1. Yemen: Photoreport on social forestry

    1. Das Problem der Bewirtschaftung arider Buschwälder 

    2. Strategische Empfehlungen für Umweltprojekte im tribalen Islamischen Raum

    3. Topik - eine archaische Forschungsmethode zur Erschliessung des Gemeinsinns.

  2. Ethiopia: Arba Gugu Mountain-Forests Somaliland's Forestry Potential

  3. Somaliland: Photoreport on Forestry

    1. Forestry and Woodland Management in Somaliland

    2. A short overview: Somaliland's Problems.

    3. Background: Environmental, social and political structures.

    4. A modular development programme

  4.  Tajikistan's Forestry Potential

Martin Herzog

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Lösungsansatz

A) Strategische Empfehlungen für Umweltprojekte im tribalen Islamischen Raum

Martin Herzog 1995

Es sind vier Faktoren welche die jemenitische Vernunft bestimmen: Natur, Kultur, Religion und Politik.

  • Natur: Die fehlende planerische und administrative Kapazität kann in Anbetracht der Unberechenbarkeit der Umweltfaktoren, speziell von Regen, nicht als Faulheit oder Irrationalität abgetan werden. Die Ökonomie, der Wohlstands und somit die Gesellschaft sind von diesen nicht zu beinflussenden Faktoren abhängig! Die Reaktion kann eigentlich nur ein gewisser Fatalismus sein. Die Lebenswelt strukturiert sich nach diesem kulturellen Hauptelement, das eine Gottesgabe ist: Regen bringt Segen!

  • Kultur und Geschichte: Im systemanalytischen Wortgebrauch ist Umwelt eine Ressource und damit nicht Teil des Systems! So ist auch die Meinung der lokalen Bevölkerung betreffend ihrer Umwelt. Sie ist ein Element, ein oft feindliches, dass es zu nutzen gilt:: Bäume jedoch fressen Land! Bäume haben keinen Sinn! Das Hauptelement der jemenitischen Agri-Kultur ist die Bewässerung und damit verbunden die Terrassen. Auf den Flächen deren Wasserablauf ("runoff") den Terrassen zugeführt wird stören Pflanzen! Der historische Ansatz zum Naturschutz, die heiligen Haine (hima), ist vorislamisch und lässt sich so kaum mehr kulturell integrieren. Ihr Nachfolger,  die mahjour sind meist Gebiete die wegen Rechtstreitigkeiten zu Niemandsland erklärt wurden. Die Vegetation darauf ist nur in wenigen Fällen geschützt (historische mahjour in Ibb und Dhamar). Der kulturell-pflegliche Umgang mit Bäumen beschränkt sich seit historischen Zeiten auf Fruchtbäume und Pflanzungen entlang von Gewässern und um Felder. Diese Form von "Agroforestry" existiert im Nahen und Mittleren Osten seit 5000 Jahren! Die Naturwälder dienten jedoch seit jeher (s. 1001 Nacht) als Krisenpuffer und Arbeitslosenversicherung.

  • Religion: Der Koran ist wie die meisten Religionen "umweltfreundlich" in dem Sinne, das es dem Menschen nicht ansteht zu zerstören, was Gott geschaffen hat. Er enthält zwar keine direkten Anweisungen - aber eine grosse Anzahl an Textstellen die sich in diese Richtung interpretieren lassen. Da er die Grundlage der jemenitischen Gesellschaft darstellt, sollte sich ein Forstgesetz darauf beziehen. Die sechs Fetwas die Qadi Zabara (der Oberrichter am Kassationshof) erstellt hat, folgen auf der nächsten Seite.

  • Stämme und Lokalpolitik: Die Jemeniten sind ausgeprägte Individualisten! Es gibt aber auch Menschen und Dörfer die Ihren eigenen Wald unter Schutz stellen, unter anderem auch Teile des Jebel Bura', des geplanten Nationalparks. Für diese Fälle galt es, analytische Motivforschung zu betreiben, die Bedingungen herauszufinden die zur Erhaltung dieser Wälder führte. In einer frühen Phase meiner Studien habe ich diese Arbeit als "Detektivsarbeit" bezeichnet. Wie der Detektiv nach Tatmotiv und Indizien sucht, suchten wir nach den Motiven die in einigen Fällen zur Unterschutzstellung von Wald geführt haben - ohne die geringste Beteiligung des Staates. Da dieser im ländlichen Raum nur wenig präsent ist, gilt es in Umweltbelangen die Stämme zu unterstützen! Die interessierten Gemeinden und Einzelpersonen, vor allem diejenigen welche Interesse und Wille durch Handlung bereits belegt haben. Vor der Schaffung neuer, instabiler und künstlicher Strukturen sollten die bestehenden sozialen Strukturen genutzt werden. Da die persönliche Bereicherung durch kommerzielle Nutzung der gemeinschaftlichen Flächen sozial nicht geschätzt wird, bietet sich auch hier eine Möglichkeit zur Regulierung.

     

    Partizipatives Forschen, Lernen und Arbeiten!

    Im angegangenen Problem, Bewirtschaftung und Schutz von Naturwald - in einer archaischen Gesellschaft, ohne traditionelle Nutzung welche Nachhaltigkeit garantiert - stehen wir vor der Aufgabe, eine neue Umgangsform mit der natürlichen Umwelt zu erschaffen. Wir müssen Kultur schaffen, Sylvi-Cultur. Das bedingt eine Bewusstseinsänderung, ja Sinnes-Änderung. Dazu brauchen wir erst einmal sinnvolle Argumente. Das sinnvolle Argument kann nicht einem Gedankenraum (Topos) entstammen, der bis anhin sinn-los (ma fish faidhe) war, wie etwa die technischen Inventardaten. Wir brauchen Argumente die in der bestehenden Situation und Gesellschaft Sinn haben - um neuen Sinn erschaffen zu können.

    Das Werkzeug dazu ist das Gespräch. Ein klassischer Topos vom Umgang mit Fremden lautet: "Wenn du in Rom bist, tu wie die Römer tun". Analog dazu die Empfehlung: In einer archaischen Gesellschaft verwende eine archaische Methode. Moderne und postmoderne Planungsmethoden sind hier funktionslose Artefakte, vergleichbar einer CRAY auf der Allmend. Die Fetwa (religiöse Rechtsauskunft) die Mufti Zabara, der oberste Kassationsrichter, am 29.7.93 erliess, fordert Regierung, Wissenschafter, Prediger und alle Arten Leute auf, sich für die Erhaltung von Bäumen einzusetzen:

    Unsere Frage: "Is it the duty of mosque's preachers to raise public awareness and make them familiar with the importance of tree conservation?

    Antwort: In the name of God.

    Tree conservation is the duty of the government, scientists, preachers and all classes of people, because the tree is of God creation, so he entrusted us with its conservation. It is of great use to moisture and one of rains causes and living necessities. ...

    Mufti of Yemen Republic

    Qadi Zabara [sign & stamp]

    Diese Fetwa (zusammen mit den 7 folgenden) könnte den die Grundlage (den § 24) des jemenitischen Forstgesetzes bilden. Die anderen betreffen:

  • Die Unterschutzstellung des Waldes von Bura, der für die nächsten Generationen zu erhalten ist.

  • Den Artenschutz.

  • Den Biotopschutz.

  • Der vom Naturschutzpark an den Verwalter (waqf, religiöse Stiftung) abzuliefernde Anteil vom Ertrag (2.5-10%).

  • Das generelle Recht für Unterschutzstellung, was ein "Ausnahmerecht" (Re-Interpretation) ist vom Koran, der Wasser, Weide und Feuer zum Allgemeinbesitz aller Muslime erklärt.

  • Unterstützung der Korporationswaldungen (Dorf/Stamm) durch den Staat.

  • Verpflichtung der Waldbenutzer zur Ersatzaufforstung.

    Diese Zuordnung einer gemeinschaftliche geteilten Pflicht, eine Aufforderung zum Dialog, tönt zwar sehr generell, ist aber überzeugender als § 14.3 des "Draft law on environment protection", der bis heute als Vorschlag bei der Weltbank besteht: "Any activity participate directly or indirectly in removing of trees, palm trees & plants shall be forbidden for the purpose to prevent the same to become desert." Abgesehen davon, dass das Gesetz in Arabisch wie Englisch katastrophal formuliert ist, ist es nicht anwendbar. 54% der vorwiegend ländlichen Bevölkerung des Jemen sammeln ihr Brennholz täglich auf dem Gemeindegebiet. Die Bevölkerung beträgt etwa 12 Millionen die sich auf 1.4 Millionen Haushalte, 24'000 Dörfer und eine Fläche von beinahe einer halben Million Quadratkilometer verteilen.  Ein typischer Vorschlag aus einem Entwicklungs-Elfenbeinturm der nicht im geringsten mit den lokalen Bedingungen kompatibel und somit undurchführbar ist, auf dessen Ratifizierung innerhalb des Gesetzes die Weltbank aber nach wie vor besteht! (Mai 1995!).

    Zabaras Aufforderung an die Regierung, die Wissenschaftler, die Prediger und alle Arten Leute gibt auch die Struktur einer Kampagne für Bewusstseinsbildung an:

    Ø Die Regierung soll koordinieren, ihre Berater mobilisieren, ins Feld senden um für die Natur einzutreten, die Bevölkerung mit Setzlingen versorgen und den Gemeinden beistehen im Schutz ihrer Gehölze.

    Ø Die Wissenschaftler sollen notwendige und mögliche Massnahmen ergründen und an Schulen lehren.

    Ø Die Prediger sollen die Natur ins Gespräch bringen, sie sollen an Moscheen und Schulen davon reden.

    Ø Die Massen haben Nutzung durch Pflege abzugelten. Sie sind durch Radio, Fernsehen, Zeitung und Aktionen wie dem Tag des Baumes zu erreichen.

     

    B.) Zwei entgegengesetze Lösungsstrategien: lokal - partizipativ versus staatlich-direktiv.

    Lieber Leser, stellen Sie Sich nun vor, Sie stehen als Entwicklungshelfer vor dieser Situation. Sie haben einen gewissen missionarischen Drang. Sie wollen etwas tun für den Wald und für die Gesellschaft. Schreiben Sie weitere Wirtschaftspläne fürs Archiv, mit Karten, Tabellen und Strukturen? allenfalls für die internationalen Organisationen, nicht aber für die Jemeniten von Interesse? Oder versuchen Sie erst einmal ganz generell herauszufinden, was man den tun könnte, welche Optionen bestehen, wo und wie man steuernd eingreifen könnte. Man, die Antwort auf das topische wer, ist das zentrale Element der sozialen Forstwirtschaft. Soziale Forstwirtschaft heisst sie eben darum, weil sich unter den gegebenen Bedingungen in erster Linie die Gesellschaft - und nicht der Staat - um den Wald kümmern muss. Es stehen sich also zwei sich ergänzende, aber doch diagonal entgegengesetzte Strategien für Entwicklungsprojekte gegenüber:

    A) Staatlich, "top-down, administrativ, instrumental-rational, institutionell-planerisch": Entwicklungsziele und Normen werden in hierarchische Organisation eingeben. Normen können binden angeordnet und verordnet werden. Das Sollen wird per Gesetz zum Müssen gemacht. Darum ist (kann) das Verfahren effizient (sein). Nationale Normen haben sich nach den internationalen Konventionen zu richten. Es ist der Traum vom "Grossen Wurf", der Traum der Weltbank und anderer internationaler Organisationen.

    B) Partizipativ, "grassroots, situationsbezogen, kommunikativ-rational, argumentativ": Die Kräfte müssen am Ort, wo Wirkung erforderlich ist, gebündelt werden. Die Interessen und Ziele müssen aus der Sicht der Betroffenen und in Zusammenarbeit mit ihnen fokussiert werden. Jeder Konsens muss durch Verständigung erarbeitet werden. Es ist das die Mühsal und Kleinarbeit des "lokalpolitischen Vorgehens" der Projekt- und Feldarbeit vor Ort.

    Die partizipativen Ansätze wurden z.T. sogar von der Weltbank entwickelt: "Putting People First". Die Methodik des RRA: "Rapid Rural Appraisal", weiterentwickelt zu PRA: "Participative Rural Appraisal" und als vorläufig letzte Variante PLA: "Participative Learning and Action" zeigt deutlich dass es um das selbe Ziel geht wie bei der topischen Analyse: "Fitting projects to people instead of fitting  people to projects." Obwohl die Komplementarität beider Ansätze unbestritten ist, entstehen durch die diagonal entgegengesetzten Ansätze eine Serie von "Übersetzungsproblemen". Diese dürften auch der Hauptgrund sein für die chronischen Differenzen zwischen "headquarter" und "field-staff".

    A) Das legalistische Verfahren fördert staatliche Strukturen und basiert auf dem Glauben an die effiziente Wirkung von formeller Planung. Ein Glaube an die politische Machbarkeit, der trotz zunehmendem Mangel an politischem Steuerpotential (früher Macht genannt) ungetrübt scheint. Sie haben Zweifel? Denken Sie etwa an die von der Mehrzahl der Politiker erwünschten Integration der Schweiz in Europa. Oder an die seit langem als Notwendig erkannte Begrenzung des Autoverkehrs, etwa durch die Erhöhung des Benzinpreises. Die Handlungsunfähigkeit (und zum Teil der Un-Willen) der Regierung in diesen Bereichen ist so überwältigend, dass sogar unserem Finanzminister kürzlich die Tränen kamen. Die EZ richtete in ihren Anfängen ihre Anstrengungen bereits einmal auf den Staat. Eigentlich müsste die Erinnerung daran noch wach sein. Und obwohl unsere eigene Forst-Wirtschaft zur Zeit  ent-wirtschaftet und re-strukturiert wird, da sogar in der Schweiz kein Geld mehr vorhanden ist, dient dieses Modell des staatlichen Forstdienstes immer noch als Vorbild für die Dritte Welt. >Nach zwei Dekaden "grassroots" kommt nun mit der Internationalisierung der Entwicklungshilfe wieder das alte Modell zum Vorschein. Fremde Denk- und somit politische Konzepte werden aufgedrängt (s. Ingrams S. . Entwicklungszusammenarbeit als Dialog wird ersetzt durch Administration, Buchhaltung und Technologietransfer.

    B) Das partizipative Verfahren versucht situationsbezogen das dörfliche Leben im Gespräch zu organisieren. Der Staat ist in der ländlichen Gegend ohnehin meist nicht vertreten, oder nur durch Polizei und Steuereintreiber. Umgekehrt sind auch die ländliche Bevölkerung, generell die zu Entwickelnden, die Armen, in den staatlichen Organisationen schlecht vertreten. So mag man die "Unverbindlichkeit" nicht ratifizierter Internationaler Konventionen bedauern - man kann es auch bleiben lassen. Denn wo es, wie das häufig der Fall ist, keinen bindenden Vertrag zwischen der Zentralregierung und der ländlichen Bevölkerung [1] ) gibt, sind damit auch alle internationalen Vorgaben obsolet. Umgekehrt sind lokale Ansätze zwar nicht so beeindruckend wie eine "internationale Konvention" - aber in gewisser Hinsicht wirkungsvoller. Es scheint mir auf jeden Fall nicht angebracht, diesen Ansatz als "Nostalgie" [2] ) zu bezeichnen. Wirksame Verwaltung, Bewirtschaftung und Sicherung von Wald kann nur durch die lokale Bevölkerung, durch die Interessierten, erfolgen. Denn dort, lokal, geschieht etwas, sei es nun positiv oder negativ. Alles was sich auf 'höheren Ebenen' abspielt, mag mehr Eindruck machen. Falls in dieser niedrigsten Ebene, bei den Handelnden, die Motivation fehlt, dann sind die grossen internationalen und nationalen Würfe Makulatur, unbedeutend, ob sie nur unterschrieben oder auch ratifiziert sind. Die Handlung ist entscheidend - und die geschieht im Wald. Es ist sicher so, das eine Einzelaktion, ein paar Bäume, ein Wäldchen, das vom Dorf unter Schutz gestellt wird, nicht sehr eindrücklich sind unter der "globalen Perspektive", dass sie kaum einen Beitrag zur Problemlösung bietet. Andererseits ist eine internationale Strategie, die sich weltweit auf politischer Ebene der Zustimmung erfreut - aber, da ihre "Botschaft" die Bevölkerung nicht erreicht, keinen Baum rettet, vielleicht doch eher noch weniger wert.  Politische Verbindlichkeit wird nur dann sinnvoll, oder wie die Engländer wörtlich sagen: macht nur dann Sinn, wenn sie Handlungsbereitschaft schaffen kann und Resultate erziehlt. Die wichtigsten Faktoren die einer effizienten institutionellen Verwaltung in der jemenitischen Gesellschaft entgegenstehen, sind schlussendlich die selben die die Effizienz unserer Regierung dämpfen. Es fehlt die Macht zur Durchsetzung - es fehlt der Wille zur Durchsetzung - es fehlt das Geld um Loyalität zu kaufen. Die Regierung, sogar eine Diktatur, ist bis zu einem gewissen Grad abhängig von der Akzeptanz der Bevölkerung. Wenn diese nicht mitmacht geht nichts. Weder archaisch noch postmodern. Das gemeinsame Problem ist das Mitmachen, die Beteiligung, die Partizipation Aktive Partizipation kann nur erfolgen, wenn das Problem bekannt (bewusst) und als Problem anerkannt (thematisiert und interessant) ist.  Es muss als bedeutend erachtet werden um Handlung zu bewirken. Last not least ist eine handlungswillige und handlungsfähige Gruppe erforderlich. Das Konzept "Global Denken - Lokal Handeln" mag eine Bedeutung haben für Bewohner moderner Staaten die sich als Bürger des "global village" verstehen. Die Probleme die an einer internationalen Konferenz verhandelt werden, sind um Welten vom Denken im Bauerndorf entfernt. Bereits für den internationalen Kongressteilnehmer ist ja, trotz anders lautender Rhetorik die Politik seines Herkunftslandes entscheidend. Und das gilt für Euroamerika genauso wie für Drittweltländer. Für die Dorfbewohner dürfte die globale Perspektive von noch geringerem Interesse sein als der nationale aussenpolitische Standpunkt zu diesen Fragen. Da es den Dorfbewohnern aber nicht um globale Probleme wie etwa das Ozonloch, Biodiversität oder ähnliches geht, sondern ganz lokal um den Wald, die Natur um das Dorf herum; da die Handlung nur in diesem kleinen Rahmen erfolgen kann, so muss auch lokal gedacht werden! ( - Womit wir wieder bei der Topik wären). Wo globale Anliegen lokale Handlung erfordern, müssen sie lokal thematisiert, verbindlich und gemeinsam gemacht werden. Sie müssen an kulturell verankerte, eventuell zu reinterpretierende, Konzepte angebunden werden. Was IK ("indigenous knowledge") für den Technologietransfer bedeutete (Ø angepasste Technolgie), bedeutet die Kenntnis des lokalen Weltbildes für die Einführung von neuen Denkkonzepten wie der nachhaltigen Bewirtschaftung der Umwelt. Denn bis anhin wird diese immer noch Ressource und nicht Bestandteil des kulturellen Systems angesehen. Erst wenn dieses neue Denkkonzept lokal denkfähig, sinn-voll und vernünftiger Argumentation zugänglich gemacht worden ist, dann kann der Multiplikatoreffekt einsetzen der beim legalistischen Vorgehen als Automatismus angenommen wird.< Strategische Empfehlungen für Umweltprojekte im tribalen islamischen Raum.

     

    Literatur:

    Aristoteles: Topik. Philosophische Bibliothek. Felix Meiner. Hamburg 1992.

    Bloch, E: Vorlesungen zur Philosophie der Renaissance. stw 252. Frankfurt a.M. 1972.

    Bormann, H.F; Kellert, St.R (E.): Ecology, Economics, Ethics: The Broken Circle. Yale Univ. Press New Haven & London.

    Breuer, D; Schanze, H (Hrsg.): Topik. Beiträge zur interdisziplinären Diskussion. Wilhelm Fink Verlag. München 1981.  

    Buber, M:: Das dialogische Prinzip. Lambert Schneider. Heidelberg 1979.

    Gadamer: Wahrheit und Methode I. & II. Mohr. Tübingen 1986/93.

    Glaeser, B; Teherani-Krönner, P: Humanökologie und Kulturökologie. Grundlagen. Ansätze. Praxis. Westdeutscher Verlag. Opladen 1992.

    Goff: Der Intellektuelle im Mittelalter. Klett-Cotta. Stuttgart 1986.

    Herzog: Versch. Reporte u. Berichte, FAO Forestry Developement Project. GCP,YEM,015,SWI. 1988-1993. In Bearbeitung: Strategies for Woodland Management and Protection in Yemen.

    Husaini S.W.A.: Islamic Environmental Systems Engineering. Macmillan, London 1980.

    Hussain, N.S: Die Erkenntnis und das Heilige. Eugen Diederichs Verlag. 

    Ingrams: Arabia and the Isles. Murray & Murray. London 1966.

    Jaspers: Von der Wahrheit. R. Piper & Co. München 1983.

    Kocka, J (Hrsg): Interdisziplinarität. Praxis-Herausforderung-Ideologie. Suhrkamp Taschenbuch Wissenschaft 671. Frankfurt a.M. 1987.

    Kutschera: Grundfragen der Erkenntnistheorie. Walter de Gruyter. Berlin, New York 1982.

    Nasr, S.H: Knowledge and the Sacred. Edinburgh: Edinburg University Press. 1981.             

    Schregenberger, H.W: Die Zukunft beginnt im Kopf. Wissenschaft und Technik für die Gesellschaft von Morgen. GEP/vdf Zürich 1994.

    Steiner & Nauser: Human Ecology. Routledge 1993.

    Zwicky,F: Morphologische Forschung. Wesen und Wandel materieller und geistiger struktureller Zusammenhänge. Glarus. Baeschlin 2. Auflage. 1989.



        [1]) Erinnern wir uns: Für die islamische Welt besteht keine Trennung zwischen Religion und Staat; keine Überlegenheit der  wissenschaftlichen Wahrheit über die göttliche. Der gesellschaftliche Zusammenhalt besteht nicht aufgrund eines "contrât social", sondern ist religiöse Gemeinschaft. 

        [2]Schneider/Sorg in SZF No 2, Febr. 1995.