Das Studium der Umweltnaturwissenschaften

[nach: http://www.hv.ethz.ch/Bericht_22.11.01.pdf)

Mit der Umstrukturierung der Ausbildung an der ETH auf das Bachelor/Master- System sind drei Bereiche, die eben so gut (wenn nicht gar besser) als Ingenieurswissenschaften betrieben werden könnten, bei den Systemorientierten Naturwissenschaften gelandet:
• Pharmazeutische Wissenschaften
• Bewegungs- und Sportwissenschaften
(mit Höherem Lehramt Turn- und Sportlehrer)
• Erdwissenschaften
• Umweltnaturwissenschaften
• Agrarwissenschaft

• Lebensmittelwissenschaft

Die Absolventinnen und Absolventen kümmern sich nicht nur theoretisch, sondern auch ganz praktisch um reale Umweltsysteme – Wasser, Boden, Luft, Wald, Landschaft und die vom Menschen geschaffene Umwelt. Das Studium vermittelt die Fähigkeit, deren chemische, physikalische und biologische Eigenschaften sowie darin ablaufende Prozesse zu analysieren. Darauf aufbauend lernen die Studierenden die Wechselwirkungen zwischen der belebten Natur und der Gesellschaft zu verstehen und dieses Wissen sinnvoll anzuwenden. Dies erfordert eine interdisziplinäre Arbeitsweise, die neben den Naturwissenschaften die Sozial- und Geisteswissenschaften sowie die Umwelttechnik einschliesst. In dieser Integration liegt das Besondere der Ausbildung. Der Abschluss geniesst unter Arbeitgebern wie Hochschule, Umweltbüros, Banken, Versicherungen, Medien, Industrie usw. eine sehr hohe Wertschätzung.

Berufliche Möglichkeiten: Der Abschluss Umweltnaturwissenschaftler ETH Zürich ist auf dem Arbeitsmarkt zu einem anerkannten und geschätzten Titel geworden. Jedes Jahr führt das Departement eine Befragung zur aktuellen beruflichen Situation unter den Diplomierten des vergangen Jahres durch. Die Resultate zeigen, dass die Absolventinnen und Absolventen auf dem Stellenmarkt ausserordentlich gut akzeptiert sind. Innerhalb weniger Monate nach Studienabschluss gelingt es den meisten eine berufliche Position zu finden, welche sowohl persönliche Befriedigung gibt als auch dem Ausbildungsstand angemessen ist. Das Tätigkeitsfeld der Absolventinnen und Absolventen ist sehr breit: Rund 25% sind – in vielen Fällen als Doktorierende – an einer Hochschule tätig. Etwa 35% finden in den «klassischen» Umweltbranchen wie Umwelt-, Planungs- und Ökobüros oder öffentliche Verwaltung eine Anstellung. Etwa 40% Prozent sind in einem breiten Dienstleistungssektor beschäftigt, der Banken, Versicherungen, Medien, Handel und Schulen umfasst. Der Abschluss Wald- und Landschaftsmanagement ETH Zürich ermöglicht ein breites Spektrum von Tätigkeiten in Wald- und Holzwirtschaft, Natur- und Landschaftsschutz, Wissenschaft, öffentlicher Verwaltung und in privaten Ingenieurbüros.

Ausbildungsziel: Mit der Bachelor/Master Ausbildung in Umweltnaturwissenschaften wird eine disziplinenübergreifende, auf eine ganzheitliche Sicht abzielende Ausbildung angeboten,die ein solides Verständnis über das Funktionieren der natürlichen Umwelt vermittelt. Dazu gehören naturwissenschaftliche Grundlagen in Chemie, Physik und Biologie ebenso wie fundierte Kenntnisse spezieller Umweltsysteme und der darin ablaufenden Prozesse. Wegen der wechselseitigen Durchdringung von Natur und Zivilisation gehören dazu aber auch vertiefte Einblicke in die technischen und sozialwissenschaftlichen Grundlagen der Mensch-Umwelt-Beziehung. Ausgehend von einem umweltnaturwissenschaftlichen Problemverständnis lernen die Studierenden Lösungen zu entwickeln, zu bewerten und umzusetzen. Der Studiengang enthält Elemente, welche die Kommunikations- und Teamfähigkeit schulen.

Anforderungen: Wer Umweltnaturwissenschaften studieren möchte, muss neben dem Engagement für die Umwelt auch ein breites Interesse an Naturwissenschaften mitbringen. Denn das Studium der Umweltnaturwissenschaften ist in erster Linie ein naturwissenschaftlicher Ausbildungsgang – wenn auch mit neuartiger Ausrichtung und mit breiten Berührungsflächen zu den Geistes- und Sozialwissenschaften und zur Technik. Das Anforderungsprofil ist grundsätzlich nicht anders als in Biologie, Chemie oder Physik. Eine zusätzliche Herausforderung und gleichzeitig ein spezieller Reiz liegt jedoch in der Vielfalt der Disziplinen und in der Komplexität der Fragestellungen, die zu bewältigen sind.

Bachelor, bis 3. Semester: Im ersten Teil der Bachelorstufe werden naturwissenschaftlich-mathematische Grundlagen in Chemie, Physik, Biologie, Mathematik, Erdwissenschaften und Informatik vermittelt, ergänzt mit einer Einführung in Umweltrecht und Ökonomie. Diese disziplinären Grundkenntnisse werden in Vorlesungen, Praktika und Exkursionen zu den Umweltsystemen Atmosphäre (Luft), Hydrosphäre (Wasser), Pedosphäre (Boden), aber auch zu Landnutzungssystemen wie Wald- und Landwirtschaft in einen grösseren Zusammenhang gestellt. Bereits im ersten Semester werden die Studierenden in einer kleinen Fallstudie mit der spezifischen Denk- und Arbeitsweise der umweltwissenschaftlichen Praxis vertraut gemacht. Die Grundlagenvorlesungen besuchen die Studierenden der Ausbildungsgänge Agrar-, Erd-, Lebensmittel- und Umweltnaturwissenschaften grösstenteils gemeinsam, daher kann die Studienrichtung nach zwei Semestern vorbehaltlos gewechselt werden. Das erste Studienjahr wird mit der Basisprüfung abgeschlossen, im weiteren Studienverlauf gilt das Kreditsystem.

Bachelorstufe, 4. bis 6. Semester: Im zweiten Teil der Bachelorstufe stehen den Studierenden verschiedene Systemvertiefungen zur Auswahl, die exemplarisch einen zentralen Bereich der Umweltnaturwissenschaften vertiefen:

Das Lehrangebot vermittelt theoretische und methodische Kenntnisse und führt in Anwendungsgebiete ein. Komplementär zum naturwissenschaftlichen Teil werden auch geistes- und sozialwissenschaftlich sowie technische Inhalte angeboten.

Masterstufe, 7. bis 10. Semester: Unabhängig von der gewählten Systemvertiefung ermöglicht ein erfolgreicher Bachelor-Abschluss in Umweltnaturwissenschaften den direkten Anschluss an ein zweijähriges Masterstudium in Umweltnaturwissenschaften oder in Wald- und Landschaftsmanagement. Er ermöglicht aber auch einen Zugang zu weiteren Masterausbildungen an der ETH und anderen Universitäten des In- und Auslands.

Das Masterstudium vermittelt die Fähigkeit, komplexe und interdisziplinäre Fragestellungen auf hohem wissenschaftlichen Niveau zu bearbeiten und legt damit die Basis für eine akademische Laufbahn. Die Absolventinnen und Absolventen erwerben aber auch die erforderlichen Kompetenzen, um als innovative und flexible Führungskräfte in Gesellschaft,Wissenschaft und Wirtschaft Verantwortung zu tragen. Die Masterstudiengang Umweltnaturwissenschaften bietet eine Reihe von naturwissenschaftlich vertiefenden Fachrichtungen an, die zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht festgelegt sind. Anzahl und genaue Bezeichnungen orientieren sich an den Vertiefungen der Bachelorstufe. In ergänzenden problemorientierten Ausbildungsteilen lernen die Studierenden wie sie natur- und sozialwissenschaftliche Kenntnisse kombinieren können, um erfolgreich komplexe, reale Probleme zu bearbeiten; Fallstudien und Berufspraxis sind hier wichtige Lehrformen. Der Masterstudiengang Wald- und Landschaftsmanagement ist eine Weiterentwicklung des bisherigen Studienganges Forstwissenschaften. Er vermittelt das für die Erhaltung, Steuerung und nachhaltige Nutzung von Wäldern und «naturnahen» Landschaften notwendige Wissen. Die Studierenden kombinieren natur-, ingenieur- und sozialwissenschaftliche Komponenten zu einem individuellen Vertiefungsprofil. Das Studium wird durch eine Masterarbeit im Themenbereich der gewählten naturwissenschaftlichen Vertiefung abgeschlossen. Die Arbeit vermittelt Erfahrungen, wie das Erlernte zur Bearbeitung einer konkreten naturwissenschaftlichen Fragestellung einzusetzen ist.

M. Herzog, Rheinfelden, 17. Juni 2004