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Das Gehirn und der Geist:

Kybernetik des Geistes II: Männliches und weibliches Denken

[Louann Brizendine: Das weibliche Gehirn. Warum Frauen anders sind als Männer. Goldmann. München. 2008
Richard David Precht: Wer bin ich? Und wenn ja, wie viele? Goldmann. München. 2007]

[WARNUNG: Wer betr. Liebe noch romantische Gefühle hat, sollte um diesen Artikel einen grossen Bogen machen!]

Das Gehirn ist ein neuronales Netz, das ganze Bereiche ausschalten oder aufbauen kann, und in dem die Neuronen fortlaufend trainiert werden, also Reaktionen quasi verdratet werden. Dieses Training geschieht per Zuckerbrot und Peitsche, die über Hormone verabreicht wird. Im Normalfall führen Glücksgefühle dazu, eine Reaktion positiv zu bewerten, während Stress ... eher dazu führt, diesen Reiz zukünftig zu vermeiden. Es passiert nun allerdings häufiger als man das gerne denken würde, dass die Reaktion genau verkehrt läuft, also Strafe angenehm empfunden wird, Leid positiv, Schmerz als Lust. Dies ist der typische Fall der Neurose.

Störungen, also Fehlschaltungen, werden also sehr wohl Unbewusste vollzogen. Die Ursache für solche Fehlprägungen liegt allerdings nicht so sehr in "schmutzigen" und verdrängten Dingen, also Oedipus, kindliche Traumata, sondern hauptsächlich an der ganz normalen Umwandlung von Sinneserfahrungen in hormonelle Wertungsstrukturen. Was mir gut tat, wird weiterhin gut tun - und ist zu fördern; was weh tat, tut vermutlich weiterhin weh - und ist zu meiden. Es besteht also guter Grund, die Psychoanalyse aus dem Sumpf der Verdrängung herauszuholen und in eine ganz normale Geistesanalyse (in einer chaotischen Welt) ganz normal entstandener Denk- und vor allem Wertungsmuste zu wandeln. .

Für das abstrakte, objektive Denken müssten nun eben Werte die Lenkende Funktion der Hormone ersetzen. Am besten gelungen ist dies allerdings bis heute dem Geld.

Reelle physische Unterschiede zwischen männlichem und weiblichem Gehirn:

 

Unterschiede in Gehirnstruktur und Hormonhaushalt zwischen Männern und Frauen

  1. Cortex cingularis anterior: Wägt ab, trifft Entscheidungen. Sorgen-zentrum. Bei Frauen grösser als bei Männern. Besorgnis, kritisches Denken, erzeugt negative Gedanken über den Verlust der geliebten Person. Männer begehen in dieser Situation 4 x häufiger Selbstmord als Frauen, Frauen reagieren häufiger mit Depressionen, können nicht essen, schlafen, sich konzentrieren; sie weinen häufig und ziehen sich von gesellschaftlichen Aktivitäten zurück und ... denken an Selbstmord.
  2. Präfrontaler Cortex: Herrscher über die Gefühle, bremst die gefühlsmässigen Bewertungen aus der Amygdala (6). Der präfrontale Cortex empfängt die verarbeiteten sensorischen Signale, integriert sie mit Gedächtnisinhalten und aus dem limbischen System stammenden emotionalen Bewertungen und initiiert auf dieser Basis Handlungen. Er wird als oberstes Kontrollzentrum für eine situationsangemessene Handlungssteuerung angesehen und ist gleichzeitig intensiv an der Regulation emotionaler Prozesse beteiligt. [wiki] Er ist bei Frauen grösser und bereits 2 Jahre früher entwickelt als bei Männern.
  3. Insula: Zentrum für Verarbeitung des Bauchgefühls. Bei Frauen grösser und aktiver.
  4. Hypothalamus: Dirigent der Hormone. Regt Geschlechtsdrüsen an. Ebenfalls bei Frauen früher entwickelt.
  5. Amygdala: Hort der Instinkte, die nur vom präfrontalen Kortex im Zaum gehalten werden können. Bei Männern grösser. Steht in dauerndem Dialog mit der Grosshirnrinde, die für rationalen Ausgleich sorgt. Hier läuft der interne Dialog ab, den wir als Reflexion bezeichnen, wenn er bewusst wird.Nucleus praeopticus medialis bei Männern stärker ausgebildet als bei Frauen. Spielt eine grosse Rolle beim Agressionsverhalten wie bei der Sexualität
  6. Hypophyse: Produziert Hormone für die Fruchtbarkeit, Milchproduktion und Brutpflegeverhalten. Aktivierung des Muttergehirns.
  7. Hippocampus: Der Elefant, der einen Streit, eine romantische Begegnung oder einen zärtlichen Augenblick nie vergisst. Bei Frauen grösser und aktiver. Wenn Man(n) also den Eindruck hat, Frauen seien nachtragender ...

    Nucleus praeopticus medialis bei Männern stärker ausgebildet als bei Frauen. Spielt eine grosse Rolle beim Agressionsverhalten wie bei der Sexualität

Unterschiede der hormonellen Steuerung.

Die endogenen Zuckerbrote und Peitschen der Selbst-Dressur des Menschen

> s. auch: Unterschiede im männlichen und weiblichen Gehirn

Männer müssen von Frauen oft hören, Gefühle seien wichig, nicht Wissen, Fakten, Rationalität, rationelles Denken. Aus folgendem erklärt sich, wie das gemeint ist, und wie weit es ernst genommen werden kann, also wie weit Männer sich darauf überhaupt einlassen KOENNEN:

Der weibliche Gefühlsdetektor

Brinzendine erklärt die weibliche "Intuition" betr. der Gefühle sehr gut anhand eines Paardialoges, in dem die Frau den Mann einer ausserehelichen Beziehung verdächtigt. Anders als beim "logisch", d.h. wörtlich, verbal argumentierenden Mann beachtet die Frau dabei weniger die Worte, als vielmehr: Atmung, Körperhaltung, Gesichtsausdruck, Anspannung, emotionaler Zustand, Übereinstimmung von Tonfall mit Inhalt von Worten und Gesten:

Als sie von ihm wissen will, ob er sich mit einer anderen Frau trifft, sucht ihr Sehzentrum im Gesicht des Mannes aufmerksam nach Anzeichen dafür, mit welchen Gefühlen er auf ihre Frage reagiert. Spannen sich seine Gesichtszüge oder entspannt sich sein Gesicht? Presst er die Lippen zusammen, oder hat sein Mund einen neutralen Ausdruck? Welchen Gesichtsausdruck auch immer er macht, ihre Augen und Gesichtsmuskeln ahmen ihn automatisch nach. Geschwindigkeit und Tiefe ihrer Atmung passen sich an seine Atmung an. Ihre Körperhaltung und Muskelanspannung entspricht der seinen. Mit ihren Sinnen und dem Gehirn nimmt sie seine emotionalen Signale auf. Die Informationen laufen durch ihre Gehirnschaltkreise und sie sucht in ihren emotionalen Speicherdatenbanken nach Übereinstimmungen. Diesen als "Spiegelung" bezeichneten Vorgang können nicht alle Menschen gleich gut vollziehen.

In Sarahs Gehirn werden die Schaltkreise stimuliert, als wären Nicks körperliche Empfindungen und Gefühle ihre eigenen. Auf dies Weise kann sie erkennen, was er empfindet, und zwar häufig schon bevor es ihm selbst bewusst wird. Indem sie sich in Atmung und Körperhaltung anpasst, wird sie zu einem menschlichen Gefühlsdetektor. .... In seiner Stimme entdeckt sie einen geringfügigen Widerspruch -sie ist eine Nuance zu aufgeregt im Verhältnis zu seinen Unschulds- und Liebesbeteuerungen. Seine Blicke irren ein wenig zu sehr umher, sodass sie ihm nicht abnehmen kann, was er sagt. Der Inhalt seiner Worte, sein Tonfall und der Ausdruck in seinen Augen passen nicht zusammen. Sie weiss genau, dass er lügt. [S. 186]

Randnotiz: Der Mann war zwar nicht fremdgegangen, hatte aber Gefühle für eine andere Frau entwickelt ... was belegt, dass nicht bloss Männer eifersüchtig sind und aus Eigennutz und Herrschsucht Monogamie propagiert haben, wie das einige Frauenbewegungen annehmen.

Bei Männern lösen die meisten emotionalen Eindrücke keine Bauchgefühle aus, sondern eher rationale Gedanken. Sie nehmen sich keine Zeit, Gefühle zu analysieren, sondern werden ungeduldig, weil bei ihnen dieser Prozess zu lange dauert - oder zu schmerzhaft ist. Der Anblick einer weindenden Frau erzeugt Schmerzen im männlichen Gehirn. Dieser nimmt angesichts des Schmerzes eine Hilflosigkeit wahr, was für den Mann unter Umständen nur sehr schwer zu ertragen ist. Nach Simon Baron-Cohen spielen sich ähnliche Vorgänge auch in den Gehirnen von Männern mit dem Asperger Syndrom ab. Solche Männer können anderen Menschen nicht ins Gesicht sehen und erst recht nicht darin lesen. Die emotionalen Signale, die von einem fremden Gesicht ausgehen, verursachen in ihrem Gehirn unerträgliche Schmerzen. [S. 195]

Frauen sind also stark im Verstehen von nonverbal ausgedrückten Gefühlen - Männer können mit diesen aber nur rational umgehen. Anstatt hierin einen Grund zum Dauermäkeln zu sehen, sollte man, d.h. in dem Falle vor allem Frau, sich vielleicht mal bewusst werden, dass sich Gefühle genau so irren können wie die Ratio. Es besteht hier also bloss ein Spannungsfeld, das, wie die meisten Spannungsfelder, positiv genutzt werden kann als Energie: Bei zwei unterschiedlichen Ansätzen, die kommuniziert werden (Dialektik) ist die Chance höher, die Wahrheit zu treffen.

Angst:

Die kleinere Amygdala führt bei Frauen dazu, dass sie für Angst und Depressionen weitaus empfänglicher sind als Männer. Der Sinn dieser nur scheinbar absurden Anlage liegt darin, dass Angst das Hirn auf kommende Gefahren vorbereitet, Konzentration schafft - um dann schnell reagieren zu können und das Kind zu schützen. Männer können diesen Schutzmechanismus leichter unterdrücken, und leben daher etwas gefährlicher, gehen leichter Risiken ein.

Schmerzen

Schmerzen verlangen unsere Aufmerksamkeit, verändern unser Verhalten und regen uns dazu an, für unsere Sicherheit zu sorgen und das Leid zu beenden. Weil es für den Fortbestand der Menschen extrem wichtig ist, dass wir einen Partner finden, uns fortpflanzen und uns Nahrung, Fürsorge und Schutz verschaffen, ist wahrscheinlich der Schmerz bei Verlust und Zurückweisung festin unserem Gehirn verdratet, sodass wir solche Erfahrungen zu vermeiden suchen - oder uns zumindest schnell einem anderen Partner zuwenden, der uns von neuem mit einer stürmischen Dopamin- und Oxytocinwelle in eine andere Welt entführt.

Problem:

Wenn er nicht so reagiert wie sie will.

Männer sind es gewohnt, den Kontakt zu anderen Menschen zu meiden, wenn sie selbst ein emotionales Tief durchleben. Sie arbeiten ihre Probleme allein auf und glauben, Frauen wollten es genauso machen.

Der präfrontale Cortex, quasi ein zweiter Magen zum Durchkauen von Verärgerung, der Emotionen unter Kontrolle hält, ist bei Frauen grösser. Deshalb kann bei einem Mann leichter der Wut-Knopf gedrückt werden (was von vielen Frauen weidlich ausgenutzt wird. [s. Absurde Kommunikation, Watzlawik) Sie rasten leichter aus oder diskutieren stundenlang darüber, wer der Chef ist und wer das begehrte Spielzeug bekommt.

Wenn die Wissenschaftler mit ihren Vermutungen recht haben, handelt eine verärgerte Frau zwar zögerlicher, aber wenn die Sprachschaltkreise dann einmal in Gang gekommen sind, können sie ein Trommelfeuer wütender Worte hervorbringen, mit dem Männer nicht mithalten können. [S. 204]

Aggression bei Frauen:

Bei Mädchen ist die Aggression raffinierter strukturiert als bei Jungs:

Auch Mädchen können, obwohl sie nicht raufen, zu kleinen Tyrannen werden, um ihre Ziele zu erreichen. Auf grund der geringeren Körperkraft setzen sie dabei weniger auf direkte Konfrontation, sondern bündeln die Kräfte, schmiedenVerbindungen, schaffen Gemeinschaften, in denen die Welt des Mädchensso organisiert und koordiniert ist, dass sie im Mittelpunkt steht.

Sie kreischte, wenn ihre Freundin Susie einen gelben Clown malte und nicht einen blauen, wie sie es angeordnet hatte, und wehe, sie wurde in ein Gespräch am Familientisch nicht mit einbezogen. [S. 57]

Frauen brauchen (und können) einander gegenseitig nichts vorzumachen, und deshalb scheinen sie natürlich weniger aggressiv zu sein als Männer.

Fazit:

Mädchen sind empfindlich, wen es um Belastungen in den zwischenmenschlichen Beziehungen geht,
Jungen, wenn ihre Autorität angezweifelt wird
.
[S. 66]

 

Veränderung der Denkmuster durch hormonale Zyklen und Kindererziehung

[S. 65]

Die Menstruation frischt das Gehirn Monat für Monat auf, führt aber auch zyklisch unterschiedliches Denken:

  1. in den ersten beiden Wochen ist das Mädchen im zwischenmenschlichen Umgang lockerer. Die Nervenverbindungen im Hippocampus wachsen um 25%, das Gehirn wird scharfsinniger und seine Funktionsfähigkeit gesteigert. Das Mädchen oder die Frau kann klarer denken und sich an mehr erinnern. Die Gedanken kommen schneller und sind flexibler.
  2. Nach dem 14. Tag wirkt Progesteron wie Unkrautvertilger auf die neuen Verbindungen im Hippocampus. Das Gehirn wird ruhiger, aber reizbarer, unkonzentrierter und langsamer.
  3. In den letzten Tagen des Zyklus, wenn auch der Progesteronspiegel absinkt, wird das Gehirn nervös, gestresst und reizbar, oft sind auch Depressionen die Folge (Tage, an denen man über Hundefutterwerbung weint. S. 81). Es handelt sich um die Prämenstruelle Dysphorie (PMDD, premenstrual dysphoric disorder, oder PMS, prämenstruelles Syndrom)

Prägungen durch die Geburt

Bereits während der Schwangerschaft müssen Mütter mit zwei parallelen Hormonschaltkreisen umgehen lernen, dem des Ungeborenen und dem eigenen, die in komplexe Interaktion treten und alles tun, das ungeborene zu schützen. Deshalb die häufige Uebelkeit und oft seltsame Essgelüste. Der Körper gibt so durch, was er akzeptiert und was nicht.

Bei der Geburt treten starke Oxytocinschübe auf, primär zur Schmerzlinderung, aber auch zur besseren Verankerung der Beziehung zum Neugeborenen. Insbesondere der Geruchssinn wird dabei so scharf, dass Mütter (auch oder besonders bei Tieren) ihr Kind mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit (> 98%) in der Herde erkennen können. Zugleich entwickelt sich der Beschützerinstinkt und der mütterliche Erhaltungstrieb verdoppelt sich gleichsam. Sogar gut verdienende Ehemänner können nun plötzlich mit dem Vorwurf konfrontiert werden, das Einkommen reiche nicht, man könne dem Kind kein gesichertes Heim bieten.

Tendentiell sind die Erfahrungen aber positiv, sehr positiv. Der Anblick von und Umgang mit dem Kleinkind löst die selben Hormonschübe aus wie sonst Liebe und Glück. Dopamin und Oxytocin schalten kritisch-beurteilendes Denken und negative Gefühle aus, aktivieren Lustschaltkreise, Gefühle des Überschwangs und der Zuneigung. Der Cortex cingularis anterior, der normalerweise für kritische Beurteilung anderer Personen zuständig ist, wird beim Anblick des geliebten Menschen gleichsam abgeschaltet. Der Dopaminspiegel wird durch Oestrogen und Oxytocin noch in die Höhe getrieben. Es ist der gleiche Belohnungsschaltkreis, der im Gehirn einer Frau durch intimes Beisammensein und Orgasmus aktiviert wird. [S. 167]

In einem Versuch mit Rattenmüttern wurde sogar festgestellt, dass diese lieber auf den Knopf drückten, der ein Rattenjunges an ihren Zitzen saugen liess, als auf einen direkt administrierten Schuss Koks.

Das Couvade-Sydrom: Männer fühlen die selben Wirkungen wie ihre schwangere Ehefrau. Ernährungs- und Stillhormon Prolactin nimmt - bei Männern - um 20% zu in den letzten Wochen vor der Geburt. Das Stresshormon Cortisol wird verdoppelt, so dass Empfindlichkeit und Wachsamkeit sich verstärken. Der Testosteronspiegel des Mannes geht in der ersten Woche nach der Geburt um ein Drittel zurück, während der Oestrogenspiegel auf einen ungewöhnlich hohen Wert ansteigt. Diese hormonellen Veränderungen sorgen für emotionale Bindung an den hilflosen kleinen Nachkommen. Ausgelöst werden diese Vorgänge vermutlich durch von der Schwangeren ausgeschiedene Pheromone.

In einer berechenbaren Umgebung können Mütter ihre Aufgabe am besten bewältigen. Darum machen sie sie berechenbar, falls sie dies noch nicht ist.

Weibliche Pubertät

In der Pubertät werden Dopamin und Oxytocin angeregt durch Oestrogen aus den Eierstöcken, weshalb halbwüchsige Mädchen nun noch mehr Spass an zwischenmenschlichen Beziehungen haben als vorher: Tratschen, Einkaufen, gegenseitiges Haare kämmen etc Wenn ein Mädchen sich mit anderen unterhält, stellt sie eine Verbindung zu ihnen her, und in ihrem Gehirn werden die Lustzentren aktiviert. Diese Aktivierung verstärkt sich noch, wenn sie mit jemandem Geheimnisse mit romantischem oder sexuellem Hintersinn austauscht.

Stress- und Angstreaktionen erklären die Bildung pubertärer Cliquen. Allerdings herrscht auch bei den Cliquen Krieg. Halbwüchsige Mädchen können sehr niederträchtig sein. Frauen konkurrieren mit subtileren Mitteln, wie dem Verbreiten von Gerüchten, um die Konkurrenz schlecht zu machen.

Die Amygdala wird in dieser Zeit total durcheinander gebracht, was zu Zuflucht in Drogen, Alkohol oder gestörtem Essverhalten führen kann (Bulimie oder Magersucht). Das sanfte Segeln durch die Kindheit liegt hinter ihr. Jetzt haben es die Eltern mit einer launischen, temperamentvollen, widerborstigen Tochter zu tun, die beim kleinsten Anlass explodiert. [S. 63] Eltern müssen in dem Falle die Kontrolle übernehmen, die das Gehirn nicht leisten kann.

Hormonschübe können ein nettes Mädchen im Handumdrehen zu einer Zicke machen; die gleiche Wirkung hat oft auch die sexuelle Konkurrenz, denn in der Pubertät besteht die gesamte biologische Daseinsberechtigung eines Mädchens darin, sexuell begehrenswert zu werden:

... denn ihre Mädchen verbringen Stunden vor dem Spiegel, untersuchen jede Pore, zupfen sich die Augenbrauen, begutachten ihr Hinterteil, das sie sich kleiner wünschen, und ihre Brüste, die sie gerne grösser hätten, und die Taille, die schmaler sein sollte - alles, um die Nungen anzulocken. [S 62]

Partnerwahl & Orgasmus

Am Anfang widersteht
eine Frau dem Ansturm
des Mannes,
und am Ende
verhindert sie seinen Rückzug.

Oscar Wilde

Manch moderner (oder postmoderner) Frau wird der letzte Abschnitt extrem aufstossen. Allerdings, beachten, es handelt sich um biologische Prädispositionen, die nicht einfach so per Umschalten des Bewusstseins verändert werden können. Man kann sich der Prädisposition bestenfalls bewusst werden. Das selbe wie für den Drang zur Bindung an einen Mann gilt betr. der Sicherheit, für sie selbst und das Kind. Auch dies ist tief eingeprägt. Gerade in traditionellen Gesellschaften (Subsistenz) führt die Anwesenheit des Vaters zu einer drei mal höheren Ueberlebenschance des Kindes.

Warum sonst würden Frauen auch heute noch auf atletisch gebaute und sportliche Typen stehen, wo doch "Buchhalter" die höchsten Saläre einfahren? Warum sonst würden sich Frauen riskanten Operationen unterziehen, um ihr eigenes Aussehen zu verbessern? Eben, weil "gutes Aussehen" meist mit Kraft und Gesundheit verbunden ist. Anzeichen für Gesundheit und Fruchtbarkeit bei Frauen sind z.B. die Lebhaftigkeit, jugendlicher Gang, ebenmässige Gesichtszüge, glatte Haut, üppige Haare, volle Lippen - die auf reichlichen Oestrogenfluss hindeuten (was durch Botox und Collagen imitiert wird). Schmale Hüften deuten darauf hin, das die Frau zur Fortpflanzung noch zur Verfügung steht, da das Ergebnis von Schwangerschaft(en) meist eher füllige Hüften sind (oder waren, vor dem Fitnesswahn).

Schönheit generell verlangt nach Symmetrie. Die rechte und linke Körperhälfte müssen spiegelbildlich sein, was als Beleg dafür gewertet wird, dass weder Krankheiten noch Mangelernährung oder genetische Defekte das Wachstum gestört haben.

Befriedigung bietet die Gewähr, dass Partner treu sind -

oder wie russische Frauen sagen: Wenn Du willst, dass dein Mann nicht fremd geht, lass ihn nie unbefriedigt aus dem Haus gehen.

Frauen, die sich in der ersten, leidenschaftlichen Phase der Verliebtheit befinden und das Gefühl haben, dass der Partner sie begehrt und anbetet, kommen leichter zum Orgasmus. Andere Frauen kommen wiederum eher zum Orgasmus, wenn sie die Sicherheit einer engagierten Beziehung oder Ehe geniessen, als wenn der Partner neu ist. ... Wenn eine Frau sich nicht entspannt, geborgen und warm fühlt (vor allem an den Füssen ...), bleibt der Höhepunkt mit aller Wahrscheinlichkeit aus:

Eine Frau kann nicht gleichzeitig wütend auf einen Mann sein und Lust auf Sex mit ihm haben (was für Männer kein echtes Problem ist ...). Und Frauen, sagt euren Männern: Wenn sie euch an dem Tag, an dem sie den siebten Himmel erleben wollen, kritisieren oder einen Streit anfangen, sollten sie sich das zwei Mal überlegen. Bis ihr dann wieder bereit seid, müssen sie warten, bis die vierundzwanzig Stunden abgelaufen sind.

Zusätzlich zur weiblichen Selektion nach Sicherheit, kommt allerdings noch eine unbewusste Wahl des Partners, der ihr die stärksten Orgasmen verschaffen kann: Wie man schon seit Längerem weiss, ziehen die Muskelkontraktionen und die Saugwirkung der Gebärmutter während des weiblichen Orgasmus die Samenzellen durch die Schleimbarriere am Muttermund. Ein Arzt berichtet in einem Aufsatz, in dem es um die Saugkraft am Muttermund ging, über eine Patientin, die Sex mit einem Seemann hatte und bei der während des Orgasmus die Kontraktion von Gebärmutter und Scheide das Kondom abgezogen hätten. [S. 138]

Hier zeigt sich auch deutlich, dass der weibliche Selektionsvorgang auf zwei Schienen läuft, die sich nicht immer vereinigen lassen. Sie wollen den zuverlässigen Ehemann und Vater der für sie und das Kind sorgen kann - aber sie wollen auch Top-Spermien, die gemäss der uralten Instinkte, von den wilden Männern geliefert werden. Hier kommt sogar die List zum Zuge, denn das Vorspielen eines Orgasmus kann also dazu dienen, den Partner von Untreue abzulenken. Der Orgasmus dient weniger der Bindung an einen zuverlässigen netten Kerl, als der Versorgung mit einer guten genetischen Ausstattung, allenfalls durch einen fremden Liebhaber. Diesen zu finden ist keine grosse Sache, denn dazu sind die meisten Männer quasi allzeit bereit, denn der männliche Orgasmus ist ein fast suchtartiger Anreiz, immer neue sexuelle Erlebnisse zu suchen.

Aus dieser Doppelstrategie ergibt sich logischerweise (ja, sogar Unlogik kann logisch sein) ein diffuser, nicht an Wahrheit orientierter, also unphilosophischer Dialog, der künstlerische Dialog der Verführung.

Altersweisheit:

Altersweisheit ist aus der Perspektive des hormondressierten neuronalen Netzwerkes (alias Gehirn) also nicht ein Verfügen über mehr oder besseres Wissen, sondern die Fähigkeit, auf Grund der Lebenserfahrung ein breiteres Spektrum von Gefühlen zum Ausdruck bringen zu können - und annehmen zu können, ohne gleich auszurasten.

Gerade im Alter nähert sich das weibliche Denken auch immer mehr dem der Männer. Mit der Menopaus fallen die monatlichen Schübe von Oestrogen aus, die das Hirn jeweils neu programmiert haben, auch der Wechselzyklus mit dem Progesteron fällt aus, was eine gleichmässigere Gefühlswelt erwarten liesse.

Die Wechseljahre bezeichnen die 2 bis 9 Jahre vor der Menopause. Bei 15% der Frauen läuft dies ohne Probleme ab, bei 30% mit starken Beschwerden. Der Eisprung wird in dieser Phase unzuverlässig und kann zu überraschenden Schwangerschaften führen. Die Lust auf Sex lässt allerdings stark nach, was zu einer noch grösseren Diskrepanz zu den Männern führt. Vielleicht liegt ja hier der Grund, warum ältere Männer gerne jüngere Freundinnen ... Also ein Spruch den ich kürzlich im Fernsehen gehört hab, von einer Gruppe älterer Frauen die Kontakt zu "gleichgesinnten" Männern gesucht hat: Die wollen ja (nur) Sex. Igit. Das ist ja kriminell. - Also wenn der Sexualtrieb per se als kriminell eingestuft wird, dürfte hier die Antwort: Vertrocknete alte Schachteln, haltet lieber eine Katze oder einen Hund, die angemessene Antwort sein. Hier besteht leider ein Spannungsfeld, das offenbar nur selten produktiv eingesetzt wird und deshalb leicht neurotisch verbogen wirkt. Die unbefriedigten Männer holen sich ihren Sexersatz in der Prostitution oder Pornographie (Link existiert nicht mehr, gerichtlich verboten) - die Moral versucht, einen natürlichen Trieb durch Verbote und Zensur in den Griff zu kriegen, was etwa so sinnvoll ist, wie Armut zu verbieten und Arme von der Strasse (und aus Bahnhöfen) zu entfernen.

In den Wechseljahren ist eine Frau weniger darauf aus, anderen Freude zu machen: Jetzt will sie selbst Freude haben. [S. 210]

Die Menopause tritt im Durchschnitt mit 51.5 Jahren auf. Zu diesem Zeitpunkt produzieren die Eierstöcke bereits seit einem Jahr die Hormone nicht mehr, die Frauen zu Fürsorge und Konfliktvermeidung angetrieben haben. Mit dem Oestrogen fällt auch der Oxytocinspiegel ab, und die Frau erhält keine beruhigenden Oxytocinschübe mehr für die Versorgung und Betreuung kleiner Kinder. Die Gefühlsnuancierung schwächt sich ab und die Erhaltung des Friedens ist nicht mehr das höchste der Gefühle.

Die Nervenbahnen ähneln nun stärker denen der Männer - allerdings ohne die dämpfende Wirkung des Oestrogens aus Gefühlserlebnissen - und ohne die starke bei Männern verbreitete Rationalisierung von Problemen. Die Frau kann also zum explodierenden Kochtopf werden. Im Alter von über 50 werden 2/3 aller Scheidungen von Frauen eingereicht. Sie stehen in diesem Alter vor der schweren Aufgabe, immer abzuwägen, ob ihre Entscheidung durch Hormone beeinflusst oder "vernünftig" ist. Dem Ehemann die Schuld an allem zu geben, ist oft eben bloss einfach die naheliegendste und einfachste Lösung. Am gesündesten scheint eine "zweite Karriere", die der Frau ihr Selbstwertgefühl und ihre Leistungsfähigkeit bestätig, also z.B. Spätstudium.

Umgekehrt scheinen ältere Männer, falls nicht durch den Sextrieb zu jüngeren Frauen gezogen, eher eine Frau zu suchen, die ausreichend Geld hat und sich den Rest ihres Lebens um sie kümmert, also quasi wieder Mama.

Alles nicht sehr romantisch ...

Fazit:

Männer denken hierarchisch, sie wollen an die Spitze, herrschen und befehlen - da bleibt also bloss die Weltherrschaft als Endziel. Sie nehmen an, dass jede Frau mit dem <Beherrscher der Welten> schlafen will (auch wenn diese Welt bloss aus einem Auto besteht. s. Manta).

Frauen denken in Beziehungen, sie wollen im Zentrum stehen, Beachtung finden, diese Welt nach ihren Vorstellungen ordnen - da bleibt also bloss die Dikatur der Gruppe, das Matriarchat, als Endziel. Sie wissen, das Männer fast alles tun um Sex zu bekommen. Effektiv spielt Geld bei der Partnerwahl eine weitaus grössere Rolle, als die Romantiker das gerne hätten. So ziehen die Chinesinnen weg vom Land in die Stadt, um reichere Männer zu finden (Frauenmangel in Dörfern Chinas: Frauenhandel wird auch aktiv von Frauen selbst betrieben, die sich selbst "vermarkten, nicht bloss von den bösen Männern.), deswegen, nicht wegen des Charmes oder Umgangs der Westdeutschen, zogen Ostdeutsche Frauen in den Westen, deshalb haben ältere Männer, sofern sie reich sind, auch wenig Mühe, hübsche junge Frauen zu finden. (s. Junge Frauen - ältere Männer)

Das weibliche Ziel: Ich will im Zentrum der Gruppe stehen- die Gruppe ist meine Familie - führt natürlich bei Sachproblemen und Sachentscheiden genau so wenig zu rationalen und logischen Schlüssen wie das männliche Ziel: Ich will derjenige sein, der bestimmt - ich bin der Patriarch der Gruppe, das Alpha-Männchen, der Obermacker, der Grösste, der Einzigste, der Schönste, Klügste, Erfolgreichste, mit dem längsten ... Aber im Spannungsfeld dazwischen kann sich vieleicht die optimale Lösung durchsetzen ... Weil zweiteres ersteres ersetzen kann, ja quasi beinhaltet, aber für Frauen nicht erstrebenswert ist, weil nur durch harte Konkurrenzkämpfe um die Macht zu erreichen, suchen sich die meisten Frauen andere Möglichkeiten, sich in Szene zu setzten, als den ellbogenlädierenden Weg zur Macht zu beschreiten.

Beide Verhaltensweisen stehen sich teilweise fördernd, teilweise antagonistisch gegenüber, und verhindern (Gott sei Dank, meist), dass sich eine davon als alleingültige durchsetzt (das Matriarchat ist nämlich genau so bekackt wie das Patriarchat). Auf Grund der beiden primären Antriebe und insbesondere der weiblichen Herrschaft über den Zugang zu Sex, ist nicht anzunehmen, dass die Männer alleine schuld sind an einer materialistisch orientierten Welt, die primär auf Haben zielt und Sein auf Status, finanziell ergiebigen Status, reduziert. Mit ausreichend Geld kann man sich viel leichter in Szene setzen, also im Zentrum stehen.

Martin Herzog, Basel, 15.1.09