Chancen für mehr Internet-Journalismus / Online-Journalismus - Internetjournalismus II:

Internetjournalismus findet statt, mit Erfolg, das allerdings eher in Südamerika als hier

[Erbsen, Giner, Senor, Torres: Zeitungsinnovationen 2010. Jahresbericht der Innovation International Consulting Group für den Weltverband der Zeitungen und die Zeitungsherausgeber. (WAN/IFRA). www.oberauer.com

Die Aufgabe, die marktorientierte Medien lösen müssen, heisst: Ihren Lesern, Zuhörern, Zuschauern (multimedial) einen einzigartigen, nicht zu ersetzenden Nutzen und/oder Sinn durch ihre Inhalte zu bieten. Der Zielgruppe soll das Leben erleichtert oder besser ausgefüllt werden, so dass sie glaubt, nicht mehr ohne dieses Medium leben zu können. (frei nach S. 3).

Digitale Anwendungen öffnen die Tür für neue aufregende Erzählformen:

  1. Die Fähigkeit, grosse Datenmengen zu organisieren
  2. Interaktivität
  3. Einbezug des Lesers in die Erstellung von Informationen (Selektion, Formulierung, Präsentation, Wertung/Kritik)
Die heute zu berücksichtigenden Formate sind:
Produktion Nutzer
  1. Video
  2. Audio
  3. Graphik
  4. Design
  5. Photo
  6. Programmierung
  1. Print
  2. Online
  3. Mobile
  4. Tablet

El Tiempo (CEET), Kolumbien: 100 Jahre alt, grösstes Multimedia-Unternehmen in Kolumbien. Tägliche Auflage 240'000, Sonntags 440'000. Brachte 2009 die Gratiszeitung AND auf den Markt, 300'000 Exemplare. 2009 marktführender Nachrichten- und Informationsdienst Kolumbiens für Mobiltelefone. Mehr als die Hälfte der kolumbianischen Internetuser nutzen einen der 18 Informations-, Transaktions- oder Serviceportale.

> Warnung: Kommerziell ist das toll - aber was Markbeherrschung der Meinungsmache betrifft, vielleicht doch eher genau so bedenklich wie Berlusconi's.

i - Portugal: Gegründet 2009 von Sojormedia (Diario Economico), für 18 Millionen $ (75 Journalisten, 35 Mitarbeiter im Bereich Betriebswirtschaft). Das i stammt übrigens von INNOVATIONS, nicht von Information. Die kompakte Zeitschrift zieht vor allem junge Leser an. Sie brach dafür mit manchen Zeitungsregeln, beginnt z.B. mit Meinungsseiten (A: DENKEN), gefolgt von einem Briefing-Bereich (B: BEGREIFEN) und dann vier bis sechs aufsführlicheren Titelstories (C: Verstehen). Den Abschluss bilden Urbanes und Lifestile, Unerhaltung, Sport und Spiel (D: SPIELEN). i hat nur 1/3 des Umfangs seiner Hauptkonkurrenten. Umfragen haben jedoch gezeigt, dass dank der radikalen Informationsauswahl und des sehr graphischen Präsentationsstils die Leser i weitaus mehr Zeit widmen als irgend einer anderen portugiesischen Zeitung. Der Wunsch der Leser geht nach noch stärkerer Kürzung - das Motto der Zeitung heisst demzufolge: Zeigen - nicht reden! Dies geschieht mit ausgeklügelten Infographiken, dramatischen Bildern oder bedeutsamen Illustrationen.

Einfacher haben es die Sportzeitungen, die sich eh nur mit Spielen befassen. Diese gedeihen in Spanien und Italien wie die Mäuse im Haferstroh, da hier das "Community-Bulding" viel einfacher ist. Record nutzt dazu visuellen Journalismus in seiner besten Form: Dramatische Bilder, kreative Informationsgraphiken, Sprache der Videospiele.

Empfehlenswerte Links zu Südamerikanischen Webpräsentationen (drum halt auf Spanisch)

Well, hier auch grad die Grenze der Begeisterung. Das sind 8 von 58 die mir ein anonymer Sender mal geschickt hat. Die andern 50 sind sämtliche für Verschwörungstheoretiker und Esotheriker. Es ist also auch, vielleicht fast noch mehr eher, für gute Websites schwierig, sich aus diesem Sumpf zu erheben.

10 Tips für die IT-Abteilungen von Zeitungen

  1. Im Moment ist nicht die Zeit für "grosse Lösungen" oder Fünfjahrespläne, sondern für den Einsatz von Programmen, die leicht anzuwenden und zu vernetzen sind.
  2. Bereiten Sie ihr IT_Personal auf die täglichen Aufgaben vor und greifen sie wenn nötig auf externe Mitarbeiter zurück
  3. Wählen sie die besterhältliche Technologie aus, benutzen Sie sie sofort und wechseln sie, sobald sie etwas besseres finden.
  4. Nutzen Sie die Technologie für neue Erzählformen.
  5. Erhöhen Sie die Benutzerfreundlichkeit
  6. Flexibilität: Jede Mögliche Plattform soll gewählt werden können: Website, Mobile, Twitter ...
  7. Werden Sie Entwickler für Anwendungen
  8. Erweitern Sie den Horizont des technischen Personals
  9. Klinken Sie sich in ein bereits bestehendes Publikum ein
  10. Nutzen Sie Anwendungen, die Inhalte in einen bestimmten Kontext setzen. (Informationsabruf, Data Mining, Konzeptsuche, Tagging ...)

12 Designkonzepte f'ür das iPAD

  1. Inhalt ist alles (content is king)
  2. Neue digitale Erzählformen und eine neue Grammatik
  3. Nachrichten, die sie lesen, ansehen und anfassen können.
  4. Es ist leise, es sei denn, sie wollen Sound
  5. Ein Tablet-PC ist keine Website
  6. Die 70/10/20-Formel: 70% muss ohne grosse Veränderung aus der Printausgabe übernommen werden können, 10% stammt aus traditionellen Printabschnitten, die leicht digitalisiert werden können, wie etwa Kreuzworträtsel; Wetter etc. 20% werden von vornherein als Multimedia-Paket entwickelt, also perfekt auf den Konsum per Tablet abgestimmt.
  7. Das Kerntablet-PC-Team in der Nachrichtenredaktion.
  8. Eine Zeitung, viele Apps.
  9. Denken Sie an das Werbeerlebnis
  10. Lassen Sie ihre Leser ein paar verborgene Funktionen entdecken.
  11. Machen Sie den Betatest.