, das lebt im Geist, was aber lebt nach der Vernunft, das lebt wider den Geist.»
> Eine erstaunlich frühe Vorwegnahme von Nietzsche!
Allen Dingen wird Form und Funktion durch die «wesentlichen» Geister verliehen.
DESCARTES (1596-1650) : «Une chose qui pense, c'est à dire un esprit»: Descartes hat deutlich gemacht, daß das Selbstbewußtsein, d.h. der individuelle Geist, sowohl das denkende und frei urteilende Ich, das SPINOZA dann wieder unterschlägt, wie auch seinen Akt des Denkens und das Gedachte in sich begreift.Geist umfasst hier also Mentalität, Denken und Wissen zugleich.
P. BAYLE (1647-1706) bestimmt die «essentia spirituum» im cartesischen Sinne [ein Blatt, das] mit unendlich vielen Zeichen beschrieben ist, die auf vier Hauptzeichen zurückgeführt werden können, nämlich Ideen, Arten, Axiome, Schlußfolgerungen.
Betr. der Problematik einer auch nur halbwegs sauberen Definition des Begriffes Geist haben wir hier nun das Problem, d.h. eigentlich die eben Unmöglichkeit einer sauberen Definition: Nicht nur der Geist, sondern schon seine Essenz, also das Wesen des Geistes, besteht aus 4 Kategorien, ist also multipel schizoid.
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In seiner Descartes-Kritik lehnt TH. HOBBES (1588-1679) die Identifikation von res cogitans mit mens, animus usw. ab und betont die Unterscheidung zwischen dem möglicherweise körperlich zu denkenden subiectum und den facultates und actus. Im Leviathan zieht er politisch-pädagogische Konsequenzen aus der tabula- rasa-Vorstellung: «... the common people's minds ... like clean paper, fit to receive whatsoever by public authority shall be imprinted in them».
> Hobbes nimmt hier das auf, was Müntzer von göttlichem Wissen behauptet hatte, nämlich dass es menschliches Wissen gleichsam überpräge, den empfangenden Menschen gleichsam zum göttlichen Idioten mache. Hier soll er nun zum Idioten staatlicher Normen werden, bloss 100 Jahre später dann zum Idioten wirtschaftlicher Produktionsnormen ... was sich dummerweise erfolgreich durchgesetzt hat und heute massive Probleme verursacht:
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Nach J. LOCKE (1632-1704) nimmt der Geist (mind) alle Inhalte der Erkenntnis (reason and knowledge) von der Erfahrung (experience). Er ist nur über seine Tätigkeiten und den aus ihnen zu erschließenden einfachen Ideen zu erfassen: Er ist die Idee einer Substanz, die denkt und vermag, durch Wollen und Denken in einem Körper Bewegung hervorzurufen. Der Geist ist, in bezug auf die einfachen Ideen gesehen, passiv – und insofern «white paper, void of all characters, without any ideas» –, hingegen aktiv in der Bildung der komplexen, d.h. allgemeinen Ideen. 
Erst hier kommen wir zur Unterscheidung von Potential, Form und Inhalt des Geistes. Lockes Definition von Geist entspricht eigentlich nun der von Vernunft: Erkenntnis universeller Zusammenhänge.
Demgegenüber hält R. CUDWORTH daran fest, daß «Mind is the oldest of all things».Er versteht den Geist als den Weltarchitekten.
BOSSUET (1627-1704) versteht «esprit» als «Imagination» und «entendement». Er unterscheidet drei Operationen des Geistes
Für d'ALEMBERT (1717-83) ist der Geist in seiner Vorstellung von Dingen abhängig, die denen ähneln, die er «par des idées directes et par des sensations» kennt. Hier wird Geist wieder reduziert auf das Begreifen, was doch ein Stück hinter das komplexe Verstehen und vor allem die beurteilende Vernunft zurück fällt.
HELVÉTIUS (1715-71) schreibt in seinem vielbeachteten und umstrittenen Werk De l'esprit (1758), daß der Geist wesentlich in bezug zur Gesellschaft zu sehen ist, und entwickelt Überlegungen über die Gründe der «inégalité d'esprit parmi les hommes». In seiner Betrachtungsweise setzt sich das eingeschränkte Begriffsfeld, das esprit als «esprit fin» mit Genialität gleichsetzt, durch. Auch er sieht den Geist in Abhängigkeit von Sinneseindrücken. Hier wird der Geist, wie bei Helbetius, zum Intellekt, zum Verstehen - wenn auch in höchster Qualität:.
> Genie - Spitze der Erkenntnis - und/oder Anwendungsfähigkeit
DIDEROT (1713-48) Für ihn ist der Geist nämlich die Fähigkeit, an einem Ding Beziehungen wahrzunehmen, die vorher nicht einmal einige wahrgenommen haben (Originalität).
> wieder bloss Erkenntnisfähigkeit, allerdings innovative. Der Geist wird hier zum Forscher - bei Wolff auch noch zum Gestalter:
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Für CHR. WOLFF (1679-1754) ist der Geist traditionell durch intellectus und voluntas bestimmt, der menschliche Geist (mens humana, anima) durch Bewußtsein seiner . Den Geist nennt er «eine Substanz, welche denken und wollen kann»
A. G. BAUMGARTEN (1714-62) übersetzt animus mit Gemüt.
> Dies entspricht der Romantik, die allerdings noch ein paar Jahrzehnte warten muss. Baumgarten, grosser Schöpfer der Aesthetik, brachte damit die Gefühlswelt wieder in die Philosophie.
Hier ein gebrochener roter Pfeil am Rande, der für einen Bruch in der Geschichte steht. Wissen wird hier zur Macht, zu etwas, das Machen geradezu herausfordert, allerdings nicht wie zuvor als ethische Handlung, sondern als Produktion und Willen zur Herrschaft und Gestaltung. Es ist dies das Prinzip der Aufklärung.
I. P. V. TROXLER (Anthroposoph) (1780-1866) nennt Geist das «unendliche Lebensprinzip», das «Leben an sich», den «Grund alles Wirkens». Das Wesen und die Existenz solcher Geister aber ist unbeweisbar, so «daß man davon vielleicht künftighin noch allerlei meinen, niemals aber mehr wissen könne.
> Der Geist kriegt hier, abgesehen von einer massiven Regression auf das beseelende Pneuma, mehr und mehr die Bedeutung von Charakter, was der Seele eigentlich entspricht - mit einem wichtigen Unterschied. Die Psychologie kennt heute keinen eigentlichen prägenden <Charakter> mehr, sondern nur noch Persönlichkeitseigenschaften, die sich in jeder Person vermischen. Die Charaktertypen, die den alten Begriff des Charakters ersetzen, sind als reine Typen eben meist pathologisch. Die Mentalität oder Persönlichkeit also immer ein, wenn auch typisches, Gemisch aus unterschiedlichen Charakteren.
Bei Kant (1774-1804) wird Geist synonym mit moralischer «Gesinnung». Insgesamt aber bringt es Kants Kritik der metaphysischen Vernunft mit sich, daß Geist – selbst das Wort wird im Hauptwerk gemieden – aus der kritischen Transzendentalphilosophie verstoßen wird; dort, wo wir rückblickend Geist erwarten würden, steht Ich, Intelligenz, Bewußtsein überhaupt, transzendentale Einheit der Apperzeption:
Der Begriff Geist wird von Kant auf neue, nämlich ästhetische Weise definiert: «Geist, in ästhetischer Bedeutung, heißt das belebende Princip im Gemüthe ... Nun behaupte ich, dieses Princip sei nichts anderes als das Vermögen der Darstellung ästhetischer Ideen»: das Wort Geist hat bereits hier die Tendenz, nicht allein die lebendige Vernunft, sondern – als ein Vermögen, Ideen anschaulich zu machen – eine produktiv anschauende Vernunft zu bezeichnen. Nur deswegen, weil Kant diese – die «intellektuelle Anschauung», den «intuitiven Verstand» – einzig «einem anderen möglichen Verstände als dem menschlichen», d.h. problematisch Gott zu- und sie dem Menschen absprach, wird der Geistes-Begriff bei ihm gleichwohl nicht zentral. Er reüssiert offenbar erst dort, wo intellektuelle Anschauung ausdrücklich als menschenmöglich anerkannt wird: darum bei GOETHE (1749-1832)
Hier müsste eigentlich wieder ein gebrochener Pfeil am Rande stehen .... hätte sich die Anschauung Kants durchgesetzt. Hat sie aber nicht. Im Gegenteil. Gerade mit der Romantik und Aesthetik erhielt der (immer noch schlecht definierte) Begriff <Geist> neuen Aufwind:
«Geist überhaupt» – definiert 1794 FICHTE (1762-1814) im Anschluß an die §§ 49f. von Kants Kritik der Urteilskraft – «ist das, was man sonst auch produktive Einbildungskraft nennt»: «im Gebiete des ästhetischen Triebes» heißt «dieses freie Schöpfungsvermögen ... Geist.... Der Geist ist demnach ein Vermögen der Ideale». «Der Mensch ist nur in sofern u. in dem Grade Mensch, als er Geist hat», der «Einer» ist und «der Gemeinsinn des gesammten Geschlechts». Dabei ist «der menschliche Geist Thätigkeit, u. nichts als Thätigkeit»; weil aber Geister nicht unmittelbar aufeinander wirken können und doch zum Zwecke der «Bildung des Geistes» miteinander «ringen» müssen, «kleidet» sich «der freie Geist» «in einen Körper» und «Buchstaben» und drückt sich – seine Ideale, seine Philosophie – dadurch aus.
Beide: Die Bestimmung von Geist als lebendige und produktiv anschauende Vernunft beginnt, sich auf ästhetischem Wege durchzusetzen. Freilich: zu einem klaren und tragenden Grundbegriff wird Geist vor 1795 noch nicht, was angesichts des Einzugsgebiets seiner Bedeutungen nicht verwundern kann: Geist verbindet nicht allein – mit zunehmender Relevanz – génie und esprit, sondern bleibt zugleich Übersetzungsbegriff ebenso für mens wie für anima, ebenso für genius malignus wie für genius loci, ebenso für spiritus sanctus wie für Spiritus familiaris, bedeutet gleichzeitig «Erd-Geist» und «Geist der Erde» und «Geist der Zeiten» und «Welt-Geist»; HERDERS (1802-44) «Geist einer Nation» und «Genius eines Volks» wollen ebenso berücksichtigt sein wie MONTESQUIEUS (1689-1755) Esprit des lois.
> Hier kommen wir langsam zu einem Verständnis, mit dem man arbeiten kann.
Hegel(1770-1831):
Der Geist ist nicht ein Ruhendes, sondern vielmehr «das absolut Unruhige, die reine Tätigkeit». Er ist Komplementärbegriff zu Natur.
Der Geist ist «das absolute Sichselbstbestimmen». Sein Weg ist «die Vermittlung, der Umweg». Sein Fortschreiten auf diesem Weg «Entwicklung.
So sind es zum Beispiel nicht mehr nur die einzelnen Geister, die zum Zweck der Bildung des Geistes miteinander ringen müssen. Sondern die Entwicklung ist «im Geist ein harter, unendlicher Kampf gegen sich selbst».
Hier kriegt der nun die Bedeutung des grossen islamischen Jjihads, des Kampfes gegen den inneren Schweinehund (der Kampf gegen Ungläubige, wozu Christen und Juden nicht gehören, da sie als ahl al kitab (Leute des Buches) unter Schutz stehen, ist bloss der kleine Jihad..
Daß man es «einen Geist» nennen könne – «im Gegensatz zu der abstrakten Vielheit, denn Geist ist die lebendige Einigkeit des Mannigfaltigen im Gegensatz gegen dasselbe als seine Gestalt, nicht im Gegensatz gegen dasselbe als von ihm getrennte, tote, bloße Vielheit; denn alsdann wäre er die bloße Einheit, die Gesetz heißt und ein bloß Gedachtes, Unlebendiges ist.
Hegel unterscheidet subjektiven, objektiven und absoluten Geist:
Diese Entwicklung bestimmt den Geist in drei Phasen:
Als solcher existiert er jedoch zunächst nur in einem einzelnen Willen und in den Sachen, in die dieser das Dasein seiner Freiheit legt. Der Freiheit als innerer Bestimmung und Zweck steht gegenüber eine äußerliche vorgefundene Objektivität von Bedürfnissen, Naturdingen und Willensverhältnissen. – Um in dieser seinen Zweck zu verwirklichen, muß daher der Geist sich nun auch in der Form der Objektivität erfassen, «in der Form der Realität als einer von ihm hervorzubringenden und hervorgebrachten Welt, in welcher die Freiheit als vorhandene Notwendigkeit ist, – objektiver Geist», indem er sich zu einer Tätigkeit entwickelt, die eine zweckentsprechende Wirksamkeit der vorausgesetzten Objektivität hervorbringt und garantiert.
Die Entfaltung des objektiven Geistes nimmt die Tradition der Naturrechtslehre, Moralphilosophie, Ethik, Politik und Geschichtsphilosophie auf. Ausgehend von Kants Unterschied zwischen Legalität und Moralität macht sie – gewissermaßen in umgekehrter Richtung – die Beschränkung der praktischen Subjektivität auf die Innerlichkeit rückgängig, die zur Loslösung der Ethik von der Rechts- und Staatstheorie geführt hatte.![]()
Der objektive Geist ist Gegenstand der «Philosophie des Rechts». Er gliedert sich
Der absolute Geist umfaßt geschichtlich aufeinanderfolgende Stadien der Vollendung des Geistes
Der absolute Geist schließlich ist kein jenseits menschlicher Realität stehender, reiner Vollzug zeitloser «Gehalte» oder deren Inbegriff, sondern ein zeitlicher Prozeß aufeinanderfolgender Gestalten, in denen die Menschen sich zum Bewußtsein bringen, was der Geist ist.
Es ist vielmehr der Gedanke der Selbstverwirklichung, der den Gesichtspunkt für die Einteilung abgibt.
In den Gang dieser Entwicklung gehört auch die Moralität; denn auch sie ist eine Weise, die Freiheit des Willens in der äußerlichen Objektivität von Bedürfnissen, Dingen und Willensverhältnissen zu realisieren.
Der absolute Geist schließlich erfaßt sich in beiden Formen zumal: sowohl als freie Intelligenz, die ihr Wesen zur Bestimmung hat und zu dieser Bestimmung auch in ihrer Wirklichkeit gelangt sein muß, wie auch als vernünftige Tätigkeit, die sich ihr Bewußtsein und Organ in den Subjekten schafft. Zugleich ist dieses Erfassen nicht mehr eines, das bloß relativ auf sein Anderes ist: das Nicht-Erfaßtsein der Natur und das Vorgefundensein einer Objektivität, auf die sich die Zwecktätigkeit der Freiheit richtet.
Innerhalb dieser Gliederung hat Hegel den Lehrbestand der Anthropologie und Psychologie dem subjektiven Geist zugeordnet. Er hat dabei das noch für Kant maßgebliche Schema zerbrochen, das Vorstellungskräfte, Fühlen und Wollen aufeinanderfolgen ließ;
Indem er ihr grundlegende Bedeutung gab, vermied er es, den subjektiven Geist als Bewußtsein, als dessen Grundstruktur oder als Ich zu definieren.Im Begriff des absoluten Geist schließlich hat Hegel die idealistische Kunst- und Religionsphilosophie – und darin seine eigenen Anfänge – mit seiner philosophischen Systematik zusammengedacht.
Abgesehen davon, dass Hegels System sich nicht bloss als schwer verständlich, sondern recht eigentlich als unhaltbar erwies, zeigt gerade seine Beschreibung des absoluten Geistes die Grenzen einer kulturzentrierten Philosophie. Nach Hegel soll absoluter Geist nur aus dem Geistes des Christlichen Glaubens erwachsen. Das ist nicht bloss eine Beleidigung alter östlicher Philosophien, des Islam und anderer Glaubensrichtungen, sondern schlichtweg totalitär.
Hat also die direkte Bezugnahme auf Hegels Systematik des Geistes eine bescheidene Rolle gespielt, so steht dem die weitreichende indirekte Wirkung des vergessenen Hegel gegenüber. Sie reicht von systematischen Gliederungen innerhalb der Schulphilosophie des 19. Jh., die nun auf die Philosophie der Natur eine solche des Geistes folgen läßt, über den Gedanken der Entwicklung, der Kontinuität und der allseitigen Verbundenheit geistiger Erscheinungen (vgl. H. TAINES (1828-93) Milieutheorie, W. WUNDTS (1832-1920) «Gesamt-Geist», R. EUCKENS «höhere Geisteswelt», CH. S. PEIRCES «Synechism») bis zu den Grundkategorien des Geschichtsverständnisses in der historischen Schule.
Unter dem Einfluss der historischen Schule hat dann W. DILTHEY den Begriff des objektiven Geistes wieder zu Ehren gebracht. Er beruft sich dafür auf Hegel, unterscheidet aber seinen Begriff von dem Hegels: «Wir können den objektiven Geist nicht in eine ideale Konstruktion einordnen, vielmehr müssen wir seine Wirklichkeit in der Geschichte zugrunde legen ... In ihm sind Sprache, Sitte, jede Art von Lebensform, von Stil des Lebens ebenso gut umfaßt wie Familie, bürgerliche Gesellschaft, Staat und Recht. Und nun fällt auch ... Kunst und Religion und Philosophie unter diesen Begriff»
SCHELLING (1775-1854)
: Bei Schelling wird Geist zum regierenden Fundamentalprinzip:
Die Einsetzung von Geist zum regierenden Fundamentalbegriff bahnt sich also an, wo ästhetische Analysen philosophisch zentral werden; sie wird im engeren Sinne möglich, wo die intellektuelle Anschauung aus einer menschlichen Unmöglichkeit zu einer menschlichen Notwendigkeit avanciert; wirklich aber und notwendig wird sie offenbar erst dort, wo die intellektuelle Anschauung konsequent ästhetisch gedeutet wird: «Die Philosophie des Geistes ist eine ästhetische Philosophie. Man kann in nichts geistreich sein, selbst über Geschichte kann man nicht geistreich räsonieren – ohne ästhetischen Sinn».
«Philosophie also» – sagt nun SCHELLING – «ist nichts anders, als eine Naturlehre unseres Geistes.»
Die ganze Philosophie wird die Geschichte des Geistes; «alle Handlungen des Geistes also gehen darauf, das Unendliche im Endlichen darzustellen. Das Ziel aller dieser Handlungen ist das Selbstbewußtsein, und die Geschichte dieser Handlungen ist nichts anderes als die Geschichte des Selbstbewußt-seins ... Die Geschichte des menschlichen Geistes also wird nichts anderes sein als die Geschichte der verschiedenen Zustände, durch welche hindurch er allmählich zur Anschauung seiner selbst, zum reinen Selbstbewußtsein gelangt ... SCHELLING 1796/97
1810 Unterscheidet SCHELLING in den Stuttgarter Privatvorlesungen «Gemüth», «Geist» und «Seele» als «Potenzen» des «individuellen Menschengeists» und 1840 in seinem Anthropologischen Schema «Wille», «Verstand» und «Geist»
> so weit so gut, nun haben wir aber wieder den Salat mit Wille und Verstand - der plötzlich was ganz anderes sein soll als der Geist. Folgerichtig führte der grösste Verehrer des Geistes mit seinen nicht all zu verständlichen Diskursen schlussendlich zum -
Abgesang und Ende des Geistes: Daß der Geist schon vor ihm, schon 1795–97 zum regierenden Fundamentalprinzip wurde: das war also – scheint es - das Produkt einer Verbindung von Ästhetik und Theologie; aber wenn doch im Tübinger Stift und in Jena allenfalls deren Verlobung, ihre Ehe jedoch nicht vor 1800 stattfand, ist er in dieser Hinsicht ein voreheliches Kind, das alsbald aus dem romantischen Hause gegeben, von Hegel adoptiert und von der «Anschauung» zum «Begriff» umerzogen wurde, um daraufhin geschichtsphilosophisch und systematisch seinen Mann zu stehen, ehe er von den Junghegelianern aufs Altenteil gesetzt und – als der Geist den Geist aufgab – schließlich auf dem Friedhof der Systeme beigesetzt wurde, unter reger Anteilnahme der Hinterbliebenen: der Geisteswissenschaften. [Historisches Wörterbuch der Philosophie, S. 7836]
NOVALIS (1772-1801) unterscheidet so: «Die Factur ist der Natur entgegengesetzt. Der Geist ist der Künstler ... Die Natur zeugt, der Geist macht»
Das führt weiter zur Geistes-Lehre des «spekulativen Theismus» der «Spätidealisten» I. H. FICHTE und WEISSE], die auf der Suche sind nach einem Gott, der «absoluter Geist und absolute Persönlichkeit»
Symptomatisch hierfür ist die Gleichsetzung der Begriffe Geist und Seele sowie die zunehmende Verdrängung des ersten durch den zweiten, der dabei zugleich zum Oberbegriff wird. Beispiele des verbreiteten heutigen Sprachgebrauchs unmittelbarer Gleichsetzung von Geist und denkender Intelligenz finden sich vielfach auch sonst.
HERBART /1776-1841) und der Empirismus haben zunächst die Entwicklung der Psychologie in Deutschland bestimmt. Von Herbarts Position aus wurden die subjektivitätstheoretischen Versuche der Hegelschule z.B. durch EXNER kritisiert, und diese Kritik fand unter den Spätidealisten Zustimmung. Damit war die direkte Wirkung der Philosophie des subjektiven Geistes zu Ende. – Die sehr viel intensivere Auseinandersetzung mit Themen von Hegels Rechtsphilosophie dagegen ließ von Anfang an den Begriff des objektiven Geistes aus dem Spiel.
E. v. HARTMANNS (1842-1906) Rede vom absoluten Geist ist schon ein Symptom für die Kraftlosigkeit der Hegelschen Tradition. Für v. Hartmann ist der absolute Geist das substantielle Subjekt aller Wesenheit und Tätigkeit. Dies Subjekt ist in jedem Bewußtsein ein- und dasselbe, erscheint aber in einem jeden als eingeschränktes, weil es das Subjekt jener eingeschränkten Gruppe von Tätigkeiten ist, aus denen das Bewußtseinssubjekt entspringt.
J. COHN (1869-1947) der Vollzug der idealen Sinngebilde ausdrücklich als Geist gefaßt. Cohn unterscheidet zwischen «lebendigem», d.h. sich verwirklichendem Geist, der im Handeln einzelner Menschen das Außergeistige in die Form des Geistes erhebt, und seinem Grenzfall, dem «reinen» Geist, der dem idealen Sinn als solchem zugewandt ist und sich durch Ablösung vom Wirklichen betrachtend verhält (ähnlich dem absoluten Geist Hegels, der die Welt «frei entlassen» hat)
Das geistige Sein wird beschrieben in drei Grundkategorien:
Der Begriff Geistes erfährt im 19. Jh. im Zusammenhang mit dem Zurücktreten metaphysischen und transzendental-reflexiven Denkens zugunsten einer positivistisch am unmittelbaren Objektbezug der Naturwissenschaften orientierten Methode eine entscheidende, bis heute wirksame Verengung und Reduzierung auf die Gehalte des «Bewußtseins» und Denkvermögens des einzelnen Menschen.
War für Gegner Hegels wie HERBART oder SCHOPENHAUER der Geist ohnehin nur der Inbegriff der «intellektuellen Fähigkeiten des Menschen», so wird er dann von FEUERBACH (1804-72) gegen Hegel ausschließlich als das einzelne, empirische Bewußtsein bestimmt, von dem EXNER fordert, es müsse zum Gegenstand der Beobachtung, Messung und «Rechnung» nach dem «Maßstab echter Naturforschung» gemacht werden.
G. RYLE (1900-1976) forderte, den Gebrauch des Wortes Geist zu verwerfen, da es nicht eindeutig zu definieren sei; und damit nach Wittgenstein: über das zu schweigen, wovon man nicht exakt reden kann. Ist Geist in der Tat Epiphänomen der Materie, also die Materie, die idealistische Philosophie als solche verkennt? Oder kann man sich HEIDEGGERS Erklärung zu eigen machen, der nicht «zur Intelligenz umgefälschte» Geist sei «ursprünglich gestimmte, wissende Entschlossenheit zum Wesen des Seins», und daher gelte: «Wo Geist herrscht, wird das Seiende als solches immer ... seiender» > Intelligenz ist Erkenntnisvermögen, darf also nicht mit Geist gleichgesetzt werden, da im Geist auch Erkenntnis sein muss, nicht bloss ein Vermögen. Präzise hier liegt auch der bedeutenste Unterschied von IQ, der nur ein Vermögen misst, und Klugheit, Vernunft oder Weisheit, welche die Anwendung dieses Vermögens bezeichnen. TH. W. ADORNO: «Sowenig der Geist das Absolute ist, sowenig geht er auf im Seienden. Nur dann wird er erkennen, was ist, wenn er sich nicht durchstreicht» |
> Hier, bei Spranger, wird der Geist wieder teleologisch, also zielvermittelnd, d.h. göttlich. Bei den folgenden eher gemeinschaftsvermittelnd, sozial:
Früh schon im 20. JH erkrankt offenbar auch der Geist, nicht bloss die Umwelt, an der Technik und ihren praktischen Folgen, wozu auch die Technisierung menschlichen Verhaltens gehört, also die Ausricthung auf die Bedürfnisse von Technik und rationaler Verwaltung, wie sie insbesondere Max Weber voraus sah::
Dann wird er diffus
und löst sich in der Analytischen Philosophie auf in reine Abstraktion:
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In der Analytischen Philosophie der Gegenwart, in sprachphilosophischen und neopositivistischen Richtungen wird der Begriff Geist als ein nicht eindeutig zu definierender Ausdruck verworfen. Auch innerhalb der philosophischen Anthropologie ist eine bewußte Tendenz festzustellen, diesen Begriff zu vermeiden, weil er mit zu vielen metaphysischen Bestimmungen und Gehalten behaftet sei.
Da einige Theorien/Religionen nicht bloss Lebewesen, sondern die Ganze Welt als beseelt annehmen, sollte man vermutlich auch die physikalischen, chemischen und biologischen Kraftfelder als prägeistige mit berücksichtigen: chemische Kraftfelder/Bindungsarten:
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Mani Matter: Ir Ysebahn Ir Ysebahn sitze die einte ä so, |
Der Begriff Geist ist ein zu weitläufiger Raum um als Gehäuse für Verständliches dienen zu können. Er umfasst zu viel in einem Wort, muss also zergliedert werden, insbesondere in Sache an und für sich (Geist als Potenz), Methode, Produkt, Wirkung.
Dass sich die Menschen im Geist vereinen, ist ein alter Traum, nicht nur der Romantik, denn er ist ja bereits die Basis der Religion ... dummerweise der Religion-en, was das Vorhaben sogleich zunicht macht. Die Geister untescheiden sich genau so wie die Menschen, sind genau so vielfältig, widersprüchlich, manchmal süss, manchmal lästig. Den EINEN Geist der uns verbindet und rettet - den gibt es (Gott sei dank) genau so wenig wie die Einheitsregierung der Welt.
Die fast immer postulierte Einheit des Geistes, die sich am deutlichsten in dem einzigen Gott ausdrückt, war so auch nie gegeben. Immer waren irgendwo andere, feindliche Götter, oder zumindest das Gegenprinzip des Guten, der Ahriman zum Ahura Mazda. Als Antonym könnte dieser, der 'Angra Mainyu' als 'zerstörerischer Geist' übersetzt werden. Dies ist auch häufig der Fall, denn die Idee des Zerstörerischem ist stellvertretend für einen Aspekt der Kernphilosophie des Zoroastrismus: dass das Universum in einen Kampf zwischen asha (Wahrheit, Ordnung, Sein und Existenz) und druj (Lüge, Chaos, Zerstörung des Seins) verwickelt ist.
Der letzte der (meines Wissens) noch eine Theorie eines weltumfassenden Geistes geschaffen hat, eine äusserst ansprechende Theorie, war Teilhard De Chardin. Natürlich ist auch diese primär christlich, denn immerhin war Teilhard ein Jesuit: Teilhard sieht Leben und Kosmos in einer von Gott bewirkten kreativen Bewegung, die noch nicht an ihr Ziel gelangt ist. Kennzeichen dieser Bewegung ist die ständige Zunahme von Organisiertheit und organischer Einheit. Das Streben in diese Richtung, also der Motor der Evolution, ist für Teilhard die Liebe. ... Bahnbrechend (und zu seiner Zeit anstößig) ist er darin, die Schöpfung nicht als etwas “einst” Abgeschlossenes und seither Fertiges anzusehen (wie es die biblischen Schöpfungserzählungen nahe zu legen scheinen), sondern als einen bis ans Ende der Zeit fortdauernden Prozess mit noch ungeahnten Ergebnissen, der in der physikalisch-biologischen Welt, aber auch in der geistigen Welt wirkt. Teilhards Kosmogenese hatte noch einen Endpunkt, also eine Richtung. Die Welt sollte teleologisch konvergieren zum Weltgeist, der Noosphäre.
Dummerweise haben wir heute so was wie diese Noosphäre eigentlich schon vorliegen, nämlich das Internet. Daran zeigt sich eben das Problem, das den Geist seit seiner Geburt vor 7000 Jahren (Schöpfung des Menschen), oder 160'000 Jahren (Homo sapiens), oder 7 Millionen Jahre (Hominiden), oder 3.5 Milliarden Jahre (Cyanobakterien) begleitet: Er tritt in unterschiedlichen Räumen in eben so unterschiedlichen Formen auf.
Da sich die Welt, also die Räume des Lebens, die Lebensräume, andauernd verändern, muss man ihn immer von neuem suchen. Er wandert mit und wandelt sich mit. Eine Topologie des Geistes beruht so auf Kenntnis geschichtlicher Entwicklung, sozialer, politischer, kultureller Strukturen und ist, da sie es mit etwas recht windigem zu tun hat, eher der Meteorologie zu vergleichen als der Geometrie.
Doch nicht nur die Götter sind in viele zerbrochen, auch der Mensch war nie wirklich eine Einheit. Der ursprüngliche ganze Mensch, der Kugelmensch des Aristophanes wurde zerbrochen, zerfällt in Männlein und Weiblein, mit jeweils recht eigensinniger Geisteswelt.
Was in obiger, eh heuristischer Liste der Symbole fehlt, ist das links. Wer redet heute noch von Geist? Geld ist das Ziel, Geld treibt uns an. Geld hält die Welt zusammen - und zerlegt sie. Dummerweise ist Geld an und für sich eigentlich nicht materiell, sondern ein rein ideeller, also geistiger Wert, dies insbesondere seitdem es keine Golddeckung mehr gibt. Der Wert des Geldes hängt also davon ab, ob wir daran glauben, ihn zu erhalten, diesen Wert. Je mehr Firmen oder Länder bankrott gehen, desto mehr schwindet dieser Glaube. Nach einem Systemcrash wäre also ev. gar kein Geld(wert) mehr da.
Geld bestimmt, was und wer zusammen kommt, wer was produziert, konsumiert, wer was sagen kann und darf. Geld bestimmt, wie die Zukunft aussehen wird, zumindest die nähere ... bei der weiteren vermutlich auch, bloss das die dann anders aussieht als das sich das Geld dies gewünscht hätte.
Geld ist Macht und Herrschaft - Geldlosigkeit, also Armut, ist Ohn-Macht und Abhängigkeit.
Leider verfolgt uns dieser Geist schon lange. Leider ist die Magie des Geistes, ausgedrückt durch die Magie der Zeichen, vor allem eine
Der erste sichtbare Eindruck von Geist war ja das Zeichen, a) als gemaltes Symbol von Jagd und Beute, mit dem diese leichter erlangt werden sollte, b) als in Ton geritztes Verzeichnis bereits erworbener Beute, die durch Handel vermehrt werden sollte. Nicht der Stamm oder die Familie, friedlich um das Lagerfeuer gruppiert, den Braten teilend wird dargestellt, sondern die Jagd. Und bereits b) ist der Ursprung der Schrift, aller Schrift. Bei den meisten in Mesopotamien und im Iran gefundenen Tontäfelchen handelt es sich um Verzeichnisse von Gütern - oder Handelsgütern. (links ein entsprechender Geschäftsbrief aus Assyrien, 19- JH. BC) Die ersten Zeichen des Geists waren also ans Materielle gebunden, sollten dessen Erwerb und Erhalt garantieren, weshalb den Zeichen oft auch magische Eigenschaften zugeschrieben werden (das gilt ja heute noch, über eine verballhornten Begriff der "Nachhaltigkeit", immer noch immerwährende Vermehrung versprechen.
Vielleicht wären wir besser beraten, wir würden die Ökonomie mal nicht als einen Umgang mit Knappheit sehen, sondern als Jagd nach Beute. Das würde das Verhalten von Managern viel besser erklären, auch weshalb sie die höchsten Hochhäuser, die schnellsten Boote (Ellison und Bertarelli gaben über 100 Millionen $ für ihre Boote aus - und verlochten 450 Millionen Dollar an Gerichtskosten - während den Zuschauern das Theater längst verleidet war und die Zuschaue zu Hause blieben), die grössten Firmen - und natürlich die exorbitantesten Löhne wollen. Auch viele Luxusgüter lassen sich weitaus besser über das <Beuteprinzip> verstehen als durch ihren inneren Wert. Das gilt insbesondere für Kunst, die jeweils nur 1 besitzen kann, der damit den Neid aller anderen erweckt.
Dieser alte Jagd- und Sammelinstinkt würde manches viel besser erklären als psychosoziale Rationalisierungen, so etwa die Sammelleidenschaft gewisser Männer für Frauen (und umgekehrt), den Drang zum Erwerb von immer mehr Gütern, Geschäften, Aktien. - und damit den Zwang zu Wachstum.
Instinkt ist aber eines der wenigen Dinge, die nie zur diffusen Definition des Geistes gehörten - denn sonst hätte wohl jede Ameise mehr Geist als wir.
Die Frage, wie sich der Geist fassen lässt, besonders wenn er in einer regional recht besonderen, vom bisher bekannten abweichenden Form auftritt, hat mich vor allem im Jemen beschäftigt, wo ich von 1988-94 versucht habe, die Restwälder zu schützen und nachhaltige Bewirtschaftung einzuführen. Kein einfaches Unterfangen, wenn man schon am ersten Tag hören muss: Wald hat keinen Sinn (el ghabat ma fish faide). Die Frage die sich hier stellt, ist also nicht vordringlich die nach einem perfekten Forstdienst und perfekten Inventaren, sondern die: Welche Bedeutung hat der Wald hier effektiv, wenn auch wenig anerkannt - und wie kann man ihm mehr Sinn verschaffen in der lokalen Meinung. Das Konzept nannte ich damals (91-91) Weltbildforschung:
Im Weltbild liegt der Sinn oder Unsinn einer Tätigkeit mit bestimmt. Das Weltbild (lokaler, kultureller - wie individueller Sinn, je nach Träger) wird bestimmt durch unterschiedliche Typen des Wissens:
Geformt wird dieses Wissen ebenso durch die natürliche Umgebung selbst, wie durch die Gesellschaft. Die Geisteswelt umfasst also dieses Wissen, das durch Intelligenz, Vernunft und Weisheit geschaffen wie verwendet wird. Dies wäre der eine, rein abstrakte Raum des Wissens, in der Graphik oben rechts.
Das persönliche Weltbild bestimmt nun, unter Einfluss des kollektiven Unbewussten, der Kultur, insbesondere in der Form des Orientierungswissens (Religion oder Philosophie, Spiritualität oder Praxis) über das Handeln des Menschen. Dies aber nicht vollumfänglich, denn der Mensch ist in seinen Entscheidungen, also auch der Handlung, frei. Nebst dem Wissen unterschiedlichster Provenienz ist es aber vor allem sein Motiv, das ihn antreibt zu handeln, tätig zu werden. Das Motiv ist hier das Pneuma.
Persönliche Handlung wird, nebst dem Wissen und der Motivation, auch noch durch ein Set von Werten bestimmt, graphisch verkürzt auf die 4 alten Kardinaltugenden:
Wie bei fast allen Werten handelt es sich hier um höchst polare Werte, die generell nur als Kraftvektoren verstanden werden können, in deren Mittelfeld die Tugend zu suchen ist, die an den Polen selbst wieder wertlos, weil übertrieben werden.
Hat der Geist, persönlich oder in einer Gruppe, all dies bewogen, fasst er einen Entscheid, setzt seinem Willen ein Ziel, und handelt. Apropos Gruppe, nebst dem Individuum, das seinen Geist, zumeist unbewusst, ausformt, sind es vor allem kleinere, zum Teil aber auch grössere Gruppen (Staaten, Nationen, Kulturen), die Geist konzentrieren um einen Kernpunkt. Und, last not least, die Geschichte selbst, die immer wieder "Höhepunkte" prägt, deren Konstellation zwar einigermassen zufällig ist, die dann aber eben zu "Geschichte" wird, wenn sich in der Periode was Wesentliches ausgebildet hat.
Wir sehen anhand dieses relativ einfachen Modells, wie viele Faktoren den Geist bestimmen. Wir sehen, wie viele mögliche Situationen und Kombinationen es gibt, die den Geist unterschiedlich ausprägen können. Eine Topologie des Geistes zu erlangen bedingt also der Weltbildanalyse.
Die Geisteswissenschaften gehen ähnlich vor (das hier war der Ansatz eines Ingenieurs). Sie gehen primär historisch vor, erforschen und beschreiben Bedingungen und Resultat der immer neuen Koagulationen des Geistes um neue Kondensationskerne. Wir wir aus obiger Zusammenstellung sehen, führte das vor allem zu 3 Schwerpunkten:
In jeder dieser Phasen war also den Einen wohl, den Anderen weniger. In der 1. war den Herrschenden wohl (den Bauern weniger); in der zweiten neben den Herrschenden auch den Städtern, den "Civilisierten"; in der 3. jenen, die den unendlichen Freiraum zu nutzen wissen, denen ihnen die moderne Wirtschaft bietet, falls sie gewillt sind, wie es schon immer war, ihre Freiheit ohne Rücksicht durchzusetzen.
Ich postuliere hier also eine Phase (nein, nicht 4) 3b, denn ohne Freiheit läuft nichts, schon gar nicht in einer komplexen Gesellschaft:
Die Grundfrage unserer Zeit heist: Welche Ziele haben wir als Gesellschaft? Wohin wollen wir? Da die meisten Utopien inzwischen zu Distopien verkommen sind, besteht hier ein echtes Defizit, DAS Defizit der Postmoderne.
Wenn Sie mir nochmals kurz zurück folgen wollen in den Jemen, so sah ich damals - aus genau dem Grund - eine Notwendigkeit, der heute verabscheuten Metaphysik eine Lanze zu brechen. Der Mensch lebt nicht als getriebener, von Instinkten und Kausalitäten Getriebener, sondern als Strebender, Wollender, Sollender. Hier gibt ihm die Wissenschaft aber keine Orientierung - wohl aber Philosophie und/oder, je nach Gusto, die Religion. Nebenstehende Graphik (auch Jemen 1992/93, durch Anklicken vergrössern) zeigt die zwei, nur diffus getrennten Sphären des Seins:
die Sphäre des nur philosophisch oder gnostisch erfassbaren Uebersinnlichen, der Transzendenz nach der strebend wir unsere Existenz zur Essenz machen, unser Dasein zum Sein. Vernunft und vor allem Weisheit lassen uns die wahren Ziele erkennen, die dem Leben Sinn und Wert geben. Und hier liegt die Orientierung. Da sich unsere westliche Wissenschaft, inklusive Geisteswissenschaft, auf den 1. Bereich beschränkt, sahen sich immer mehr Menschen gezwungen, Orientierung im Osten zu suchen. Gerade etwa der Zen-Budhismus, aber auch der Sufismus, macht auch klar, dass diese Orientierung frei ist, keines herrschaftlichen und beängstigenden Gottes bedarf, der dem Menschen mit Hölle und Teufel droht, sondern nach dem guten und menschen-möglichen Mass, also Harmonie sucht.An einer neueren Fassung der "Weltbildforschung", also des Verständnisses für und der Gliederung von Geist arbeite ich unter dem Ansatz Kategorialanalyse:
GesinnungDas Substantiv Gesinnung wird von LESSING als Entsprechung zum französischen sentiment gebildet.
LUTHERS Übersetzung von Phil. 2, 5 («Ein jeglicher sei gesinnet wie Jesus Christus auch war») oder «... einer, der selig will werden soll also gesinnet sein als sei kein Mensch sonst auf Erden denn er allein ...» Die Gesinnung galt bei Hegel - im Gegensatz zur Meinung - als nicht subjektiv. Die Gesinnungen sind nach G. RADBRUCH nur als Symptome künftiger Handlungen rechtlich erheblich. Merkmale einer erkennbaren, dauernden sittlich verwerflichen Einstellung werden als rechtlich belastende Beurteilungsmomente in die strafrechtlichen Tatbestände eingebaut. R. MUSIL spricht von «einem Überdruß an dem alltäglichen, nie stillstehenden Fortschritt, dem bisher ..., im Lärm aller Gesinnungen, der stille eigentliche Glaube gegolten hatte»; ihm kommt es darauf an, «die Utopie der induktiven Gesinnung oder des gegebenen sozialen Zustands» als die einzig mögliche und erträgliche Grundhaltung klarzustellen, da sie in ihrer Absage an feste Resultate auch dem Krieg als der notwendigen Folge der Ideologie abgesagt hat. Gesinnung ist zwar nicht identisch mit Geist, sie ist bloss partikulärer, gerichteter Geist, Geist der meist Probleme verursacht, also eigentlich abgesagt ist, und dennoch dauernd als Lösung wieder angeboten wird, wenn auch unter anderem Namen: Bildung, Wissen, Werte.
Gegenwärtiges Grundproblem: Die überbordende Wettbewerbsgesinnung steht im Konflikt mit einer schwindenden sozialen Gesinnung. |
Der Begriff <Geistewissenschaften> taucht 1887 zum ersten Mal als Begriff auf. Es handelt sich dabei um eine spezifische Manifestation deutscher traditioneller Philosophie und deutschen traditionellen Wissenschaftverständnisses. Eine Ausbreitung des Terminus läßt sich erst seit Ende des 19. Jh. feststellen. Initiierend mag hierfür DILTHEYS: Einleitung in die Geisteswissenschaft von 1883 gewesen sein.
Geistesgeschichte ist eine späte Wortbildung; in sie geht über die in ihr lebendig fortwirkenden Traditionen des deutschen Idealismus ein breit gefächertes Spektrum alter und neuerer Wissenschaften und Wissenschaftsrichtungen mittelbar und unmittelbar ein und wird in ihr auf gehoben; es läßt sich durch folgende Felder etwa um reißen:
Zu Beginn war Geisteswissenschaft oft ein Synonym für Philosophie - heute ist Philosophie zwar extrem bestrebt, wissenschaftlich zu arbeiten, was sie in den Angloamerikanischen Ländern auf den Seitenzweig der Logik (analytische Philosophie, phil. Logistik) verwies, aber eigentlich wäre Philosophie eben die Kunst des Denkens per se, und nicht eine bestimmte Form und Methode des Denkens (Paradigma), wie sie die Wissenschaften ausmacht.
Auf englisch heissen die Geisteswissenschaften moral sciences, humanities, (liberal) arts, befassen sich also a) mit der Orientierung des Menschen, b) mit all dem, was eben menschlich ist und mit Menschenwerk, c) eben gerade ohne diktatorische Methodik, sondern frei denkend, künstlerisch (aber das war einmal ...). Im Zuge der Durchsetzung des Positivismus wurden die Social Sciences ihrerseits NICHT als Geisteswissenschaften, sondern als Behavioral Sciences verstanden und aufgebaut.
Im Lateinischen bildete die scientia civilis – scientia politica – scientia socialis den Hintergrund; vielfach wurde dabei noch zwischen scientia und historia unterschieden. Dabei betont sie die Verflechtung der individuellen seelischen Struktur mit den objektiv-geistigen Sinnbezügen (Kulturbereichen) und die Einordnung aller Einzelerscheinungen in die geschichtlich-kulturellgesellschaftliche Gesamtlage und -entwicklung.
Auf französisch sprach d'Alembert noch von «sciences morales et politiques». Heute nennen sich die Geisteswissenschaften «science de l'humanité», womit gemeint ist: «La science de l'esprit humain / «sciences humaines» - und ihr stehen die «sciences de la nature» gegenüber.
Vorschlag zur Aufteilung der Sozial- und Geisteswissenschaften, noch ohne Verortung, von Arno Anzenbacher:
Kulturwissenschaften, u. a.:
Die Sozialwissenschaften haben hier ihren Zwischenraum zwischen Geistes- und Naturwissenschaften aufgegeben, zugunsten einer zusammenfassenden Klammer, der Kulturwissenschaften. Die Kultur-en sind die Reiche des Geistes. Trennt man diesen Raum allerdings zu scharf von der Natur, so entsteht eine abgehobene Kultur, oft ohne Realitätsbezug. KULTUR in ihrer alten Bedeutung wäre ja eben der pflegliche, geistige, rationale Umgang mit der gegebenen Umwelt - aber auch mit dem Streben des Menschen, seinen Zielen, nach Veränderung, Verbesserung derselben, also nach Entwicklung. Kultur müsste also den Randbereich mit einbeziehen, in dem sich Natur und Geist begegnen. Dies gilt ja ohnehin für die Kulturtechnik, die sich vorwiegend mit der Agrikultur befasste, bevor sie zur Geomatik (nicht Geomantik!) wurde.
Einige erhellende Texte zu den Grundlagen der Geisteswissenschaften:
Meine persönliche Kurzdefinition der Geisteswissenschaften:
Die Geisteswissenschaften sollen der Beschreibung und Förderung der geistigen Fähigkeiten des Menschen dienen
, also der Fähigkeit zu hören, zu sehen, zu fühlen, zu schmecken, zu riechen; zu lesen, zu schreiben; zu analysieren, zu synthetisieren, zu malen, zu bilden, zu komponieren, zu dichten, zu bauen, zu tischlern, zu kochen, zu nähen, kurzum konstruktiv tätig zu sein - allenfalls auch Sport zu betreiben (wo es nicht alleine um den Körper geht: mens sana in corpore sano war eine dementsprechende Warnung, da die Probleme damals eher umgekehrt lagen: Zu viel Körperkultur, zu wenig Geist.
Da es uns nicht an Gründen und technischen Möglichkeiten mangelt, irgend etwas zu tun, aber doch die Ziele fehlen, etwas Besseres, Nachhaltigeres, Erfreulicheres zu tun, sollten sich gerade die Geisteswissenschaften mal überlegen, wie sie den zukunftsorientierten Aspekten des Geistes besser annehmen könnten. Immerhin war der Ursprung des Geistes und damit seiner Wissenschaft das Pneuma, der Lebenshauch. Genau den brauchen wir heute aber gesellschaftlich, nicht bloss als Hauch, sondern als Sturm der die zunehmend verknöcherten Stukturen des ewigen Kreislaufs zerbricht.
Martin Herzog, Dipl. Forsting. ETH, Basel, 15.2.10
p.s: Da es uns, samt Philosophen, in den letzten 2500 Jahren nicht gelungen ist, den Geist auch nur halbwegs klar in Begriffe und Definitionen zu fassen (was auch schwierig ist, denn es handelt sich doch um ein arg luftig Ding), sollte man um so vorsichtiger sein mit Beurteilungen wie "Geistesgestört" oder "Geisteskrank". Wo man nicht weiss, was der gesunde Zustand beinhaltet, ist der kranke noch schlechter zu fassen.