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Welcher Entwicklung? Wer entscheidet darüber? Nach welchen Kriterien?
Sinn und Zweck:
Investitionen sind Kapitalanlage zur Vermögensvermehrung zur Vermehrung des Vermögens zwecks Vermehrung des Vermögens ...
Definition: Investition:
In der wirtschaftswissenschaftlichen Literatur versteht man im Allgemeinen unter Investition (kurz I) die „Verwendung finanzieller Mittel“ (Wöhe) oder die Anlage von Kapital in Vermögen bzw. Geldkapital, um damit neue Geldgewinne, oder höhere Geldgewinne aus bestehenden Unternehmungen zu bekommen. Sie ist Teil des Geschäftsprozesses. Im weiteren Sinn gehören dazu neben kurzfristigen Anlagen auch Investitionen in Wertpapiere. Enger gefasst und am gebräuchlichsten ist der Begriff bei langfristigen Sachanlagen. Als langfristig kann dabei angesehen werden, wenn das Produktionsmittel das laufende Geschäftsjahr überdauert. Investitionen umfassen dabei einen weiten Bereich von Immobilien über Geschäftsfahrzeuge und Maschinen bis zur Büroeinrichtung und können von öffentlichen wie auch privaten Unternehmungen getätigt werden.
Als Investition im Sinne der Betriebswirtschaftslehre gilt die Anschaffung eines langfristig nutzbaren Produktionsmittels. Investitionsgüter werden in der Bilanz in das Anlagevermögen aufgenommen und gelten somit als Wertgegenstand im Besitz des Unternehmens. Investitionsgüter werden über den erwarteten Nutzungszeitraum abgeschrieben (siehe Abschreibung).
Es handelt sich also um längerfristige Geldanlagen. Aus diesem Grund gehören per definitionem "Investitionen" in Geldanlagen, Devisen; auch kurfristige Anlagen in Rohstoffe etc. nicht zu den Investitionen, sondern Spekulationen. Investitionen sind jedoch alle Anlagen in bauliche und produktive Anlagen, andere Infrastruktur
Vom Begriff her stets Erhaltung und Vermehrung, nicht Verbrauch. Steigerung des Potentials, der Macht, des Besitzes, der Habe. Sicherheit und Bildung sind Grundbedingungen des Vermögenserhaltes und seiner Vermehrung, werden aber zunehmend als Kosten aufgefasst, insbesondere als die Bildungsrendite eigentlich keine Bildungs- sondern eine Schulungsrendite ist:
Wirtschaft ist die planvollen Deckung des menschlichen Bedarfs, also Herstellung, Verbrauch, Umlauf und Verteilung von Gütern und Dienstleistungen. Ökonomie untersucht die Gesetzmäßigkeiten im Wirtschaftshaushalt (dem Geldverkehr).
Gewirtschaftet wurde aber schon immer. Meist lag Schwerpunkt aber auf anderen Aspekten als den der Mehrung des Kapitals. Die wichtigsten Gründe sich tätig anzustrengen sind:
Auch im 19. Jahrhunderts sind nicht die vornehmen Gentlemen von Liverpool und Hamburg mir ihrem altererbten Kaufmannsvermögen, sondern die aus oft recht kleinen Verhältnissen aufsteigenden Parvenüs von Manchester oder Rheinland-Westphalen ihre klassischen Repräsentanten.
3.1 das Bedürfnis nach Anerkennung
3.2 das Bedürfnis nach Über- und Unterordnung, nach Sicherheit und Schirm - aber auch nach Dominanz. Und das ist es, was den Menschen zum Ekel macht
Dies entspricht in etwa der Pyramide der Bedürfnisse nach Maslow, allerdings ohne die Selbstverwirklichung, die erst an letzter Stelle kommt und in der emsigen Betrieblichkeit des Kapitalismus für die meisten unerreichbar bleibt - auch und gerade für die Eigentümer, denn denen bleibt am wenigsten Zeit dafür. Eigentlich sind es jedoch gerade nicht die materiellen Bedürfnisse der Menschen die unendlich sind, wie der Kapitalismus stipuliert, sondern eben das Bedürfnis nach Anerkennung und Bedeutung der eigenen Person, und die Frage nach dem Sinn. Diese Bedürfnisse kann aber eine hierarchische Organisation nur bei einem Teil der Menschen erfüllen - womit sie die eigenen Grundlage, den Wettbewerb, am Laufen hält.
Weiter Ursachen:
Dass jemand zum Zweck seiner Lebensarbeit ausschliesslich den Gedanken machen könne, dereinst mit hohem materiellem Gewicht an Geld und Gut belastet ins Grab zu sinken, scheint ihm nur als Produkt perverser Triebe, der "auri sacra fames" (die heilige Lust auf ... der verdammte Hunger nach Gold), erklärlich.
Ziel des Wirtschaftens
Wirtschaftlichkeit ist ein allgemeines Maß für die Effizienz, bzw. für den rationalen Umgang mit knappen Ressourcen. Sie wird allgemein als das Verhältnis zwischen erreichtem Erfolg und dafür benötigten Mitteleinsatz definiert.
Das Grundgesetz wirtschaftlichen Verhaltens:
Das Ziel ist, mit einem möglichst geringen Aufwand einen gegebenen Ertrag zu erreichen oder mit einem gegebenen Aufwand einen möglichst großen Ertrag zu erreichen.
Wirtschaftlichkeit ist Ertrag / Aufwand
Die Rentabilität ist das Verhältnis zwischen erzieltem Erfolg (z. B. Gewinn) und eingesetztem Kapital (Gesamt- oder Eigenkapital).
Der Beruf ist planvolles, sinnvolles, gekonntes Handeln, das erlernt werden muss. Beruf besagt, der Mensch sei dazu berufen, d.h.
Die, besonders im Protestantismus göttliche Berufung zum Beruf drückt sich heute auch im französischen Wort profession eben so deutlich aus wie im englischen Pendant vocation. Das neuzeitliche Gebot der Flexibilität hat den Beruf im ursprünglichen Sinne recht eigentlich unmöglich gemacht und durch eine dauernde Unterwerfung unter die "Forderungen des Marktes" zu einem permanenten Lernzwang gemacht.
Indem er sich bei der Übersetzung einige Freiheiten nahm, schuf Luther den Begriff des Berufs - in seiner Bedeutung als Ruf Gottes (engl. calling). Der Beruf leidet noch heute unter diesem religiös überhöhten Anspruch und wird kaum je rein als Bestand als Wissen und Funktion gesehen. Der Liberalismus hat zwar den religiösen Anspruch auf Gotteswahl ersetzt durch: Jeder soll das tun, was er am besten kann - lässt aber dennoch Berufstätigkeit nur zu, wenn das Wissen an einer anerkannten Schule erworben und durch Praxis ergänzt wurde, was meist einen beträchtlichen Aufwand bedingt. Dämlicher Schabernack darum der wohlfeile Rat der Lehrstellensuchenden gerne gegeben wird: Man muss sich halt anpassen, d.h. diejenigen Lehrstellen annehmen, die vorhanden sind. Einige Jahre später erhält dann der Selbe, nun als Stellensuchender, den Vorwurf: Aber man lernt doch nicht Metzger! Weiss doch jeder Trottel, dass hier Stellen abgebaut werden! Mehr Eigenverantwortung bitte!! Manchmal sollte man dem Volksmund wirklich eins auf denselben drauf hauen.
Der Begriff Kapitalismus kam erst im 19. JH auf, wurde von Sombart in Deutschland eingeführt und verbreitete sich vor allem durch die marxistische Kritik. Kapitalismus beschreibt eine Wirtschafts- und Gesellschaftsordnung in der Produktion, Handel und Distribution, wie auch anderes Marktgeschehen (Geld- und Kapitalhandel) durch den Markt gesteuert werden, in der die Produktionsmittel (das Kapital, geteilt in betriebliche Anlagen und Finanzkapital) privates Eigentum sind, das der Unternehmer rational (d.h. vorausplanend und berechnend) und gewinnorientiert einsetzt. (Von Nutzenoptimierung kann heute allerdings kaum mehr gesprochen werden, da die (Ueber-)produktion immer öfter immer mehr zerstört als sie schafft (s. genuine progress indicator, Wert von Häusern, Überbauungen, Bünzliwil - s. Lebensqualität/BSP). Kapitalismus ist gekennzeichnet von dauerndem Wettbewerb zwischen Anbietern, zwischen Nachfragern, zwischen Wirtschaft und Staat, und insbesondere zwischen Kapitalbesitzern (Arbeitgebern) und Arbeitnehmern.
Weitere Probleme der kapitalistischen Kumulation:
Wirtschaftszyklen - sind meist durch Ueber- oder Unterinvestition begründet. Die wichtigsten Typen:
Der kurzfristige Kitchin-Zyklus wird zurückgeführt auf das Investitionsverhalten bei Ausrüstungen die der Produktion dienen. Kommt ein neues Produkt oder Verfahren auf den Markt (Komputer, Internet z.B:), entsteht eine hohe Nachfrage bei beschränktem Angebot, also hohe Preise - was Investitionen auslöst. Da die Mehrheit der Akteure auf die selbe Art auf die selben Informationen reagiert, führt dies zu einer Ueberproduktion und damit zu Preiszerfall, sobald alle Investitionsgüter bereitgestellt sind und produzieren. Auf Grund der Ueberproduktion wird auf Lager produziert, was den Abschwung verlängert. Als Korrektur versuchen die Monetaristen (Keynes z.B) den Anstieg durch Geldverknappung und höhere Zinsen zu bremsen, den Abstieg durch tiefe Zinsen und mehr Geld zu verhindern. Der Erfolg bleibt fraglich. Die Stabilisierung der Märkte wird auch durch den spekulativen Devisenhandel beeinträchtigt. Hier liegt der Ansatzpunkt der Globalisierungsgegner, die Devisenspekulationen durch die Tobin-Tax weniger attraktive machen möchten. Eine Besteuerung des wichtigsten Faktors, der Innovation, also des Fortschritts, wurde noch kaum in Erwägung gezogen. Die erschwerten Zulassungsbedingungen für neue Produktionsverfahren und Produkte, gerade z.B. Gentech, dürften aber in diesem Sinne wirksam sein, mögen ihre direkten Absichten auch andere sein.
Der mittelfristige Juglar-Zyklus entsteht durch den selben Prozess bei Ueber-Investitionen in Kapitalgüter, der Kuznets-Zyklus durch zeitweiligen Ueberschwang bei der Produktion von Infrastruktur, also Häusern und Firmen.
Der langfristige Kondratieff-Zyklus wird nach Schumpeter auf Innovationen zurückgeführt, welche grössere Infrastrukturvorhaben auslösen, wie etwa die Eisenbahn, Strassen.
Der Hauptgrund liegt also beim externen Faktor Innovationen, der sich kaum regulieren lässt. Kompliziert macht die Zyklen natürlich auch, dass sie sich überschneiden, manchmal also verstärken, manchmal gegenseitig neutralisieren. Für Vorhersagen sind gerade die längerfristigen kaum brauchbar, da weder die Dauer also die Wendpunkte, noch die Stärke sich mit einiger Präzision vorhersagen lässt. So wurde vielleicht der IT-Boom von 1999/2000 von vielen Investoren für eine neue Kuznets- oder Juglar-Kurve gehalten. Ihre kurzfristige Kitchin-Dimension hat dementsprechend massive "Neubewertungen" am Aktienmarkt verursacht.
Grundproblem: lineare Extrapolation
Rezessionen sind aber nicht nur unerfreulich. Gerade für Einkäufer ist diese Situation äusserst erfreulich. Manch wertvolles Gerät zum Geldmachen kann in dieser Phase der tiefen Bewertung für ein Butterbroot eingekauft werden. Und vielleicht ist dies ja auch der Hauptgrund, warum diese oft absurden Zyklen überhaupt zugelassen, d.h. präziser, veranstaltet werden: Leute die dann noch Geld haben kommen extrem günstig an ihr Schnäppchen: Rezessionsphasen sind für die Reichen präzise die rechte Zeit um noch reicher zu werden. Wenn allen andern Schnauf und Geld ausgehen, können sie am billigsten einkaufen: Häuser, Land, Firmen, Aktien etc. Da letztere nie so günstig sind wie während einer Baisse, ist dies der rechte Zeitpunkt um das Kapital zu mehren. Allerdings wissen auch die Leute nicht, wann "unten" wirklich unten ist und wann's oben nicht mehr weiter geht. Da klappt dann manchmal eine ganze Bank zusammen. [s. Finanzmarktkrise 08]
Die Börse bezieht ihre Existenzberechtigung aus der Behauptung, sie verschaffe den Unternehmungen Geld, also Kredite. Vom weltweiten Bruttosozialprodukt (2001: 33'000 Milliarden Dollar (33 Billionen)) werden im Schnitt bloss 20% für Investitionen verwendet. Der grösste Teil der Investitionen ist aber Bestandteil des normalen Cashflows. Die meisten Netto-Cashflows, ohne Investitionen, sind immer noch positiv, also werden die meisten Investitionen selbst finanziert.
Kredite werden nämlich nicht mit Spargeldern bezahlt, sondern Kredite entstehen, indem Vermögen zu Geld gemacht wird, ohne etwas zu verkaufen. Kredit und Geld erwächst aus Eigentum. Mit dem Wachstum von Eigentum wächst das gesamte mögliche Kreditvolumen. Mit dem steigenden Kreditvolumen wächst das Geldvolumen. Ohne Geld- und Kreditschöpfung würde der ganze Investitionsprozess nicht stattfinden. Mit Sparen allein lassen sich die Investitionen nicht finanzieren. Man kann das Geld nicht gleichzeitig sparen und konsumieren. [Vontobel S. 104]. Man kann aber Vermögen behalten und, dank seiner Garantie der Zahlungs- und finanziellen Leistungsfähigkeit, trotzdem zu Geld machen:
Kredit hängt so allein davon ab,
ob jemand <Kredit> hat,
nicht aber davon,
ob andere Ersparnisse getätigt haben!
Das protestantisches Modell bedeutet: harte Arbeit, Sparsamkeit, Investition, Vermehrung des Vermögens - was laut Calvin ein Zeichen für: Gottes Wohlgefallen darstellt (eine der übelsten Häresien des Christentums).
Das wichtigste Element des calvinistischen Glaubens war das Dogma der GNADENWAHL. Der Mensch wurde als Geschöpf Gottes gesehen, der es in die von ihm geschaffene objektive historische Ordnung hinein stellt. Der Mensch hat durch den Sündenfall den freien Willen verloren (s. Westminster Confessions) und sein Leben ist von Gott vorherbestimmt. Seine Aufgabe ist es, diese Bestimmung zu erkennen und ihr aufs bestmögliche zu folgen:
Jeder soll in dem Stand bleiben, in den er gestellt wurde. Der Beruf ist das, was der Mensch als göttliche Fügung hinzunehmen, worein er sich zu schicken hat. Die von Gott gestellte Aufgabe. [S. 71-2]
Grosse Sorge des gläubigen Protestanten war also, dass er die gottgegebene Berufung verfehle. Aber selbst diese Zweifel, diese mangelnde Selbstgewissheit, wurde zur Folge unzulänglichen Glaubens deklariert, der so zu unzulänglicher Wirkung der Gnade führe.
Der Gott des Calvinismus verlangte von den Seinigen nicht einzelne “gute Werke”, sondern eine zum S y s t e m gesteigerte Werkheiligkeit. [S. 99]
“Zeit ist Geld”, aber der Satz gilt gewissermaßen im spirituellen Sinn: sie ist unendlich wertvoll, weil jede verlorene Stunde der Arbeit im Dienst des Ruhmes Gottes entzogen ist. Wertlos und eventuell direkt verwerflich ist daher auch untätige Kontemplation, mindestens wenn sie auf Kosten der Berufsarbeit erfolgt. Denn sie ist Gott m i n d e r wohlgefällig als das aktive Tun seines Willens im Beruf. [S. 137]
Z e i t v e r - g e u d u n g ist also die erste und prinzipiell schwerste aller Sünden. Die Zeitspanne des Lebens ist unendlich kurz und kostbar, um die eigene Berufung “festzumachen”. Zeitverlust durch Geselligkeit, “faules Gerede”; Luxus, selbst durch mehr als der Gesundheit nötigen Schlaf - 6 bis höchstens 8 Stunden - ist sittlich absolut verwerflich. [S. 137]
Denn wenn jener Gott, den der Puritaner in allen Fügungen des Lebens wirksam sieht, einem der Seinigen eine Gewinnchance zeigt, so hat er seine Absichten dabei. Und mithin hat der gläubige Christ diesem Rufe zu folgen, indem er sie sich zunutze macht. “Wenn Gott Euch einen Weg zeigt, auf dem Ihr ohne Schaden für Eure Seele oder für andere in gesetzmäßiger Weise m e h r g e w i n n e n k ö n n t als auf einem anderen Wege und Ihr dies zurückweist und den minder gewinnbringenden Weg verfolgt, dann k r e u z t I h r e i n e n d e r Z w e c k e E u r e r B e r u f u n g (calling),
Beim südlandischen oder /katholischen Modell feiert man auch mal Feste, wenn man Geld hat. Man verbrauchen was man hat, und macht sich dann wieder Sorgen. Man wertet Freigiebigkeit weitaus höher als Sparsamkeit, die eher als Geiz bezeichnet, und gar nicht geschätzt wird.
Das katholische Prinzip, von Weber Traditionalismus genannt, bezeichnet im Gegensatz zum oben geschilderten protestantischen Arbeitsethos diejenige Einstellung, die wir heute als "südländisch" bezeichnen würden, die in weiten Teilen der 3. Welt, insbesondere aber bei den Arabern noch vorherrscht. Sie war Ende des 19. Jahrhunderts auch noch bei Elsässern und Badensern vorhanden, worüber sich etwa die Basler Seidenweber, d.h. natürlich die Verleger, darüber beklagten: Sobald die Arbeiter genügend Lohn haben, gehen sie nach Hause und kommen erst wieder, wenn das Geld aus ist. Bei höheren Löhnen wird weniger lang gearbeitet, denn man arbeitet nur so lange, bis es genügt die herkömmlichen Ansprüche zu erfüllten. Damals wie heute herrscht dieser Lebensstil vor allem bei Bauern und wird als Bedarfs- oder Subsistenzwirtschaft bezeichnet.
Auch die Bildung in katholischen und protestantischen Gebieten unterschied sich vor 100 Jahren offenbar deutlich. Baden, Bayern, Ungarn hatten weniger technische Schulen und Realgymnasien, blieben also wirtschaftlich zurück. [S. 29]. Man verblieb dort auch stärker bei den traditionellen Bereichen des Handwerks - während die Protestanten in die Fabriken strömten, um hier die obersten Stufen der gelernten Arbeiterschaft und des gewerblichen Beamtentums zu füllen. (vergl. Das Schwäbische Arbeitsethos und seine Basis, der Pietismus)
Der Katholik ... ist ruhiger; mit geringerem Erwerbstrieb ausgestattet, gibt er auf einen möglichst gesicherten Lebenslauf, wenn auch mit kleinerem Einkommen, mehr als auf ein gefährdetes, aufregendes, aber eventuell Ehren und Reichtümer bringendes Leben: Entweder gut essen oder ruhig schlafen, wie der Volksmund sagt. Der Protestant isst gern gut - während der Katholik ruhig schlafen will.
Noch am Ausgang dieses Zeitalters, um 1450, konnte Erzbischof Antonin von Florenz in seiner Summa sacrae Theologiae es als selbstverständlich bezeichnen, daß für die Gewinnung des notwendigen Lebensunterhaltes eine kurze Arbeitszeit genüge und daß nur derjenige lange und viel arbeiten müsse, der nach Reichtum und Überfluß strebe.
Der normale mittelalterliche katholische Laie lebte in ethischer Hinsicht gewissermaßen “von der Hand in den Mund”. Er erfüllte zunächst gewissenhaft die traditionellen Pflichten. [S. 98]
Noch während des grössten Teils des 18. Jahrhunderts, bis zur Epoche der grossen Industrie, war es dem Kapital in England nicht gelungen, durch Zahlung des wöchentlichen Wertes der Arbeitskraft sich der ganzen Woche des Arbeiters, Ausnahme bilden jedoch die Agrikulturarbeiter, zu bemächtigen. Der Umstand, dass sie eine ganze Woche mit dem Lohn von 4 Tagen leben konnten, schien den Arbeitern kein hinreichender Grund, auch die andern zwei Tage für den Kapitalisten zu arbeiten. Karl Marx: Das Kapital 1.1. S. 299
Vermutlich waren es nicht nur religiöse Gründe, die die Basler Stadtväter davon abhielten, z.B. das Bündnis mit Mulhouse von zu intensivieren, sondern auch wirtschaftliche Ueberlegungen. Nur Menschen mit protestantischer Arbeitshaltung lassen sich zur Arbeit drängen, auch wenn keine Not herrscht. 1466 hatte Mülhausen für die Dauer von 25 Jahren ein Bündnis mit Bern und Solothurn sowie 1506 ein weiteres mit Basel geschlossen. 1515 wurde die Stadt schliesslich zugewandter Ort der 13 Kantone. Mülhausen, das 1515-87 mit allen Kantonen, 1587-1777 mit den ref. Kantonen und danach wiederum mit der gesamten Eidgenossenschaft verbündet war, wurde Frankreich erst 1798 einverleibt. Schuld daran also eine ziemlich fundamentalistische Haltung der Basler, die hier noch nicht mal heute als dämlich bezeichnet wird. Man sollte also etwas toleranter sein mit dem heutigen islamischen Fundamentalismus, der seine eigene Kultur schützt.
Ein kapitalistisches Kumulationssystem kann nicht bestehen ohne ein paralleles "katholisches" Verbrauchssystem das die Nachfrage sichert. Das Herrschaftszentrum braucht seine Peripherie nicht bloss zur Versorgung, sondern auch um seine Produktion abzusetzen: Stadt - Land, 1. Welt - 3. Welt. Europa - USA, die heute seltsamerweise die stärkste katholische Ökonomie bilden, sich diese allerdings zwangsfinanzieren lassen durch demurage (dank der Tatsache, dass der Dollar quasi DIE Weltwährung ist), Hochhalten des Dollarkurses durch produktionsstarke Exportnationen Asiens (China, nach wie vor ein Entwicklungsland, hält 800 Milliarden $ an US-Staatsobligationen, denn a) müssen die Chinesen für das Alter sparen, da der Sozialismus bankrott ist, und b) hängen auch sie von Exporten in die USA ab, die aber nur so lange so viel bringen, als der Wert des Dollars nicht dorthin fällt wo er hingehört ... Langfristig wird sich der Zustand allerdings nicht halten lassen, denn eigentlich heisst das nichts anderes, als dass die Chinesen, wie die Europäer und Araber, die Amerikaner dafür bezahlen, ihre Produkte zu konsumieren), Entwertungsdrohung, Forderung der Aufwertung der chinesischen Währung, militärische Aktionen (Söldnerwesen) etc.
Subsistenz: Bescheidenheit, nur das produzieren, was man wirklich braucht, unabhängig bleiben.
Definition Gewinn: Der Gewinn ist das positive Betriebsergebnis. Er ergibt sich als Unterschied zwischen Aufwand und Ertrag und zwar entweder als Periodengewinn (Gewinn in einer bestimmten Rechnungsperiode) oder als Stückgewinn, d. h. als Gewinn je Leistungseinheit.
Grenzerlös = Grenzkosten - d.h. genau die Menge, bei der die Produktion eines zusätzlichen Stückes genau so viel kostet wie das Stück an zusätzlichem Gewinn bringt, wo also die Mehrproduktion ökonomisch sinnlos wird.

Das Streben nach Gewinn Der Gewinn als erwerbswirtschaftliches Prinzip ist ein konstituierendes Merkmal des Betriebes in der Marktwirtschaft. Das Gewinnstreben motiviert den Unternehmer dazu, die Bedürfnisse potentieller Kunden zu erkennen und zu befriedigen sowie sich im Wettbewerb den veränderlichen Marktverhältnissen anzupassen.
Nicht freiheitliche Wirtschaftsordnungen (Zentralverwaltungswirtschaft) setzen an die Stelle des Gewinnstrebens das Prinzip der Planerfüllung (daher umgangssprachlich auch Plan- oder Kommandowirtschaft). Ohne Markt findet keine Koordination einzelwirtschaftlicher Pläne über den Marktmechanismus statt; stattdessen wird die Koordination über einen zentralen Plan durchgeführt.
Der Gewinn ist der Teil der Wertschöpfung, der den Eigentümern (Gesellschaftern, Anteilseignern, Shareholdern) des Unternehmens als Einkommen bzw. Vermögenssteigerung zuwächst.
Und präzise hier liegt der Hase im Pfeffer:
Die Wertschöpfung (Mehrwert) wird aufgeteilt zwischen Arbeit und Kapital. Je höher die Ansprüche (wenn sie sich durchsetzen können, also Anspruch + Macht) der einen, desto tiefer der Anteil der anderen. Mehr an Gerechtigkeit steckt da nicht drin. Allerdings auch nicht mehr an Problemen. DAS Problem Markt- und Planwirtschaft liesse sich also auch hier relativ handlich lösen ... nicht nur handlich, sondern auch um einges sinnvoller als durch Lohbeschränkungen bei Kaderstellen (CEO & Co), die dann eh bloss dem Kapital zugute kommen.
Die Börse ist der Markt, an dem Firmen, Rohstoffe, Geld - und wirtschaftliche Erwartungen gehandelt werden. Unter Investitionen werden längerfristige Geldanlagen verstanden. Bei den Objekten kann es sich um Boden, Häuser, Rohmaterialien, Fertigprodukte, Wissen oder Anlagen handeln. Als Spekulation werden die Anlagen in Wertpapiere bezeichnet, die kürzer als zwölf Monate gehalten werden.
[Einschub 15.8.05: Diese Definition würde den Geldmarkt, der per definitionem eben der Markt ist an dem Werte mit Anlegefristen von weniger als einem Jahr gehandelt werden, zum Spekulationsmarkt machen, den Aktienmarkt aber zum Investitionsmarkt. Hier ist die Definition nicht ganz haltbar. Korrektur und Ergänzungen s. Kapitalmärkte. Die Tatsache, dass der Unterschied zwischen Geld und Kapital, mit der Grenze bei einem Jahr Bindung, ein relativ heuristischer ist, führt recht eigentlich das Konzept der Freiwirtschaft ad absurdum: Geldbesitz ist schlecht und muss durch die Umlaufsicherung minimiert werden - Kapitalbesitz ist gut, da Investitionen Arbeit schaffen. Ohne ausreichendes fliessendes Kapital, also Geld, würde der Kreislauf von Produktion-Handel-Konsum gestört. Die Absicht, Geld durch Steuern (die Umlaufsicherung) in Fluss zu halten, würde aber gerade dazu führen, dass Anlagen aus dem Geldmarkt in den Kapitalmarkt wandern, also das Flüssige verfestigen, um den Steuern zu entgehen, und bei Bedarf die Kapitalanlage per Repo in Geld verwandelt]. Frei verfügbares Geld findet hier das passende Biotop zur Vermehrung. Etwas anders als in Silvio Gesells lokalem Wirtschaftsmodell, in dem sich Geld seinem Zweck als Tauschmittel durch Horten entzieht, will Geld heute profitbringend angelegt sein. Es wird selbst zum Objekt des Handels oder wandert ab in wirtschaftlich häufig unproduktive Geldspiele. Viel und billiges Geld am Markt erzeugt Nachfrage nach Wertpapieren. Niedrige Zinsen treiben den Anleger dazu, in Aktien zu investieren. Ist die Freiwirtschaft also eine Gesellschaft von Aktionären? ]
Der eigentliche Urzweck solch spekulativen (von lat. speculari – spähen, von ferne betrachten) Handelns z.B. bei Termingeschäften ist eigentlich ein rationaler und kaum verwerflicher, es geht um die Absicherung gegen steigende oder fallende Preise. Der eine scheut die Gefahr der Preisänderung und nimmt dafür einen schlechteren Preis in Kauf oder verzichtet auf die Chance eines höheren Gewinnes. Der andere sieht keine Gefahr der Preisänderung und ergreift die Chance einen Gewinn zu machen, womit er spekulativ, also vorausahnend, sein Geld vermehrt. Da jeder auf das Beste versucht, die Kursentwicklung abzuschätzen, müssten die Abweichungen zufälliger Natur sein, sich also ausgleichen. Die gegenwärtige Entwicklung sinkender Erträge bei solchen Geschäften zeigt, dass das Spiel erst jetzt langsam richtig verstanden und betrieben wird. Wo nicht einseitig bessere Informationen oder Beeinflussungsmöglichkeiten vorhanden sind, müssen sich Gewinne und Verluste ausgleichen und den Händlern bleibt bloss die Handelsmarge.
Der wichtigste Faktor ist der TREND. Ein Trend, der Jahre anhält, wird als langfristig, ein Trend, der über Wochen und Monate anhält, als mittelfristig, einer der nur Tage oder Wochen dauert, als kurzfristig bezeichnet. Je länger ein Trend anhält, desto wichtiger ist er. Langfristige Charts (Graphiken zur Kursentwicklung) sind also stets signifikanter als kurzfristige. Es ist auch deutlich, dass sich längerfristige Engagements meist lohnen – es sei denn, die Firma sei an der Börse „verspielt“ worden. Je länger man sein Geld anlegen will, desto eher sollte man in riskantere Werte investieren. Die Schwankungen, die in den einzelnen Jahren enorm sein können, heben sich langfristig weitgehend auf, und das kurzfristig eingegangene Risiko zahlt sich aus. Auf langfristige Engagements ausgerichtete Anleger nutzen kurzfristige Korrekturen des primären Aufwärtstrends als günstige Kaufgelegenheit. Daytrader, Extremspekulanten, die ihre Vorteile aus sehr kurzfristigen Schwankungen innerhalb eines Tages ziehen, scheitern hingegen meist, weil sie zu lange an Verlustpositionen festhalten.
Nebst der Erkennung des Trends an und für sich ist vor allem wichtig, vorausschauend zu ahnen, wann der Trend ändert, denn sei die Analyse noch so komplex und treffend, wenn zum falschen Zeitpunkte gekauft oder verkauft wird, bedeutet dies Verluste.
Hier unterscheiden sich vor allem die Methoden, die von langfristigen Anlegern, also den eigentlichen Investoren, oder von den kurzfristigen Spekulanten angewandt werden. Wer in ein zukunftsträchtiges Produkt oder eine erfolgversprechende Firma investieren will, macht eine Fundamentalanalyse. Diese nutzt alle verfügbaren unternehmensbezogenen und volkswirtschaftlichen Daten, wie die Lage der Weltwirtschaft und die Situation bestimmter Volkswirtschaften und Branchen (Konjunktur). Die Monetaristen unter den Fundamentalisten interessieren sich vor allem für die Höhe der Geldmenge, Inflation, Zinsniveau und Realzins. Des weitern sind die Preisstabilität, nationale und internationale politische Ereignisse, die betriebliche Situation der Gesellschaft (Auftragseingänge, Auslastung der Kapazitäten der Unternehmen, Kurs-Gewinn-Verhältnis, Cash-Flow und Rendite) von Einfluss. Eher für kurzfristige Spekulationen wichtig sind psychologische Daten (behavioural finance), z.B. über das Konsumverhalten (die Wirkung von einigen BSE-erkrankten Rindern auf den Fleischmarkt als schlagendes Beispiel!), das Geschäftsklima und besonders die allgemeine Stimmung unter professionellen und nicht professionellen Börsianern. Da der Herdentrieb die kräftigsten Trends bilden kann, darf auch der seriöse Investor nicht einfach darüber hinweg sehen.
Kurzfristig engagierte Aktienhändler bedienen sich vorzugsweise der technischen Analyse. Diese erfasst lediglich börsenbezogene Daten wie Kurse, Volumen, Kursbilder, Indikatoren, typische Formationen, die auf Signale für Kauf oder Verkauf geprüft werden. Sie verlassen sich darauf, dass der Index oder Kurs, also der reelle Markt, bereits alle Faktoren berücksichtigt. Richtig wäre zwar eine ausgewogene Nutzung lang- und kurzfristiger Methoden, in der Praxis scheiden sich aber meist Techniker und Fundamentalisten unvereinbar in zwei Lager.
Ein äusserst gewichtiges Wort bei der Bewertung von Firmen sprechen die sogenannten rating agencies (z.B. Moody’s, Standard & Poor), welche die Kreditfähigkeit von Unternehmen öffentlich beurteilen.
Entgegen der Behauptung (oder Definition), versorgt die Börse eigentlich kaum mehr einen Investitionsmarkt mit Geld. Im Gegenteil. Investitionen haben einen immer kleineren Anteil, Uebernahmen und Rückkäufe einen immer grösseren. Dies heisst, die Börse wird genutzt zur Arondieren der Herrschaftsbereiche.
Giovanni Arrighi sieht einen Zusammenhang zwischen der Erschöpfung eines Produktionsmodells und dem Aufschwung einer finanzielle angetriebenen Akkumulation. Erschöpft sich ein Produktionsmodell, fehlt es an ausreichenden produktiven Anlagemöglichkeiten für das Kapital. Zudem ist die Situation durch hohe Unsicherheit gekennzeichnet, das Kapital sucht also liquide Anlageformen, die es schnell zurückziehen kann, also Finanzanlagen, Wertpapiergeschäfte, mit schwachen Beziehungen zwischen produktiven Unternehmen und Finanzinvestoren. Diese nannte Marx "das fiktive Kapital". Weniger fiktiv ist allerdings sein Anspruch auf einen Anteil des Mehrwerts. Hinterlistig ist dieser Anspruch, weil die Häufung des Kapitals in den Finanzmärkten die Kurse an den Börsen steigen lässt, das fehlende Geld auf den Märkten zur selben Zeit die reellen Umsätze eher stagnieren lässt, oder diese sogar rückläufig werden, das investierte Kapital aber, auf Grund des fiktiven Marktwertes der durch Nachfrageinflation auf den Finanzmärkten entsteht, seine Ansprüche noch erhöht. Da Benchmarking im Business sich nicht am Durchschnitt, sondern an der Spitze misst, verlangen dann plötzlich auch noch alle Shareholder Spitzenerträge. So entstanden die lächerlichen 17% Wertvermehrung die von Ebner & Co erwartet werden.
Diese Mehrerträge die vom Kapital erwartet werden, müssen logischerweise bei den Löhnen eingespart werden. Deshalb gibt es seit 1990 nicht bloss keine Lohnerhöhungen mehr die den Namen wert wären, sondern auch zunehmend Ausschluss aus der Arbeit, also Arbeitslosigkeit. Jeder gesparte Lohn geht in die Kasse des Kapitals ... verursacht aber zur gleichen Zeit ein Loch in der Kasse des Staates, der dafür das Kapital noch belohnen soll durch Steuerermässigungen.
Der Kapitalismus basiert auf einer falschen Behauptung: Nur Eigntum werde verantwortungsvoll behandelt. Genau dem widerspricht aber Fishers Separationstheorem fundamental: Eigentum und Verwaltung können problemlos getrennt werden. So besteht der Hauptgrund für die Aufgabe der Kontrolle und Verfügungsrechte seitens der Eigentümer heute nicht mehr auf Eigentinteresse, sondern:
Bester-Eigner-Motiv - Bestes Management Motiv - Kernkompetenz Motiv, beruhend auf dem besseren Managementwissen professioneller Betriebsleiter:
Dazu kommt, dass Betriebe die als "juristische Person" auftreten meist zu gross und zu komplex sind, um von einer Person überblickt werden zu können. Ein weiteres Problem das sich mittels Aktiengesellschaften lösen lässt, ist das, das gegenwärtig vielen KMUs Sorgen bereitet, nämlich der Erbgang, insbesondere, wenn keine direktem Erben vorhanden sind, oder die sich um den Betrieb foutieren. Der Vorteil der Aktiengesellschaft ist hier die Versachlichung und Entpersönlichung der Verwaltung.
Es handelt sich also um ein Modell mit optimal eingesetzten Agenten - ein Modell, dass sich durch Staat, Kommune, Genossenschaft oder irgend eine Eigentumsform genau so gut umsetzen lässt.
Das Fisher-Separationstheorem - beweist, dass sich Management vorteilhaft von Besitz trennen lässt. Der maximale Shareholder-Value entsteht nämlich an dem Punkt, wo der Betrieb das Maximum seiner Produktionsmöglichkeiten erreicht. Andere buchhalterische Erfolgsgrössen können da widersprüchliche Ergebnisse liefern. (Daimler-Benz 1993: HGB - Gewinn von 615 Mio DM, US-GAAP Verlust von 1.839 Mio DM). Insbesondere werden in der klassischen Buchhaltung die risikoadäquaten Opportunitätskosten des Geldes nicht erfasst. Das Vermieten von Eigentumswohnungen ist aber von weitaus geringeren Risiken begleitet als die Produktion von biotechnologischen Produkten.
Ein Manager der sich anstrengt ist gut für seine Gesellschaft. Er gewinnt Kunden, minimiert den Einsatz von Ressourcen (nicht bloss von Personal) und erhöht den Gewinn. Darüber hinaus ist das Management verantwortlich, neue, rentable Investitionsmöglichkeiten zu identifizieren.
Ein interessanter Punkt, in dem sich Hilpisch grad selbst widerspricht. War die Begründung für die Trennung von Besitz und Management eben der, dass der Besitzer sich auf Kapitalmanagement spezialisieren soll, also Investitionen, und der Manager auf die Betriebsführung, kriegt letzterer nun auch noch den Job von ersterem aufgeladen. Offenbar weiss der Manager auch besser, wie und wo man am besten investiert. Der Besitzer steht also offenbar ziemlich dumm in der Kapital-Landschaft rum, denn der Manager ist besser informiert über die Qualität der Mitarbeiter, der Infrastruktur, der Qualität der Produkte, der Beschaffungs- und Absatzmärkte - und vermutlich auch der Investitionsmöglichkeiten.
Erhält der Manager ein fixes Gehalt und nicht ausreichend hohe variable Vergütung, hat er wenig Grund, sich über die Massen anzustrengen, also über das Mass hinaus, dass seine private Beamtung erfordert. Erwartet wird aber, dass er sich so engagiert für den Betrieb, wie wenn dieser sein eigener wäre, dass er also auf Familienleben, Hobbies, den Genuss seines doch vermutlich reichhaltigen Salärs etc verzichtet und, für die Firma, nach mehr strebt, immer mehr.
Der Eigentümer kann den Manager nicht auf Schritt und Tritt kontrollieren, er kann ihm nicht im Detail vorschreiben, was er zu tun hat. Mit diesen Problemen befasst sich die Corporate Governance: Der Manager hat für die Eigentümer den Wert des Unternehmens zu erhöhen. Das nennt sich Shareholder Value.
Lässt sich aber privates Kapital gewinnbringender, erfolgreicher, durch fachlich qualifizierte Aussenstehende bewirtschaften, so gilt doch präzise das Selbe für öffentliches Kapital, service public, Gemeinschaftseigentum. Der Kapitalismus hat also seine Existenzberechtigung längst selbst widerlegt, und offenbar hat's niemand gemerkt.
Kollektive Güter liessen sich also eben so gut managen. Allerdings findet sich hier noch ein weiteres Problem. Das herrschende Konzept des Managements kollektiver Güter, NPM (new public management), entzieht Entscheide der Politik und macht sie zu Managerentscheiden. Grundproblem allerdings ist, dass dieses Modell alles quantifizieren muss, über Geldwerte. Und gerade im Bereich kollektiver Güter ist vieles nötig, das sich nicht ohne Probleme in Geld ausdrücken lässt, wie etwa Gesundheit, Sicherheit, Kindererziehung, Bildung, Wissenschaft, öffentlicher Verkehr, Land- und Forstwirtschaft, oder besser, der geamte Umgang mit nachwachsenden, natürlichen Ressourcen,
Kurzum: Die optimale Entwicklung einer nachhaltigen und glücklichen Gesellschaft
Alles Ziele, die eine Umwertung des Begriffskomplexes "Investition" als Wertvermehrtung bedingen, da es zwar um Wertvermehrung geht, aber meist nicht um finanzielle Werte.
Wie wollen wir morgen leben? wäre unter dieser Prespektive eigentlich die Frage, die die nächste beantworten würde: Wo müssen wir dafür investieren? Diese Fragen sind allerdings unter dem heute gültigen Investitionsbegriff so eben nicht zu stellen ... Hier fehlt ein Konzept für "Investitionen" im nicht monetären Bereich, also eigentlich ein Stück katholischer (oder arabisch-islamischer oder afrikanischer) Wirtschaftsform - oder ganz einfach stärkere Rücksicht auf Volkswirtschaft und Nachfrageökonomie. - Oder, wie Peter Ulrich es soeben an der Sternstunde Philosophie ausgerdückt hat: Eine zivilisierte Marktwirtschaft müsste im Dienste der Gesellschaft stehen, nicht umgekehrt.
M. Herzog, Basel, 7.6.09