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Zur Geschichte der Kulturtechnik
Kulturtechnik ist eine der ältesten Wissenschaften. Sie trug bei zur Entstehung der Kulturen generell. Nach der Hypothese von Wittfogel entstanden die ersten Kulturen erst eigentlich durch die Notwendigkeit zur Kooperation bei der Bewässerung, also der Grundaufgabe der Kulturingenieure. Wittfogel begründet seine Theorie mit den 4 frühesten Kulturzentren in Ägypten (Nil), Mesopotamien (Euphrat-Tigris), Indien (Indus) und China (Gelber Fluss).
| Definitionen Zivilisation (lat. civis = Bürger) ist eine Vorstufe der Kultur, die den Menschen allmählich zum planmässig wohlgeordneten Zusammenwirken mit seinesgleichen erzieht, und damit erst die wichtigste Vorbedingung der Kultur schafft. Zivilisation ist also der Entwicklungszustand, den Völker erreichen, wenn sie beginnen, friedlich zusammen zu leben. Kultur (lat. colere: hegen und pflegen, bebauen, ausbilden, tätig verehren) hatte ursprünglich die Bedeutung von Pflege des Bodens (agricultura), um ihn menschlichen Bedürfnissen anzupassen und dienstbar zu machen. Hier liegen die sprachlichen Wurzeln von Bodenkultur und Kulturtechnik.
Während Zivilisation die Gesamtheit der technischen Errungenschaften und des damit verbundenen Komforts meint, steht Kultur für den Ausdruck und Erfolg des Selbstgestaltungswillens von Einzelnen oder Völkern. |
Der Bau von Kanälen zur Bewässerung sowie Deichen und Schutzbauten gegen periodisch auftretende Überflutungen an großen Strömen (z.B. in den Hochkulturen des Zweistromlandes/Babylons, der Induskultur, am Hwangho und Jangtse in China) erforderte den massenhaften Einsatz von bäuerlichen Arbeitskräften. Diese Arbeitsleistungen erfolgten durch Fronarbeit, waren aber wegen der Zersplitterung der vielen Dorfgemeinden erst durch die zentrale Planungsmacht einer Funktionärselite möglich, die gleichzeitig zur politisch herrschenden Kaste aufstieg und über eine zur Mathematik, Geometrie, Astronomie und Verwaltung fähigen Bürokratie verfügte. Der wirtschaftliche Erfolg dieser kooperativen Gesellschaften wurde aber erkauft durch die Preisgabe vieler Freiheitsrechte an die zentrale Staatsbürokratie, eben die "orientalische Despotie".
Die Bauern Ägyptens liessen sich bereits 5000 (oder sogar 6500) vor Christus im langen und schmalen Tal des Nil nieder. Bis 3000 v.Ch. hatte sie Schrift, Bewässerung und Monumentalbau entwickelt. Der Ägypter Ptolemäus bestimmte, 1000 Jahre später, auch bereits den Durchmesser der Erde, die sich für sie bereits anderthalb Jahrtausende vor Kopernikus und Galileo um die Sonne drehte.
Der Indus wird als Geburtsstädte Indiens und Pakistans betrachtet. Bereits 4000 v.Chr. waren seine Ufer besiedelt. Es gibt offenbar einige Hinweise darauf, dass Händler aus Mesopotamien die ersten Wissensnuklei zu Bewässerung und Drainage wie auch die Schrift mitbrachten. Aber bald entwickelte sich die lokale Kultur höchst eigenständig.
Der Huang Ho, der Gelbe Fluss, war ebenfalls bereits 3000 v.Chr. besiedelt worden. Während zu dieser Zeit Töpferei, das Rad, Landwirtschaft und Seide bereits bekannt waren, waren Schrift und die Nutzung von Metallen im China dieser Zeit offenbar noch unbekannt.
Mesopotamien, heute zum grössten Teil im Irak liegend, war die erste Gegend der Welt, die Pflanzenzucht und Bewässerungssysteme entwickelte. Die Sumerer siedelten sich bereits 5000 v.Chr. in den Flusstälern an, wo sie Weizen, Gerste und Erbsen zogen. Dazu zogen sie Entwässerungsgräben durch die Sümpfe, bauten Bewässerungskanäle entlang dem Flusslauf, sowie später zwischen Euphrat und Tigris. Das niedrige Gefälle (Bagdad liegt m über Meer und ganze der mesopotamischen Tiefebene machte dabei recht genaue Planung und Vermessung notwendig. Der Aufwand für die grossflächigen Bewässerungssysteme (Unterhalt, Verteidigung, Verteilung des Wassers ...) machte ein weiträumige Kooperation, und damit einen zentral organisierten Staat, notwendig.
Die Landwirtschaft (Boden-Kultur / Agri-Kultur) war aber nicht nur Mutter der Kulturtechnik, sondern auch der Mathematik, Astronomie und Klimatologie. Die Menschen studierten die Bewegung von Sonne, Mond und Planeten um die Jahreszeiten berechnen und die beste Zeit zur Aussaat bestimmen zu können. Auch für eine klare Regelung der Eigentumsverhältnisse war eine präzise Vermessung nötig.
Vermessung und Kulturtechnik behielten diese hohe Bedeutung im gesamten islamischen Raum lange bei. Der Ursprung Islamischer Wissenschaften lag um Umgang mit Wasser, oder vielmehr im Umgang mit dem Mangel an Wasser. Das arabische Wort für Ingenieur, Muhandis, kommt von Geometrie (handasah), dessen Wurzel aus dem Persischen (Pahlevi: handazah) übernommen wurde. Es bedeutet dort: Berechnung, Vermessung von Kanälen oder ganz einfach Bewässerung.
In der Schweiz war es eher ein zu viel an Regen und Wasser, das es als Problem zu lösen galt. Allerdings ist die Geschichte der Urbarisierung Europas eher eine Geschichte der Rodung, als der Ent- und Bewässerung (s. Bauern, Geld und Herrschaft) sowie des Städtebaus (Religion und Städte – die treibenden Wirtschaftsfaktoren des Mittelalters). Zur Situation der Schweizer Bauern im Mittelalter s. auch Bauern und Herren.
[Historische Berichte zur Wirkung der Kulturtechnik in dieser Zeit sind mir noch keine zugänglich.]
Eine offizielle Funktion erhielten hierzulande die Vermessungs- und Kulturtechnik erst nach der französischen Revolution. Als erster führte der Kanton Waadt 1803 die Katastervermessung nach französischem Vorbild ein. Die neue Republik hatte nun aber nebst dem Eigentum, auch die Landnutzung im Sinne der demokratischen Verfassung zu regeln. Bereits Mitte des 19.JH. entstand das Gesetz über Trockenlegung und Entwässerung, dem wenig später eines zur Regulierung von Feldeinteilung und Bodenverbesserung folgte und 1893 ein Bundesbeschluss zur Förderung der Landwirtschaft - mit Massnahmen zur Verbesserung des Bodens.
Die Fachleute, welche diese Massnahmen ausführen sollten, werden seit 1886 an der 1855 gegründeten Eidgenössischen Technischen Hochschule ausgebildet. Die Abteilung VIII hiess zuerst Kulturingenieurschule, ihr folgte die Vermessungsschule 1920, Kulturtechnik und Vermessung ab 1933.
Ein Highlight schweizerischer Kartographie war die Dufourkarte von 1864.
Bis in die Mitte der sechziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts bewährte sich die Fachrichtung in ihrem Hauptziel, der Steigerung landwirtschaftlicher Produktivität. Doch ab Mitte der 60er Jahre dehnten sich Siedlungen und Verkehrswege massiv aus. Die Landschaft wurde zersiedelt und die von der Kulturtechnik heute zu beantwortenden Fragen heissen:
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Während Be- und Entwässerung in der Schweiz nur noch wenig Anlass zu Projekten gaben (vor dem Sommer 2003), nehmen in den Tropen und Subtropen die Probleme mit Bodenzerstörung durch Wind-, Wassererosion und Versalzung (bei unsachgemässer Bewässerung ohne Drainage) zu.
Weiteres s. www.sia.ch/fkgu & www.geomatik.ch/100Jahre.html
Martin Herzog, Webdesign, August 2003