Chancen für mehr Internet-Journalismus / Online-Journalismus | Relevanz | Professionalität | Aktualität | Vielfalt | |
öffentlich Presseboulevard |
thematisch, cognitiv auf Ebene Gesellschaft (Macro) und Organisation (Meso) private Themen (micro), partikulär: personalisierend (Spektakuläres), emotionalisierend:
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Die Sonntagszeitungen, das Magazin sowie die Abonnementspresse bewahren professionelle Qualitätsstandards und vermitteln zu einem wesentlich höheren Anteil selbsterstellte und zuzuordnende Beiträge. Damit tragen sie wesentlich zur Forumsfunktion, zur Kritik- und Kontrollfunktion und zur Integrationsfunktion öffentlicher Kommunikation bei. Der Siegeszug der Gratispresse in der Deutschschweiz und noch stärker in der Suisse Romande bedeutet einen grundsätzlichen Professionalitätsverlust in der schweizerischen Presselandschaft. Generell finden sich rechercheintensive Reportagen und Porträts sowie meinungsbetonte Beiträge selten. Bei diesen ressourcenintensiven Darstellungsformaten lässt sich neben den Sonntagszeitungen, die mit einem Anteil von 25% noch am besten abschneiden, eine eigentliche Marginalisierung feststellen. Manifest ist hier ein Mangel an redaktionellen Ressourcen und journalistischer Kompetenz. Die Wirtschaftsberichterstattung ist sowohl bei den Boulevard- als auch bei den Gratisblättern marginal, episodisch und aus Agenturberichten zusammengesetzt. Die Weltwoche verkauft sich ausgesprochen stark über dem moralisch-emotionalen Modus auf der Frontseite, sie schlägt diesbezüglich sogar den SonntagsBlick. Das Qualitätskriterium kognitiv-normativer versus moralisch-emotionaler Berichterstattungsstil zeigt bei der Analyse der Pressetypen und -titel, dass diejenigen, die ausgeprägt den moralisch-emotionalen Stil favorisieren, eine episodische Informationsvermittlung betreiben und auch Human-Interest- und Sportthemen überdurchschnittlich bewirtschaften. Diese Medien, d.h. die Gratis- und Boulevardzeitungen und der Sonntagsboulevard, beleuchten darüber hinaus auch politische und wirtschaftliche Themen auf den Frontseiten überwiegend im Modus des episodischen und bereiten sie moralisch-emotional auf. |
Zusammenfassend zeigt sich ein hoher Anteil episodischer Berichterstattung bei allen Pressetypen, was auf einen hohen Aktualitätsdruck über alle Mediengattungen hinweg schliessen lässt. Im Vergleich bieten jedoch die Sonntagszeitungen sowie das Magazin und dann die Abonnementszeitungen am meisten einen Journalismus, der Ereignisse kontextualisiert und UrsacheWirkungs-Zusammenhänge vermittelt. Beinahe ausschliesslich episodisch präsentiert sich die Berichterstattung in den Gratis- und Boulevardblättern. Gar vollumfänglich trifft dies auf die Wirtschaftsberichterstattung zu.
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Das Kulturressort als Feuilleton wird nur noch als Ausnahme gepflegt und geht ansonsten in Ausgangstipps, Programm- und Veranstaltungshinweisen auf. Der Human Interest ist in den Gratiszeitungen noch bedeutender als bei den Boulevardzeitungen. Erstere konkurrieren Letztere also in ihrem Kerngeschäft. Trotz der in den 1990er Jahren gewachsenen Wirtschaftsressorts ist die Wirtschaftsberichterstattung im Vergleich klein: News, Human Interest und Sport sind wesentlich bedeutender als die Auseinandersetzung mit den ökonomischen Grundlagen des Lebens. Auffallend ist die dominierende Binnenorientierung der Politikberichterstattung in der Presse. Das Weltgeschehen tritt auch bei den Abonnementszeitungen (mit den Ausnahmen Le Temps und NZZ), insbesondere zugunsten der Regionalberichterstattung, zurück. Die Thematisierung des Regionalen ist bei vielen Titeln gleichzeitig mit einer Orientierung am Human Interest statt an politischen, wirtschaftlichen oder kulturellen Themen verbunden. Nur noch einige wenige Titel der Abonnementspresse sorgen in diesem Sinne auf ihren Frontseiten für eine vielfältige und relevante Thematisierung und tragen zum «Lernen von aussen» sowie zur Kritik und Kontrolle auch im nationalen und regionalen Raum bei. |
öffentlich
Online
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Im Mediengattungsvergleich neigen die Onlineinformationsangebote deutlich stärker zu einer personalisierenden und privatisierenden Berichterstattungslogik als die Presseausgaben – besonders in den aufmerksamkeitssteuernden Einstiegsseiten (Newsressort). Die Boulevardisierung im Onlinebereich manifestiert sich nicht nur in der Auswahl (vgl. Kapitel V.2.1.1), sondern auch in der Darstellung von Inhalten. Zudem zeigt sich im Online eine überdurchschnittlich starke medienpopulistische Problematisierung des Fremden. Es dominiert die Akzentuierung einiger weniger Topthemen mit klarer Ausrichtung auf Softnews. Gesellschaftsrelevante Themen, die einer politischen Problembearbeitung bedürfen, sowie aussen- und wirtschaftspolitisch relevante Themen werden online deutlich weniger stark bewirtschaftet als dies in den Printausgaben der Fall ist. Der Beitrag zur Aufklärung und Orientierung der Schweizer Öffentlichkeit mit anspruchsvolleren Themen muss insgesamt als bescheiden eingestuft werden. Dass online nur noch einige (wenige) Themen von schweizweiter politischer Relevanz sprachregional übergreifende Aufmerksamkeit erhalten, mindert die Integrationsfunktion öffentlicher Kommunikation. |
Der Onlinebereich ist durch einen stark aufmerksamkeitsheischenden, boulevardesken Berichterstattungsstil geprägt. Alle Onlinetypen weisen durchwegs höhere Werte moralisch-emotionaler Berichterstattung auf als ihre verwandten Pressetypen ( Als Folge der im Online vorherrschenden «Klickmentalität» sind Onlinejournalisten besonders stark bemüht, die Nutzer mit emotionalisierenden Darstellungstechniken an ihr Medium zu binden. Insbesondere bei den Newssites der Boulevardmedien dominiert aufgrund der starken Gewichtung der Human Interest-Berichterstattung eine partikuläre Berichterstattungslogik. Damit verstetigt sich das Bild, dass die Onlineinformationsangebote in den Kernressorts insgesamt weniger vielfältig (vgl. Kapitel V.2.1.1), weniger relevant (vgl. Kapitel V.2.2.1), weniger kontextuierend (vgl. Kapitel V.2.3.1) und weniger professionell sind als die verwandten Informationsangebote in der Presse. |
Das Informationsangebot der Onlinemedien ist durch die Marginalität von Hintergründen geprägt, die das Geschehen auf ihre Ursachen hin beleuchten, mögliche Folgen abschätzen und damit ein vertiefendes Verständnis ermöglichen. Das gattungsspezifische Aktualitätsdiktat mitsamt den mangelnden Ressourcen sowie das Wissen um die gerade auch dadurch geförderte «Klickmentalität» der Onlinenutzer erfasst die journalistischen Produktionsroutinen so stark, dass politische und wirtschaftliche Zusammenhänge nicht mehr prozedural abgebildet werden. Die für das Funktionieren des demokratischen Gemeinwesens notwendige adäquate Orientierung an gesellschaftspolitischen Prozessen findet nur unzureichend statt. Onlinemedien leisten im Vergleich zur Presse weder einen Beitrag zur Wahrnehmung und Diskussion von aufkeimenden lösungsbedürftigen Problemen (Forumsfunktion) noch zur Validierung der rechtsstaatlichen Institutionen (Kontroll- und Legitimationsfunktion). Der Onlinebereich kann damit weiterhin nicht als «Politisierungsmedium» charakterisiert werden Das Gratisangebot der Newssites ist in journalistischer Hinsicht tatsächlich billig. |
Bei allen Onlinemedien nimmt die Boulevardisierung zu, die Zunahme ist aber bei den Onlinemedien der Boulevardpresse am grössten. Seitens der Produzenten wird die verstärkte Softnewsorientierung durch finanziell und personell gering ausgestattete Redaktionen, die mehrheitlich aus journalistischen Neu- und Quereinsteigern bestehen, gefördert (vgl. Kapitel V.1). Die Wachstumsdynamik des Onlinebereichs vor allem bei der jungen Alterskohorte auf Kosten der Presse und des Radios (vgl. Kapitel I.1 und Kapitel V.1) lässt negative Sozialisationseffekte bei den Nutzern erwarten. Die Newssites der Boulevardmedien sind durch eine noch stärkere strukturelle und inhaltliche Vernachlässigung politischer und wirtschaftlicher Themenbereiche zugunsten einer Human Interest-Berichterstattung über Unfälle, Verbrechen und lebensweltliche Kuriositäten charakterisiert – auch im Politikressort. Diese Berichterstattungslogik führt zu einer Marginalisierung von Vorgängen in Ökonomie und Politik. Die Newssites der Boulevardmedien leisten damit sowohl strukturell wie auch inhaltlich einen geringen Beitrag zur Wahrnehmung und Diskussion der lösungsrelevanten Probleme einer Gesellschaft. Sie kommen so der seismografischen Forumsfunktion noch in geringerem Mass nach als ihre Pendants der Presse. Die Newssites der Gratismedien schliesslich pflegen einen Journalismus, der durch einen «Spagat» zwischen Informations- und Unterhaltungsorientierung charakterisiert ist. Auf struktureller Ebene weisen sie einen noch höheren Anteil an Human Interest auf als die Boulevardmedien. |
öffentlich
Fernsehen
boulevard |
Infotainment, Personalisierung und Emotionalisierung - Lokalisierung, Partikularisierung und EventisierungWährend die Privatsender sich aber auf einige wenige «Topthemen» konzentrieren, die personalisierend, skandalisierend und emotionalisierend aufgemacht werden können, und auch sonst Themen aus Sport und Human Interest bevorzugen, leisten die Sendungen der öffentlichen Fernsehanstalten einen höheren Beitrag zur Beleuchtung relevanter Vorgänge. Allerdings ist diese Leistung im Vergleich zu den entsprechenden öffentlichen Sendern im Radio insofern geringer, als die Berichterstattung personalisierter, konflikt- und skandalzentrierter und gleichzeitig auch episodischer ist
Ausnahme Léman Bleu |
Der im Gattungsvergleich hohe Anteil moralisch-emotionalen Berichterstattungsstils im Fernsehen kommt einerseits über die Berichterstattung in 10vor10 als jüngstem Nachrichtenformat des öffentlichen Fernsehens mit einer stärkeren Infotainmentausrichtung zustande. Andererseits – und noch deutlich stärker – tragen hierzu die privaten Sender bei, die ihre Themen – gerade auch jene zur nationalen Politik – überwiegend aus der Perspektive von Betroffenen erzählen und entsprechend moralisch-emotional aufladen. | Die Voraussetzungen für eine thematisch orientierte, also einordnende Berichterstattung in allen öffentlichkeitsrelevanten Informationsbereichen sind nur in den wöchentlichen Informationsprogrammen des öffentlichen Fernsehens gegeben (20h, private nur 3h). Die Foren spielen im Informationsangebot des Privatfernsehens eine wichtige Rolle. Sie dienen der Politisierung aktueller Fragen und leben von der moralisch-emotionalen Aufladung sowie der Konfliktstilisierung. Das Privatfernsehen Léman Bleu produziert als einziger privater Anbieter – wenn auch mit einiger öffentlicher Unterstützung – ein Kulturforum. Auch die gesellschaftspolitischen Foren des öffentlichen Fernsehens unterliegen den medialen und politischen Inszenierungslogiken, während die Foren zu Kunst, Medien und Religion stärker der diskursiven Auseinandersetzung dienen. Im Gattungsvergleich insgesamt zeigt sich, dass das Fernsehen generell eine hohe Affinität zur episodischen Berichterstattung hat. |
Die Vielfalt von Formaten und spezialisierten Inhalten im Informationsangebot der Fernsehveranstalter ist grösser als beim Radio. Im Vergleich des privaten und öffentlichen Fernsehens ist erstens die Spezialisierung der öffentlichen Sender auf Kultur sowohl im Magazin- als auch im Forumsformat sowie die vertiefende Informationsvermittlung durch Politik- und Newsmagazine auffallend. Zweitens zeigt sich beim Privatfernsehen ein starkes Gewicht von Magazinen mit Fokus auf Human Interest und umgekehrt eine stärkere Bedeutung von Human Interest-Foren im öffentlichen Fernsehen. Darin spiegelt sich ein Trend zur Ausdifferenzierung von Infotainment-Sendungen. Drittens ist die Spezialisierung aller Informationsformate bei den Privaten auf den relevanten Bereich der Wirtschaft gering und es überwiegt der Modus des Dienstleistungsjournalismus. Nur wenige Programme, vornehmlich jene des öffentlichen Fernsehens, vermitteln einmal wöchentlich vertiefende Informationen zur Wirtschaft. |
öffentlich
(Radio)
boulevard |
Nur die Radiosender der SRG, kaum aber die Privatradios, sorgen dafür, dass die drei Sprachregionen darüber hinaus in ähnlicher Weise über wichtige globale und Probleme anderer Länder informiert werden. Spezialisierte Informationssendungen namentlich zu Politik, Wirtschaft und Kultur sind generell selten. Privatradios senden in den Nachrichten primär Agenturbeiträge. Das Privatradio ist spezialisiert auf Sportereignisse, personalisier- und skandalisierbare Konflikte sowie Bedrohungsszenarien wie die Schweinegrippe. |
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Die öffentlichen Radiostationen schaffen primär in den Magazinformaten die Voraussetzung für eine thematische Berichterstattung, die Raum für eine Kontextualisierung und Vermittlung von Hintergründen lässt. Dagegen überwiegt auch bei den öffentlichen Sendern – mit Ausnahme von La 1ère – das Episodische in den kurzen Nachrichtenformaten. Dadurch werden die Bedingungen für eine qualitativ hochstehende Aktualitätsorientierung verschlechtert. Privatradios tendieren zu einer auf Kürze und Neuigkeiten ausgerichteten Programmierungsstrategie. Bei den privaten Sendern besteht kaum Raum für eine vertiefende und Hintergrundinformation vermittelnde Berichterstattung. |
Der Umfang und die formale sowie inhaltliche Vielfalt des Informationsangebots der öffentlichen Radioveranstalter sind deutlich grösser als jene der Privatradios. Allerdings ist das Informationsangebot des öffentlichen Radios durch eine geringe inhaltliche Spezialisierung auf die relevanten Gesellschaftssphären Politik, Wirtschaft und Kultur gekennzeichnet. Es dominieren ein Dauerstrom von News bei struktureller Vernachlässigung von spezialisierten Formaten sowie Inhalte, die partikuläre und unterhaltende Bedürfnisse bedienen. Das gilt, wenngleich in weniger ausgeprägter Form als beim privaten, auch für das öffentliche Radio. So spielt die relevante Auslandsberichterstattung nur eine geringfügige Rolle, die Thematisierung nationaler Vorgänge wird kaum anhand von Hintergrundinformationen vorgenommen, und die Thematisierung des Regionalen ist bei der Mehrzahl der Titel gleichzeitig mit einer Orientierung am Human Interest statt an politischen, wirtschaftlichen oder kulturellen Themen des regionalen Raums verbunden. Die relevante Inlands- und Auslandsberichterstattung erhält bei den öffentlichen Sendern der Deutschschweiz hingegen hohe Beachtung. Dies ist in der französisch- und der italienischsprachigen Schweiz, wo die Orientierung am Human Interest generell höher ist, etwas geringer. Die öffentlichen Radiosender kompensieren also ihr strukturelles Defizit an spezialisierten Sendungen über Politik, Wirtschaft und Kultur durch ein insgesamt vielfältiges Angebot an relevanten Themen. |
Nachdem die Situation betr. qualitativ hochwertiger Information offenbar bei den meisten Medien ziemlich im Argen liegt, fragt es sich doch, woher denn der informierte Stimm-Bürger die Informationen kriegt, nach denen er Gesellschaft, Staat, Wirtschaft und Kultur weiter entwickeln, also gestalten will. Ich vermute, die meisten werden darauf tippen, dass da dann eben Bücher zuständig seien, in denen sich eh die relevantere und nicht am Tag orientierte Information findet. Leider kommen wir mit der Annahme auch nicht viel weiter:
Bücher und Zeitschriften werden zwar, anscheinend, von einer grossen Mehrheit der Bevölkerung gelesen. Aber macht man sich bewusst, dass z.B. die Frage, nach der Zeitungslektüre bereits positiv beantwortet wird, wenn jemand bloss 1 Zeitung pro Jahr liesst, zeigt dass, das hier die Zahlen ziemlich nichtssagend sind. Dazu ist die Analphabetenquote in der Schweiz bedeutend höher als 3%, nämlich 10 bis 16%.
Von der Auflage her müssten allerdings alle dahinter, da tagtäglich über 2 Millionen Zeitungen gedruckt werden (1.2 Millionen schon bei 20 Minutes) Details s. wemf
Sehen wir uns die Häufigkeit an, mit der Zeitung gelesen wird, kommen wir der Sache schon etwas näher. Hier sind es noch 3/4 die täglich eine Zeitung lesen - wozu allerdings vor allem Käseblätter wie 20 Minuten und dergleichen gehören.
Bei den Büchern zeigt sich allerdings das Selbe wie bei den Weiterbildungskursen: Es sind vor allem diejenigen, die bereits über Wissen verfügen, die dieses weiter entwickeln. Mit dem Alter lässt das Lesen deutlich nach, was für das Abstimmungsverhalten einer überalterten Gesellschaft auch nicht grad das Beste ist.
Erfreulich jedoch ist, dass zumindest Bücher nicht nur dann gelesen werden, wenn sie ein berufliches Weiterkommen versprechen - was bei Kursen (s. berufliche Weiterbildung) ganz eindeutig so ist. Unerfreulich für die Berufsverbände (und vermutlich Arbeitgeber) ist jedoch, dass es über 50% der Bürger nicht für nötig erachten, ab und zu ihre Kenntnisse aufzufrischen.
Nur 10-20% der Bevölkerung lesen mehr als 12 Bücher pro Jahr, also mehr als ein Buch pro Monat.
Zu einem Bibliotheksbesuch rappelt sich frau leichter auf als man. Diese Lust nimmt mit dem Alter rapide ab - mit Ausbildungsniveau und Einkommen zu.
16% der Bevölkerung haben 2008 allerdings weder eine Bibliothek besucht noch Bücher gelesen.
Die Universitätsbibliotheken leihen jährlich 3 Millionen Bücher aus, also knapp ein halbes pro Kopf der Bevölkerung. Sehr breit kann hier die Weisheit auch nicht gestreut sein.
Die grössten Bibliotheken sonst leihen pro Jahr etwas mehr als 2 Millionen Bücher aus, Universitätsbibliotheken deren 3 ... Kommentar überflüssig.
Vor Jahren schrieb ich mal einen Artikel:
http://www.brainworker.ch/Wissen/volkswissen.htm
In Anbetracht der Faktenlage sieht's darum aber schlecht aus.
Kurzum, wenn das Schweizer Volk sich von den Banalitäten der SVP derart über den Tisch ziehen lässt, so liegt das nicht bloss an fieser Rhetorik der Partei. Gerade die unter Qualität der Medien in der Schweiz beschriebenen Schwächen unserer Medienlandschaft verstärken eigentlich den populistischen Ansatz dieser Partei:
Man könnte sich natürlich auch fragen, ob die Leute vielleicht all die Bücher grad kaufen, die ihnen Wissen vermitteln, das sie sich wünschen. Immerhin gibt jeder SchweizerIn pro Jahr 250 Fr. aus für Bücher. Allerdings in immer weniger Buchhandlungen. Die Darstellung oben geht ja nur bis 2005. Inzwischen dürfte Thalia völlig dominieren, denn auch diese Zahlen hier stammen von 2008 - ausser Weltbild/Jokers (Firma in Deutschland niedergelassen) macht mit seinem Versand noch bessere Geschäfte.
10'000 schreiben sogar Bücher:
Die Nutzung von Büchern nimmt, ganz entgegen den Erwarungen, ab. Die Hälfte der Bevölkerung nutzt Bücher weniger als 1 x pro Woche bis gar nie.
Allerdings gilt bei Büchern wie bei Zeitungen und Kursen: Wer schon viel weiss, will mehr wissen.
Wissensgesellschaft, wo steckst Du?
Martin Herzog, Basel, 12.9.2010