KOOP - Bildungsbörse - WISSENSCAFE: Programm / Archiv

Stadthelferzentrum
Vogesenstrasse 110
4056 Basel - St. Johann

Eintritt/Teilnahme frei

Anfragen an M. Herzog, 061 831 80 15, hewww@brainworker.ch

No 4 - 6. Mai: Die Gute Ordnung: Zum optimalen Verhältnis zwischen Gesellschaft, Politik, Wirtschaft - und all der anderen Teilsysteme

Die gute Ordnung eben diejenige Ordnung, die praktisch allen einen Weg ins Glück ermöglicht. Betriebswirtschaft reicht nicht. Markt alleine reicht nicht. Planung alleine funktioniert nicht. Starke Führung reicht nicht. Auch die Mehrheit hat nicht immer recht. Je komplexer eine Gesellschaft - desto anspruchsvoller die Steuerungsaufgaben. Je anspruchsvoller die Aufgabe - desto häufiger das Ausweichen auf Banalitäten, Autoritarismus, Populismus und andere Kurzschlüsse.

Eine verlässliche Ordnung und Orientierung (Tradition) stabilisiert die Gesellschaft, da sie viele Verhaltensnormen beinhaltet, also zu verlässlichen Reaktionen und Aktionen führt. Unordnung führt zu Kriminalität, Mord und Selbstmord, Auflösung der familiären und gesellschaftlichen Strukturen, und, weil die Orientierung fehlt und alles mehr oder minder absurd wird, zu zunehmenden psychischen Problemen.

Ordnung soll also Prozesse- und Strukturen in Umwelt, Gesellschaft und Wirtschaft erhalten. Ordnung soll verlässliche Orientierung erlauben und dadurch auch effizientes Handeln ermöglichen, wie auch die klare Zu-Ordnung von Verantwortung und Haftung.

Ordnung soll dem Schutz der Freiheit dienen und vor Übergriffen schützen. Ordnung soll Sicherheit bieten, insbesondere die Sicherung der Menschenwürde!

Ordnung, insbesondere die Rechtsordnung, soll eine verlässliche Trennung von Recht und Unrecht ermöglichen sowie die rechtliche Gleichbehandlung: gleiches gleich, ungleiches ungleich.

Ordnung ist oft auch mit dem Begriff Gerechtigkeit verbunden. Gerechtigkeit wird allerdings über Recht selten erreicht.

Selbstorganisation ist das freieste und beste Ordnungsprinzip komplexer Systeme.

Zumindest eine Vorstellung zu haben, wie denn eine gute Ordnung aussehen könnte, ist äusserst wichtig, da diese als Vision, also Weltanschauung, unsere Orientierung und damit unser Verhalten mitbestimmt. Das dritte Millennium beginnt mit dem Problem, dass Mittel zu Zwecken wurden, wie insbesondere Geld und Wettbewerb, dass aber Visionen und Utopien, wie ein gutes Leben eigentlich aussehen könnte, abhanden gekommen sind.

1. Definition

Solon war einer der sieben Weisen Athens. Er führte einschneidende soziale und wirtschaftliche Reformen durch. Insbesondere hob er die Schuldknechtschaft auf, milderte das Schuldrechts und setzte Höchstgrenzen von Landbesitz. [aha ... das geht also, wär' zu überlegen, was die Begrenzung der Herrschaft globaler Wirtschaftsgiganten betrifft (s. Wirtschaftsmacht).

Die Adligen zerstörten mit ihrem unbeherrschten Streben nach Reichtum das Zusammenleben in der Gemeinde, indem sie andere Mitbürger existentiell bedrohen oder sich an Gütern der Götter bzw. der Polis vergriffen.

Ein äusserst aktueller Aspekt dabei ist, dass Solon nicht auf Eigenverantwortung plädiert, sondern deutlich macht, dass Schaden, der von einzelnen Mächtigen verursacht wird, die ganze Gesellschaft betrifft und in der Existenz bedroht. Der Bürger der nur an seiner privaten Ökonomie (Hausordnung/Betriebswirtschaft) interessiert ist, gefährdet durch die daraus resultierende Politik seine eigene Existenz.

Solon sieht in der Polis, der Stadt, einen Raum, in dem die ökonomischen Regeln für das Handeln einzelner, z.B. das Streben nach Reichtum, nicht ausschliesslich angewandt werden können. Zu Deutsch und verständlicher: Politik ist etwas anderes als Wirtschaft. Die Polis, womit die Stadt, die Gemeinschaft gemeint ist, steht über dem Haus und der Hausordnung (Ökonomie).

Solon soll allerdings auch durch seine Luststeuer - und eigene Bordelle - derart viel Geld gemacht haben, dass er damit seine Militärmaschine, den Hafen von Piräus und einen Tempel der Aphrodite finanzieren konnte. Tja ... Philosophen ....

Epikuraer und Stoiker

Die zwei Gegenpole Epikuräer und Stoiker zeigen uns das Feld, in dem sich wohl das gute Leben einrichten kann und muss [http://www.brainworker.ch/zynismus/stoiker.htm]

Problem Epikureer Stoiker

Höchstes Gut:

Natur:

Gott:

Sinn des Lebens:

Seele:

Politik:

 

Lust

Atome, Zufall, viele Welten

Keine göttliche Vorsehung

Kein letzter Sinn

sterblich

asozial

 

Tugend

Logos, Fatum, eine Welt

Göttliche Vorsehung

Sinnvolle Ordnung der Welt

unsterblich

sozial

http://www.philolex.de/stoiepik.htm

Eine "Gute Ordnung" muss es also möglichst vielen Epikuräern (tendenziell die politische Rechte) erlauben, möglichst viel Lust zu erleben - den Stoikern (tendenziell die politische Linke) aber die Möglichkeit geben, ihren Idealen zu folgen.

Platon

Platons (gr. Platon, latinisiert Plato) Problem war z.B. "Der gerechte Staat". Bereits Aristoteles favorisierte dafür eine gemischte Formen, also eine pluralistische Staatslehre, da nur die Vielheit der Elemente des Staates der Vielfalt der gesellschaftlichen Ausprägungen gerecht werden kann.

Ziel der athenischen Politik war ... das selbe wie heute, insbesondere wie heute das Ziel jeder Firmenpolitik, nämlich die politische Kontrolle in den Händen weniger zu bewahren.

Demokratie funktionierte nicht, da sie offenbar meist populistisch geführt wurde, was vom einen Extrem ins andere führt, je nach Mehrheit die gerade obsiegt.

Ein Vorbild war den Athenern, insbesondere was die Kaste der Herrscher betrifft, die militärische Ordnung der Spartaner, die ihre individuellen Interessen absolut dem Wohle der Gemeinschaft unterordneten - was diese Ordnung als faschistisch de-klassiert. Für Plato war die spartanische Ordnung aber nicht vorbildlich, weil sie eine Diktatur der Weisen (Herrschaft der Philosophen) erlaubt, sondern, merke, weil den spartanischen Herrschern jegliches Eigentum verboten war.

Es handelt sich bei der Oligarchie/Plutokratie um eine Herrschaft von wenigen über viele, von wenigen, die ihre eigenen Interessen vertreten, und nicht diejenigen der Vielen. Plato misstraute dem Profit-Motiv und dem politischen Einfluss von Geld zutiefst (mei, ist mir der Kerle sympathisch ...), denn die Oligarchie setzt alles daran, ihren Reichtum auf Kosten der Armen zu vermehren. Soziale "Unangepasstheit", ja Spaltung ist das Resultat von zu viel Ungleichheit. Unterdrückung und Unzufriedenheit führen zu Bitterkeit und schliesslich Revolution.

Das Streben nach Reichtum ist das Ordnungsprinzip, und damit der grösste Fehler der Oligarchie - so sagt Plato, weil dies in Ausbeutung endet - während der grösste Fehler der Demokratie der fehlende Zusammenhalt ist. Demokratie = Ochlokratie = Herrschaft des Pöbels

Die Plutokratie (Herrschaft der Reichen, erreicht im Neoliberalismus) ist freier angelegt als die Aristokratie, da jeder reich werden kann.

2. Lenkung komplexer Systeme

Obwohl ich eigentlich von staatlicher (wie sonstiger) Autorität nicht viel halte, ist an eine Abschaffung der Politik eigentlich nicht zu denken, denn je komplexer ein System ist, desto höher ist sein Koordinationsbedarf. Je komplexer ein System ist, desto höher ist aber auch der Bedarf an Freiheitsgraden. Jedes Subsystem hat seine spezifische Ordnung, also braucht jedes Subsystem seine spezifische Steuerung. Der Markt kann die politische Lenkung also nicht ersetzen. Märkte koordinieren zwar gut und günstig, aber sie folgen ihren eigenen Gesetzen, und dies ohne Rücksicht auf Verluste, ohne die geringste Rücksicht auf Gerechtigkeit. Die Marktgesetze funktionieren gut, solange der Markt nicht von Einzelnen beherrscht wird. Viele Marktgesetze lassen sich aber so nutzen, dass sie präzise diesen Effekt haben, nämlich die Marktbeherrschung durch wenige. Der Markt ist nicht  frei, der Markt ist kein Naturprodukt. Der Markt ist Menschenwerk und Machtstruktur. Der freie Markt zerstört seine Freiheit selbst durch immerwährende Akkumulation in einem begrenzten Raum, da eine solche Akkumulation nur möglich ist auf Kosten anderer.

Ursprung dieser Ordnungswut dürfte somit das Eigentum sein und die mit ihm verbundene, eben so ungleich verteilte, Macht und Ohnmacht. Revolutionen entzündeten sich historisch meist an Problemen des Bodenrechts und von Grossgrundbesitz. Während hierzulande alles lauthals die Barone Argentiniens der Ungerechtigkeit anklagt und eine Umverteilung der Grossgrundbesitze einklagt, darf man die einseitige Verteilung der Ressource Kapital heute kaum mehr beklagen. Seit dem Zusammenbruch des Kommunismus gibt es keine ernst zu nehmende Diskussion zu diesem Thema mehr,  obwohl es jedem und jeder klar sein müsste, dass es ethisch, und somit politisch und auch wirtschaftlich, nicht haltbar ist, dass Menschen von der Existenzsicherung, also Arbeit, ausgeschlossen werden dürfen, weil das Eigentum heilig ist.

Gerne predigen Eigentümer denen die vom Lohn abhängig sind, d.h. nochmehr denen, die dies waren und Arbeitslos oder gar ausgesteuert gar kein "Vermögen" mehr haben, die Eigenverantwortung. Es ist aber präzise der Begriff <Vermögen> der zeigt, dass Arme eben wirtschaftlich nichts mehr vermögen. Dies liegt eben in den Händen der Vermögenden, die Verhältnisse zu ändern. Heute scheint das Eigentum nur noch zur Vermehrung desselben zu verpflichten - egal, welche Kosten dadurch andern, nicht zuletzt dem Staat, entstehen. [s. Armut: Definitionen, Ressourcentheorie / Reichtum: Was ist Reichtum, welche Funktion hat er und welche Verantwortung?]

Systemerhaltung <> Systemwandel

Wir müssen unterscheiden zwischen Gesetzen, die den status quo erhalten und Gesetzen, die ändern. Und es sind die Änderungen die von diesen Parteien konsequent mit nein erledigt werden. Der Widerwille der Rechten gegen politische Lenkung dient also nur der Systemerhaltung (Nachtwächterstaat), da die Elite schon immer gewusst hat, die bestehende Ordnung oder Unordnung zu den eigenen Gunsten zu nutzen, genau wie der gewiefte Börsenspekulant verdient, egal ob die Kurse rauf oder runter gehen, Hauptsache sie bewegen sich. Die von den meisten erwünschte, einigermassen stabile Ordnung, wäre also das Ende der Spekulation ... die gute Ordnung wäre vielleicht das Ende der Ausbeutung. Wer aber möchte das schon ...

Koordination von Teilsystemen

Das soziales System besteht aus 4 Grundelementen: Wirtschaft, Politik, Kultur und Legitimationssystem, die sich nicht auf eine Ebene projizieren und vereinfachen lassen, noch weniger auf ein banales links-rechts-Schema:

  1. Wirtschaftssystem:

  2. politisches System:

  3. kulturelles System:

  4. Legitimationssystem:

 Der Philosoph Johannes Heinrichs fordert das Ende von Fraktionszwang und Allroundpolitikern. Er baut sein neues Modell einer Handlungs-Systemtheorie als Reflexions-Systemtheorie des Sozialen. 

Johannes Heinrichs gibt als Kultur und Ethik eine weitaus höhere Bedeutung, als sie im heutigen Alltagsgebrauch haben. D.h. er gibt ihnen eigentlich ihre ursprüngliche Bedeutung und Funktion als Kompass der Orientierung zurück, die sie durch Kommerzialisierung weitgehend verloren haben.

Kritik: Der Begriff Parlament wäre meines Erachtens zu ersetzen, da er erstens zu sehr an (oft wirkungsloses) Palaver erinnert und da Parlamente zweitens eindeutig gesetzgebende Institutionen sind. Es geht, wenn ich den Ansatz richtig verstehe, aber weniger um zusätzliche Gesetze, als um eine Verbesserung der Kommunikation zwischen den Teilsystemen und um eine bessere Organisation, die Sachprobleme nicht mehr auf Macht reduziert und zugleich fähig ist, unwirtschaftliche, also ethisch-kulturelle Anliegen aufzunehmen,  ernsthaft zu diskutieren und Lösungsvorschläge zu stipulieren. Da sich komplexe Systeme eh nicht gezielt steuern, sondern nur zu einer internen Umorganisation anstossen, d.h. therapieren lassen, kann es eigentlich auch nicht um Gesetze gehen, sondern eher um Anregungen, Anstösse, generelle Orientierungen wie sie z.B. Verfassungen bieten.

Kultur - Gesellschaft - Wirtschaft

Für humane Ordnungssysteme brauchen wir also den Überbau der Kultur ... der allerdings durch das Kulturbusiness extrem verhunzt wurde und wird, da es in dem Bereich vor allem um die Produktion distinktiver überflüssiger Elemente geht, die der Oberschicht zu mehr "Distinktion" verhelfen, sich aber je länger je weniger am wirklichen Problem der Kultur orientieren: Dem systemischen Management  des Gesamtorganismus Menschheit, inklusive seiner sozialen und natürlichen Umwelt und seiner geistigen Orientierungen.

Bei den archaischen Gesellschaften gab es nur Kultur und keine Politik und keine Wirtschaft. Jede Gesellschaft benötigt neben einer Orientierung (Kultur) auch eine Organisation (Soziales, Politisches) und eine Reproduktion (Wirtschaft). Aber sie waren kulturbestimmt (genauer: religiös orientiert), und Politik und Wirtschaft waren darin völlig integriert. Die Orientierung der Kultur (Geistesverfassung, moralische Ordnung) an der Natur, der Politik an der Kultur, der Ökonomie an der Politik usw. bildete sozusagen Jaspers "Umgreifendes", die Ganzheitlichkeit.

Legitimationssystem: Grundwerte- und Kulturparlament

Wertesysteme - Wertekompass: Eine Frage des rechten Masses

Die Postmoderne hat zwar mit "der grossen Erzählung", DEM gültigen System, DER Wahrheit aufgeräumt - und dennoch bleibt ein Set an Grundbegriffen, die man Wahrheiten nennen könnte, derer sich auch die Postmoderne nicht entledigen kann. Es handelt sich um Kategorien die ein Jaspersches Umgreifendes bilden, die Ganzheit formen, die die Welt zusammen halten. Ich versuche aus jedem Wertebereich einen solchen zentralen Begriff heraus zu arbeiten, grün markiert:

1 Praktische Werte - Materielle Werte

> Die Orientierung des Menschen am Glück

2 Naturwerte

> Die Erde, Gäa, ist eine, nur eine. Machen wir sie kaputt, sind wir hin.

3 Persönlichkeitswerte

Der Dualismus der meisten Persönlichkeitswerte macht klar, dass Werte eher Spannungsfelder zwischen Polen aufbauen als klare Richt-Linien und Wege zeigen wie etwa Leuchttürme:

3b Freiheit <> Ordnung

Die "rechte" Veräppelung des Rufes nach Gleichheit ist dennoch eine rhetorische Hinterlist, eine rabulistische Fehlinterpretation. Als Resultat eines Wettbewerbs mit äusserst ungleich langen Spiessen (s. Pareto), wird die Verteilung der Ressourcen immer schiefer, immer ungleicher. Wenige haben alles, viele haben nichts. Der Ausschluss aus der Produktion, wenn er auch im Namen der viel gepriesenen Effizienz erfolgt,  bedroht die schiere Existenz vieler Menschen. Existenzrecht darf kein Almosen sein, dürfte also auch nicht als Ansporn dazu genutzt werden, sich um nicht existierende Stellen zu bewerben. Recht auf würdige Existenz, steht, wenn ich mich nicht irre, sogar in unserer Verfassung! Was aber in Deutschland wie in der Schweiz und vermutlich auch andernorts mit Arbeitslosen getrieben wird, ist oft unwürdig. Woher sonst die Gewalt vieler gegen sich selbst oder andere? (s. Anomie)

> Es gibt keine gute Ordnung ohne Freiheit, Würde und Glück der einzelnen Menschen. Es gibt keine Freiheit, Würde und Glück ohne gute Ordnung.

4 Gemeinschaftliche Werte / Gesellschaftliche Werte / Nationale Werte

Als gemeinsame Grundprinzipien der verschiedenen normativen Entwürfe finden sich:
  • alles zu unterlassen, was schädigt (Menschen, Gesellschaft, Natur, Geist ...)
  • die Autonomie und die Ziele anderer Personen zu respektieren,
  • das Wohlergehen anderer zu fördern
  • Gerechtigkeit zu üben, also in ähnlichen Fällen ähnlich beurteilen und behandeln.

5 Geschaffene, kulturelle Werte

6 Aesthetische Werte - absolute Schönheit

Aesthetik war die grosse Umfassende des 19. JH. Heute wird dummerweise unter Aesthetik bloss noch die Lehre von der Schönheit (oder so) verstanden, weshalb und diese ursprüngliche Funktion rein gar nichts mehr sagt. In den folgenden Tagen (bis stpätestens Mitte Mai 09) werde ich dazu einen klärenden Artikel verfassen.

7 Ideelle Werte - absolute Wahrheit

Diese Gruppe umfasst das Kerngebiet der Philosophie und Wissenschaft, also die Werte nach denen Brainworker primär funktioniert ... und zielich rabiat werden kann, wo diese verletzt werden. (Fundamentalist der Wahrheit eben ...)

8 Religiöse Werte - Heiligkeit

Hier kann ich keinen der Begriffe als heute noch verbindlich markieren mit grün, da gesamtgesellschaftlich gesehen alle Religionen mehr oder minder obsolet oder zumindest dubios geworden sind. Mit dem Verlust jeglicher Heiligkeit riskiert der Mensch allerdings den Verlust seiner Geistigkeit.

9 Ethische Werte beschreiben als Modell die absolute Güte - die praktische Tugend sucht Wertorientierung im rechten Mass

traditionelle Werte [http://www.gp.org/tenkey.html] rotgrüne Werte

Autorität, Hierarchie
Wettbewerb
stabile Familien
Wirtschaftswachstum
Stärke, Macht
Zentralisierung ... ohne Staat
Kapitalismus
Herr-Schaft
Traditionen über Multikulti
Eigenverantwortung
Fokus: vergangene Grösse


grassroot Demokratie
Kooperation
soziale Gerechtigkeit, Chancengleichheit
Oekologische Weisheit
Gewaltfreiheit
Dezentralisierung
Kommunale Oekonomie und wirtschaftliche Gerechtigkeit
Feminismus, Gender-Gleichheit
Respekt für Diversität
Persönliche und globale Verantwortung
Fokus: Zukunft und Nachhaltigkeit

Lakoff: konservative Moral
  1. Förderung der Moral des Strengen Vaters im allgemeinen.
  2. Förderung von Selbstkontrolle, Verantwortung und Zuverlässigkeit des einzelnen.
  3. Anwendung des Prinzips von Belohnung und Strafe
    1. Schutz der Individue, die über Selbstkontrolle und Zuverlässigkeit verfügen sowie Verhinderung der negativen Folgen von Eigeninteresse.
    2. Stärkung der Autorität durch Strafe
    3. Sanktionierung durch Strafe für Individuen, die es an Selbstkontrolle mangeln lassen.
  4. Schutz der moralisch handelnden Individuen vor äusseren Schäden.
  5. Stärkung der moralischen Ordnung

     
Lakoff: linke Moral
  1. Solidarisches Verhalten und Förderung der Gleichheit.
  2. Hilfe für die, die sich nicht selbst schützen können.
  3. Schutz für die, die sich nicht selbst schützen können.
     



 


 

 

  1. Förderung der Selbstverwirklichung
     
  2. Sorge für die eigene Person, um sie für die Durchsetzung der vier Grundvorderungen zu stärken.

Das Recht auf Arbeit gehört zwar als Bestandteil der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte von 1948 [http://www.lexilogos.com/declaration/allemand.htm Artikel 23] auch zum deutschen Grundgesetz, konnte aber nie durchgesetzt werden. In der Schweiz wurde eine Eidgenössische Volksinitiative gleichen Namens 1948 von 81% der Bevölkerung und von allen Ständen abgelehnt. [http://www.admin.ch/ch/d/pore/vi/vi53t.html]. Natürlich lässt sich dies begründen, aber denken Sie nicht, dass z.B. eine Initiative "Pflicht zur Arbeit" eine grosse Mehrheit finden würde? Gibt doch zu denken, oder? Wenn Sie dieses Rätsel lösen haben Sie vielleicht das Problem gelöst, wie durch mehr persönliche Anstrengungen und Eigenverantwortung 2, 20 oder 200 Stellensuchende pro offene Stelle ihre Pflicht zur Arbeit wahrnehmen sollen? Hier wird offensichtlich viel mehr rhetorischer Schabernack betrieben als nach sachlichen Lösungen gesucht. 

Beim "Recht auf Arbeit" geht es um den unbedingt zu achtenden Vorrang des Menschen vor dem nur scheinbar auch arbeitenden Kapital und seinen Maschinen. Dieses und manche andere Persönlichkeitsrechte können aber nicht effektiv durchgesetzt werden, weil wir keine Grundwerteversammlung haben, die Rahmenrichtlinien an die ihr untergeordneten parlamentarischen und exekutiven Ebenen des Gemeinwesens bindend weitergeben könnte.

 

Explikative Presse

Parlamente erlassen mehrheitsfähige Gesetze - die Optimierung komplexer Systeme erfordert aber Anstoss durch Dissens, also Information! > s. Prozesse des Denkens wie der Planung/Entwicklung: Beobachten - Denken - (Modell) - Kommunizieren - Kritisieren/Evaluieren - Werten - Entscheiden - Handeln (Neu-Konstruktion).

Seit langem gelten die Medien als 4. Gewalt - und dies nicht zu unrecht. Jede Staatsführung muss die Bürger "mitnehmen". Die Diktatur kann hier etwas "straffer" vorgehen, aber auch sie nicht auf Dauer ohne ein gewisses Verständnis und eine minimale Akzeptanz bei den Betroffenen. Vollends entscheidend werden Medien in der Demokratie, die nur über und mit, aber nie gegen, Mehrheiten beschliessen kann. Die Botschaften und Anliegen der Regierung müssen also vor das Volk getragen werden. In einfacher Sprache vor das einfache Volk, in präziser und vollständiger Formulierung vor das etwas kompliziertere Volk, vor allem die Intellektuellen, sonst gibt's Ärger. Erst durch die Vermittlung wird manche Staatstätigkeit verständlich und akzeptabel. Die absolute Zuordnung der 4. Gewalt zu "Medien" fasst allerdings etwas zu kurz. Begriffe, Zusammenhänge, Bedeutungen und auch Werte werden uns in erster Linie nicht von den Medien, sondern von Familie, Freunden, Arbeitskollegen, dem Betrieb, der Forschung, Wissenschaft, Philosophie, der Kirche, der Tradition etcetc. vermittelt. Ich möchte darum all diese zusammenfassen zur Explikative, also zu den Organen, die uns etwas begreifen, verstehen und werten lassen. Das ist etwas komplizierter als es auf den ersten Blick aussehen mag, vor allem weil der exklusive Erklärungsanspruch heute von den Wissenschaften usurpiert ist ... die dabei allerdings andauernd und konsequent vergessen, dass das Ziehen von Schlüssen, Entscheidungen, 1. frei und 2. allenfalls an Werte gebunden ist, sich aber nicht durch "wissenschaftliche Wahrheiten" umgehen lässt. Obwohl seit Max Webers Wertfreiheitspostulat nun 100 Jahre vergangen sind, herrscht heute im Dialog zwischen wissenschaftlicher, philosophischer, künstlerischer, überbrachter, religiöser und anderer Wahrheitsformen immer noch das selbe Chaos. Eine klare Aufteilung in wissenschaftliche Tatsachen und Fakten (= Sachzwänge, Machbares, Notwendiges, als Auftrag zu verstehendes, nach Weber durch Bürokratie zu erledigendes), individuelle oder gruppenspezifische Werte (in Religion, Politik, Tradition festgelegt) und noch frei entscheidbarer Zukunft, also der wünschbaren Utopie als Ziel.

Mit dem Ziel einer Explikative können wir nun auch die Kritik am Kulturparlament präziser fassen. Diese muss nämlich von der Politik eben so unabhängig bleiben können wie von der Wirtschaft, denn sie muss vermittelnd beide kritisieren und eine Gesamtschau produzieren können. War das nicht mal Aufgabe der Uni-versität, denn der Begriff bedeutet eigentlich: Gesamtheit der Lehrenden und Lernenden. Theoretisch vielleicht, in der Praxis kaum je. Die Universität ist, mehr Pluriversität, zersplittert in tausende von Disziplinen, deren Vertreter untereinander bereits kaum kommunizieren und die die Öffentlichkeit im Maximum ab und zu mit einem Event bei Laune halten. Zudem schliesst die Universität als Organisation wissenschaftlicher Forschung und Lehre die Werte ja eben gerade aus. Die Explikative, als gesellschaftliche, aber nicht-staatliche (vor allem unbürokratische) und nicht-gewinnorientierte Organisation, als Forum das Wissenschaftler, Philosophen, Glaubenslehrer, Künstler - und die Medien - zu einer fruchtbaren Synthese zusammen führen kann, wäre noch zu schaffen.

3. Organisationsformen der Ordnung

Dikatur / Tyrannei

Der Extremfall, das Machtmonopol, die Tyrannei, die übrigens präzise dem entspricht, was unter der Herrschaft eines starken Mannes zu verstehen wäre, was als Wunsch autoritätsgläubiger frustrierter Unterschicht (die dann eben braun wird, weil's ihr so besch... geht) auch immer wieder mehrheitsfähig wird, ist ebenfalls keine Lösung, denn der Tyrann verfolgt seine eigenen und höchst persönlichen Ziele. Er macht die Massen bloss glauben, dass dies in ihrem Interesse geschähe (s. Blocher & Co.). Die tyrannische Herrschaft ist nicht regelgeleitet, sondern willkürlich (Nieder mit der Menschenrechtskonvention und internationalen Vereinbarungen ... und dergleichen). Falls daraus Gesetze erwachsen, so wird bloss das (persönliche) Interesse des Tyrannen zu Recht gemacht. Das Interesse des Stärkeren wird rechtens, das Recht des Stärkeren setzt sich durch.

Die Funktion des Staates ist es nicht, das Wohlergehen einer einzelnen Klasse zu fördern,
sondern das Wohlergehen der gesamten Bevölkerung zu garantieren.

Zweck des Staates war in erster Linie die Erhaltung und Förderung von FRIEDEN UND GERECHTIGKEIT

Kirche

Mit dem Aufkommen des Christentums in Europa wurde die gute Ordnung als göttliche Ordnung von der Kirche diktiert. Neben grossartigen Bauten und andern unbestreitbaren kulturellen Leistungen, waren die Folgen davon aber auch viel Angst, Mord und Totschlag.

Monarchie

Die Notwendigkeit zur Monarchie wurde mit den Schwächen der Demokratie begründet, dem Populismus: Das Volk sei leichtgläubig und leicht verführbar, da es Launen und Leidenschaften folge - der König dem Gemeinwohl verpflichtet und an die Gesetze gebunden. Erste Pflicht des Königs ist die Wahrung des Rechts, zweite der Schutz und die Verteidigung des Staates. Über alles sollte den Herrschern die Wohlfahrt ihrer Völker gehen, und deshalb sollten sie für das wirtschaftliche Aufblühen ihrer Länder sorgen. (Physiokratie, Merkantilismus)

Die Forschung der letzten 40 Jahre hat gezeigt, dass Herrschaftskonzentration nicht einfach ein unaufhaltsamer Weg zur absoluten Monarchie war. "Zwischengewalten" wie der Adel, städtisches Bürgertum, bäuerliche Gemeinschaften, Kirchen, hatten immer einen deutlichen Anteil am Staatsbildungsprozess, der stets schwankt zwischen Bewahrung und Erneuerung. Die entwicklungstüchtigere, vorwärts treibende Kraft sei immer das Fürstentum gewesen.

Oliarchie Boden Eigentum

Demokratie

Formen des kooperierenden Staates: Der moderierende Staat & der aktivierende Staat

  Inverventionsstaat moderierender Staat informierender und warnender Staat
Steuerungstiefe Primat der Politik gesellschaftliche Selbstorganisation Wissenssteuerung
Gesellschaftsbild Korporatismus Marktgesellschaft individualisierte Gesellschaft

Der regulatorische Staat (Interventionsstaat) ist ein erster Schritt weg vom Staat der alles reguliert, hin zu einem Staat, der nur noch dort reguliert, wo's anders nicht geht, und dies zudem mit möglichst wenig Aufwand (Bürokratie):

  Wettbewerbsstaat Regulatorischer Staat
Analyseperspektive Herrschaft Effîzienz
Staat als Gegenpol als Korrektiv
Verhältnis Staat-Markt hierarchisch nicht-hierarchisch
Globalisierung Zwang Chance
Gesellschaftsmodelle Uniformität Vielfalt

Hat der Staat einmal akzeptiert, dass Marktmechanismen effizientere Steuerungsleistungen erbringen als staatliche Eingriffe, muss er sich nicht nur um den Erhalt, sondern auch um das Entstehen von Märkten bemühen, zum Beispiel wenn staatliche Monopole in der Strom-, Wasser- oder Gasversorgung oder im Bereich der Bahn und der Post privatisiert werden. Der Staat darf aber seine Rolle dabei nicht aufgeben, sondern wechselt bloss vom Eigentümer zum Regulierer. 

Die Grenzlinie zwischen Politik und Nichtpolitik verschwimmt und der Staat wird zu einem Moderator in zufällig auftretenden, zeitlich befristeten Perioden der Thematisierung gesellschaftlicher Probleme. Staatliches Handeln ist damit situativ richtig oder falsch aus der Sicht der jeweils Beteiligten, kann aber an keiner Messlatte allgemeiner Art mehr ausgerichtet werden.

Jein. Postmodern richtig formuliert aber dennoch ganz knapp vorbei am Optimum:  Der "moderierende Staat" ist ein guter Denkansatz, denn er macht aufmerksam auf die Löcher im Wissen und Management, die der rein wirtschaftliche Ansatz hinterlässt. Ohne Einflussmöglichkeiten der Öffentlichkeit auf eine übermächtige Wirtschaft hätten wir wieder die selben Probleme wie während der Industrialisierung des 19. JH: Wasserverschmutzung, Luftverschmutzung, Umweltverschmutzung generell - und Pauperismus. Der moderierende Staat muss in der Lage sein, solche "Löcher" im Netz zu erkennen und zu verhindern, dass ihre negativen Auswirkungen das Mass des Erträglichen übersteigen - wobei nicht die Verursacher, sondern die Betroffenen definieren, was erträglich ist. Der moderierende Staat darf also nicht nur einseitig Wirtschaftswachstum unterstützen, um jeden Preis, sondern sollte sich eigentlich eher um das Wissen kümmern, das bei der all zu einseitigen Wirtschaftsorientierung unter Tisch und Bank fällt. Er sollte also nicht-rentabler, neutraler Wissenschaft die der Kritik und Orientierung dient mindestens genau so unterstützen wie z.B. "den technischen Fortschritt"! Mit solchen Wissenschaften meine ich nicht nur die heute eh wirtschaftlich uninteressanten Sozial- und Geisteswissenschaften, sondern sogar harte Naturwissenschaften, die allerdings dort nicht stattfinden, wo es um potentielle Gefahren, um Kritik an gewissen Forschungen und deren Produkte geht, also heute insbesondere um Genetik und Nanotechnologie. Da diese vor allem von privater Seite finanziert wird, und der Staat sich am selben Typ bedient, fehlt der Kritik das notwendige "kritische Wissen, das Wissen um echte Probleme und Gefahren".

Das Modell des aktivierenden Staates wie ihn die Kommunitaristen sehen, ein Staat in dem Solidarität und Partnerschaft wichtiger sind als Macht und Märkte, in dem die Wirtschaft auf Selbst- und Nachbarschaftshilfe basiert, ist traumhaft ... aber genau so paradox wie der Ruf nach Eigenverantwortung durch diejenige, die anderen eben gerade die Chance nehmen, eigenverantwortlich zu handeln, in dem sie ihnen die wirtschaftliche Grundlage entziehen. Der kommunitaristische (= anarchistische) Staat ist entweder überflüssig, oder ein Witz: Selbständiges Handeln - vom Staat dekretiert? Kommunitarismus, wie viele linksalternative Lebensformen, basieren auf  kleinen Netzen, neuer Bescheidenheit, Selbstversorgung - könnten also in einer Art Retribalisierung enden. So richtig das Konzept in Anbetracht der Übernutzung der Welt ist  (s. global footprint), so inexistent sind die Chancen kleiner Betriebe in einer Wirtschaft in der Marktdominanz und Grösse entscheiden. Gemeinsam ist all diesen Bewegungen mit einem Trend zum Anarchismus, dass sie auf dem falschen Dampfer sind und immer noch den Staat als Feind der Freiheit ansehen ... obwohl der die Rolle des Dompteurs und der Dressur der Bürger längst an die Wirtschaft abgegeben hat. (Noch deutlicher: Neoliberalismus ist an und für sich psychotisch, paranoid, zwanghaft - und für die Ausführenden frustierend und depressionsfördernd.)

Ein noch grösseres Problem als diese Paradoxie ist, dass die freiheitlichen Bestrebungen von Links ganz offensichtlich nicht mal von qualifizierten Politologen irgendwie zu einem sinnvollen Ganzen zusammen gefügt werden können.

Anyhow. Andererseits ist allerdings von der Politologie auch kein Vorschlag zu erwarten, wie denn der Staat der Zukunft auszusehen habe. Ist ja auch logisch, denn

der Staat sollte eigentlich die Form sein, die sich die Gesellschaft gibt, um ihre Interessen als Kollektiv möglichst optimal zu organisieren, d.h. als optimaler Mix von Effizienz, individueller Freiheitlichkeit, Funktionalität, Systemstabilität, Entwicklungspotentialen etcetc.

 

Das Problem des "WIR" - das Grundproblem jeglicher Solidarität -

Die Begründung dafür, warum dies nicht möglich ist, liegt im unterschiedlichen WIR von Staat und Wirtschaft. Während dem die Wirtschaft auf Grund von Wettbewerb die Tatkräftigsten, Billigsten, Effizientesten, Klügsten, Produktivsten ... whatsoever ... aussuchen kann und das auch immer geschickter tut (s. Netzwerke: Troglologie, die Erforschung der Löcher im Käse des Wissens ) -  und sich um den Rest nicht zu kümmern braucht, und das auch nicht tut - besteht das WIR des Staates aus allen, auch aus den Ausgeschlossenen, den Unbrauchbaren, den Dummen, den Faulen, den Nutzlosen, den Querköpfen. In der öffentlichen Argumentation um  3% Arme, 7% generation p, 10% die die Schule ohne Abschlusszeugniss verlassen ... 50% mit einem IQ unter 100 ... wird das abgetan als Minderheitenproblem. Obwohl sich diese Minderheiten stark überschneiden, riskiert die Wettbewerbsgesellschaft mit ihren Türmen der Leistung durch Ausschluss eben doch, vom Treibsand der "Leistungsschwachen" * zugedeckt zu werden, oder in einem Sumpf unkoordinierter, sich rasch vermehrender Minderheiten (womit nicht in erster Linie eine völkische Zugehörigkeit gemeint ist, sondern berufliche Spezialisierung **) unterzugehen. Auch in der Politik ist darum das Modell des selektiven WIRs für viele, besonders rechtspopulistische Parteien, DIE Lösung des Problems: Ausschluss derjenigen, die anders sind, der Fremden, der Unangepassten. Und dies obwohl genau die Selben die Freiheit über alles Loben ... aber ist Freiheit nicht in erster Linie Freiheit des Individuums, die Freiheit, eben anders zu sein? Der Billigstaat der normiert, der befiehlt, der Nachtwächterstaat, ist nicht in der Lage mit "Anderssein", mit Individualität, mit Vielfalt - also mit Freiheit - umzugehen. Die (noch gar nicht vorhandene) Lösung ist also nicht durch lautes Schreien und Zwängeln durchzusetzen, sondern verlangt nach mehr Geist.

Oben dargestelltes Modell von Johannes Heinrichs löst das Machtproblem und das Problem der Banalisierung komplexer Probleme durch Massenpolitik. Es steht allerdings dort immer noch an, woraus es seine Innovationskraft bezieht, nämlich beim Problem des Managements komplexer Systeme. Durch den parlamentarischen Ansatz wird das Machtproblem über Konsens, im besseren Fall, durch Mehrheit im schlechtern, zwar gelöst. Die Aufgabe von Parlamenten ist es jedoch, Gesetze zu erlassen. Ein komplexes System wirft da gleich mehrere Probleme auf:

  1. Muss die Lenkung jedes Teilsystems eben diesem System angepasst sein. Die Regulierung muss jedem Teilsystem ein optimales Funktionieren erlauben, darf also nie zu sehr ins Detail gehen. Jedes Teilsystem braucht ausreichend Freiheitsgrade um auf extern wie intern verursachte Schwankungen reagieren zu können (s. Problem der Einheitswährung in Europa, die den Arbeitsmarkt belastet, den Finanzmarkt entlastet).

  2. Lässt sich ein komplexes (chaotisches) System nicht gezielt in eine Richtung lenken, sondern bloss zur Selbstkorrektur und Selbstheilung anstossen, d.h. therapieren. Therapieren heisst aber, das System durch die Kraft des Dissenses anzustossen (normalerweise ist hier der Unterschied zwischen Selbstbild und Fremdbild gemeint). Im komplexen System Natur, Gesellschaft, Wirtschaft heisst das, das die unterschiedlichen Ziele, Methoden und Wirkungen gegeneinander austariert werden müssen, was eben der unvorhersehbaren Auswirkungen der Eingriffe wegen äusserst schwierig ist.

  3. Dissens und Kritik, nicht Analyse und Synthese, wären eigentlich Grundlage der Wahrheitssuche (und der Wissenschaftlichkeit): Das erdachte oder geschaute Modell wird aus allen Perspektiven mit kritischen Fragen beschossen, wo's geht experimentell überprüft. Nur das schafft einige Verlässlichkeit, dass das erdachte Modell die Realität einigermassen treffend abbildet. Je schärfer die Kritik, je grandioser die Niederlage der Kritik, um so mehr darf man sich auf das Modell, die vorgeschlagene Lösung, verlassen. Das macht den Unterschied zwischen Wissenschaft und Propaganda (und sonstigen Meinungsäusserungen). Eine Wissenschaft jedoch, die bereits bei der Projekteingabe weiss, was das Resultat zu sein hat, kann dieser Anforderung kaum gerecht werden.

  4. Unstimmigkeiten aufdecken, einseitige Sichtweisen korrigieren, die Leser umfassend zu informieren, wäre die Aufgabe der Presse. Eine Presse, die, wie etwa die konservative Presse der USA, vorbehaltlos alles unterstützt was von Seiten der Regierung kommt, tut der herrschenden Partei zwar einen Gefallen, indem sie für Mehrheit sorgt. Sie schädigt aber die Gesellschaft, da sie die eigentliche Funktion der Presse hintertreibt: Die Kritik, die strenge argumentative Prüfung der vorgeschlagenen politischen Lösungen oder Unternehmungen. Eine derartige Presse fungiert eigentlich als PR-Organ und sollte von den entsprechenden Parteien finanziert oder verstaatlicht werden, denn sie trägt nichts bei zur Wahrheitsfindung, ist für die Verbesserung der Systemintegration von Ordnungsmodellen also höchst überflüssig.

Wir erkennen hier ein Problem, das die Presse mit der Politik gemein hat: Beide brauchen Mehrheiten um sich finanzieren und durchsetzen zu können. Welcher Leser kauft schon eine Zeitung die heute links und morgen rechts argumentiert. Welcher Bürger unterstützt schon eine Partei deren Motto ist: Wir entscheiden von Fall zu Fall ... obwohl dies eigentlich das einzig richtige Motto wäre? Presse und Parteien können also den Schwarzen Peter an Leser und Mitglieder weitergeben, die nach klaren Meinungen verlangen, aber Lösung ist das auch keine.

Die Auseinandersetzung mit dem Problem eines guten Ordnungsmodells bringt uns also zu einer recht seltsamen aber wichtigen Erkenntnis (wenn leider auch noch nicht zur Lösung der Probleme):

Für das Gedeihen (das wirtschaftliche wie soziale, und zudem nachhaltige) der Gemeinschaft braucht es nicht mehr Solidarität, nicht mehr Akzeptanz und schon gar nicht mehr Gehorsam - aber auch nicht mehr Individualismus, Wettbewerb, Kritik und Widerstand.
Es braucht ein ausgewogenes und konstruktives Zusammenwirken von beidem!

Intellekto-polito-soziologisch-postmodern ausgedrückt:

Die funktionale Differenzierung moderner Gesellschaften macht es erforderlich, von direkter, zentralisierter, hierarchischer und autoritativer Lenkung abzulassen und auf eine kontextuelle, heterarchische und diskursive Steuerung umzustellen.

Gleichheit Föderalismus der gerechte Staat der pluralistische Staat

Eine Zentralregierung die ihre Erlasse auf Durchschnittswerten basiert, hat die beste Chance, für die lokale und regionale Entwicklung nur noch Stuss zu produzieren (Euro, der Wechselkursschwankungen zwar ausschaltet, aber auch eine regionale Arbeitsmarktpolitik) , Parisernorm, Rohmilchkäse ...) und diese mehr zu stören als zu unterstützen. Jedes Volk, jede Region, jede Kultur sollte sich aus eigenen Kräften und nach eigener Ordnung selbst entwickeln können. Deshalb täte der Beitritt der Schweiz Europa gut, so sich die Schweiz mit den andern kleinen und widerborstigen verbündet und hilft, in Europa eine, vielleicht noch etwas mühsamere, aber dafür freiheitliche, föderative Ordnung aufzubauen.

Föderalismus:

Das Problem der Minderheiten sprachlicher oder kultureller Art versucht auch der Föderalismus zu lösen, indem er bloss einen Staatenbund (Conföderation) oder einen Bundesstaat (Föderation) bildet. Das Heilige Römische Reich Deutscher Nation war so ein Staatenbund bis 1806, die alte Eidgenossenschaft und die USA von 1777. Ähnliche Strukturen weisen heute auch die UNO, der Europarat und die Afrikanische Union auf. In diesen Bündnissen bleiben die Mitglieder souverän. Sie einigen sich durch Entsendung weisungsgebundener Abgesandter in die staatliche Exekutive. Die Verhandlungsprozesse sind so recht schwerfällig und ineffizient, da sie nur per Einstimmigkeit, oder zumindest Konsens (Zustimmung) beschliessen können. Es handelt sich nicht um einen parlamentarischen Betrieb in dem offen verhandelt (palavert) werden kann, sondern eben eher um eine Direktorenkonferenz hinter verschlossenen Türen. Dies ist so im Europarat - und wird von der Schweiz kritisiert ... obwohl die Verhandlungen zwischen den Fachdirektoren (Departementsvorsteher/Minister) der Kantone (Erziehungs-, Landwirtschafts-, Volkswirtschafts-, Energie-, Finanzdirektoren, Justiz- und Polizei-, Militär- und Zivilschutz-, Verkehrs-, Bau-, Planungs-, Umweltschutzdirektoren, Kantonsoberförster) sich nach genau dem selben Prinzip abspielen. Die dort beschlossenen interkantonalen Verträge sind schwer abänderbar, entstehen ohne Beteiligung des Volkes, also eher elitär, also oft eher die Interessen der Elite zementierend, unterstehen keinem Referendum und stellen quasi einen Staatenbund im Bundesstaat dar. Europa ist also gar nicht so weit weg von unserer Demokratie ... Raten Sie mal, wie der Spruch Secrecy is the beginning of tyranny auf die Frontseite von www.diskussionsforen.ch kam ...  (Antwort im Link zur Elite).

5. Aufgaben / Hauptzweck des Staates - vom Herrschaftsstaat zur partizipativen Demokratie:

Die gerechte Vermittlung zwischen individuellen und gemeinschaftlichen Interessen durch Information, Koordination und Regulation.

Die Überwindung der Diktatur des Profits wäre relativ einfach, denn wenn Produzenten und Konsumenten, kleine und mittlere Unternehmen, Bauern, Arbeiter und Angestellte erkennen würden, dass ihre Interessen sich mit denen des geballten Kapitals nicht decken , sie würden eine demokratische Mehrheit bilden.

Karl Marx und Silvio Gesell bemerkten schon vor langer Zeit richtig: "Die wirtschaftliche Basis mit dem Geldsystem bestimmen heute das Schicksal der Völker." Allerdings begingen beide, wie der heute immer noch grassierende Neoliberalismus den Fehler, sich zu sehr auf die Ökonomie zur Lösung aller Probleme zu verlassen: s. Orientierung ... nur an Geld? / Ist Wachstum ein Problem oder ist fehlendes Wachstum ein Problem? / Plutokratie ...

Keinem der bisherigen ökonomischen Modelle gelang es, materielle wie Macht-Verteilungs-  und Wachstumsprobleme zufrieden stellend zu lösen. Insbesondere der aktuellen Wirtschaft fehlt jegliche Optimierung die über die Optimierung der Produktivität hinaus geht. Obwohl wir bereits auf viel zu grossen Schuhen gehen (s. ökologischer Fussabdruck: Hier können  Sie ihren eigenen berechnen), setzen wir auf immer mehr und immer grösser. Die so gerühmte Globalisierung hat als wichtigsten Effekt das Abstreifen regionaler oder nationaler Grössenbeschränkungen und erleichtert es der Wirtschaft, noch mehr Macht durch Grösse anzustreben (s. economy of scale), statt das zu tun, was eigentlich Aufgabe der Ökonomie wäre, nämlich Ordnung im Hause zu schaffen, die Wirtschaftsordnung zu optimieren. Wer heute nicht im vereinten Chor von Links bis Rechts mit singt: Mehr Wachstum trallala, outet sich als Grüner, oder Spinner, oder beides ... oder allenfalls als Humanökologe: Dass wir uns hinsichtlich des Ressourcenverbrauchs Mengenbeschränkungen unterwerfen müssen, was automatisch auch Vereinfachungen unseres Lebensstils bedingen würde. Diese Möglichkeit wird aber ausserhalb akademischer Zirkel kaum erörtert; in der offiziellen politischen Diskussion stellt sie weitgehend ein Tabu-Thema dar. [Dieter Steiner (Zürich): Humanökologie und nachhaltige Entwicklung. Vierteljahrsschrift der Naturforschenden Gesellschaft in Zürich (2003) 148/2: 55–64.]

Wozu dient der Staat und wie soll er organisiert sein?

In der Freiheit der Wahl seiner eigenen guten Ordnung - liegt vermutlich das grösste Glück!