Was sagt die Bibel zum Zins

 

Zins hat schnelle Füsse, er läuft, eh man sich umsieht.

Sprichwort

Eine Kompilation von Bibelzitaten aus dem Wachtturm, die ein Mitglied der Zeugen Jehovas verdankenswerterweise für die evolution zusammengestellt hat. Die Zitate zeigen, dass Zins nicht einfach des Teufels ist. Es geht bei Zinsverboten vor allem darum, Ausnutzung zu verhindern und es geht um eine gerechte Verteilung des mittels Investition geschaffenen Gewinnes, des Mehrwerts.

Zins *w91 15.10. 27 - Vorsichtige Verleiher

Was ist, wenn man dich um einen Kredit bittet? Viel wird von den näheren Umständen abhängen. Ein Mitchrist ist womöglich ohne eigenes Verschulden finanziell ruiniert. Christliche Liebe wird dich drängen, ihm ‘das für seinen Körper Notwendige‘ zu geben, wenn du die Mittel dazu hast (Jakobus 2:15, 16).

Wie lieblos wäre es doch, die mißliche Lage eines Bruders auszunutzen und in einem solchen Fall Zinsen zu fordern! Jesus sagte mahnend: “Fahrt fort, eure Feinde zu lieben und Gutes zu tun und ohne Zins zu leihen, ohne etwas zurückzuerhoffen“ (Lukas 6:35; vergleiche 3. Mose 25:35-38).

Was aber, wenn man dich bittet, lediglich ein geschäftliches Unternehmen zu finanzieren oder für ein Darlehen Sicherheit zu leisten? Im allgemeinen sollte man solche Angelegenheiten am besten wie eine Kapitalanlage betrachten. Die Bibel mahnt zur Vorsicht mit den Worten: ‘Begib dich nicht unter die, die Handschlag geben, unter die, die für Darlehen Bürge werden“ (Sprüche 22:26).

Deshalb solltest du zuerst feststellen, ob du dir die Anlage wirklich leisten kannst. Bedeutet es deinen finanziellen Ruin, wenn das Geschäft scheitert oder der Borgende das Darlehen nicht fristgerecht zurückzahlen kann? Sofern du es dir leisten kannst, das Darlehen zu geben, und damit Gewinn erzielt werden soll, hast du auch das Recht auf einen Anteil daran, indem du einen vernünftigen Zins auf das Darlehen_erhebst. (Vergleiche

-            Lukas 19:22, 23.) In Sprüche 14:15 heißt es warnend:

Ein Unerfahrener glaubt jedem Wort, aber der Kluge achtet auf seine Schritte.“ Einige Brüder - sonst kluge Geschäftsleute - haben bei geschäftlichen Abmachungen mit Glaubensbrüdern keine Vorsicht walten lassen. Durch verlockend hohe Zinsangebote haben sich wieder andere zu leichtsinnigen Geldanlagen verleiten lassen, bei denen sie nicht nur ihr Geld, sondern auch die Freundschaft von Mitchristen eingebüßt haben. 

*w89 15. 9. 29 - “Sein Geld hat er nicht auf Zins ausgegeben“

Für geliehenes Geld, das geschäftlichen Zwecken dient, können zu Recht Zinsen gefordert werden. David sprach hier jedoch davon, Geld an einen Verarmten auszugeben‘. Im mosaischen Gesetz hieß es dazu im einzelnen: ‘Wenn du meinem Volk Geld leihen solltest, dem Niedergedrückten neben dir, sollst du ihm gegenüber nicht wie ein Wucherer werden. Ihr sollt ihm keinen Zins auferlegen“ (2. Mose 22:25;‘ S. Mose 25:35, 36). Als Nehemia feststellte, daß die Armen litten, weil sie Wucherern zum Opfer gefallen waren, machte er solcher Ausbeutung ein Ende (Nehemiia 5:1-13).

Das von David gebrauchte hebräische Wort für “Zins“ ist von einem Wort abgeleitet, das “beißen“ bedeutet. Das spielt darauf an, daß habgierige Wucherer die Armen und das wenige, was sie haben, verzehren. Es ist auf jeden Fall viel besser, den Verarmten zu helfen, ohne etwas zurückzuerwarten. Darauf wies Jesus hin, als er sagte: ‘Wenn du ein Mittag- oder ein Abendessen veranstaltest, ... so lade Arme, Krüppel, Lahme, Blinde ein, und du wirst glücklich sein, weil sie nichts haben, dir zu vergelten. Denn es wird dir in der Auferstehung der Gerechten vergolten werden“ (Lukas 14:12-1 4). Jemand, der Gottes Freund und Gast sein möchte, darf aus der Armut seines Nächsten niemals auf unangebrachte Weise Kapital schlagen. Ebensowenig darf er das tun, was der Psalmist als nächstes erwähnt.

*w82 1. 11. 28-9 - Geldverleihen und christliche Liebe

Vor einiger Zeit wurde die Tochter eines Farmers schwer krank. Sie benötigte unbedingt eine ärztliche Behandlung, doch der Farmer war arm und konnte sich keinen Arzt leisten. In dem Ort, wo sie wohnten, gab es - wie in den meisten Ortschaften dieses Landes - einen Geldverleiher, der auf der Basis sechs zu fünf arbeitete. Das heißt, wenn man sich fünf Dollar leiht, muß man im nächsten Monat sechs zurückzahlen. Dieser Geldverleiher stellte dem Farmer das notwendige Bargeld sofort zur Verfügung, doch dieser mußte natürlich im darauffolgenden Monat mit der Zahlung der Zinsen beginnen.

Was hältst du von einem solchen Übereinkommen?

Wäre es richtig, wenn ein Christ unter diesen Umständen Geld auf Zins verleihen würde?

Der Apostel Johannes wies seine Mitchristen an, nicht ‘die Tür ihrer Gefühle innigen Erbarmens‘ vor ihren bedürftigen Brüdern ‘zu verschließen‘ (1. _ Johannes 3:17). Und in dem Gesetz, das die Israeliten von Gott erhalten hatten, hieß es ausdrücklich: “Du [sollst] dein Herz nicht verhärten noch die Hand gegenüber deinem armen Bruder verschlossen halten. Denn freigebig solltest du deine Hand für ihn auftun und ihm auf alle Fälle auf Pfand leihen, so viel, wie er von dem benötigt, an dem er Mangel hat“ (5. Mose 15:7, 8).

Der Geldverleiher handelte daher insofern richtig, als er das für die Behandlung des kranken Mädchens erforderliche Geld zur Verfügung stellte. Es erhielt so wenigstens die medizinische Behandlung, die es benötigte. Doch in dem Gesetz, das das Volk Israel erhalten hatte, kam noch ein weiterer Gesichtspunkt zur Geltung: ‘Wenn du meinem Volk Geld leihen solltest, dem Niedergedrückten neben dir, sollst du ihm gegenüber nicht wie ein Wucherer werden. Ihr sollt ihm keinen Zins auferlegen“ (2. Mose 22:25). Warum durften die Juden untereinander kein Geld auf Zins verleihen?

Denken wir daran, daß die meisten Juden ursprünglich keine Geschäftsleute, sondern Landwirte waren. Bat ein Landwirt, der auf dem Grund und Boden seiner Vorfahren arbeitete, um eine Leihgabe, so geschah dies höchstwahrscheinlich deshalb, weil er in Not geraten war. Im mosaischen Gesetz wurde stillschweigend vorausgesetzt, daß es sich bei demjenigen, der sich etwas lieh, um einen “Niedergedrückten“ handelte. Vielleicht hatte er einen Unfall oder eine Mißernte gehabt, oder er benötigte aus irgendeinem anderen Grund Geld, um sich bis zur nächsten Ernte über Wasser zu halten. Unter solchen Umständen Zins zu fordern hätte bedeutet, aus dem Notstand eines Bruders Gewinn zu schlagen. Das wäre kein Zeichen von Liebe gewesen, und den Israeliten war geboten worden: “Du sollst deinen Mitmenschen lieben wie dich selbst“ (3. Mose 19:18).

Christen stehen heute zwar nicht mehr unter diesem Gesetz, doch sind sie verpflichtet, einander zu lieben. Jesus sagte: “Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst“ (Matthäus 22:39). Ein Christ sollte demnach auch nicht den Wunsch haben, die Notlage seines Bruders auszunutzen, indem er für das Geld, das sein Bruder von ihm als Leihgabe erbittet, Zinsen fordert.

Tatsache ist, daß Christen in schwierigen Zeiten einander nicht nur mit Leihgaben helfen. Sie machen auch Geschenke. Im ersten Jahrhundert wurden Paulus und Barnabas beauftragt, Spenden von Christen in Kleinasien zu ihren Brüdern in Judäa zu bringen, die unter einer Hungersnot litten (Apostelgeschichte 11:29, 30). Wenn sich heute ein Unglück ereignet, senden Christen ebenfalls Geschenke zur Unterstützung ihrer Brüder.

Im gleichen Sinne mahnte Jesus: ‘Wende dich nicht von dem ab, der zinslos von dir borgen will“ (Matthäus 5:42). Daher betrachtet ein Christ die Schwierigkeiten, in denen sich sein Bruder vorübergehend befindet, als eine Gelegenheit, ihm Liebe zu erweisen. Er sollte soweit wie möglich Hilfe leisten und sogar Geschenke machen oder zinslos Geld verleihen. Hätte sich der zu Beginn erwähnte Geldverleiher an christliche Grundsätze gehalten, so hätte er die Sache zweifellos ebenso betrachtet.

*w82 1. 11. 29-30 - Auf Zins verleihen

Ist es in jedem Fall lieblos, Zinsen zu verlängern? Nicht unbedingt. Die Juden sollten bemerkenswerterweise nur von Mitisraeliten keine Zinsen nehmen, doch im Falle von Fremden war es anders. Im Gesetz hieß es:

Du kannst einen Ausländer Zins zahlen lassen“ (5. Mose 23:20). Warum dieser Unterschied? Weil ein Ausländer, der sich in Israel aufhielt, wahrscheinlich ein Geschäftsmann war und der ausgeliehene Betrag geschäftlichen Zwecken diente. Somit war es nur recht und billig, daß der Geldverleiher an dem zu erwartenden Profit teilhatte, und das konnte er dadurch, daß er Zinsen verlangte.

Jesus hatte gegen die Gepflogenheit, Geld auf Zins zu verleihen, nichts einzuwenden. Das geht aus einem seiner Gleichnisse hervor, das von einem gewissen Menschen von vornehmer Geburt handelt, der für eine bestimmte Zeit verreiste und seinen Sklaven Geld zurückließ. Nach seiner Rückkehr rief er sie zu sich, um abzurechnen. Er stellte fest, daß die meisten der Sklaven das Geld angelegt und Gewinn erzielt hatten. Diese wurden gelobt. Ein Sklave jedoch hatte das Geld nicht angelegt und hatte daher auch keinen Gewinn vorzuweisen. Er hatte es nicht einmal einer Bank übergeben (es ihr gewissermaßen zum Geschäftemachen geliehen), damit es Zinsen tragen könnte. Dieser Sklave wurde von seinem Herrn gerügt (Lukas 19:11-24).

Wie verhält es sich heute? Zwei Christinnen trafen eine geschäftliche Vereinbarung. Die eine lieh der anderen jeden Tag Geld im Werte von 20 Dollar. Die Borgende kaufte damit Lebensmittel und verkaufte sie wieder auf dem Markt. Am Ende des Tages hatte sie etwa 25 Dollar. Davon gab sie 21 Dollar an die Verleiherin zurück und behielt für sich vier Dollar. In jenem Land ist ein Tagelohn von vier Dollar nichts Ungewöhnliches.

In einem anderen Teil der Welt hatte ein Christ einen Familienbetrieb. Er wußte, daß sein Geschäft aufgrund der fortschreitenden Technologie bald veraltet sein würde, doch bot sich ihm die Möglichkeit, in eine andere Branche überzuwechseln. Das einzige Problem bestand darin, daß er dafür mehr Geld benötigte. Er borgte es sich von einem Mitchristen und versprach, monatlich einen bestimmten Betrag an Zinsen zu bezahlen.

Widersprach eines dieser Abkommen dem Geist des Gesetzes, das Gott den lsraeliten gegeben hatte und das von ihnen forderte, untereinander keine Zinsen zu verlangen? Keineswegs. Wenn jemand nicht wirklich in Not ist, sondern beispielsweise aus geschäftlichen Gründen Geld leihen möchte, gibt es keinen Grund, weshalb der Verleiher einen zinslosen Kredit geben sollte. Wie hoch sollten die Zinsen sein? Das wird u. a. von der Art des Kredits, von den getroffenen Vereinbarungen und vom Gesetz des Landes abhängen. Im Falle der ersten erwähnten Vereinbarung mögen 5 Prozent Zinsen pro Tag ziemlich hoch erscheinen. Doch die Person, die sich das Geld lieh, verdiente damit 25 Prozent und trat gern einen Teil davon an die Verleiherin ab.

Sollten natürlich später Probleme auftreten, so wäre es offensichtlich nicht vernünftig, wenn der Schuldner sich darüber beklagen würde, daß die Zinsen zu hoch seien, da er ursprünglich bereitwillig und freiwillig der Vereinbarung zugestimmt hatte. Daher sollte man, wie bereits erwähnt, die Kreditbedingungen schriftlich festhalten, um spätere Mißverständnisse auszuschließen.

*g828. 3.6-

*im 16. Jahrhundert begann die Reformation. Es wäre übertrieben, zu sagen, daß die Reformation für die Entstehung des Kapitalismus verantwortlich sei, doch durch sie wurden Gedanken freigesetzt, die seine Entwicklung entschieden förderten. Der Kalvinismus beispielsweise kannte kein “Zinsverbot“, er befreite also die Darlehensgeber, die Zins verlangten, von dem Stigma, ‘Wucher“ zu treiben. Ferner stimulierten gewisse protestantische Glaubenssätze den Willen des einzelnen, durch harte Arbeit zum Erfolg zu kommen und damit zu den “Auserwählten“ zu gehören. Geschäftlicher Erfolg galt als ein Zeichen des Segens Gottes. Der sich daraus ergebende Reichtum stand als “Kapital“ zur Investition in eigene geschäftliche Unternehmungen oder die eines anderen zur Verfügung. Die Ethik des Protestantismus, daß man fleißig und sparsam sein sollte, trug somit zur Entwicklung des Kapitalismus bei.                                                              11’900