Meinung und Argumentation_________________________________________________________________
Unterschiede zwischen marktgetriebenen Medien (als Mittler zwischen Sender und Empfänger) - philosophisch-wissenschaftlicher Wissensvermittlung -und dem Spielerischen Ansatz der Evolution und QuantenmechanikPhilosophisch betrachtet: ein Unterschied zwischen dem Eigentlichen und dem Wesentlichen - und die Möglichkeit, beides nicht so ernst, d.h. Welt und Leben als Spiel zu nehmen.
Die Bearbeitung der Studie Die Qualität der Medien in der Schweiz ergab vor allem ein relativ seltsames Resultat, das zwar weder für den Redaktor noch für die Leser von Brainworker an sich erstaunlich sein dürfte: Brainworker verstösst praktisch in allem wo es irgendwie möglich ist gegen die heute üblichen Gebräuche in Presse und Medien. Anders ausgedrückt, also für mich etwas positiver: Praktisch alles was der Markt verlangt und von Gratismedien geliefert wird, ist genau das Gegenteil von dem, was eine sachgerechte Darstellung von Fakten verlangt.
Einer Marktorientierten Presse geht es in allererster Linie darum ... nö, nicht die Leser zuerst und richtig zu informieren, sondern - möglichst viele Leser anzuziehen. Wahrheit hingegen ist nicht markttauglich, da sie unfreundlich ist. Sie nimmt keine Rücksicht auf Wünsche, Träume, Werte, Empfindlichkeiten, whatsoever.
Die vom Qualitätsjournalismus verlangte Trennung von Fakten und Kommentaren ist hier nur noch ein Witz, da die Auswahl der präsentierten Fakten meist bereits ideologisch durchtränkt ist. Nehmen wir mal an, so als Beispiel, Ihre Zeitung würde nun über ein paar Monate hinweg in fast jeder Ausgabe ein Vergehen oder Verbrechen erwähnen, das von einem tibetanischen Mönch begangen wurde. (Kann vorkommen, auch Mönche sind Menschen). Innert kürzester Zeit würde ihre Ueberzeugung, dass Tibet befreit werden müsste, oder dass dort die Menschenrechte das grösste Problem seien, dahinschwinden wie ein paar Schneeflocken an der Sonne. Das Wesentliche? Im wesentlichen ist Tibet ein Gottesstaat, ähnlich Israel, Iran, Saudi Arabien oder der Vatikan, also nicht unbedingt ein Sympathieträger heute.
Entscheidende Faktoren am Markt:
Bekanntheitsgrad/Grösse(Markbeherrschung)
Während dem im wahrheitssuchenden Dialog, der Debatte, der Argumentation derjenige recht erhält, der seine Thesen (Behauptungen) am besten begründet, sieht das in der wirklichen Welt oft grad umgekehrt aus: Wer lauter redet hat recht, oder: Offensichtlich fördert eine formal höhere Menge an Sprach-"Output" das Image. Somit liegen dort eher solche Teilnehmer gut im Rennen, die viel reden - wenn dabei auch weit mehr Unsinn - als jene deren Statements nur kurz dafür korrekt sind.
Auesserlichkeiten: Gestaltung
A Verortung des Wissens: Punktuell in den Medien - systemisch in Wissenschaft und Philosophie, sowie bei der Wissensvermittlung ein absolutes Obligatorium, denn chaotisches, desorganisiertes "Wissen" lässt sich nicht lernen, noch schlimmer, es lässt sich auch nichts daraus lernen:
Die Unterscheidung micro-, meso- und mega-Level läuft parallel dazu. > Forum (dialogisch) / Magazin (enzyklopädisch)
B Personalisiertes Wissen ist für Leser attraktiver - aber nur objektives Wissen ist allgemein gültig:
C Episodische Darstellungen sind für Leser einfacher zu erfassen - aber nur die Einbindung in Geschichte und Kontext macht das darin enthaltende Wissen nutzbar:
D Das moralisch-wertende ist leicht verständlich und nachvollziehbar - die kognitiv-normative Begründung von Werthaltungen gehört zum Schwierigsten in Philosophie, Politik und internatinalen Normen.
Soziales Wissen ist topisch geordnet, gesellschaftstopisch - Wissenschaft ist sachlich strukturiert, rücksichtslos auf soziale und individuelle Wünsche und Vorstellungen, objektiv. Das Subjekt ist - eben subjektiv, punktuell.
Der Markt, von den einen verfehmt, von den andern gelobt, kümmert sich nicht um Sympathien und Antipathien, genau so wenig um Wertorientierungen ausserhalb des Preises. Er ist nicht systemisch, nicht objektiv, nicht berechenbar (oder nur kurzfristig). Er kommt der individuellen Willkür einerseits entgegegen - verflacht sie aber durch Massengüter zum Massenkonsum.
Das Eigentliche (Meinung und Willkür), insbesondere wo es einer Masse zu eigen wurde, verkauft sich aber besser und leichter als das Wesentliche, bei dem also Definitionen (der Logos des Begriffs) verständlich gemacht werden müssten.
Die Presse/Medien verfahren in ihren Erklärungsvorgängen also zur Zeit punktuell, personifizierend-individuell, episodisch und moralisch-wertend, während dem sich Wissensvermittlung gerade umgekehrt Wissen verorten muss (topologisch strukturieren), Wissen vom Subjektiven befreien muss um objektiv zu werden, also die Individuen, wo sie die Träger der zu untersuchenden Faktoren sind statistisch gruppieren und zusammenfassen muss, das Episodische in seinen historischen Zusammenhang zu stellen hat und moralische Wertung durch kognitiv-normative Untersuchung zu Begründen hat. Ist ein bisschen komplizierter, braucht ein bisschen mehr Raum und Zeit, wird also Mühsam für den Leser, der hier nicht auch noch dafür bezahlen will, dass er mit denken muss.
Die "Vereinfachung" auf das Wesentliche, die von vielen gefordert, aber eigentlich nur von Propheten geliefert wird, müsste auf der Definition basieren. Definitionen sind, per definitionem, einfache und kurze Beschreibungen, basierend auf Abgrenzung von gemeintem und ... eben dem Rest, den man zur Zeit dann vergessen kann. Die Definition zieht also das Wesentliche mitten hinein in die Komplexität der Unterscheidung/Grenzziehung von System und Umwelt. In der Medienwelt bei der "DAS System DER zahlende Kunde ist, kommt da natürlich was ganz anderes raus als in der Wissenswelt, die in Myriaden von Teilsystemen mit Megamyriaden von Subsystemen unterteilt ist, und in der jeder Wissensbereich bevorzugt seine eigene Sprache spricht, Philologisch, Sinologisch, Physikalisch, Biowissenschaftlich, Oekonomisch (des öfterrn auch als Oekonobla-Newspeak bezeichnet) etc.
Das Eigentliche:
Von eigen, jemandem oder etwas eigen, also auf Einzeldinge bezogen, auf Individuen, subjektiv, nicht objektiv: Gefühle, Meinungen. Da alles Eigentliche sehr perspektivisch auftritt, d.h. von jedem anders gesehen oder gedeutet werden kann, eignet es sich nicht zur Wahrheit - aber zur Wertbildung.
Das Wesentliche
Das Wesentliche (das, was gewesen ist), also empirisch reales, Realität, Wirklichkeit. Objektiv, gegeben, erforschbar, kann den Status von objektivem Wissen erreichen.
Das Eigentliche verdichtet sich nur durch soziale, polische oder wirtschaftliche Interaktion der Träger des Eigenen, selektiv, nach Sinnstiftung, zu einem gemeinsam Eigenen, sei dies in der Klein-oder Grossgruppe, im Volk, Staat oder für die Menschheit.
Das Wesentliche der Gesellschaft, als abstrakter, objektivierender Begriff beruht also auf Selektion (Funktion, Sinn, Wert), Kombination, Strukturgebung, und stellt ein Konstrukt dar. Dieses kann zwar erforscht werden, stellt aber auch dann nicht mehr dar, als eine ephemere Zeiterscheinung, eine Volksmeinung, die sich aus dem Zuwammenwirken (oder Antagonismus) aller beteiligten Gruppen ergibt, also aller besitzenden Eigentlichkeit. s. Tönnies Kürwille/Wesenswille
Wo sich das Eigentliche gegen das Wesentliche stellt, obsiegt letzteres, das Gegebene.
Das Eigentliche[Historisches Wörterbuch der Philosophie: Heidegger in Sein und Zeit]
Vermutlich nicht ganz einfach verständlich -aber eigentlich logisch. Der Mensch ist ein soziales Tier, d.h. er ist meist nur ungern alleine. Inzwischen sind wir sogar so weit, dass diejenigen, die lieber alleine sind, als geistig gestört bezeichnet werden. Dummerweise geht das nicht ganz auf, denn das Individuum kann nur sich selbst sein, wenn es sich selbst bestimmt, nicht aber, sich bestimmen lässt. Je stärker es aber in Gruppen aufgeht, um so mehr löst es sich als Individuum auf und wird zur Masse, ferngesteuert. Die Loslösung von der Gruppe ist immer mit Angst verbunden, angefangen bei der Urangst des Kleinkindes, seine Mutter verloren zu haben, worauf es mit lautem Schreien reagiert. Das erklärt vielleicht, warum auch später noch so viel geschrien wird ... Wenn aber der Mensch nicht zuerst mal sich selbst ist, kann er weder denken noch gestalten, sondern bloss ausführen, also Aufträge erfüllen, was dann von denen die gerne Aufträge erteilen, dazu noch mit Lob bedacht wird. s. Blocher & sein gelieber Auftrag Dort wo der Ruf nach "dem Eigentlichen" ein Ruf ist nach einfachen Zusammenhängen, oder noch besser, Begriffen ohne Zusammehänge, Schlag-Worte sozusagen, gilt das Selbe wie für den Ruf nach dem Wesentlichen (s. dort) Um zu wissen, wo das Eigentliche aufhört und das Uneigentliche, Andere, das Fremde, die Entfremdung anfängt, muss man es kennen, und seine Einbettung. Gerade beim Menschen, der nicht nur in die Familiengruppe, sondern auch Verwandtschaft, Nachbarschaft, Gemeinde, Arbeit (oder Schule), Freunde, Interessengruppen, Meinungsgruppen etc integriert ist, ist diese Grenze fliessend. Wie leicht werden die Normen einer Gruppe als eigene angenommen, einfach weil man dazu gehören will. (Passiert Ihnen nicht? Sie sind selbständig? Na gut, und wie ist das am Arbeitsplatz, mit dem Chef? In der Partei, im Verein, am Stammtisch? Wo die Medien also zwar individualisieren, also in den Bereich des Eigentlichen, des privat Besessenen (richtig, genau daher kommmt die Besessenheit!) eintreten, aber nicht angeben, was denn nun an dem Individuum noch eigentlich ist, und was nicht mehr, ist die Information Geschwätz, im besten Fall (wo gut formuliert) Literatur, aber ohne irgend welche brauchbare Information, also Wissen. |
Das Wesentliche
Es gibt einige Leser, die finden Brainworker viel zu kompliziert: Man müsse doch eigentlich bloss "Das Wesentliche" zeigen. Genau beim Wesentlichen aber kommen wir sofort zum Problem der Objektivität, denn das Wesen kann, und wurde von den Griechen, gleichgesetzt mit der Definition eines Begriffes, mit dem Logos. Nach Aristoteles zeigt die Definition stets das Wesentliche des Begriffes an. Dem Wesentlichen untergeordnet ist das, was vom Wesentlichen besessen wird: Eigen-schaften, Attribute (Zugeordnetes), Wesen zeigt bereits bei den Griechen und Römern die Spaltung in geistiges und materielles Wesen, in essentia und substantia. Das deutsche Wort stammt vom indigermanischen ves: verweilen, wohnen und deutet auf Dasein und Bestand. Anders als der Begriff Existenz beinhaltet es aber auch das darin angelegte Entwicklungspotential, s. Kant:
In Abgrenzung zu transzendentalen Wesens-Begriffen vertritt B. BOLZANO einen logischen Begriff des Wesens, wonach «man unter dem Wesen eines Dinges den Inbegriff aller derjenigen Beschaffenheiten verstehe, welche schon aus dem bloßen Begriffe desselben ableitbar sind». Hegel verhält sich in seinen Vorlesungen zur Enzyklopädie darum auch ironisch zum Wesen.: «Das sind die rechten Philosophen, die meinen, am Wesen haben sie das Wahre, und wenn sie immer Wesen sagen, so sei dies das Innere und Rechte! Ich habe gar keinen Respekt vor ihrem Wesen-Sagen, denn es ist eben nur eine abstrakte Reflexion. Das Wesen aber explizieren, ist, es als Dasein erscheinend machen» Rickert: «Das Wesen läßt sich wissenschaftlich niemals 'schauen oder 'intuitiv erfassen, sondern ist lediglich dem 'diskursiven Denken oder einer begrifflichen 'Konstruktion zugänglich». N. HARTMANN stellt reales und ideales Sein einander gegenüber] und spricht von der Wesenheit als ontologischer Bestimmung der «Seinsweise idealen Seins». Wesenheiten sind unveränderlich, weil zeitlos im «Wesensreich». Bei H. DRIESCH ist das Wesentliche aber nicht mehr Methodenbegriff, sondern gegenstandslogischer Ausdruck für eine Art unmittelbaren «Vor-Wissens» oder «Habens» von Allgemeinem, jedoch nicht im Sinne einer «angeborenen Idee», sondern im Sinne eines unmittelbaren «Aufnehmens wesenhafter Inhaltlichkeiten» des Soseins.» Driesch's Auffassung, wie die der Phänomenologie, die immer wieder ein bisschen an Platos Ideenlehre gemahnen, die Idee, die ewig und unabhängig vom Gegenstand existiert, führen bei manchen dann dazu, für sich eine Begabung der direkten Erkenntnis des Wesentlichen zu beanspruchen. Genau wie bei der Phänomenologie, oder Theosophie, eignet sich ein solch absolutes Erkenntnisvermögen aber ganz und gar nicht für Diskussionen, da es quasi göttliche Einsicht postuliert, was sich Doxosophie nennt: Die Meinung als Wahrheitverkaufen. Wer an solche Götter unbedingt glauben will, soll's tun. Ich verspüre weder Lust noch Veranlassung dazu, denn das Wort Definition drückt es ja präzise aus, worum es geht, nämlich um die Abgrenzung des gemeinten Dinges oder Tatbestandes von andern Dingen und Tatbeständen. Man muss also wissen, was zu dem Ding an und für sich gehört - aber man muss auch wissen, was nicht mehr dazu gehört, wo und warum also etwas anderes anfängt. Also, nochmals, präzise das selbe Problem wie bei der Beschreibung eines Systems: Was gehört dazu, was ist Umwelt mit Einfluss auf das System oder vom System, was ist unabhängig. Vermutlich liegt das aber an der permanenten Verwechslung zwischen den Dingen, die nun mal so sind wie sie sind, also Naturgesetze, und den Dingen, die wir eigentlich so organisieren können, wie wir sie wollen - solange andere mitziehen - oder uns zumindest machen lassen. Genau hier entsteht dann vermutlich die Angst, da wir uns eben exponieren müssen, für unsere höchsteigenen Ideen und Wünsche einstehen müssen, unsren höchsteigenen Kürwillen/Wesenwillen mehrheitsfähig machen müssen. Man sollte aber mehrheitsfähig nie mit wahr verwechseln, auch nicht in einer Demokratie. |
Synthese:Leider ist hier die Welt der Denker nicht grad nachsichtig mit der Mehrheit, denn der Begriff Idiot (von grch. ἰδιότης (idiótes) „Privatperson“ „Eigentümlichkeit“, „Eigenart“) bezeichnet präzise den Menschen, der nichts kennt was über sein Eigenes hinaus geht, also kein Wesentliches, sondern nur Eigentliches. Den Griechen war aber vor allem dubios, wenn das Eigentliche sich nicht in den sozialen, wirtschaftlichen und politischen Prozess einbrachte und zumindest den Weg zu einem Gruppen-Wesentlichen einschlug. Wer private Angelegenheiten nicht im eigenen Haushalt („oikos“) verbarg oder nicht als geeignet für das öffentliche Leben angesehen war (siehe oben), wurde als „idiotes“ (Privatperson) bezeichnet. Die spätere Verwendung des Begriffs für Personen, die nichts als die Sprache des Volkes beherrschen, für Personen minderer Intelligenz und Kenntnisse, entwickelte sich später daraus. In erster Linie war der Idiot aber der Mensch, dem es nicht gelang, den Unterschied zweier Systeme, privat und öffentlich, zu erkennen und die entsprechenden Kodierungen (Sprache) erfolgreich einzusetzen. In dieser Beziehung sind wir dummerweise heute mehrheitlich Idioten, denn generell verwechseln und vermischen wir die Möglichkeiten und Mittel der Politik (Macht) mit denen der Wirtschaft (Geld). Politik kann aber nicht sprechen: Es werde Geld (wo sie es tut entsteht bloss Inflation), und die Wirtschaft (der Markt) schaft von sich aus kein gerechtes System.
Im Gegenteil: Diejenigen, die nichts als wichtig ansehen ausser sich selbst, die nichts zur Kenntnis nehmen, die sich nicht gestaltend einbringen, werden zu nützlichen Idioten im Dienste jener, die ihnen weis machen, ihre Interessen zu vertreten - und genau so (primitiv) zu sein wie sie selbst. Sie liessen sich zwar leicht identifizieren, denn es sind die, die Gehorsam fordern, härtere Strafen, Anpassung - Anpassung an die Ordnung, die ihnen selbst am meisten dient. Und ausgerechnet der Idiot, der sich nur um sein eigenes kümmert, begreift dann nicht, dass "der starke Mann" sich um SEIN EIGENES kümmert - nicht um dasjenige all der andern kleinen Idioten. Dumm daran ist, dass wir so nicht mal mehr eine Diktatur brauchen, denn eine Mehrheit von Idioten ... oder eine desinformierte Mehrheit ... oder eine manipulierte Mehrheit - reicht für eine Demokratur. Gegenwärtig "schönstes" Beispiel für den Ansatz: Sarah Palin's Tea Party, die in Obama den schwarzroten Teufel sieht, der die USA ins Vererben führt (als ob da der Volltrottel Bush nicht gereicht hätte) - und Amerika wieder auf den Pfad von Tugend, Stolz und Ehre führen will - vor allem ohne Neger als Präsidenten. Gerade in Anbetracht des Internets muss Tönnies Kürwille/Wesenswille gewandelt werden zu einem kooperativen Gestaltungswillen. Jeder Idiot kann heute im Internet seine Weltanschauung breitschlagen und Anhänger suchen, gleichdenkende, die nicht widersprechen (s. Holocaustleugner). DAS Problem von Gesellschaften aus lauter Idioten ist jedoch, dass dies zu einer Zersplitterung in Myriaden von Modellen führt, zu Individualisierung. Beim Individuum beginnt zwar alles, besonders das Denken, aber verschiedene Individuen können nur gemeinsam im selben Raum leben, auf der selben Erde, im selben Land, wenn sie sich darüber verständigen, wo die Grenzen sind und wo die individuellen Freiräume für "Eigenes" (nicht nur geistig, sondern auch materiell gedacht Das Problem lässt sich ziemlich präzise umschreiben mit Kulturimperialismus - und basiert auf der Behauptung von Kant - mit dem kathegorischen Imperativ - dass der Einzelne erkennen könne, was für die Gemeinschaft als allgemeines Gesetz zuträglich sei. Dafür müsste jeder Imperativbildende die Bedürfnisse und Wünsche der Gesellschaft, insbesondere aber der sich von der Hauptgesellschaft unterscheidenden Kleingesellschaften kennen - und ernst nehmen, also willens sein, solchen Gruppen eben so viele Rechte zuzugestehen, wie sich selbst. Daran ist auch in der Schweiz, unter Führung ihrer politischen und wirtschaftlichen Elite, nicht nur die Entfaltung von Basel gescheitert, das heute in einer sehr beengten Lage ist, sondern genau so die von Genf, des Tessins und Italo-Graubündens. Die Basler waren sich zu nobel, sich mit Katholiken aus Rheinfelden (1454) und dem Elsass (1466 schloss Mülhausen für die Dauer von 25 Jahren ein Bündnis mit Bern und Solothurn sowie 1506 ein weiteres mit Basel. 1515 wurde die Stadt schliesslich zugewandter Ort der 13 Kantone) zu verbinden, die Bünder lehnten die Gleichstellung der Katholiken des Veltlins ab, was 1797 zur Eingliederung desselben in Italien führte. Wir können hier mal versuchen, uns auf das an der Quantenmechanik statt an Kausalität orientierten Denkmodell vorzubereiten. Das Potsdamer Manifest (Global Challenges Network 2005) basiert darauf.
Alles in allem tönt die Sache noch recht utopistisch, verworren, ja gar esoterisch -obwohl es in der Empfehlung zu mehr Spielen endet - ein Gebot, dass der Markt definitiv erlaubt, ja fordert und nutzt, mit dem die Planung aber so ihre Probleme hat. Man kann es aber, falls man dagegen allergisch ist, auf ein paar einfache Prinzipien runter brechen, die das klassische Denken heute unbrauchbar machen:
Das ginge nun den Medien vielleicht etwas zu weit, aber: Aufgabe von Schule, Gesellschaft - und Medien ist hier, die individuellen Idioten dazu zu bringen, ihre Scheuklappen und Blenden so weit zu öffnen, dass sie zumindest mal sehen, dass sie von lauter eben solchen Idioten umgeben sind, die primär auch nur das Eigene sehen, genau wie sie selbst - aber eben anders. Aus dieser Erkenntnis folgt leicht die Erkenntnis, dass der freie Mensch seine Idiotie überwinden muss, indem er zum Vertrag findet, sich mit andern über das Zusammenleben einigt - nicht, mit dem er möglichst viele seiner eigenen Nabelschau (Idiotie per se) unterwirft. Idioten sind nicht gesellschaftsfähig. Die Medien sollten solche also nicht noch heranzüchten, indem sie die Welt als Sammelsurium eigentlicher, willkürlicher, persönlicher Ideen und Taten darstellen, als permanente Nabelschau Prominenter, sondern wesentliche Zusammenhänge herstellen, auch wenn das manchmal mehr als 300 Zeichen braucht, also das Mass an Aufmerksamkeit überschreitet, das der Homo zappensis noch aufbringt. Der uninformierte Bürger der von Medien in seiner insularen, isolationistischen Einstellung noch bestärkt wird, ist kein Souverän, sondern ein Hanswurst. Alternative: Nehmen wir die Welt als ein Spiel (was Börsianer eh schon immer tun), dann wäre es Aufgabe der Medien alle mit den Regeln - und Folgen dieser Spiele vertraut zu machen. Was es bei diesem Politmodell ebenso zu vermeiden gilt wie beim alten, ist, dass die einen spielen und Kosten verursachen, die andern dafür bezahlen. Wer eh bezahlen muss, also der Bürger per se, der soll auch mitspielen dürfen. Es ist anhand dieses etwas "legeren" Denkmodells eigentlich noch klarer, dass eben nicht die einen (Entwicklungsländer, Arme) zum Sparen verdammt werden können, während dem die andern, die Armut durch Ausschluss eigentlich erst verursachen, ihr Geld im Spiel verzocken - oder gar noch vermehren. Den Medien eröffnete diese Denkweise einen viel leichteren Zugang zum zahlenden Kunden, der unterhalten sein will. |
Martin Herzog, Basel, 18.9.2010