Ontologie und Kathegorienlehre in der Postmoderne? Oder:

Was ist heute überhaupt noch wichtig und richtig?

[Patrick Frei: Grundfragen der Kategorienlehre. Untersuchungen zum Wesen und Umfang der Kategorienlehre sowie zur Begriffslehre der Schullogik und der chinesischen bzw. geheimwissenschaftlichen Logik. Diss. ocasi. Basel. 1999
HW: Historisches Wörterbuch der Philosophie. Hrsg: Ritter; Gründer; Gabriel. Schwabe.
H1: Nicolai Hartmann: Teleologisches Denken. Gruyter. Berlin. 1951
H2: Nicolai Hartmann: Die Erkenntnis im Lichte der Ontologie. Felix Meiner. Hamburg. 1982
R: Otto Rein: Schellings Kathegorienlehre. Neue Deutsche Forschungen. Abteilung Philosophie. Junker und Dünnhaupt. Berlin. 1939]

Ontologie und Kathegorienlehre sind vermutlich, abgesehen von analytischer Philosophie, so etwa das Mühsamste was diese bietet. Eigentlich gibt es sie ja auch gar nicht mehr, denn sie ist so ziemlich präzise der Kontrapunkt zum Positivismus und Scientologie (also nicht die abstruse Sekte, sondern als Glaube an die Herrschaft der Wissenschaft), also Szientismus.

Dergleichen wurde einem bereits vor 30 Jahren unerbittlich wie hinterlistig ausgetrieben. Ich erinnere mich noch an eine "Vorstellung" in der Biologie (Math. Natw. Gymnasium Basel, ca. 1973). Es ging darum, den Unterschied zwischen Wissenschaft und ... na eben dem Rest zu erklären. Da war also einerseits der Positivismus, der so "positiv" dargestellt wurde, dass man natürlich gleich Positivist sein wollte (was ziemlich schief ging). Philosophie dagegen wurde mit dem Beispiel "Ontologie" gleich niedergemacht. Wir hatten etliche Mühe, beim Sezieren von Würmern und Fröschen und dergleichen die "Bestandteile" des Lebens, also die Organe überhaupt nur zu finden. Jegliche Wissenschaft, ernsthaft betrieben, bringt zwar die Freude der Erkenntnis, ist aber auch extrem mühsam. Ein Befund der sich noch mehrfach bestätigen sollte (s. Baumphysiologie). Nun kommen da, im Gegensatz zu den Wissenschaftlern, die sich mit einen kleinen, klar abgegrenzten, mit sauber definierter Begrifflichkeit und Methodik studierten Bereich befassen, die Philosophen, und reden nicht etwa von einer Froschpopulation (Sache der Etologie) sondern gleich von der Erkenntnis des Seins, von der Seinslehre, eben der Ontologie. Was für ein Anspruch! Was für eine Ueberheblichkeit!! Was für eine ineffiziente, unergiebige, also unrentable Tätigkeit!!!

Nun gut, 35 Jahr später (hat lange gedauert) seh ich allerdings auch, dass eine Weltschau bloss aus dem kleinen, begrenzten Bereich heraus, eben der wissenschaftlichen Disziplin, keine Weltschau ist sondern Nabelschau. Gerade die Ontologie ist vermutlich der Bereich, der Philosophie strukturiert. Damit ein problematischer Bereich, denn einerseits "macht" (strukturiert) der Philosoph die Ontologie, insbesondere die Kathegorien, andererseits bestimmen genau diese sein Denken. Er kann sich und seine Philosophie also nur schrittweise, reflexiv, iterativ entwickeln, was eigentlich heisst: oranisch. Das macht die Sache für Zuschauer und Interessenten etwas mühsam, da praktisch nie ein fertiges Resultat vorliegt.

Ohne Ontologie und Ueberlegen zu den Strukturen der Sprache, damit des Denkens, der Ordnung im Kopf, damit der Ordnung in Familie, Stadt, Nation und Welt, wird diese durch Zufall und, nein, nicht Notwendigkeit, und Macht, definiert. So kam es, dass heute praktisch nur noch monetäre Werte von Wert sind, der Rest aber mehr und mehr an Schule, Polizei und Gerichte delegiert wird.

Die Ordnung der Macht ist nicht die Ordnung des Sinnes. Sie mag sinnvoll scheinen, aber sie macht nie den Sinn des Seins aus. Dieser ist nämlich nicht Ein- und Unterordnung, sondern Entwicklung.

Hier hat der Neokonservativismus eine eben so geniale, wie interessante, aber auch hinterlistige Ordnungslösung gefunden: Das ganze Weltenrad wird immer schneller gedreht durch Innovation, Restrukturierung, Flexibilitätsforderungen, so dass keine(r) mehr ruhig stehen und mal kurz nach-denken kann. Nur noch vor-denken gilt, ein Vor-Denken dem die andern dann gefälligst folgen sollen, da sie entweder dafür bezahlt sind, oder bezahlt werden möchten, insofern arbeitslos oder sonstwie nicht "marktverwertet" (marktintegriert). "Rotieren" sollen aber bloss die andern, die Herrschaft soll ganz ruhig bleiben, weiter die Ueberschüsse sammeln, wachsen und gedeihen, und vor allem, Herrschaft bleiben.

Was noch wichtig ist? Geld.

Punkt.

Kategorialanalyse/Kategorienlehre:

Ordnungsprinzip, Begriffsklassifizierung, Begriffsklassifikation > klassifikatorisches Ordnungsmodell, logische Ordnungsfunktion

Kategorialanalyse, gleichbedeutend mit Kategorienforschung, ist ein zentraler Terminus der Philosophie, speziell der Ontologie als einer an echter, legitimer und ganzer Mannigfaltigkeit der Phänomene interessierten <philosophia prima>. Sie benennt die Aufgaben der Philosophie als Aufweis, Erhellung und Gültigkeitsnachweis der Prinzipien des Konkreten, der Grundbestimmungen des Seins, welches isch in vier Seins-Sphären (Realität, Idealität, Erkenntnissphäre und logische Sphäre) und innerhalb dieser in jeweils spezifische Seins-Stufen und Seins-Schichten gliedert. Dabei ergeben sich grundsätzlich zwei Hauptgruppen von Kategorien, bzw. Seins-Bestimmungen:

  1. Fundamentalkategorien: Gehen durch alle Sphären und Schichten hindurch, wobei sie sich allerdings wandeln
    1. Modalkategorien - wie Möglichkeit und Notwendigkeit
    2. Elementarkategorien wie Form-Materie, Element-Gefüge, etc
    3. die kategorialen Gesetze welche den Aufbau des Seins bestimmen, wie das Gesetz der kategorialen Wiederkehr und Abwandlung, die kategoriale Stärke, die kategoriale Freiheit
  2. Gebietskategorien: bestimmt durch regionale verschiedene Seins-Sphären

Als philosophische Methode verfügt die Kathegorienlehre über 4 aufeinander bauende und zusammenhängende Verfahrensweisen:

  1. phänomenologisch-descriptiv: Erfassen, was uns die Sinne (Hören, Sehen, Fühlen, Richen, Schmecken) an Erfahrungseindrücken übermitteln, was uns die Erscheinung eines Dinges oder Vorganges verstehen lässt.
  2. analytisch-rückschliessend: Gliederung der Sinneserfahrung, Zerlegung in einzelne Bestandteile.
  3. dialektisch-synthetisch: Gegenüberstellung von pro (These) und contra (Antithese), Sicht unterschiedlicher Perspektiven, Finden der möglichen Gesamtperspektive.
  4. schichtungspespektivisch-synthetisch: Integration der Synthese in den Schichtenaufbau der bekannten, anerkannten, zur Zeit bestehenden Kategorien: Richtige Schicht, richtiger Ort. Am Mangel dieser, zumindest provisorischen kathegorialen Gesamtordnung leidet die Postmoderne etwas, zu unrecht, denn eine ausreichend vielfältige Kategorienstruktur würde auch komplexen und oft widersprüchlichen Perspektiven die Einordnung erlauben. Dem entgegen steht alleine der Drang nach Banalität, die Herrschaft erleichtert. Genau dieser spekulative Einheitsentwurf wird aber heute abgelehnt, auch von der Philosophie. Er wirft uns nicht ins Chaos, sondern nur in die Mühsal des Aufbaus immer provisorischer Konstruktionen aus offensichtlich widersprüchlichen und unabschliessbaren Elementen der Einzelforschung und des Detailswissens.

Definition Kategorie: Das Wort entstammt dem Griechischen, wo es "Anklage" bedeutet. Man kann dies so erklären: Eine Anklage basiert auf einem Vergehen - gegen ein bestehendes Gesetz. Beide Punkte sind notwendig. Die philosophische Anklage klagt nun nicht wegen eines Verstosses gegen das Gesetz des Staates, sondern gegen einen Verstoss gegen die Regeln der Wahrheitsfindung. Und die Verbiegung von Kathegorien, oder grad die Verwendung völlig falscher Kathegorien, ist die einfachste und gebräuchlichste - und dennoch hinterlistigste Methode der Eristik.

Kategorien sind Aussageschemen. Unterschiedliche Kategorien versuchen Worte, die mehrdeutig gebraucht werden können, durch Zuordnung der richtigen Kategorie eindeutiger zu machen. So hat z.B. das Wort "Freiheit", dem viele gerne eine kategorische Bedeutung (im Sinne von unbedingt, fordernd) zumessen möchten, recht unterschiedliche Interpretationen je nach dem ob es in der Mathematik Physik (Freiheitsgrade der Thermodynamik), Chemie, Biologie; Politik, Wirtschaft, Rechtslehre - Willensfreiheit etc. verwendet wird. Ohne Klarheit darüber, in welcher Kategorie es gerade verwendet wird, bleibt es diffus.

Die Kathegorienstruktur die man wählt, hängt davon ab, was für ein Philosoph man ist. Der Philosoph bestimmt die Kathegorien - die Kathegorien bestimmen das mögliche Denken. Philosophie muss also immer auch Kathegorienentwicklung beinhalten, sonst verkommt sie zur Scholastik.

Aristoteles, der die Kategorienlehre begründete, nahm 10 allgemeine Kategorien an:

  1. Substanz: Erste Substanz ist das Subjekt! Das Sein. Das Da-Sein, die Existenz) des Menschen aus seiner antropzentrischen Sicht natürlich, also das Leben.
  2. Quantität: 1 - die Einheit, 2 - die Trennung. Antropozentrisch: Den Menschen gibt's zwar als Einzelauführung, Adam wie Eva, aber die Menschheit nur, wenn sie zusammen finden, sich vereinen, und nach und nach vervielfältigen, und diese Vervielfältigungen sich nach und nach abspalten..
  3. Qualität: Analog zu Punkt 1 müsste man hier, natürlich bloss aus antropozentrischer Sicht, als 1. Qualität das So-Sein anführen, die Essenz, also das was das spezifisch menschliche ausmacht.
  4. Relation (eigentlich bereits eine kombinierte Kategorie die 1,2, und/oder 3 vergleicht) Die Dreifaltigkeit Vater-Mutter-Kinder muss sich wieder spalten, damit das Ganze Bestand hat. Die Spaltung ist aber nur quantitativ (Zahl/Individualisierung), qualitativ kann eine verbundene Einheit (Familie) bestehen bleiben.
  5. Ort / wo > Raum wöre vielleicht ein passendere, da übergeordnete Kategorie
  6. Zeit / wann
  7. Tun (aktiv) eine spezifisch menschliche Kategorie, entscheidend für die ganze Entwicklung und Geschichte des Menschen. Während dem für Aristoteles Potenz und Akt keine Kategorien sein konnten, weil sie der Intention, also dem Willen unterlagen, rangieren Möglichkeit und Wirklichkeit als entscheidende Kategorien. Dem freien Willen wird hier noch nicht die selbe Bedeutung zugeschrieben, da insbesondere die Stoiker sich eh eher von einer Weltordnung gelenkt sahen, als frei und individuell entscheidend. Die bestehende Weltordnung sorgte durch ihre eigenen Gesetze für den Uebergang vom Möglichen zum Wirklichen. Gerade dieses Fehlen des heute üblichen Aktivismus, der ein Geschehen aus sich heraus, also eine evolutive Entwicklung kaum hinnehmen kann, hat es vermutlich den Arabern erleichtert, die griechische Philosophie anzunehmen, weiter zu entwickeln und weiter zu geben. Wäre die freie Handlung bereits, wie heute, ein kategorischer Imperativ gewesen, sie hätte der Allmacht Gottes zu sehr widersprochen - was allerdings in der Zeit auch noch für den Katholizismus galt.
  8. Leiden (passiv) bloss das Yin zum Yang 7 - oder umgekehrt
  9. sich verhalten (Haltung/Habitus - Re-Aktion, müsste logisch zwischen 7 und 8 stehen. Wiederum eine kombinierte Kagegorie, da sie eigentlich ein re-agieren bezeichnet, also eine Antwort auf Leiden (8), allenfalls "Leiden" als Reaktion auf 7)
  10. sich befinden (Lage). Ist bereits eine komplexe Kategorie, da sie aus Ort (5), 7, 8, und 9 resultiert)

Reine Kategorien hätten wir hier also bloss 6

Der Sache nach kennt er bereits die 4 Kategorien:

  1. Identität
  2. Unterschied
  3. Beharrung
  4. Veränderung

Pole von 4: Relation, einerseits Kategorie 1-3, andererseits 3,4) Kategorie 1-3 und 5-7

Mit diesen Kategorien hingegen liesse sich die moderne Wirtschaft schon wieder gut an: Preis, Menge, Qualität, Ort, gar nicht unähnlich.

Der Erste der den Versuch einer sytematischen Ableitung von Kategorien unternimmt, ist Thomas von Aquin.

Von einer logischen Ordnungwissenschaft, einer "Denkform", die die Leisegangsche "Polylogismus"-These zu belegen und zu stützen vermag, kann nur dann die Rede sein, wenn Gesetzlichkeiten vorliegen, die ein allgemeines, tendenziell universales Klassifizierungsverfahren beschreiben und eben aus diesem Grunde legt sich die Integration der "Polylogismus"-Diskussion in den Theoribezirk der Kategorienlehre nahe, ist diese doch gewissermassen dazu prädestiniert, zu garantieren, dass nur solche Kandidaten eine Chance haben, als Logiken, "Denkformen", beziehungsweise "Rationlitätstypen" ernst genommen zu werden, die die Universalität und Applikabilität des kategorialen Denkens, eines - wie sich in der Diskussion des kategorialen Formalismus sowie der Universalisierungs- und Regionalisierungstendenzen der Kategorienlehre zeigen liess - formalen, allgemeinen und tendenziell universalen Denkens, an den Tag legen. [Schluss. S. 175]

also absolut irreale Tautologien

Die Kategorialanalyse untersucht die Natur und den Geltungsbereich der Kategorien.

Ueber den Kategorien standen im Mittelalter noch die Transzendentalien, welche die Kategorien quasi zusammenfassen:

Wir sehen, in welch absurder Traumwelt die Alten da lebten. Nichts von Effizienz, Wettbewerb, Innovation, Wirkung etc. sondern Abstrusitäten wie das Eine, das Gute, das Wahre. Heute ist die einzige Transzendentalie - das Geld. Beweis

 

Plotin (204-270): Das Schöne, Gute und Gerechte > Gott

Begründer des Neoplatonismus und einer der wichtigsten Grundlagen christlichen Denkens im Mittelalter und innerhalb der katholischen Kirche.

Plotin schuf das erste Mal in der Geschichte der abendländischen Logik und Kategorienlehre ein logisch-kategoriales Prinzipiensystem, weclehs mit der ontologischen Grundlehre der griechischen antike, nämlich der Zwei-Welten-Theorie, im Einklang stand und den Dualismus beider Hemiphären in zweierlei Regionalkategorien - in Sinnlichkeits und Uebersinnlichkeitskategorien - eine präzise logische Widergabe finden liess. [S. 50]

Im Christentum der synoptischen Evangelien fehlt die Metaphysik fast ganz. Im modernen Amerika gleicht es darin dem Urchristentum; der Platonismus ist dem populären Denken und Fühlen der Vereinigten Staaten fremd; die meisten amerikanischen Christen sind weit mehr mit ihren Pflichten hienieden und dem sozialen Aufstieg in der Alltagswelt beschäftigt als mit den Jenseitshoffnungen, die die Menschen trösteten, wenn alles Irdische sie mit Verzweiflung erfüllte.

Plotin ist immer sehr auf bestes Benehmen bedacht.

Christus ist mit dem Logos zu identifizieren.

Plotin hat ein System erbaut, dass er für einen sicheren Hort der Ideale und Hoffnungen hielt und das zudem moralische und ethische Bemühungen bedingte. Im 3. JH., wie in den folgenden, drohte dem Abendland durch die Barbareninvasion (Germanen) der völlige Untergang. Geistige Aktivitäten beschränkten sich auf die Religion.

Allerdings wendete sich Plotins Lehre mehr ans Innere als nach aussen, quasi inneres Heil verbunden mit der Toleranz äusseren Unheils - und Unrechts, was die Kirche sehr zu ihrem Wohle auszunutzen verstand. Der Protestantismus wendete dann den Blick wieder vermehrt auf das diesseitige, wirtschaftliche Wohlergehen.

Die Scholastik erkannte nur noch 6 Kategorien:

  1. Sein oder Wesen
  2. Qualität
  3. Quantität
  4. Bewegung (Veränderung)
  5. Beziehung
  6. Sichverhalten (Habitus)

Descartes und Locke noch 3:

  1. Substanz
  2. Zustand (Modus)
  3. Relation

Kant:

Die Kategorientafel nach Kant:

Quantität Qualität Relation Modalität
---- ---- ---- ----
Einheit Realität Substanz und Akzidenz Möglichkeit
Vielheit Negation Ursache und Wirkung Dasein
Allheit Limitation Wechselwirkung Notwendigkeit

Schelling:

Schelling zieht eine klare Grenze zwischen empirischen und transzendentalen Abstraktionen. Erstere lassen sich nie ganz vom Substrat lösen, da das Schema ja gerade versucht, Objekt und Subjekt zu verbinden. Empirische lassen sich so auch auf ihre Gültigkeit relativ leicht testen, da der gesamte Inhalt einer empirischen Katheogorie (z.B. Gattung, Art, Rasse, bei Pflanzen und Tieren) entweder darein passt - oder eben nicht.

Schwieriger ist es mit den Kathegorien der Transzendenz. Kunst erhebt sich, durch das Allegorische hindurch, zur höchsten Stufe des Symbolischen, d.h. der abstrakten Darstellung der Idee, die den sinnlichen, materiellen Stoff, die Materie, prägt. Schema, Allegorie und Symbol sind hier Kategorien der Kunst, heisse sie nun Literatur, Malerei, Bildhauerei, Musik oder, vielleicht, Philosophie. Das Symbol ist hier eine reine Schöpfung des Geistes, was sich am besten beobachten lässt anhand der Herausbildung der Schrift. Erste Ansätze dazu waren die Höhlenmalereien. Abstrakte Darstellungen von Jagdtieren. Kam noch die Bezeichnung für das Tier hinzu, war das erste geschriebene Wort geboren. (So ähnlich gilt das noch für die chinesische Sprache, weniger für unser, noch abstrakteres, aramäisches Alphabet.) Vielleicht ist es ja gerade der künstlerische Aspekt, die Tätigkeit abstrakten Gestaltens ohne materielle Vorlage, die den wahren Gehalt der Philosophie ausmacht: Philosophie als Wissenschaft der reinen Prinzipien. Kategorien bilden in empirischen Bereichen können die Wissenschaftler heute nämlich viel besser als die Philosophen, denn dazu muss man eine Unmenge wissen über die Eigenheiten und historischen (evolutiven) Zusammenhänge. Später geht er noch weiter und erklärt Philosophie zur Wissenschaft von den Potenzen: Sein können, Sein müssen, Sein sollen.

Schelling unterscheidet vor allem 3 Bereiche von Kategorien:

  1. Die Kathegorie der Notwendigkeit - des Reagierens, der Anschauung: (kausale Gesetze: These, Objektivität, Notwendigkeit). Mittel: Naturwissenschaften. Das Seinkönnende.
  2. Die Kathegorie der Wirklichkeit - des Wirken-Wollens, des Empfindens: (final-teleologisches Streben des Willens: Antithese, Subjektivität, Freiheit). Mittel: Geisteswissenschaften. Das Seinmüssende.
  3. Die Kategorie der Möglichkeit - des Wirken-Könnens, also des Selbstbewusstseins und der Handlung: (Synthese zwischen Freiheit und Notwendigkeit, Machbarkeit - also eine Theorie der Machbarkeit wie der Pragmatismus, keine Ideologie der Machbarkeit wie die Technokratie oder jeder Kulturimperialismus). Mittel: Reflexion, d.h. Denken. Sozialwissenschaften. Das Seinsollende.

Ich bin hier nicht ganz glücklich mit dem Begriff Wirklichkeit für die 2. Kategorie. Die Bezeichnung, ebenfalls von Schelling, als Seinmüssendes macht aber klarer, worum es geht, nämlich um Dinge die prioritär anzustreben sind, auch wenn aus der 3. Kategorie ein Zaunpfahl winken sollte: Nicht möglich, zu teuer, zu aufwändig etc. Man könnte vielleicht, ohne Schelling all zu viel Gewalt anzutun, die 2. Kategorie als Kategorie des Willens oder gar der Pflicht bezeichnen.

Hegel:

Hegel selbst mied meist den Begriff Kategorien und verwendete statt dessen Termini wie Denkform, Denkbestimmung, Begriffsbestimmung. Er betrachtet Logik als reine Kategorienlehre. In ihr bezieht sich das Denken auf sich selbst, erzeugt also nichts als Tautologien (s. Wittgenstein). Für Hegel ergeben sich daraus drei Möglichkeiten für Kategorienbildung:

  1. Seinslogik: Das Denken denkt das Bestimmte, den Begriff an sich
  2. Reflexionslogik: Das Denken denkt sich als Beziehung, zwischen den Begriffen
  3. Begriffslogik: Der Begriff erkennt sich als Einheit, als Idee, als reine Kategorie, als Idee.

Hegel unterscheidet so auch nicht mehr zwischen den Seinsprinzipien und den Kategorien einerseits und zwischen Erkennbarem und Denkbarem andererseits: Das Sein ist erkennbar -Kategorien sind denkbar - das Denkbare be-zeichnet das Sein symbolisch. Kann eine bestimmte Denkform nicht mehr gedacht werden, verschwindet mit ihr auch die Reflexion darüber.

Herbart: Einen interessanten Ansatz wählte Herbart. Für ihn waren Kategorien eher psychische Mechanismen, Stabilisierungsinstrumente der Seele. Nebst Kategorien der Aussenwelt (Ding, Eigenschaft, Verhältnis, Verneintes) unterscheidet Herbart noch die Kategorien innerpsychischer Vorgänge wie Wissen, Wollen, Handeln. Damit geht die bisherige apriorische Geltung zwar verloren, aber es entsteht ein eigentlich konstruktivistischer Ansatz, obwohl der Konstruktivismus noch gar nicht erfunden war (und Konstruktivismus sich mit Ontologie natürlich nicht grad gut verträgt, sofern man das Sein nicht grad als Theater ansieht, das von Masken (personae) gespielt wird). Der Anspruch an Geschlossenheit und Vollständigkeit beginnt sich also bereits zu Beginn des 19. JH aufzulösen und verengt sich zunehmend auf die Arbeits- und Gültigkeitsbereiche der wissenschaftlichen Disziplinen. Zu Beginn des 20. JH. musste die Idee einer überschaubaren Anzahl von Kategorien vollständig aufgegeben werden.

Trendelenburg hat 1846 eine umfassende Geschichte der Kategorienlehre verfasst und versucht, diese weiter zu entwickeln. Er unterscheidet wiederum reale Kategorien (Formen, durch welche das Denken das Wesen der Sache ausdrücken will und Grundbegriffe, die das Wesen sind), und modale, als Grundbegriffe die erst im Akt der Erkenntnis entstehen, in dem sie dessen Beziehungen und Stufen bezeichnen, die da wären, :

  1. die mathematische
  2. die physische
  3. die organische

ergänzt um Materie und Zweck

  1. die ethische
  2. die absoluten

Hermann. Cohen (1842-1918. Die Logik der reinen Erkenntnis): Kategorien sind Ausdruck der Gesetzmässigkeit des reinen, sich durch Urteile auf Gegenstände beziehenden Denkens. ... Dadurch, dass Kategorien als Betätigungsweisen des Urteils konzipiert werden, erhalten sie den Status von Denkgesetzen. [HW S. 746] Hieraus ergibt sich ein weiteres, für den Konstruktivismus typisches Dilemma: Die Logik der reinen Erkenntnis verschränkt sich mit der Logik der Forschung. Die Kategorien dienen der Forschung als Denkmuster (genau so wie die Paradigmen als Denk- und Handlungsmuster der disziplinären Wissenschaftlichkeit generell)

Paul Natorp /1854-1924) versuchte dieses Dilemma zu lösen: Die Grundkategorien der Modalität, der Relation (Spezifikation) und der Individuation werden hergeleitet aus den Substraten philosophischen Fragens überhaupt: Dem Sein, dem Sinn und der allbefassenden Einheit beider. Wie Kant besteht er auf der Priorität der Synthese vor jeder Analyse - da das Ganze nur als solches, und der Teil ebenfalls nur aus Kenntnis des Ganzen heraus wirklich verstanden werden kann (verstanden, nicht begriffen: begriffen heisst nämlich bloss, in Begriffe gefasst, während dem Verstanden bedeutet, in Einbettung wie Abgrenzung, als Struktur und Funktion erfasst, begriffen, einleuchtend erklärt, verständlich, sinnvoll). Das Denken ist hier zugleich Vereinigung des Auseinanderliegenden (Synthese) - wie auseinanderhalten des Vereinten (Analyse).

Heinrich Rickert (1963-1936) macht, wie bereits einige vor und einige nach ihm, darauf aufmerksam, dass Kategorien eigentlich auch eine Verbindung schaffen zwischen dem Bereich des Sollens oder Geltens (Finalität) und dem des Seins, des sinnlich Erfahrbaren, Gegebenen (Kausalität). Die Kategorien sind also nicht mehr reine Verstandesbegriffe deren Gültigkeit nur ein restriktiver und präziser Gebrauch garantiert, sondern eo ipso Strukturen der Erkenntnis. Im Gegensatz zu Windelband sieht Rickert die Kategorien nicht als konstitutiv oder reflexiv an - sondern als methodologische Erkenntnisform. Da wissenschaftliches Wissen ein bereits konstituiertes erkennendes Subjekt voraus setzt, sind die Kategorien, die den Inhalt, also das Untersuchungsgebiet strukturieren, hier von eben so entscheidender Bedeutung wie die Paradigmen, welche die Methode stützen. Die Philosophie hätte hier dann die spezifische Aufgabe, schon konstitutierte Gegenstände (oder Denkräume), bzw. den Konstituierungsvorgang, bzw. die Bedingungen des Geltens bzw. Sollens, zu interpretieren.

alle Marburger Schule // Neukantianismus // Kritizismus: Gerade weil ein hemmungsloser Kritizismus (das Wort in seiner banalen Bedeutung als "hemmungslose, andauernde Kritik gemeint) eigentlich nur zu Nihilismus führen kann, hat der Oberkritiker der Philosophie, der Immanuel, die Kritik auf die feste Basis der Kategorien gestellt. Ohne diese geht die Sache schief, was sich zur Zeit wieder an Hand der Postmoderne zeigt.

In der Lebensphilosophie werden Struktur-Kategorien des Lebens vorangestellt, wie

Aus deren Zusammenwirken lassen sich weitere kategoriale Begriffe wie Gestaltung und Entwicklung (des Lebens) herleiten. Die Kategorie der Bedeutung wäre hier die höchste, denn sie entscheidet über die Verständlichkeit der genutzten Zeichen, Symbole, Worte. Der Kategorie der Geschichte, die sich aus menschlichem Wirken ergibt, steht die Kategorie der Natur gegenüber, in der menschliche Wirkung höchstenfalls sekundär ist (und meist störend).

Simmel konzipiert den Begriff vom Leben, dem die Transzendenz innewohnen muss. Tönt echt philosophisch ... unverständlich, ist aber eine relativ einfache Angelegenheit: Das Leben ist mit dem Paradoxon behaftet, dass es zugleich der bestimmenden Form bedarf (Erziehung, Bildung) - diese Formen aber immer und immer wieder durch die Kreation neuer Formen überwinden muss, um Leben sein zu können. (s. strukturänderndes Lernen als Beispiel). Ein Leben ohne die Neugestaltung von Formen wäre ein reaktives, also tierisches oder vegetabiles. Der Mensch als Gemüse.

Die Mannigfaltigkeit der Lebensformen fordert eine entsprechende Mannigkfaltigkeit der Kategorien. Diese sind sowohl apriorische wie geschichtlich bedingte Formen der Transformation von Weltinhalten in Erkenntnis und Wissenschaftsinhalte. Die Kategorien sind nichts anderes als die grossen Formen wie Wissenschaft, Kunst, Religion usw., in die jeder überhaupt vorhandene Inhalt aufgenommen werden muss. Da unsere Reflexion denselben Inhalt bald unter dieser, bald unter jener Kategorie zu erblicken meint, ist weder die Zuordnung von Kategorien noch der Prozess des Ergreifens der Inhalte durch Kategorien ls abschliessbar zu denken. Dem Menschen als historisch-evolutivem Wesen bleibt das totale Erfassen aller möglichen Inhalte verwehrt. Gleichwohl ist Simmel, wie dem amerikanischen Pragmatismus, die Idee der Vollendung des Menschen Massstab für die Bewertung von Formen und Kategorien, die für die Menschheit in jedem Jetzt Wissenschaft bedeuten.

Auch hier haben wir das Dilemma, das wir einerseits die Wahrheit nicht völlig erkennen können - andererseits uns aber an ihr orientieren müssen. Die zerfallenden und eigentlich immer provisorischen Kategorien werden hier aber zusammengehalten durch, eben, das Leben, das es gibt (wer daran zweifelt, sollte es vielleicht beim Psychiater versuchen, oder als Eremit ... oder aufhören, sich "Matrix" anzusehen). Kategorien sind nur Arten der Auffassung, bestimmen also Perspektiven, Ansichten, Anschauungen (das Auge dominiert ganz offensichtlich unter den Sinnen ...). Die Kategorien bilden einen systematischen Zusammenhang, so dass die obersten Kategorien höchste Standpunkte der Auffassung der Wirklichkeit darstellen. Als solche bezeichnen sie eine eigene Welt der Prädizierung und schliessen sich gegenseitig aus.

Hier lässt sich nun relativ cool, d.h. ohne Mord und Todschlag, das Problem der "Kulturen" analysieren. Wo die höchste Kategorie eben noch Gott heisst (oder Allah), richten sich alle weiteren Subkategorien nach dieser, und es entstehen unverträgliche parallel laufende, feindliche Systeme. Wo der Tod besser erscheint als auch nur die gedankliche Anerkennung, man könne unter einer anderen Kategorie, einem andern Gott leben - und das vielleicht sogar recht gut, da gibt es keine Kommunikation - solange keine gemeinsamen Kategorien (wie etwa der Handel, die Menschenrechte, Demokratie, Mitbestimmung, Dialog, Menschenfreundlichkeit etc.) akzeptabel werden.

Auf der andern Seite haben wir die Zersplitterung des Wissens in Brösel, die derart klein werden, dass der Ausdruck "Halbwissen" bereits einen Euphemismus darstellt. Dieser Zersplitterung, gerade durch die Naturwissenschaften, die Analyse, versuchte Othmar Spann durch seine Theorie der Ganzheit zu begegnen. Seine Deutung der Dinge als Glieder sinnvoller Ganzheit wendet sich gegen den toten Mechanismus monokausalen Denkens zugunsten der lebendigen Füle universalistischen, ursächlichen Wissens. Nur die Ganzheit kann die Schwäche des Zweckbegriffs (Teleologie) vermeiden ohne in die Unwahrheit der Kausalität zurückzufallen. Die Kategorien waren hier:

Die <Ganzheit> und <Vollkommenheit> endete hier dummerweise im Austrofaschismus.

Hartmann:

Eine Analyse der Entwicklung der Kathegorien folgt demnächst, um zu sehen, wie sich diese über die Jahrtausende entwickelt haben, und warum es heute keine mehr gibt. Der letzte der sich bekanntermassen damit auseinander gesetzt hat war Nicolai Hartmann:

Gegen Kant war Hartmann der Auffassung, das man keine voraussetzungsfreie Erkenntnistheorie aufstellen kann. Gerade die Kategorien beschrieb er als "unbewusste Intellektual-Funktionen mit logischem wie auch unlogischem Ursprung - was sie um so bedeutender macht, denn mit dem Unbewussten kann der dialogische Gegner leicht spielen. Die Kategorien sind so etwas wie vorläufige Hypothesen. Also auch hier wieder die eigentlich konstruktivististische Idee.

Kategorien sind zwar apriorische Elemente des Erkennens - können aber nicht a priori erkannt werden. (Schöne Scheisse, würde da der Trivialphilosoph dazu sagen). Sie können als mnemonische oder psychologische Hilfsmittel gebraucht werden für die Rubrizierung des Gegebenen.. > Und hier ergibt sich auch die Prüfung der Tauglichkeit. Taugen die Kategorien für eine Ordnung des Denkens, sind sie "richtig", im Sinne von angemessen, taugen sie nicht, sind sie halt Schrott, sind sie verboten oder haben Löcher, verstecken sie gewisse Interessen der Schöpfer.

Jede Erkenntnistheorie hat metaphysische Voraussetzungen:

  1. Am Anfang stehen immer Vorgänge der Wahrnehmung ebenso wie Vorgänge des Bewusstseins, wie die Bildung von Repräsentationen, und der Erkenntnisfortschritt. In der phänomenologischen Betrachtung versucht man ein „Maximum an Gegebenheit“ (MdE, 43) zu erreichen.
  2. Im zweiten Schritt erfolgt eine Analyse der gegebenen Phänomene.
  3. Die Auffassung von der Existenz ist Ergebnis der phänomenologischen Betrachtung. Für Hartmann ist die Wirklichkeit in allem Seienden. Das Sein des Seienden ist eines, wie mannigfaltig dies auch sein mag.
    1. Erkenntnis ist ein Seinsverhältnis: Das Sein ist Ansichsein; und Erkenntnis ist, soweit sie besteht, Repräsentation des Ansichseienden.
    2. Der Erkenntnisakt ist ein "transzendenter", d.h. ein Akt, der über die Grenzen des Bewusstseins hinausgreift.
    3. Das Fortschreiten der Erkenntnis ist ein "kategoriales", vom Masse der "Identität von Erkenntnis- und Seinskategorien abhängiges.
    4. Bestimmte Gesetzmässigkeiten in der Differenzierung des Erkenntnisverhältnisses nach Gegenstandsgebieten und in seinem geschichtlichen Wandel finden keine erkenntnistheoretischen Erklärungen mehr, sondern eine anthropologische.

Auch wenn die Erkenntnis keinen festen Massstab hat, Wahres von Falschem zu unterscheiden, sondern sich in einem unendlichen Annäherungsprozess an die Wahrheit heranpirscht, ist dies kein Grund, sich absolutem Skeptizismus hinzugeben, denn, Wahrheitssuche konvergiert, kommt also der Wahrheit immerhin näher, Wahrheitsverleugnung divergiert, d.h. sie produziert immer die selbe Wiederholung von Wörtern ohne Gehalt.

Die phänomenologische Analyse führte Hartmann zu verschiedenen Unterscheidungen:

Hartmann baut hier eindeutig auf Schelling auf: Notwendigkeit > Wirklichkeit > Möglichkeit. So betont er auch den Aspekt der Teleologie, der Zielgerichtetheit, der als causa finalis in den Naturwissenschaften, ja sogar den Geisteswissenschaften (insbesondere der Geschichte, s. Historizismus) rein gar nichts zu suchen hat, aber für den Menschen meist weitaus bedeutender ist als Kausalität. Erlegt in seinem Werk "Teleologisches Denken" eine Kathegorienanalyse der Finalität vor.

Notwendigkeit: Episteme: Naturwissenschaften, Kausalwissenschaften - Memoria

> Umsetzung: Techne

Wirklichkeit: Sozialwissenschaften, Organisationswissenschaften, Handlungs- / Finalwissenschaften - Ratio

> Umsetzung: Wirtschaft und Politik

Möglichkeit: Geisteswissenschaften, Kunst, Ethik - Imaginatio

> Umsetzung: Phronesis / Menschenrechte

Historisch mehrfach entwickelte sich aus eine Ueberbetonung materialistischer, kausaler Einfachheit als Gegenreaktion unhaltbare teleologische Spekulationen. D.h., wenn die Realität zu einfach wird, zu brutal, flüchtet man sich in Träume. Wird das Ziel als Wirkendes genommen, lassen sich gerade komplexe Verhältnisse meist einfacher erklären, da das Resultat bekannt ist. So etwa das erstrebte Paradies des freien Wohlstandes, den zu erreichen man sich bloss den harten und unberbittlichen Forderungen des Marktes - oder sozialistischen Staates, je nach Vorliebe, unterwerfen muss. Wo das Ziel als gegeben angenommen wird, stehen wir offensichtlich in einem Prozess, den wir verwirklichen müssen. Wir werden so von Akteuren, vom Grund, Zweck und Ziel der Handlung, zu Faktoren eines Prozesses, zu Mitteln, die einem höheren Zweck zu dienen haben, die Pflicht und Auftrag haben, das Ziel zu realisieren, nicht es zu bestimmen, es frei zu wählen.

  1. Teleologie gibt es in der Form der Prozesse, die unbedingt auszuführen sind (Wirtschaft und Wachstum). Es wird nicht mehr nach dem warum und wozu gefragt, sondern nur noch nach dem wie.
  2. Teleologie steckt in den Formen selbst. Die Evolution strebt nach höheren, komplexeren Formen. Der Mensch nach göttlicher (oder zumindest kultureller) Ueber-Formung. Höhere Formen sind zweckbestimmend für niedrigere Formen.
  3. Teleologie steckt in jedem Ganzheitsanspruch, denn dieser macht alle Teilsysteme zu Untersystemen. Die Richtung und Form und Funktion ist also vorgegeben. Dies galt nicht nur für den Kommunismus, sondern ebenso für den Kapitalismus, die offenbar nur bestehen können, wenn sie die Welt regieren.

In allen Fällen wird das wollende, selbständige Individuum nach vorgegebenem Muster geformt, vielmehr wird von ihm gefordert, sich selbst zu formen, also anzupassen. Das frei, selbständig und verantwortlich handelnde Wesen wird eliminiert.

Dass wir immer wieder in teleologische Denkmuster verfallen, liegt einerseits daran, dass unser Denken historisch sich entfaltet hat - und wir logischerweise unser Denken als die höchste Stufe betrachten, also das Ziel der historischen Entwicklung.

Teleologisch denken wir vor allem, weil für den Menschen alles einen Sinn haben muss. Die Frage warum (ist etwas passiert), sucht man nach Ursachen, die mit dem Ziele übereinstimmen. Zufall gilt dem Menschen als sinnlos - und Sinnlosigkeit ist den meisten unerträglich. Das Unberechenbare ist Verrat an Staat und Wirtschaft, ja an Wissenschaft, denn es verhindert die Planung, zu der wirtschaftliches wie politisches Denken ihn zwingt. Geschick oder Schicksal sind kein Verdienst, also in einer Meritokratie ohne wirklichen Profit. Die Kausalität verschwindet im Normalfalle hinter den Finalinteressen, den Intentionen. Die Motive treiben zu Finalinteressen, welche die Bestimmung des Menschen ausmachen.

Die Anthropomorphie ist die stärkste Kulturimperialismus - des Menschen gegenüber tiererischen oder pflanzlichen Kulturen. Ein Zweckgefüge besteht nur aus Elementen, die Zwecke des Menschen sind, in denen er Halt sucht. Anstatt seine Zwecke selbst zu setzen, sucht er sie in vorhandenen Strukturen, Funktionen, Modellen, Normen, Idealen, Ideologien.

Die Verwechslung von Zwecktätigkeit mit Zweckmässigkeit verkehrt das Denken und verleitet es zur Annahme, alles was zweckdienlich sei, sei so,zwecktätig, geplant, sei es von der Natur (die nicht plant) - oder von Gott. Der einzige Zweck des Lebens aber ist, sich selbst zu erhalten und weiter zu tragen. Die Klage gegen den Tod geht von der Annahme aus, die Konstruktion eines sterbenden Lebewesens sei ein Konstruktionsfehler eines Pfuschers, eines Demiurgen - ohne allerdings die Folgen ewigen Lebens zu bedenken.

Die Teleologie führt auch leicht zu Gesamtlösungen - während dem die "normale" kausal orientierte Forschung, mühsam Stückwerk zusammen fügt, mit widersprüchlichen Resultaten. Vom Ziel her hingegen lässt sich alles einfach erklären. (Vielleicht ist dies auch der Grund, warum Gott nötig ist). Das kausale, sich ungeplant entwickelnde, erscheint als sinnlos - also wird ihm ein Ziel angehängt (Fortschritt, angestrebt zwecks Wohlstand, angestrebt zwecks ?)

Zwecktätigkeit ist Zielstrebigkeit, ist Planmässigkeit - also die wichtigsten Eigenschaften erfolgreichen Handelns der Menschen.

Ganzheitskausalität steckt auch im Begriff "Entwicklung". Da steckt offenbar was drin, eingewickelt, das bloss ent-, d.h. ausgewickelt werden muss. Der Endzweck der ausgewickelt werden muss besteht dummerweise so aber eben meist in etwas, das irgendwo, bei denen die Entwicklung betreiben, bereits da ist, und als "Ende der Geschichte", als non plus ultra, als top of the art etc. definiert wird. sei es Technik, Demokratie, freie Marktwirtschaft, oder unverständliche Kunst.

Das menschliche Denken ist, ganz anders als die Natur, die auf Ursachen reagiert, auf Sinn hin orientiert, also auf Abwicklungen die logisch zusammenhängen und in einem Zielobjekt, - Zustand oder -Begriff gipfeln. "Verstehen" will diese Zusammenhänge, den Sinn, erfassen. Verstehen lässt sich nur Sinn und alles was ihm verwandt ist, also Wert, Zweck, Bedeutung.

Der Mensch sieht sich als Weltzweck, als Sinn des Bestehens der Welt. Das ganze Weltgeschehen hat es nur auf ihn abgesehen ... womit er sich vermutlich täuscht. Wären alle niederen Stufen der Entwicklung nur dazu da, die höheren zu tragen, so wären wir vermutlich auch nur ein Mittel, den Uebermenschen zu erzeugen, oder gar den Gottmenschen. Gemessen daran, was der gewöhnliche Mensch allerdings schon mit der Welt und Umwelt angestellt hat, ist es fraglich, ob die Erde ein noch mächtigeres Wesen zu er-tragen vermag. Sie bedürfte eines in seinen Ansprüchen bescheideneren, keine Herrenrasse. Sie dürfte wohl nur überleben, wenn gerade nicht der Mensch sich als höchste Kategorie darstellt, sondern die Welt, insbesondere Biosphäre, Lithosphäre, Hydrosphäre, Troposphäre etc.

Teleologismus, jegliches Weltprinzip, verneint die Willensfreiheit. Der Vorteil seiner Position, als einzigem der willentlich Ziele setzen und sie zweckorientiert verfolgen kann, ist ja gerade, dass der Rest der Welt dergleichen nicht kann. Hätten auch Seen, Wälder, Tierherden, Wolken, Regen, Sonnenschein ihre Ziele, es wäre ein dauernder Krieg um die Entscheidungsmacht.

Sehen wir in der Postmoderne zur Zeit keinen Zusammenhalt, keine sinnvollen gemeinsamen Ziele, kein allgemein gültiges Lebenskonzept, keinen übergreifenden Sinn - so ist das vielleicht nicht mal so übel, denn wäre dieses da, so müssten alle nach ihm hinstreben. Die Freiheit wäre perdü. Also nehmen wir, im Namen der Freiheit, ein bisschen Unsinn und Unsicherheit über die Entwicklung in kauf, und geniessen die freie Entfaltung ... inshallah.

Der Mensch kann und soll Werte vertreten - muss aber immer das Recht behalten, diese zu ändern oder darauf zu sch..., also die Rückseite der Münze zu besehen. Wären Werte erkoren und gültig, der Einzelne wäre nicht mehr Mitgestalter und Mitschöpfer der Welt, sondern "Werterhaltungsbeauftragter", "Wertebeamteter", ein Mittel, diese Werte zu realisieren und damit die Welt zu bestimmen. Hätten Werte Herrschaftsmacht, wäre der Mensch nicht mehr verantwortlich, aber eben auch nicht mehr frei. Werte dürfen und sollen unser Wertegefühl formen - nicht aber den Willen determinieren.

Auch ohne hier von einer religiösen Begründung auszugehen, kommen wir in präzise das selbe Problemfeld, der Theodizee: Warum hat Gott den Menschen, den er ja schuf, nicht einfach grad gut geschaffen? Warum erlaubt er Unrecht, Krieg, Gewalt?

Logische Sätze gelten, weil sie mit Seinstrukturen übereinstimmen. Das reale Sein ist demnach das höhere Sein, das auf dem in ihm enthaltenen idealen Sein aufbaut.

Jede Schicht baut auf der nächsten Stufe auf. In jeder Schicht gelten Fundamentalkategorien und spezifische Kategorien. Die Fundamentalkategorien bestehen aus Gegensatzpaaren (AdrW, 230). Sie sind elementar und nicht auf andere rückführbar.

Aufbau des Seins nach Nicolai Hartmann
Ideales Sein
zeitlos/allgemein
Reales Sein
zeitlich/individuell
Mathematische Gebilde
Wesenheiten
ethische Werte
ästhetische Werte
räumlich nicht-räumlich
Unorganisches Leben Seele Geist

Liste der Fundamentalkategorien

Kategoriale Gesetzmäßigkeiten: Kategorien bedingen sich innerhalb einer Kategorienschicht.

  1. Das Gesetz der Wiederkehr: Es gibt in jeder niederen Schicht Kategorien, die in der höheren wiederkehren.
  2. Das Gesetz der Abwandlung: Die duchgehenden, wiederkehrenden Kategorien kehren abgewandelt wieder. Sie sind in der höheren Schicht nicht mehr dieselben wie in der niederen.
  3. Das Gesetz des Novum: In jeder Schicht setzen neue Kategorien ein.
  4. Das Gesetz der Schichtendistanz: Es besteht ein gewisser Abstand zwischen den Schichten.
  5. Das Gesetz der Stärke: Die niederen Kategorien sind die Voraussetzung der höheren.
  6. Das Gesetz der Selbständigkeit der niederen Schichten gegenüber den höheren Schichten.
  7. Das Gesetz der Materie. Kategorien sind mit dem Konkreten fest verbunden.
  8. Das Gesetz der Freiheit: Es ist wie das Gesetz der Stärke von besonderer Wichtigkeit. Bei allem Durchgehen der Kategorien von unten herauf und bei aller Unaufhebbarkeit ihrer Geldung in den unteren Schichten ist das Eigentümliche in den neuen Schichten, das Novum, immer autonom und in diesem Sinne frei, frei von den Determinationen der niederen Schicht.

Sein Schichtengesetz besagt, dass niedrige Kategorien in höheren oft wiederkehren, nie aber umgekehrt. Höhere Formen, umfassendere Formen tauchen nie in tieferen auf - also eine Art Evolution der Kategorien. Betrachtet man den Zusammenhang von Schichten und Kategorien, so enthalten für Hartmann viele Weltanschauungen den Grundfehler der prinzipiellen Einseitigkeit.

Gerade die Evolution der Form bringt uns auch auf einen Zusammenhang, und damit mögliche weitere Erklärung oder Systematisierung der Kategorien. Der Formkalkül von Spencer-Brown macht bewusst, dass jede Form, jeder Begriff, etwas ein- und anderes ausschliesst, wobei zweiteres, der sog. "unmarkierte Raum" oft grösser ist als der umfasste. Kategorien wären in dieser Betrachtung also diejenigen Begriffe, die möglichst viel ein, und möglichst wenig ausschliessen. Die höchste Kategorie dürfte gar nichts mehr ausschliessen, wäre im Mittelalter also Gott genannt worden (Wobei sich dann allerdings das Problem des Bösen stellt, ob das zu Gott gehört oder als böswillige Verkrümmung einer Unterkategorie überhaupt möglich ist).

Hartmann übersah die Uebereinstimmung der onthologisch-kategorialen Geltungsfunktion mit derjenigen der ethischen und ästhetischen Werte, die gerade im Bereich der axiologischen Geltungsmomente stattfindet. [Frei]

Axiologie: Lehre von den moralischen Werten

Mit dem Aufkommen der analytischen Philosphie und dem Existentialismus ging Hartmanns Lehre unter. Nur für die Ontologie blieb er eine Korryphäe, abgesehen davon, dass diese von der Informationstechologie eh verhunzt wurde.

Kategorienimperialismus: Bedeutsam wäre heute insbesondere das 8. Gesetz, das Gesetz der Freiheit. Im Gegensatz zu den klassischen Kategorien haben wir heute die Kathegorie Geld, die von oben bis unten alles mitformen will, die kein Novum erlaubt, dass sich ihrem Einfluss entzieht. Geld ist zu einer Kategorie ausserhalb aller Kategorien geworden, also quasi zu einer neuen Transzendentalie. Geld macht sich zum kategorialen Imperium, dem Zentrum allen Wertens.

Schopenhauer strich ale 12 kantischen Kategorien zusammen zu einer: der Kausalität, womit er, als Zyniker alledings missbraucht, der Verwissenschaftlichung Tür und Tor öffnete.

Begründung der Kategorien

Man trifft kaum noch auf ein legendiges (vermutlich gemeint lebendiges, der Kommentator) kategoriales Denken, zumal seit der Paradigmenwechsel zum "funktionalistischen" und "kybernetischen" Denken den überkommenen Kategorienbegriff verdrängt und an die Stelle gegenstandskonstituierender Prinzipien blosse Variablen gesetzt hat. (F S. 5)

Meines Wissens hat sich niemand eigentlich gross darum gekümmert, wie Kategorien zu begründen wären. Meist war es ein Produkt elitären Denkens, der Philosophen. Vor allem bei Hartmann kam Kritik von vielen Seiten, diese Kategorien seien subjektiv, heuristisch, wenn nicht gar zufällig.

Könnte man denken ... is aber nicht ganz so:

Theoreme transzendentallogischer Kategorienbildung:

  1. Die Grundlage der transzendentallogischen Erkenntnislehre liegt in der Differenzierung zweier Gegenstandsbezirke: In der Differenzierung des Gegenstandsbezirkes der "Erscheinungen" und desjenigen der "Dinge an Sich".
  2. Diese beiden Gegenstandsbezirke stehen zueinander in einem Verhältnis der einseitigen Fundierung, insofern Entscheidungen eben Erscheinungen von Dingen an sich sind.
  3. Die Differenzierung des Erscheinungsbezirks und des Ding-an-sich-Bezirkes soll wowihl zufolge der Transzendentallogik wie auch in Uebereinstimmung mit der Tradition der abendländischen Metaphysik mit der Differenzierung des "Sinnenbezirkes" (mundus sensibilis) und des "Verstandesbezirkes" (mundus intelligibilis) zusammenfallen: Die Gegenstände zeigen sich eben sinnenfällig, wie sie erscheinen, verstandesmässig hingegen, wie sie sind. Demzufolge koinzidieren die "Erscheinungen" ("Phänomene") mit den "Sinnenwesen" (sensibilia) und gleichermassen die "Dinge an sich" mit den "Verstandeswesen (noumena, intelligibila).
  4. Der Erscheinungs- oder Sinnenbezirk und der noumanal-intelligible Ding-an-sich-Bezirk sind verschiedenrangig.
  5. Das Kategoriengefüge und der ganze Gegenstandsbezirk stehen zueinander in einer strengen Korrespondenzbeziehung. Aus alledem ist zu schliessen, dass die logischen Beziehungen der beiden Gegenstandsbezirke und ihre Rangunterschiede sich in den logischen Beziehungen und Rangdifferenzen korrespondierender Kategorienbezirke spiegeln: Soll dem Erscheinungs- oder Sinnenbezirk ein Ding-an-Sich-Bezirk zugrunde liegen, so muss ebenso dem sensualen Kategorienbezirk ein auf den Ding-an-sich-Bezirk bezogenener Kategorienbezirk zugrunde liegen und wird sich dieser als ein intellektualer Kategorienbezirk definieren lassen müssen. Der sensuale Kategorienbezirk ist als ein minderrangiger Teil eines grösseren Ganzen zu begreifen und im ganzen übrigen Teilbezirk des Kategoriengefüges zu fundieren. [S. 19]

Zum anderen aber soll dem Bereiche der sensualen Kategorien ein Parallelbezirk moralisch-übersinnlicher Kategorien gegenüberliegen: nämlich der "Kategorie der Freiheit". Die reinen Verstandesfunktionen, die der logischen Theorie zufolge blosse Kategorialformen darstellen, werden in Parallele zu den materialen Kategorien der Ethik als materiale "Kategorien der Natur" wiederaufgegriffen. [S. 21]

Transzendental = Uebersinnlich. Erkärung:

Diese Unterscheidung zwischen noumena, dem Gedachten, dem abstrakten, also unverfälschten Inhalt gegenüber dem Phänomen, der Erscheinung desselben, ist äusserst wichtig für die Kategorienlehre.

Der Umstand, dass die rudimentären Kategorialformen sich einmal an sinnlichem Material und ein ander Mal an moralisch-übersinnlichem Material ergänzen, ist ein Indiz dafür, dass der kategoriallogische Geltungsbezirk der Tendenz nach ein allumfassender ist. Kant gab selber zu, dass die kategorialen Denkbestimmungen über den sinnlichen Gegenstandsbezirk hinauswiesen und sich eine Anwendung derselben im übersinnlichen Bezirke nahelege. Dabei ist an keine Ethisierung des übersinnlichen Bezirks, sondern an ein übersinnliches Wirkungsfeld der logischen Theorie zu denken. Es ist einfach zu berücksichtigen, dass die kategorialen Verstandesfunktionen ihren Sitz im verstandesmässigen Denken haben und sich von den "reinen Anschauungen a priori" beziehungsweise den "reinen Anschauungsformen" eben dadurch unterscheiden, dass die der Domäne der Logik zugehören und Strukturen intelligibler Provenienz sind, wenn anders man sie von den reinen Anschauungsformen soll differenzieren können. [S. 21]

Dass Kathegorien über den sinnlichen Bereich hinausgreifen, sollte es ihnen aber auch ermöglichen, die Geisteswissenschaften eben so klar zu strukturieren wie die Naturwissenschaften.

Besonders für die Logiken und Kategorienlehren des Neukantianismus stand das Bemühen im Zentrum, ein logisches und kategoriales Instrument zu schaffen, welches die einseitige Ausrichtung der herkömmlichen Logik und Kategorienlehre auf die Theoriebezirke der Mathematik und klassischen Physik überwand und eine Logifizierung und Kategorialisierung auch der Zuständigkeitsbereiche der Geisteswissenschaften, Sozial- und Kulturwissenschaften in Angriff nahm. [S. 51]

Seit Platon besitzen wir eine Logik der Mathematik, seit Aristoteles eine Logik der Biologie. Die mathematischen Relationsbegriffe, die biologischen Art- und Gattungsbegriffe haben hier ihre sichere Stelle gefunden - nicht so jedoch die Sprachwissenschaften, die Kunstwissenschaften, die Religionswissenschaften als Logik der Kulturwissenschaften, der Sprache, Poesi und Geschichte. Der Hauptunterschied, der den Graben zwischen Natur- und Geisteswissenschaften schafft, ist ihre Ausrichtung. Die Naturwissenschaften verfahren nomothetisch, generalisierend, nehmen dabei Bezug auf einen wertindifferenten Gegenstandsbezirk - die Sozial- und Geisteswissenschaften hingegen sind auf eine eher idiographisches Verfahren angewiesen, dass der Individualität, dem Einzelfall, dem (historischen) Ereignis seinen gebührenden Platz einräumt, und dabei sich eben auch auf einen wertbezogenen Objektbereich bezieht.

Lotze führte den Begriff der Geltung ein, womit Begriffe bezeichnet werden, die werder ein reales Dasein haben (wie etwa ein Apfel), noch ein ideales (Harmonie), die also überhaupt nicht sind - aber gelten (Gerechtigkeit).

Der Pluralismus der Logiken wurde insbesondere von Cassirer (1874-1945) als Wirklichkeitskonformer begrüsst. Eine Regionalisierung der Logik widersprach Hegels Vorgehen, alle geistige Mannigfaltigkeit auf eine einzige Dimension zu reduzieren. Insbesondere die "Schullogik" ist bloss noch eine Denkform euklidischer Geometrie, also bereits unserer Zeit längst nicht mehr angemessen.

Der wesentliche Schritt zur Kulturphilosophie ergibt sich aus Cassirers Erweiterung des Begriffs der Erkenntnis zum Leitbegriff des Erlebens (in Anlehnung an Paul Natorp). Gegenstand dieser Kulturphilosophie ist nicht nur die Erkenntnis, sondern das Weltverständnis überhaupt. Cassirer wollte damit dem Umstand Rechnung tragen, dass es ein „Erleben“ außerhalb der strengen Wissenschaften gibt, das sich in der Sprache ebenso ausdrückt, wie in Mythen, der Religion oder der Kunst. Auch Geschichte, Technik, Wissenschaft, Moral oder Politik haben demzufolge eigene Erlebniswelten.

Symbolische Prägnanz – Symbolisierung als Formgebung

Unter Tun versteht Cassirer Gestalten, Formen und Bilden. Erst dem Tun entspringt das Sein. Die elementarste Form der Gestaltung ist dabei die Abgrenzung oder Perspektivierung. Da jede Wahrnehmung nur einen Teil der Wirklichkeit erfasst, ist somit schon jegliches Wahrnehmen gestaltend. Gestalten vollzieht sich für Cassirer stets in Verbindung mit einem sinnlichen Gehalt, ein Kerngedanke, der sich in Cassirers Formulierung der symbolischen Prägnanz ausdrückt:

„Unter ‚symbolischer Prägnanz‘ soll also die Art verstanden werden in der ein Wahrnehmungserlebnis, als ‚sinnliches‘ Erlebnis, zugleich einen bestimmten nicht-anschaulichen ‚Sinn‘ in sich faßt und ihn zur unmittelbaren konkreten Darstellung bringt.“

Kultur ist die Art und Weise, wie der Mensch durch Symbole Sinn erzeugt. Symbole entstehen also stets in Verbindung zur Sinnlichkeit, haben aber einen Sinn, der über sie hinaus verweist.

Aspekte der Prägnanzbildung sind:[11]

Er unterscheidet entsprechend zwischen Wahrnehmungs- und Bedeutungsprägnanz: Erstere verleiht dem Wahrgenommenen einen Umriss und Deutlichkeit, letztere bindet sie in einen Kontext ein. Der Wahrnehmungsprägnanz sind also Rekognition, Präsentation und Retention zuzuordnen, der Bedeutungsprägnanz die Repräsentation.

Lask: Heimatlosigkeit der Logik- und Kategorienlehre im System der landläufigen Zwei-Welten-Lehre

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Als Elemente der Logik wären also die Kategorien, wie der ganze Rest, reine Tautologien, Formtautologien. Präzise dies sagt eigentlich auch Frei:

Der Formencharakter des kategorialen Gefüges und der kategorialen Einzelform bedarf noch einiger Präzisierungen: Ausgehend von der obigen Charakterisierung der Kategorien als Formen, die einer materialen Ergänzung und Erfüllung bedürfen und denen man lediglich ein rudimentäres Eigensein zusprechen kann, korrigieren wir die starke These ihrer semantischen Defizienz zur schwächeren These einer Abhängigkeit der kategorialen Form von äusseren Semantisierungsmaterial - beziehungsweise einer Angewiesenheit derselben auf einen materialen Gegenstandsbezirk. Kategorien sind unselbständige Gegenstandsformen und als solche darauf angewiesen, sich dem kategorial zu formenden Gegenstand aufprägen zu können und in ihm als ein einem strukturell Selbständigen eine Realisierungsstätte zu haben. [S. 32]

Diese Charakterisierung rückt den Kategorienbegriff zum Prinzipienbegriff und noch näher zum Funktionsbegriff und zum Begriff des Begriffs. So steht es im Einklang mit einer bis auf Aristoteles zurückzuverfolgenden Tradition, das Prinzip als ein strukturell Unselbständiges anzusehen, das sich zur Gänze in seiner Prinzipiierungsfunktion erschöpfen und keine Existenzberechtigung unabhängig von seinem Verhältnis zum Prinzipatum haben soll. [S 33]

Anders ausgedrückt: Bei den Kategorien handelt es sich in jedem Fall um nichts, dass als platonische Idee selbständig werden kann. Kategorien wären leere Gefässe, ähnlich dem Raum, der erst durch seine Grenzen und seinen Inhalt zu etwas fassbarem wird - allerdings Gefässe die präzise für diejenigen Begriffe konstruiert wurden, die sie umfassen sollen. Wachstum, Wandel (Flexibilität), Innovation, Trend, alles Teilbereiche der alten Kategorie <VERAENDERUNG> zeigt, dass sich Kategorien aber leicht in be-greifbares umwandlen und noch leichter zur rhetorisch-mystischen Verklärung einsetzen lassen, obwohl sie eigentlich weniger sind als heisse Luft, die immerhin Luft und Hitze hat als konkrete sinnlich erfassbare Bestandteile. Kategorien sind nichts anderes als Gefässe der Zu- und Einordnung.

Kategorien werden oft auch einfach als Begriffe höchster Abtraktion, höchster Allgemeinheit verstanden, also diejenigen Begriffe, sie sich aufs höchstmögliche vom Materiellen gelöst haben

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Eine moderne Methodik der Kathegorienbildung könnte sich z.B. der Topik bedienen, feststellen, was die Menschen vor allem bewegt, positiv oder negativ; was sie tun - und tun möchten; wo ihre Realität ist - und wo die Träume wären. Eine Verdichtung der Resultate auf Kernbegriffe ergäbe eine moderne bis postmoderne Kategorienliste. Der Prüfstein für die Brauchbarkeit wäre heute vermutlich die Qualität der Wissensorganisation (formale und/oder inhaltliche Erschliessung) und Wissensrepräsentation (Begriffssysteme) die sich daraus ergibt. Hier, in der Informatik, erhält dann die Ontologie eine ganz andere Bedeutung, nämlich die einer expliziten formalen Spezifikation einer Konzeptualisierung (Begriffsbildung):

wiki sagt: Ontologien dienen in verschiedenen Bereichen als Mittel der Strukturierung und zum Datenaustausch, um bereits bestehende Wissensbestände zusammenzufügen – beispielsweise genetische Daten in der Bioinformatik. Experten aus verschiedenen Gebieten widmen sich der Modellierung ihres jeweiligen Spezialwissens und notwendiger Inferenzprozesse, so dass auf dieser Basis deklaratives Wissen, Problemlösungstechniken und Schlussfolgerungsmechanismen von mehreren Systemen geteilt werden können.

Im Unterschied zur Taxonomie stellt eine Ontologie ein Netzwerk von Informationen mit logischen Relationen dar, während die Taxonomie nur eine hierarchische Untergliederung bildet. Heuristisch, als Ganzes, sind allerdings beide.

Ontologie

Ontologie ist die Lehre vom Sein generell, befasst sich also mit Fragen des Seins - und des Nichts, der Existenz oder Abwesenheit des Guten, Schönen, Bösen etc. und der grundlegenden Frage: Was ist der Mensch?

Ontologie analysiert die Frage nach Teil und Ganzem, nach Abgrenzung und Zuordnung, bildet also eigentlich die Grundlage der Mengenlehre, der Verortung, der Topologie des menschlichen Lebens. Man nennt diesen Ansatz, die Leere vom Teil und dem Ganzen, Merologie, die eigentlich zur Mathematik gehört. In der Topologie geht es um Orte und Felder, um Verortung in Räumen wie Bildung von Räumen. Die Merotopologie untersucht die topologischen Beziehungen zwischen Ganzheiten, Teilen und den Rändern der Teile und ist vor allem bedeutend in der Wissenspräsentation

Heute werden in der systematischen Philosophie die Ausdrücke „Ontologie“ und „Metaphysik“ zumeist gleichsinnig gebraucht.

Metaphysik

Metaphysik behandelt die Dinge jenseits dessen, was wir greifen können, also des physischen. Metaphysik ist oft fast ein Synonym für theoretische Philosophie. Ihre Themen sind die Beschreibung der Fundamente, Voraussetzungen, Ursachen oder „ersten Gründe“, der allgemeinsten Strukturen, Gesetzlichkeiten und Prinzipien sowie von Sinn und Zweck der gesamten Wirklichkeit bzw. allen Seins.

Die Kritik an der Metaphysik setzt allerdings, nicht ganz zu unrecht, dort an, wo sie ihr eigentliches Ziel sieht, also sog. letzte Fragen aufgreift wie: Gibt es einen letzten Sinn, warum die Welt überhaupt existiert? Und dafür, dass sie gerade so eingerichtet ist, wie sie es ist? Gibt es einen Gott und wenn ja, was können wir über ihn wissen? Was macht das Wesen des Menschen aus? Gibt es so etwas wie „Geistiges“, insbesondere einen grundlegenden Unterschied zwischen Geist und Materie? Besitzt der Mensch eine unsterbliche Seele, verfügt er über einen Freien Willen?

Ein grosser Teil dieser Fragen tönt für uns heute recht absurd ... aber, nehmen wir die letzte, ist dem doch nicht immer ganz so. Heute versucht die Hirnforschung diese Frage zu beantworten, und verirrt sich gleich total im Sump. Hier braucht es immer wieder ein Denken das über das rein wissenschaftliche hinaus geht, sich von den Labormethoden und -Rezepten löst.

Allerdings drängt auch die Absage an jede monistische Lösung, bedingt durch die Notwendigkeit pluralistischer Gesellschaftsmodelle, auf eine Aufgabe der Suche nach dem letzten oder höchsten Sinn des Lebens.

Die letzte Erkärung, warum es Sein gibt, warum es Welt gibt, warum es Materie gibt, ist ebenfalls eigentlich Metaphysisch, wird aber je länger je mehr von der Astronomie (nicht Astrologie!) aufgenommen, die ähnlich unverständliches produziert wie früher die Metaphysik, nämlich Stringtheorien, Schleifen-Quanten-Gravitation, samt einer Grossen vereinheitlichenden Theorie. > zum Einstieg

Die allgemeine Metaphysik hat von allen Wissenschaften die höchste Abstraktionsstufe; sie fragt nach den allgemeinsten Kategorien des Seins und heißt deshalb auch Fundamentalphilosophie. Sie beschäftigt sich damit, was Dinge, Eigenschaften oder Prozesse ihrem Wesen nach sind und in welchem Verhältnis sie zueinander stehen. Sofern sie das Seiende als Seiendes untersucht, spricht man von Ontologie bzw. Seinslehre.

Grundlegende Fragen wie etwa die nach der Bedeutung des Geldes lassen sich also auch nur beantworten, wenn wir Metaphysik zulassen, zumindest quasi als Wissenschaftskritik, als Kritik von Kategorienfehlern und Kategorienimperialismus.

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Werte heute, in der Gegenwart: BIP, Wachstum, Anteil Werktätiger, Bildungsniveau (vielmehr Aus-Bildungs-Belegs-Niveau), Prominenz, Identität durch "Swissness" oder andere Nationalität - in Abgrenzung von Ausländern, Einwanderern, Flüchtlingen, insbesondere Wirtschaftsflüchtlingen, Kriminalität - wir sind nicht so, wir wollen die nicht. Verlust einer als gemeinsam erstrebenswerten Ordnung und Zukunft anerkannten Modells

Römisches Kaiserreich > Christliche Kirche > Kaiserreich > 1000-jähriges Reich (hat bei weitem nicht so lange gehalten) > das Ende der Geschichte, also das "Ewige Reich" der Marktherrschaft.

Kategorien:

Freiheit, Preis, Menge, Qualität, Ort, (Bedingungen) (Gerechtigkeit) ((Gleichheit)) (Brüderlichkeit)

Freiheit als Kategorie? Da Kategorien Ordnung bezeichnen, ist Freiheit eigentlich der Ort ohne Kategorie. Gerade die Aufspaltung des Wissens wie der Wissenschaften in Natur- und Geisteswissenschaften zeigt, dass das Problem der "Kategorie Freiheit" noch weit von einer Lösung steht. Diese Unschärfe erlaubt einen um so leichteren Missbrauch, gerade für politische Propaganda.