Chancen für mehr Internet-JournalismusGerade bei der Presse ist der Faktor Betriebsgrösse entscheidend. Die erste Offsetdruckanlage der WIFAG druckte und falzte bereits 1966 80'000 Zeitungen pro Stunde!
Warum startet ein Artikel zur Presse Schweiz mit den 300
Reichsten? Weil:
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Die 300 Reichsten der Schweiz (aus BILANZ) besassen 2006 zusammen ein Vermögen von 455 Milliarden Franken, 55 Milliarden mehr als 2005, doppelt so viel wie vor 18 Jahren (... was zwar nicht viel mehr als 3 % Rendite ergibt ...)
2007 war wieder ein goldenes Jahr. Das Gesamtvermögen der 300 Reichsten beträgt nun 529 Milliarden - 74 Milliarden mehr als im Vorjahr, bei doch eher wenigen und geringen Verlusten. Von diesen 74 Milliarden Zuwachs beanspruchen allein die 10 Reichsten 20 Milliarden. 74 Milliarden Zuwachs bedeuten im Übrigen 16% Zuwachs - also mehr als irgend wer mehr Lohn gekriegt hat. Eine wahrlich fürstliche Rendite. Im Vergleich dazu ist es eben wirklich wurscht, ob der Vasella nun 4.4 Millionen (was immer noch das Doppelte des Durchschnittseinkommens eines schweizer Mänätschers wäre), oder 44 Millionen im Jahr erhält. Das Problem liegt woanders.
Um 20 Milliarden haben also die 10 Reichsten (in Worten: zehn!) der Schweiz 2007 ihren Reichtum vermehrt:
20 Milliarden ist das Fünffache der Subventionen, die den Schweizer Bauern zu überleben hilft, die zum grossen Teil unter der Armutsschwelle leben - aber kaum je daran denken, sich deshalb beim Sozialamt zu melden.
20 Milliarden sind fast das Doppelte der jährlichen Kosten der IV, die ebenfalls zu grossen Klagen Anlass gibt, deren "Kunden" gerne als Schmarotzer bezeichnet werden - und künftig in einen kaum existierenden Arbeitsmarkt integriert werden sollen.
74 Milliarden sind immerhin doch die Hälfte der gesamten Sozialausgaben der Schweiz.
Da dieser <Mehrwert> ziemlich eindeutig auf Kosten von Arbeitslosen geht, ist hier das Argument der Umverteilung, oder besser Rückgabe, vielleicht doch nicht einfach mit der Neidhammeldebatte vom Tisch zu wischen.
Falls man hier von einer "Krise des Sozialstaates" reden kann, so scheint das doch eher eine gemachte Krise - im Interesse der Reichen - wozu überbezahlte Manager halt doch nur ganz am Rande gehören ...
Na ja, 2008 kehrt sich die Sache wieder, da könnte man sie fast bemitleiden, denn da ging der ganze Segen wieder flöten:
Sie sehen auch anhand der folgenden Tabelle, dass sich die Vermögenszuwächse bei den Gewinnern, die es auch 2008 gab, doch sehr in Grenzen hielt und 2.25 Milliarden in keinem Fall überstiegen, wo früher doch 10 bis 13 Milliarden möglich waren.
Jeder 8. Milliardär der Welt wohnt in der Schweiz (das war mal, heute ists bloss noch jeder 10.) und jeder 2. der 300 Reichsten ist Wahlschweizer ... also eigentlich "Wirtschaftsflüchtling der andern Art", die vom milden Fiskalklima und Steuerabkommen profitieren.. Unter den Milliardären stellen die Schweizer nur 1/3.
| Auswahl aus den 300 Reichsten nach Bilanz 04: | Auswahl aus den 300 Reichsten nach Bilanz 06: | Auswahl aus den 300 Reichsten nach Bilanz 07: | Auswahl aus den 300 Reichsten nach Bilanz 08: | Auswahl aus den 300 Reichsten nach Bilanz 09: |
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Die grössten Gewinner seit 1989
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Die grössten Aufsteiger 2007
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Die grössten Aufsteiger 2008
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Die grössten Verlierer seit 1989
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Die grössten Absteiger 2007
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Die grössten Absteiger 2008
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Die grössten Absteiger 2009
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Die grössten Aussteiger seit 1989
Verlust und Bankrotte sind also im Vergleich zu den Gewinnen - Peanuts. Es rentiert sich also immer noch Milliardär zu sein. Eigentlich kein Grund für noch mehr Steuergeschenke ... |
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| Während dem die
Versorgung des
Volkes mit Nahrungsmitteln immer mehr zum Hobby erklärt wird, dass die
Bauern gefälligst nebenher und möglichst gratis betreiben sollen, geht es
immer mehr bestausgebildeten Denkern der
generation p genau so.
Aber auch die Superreichen haben ein Tummelfeld gefunden, das sie als standesgemässes Hobby subventionieren, nämlich die Luxushotellerie:
In gediegener Atmosphäre (*****) lässt sich natürlich patent verhandeln und geschäften. Ich hab das beim letzten Besuch in Amsterdam gemerkt. In einem ausgezeichneten Indischen Restaurant kam ich rasch ins Gespräch mit dem Eigentümer ... der interessanterweise eigentlich ein Computergeschäft betreibt, und das Restaurant nebenher. Er kommt aber so natürlich an jede Menge Kontakte und ist immer in der richtigen Atmosphäre, um gleich wieder was zu mischeln. So ähnlich dürfte das hier wohl auch liegen. |
Die Vermögen der
reichsten Lohnarbeiter (wozu Manager eben auch gehören, wenn auch auf einem
etwas anderen Niveau):
Was beweist, dass man durch ehrliche Arbeit nicht wirklich reich wird (sogar wenn man das "ehrlich" streicht). Die reichsten Manager, um die in letzter Zeit viel Aufsehen gemacht wurde, sind also eigentlich arme Schlucker im Verein der Superreichen. Dies als Warnung, dass das Problem Reichtum<> Armut nicht zu beheben ist, durch Lohnkürzungen an der Spitze - sondern nur dadurch, dass das Kapital seine Verantwortung wahr nehmen muss. |
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| Gazprom, russischer Gasmonopolist, besitzt Russlands
grössten privaten Fernsehsender - und macht sich grad an den Kauf des
meistgelesenen Boulevardblattes: Komsomolskaja Prawda. Was dem Westen recht, ist den Exkommunisten billig. |
Die rot und grün markierten sind nicht nur zufällig zwei meiner Interessenbereiche, sondern die Zeitungsindustrie hat effektiv starke Auswirkung auf die Holwirtschaft, denn sie verbraucht die grösste Menge an Papier. Alleine die Druckerei der BTB verbraucht täglich fünfzig Tonnen Zeitungspapier, also zwei bis drei Eisenbahnwagen voll. Ringier betrieb bis Mitte 1970 sogar eine eigene Papierfabrik in Serrière. Zu Zeiten des guten alten Filzes wurden die Konditionen zwischen Verleger und Produzenten verhandelt und so die tägliche Versorgung sicher gestellt. Die Versorgung mit Papier war einer der gewichtigeren Gründe, warum die Papierwirtschaft der Schweiz lange unter Zollschutz stand. Diese Bedingungen erlaubten den Fabriken, trotz hoher Einstandspreise, ihre Fabriken à jour zu halten. Mit dem Beitritt der Schweiz zur EFTA Ende der Fünfziger wurden die 10'000 Angestellten der Papierindustrie aber zur quantité négligable - und der Zollschutz fiel. Der damalige Bundesrat Schaffner meinte: Wer Papier macht, ist selbst schuld. Obwohl die Schweizer Papierindustrie auch heute noch keineswegs mit dem Ausland konkurrieren kann, weil erstens die Holzpreise zu hoch und zweitens die Fabriken zu klein sind, kam sie über die Runden, da die Schweiz in Sachen Recycling Spitze ist. Heute werden Zeitungen zu 80-100% aus Altpapier hergestellt! Erwin Reinhardt beklagt dennoch die fortschrittliche Forstgesetzgebung der Schweiz von 1874, welche eine rationale Holznutzung, also Kahlschlagwirtschaft wie in Skandinavien, verunmöglicht. (Aktuelle Diskussionen zum neuen Waldprogramm).
Erwin Reinhardt (Präs. Verwaltungsrat Sihl + Eika Papier Ag): Zeitungsfabrikanten und Zeitungsverleger. In: Medien, Verleger und Unternehmertum. Festschrift für Charles von Graffenried zum 75. Geburtstag. G. Bindschedler/P. Ziegler (Hrsg.). Paul Haupt, Bern, Stuttgart, Wien. 2000.
Wie Sie auf Grund der Statistiken leicht sehen, ist die Sache mit der Meinungsfreiheit eben so eine Sache. Die Printmedien werden von wenigen Gruppen beherrscht, die sehr wenigen Eigentümern gehören. Da es in der Privatwirtschaft primär nach dem Prinzip geht: Der Markt bestimmt, und sekundär nach: - Wer zahlt befiehlt - entstehen in der Informationsversorgung der Bevölkerung massive Lücken. Diese wurden durch die Motion Fehr zwar klar angesprochen, aber in der Antwort des Bundesrates musste dieser eben so klar feststellen, dass der Bund für die flächendeckende Versorgung mit Tatsachen und Meinungen nicht die Verantwortung übernehmen kann - eben gerade der Meinungsfreiheit wegen.
Presseförderung und publizistische Konzentration. Oliver Meier. 9. Januar 2002. http://www.medienheft.ch/politik/bibliothek/p17_MeierOliver.html:
Von 1980 bis 1999 verringerte sich die Anzahl von Zeitungen und Zeitschriften in der Schweiz von 268 um einen Viertel. Der stärkste Rückgang fand zwischen 1995 und 98 statt. Von den Fusionen und Einstellungen waren in erster Linie die Lokal- und Regionalzeitungen mit einer Auflage von weniger als 10'000 Exemplaren betroffen. Am markantesten zeigt sich die Entwicklung im Bereich der Tagespresse: Während 1980 noch 143 Zeitungen täglich erschienen, verminderte sich deren Zahl bis 1999 um 70, wobei die Deutschschweiz fast die Hälfte ihrer Titel verlor.
Eine noch massivere Reduktion zeigt ein Blick auf die Zahl der publizistischen Einheiten. Unter diesem Begriff werden alle im Inhalt mehr oder weniger verschiedenen Zeitungen zusammengefasst, die über einen gemeinsamen Mantel verfügen. Demgemäss wurden 1980 216 publizistische Einheiten gezählt. Nach einem minimen Anstieg war ab 1985 zunächst ein leichter, in den 90er Jahren jedoch ein enormer Rückgang der publizistischen Einheiten zu beobachten. 1999 belief sich ihre Zahl noch auf 148, was gegenüber 1980 einer Verminderung von 31 Prozent entspricht. Vergleicht man diesen Wert nun mit jenem der Reduktion der Titelzahl so wird klar, dass die Anzahl Titel pro Einheit zunehmend gestiegen ist. Dieses Phänomen zeigt, dass immer mehr Blätter sich die Mantelseiten teilen, und legt die Tendenz der publizistischen Konzentration offen.
In den letzten Jahren hat der publizistische Wettbewerb in vielen Städten und Regionen der Schweiz derart abgenommen, dass heute im Bereich der Tagespresse in 16 von 26 Kantonen faktisch eine Monopolsituation herrscht.
Neben der äusseren Medienvielfalt (Aussenpluralismus) trägt auch die Vielfalt der Meinungen innerhalb eines Mediums (Binnenpluralismus) zur Meinungsvielfalt bei. Sollte sich also die schweizerische Presselandschaft eher in Richtung des binnenpluralen Modells entwickeln, so wird sich ein Verlust an Vielfalt in Grenzen halten. Wie der Berner Medienprofessor Roger Blum in einem Bund-Artikel aufzeigte, verstehen sich heute nicht nur die überparteilich gegründeten Generalanzeiger als Forumszeitungen, sondern auch die ehemaligen bürgerlichen Meinungsblätter oder deren Fusionsprodukte (vgl. Blum 1996). Dabei wird deutlich, dass jene Zeitungen, die in ihrer Region über ein faktisches Monopol verfügen, die relevanten Themen weitgehend abdecken. Kleine Alternativblätter sorgen demgegenüber für einen Informationszuwachs, können aber die Monopolzeitungen kaum herausfordern.
Wie gross der qualitative Verlust bei der zunehmenden Medienkonzentration ist, bleibt vorläufig ebenso offen wie das Ausmass des daraus erwachsenden Manipulationspotentials. Offensichtlich ist jedoch, dass diese Gefahren umso grösser sind, je konsequenter sich die Zeitungen auf das Prinzip des Aussenpluralismus stützen. Die Bedenken bezüglich der Pressekonzentration gelten nicht zuletzt jener schleichenden Nivellierung, die bereits heute im Zuge der Vereinheitlichung von Mantelteilen zu beobachten ist.
http://www.mtj.ch/artikel.php?id=1304
Der Bundesrat wird beauftragt, die Totalrevision des Bundesgesetzes über Radio und Fernsehen (RTVG) mit der gesetzlichen Neuregelung der Presseförderung zu verbinden und beides in einem Mediengesetz zusammenzufassen.
1. Mit dem Mediengesetz sorgt der Staat für die Beseitigung oder Verhinderung von monopolistischen Strukturen im Bereich von Presse, Radio, TV und Online-Medien. Er sichert in allen relevanten politischen Räumen des Landes den publizistischen Wettbewerb und garantiert demokratiegerechte Öffentlichkeiten.
2. Die zur Sicherstellung von demokratiegerechten Öffentlichkeiten notwendigen Mittel werden durch Abschöpfung von Zuschlägen auf den Werbeumsätzen der Anbieter von publizistischen Produkten beschafft. Der Bund kann eigene Mittel beisteuern.
3. Das Mediengesetz enthält Vorschriften zur Qualitätssicherung im Bereich der publizistischen Grundversorgung.
Der Bundesrat hat am 19. Januar 2000 die Grundzüge der RTVG-Revision festgelegt und sich für eine Gesetzesvorlage entschieden, die sich in erster Linie auf die Veranstaltung von Radio- und Fernsehprogrammen konzentriert. Die Presse und die Online-Medien werden nach den Vorstellungen der Landesregierung vom Geltungsbereich des RTVG nicht erfasst. Eine Ausdehnung auf die Printmedien wäre aus verfassungsrechtlichen Überlegungen auch sehr heikel: Im Gegensatz zu den elektronischen Medien, wo die Gesetzgebung ausdrücklich der Kompetenz des Bundes vorbehalten bleibt (Art. 93 Abs. 1 neue BV) und die Verfassung einen Leistungsauftrag im Sinne des Service public vorgibt (Art. 93 Abs. 2 neue BV), begnügt sich die Bundesverfassung bei den Printmedien mit der Garantie der Pressefreiheit als Teil der Medienfreiheit (Art. 17 neue BV).
Beschränkung der Werbemöglichkeiten für Radio und Fernsehen, bei der Unterstützung der Aus- und Weiterbildung von Medienschaffenden sowie bei der Medienforschung. Auch die im Postgesetz vorgesehenen Vorzugspreise für die Beförderung von Zeitungen und Zeitschriften sind eine indirekte Presseförderung.
In Sachen Pressefreiheit führend sind zur Zeit [Freedomhouse Ranking]:
Peinlich ist die Angelegenheit eigentlich zur Zeit bloss für Italien, das unter Berlusconi auf Platz 79 abgesackt ist, womit es zwischen Bulgarien und der Mongolei liegt. Deutschland 20, USA 27, Österreich 44, Rumänien 104, Türkei 105 [da gibt's offenbar auch noch einiges zu bereinigen bis zum EU-Beitritt.]
Eingriffsmöglichkeiten aus ökonomischer Sicht sieht das KG zudem vor, wenn ein marktbeherrschendes Medienunternehmen seine Marktstellung zulasten anderer Marktteilnehmer missbraucht oder wenn unzulässige Marktabsprachen getroffen werden (Art. 5ff. KG).
Das heutige RTVG kennt nur einen beschränkten Schutz gegen Medienmonopole. So dürfen im Bereich Radio und Fernsehen Konzessionen nur erteilt werden, wenn damit keine Gefährdung der Meinungs- und Angebotsvielfalt verbunden ist (Art. 11 Abs. 1 Bst. g RTVG).
http://www.parlament.ch/afs/data/d/gesch/2000/d_gesch_20003144.htm
s. auch Bundesgesetz über Radio und Fernsehen (RTVG) & 2.0xx Botschaft zur Totalrevision des Bundesgesetzes über Radio ...

Marquard hat vermutlich mehr als 0 Mitarbeiter, hat ja genug Theater gemacht um zumindest einen Job - es lassen sich aber keine Zahlen finden. Selbst schuld.
Untenstehende Graphik zeigt, dass es diesbezüglich aber noch weitaus rentablere gibt. Noch besser aus finanzwirtschaftlicher Sicht sieht die Sache bei Banken und Versicherungen, aber auch Pharma, aus. [s. Wertschöpfung und Arbeitsmarkt]

Bei solchen Jobs handelt es sich aber eindeutig eher um
"Pfründen" als um Leistung,
dies um so mehr, wenn man die Ereignisse der letzten Zeit in Betracht zieht:
Ganz Italien zum Absturz gebracht, obwohl ausreichend Leistung vorhanden war
SBB zum Stillstand gebracht, obwohl gleichzeitig noch Strom verkauft wurde
etcetc..
weitere Vergleiche: Die grössten Firmen der Schweiz, nach Branche, Umsatz, Ebit (wo bekannt) und Anzahl der Beschäftigten
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Rentabilität der Vermögensveraltungen |
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| Verhältnis von Aufwand zu Ertrag in % | Einnahmen pro Angestellten in Fr. | |
| Italien | 57.1 | 268008 |
| Österreich | 60.1 | 283053 |
| Liechtenstein | 60.4 | 484149 |
| Benelux | 60.9 | 384630 |
| Schweiz | 64.4 | 543363 |
| Frankreich | 65.5 | 355094 |
| Grossbritannien | 67.4 | 405263 |
| USA | 69.9 | 394955 |
| Deutschland | 75.8 | 372773 |
Andere Branchen s. Bruttowertschöpfung pro Vollzeitstelle


Aus der Perspektive der Meinungsvielfalt ist die Fusion von Espace Media (Graffenried) mit Tamedia zu beklagen. Man darf dabei aber nicht die 3 noch grössern übersehen, die das Feld anführen. Insbesondere die weitgehend ungekannte Publigroupe fokussiert sich auf gewinnbringenden Einsatz der Medien, also Werbung, und gibt mit ihren Strategien des öftern Anlass zum Strinrunzeln.
2009 dreht sich das Karussel weiter. Tamedia übernimmt Edipresse, deutschschweizer Einfluss also das Welschland. Ringier wächst weiter im Ausland. Die SRG will das Radio übernehmen ... und als Argument, warum dies gut sein soll, dient noch grössere Konkurrenz: Google. Leider haben bei dem Spiel kleine Käseblätter wie die BAZ eh keine Chance, da sie a) nicht die selbe Breite an Information bieten, b) eh noch mals dasselbe wie die andern. Also wäre auch hier eine Teilfusion besser, so dass der Internationale Teil von Tamedie, der lokale von der BAZ kommt. Aber Meinungsvielfalt ist das natürlich keine mehr ... aber die ging eh längst flöten. Traut sich eh keine was anderes zu sagen als der Mainstream der anderen, der "grossen" Medien, also als das, was eben "der Markt" verlangt.
| Statistik | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
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Die grössten Schweizer Verlagshäuser nach Umsatz und Auflage 2003 | |||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
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http://www.schweizerpresse.ch/de/statistik/ba/ba_verlagshaeuser.shtml
Bedenklich an der gegenwärtigen Entwicklung sind hier 2 Dinge:
Die meinungslose, kommerziell neutralisierte, also kastrierte Zeitung als Werbeträger dominiert die Informationslandschaft.
Da der Blick praktisch nur aus Überschriften besteht, kann er eigentlich nicht als Zeitung gelten sondern eher als überdimensioniertes Flugblatt.
Auch der Tagesanzeiger wird immer unkritischer.
| Statistik | |||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
| Die 15 grössten Tageszeitungen 2003 | |||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
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http://www.schweizerpresse.ch/de/statistik/ba/ba_tageszeitungen.shtml
| Wochenzeitungen | Leser 2005 [10.04-9.05] |
Leser 2006 [10.05-9.06] |
Veränderung in % | Leser 2009 | Leser 2010 | Veränderung in % |
| Sonntagsblick | 998 | 997 | -0.1 | 891 | 868 | -2.6 |
| Sonntags-Zeitung | 824 | 809 | -1.8 | 835 | 797 | -4.6 |
| Matin Dimanche | 606 | 581 | -4.1 | |||
| NZZ am Sonntag | 466 | 453 | -2.8 | 492 | 509 | +3.5 |
| Cash | 248 | 282 | -0.7 | musste leider 2007 aufgeben |
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| HandelsZeitung | 141 | 134 | -5 | 147 | 140 | -4.8 |
| Finanz und Wirtschaft | 136 | 131 | -3.7 | 140 | 135 | -3.6 |
| Woz | 107 | 99 | -7.5 | 84 | 94 | +11.9 |
http://www.schweizerpresse.ch/de/statistik/ba/ba_zeitschriften.shtml
| Zeitschriften | ||||||
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Leser 2005 [10.04-9.05] |
Leser 2006 | Verän- derung % |
Leser 2009 | Leser 2010 | Veränderung % | |
| Coop Zeitung2661 | 2661 | 2634 | -1 | 2670 | 2653 | -0.6 |
| Migros Magazin | 2358 | 2323 | -1.5 | 2344 | 2312 | -1.4 |
| TV-täglich | 1214 | 1166 | -4 | 1007 | 1012 | +0.5 |
| Schweizer Illustrierte | 1054 | 1029 | -2.4 | 917 | 932 | |
| Beobachter | 1071 | 1021 | -4.7 | 933 | 945 | +1.6 |
| GEO | 867 | 850 | -2 | +1.3 | ||
| Schweizer Familie | 711 | 692 | -2.7 | 762 | 754 | -1.2 |
| NZZ Folio | 661 | 661 | 0 | 639 | 640 | +0.2 |
| Das Magazin | 643 | 650 | 1.1 | 671 | 681 | +1.5 |
| Tele | 641 | 641 | 0 | |||
| Migros Magazin (frz.) | 594 | 594 | 0 | |||
| Coop (fr.) | 550 | 553 | 0.5 | |||
| Schöner Wohnen | 522 | 528 | 1.1 | |||
| Fémina | 479 | 464 | -3.1 | |||
| Facts | 439 | 437 | -0.5 | |||
| Glückspost | 438 | 424 | -3.2 | |||
| Weltwoche | 419 | 397 | -5.3 | 348 | 334 | -2.3 |
| Das Beste | 400 | 373 | -6.8 | |||
| Illustré | 353 | 366 | 3.7 | |||
| Annabelle | 346 | 340 | -1.7 | 354 | 346 | -2.3 |
Auch bei den Zeitschriften ein Abwärtstrend. Weltwoche ... logisch, unlesbarer Propagandaschrott. Bei den meisten andern kann ich's nicht beurteilen. Ich kann zur Zeit bloss vermuten, dass die Umkehrung der Aufgabe des Journalismus vom "Gatekeeper" zum "Werbeinfozumüller" wohl daran mit schuld ist. Wenn Sie sich das neuste CASH daily ansehen ist das ein typisches Produkt: Gratis, ab und zu ein paar interessante Infos - aber primär Werbeträger, präzise wie 20 Minutes und ähnlicher Tagesschrott. Oder Bolero Men (ja sicher, wenn eine Werbeabteilung einen 130kg-Typen wie mir, mit der Einstellung wie unter Brainworker verbreitet, als potentiellen Abonnenten betrachtet, ist sie vermutlich nicht so ganz auf der Höhe ... Anyhow. Die Zeitschrift ist ideal um das Problem des heutigen Pressemarktes zu analysieren: 150 Seiten, und zusammengezählt vermutlich höchstens 30 Seiten Inhalt, der Rest Werbung. Man muss sich also die Informationen (wenn es noch welche hätte ...), zwischen hochgestylten Produkten im Hochglanz suchen. Und wer hat dazu schon Lust? Es ist klar, dass sich jedes Produkt nur absetzen lässt, wenn es bekannt ist, wenn man also irgendwie dafür wirbt. Einerseits. Andererseits - wer unter den Werbenden glaubt Veränderung in % denn, dass auch nur ein Mensch sagen wir unter den 1.1 Millionen Lesern von 20 Minuten sich die Werbung systematisch durchsieht? Man setzt also auf Zufallstreffer. Man könnte also einen grossen Teil des Mülls vermeiden, wenn präziser, gezielter geworben würde. Auch gedruckter Werbemüll ist Spam!
Irgendwie sind die Leser natürlich selbst schuld, denn auch hier gilt, wie im Internet:
Wer gratis will, kriegt halt nur, was auch "gratis" wert ist.
Wie übel die Sache aussieht für Zeitungen und Zeitschriften (und Webseiten) die versuchen, die reelle Welt zu erklären, zeigt aber besonders gut die Entwicklung im Internet. s. youtube & Co.
Für das Problem der Presse mit der Banalität können (dummerweise) nicht die Medien verantwortlich gemacht werden:
Viel Banalität = Unterhaltung ohne Anstrengung = viele Besucher = viel Werbegeld
Realität und Wissen = mühsam = wenig Besucher = wenig Werbeeinnahmen
* Die hohen Leserzahlen von 20 minutes widersprechen dieser Aussage nicht, denn es handelt sich da eindeutig nicht um Leserzahlen, sondern die Anzahl "durchblätterer". Zu lesen gibt's in dem Werbepapierbündel ja etwa so viel wie im Blick ...
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Das Imperium des Charles von Graffenried wird detailliert beschrieben in: Medien, Verleger und Unternehmertum. Festschrift für Charles von Graffenried zum 75. Geburtstag. G. Bindschedler/P. Ziegler (Hrsg.). Paup Haupt, Bern, Stuttgart, Wien. 2000.
Von Graffenried betrieb nebst der Berner Tagblatt Mediengruppe (BTM, mit Berner Tagblatt, Schweizer Bauer, Tagblatt für die Stadt Bern, Solothurner Woche, TeleBärn, Radio extraBERN, Bern Online ...) auch eine Privatbank, ein Treuhandbüro, Immobilien, Versicherungen, Vermögens-, Rechts- und Unternehmensberatung - und war Oberst im Generalstab, der mechanisierten und leichten Truppen. Seine stramm-schweizerische Gesinnung und Mut wird in der Festschrift durch eine Geschichte eines Moskaubesuchs dokumentiert, bei dem er einigen Russen auf berndeutsch erklärt, der Kommunismus sei längst erledigt und sie könnten mit dem ganzen Kram zusammenpacken [S. 155]. Es handelt sich auch um ein schönes Beispiel, wie der ehemalige Erb-Adel nach der Französischen Revolution bald wieder durch hohe Staatsposten, Gutsbesitz und exklusive Tätigkeiten, die wenig Personal, viel Kapital und viel gute Beziehungen erfordern, sich ihre Position in der Elite erhalten konnten und zum neuen Geld-Adel wurde.
Martin Herzog, Rheinfelden, 29. November 2004
Leider reicht auch hier ein antikapitalistisches Manifest nicht, denn die Probleme liegen viel tiefer. Obwohl Espace Media die 4. bis 5. grösste Zeitungsgruppe der Schweiz ist, dreht ihr der Markt die Luft ab. Das Berner Modell "Espace Media" sollte die Vorteile der populären Forumszeitung BZ mit denen des traditionellen Qualitätsblattes Bund (40% Beteiligung) verbinden. Da letzterem aber immer mehr die Werbeeinnahmen fehlen, soll die Redaktion weiter verkleinert werden, womit sie noch mehr unter die kritische Grösse der Wirksamkeit gerät. Bereits heute wird der Auslandsteil der Zeitung von 180 Stellenprozent getragen, was präzise aufzeigt, warum wir in allen Zeitungen immer die selbe "Meinung", oder besser Agenturmeldung, vorgesetzt kriegen und warum fundierte Analysen und alternative Perspektiven auf der Strecke bleiben (müssen). Bern droht so, trotz gewaltiger Anstrengungen bei Espace Media, das selbe Schicksal wie Basel, St. Gallen und Luzern, nicht zu vergessen die armen Aargauer mit ihrer recht eingleisigen AZ, nämlich das Zeitungsmonopol. Wenn Sie sich die Leserzahlen ansehen, die ja stellvertretend stehen für Werbeeinnahmen, wird klar, dass der Trend zur Konzentration hier kaum aufhören wird, sondern dass im nächsten Aufwasch auch die kleinen Monopole dran kommen könnten, also BZ, St. Galler Tagblatt etc.
Hier zeigt sich allerdings auch ein möglicher Ausweg: Intelligentere Werbung. Heute scheint, trotz gegenteiliger Behauptungen, Werbung einfach auf Masse abzufahren. Je mehr Leser/Besucher, desto gut, desto Geld. Die Werbeveranstalter übersehen, dass einerseits die Massen sich längst daran gewohnt haben, bei Fernsehwerbung wegzuzappen oder aufs Häuschen zu gehen (weil's eh ansch...), dass zwar viele in 20minutes blättern ... aber nur wenige darin lesen (was sollte man auch ...), oder gar die Werbung ansehen, dass Gigawebsites zwar Millionen von Besuchern anziehen, diese aber die Werbung meist ausblenden - dass andererseits aber Zielgruppen gibt, die sich spezifische Beiträge intensiv und mit beträchtlichem Zeitaufwand ansehen, womit die hier beigefügte Werbung eine ganz andere Wirkung entfaltet. (s. Bannerwerbung). Das heisst, dass intelligentere Werbestrategien auch intelligentere Zeitungen (oder Websites .... hum ...) tragen könnten.
Die Analyse der Geschäftszahlen 1994 (HandelsZeitung Nr. 16, 20. April 2005. S. 29) zeigt, worum es geht, d.h. wie sogar der kleinere Geldadel durch die selbst geschaffenen Markt-Regeln nun in die Bredouille kommt:
(Analyse der Entstehung dieser Regeln, zur Zeit Max Webers, Schmollers, Simmels und Sombards in Bearbeitung: Wird der Homo oeconomicus als Modell des Wirtschaftens theoretisch angenommen, ist es irgendwann egal, ob das Modell zutrifft oder nicht - da die Nutzer des Modells von nun an auf dieses Verhalten festgeschrieben sind. Das Modell schafft sich seine Realität selbst - und evoziert die Postmoderne)
| Ringier | Edipresse | Tamedia | NZZ-Gruppe | |
| Umsatz (in Mio. Fr.) Zunahme in % |
1114 13 |
886 7.2 |
567 -1.5 |
547 18 |
| Reingewinn (in Mio. Fr.) " / Verlust 2003 |
56 43 |
-7.9 11.8 |
49.8 -17.7 |
21.7 4.9 |
| Reingewinn in % des Umsatzes |
5 | - | 8.8 | 4 |
| Mitarbeiterbestand Entwicklung zu 2003 |
6081 642 |
3636 -98 |
1518 -307 |
2137 -208 |
| Umsatz pro Mitarbeiter in Fr. |
183193 | 237073 | 373517 | 255966 |
| Gewinn pro Mitarbeiter in Fr. |
9209 | -2172 | 32806 | 10154 |
Wirtschaftliches Fazit: Nur die Tamedia vermag zu überzeugen ... die am stärksten Stellen abgebaut hat. That's economy.
Lehren für Kleinverleger: Bis sie als Einzelmaske einen Umsatz von 2 bis 300'000 Fr. pro Jahr machen, werden Sie alt ... Das Problem der (mangelnden) Grösse (des Einzugsbereichs) zeigt sich deutlich anhand der Basler Zeitung, die (leider) im Vergleich zum Tagesanzeiger ein rechtes Käseblatt ist ... wenn auch, Gottseidank, der Aargauer Zeitung (Mitte ganz rechts) nicht vergleichbar. Das ist nicht nur Zeitungswirtschaftlich ein Problem, sondern auch politisch und volkswirtschaftlich.
Kritik Markus Kutters am nicht eben glücklichen Umbau der BAZ 2003 (publiziert 2005)
Da die dominierende Zeitung der Schweiz (also ohne die, die
nur aus Überschriften besteht, und ohne all die neuen, die viel Werbung an wenig
Inhalt anpappen, ja tendenziell links ist, nehmen die meisten an, dass die schon
im Interesse der Schweizer Bürger argumentiere. Denkste. Offenbar liegt der
Schwerpunkt genau dort, wo der Schwerpunkt der Abonnenten und Inserenten liegt,
nämlich in Zürich. Was gut ist für Zürich, ist gut für den Tagesanzeiger. So
lässt der Tagesanzeiger z.B. jeglichen kritischen Blick auf den eigenen
Bauchnabel unter, wenn es um den Standort Zürich in Sachen Spitzenmedizin geht.
Da werden Sätze gedrechselt wie: "Höhere medizinische Qualität und bessere
Wirtschaftlichkeit lassen sich mit standortübergreifenden Zentren nicht
erreichen" ... und dies obwohl Basel-Bern mehr Herzoperationen ausführt
als Zürich oder die Romandie (Standort Genf). Ich mache jede Wette, dass wir
nicht lange warten müssen, bis genau der selbe Satz in einem Wirtschaftartikel
wieder erscheint, mit der kleinen Veränderung: Höhere xxx Qualität und
bessere Wirtschaftlichkeit lassen sich NUR/EIZNIGundALLEINmit
standortübergreifenden Zentren nicht erreichen!
Ähnlich quer lagen die Kommentare, als sich die (na ja, einige
darunter) Basler Fussballfans, d.h. eher -Rowdis (zeitgemäss
Hooligans genannt)
einigermassen unsportlich verhielten, als "ihr" Club die Meisterschaft verlor.
Die grösseren Zusammenhänge gingen schlicht unter, generelle Kritik an diesem
kommerzialisierten System der Stellvertreterkriege wurde nie geäussert:
Diese Stellvertreterkriege dienen heute als harmloser Ersatz für frühere Überfälle benachbarter Stämme oder Dörfer und Kriege. Gewinnt die eigenen Mannschaft, so haben <wir> gewonnen, verliert sie ... so ist normalerweise bloss die Mannschaft, diese Pfeifen, schuld. In seltenen Fällen, wie eben in Basel, kann es halt eben dann doch zu einer Solidarisierung kommen, man will der eigenen Mannschaft beistehen und die Feinde vernichten. Natürlich sind zerstörte Anlagen, Autos und Geschäfte lästig und der Angriff auf Menschen unzulässig ... nichtsdestoweniger haben diese Ausbrüche eigentlich etwas Positives, denn sie zeigen, dass sogar die desinformierteste Bevölkerungsschicht willens ist, aus dem Stellvertreterdasein herauszutreten und sich selbst kriegerisch zu engagieren. Überlegen Sie bloss mal, wie frustriert und desorientiert jemand sein muss, dessen geistiges Wohl davon abhängt, welches Grüppchen von 2 x 11 auf dem Rasen rumhüpfenden Männchen d en Ball in welches Tor schiesst. Amüsant ist ebenfalls, dass die "Freiheitsparteien" natürlich wieder die ersten sind, die nach dem starken Arm des Gesetzes rufen.
Der "normale" Fan scheint mir da ein viel traurigerer Fall zu
sein: Brüllt oder kreischt (je nach Geschlecht) sturzbesoffen (inzwischen
offenbar unabhängig vom Geschlecht) rum, wie bei einer Popveranstaltung.
Verkriecht sich leise jammernd in die Koje, wenn seine Mannschaft verloren hat,
fährt stundenlang mit dem Auto die Strasse rauf und runter mit lautem Gehupe,
als sei Feuer ausgebrochen. Im Falle des Sieges von Italien kommt dann (in
meiner Gegend, Kleinhüningen) noch ein Trupp Neonazis dazu, der brüllt: Alle
Italiener sind schwul! Wobei sich die Italiener aber vermutlich nur danchten:
Na und? .... weiterfeierten, und noch 2 Stunden lang hupend die Strasse rauf und runter fuhren.
Fussball ist eh ein seltsames Geschäft, nicht bloss
Stellvertreterkrieg, sondern für die meisten - Zuschauer - auch
Stellvertretersport, für den man gerne und reichlich bezahlt. Die
Bilanzsumme der fifa betrug 2005 mit 1.4 Milliarden Fr. fast so
viel wie
diejenige der UNO
mit 1.8 Milliarden $. * Dass das eine enorme Geldverschwendung sei, wird aber
nur bei den einen kritisiert ... Unterhaltung bring Geld, wird also nicht
hinterfragt. Entwicklung kostet Geld ... ist also von übel? Vielleicht müssten
wir Entwicklung(szusammenarbeit/-hilfe) eher als Event, als Show, als Theater
organisieren? Oder ist sie das schon? Erinnern wir uns an den gesamten
Irakkrieg. Der diente nun für 15 Jahre erfolgreich als Werbeträger für die
US-Waffenproduzenten, hat Fernsehabend und Fernsehabend und Zeitung um Zeitung
gefüllt. Dummerweise wurden die Tickets nicht vorher verkauf, es wird nun etwas
schwierig, die Kosten für die Wiederherstellung des Spielgeländes aufzutreiben.
* Für 2006 wird die Bilanz noch weitaus besser aussehen, da alleine die WM 2.8 Milliarden Fr. eingebracht hat, 1.2 Milliarden davon als Reingewinn.
Das Umgekehrte passiert natürlich ebenfalls. Als es das Tagimagi mal wagte, das "geniale" Konzept des Novartis Campus (Bilder/Lage) zu hinterfragen, also als eher zu teures Sammelsurium von (Hoch-)Preisarchitektenklötzen hinzustellen (auch das ein Milliardenprojekt), waren die Leserbriefe aus Basel sämtliche voller Betroffenheit, ja Abscheu, dass Zürich ihnen was so tolles wieder mal neiden. Dass es sich dabei um ein rein privates Forschungsghetto der Luxusklasse handelt, dass der rein privaten Wissens- und Reichtumsvermehrung dient, ist den Baslern ihrerseits offenbar total entgangen.
Fazit:
Auch tendenziell gute Zeitungen neigen zu Lokalpatriotismus.
Da sie im Gegensatz zu den andern Verlagen ihre Zahlen erst Ende Juni vorlegt, hier die von 2004:
Umsatz: 292 Mio (Basler
Medien, nicht nur Zeitung)
Mitarbeiter: 2023 (Vollstellen)
Betriebsertrag konsolidiert: 0.865 Mio
Umsatz pro Mitarbeiter: 144'000
Ertrag pro Mitarbeiter: 428
Auch diese Zahlen zeigen, dass bereits diese "Grossstadtzeitung" (für Schweizer Verhältnisse) eigentlich auf dem Zahnfleisch geht. Ähnlich der Strategie des Tagesanzeigers versucht sie folglich, noch kleinere lokale Zeitungen unter ihre Fittiche zu nehmen (Zeitungsverbund Nordwestschweiz), was ihr offenbar im Fricktal bereits gelungen ist und welches Schicksal somit auch in der Nordwestschweiz weitern Lokalblättern droht, z.B. als nächster der Basellandschaftlichen.
Potentielle Chance: Basel und das untere Fricktal stimmen jeweils ähnlich wie das Welschland. Basel hat also immer noch eine starke Neigung zur welschen Denkweise. Hier bestünde vielleicht eine Chance, das Blättchen auch für weitere Kreise in der Schweiz interessant zu machen, wenn es der Zeitung besser gelänge, als Vermittler französischer Kultur in deutscher Sprache aufzutreten.
Wie schwierig es ist, eine alternative Stimme erklingen zu lassen, zeigt auch das gescheiterte Experiment Zuger Presse. 1996 gegründet von Daniel Brunner, mit Millionen aus dem Erbe der Landis & Gyr in der Tasche, sollte sie eine Gegenstimme zur konservativen Neuen Zuger Zeitung liefern. Nun wird sie an eben diese verkauft ... und die oft seltsamen und wirklich kritikwürdigen Vorgänge in Kanton Zug laufe weiterhin relativ kritiklos weiter, d.h. die Zuger müssen sich über etwaige Missstände im eigenen Kanton in ausserkantonaler oder gar ausländischer Presse informieren. Auch aus der Perspektive ist das Monopol schädlich. Dreckige Wäsche stinkt irgendwann so, dass sie jemand findet. Wäre es nicht besser, sie erst mal lokal zu waschen bevor man damit an die Weltpresse geht? Kritiklose Lobhudeleien der Mächtigen und des Status quo sind so am Ende schädlicher als offene Kritik..
| Zu Überlegen ist, was dies alles für die Beschaffenheit des Journalismus im Internet bedeutet. Das ist ein Thema von wahrlich fundamentaler Bedeutung; wenn es dem Internet nicht gelingt, einen hochklassigeren Journalismus hervorzubringen und gesellschaftliches Wissen und Handeln zu fördern, dann wird die Annahme, das Internet sei ein Segen für die Demokratie, beträchtlich entkräftet. Der Zustand des kommerziellen Journalismus der Mediengiganten ist erbärmlich. Die bisherige Erörterung gibt wenig Hoffnung für eine journalistische Renaissance im Internet. Die meistbesuchten Nachrichten- und Informations-Websites sind diejenigen, die eng mit den Fernsehnachrichten der Medienkonzerne verknüpft sind. Gegenwärtig geht die Entwicklung des Online-Journalismus dahin, die schlimmsten synergetischen und profitgierigen Eigenschaften des kommerziellen Journalismus, mit seinem Schwerpunkt auf Trivialitäten, Prominenten und Konsumentennachrichten, zu verstärken. Ein Beobachter sagte zum Nachrichtenangebot bei AOL, das den kommerziellen Medienriesen entnommen wird, es sei weniger ein »Marktplatz der Ideen« als »eine Shopping Mall der Kindereien«. [Das Internet und die Medienriesen] |
Dass es im Ausland noch ärger steht, erklärt zwar die Tatsache, löst aber das Problem nicht. So dominiert Rupert Murdoch (Kritik) die Weltpresse und insbesondere die USA. Murdoch besass bereits 2004 175 Zeitungen, inklusive der New York Post und The Times, London. Die grösste Lügenschleuder, Fox Studio (die Simpsons) und Network, sind sein + 35 Fernsehstationen, mit denen er 40% der USA erreicht + 19 Sportkanäle: Im größten Kampf um Marktanteile, in dem sich Disneys ESPN, News Corp.s Fox, GE und Microsofts MSNBC, Time Warners CNNSI and CBSs SportsLine im Stellungskrieg belagern, ringt man um die Sport-Websites. Sport wird als Schlüsselbereich für das Wachstum der Medien im Netz betrachtet; zum einen versteht sich die Werbung auf diesen Markt und will ihn erreichen. Außerdem beginnen die Sport-Websites das große Publikum anzuziehen, das die Werbekunden mögen. [Das Internet und die Medienriesen]. Da sich die USA eine Demokratie nennt, wird also per Mehrheit entschieden. Und wer macht die Meinung der Mehrheit wenn nicht Presse und TV? Wer hat den Irak-Krieg den US-Amerikanern medial verkauft?
Mit dem Kauf von myspace, dem grössten Internetstammtisch der Welt, dominiert Murdoch nun auch noch hier. Die Giganten Google und Murdoch fördern sich so gegenseitig. Zur Zeit versucht er grad für 5 Milliarden $, das Wall Street Journal zu übernehmen, gegen verzweifelten Widerstand. Der Name soll vermutlich den Ruf seiner Propagandamaschinerie verbessern. Die Freunde des Blattes befürchten jedoch, dass genau das umgekehrte passiert ...
Die Erwartung, dass das Internet unabhängigen Meinungen und
kleinen neuen Betrieben eine Chance böte, hat sich also verflüchtigt. Die selben
Strukturen der Macht und Grösse die in der reellen Wirtschaft dominieren,
herrschen auch im Internet. Natürlich kann hier nach wie vor jede/r seine
Meinung frei äussern - aber wird er/sie gesehen?
In Deutschland dominiert trotz der 68-er Unruhen, die sich
präzise an diesem Problem entzündet haben, immer noch wenige Grosskonzerne. Die
Verhältnisse,
Beteiligungen und u.a. eine umfangreiche Studie:
Sicherung der Meinungsvielfalt in Zeiten des Umbruchs finden Sie
bei der Kommission zur Ermittlung der
Konzentration im Medienbereich [KEK].
Axel Springer mit einem Umsatz von 4.5 Milliarden Euro.. Dazu gehören die Bild-Zeitung, Mittagszeitung (Hamburger Abendblatt), Bild am Sonntag, Welt am Sonntag, Hör zu, Berliner Morgenpost, Die Welt, BZ; sowie die Zeitschriften Funk Uhr, Bildwoche, Auto-Bild, Bild der Frau, Sport-Bild, Journal für die Frau, TV neu, Allegra und Computer Bild.
Mit der Übernahme von ProSiebenSat1Kabel1 wird Bertelsmann zum 100prozentigen Eigentümer, und mit 28.9% Marktanteil auch noch zum Fernsehriesen, der sogar Springer hat dafür 4 Milliarden Euro gelöhnt. Verdient hat Haim Saban, der das Konglomerat aus der Konkursmasse von Leo Kirch relativ günstig übernommen hatte - und nun 1.6 Milliarden Gewinn macht. Kein Unternehmen Europas verfügt über so viel Einflussmacht wie Springer, auch Berlusconi nicht. Peter Hartmeier vom Tagesanzeiger sieht die Medienvielfalt trotzdem nicht in Gefahr, da Springer zwar ein konservatives, aber primär Marktorientiertes Unternehmen ist, dass sich vom Markt leiten lässt, sich also hüten wird, die Kunden mit politischen Missionen zu ärgern. Kann sein, aber hier droht dann eben das, was ich als Chance für den Internet-Journalismus beschrieben habe, eine übermässige Anpassung an den Massengeschmack, eine Nivellierung durch die Anforderungen des Massenmarktes.
Bertelsmann AG ist seit August 05 nur noch der zweitgrösste Medienkonzern Deutschlands: Umsatz 22 Milliarden Euro pro Jahr mit Büchern (Random House), Schallplatten, RTL, RTL 2, Super RTL, VOX (32.3% Marktanteil). Plant zur Zeit bei ProSieben-Sat1 die Mehrheit übernehmen. Beteiligung am Hamburger Zeitschriften-Großverlag Gruner + Jahr.
Bauer-Verlag, Hamburg: 3 Milliarden mit Fernsehwoche, Tina, Bravo, Neue Revue, Neue Post
Georg von Holzbrink: 2.2 Milliarden. u.a. mit Handelsblatt, die Lausitzer Rundschau (Cottbus), die Main-Post (Würzburg), die Saarbrücker Zeitung, den Tagesspiegel (Berlin) und den Südkurier (Konstanz) sowie Wochenzeitungen und -magazine (Die Zeit und Wirtschaftswoche).
Burda: 2 Milliarden mit Bunte, Focus, Freundin, Super Illu und Das Haus
Falls Sie den Eindruck haben, das seien eh Käseblätter und nicht wirkliche Information, so sollten Sie sich die Auflagen ansehen. Die Mehrheit informiert sich eben anhand von Käseblättern! Die Fachleute (ver.di) stehen dementsprechend der geplanten Erleichterung weiterer Fusionitis kritisch gegenüber. Wem "die Volksmeinung" in Deutschland nicht passt, der weiss ja nun, an wen er sich wenden muss ...
20
Minuten, ein nur von Werbung getragenes Käseblatt (Definition: unkritischer,
(massen-)konsensfähiger Werbe- und Blablaträger mit geringem Informationsgehalt
- aber brauchbar, um damit Käse einzuwickeln.), hat
inzwischen die meisten Leser (obwohl ... man müsste hier vermutlich noch etwas
präziser unterscheiden zwischen "Lesern" und "gelangweilten Durchblätterern"
(wozu ich so alle 3 Monate auch mal gehöre, testweise). Blick ... Sie können
sich selbst denken, was ich davon halte ... aber doch an 3. Stelle der
Tagesanzeiger. Alhamdulillah.
Edipresse von Lamunière beglückt nun auch die Westschweiz mit einer Gratiszeitung: Le Matin Bleu, die bereits 200'000 Leser oder Durchblätterer haben soll.

Eben so kläglich die Sache bei den Zeitschriften: Fernsehen, Billig einkaufen, Gefühlsballaballa, Fernsehen .... Dem Beobachter komme also eine recht hohe Verantwortung zu, was eine objektive Information der Öffentlichkeit betrifft, do der Schweizer Familie! Sollte man ein Auge drauf behalten.

Die lauteste (zumal in Sachen Jammern) dümpelt am untern Rand. Die stillsten führen: Coop und Migros - die nebst dem recht lauten Blick meist gar nicht war genommen werden. Sachlich wirklich gute Zeitschriften wie Cash, Handelszeitung, Finanz & Wirtschaft erreichen also nur einen recht beschränkten (tendenziell elitären) Teil des Publikums.
Was Populismus und Wirkung auf die Massen betrifft, so sind also vor allem die kommerziellen: Coop, Migros, 20 Minutes im Auge zu behalten, + Blick. (Dummerweise alles Blätter, die bei mir ungelesen ins Altpapier wandern, falls sie sich mal hierher verirren.)
Dass man das nicht tun sollte, zeigt etwa der Einfluss der Migros auf die Volksmeinung in Sachen Verbandsbeschwerderecht. Hier stösst die Migros immer wieder auf Widerstand mit ihren Mega-Giga-Märkten, die auch Mega-Giga-Parkplätze brauchen und logischerweise Mega-Giga-Verkehr verursachen. Wie hart und kompromisslos (und auch nicht immer fair) die Migros ihre Interessen vertritt zeigt sich gegenwärtig gerade am Fall der Studie "Einkaufen und Mobilität", welche die Migros nicht bei einer einigermassen neutralen Instanz, sondern bei den Lobbyingspezialisten Dr. Waldner & Partner in Zofingen bestellt hat. Waldner und Steffen stehen professionell den meisten Shoppingzentren Pate ... Über die Hauszeitung können die Ansichten der Firma eben so einseitig verbreitet werden, wie sich die Firma das wünscht, da eben eh kaum jemand diese Blättchen kritisch ansieht. Wenn aber nur 1/4 der Empfänger sie lesen, entfalten sie die selbe Wirkung wie der Tagesanzeiger, dies allerdings auf einem extrem einseitigeren Niveau. Also: Augen auf!
Migros und Coop wirken massiv im öffentlichen Raum durch ihre rein kommerziellen Blätter - beschränkten aber die Rückwirkung der Oeffentlichkeit auf ihrem Raum per Gerichtsbeschluss. (Liestal - Unia).
Leserzahlen tendenziell stagnierend. Sieht medial nicht so gut aus, volksbildungsmässig noch übler ...
M. Herzog, Basel, 14.9.05
Kommentare aus Blog vom 1.7.07 betr. CASH:
CASH teilt mit, dass die Lieferung auf Ende Juni eingestellt wird. Gottverdammte Scheisse! Die elektronische Ausgabe ist eh ein Witz. Sehr stark besucht ist dort Borsalino, Börseninformationen. Also stellen die von wirtschaftskritisch und informativ um auf Börseninformationen: kritisch nur noch, wenn die Kurse sinken oder der Betrieb bereits in Rechtshändel verwickelt ist. Ein schwerer Schlag für das öffentliche Verständnis wirtschaftlicher Abläufe .... Christopher Locke fragt (Management. Campus Verlag): Warum gibt es keine Wirtschaftskritik? Unter google gibt es hunderttausende von Einträgen unter Literaturkritik, zehntausende unter Kunst-, Medien-, Sozial- und Kulturkritik, ein paar tausend unter Musik-, aber nur wenige hundert unter Wissenschafts- und Wirtschaftskritik. Die Frage ist leicht zu beantworten: Was die Wissenschaft betrifft, riskieren Sie als Laien-Kritiker von den Fachleuten niedergemacht zu werden, was die Wirtschaft betrifft ebenfalls - vor allem aber, fühlt sich ein Unternehmen direkt betroffen, riskieren Sie Schadenersatzklagen, oder Klagen wegen Verleumdung, Marktbeeinflussung, Rufschädigung etc. Mit, für die meisten unverständlichen Formeln, wird Wirtschaft als Wissenschaft dargestellt, die quasi mit Naturgesetzen arbeitet. Pustekuchen. Gerade die Topwirtschaftsbranche, die Finanzwirtschaft, zeigt doch ausgezeichnet, dass hier reiner Konstruktivismus am Werk ist. Wenn aber natürlich auf "Wissenschaftlichkeit" plädiert wird, macht man sich unangreifbar, wie die Fundamentalisten, die ihr Verhalten direkt von der heiligen Schrift ableiten.
Die Volkswirtschaft war einst Teil der Sozialwissenschaften, geprägt von Männern wie Thorstein Veblen, der über den auffälligen Konsum schrieb und gegen die Degradierung der Universitätsbildung in den Händen von Betriebswirtschaftern wetterte ... ein Konzept, das von den Fachhochschulen auf die Spitze getrieben wird. Fachleute für Operations Research und Erbsenzählern war der Aufstieg gewiss und ein Haufen Plunder wurde uf dem Weg der Massenproduktion und Massenvermarktung unter die Leute gebracht. Diese Form der angewandten wissenschaftlichen Abstraktion entfaltete eine unglaubliche Anziehungskraft.
Die Bildungsbürger, die Kultivierten und Kulturbeflissenen setzten dem noch eins drauf, indem sie die Ästhetik formalisierten und Kunstwerke von nun an nach formalästhetischen Gesichtspunkten wie Farbigkeit, Form, Komposition beurteilten. Politik und Gesellschaft hatten innerhalb der nach wie vor vergoldeten, schweren Rahmen nichts zu suchen, sondern wurden einem eben so abstrakten Kunstbegriff geopfert, der nur noch eine kleine künstlerische Avantgarde interessierte. Der Modernismus verkam zum elitären Klub, zum Kulturkult. Die sozialen und wirtschaftlichen Folgen, die sich daraus ergeben, hat Bourdieu im Detail nachgewiesen.
Wie die moderne Kunst gelangte die Wirtschaft zu dem Schluss, alles ausserhalb des Rahmens ignorieren zu können. In der Sprache der Wirtschaft heisst das Gewinnmaximierung. In einem globalen Wirtschaftssystem, das von globalen Netzen zusammengehalten wird, ist es fatal, die Wirtschaft von der Gesellschaft abzuspalten und unbeirrt rein ökonomischen Zielen nachzujagen; dafür sind Wirtschaft und Gesellschaft viel zu stark miteinander verflochten. Einerseits ist Oekonomie tief in den sozialen und historischen Kontext eingebettet, andererseits wird unsere Gesellschaft physisch, psychisch und geistig von der unternehmerischen Tätigkeit, finanziellen Idealen und andern wirtschaftlichen Phänomenen durch und durch geprägt.
Wir haben hier ein Globalisierungsproblem II. Art: Während dem normalerweise das Problem der Globalisierung kritisiert wird, weil geld-mächtige ausländische Investoren lokale Märkte niedermachen (ausnehmen), zeigt sich hier die andere Seite. Kriegen es Investoren/Unternehmer nicht mehr hin, auf dem eigenen Markt notwendige, aber schwierig zu finanzierende Produkte anzubieten, wursteln sie lieber auf fremden Märkten rum, um zu sehen, ob dort leichter was zu holen ist. Für den Lokalmarkt wichtige Produkte werden so nicht mehr erstellt. Ein Problem, das mit der Konzentration der Presse sich noch verstärken wird.
In der 4. Juniwoche stellte auch FACTS das Erscheinen ein. ... In dem Fall: Scheiss drauf, denn FACTS war genau so wenig ein Ersatz für CASH wie die vom neuen CASH-Liquidator publizierten und propagierten BILANZ und STOCKS, die absolut unkritisch dem Börsenspiel huldigen, Kritik nur anbringen, wenn eine Firma die von ihr erwartete "Performance" nicht bringt, und zwar innert kürzester Zeit. Da werden z.B. Novartis und Nestle zu den grössten Wertvernichtern deklariert, weil sie für einige Jahre die Erwartungen der "Investoren" nicht erfüllt haben. Diese Betriebe sind internationale Giganten, über 100 Jahre alt, sie auf Grund ungenügend erscheinender Ueber-überrendite, also dem was über die "normalen" Erwartungen + "Bonus" hinaus erwartet wird ... als "Wertvernichter" zu klassieren ist schlichtwegs dämlich - und gefährlich, denn hier wird Gier gleichsam bürokratisiert und zur Norm gemacht. Rein propagandistisch ist der personalisierte Stil, der allgemeine wirtschaftliche Zusammenhänge total vernachlässigt, ja geradezu verdeckt, mit ach so wichtigen Aussagen wie: "Pro Monat verdiente ich 300 Franken netto" ...am liebsten ist er Bratwurst mit Rösti ... etc.