KOOP - Bildungsbörse - WISSENSCAFE: Programm / Archiv

Stadthelferzentrum
Vogesenstrasse 110
4056 Basel - St. Johann

Eintritt/Teilnahme frei

Anfragen an M. Herzog, 061 831 80 15, hewww@brainworker.ch

Das Wissens-Forum zwischen Stammtisch und Philosophie

Definition Stammtisch:

Ein Stammtisch ist sowohl eine Gruppe von mehreren Personen, die sich regelmäßig in einem Lokal trifft, als auch der (meist größere und oft runde) Tisch, um den sich diese Gruppe versammelt. Stammtische sind nicht organisierte Treffen und daher nur ein freiwilliger, aber doch verbindlicher Zusammenschluss von Teilnehmern.

Im Mittelpunkt einer solchen Stammtischrunde stehen das gesellige Zusammensein, Kartenspiel und oft auch politische oder philosophische Diskussionen. Für die dem Stammtisch unterstellten, vereinfachenden Argumentationen haben sich Begriffe wie Stammtischparole, Stammtischpolitik und Stammtischniveau etabliert, die metaphorisch auch für politische und gesellschaftliche Diskussionen außerhalb realer Stammtische verwendet werden.

Als Problem im Vergleich zur Philosophie treten hier also vor allem auf:

Das Problem der Banalitäten:

Populismus bedient sich, wie die Werbung, banalen Wissens. Nun sollte man aber nicht in intellektuellem Übermut jede Banalität belächeln, denn gerade in der Demokratie lässt sich die Mehrheit eigentlich nur über banales ansprechen - das allerdings dazu frisch angemalt, aufgepeppt und zum Event gemacht werden muss.

Definition: Banal bedeutet alltäglich, abgedroschen, und wurde im 19. Jahrhundert aus dem Französischen in die Deutsche Sprache übernommen. Seine Wurzel ist also der "ban", der Gemeindebann, der Lebensraum des Dorfes. Die Banalität ist also quasi ein Synonym für gemeinschaftlich, geteilt, gemeinnützig, Gemeinsinn, common sense, gesunden Menschenverstand.  Das Banale ist also der Inbegriff des bürgerlichen Allgemeinwissens. Was darüber hinaus geht, hat beim Durchschnittsbürger Schwierigkeiten anzukommen und weckt leicht antiintellektuelle Abwehr.

Um banales (entsprechend Illichs vernacular) Wissen erkennen zu können, braucht es, wieder mal, die Topik.

Um aus Banalitäten rauszukommen braucht es also mehr und bessere Allgemeinbildung - nicht aber mehr fachspezifische Schulung.

Diese Probleme sind ernst zu nehmen, um so mehr als Banalisierung, Trivialisierung, leeres Palaver und speziell die Verzettelungstaktik eben auch Mittel der Eristik und Manipulation sind, mittels derer entweder verborgen werden soll, dass der Redende von der Sache keinen blassen Dunst hat - oder mittels derer die Zuhörer in einen Zustand völliger Verwirrung gebracht werden sollen, so dass sie danach die wieder klar und einfach präsentierte "Lösung aller Probleme" des Anwenders noch so dankbar schlucken. Man nennt dies dann den Ankereffekt.

Vor allem in ländlichen Regionen und kleinen Gemeinden war die Zugehörigkeit zum Stammtisch an einen höheren Sozialstatus gebunden. So setzte sich ein Dorfstammtisch bis weit in die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts vor allem aus örtlichen Honoratioren wie dem Bürgermeister, Arzt, Apotheker, Lehrer, Förster oder wohlhabenden Bauern zusammen. Die Einladung an einen Ortsfremden, am Stammtisch Platz zu nehmen, galt als nicht selbstverständlicher Wertschätzungsbeweis

Heute sind Stammtische nicht mehr an einen Sozialstatus gebunden. Bei heutigen Stammtischen steht vor allem die Zusammengehörigkeit, Vertrautheit und das Ausleben gemeinsamer Interessen im Vordergrund.

Definition Philosophie:

Philosophie ist Einübung in den Tod - Philosophie ist der vorgezogene Tod (Platon).

Die Philosophie versprach Trost durch Vernunft, statt durch Glauben:

Wer, statt den Körper zu lieben, ein philosophisches Leben führt, indem er sich mit Logoi, mit Reden und Argumenten beschäftigt, der kann schon auf Erden des Glückes teilhaftig werden, das vollkommen erst der geniesst, dessen Seele sich gänzlich vom Körper gelöst hat. [Platon, Hist. Wörterbuch, S. 578]


Philosophie ist Liebe,
Studium und
Übung der
Weisheit

Philosophie befasst sich mit all dem Wissen, das nicht be- und verrechnet werden kann.

Philosophie ist Beschäftigung mit dem Umgreifenden, also dem, was Wissen zusammenhält und Wahrheit schafft.

Der Philosoph ist,
wie der Künstler,
ein therapeutischer
Stein des Anstosses.

mh


Philosophie ist die Entdeckung des Seins, und das Sein des Seins ist Wahrheit und Philosophie.

Emmanuel Levinas


Philosophie ist ein liebevoller Umgang mit der Wahrheit.

Dante Alighieri


Die Philosophie hat nicht gut, sondern wahr zu sein.

Baruch Spinoza


Man kann niemals Philosophie lernen, nur Philosophieren.

Kant


L'architecte de l'édifice moral, c'est le philosophe.

Helveticus


Das Philosophieren ist das Zustandebringen einer Erkenntnis, verbunden mit dem klaren Bewusstseyn ihrer Zustandebringung (s. Psychoanalyse der Intuition); es fällt daher in die Kategorien der Kunst.

Friedrich Schleiermacher


Der Religion ist nur das Heilige wahr,
der Philosophie nur das Wahre heilig.

Ludwig Feuerbach


Philosophie ist die wahrhaftigste aller Wissenschaften, die Kunst des Misstrauens.

Die Wissenschaft ist hässlich, trocken, trostlos, schwierig, langwierig - lasst uns sie verschönern! > Immer wieder etwas, das sich Philosophie nennt. Sie will was alle Künste und Dichtung wollen - vor allem Unterhalten (wie die Gartenkunst ...).

Nitzsche: Morgenröte 427


Aufgabe der Philosophie ist es, einen Beitrag zum fortwährenden Gespräch der Menschheit über die eigene Zielsetzung zu leisten.

Die Philosophie soll bei Auseinandersetzungen Partei ergreifen und im Auge behalten, wie sich der Gang des Gesprächs verändern lässt. Sie soll sich fragen, ob die Entscheidungen für diese oder jene Seite Auswirkungen hat auf soziale Hoffnungen, Handlungspläne und Prophezeihungen einer besseren Zukunft.

Rorty


Philosophy is completely unified knowledge

H. Spencer


Philosophie ist Politik in der Theorie

Merlau-Ponty:


Die Philosophie ist nach meiner Auffassung ein Mittelding zwischen Theologie und Wissenschaft. Gleich der Theologie besteht sie aus Spekulation über Dinge, von denen sich bisher noch keine genaue Kenntnis gewinnen liess; wie die Wissenschaft jedoch beruft sie sich weniger auf eine Autorität, etwa die der Tradition oder die der Offenbarung, als auf die menschliche Vernunft. Jede sichere Kenntnis, möcht ich sagen, gehört in das Gebiet der Wissenschaft; jedes Dogma in Fragen, die über die sichere Erkenntnis hinausgehen, in das der Theologie. Zwischen der Theologie und der Wissenschaft liegt jedoch ein Niemandsland, das Angriffen von beiden Seiten ausgesetzt ist; dieses Niemandsland ist die Philosophie. [S. 11]

Russell


Die Philosophen sind die Denker.

Die Philosophie ist DIE Wissenschaft. Die Philosophie ist <das wirkliche Erkennen dessen, was in Wahrheit ist>

Die eigentliche Wissenschaft ist die <Wissenschaft der Logik>

Philosophie ist Metaphysik. Diese denkt das Seiende im Ganzen - die Welt, den Menschen, Gott - hinsichtlich des Seins, hinsichtlich der Zusammengehörigkeit des Seienden im Sein.

Heidegger


Der Philosoph ist derjenige, der sich entschlossen hat, nur den Weg einzuschlagen, der sich durch Denken rechtfertigen lässt.

K. Bühler:


Die wahre gesellschaftliche Funktion der Philosophie liegt in der Kritik des Bestehenden. Philosophie ist der methodisch beharrliche Versucht, Vernunft in die Welt zu bringen.

Horkheimer


Der Philosoph sucht die Wahrheit und gibt ihr Ausdruck.

Das Ideal der sokratischen Wahrheit beruht also auf der essentiellen Genügsamkeit des Selben, auf seiner Identität als Selbst, auf seinem Egoismus.
Die Philosophie ist Egologie.

Das Wissen wird erst zum Wissen einer Tatsache, wenn es gleichzeitig Kritik ist, wenn es sich selbst in Frage stellt.

Die Philosophie ist identisch mit dem Vorgang, an die Stelle der Personen die Ideen, des Gesprächspartners das Thema, des äusseren Verhältnisses des Anrufs das interne Verhältnis logischer Beziehungen zu setzen.

Die Philosophie ist niemals eine Weisheit, weil ihr der Unterredner, den sie gerade umgriffen hat, schon entkommen ist. Der Andere, dem das 'Ganze' gesagt wird, der Meister oder der Schüler, wird von der Philosophie, die in einem gewissen Sinne wesentlich liturgisch ist, angerufen.

Lewinas


Philosophische Praxis ist immer eine Art politischer Praxis.

Gramsci


Philosophie ist denkende Auffassung der Ausübungsbedingungen des Denkens in dessen verschiedenen Registern.

Alain Badiou