No 12 - 2. September: Gemeinwesenarbeit - die Zivilgesellschaft

Da die meisten Beteiligten sich in dem Bereich eh engagieren, über einige Kenntnisse, gute wie schlechte Erfahrungen verfügen, wird auch dieser Abend nach dem Verfahren der Maieutik durchgeführt, als sokratischer Dialog.

Fragen:

1. Was macht die Politik, mit welchen Mitteln und Strukturen? > Gesetze

Die vier Mächte:

  1. ideologische Macht: Religion z.B.Christentum - heute pluralistisch, vermittelt durch eben die Zivilgesellschaft. Pfeift auf Passung, drum Ideologie.
  2. ökonomische Macht: gelenkt durch Gesetze, aber selbstkontrolliert, also unbegrenzt
  3. militärische Macht: mittelalterliche Staaten, z.T. USA. Unter Kontrolle des Parlaments, normalerweise
  4. politische Macht: Aufgeteilt in Exekutive, Legislative, Judikative

    Wo hat die demokratische Politik Steuerungsprobleme? > Minderheiten, Diktatur der Mehrheit, Zukunftsgestaltung, Komplexität, einseitige Beeinflussung, populistische Mehrheitssuche, fehlender Sachverstand bei Parlamentariern - und beim Volk, ...

    Politik muss "Anschlussfähig sein. Beim dualen System Position-Opposition geht die Entwicklung, im Extremfall zweier inkompatibler Systeme (Kommunismus-Kapitalismus) im Zickzack hin und her, und es ist keine Entwicklung möglich. Beisp. Südamerika vor 40 Jahren: Bei jedem Regierungswechsel wurde die gesamte Verwaltung ausgewechselt.

    Kern der Demokratie ist für Dewey nicht wie später für Arendt und Habermas die Diskussion als solche, sondern das kommunikative Problemlösen, die praxisorientierte kollektive Folgenabschätzung.

    Da die Schule dem Auftrag der Erziehung mündiger Bürger nur beschränkt nachkommen kann, und auch das nur, solange die zukünftigen Bürger noch in der Schule sind, wäre gerade in Sachen demokratischer Mitentscheidung und Mitgestaltung der Erwachsenenbildung mehr Gewicht beizumessen:

    Die Schule hat mit ihrem staatlich erteilten Bildungs- und Erziehungsauftrag in mehrfacher Hinsicht Bedeutung und Verantwortung für die Herausbildung bürgerschaftlicher Kompetenzen. Im Mittelpunkt des schulischen Bildungsauftrags, wie er in den Schulgesetzen der Länder formuliert ist, steht die Vermittlung kognitiver Wissensbestände. Genauso wichtig ist allerdings auch das Bildungsziel des mündigen Bürgers in einer demokratischen Gesellschaft.

    Speziell auf die Stadthelferei zugeschnitten wäre hier der Ansatz von John Dewey, das kommunikative Problemlösen und die praxisorientierte kollektive Folgenabschätzung.

2. Was macht die Wirtschaft? Mit welchen Mitteln und Strukturen? Produkte und Dienstleistungen. Verteilung, für <> Konsum. Kreislauf.

3. Was macht die Zivilgesellschaft? Mit welchen Mitteln und Strukturen? Ihre Interesssen organisieren, mehr oder minder gut. Dienstleistungen anbieten. Soziale Integration durch Vielheit ermöglichen.

Das Paradoxon gesellschaftlicher Arbeit:

Freiwilligenarbeit als Arbeit für die Zivilgesellschaft, als Sozialzeit - gemeinnützige Arbeit als Strafe? - so die Definition des Sozialamtes Zürichim Handbuch Freiwilligenarbeit: Die Freiwilligenarbeit unterscheidet sich von der gemeinnützigen Arbeit. Diese wird von Personen geleistet, welche im Rahmen der Sozialhilfe zu einer Gegenleistung verpflichtet sind und durch eine Integrationszulage entschädigt werden. [Randbemerkung: Die Integrationszulage beträgt 100.- Fr.]

DAS Problem der Berufswahl ist hier sehr kurz gefasst: Was kann ich, was interessiert mich - wofür bezahlt mich der Markt. Bezahlt der Markt nicht mehr: Was kann ich - was interessiert mich - was interessiert die Stadt? So weit immer noch ein positiver und akzeptabler Ansatz, der nicht unter das fällt, was ich als Fronarbeit bezeichne. Allerdings lautet das Problem am Markt eben heute ganz anders: Was kann ich (lernen) - wofür bezahlt der Markt - und wie lange? Das erfordert eine ganz andere Lebensplanung als die, mit der unsere Eltern aufgewachsen sind und wir (also ich sag das als Jahrgang 55). Dies erfordert noch einen ganz andern Ansatz wenn man über 40 oder gar 50 ist, und der Markt am liebsten gar nichts mehr bezahlt.

Erklärungen / Definitionen der Zivilgesellschaft

Die Zivilgesellschaft ist den meisten Bürgern schon nicht mal als Begriff ein Begriff, noch weniger, wenn sie danach gefragt würden, wie denn das Ding strukturiert sei oder gar funktioniere. Dafür kann man allerdings den Bürger nicht kritisieren, denn den meisten Professoren und Gelehrten ginge es genau so. Man hat sich darum einfach noch kaum gekümmert. Die Vertreter der Gesellschaft waren die Politiker. Punkt. Gott sei Dank ist dem aber nicht so. Genau drum aber ist die Bürgergesellschaft vermutlich so undeutlich zu sehen, denn sie würde zu einigen Korrekturen führen in der sog. "grossen Politik". Hierin liegt ihr Problem - und ihre Chancen. Zuerst mal muss sie sich aber einigermassen organisieren, also Strukturen und Funktionen ermitteln.

> 3.1 Der Status der Freiwilligenarbeit, wie Freiwillig ist diese noch?

Definition Zivilgesellschaft:

    Bereich innerhalb einer Gesellschaft, der zwischen staatlicher, wirtschaftlicher und privater Sphäre entstanden ist – oder auch: zwischen Staat, Markt und Familie. Der Bereich wird als öffentlicher Raum gesehen, den heute eine Vielzahl vom Staat mehr oder weniger unabhängiger Vereinigungen mit unterschiedlichem Organisationsgrad und -form bilden – etwa Initiativen, Vereine, Verbände. Der Begriff soziale Bewegung bezeichnet Teile solcher Organisationen.

    Die Begriffe Nichtregierungsorganisationen (engl. non governmental organizations, NGO), Non-Profit-Organisationen oder Dritter Sektor werden oft gleichbedeutend mit Zivilgesellschaft verwendet.

    Zum anderen wird mit „Zivilgesellschaft“ eine Entwicklungsrichtung von Gesellschaften bezeichnet, die mit Zivilisierung und Demokratisierung umschrieben werden kann. In diesem Diskussionsstrang wird oft der Begriff Bürgergesellschaft gleichbedeutend verwendet.

Das wichtigste Mittel der Zivilgesellschaft, die "deliberative Öffentlichkeit" bedeutet, dass sich Bürgerinnen und Bürger in zivilgesellschaftlichen Foren argumentativ zu bestimmten Themen und Sachfragen begegnen.

    Zunehmende Differenzierung
    (s. Berufswahl unter "Gute Arbeit")
    = zunehmende Integrations- und Steuerungsprobleme

Vorteil der Zivilgesellschaft gegenüber Politik und Recht

Zum bürgerschaftlichen Engagement gehören öffentliche Kritik und Widerspruch, d.h. Formen der Selbstorganisation, die neu, unbequem, herausfordernd und (noch) nicht anerkannt sind. Stadtbürger drängten im 18. Jahrhundert protestierend darauf, dass Gesetze und Verordnungen veröffentlicht werden, nach denen sie die Obrigkeit behandelt und besteuert. Proteste und soziale Bewegungen trugen zu den demokratischen Verfassungsreformen des 20. Jahrhunderts bei.

Positive Beispiele:

Gelungene Beispiele für den Einsatz professioneller Moderation sind kommunale Energie-, Umwelt-, Agenda und Familien-Tische, die von professionellen Instituten seit einigen Jahren bundesweit durchgeführt werden. Ebenso Bürgerbüros, Stadthäuser, Stadtteilkonferenzen.

> 3.2 Mögliche Funktionen zivilgesellschaftlicher Organisationen?

Fehlkonstruktionen der Zivilgesellschaft

Hier noch ein paar Beispiele aus eigener Erfahrung, was da so vorkommt in der Natur:

  1. Die Fossile: Wenn eine Organisation (Verein oder was auch immer) eine Theorie oder ein Anliegen vertritt, das vor Urzeiten mal aktuell war, so dürfen Sie ruhig annehmen, dass sich die Geschichte bereits eine Meinung gebildet hat. Falls diese Lösung zur Rettung der Welt 2000 Jahre unentdeckt blieb, so war es vermutlich einfach nicht so weit her damit. Dazu gehören insbesondere Anstrengungen zur Wiederbelebung uralter Wirtschaftstheorien wie etwa der Pysiokratie, des Merkantilismus, der Freiwirtschaft, des Kommunismus, des Sozialismus etc. (Ueberblick s. Wirtschaftssysteme, die historisch zwischen Feudalismus und Kapitalismus ausprobiert wurden). Ebenso die Wiederbelebung veralteter politischer Theorien, wie etwa meiner Leidenschaft, des Anarchismus. Ein Hinweis auf ein historisches Anliegen ist z.B., wenn der Vorstand und/oder die Mitglieder längst pensioniert sind ...
  2. Der verlängerte Arm des Staates: Wenn eine Organisation im Vorstand Mitglieder aus höheren Verwaltungspositionen drin hat, die Mitglieder zumeist Angestellte sind, können sie nicht all zu viel Partizipation erwarten. Was oben beschlossen, ist von unten auszuführen, inbesondere in traditionell eher straff-militärisch geführten Bereichen wie der Forstwirtschaft. Wenn die KOK (Kantonsoberförsterkonferenz) etwas beschliesst, haben die "Mitglieder" das durchzuführen, nicht zu kritisieren. Ähnlich problematisch dürften auch die anderen Bereich sein wo Fachdirektoren (Departementsvorsteher/Minister) der Kantone (Erziehungs-, Landwirtschafts-, Volkswirtschafts-, Energie-, Finanzdirektoren, Justiz- und Polizei-, Militär- und Zivilschutz-, Verkehrs-, Bau-, Planungs-, Umweltschutzdirektoren, Kantonsoberförster) Beschlüsse fassen. Nicht sehr sozial fanden die davon betroffenen Basler z.B. die Vorschläge des SKOS (eine eben solche Organisation), die Sozialleistungen zu verringern, die prompt und gerne von der Basler Regierung aufgegriffen wurden, obwohl sich diese "Links", also "sozial", schimpft. Diese sog. " interkantonalen Verträge" sind schwer abänderbar, entstehen ohne Beteiligung des Volkes, sind also eher elitär, also oft eher die Interessen der Elite zementierend, unterstehen keinem Referendum und stellen quasi einen Staatenbund im Bundesstaat dar. Europa ist also gar nicht so weit weg von unserer "Demokratie" ...

Im selben Prokrustesbett landen zur Zeit allerdings immer mehr soziale Organisationen über das Modell ppp oder pspp. Sie vergessen ob der Begeisterung des Bezahlt-Werdens, das jeder der seine Dienste verkauft, dann eben verkauft ist, ein gekaufter Untertan.

  1. Selbstdarstellung, persönliche Geltungssucht: Das dürfte der grösste Bereich sein, wo es Gründern und Leitern vor allem darum geht, jemand zu sein, sich selbst zu präsentieren, an der Öffentlichkeit zu stehen, bekannt zu sein etc. Hier unterscheiden sich leider weder Führung noch hierarschische Unterordnung, Mobbing etc. von normalen wirtschaftlichen Betrieben. Leider - aber logischerweise - sind Narzisten in den Leitungsgremien der NGOs genau so die Norm wie in der Wirtschaft. Auch hier ein Beispiel aus eigener Erfahrung: Die sog. Liste 13 wurde von einer Clique ausserirdisch Unfähiger derart an die Wand gefahren, dass eine Diskussion über eine dringend nötige Neue Linke in der Schweiz kaum mehr möglich ist. Logischerweise tumeln sich die Urheber nun in einem Projekt des 2. Arbeitsmarktes, Planet 13.
    Dies wirft natürlich weitere beträchtliche Probleme auf:

    Neuere US-amerikanische Forschungsansätze (vgl. Putnam 1993, 2000) verstehen auch dieses Kooperationsproblem letztlich als ein Kommunikationsproblem: Den Bürgern fehlen Informationen bezüglich der Vertrauenswürdigkeit und Berechenbarkeit möglicher Partner.

  2. ...

> 4. Stadthelfer: Hilfe für die Stadt - oder die Helfer - oder beide?

Stadthelfer Basel: Freiwilligenarbeit zum Wohle der Stadt

    "Eine soziale Tätigkeit, z.B. in der Nachbarschaftshilfe, ein ehrenamtliches Engagement in einem Verein (z.B. Quartier- oder Sportverein) und ähnliche Aktivitäten beugen einer Isolation oder gar einem drohenden sozialen Abstieg von Sozialhilfeempfänger/innen vor und können deren Selbstwertgefühl stärken.

    Konkret steigen durch die verbesserte soziale Integration aber auch die Chancen der Betroffenen auf dem Arbeitsmarkt, etwa durch den Erwerb von zusätzlichen Qualifikationen oder durch die Schaffung eines Beziehungsnetzes.

4.0.1 Freiwilligenarbeit:

> 4.0.1.1 Wo fand man sie historisch (Armut, Gesundheit, Soziales; wenig in Kunst, Literatur, Wissenschaft. Kleine Zirkel)

> 4.0.1.2 Wo findet man sie heute? (Sport, Spiel/Hobby, Kulturelles, Kirche)

> 4.0.1.3. Wo und wie wird sie am liebsten geleistet? (Interessante Tätigkeit in angenehmer Gesellschaft. Informell. Freiwillig) Wichtigste Aenderung(en) der letzten 30 Jahre. eigener Gestaltungsraum, keine hierarchische Eingliederung, Alterative zu Erwerbsmarkt

4.0.2 Reparaturarbeiten? Am zusammenklappenden Kapitalismus?

> Stadthelfer: Hilfe für die Stadt - oder die Helfer - oder beide?

4.1 Funktionen für das Individuum?

> Reparaturarbeiten? Am zusammenklappenden Kapitalismus? Verwaltung von Armut? Ruhigstellen?

4.2 Leistungen für Oeffentlichkeit (Gemeinnützigkeit)?

Generell: Verbesserung der Beratung, Schulung, Information, Vernetzung, Absicherung, Anerkennung ...

  1. Realisation gesellschaftlich notwendiger Aufgaben - die aber nicht marktfähig sind
  2. Sicherung von sozialen, kulturellen und ökologischen Dienstleistungen
  3. Umverteilung unbezahlter Arbeit zwischen den Geschlechtern
  4. Umwertung von gesellschaftlich unterbewerteten Aufgaben
  5. der Entwurf neuer Lebens- bzw. Zeitverwendungsmodelle
  6. Volkswohl-Stand
  7. Volks-Bildung
  8. Aufklärung
  9. ...

> vermitteln, klären, publizieren, anbieten, korrigieren, ausbauen.

Vermittlung/Koordination/Informationszentrum

Information, Reflexion, Entscheidungsfindung sind komplexe Abläufe.

Insbesondere würde sich das Stadthelferzentrum sehr als Ort eignen, an dem Aufgaben wie Beratung, Schulung, Information, Vernetzung, Absicherung, Anerkennung erst mal diskutiert, und dann aber auch angeboten werden könnten.

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Probleme der Stadthelfer

Zu hehre Ziele

  1. Einen langen Lebensabschnitt der chronischen Krise zu beenden;
  2. Eigenaktivität statt Hilflosigkeit und soziale Begehrlichkeit zu entwickeln: das Leben wieder selbst in die Hand nehmen;
  3. Identitätswandel: Stärkung von Selbstvertrauen und Selbstwertgefühl, statt Versager-, Verlierer-, Aussenseiter-Rolle;
  4. Wecken neuer Leidenschaft, reaktivieren brachliegender Fähigkeiten, statt Hilflosigkeit, Resignation, Auflehnung, Blockierung;
  5. Einbindung in einer Selbsthilfe-Gruppe, in ein soziales Netz, statt soziale Isolation;
  6. Aufbau einer neuen Identität als Helfer: Lebenswert statt Geldwert schaffen;
  7. Klärung des zukünftigen Einsatzbereichs als Stadthelfer.

Zu banale Ziele: > in bestehende Strukturen zu vermitteln. Wären die Projektplaner ehrlich gewesen, hätten sie sich also sagen müssen: Wir müssen das Ding als Stellenvermittlung für problematische Personen in Arbeit ohne Bezahlung organisieren.

creaming off: Auswahl der *geeigneten* - für welches Ziel?

Die Massnahmen der Sozialhilfe zur Integration in Arbeit müssen zudem effektiv sein und in einem vertretbaren Kosten-Nutzenverhältnis stehen. Das führt zu einer internen Auswahl mit dem Ziel, möglichst nur diejenigen Klientinnen und Klienten in die teuren Massnahmen der beruflichen Integration zu schicken, bei denen eine realistische Erfolgsaussicht besteht. Bei dieser Triagierung müssen aber Menschen unberücksichtigt bleiben, die zwar willens sind, etwas zu leisten, die aber vom Arbeitsmarkt nicht mehr aufgenommen werden.

Stade sucht ihre Stadthelfer aus, als wäre sie eine Headhunterin. Die Einstiegshürden legt sie ziemlich hoch: gute mündliche Deutschkenntnisse, keine akute Sucht- oder psychische Erkrankung, intakte Selbstkompetenzen.

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Projekte / Vermittlung zwischen Spendern und Geld-Suchenden