Ich
und Du__________________________________________________________________________________
Heinz Leymann: Mobbing. La persécution au travail. Seuil. 1996. Im Original Deutsch: Mobbing. Rowohlt TB 1993.
Ursprung und Definition des Begriffs Mobbing:
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L'enfer, c'est les autres. Sartre: Huis clos |
Der Begriff Mobbing wurde 1963 vom Verhaltensforscher Konrad Lorenz geprägt. Er bezeichnete damit Gruppenangriffe von unterlegenen Tieren auf einen überlegenen Gegner – dort von Gänsen auf einen Fuchs. Der Schwedische Arzt Peter-Paul Heinemann verwendete 1969 den Begriff für das Phänomen, dass Gruppen eine sich von der Norm abweichend verhaltende Person attackieren. [wiki]
Der lateinische Begriff "mobile vulgus" dient dazu als Ursprung. Er bedeutet: "aufgewiegelte Volksmenge, Pöbel, soziale Massengruppierung mit sehr geringem oder völlig fehlendem Organisationsgrad, in denen triebenthemmte, zumeist zerstörerisch wirkende Verhaltenspotenz vorherrscht".
| Mobbing ist die Rache der Untergebenen an Kollegen und Kolleginnen dafür, dass man selbst Untergebene(r) ist. |
In deutscher Sprache heisst mobben: "triezen", "schikanieren", "intrigieren", "einschüchtern", "bloßstellen", "ignorieren" oder "fertig machen". In den USA wird meist bullying verwendet, also eher von oben, von stärkeren (auch physisch stärkeren) gegen schwächere. Bekannt in der heutigen Bedeutung wurde der Begriff durch den schwedischen Arzt und Psychologen Heinz Leymann. Angriffs einer Übermacht (Mehrheit) auf eine Minderheit, d.h. meist gleich auf Einzelne. Wichtig ist der Unterschied zur alltagsüblichen gegenseitigen Piesaken. Von Mobbing wird erst geredet, wenn diese Quälereien a) von der Mehrheit und b) über längere Zeit, mindestens 1/2 Jahr lang, ausgeübt werden: Wenn die Quälerei zum Alltag wird, dann sprechen wir von Mobbing.
Obwohl auch hier nur eine Minderheit von 5 bis 10% der arbeitstätigen Bevölkerung betroffen ist, kommt im laufe seiner Karriere jede(r) mal in die Situation. Interessant ist die Methode des Mobbing, dessen Ziel es ist, ein lästiges Subjekt aus der Gruppe zu entfernen, aber auch dort, wo es weniger als ein halbes Jahr braucht um zu Erfolg zu führen, also unter dem Begriff gar nicht aufscheint - und dies oft bei Organisationen, wo man es nicht erwarten dürfte, denn einige der im folgenden gelisteten Massnahmen der Hinterlist werden Arbeitslose auch bei den Beratungsstellen, Arbeits- und Sozialämtern finden, wo man(n oder Frau, die hier auch nicht immer die sozialste Ader haben) noch der Meinung ist, Arbeitslose brauchten bloss mehr Strenge und Disziplin - obwohl sich 89 arbeitslose (+ einige mehr, denen es auf ihrem jetzigen Arbeitsplatz stinkt) Bewerber um jede offene Stelle balgen. s. Scheinlösung der Integration
Da Mobbing zuerst auf die Reputation zielt, ist es am meisten verbreitet in stark hierarchisierten Betrieben, also Spitälern, Banken und der öffentlichen Verwaltung. Es findet sich nicht bloss in "männlicher" Umgebung, wie generell die Unterschiede der Betroffenheit zwischen Geschlechtern gering sind. Kindergärten sind offenbar ein beliebtes Territorium für Mobbing - insbesondere wenn Männer als Kindergärtner arbeiten. So wie heute Sportlehrer, oder gar Väter die ihre Kinder umarmen, leicht in den Generalverdacht der sexuellen Abartigkeit geraten, muss der Kindergärtner Dinge hören wie: Hallo Süsser, gehst Du in deinen Päderastenclub.
| repräsentative statistische Untersuchung der Formen von Mobbing in Schweden [S. S. 60] | |
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44 % 37 10 9 |
Diskriminierbarkeit = Unterscheidbarkeit, "Unangepasstheit", Individualität, Sonderfall, ...
Kriterium der Anpassung: Sei normal oder stirb!
Diskriminierende Eigenschaften die sich für die Identifikation von Mobbingopofern eignen:
| Der Hund sagt: Wer von den Grossen wohl kriecht und
gegen die Kleinen laut bellt, der kommt gewiss zu seinem Recht. Heinrich Pestalozzi |
Auf die Person bezogen: Nationalität (das meistgemobbte Volk war bis vor einiger Zeit die Juden, heute vermutlich die Araber oder, als Religion, die Muslime), Geschlecht, sozialer Status (verheiratet, ledig, geschieden, verwitwet), Religion, Krankheit, Behinderung, Kultur, soziale Klasse, politische Partei, äussere Erscheinung (dick, dünn, haarig, blond, rot, schwarz, bunt, schön, hässlich ...), ...
Auf die Persönlichkeit bezogen: Arrogant, nervös, individualistisch, asozial, mit Ticks belastet, aggressiv, cholerisch, intrigant, scheu, schüchtern, intelligent, optimistisch, Streber, Versager, ...
Der Druck zur Normierung ist evolutionär bedingt. Tiere die in irgendeiner Weise von den üblichen Standarts ihrer Art abweichen sind so gut wie immer zum Tode verurteilt, da sie (meist) schlechter an ihre Umwelt angepasst sind als ihre Artgenossen. Wir sehen aber anhand dieser Aussage auch sofort ihre Grenzen, denn unter Evolution verstehen wir meist die organische Entwicklung in kleinen Schritten, durch trial and error, durch Selektion derjenigen, die im Kampf ums Überleben geschickter werden als ihre Artgenossen, durch Deselektion der Schwächeren. Die Evolution (wie die Natur) erträgt offenbar den "Fortschritt" nur in kleinen Dosen und entfernt die grossen Würfe radikal.
Nun, auf unsere Gesellschaft bezogen, handelt es sich bei den Abweichungen ja nicht darum, dass plötzlich Menschen mit 3 Augen auftauchten oder dergleichen, aber doch Menschen, die Dinge anders tun, anders sehen, anders darüber denken - was der Kern jeder Innovation ist. Mobbing, und generell der Ausschluss von "Aussenseitern" aus Arbeitsgruppen ist also ein wichtiger Faktor der zu Verlust an Innovationspotential führt.
Ein Druck zur Norm(ierung) ergibt sich auch daraus, wie Menschen sich ihre Kollegen und Freunde aussuchen:
Es gibt eine ganze Reihe Eigenschaften, nach denen sich Menschen unterscheiden: Sportlichkeit, künstlerische Begabung, musikalische Begabung, soziale Intelligenz, verbale Intelligenz, Fähigkeit zu abstrakten Denken, Fähigkeit zu vernetztem Denken, Leistungsfähigkeit der Sinne, Rasse, Herkunftskultur und -subkultur, Religion, Gesundheit oder Krankheit, Vorlieben und Abneigungen. Viele davon hängen von mehreren zufällig wirkenden Faktoren (durch Unfälle, ungewöhnliche Erfahrungen, unabhängig vererbt oder erlernt) ab und folgen deshalb für die Verteilung in der Bevölkerung einer glockenförmigen Normalverteilungskurve (Beispiel Intelligenz. Menschen, deren Begabung in einem dieser Einzelbereiche extrem groß oder klein ist, sind an den Rändern dieser Glocke zu finden, wo sie nur wenige Menschen finden können, die ihnen ähnlich genug sind, um sie in diesem Punkt zu verstehen. Als normale Menschen bezeichne ich im Folgenden die 80% der Menschen, die bezüglich der genannten Eigenart in der Mitte der Kurve zu finden sind. Als ungewöhnliche Menschen bezeichne ich die 10% am Rand dieser Normalverteilungskurve. (Mit einem IQ von über 120 oder unter 80 gehört man also bereits nicht mehr zu den "Normalen", d.h. der grösste Teil der "Gstudierten" ist "abnormal", was die Aversion von Populisten gegen Intellektuelle erklärt.)
Es ist nachgewiesen, daß Menschen sich ihre Freunde danach aussuchen, wie ähnlich sie ihnen in den Interessen und Fähigkeiten sind. Diejenigen, die eine sehr hohe oder sehr niedrige Begabung in einem beliebigen Bereich oder eine ungewöhnliche Krankheit haben, haben sehr geringe Chancen, Menschen zu finden, die die Welt bezogen auf diesen Punkt ähnlich erleben und sie in ihrem Erleben verstehen. Ebenso ergeht es Leuten mit erheblichen körperlichen Behinderungen, beispielsweise Blinden oder Tauben oder Menschen, die sehr ungewöhnliche Erfahrungen gemacht haben. Deshalb werden sie auch dann, wenn sie nicht aktiv ausgegrenzt werden, Probleme haben, Freunde zu finden, die sie in diesen Bereichen verstehen. (Auch aus diesem Grunde ist Philosophie ein relativ einsames Geschäft ...)
Auch hieraus ersehen wir sofort ein beträchtliches Problem für eine Wirtschaft, die von Innovation abhängt und behauptet, Bildung sei der wichtigste Rohstoff: Nicht nur die Leistungsschwachen werden durch betriebliche Selektion der staatlichen Fürsorge überlassen, auch die Intelligenteren werden ausgegrenzt, weggemobbt, wenn sie sich nicht gleich selbst ein intellektuelles Biotop, eben den berühmten Elfenbeinturm, suchen und finden.
Eine Gruppe, egal welcher Art
(persönlich-intim,
persönlich-distanziert, sachlich:
Organisation, Institution, Netzwerk ...),
generiert immer ihre eigene Dynamik und
ihre eigenen Normen.
Hier, in der Gruppe fühlt sich das Individuum geschützt. Als Gegenleistung fügt es sich dafür den Gruppennormen dort, wo diese ihm eigentlich widerstreben. Gruppennormen entsprechen ja meist nur teilweise den individuellen Präferenzen auf der einen, und ebenfalls nur teilweise den gesellschaftlich-kulturellen Normen, der Tradition. Gruppennormen stehen also zwischen individueller Moral und gesellschaftlicher, kollektiver Ethik.
Die Gruppe strukturiert sich aktiv selbst (wie das autopoietische Systeme eben so tun ...) - und auch ihre Normen, ihre Verhaltensmuster. Wir haben hier eine akute Anwendung des Konstruktivismus, die gleichzeitig präzise dessen Grenzen aufzeigt: Die Loslösung der Gruppe von der Gemeinschaft, die Unterordnung des Individuums in der Gruppe, erlauben oft die Ausbildung der absurdesten Ideologien (s. Sekten, politische Parteien, Vereine). Gruppen, genau wie Individuuen, schaffen auch oft ihre eigene Realität. Dummerweise lassen sie sich aber kaum in eine psychiatrische Anstalt einweisen, sonst wäre z.B. die Scientology längst dort gelandet ...
Da die Gruppenmoral für die Mitglieder der Gruppe oft weit über gesellschaftlichen Normen und auch persönlicher Verantwortung steht, kann die Mitgliedschaft bei solchen Gruppen, insbesondere für Menschen die innerlich nicht frei sind, als befreiend darstellen. In der Gruppe gleich gesinnter stellt ein ansonsten abnormes oder anstössiges Verhalten keinen Tabubruch, keinen Verstoss gegen eine zu respektierende Ordnung mehr dar. Wir sehen das deutlich z.B. am Aufkommen der Nudistenclubs inmitten der Prüderien des Biedermeier, wir sehen das an den 80er Unruhen in Zürich, als Fenstereinschlagen zur Unterhaltung wurde, wir sehen das an der Globalisierung, die die Zerstörung der Volkswirtschaft zugunsten privater Gruppierungen (Firmen) zur Norm, ja bereits zur Empfehlung gemacht hat. Wo die einzige geltende Norm ist: Viel Geld machen, können sich logischerweise höchst seltsame Verhaltensweisen ausbilden. (Gruppenvergewaltigung) > Integration: ist in dem Fall nicht die Lösung, sondern die Ursache, denn die Ausführenden wurden ja eben nicht integriert sondern ausgeschlossen aus der Erwerbsgesellschaft, haben sich also dort integriert, wo es ihnen möglich war, in der kriminellen Kleingruppe. Dass hier die Gruppe eine derart überwältigenden Einfluss auf das Individuum ausübt, erklärt sich bereits aus der Definition von Clique: Jeder eines jeden Freund. Daraus gibt es folglich kein Entkommen, wenn man nicht auf Distanz zur Gruppe gehen will oder kann.
Die Moralstufen von Kohlberg zeigen auch deutlich, dass Bestrafung als Reaktion auf falsche Gruppenmoral zu einem Teufelskreis des absurden Dialoges führt, da sich so bloss zwei Gruppen gegenüberstehen, die ihre "richtige" Moral" oder Freiheit verteidigen. Dabei wäre eine nicht bloss freiheitserhaltende sondern sogar freiheitserweiternde Lösung über Verträge oder Prinzipien möglich ohne in die Falle der Absurditäten zu tappen.
Niveau 1 - Prämoralisch
Stufe 1: Orientierung an Lob und Strafe (fraglose Unterwerfung unter Macht): Mit Stufe 4 das Ideal autoritärer Bewegungen und Organisationen, z.B. Betriebe, Schule, ...
Stufe 2: Naiver instrumenteller Hedonismus (Moral ist wie ein Handelsgeschäft: wichtig sind Fairneß, Gefälligkeiten erwidern, aber auch Rache für Unrecht. Wie Du mir, so ich dir.) Der eigene Gewinn wirkt als Triebfeder. (Eisenberg)
Niveau 2 - Moral der konventionellen Rollenkonformität
Stufe 3: Moral des guten Kindes, das gute Beziehungen aufrechterhält und die Anerkennung der anderen sucht. (Die Konventionen werden auf dieser Stufe durch die geliebte Gemeinschaft und geliebte Autoritätspersonen repräsentiert.)
Stufe-3-Menschen erziehen indem sie Unterordnung unter die nächste verfügbare Autoritätsperson verlangen. - Beispiel: "Aber man muß doch den Fachleuten vertrauen."Stufe 4: Moral der Aufrechterhaltung von Autorität. (Die Konventionen werden hier durch geschriebene und ungeschriebene Gesetze und Regeln konkreter Gruppen repräsentiert. Die bestehenden Gesetze werden nicht infrage gestellt, wohl aber die Autorität von Autoritätspersonen, die gegen diese Regeln verstoßen.) Stufe-4-Menschen erziehen, indem sie darauf pochen, daß alles weiter so gehandhabt werden muß, wie das schon immer war. Da sie die Konventionen, auf deren Einhaltung sie bestehen, auswendig lernen und sie nicht an den dahinter stehenden Grundsätzen messen, sind sie nicht fähig moralische Regeln von formalen Regeln zu unterscheiden.
Übergang: Der Jugendliche oder junge Erwachsene kommt in eine Situation, in der die Regeln seines bisherigen sozialen Umfeldes nicht mehr gelten (z.B. aus der Kleinstadt an die Uni) oder für die es in seinem Sozialsystem keine Regeln gibt. Er verhält sich deshalb vorübergehend ähnlich wie ein Kind auf Stufe 2, bis er den Übergang zu Stufe 5 bewältigt hat.
Niveau 3 - Postkonventionell - Moral der selbst akzeptierten moralischen Prinzipien: Die folgenden zwei Definitionen lassen allerdings noch mehr offen als sie beantworten. Die "Gesetzeslücke" ist ja immer mehr der Lebensraum der globalen Wirtschaft, die sich ihren rechtsfreien Raum dort kauft, wo er eben zu kaufen ist. Dass konkrete Einzelgesetze nicht mehr als absolut richtig und unveränderlich verstanden werden sondern nach ihren Prinzipien gemessen werden, ist zwar für Rechts- und andere Philosophen richtig, in der reellen Welt jedoch sind Gesetze, wenn einmal da, knallharte Realität ohne Toleranz, die den Rahmen des gesetzten Rechtes überschreiten könnte. Das Recht ist zwar gesetzt, kann also abgesetzt, ersetzt, umgesetzt werden - aber das bedingt meist langwierige, d.h. auch teure und aufwendige Verfahren, zum Schutze der Rechtssicherheit. Recht will ein kalkulierbares Verhalten der Menschen, ihre Berechenbarkeit, steht also der Freiheit entgegen.
In diesem Stadium besteht ein deutliches Bemühen, moralische Werte und Prinzipien zu finden, die ihre Gültigkeit und Bedeutung unabhängig von der Autorität von Gruppen oder Menschen haben, die diese Prinzipien vertreten, aber auch unabhängig von der Identifizierung des einzelnen mit diesen Gruppen.
Menschen die dieses Niveau erreichen (in der Regel Erwachsene, im Ausnahmefall Jugendliche) eignen sich moralische Normen, Werte und Prinzipien an, die über ihre eigenen Gruppen und der Gesellschaft hinaus gültig sind, und handeln in autonomer Verantwortung danach. Das Individuum kann hier zum ersten Mal eine Perspektive annehmen, die ihm erlaubt, sich von Bedingungen gegebener sozialer Ordnungen freimachen zu können und ist nun in der Lage bestehende Regeln zu hinterfragen. Es unterscheidet zwischen Heteronomie und Autonomie, Partikularem und Universalem und leidet an Schuldgefühlen, wenn es seine universalen Prinzipien verletzt hat.
Personen die dieser Stufe zuzuordnen sind, handeln und urteilen autonom, in moralischer Freiheit und nach ihrem Gewissen. Jedoch erreichen nur wenige Menschen diese Stufe.
Stufe 5: Moral des Vertrages, der individuellen Rechte und des demokratisch anerkannten Gesetzes/Rechtssystems. (Das konkrete einzelne Gesetz wird nicht mehr als absolut richtig und unveränderlich betrachtet sondern an den dahinter stehenden moralischen Prinzipien gemessen. Hier erst bekommt der Begriff "Gesetzeslücken" seine Bedeutung: Gesetzeslücken sind besondere Situationen, wo das konkrete Gesetz nicht mehr dem Prinzip gerecht wird, dessen Einhaltung es garantieren soll oder wo es mit übergeordneten Prinzipien in Konflikt gerät.)
Stufe 6: Gesetzgeber: Menschen die sich bewußt sind, daß eine moralische Entwicklung stattfindet, daß Menschen, die auf Stufe 1-4 stehen noch nicht fähig sind die bestehende Moral sinnvoll infrage zu stellen, und daß man ihnen deshalb Rahmenbedingungen vorgeben muß, die 1. einfache Regeln vorgeben, die allgemein anerkennbaren Prinzipien entsprechen und 2. dazu anleiten, eine moralische Entwicklung durchzumachen, so weit es die Intelligenz und die individuellen Entwicklungsmöglichkeiten ermöglichen, möglichst bis zu Stufe 6 der moralischen Entwicklung führt.
Typisch ist eine Überlegung wie: "In diesem speziellen Fall ist es zwar vielleicht moralisch gerechtfertigt, daß er den Entführer Foltern androhte, um das entführte Kind retten zu können. Aber wenn ich das jetzt nicht bestrafe, könnte sich der nächste schon in einem weniger eindeutigen Fall verpflichtet fühlen, zu foltern. Also wird er bestraft und nachher begnadigt."
http://www.kersti.de/O0004.HTM
Denke daran, ich bin der Boss! Und was bin ich? Du bist nichts! So bist du also der Boss von nichts. Abbott & Costello |
Sie sehen allerdings anhand der Erklärungen zu Kohlberg, dass wir, auch in alten Demokratien, nach wie vor in einer recht autoritären moralischen Ordnung stecken. Für viele Mitarbeiter ist der Boss das Vorbild, sogar wenn er Bossing betreibt, also Autorität ausübt um seine Untergebenen zu plagen, statt den Betrieb optimal zu organisieren und zum Funktionieren zu bringen. Ich habe viele "Aufsteiger" gesehen, die sich hochgearbeitet haben - und sich dann als Chef an präzise dem Bild von Chef orientieren, das sie vorher lächerlich gemacht und bekämpft haben: Chef ist, wer andern Befehle erteilen kann, wer sie drangsalieren kann, wer Unsinn treiben kann, ohne dafür kritisiert werden zu dürfen, da er die Sache natürlich aus einer höheren Warte sieht. Diese Normen werden von Aufsteigern noch rascher übernommen, als Führungswissen und sachliches Wissen.
Beispiel (von Leymann): Frederic ist ein exzellenter Techniker. Für seine Untergebenen allerdings ein Tyrann. Er will alles wissen, alles kontrollieren, bis in die kleinsten intimen Details. Diese Pedanterie wird von der Direktion geschätzt. Wenn die Leistungen der Untergebenen nicht ganz den Erwartungen entsprechen, kritisiert er laut und öffentlich. Er mischt sich ins Privatleben der Angestellten, ist herablassend, oft abschätzig [S. 56]
Noch präziser könnte man die dämlich autoritäre Haltung vieler Chefs nicht ausdrücken:
Wenn er bei mir Erfolg haben will, muss ein Junger den ich anstelle präzise das machen, was ich ihm sage. Wenn ich ihm sage, er soll eine Rolltreppe rückwärts hochsteigen die voller Menschen ist, erwarte ich, dass er das tut. [S. 154-5]
Autoritäre Führung verlangt kritiklose Anpassung, entspricht also genau dem Verhalten der Mobber. Ein Laissez faire- Führungsstil jedoch drückt sich vor Entscheidungen und Verantwortung, verunsichert die Angestellten und ist für die von Mobbing betroffenen auch keine Hilfe. Am wenigsten Chancen hat Mobbing in demokratisch geführten Betrieben ... ausser es gehe um Mehrheitsentscheide gegen eine gemobbte Minderheit.
Mobbing ist kein Kommunikationsproblem, sondern eine Perversion der Kommunikation, eine hinterlistige Strategie der Ex-kommunikation, unethische Kommunikation, aggressive Kommunikation, die systematische Wiederholung feindlicher Akte mit dem Ziel das Opfer aus dem Kommunikationsnetz zu entfernen. Mobbing ist die Manipulation der Arbeitsbedingungen des Opfers, der Kommunikation, der Reputation und der betrieblichen Aufgaben.
Mobbing ist ein kollektives Phänomen. Der Mobber sucht also Sympathisanten,
betreibt Populismus.
Umgekehrt darf man auch sagen, dass Populisten traditionell
meist mit Minderheiten Mobbing betreiben
Die Taktik des Mobbing ist eine "Rhetorik der Sprache der Gefühle", mit dem Zweck des "Zum Schweigen Bringens", mit dem Ziel, eine andere Person aus der Gruppe (dem Betrieb) auszuschliessen, zu entfernen. Mobbing bedient sich dazu primär der Hinterlist. Die Sprache der negativen Gefühle wird eingesetzt rein zum eigenen Vorteil und zum Schaden des Andern - unter Ausschluss von Dialog. Wahrheit interessiert nicht:
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Der Herzog Ping von Dsin fragte den Ki Huang Yang: Die Stelle des Herrn von Nan Yang ist frei, wen kann man damit betrauen? Ki Huang antwortete: Hiä Hu ist geeignet dafür. Der Herzog Ping erwiderte: Ist denn Hiä Hu nicht Euer Feind? Er erwiderte: Eure Hoheit fragen, wer geeignet sei, nicht danach, wer mein Feind sei. |
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Wahres Leben besteht darin, dass der Körper fest und ruhig ist, dass er Empfindungen nur hat, wenn Sinneseindrücke vorausgegangen sind, dass, wenn er Einwirkungen von aussen erleidet, er ihnen entspricht, ohne dass Nachwirkungen zurückbleiben, dass Lüste und Begierden gemässigt werden. Zügellose Lüste und Begierden führen zum Verlust der ursprünglichen Natur. Wer zügellos ist in seinen Lüsten und Begierden, der wird in seiner Stimmung gierig, gemein, widerspenstig und ungeordnet und in seinen Handlungen ausschweifend, verschwenderisch, betrügerisch und falsch. Dann kommt es dazu, dass die Starken die Schwachen bedrücken, dass die Mehrheit die Minderheit vergewaltigt, dass die Mutigen die Schüchternen misshandeln und das Alter die Jugend verachtet. Chinesische Weisheiten: Frühling und Herbst des Lü Bu We. Dummerweise sind es aber eben gerade die zügellosen Lüste und Begierden (nach unbeschränktem Wachstum), die unsere Wirtschaft recht eigentlich ausmachen ... |
Folgen bestimmter Mobbing-Aktivitäten
Mobbing beeinträchtigt so nach und nach
| Meinung über Opfer | Reaktion des Opfers |
| xy ist "schwierig | defensiv |
| xy hat Schwierigkeiten mit andern zu arbeiten | wird noch defensiver oder aggressiv |
| das Verhalten von xy ist unzumutbar | Verlust des Selbstvertrauens - Verzweiflung |
| xy braucht psychiatrische Betreuung | verzweifelte letzte Versuche, den Ausschluss zu vermeiden |
Mitarbeiter und leider dann meist auch Vorgesetzte verweigern dem Opfer jede Möglichkeit, die Probleme aus ihrer Sicht zu formulieren / Das Opfer wird dauernd unterbrochen. / Die Kollegen verhindern, dass das Opfer Gelegenheit erhält, das Problem darzustellen durch Sprüche, Rufen, Schreien / die Arbeit des Opfers wird dauernd kritisiert / das Privatleben wird kritisiert / das Opfer wird durch telephonische Anrufe belästigt, verbal oder schriftlich bedroht, "aktiv ignoriert".
Man redet nicht mehr mit dem oder der
Betroffenen / man lässt sich nicht anreden / man lässt sie Arbeit verrichten
die sie räumlich absondert (Keller, Lager, Küche, Auslagerung des
Arbeitsplatzes in andere Abteilung oder gar Firma), man verbietet den Kollegen
die Person anzusprechen / man ignoriert die physische Anwesenheit.
Verleumden, verspotten, mit öbszönen
und herablassenden Worten und Gesten beleidigen, lächerlich machen, ihre
Stimme, Gesten, Verhalten imitieren, um sie lächerlich zu machen, politische
und religiöse Überzeugungen lächerlich machen, sich über ihre Nationalität
belustigen (das zumindest wird kritisch mit dem Rassismusverbot),
sexuell belästigen (auch hier stehen nun rechtliche Möglichkeiten zur
Verfügung, sich dagegen zu wehren), Gerüchte in Umlauf setzen,
mentale Gesundheit anzweifeln, zu einer psychiatrischen
Untersuchung zwingen, einer Krankheit bezichtigen,
ungerechte Beurteilung der
Leistung, dauerndes Anzweifeln ihrer Entscheide, .
Mit keiner (halbwegs anspruchsvollen) Aufgabe
mehr betrauen, ja ihr jede Möglichkeit nehmen, an eine solche heranzukommen
(was Auswirkungen weit über den Betrieb hinaus haben kann. Einzelnen wird so
ihr Beruf total verunmöglicht, wenn sie mal einen gewissen Ruf haben, einen
Ruf, der auf Ver-ruf beruht), mit überflüssigen ja widersinnigen Aufgaben
betrauen (wirtschaftlich eine absolute Sinnlosigkeit, Kosten ohne Ertrag -
aber gang und gäbe als "Strafmassnahme") - oder, mit Aufgaben betrauen, denen
sie auf jeden Fall nicht gewachsen sind, um sie um so sicherer entfernen zu
können.
Mit gefährlichen oder gesundheitsschädigenden Arbeiten betreuen, verbal oder gar physisch bedrohen oder gar angreifen, dem Opfer Kosten verursachen um ihm zu schaden, Schäden am Haus oder Arbeitsplatz des Opfers verursachen, sich sexuell aggressiv nähern.
Mobbing bedeutet Stress, flight or fight, Ausschüttung von Adrenalin, Wutanfälle, Beunruhigung bis zur Besessenheit (sich nicht mehr von einem Gedanken lösen können). Sich entwickelnde Phobien können die Abgrenzung dann noch verstärken.
| Psychosomatische Symptome von Mobbing: motorische Störungen (4,6,7), Überreizung (2,3) und übermässige Wachsamkeit (1,5) | |
| 1. Gruppe: Gedächtnisstörungen, Konzentrationsstörungen, Niedergeschlagenheit, Apathie, Nervosität, Aufregung, Aggressives Verhalten, Unsicherheit, Überempfindlichkeit gegenüber Enttäuschungen | 2. Gruppe: Albträume, Bauchschmerzen, Durchfall, Übelkeit, Erbrechen, Appetitlosigkeit, Würgen im Hals, Weinen, Vernachlässigung sozialer Kontakte, Rückzug in Einsamkeit |
| 3. Gruppe: Last auf der Brust, Schweissausbrüche, trockener Mund, Herzklopfen, Atemschwierigkeiten, | 4. Gruppe: Rückenschmerzen, Nackenschmerzen, Muskelschmerzen |
| 5. Gruppe: Schwierigkeiten einzuschlafen, häufiges Aufwachen | 6. Gruppe: "Baumwollbeine" (russischer und fr. Ausdruck, bedeutet zittrig vor Angst), Verlust aller Interessen |
| 7. Gruppe: Schwindelanfälle, Zittern | |
Mobbing ist also auch ein Wirtschaftsfaktor und fördert den bereits gewaltigen Markt für Psychopharmaka. Der weltweite Handel mit Antidepressiva bringt einen Umsatz von rund 18 Milliarden Dollar - wobei allerdings in 80 bis 90% der Fälle Plazebo die selbe Wirkung erzielt! Auch wo das Medikament Wirkung zeigt, bleibt die Tatsache: Symptom weg - Problem bleibt. Antidepressiva sind somit der 3.stärkste Umsatzgenerator der Pharma, nach Magen/Darm (Durchfall wird als Krankheit angesehen statt als normale Reaktion des Körpers auf Scheissfood wie Gammelfleisch und dergleichen) und Cholesterol (> Angstmacherei).
Die Kosten
Mobbing bedeutet Desorganisation, Verlust an Steuerungskapazität auf Seiten der Direktion, also einen Verlust an Effizienz und Produktivität - insbesondere durch die innere Kündigung.
EIN Mobbing-Opfer bedeutet (in Deutschland) Kosten in der Höhe von 50-150'000 Mark. Die Migros alleine verliert durch krankheitsbedingte Kosten jedes Jahr 33 Millionen Franken.
Leyman kommt mit angenommenen 10% der Mobbingopfer, bei denen das Ziel erreicht wird, das Opfer also "fertig gemacht" wird, auf Kosten von rund 800'000 Franken für eine vernichtete Existenz. Man multipliziere das mit der Anzahl der Opfer ... und frage sich (dann nicht mehr), warum die Kosten des Sozialstaates, die ja insbesondere der IV, Sozialhilfe und Arbeitslosigkeit ansteigen, dies eben tun. DIE Theorie des Ausschlusses ist ja gerade der Neoliberalismus. Wenn man diese Anwendet, sollte man sich nicht wundern, dass sie die angestrebte Wirkung erzielt.
Nach sechs bis 8 Monaten Krankheit ist die Integrationschance auf die Hälfte reduziert! [S. 84] Man muss sich also nicht fragen, warum die Kosten der IV derart angestiegen sind - und vor allem sollte man das Problem fehlender Integration in den Arbeitsmarkt nicht alleine bei den davon Ausgeschlossenen suchen, da der Ausschluss ein aktiver langjähriger Prozess ist, oft ein psychisch doch recht gewalttätiger Prozess, der ganz offensichtlich nur zu einem kleinen Teil den Betroffenen angelastet werden kann. Interessant am Mobbing ist vor allem, dass hier die Angestellten, getrieben durch Neid und Eifersucht, meist ihren eigenen Interessen schaden und sich gleich selbst über den Tisch ziehen (s. Mitarbeiterbewertung durch Angestellte bei SBB)
Wer die andern neben sich klein macht, ist nie gross. Joh. Gottfried Seume |
Es scheint Personen zu geben, an denen jeder Versuch des Mobbing ohne Erfolg abprallt, da sie sich auf dieses Spiel mit gezinkten Karten gar nicht einlassen.
Widerstand gegen Mobbing wird erleichtert durch:
Konfliktlösung
Wenn eine Partei überzeugt ist, im Recht zu sein und sich um die Ansichten des Beschuldigten nicht kümmert, ihre Interessen also auf Biegen und Brechen durchzusetzen versucht, dann nennt man das eigentlich Krieg und die Chancen für eine friedliche Lösung, einen Kompromiss, sind kaum vorhanden. Tatsachen interessieren hier nicht mehr - könnten also nur durch eine übergeordnete Instanz wieder angerufen werden. Die Chefs wären also gefordert, wo diese, wie so oft, versagen, sollte das Recht Hand bieten zur Lösung.
Die Bewältigung von Mobbing_Prozessen wird auch Innovatoren direkt angelastet, da diese sich immer gegen die Beharrlichkeit des Verhaltens in der bestehenden Belegschaft, Verwaltung, Gemeinde etc. durchsetzen müssen. Diese, wie andere "Abnormale" durch zu hohe Intelligenz, müssen also, ob sie wollen oder nicht, ob ihre Auftraggeber das wollen oder nicht, gleich in eine Führungsrolle einsteigen, den Betroffenen möglichst schnell die Vorteile zeigen, die ihnen selbst aus den vorgeschlagenen Änderungen erwachsen - um Zustimmung zu gewinnen.
Diejenigen, die auf Grund ihrer schwachen Intelligenz gemobbt werden, sind durch das Gesetz geschützt (insb. Art. 101 OR) und sollten sich nicht scheuen, diesen Schutz anzurufen, bevor sie krank werden:
Mobbing ist ein Angriff auf die Persönlichkeit,
insbesondere die Würde
- es gibt also ein Recht darauf, nicht gemobbt zu werden,
denn beides wird durch die Verfassung geschützt.
Zivilgesetzbuch (ZGB]
Obligationenrecht [OR]
Strafgesetzbuch [StGB]
Anwendbarkeit und Grenzen dieser Gesetze im Falle von Mobbing werden detailliert dargestellt in: Gabriella Wennubst: Mobbing. Le harcèlement psychologique analysé sur le lieu de travail. realités sociales. Lausanne 1999
Strafandrohung kann ein wirksames Mittel gegen Mobber sein, da sie sich oft nicht bewusst sind, dass ihre Handlung strafbar ist. Man muss allerdings gewillt sein, die Anklage auch durchzuführen - was bei den Mobbern die Überzeugung noch mehr verstärken wird, es mit einem Querulanten zu tun zu haben, der nicht ins Team passt.
Was Mobbing gegen Einwanderer betrifft, das ja nicht nur betrieblich, sondern in grossem Umfang von der SVP betrieben wird, so ist zu sagen:
WO ES KEIN
ANRECHT AUF INTEGRATION GIBT -
DA BESTEHT AUCH KEINE PFLICHT ZUR INTEGRATION
!
Im übrigen leben auch Mobber gefährlich. Ab und zu wird einer umgebracht ... mit dem vollsten Verständnis (nicht Einverständnis!) des Gerichtes.
Die wichtigste Erkenntnis aus der Erfahrung des Mobbing aber ist, dass es dafür keine Lösung gibt, solange Wettbewerb als leitendes Prinzip in Wirtschaft und Gesellschaft gilt. Ursache der Existenzangst ist NICHT das Mobbing, sondern der dahinter stehende Wettbewerb um die schiere Existenz, ums Überleben.
Wettbewerb muss wieder reduziert werden auf das, was es ist: Ein wichtiges, ja unentbehrliches Mittel, den Fortschritt (die Evolution) zu lenken - nicht aber deren Ziel und dominierender Inhalt.
Eigentliches Ziel der Wirtschaft muss wieder das werden, was einmal war:
Das gute Leben,
in einer guten Ordnung,
der Genuss,
in Vielfalt - als Lebensqualität durch Pluralität der Lebensstile -
- also gerade nicht das was Wettbewerb um Effizienz und Mobbing fördern: Anpassung an Mehrheit, an Macht, an fremd gesetzte Ziele und Werte.
Mobbing, die Sprache des Hasses, kann nicht (nur) durch freundliche Worte, sondern auch durch die Sprache des Eros (generell gesprochen, innerhalb von Firmen oft etwas problematisch, auch ausserhalb der USA ...), die Sprache der Musik und des Geschmacks und die Priorität des Genusses (3) überwunden werden.
Forderung:
Wir wollen Arbeit die das Leben erfüllt statt aushöhlt !
Martin Herzog, Basel, 19.11.06