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Glencore (s. Die grössten Betriebe der Schweiz). Sein Gründer, Marc Rich, wurde äusserst bekannt, da er von den USA als Schwerverbrecher gesucht wurde, a) wegen Steuerhinterzugs (50 Millionen ... 200 freiwillig nachbezahlt - von Clinton 2001 begnadigt), b) wegen Handels mit boikottierten Ländern wie Iran und Südafrika. Da solche Vergehen in der Schweiz kaum verfolgt werden, ist die Schweiz ein erfreulicher Standort für solche Organisationen - um so erfreulicher, je tiefer dazu noch der Steuersatz.
Zunächst konzentrierte sich Glencore auf den physischen Handel mit Eisen und Nicht-Eisen-Metallen, Mineralien und Erdöl. In der Folge expandierte das Unternehmen mit Öl- und Kohleprodukte in den Energiebereich. Mit der Akquisition einer etablierten niederländischen Getreide Vertriebs-Gesellschaft im Jahr 1982 stieg Glencore auch in die Agrarwirtschaft ein. Durch weitere Akquisitionen in den Bereichen Bergbau, Schmelzen, Raffinerie und Verarbeitung expandierte das Unternehmen in den 1980er und 1990er Jahren weiter.
Heute zählt Glencore zu den weltweit führenden Rohstoffkonzernen und umfasst unter anderem die Produktion, Verarbeitung und Handel mit Aluminium, Aluminiumoxid, Bauxit, Eisenlegierungen, Nickel, Zink, Kupfer, Blei, Kohle und Öl, sowie Agrarprodukten (Getreide bzw. Reis, Ölsaaten, verzehrbare Pflanzenöle, Zucker, Biodiesel, u. a.).
Der Verwaltungsratschef Willi Strothotte gehört zu den 300 Reichsten der Schweiz, er hat als gelernter Kaufmann ein Vermögen von 3 bis 4 Milliarden gemacht. Strothotte ist mit einem Anteil von geschätzten 10 Prozent grösster Einzel-Eigentümer von Glencore.
Der jetzige CEO, Ivan Glasenberg, der sein Amt seit 9 Jahren inne hat, stammt aus Südafrika, sein Vater aus Littauen. In Leicester flog er 1960 von der Schule, worauf er sich bei der Fremdenlegion verdingte. Seine ersten Erfahrungen sammelte er mit Kohlehandel in Australien, von wo es nach Hong Kong und Peking weiterging. Heute ist er mit ca 2 Milliarden Vermögen der grösste Steuerzahler von Rüschlikon, rennt - mit 71! - frühmorgens mehrere Kilometer, fährt Rennfahrrad ... und geht am Abend als letzer nach Hause. Mit 64 wanderte er noch zu Fuss an den Nordpol. Man kann aus der Glencore-Story lernen, mit welcher Art von Geschäften man heute Geld verdient - aber auch, dass das nix ist für Leute, die bei 300m gemütlich geradeaus bereits ins Schwitzen kommen.
Glücklicherweise lassen sich ähnliche Strukturen aber auch zur eben so hinterlistigen Durchsetzung sozialer und umweltbezogener Ziele einsetzen. (> Netzwerke und die Macht)
57'500 Mitarbeiter machen einen Umsatz von ca. 150 Milliarden Fr. Glencore ist Weltmarktführer in Zink, Kupfer, Blei, Nickel, Kobalt. Börsenwert auf 55-60 Milliarden $ geschätzt.
Das Selbe lässt sich auch international zeigen: Je mehr Mitarbeiter sich Umsatz, insbesondere aber Ertrag, teilen müssen, desto tiefer ist logischerweise der Lohn (s. Wal Mart, der beweist, dass man auch mit vielen Mitarbeitern und entsprechend tiefen Löhnen Geld verdienen kann). Einfacher allerdings ist es, möglichst viel Umsatz, Absatz, Einnahmen und besonders Ertrag an sich zu binden - und auf möglichst wenig Beteiligte zu verteilen. DAS, dieser Systemfehler, ist das Problem unserer Wirtschaft, das Arbeitslosigkeit verursacht, nicht die Arbeitslosen selbst:
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Bei den steigenden Rohstoffpreisen gehören auch Minengesellschaften zu den Gewinnern. Und auch hier findet sich eine der 10 grössten darunter - in der Schweiz, präziser im Kanton Zug: Xstrata (unter wiki):
Zur Zeit (Sommer 08) macht sich Xstrata gerade dran, für 10 Milliarden Dollar den drittgrössten Platinproduzenten der Welt, Lonmin zu schlucken.
Bis 2007 verschärft sich die Sache. Die Umsätze wachsen weitaus stärker als das Personal ... dessen Löhne eh stagnieren.
Glencore bereitet sich derzeit vor auf den Börsengang. Die Art der Organisation, der Geschäftsleiter, der gesamten Betriebsstruktur ist ein ideales Beispiel für einen globalen Netzwerkbetrieb. Ebenso stellen die 3 Meister dieses Betriebes exemplarische Typen internationaler Netzwerkherren dar:
Zwei spezielle Rohstoffe bei denen in der Schweiz domizilierte Firmen den Welthandel dominieren sind Kaffee und Baumwolle.
Der Kaffee wird zwar (bekannterweise) weder in der Schweiz angebaut, noch in diesem Masse konsumiert, noch sieht er überhaupt die Schweiz je, aber die Handelszentren sind hier. 3/4 (drei Viertel) des weltweiten Kaffeehandels laufen über die Schweiz. Dennoch werden die Preise weitaus mehr durch Spekulation gemacht als durch Kostenrechnungen. Jede Tasse wird 10 x gehandelt an der Börse bis sie endlich in die Tasse kommt.
Im Kaffeehandel dominierten bis 1989 die Gebrüder Volkart aus Winterthur, im Baumwollhandel die selben bis 1999, dann stiegen sie aufs Bankgeschäft um.
Warum die Schweiz sich als Standort für Handelsimperien eignet:
Als Knotenpunkt verschiedener Handelsrouten war die Schweiz schon früh in den internationalen Handel eingebunden. Die Standortvorteile des Finanzplatzes mit tiefen Steuern, zentraler Lage, guter Infrastruktur, politischer Stabilität und gut ausgebildeten Fachkräften tragen weiter dazu bei, dass das rohstoffarme Binnenland im Rohstoffhandel heute eine dominante Position einnimmt. Neben der politischen ist es vor allem die finanzpolitische Stabilität und die vergleichsweise geringe Steuerlast – sowie die allmählichen Vorteile der Cluster-Bildung die tragen.
Weizenhandel war bereits 1864 in Zürich stationiert. Nach dem zweiten Weltkrieg war die Schweiz insbesondere geschätzt, weil sie eines der wenigen Länder war, das auf Devisenkontrolle verzichtete.
Die Schweiz ist aber generell eine der weltweit wichtigsten Handelsplattformen für Rohstoffe: Fast die Hälfte des globalen Handels mit Getreide und Ölsaaten und ein erheblicher Teil des Rohölgeschäftes werden über Genf abgewickelt. Im Gegensatz etwa zu Winterthur, das sich mit seinen Baumwoll- und Kaffeehandelsfirmen ebenfalls auf eine lange Tradition berufen konnte, verfügte Genf über den Trumpf, dank der Präsenz zahlreicher multinationaler Institutionen wie dem Internationalen Roten Kreuz, der UNO oder der Welthandelsorganisation Gatt/WTO eine schon früh global vernetzte Stadt zu sein.Zusammen mit den funktionell verwandten Bereichen Warenprüfung, Warenspedition sowie Handelsfinanzierung sind es allein in Genf 4600 Arbeitsplätze. Daraus ergeben sich dem Kanton weitere Steuereinnahmen von rund 152 Mio. Franken.
Besonders geschätzt waren und sind die Standorte am Genfersee (incl. Waadtland), weil dort, abgesehen von der angenehmen und repräsentablen Lage für Grossbürger, auch internationale Organisationen, Botschaften, Konsulate etc. vorhanden waren, man also günstig Kontakte knüpfen konnte. Dazu kam die Rechtssicherheit (das war eben bevor die USA ...), Steuervorteile, die Kaffehändler z.B., die sehr grosse Mengen Geld benötigen und im Umlauf haben, müssen auch keine Mehrwertsteuer abrechnen.
Apropos Steuern: Da spielt der Kanton Zug seine wichtige Rolle (Metalle und Kaffee). Winterthur im Baumwollhandel.
Auch in Sachen Zeitzone liegt die Schweiz günstig, da man am Morgen mit Asien, am Abend mit Amerika telephonieren kann. Dieser langjährigen Entwicklung verdankt die Schweiz auch einen beträchtlichen Bestand an entsprechenden Experten.
Von Bedeutung für die Schweizer Volkswirtschaft sind aber auch die zahlreichen im Umfeld des Rohstoffhandels angesiedelten Dienstleistungen wie Versicherungsschutz, Anwaltskanzleien, Beratungsunternehmen, Treuhänder, Speditions- und Sicherheitsfirmen sowie ein breiter Fächer an Finanzdienstleistungen.
Diese Branchen haben
ihrerseits einige Firmengiganten hervorgebracht:
Die Mediterranean Shipping Company
(MSC) ist die zweitgrösste Reederei der Welt und bewirtschaftet ihre über 300 Cargo von Genf aus.

Für die Schweiz ist der internationale Handel sehr wichtig, denn mittlerweile machen die Exporte bereits über 53% (2006) des Bruttoinlandprodukts (BIP) aus. Das bedeutet, dass die Schweiz mehr als jeden zweiten Franken im Ausland verdient. Wie in Abbildung 1 zu sehen ist, wachsen die Schweizer Exporte weiterhin stark an:

Der Übergang zum elektronischen Handel, wie er z.B. im Baumwollhandel im März 2008 vollzogen wurde, verringert die Bedeutung des Beziehungsgeflechts, was den Konkurrenzdruck auf etablierte Handelsgesellschaften erhöht.
Allerdings zeigt folgende Graphik der Beziehungen in Sachen Erdöl zu Afrika, dass die Sache komplexer ist, als bloss Preis und Qualität. Während dem der stärksten Erdölstrom in die USA führt, gefolgt von Asien und Europa, ist es dennoch Europa, das das dichteste wirtschaftiche Beziehungsnetz zu Afrika aufspannt. China ist hier noch nicht dominant, erreicht aber schon bald das Niveau der USA. Länder machen also in Afrika Investitionen, die sie sich dann vergelten lassen durch günstigere Bezüge an Erdöl, oder Boden, oder Rohstoffen. Kein Geschenk ist gratis, mache kommen recht teuer zu stehen. Und erfassen lassen sich all diese Vergünstigungen und Verpflichtungen natürlich nur noch per Computernetzwerk. Wer hier, egal wie, die grössten Ströme und die grössten Preisdifferenzen kontrolliert, der macht Geld (nicht wer viel arbeitet oder viel lernt).
