Geld ist nicht einfach Teufelszeug – solange man es nicht vergöttert und zum Selbstzweck macht. Geld die Entwicklung der Wirtschaft und damit der Gesellschaft lenken. Daraus entspringt eigentlich eine gewaltige Verantwortung für Investoren. Im Bereich sozial-ethische Investitionen bewegt sich zur Zeit einiges. Freiwirtschaftliches Gedankengut kann hier befruchtend wirken und kann auch selbst bereichert und erneuert werden.
Martin Herzog
Nicht nur FreiwirtschafterInnen machen
sich sorgen um die wirtschaftliche und gesellschaftliche Entwicklung die durch
den Zins erzwungen wird. „Investieren
statt spekulieren“ ist eigentlich der Leitsatz der Alternativen Bank [i].
Und das Motto „Neue Noten
braucht das Geld“, so freiwirtschaftlich es tönen mag, ist das Motto der
Fastenkampagne die von Brot für alle, Fastenopfer und „Partner
sein“ am 4. März 2001 gemeinsam gestartet wird. [ii]
Doch auch aus der religiösen Perspektive ist Geld ist nicht einfach per se des Teufels. Im Gleichnis vom getreuen Verwalter wird derjenige gelobt, der das Geld, das damals wirklich noch Talent hiess, nicht eingegraben, sondern zu treuen Händen angelegt und gemehrt hat. Ein Freiwirtschafter also.
Astrid Rotner-Sigrist sagt zu
recht: „Geld kann Sicherheit geben – deshalb brauchen Arme Geld. Geld
kann Leben retten. Geld kann Leben, Gemeinschaft und Kultur fördern – aber
auch all das zerstören. Deshalb ist
es wichtig die Finanzströme auf ihre lebensfördernde oder lebenszerstörende
Wirkung hin zu prüfen.“ Wer verstünde dieses Anliegen besser als die
Freiwirtschafter. Fast ärgert es mich ein wenig, dass die Kampagne nicht aus
unseren Kreisen entstand! Für die Freiwirtschaft ist Geld Tauschmittel - und
damit weder Ware noch Zweck. Wenn Geld vom Mittel zum Zweck wird hat dies nicht
nur üble Auswirkungen auf den Geldumlauf, sondern vor allem auf die
Gesellschaft. Offenbar kritisierte bereits der Prophet Amos, dass Pachtzinse und
Kornsteuer zu hoch seien, Jesaja rügte die Konzentration des Grundbesitzes bei
den wenigen Reichen im Land, Jeremia wetterte gegen König Jojakim der sich eine
prunkvolle Villa baute aber miserable Löhne bezahlte. Der Schluss den die
Propheten zogen gilt heute genauso: Eine Gesellschaft in der solche
Ungerechtigkeit herrscht hat keinen Bestand. Geld sollte in erster Linie
dazu dienen, den Kreislauf von Produktion, Handel und Konsum zu erleichtern.
Sein Missbrauch als Machtmittel stört diesen Kreislauf genau so wie sein
Gebrauch als Handelsgut oder seine Verehrung, ja beinahe Vergötterung, als
Lebensziel. Der Satz von Luther verdeutlicht letzteres: „Woran dein Herz
hängt, das ist dein Gott“. Freundschaft, Liebe und Weisheit
lassen sich nicht mit Geld kaufen.
Während in der Schweiz die Löhne zwischen 1992 und 97 stagnierten, stiegen die Unternehmensgewinne jährlich um 14.5% an. Die damit steigenden Dividenden wie Aktienkurse machten die Börse, vor allem diejenige der USA, zunehmend attraktiver. Problematisch daran ist nicht nur, dass das Geld mit dem an der Börse gespielt wird auf dem Finanzmarkt für reelle Investitionen fehlt, stossend daran ist vor allem auch, dass Kursgewinne nicht versteuert werden. Der durchschnittliche Aktienbesitz beträgt in der Schweiz 60'000 Fr. (25'000 als Anlagen der Pensionskassen und Lebensversicherungen). Die Verteilung ist allerdings sehr ungleich.
Die Fastenkampagne bemerkt hierzu sehr
treffend: Es ist absurd, wenn sich die Pensionskassengelder der arbeitenden
Bevölkerung gegen deren eigene Interessen wenden. Sie bietet auch eine Lösung:
An der Börse wird jeden Tag abgestimmt. Wir dürfen das Geschehen nicht
durch Stimmabstinenz einer Minderheit überlassen. Aktionäre sollten
nicht nur für die Rendite Verantwortung übernehmen, sondern auch für
soziale Aspekte und die Umwelt. Gregor des Grossen kurze aber träfe und ethisch
fundierte Berufsberatung macht auch bewusst, dass diese Verantwortung bereits
die Wahl der beruflichen Laufbahn mitbestimmt: „Wem also Einsicht verliehen
ist, der verwende sie zur nutzbringenden Unterweisung, wer Reichtum erhalten
hat, sehe zu, dass er mit der Wohltätigkeit nicht säume; wer in praktischen
Dingen Erfahrung und Übung besitzt, verwende sein Können zum Besten der
Mitmenschen.“
Gerade die Pensionskassen hätten hier
eine grosse Aufgabe die Stimmrechte der arbeitenden Bevölkerung wahrzunehmen,
die Geschäftspolitik zu beeinflussen und die Verantwortung für die
wirtschaftliche Entwicklung mit zu tragen. Weitere wirtschaftspolitische
Massnahmen die in diesem Sinne wirksam währen und die es also politisch zu
unterstützen gälte, wäre eine bessere Lenkung des Geldhandels durch die Tobin-Tax
sowie die Einführung einer Kapitalgewinnsteuer. Dies und einiges mehr
wird sehr aktiv von attac (Association
pour une Taxation
des Transactions financières pour l'Aide aux Citoyens)
verfolgt [http://www.attac.org/].
Fastenopfer bleibt dabei aber realistisch: „Es wäre jedoch naiv zu glauben, mit solchen Geldanlagen hätten wir jetzt das Patentrezept für die nachhaltige Entwicklung gefunden. Politisches Handeln, kritische Fragen zu den Angeboten und direkter Einfluss auf die Unternehmen sind weiterhin nötig.“ Die soziale Bewertung von Firmen steht auch erst am Anfang. Ethische Geldanlagen sind sicher kein Umsturz des Geldsystems - aber, mit den Worten von EvB/WWF: Gegenüber Institutionen, die nichts mit Ethik am Hut haben, sind Anlagen bei Alternativbanken und Ökofonds allemal vorzuziehen. Oder, wie man es im Sinne der Zeitschrift die Sie gerade in den Händen halten, formulieren könnte: Lieber eine evolutive Entwicklung als gar keine.
Alternative Bank (ABS)
Wirtschaften soll in erster Linie der Befriedigung menschlicher Grundbedürfnisse dienen, denn die natürliche Umwelt ist zu erhalten. Die Bank arbeitet nicht nach dem Prinzip Profitmaximierung sondern Kostendeckung. Probleme sind, was auch die gleichberechtigte Beteiligung von Männern und Frauen betrifft, solidarisch zu lösen.
Es werden kreative und innovative Projekte gefördert zur Herstellung von mensch- und umweltfreundlichen Produkten, Verkehr und Betrieben, zum sozialen und ökologischen Bauen sowie in Bildung, Kultur und Medien. Auch Projekte die bei „normalen“ Banken keine Chance haben wie Dritte Welt Projekte, Friedensprojekte, Frauenprojekte und generell soziale Projekte können bei der ABS Kredite beantragen. Mehr dazu unter www.abs.ch
Die Freie Gemeinschaftsbank (BCL) setzt sich ein für ein sozial und ökologisch verantwortbares Wirtschaften. Sie schafft ebenfalls kostendeckend und nicht gewinnmaximierend. Geld soll der Entwicklung des Menschen dienen und nicht Ware oder Spekulationsobjekt sein – ein mit der Freiwirtschaft absolut kompatibles Ziel also!
Mehr unter www.gemeinschaftsbank.ch
Oikocredit (ecumenical development cooperative society)
will sozialethische und ökologische Werte mit Gewinnoptimierung für Anleger
verbinden. Sie unterstützt nichtprofitorientierte Projekte, in erster Linie
Selbsthilfeprojekte, und spricht Kredite für Unternehmen die Armen gehören und
von diesen betrieben werden. Ihre wichtigsten Kriterien sind die Förderung
kooperativer Strukturen, die Verbesserung der Situation der Frauen, die
Breitenwirkung des unterstützten Projektes und dessen ökologische
Auswirkungen. Betriebe die Kredite suchen müssen lebensfähig sein und über
ein fähiges Management und technische Führung verfügen. Mehr unter www.oikokredit.org
Die Leitprinzipien von Care Invest sind sozial verantwortliches Handeln, Fairness und Nachhaltigkeit. Investitionen erfolgen nicht nur aufgrund der Interessen der Aktionäre sondern auch der MitarbeiterInnen, der Gemeinden, Umwelt, Kunden und Lieferanten. Wichtigste Kriterien für die Kreditvergabe sind Arbeitsplatzsicherheit, Umweltmanagement und die Anerkennung der Menschenrechte, von Beziehungen zu Gewerkschaften, der Selbstbestimmung wie auch, als Gegensatz zum MAI (multilateral agreement on investments), der Respekt vor lokalen Umwelt- und Arbeitsbestimmungen. Es werden keine Betriebe unterstützt die nicht-sozialpflichtige Arbeitsverträge anwenden (Arbeit auf Abruf z.B.), Rüstungsgüter oder Atomenergie erzeugen. Mehr dazu unter http://careinvest.ch (inzwischen deaktiviert)
Care Invest bedient sich bei der Kreditvergabe auch der Analysen folgender Institutionen:
IMUG (Institut für Markt, Umwelt und Gesellschaft)
http://home.t-online.de/home/imug.hannover/institut.htm (inzwischen deaktiviert)
IRRC
(Investor Responsibility
Research Center) http://www.irrc.org/
Social
Investment Forum http://www.socialinvest.org/
SVN (Social Venture Network)
Weitere Institutionen die Auskunft über derartige Investitionen geben könnten sind zu finden unter: http://www.agenturcafe.de/online-guides/123_9487.htm (inzwischen deaktiviert) oder beim Verein kritischer Aktionäre: ACTARES (info@velobuero.ch), sowie Ethos (www.ethosfund.ch).
Ziel der Sustainable Performance Group ist es, von der vorherrschenden eindimensionalen Orientierung an der Performance zu einer Optimierung zu kommen, die neben dem ökonomischen auch das ökologische und gesellschaftliche Wertsteigerungspotential berücksichtigt. SPG stützt sich dabei vor allem auf die Forschung der SAM Sustainability Group http://www.sam-group.com/d/main.cfm, die den „Nachhaltigkeits-DowJones“ entwickelt hat: „In Kooperation mit Dow Jones & Company hat SAM die erste Reihe globaler Sustainability Indizes lanciert. Die Dow Jones Sustainability Group Indizes (DJSGI) messen die Kursentwicklung der weltweit führenden Sustainability Unternehmen. Sie umfassen die besten 10% der Unternehmen, die in ihrer Branche in bezug auf ökonomische, ökologische und soziale Kriterien eine Spitzenposition einnehmen. Die DJSGI dienen damit als Basis für Finanzprodukte und Derivative mit Fokus auf Sustainability. Sie bieten darüber hinaus professionelle und transparente Benchmarks für das steigende Volumen von Sustainability Investments.“ Mehr zu SPG unter www.sustainable.ch
Im Bereich ethischer und ökologischer Anlagen bewegt sich zur Zeit einiges. Die hier aufgeführten Institutionen sind also nur eine Auswahl, die Liste ist bei weitem nicht vollständig. Falls Sie Geld anlegen können und dies sozial, ethisch und umweltbewusst tun wollen, erkundigen Sie Sich auch bei Reifeisen und Kantonalbanken. Die Kantonalbanken Basellandschaft und Zürich etwas sind bekannt dafür, dass sie in ihrer jeweiligen Regi[i] Ethisch-ökologische Geldanlagen in der Schweiz. Einführung, Handlungsvorschläge und Markübersicht. EvB und WWF Schweiz. 6/2000
[ii] Astrid Rotner-Sigrists sehr informativer und ansprechender Text ist erhältlich als pdf-download unter www.fastenopfer.ch/d/kam/kam_gru.html (inzwischen deaktiviert).