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Psychologische Diagnostik

[Jäger/Petermann: Psychologische Diagnostik. BELTZ. PsychologieVerlagsUnion. Jokers Edition. 4. Auflage, Weinheim 1999]

Definition: Psychologische Diagnostik ist das systematische Sammeln und Aufbereiten von Informationen mit dem Ziel, Entscheidungen und daraus resultierende Handlungen zu begründen, zu kontrollieren und zu optimieren. Solche Entscheidungen und Handlungen basieren auf einem komplexen Informationsverarbeitungsprozess. In diesem Prozess wird auf Regeln, Anleitungen, Algorithmen usw. zurückgegriffen. Man gewinnt damit psychologisch relevante Charakteristika von Merkmalsträgern und integriert gegebene Daten zu einem Urteil (Diagnose/Prognose). Als Merkmalsträger gelten Einzelpersonen, Personengruppen, Institutionen, Situationen, Gegenstände usw. [S. 11]

Meist dominierte in dieser Psychologie der medizinische Aspekt, also Störung von Erleben und Verhalten. Erhoben wurden also Symptome (Krankheitszeichen) und Störungen:

  1. körperlich begründbare
  2. funktionelle Psychosen manisch-depressiver oder schizophrener Ausprägung
  3. Variationen der Persönlichkeit

Bereits bei Depressionen wird oft übertrieben mit Behandlung, denn Schmerz ist eigentlich ein normaler Bestandteil des Lebens, für den man weder Psychoberater noch Medikamente beanspruchen sollte

Kritisch ist die ganze Testerei dort, wo sie eben quasi <Normalität> durchsetzt, abweichendes Verhalten als unerwünscht deklariert (labelling)

1. Ziele der psychologischen Diagnostik

Jede diagnostische Tätigkeit endet mit einem diagnostischen Schluss (judgement, Urteilsbildung: das Verdichten von Einzelinformationen zu einem Gesamturteil - also Vernunft), der spezifische Entscheidungen nahe legt.

Bei der Diagnose werden Sachverhalte über Personen in Erfahrung gebracht, die nicht offen und eindeutig umschrieben zutage liegen. Sie berühren sowohl das Selbstwertgefühl des Einzelnen als auch, soweit sie Dritten bekannt werden, sein Ansehen und seine Stellung in der Gesellschaft. Jeder diagnostische Akt ist ein Eingriff in mehr oder weniger zentrale Erlebnis- und Interessenbereiche des Betroffenen und verändern damit dessen Erleben und Verhalten.

Es ist beim Menschen also genau so wie bei atomaren Partikeln (heisenbergsche Unschärferelation): Es ist keine Beobachtung möglich ohne gleichzeitige Veränderung. Eine Ansicht von Aussen wird meist der Innenansicht, der eigenen Ansicht der Person widersprechen. Sie stösst also auf Widerstand, was die Hypothese meist stützt - aber das weitere Vorgehen erschwert. Es ist dann Aufgabe des Fachmanns abzuklären, ob eine Aenderung der verfehlten Eigenschau nötig ist durch therapeutischen Anstoss.

Dies wäre aber nur ein Schluss, und vermutlich der seltenste (s. Entscheid zur Therapie). Psychologische Untersuchungen befassen sich mit folgenden Themen:

Zielebenen der psychodiagnostischen Forschung Forschungsziele
1 Messtheorie Mathematisch-statistische Modelle für psychodiagnoststische Daten
2 Erhebungstechnologie Bedingungen, Inhalte und Instrumente der psychodiagnostischen Untersuchung
3 Prozesstheorie der Diagnose Normative und entscheidungstheoretische Modelle des Rückkoppelungskreises von Diagnostik und Behandlung
4 Behandlungstheorie und -Technologie Theorie, Strategie und Methoden angewandt-psychologischer Intervention
5 Persönlichkeitstheorie Theorie der Ursachen und Wirkungen individueller Unterschiede im Erleben und Verhalten

Beschränken wir uns auf das Thema Individuum, Psyche, Geist, Persönlichkeit, so kommt die Analyse eigentlich nie darum rum, diese im grösseren Zusammenhang zu sehen, also in Relation zu Gruppen wie Familie, Schulklasse, Firma, Verein, Partei etc., denn präzise dort findet die Normbildung der Gesellschaft statt, ausserhalb der Psyche. Diese wird dann erst nachträglich damit konfrontiert und ihr Verhalten daran gemessen. (s. Normalität). So ist der Mensch hier einerseits Bestandteil - andererseits autochthones Ganzes. Gerade weil es so viele Interessen gibt (s. Kapitel 4), die über unser armes Menschlein bescheid wissen möchten, meist aus ganz spezifischer Perspektive, darf in der Analyse nie das Ganze vergessen gehen: Die Exploration (qualitative Analyse) betrachtet den Menschen als Ganzes. Individuelle Unterschiede lassen immer ganze Reihen an Erklärungsvariablen zu:

Keine dieser Erklärungsvariablen darf aber als Ersatz für das Ganze genommen werden.

2. Anwendung Ablauf Verantwortung

Arten praktischer Diagnostik (Tab. 1)

  Person/Institution Art der Diagnostik

wer?

Diagnostiker

  • Diplompsychologe
  • Praktischer Arzt
  • Psychiater
  • Therapeut etc.
 

womit?

Psychodiagnostisches Instrumentarium

  • Test
  • Biographie
  • Mimik/Gestik
  • Rollenspiel
  • Fragebogen
  • Testdiagnostik
  • Biographische Diagnostik
  • Ausdrucksdiagnostik
  • Interaktionsdiagnostik, Familiendiagnostik

was?

Sachbereich

  • Intelligenz
  • Aggressivität
  • Neurotizismus
  • Leistung
  • Intelligenzdiagnostik
  • Aggressionsdiagnostik
  • Neurosendiagnostik
  • Leistungsdiagnostik

wozu?

Art der Diagnostik

  • Status
  • Situation
  • Prozess
  • Einzelfall
  • Gruppe
  • Statusdiagnostik
  • Situationsdiagnostik
  • Prozessdiagnostik
  • Einzelfalldiagnostik
  • Gruppendiagnostik

wo?

Institutionen

  • Klinik
  • TüV
  • Sonderpädagogik
  • Arbeitsamt
  • Klinische Diagnostik
  • Verkehrseignungsdiagnostik
  • Sonderpädagogische Diagnostik
  • Eignungsdiagnostik

Komponenten und Variationsdimensionen psychodiagnostischer Prozesse

Jede Komponente des diagnostischen Prozesses ist von den andern abhängig: Eine Aenderung in einer Komponenten kann einen positiven oder negativen Effekt in anderen Komponenten nach sich ziehen.

Anforderungen und Kriterien der Kontrollierten Praxis

Entscheid zur Therapie:

Bei Depressionen, liegt sonst ein gutes soziales Umfeld vor, ist z.B. kaum Behandlung nötig, falls diese einen Grund haben.

3. Geschichte der psychologischen Diagnostik

Geschichte der Psychologischen Diagnostik anhand wichtiger Veröffentlichungen (S 47-48)

1869 F. Galton: Hereditary genius

1883 J. McKeen Cattel: Psychometrische Untersuchungen

1890 J. McKeen Cattel: Mental tests and their measurements

1900 E.A. Kirkpatrick: Individual tests of school children.

1903 A Binet: L'etude experimentale de l'intelligence

1903 W.L. Kelley: Psychophysical tests of nomal and abnormal children

1904 C.E. Spearman: General intelligence objectively measured and determined.

1909 C. Burt: Experimental tests of general intelligence

1911: W. Stern: Die differentielle Psychologie in ihren Grundzügen

1912: L.M. Terman & H.G. Childs: A tentative revision and extension of the Binet-Simon measuring state of intelligence.

_____C.S. Yoakum & R.M. Yerkes: Mental tests in the American Army

1920 W. Stern & O. Wiegemann: Methodensammlung zur Intelligenzprüfung von Kindern und Jugendlichen

_____F. Giese: Handbuch psychologischer Eignungsprüfungen

1921 H. Rohrschach: Psychodiagnostik

____ E. Kretschmer: Körperbau und Charakter

1922 O. Lippmann: Handbuch psychologischer Hilfmittel der psychiatrischen Diagnostik.

1934 J.L. Moreno: Who shall survive?

1935 L.L. Thurstone: The vectors of minde

1936 J.P Guilford: Psychometric methods

1937 G.W. Allport: Personality: A psychological interpretation

_____R. Meili: Einführung in die psychologische Diagnostik

_____A. Anastasi: Differential psychology

_____R.B. Cattell: A guide to mental testing.

1938 L.L. Thurstone: Primary mental abilities

____H.A. Murray: Exploration of personality

____O.K. Buros: First mental measurement yearbook

1939 G.H. Thomson: The measurement of adult intelligence

1943 M. Simoneit: Grundriss der charakterologischen Diagnostik

1946 R.B. Cattell: The description and measurement of personality

1947 L.L. Thurstone: Multiple factor analysis

____H.J. Eysenck: Dimensions of personality

____E. Schneider: Psychodiagnostisches Praktikum

1951 H. Gulliksen: Theory of mental tests

1952 R.B. Cattell: Factor analysis

_____F. Mayröcker: Testmethoden

1953 A Huth: Handbuch psychologischer Eignungsuntersuchungen

1955 H. Lossen: Einführung in die diagnostische Psychologie

____G. Eckmann: Konstruktion und Standardisierung von Tests

1956 L.J. Cronbach & G.C. Gieser: Psychological tests and personnel decisions

1959 H. Belser: Testentwicklung

1960 H. Hiltmann: Kompendium des psychologischen Tests

____G. Rasch: Probabilistic models for some intelligence and attainment tests

1961 M. Dader: Möglichkeiten und Grenzen psychologischer Tests

____G.A. Lienert: Testaufbau und Testanalyse

1964 R. Heiss (Hrsg): Psychologische Diagnostik

1968 G. Fischer (Hrsg): Psychologische Testtheorie

____F.M. Lord & Novick, M.R.: Statistical theory of mental test scores

1974: G. Fischer: Einführung in die Theorie psychologischer Tests

1975 R.B rickenamp: Handbuch psychologischer und pädagogischer Testverfahren

1976 K. Pawlik (Hrsg): Diagnose der Diagnostik

1978 Pulver, Lang & Schmidt (Hrsg): Ist Psychodiagnostik verantwortbar?

1982 F. Petermann: Einzelfalldiagnose und klinische Praxis.

1983 K. Groffmann & L. Michel (Hrsg.): Psychologische Diagnostik

1983 R. Brickenkamp (Hrsg.): Erster Ergänzungsband zum Handbuch psychologischer und pädagogischer Testverfahren

1985 K. Ingenkamp: Lehrbuch der pädagogischen Diagnostik

1986 R.S. Jäger: Der diagnostische Prozess

1987 K.J. Klauer: Kriteriumsorientierte Tests

1989 H.J. Fissen: Lehrbuch der psychologischen Diagnostik

1990 J. Guthke, H.R. Böttcher u. L. Sprung (Hrsg): Psychodiagnostik

Interessanterweise sind die Tests, an die die wenigsten glauben, a) die ältesten und b) die vertrauernswürdigsten. Die Intelligenztests. Allerdings mit einer kleinen Ausnahme. Die alten Chinesen prüften ihre Schriftgelehrten bereits auf Eignung vor fast 3500 Jahren.

3.1 Personalselektion

Aelteste Ausleseverfahren in China um 1350 v. Chr für die Selektion der Mandarine (Schriftgelehrte des Konfuzianismus)

Joan Huarte (1530-1592): Prüfung der Köpfe zu den Wissenschaften

Karl Philipp Moritz (1756-93) ergänzte die in der Wissenschaft traditionellerweise idiographischen durch nomothetische Ansätze: die psychologische Fallgeschichte.

3.2 Intelligenz

Intelligenz und Ausbildung korrellierten immer recht stark. Insbesondere wo Intelligenz wie bei Baltes (1983) nicht nur als Fähigkeit der Informationsverarbeitung und des logischen Denkens, sondern auch eine Fähigkeit des Aneignens, Organisierens und Gebrauchens von Kulturwissen betrachtet wird. Diese Form der Intelligenz liesse sich nun allerdings eben erst recht durch Bildungstests erheben, dürfte aber um so mehr falsch liegen, als der Proband kulturfremd ist, was bei einigen Bürgern auch der Fall ist, wenn sie aus der selben Kultur stammen, aber eben in einer alternativen Ecke aufgewachsen sind.

Nichtsdestoweniger gehören Intelligenztests zu den Pychodiagnosen mit der höchsten Verlässlichkeit (r=0.78), Einstellungsfragen zu Lebensproblemen dagegen zu denen mit der niedrigsten (r=0.26).

3.3 Modelle - Theorien - Persönlichkeitsdimensionen (s. auch Persönlichkeit und Persönlichkeitstests)

Seit Hippokrates mit seiner 4 Kategorien umfassenden Temperamentenlehre konnte der Geist des Mensch glücklicherweise seine Komplexität dann doch weiter entfalten:

3.3.1 Freud, Jung, Adler

Freuds geniale Leistung war die Erkenntnis, dass der Mensch nicht primär bewusst agiert, sondern immer sehr stark von unbewussten psychischen Vorgängen beeinflussbar ist. Eben so genial, wenn auch immer noch übermässig banalsierend, seine Aufteilung der Psyche in 3 Reiche:

  1. Ich: Denken, Wahrnehmen, Realitätsprüfung, Reizschutz, Steuerung der Motilität, Abwehrmechanismen, Das ich versucht einen Ausgleich zu finden zwischen den Ansprüchen des Es (unbewusste Triebe), des Ueber-Ich (integrierte Werthaltung, Ideale) und der äusseren Realität.
  2. Ueber-Ich: Norm- und Wertsystem des Ich-Ideals.
  3. Es: Triebe (z. B. Hunger, Sexualtrieb), Bedürfnisse und Affekte wie Neid, Hass, Vertrauen oder Liebe gründen. Die Triebe, Bedürfnisse und Affekte sind auch Muster (psychische „Organe“), mittels derer wir weitgehend unwillentlich bzw. unbewusst wahrnehmen und unser Handeln leiten.

Die Versexualisierung der ganzen Psyche ist auf die Prüderie der Zeit zurückzuführen, in der sexuelle Störungen wie in einem Treibhaus gediehen. So sind )meines erachtens, als Nichtpsychologe) auch seine psychosexuellen Entwicklungsphasen vermutlich heute doch überbetont durch Hobbypsychologen, denen dieses doch relative einfache Denkmodell eben als Erläuchtung erscheint::

  1. orale Phase: Aufbau des Urvertrauens. Bei Störungen entstehen Leeregefühl, Depressionen, Suchttendenzen
  2. anale Phase: kontrollierter Umgang mit Impulsen: Autonomie, psychosoziale Modalitäten des Festhaltens und Loslassens. Störungen, z.B. durch rigide Reinlichkeitserziehung, führen zu Aggressionshemmungen, extremen Unterwerfungstendenzen, ausgeprägtem Trotz- und Dominanzstreben. Zwangsneurosen.
  3. genitalphallische Phase: Ausbildung des Oedipus, oder seine Verhinderung durch Identifizierung mit dem "Aggressor", dem gleichgeschlechtlichen Elternteil. Störungen in dieser Phase führen später zu Problemen mit der eigenen Geschlechtsrolle, insbesondere der Suche nach Mutter- oder Vaterersatz im Partner (der sich natürlich meist als Antihaltung tarnt).

Jung: Vertiefte das Wissen um das ES durch sein kollektives Unbewusstes und begründete bereits die polare Charaktereigenschaft:

Extraversion - Introversion (E-I)

E-I ist eine bipolar konzipierte Persönlichkeitsdimension. Der Extravertierte tut gerne etwas "Aufregendes", handelt spontan und ohne langes Nachdenken, geht gerne aus, ist gesellig, lebhaft und selbstbewusst, neigt dazu, die Geduld zu verlieren und ist nicht immer zuverlässig. Trait Merkmale für Extraversion sind Geselligkeit, Impulsivität, Ueberlegenheit, Aktivität, Risikobereitschaft und Erregbarkeit.

Der Introvertierte ist eher ruhig und zurückhaltend, reserviert und distanziert. Er kann gut allein sein, plant seine Handlungen im voraus und schätzt ordentliche Lebensführung. Er ist selten aggressiv, eher zuverlässig, pessimistisch und sozial angepasst.

Introvertierte bauen Erregung langsamer und mit geringerer Stärke auf und Hemmungen schneller ab. Bei Extravertierten ist dieses Verhältnis umgekehrt

Introversion: Durch klassisches und operandes Konditionieren sind introvertierte besser Konditionierbar als Extrovertierte. Sie durchlaufen den Sozialisationsprozess schneller und anpassungsfähiger.

Wir haben hier bereits einen ersten aber wichtigen Punkt, der manchen Bewerber angesichts eines Psychofragebogens in den Wahnsinn treibt. Es ist logisch, dass Firmen als Leiter lieber den Typ extravertiert hätten: Umgänglich, sozial, dem Publikum zugewendet - und nicht einen nach innen gekehrten Grübler. Gerade aber die Tatsache, dass dieser Typ, der Extrovertierte, eben auch schwerer zu steuern ist, kann die Aussage gleich ins Gegenteil verkehren. Vermutlich fehlt hier noch eine klarere Charakterisierung, denn die Lenkbarkeit bedeutet ja Abhängigkeit, und die ist bei ausgeprägten extravertierten nicht gegeben, da sie immer leicht Mehrheiten, Freunde, Anhänger finden können - was sie eben schwer lenkbar macht. Umgekehrt schöpft der Introvertierte, falls er dies nicht aus Zwang ist (Unterlegenheitsgefühl, Schwächegefühl) sondern aus Ueberzeugung, eben seine Kraft aus sich selbst, was ihn genau so unlenkbar machen kann. Sie sehen, Theorien sind schön ... aber eben angesichts der Realität meist zu banal um diese wirklich darzustellen.

Adler: Adlers Konzept basiert vor allem auf der Beobachtung, dass Menschen meist um Rang und Würde ringen, sich also meist entweder Überwertigkeit < oder eben > Unterwertig fühlen. Dieses Konzept hätte in unserer Zeit der totalen Firmenhierarchien vermutlich einiges zu sagen ... unterlässt es aber vermutlich lieber, da das geschäftsschädigend sein könnte. In letzter Zeit kommt die Idee allerdings wieder an die Oberfläche: Was gärt lässt sich eben schlecht unter Wasser halten ... heute unter dem Topos

Narzissmustheorie (s. auch Das neurotische Konkurrenzbedürfnis)

Die Narzissmustheorie spielt heute eine zentrale Rolle, wurde aber damals nur rudimentär entwickelt. Das ich wird hier nicht als Kombination von Ich-Es-Ueber-Ich angesehen, sondern als zentrale Instanz die in allen drei verwurzelt ist und das Individuum repräsentiert (was also dem in ... gesuchten eigentlichen Ich entspräche). Dieses Ich wird durch Selbstwertgefühl und Selbstidentität ausgedrückt. Das narzistische System dient der Aufrechterhaltung von Gefühlen der Sicherheit, des Selbstvertrauens, der Kohärenz und Konstanz dieses Selbstbildes. Die Regulierung des Selbstwertgefühls ist für das psychische Wohlbefinden von grosser Bedeutung. Narzistische Persönlichkeitsstörungen mit Beeinträchtigung des Selbstwerterlebens -und und der Entwicklung pathologischer Selbststrukturen in Form eines Grössenselbst mit charakteristischen Erlebnis- und Verhaltensformen wie Omnipotenz- und Grandiositätsvorstellungen (im Sinne einer kompensatorischen narzistischen Selbstaufblähung), manipulative Tendenzen gegenüber anderen Menschen zur Abwehr eigener Insuffizienzgefühle. Narzistische Persönlichkeiten gehen gerne Alter-Ego-Beziehungen ein, um sich durch die Nähe idealisierter Bezugspersonen narzistisch zu verstärken.

3.3.2 Cattell

3.3.3 Hans Thomaes Persönlichkeitskonzeption (kognitive Theorie)

3.3.3.1 Formen kognitiver Repräsentation von Welt und Selbst

Diese können bewusst, halbbewusst, vergessen - und dennoch handlungsleitend sein

  • Art, Wahrnehmung zu strukturieren
  • Ueberzeugungen, Einstellungen, Erwartungen, Hypothesen zu einem gegebenen Zeitpunkt und zu gegebenen Handlungsmöglichkeiten = bewusstes und unbewusstes Ueberzeugungssystem
  • Prototypen: Relativ stabile Repräsentationen von Attributen, Eigenschaften, Charakteristika auf andere Personen (> Rolle), erleichtern soziale Interaktionen.
  • In Scripts und Plänen antizipieren Personen den Verlauf von Ereignissen oder Verhaltensweisen und kanalisieren auf diese Weise hin ihre Handlungssequenzen, etwa den Ablauf erlernter Annäherungsversuche im heterosexuellen Kontakt.

3.3.3.2 Daseinsthemen

Daseinsthemen bezeichnen Leitmotive des Verhaltens. Sie lassen sich verstehen als motivational-kognitive Orientierungssysteme, aus denen heraus Individuen ihre Sinnsuche steuern.

Drei Beispiele:

Eine regulative Thematik bezeichent die Auseinandersetzung mit Störungen einer als angehem erlebten Situation. Herrühren kann die Situation aus vielen Quellen: aus Unzufriedenheit ebenso wie aus psychischen Mängeln und Leiden, aus Enttäuschung abenso wie aus Versagung oder Bedrohung. Ziel einer Intervention ist der Ausgleich der Störung, die erneute Herstellung des "inneren Gleichgewichts".

Die Thematik einer sozialen Abhebung betrifft ein System von Wünschen und Erwartungen, mit denen ein Individuum darauf zielt, sich von seiner Umwelt zu unterscheiden, ja sich über sie zu erheben. Einzelerscheinungen einer solchen Thematik werden fassbar in Berichten über Tendenzen zur Expansion der individuellen Welt.

> = Grundlage des Kapitalismus

Das Thema einer Beschäftigung mit der Endgültigkeit des Daseins fasst Erlebnisweisen zusammen, in denen einem Menschen der definitive Charakter seiner Existenz bewusst wird und er zu dem Schluss kommt, dass sein künftiges Leben in den meisten Situationen festgelegt ist und keine bedeutsamen Veränderungen psychischer oder sozialer Situationen erwarten lässt.

3.3.3.3 Daseinstechniken / Reaktionsformen:

Daseinstechniken oder Reaktionsformen haben eine instrumentelle Funktion. Sie ermöglichen oder erleichtern es, Daseinsthemen zu realisieren. Drei Beispiele:

Leistung fasst Reaktionsformen zusammen, die mit Anstrengung, mit Energieeinsatz verbunden sind. Leistung kennzeichnet demnach Handlungssequenzen, die einen Erfolg durch Einsatz von Energie sichern sollen. Dabei können auch Ressourcen einbezogen werden, die bestimmte Leistungen ermöglichen oder selber aus Leistungen resultieren, wie etwa finanzielle Mittel.

Korrektur von Erwartungen betrifft Erfahrungen, die eine Person daz nötigen, bestimmte Entwicklungssysteme zu ändern. Solche Erfahrungen bekunden sich zum Beispiel in Schilderungen, die sich mit der Enttäuschung über familiäre Spannungen befassen, mit der Sorge über gesundheitliche Belastungen, mit Frustrationen in der beruflichen Karriere.

Identifikation mit dem Schicksal und den Zielen anderer Personen bezeichnet einen hohen Grad der Anteilnahme, die der eigenen Familie oder dem Kreis der Freunde und Bekannten angehören. Eine Ausprägung dieser Reaktionsart erweitert symbolisch das eigene Selbst auf die Person hin, der die Indentifikation gilt.

3.3.3.4 Dimensionen des subjektiven Lebensraumes

Um eine Person zu verstehen, ist es nützlich, die Dimensionen ihres subjektiven Lebensraumes zu kennen. Thomae nennt als Beispiel drei Arten von "Ausdehnung", von "Extension" dieses "Raumes":

Die räumliche Expansion bezeichnet den "äusseren" Bewegungsrahmen, dem sich eine Person in ihrer Vorstellung zuordnet. Gehört dazu nur die Entfernung zwischen Wohnung und Arbeitsplatz? Oder zählt dazu auch die Strasse, an der die Wohnung liegt, die Stadt, durch welche die Strasse läuft? Wo endet dieser "Rahmen" bei jüngeren, wo bei älteren Personen: an der Grenze der Stadt, an der des Landes, an der des Erdteiles?

Die zeitliche Expansion gibt an, wie weit in die Vergangenheit oder wie weit in die Zukunft die subjektive Zeitdimension sich erstreckt. Dominiert bei jüngeren Personen die Zukunft, bei älteren die Vergangenheit? Gibt es Lebenphasen, in denen ein bestimmtes Thema besonders eindringlich erlebt wurde (etwa Hunger in der Kriegsgefangenschaft), andere Themen dagegen nur peripher mitbeachtet wurden (etwa Berufspläne für die Zeit nach der Heimkehr?)

Die soziale Extension umschreibt, welche Personen ein Individuum als zu sich gehörig betrachtet. Bedeutet ihm die Rolle etwas, die in der zurückliegenden Vergangenheit der Grossvater unter Politikern der Heimatgemeinde gespielt hat? Sieht ein Mann die Fehlschläge des eigenen Lebens "gutgemacht" in den Erfolgen des Sohnes? Bedeutet einer Mutter der akademische Bildungsgang ihrer Tochter einen "Ausgleich" für ein Ziel, das sie selber angestrebt, aber nicht erreicht hat?

3.3.3.5 Thematische Strukturierung

Ein Individuum orientiert sein Verhalten an bestimmten Daseinsthemen. Dabei kann ein Thema eine Lebensphase kurz- oder langfristig bestimmen.

Ein Thema kann kurzfristig für eine Person bedeutsam werden. So kann, im Dienste des "sozialen Aufstiegs", ein kurzdauernder Leistungsimpuls zu einem günstigen Prüfungsresultat beitragen (aktuelle Strukturierung).

Ein Thema kann einer mittleren Zeit- und Verhaltenseinheit Bedeutsamkeit verleihen. So könne im Dienst eines sozialen Aufstiegs, für die Dauer einer akademischen Ausbildung "neue Reaktionsformen" übernommen werden, etwa "Anpassung" an Institutionen und Personen, "Bitte um Hilfe" bei Vorbildern, "Stiftung und Pflege sozialer Kontakte" mit Gleichgesinnten. (temporäre Strukturierung)

Ein Thema kann sich auch langfristig auswirken. So kann das Ziel, sich mit technischen Erfindungen hervorzutun, einen Mann dazu führen, im Beruf wie im Privatleben ein Wunsch- und Erwartungssystem aufzubauen, das einzig dazu dient, den "Erfinder" bei relevanten Leitfiguren auffallen zu lassen. In diesem Sinne kann ein einzelnes Thema einen gesamten Lebensentwurf mitprägen (chronische Strukturierung).

3.3.3.6 Psychologische Biographik

Drei Analyseheinheiten: Handlung/Episode, Tageslauf, Lebenslauf

Bei Handlung/Episode geht es um einen Verhaltensausschnitt, der unter einem einheitlichen Thema steht. Zur Veranschaulichung können experimentelle Leistungssituationen oder so alltägliche Ereignisse wie das Verhalten eines Jungen in seiner Schulklasse dienen.

Den Tagesablauf können unterschiedliche Berichte über typische Tagesgeschehen illustrieren. Dimensionen beispielsweise, die sich bei verschiedenen Probanden vergleichen lassen - etwa Aktivität und Ruhe, Gleichförmigkeit und Wechsel, Störung und Ausgeglichenheit - bieten Indikatoren für Konstanz oder Varianz des Verhaltens in dieser "mitteleren" Zeiteinheit.

Die vielfältige Möglichkeit, einen Lebenslauf zu konzipieren, belegen unterschiedliche Berichtsmodelle. Zum Beispiel lässt sich das Schicksal eines Mannes von der dominanten Idee her schildern, Erfinderpläne verwirklichen, ein anderes Lebensschicksal vom Thema einer Tramatisierung in der Kindheit her.

3.3.3.7 Beispiele für Studien zu Thomaes Persönlichkeitskonzeption

3.3.4 Psychotizismus (P)

Personen mit hoher Ausprägung sind wenig anpassungsbereit, beschreiben sich als gefühlsarm, gefühlskalt und unempfindlich, haben wenig Einfühlungsvermögen, suchen nach neuen, erregenden Erfahrungen, verhalten sich feindselig und aggressiv, haben eine geringe Sensitivität für Gefahrensituationen und Freude an ungewöhnlichen Aktivitäten.

Hohe P-Werte wurden bei Schizophrenen, Psychopathen und Kriminellen gefunden, generell auch bei Männern. Als spekulativ wird hier die Ueberlegung bezeichnet, dass P gepaart mit hoher Intelligenz zu wissenschaftlichen oder künstlerischen Höchstleistungen führen kann. > Das wäre der Fall der Schizoidie (s. z.B. Kant).

Die Unabhängigkeit von E, N und P steht allerdings weiterhin in Frage.

3.3.5 Neurotizismus (N)

Die unipolar konzipierte Persönlichkeitsdimension N wird einer Person in um so höherem Masse zugeschrieben, je mehr sie zu emotionaler Empfindlichkeit und Verletzbarkeit neigt, sich häufig über somatische Beschwerden wie Kopfschmerzen, Verdauungsstörungen, Schlaflosigkeit usw. beklagt, eine Neigung zu Stimmungsschwankungen aufweist, innere Unruhe, Zeichen von Erregbarkeit zeigt und über Sorgen und Aengste klagt.

Höhere N-Werte zeigen nur eine Tendenz zu neurotischen Erkrankungen. Ob eine neurotische Fehlentwicklung einsetzt, hängt von spezifischen Lernerfahrungen ab

3.4. Die heute bedeutendsten Störungen der Psyche und des Verhaltens

Depression, bipolare Störung, Schizophrenie, Alkohol- oder Drogenabhängigkeit, Sozialphobie, Panikstörung, generalisierte Angst, Zwangsstörungen, somatoforme Störungen oder Demenz - psychische Störungen dieser Art sind bei Europäern keine Seltenheit. Nach einer jüngst in European Neuropsychopharmacology (2005: 15: 357-76) publizierten Meta-Analyse entwickelt jeder vierte Europäer (27 Prozent) wenigstens einmal pro Jahr eine der genannten psychischen Störungen. Das Lebenszeitrisiko liegt sogar bei mehr als 50 Prozent. Am häufigsten sind Angststörungen, Substanzstörungen und somatoforme Störungen.

Der Umsatz von Psychopharmaka hat sich in den letzten zehn Jahren laut Angaben des Krankenkassenverbands Santésuisse praktisch verdoppelt, auf heute 446 Millionen Franken. Den grössten Zuwachs verzeichnen dabei die Antidepressiva, deren Umsatzanteil kontinuierlich auf mittlerweile 56 Prozent geklettert ist (siehe Nebenartikel «Medikamente: Vorsicht, Nebenwirkungen!»). Die letzte schweizerische Gesundheitsbefragung hat denn auch ergeben, dass sich bei 13 Prozent der Bevölkerung leichte und bei 3 Prozent schwere Symptome einer Depression zeigen.

Damit ist es um die mentale Gesundheit der Europäer nicht besser bestellt als um die Psyche der US-Amerikaner

Im Juni 2004 hatte nämlich eine Studie der Weltgesundheitsorganisation ergeben, dass in den USA 27 Prozent der Bevölkerung an mentalen Störungen leide.

Nur 26 Prozent der Betroffenen erhielten irgendeine und noch weniger eine adäquate Behandlung.

http://www.tu-dresden.de/presse/psyche.pdf

Warum man psychische Störungen diagnostiziert:

1. Psychische Störungen sind nahezu ausnahmslos mit Beeinträchtigungen der sozialen Rollen verbunden schulische/berufliche Leistung, Elternschaft, soziale Kontakte, intime Partnerschaften); schwere Beeinträchtigungsprofile wurden bei ungefähr einem Drittel gefunden!
2. Psychische Störungen in den ersten zwei Jahrzehnten des Lebens sind mit verminderter sozialer, kognitiver und behavioraler Entwicklung verbunden (schlechte schulische und berufliche Leistung/Versagen).
3. Komorbidität verschlimmert gewöhnlich den Grad der sozialen Beeinträchtigung und Behinderung und geht mit einem erhöhten Risiko für Suizid, Hospitalisierung, Arbeitslosigkeit und Isolation einher.
4. Die gesamten indirekten Kosten sind immens und übersteigen bei weitem die direkten Kosten im Gesundheitswesen.
5. Die Drogenbehandlungskosten betragen schätzungsweise nur 4% der Gesamtkosten.

Psychische und Verhaltensstörungen (F00-F99)

F00-F09 Organische, einschließlich symptomatischer psychischer Störungen: Demenz (Alzheimer), Alkohol (Delirium), Halluzinationen etc. - aber körperlich bedingt
F10-F19 Psychische und Verhaltensstörungen durch psychotrope Substanzen: Vergiftung, Rausch - aber auch Entzug, Halluzinogene, Kokain, Koffein, Lösungsmittel etc.
F20-F29 Schizophrenie, schizotype und wahnhafte Störungen:
Schizophrenie
Die schizophrenen Störungen sind im allgemeinen durch grundlegende und charakteristische Störungen von Denken und Wahrnehmung sowie inadäquate oder verflachte Affekte gekennzeichnet. Die Bewusstseinsklarheit und intellektuellen Fähigkeiten sind in der Regel nicht beeinträchtigt, obwohl sich im Laufe der Zeit gewisse kognitive Defizite entwickeln können. Die wichtigsten psychopathologischen Phänomene sind Gedankenlautwerden, Gedankeneingebung oder Gedankenentzug, Gedankenausbreitung, Wahnwahrnehmung, Kontrollwahn, Beeinflussungswahn oder das Gefühl des Gemachten, Stimmen, die in der dritten Person den Patienten kommentieren oder über ihn sprechen, Denkstörungen und Negativsymptome.
F30-F39 Affektive Störungen: Manie, Bipolar, Depression
F40-F48 Neurotische, Belastungs- und somatoforme Störungen: Phobien:
F50-F59 Verhaltensauffälligkeiten mit körperlichen Störungen und Faktoren: Ess-, Schlafstörungen, sexuelle Störungen
F60-F69 Persönlichkeits- und Verhaltensstörungen: Paranoia, Schizoidie, Dissozial, Borderline, Narzissmus, Pyromanie, Kleptomanie, Fetischismus, Pädophilie
F70-F79 Intelligenzminderung:
F80-F89 Entwicklungsstörungen: Aphasie, Apraxie, Autismus, Asperger, Dyslexie etcetc
F90-F98 Verhaltens- und emotionale Störungen mit Beginn in der Kindheit und Jugend: Hyperaktivität, Aufmerksamkeitsdefizit (ads), Stottern, Nägelkauen etcetc.
F99 Nicht näher bezeichnete psychische Störungen

4. Typen von Tests und Analysen

Testen kann man heute praktisch alles. Die wichtigsten Tests betreffen meist Hypochondrie, Depression, Hysterie, Psychopathie, geschlechtliche Abweichungen, Paranoia, Psychasthenie (heute Neurosen genannt), Schizophrenie, Hypomanie, soziale Introversion.

4.1 Traditionelle Entwicklungstests

Testbezeichnung Alter Fähigkeitsbereich Bemerkungen

Bühler-Hetzer-Kleinkindertest

0-6 sinnliche Perzeption; Körperbewegung, sozialer Kontakt, Lernen, Materialbeherrschung, geistige Produktion Entwicklungsquotient = (Entwicklungsalter/Lebensalter x 100. Profilauswertung
Entwicklungstestreihen für das Schulalter (1962) 7-13 Verständnis für soziale Normen, Lernen, Materialbeherrschung, geistige Produktion do ______"
Entwickungstests für das Schulalter (1942/70) 5-11 soziale Reife, Gedächtnis, Lernen, Materialbeherrschung, geistige Produktion do ______"
Gesell Developmental Schedules (Gesell & Amatrada, 1947) 0-6 Grobmotorik, Feinmotorik, adaptives Verhalten, Sprache, soziales Verhalten Gesamtquotient: Entwicklungsalter/Lebensalter; Profilauswertung
Cattell Infant Intelligence Scale (1940) 0-2.6 Intelligenz: Wahrnehmung, Gedächtnis, sprachliches Verständnis, lautl. Aeusserungen Gesamtquotient
Bayley Scale of Infant Development (1969) 0-2.6 motorische Fähigkeiten: Körperkontrolle, grobmotorische Koordination, Feinmotorik u.a. mentale Fähigkeiten; Wahrnehmung, Gedächtnis, Vokalisierung, Kommunikation motorischer und mentaler Entwicklungsquotient (Abweichungsquotient): Verhaltensbeurteilungsbogen. Altersstandardisierung und Normierung jedes Items und der Gesamtwerte (USA, Niederlande)
Griffith (Entwicklungsskala (1954, dt. 1983) 0-2 Motorik: persönlich-soziale Fähigkeiten. Hören und Sprechen. Auge und Hand: Leistung Entwicklungsquotien für Gesamttest und Einzelskalen; britische Standardisierung und Ueberprüfung an deutscher Stichprobel

Funktionelle Entwicklungsdiagnostik des 1. Lebensjahres:

Münchner funktionelle Entwicklungsdiagnostik:
Sozialalter  

Ende 11. und 12. Monat

Ende 9. und 10. Monat

Ende 8. Monat

Ende 7. Monat

Ende 6. Monat

Ende 4. und 5. Monat

Ende 3. Monat

Ende 2. Monat

Ende 1. Monat

Neugeborenes

Reicht der Bezugsperson einen Gegenstand, wenn es durch Gesten oder Worte dazu aufgefordert wird.

Deutliches Fremdeln

Reagiert freudig auf Versteckspiel hinter Möbeln

Verfolgt eingehend Tätigkeiten der Bezugsperson

Benimmt sich gegenüber Bekannten und Unbekannten unterschiedlich.

Lacht stimmhaft, wenn es geneckt wird

"Soziales Lächeln"

Fixiert ein bewegtes Gesicht und folgt ihm

Beim Erblicken eines Gesichts hält es einen Augenblick inne.

Beruhigt sich, wenn es auf den Arm genommen wird.

4.2 Lernerfolg/Bildungsweg/schulische Leistungsbeurteilung

Die Erfassung von Lernerfolgen ist nach wie vor das Kernstück pädagogischer Diagnostik. Pädagogische Diagnostik ist an der Gestaltung der Lernumwelt beteiligt, trägt also auch Verantwortung für die pädagogische Einflussnahme.

Erfassung von Lernerfolgen Entscheidungshilfe für Bildungswege Diagnose spezieller Lernvoraussetzungen
im mit den Polen sowohl bei auffallenden
kognitiven Bereich / sozial emotionalen Bereich Beratung / Entscheidung Lerndefiziten als auch Lernerfolgen (z.B. Leseschwächen, Hochbegabung)
von vom in allen
Kindergärten bis zu Institutionen tertiärer Bildung Schuleintritt bis zur Wahl von Studiengängen Stufen geplanter Lernvorgänge
mit den Zielrichtungen nach mit dem Ziel
Optimierung des Lernens / Erteilung von Berechtigungen Diagnose der erforderlichen allgemeinen Lehrvoraussetzunge optimaler Plazierung und Behandlung
jeweils mit jeweils mit vorwiegend mit
traditionellen und/oder objektiven Methoden traditionellen und/oder objektiven Methoden objektiven Methoden
durch durch durch
Lehrende, z.T. auch durch Beratungskräfte (z.B. Beratungslehrer, Studienberater Lehrende, Beratungskräfte, Schulpsychologische und andere Dienste Sonderschullehrer, Beratungskräfte, Schulpsychologische und andere Dienste.

Der Standard schulischer Leistungsbeurteilung ist ja die Prüfung, der Test, die benotet werden. Gerade hier allerdings zeigt sich eine extreme Subjektivität der Leistungsbeurteilung:

Eels Untersuchungen von 1930 zeigten nur sehr geringe Verlässlichkeit solcher Bewertungen (1: alle Lehrer beurteilen die Leistung gleich): Geographie r=0.25 bis 0.51, Geschichte 0.31 bis 0.39,

Dicker, der 1977 24 Lehrer über 3 Monate testete, erhielt ein r von 0.46

Der prognostische Wert von Klassenarbeiten ist gering. So z.B. lässt sich aus einem Diktat für Schulerfolg nach 1 Jahr mit einer Verlässlichkeit von bloss: 0.2 schliessen, Aufsatz 0.16, Mathematik 0.17 (Knoche 1977)

Zudem hangen Noten auch von der Klasse ab. Alles Belege, warum eine frühe negative Auswahl unbedingt zu verhindern ist.

4.4 Konzentrationsfähigkeit

bei Kindern:

etc,

Konzentrationsfähigkeit bei Erwachsenen:

Rechenverfahren:

Sortierverfahren:

4.5 Störungen/Psychodiagnostische Gutachten:

Also eine ganze Menge Institutionen, bei denen Psychologen oft ein entscheidendes Wort haben ... und deswegen demokratisch immer wieder mal geprüft werden muss, wie normal ihre Ansichten selbst sind.

4.6 Persönlichkeitsfragebogen

 

Freiburger Persönlichkeitsinventar

  1. Lebenszufriedenheit
  2. Soziale Orientierung
  3. Leistungsorientierung
  4. Gehemmtheit
  5. Erregbarkeit
  6. Aggressivität
  7. Beanspruchung
  8. Körperliche Beschwerden
  9. Gesundheitssorgen
  10. Offenheit
  11. Extraversion
  12. Emotionalität

Fragebogen: Maudley Medical Questionnaire (MMQ), Maudley Personality Inventory (MPI), Eysenck Personality Questionnaire (EPQ), Junior Eysenck Questionnaire (JEPQ) etc, etc., etc.

Umfassende Sammlung von Tests für die Forschung: testothek

Martin Herzog, Basel, 1.7.09