Hier eine umfassende Zusammenfassung aus zahlreichen Texten die bei Brainworker zu finden sind zum Thema Bildung und Arbeitslosigkeit (check per search). Die Absicht wäre, dass ich mich am 7.4. auf eine relativ kurze Einführung beschränkte (max. 1 Stunde), und dass dann andere Beiträge und Fragen zur Diskussion gestellt werden. Da die Grundlagen ziemlich umfangreich sind, wäre es von Vorteil, wenn sich die Interessierten,. d.h. die Teilnehmer, damit zumindest summarisch etwas vertraut machen würden.

Zusammenfassung / Überblick darüber, was am Montag den 7.4. 19-00  bis höchstens 21.30 am Planet 13 geboten wird:
  1. Bildung dient seit dem Mittelalter primär als Mittel der Selektion! > der IQ als Grundlage schulischer Selektion > die Selektion der Schule als Grundlage beruflicher Selektion > der Beruf als Status und Habitus > Status und Habitus als sozialer Rang, als "Wert" des Menschen ...

    Illusion I: Man kann immer Arbeit finden - auch ohne, oder mit falscher Qualifikation

    Illusion II: Bildung schafft Chancengleichheit

  2. Ausbildungszwang - Frühverschulung - Frühverdummung
  3. Illusion III: Bildung schafft Arbeitsplätze. Realität: Je mehr Bildung - desto Arbeitslos(e)
  4. Betriebliche Weiterbildung: Wer hat - dem wird gegeben (s. Illusion II)
  5. Der Beweis für den geringen Einfluss der Bildung auf die Arbeitslosigkeit: generation p / Bildungsrendite / die Forderung und Wirkung der Flexibilität

    Illusion IV: Bildung hilft zur Selbstverwirklichung. Bildung hilft nur, wenn Passung besteht zur gerade mehr oder minder zufälligen Nachfrage.

    Ilusion V: Bildung macht sich bezahlt. Nur direkt realisierte Passung in ein Produktionssystem an möglichst ertragreicher Stelle bringt Rendite. Gelingt die Verwertung nicht relativ schnell, entwertet sich selbst die teuerste Aus-Bildung innert weniger Jahre.

  6. Statt flüchtigen Wissens müsste denken gelernt werden, also selbst-lernen, allerdings hat dieses Wissen immer einen mindern Wert, was wiederum als Beleg dafür gelten darf, dass es bei Aus-Bildung, also Schulung, primär um Selektion geht - und nicht um Wissen.
  7. FAZIT: Bildungswahn und Bildungschancen: Denken lernen statt Wissen anhäufen / Begabungen und Talente entfalten an Stelle von Anpassungszwang an unbekannte Bedürfnisse der zukünftigen Wirtschaft.
    1. Der Vorteil des konstruktivistischen Denkens (freie Entfaltung ...)  über den Strukturalismus (statt Sachzwänge). [Ich mach's dann weniger abstrakt und theoretisch als es hier tönt.]

Unsere soziale, politische, technische und wirtschaftliche Welt ist konstruiert -

also konstruieren wir sie so, dass sie allen gerecht wird.

Punktum.

 

Zusatz: Definitionen Bildung <> Ausbildung

Nach Daniel Goeudevert ist Bildung „ein aktiver, komplexer und nie abgeschlossener Prozess, in dessen glücklichem Verlauf eine selbstständige und selbsttätige, problemlösungsfähige und lebenstüchtige Persönlichkeit entstehen kann“. Bildung kann daher nicht auf Wissen reduziert werden: Wissen ist nicht das Ziel der Bildung, aber sehr wohl ein Hilfsmittel. Darüber hinaus setzt Bildung Urteilsvermögen, Reflexion und kritische Distanz gegenüber dem Informationsangebot voraus.

Wenn ich hier also "Bildungswahn" kritisieren, dann ganz sicher nicht die "Bildung" der Person und Persönlichkeit, sondern eben das masslose Eintrichtern von immer mehr zusammenhangslosem Sachwissen.

Bildung ist der Erwerb eines Systems moralisch erwünschter Einstellungen durch die Vermittlung und Aneignung von Wissen derart, dass Menschen im Bezugssystem ihrer geschichtlich-gesellschaftlichen Welt wählend, wertend und stellungnehmend ihren Standort definieren, Persönlichkeitsprofil bekommen und Lebens- und Handlungsorientierung gewinnen. Man kann stattdessen auch sagen, Bildung bewirke Identität ...“ (Henning Kössler 1989, S. 56).

Hier allerdings muss ich kritisch sein, denn die "Werte" die hier und heute vermittelt werden, sind primär auf den Markt ausgerichtet. An diesen gilt es sich anzupassen, nicht an moralische Werte und ethische Grundsätze. Das lebenslange Lernen wie es heute verstanden wird ist kaum ein Reifen zur Weisheit, sondern der andauernde Erwerb neuer "produktiver" Qualifikationen. Zu dieser Kritik stehe ich, ob es nun einigen Leuten passt oder nicht. Die Graphik rechts zeigt, was bei der von mir kritisierten Form des "lebenslangen Lernens" untergeht, nämlich vor allem Denken und Kommunikation (über Werte, s. Ethik und Moral).

Während in unserem Alltagsdenken und -handeln der Bildungsbegriff stark mit Begriffen wie „Belehrung“, „Wissensvermittlung“ u. Ä. verbunden ist, haftet seit Wilhelm von Humboldt in der Theorie und der Programmatik „dem Wort Bildung das Moment der Selbständigkeit, also des Sich-Bildens der Persönlichkeit“ an (Hartmut von Hentig). Nach Humboldt ist Bildung die Anregung aller Kräfte des Menschen, damit diese sich über die Aneignung der Welt entfalten und zu einer sich selbst bestimmenden Individualität und Persönlichkeit führen.

Heute liegt der Scherpunkt aber, DER Schwerpunkt, den DER MARKT verlang, bei Punkt 4 - und sonst nichts, rein gar nichts

Aus Klafkis Sicht zielt Bildung auf die Vermittlung und den Erwerb von drei grundlegenden Zielen:

  1. Selbstbestimmungsfähigkeit
  2. Mitbestimmungsfähigkeit
  3. Solidaritätsfähigkeit

Bildung solle in allen Grunddimensionen menschlicher Fähigkeiten vonstattengehen, das bedeutet über kognitive Funktionen hinaus:

  1. handwerklich-technische Bildung
  2. Ausbildung zwischenmenschlicher Beziehungsmöglichkeiten
  3. ästhetische Wahrnehmungs-, Gestaltungs- und Urteilsfähigkeit
  4. ethische und politische Handlungsfähigkeit.

Im Bildungsprozess seien spezifische Einstellungen und Fähigkeiten zu vermitteln und zu erwerben:

  1. Kritikbereitschaft und -fähigkeit, einschl. Fähigkeit zur Selbstkritik
  2. Argumentationsbereitschaft und - fähigkeit
  3. Empathie
  4. Fähigkeit zu vernetztem Denken

http://de.wikipedia.org/wiki/Bildung

Das was uns heute als notwendige Bildung verkauft wird, ist eben gerade nicht Bildung, sondern Aus-Bildung, also Dressur:

Ausbildung umfasst die Vermittlung von Fähigkeiten und Kenntnissen an einen Auszubildenden oder Studenten durch eine ausbildende Stelle. Im Unterschied zum umfassenderen Begriff der Bildung verfolgt die Ausbildung praktische Absichten. Ihre pädagogische Zielsetzung liegt weniger in der allgemeinen und persönlichen Entfaltung, sondern vielmehr in der standardisierten Vermittlung von anwendbaren Fertigkeiten, die zumeist der gewerblichen Berufsausübung dient.

Im Englischen ist der Unterschied nicht ganz so deutlich wie in der deutschen Sprache, da education http://en.wikipedia.org/wiki/Education meist beides gleichzeitig bezeichnet, wobei allerdings in der wissenschaftlichen Literatur, also Pädagogik und Didaktik, dann Ausbildung meist mit training http://en.wikipedia.org/wiki/Training übersetzt wird.

Interessanterweise nennt wiki als Beispiele für "Training" gerade die Art von Hochschulen, die in der Innovation und Umsetzung von Wissen die wichtigsten Rolle spielen, nämlich technische Hochschulen (FH) und Polytechniken (ETHs). Ebenso wird das sog. "lebenslange Lernen", welches in Handel und Beruf nötig ist, als lebenslanges Training bezeichnet. Dieses beschränkt sich also auf die Weiterentwicklung des beruflichen Wissens.

Und präzise hier setzt meine Kritik an, die in dem äusserst schlecht besuchten Referat fast noch schlechter aufgenommen wurde: Dadurch dass aus der Bildung ein Sachzwang lebenslanger beruflicher Weiter-Aus-Bildung gemacht wird, geraten diejenigen Aspekte immer stärker unter Druck, die wirkliche Bildung ausmachen immer mehr unter Druck, nämlich:

  • das Wissen über Werte (und nicht bloss Marktpreise)

  • das Wissen über den Dialog, wozu ich Kritik, Argumentationsfähigkeit zähle

  • und vor allem das Wissen (vernetztes Denken) und die Anerkennung (Toleranz, Integrationsfähigkeit) von Komplexität.

 

Hilft Bildung gegen Arbeitslosigkeit?

Nein - denn sie verschiebt sie auf die Schwächeren ...

und erklärt diese zu Unwerten (Invaliden)

http://www.brainworker.ch/Bildung/bildung&arbeitslosig.htm

Immer mehr Schulabgänger ohne weiterführende Ausbildung, also meist "Realschüler", landen direkt auf dem Sozialamt, was ihre Chancen für ein einigermassen erfolgreiches, selbständiges, selbst-tätiges Leben von Anfang an ruiniert. Diesen "Leistungsschwachen" soll nun auf die Sprünge geholfen werden, indem die Ausbildungspflicht von 9 Schuljahren durch eine Ausbildungspflicht bis zur Volljährigkeit (18 Jahre) erweitert wird. Gut gemeint .... aber wie mein Mathematiklehrer schon vor 30 Jahren dozierte: + und - ergeben Minus, gut gemeint ist also schlecht. Man weigert sich einfach standhaft, die Tatsache anzuerkennen, dass Wettbewerb nichts anderes ist als Klassierung, also Bewertung, Auslese und "Verwertung" der Besten - bei der die Schwächeren schlicht und einfach auf der Strecke bleiben. Dabei könnte man das Resultat in der eigentlichen Domäne des Wettbewerbs klar sehen: Nur Spitzensportler will die Masse sehen. Alle die nicht an der Spitze sind, brauchen Unterstützung und kommen auf keinen grünen Zweig. Das Konzept "mehr Wohlstand durch mehr Wettbewerb"  ist von da her schon mal total verrottet.

1. Funktionen der Bildung

Bildung ist in erster Linie ein Faktor der Selektion im Wettbewerb. Überall aber wo Wettbewerb herrscht, also selektiert wird, gibt es Gewinner und Verlierer. Eine bloss halbwegs humanistische Einstellung würde aber verlangen, dass es keine Verlierer geben darf, wo es um ein würdiges und angenehmes Leben geht ... was so ja eigentlich auch in den meisten Verfassungen steht. ...

Sozialer Aufstieg durch Bildung - und das Aufkommen des akademischen Prekariats - am Ende des Mittelalters.

Die vorzumal recht starre, aber auch stabile Ständeordnung wandelte sich und setzte nun statt auf Stabilität auf das doch schon recht postmoderne Prinzip Mobilität, heute Flexibilität genannt, denn es ging damals wie heute nicht bloss um den Besitz eines Pferdes/Autos. Körperliche Arbeit verwies auf einen niedrigen Rang, ja sogar die Tätigkeit im Handel war dem Ansehen wenig förderlich. Eine für den Ex-Adel standesgemässe Tätigkeit blieb so vor allem das Militär.

Gerade das Söldnerwesen führte aber auch in Wirtschaft und Politik neue Denkweisen ein und damit neue Strukturen und Verhaltensmuster. Für den Söldner (die Bezeichnung stammt ja treffend von Sold, und diese von solidus, einer römischen Goldmünze) war Loyalität eine Frage des Geldes, wie die Aussage der damals führenden Söldernexporteure deutlich macht: Point d'argent - point de Suisse!  Das Militär bot in diesen Zeiten extremer Anomie (Militärdienst war und ist immer eine Alternative zum Selbstmord ...) auch klare Strukturen, klar gegliederte Hierarchien, feste Normen und eine eine übersichtliche und berechenbare berufliche Karriere ... solange man überlebte ..

Das komplizierte Flechtwerk personenrechtlicher Bindungen wurde im Verlauf des Spätmittelalters immer stärker durch ein neues Band ersetzt: das Geld - eine Verbindung die schnell geschlossen und bei Bedarf genau so schnell wieder gelöst werden konnte. [S. 363]

Besitz war der zentrale Faktor - Bildung eine eher freiwillige Zugabe. Der Erwerb herrschaftlichen Besitzes war der Königsweg vom Nicht-Adel zum Adel. Was Ausbildung betrifft, so musste man schreiben können. Das reichte meist  ... deswegen verdienen Notare (die Niederschreibenden) heute noch so viel ...

  1. unabdingbar war der wirtschaftliche Erfolg
  2. Abkunft und Herkunft: Wer nicht aus alteingesessenen Familien kam, hatte es schwer (nicht bloss in Basel) Die Familie Rummel z.B. wurde in Nürnberg, nach 120 Jahren Zugehörigkeit zum Kleinen Rat und vollständiger Integration in den Stadtadel, noch immer in die 2. Gruppe, die der "neuen Geschlechter" eingereiht.
  3. Sehr wichtig war die richtige Heirat
  4. Unerlässlich für den Aufstieg war die Mitgliedschaft in einer der vornehmen Bruderschaften
  5. Krönung einer Laufbahn war die Wahl in den Rat und die Uebernahme der Bürgermeisterwürde. Nicht nur Verhandlungsgeschick, sondern auch geschäftliche Kontakte zu einflussreichen Persönlichkeiten und Landeskenntnis waren dabei günstig.
  6. repräsentativere Lebensstil s.o.
  7. Finanzieller Status, manifestiert durch Wohnhaus an der rechten Lage

1459, bei der Gründung der Universität Ingolstadt im Herzogtum Bayern-Landshut, erwähnt die Gründungsakte, dass sich durch den Besuch der Universität ein materieller Gewinn ergäbe, der sogar Angehörigen der Unterschicht den sozialen Aufstieg erlauben würde.

3/4 der Amtsinhaber waren, bereits um 1500, Söhne von Vätern, die über ein Universitätsstudium verfügt und einen ähnlichen Beruf ausgeübt hatten.

Stefan Brakensiek hat sich gewundert, wie gering die Anzahl der Amtsleute war, die aus dem Umfeld des hessischen Offizierscorps und der Forstbeamten kamen. Wo der Vater bereits Jurist war, ergriffen 49 von 81 Söhnen ein Jurastudium, 9 wurden Theologen, 8 Offiziere, 5 Forstbeamte, 4 Kaufleute und 5 wählten einen andern Beruf. Betrachtet man nur die ältesten Söhne, so wählten 23 von 26 das Studium der Rechte, beim zweiten Sohn bloss noch 14 von 23. In der Prestigeskala folgten Theologen und Offiziere. Der Forstdienst war das Auffangbecken für 3., 4. und 5. Söhne (günstigeres und kürzeres Studium. An der Qualifikation leiden viele Forstdienste der 3. Welt - und Absolventen dieses Studiums, ...

1.1 Selektion

Das Ziel der sechziger und siebziger Jahre, mit einem egalitären Schulsystem mehr Chancengleichheit zu schaffen, ging nicht nur verloren, es hat sich ins Gegenteil verkehrt, denn die Expansion der Bildung hat die Ungleichheiten nicht beseitigt, sondern sogar verschärft.

Mehr gut Qualifizierte schaffen nicht mehr Arbeitsplätze - sondern sie verdrängen die weniger gut Qualifizierten von deren Plätzen, für die sie meist ausreichend qualifiziert waren. (s. Flexibilität) Dadurch wird der Bildungswettbewerb verstärkt und die Ausbildungskosten steigen an, ohne Mehrwert zu schaffen (mit Ausnahme der zusätzlich nötigen Ausbildungsstätten und AusbildnerInnen natürlich ...). Es ist logisch, dass Leute mit höherer Bildung und damit meist höherem IQ rascher wieder Arbeit finden, denn sie haben mehr Auswahl. Eine Person mit hohem IQ/Bildung können Sie in der Tat ebenso unter Nobelpreisträgern und Professoren finden, wie unter Hilfsarbeitern, während eine Person mit tiefer Ausbildung heute kaum mehr eine Anstellung als Hilfskraft kriegt.

 

1.1.1 Selektion durch den IQ

Das wichtigste daran: 50% der Bevölkerung haben einen IQ von weniger als 100, 50% mehr - und keiner kann was dafür oder hat auch nur den kleinsten Einfluss darauf. Dennoch entscheiden sich hier bereits die zukünftigen Chancen der Kinder, da hier entschieden wird, in welche Schule sie gelangen (es sei denn, sie hätten sehr viel Geld zur Verfügung).

Ein Muster zur Passung aus Frank E. P. Dievernich: Der Mitarbeiter als trojanisches Pferd. GDI Impuls. Nr. 1 2008. S. 38-42:

Das Rekrutierungsspiel: Boston Consulting sucht Querdenker, die das Neue, das kreative Moment in die Organisation tragen sollen. Gesucht werden junge Talente, die sich in ihrer Vielfalt angesprochen fühlen und denen suggeriert wird, dass es für sie Platz in der auf Effizienz ausgerichteten Ökonomie gibt. Der Witz dabei ist, dass von der Organisation letztlich nicht das Andere, das Querdenkertum ausgewählt wird, sondern durch die Ausschreibung Personen angesprochen werden sollen, die über beste Lebensläufe - sprich: Noten und besuchte Bildungsinstitutionen - verfügen und noch "soziales Engagement" belegen. ... Ihre Lebensläufe belegen hohe Anschlussfähigkeit an das bestehende ökonomische System, welches auf Effizienz, Schnelligkeit und persönliche Intelligenz setzt. Ob sich die tatsächlichen Querdenker und echten Trojanischen Pferde je auf eine solche Stelle bewerben, ist mehr als fraglich.

Gerade weil die Schule mit ihrer dauernden Be- und Entwertung von Menschen die Chancengleichheit ad absurdum führt, forderte Ivan Illich bereits vor 35 Jahren, und zwar aus den missglückten Erfahrung von Entwicklungsländern im Bildungsbereich, präzise das Gegenteil des gegenwärtig über PISA forcierten internationalen Wettbewerbs, nämlich einen gesetzlichen Schutz vor obligatorischer Bildung und vor Bildungszwang. Der Bildung darf KEIN prioritärer Status zugemessen werden - denn der beschränkt die Freiheit der Menschen, insbesondere derer mit geringeren Bildungsmöglichkeiten. Die Bürger müssen davor geschützt werden, auf Grund schulischer Beurteilung keine Arbeit finden zu können, da dies nicht bloss ihre Freiheit, sondern sogar ihre Existenz beeinträchtigt. Die Überbewertung von Bildung, von schulischen Qualifikationen, führt also zu einem Verstoss gegen das erste und wichtigste Menschenrecht, das Existenzrecht. Institutionalisierung und straffe Ausrichtung auf die selben Bildungsziele (mehr Produktivität) machen das Schulsystem zum eigentlichen "grossen Bruder".

Anspruch und Wirklichkeit kommen hier auch nicht zusammen, da von den weniger günstig ausgestatteten dennoch erwartet wird, sich so zu verhalten wie die besser ausgestatteten, die mit den schnelleren Bordprozessor. Obwohl es technisch, menschlich, physisch gar nicht geht, sollen sie sich "anpassen". Hier wird gezwängelt, statt sinnvoll strukturiert. Das Problem wirkt sich insbesondere bei der "Integration" von Behinderten aus, bei denen alles unternommen wird, dass sie an "normalen" Arbeitsplätzen wirken können - anstatt dass Arbeitsplätze geschaffen werden, die ihnen das Arbeiten ermöglichen. Rhetorische Frage: Ist die Wirtschaft da für den Menschen - oder der Mensch für die Wirtschaft?

Dass hier Bildung Ausschluss statt Integration erzeugt, ist nichts als logisch. So schätzt z.B. das US-Ministerium für Arbeit und Bildung, dass 80% aller Hightech-Arbeitsplätze Anforderungen in Sprachgebrauch, Mathematik und Anwendungswissen erfordern, die dem Niveau der 13. Klasse entsprechen. 48% der Amerikaner erfüllen diese Kriterien nicht ... denn 50% der Amerikaner, Chinesen, Russen, Inder, Deutschen, ja sogar der Sonderfälle Schweizer, haben einen IQ von unter 100. Punktum. Da gibt es nichts zu deuteln und nichts an mehr Bildung zu schrauben, sondern die Wirtschaft so zu organisieren, dass auch diese Menschen eine ihnen entsprechende Tätigkeit finden können. Dummerweise scheint ein grosser Teil solcher Diskussionen von Menschen geleitet zu werden, deren IQ weit unter 100 ist, ihnen also nicht erlaubt, selbst solch allereinfachste Zusammenhänge zu erkennen.

In Japan, Frankreich und der Schweiz z.B. glauben noch über 40% der Jugendlichen mit 15 Jahren daran, auch ohne weiterführende Ausbildung einen einfachen Job finden zu können. Der Bildungswahn würde dies als Anmassung kritisieren, in der Bewertung des Wohlergehens der Kinder führt das zu Abzügen ... aber eigentlich ist es nur vorgezogener Realitätssinn, den sie als Erwachsene werden beweisen müssen, soll ihnen die Vermittelbarkeit nicht mal vom Arbeitsamt abgesprochen werden: Man kann immer Arbeit finden, auch ohne oder mit der falschen Qualifikation, so das Credo. Wer dem widerspricht, wenn arbeitslos, wird exkommuniziert. Man hat anzunehmen was zumutbar ist, d.h. also meist Arbeit, die weit unter dem erreichten Bildungsniveau und Potential ist.

Für 7% (Schweiz) bis 14% (Extremfall Israel mit 25%, Irak noch höher ...) entpuppt sich diese Illusion aber bald als Illusion - und sie hängen ohne Weiterbildung wie ohne Arbeit rum - und das in hoch organisierten komplexen Gesellschaften. Auch das ist eine direkte Folge des Wettbewerbs ... und der Freiheit, Wirtschaft auch ohne das Volk betreiben zu können.

 

1.2 Bildungstitel sind primär Statuszuweisungen

Bildung: Ihre Entwertung, ihre selektive Funktion und der Schabernack der "kulturellen Werte" der "Elite".

http://www.brainworker.ch/Bildung/bourdieu.htm

Herrnstein-Syllogismus:

  1. Wenn unterschiedliche geistige Begabungen vererbt werden, und
  2. wenn Erfolg eben diese Begabungen zur Voraussetzung hat, und
  3. wenn Einkommen und Prestige vom Erfolg abhängen -
  4. dann hängt der soziale Status bis zu einem gewissen Grad von ererbten Unterschieden zwischen den Menschen ab.
Ausbildungstyp, Ausbildungsdauer, Ruf der Schule bestimmen den Status des Berufs, weshalb häufig eine höhere Ausbildung gefordert wird - die sogar etwa bei Kindergartenbetreuung eine Matura voraussetzen soll. "Gut gemeint - aber höchst problematisch, denn damit werden praktisch alle zu Problemfällen definiert, die nicht mindestens eine Matura erreicht haben.

 

1.2.1 Habitus

Bildungstitel produzieren keine Arbeitsplätze, sondern bloss Statuszuweisung auf der positiven - Stigmatisierung auf der negativen Seite. Bildungsaristokratie auf der einen - Bildungsplebejer (wozu auch die Autodidakten gezählt werden) auf der andern Seite.

Das Grauen des Bourgeois (und besonders des sozial absteigenden) gegenüber jedwedem "Schulmässigem" findet eine seiner Ursachen sicher darin, dass der schulische Markt nichtsdestotrotz ungefähres Wissen und die verschwommenen Institutionen abwertet, welche der vertraute Umgang mit Kultur hervorbringt Verständlicher wird damit auch die Denunziation schulischer Routine, die den meisten Innovationen der neuen Kulturvermittler zugrunde liegt (Animateure, Erzieher, etc.), wenn man berücksichtigt, dass das etablierte Kleinbürgertum zwar über ein nicht unbeträchtliches Bildungskapital, aber nur über ein eher schwaches kulturelles Erbe verfügt, wohingegen beim neuen Kleinbürgertum (mit den Künstlern als Grenzfall) die Situation genau umgekehrt ist. Mag der Volksschullehrer aus Paris oder selbst aus der Provinz dem Kleinunternehmer, Provinzarzt oder Pariser Antiquitätenhändler bei Prüfungen, wo abfragbares Wissen verlangt wird, voraus sein; er dürfte ihnen dagegen überall dort als zutiefst unterlegen vorkommen, wo es auf Selbstsicherheit oder Fingerspitzengefühl, ja selbst noch auf den Wissenslücken kaschierenden Bluff ankommt statt auf Vorsicht, Diskretion und Einsicht in die Grenzen des eigenen Wissens, wie sie die Schule vermittelt: Man kann Buffet und Dubuffet verwechseln und gleichwohl in der Lage sein, seine Ignoranz unter den Gemeinplätzen lebender Sentenzen oder unter jenem beredten Schweigen zu tarnen, das sich in einer Bewegung des Mundwinkels, in Kopfschütteln oder einer stimmungsvollen Pose mitteilt; ... Vorausgesetzt nur, man besitzt die entsprechenden distinktiven Merkmale: Statur, Haltung, angenehmes Äusseres, Auftreten, Diktion und Aussprache, Umgangsform und Lebensart, ohne die alles Schulwissen zumindest auf diesen Märkten wenig oder gar nichts gilt. [S. 159]

Die Funktion des bourdieuschen Habitus in der Gesellschaft:

Um zu investieren, muss man glauben. Man muss an den Sinn des Spiels glauben, an den Sinn des Erfolgs auf einem bestimmten Feld. Es gibt keine andere Soziologie, die in einem solchen Masse die Rolle des Glaubens für das soziale Handeln betont. Glaube bedeutet: Die Individuen auf einem bestimmten Feld sind zweifelsfrei davon überzeugt, dass dieses Feld das wichtigste des Lebens ist. Das Feld lässt sozusagen nur Spieler zu, die ganz unreflektiert die Grundvoraussetzungen des Feldes anerkennen, sie niemals in Frage stellen. Der Glaube an die selbstverständliche Gültigkeit der Werte eines Feldes ist somit die Eintrittsgebühr: "Mit den zusätzlichen Akten des Anerkennens, diesem Eintrittsgeld, ohne das man nicht dazu gehört, die ständig kollektive falsche Erkenntnis erzeugen ohne die das Feld nicht funktioniert und die zugleich Ergebnis dieses Funktionierens sind, investiert man gleichzeitig in das kollektive Unternehmen der Bildung symbolischen Kapitals, das nur gelingen kann, wenn unerkannt bleibt, wie die Logik des Feldes überhaupt funktioniert. Man wertet damit unentwegt dasjenige Feld auf, in dem man sich bewähren, behaupten und durchsetzen will. Wer sich selbst über die Schulter schaut und neben sich steht, wer also im strengsten Sinne reflektiert, der kann die angemessenen Verhaltensweisen nicht im erwarteten Tempo erzeugen und begeht zwangsläufig Kommunikationsfehler - so hätte Lévi-Strauss gesagt -, Bourdieu würde sagen, habituelle Fehler.

Der "Idealzustand" der Gesellschaft: Oberschicht distinguiert - Unterschicht angepasst, assimiliert und streng konformistisch

* Die, welche für "distinguiert", für "besonders" gelten, besitzen das Privileg, sich um ihr Anderssein keine Gedanken und keine Sorgen machen zu brauchen. ...  Da wo der Kleinbürger oder der unlängst erst in die Ränge der Bourgeoisie aufgerückte "Parvenu" übertreibt, zeichnet sich die "Distinktion" des echten Bourgeois durch betonte Diskretion, Schlichtheit und understatement aus, durch Verschmähung alles "Uebertriebenen", "Angeberischen", "Prätentiösen", das gerade durch seine Distinktionsabsicht sich dequalifiziert als eine der verabscheuungswürdigsten Formen des "Vulgären" und damit als Gegenteil schlechthin von "natürlicher" Eleganz und Distinktion: der Eleganz ohne Streben nach Eleganz und der Distinktion ohne Absicht zur Distinktion. [S. 388]

Kleinbürger

Schule ist zur Weltreligion eines modernisierten Proletariats geworden.

(Ivan Illich)

Der kleinbürgerliche Habitus ist diese Linie der gesellschaftlichen (individuellen oder kollektiven) Laufbahn, verinnerlicht zum Hang, durch den Aufstieg zu seiner Verfolgung und Vollendung strebt: als eine Art nisus perseverandi, wie Leibniz sagte, in dem die bereits durchschrittene Laufbahn weiterlebt in Form eines auf Zukunft gerichteten Strebens, grenzt der Habitus die "vernünftigen" Ambitionen ab und damit den Preis, der für die Verwirklichung dieses realistischen Ehrgeizes zu zahlen ist.

Die Kleinbürger machen aus der Bildung eine Frage von wahr und falsch, eine Frage auf Leben oder Tod, und ahnen nicht im geringsten, welche unverantwortliche Selbstsicherheit,  Selbstsicherheit, unverschämte Lässigkeit, ja versteckte Unaufrichtigkeit hinter jeder Seite eines "inspirierten" philosophischen, künstlerischen oder literarischen Essais steckt. [S. 518]

1.3 Bildung ist immer auch Disziplinierung - heute vor allem auf produktives Wissen

Ein Blick in Meyers Taschenlexikon zeigt, dass der Begriff "Gesinnung" die Gesamtheit ethischer Vorstellungen und Motivationen des Menschen bezeichnet. Verbindet man nun das Wort Gesinnung mit dem Wort Produktion, so müsste ein Mensch, der sich durch Produktionsgesinnung auszeichnet, alle seine ethischen Vorstellungen und Motivationen auf die Produktion ausrichten. Damit wurde vom ÖPZ de facto die Unterwerfung des Menschen unter ein ökonomisches Nützlichkeitsdenken zum Programm erhoben.

Ihr müsst mehr, schneller, länger, besser, härter arbeiten, damit es Euch besser geht!

Es braucht etwas Druck. (womit er natürlich Druck auf die unerwünschten und als überflüssig erklärten Arbeitnehmer meint - statt Druck auf diejenigen, die deklassieren).

 

 

1.3.1 Ausbildungspflicht - Bildungszwang - Frühverschulung

Die neuste Entwicklung (um nicht zu sagen: der letzte Furz ...) auf dem Markt ist die Deutschpflicht für Dreijährige in Basel. Kleinkinder ohne genügend Deutschkenntnisse müssen obligatorisch in ein Vorschulprogramm, wo sie durch erfahrene Mütter mit Zusatzausbildung (was extrem an Merciers Das Jahr 2440erinnert: Schriftsteller unterliegen nicht bloss staatlichen Regelungen, sondern werden tagtäglich von zwei tugendhaften Bürgern aufgesucht, die Überzeugungsarbeit leisten, bis sie ihre gefährlichen Grundsätze widerrufen.) Die einzigen die dagegen sind, sind natürlich die SVP, die aber aus meiner Sicht diesmal den richtigen Riecher haben, denn:

  1. bedingt die Beurteilung von "genügend" also bereits eine Prüfung. Bereits Dreijährige sollen also an das Selektionssystem von Ausbildung und Prüfung gewöhnt werden.

  2. haben immer wieder Kinder Probleme mit der Einschulung bereits im Alter von 5, bei 3 dürften diese Probleme extrem gehäuft auftreten.

  3. dazu kommt, dass die Kinder ja eigentlich erst mal / dazu ihre eigenen Sprache lernen müssen. Sie werden also gezwungen, sich gleichzeitig mit 3 Sprachen (Muttersprache, Deutsch, Schweizerdeutsch) rumzuplagen. Etwas verwunderlich, da man ja von den meisten erwartet, dass sie irgendwann wieder in ihre Heimat zurückkehren, diese Sprache also eindeutig den Vorzug hätte. Wäre das Programm richtig und ernst zu nehmen, müssten also all diese Kinder einen zweisprachigen Unterricht erhalten. Hier läuft die Anpassungs- und Leistungsgesellschaft mit ihrem Bildungs- und Normierungszwang eindeutig Amok.

Es besteht der Verdacht, dass dieser Eifer primär der noch schnelleren Erzielung von Marktbereitschaft dienen soll. Gefördert wird dieser Trend auch durch Kinderhorte, die die Frauen (zur Billigarbeit) befreien wie durch das (ganz und gar nicht harmlose) HarmoS Konkordat der Konferenz der kantonalen Bildungsdirektoren, das zwecks Harmonisierung eine obligatorische Einschulung in die Kindergartenstufe bereits mit 4 Jahren fordert.

1.3.1.1 Frühverschulung - Frühverblödung

Americans visiting Piaget ... almost always asked him the same question, so that came to be known as the American question: <How can we speed up development?> and Piaget's answer was loud and clear, that mostly it does not make sense to speed up development beyond what is natural to a child ...

Kurt Fischer 1989, zit. in Ursula Schneider: Das Management der Ignoranz. Nichtwissen als Erfolgsfaktor.

Die entwicklungspsychologische Forschung von Piaget hat längst gezeigt, dass sich das Lernvermögen von Kindern in Phasen und Stufen entwickelt. Ist eine Stufe noch nicht erreicht, ist aller Unterricht bloss Quälerei. Da sich alle Menschen unterschiedlich entwickeln, müsste man da vielleicht eher von der Normiererei an Schulen abkommen, als noch mehr Normen zu schaffen, denn es sind erst die Normen die "Abnormes" schaffen.

Also WENN Frühenglisch, Frühfranzösisch und dergleichen Unsinn mehr, dann nur ohne Notenwettbewerb, also ohne Selektionsdruck, denn ein solcher wäre Betrug an den Kindern, deren Gedächtnisleistung sich nun mal in Gottes Namen langsamer entwickelt.

Ob all dem Lernen von "Wissen", geht das Denken immer mehr unter.

Wenn es etwas gibt, dass wir wieder lernen sollten, dann: Zu denken!

 

1.3.2 Lebenslanges Lernen

Der vermutliche Erfinder des lebenslangen Lernens, Johann Heinrich Zedler, bemerkte bereits1749 in seinem Lexikon, im Artikel zu "Oekonomische Zeitungen": Denn ein Mensch muss, so lange er lebt, in der Erkenntnis der Wahrheit zu seiner Glückseligkeit theils durch Erfahrung, welches entweder die eigene oder fremde ist, theils durch Nachdenken lernen, sonst wird er bald in diesem und jenem Stücke, sonderlich in der Gesellschaft der Menschen, die neben ihm sind, und immer weiter kommen, ein Ignorant, und sich sowohl als andern unnütze werden. [Richard van Dülmen, Sina Rauschenbach [Hrsg.]: Macht des Wissens. Die Entstehung der modernen Wissensgesellschaft. Böhlau Verlag Ag, Köln, Weimar, Wien. 2004. S. 578] Es ist hier nur eine "Kleinigkeit" ... aber beachten Sie, dass Zedler vor 250 Jahren das Denken noch erwähnte, während heute nur noch vom Lernen geredet wird! Gerade aus diesen Anfängen der Aufklärung können wir für die heutige Zeit wichtiges lernen:

Oft ist die Volksaufklärung in der Forschungsliteratur als gigantischer Disziplinierungsversuch aus ökonomischem Kalkül beschrieben und als "verhältnismässige Aufklärung" charakterisiert worden, die den neuen Adressaten zusätzliches Wissen nur insoweit zugestehen wollte, als diese es für die bessere Ausübung ihres Berufes benötigten. Im letzten Drittel des 18. Jahrhunderts geschah aber der entscheidende Schritt zur Moderne: Lasst euch von niemanden überreden, dass ihr das Nachdenken über Religion und politische Gegenstände den Gottesgelehrten und Staatsmännern ohne Schaden überlassen könnet.

Nun ersetzen Sie mal die Gottesgelehrten (die Staatsmänner wären heute eh bloss noch Politiker ... Handelsvertreter der Partei-Meinung) durch Ökonomen - dann haben wir präzise die heutige Problemlage, in der wir uns immer noch an diese 200-jährige Empfehlung halten sollten!

2. Disfunktionalität der Bildung - oder -  Wo der Bildungswahn am Rand zerbröckelt:

2.1 Je mehr Bildung - desto Arbeitslos:

Die "Kausalität" ist allerdings verquert, denn die liegt natürlich umgekehrt: Je mehr Arbeitslosigkeit, desto mehr wird versucht, diese durch Ausbildung zu umschiffen - aber offensichtlich nicht mit durchschlagendem Erfolg.

 

2.2 Weiterbildung: Wer hat, dem wird gegeben

Besser ausgebildete verdienen zwar meist mehr, das liegt aber weniger am Wissen, als am Zugang zu entsprechenden Stellen. Da die Stellen aber sich nicht entsprechend der Anzahl besser Gebildeter vermehren, sehen sich immer mehr sehr gut geschulte in Arbeitsplätzen mit einigermassen dämlichem Einsatzniveau für ihr Wissen.


 

Erwerbstätige mit Hochschulabschluss besuchen 3 x so häufig (52%) einen beruflichen Kurs als Personen ohne Bildungsabschluss nach der obligatorischen Schulzeit. (16%).

Ein weltweiter Vergleich von Bildung und Arbeitslosigkeit zeigt zwar einerseits, dass Länder mit höheren Anteilen an Tertiärbildung (Hochschulen) tiefere Arbeitslosigkeit aufweisen, das dies aber primär von der Disparität, also dem Unterschiedlichen Zugang zu Weiterbildungsmöglichkeiten abhängt.

Allerdings! - und das ist äusserst wichtig für weitere Bildungsdiskussionen! - eine bessere wirtschaftliche Ausgangssituation wird nicht durch Spitzenausbildung für Spitzenleute alleine geschaffen, sondern durch ein wohltemperiertes Bildungssystem in dem auch die obligatorische Schulausbildung und das sekundäre Bildungssystem top sind. Dies lässt sich sehr leicht zeigen anhand der Kette, die Innovationen auslösen:: Genies erfinden geniales, dann brauchen sie intelligente Leute, die ihre Idee verstehen, weiter entwickeln und praxistauglich machen. Um die geniale Entwicklung unters Volk zu bringen (zu verkaufen) braucht es qualifizierte Verkäufer, die etwas verstehen von dem was sie anbieten (hier hapert's immer bereits stark in der Realität). Für die Anwendung braucht es ebenfalls gut trainiertes Personal, das möglichst souverän mit den neuen Hilfsmitteln (speziell zur Zeit IT, Internet) umgehen und es für den Betrieb effizient einsetzen kann (hier hapert's noch mehr. Die meisten Nutzer setzen vielleicht knapp 5% ein der Möglichkeiten, welche weit verbreitete und günstige Software wie Word, Excel etc. bieten. Dazu braucht es dann noch gut geschultes Personal, das diese Erfindungen entstören oder reparieren kann. Deshalb ist es eine Illusion zu glauben, dass Bildung unabhängig von inexstenten oder zerbrochenen Strukturen irgend was bewirken kann.

Wäre dem nicht so, dürfte es in Russland, England, Frankreich, der Ukraine, Polen, Deutschland etc. ganz offensichtlich keine Arbeitslosigkeit geben ...

Auf dem Gebiet ist die Schweiz allerdings kaum Spitze:


 

2.2 Generation p

Zur Abhängigkeit der Ausbildung von potentiellen Einsatzstrukturen, wo sie ankoppeln kann, sich realisieren, "Leistung" vollbringen, kommt aber noch ein zweites Prinzip, das ich die Schizophrenität des Marktes nennen würde. Man will Spitzenleistungen und Spitzenleute - die sollen aber Güter und Ideen erzeugen, die sich in Massen absetzen lassen, also "mittelmässig" sind. Dadurch werden nicht nur die geistig Schwachen diskriminiert, sondern auch die Geister, die sich nicht auf Marktkonformität, oder eigentlich auf die "Produktionsgesinnung" dressieren lassen. Falls Sie das für ein Gerücht halten ... ist längst beschrieben, sogar quantifiziert, als Problem der generation p. Weder Presse noch Politik nehmen dieses ernst, da es sich ja bloss um eine Minderheit von 5 bis 8% der Bevölkerung handelt. Nun ja, aber diese Minorität zeigt deutlich genug, dass es eigentlich nicht um Bildung oder Wissen geht, sondern um "angepasstes Wissen", verwertbares Wissen ... die "rechte" Gesinnung des Wissens. Die überdurchschnittlichen Schüler werden durch jahrelange Schulung dressiert. Das in den letzten Jahren immer stärker zunehmende Genöle um die Förderung Hochbegabter könnte also nichts weiteres sein, als der Versuch, auch das Denken jener, die es beherrschen, in "die rechten Bahnen" zu lenken, also für die Produktion nutzbar zu machen und ihnen den kritischen Geist auszutreiben. Wer sich der Produktionsgesinnung verweigert, trotz bester Ausbildung, landet nämlich in präzise dem selben Topf wie die Leistungsschwachen.

Durch eine verlängerte Ausbildungspflicht - ohne ausreichend Arbeitsplätze, also Vollbeschäftigung (oder Voll-Teilzeitbeschäftigung) - werden die Jugendlichen bloss in eine Tretmühle gesetzt, wie Hamster: Leerlauf zwar ... aber immer brav im Käfig!

generation p, Generazione 1000 Euro , dito in Spanien: Mileuristas

Nicht nur das geringe Gehalt, auch der Mangel an beruflichen Perspektiven sorgen für Frust.

Auch Japan kennt die verlorene Generation, in Form der Freeters, die als Teilzeitkräfte weniger als 10 Fr. pro Stunde verdienen, damit aber kaum leben, geschweige denn Renten- und Krankenkassenbeiträge oder Steuern bezahlen können. Wer in Japan nach dem Studium nicht sofort unterkommt und ein paar Jahre rumtrödelt, hat keine Chance mehr auf eine gute Stelle (so ähnlich wie hier und in Deutschland, wenn Sie ein paar Jahre im Ausland gearbeitet haben, Entwicklungszusammenarbeit und so ...). 

Diese Generation wird veräppelt. Von der Politik mit faulen Sprüchen, von der Wirtschaft mit leeren Versprechungen, von den Eltern mit längst nicht mehr gültigen "Erfahrungen". Unsere Eltern sind meist unter einiges härteren Bedingungen aufgewachsen, zugegeben, und mussten nach dem 2. Weltkrieg alles erst (wieder) aufbauen. Aber - Aufbau bedeutet eben auch Arbeit. Daher der Spruch: Wer Arbeit will, findet immer was. Das war sicher so, aber historisch, in der Wirtschaftswunderzeit. Heute ist alles gebaut - und die Wirtschaft funktioniert dort, wo Mächtige am Werk sind, die ihre Feuden bereits beansprucht haben.

Die Fakten sind, dass diese Generation die erste feste Stelle etwa mit 38 findet, und mit 40 zu alt, mit 50 definitiv überflüssig ist. Obwohl die politische Diskussion eine Verlängerung der Arbeitszeit bis 67 oder 68 verlangt, finden nur 30% der ausgesteuerten Arbeitslosen über 50 je wieder eine Stelle. Auch insgesamt sind es bloss 47% der Ausgesteuerten, die vom Arbeitsmarkt wieder angenommen werden.  30% werden von der Sozialhilfe abhängig, ein Anteil der doppelt so hoch ist wie vor 10 Jahren!

Die Forderung des Marktes lautet also zur Zeit:

Mit 25 voll in die Karriere, mit 30 in Top-Position, Reserven anhäufen, und ab 40, spätestens ab 50 das Geld arbeiten lassen, da Du selbst eh keine Chance mehr hast (es sei denn, Du hast Beziehungen und wirst Verwaltungsrat). Scheissforderungen eines Scheissmarktes ...

Das Problem der generation p, der prekären Beschäftigung Studierter, wird von den Medien als vernachlässigbares Randproblem dargestellt. Sicher, es handelt sich nicht um eine Mehrheit, noch nicht mal um eine bedeutende Minderheit - aber - eine Minderheit, die auf das deutlichste zeigt, wie wenig mehr Bildung zur Lösung des Problems Arbeitslosigkeit beitragen kann.

Interessant ist, dass umgekehrt ebenfalls eine unbedeutende Minderheit aber definieren soll, was die wirtschaftlichen und politischen Ziele der Schweiz sein sollten. Wir haben hier vor allem zwei Minderheiten:

  1. Die Finanzfachleute und Kapitalvermehrer (Geschrieben bevor sie durch die gigantischen Verluste der UBS nun eigentlich eher als Kapitalvernichter dastehen ...) . Mit gut 130'000 Mitarbeitern bietet das Finanzwesen 3% der Stellen der Schweiz, sogar wenn man das Versicherungs(un)wesen mitrechnet, sind es bloss 5.4%. Dieses Gewerbe definiert aber die Entscheide der Politik mehrheitlich. Die Bauern sind da bloss ein willkommenes Ablenkungsmanöver.
  2. Die Biotechnologie beschäftigt in der Schweiz 14'000 Mitarbeiter, also 3.3% der Bevölkerung. Weitaus weniger dürften es in andern exotischen Bereichen wie Nanotechnologie und dergleichen sein. Aber - die ETH, die Standortspolitik der Gemeinden, die Steuerfreiheit, alles soll sich nach diesen Minderheiten richten.

 

2.3 Bildungsrendite:

http://www.brainworker.ch/Arbeit/Globalisierung.htm#bildungszwang

Während zur Schulzeit des Autors konnten die Lehrer diese Weisheit noch verkaufen: Reichtum kann man verlieren - Wissen bleibt. Heute hat sogar Wissen nur noch eine äusserst beschränkte Haltbarkeit. Die Halbwertszeit des Wissens sei bei 2 Jahren angelangt. Wenn da eine(r) also 5 Jahre für seine Ausbildung investiert, dann muss er/sie am Ende gerade wieder vorne anfangen, da die vor 5 Jahren erworbenen Grundlagen schon wieder überholt sind. Wenn dann noch einige Jahre vergehen, bis die Bildung am richtigen Ort eingesetzt werden kann, ist der Absolvent weg vom Fenster. Ausbildung wird so, da immer mehr notwendig, zur Zwangsabgabe IV, bei der man (und frau) sich jedoch je länger desto weniger darauf verlassen kann, durch Bildung der Lotterie des Arbeitsmarktes entgehen zu können.

Auch hier wird klar, dass das, was uns als "Leistung" verkauft wird, viel mehr mit List zu tun hat:

Unsere Topverdiener, also Verwaltungsräte und CEOs (Betriebsleiter), erhalten ja nicht so viel Geld, weil sie so viel wissen. geschweige denn, weil sie so viel leisten würden (leisten im normalbürgerlichen Verständnis von Arbeitsleistung). Topsaläre werden bezahlt, weil diese Leute  bewiesen haben, dass sie List profitabel für den Betrieb einsetzen können.

Eine der wichtigsten Hinter-Listen des kapitalistischen Systems ist die Pareto-Verteilung, durch  die 80% "ausgemünzt" werden, weil sie am wirklich lukrativen Geld- und Finanzmarkt gar nicht mitspielen können.

Sehr deutlich zeigt sich dabei, dass universitäre Ausbildungen mit 3.6% für Männer und 4.5% für Frauen besonders niedrige Bildungsrenditen abwerfen, welche unter Berücksichtigung von Steuern, dem Risiko eines Studienabbruchs sowie der direkten Ausbildungskosten sogar geringer als die einer risikolosen Kapitalanlage sein dürften. Die Ertragsraten für höhere Berufsausbildungen und Fachhochschulen von zwischen 7.5 und 10%.

 

2.3.1 Entwertung des Wissens: Flexibilität ist ein zweischneidig Ding

Heute ist das Wissen derart vielfältig und unübersichtlich, dass man Suchmaschinen braucht, um was zu finden (bei der Vielfalt von Brainworker sogar die Dinge, dich ich selbst geschrieben habe ...). Und Wissen verdoppelt sich alle 2 Jahre ... Angebracht wäre also eher ein Lehrsystem des Lernens nach Bedarf, also des Lernen Lehrens, so dass ein (sicher notwendiger) Grundstock an Wissen bei Bedarf entsprechend erweitert werden kann, vor allem durch Selbst-Lernen.

Diese Ideologie verlangt, trotz Flexibilität und absoluter Unterordnung eines jeden unter den Markt, einen lückenlosen und geradlinigen Lebenslauf, mit zunehmender Ausbildung, Erfahrung, Verantwortung, Untergebenen, Lohn etc. Der Lebenslauf ist der Beweis, den jeder erbringen muss, der sich um eine Stelle bewirbt, dass er sich stets und erfolgreich bemüht hat den Anforderungen der grossen Maschine gerecht zu werden und stets in der Lage war, sich den wechselnden Bedürfnissen nicht bloss anzupassen, sondern daraus sogar Profit zu schlagen. 

Die Entwicklung der letzten 30 Jahre, insbesondere aber seit 1990, machte obige Ideologie zum Absurdum. Bildung hilft kaum mehr, autodidaktische Bildung ist sogar schädlich, und sogar Universitätsdiplome gewähren meist oft nur noch Zugang zu "Praktika", in denen die Absolventen weiter belehrt und getestet werden, getestet allerdings primär auf Solidarität mit dem Betrieb, Unterwürfigkeit, Passfähigkeit. Der Ruf nach lebenslangem Lernen macht alle zu ewigen Studenten. Man sollte also die Unruhen in Frankreich nicht bloss als reaktionären Ruf einiger gut bemittelter Studenten abtun, denn die aktuelle Situation hat echtes Revolutionspotential:

  ... warum dieser Generationenkonflikt also nicht selten in einen heftigen Konflikt um die Fundamente der sozialen Ordnung überhaupt ausartet: Radikaler, aber auch unbestimmter als politischer Protest in seiner herkömmlichen Gestalt, stellt diese entzauberte, ernüchterte Stimmung, die an jene der ersten Generation der Romantiker gemahnt, tatsächlich einen Angriff auf die fundamentalen Dogmen der kleinbürgerlichen Ordnung dar, auf "Karriere", "gutsituierte Verhältnisse", "Aufstieg", "Vorwärtskommen".

Ohne ins Paradoxe zu verfallen, lässt sich behaupten, dass gerade diejenigen Hauptleidtragenden der Entwertung der Schulabschlüsse sind, die den Arbeitsmarkt ohne Abschluss betreten. Tatsächlich geht ja mit der Entwertung der Bildungsprädikate eine sich verstärkende Monopolisierung durch die Inhaber von Bildungsprädikaten auch solcher Stellen einher, die bis dahin für Leute ohne entsprechende Prädikate offenstanden. [S. 225]

betr. Berufsprestige s. http://www.brainworker.ch/Orientierung/ordnung_der_welt.htm

3. Folgen


3.1 Psychische Erkrankungen

3.2 Entfremdung

Dazu kommt aber noch ein zweites Prinzip, das ich die Schizophrenität des Marktes nennen würde. Man will Spitzenleistungen und Spitzenleute - die sollen aber Güter und Ideen erzeugen, die sich in Massen absetzen lassen, also "mittelmässig" sind. Dadurch werden nicht nur die geistig Schwachen diskriminiert, sondern auch die Geister, die sich nicht auf Marktkonformität, oder eigentlich auf die "Produktionsgesinnung" dressieren lassen. Falls Sie das für ein Gerücht halten ... ist längst beschrieben, sogar quantifiziert, als Problem der generation p. Weder Presse noch Politik nehmen dieses ernst, da es sich ja bloss um eine Minderheit von 5 bis 8% der Bevölkerung handelt. Nun ja, aber diese Minorität zeigt deutlich genug, dass es eigentlich nicht um Bildung oder Wissen geht, sondern um "angepasstes Wissen", verwertbares Wissen ... die "rechte" Gesinnung des Wissens. Die überdurchschnittlichen Schüler werden durch jahrelange Schulung dressiert. Das in den letzten Jahren immer stärker zunehmende Genöle um die Förderung Hochbegabter könnte also nichts weiteres sein, als der Versuch, auch das Denken jener, die es beherrschen, in "die rechten Bahnen" zu lenken, also für die Produktion nutzbar zu machen und ihnen den kritischen Geist auszutreiben. Wer sich der Produktionsgesinnung verweigert, trotz bester Ausbildung, landet nämlich in präzise dem selben Topf wie die Leistungsschwachen.

Durch eine verlängerte Ausbildungspflicht - ohne ausreichend Arbeitsplätze, also Vollbeschäftigung (oder Voll-Teilzeitbeschäftigung) - werden die Jugendlichen bloss in eine Tretmühle gesetzt, wie Hamster: Leerlauf zwar ... aber immer brav im Käfig!

 

3.3 - 9% Totalverweigerer  in Deutschland

Noch tragischer sind die Totalverweigerer, deren Anzahl im Steigen begriffen ist. 9% der Schüler Deutschlands verlassen die Schule ohne Abschluss. 15% der jungen Erwachsenen zwischen 20 und 29 Jahren haben keine Berufsausbildung und 26% aller Ungelernten sind arbeitslos. Jedes fünfte Ausbildungsverhältnis muss abgebrochen werden. Das Fazit das Faltermeier (Schulverweigerung - die zweite Chance packen, ZESO, Zeitschrift für Sozialhilfe. 1/2008. S. 28-29) daraus zieht, übersieht aber geflissentlich den Grund: Die Herausforderung der Zukunft heisst Bildung. ... Wir können unsere Gesellschaft nur dann zukunftsfähig ausgestalten, wenn wir jeden jungen Menschen seinen Leistungspotentialen entsprechend fördern und fordern. Wie eine tibetanische Gebetsmühle, immer wieder der alte Reim - ohne auch nur im geringsten die Ursache des Problems anzusprechen: Diese Schüler verweigern sich der Schule ja eben drum, weil sie das Werkzeug der Selektion ist, eines Wettbewerbs, in dem sie sich eh keine Chance ausmahlen. Sie können das mit dem Sport vergleichen. Wenn dem Sieger und sagen wir, sogar den nächsten 11 eines 100m-Rennens eine riesige Prämie versprochen wird, dann bleib ich z.B. trotzdem zu Hause, da ich mit 125 kg eh keine Chance habe (- es sei denn, es gälten Rugby-Regeln). Schule und Ausbildung sind ein Auswahl- und Dressursystem. Wer sich keine Chance ausmahlt, bleibt zuhause - dies ist die logische Folge von Wettbewerb, und nicht, dass dank Wettbewerb alle zu Gewinnern werden.

 

4. Bildungswahn und Bildungschancen:

Bildung fördert zwar soziale Ungleichheit - normiert aber Individualität

http://www.brainworker.ch/Bildung/bildungswahn.htm

Es gibt also eine ganze Menge Gründe, warum weder der IQ in der traditionell verwendeten Form, noch die auf ihn beruhenden Schulnoten überbewertet werden sollten. Es gibt sogar wirtschaftliche Gründe dafür. Heute finden wir unter den Topverdienern keinen einzigen Nobelpreisträger oder gar eine philosophische Koryphäe - aber sehr viele Menschen mit sehr beschränkter Begabung ... der beschränkten, aber oft ausgezeichneten Begabung, den Markt für sich zu nutzen. Unter den Topverdienern finden wir aber nicht nur Geldhändler, sondern auch Schauspieler, Fussballer, Sänger, Regisseure, SchriftstellerInnen (Rowlings als Musterbeispiel). Hätten die sich nach ihrem IQ und den Schulnoten klassieren lassen, wären sie fast allesamt spurlos in der Masse untergegangen. Wie jede Klassierung von Leistung ist auch der IQ beengend, zu beengend für die Vielfalt der menschlichen Begabungen.

Das ruft aber eigentlich nicht nach noch mehr Schulfächern und noch rascherem Anhäufen von Wissen, sondern nach einer besseren Erfassung, Schulung und Nutzung der bei einzelnen wirklich vorhandenen Begabungen und Talente - also nach einer Anwendung und Umsetzung des Konzepts der multiplen Intelligenz.

Dazu kommt heute natürlich die Wirtschaft, die Schulabsolventen viel zu wenig Möglichkeiten bietet, ihre Fähigkeiten in die Wirtschaft einzubringen (> fehlende Lehrstellen) - dafür aber um so lauthalser nach Anpassung und besseren Leistungen seitens derer schreit, die für bezahlte Leistung (> Diese Definition von Leistung hier unbedingt ansehen, denn mit dem Leistungsbegriff wird heute der grösste Schabernack getrieben!)  kaum mehr zugelassen werden. Es ist heute präzise die Überschätzung dieser seltsamen Idee von Leistung, die die Entwicklung der persönlichen Potentiale längst in den Hintergrund gedrängt hat. Und es steht zu befürchten, dass die Anstrengungen zur Förderung hoch Begabter ebenfalls nicht eigentlich deren Interessen fördern will, sondern sie so zu verbiegen trachtet, dass sie in der Wirtschaft profitabel eingesetzt werden können. Denn, und hier zeigt sich die Dämlichkeit der meisten autoritären Bildungskonzepte, eigentlich braucht das Gehirn nicht motiviert werden zum lernen - was nicht die antiautoritären von Summerhill behaupten, sondern der unverdächtige Piaget. Das Gehirn ist ein sich selbst konstruierendes System. Der sich entwickelnde Mensch erkundet seine Umwelt aktiv und strukturiert sein Denken nach den Informationen, die er nach und nach erhält. Die Strukturen werden durch Training fixiert. So z.B. das Kleinkind, dass das Werfen entdeckt hat, und alles was es in die Hände kriegt, so weit wie möglich weg wirft. Oder, ein paar Jahre später, wenn es seine ersten Erfahrungen mit der Kausalität macht, seine Eltern durch unentwegtes Fragen "warum" in den Wahnsinn treibt. So wird sein Denken immer komplexer, so lange sein Erkenntnisdrang besteht, er etwas erproben und anwenden will. Denken ist also nicht bloss eine theoretische Angelegenheit. Auch der erfinderische Handwerker kommt darum nicht herum.

Der grösste Fehler hier ist, strukturiertes Denken oder Lehren nach Strukturen zu gestalten, die von der Wirtschaft oder anderen Autoritäten vorgegeben werden, denn das Lernen kann nur erfolg haben, wenn strukturiertes Lernen eben auf den bereits vorhandenen Denkstrukturen der Schüler aufbaut. Vermutlich ein Irrtum vieler Didaktoren.

 

4.1 Vom Strukturalismus (gar nicht zu reden vom postmodernen Chaos) zum Konstruktivismus

Man kann hier leicht zeigen, wie bedeutend der Einfluss der Denkweise, der Methode, auf das Resultat ist. Von wegen Objektivität der Wissenschaften ... Denken wir strukturalistisch, so sind die kulturellen Strukturen z.B. fest und gegeben, bei Levy sogar durch die Sprache quasi verewigt. Der Mensch muss also lernen, sich daran anzupassen. Denken wir aber konstruktivistisch, so sind unsere Bilder, die wir uns von der "Welt der Tatsachen" machen, blosse Konstrukte, die es per Dekonstruktion wieder aufzudecken gilt, deren Ursprung und Funktion durch Kritik zu klären sind.

Naturwissenschaften begründen Sachzwänge, die sich kaum hinterfragen lassen.
Sozial- und Geisteswissenschaften hingegen sollten dem Menschen die nötige Mass an Freiheit und Sicherheit verschaffen.

Fazit:

Restrukturierung/Strukturwandel kann sich nicht auf irgend welche <Gesetze des Marktes> berufen, sondern muss an ihrer Funktionalität, oder eben Disfunktionalität gemessen werden.

Dysfunktional wird Strukturwandel auch und eben dort, wo er keine zielorientierte, zukunftsorientierte Ausbildung mehr erlaubt, aber dennoch hinterher dauernd Anpassung verlangt, auf Kosten der Anzupassenden natürlich, nicht auf Kosten der Strukturwandler. Der auf die Art entstehende Zwang zum lebenslangen Lernen ist orientierungslos - und in äusserstem Masse desorientierend, und er wird noch desorientierender, sollte er dazu noch autoritär werden. Der Club of Rome forderte deshalb bereits ein partizipatorisches und antizipatorisches Lernen:

Die weitgehend durch staatliche Verordnung geregelte Grundausbildung wird zunehmend mehr zur Startvoraussetzung für unübersehbare Entscheidungsrennen hinsichtlich bestimmter späterer Tätigkeiten. … Das als Folge dieses Prozesses propagierte lebenslange Lernen heisst aus dieser Sichtweise lebenslange Bemühung um den individuellen Marktwert … Lebenslanges Lernen ist mit aller Doppeldeutigkeit lebenslängliches Lernen, ist die lebenslange Angst um Kompetenz; da es die ständige Erfahrung vermittelt, nichts bzw. immer zuwenig zu können und zu wissen. Diese infantilisierende Erfahrung macht das Subjekt auf dem Markt noch inferiorer, da sein ganzes Bestreben darauf gerichtet sein muss, dort wenigstens kurzfristig als vollwertige Arbeitskraft anerkannt zu werden. Anerkennung aber gibt, wenn die öffentlichen Institutionen diese nicht mehr über langfristig gültige Titel gewährleisten können, nur der Abnehmer von Qualifikationen, der Unternehmer also. Dies schlägt auf die Form der Weiterbildung in sichtbarer Weise durch. Bildung geschieht, auch von der Subjektseite her, nur nach kalkulatorischen Prinzipien des kurzfristigen Marktgewinns (die bildungsrelevante Seite der Job-Mentalität). Im Extrem: Die Qualifikation hat keinen Marktwert mehr, das Subjekt läuft ihm daher ununterbrochen nach. Nur noch ein kleiner Schritt ist es, von der zunehmend leichteren Verderblichkeit von Bildung (wie Bildungsmanager ihre innerbetrieblichen und ausserbetrieblichen Expansionstendenzen legitimieren) zur leichten Verderblichkeit derer, die gebildet werden. (Geissler, K.: Strukturelle Verschiebungen in der beruflichen Weiterbildung. Vernachlässigte Aspekte zum Thema Technik-Folgen. In: Bildung und neue Technologien. Symposion im Rahmen des Kongresses der Deutschen Gesellschaft für Erziehungswissenschaft. Lisop, I. (Hrsg.), Heidelberg 1986, S. 79 f

Ökonomisch betrachtet ist Arbeitslosigkeit eigentlich nur ein zu hohes Angebot an Arbeitskräften bei zu wenig Nachfrage. DER MARKT der hier bestimmt, lässt sich allerdings personifizieren. Dieser "Markt" wird nämlich gestaltet durch die Firmenleiter, ihre Verwaltungsräte, die Börse und vor allem, generell, den Finanzmarkt. Wenn Betriebsleiter nach betriebswirtschaftlichen Gesichtspunkten optimieren und dabei volkswirtschaftliche Gesichtspunkte, wie eben den Arbeitsmarkt und die damit, über die Löhne, verbundene Nachfragesenkung, vernachlässigen, verursachen sie Strukturbrüche. Das seco neigt zwar dazu, Strukturbrüche ganz sec zu Strukturwandel  zu verharmlosen - wobei sie zu vergessen scheinen, dass "Strukturwandel" voraussetzt, dass neue Strukturen im Aufbau sind, welche arbeitslos G(? .. ich scheiss auf die neue Gramaddig ..)ewordene und Lehrstellen Suchende aufnehmen können. Und wo sind die?

Arbeitslosigkeit wird also in (fast) vollem Umfang durch betriebswirtschaftliche Entscheide verursacht.

Fazit:

Wenn schon Arbeits-Therapie, dann bitte für diejenigen, die das Schlamassel verursachen.
Was aber die SfA betreibt ist nichts als Symptomtherapie!

Also wenn hier jemand therapiert werden muss, dann die Betriebsleiter, die CEOs, insbesondere diejenigen der Firmen, die zwar enorme Gewinne machen, dabei aber nicht bloss keine neuen Stellen schaffen, sondern, um noch mehr Gewinne zu machen, gleich auch noch Stellen abbauen. Wer das ist finden Sie sehr leicht raus in der Erhebung der Wirtschaftszeitung ... die teilweise auch vom Tagesanzeiger verbreitet wurde. [Handelszeitung Nr. 26. 29. Juni 2005. S. 65-71]

Bildung wird überbewertet, was die Behebung der Arbeitslosigkeit betrifft, was eine generelle Verbesserung der Chancen aller betrifft

Der Grund für diese Überbewertung liegt darin, dass bloss darauf gesehen wird, wie viel besser gut Geschulte verdienen , wie viel tiefer in ihrer (statistischen, sozialen) "Klasse" die Arbeitslosigkeit ist - nicht aber auf die Verdrängung der "weniger erfolgreich Gebildeten" durch die besser Gebildeten.

 

5. Politische Hintergründe und Implikationen: Wer gestaltet die Gesellschaft?

 [nach Robert B. Reich: Wir müssen den Superkapitalismus daran hindern, die Demokratie zu zerstören. GDI Impuls. Nr. 1, 2008, S. 62-74]

Demokratie ist ein System, das Dinge ermöglicht, die nur die Gemeinschaft leisten kann: Spielregeln zu schaffen, die auf das Gemeinwohl zielen. Diese Spielregeln wirken sich auf das Wirtschaftswachstum aus. Dabei erlaubt uns die Demokratie ein Gleichgewicht aus Wachstum und sozialer Gerechtigkeit zu schaffen.

Grundlage der Wirtschaft war die Massenproduktion. Sie war profitabel, da die grosse Mittelschicht über ausreichende Kaufkraft verfügte, um die massenhaft hergestellten Güter zu erwerben - die Gewinne wurden zwischen den Grosskonzernen und ihren Zulieferern, Händlern und Angestellten aufgeteilt. Die Verhandlungsposition dieser Gruppen wurde durch die Gesetzgebung gestärkt. Fast ein Drittel aller Arbeitnehmer war gewerkschaftlich organisiert.

Superkapitalismus:

Die gigantischen Oligopole und die grossen Gewerkschaften, die Regulierungsbehörden und die Gesetzgeber verloren an Einfluss. Heute bleibt den Unternehmen keine andere Wahl, als erbarmungslos nach Profit zu streben. Staatsmännische Unternehmensführer sind verschwunden. Es besteht kein Zusammenhang mehr zwischen dem Wohlergehen der Konzerne und dem der Bürger.

Mit den Regulierungen verschwanden aber auch alle Quersubventionierungen, die ein empfindliches Gleichgewicht der unterschiedlichen Interessen hergestellt hatten.

Die Löhne der Topverdiener sind derart hoch, dass eine Steuererhöhung talentierte Menschen wohl kaum von einem so aussichtsreichen Berufsweg abhielte.

Der Zuwachs an Lobbyaktivitäten geht fast ausschliesslich auf das Konto der Wirtschaft. Die Lobbyarbeit von politischen Organisationen ist dem gegenüber vernachlässigbar.

Unternehmen hindern die Regierungen immer effektiver daran, gesellschaftlich relevante Themen zu behandeln. Manager die ehrlich etwas gutes tun wollen, sollten ihr Unternehmen aus der Politik heraushalten.

Alles in allem sollte das Ziel der Regierungspolitik darin bestehen, die Bürger wettbewerbsfähiger zu machen und nicht die Unternehmen. Konzerne sind weltumspannende Einheiten, Menschen sind es nicht.

Der Zweck des Kapitalismus besteht darin, Anlegern und Konsumenten gute Angebote zu machen. Der Zweck der Demokratie besteht darin, gemeinsam Ziele zu erreichen, die wir als Einzelpersonen nicht erreichen.

Martin Herzog, Basel, 6.4.08