Logik, Dialektik und Rhetorik
 sind Technik der Vernunft -
Argumente das Fundament.

Der Internet-Verlag, oder die Frage zum E-BOOK:

Wann ist ein Buch ohne Einband und Rücken, ein Buch ohne Papier, dennoch ein Buch?

Wulf D. v. Lucius: Verlagswirtschaft. UVK, UTB 2652. Konstanz 2005

  • Ist ein Buch erfolgreich, liegt es am Autor (oder Lektor), ist es erfolglos, liegt es an unzureichender Werbung. Lucius
  • Bücher von heute sind morgen Taten. Heinrich Mann
  • Kein Buch ist so schlecht, dass es nicht irgendeinen Nutzen brächte. Plinius d.J.

Bücher bewegen Ideen. Sie sind notwendig für die Entwicklung unserer Gesellschaft und deren Ideale. [Lucius] - Journalisten sind die einzigen permanent angestellten Politiker (s. Max Weber).

Das geschriebene, wie logischerweise das gesprochene Wort, motiviert zu Tagen. Das geschriebene dürfte dabei etwas dauerhafter in seiner Wirkung sein. Doch auch hier gibt es Unterschiede. Während sich die Presse fast tagtäglich selbst widersprechen darf, wird vom Buch doch eine beträchtliche Haltbarkeit erwartet, auch was seinen Inhalt angeht. Zudem kann das Zeitungs-Blatt (wie die web-page, die eigentlich ein Lose-Blatt-Werk ist) ihren Themenbereich relativ beliebig wählen, Querschnitte, Überblicke, Verknüpfungen bilden und Auswahlen treffen, ohne dass der Zeitung vorgeworfen wird, sie berichte echt über Kraut und Rüben. Denn genau dies macht ja den Reiz des Tagblattes aus, nebst hoher Politik auch Berichte über niedrige Gesinnung, delikate Küche, schmieriges Wirtschaftsgebaren und die heilige, manchmal auch bloss scheinheilige, Kirche zu finden. Im Gegensatz zum Buch, das meist einen recht rationalen Aufbau, und als Sachbuch auch einen entsprechenden Inhalt hat, setzt der Zeitungsartikel andere Schwerpunkte. Er muss vom ersten Satz her fesseln, darum kommt das Spannende zuerst, die Erklärungen, wenn überhaupt, hinterher. Journalistisches Training beinhaltet folgerichtig auch ein umfangreiches Training im Formulieren von Emotionen, emotional anregenden Texten, da - je Boulevard desto - eher Gefühle angespitzt werden, also mit Emotionen gearbeitet wird, als mit kühlem Denken die Realität beschrieben. Genau umgekehrt geht der wissenschaftliche Berichterstatter vor. Da wird nie von einem Ich etwas gemacht oder gedacht, sondern es ist immer ein pseudoneutrales (da inexistentes) es oder man, das entscheidet und handelt. Der wissenschaftliche Bericht basiert noch heute auf der schlaf anregenden Dramaturgie: Problemstellung, Methode, Resultate, Kommentare/Interpretation, und die kurz gefasste Aussage lässt sich meist zusammen fassen zu: Wir können eigentlich nichts sagen ... und brauchen grad darum dringend weitere Forschung.

Brainworker's
1. Syntheseraport
als E-Book. 68 S., Fr. 4.80/Euro 3.20:

Nur wer Vermögen hat, hat auch das Vermögen, etwas zu bewirken. Den andern bleibt Ohnmacht. ...

In Grösse und Format so etwa zwischen Einzel-Blatt und Buch liegt die Zeitung, (das Zeitungs-Blatt), als geheftete Blätter- und Artikelsammlung, wie das Heft und die Zeitschrift, die im extremen Fall: Lettre International, mit einem Format von 27x36cm, also aufgeklappt 54x36cm, und 120-140 Seiten aufwarten kann. Ich liebe das Format ....

Was also macht ein Buch zum Buch? Eigentlich nichts anderes als sein Format: Eine fest geheftete Sammlung von Blättern, mit Buchdeckel und Buchrücken. Das E-Book ist so betrachtet eigentlich ein Anachronismus, denn dieses besteht ja eigentlich aus nichts, also aus einer Sammlung von 0 und 1 - die aber so ausgelegt ist, dass sie wie ein Buch aussieht. Die Definition von www.buch.ch geht da an der Sache ziemlich vorbei: Ein ebook ist die elektronische Ausgabe eines "echten" Buches. Diese Auffassung dürfte präzise das Problem sein, warum die Entwicklung der E-books bisher so wenig gedeihlich verlief, denn es gibt wenig Gründe, ein Buch das als Buch geschrieben und als solches gedruckt wurde, nun am Computer sitzend zu lesen, trotz der Begründungen:

Warum ebooks?

Am besten man schlägt das Buch erst gar nicht auf, wenn man damit die Zeit totschlagen will.

Joachim Panten, (*1947), deutscher Aphoristiker und Publizist. Aus: Aphorismen

Das E-Book ist ein virtuelles Buch - und hat als solches weitaus mehr Möglichkeiten der Gestaltung, die man auch nutzen sollte. Es kann z.B. auch Ton und Film enthalten. Es kann fast beliebig gross oder klein gestaltet werden. Nehmen wir etwa den Inhalt von diskussionsforen-brainworker. Aus den so ca. 8000 Seiten A4 könnte man also 10 lexikalische Bände mit 800 Seiten, 20 dicke Bücher mit 400 Seiten, 40 normale Bücher mit 200 Seiten, 80 Büchlein mit 100 Seiten, 160 Hefte mit 50 Seiten, 320 Artikel mit 25 Seiten - oder, wie zur Zeit der Fall, 640 Webseiten mit durchschnittlich 12 Seiten Druckumfang herstellen. Jede Stufe verlangt zusätzliche Integrationsleistung. Der Verkauf von E-Books findet hier also eine weitere Berechtigung, da mit zunehmendem Umfang der Infos auch mehr Synthese nötig ist, also ein deutliches Mehr an Leistung geboten wird. In einer ersten Phase werden also vor allem Beitrage im Umfang von 20 bis 70 Seiten entstehen und erst in einer 2. Phase wirkliche E-Bücher mit 200 Seiten und mehr. Bereits ein Text von 60-70 Seiten erlaubt eine unglaublich höhere Synthese als das was man Lesern von Zeitschriften und Zeitungen zumuten darf.

Beim Einzeltext verhält sich die Sache eher umgekehrt. Zumindest Leute mit Phantasie und überblick schreiben weitaus leichter und schneller einen Aufsatz von 14'000 Zeichen, als einen mit 6000. Ich brauch für zweiteres doppelt so lange wie für ersteres. Der Kurzhappenjournalismus, wenn er Qualität bieten will, ist also eine recht anspruchsvolle Angelegenheit.

Von einem Buch wird erwartet, dass es sich um ein einigermassen konsistentes, abgeschlossenes Stück Schriftwerk beträchtlichen Umfanges handelt. Ein Buch muss zitierfähig, also dauerhaft (persistent) sein.

Das E-Book scheint mir ein optimales Mittel zur textgebundenen Wissensvermittlung.

Diese Definition könnten wir also auch auf das E-Book anwenden, auch wenn Einband und Papier ganz fehlen. Hier ist die Webpage dem E-Book voraus, denn verlässlich verlinkbare Webseiten sind besser zitierbar als Seiten in den doch veränderlichen E-Books.

Wo nehme ich nur all die Zeit her, so viel nicht zu lesen?

Karl Kraus

Wichtigstes Merkmal des Buches ist und bleibt so, dass es eine Einheit ist. Mit der Postmoderne, dem Ende der Meistererzählungen, müsste es also gestorben sein. Dem ist aber nicht so. Es gelingt uns zwar immer weniger, die Widersprüche unter einen Hut zu bringen - aber wir können nicht überleben, wenn wir es nicht doch bis zu einem gewissen "sinnminimalen" Mass schaffen.

Nehmen wir als Beispiel das Buch der Bücher, das Erste Ziel und Opfer des Buchdrucks, die Bibel. Sie ist ein Welt-Bild, in dem Sinne, als sie uns beschreibt, wie die Welt ist, sein sollte, sein könnte - und wie wir uns darin zu verhalten haben. Das selbe gilt für den Koran und andere religiöse Grundlagen. Gerade weil die Gläubigen von diesen annehmen, sie bestünden seit ewig und seien Gottes Wort, gibt es immer wieder solche, die sich die Autorität dieser Worte anmassen um damit über andere zu herrschen. Dagegen hilft nur das Festhalten an der Gesamtheit des Werkes, die nicht erlaubt, einzelne Aspekte herauszunehmen, zuzuspitzen und damit unliebige Zeitgenossen aufzuspiessen. Ähnliches dürfte helfen, wenn wir die Grundlage der heutigen Weltreligion, des Kapitalismus, nämlich Adam Smith's The Wealth of Nations eben als Buch, als Ganzes, und nicht als Sammlung beliebig zerteilbarer Aussagen auffassen. Für Adam Smith war Ökonomie nämlich Teilgebiet der Ethik - und die "Gesetze der unsichtbaren Hand" also bei weitem nicht so ephemer, wie sie heute interpretiert werden.

Für die postmoderne Wissenschaft wird interdisziplinäres Arbeiten unumgänglich, womit die Disziplinen nicht mehr über den Kanon des Wissens bestimmen, sondern eben mehrere Kanons zu einem Buch zusammengefasst werden - oder, vielleicht optimaler, jeweils in einem mit Kontextorientierung versehen Booklet dargestellt werden könnten.

Elemente des Buches:

Und was für einen Zweck haben schliesslich Bücher, in denen überhaupt keine Bilder und Unterhaltung vorkommen?

Alice ... im Wunderland

Entscheidend ist das Titelblatt, denn es gibt die Antwort auf die Frage: Soll ich es öffnen? Die Antwort findet sich dann in Struktur, ev. verdichtet in Inhaltsverzeichnis, und Übersichtlichkeit.

Für das Verständnis fast ebenso wichtig sind dann die Titel und Kapitelüberschriften.

Marginalien (Rand-) und Fussnotizen können zur Erklärung beitragen, oft leider aber auch zur Verwirrung, wenn fast mehr Text in Fussnoten steht als im Haupttext.

Ein wichtiges Element, das gerne übersehen wird, weil eigentlich unsichtbar, ist der Rand. Und der bringt uns zur Funktion des Buches. Ein Buch will Wissen vermitteln. Wissen lässt sich nur vermitteln, wenn es an bestehende Strukturen anknüpft, diese ergänzt - oder, durch Denken, zur  Entwicklung neuer Denkstrukturen führt. Diese Strukturierungsarbeit, lernen genannt, ist meist nicht gratis zu haben, sondern bedingt Anstrengung, Konzentration, Sortier- und Assemblierarbeit. Und diese hinterlässt meist deutliche Spuren an den Rändern der Bücher. Ein Buch ohne Randnotiz hat also niemanden zum Denken verleitet. (Trotzdem, zum Wohle der Bibliotheksbestände ... machen Sie bitte Ihre Randnotizen auf einem Einlageblatt! Es gibt da ein sehr einfaches System, Unterstreichungen und Randnotizen auf einem Extrablatt anzulegen (s. Graph rechts). Markieren sie auf der symbolischen, halbierten Doppelbuchseite die Seitenzahl, den Ort und den Kommentar. That's it.

Das E-Book:

For books are more than books, they are the life
The very heart and core of ages past,
The reason why men lived and worked and died,
The essence and quintessence of their lives.

Amy Lowell

Webinhalte, also Webseiten, im pdf-Format darzustellen empfiehlt sich dort, wo die graphische Gestaltung wichtiger gewertet wird als rasche Information. Ebenso dort, wo Webinhalte ausgedruckt werden. Ausdruck pers. ab (20)-40-(80) Seiten Umfang - was allerdings nicht "normalem" Leseverhalten entsprechen dürfte, das bereits bei mehr als 3000 Zeichen erlahmt, was in etwa 1 Seite A4 entspricht, bei grossem Druck und breitem Rand.

Da Webinhalte beim Ausdruck aber ihren Charakter als vernetzten Text verlieren, stellen sich nicht nur graphisch, sondern auch inhaltlich zusätzliche Anforderungen. Das E-Book, das so seine Vernetztheit verliert, muss sich wieder dem linearen Charakter des alten Buchtyps annähern und Informationen schrittweise mit zunehmender Komplexität anbieten. Als Diskussionspapier, Wissens-Grundlage, Verständnis- und Argumentationsgrundlage - verlangt das E-Book, wie jedes Buch, nach einer gewissen Geschlossenheit, zusätzlich zu den generellen Anforderungen an einen Text.

Diese Rückkehr zur Geschlossenheit des Textes verlangt auch eine Rücknahme der Verknüpfungsintensität. Hier ist allerdings noch offen, wo das Optimum liegt. Das E-Book, also pdf-Format, ist eine Mischform, also erfüllt es weder die Funktion des Hyptertextes (Geschwindigkeit, totale Vernetztheit) noch die des Buches (Geschlossenheit des Themas) komplett. Hier liegt noch ein grosses Experimentierfeld vor uns.

Während auch ein qualifizierter Zeitungsartikel bei der Beschreibung eines "Events" die heurististischen Grundfragen beantworten sollte: wer, wo, wann, was, wie und warum, wird vom Buch mehr verlangt. Das bearbeitete Thema soll in einer gewissen Ganzheit und Vollständigkeit bearbeitet werden - und die enthaltene Information sollte länger von Interesse sein, als nur gerade für die nächsten Tage. Dazu gehört:

  1. Die Definition des beschriebenen Systems, Begriffs, Gegenstandes oder Ablaufs - samt seiner Aura, also dem was mit gemeint ist, die sog. Form.

    1. Äusserst tauglich dazu ist Spencers Formkalkül, das zum direkt markierten Raum des Wortes den unmarkierten mit einbezieht, also z.B. bei Wettbewerb - den Ausschluss.

    Alternative 1: Die Dialektik: Schwerpunkt - Kontrapunkt - Synthese

    Alternative 2: Die Abgrenzung System-Umwelt, also Text-Kontext. Bei Brainworker-Diskussionsforen werden systematisch die (3)-5-(8) wichtigsten Anschlusstexte im Headbanner aufgeführt. Wirkt nicht sehr elegant oder professionell ... wirkt aber.

Das E-Book Lesegerät:

Gerade dieser Prozess des Verarbeitens von Texten führt bei mir seit einiger Zeit eigentlich doch wieder zum Wunsch nach einem E-Book-Lesegerät. Es gab solche, sie gingen ein. wurden nicht angenommen, man behauptet heute noch, dass E-Texte formatunabhängig sein müssten:

Sie waren zu früh und sind heute fast verschwunden. Ein Computer, auch ein spezieller Lesecomputer, kann das Buch nicht ersetzen, weil:

  1. er selten so stabil sein wird wie ein Buch, dass sich auf den Boden oder an die Wand schmeissen lässt, auf dem man rumtrampeln, Kaffee abstellen kann - und das sich oft auch eignet, es dem Verfasser an den Kopf zu schmeissen. Lesecomputer sind für solche Aktionen zu teuer und zu sensibel.

  2. Ein Buch ist leicht, handlich, braucht weder Strom noch Einschaltzeit.

  3. man kann damit auf die Couch liegen oder sonst an allen möglichen und unmöglichen Orten arbeiten.

  4. etc.

Trotzdem, gegeben eine gewisse Umgewohnungszeit, hätte ein handliches E-Book-Lese/Schreibgerät doch Vorteile, wenn man damit gleich Notizen speichern und verarbeiten könnte.

Also, entgegen meiner eigenen bisherigen Meinung dazu: sie werden (wieder) kommen. Adobe Acrobat und insbesondere Word bieten heute einige äusserst komfortable Möglichkeiten, Texte zu Redigieren und zu kommentieren. Liesse sich das gleich beim Lesen des Buches tun, könnte man sich einige Zeit ersparen mit dem abtippen der Randnotizen .... und dem Überlegen, was bei den inzwischen unlesbar gewordenen wohl gemeint war. (Also meine eigene Handschrift ist derart kryptisch, dass ich Randnotizen in Büchern oder auf Zeitungen innert 2 bis 3 Tagen verarbeiten muss, da ich sonst oft nicht mehr dahinter komme, was ich geschrieben habe). Handschriftlichen Notizen auf einem Computerfeld ginge es da nicht besser, also müsste das Lesegerät eine ausziehbare Tastatur - oder eine Bildschirmtastatur (Screentouch-Tastatur und ev. einfaches Graphikprogramm) haben, ev. mit Stift bedienbar.

Wichtig ist, dass man sie nicht nur als Lesegeräte gestaltet, sondern als das, was eigentlich auch das gute Buch ist: Ein zum Denken anregendes Lerngerät. Der Markt entwickelt sich zur Zeit rasant, vor allem weil Apple ein Topmodell eines E-Readers in Entwicklung hat, 150.- $ / 9 inch, soll morgen (27.1.10) vorgestellt werden. Die Konkurrenz wartet - um ihre Modelle anpassen zu können. Es tut sich einiges 2010, ich sollte das Geschäft also wieder ins Auge fassen und weiter entwickeln, denn irgendwer muss ja auch noch brauchbaren Stoff liefern für die Geräte:

Uebersicht/Vergleich

Es handelt sich dabei also um einen kleinen Laptop - oder ein grosses iPhone (dessen Applikationen sämtliche verwendbar sind - ausser Telephonieren). Kann als Spielkonsole verwendet werden, spielt also auch Videofilme - was sicher eine zunehmende Anwendung sein wird, auch in der Vermittlung von Wissen, seitdem Adobe mit After Effects und Premiere Pro Top-Werkzeug zur Erstellung derselben zur Verfügung stellt. Nachteil: Kostet auch so viel wie ein Laptop, ist also eher ein Yuppie-Spielzeug. Hat weder DVD_Laufwerk noch USB_Port. Warten wir also noch ein bisschen, und sehen was uns der "Volkscomputer" Qi bringt (geht noch 2010 in Produktion), denn wenn ich jemanden mit einem Computer ohne Tastatur sehe, weiss ich eh, dass der nicht viel schreibt, also vermutlich auch nicht viel zu sagen hat, dafür um so mehr zu schwätzen.

Zur Zeit behaupten die Fans des E-Books, das dieses bereits einen Marktanteil von 4% habe - was bezweifelt wird. Bis 2013 soll der Anteil 6% des Buchhandels ausmachen, was ebenfalls in der Luft hängt. Hauptproblem ist, dass im Internet niemand Lust hat zu Bezahlen, für Dinge die überall gratis rumliegen (wozu nicht nur Texte, sndern auch z.T. extrem teure Software betrifft).

______________

Handhelds, Palmtops und insbesondere Handys .... Pipifax. Geeignet zum Telefonieren, ja sogar zum Photographieren, aber ich habe niemanden - nicht mal einen Verkäufer ! - gefunden, der mit dem Mikrokrimskrams mehr lesen würde als ein paar Telefonnummern oder Adressen. Hab mich grad mal wieder selbst über den Tisch gezogen und einen Palm-Organizer gekauft, ein weiteres Gerät, das unbenutzt hier rumliegen wird - obwohl der Bildschirm bereits doppelt so gross ist wie der eines Handys. Leute, mit der Werkzeugfüralles-Ideologie werdet ihr wieder mal über den Tisch gezogen. Meines Wissens hat noch niemand ein Buch geschrieben mit einem Finger, zumal keines das zu mehr taugen würde, als im Guinnes Books of Records erwähnt zu werden.

Lesen - eine Kunst:

  1. Sie müssen Schriftzeichen zu Wörtern und Wörter zu Sätzen verknüpfen.

  2. Sie müssen Sätze zu Abschnitten verbinden, die einen Sinn bilden.

  3. Sie müssen die sach- und textlogischen Abfolgen erkennen (was Ihnen die Autoren "intelligenter" Bücher nicht immer leicht machen, nach dem Motto: Was leicht verständlich ist, kann nicht wissenschaftlich sein - was bei seichter Literatur oft Zeitverschwendung ist, weil eben nix an Struktur da ist)..

    1. Sie müssen zunächst das Verständliche im Text erfassen, in einen Sinnzusammenhang bringen und daraus auf den Sinn der schwieriger verständlichen Passagen oder Wörter schliessen. (> oder allenfalls ein Wörterbuch oder das Internet benutzen!)

    2. In Texten die, wie das Internet, nicht strickt linear angeordnet sind, müssen Sie Bilder, Graphiken, Zitate und Verweise richtig einordnen

    3. Sie müssen beurteilen, ob Ihr Verständnis des Textes, Ihre Interpretation, stimmig ist, also nachdenken (reflektieren).

    4. Sie müssen das gelesene in Erinnerung behalten um es vergleichen zu können mit andern Texten, die sie gelesen haben oder lesen werden. (Dies ist der zweite Schritt beim Lernen. Der dritte wäre dann, die Anpassung des eigenen Wissens an neu Hinzugelerntes.)

  4. Sie müssen Informationen aus dem gelesenen Text mit Ihrer eigenen Erfahrung verbinden (dieser Vorgang ist der erste Schritt zum Lernen)

Ziemlich anstrengend, nicht? Also würd' ich dass nicht automatisch tun, möchte ich das Lesen vielleicht auch nicht mehr lernen ...

Nach: Andrea Bertschi-Kaufmann: Warum ist lesen so schwierig. Lesekunst. Beilage des Zentrums Lesen der pädagogischen Hochschule der Fachhochschule Nordwestschweiz. Beilage der Zeitschrift BILDUNG SCHWEIZ 11/05

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Zum E-Book und seiner Nutzung:

 

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  • Microsoft Reader - ein Versuch, Adobe ans Bein zu pinkeln

  • Mobipocket - Creator & Reader Mit dem Mobipocket Reader können Sie nicht nur eBücher auf Ihrem PC lesen, sondern auch auf Ihrem PDA (= Personal Digital Assistant) - PalmOs, Windows CE, Pocket PC, Psion Epoc32, Franklin eBookMan -, auf Ihrem MDA (Mobile Digital Assistant) und sogar auf einigen Handys.

  • ... und tausende mehr ...

Wozu ein Internet-Verlag?

Im Südosten Amsterdams steht dieser "Bücherbrunnen", der symbolisch zeigt, wie Bücher die Welt tragen.

Die vier Lektoratstypen zeigen die wichtigsten Funktionen eines Verlags - nebst der Produktion von Büchern:

Auf Grund der vergleichsweise geringen Kapitalkosten eines Webverlags wie brainworker's (abgesehen von den 15 Jahren Arbeit die drin stecken ....), sind die kommerziellen Probleme der Anpassung, gar der Selbstzensur auf Grund wirtschaftlicher Interessen,  hier doch weniger von Bedeutung als beim traditionellen Lektorat.

Die selben Ziele die Luzius als zusätzliche Ziele von Zeitschriften (nebst neuer Information u. Unterhaltung) formuliert, können ebenfalls von Internet-Verlagen übernommen werden:

% vom Ladenpreis Wissenschaftliches Buch Roman
Buchhandlungsrabatt
MWSt
Autorenhonorar
Werbekosten
Auslieferung
Verlagsgemeinkosten
Herstellkosten
Wagnis/Gewinn
Preiselastizität:
  37
    6.543
  10
    3.6
    4.2
  16.9
  19.5
    2.3
sehr tief
 48.5
   6.543
 12
   4.5
   4
 13.5
 10.4
   0.6
sehr hoch

Lucius: S. 131: Woraus der Buchpreis besteht:

Für die Autoren die nicht gerade Bestseller schreiben, ist es schwierig, ein Honorar zu erzielen, dass dem Aufwand entspricht. Gerade was wissenschaftliche und philosophische Arbeiten betrifft, die nur sehr wenige Leser haben, dürfte eine gezielte Verbreitung als E-Books die Lage eher verbessern, wenn diese Form nicht nur als Gratisangebot im Web, sondern auch gegen einen geringen Obulus, von den Nutzern angenommen wird.

Die Bucherstellung ist heute ein einfacher Vorgang, für den man nicht unbedingt einen Verlag braucht. Das eigentliche Problem liegt aber auch in der Buchbranche im Verkauf. [S. 62] Im Internet heisst das, der entsprechende Artikel, das entsprechende Buch, muss am richtigen Ort, unter dem richtigen Stichwort, im Internet sichtbar sein. Hier machen die kleinen, privaten wieder mal den Zweiten, weil es dazu eine gewisse Power, also eine deutliche Präsenz im Internet braucht, wie sie meist nur die Medien aufweisen.

 

Dies präzise ist die Crux eines Verlages, sei's im Internet oder in der normalen Welt:

 

    - Die Aufmerksamkeit des verehrten Publikums auf bestimmte Bücher zu richten -

 

            Mit nun 200'000 Besuchern pro Monat,

                    thematisch breit gestreuten Texten,

                            die ich alle, ohne urheberrechtliche Verhandlungen führen zu müssen,

                                die ich alle, ohne mich mit Zerberus gleich verbissenen Lemmahütern wie bei Wikipedi rumstreiten zu müssen,

                                    ändern, ergänzen, verlinken und anpassen kann, 

                                           bin ich dazu in einer äusserst komfortablen Lage.

Martin Herzog, Basel, 8.1.06

Probleme: Zur Zeit scheint aber Buch, EBook, und damit generell Wissen und andere immaterielle Erzeugnisse geistiger Arbeit, den Weg allen irdischen zu gehen: Was nicht rentiert, wird weg gespült durch eine Flut an Ginggernillis, der sich an Massen verkaufen lässt. Das zeigt sich am besten am Schicksal der ja meist weniger anspruchsvollen Musik. Grösse dominiert. Nur noch 4 Verlage sind im globalen Musikmarkt von Bedeutung: Universal Music (31% Marktanteil), Sony BMG (26%), Warner Music (15%) und EMI (16%). EMI und Warner sind seit längerem beim Balztanz, was vermutlich demnächst zu WarnMI  (31%) führ, womit Universal sein Pendant hätte.

Problem: Die Grossen interessieren sich nur, und wirklich nur noch für Effizienz und Gewinnmaximierung und setzen dabei fast nur noch auf Superstars die sie weltweit vermarkten können - womit die Musikkultur weiter verarmt, d.h. amerikanisiert wird.

Noch grösser sind allerdings auf dem Gebiet die Schäden durch Piraterie. Musik wird immer mehr gratis "besorgt" über das Internet. Die Umsätze an CDs sanken von 2000 bis 2006 weltweit um 12%, in der Schweiz sogar um 40%! Die Musik wird also bereits zum Nebenprodukt. Die Musiker müssen sich ihr Geld verdienen über Merchandising, also den Verkauf von Gingernillis wie T-Shirts, Mützen etc. - und die Preise für Events, für die Konzerte, in die Höhe treiben.

Heisst das für Philosophen und Denker, dass sie aus ihrer Tätigkeit nun ebenfalls eine Show machen müssen? (... Schissematuggi ...)