
Lebensqualität ist ein schwieriges, ein komplexes Thema, das meist populistisch auf einige wenige Aspekte reduziert wird. Es ist kein altes philosophisches Thema in der Formulierung, sondern eine marktangepasste Variante der uralten philosophischen Frage: Was ist das gute Leben? Aber auch die neue Formulierung steht vor dem Problem: Wie lässt sich die Qualität des Lebens fassen? Was bedeutet ein qualitativ hochwertiges Umfeld für das Leben? Die marktgängige Formulierung als Lebensqualität ist allerdings auch etwas problematisch. Quantitäten und Qualitäten lassen sich messen, produzieren, kaufen und verkaufen. Wird die Qualität des Lebens als mess-, mach- und handelbar betrachtet, riskiert das Leben an und für sich noch mehr zum Kommerzprodukt zu werden, für das am Markt nach Menge und Qualität bezahlt werden muss. Nur wer Leistung vollbringt (in Geld gemessene Leistung) hat anrecht auf eine der Leistung (monetarisierte Produktion) entsprechende Lebensqualität.
| Definition Lebensqualität:
Summe der wesentlichen Elemente, die die Lebensbedingungen in einer Gesellschaft beschreiben und das subjektive Wohlbefinden des Einzelnen ausmachen. Das v.a. am Wirtschaftswachstum und am Inlandprodukt orientierte Konzept von Lebensqualität im Sinne materiellen Wohlstands wird ergänzt um soziale Indikatoren für verschiedene Lebensbereiche (wie Arbeitsbedingungen, Bildung, Gesundheit, Freizeit, natürliche Umwelt, politisches Engagement). Dabei werden auch die subjektive Einschätzung von Glück und Zufriedenheit berücksichtigt und traditionelle gesellschaftspolitische Zielstellungen (wie Freiheit, Solidarität) einbezogen. Definition Lebensstil: Lebensstil ist ein kultursoziologischer Begriff (geprägt von Simmel), der die typische Art der Alltagsgestaltung von Personen (und sozialen Gruppen) bezeichnet. Gemeint sind die mehr oder weniger stabilen Einstellungen und die mit ihnen verbundenen, typischerweise auftretenden Verhaltensweisen von Menschen. Lebensstil ist weiterhin ein Mittel der Selbstdarstellung des Individuums sowie der Demonstration seiner Zugehörigkeit (bzw. Nichtzugehörigkeit) zu bestimmten sozialen Gruppen. Lebensstil prägt also die Rolle die jemand spielt - und die Rolle die jemand spielen muss prägt seinen Lebensstil.
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Wie stark das marktwirtschaftliche Element bereits die Definition des Begriffs bestimmt, zeigen die Zitate aus Meyers Grossem Taschenlexikon rechts:
Pythagoras entwickelte Mathematik, Geometrie und Harmonie. (Keine Lebensqualität ohne Letztere!). Sokrates versuchte den Platz des Menschen in der Welt durch Dialog zu finden. (Auch heute noch ein unentbehrliches Prinzip der Konsensfindung, ohne die sich widerstrebende Ideen der Lebensqualität auseinander fallen). Platon analysierte die Beziehungen zwischen Begriff und Objekt, die Idee. Die höchsten Ideen sind zugleich Grundlagen der Lebensqualität:
Die vier Kardinaltugenden:
Aristoteles entwickelte die empirische, analytisch-kausale Erklärung der Natur, die heute über alle anderen Erklärungsmodelle dominiert (s. Positivismus) - und den Menschen vom handelnden zum reagierenden reduziert. Bereits damals sah sich also Diogenes dazu veranlasst, dem Menschen seine natürliche Würde und Freiheit wieder zu geben, insbesondere die Freiheit von künstlich geschaffenen Bedürfnissen und Luxus. Dieser Ansatz wurde von der Stoa weiter entwickelt. Im Neoplatonismus hauchte Philon sogar Gott wieder Leben ein und die Spiritualität fand wieder ihren Platz im kalten Denken.
http://www.brainworker.ch/reports/yemen/20-SCW.html
Kant schloss die Frage aus dem Kanon der Philosophie aus,
da sie nicht durch empirisches oder anderes Wissen zu beantworten ist,
da sie individuell beantwortet werden muss.
| Philosophie beschäftigt sich mit dem Kern der Dinge,
Lebenskunst mit dem Fruchtfleisch. Alec Guinness |
Lebensqualität ist für jede(n) etwas Anderes. Für den einen ist es sein Häuschen im Grünen, für das er sich gerne täglich morgens um 6 in den Pendelverkehr wie das hierarchische System seines Betriebes zwängt, für den andern ist es der Stadtpark, für den Dritten die Tatsache, dass wenn die eine Bar zumacht, die nächste öffnet ... und der öffentliche Verkehr fast rund um die Uhr zur Verfügung steht ... seine Wohnung aber dennoch von diesem Lärm geschützt ist. Ein guter Espresso (ohne N). Ein zartes Steak, wenn's sein muss auch aus den USA. Ein Porsche. Ein Feuchtgebiet in der Nähe. Ferien weit weg. Überhaupt mal Ferien. ...
Lebensqualität ist von Lebensstil, heute meist als Lifestile bezeichnet, nicht zu trennen. Lifestyle war früher ein Ausdruck von Kultur, heute eher von kommerziell getriebenen Moden. Es lassen sich allenfalls Gruppen bilden, die meist sozialen Gruppen, den alten Ständen, entsprechen.
Für uns wäre Lebensqualität sicher der westliche Lebensstil, in gehobener Klasse natürlich, nicht in der der Ausgeschlossenen. Bereits hier sitzen wir voll in der Tinte. Der westliche Lebensstil erweist sich gerade als äusserst untaugliches Modell für die Welt, insbesondere die Weltwirtschaft - wenn wir schon bloss daran denken, dass 1.2 Milliarden Chinesen und 1 Milliarde Inder im gleichen Ausmass Erdöl verbrauchen, Auto fahren, Rohstoffe nutzen und Güter anhäufen wollen.
Wie entstehen eigentlich Vorstellungen über Lebensqualität? Wie entwickeln sich Lebensstile? Ich hab mich mit dem Problem im Jemen von 1988 bis 1994 auseinander gesetzt. Die dortige Lebensweise ist uns sehr fremd. Man braucht Jahre um zu verstehen, wie das Leben funktioniert und welche Werte gelten. Die jemenitische Kultur wird durch die harte Umwelt, insbesondere den Wassermangel, gestaltet. Seitdem der Handel von Gewürzen, Weihrauch, Myrrhe und Gütern aus Indien weggefallen ist, fehlt jegliche Grundlage für eine "kapitalistische" Entwicklung. Jemen gehört zur subsistenzorientierten Peripherie, wie die meisten Entwicklungsländer.
http://www.brainworker.ch/reports/yemen/5RECOM.HTML
Diese traditionelle Art der Lebensführung wird zwar von vielen "Alternativen" gelobt, war aber auch nicht immer "umweltkompatibel", also nachhaltig. So zwang, vor der Globalisierung, meist eine Umweltzerstörung zur Änderung. Somaliland steht vor eben diesem Problem. Die Degradation der Savanne, durch Übernutzung zur Produktion von Holzkohle, wie durch Beweidung, bedroht nicht nur die Ressource selbst, sondern den Lifestile selbst. Somaliland ist zu 80% abhängig von Viehexport - und dieser von einer intakten Weide.
http://www.brainworker.ch/reports/Somaliland/Somaliland%20recommendations.htm
Wir weinen gerne Krokodilstränen über diese "dummen Leute", die die selben Fehler machen wie wir. Auch heute noch verbauen Städter hier den letzten Quadratmeter - und engagieren sich dann beim Schutz des Tropenwaldes oder beim aufpusten von Furzideen wie das Alpenreservat. Die Städte bewirkten, bei uns im Mittelalter, einen wahren Umsturz in Lebensqualität (für einige). Es entfaltete sich nun ein zuvor unbekannter Luxus - das heisst in heutiger Terminologie: Es fand ein ungeheurer wirtschaftlicher Aufschwung statt:
LUXUS heute: Luxus ist alles, war nur für eine kleine
Elite zugänglich und bezahlbar ist:
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"Standardluxus": Uhren von:
Dass es sich um Luxus handelt ist leicht daran zu erkennen, dass die Webseiten verschwenderisch uninformativ und unpraktisch (schwarz, man sieht nix, dafür blockieren sie den Browser. Dass es den Leuten nicht peinlich ist, alles nachzumachen ...), dafür "stylish" sind. Das teuerste Haus der Welt: 155 Millionen $ |
Schmuck:
Brille von Burrioptik, Modell Twenty Two z.B. für 16'994 Fr. Stoffe von Akris Décolletés von Victoria's Secret: Diamond Bra für 5 bis 12 Millionen $) Handwerkliche Befriedigung: Ein Massagestab mit Gold und Diamanten von Victor für 60'000.- Fr. Kulinarisches: Champagner (z.B eine Kiste Perrier-Jouet für 50'000 €, allenfalls Krug, Clos du Mesnil 1995 für 6840 € die Kiste), Chateau Haut Brion, Trüffel, Havanna Zigarren, Grappa, ... Einen Calvados von Hennessy für 4000€ Essen in Restaurants mit Gault-Millau-Hauben Kaffetasse mit Diamant für 47'000 Fr. von kpm-berlin - und die Nerven, einen Gast nicht umzubringen, der diese fallen lässt ... Das Messer Nesmuk: 27'000€ Weine
Ein Feuerzeug von S.T. Dupont: Ligne 2 Champagne, für 75'000 Fr. Eine Kamera von Alpa für sagen wir 36'000 Fr. (12 SWA) Eine Iphone-Hülle von Tamara Runge für 102'000 Fr. (tja, das sind eben so die Dinge, die man unbedingt haben muss .... insbesondere heute, wo man für ein portables Telefon keinen eigenen Träger mehr anstellen muss.)
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Mode von:
Schuhe von:
Parfums:
Koffer und Accessoires von:
Skis von Zai (eine weitere unbrauchbare Website, aber da hat man ja Sklaven, um die zu entziffern ...) Möbel: Nach Mass & vom Designer, Beratung durch Innenarchitekten, nach der neusten Mode an der Möbelmesse Mailand.
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Fahrräder: Hermès 5000, Fendi 9-15'000, Gucci 10'000, Chanel 20'000,Lagerfeld 30'000, Arumania 120'000 Fr. Musikanlagen von Bang Olufson, Pioneer (SC-LX90) oder grad von der IFA (> 600'000 €) Lautsprecher Aesthesis Schallhorn: 60'000 € Schreibgerät von:
Ein Konto bei Pictet, Julius Bär, Clariden-Leu, Sarasin, Vontobel ... Mirabaud ... oder so. The World's Finest Restaurants
Stuart Hughes Nintentdo Spielkonsole, mit 2.5 Kg Gold vergoldet: 500'000 Fr., oder allenfalls das McBook Supreme für 220'000 £
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Royal Blue Tourbillon |
Big
Bang |
Sky
Moon Tourbillon |
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Graves Supercomlications 1933 |
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Geizige Reiche sind arm dran zur Zeit, denn die Inflation bei den hier typischen Konsumgütern ist weitaus höher als beim Bedarf des Fussvollkes. (s. Stonehage: Saly: Stonehage Affluent Luxury Living Index). Die durchschnittlichen Lebenshaltungskosten von 1.4 Millionen Fr. verteilen sich in etwa wie folgt:
Die relativ hohen Transportkosten sind vor allem auf den Privatjet (212'000 Fr/Jahr) zurückzuführen. Bei reichen Familien mit Kindern schlägt zudem die Unterbringung des Nachwuchses in so was wie dem Lyceum Alpinum in Zuoz mit 134'000 Fr./Jahr zu Buche ... weshalb vermutlich Kinder vorwiegend von Armen aufgezogen werden. |
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Lohnprobleme der Sonderklasse: Lebenshaltungskosten in New York
Mit weniger kann man in New York nicht anständig leben. Das erfordert also einen Verdienst von mindestens 1.6 Millionen $. Bankers die heute weniger verdienen, schliessen sich bereits in Selbsthilfegruppen zusammen, insbesondere wenn ihnen von Frau oder Freundin die Kreditkarte gesperrt wird oder Ausgaben für andere Damen plötzlich kontrolliert werden. Tja ..... das Leben ist hart. [Ralf Kaminsky: Die armen Reichen von New York. Tagesanzeiger 26. Februar 09. S. 22] |
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Luxus
der Sonderklasse:
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| Lebensstandarditem | Lambda-Koeffizient |
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Sozialfällen zugestandener Mindestbedarf = Armut:
Farbfernseher WC & Bad oder Dusche Kontakt mit Nachbarn Eine warme Mahlzeit pro Tag Waschmaschine Telefon Ausreichende Heizung Wohnung ohne feuchte Wände |
-1.07 0 0.57 0.67 0.74 0.74 0.93 1.12 |
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Fleisch/Fisch alle 2 Tage Berufsausbildung Gesunde und zureichende Ernährung Gute Wohngegend Heizung & Energie zahlen können Geschenke für Freunde/Verwandte Guter Zustand des Hauses Eigenes Zimmer für jeden im Haushalt Stereoanlage Miete pünktlich zahlen Auto Videorekorder Zeitungsabonnement Freunde zum Essen einladen Garten, Balkon oder Terrasse Computer Geschirrspülmaschine Ein Restaurantbesuch pro Monat Ein Hobby *Medizinische Behandlung z.T. selbst tragen Regelmässig neue Kleidung kaufen Abgenutzte Möbel ersetzen Einwöchige Urlaubsreise/Jahr Finanzielle Rücklagen Private Altersvorsorge Eher auf Qualität als Preis achten Zusätzliche private Krankenversicherung |
1.21 1.77 1.87 1.97 2.41 2.50 2.59 2.63 2.85 2.87 2.95 3.03 3.19 3.78 3.79 3.91 4.0 4.13 4.17 4.43 4.58 4.98 5.0 5.04 5.31 5.36 5.60 |
| Der obere Teil + die blau eingefärbten Items
zeigen in etwa, was heute einem Sozialfall zugestanden wird. Für den Rest
muss er Prioritäten setzen, also billigere Nahrungsmittel einkaufen, wenn er
sich Zeitungsabos leisten will - oder umgekehrt. Für frisches Gemüse und
Fleisch reicht es nicht. Miete und Strom werden bezahlt. Kauf eines
Computers, Stereoanlage, Fernsehers oder dergleichen ist fast unmöglich, da
ist er/sie auf Netzwerke angewiesen. Von
eigenverantwortlicher
Selbstbehandlung bei Krankheiten ganz zu schweigen ... Zur Entwicklung von Lebensstandard und Deprivation in Deutschland von 1996 bis 2003. H.J. Andress: Armut und Reichtum. Vierteljahreshefte zur Wirtschaftsforschung. DIW Berlin. 2006. S. 150] |
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Städte schufen eine andere Kultur. Der Bedarf an Repräsentation erforderte eine andere Art des Wirtschaftens, eine Wirtschaft des Luxus (s. Veblen, Sombart). Städte schufen aber auch Bedürfnisse, die es ausserhalb der Stadt nicht gab: Der Palast des Königs, die Verwaltung, die Villas der Oberschicht setzten ein neues Lifestyle-Modell, dass die Mittelschicht zu imitieren versuchte (Le Bourgeois Gentilhomme ...). Der Bau grosser Paläste und städtischer Infrastruktur bedurfte nicht bloss Mengen an Arbeitskräften, sondern des Handels mit Luxusgütern (Möbel, Stoff, exotische Nahrungsmittel, spez. Gewürze, ...) über grosse Distanzen. All dies erforderte relativ langfristige Planung - und ein neues Kreditsystem. Die Stadt ist damit die Geburtshelferin des Kapitalismus.
http://www.brainworker.ch/reports/yemen/25OEKON.HTML
Das verdichtete Wohnen hatte aber nicht nur positive (wirtschaftliche) Wirkung. Es führte zur Notwendigkeit von Politik und Bürokratie. Die kapitalistische Wirtschaftsform braucht Wachstum. Wachstum braucht Innovation - und die wird meist durch Technik dominiert. Die Technisierung der Welt ermöglichte den Herren der Maschinen einen luxuriösen Lebensstil, unterwarf aber die Mitarbeiter der Maschinen dem Takt dieser Maschinen. Es tönt leicht übertrieben, aber noch heute muss sich meist der Mensch der Maschine anpassen, statt umgekehrt. Dieses Denken wird heute insbesondere von der Computerei gefördert: Sie müssen doch so arbeiten, wie das Programm es verlangt - das war mal so ein Spruch eines Programmierers, den ich allerdings umformuliert zurückgegeben habe: Ihr Programm hat so zu funktionieren, wie die Menschen im Betrieb arbeiten. Wir stehen also im "Dialog" mit Maschinen und müssen uns immer wieder fragen: Soll ich mich an die Anforderungen der Mechanik anpassen - oder leg ich mir eine Mechanik zu, die das tut, was ich will?
Das ist aber nicht alles. Die effiziente Produktion erlaubt nicht, nach dem Sinn von Arbeit und Produktion zu fragen. Der Mitarbeiter hat seinen Auftrag auszuführen, egal ob das Produkt sinnvoll ist oder nicht. Hauptsache, es lässt sich verkaufen. Bei Marx hiess das Entfremdung, und ganz so unrecht wie man es gerne hätte, hatte er damit eben doch nicht.
http://www.brainworker.ch/reports/yemen/31OMP1.htm
Die heftigsten Auswirkungen, die sich als Globalisierung heute vielleicht erst im vollen Ausmass zu zeigen beginnen, hatte so die Entwicklung der Technik:
Die weltweite Verbreitung maschineller Produktion hat gravierende Folgen für die Lebensqualität. Alles was nicht rational, Wissen, zielorientiert, berechnet, getestet, wirtschaftlich ist, geht unter, wie insbesondere der Glaube, das Irrationale und die Metaphysik, die unser Leben eigentlich weitaus mehr bestimmen als die Rationalität (Nicht? Sehen Sie sich doch mal an, was an der Börse so läuft! Der neuste Trend heisst ja: behavioural economics - Wirtschaft als menschliches, nicht als rationales, Verhalten). Die Auswirkungen dieser technisierten Produktionsverfahren sind ein enormer Verbrauch an Rohstoffen, meist unersetzlichen Rohstoffen, auf der einen, die Anhäufung von Abfällen auf der andern Seite. Mit der Produktion wachsen die Bedürfnisse ... nicht aber die Lebensqualität, denn der Sinn der Arbeit, ja der ganzen Produktion, ist längst entschwunden.
http://www.brainworker.ch/reports/yemen/345PPLA.html
Der traditionelle Lifestyle war unentbehrlich, um die Funktionen und die Stabilität der Gesellschaft zu erhalten. Heute, in der Postmoderne, sind wir jedoch in der Ära der Beliebigkeit angelangt. Heute steht der Lifestyle immer noch im Zentrum, aber als mehr oder weniger frei wählbares Attribut. Die Postmoderne hat, bei aller Kritik, insofern recht, als Lifestyle weder das Resultat wissenschaftlicher Erhebungen, noch philosophischer Erwägungen - und längst nicht mehr kultureller oder umweltbedingter Zwänge ist. Lifestyle und damit der Definitionsrahmen für die erwünschte Lebensqualität, wird im Rahmen des Möglichen frei gewählt. Wir dürfen hier, Analog zum Ruf der 80er, ruhig sagen: legal, illegal, scheissegal - wissenschaftlich, philosophisch oder religiös begründet - auch egal, Hauptsache es gilt und funktioniert im Gesamtzusammenhang.
Trotz einer gewissen Beliebigkeit muss es möglich bleiben, auch Lebensstile und die dabei als Orientierung dienenden Vorstellungen über Lebensqualität, zu kritisieren. Lebensstil unterliegt dem Zeitgeist. Lebensstile werden heute als Modeerscheinungen vorgeführt und dienen meist der Vermarktung von irgend was, sei es Kosmetik, Kleidung, Fitnesskurse, Diäten, Kochbücher oder was immer. Gerade die Schöpfung von Schönheitsidealen führte und führt immer wieder zu grässlichen Wirkungen. Mussten chinesische Frauen noch bis vor wenigen Jahrzehnten lebenslange Qualen erdulden, weil ihre Füsse nur dann als schön galten, wenn sie zu Klumpen verkrüppelt wurden; so kennen wir z.B. die Magersucht, die den selben Ursprung hat. Apropos Schönheitsideal: Das Schönheitsideal der Griechen war nicht an Äusserlichkeiten gebunden. Sokrates z.B. war ein hässlicher Kerl, galt aber auf Grund seiner Geisteshaltung als schön. Das Bildchen oben recht, wovon Sie jede Menge im Hauptgebäude der ETH in Zürich finden, widerspiegelt zeitgemäss die Lebensqualität der Gründerzeit: Rauchende Schlote, dampfende Bäche, stinkende Halden - als Zeichen einer florierenden Wirtschaft, der Art von Wirtschaft, die sich neoliberale Kreise wieder wünschen.
Borsts Definition der Lebensform als "eingeübte Verhaltensweise, übernommen von anderen Menschen, als Antwort auf die Gefährdung des Lebens und die Hilflosigkeit des Menschen" macht auf einen weiteren Aspekt aufmerksam, unter dem das Thema Lifestyle sich betrachten lässt, nämlich das Rollenspiel.
Die wichtigsten Lebensformen im Mittelalter (S. 19):
Zuerst ist es die Art, vitale Lebensbedürfnisse wie Essen und Trinken zu befriedigen
Danach sind es Konventionen und Institutionen des Zusammenlebens wie Rechtsordnung und Familienstruktur
Schliesslich ist es das Verhalten der Gemeinschaft gegenüber Fremden.
Man beachte die nahe Verwandtschaft mit der Bedürfnispyramide nach Maslow (s.u.). Dass hier die Sicherheit fehlt dürfte daran liegen, dass man eine solche im Mittelalter eigentlich kaum je genoss, auch nicht als König. Relative Sicherheit bot eigentlich nur das Leben im Familienverband und zusammengehörigen kleinen Gruppen, der Gemeinde.
Oder, ein eher elitärer Ansatz, der die Basis für die drei Stände legt: Lehrstand, Wehrstand, Nährstand
sind die drei Grundtriebe des Menschen. |
Daraus ergeben sich drei Lebensmuster:
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Die grundlegenden 4 Lebensformen nach Willhelm Wundt 1886:
Individuelle Lebenshaltung: Selbsterhaltung, vitale Bedürfnisse stillen. Beschaffung von Nahrung, Wohnung, Kleidung, Arbeit.
Den Mitmenschen zugewandte, aber vorwiegend individuell bestimmte Verkehrsformen/Konventionen: Tauschverkehr in der Arbeitswelt, Spiel, gesittetes Benehmen, Umgangsformen. Die harte Welt der Realität wird durch einen schönen Schein überwölbt: Träume von Rittertum, Stilisierung der Liebe, religiöse Phantasie, ästhetische Empfindung, Kunst im Allgemeinen. Auch die Heirat war primär ein Mittel zur Mehrung von Besitz und zur Steigerung des Ansehens. Aufgabe der Frau war, Besitz und Familie zukünftigen Generationen zu erhalten und zu mehren. Sex war dabei quasi "Dienstpflicht" - der Mann hatte allerdings immer die Unterhaltspflicht.
Soziale Lebensform: Familie, Männerbund, Staat
Humane Lebensformen, die auf die ideale Menschheit insgesamt zielen: Freundschaft, Gastlichkeit, Wohltätigkeit
| Zwar versuchen mehrere Lebensmuster, die rechte Mitte
zwischen sozialem und idealem Dasein zu treffen, doch gelingt es nur dem
einen Lebensmuster des Philosophen. Arno Borst. S. 15 |
Das königliche (chlodwigsche) Menschenbild S. 242): Was der Mensch ist, zeigt sich an dem was er über Mitmenschen vermag. Weil die Menschen nicht gut sind, muss einer stark sein. Wer in diesem Spiel gewinnen will, braucht einen listigen Verstand und eine schnelle Axt; wer verliert, büsst mit dem Leben. Vom Tode verschont bleibt, wer sich willenlos als Werkzeug verwenden lässt.
Das ist doch präzise, was der Markt heute von allen fordert. Dass wir heute alle besser speisen als damals ein König, bezahlen wir also damit, dass wir auch so leben müssen, wie ein König im Mittelalter.
Das Individuum in der heutigen Form gab es im Mittelalter nicht. Bereits der Begriff "Person" stammt aus dem Theater, und bezeichnet eine Rolle. Ritter und Mönche mussten ihr Verhalten streng nach den überlieferten Normen richten. Der Einzelmensch wird erst zu einem, indem er eine Rolle übernimmt, die er nicht selbst geschrieben hat, und sie sich zu eigen macht. Erst dadurch tritt er in die Gesellschaft ein und unterscheidet sich vom "wilden Mann" der nur für sich lebt, und vom Mitläufer, der nur auf andere sieht.
Herren können sich selbst mit der Waffe schützen, sind durch ihre Geburt Menschen eigenen Rechts, üben politische Herrschaft über andere aus, verfügen wirtschaftlich über die Dienste anderer.
Knechte können sich nicht selbst verteidigen, haben nur ein zugestandenes Recht, sind durch ihre Geburt zu politischer Abhängigkeit bestimmt, werden wirtschaftlich ausgenutzt.
Heute haben wir, mindestens einige von uns, die Möglichkeit, unsere Rolle selbst zu schreiben. Allerdings ist für noch mehr Mitbürger eine akzeptable Lebensform verloren gegangen, nämlich der Beruf. Die heutige Priorität (Heiligkeit) der Flexibilität verunmöglicht es eigentlich, dem Beruf, der Berufung, nach zu gehen und verpflichtet jeden Staatsbürger darauf, sich den Anforderungen des Marktes zu unterwerfen, nicht das zu tun, was er will, wozu er sich geeignet dünkt, sonder das zu tun, was der Markt will. Wir wurden also wieder versklavt, durch den Marktauftrag.
1. Erstes Kriterium der Lebensqualität: Bedürfnisse
Die Bedürfnisse, die den Menschen des Mittelalters prägten
waren die Überwindung von:
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http://de.wikipedia.org/wiki/Maslowsche_Bed%C3%BCrfnispyramide
Der Mensch braucht eine ganze Menge um zu Überleben (da zu sein = Existenz), und weitaus mehr um zu Leben (zu sein = Essenz. s. Existenzialismus). Dennoch enthält bereits die zweite Stufe von Maslovs Pyramide mehrere Elemente, die dem Sein zuzurechnen sind:
Aber auch wenn wir als extreme Neoliberale z.B. alles als entbehrlich erachten würden, dass über die Sicherung der reinen Existenz hinaus geht, also nach dem Motto: Für Lebensqualität muss man bezahlen können, sehen wir schon hier Probleme. Die untersten Einkommensschichten ernähren sich ungesund und wohnen oft in lärmigen Gegenden mit oft hoher Luftverschmutzung. Dass Maslov die Arbeit erst unter der zweiten Ebenen, der Sicherheit erwähnt, dürfte daran liegen, dass zu seiner Zeit noch ein Grossteil der Bevölkerung von der Landwirtschaft lebte, ärmlich zwar, aber mit gesicherter Existenz. Das ist keine Randbemerkung - sondern der Kern des heutigen Problems. Existenzsicherung heute basiert auf bezahlter Arbeit. Wer diese verliert kann nicht zu seiner Familie auf seinen Bauernhof zurück und allenfalls einen zweiten Anlauf nehmen. Er muss von Job zu Job hüpfen. Und die Mauern um die Jobs herum, d.h. die Anforderungen, mehr noch die Wünsche der Arbeitgeber, vermehren sich grad reziprok zu dem Masse, mit dem Arbeit knapp wird.
Die vierte Stufe, die soziale Anerkennung, enthält heute am meisten Sprengpotential. Kapitalismus heisst Pareto-Verteilung, heisst ungleiche, dafür funktionell optimale Verteilung, heisst Hierarchie. Das System basiert darauf, dass sich jeder ein, also unter- wie überordnet, dass jeder von jemandem getreten wird und jeder jemanden tritt. Scheisssystem. Die Folge davon sind Mobbing, Bossing, und vermutlich der grösste denkbare Verlust an Lebensqualität (für eine Gesellschaft, in der es nicht mehr primär ums Überleben an und für sich geht, sondern ums Sein, was allerdings noch nicht erkannt, und durch haben ersetzt wurde).
Die höchste Stufe wird heute intensiv gefordert für Hochbegabte, da wir ihr Innovationspotential brauchen ... sofern es ins Konzept passt, das heisst: vermarktbar ist. Ansonsten wird Individualität, Talententfaltung, Güte, Kunst, Philosophie eher als entbehrlich betrachtet. Rentiert ja meist nicht (Mit einigen Ausnahmen wie in der Kunst). Güte wird gar verlacht. Der Gutmensch ist das Feindbild der "rechten" Unternehmer.

Bedürfnisanalysen finden Sie im Internet reichlich. Suchen Sie sich eine aus Ihrer Sparte. Die hier rechts stammt aus dem bäuerlichen Bereich. Sie sehen, dass hier die Familie sogar noch vor der Arbeit kommt. In der Familie, nicht in der Arbeit, entwickelt das bäuerliche Dasein also sein Sein. Dominiert wird die Familie jedoch leider von der Gesundheit. Fällt hier die Arbeitskraft aus ist Sense. Bauern sind selbständig, und zudem ist ihre Arbeit hart und lang! Da ist meist nichts mit 40-Stundenwoche und 5 Arbeitstagen.
Im Internet belegt der Gesundheitsbereich einen beträchtlichen Anteil der Beiträge zum Thema Lebensqualität, meist im Sinne von: Mehr Lebensqualität durch Produkt soundso, mehr Lebensqualität durch Behandlung xy. Die Pharmazeutische Industrie verkauft nicht Chemikalien, sondern Lebensqualität ... Meist sind die Definitionen der Lebensqualität im Gesundheitsbereich darum recht. beschränkt http://www.obsan.ch/monitoring/lqindikatoren/d/
Die doch relativ geringe Bedeutung von Bildung und Weiterbildung ist hier
Gruppenspezifisch und belegt, dass für Bauern die Bauernschläue und ihr
praktisches Wissen wichtiger ist als abstraktes Wissen. s.
Die Abhängigkeit regionaler IQs von der wirtschaftlichen Situation
http://www.blw.admin.ch/agrarbericht/lage/d/sozial/indikat.htm
Auch Maslov vergisst offensichtlich den wichtigsten Faktor der Menschen zur Arbeit treibt: Die Langeweile.
Arbeit und Geld führen jedoch nur zu mehr Zufriedenheit und Glück, bis das Gefühl der Knappheit überwunden ist. Ab einem Einkommen von 5000.- Fr / Monat in der Schweiz steigt die Zufriedenheit nur noch wenig. Was darüber hinaus geht ist Aufwand für Lifestyle, dient also nur dazu, gegen aussen die Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Klasse zu demonstrieren. Der dauernde Wettbewerb, das Streben nach noch mehr Anerkennung, bringt offensichtlich nicht die Erfüllung. Die Forderung von immer mehr Wirtschaftswachstum fauler Zauber, da mit mehr Wohlstand, im Sinne von mehr Zufriedenheit, nicht begründbar.Lässt sich Lebensqualität kaufen?
Das Thema Lebensqualität wird meist angesprochen im Zusammenhang mit dem Standortswettbewerb der Städte (Riehen Nr. 1 in der Schweiz bezüglich Lebensqualität). Das bedeutet doch, dass sich Lebensqualität kaufen oder mieten lässt, wenn man bloss in die entsprechende Stadt zieht. Hier haben wir eine einfache Möglichkeit zu analysieren, welche Art Lebensqualität sich für Geld kaufen lässt:
Mercer Consulting, vermutlich der Grösste in der Branche, evaluiert:
Sie sehen sofort, wie stark konsumorientiert der Index ist: Verfügbarkeit von medizinischer Versorgung, Transport, Erholungsangebote, Konsumgüter, Hauseinrichtung und -Pflege - während die natürliche Umwelt grad noch mit Klima und ihren negativen Auswirkungen, nämlich Katastrophen, von Bedeutung ist. Sehr restriktiv auch die Beurteilung des wirtschaftlichen Umfeldes, das für die meisten von uns der Lebensqualität entscheidende Grenzen setzt und vielen ausser dauerndem Wettbewerb um die Lehre, die Stelle, den Umsatz, den Aufstieg, den erreichten Platz ... nicht mehr viel gibt. Hier werden Bestimmungen beim Währungstausch, Banken und Services als bestimmend für die Lebensqualität erachtet. Das sind Punkte, die für vielleicht 5% der Bevölkerung von Bedeutung sind, nämlich diejenigen, die international Handel betreiben. Für den Normalbürger wäre etwa die Arbeitslosenquote entscheidend, der Anteil jugendlicher Arbeitsloser, der Umgang der lokalen Firmen mit älteren Mitarbeitern etc. Und da war z.B. bereits vor 20 bis 30 Jahren bekannt, dass die chemische Industrie Mitarbeiter mit 42 recht konsequent auf die Strasse stellt. Bevor man also die Lebensqualität einer Gemeinde lobt, muss man sich ansehen, auf welchen Kriterien die Beurteilung beruht. Man muss sich auch bewusst sein, dass die Art von Lebensqualität, derer sich Gemeinden gerne rühmen, natürlich Lebensqualitäten sind, die gut betuchte Steuerzahler anlocken. Klingelt's?
Für mich z.B. lag und liegt die Lebensqualität im Irak (oder Jemen), trotz Diktator, vormaliger, trotz Unsicherheit, trotz immer wieder einbrechender Wasser- und Stromversorgung, trotz absolut fehlender Erholungseinrichtungen, trotz katastrophaler Bakschischwirtschaft, trotz korrupter öffentlicher Dienste, trotz lausiger Qualität der meisten Konsumgüter - immer noch um einiges höher als in der Schweiz. Warum? (s. auch Araber) Weil im Irak niemand ein Rädchen ist, sondern jeder Mensch. Tyrannischer Mensch, unmöglicher Mensch, diebischer Mensch, unhöflicher Mensch, gastfreundlicher Mensch, streitsüchtiger, aber umgänglicher Mensch. Mensch, nicht Maschine, Funktion, Status, Krawattenträger, Anzug mit Funktion aber ohne Inhalt. Da mögen wir noch so viele Parkanlagen, Schulen und Auffangnetze bauen, die Art von Lebensqualität haben wir längst verloren, vermutlich schon vor hunderten vor Jahren. Und die lässt sich nicht für Geld kaufen.
Geld bestimmt die 4 unteren Stufen der Pyramide von Maslow. Die oberste, die Selbstverwirklichung, erreicht es nimmer, da es die Perspektive zu sehr verengt. Je mehr Geld jemand hat, desto mehr kann er verlieren. Heute wird bereits als Verlust empfunden, wenn der Geldberg nicht mehr wächst. Diese ganzen Geldberge zu düngen, zu bewässern, und immer öfter auch zu begrünen (zum Trost derjenigen mit Betonallergie. s. profitables Grün, Tarngrün & Profitgrün) hält gerade die Reichen derart in Trab, dass die Chance für Selbstverwirklichung für sie genau so wenig existiert wie für die Arbeiter am Fliessband. Ein Häuschen im Grünen, mit Stadtanschluss, lässt sich kaufen - Lebensqualität aber nicht. Die ist nur möglich, wenn man auf überflüssiges verzichtet und sich auf das Wichtige konzentriert, verhält sich also reziprok zu dem, was sich zum Inbegriff von Wohlstand entwickelt hat, dem mit tausend überflüssigen Gadgets (Gingernillis) gefüllten Haus, dem Sicherheit versprechenden Anlagefonds, dem halben Dutzend als unentbehrlich betrachteten Versicherungen, dem Wahn, dass Krankheit, Depression und Tod den Reichen mit dem selben Respekt behandeln, den ihm seine Untergebenen entgegen bringen. Der Reiche ist reich, weil er sich auf das für ihn wichtigste konzentriert, auf das Geld und seine Vermehrung. Diese Haltung droht zu einer allgemeinen zu werden. Je mehr ihr das gelingt, desto weiter weg werden wir in den Ferien reisen müssen, um eine Qualität des Lebens zu finden, die nicht von Produktion und Konsum bestimmt ist.
Leider läuft die Entwicklung zur Zeit in eine ganz andere Richtung als in die mit mehr Lebensqualität. Das Geld versucht sich verzweifelt zu vermehren, und wie das auch in der Natur geschieht, verzehrt es dabei sein Substrat. Seit bald 15 Jahren steigen die Börsenwerte stärker als die Löhne. Das bedeutet, dass sich das Kapital einen immer höheren Anteil des Mehrwerts aneignet, und die Mitarbeiter (mit Ausnahme der höheren natürlich) "zu vernünftigen Lohnforderungen, im Interesse der Betriebe und der Volkswirtschaft" aufgerufen werden. Allerdings merken das nicht mal mehr die Mitarbeiter, denn gehen die Zinsen für ihre Pensionen runter, wird prompt auf Rentenbetrug geklagt, ohne zu bemerken, dass sie sich mit der Forderung nach höheren Aktienerträgen in den eigenen Hintern schiessen. Bäume wachsen dort, wo sie Licht und Raum haben, also meistens oben: Mehr Geld - mehr Zins.
An
der oberen Seite der Vermögensverteilung wächst diese also um Lohn + Zins oder
Wertsteigerung. Am untern stagnieren die Löhne, d.h. relativ betrachtet sinken
sie sogar. Da die meisten europäischen Verfassungen das Existenzrecht
garantieren, aber enorm Mühe haben mit existenzsichernden Löhnen, wird so nach
und nach der Minimallohn akzeptabel. 500-Euro-Jobs, 1000.- Fr. Jobs, bezahlt vom
Staat, erhält diejenigen am Leben und verhindert, dass sie zu Gewalt greifen.
Die Budgets der Städte werden mit zunehmenden "Soziallasten" befrachtet. Durch
Motivation, Druck, Bildung versucht man der Lage Herr zu werden. Dummerweise am
falschen Ende, denn das Problem entsteht nicht unten, sondern oben. Wenn immer
mehr Kapital immer mehr Ertrag abwerfen soll, so geht das in einer stagnierenden
Wirtschaft auf Kosten der Arbeit, und hier, gemäss den Gesetzen der Hierarchie,
auf Kosten der unteren, entbehrlichen, derer, die sich nicht mit Juristen,
Klagen, über die Veröffentlichung interner Unregelmässigkeiten oder anderer
"Geschäftsgeheimnisse" etc. wehren können. Wird die berufliche Vorsorge weiter
auf private Kapitalanlagen verlegt, wird sich das Problem noch verschärfen (s.
USA), da sich jeder dessen Alter davon abhängt, natürlich für möglichst hohe
Kapitalerträge einsetzen wird, obwohl die Mehrheit zu den besch... gehört. Die
Kapitalquote rahmt seit Jahren einen höheren Anteil des BSP ab als die
Staatsquote. Seltsamerweise scheint das niemanden zu stören, obwohl 90% der
Bevölkerung sich mit 30% des Vermögens begnügen muss, also 10% über 70% aller
Vermögen der Schweiz verfügen. Nur 3% Besitzen ein Vermögen von über 1 Million,
also mehr als das eigenen Häuschen. Und nur die können wirklich investieren.
Also die 3% gestalten den Kapitalmarkt ... der wiederum den andern 97% erzählt,
was sie zu tun hätten. (s.
Vermögensverteilung)
Hierhin gehört auch die Sache mit dem Standortmarketing. Dieses ist eigentlich entwicklungspolitischer Betrug, denn es bedeutet nichts anderes, als dass diejenigen, die Geld brauchen, denjenigen, die es haben, in den Hintern kriechen, getreu der neofeudalistischen Regeln.
Kontraproduktive Entwicklung der Wirtschaft, was Lebensqualität betrifft:
Bevölkerungswachstum, Steigerung der Produktionsfaktoren Boden und Arbeit (ev. Erdöl?) durch stärkere Ausbeutung oder kriegerische Eroberungen, längere Arbeitszeiten, spätere Pension, tiefere Löhne, höhere Aufwendungen für Arbeitsweg und Ausbildung (mehr Flexibilität), mehr Unterordnung, weniger Freiheit ... etcetc. sind eben so uninteressant was die Verbesserung der Lebensqualität betrifft, oder gar negativ, was Nachhaltigkeit betrifft.
Wer mehr braucht als er braucht, lebt und arbeitet für den Lifestyle. Das heisst zu deutsch: Mehr Arbeit für Lifestyle. Heute hören wir immer: Mehr Arbeit für mehr Wohlstand. Ist Lifestyle also Wohlstand und Wohlstand Lebensqualität? Wir erkennen hier sofort, dass es sich um eine Optimierungsfunktion handeln muss, und nicht um eine ewige ("""nachhaltige""") Wachstumsfunktion. So wird denn auch die Verbindung "Glück durch Wohlstand" am stärksten relativiert durch die Tatsache, dass gerade in reichen Ländern, wie etwa der Schweiz und Finnland, die Selbstmordraten recht hoch sind.
Was also macht uns glücklich, wenn nicht Geld? Obwohl wir behaupten, die Amerikaner seinen prüde und nicht wir, wird es selten gehört: Den grössten Beitrag zur (irdischen) Glückseeligkeit des Menschen liefert Sex:
Die Wertsteigerung eines Lebens mit Sex von einem ohne, wird von Ökonomen mit 50'000 $ bezeichnet, ebenfalls die Wertsteigerung von einem Leben mit einmal pro Monat Sex auf einmal pro Woche Sex!
Wir hätten's also in der Hand ... äh, na, ja ... ich meine, wir hätten also einige Möglichkeiten, die Zufriedenheit beträchtlich zu stärken, ohne Wachstum, Wettbewerb, Hetze, Mobbing, Überschuss und Überdruss fördern zu müssen. Vielleicht sollte man die Diskussion um Emanzipation, bei der es ja meist eher darum geht, wer beherrscht wen, also um Macht und Freiheit; etwas mehr in Richtung lenken: - Wie leben Männlein und Weiblein am besten zusammen, was ist die geeignetste "Familien"struktur in der postmodernen Gesellschaft für Kinder wie Eltern. Das aktuelle Emanzipations- und Gegenseitigesichbehauptenabgenzenundbeherrschenwollen-Schlachtfeld ist ganz offensichtlich der Zufriedenheit ziemlich abträglich. Eine Diskussion zum Thema "gutes Leben", ähnlich wie zur Frage, was bedeutet "gute Arbeit" oder "gute Ordnung", wäre nach 100 Jahren Vernachlässigung der Philosophie, die sich hinter den Wissenschaften anstellen musste, die solche Fragen nicht mal stellen, geschweige denn beantworten kann, vielleicht wieder angebracht. Seit der sexuellen Befreiung de 68 wird zwar viel über Sex geredet ... aber ganz offensichtlich mehr geredet als ... Leider scheint hier das Selbe passiert zu sein wie bei der fast so wichtigen Selbstbestätigung, der persönlichen Zuordnung von Bedeutung und ein kleines bisschen Macht (s. Machttreppe). Der Markt schafft Scheinlösungen und Scheinwelten, die sich verkaufen lassen, das Problem jedoch bleibt bestehen.
In den USA, gelobt als Musterland von Fortschritt und Wachstum, schrumpft die Zufriedenheit. Amerikaner haben zwei bis drei mal monatlich Beischlaf. (In Deutschland scheint man (und frau) sich immer noch an Luther zu halten, der da schon einiges erfreulicher ist: In der Wochen zween. Zahlen aus der Schweiz unterliegen offenbar dem Bettundbankgeheimnis ....).
Wie weit fördert Einkommen die Lebensfreude? Antwort: Weitaus weniger als Sex!
Der Mensch lebte aber selten nur zu zweit. Fast alles was wir als menschliche Kultur begreifen, beruht auf Kooperation, Zusammenarbeit. Dies gilt auch heute noch, obwohl man praktisch nur noch von Konkurrenz, also Wettbewerb, hört. In der industrialisierten Welt wird vom Arbeitnehmer erwartet, dass er seine Leistung an Betrieb und Maschinen orientiert, nicht nach seinen Wünschen oder gar den Wünschen seiner Familie, oder, noch schlimmer, an Idealen gesellschaftlicher Gruppierungen, etwa gar der Gewerkschaft: Ich bin der Betrieb, dein Herr. Du sollst keinen anderen Herrn haben neben mir!
Was ein Mensch ist, wird bei uns meist über den Beruf definiert: Handwerker, Bankier, Detailhandelsangestellter, Direktor, oder, Gott behüt's, ein Aussätziger, ein Arbeitsloser ... Bei den kulturellen Nachbarn Europas, den Arabern, ist das ganz anders, ja fast umgekehrt. Da kommt zuerst die Familie und der Stamm, also die Gesellschaft. Araber haben einen gemeinsamen kulturellen und religiösen Hintergrund sowie eine gemeinsame Sprache. Von uns unterscheiden Sie sich vor allem darin. dass sie soziale Beziehungen über wirtschaftliche Funktionalität stellen. Diese prägnante soziale Orientierung zeigt sich sogar in der arabischen Sprache, die vier Ausdrücke für unser Wort MENSCH kennt:
Wer ist ein Araber? - Was ist der Mensch?
Die Lebensphilosophie der Araber ist also eine ganz andere als die unsere. üs. Hamit Duran www.barmherzigkeit.ch/Leseproben/muslime_in_der_ch.html] . Obwohl sich die Schweiz christlich nennt und nach wie vor einige Parteien dies als Emblem vor sich her tragen, steht die Nächstenlieben weit im Hintergrund - Kapitalismus, Egoismus und Säkularismus im Vordergrund. Während für Muslime die Familie und Verwandtschaft im Zentrum ihres Interesses steht, sie also nur so viel Zeit für die Arbeit aufwenden, wie sie zum Leben brauchen, und den Rest für Familie und Verwandtschaft investieren - wird die Familie in unserer Wirtschaftsform zum Stör- und Kostenfaktor. Man könnte es, etwas plakativ, aber doch nicht ganz falsch, so formulieren:
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Anfragen an: hewww@brainworker.ch |
Die Araber arbeiten um zu leben -
wir leben (nach 500jähriger Indoktrination durch Calvin & Co) um zu arbeiten.
Warum sonst wäre wohl Arbeitslosigkeit schlimmer als Krankheit oder Scheidung? (mehr dazu ...)
Während unser Markt ein Symbol ist für Wettbewerb, also Kampf, hat der arabische Markt viel mehr Funktionen, als bloss Güter zum richtigen Preis am richtigen Ort anzubieten und den Umsatz zu fördern. Ausgezeichnet beschrieben ist das bei Weinrich: Markttag in Afrika. Solche Märkte dienen in erster Linie der Begegnung und dem Austausch von Neuigkeiten. Sie ersetzen der ländlichen Bevölkerung, bei der immer noch ein hoher Anteil des Lesens und Schreibens unkundig ist, nicht nur die Zeitung, sondern auch den Fernsehapparat, dem entweder der Strom fehlt, oder dessen Programme von Morgens früh bis Abends spät den Präsidenten und dessen Entourage zeigen. Märkte sind auch wichtige Orte für die Schlichtung von Stammes- und privaten Fehden. Es herrscht dort Waffenruhe. Märkte sind die Knotenpunkte von Netzwerken, die oft mehr dem Nachrichten- als dem Güteraustausch dienen. Diese Überlegenheit persönlicher Beziehungen über rein neutrale Marktbeziehungen hat natürlich nicht nur Vorteile. Duran erwähnt genau so wie der Autor, dass hier etwas weniger Arbeit mehr Lebensqualität wäre, dort etwas mehr Arbeit zum selben Ziel führen würde.
Wenn wir Jeremy Rifkins Charakterisierung der USA gegenüber Europa ansehen, wird noch deutlicher, wie weit weg die USA vom arabischen Denkmodell sind, da sie von gemeinschaftlichem Denken und der Einbettung in die Gemeinschaft noch weniger halten als die Europäer, die ihrerseits sich bereits beträchtlich von den Arabern entfernt haben:
| USA | Europa |
Freiheit ist:
|
Freiheit ist:
|
s. Konkurrenz - Wettbewerb - Kooperation
1.4 Selbstverwirklichung
| Dieser Mann, der zurückgekehrt war, konnte sich keiner
Zeit seines Lebens erinnern, die nicht von dem Willen beseelt gewesen wäre,
ein bedeutender Mensch zu werden; mit diesen Worten schien Ulrich geboren
worden zu sein.
Robert Musil: Der Mann ohne Eigenschaften. S. 35: |
Der Mensch wird weder als vollendeter Mensch in die Welt geworfen. Eher im Gegenteil. Er muss alles mühsam erlernen: Essen, trinken, sch..., laufen; die Wunder die er mit seinen Händen vollbringen kann, und die Möglichkeiten, die ihm sein Gehirn bietet. Er muss zu dem werden, was in ihm angelegt ist. Er muss sich, um wirklich Mensch zu werden, selbst schaffen. Dabei untersteht er natürlich tausenderlei Einflüssen, insbesondere der Mütter und Väter, der Lehrer, der Vorgesetzten, der Kollegen und anderer Mitmenschen. Für die meisten von uns sind diese Einflüsse oft so dominierend, dass wir nur noch raus wollen, um eben das zu werden, was wir eigentlich sind. Dummerweise ist das relativ schwer zu erkennen, und dazu noch wechselhaft. Immer wieder werfen Schicksalsschläge, besondere Erlebnisse und Erfahrungen uns aus der gewählten Bahn. Und doch, da wir frei sind, sogar die religiösesten unter uns, müssen wir unsern Weg wieder bestimmen, uns orientieren und weiter schreiten. Selbstverwirklichung als Menschwerdung ist ein lebenslanger Prozess.
Selbstverwirklichung wurde in den letzten 30 Jahren insbesondere von Frauen gerne gefordert. Dabei schienen ihnen vor allem die Männer im Wege zu stehen. So nach und nach dämmert es aber vielleicht, dass es Selbstverwirklichung in voller Unabhängigkeit und Freiheit nur für Eremiten gibt - und wer ist diesem Schicksal schon gewachsen?
Der Mensch als soziales Wesen wird also zumeist um seine Selbstverwirklichung kämpfen müssen, in in präzise diesem Gewirr unterschiedlicher Meinungen, Forderungen, guter und dummer Ratschläge, also in der Umgebung de l' enfère des autres. Je mehr Platz eine(r) beanspruchen will, um so mehr andere verdrängt er. Da nicht jeder im Lichte der Öffentlichkeit stehen will, ist das nicht ein generelles Problem, es wird aber zu einem, je enger der Raum und die Lebensbedingungen werden. In einer Wirtschaft, die den Raum bereits ausfüllt, die auch keine Arbeitsplätze mehr schafft, sondern im Zeichen der Rationalisierung abbaut, wird der Raum für Selbstverwirklichung nur für die (meist von sich selbst) auserwählten grösser. Die unten werden verdrängt. Für sie wird es enger. Eine Wettbewerbswirtschaft in einem beschränkten Raum verdrängt und verteilt ungleich, - nicht nach Leistung, sondern nach Erfolg im Wettbewerb -.
Dient die Wirtschaft dem Zweck, den Wohlstand zu mehren, der meist als A und O der Lebensqualität betrachtet wird? Dann sollten die Löhne vielleicht etwas gerechter verteilt sein. Bedeutet Wohlstand, ein angenehmes Leben zu führen? Dann sollte man eigentlich nicht dauernd immer mehr Umsatz und Arbeit anstreben. Oder zwingt sie uns nun selbst ihre Ziele auf, wie insbesondere Wachstum? Die Schweiz wurde zwischen 1950 und 1973 zum reichsten Land der Welt ... und lässt in den letzten 10 Jahren, wie Japan, etwas nach. Den alten Vorsprung aber durch Wachstum wieder zu erlangen, ein Wachstum das bedeutet: Arbeiten bis 67 oder länger, die Erwerbsquote erhöhen, obwohl sie mit 79.1% weltweit schon Spitze ist, die Arbeitszeiten zu verlängern, die Flexibilität zu erhöhen, die auch Aufwendungen für Bildung stark erhöht; dabei die Umwelt-, Bau- und Sozialgesetzgebung, ja sogar die direkte Demokratie (Borner) als Hemmschuh zu bezeichnen, das macht doch wohl aus dem Begriff Wohlstand ein Scherzprodukt. Oder soll Wohlstand nicht bedeuten, über mehr Freizeit und Genuss zu verfügen, weniger und weniger hart arbeiten zu müssen? Wohlstand durch mehr und härtere Arbeit zu fördern entbehrt etwas der Logik, scheint mir. Das kommt davon, wenn man sich von Buchhaltern rechter wie linker Provenienz vorschreiben lässt, wie die Welt auszusehen hat.
GUTE ARBEIT: Wie kam sie abhanden, was bedeutet Gute Arbeit und wo können wir sie wieder schaffen?
He www.brainworker.ch - Was soll das?
An individuelle Bedürfnisse angepasste Lebensqualität ist nur möglich, wenn eine Vielzahl an Lebensstilen möglich sind. Zudem hängt die Vielfalt der für eine Gesellschaft notwendigen Funktionen auch von der Vielfalt der Tätigkeiten ab. Der Benediktinermönch Rather, ab 931 Bischof von Verona, erklärt das anhand Mathäus 19,21: Der Herr sagt, Verkaufe alles, was du hast, gib den Armen und folge mir nach! Sollten alle diesem Gebot folgen, wer würde noch den Boden bebauen? Wenn alle ihre Ehefrauen verliessen? Woher kämen die Kinder? Sollen alle betteln gehen? Wenn alle betteln - wer gibt? Ein deutliches Beispiel dafür, wie unbrauchbar fundamentalistische Auslegungen meist sind.
Diese Vielfalt widerspricht aber der Doktrin der Effizienz. Effizienz verlangt kleine Strukturen mit minimalen Kommunikationswegen, die die gleiche Sprache reden, also meist die Sprache des Geldes. Je besser ein Unternehmen seine Strukturen organisiert und je weiter sie greifen, desto stärker kann es den Markt beeinflussen, der so schon längst kein "freier" Markt mehr ist. Da Effizienz aber auch nach der Produktion der wichtigsten, d.h. ertragreichsten Güter und Dienstleistungen verlangt, in möglichst grosser Zahl und Mengen, versuche alle Unternehmen zu wachsen, um von der Economy of Scale profitieren zu können. Dies führt aber zur Reduktion der Vielfalt an Produkten. Ein Verlust an Vielfalt bedeutet aber Verlust an Lebensqualität.
Wettbewerb führt häufig entweder zu Zusammenschlüssen oder zur Vernichtung der Kleinen, also zu Ausschluss. Der Bedarf an Kundenmassen bedingt eine Strategie der Massenware und die eine Anpassung an den Massengeschmack - oder eine Anpassung des Massengeschmacks an das eigene Produkt! Grösse führt also zwar zu günstigeren Preisen auf der einen, aber auch zu einer Verringerung der Wahlmöglichkeiten auf der andern Seite. Die Geschmäcker müssen also nivelliert werden, wo Grösse herrscht. Diese Nivellierung ist ein Verlust an Lebensqualität und damit auch an Wohlstand.
Präzise dieser Verlust an Wahlmöglichkeiten, also an Freiheit, dürfte immer wieder eine natürliche Gegenbewegung zur Herrschaft der Grösse einleiten. (Beispiele aus der Landwirtschaft)
Probleme der Restrukturierung über Grössenvorteile (Economy of Scale) am Beispiel Grosssägewerke
Beispiel:
Alte Tierrassen, Frucht- und Gemüsesorten haben gegenüber der billigeren Massenproduktion eigentlich immer den Vorteil, geschmacklich besonders zu sein, oft könnte man sagen: überhaupt noch Geschmack und Duft zu haben (s. Erdbeeren, oder Äpfel: Wann haben sie zum letzten Mal einen Berner Rosen gesehen oder gekostet? Da ging nicht nur Biodiversität verloren, sondern auch Geschmack und damit Lebensqualität). Die Wiederverwendung der Vielfalt alter Sorten und Rassen ist also nicht bloss ein Ökologenfurz, sondern eine gastronomische Bereicherung. Zudem dürfte hier eine grosse Chance auch für kleinflächige Landwirtschaft liegen. (s. Pro Spezie Rara). Zudem werden mit diesen alten Rassen oft auch wieder alte Bewirtschaftungsformen attraktiver, die es erlauben, die Landschaft zu erhalten und zu gestalten, ohne bloss Landschaftsgärtnerei zu betreiben, sondern zugleich die natürlichen Ressourcen produktiv zu nutzen.
Brainworker's Beiträge zum Thema Bauern
Aber nicht nur die Geschmäcker werden nivelliert, auch die Meinungen. (s. Pressefreiheit)
2.1 Meinungsvielfalt und Lebensstilvielfalt sind zwar problematisch, aber der Treibstoff der Entwicklung
| Toleranz ist vor allem die Erkenntnis, daß es keinen Sinn
hat, sich aufzuregen. Ambrose Bierce, amerikan. Schriftsteller, 1842-1914) |
Ein kritischer Punkt bei Lebensqualität/Lifestyle ist das Verkleben zwischen Toleranz, Akzeptanz und Dominanz. In einer Demokratie kann fast jede Minderheit nach Toleranz rufen und erhält sie auch früher oder später. Aber auch hier, nicht nur bei den islamischen Fundamentalisten, werden früher schlecht tolerierte Minderheiten später oft zu wenig toleranten Mehrheiten (s. Algerien). So verdient etwa der Lebensstil der Schwulen und Lesben sicher Toleranz, aber es ist schwerlich akzeptabel, dass dies dann plötzlich so weit geht, dass jede(r) der nicht schwul ist, verdächtigt wird, einfach nicht ehrlich zu sein. Schwulität also zum Normalfall deklariert wird. Ähnlich verhält es sich bei Rauchern, denen vermutlich bald noch das Rauchen zu Hause verboten wird. Die notwendige Toleranz gegenüber von der Mehrheit abweichenden Lebensstilen wird dann oft in eine Intoleranz gegenüber denen, deren eigener Lebensstil mit dem der ehemaligen Minderheit unverträglich ist. Die neue Toleranz wird in eine neue Spiesserei umgemünzt. Ich kaufe z.B. immer noch Mohrenköpfe und nicht Negerküsse oder was immer, und werd' immer wieder von Verkäuferinnen angemotzt: das sage man doch nicht. Na ja. Also erstens will ich von keinem Neger geküsst werden, 2. hab ich 10 Jahre mit "Negern" und allen möglichen fremden Kulturen gearbeitet und mich um Verständigung bemüht. Mit einer Ausdauer, die solche Namensfundamentalisten wohl kaum je aufbringen würden. Ich find da den Neger, der im Wortsinn ja nichts anderes bedeutet als Schwarzer, weniger diffamierend als "
| Apropos Nigeria: Das Land, offensichtlich Land der Neger oder gar Nigger, muss dringend umgetauft werden, entweder in Coloria oder in Blackistan. |
couloured people", denn da stell ich mir automatisch so was chamäleonartiges vor mit gelben, roten, blauen und grünen Flecken. Unter Neger jedoch nichts anderes als einen schwarzen Menschen. Punkt. Eskimos, der selbe Unsinn. Das sei beleidigend, weil es Rohfleischesser bedeutet. Na ja, nur weil sie rohes Fleisch essen und dadurch zu den notwendigen Vitaminen kommen überlebten sie ja unter den extremen Verhältnissen. Heute besteht ein enormes Problem mit Alkoholismus, weil sie nicht in unser Wirtschaftssystem passen. Zudem schmilzt ihre Welt nicht nur bildlich sondern real dahin. Da hilft die Umbenennung von Eskimos in Inuit rein gar nichts, und von Respekt und Toleranz zeugt sie auch nicht. Juden (nach Gilles Deleuze: Schizophrenie und Gesellschaft. Texte und Gespräche von 1975 bis 1995. Hrsg: Daniel Lapoujade. Uebers: Eva Moldenhauer. Suhrkamp 2003): In den anständigen Familien durfte man früher das Wort "Jude" nicht aussprechen, man sagte "Israelit". Aber das waren gerade antisemitische Familien. Und was soll man über einen Juden sagen, der weder Israelit noch Israeli, nicht einmal Zionist ist? Was über Spinoza, den jüdischen Philosophen, aus der Synagoge Ausgesschlossenen, Sohn reicher Kaufleute, dessen Genie, Kraft und Charme auch damit zusammenhing, dass er Jude war und sich als Jude bezeichnete? Es ist, als verböte man ein Wort aus dem Wörterbuch: die Liga gegen den Antisemitismus erklärt all jene zu Antisemiten, die das Wort "Jude" aussprechen.
Sexual harrassment, der letzte Gag der political correctness. Also objektiv betrachtet: Wenn sich Männlein und Weiblein nicht mehr gegenseitig annähern, ja nicht mal verbal abtasten dürfen, dann sieht das aber schlecht aus um die Zukunft der Menschheit. Natürlich gilt es Vorgänge im Bereich des Bossing und Mobbing zu überwinden, natürlich muss ein Nein akzeptiert werden. Obwohl ... fast die gesamte romantische Literatur handelt ja gerade davon, dass ein Nein einseitig nicht akzeptiert wird. Garzia Marquez: Liebe in den Zeiten der Cholera, eine lebenslängliche Missachtung eines Neins. Der Held dieser Geschichte, wie Don Juan und Casanova, müsste also als Stalker verhaftet, oder das Buch verboten werden?
Ein noch gewichtigeres Beispiel als Moorenkopf und Inuit ist Kuba. Dieser international unbedeutende Kleinstaat wird von den USA nach wie vor als Reich des Bösen verdammt und seit über 40 Jahren boykottiert. Warum? Weil das kleine, unbedeutende Kuba das Leitmodell des Lebensstils der USA, den Kapitalismus, nach wie vor in Frage stellt. Will man Führer der Freiheit sein, die Freiheit, das Gemeinschaftseigentum höher zu werten als privaten Besitz.
Die letzten Ziele können nie punktgenau bestimmt werden, zumindest nicht in einer Gesellschaft, die ihren Individuen die Freiheit lässt, sich ihre persönlichen Ziele selbst zu wählen. So werden wir weiter suchend irren zwischen Lust und Pflicht, Zufall und Plan, Eigennutz und Nächstenliebe, Gott und Teufel.(s. Zyniker, Stoiker und Epikuräer) und manchmal in Zynismus Zuflucht suchen müssen.
Fazit:
Lebensstile und Lebensqualitäten sind vielfach. Es darf keine Vorschrift geben, wie der Mensch zu leben hat, will er frei sein. Also dürfen sich auch nicht einzelne Lebensstile als allgemeingültig aufspielen. Sie bleiben immer Teilbereiche des Lebens und sind nie das Ganze.
Die Sache ist eigentlich gar nicht so kompliziert, wie sie auf den ersten Blick aussehen mag. Es handelt sich um das selbe Problem, auf dass wir mit Multikulti stossen. Man darf die Dinge nicht zu eng sehen. Ohne einen gewissen Relativismus geht es hier nicht. Und der lässt sich begründen, sehr einfach sogar.
Wer sich eine klare Ordnung wünscht und nicht viel hält von Relativismus, steht meist auch auf Kant. Nehmen wir also Kant's kategorischen Imperativ.
Handle nur nach derjenigen Maxime, durch die du zugleich wollen kannst, dass sie ein allgemeines Gesetz werde.
Er liefert uns die Antwort. Würden wir Lebensstile und die damit verbundene Lebensqualität als absolutes Gutes, als notwendig zu Erreichendes, eben als Gesetz, setzen, resultiert ein Chaos aus Inkompatibilität und systemischer Unverträglichkeit. Nehmen wir als Beispiel den sehr akuten Lebensstil der Schwulen und Lesben. Eine Allgemeinverbindlicherklärung diesen Lebensstils würde in 3 bis 4 Generationen zur völligen Auslöschung der Menschheit führen. Gut für die Natur. Schlecht für die Menschheit. Das selbe gilt für Vegetarismus, denn er spricht Viehzüchtern und -Hütern das Existenzrecht ab. Da der Mensch aber Gras nicht nutzen kann, ist dieser Lebensstil, der vegetarische, mit beträchtlichen Nutzungsverlusten verbunden. (Gegenwärtig ist es allerdings umgekehrt. Da die Fleischfresserei übertrieben wird, landet der grösste an Weizen und andern Landwirtschaftserzeugnissen in den Mägen von Tieren, die aber nur 10% des Inputs umsetzen. Also 90% Verlust. - Wie gesagt, man sollte nichts übertreiben, auch nicht das Gegenteil). Unterschiedliche Lebensstile und Vorstellungen von Lebensqualität müssen also toleriert werden - aber nicht nur von der Mehrheit, sondern auch von (oft leider intoleranten, jedoch in der Demokratie tolerierten) Minderheiten. [Der Spruch tönt harmlos, aber da steckt Sprengstoff drin ... denk mal ... denk mal ein bisschen nach, wie es sich mit Minderheiten in der Wirtschaft verhält ... Es stimmt zwar, dass wir sie brauchen, aber sie kann auch nicht ohne uns, die Gesellschaft, das Volk.]
3. Wie bauen die Myriaden individueller Selbstentwickler ein funktionierendes Ganzes? - Über die Politik!
Lebensqualität bedeutet, sein Seinsziel erreichen zu können.
Dies ist um so besser möglich, je reicher die Entwicklungs-, d.h. Entfaltungsmöglichkeiten
oder
Freiheitsgrade sind.
In der Welt in der Lebensqualität vor allem über Geld definiert wird, ist sie also genau so schief und ungerecht verteilt, wie das Geld selbst. Solange wir Effizienz als höchstes aller Ziele des Wirtschaftens definieren, wird das auch so bleiben (s. Pareto).
Viele der Alternativen für Kapitalschwache und Aussteiger bemühen darum das historische Modell der Subsistenz, in dem jeder primär für sich selbst produziert, und so (theoretisch) über viel freie Zeit für soziale Kontakte verfügt. Das hat aber nur funktioniert in Gesellschaften und für Menschen mit eigenem Grundbesitz, ausreichend Grundbesitz. Für die Bodenlosen war die Sache schon immer Bodenlos. Da wir heute mehrheitlich Bodenlose sind, ist das also nur eine Chance für eine kleine Minderheit.
Die Frage: Dürfen einige wenige für die Verwirklichung ihrer eigenen Ziele (meist Betriebsziele) die Lebensqualität vieler beschränken?
Ist die Antwort ja, dann bleibt den Verdrängten, denen am unteren Ende der Pareto-Verteilung, nur die stoische Ruhe, also sein Schicksal als Fügung hinzunehmen. Die Übereinstimmung zwischen Wünschen und Erreichbarem, aber auch Erreichtem, ist das erste Kriterium für Lebensqualität. Da allerdings die meisten unserer Wünsche eher unvernünftig sind, lässt sich Zufriedenheit meist leichter erreichen, in dem man diese Unvernunft erkennt, anstatt alles zu unternehmen, sie zu finanzieren. Diese Variante wird gefördert durch Theorien des Aussteigens, des Rückzugs, der Bescheidenheit, der Subsistenz. Motto:
Höhepunkt des Glücks ist es, wenn der Mensch bereit ist, das zu sein, was er ist.
Erasmus von Rotterdam
Ist die Antwort nein, dann haben die Verdrängten (ehemals als die Verdammten dieser Erde bezeichnet) ein Recht auf Widerstand, also auch auf Revolution. Wird in der Demokratie die Lebensqualität als das Erreichen eines gewissen, kulturell als wünschbar gegebenen, Status und Habens von materiellen und immateriellen Gütern als Recht aller betrachtet, dann kommt sie nicht darum herum, auch den Verlierern des Wettbewerbs zu ihrem Recht zu verhelfen. Geht der Wettbewerb so weit wie heute, dass immer mehr Jugendlichen bereits der Einstieg ins Erwerbsleben verwehrt wird, da sie über knappe Lehrstellen hinwegselektioniert werden, dürfte stoische Akzeptanz nicht mehr angebracht sein.
These: Sich auf das zu beschränken, was wichtig ist, was erreichbar ist, was möglich ist, ist Weisheit. Muss also der Klügere nachgeben, und sich in sein Schicksal fügen? Nein. Nur in der Spiessermoral, die einzelne Aspekte der Moral herauspickt - um andere damit zu erstechen. Die Kardinalstugenden sind aber Weisheit, Tapferkeit, Besonnenheit und Gerechtigkeit. Und die gelten gemeinsam. Wer sich in Unrecht fügt, ist also nicht Weise, sondern feige. Dies ist kein Widerspruch zur Aussage des Stoikers Epiktet
Die richtige Vorentscheidung ist die, sich um die eigenen Dinge zu kümmern, also um die, über die man die Macht hat; das ist die sittliche Grundentscheidung, die jeder Mensch zu treffen hat.
Epiktet
denn, anders als bei den Epikuräern, bedeutet sich um die eigenen Dinge zu kümmern für die Stoa nicht, sich vom öffentlichen Leben fern zu halten. Der Grieche ist ein Mensch der Gesellschaft. Gesellschaftspolitik gehört also zu seinen "eigenen Dingen".
Antithese: Wer ein Wettbewerbssystem zum eigenen Gewinn nutzt, ist nicht nur Tapfer, sondern, wenn er aus auf Kosten anderer nutzt, ungerecht.
Synthese: Sich auf das Wichtige zu beschränken, Zeit für das Wichtige zu haben ... und sich nicht mehr anstrengt, noch mehr Überflüssiges zu erwerben (womit nicht nur materielles gemeint ist), das wäre Weisheit. Der Sozialethiker Hans Jonas wies vor bereits 20 Jahren darauf hin, dass die zukünftige wirtschaftliche Entwicklung sich, aus Gründen der beschränkten Ressourcen, eher auf Kontraktion als auf Wachstum einrichten sollte. Jonas betrachtete das Versprechen von Wohlstand für alle nach dem US-Europäischen Modell als Gefahr, da der Wohlstand Amerikas (und Europas) einen viel zu grossen Anteil der Weltschätze für seinen verschwenderischen Lebensstil verbraucht und klar ist, dass er Einbussen erleiden wird, ob freiwillig oder gezwungen durch den Klassenkampf der Völker - der heute als clash of cultures wieder auftaucht, wobei nun als Ursache allerdings die Boshaftigkeit fremder Religionen herhalten muss.
Dafür aber müssen die Grundbedürfnisse bis zu Stufe 4 garantiert sein, denn:
Es ist nicht möglich ein kluges, schönes und gerechtes Leben zu leben, ohne angenehm zu leben.
Epikur
Zyniker, Stoiker und Epikuräer
3.1 Politik & Lifestyle Management
Die schwierigste Aufgabe der Politik in einer multifunktionalen und multikulturellen Gesellschaft ist die Abstimmung zwischen den unterschiedlichen Vorstellungen über Lebensqualität. Träumt es den Einen von rauchende Kaminen, Heerschaaren von Arbeitern, zahlreich und gehorsam wie Ameisen, Flughäfen, auf denen der Betrieb Tag und Nacht nicht stillsteht, so träumt es den andern, mit eben so viel Recht. aber weniger Kapital, vom eigenen Lädeli im Quartier, einem Heimetli mit ein paar Kühen, einer kleinen eigenen Werkstatt oder Büro - oder auch ganz einfach einer Anstellung, in der man gesagt und bezahlt kriegt, was man zu tun hat.
Die gerne zitierten "Gesetze des Marktes" scheinen diese Freiheit unterschiedlicher Lebensqualität zu verneinen: Der globale Markt bestimmt - und ihr müsst euch alle unterwerfen! Eine ziemlich exzentrische Auslegung der Freiheit, die wir in der Gestaltung der Wirtschaft, damit des Lifestyles, und damit der Lebensqualität eigentlich haben.
Wie quer die Vorstellungen vom Weltmarkt dazu liegen, was lokal und regional nötig ist, sehen sie leicht, wenn Sie sich mal überlegen, wie eine Gemeinde ihre natürlichen Ressourcen managen soll. Dazu braucht man heute nicht mehr in den Jemen oder nach Somaliland zu gehen, das Problem haben wir vor der Haustür, denn das Management von Wiesen, Weiden und Wald ist etwas recht anderes als das Management einer profitorientierten Firma. Es handelt sich um das Management gemeiner Ressourcen, von Allmend, um "Nicht-Profit-Management oder, man könnte auch sagen, um nachhaltiges Entwicklungsmanagement.
Hier fehlen meist die Einkünfte, um für Strukturen bezahlen zu können. Die produzierten Dienste sind multifunktioneller Art, deren Nutzung (ohne massiven Aufwand) keiner Person oder Institution direkt zugeordnet werden kann.
Weil der Mensch, auf seinem Weg in eine nachhaltige Zukunft, sich nicht auf den homo oeconomicus reduzieren lässt, braucht gesellschaftliche Entwicklung eine Art von Management, das über die Gewinnorientierung hinausgeht und in dem die natürliche wie die soziale Umwelt auch ihren Wert hat.
In der Vorlage, Shrubland Management in Tribal Islamic Yemen, wurde die Anforderung an ein solches Management wie folgt kurz gefasst:
Gesellschaftliche Entwicklung braucht kein Management der Profitmaximierung, sondern der Lebensstiloptimierung
Das Ziel eines Lifestyle Managements * wäre umfassender noch als das des Regionalmanagements, da es das Individuum als Entscheidungsträger mit einbezieht. Es geht bei Management Arten wie Landscape Management und Entwicklungsmanagement nicht an, Management auf die Optimierung der Rendite zu beschränken und sich weiterhin nur an Preisen zu orientieren. Da es bei jeglicher Entwicklung primär darum geht (gehen sollte), Zufriedenheit und Nachhaltigkeit zu fördern, muss sich ein derartiges Management, das überall dort notwendig ist, wo die Marktwirtschaft ihre Ziele verfehlt (wozu es gerade im Bereich Holzwirtschaft ausreichend Beispiele gibt, s. Profitwald & Absurditäten des Holzmarktes), an einem umfassenderen Set von Werten orientieren.
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Um fähig sein durch Kommunikation zu motivieren sind Kenntnisse der lokal geltenden und akzeptablen Argumente die wichtigste Grundlage. |
* Ich bin mit dem Ausdruck selbst nicht ganz glücklich, denn Lifestile ist, wie so manches, eigentlich eine Sache persönlicher freier Entscheidung. Einerseits. Andererseits wird er als Massenerscheinung oft zum Problem (man denke z.B. an das Auto als Symbol der Freiheit, an die kurzfristige Nutzung relativ langlebiger Güter, auf Grund der Mode etc, etc). Und zudem wird diese Freiheit gerade von der Mode ja eben so wenig respektiert wie oft vom Management, sonder durch PR verbogen.
Was mit dem Begriff ausgedrückt werden soll, ist die Notwendigkeit einer Mediation zwischen Gesellschaft, den gemeinschaftlichen, geteilten Angelegenheiten, und dem freien Individuum. Eine Politik die nicht als "oben", störend und hemmend empfunden wird, sondern als Organisation, welche die Interessen von Individuen und Gesellschaft vertritt und austariert, im ursprünglichen Sinne der Räte.
Austarieren spricht hier bereits das an, was eigentlich die Funktion der Tugenden wäre: Das Finden des rechten Masses. Bereits bei oberflächlichen Betrachtungen zu einer Wertsystematik wird deutlich, dass Lifestile Optimierung sich viel präziser fassen lässt als als Optimierung der persönlichen und gesellschaftlichen Wertesysteme, denn diese bestimmen ja weitgehend darüber, was wir als erstrebenswert erachten und wofür wir uns einsetzen. Heute werden diese Wertesysteme vor allem durch Werbung und Wirtschaft geprägt, während sich die wertfreien Wissenschaften vornehm von diesem Problem fern halten, statt es sich endlich vorzunehmen und Grundlagen für ein social marketing zu schaffen, dass ein Gegengewicht zu den vom Markt geschaffenen kurzlebigen Lifestyle-Moden bieten sollte.
http://www.brainworker.ch/forstingenieur/management.htm
So bringt uns die Beschäftigung mit einem unphilosophischen, d.h. also auch unwissenschaftlichen, Thema zur Erkenntnis, dass eigentlich nur dort, wo wir nicht müssen, wir dürfen und können, wir also frei sind. Und das ist doch auch was. [s. Systempolitik]
M. Herzog, Basel, 3.7.05