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Unterschiede zwischen marktgetriebenen Medien (als Mittler zwischen Sender und Empfänger) - philosophisch-wissenschaftlicher Wissensvermittlung -und dem Spielerischen Ansatz der Evolution und Quantenmechanik
Philosophisch betrachtet: ein Unterschied zwischen dem Eigentlichen und dem Wesentlichen - und die Möglichkeit, beides nicht so ernst, d.h. Welt und Leben als Spiel zu nehmen.

Die Bearbeitung der Studie Die Qualität der Medien in der Schweiz ergab vor allem ein relativ seltsames Resultat, das zwar weder für den Redaktor noch für die Leser von Brainworker an sich erstaunlich sein dürfte: Brainworker verstösst praktisch in allem wo es irgendwie möglich ist gegen die heute üblichen Gebräuche in Presse und Medien. Anders ausgedrückt, also für mich etwas positiver: Praktisch alles was der Markt verlangt und von Gratismedien geliefert wird, ist genau das Gegenteil von dem, was eine sachgerechte Darstellung von Fakten verlangt.

Einer Marktorientierten Presse geht es in allererster Linie darum ... nö, nicht die Leser zuerst und richtig zu informieren, sondern - möglichst viele Leser anzuziehen. Wahrheit hingegen ist nicht markttauglich, da sie unfreundlich ist. Sie nimmt keine Rücksicht auf Wünsche, Träume, Werte, Empfindlichkeiten, whatsoever.

Die vom Qualitätsjournalismus verlangte Trennung von Fakten und Kommentaren ist hier nur noch ein Witz, da die Auswahl der präsentierten Fakten meist bereits ideologisch durchtränkt ist. Nehmen wir mal an, so als Beispiel, Ihre Zeitung würde nun über ein paar Monate hinweg in fast jeder Ausgabe ein Vergehen oder Verbrechen erwähnen, das von einem tibetanischen Mönch begangen wurde. (Kann vorkommen, auch Mönche sind Menschen). Innert kürzester Zeit würde ihre Ueberzeugung, dass Tibet befreit werden müsste, oder dass dort die Menschenrechte das grösste Problem seien, dahinschwinden wie ein paar Schneeflocken an der Sonne. Das Wesentliche? Im wesentlichen ist Tibet ein Gottesstaat, ähnlich Israel, Iran, Saudi Arabien oder der Vatikan, also nicht unbedingt ein Sympathieträger heute.

Entscheidende Faktoren am Markt:

Bekanntheitsgrad/Grösse(Markbeherrschung)

Während dem im wahrheitssuchenden Dialog, der Debatte, der Argumentation derjenige recht erhält, der seine Thesen (Behauptungen) am besten begründet, sieht das in der wirklichen Welt oft grad umgekehrt aus: Wer lauter redet hat recht, oder: Offensichtlich fördert eine formal höhere Menge an Sprach-"Output" das Image. Somit liegen dort eher solche Teilnehmer gut im Rennen, die viel reden - wenn dabei auch weit mehr Unsinn - als jene deren Statements nur kurz dafür korrekt sind.

Auesserlichkeiten: Gestaltung

Vergleich der marktorientierten Medien mit den Anforderungen eines Mediums, dass eher versucht Wissen zu vermitteln:

A Verortung des Wissens: Punktuell in den Medien - systemisch in Wissenschaft und Philosophie, sowie bei der Wissensvermittlung ein absolutes Obligatorium, denn chaotisches, desorganisiertes "Wissen" lässt sich nicht lernen, noch schlimmer, es lässt sich auch nichts daraus lernen:

  1. Medien: Punktuell ist generell (besser / verständlicher)
  2. Wissensvermittlung: Punkte müssen erst in die ihnen eigenen Ordnung gebracht werden, also in Linien, Flächen, Räumen etc organisiert werden

Die Unterscheidung micro-, meso- und mega-Level läuft parallel dazu. > Forum (dialogisch) / Magazin (enzyklopädisch)

B Personalisiertes Wissen ist für Leser attraktiver - aber nur objektives Wissen ist allgemein gültig:

  1. Medien: Personifiziert, individuell ist generell (besser / verständlicher)
  2. Wissensvermittlung: Das Individuelle, persönliche, subjektive muss von Verzerrungen und Irrtümern befreit werden um objektiv gültig werden zu können > Forum

C Episodische Darstellungen sind für Leser einfacher zu erfassen - aber nur die Einbindung in Geschichte und Kontext macht das darin enthaltende Wissen nutzbar:

  1. Medien: Episodisch ist generell (besser / verständlicher) - immerhin ist der grösste Teil der Weltliteratur ziemlich episodisch verhaftet
  2. Wissensvermittlung: Episoden sind spezifische Abläufe in sehr begrenzten Zeiträumen. Für generell gültige Aussagen müssen diese, die Themen (Magazin sachlich, Forum sozial integrativ), als solche bearbeitet und von ihrer Temporalität und lokalen Angebundenheit befreit werden.

D Das moralisch-wertende ist leicht verständlich und nachvollziehbar - die kognitiv-normative Begründung von Werthaltungen gehört zum Schwierigsten in Philosophie, Politik und internatinalen Normen.

  1. Medien: Moralisch-wertend ist generell ... Die moralisch, wertende Darstellung vermag am leichtesten Emotionen anzuregen, verkauft sich also.
  2. Wissensvermittlung: Ihr Auftrag ist die Vermittlung kognitiv-normativer Wissensbestände (Magazin), als Grundlage der Diskussion und Entwicklung. Moral und Werte sind subjektiv, zudem bloss Entscheidungsräume, aufespannt durch unterschiedliche und oft recht widersprüchliche Vektoren: Heldenmut - Vorsicht, Weisheit - Lust. Dieses Problem wird sehr gut durch die Differenz von Eigentlichem und Wesentlichem erklärt. s.u.

Soziales Wissen ist topisch geordnet, gesellschaftstopisch - Wissenschaft ist sachlich strukturiert, rücksichtslos auf soziale und individuelle Wünsche und Vorstellungen, objektiv. Das Subjekt ist - eben subjektiv, punktuell.

Der Markt, von den einen verfehmt, von den andern gelobt, kümmert sich nicht um Sympathien und Antipathien, genau so wenig um Wertorientierungen ausserhalb des Preises. Er ist nicht systemisch, nicht objektiv, nicht berechenbar (oder nur kurzfristig). Er kommt der individuellen Willkür einerseits entgegegen - verflacht sie aber durch Massengüter zum Massenkonsum.

Das Eigentliche (Meinung und Willkür), insbesondere wo es einer Masse zu eigen wurde, verkauft sich aber besser und leichter als das Wesentliche, bei dem also Definitionen (der Logos des Begriffs) verständlich gemacht werden müssten.

Die Presse/Medien verfahren in ihren Erklärungsvorgängen also zur Zeit punktuell, personifizierend-individuell, episodisch und moralisch-wertend, während dem sich Wissensvermittlung gerade umgekehrt Wissen verorten muss (topologisch strukturieren), Wissen vom Subjektiven befreien muss um objektiv zu werden, also die Individuen, wo sie die Träger der zu untersuchenden Faktoren sind statistisch gruppieren und zusammenfassen muss, das Episodische in seinen historischen Zusammenhang zu stellen hat und moralische Wertung durch kognitiv-normative Untersuchung zu Begründen hat. Ist ein bisschen komplizierter, braucht ein bisschen mehr Raum und Zeit, wird also Mühsam für den Leser, der hier nicht auch noch dafür bezahlen will, dass er mit denken muss.

Die "Vereinfachung" auf das Wesentliche, die von vielen gefordert, aber eigentlich nur von Propheten geliefert wird, müsste auf der Definition basieren. Definitionen sind, per definitionem, einfache und kurze Beschreibungen, basierend auf Abgrenzung von gemeintem und ... eben dem Rest, den man zur Zeit dann vergessen kann. Die Definition zieht also das Wesentliche mitten hinein in die Komplexität der Unterscheidung/Grenzziehung von System und Umwelt. In der Medienwelt bei der "DAS System DER zahlende Kunde ist, kommt da natürlich was ganz anderes raus als in der Wissenswelt, die in Myriaden von Teilsystemen mit Megamyriaden von Subsystemen unterteilt ist, und in der jeder Wissensbereich bevorzugt seine eigene Sprache spricht, Philologisch, Sinologisch, Physikalisch, Biowissenschaftlich, Oekonomisch (des öfterrn auch als Oekonobla-Newspeak bezeichnet) etc.

Das Eigentliche (subjektiv) und das Wesentliche (objektiv)

Das Eigentliche:

Von eigen, jemandem oder etwas eigen, also auf Einzeldinge bezogen, auf Individuen, subjektiv, nicht objektiv: Gefühle, Meinungen. Da alles Eigentliche sehr perspektivisch auftritt, d.h. von jedem anders gesehen oder gedeutet werden kann, eignet es sich nicht zur Wahrheit - aber zur Wertbildung.

Das Wesentliche

Das Wesentliche (das, was gewesen ist), also empirisch reales, Realität, Wirklichkeit. Objektiv, gegeben, erforschbar, kann den Status von objektivem Wissen erreichen.

Das Eigentliche verdichtet sich nur durch soziale, polische oder wirtschaftliche Interaktion der Träger des Eigenen, selektiv, nach Sinnstiftung, zu einem gemeinsam Eigenen, sei dies in der Klein-oder Grossgruppe, im Volk, Staat oder für die Menschheit.

Das Wesentliche der Gesellschaft, als abstrakter, objektivierender Begriff beruht also auf Selektion (Funktion, Sinn, Wert), Kombination, Strukturgebung, und stellt ein Konstrukt dar. Dieses kann zwar erforscht werden, stellt aber auch dann nicht mehr dar, als eine ephemere Zeiterscheinung, eine Volksmeinung, die sich aus dem Zuwammenwirken (oder Antagonismus) aller beteiligten Gruppen ergibt, also aller besitzenden Eigentlichkeit. s. Tönnies Kürwille/Wesenswille

Wo sich das Eigentliche gegen das Wesentliche stellt, obsiegt letzteres, das Gegebene.

Das Eigentliche

[Historisches Wörterbuch der Philosophie: Heidegger in Sein und Zeit]

«Allein in der Angst liegt die Möglichkeit eines ausgezeichneten Erschließens, weil sie vereinzelt. Diese Vereinzelung holt das Dasein aus seinem Verfallen zurück und macht ihm Eigentlichkeit und Uneigentlichkeit als Möglichkeiten seines Seins offenbar». «Das Freisein für das eigenste Seinkönnen und damit für die Möglichkeit von Eigentlichkeit und Uneigentlichkeit zeigt sich in einer ursprünglichen, elementaren Konkretion in der Angst». «Die Angst offenbart im Dasein das Sein zum eigensten Seinkönnen, das heißt das Freisein für die Freiheit des Sich-selbst-wählens und -ergreifens. Die Angst bringt das Dasein vor sein Freisein für ... die Eigentlichkeit seines Seins als Möglichkeit, die es immer schon ist. Dieses Sein aber ist es zugleich, dem das Dasein als In-der-Welt-sein überantwortet ist».

«Uneigentlichkeit hat mögliche Eigentlichkeit zum Grunde. Uneigentlichkeit kennzeichnet eine Seinsart, in die das Dasein sich verlegen kann und zumeist auch immer verlegt hat, in die es sich aber nicht notwendig und ständig verlegen muß». «Die Uneigentliche kann ... das Dasein nach seiner vollsten Konkretion bestimmen in seiner Geschäftigkeit, Angeregtheit, Interessiertheit, Genußfähigkeit».

Vermutlich nicht ganz einfach verständlich -aber eigentlich logisch. Der Mensch ist ein soziales Tier, d.h. er ist meist nur ungern alleine. Inzwischen sind wir sogar so weit, dass diejenigen, die lieber alleine sind, als geistig gestört bezeichnet werden. Dummerweise geht das nicht ganz auf, denn das Individuum kann nur sich selbst sein, wenn es sich selbst bestimmt, nicht aber, sich bestimmen lässt. Je stärker es aber in Gruppen aufgeht, um so mehr löst es sich als Individuum auf und wird zur Masse, ferngesteuert. Die Loslösung von der Gruppe ist immer mit Angst verbunden, angefangen bei der Urangst des Kleinkindes, seine Mutter verloren zu haben, worauf es mit lautem Schreien reagiert. Das erklärt vielleicht, warum auch später noch so viel geschrien wird ... Wenn aber der Mensch nicht zuerst mal sich selbst ist, kann er weder denken noch gestalten, sondern bloss ausführen, also Aufträge erfüllen, was dann von denen die gerne Aufträge erteilen, dazu noch mit Lob bedacht wird. s. Blocher & sein gelieber Auftrag

Dort wo der Ruf nach "dem Eigentlichen" ein Ruf ist nach einfachen Zusammenhängen, oder noch besser, Begriffen ohne Zusammehänge, Schlag-Worte sozusagen, gilt das Selbe wie für den Ruf nach dem Wesentlichen (s. dort) Um zu wissen, wo das Eigentliche aufhört und das Uneigentliche, Andere, das Fremde, die Entfremdung anfängt, muss man es kennen, und seine Einbettung. Gerade beim Menschen, der nicht nur in die Familiengruppe, sondern auch Verwandtschaft, Nachbarschaft, Gemeinde, Arbeit (oder Schule), Freunde, Interessengruppen, Meinungsgruppen etc integriert ist, ist diese Grenze fliessend. Wie leicht werden die Normen einer Gruppe als eigene angenommen, einfach weil man dazu gehören will. (Passiert Ihnen nicht? Sie sind selbständig? Na gut, und wie ist das am Arbeitsplatz, mit dem Chef? In der Partei, im Verein, am Stammtisch?

Wo die Medien also zwar individualisieren, also in den Bereich des Eigentlichen, des privat Besessenen (richtig, genau daher kommmt die Besessenheit!) eintreten, aber nicht angeben, was denn nun an dem Individuum noch eigentlich ist, und was nicht mehr, ist die Information Geschwätz, im besten Fall (wo gut formuliert) Literatur, aber ohne irgend welche brauchbare Information, also Wissen.

 

Das Wesentliche

Die Definition als Beschreibung des Wesentlichen

Eine Definition (lateinisch Definitio = Abgrenzung aus de = ab/weg und finis = Grenze) ist je nach der Definitionslehre, welcher hierbei gefolgt wird, entweder 1. eine Bestimmung des Wesens einer zu erklärenden Sache oder 2. eines Begriffs oder 3. die Feststellung eines tatsächlich geübten Sprachgebrauchs, oder 4. die Festsetzung oder Vereinbarung eines solchen.

  • Die Anzahl unterschiedlicher Interpretationsmöglichkeiten soll, so weit wie möglich, reduziert werden.
  • Dennoch soll eine Definition so einfach wie möglich sein.
  • Eine Definition ist umso besser, je schärfer die Grenzen zu anderen Begriffen gezogen sind.
  • Es dürfen nur Begriffe verwendet werden, die schon als Allgemeinbegriff eindeutig sind oder die bereits innerhalb derselben Wissenschaft definiert sind.
  • Eine Definition soll möglichst keine Ausnahmeregeln enthalten.
  • Definitionen sind weder wahr noch falsch; doch Realdefinitionen sollten (nach Carnap) diese vier Kriterien zur Adäquatheit erfüllen:
    1. Ähnlichkeit von Explikat und Explikandum
    2. Exaktheit des Explikats
    3. Fruchtbarkeit für das Aufstellen vieler Gesetze
    4. Einfachheit der Definition selbst und der resultierenden Gesetze

Es gibt einige Leser, die finden Brainworker viel zu kompliziert: Man müsse doch eigentlich bloss "Das Wesentliche" zeigen. Genau beim Wesentlichen aber kommen wir sofort zum Problem der Objektivität, denn das Wesen kann, und wurde von den Griechen, gleichgesetzt mit der Definition eines Begriffes, mit dem Logos. Nach Aristoteles zeigt die Definition stets das Wesentliche des Begriffes an.

Dem Wesentlichen untergeordnet ist das, was vom Wesentlichen besessen wird: Eigen-schaften, Attribute (Zugeordnetes),

Wesen zeigt bereits bei den Griechen und Römern die Spaltung in geistiges und materielles Wesen, in essentia und substantia.

Das deutsche Wort stammt vom indigermanischen ves: verweilen, wohnen und deutet auf Dasein und Bestand. Anders als der Begriff Existenz beinhaltet es aber auch das darin angelegte Entwicklungspotential, s. Kant:

KANT unterscheidet zwischen dem logisch verstandenen Wesen und dem Realwesen oder der Natur eines Dings. Beide bezeichnen «erste innere Princip(ien)» der Dinge, das Wesen als «Princip alles dessen, was zur Möglichkeit eines Dinges», die Natur als Prinzip des «zum Dasein der Dinge Gehörigen». Es ist daher möglich, so Kants Beispiel, «den geometrischen Figuren (da in ihrem Begriffe nichts, was ein Dasein ausdrückte, gedacht wird) nur ein Wesen, nicht aber eine Natur beizulegen» [1]. Während wir das logische Wesen der Dinge «leicht einsehen» können, da es nur «die Erkenntniß aller der Prädicate, in Ansehung deren ein Object durch seinen Begriff bestimmt ist», erfordert, vermögen wir «das Real- oder Natur-Wesen der Dinge ... überall nicht einzusehen», da dazu diejenigen Prädikate des Dings erkannt werden müßten, «von denen alles, was zu seinem Dasein gehört, als Bestimmungsgründen, abhängt». Doch ist es weder für die Naturwissenschaft noch für die Metaphysik nötig, «das ganze Wesen» einer Sache zu kennen; es sei vielmehr ausreichend, «durch sichere Erfahrungen» diejenigen Merkmale aufzusuchen, «die gewiß im Begriffe von irgend einer allgemeinen Beschaffenheit liegen, ... um vieles in dem Dinge daraus herzuleiten»

In Abgrenzung zu transzendentalen Wesens-Begriffen vertritt B. BOLZANO einen logischen Begriff des Wesens, wonach «man unter dem Wesen eines Dinges den Inbegriff aller derjenigen Beschaffenheiten verstehe, welche schon aus dem bloßen Begriffe desselben ableitbar sind».

Hegel verhält sich in seinen Vorlesungen zur Enzyklopädie darum auch ironisch zum Wesen.: «Das sind die rechten Philosophen, die meinen, am Wesen haben sie das Wahre, und wenn sie immer Wesen sagen, so sei dies das Innere und Rechte! Ich habe gar keinen Respekt vor ihrem Wesen-Sagen, denn es ist eben nur eine abstrakte Reflexion. Das Wesen aber explizieren, ist, es als Dasein erscheinend machen»

Rickert: «Das Wesen läßt sich wissenschaftlich niemals 'schauen oder 'intuitiv erfassen, sondern ist lediglich dem 'diskursiven Denken oder einer begrifflichen 'Konstruktion zugänglich».

N. HARTMANN stellt reales und ideales Sein einander gegenüber] und spricht von der Wesenheit als ontologischer Bestimmung der «Seinsweise idealen Seins». Wesenheiten sind unveränderlich, weil zeitlos im «Wesensreich».

Bei H. DRIESCH ist das Wesentliche aber nicht mehr Methodenbegriff, sondern gegenstandslogischer Ausdruck für eine Art unmittelbaren «Vor-Wissens» oder «Habens» von Allgemeinem, jedoch nicht im Sinne einer «angeborenen Idee», sondern im Sinne eines unmittelbaren «Aufnehmens wesenhafter Inhaltlichkeiten» des Soseins.»

Driesch's Auffassung, wie die der Phänomenologie, die immer wieder ein bisschen an Platos Ideenlehre gemahnen, die Idee, die ewig und unabhängig vom Gegenstand existiert, führen bei manchen dann dazu, für sich eine Begabung der direkten Erkenntnis des Wesentlichen zu beanspruchen. Genau wie bei der Phänomenologie, oder Theosophie, eignet sich ein solch absolutes Erkenntnisvermögen aber ganz und gar nicht für Diskussionen, da es quasi göttliche Einsicht postuliert, was sich Doxosophie nennt: Die Meinung als Wahrheitverkaufen. Wer an solche Götter unbedingt glauben will, soll's tun. Ich verspüre weder Lust noch Veranlassung dazu, denn das Wort Definition drückt es ja präzise aus, worum es geht, nämlich um die Abgrenzung des gemeinten Dinges oder Tatbestandes von andern Dingen und Tatbeständen. Man muss also wissen, was zu dem Ding an und für sich gehört - aber man muss auch wissen, was nicht mehr dazu gehört, wo und warum also etwas anderes anfängt. Also, nochmals, präzise das selbe Problem wie bei der Beschreibung eines Systems: Was gehört dazu, was ist Umwelt mit Einfluss auf das System oder vom System, was ist unabhängig.

Vermutlich liegt das aber an der permanenten Verwechslung zwischen den Dingen, die nun mal so sind wie sie sind, also Naturgesetze, und den Dingen, die wir eigentlich so organisieren können, wie wir sie wollen - solange andere mitziehen - oder uns zumindest machen lassen. Genau hier entsteht dann vermutlich die Angst, da wir uns eben exponieren müssen, für unsere höchsteigenen Ideen und Wünsche einstehen müssen, unsren höchsteigenen Kürwillen/Wesenwillen mehrheitsfähig machen müssen. Man sollte aber mehrheitsfähig nie mit wahr verwechseln, auch nicht in einer Demokratie.

 

Synthese:

Leider ist hier die Welt der Denker nicht grad nachsichtig mit der Mehrheit, denn der Begriff Idiot (von grch. ἰδιότης (idiótes) „Privatperson“ „Eigentümlichkeit“, „Eigenart“) bezeichnet präzise den Menschen, der nichts kennt was über sein Eigenes hinaus geht, also kein Wesentliches, sondern nur Eigentliches. Den Griechen war aber vor allem dubios, wenn das Eigentliche sich nicht in den sozialen, wirtschaftlichen und politischen Prozess einbrachte und zumindest den Weg zu einem Gruppen-Wesentlichen einschlug. Wer private Angelegenheiten nicht im eigenen Haushalt („oikos“) verbarg oder nicht als geeignet für das öffentliche Leben angesehen war (siehe oben), wurde als „idiotes“ (Privatperson) bezeichnet.

Die spätere Verwendung des Begriffs für Personen, die nichts als die Sprache des Volkes beherrschen, für Personen minderer Intelligenz und Kenntnisse, entwickelte sich später daraus. In erster Linie war der Idiot aber der Mensch, dem es nicht gelang, den Unterschied zweier Systeme, privat und öffentlich, zu erkennen und die entsprechenden Kodierungen (Sprache) erfolgreich einzusetzen. In dieser Beziehung sind wir dummerweise heute mehrheitlich Idioten, denn generell verwechseln und vermischen wir die Möglichkeiten und Mittel der Politik (Macht) mit denen der Wirtschaft (Geld). Politik kann aber nicht sprechen: Es werde Geld (wo sie es tut entsteht bloss Inflation), und die Wirtschaft (der Markt) schaft von sich aus kein gerechtes System.

Von da her ist die heute totale Ueberbeanspruchung des Bildungssystems für Berufsbildung bedenklich. Der Mensch lebt (und lernt) nicht nur, um Arbeiten zu dürfen, er muss durch Lernen auch in die Lage versetzt werden, seine Umwelt zu verstehen und allenfalls verändern zu können. Diese Kenntnisse vermitteln ihm die Medien aber heute ganz offensichtlich nicht.

Im Gegenteil: Diejenigen, die nichts als wichtig ansehen ausser sich selbst, die nichts zur Kenntnis nehmen, die sich nicht gestaltend einbringen, werden zu nützlichen Idioten im Dienste jener, die ihnen weis machen, ihre Interessen zu vertreten - und genau so (primitiv) zu sein wie sie selbst. Sie liessen sich zwar leicht identifizieren, denn es sind die, die Gehorsam fordern, härtere Strafen, Anpassung - Anpassung an die Ordnung, die ihnen selbst am meisten dient. Und ausgerechnet der Idiot, der sich nur um sein eigenes kümmert, begreift dann nicht, dass "der starke Mann" sich um SEIN EIGENES kümmert - nicht um dasjenige all der andern kleinen Idioten.

Dumm daran ist, dass wir so nicht mal mehr eine Diktatur brauchen, denn eine Mehrheit von Idioten ... oder eine desinformierte Mehrheit ... oder eine manipulierte Mehrheit - reicht für eine Demokratur. Gegenwärtig "schönstes" Beispiel für den Ansatz: Sarah Palin's Tea Party, die in Obama den schwarzroten Teufel sieht, der die USA ins Vererben führt (als ob da der Volltrottel Bush nicht gereicht hätte) - und Amerika wieder auf den Pfad von Tugend, Stolz und Ehre führen will - vor allem ohne Neger als Präsidenten.

Gerade in Anbetracht des Internets muss Tönnies Kürwille/Wesenswille gewandelt werden zu einem kooperativen Gestaltungswillen. Jeder Idiot kann heute im Internet seine Weltanschauung breitschlagen und Anhänger suchen, gleichdenkende, die nicht widersprechen (s. Holocaustleugner). DAS Problem von Gesellschaften aus lauter Idioten ist jedoch, dass dies zu einer Zersplitterung in Myriaden von Modellen führt, zu Individualisierung. Beim Individuum beginnt zwar alles, besonders das Denken, aber verschiedene Individuen können nur gemeinsam im selben Raum leben, auf der selben Erde, im selben Land, wenn sie sich darüber verständigen, wo die Grenzen sind und wo die individuellen Freiräume für "Eigenes" (nicht nur geistig, sondern auch materiell gedacht ). Natürlich kann man mit Rousseau den contrât social als Zwang sehen, der den Menschen verdirbt. Aber immerhin ist er ein Vertrag, in dem jeder seine Interessen und Bedingungen einbringen kann, also besser als ein diktatorisch vorgetragene Lösung, die alle zu befolgen haben. Allerdings sind hier, weit über Rousseaus Ansatz hinaus, der noch eine generelle, allgemein gültige volonté générale postulierte - einen allgemein gültigen und erfassbaren Volkswillen, der quasi automatisch zum Volkswohl führt - die Bedingungen für ein multikulturelles, pluralistisches, verträgliches Programm zu erstellen, was doch um einiges komplizierter ist.

Das Problem lässt sich ziemlich präzise umschreiben mit Kulturimperialismus - und basiert auf der Behauptung von Kant - mit dem kathegorischen Imperativ - dass der Einzelne erkennen könne, was für die Gemeinschaft als allgemeines Gesetz zuträglich sei. Dafür müsste jeder Imperativbildende die Bedürfnisse und Wünsche der Gesellschaft, insbesondere aber der sich von der Hauptgesellschaft unterscheidenden Kleingesellschaften kennen - und ernst nehmen, also willens sein, solchen Gruppen eben so viele Rechte zuzugestehen, wie sich selbst. Daran ist auch in der Schweiz, unter Führung ihrer politischen und wirtschaftlichen Elite, nicht nur die Entfaltung von Basel gescheitert, das heute in einer sehr beengten Lage ist, sondern genau so die von Genf, des Tessins und Italo-Graubündens. Die Basler waren sich zu nobel, sich mit Katholiken aus Rheinfelden (1454) und dem Elsass (1466 schloss Mülhausen für die Dauer von 25 Jahren ein Bündnis mit Bern und Solothurn sowie 1506 ein weiteres mit Basel. 1515 wurde die Stadt schliesslich zugewandter Ort der 13 Kantone) zu verbinden, die Bünder lehnten die Gleichstellung der Katholiken des Veltlins ab, was 1797 zur Eingliederung desselben in Italien führte.

Wir können hier mal versuchen, uns auf das an der Quantenmechanik statt an Kausalität orientierten Denkmodell vorzubereiten. Das Potsdamer Manifest (Global Challenges Network 2005) basiert darauf.

Vom materialistisch-mechanistischen Weltbild zum geistig-lebendigen Kosmos Die überraschenden Entdeckungen von Planck 1900 und die darauf folgenden (nobelpreisgekrönten) Einblicke durch Einstein 1905 provozierten scheinbar paradoxe Konsequenzen in der Mikrophysik. Eine dadurch notwendige Neuinterpretation durch Bohr und Heisenberg verlangte eine Revolutionierung der bisherigen klassischen Weltsicht: Anstelle der mechanistischen, dinglichen, zeitlich determinierten "Realität" entpuppte sich die Wirklichkeit im Grunde als "Potentialität", ein nicht-auftrennbares, wesentlich indeterminiertes und genuin kreatives immaterielles Beziehungsgefüge, das nur gewichtete Möglichkeiten für eine materiell-energetische Realisierung festlegt. Die klassische Realität, basierend auf materiell-objekthaft Getrenntem, wird so zu einer ganzheitlichen, zeitlich wesentlich offenen, immateriellen Allverbundenheit, die jedoch, bei einer vergröberten und, im gewissen Sinne, ausgemittelten Betrachtung, wieder als die uns gewohnte klassische Realität erscheint. Die im Grunde kreative, allverbundene Verfasstheit der Wirklichkeit erlaubt, die unbelebte und auch die belebte Welt als nur verschiedene – statisch stabile bzw. offene, statisch instabile, aber dynamisch stabilisierte – Artikulationen eines "prä-lebendigen" Kosmos aufzufassen.

Die reduktionistische Naturwissenschaft mit ihren strengen Gesetzmäßigkeiten und ihrer daraus resultierenden Prognose und Manipulierfähigkeit schien deshalb zunächst in diesem eingeschränkten Erfahrungsbereich uneingeschränkt gültig zu bleiben und damit letztlich heuristisch die Vorstellung einer  materialistisch-mechanistischen Welt zu rechtfertigen.

Das Organisimische: Das Phänomen des Lebendigen erhält seine überraschende Eigenart durch eine (aus instabilen Gleichgewichtslagen resultierende) Sensibilität, den ‚prä-lebendigen' Urgrund aufspüren und aushorchen zu können. Ein"neues" Denken verlangt, hinter der vordergründigen, für das alte Denken notwendigen strengen Gesetzlichkeit die prä-lebendige Vielfalt und Offenheit zu entdecken, die uns in der vergröberten, ''begreifbaren'' Einfalt statistischer Mittelwerte verloren geht.
Eine solch neue Sichtweise öffnet uns die Möglichkeit, an unsere genuine Kreativität und Gabe
absichtsvollen Handelns zu glauben.

In der zeitlichen Entwicklung einer offenen, durch Ungleichgewichte mit Energie durchfluteten (Syntropie-spendenden) Welt muss "das Unwahrscheinliche nicht mehr unwahrscheinlich bleiben". Leben kann sich also in immer reicheren und unerwartet komplexeren Formen entfalten.

Mensch und Gesellschaft in Konfrontation zur erweiterten Wirklichkeit: Das mechanistisch-deterministische Weltbild der klassischen Physik wurde mit seinen starren Vorstellungen und reduktiven Denkweisen paradigmatisch für große Bereiche des westlichen, wissenschaftlichen und politisch-strategischen Denkens übernommen. Die alten Prinzipien zentralistischer Kontrolle, gewaltsamer Bemächtigung des Anderen, rücksichtslose Zwecksetzungen, welche die klassische Physik so erfolgreich beim Umgang mit dem Unbelebten durch- und umgesetzt hat, prägen das herrschende Bild von dem Menschen und vom homogenen Nationalstaat ebenso wie die Vorstellungen der Vernunft und Wahrnehmung der Menschen, das Verhältnis zu den Künsten und die Forderungen an die Logik. Entsprechend befinden sich die modernen Gesellschaften eigentlich in einem kalten Krieg gegen Vielfalt und Wandel, Differenz und Integration, gegen offene Entfaltung und die Balance-Bewegungen durch Risiken und Chancen hindurch: also gegen alles, was die lebendige Evolution in der Natur und mit ihr die Menschen bestimmt, bis hinein in den "prälebendigen" Grund, der uns und alles Leben trägt.

Die Quantenphysik fordert uns vielmehr dazu auf, das Denken in starren Strukturen grundsätzlich so zu emanzipieren, dass flexible Beziehungen an deren Stelle treten können.

Das Phänomen des Lebendigen erhält seine Fähigkeit zur fortwährenden schöpferischen Differenzierung aus seinem ‚prä-lebendigen' (mikrophysikalisch erkennbaren) Urgrund, der sich in der Mesosphäre der höheren Lebendigkeit intensiviert und schöpferisch entfaltet. Die bio- und kulturökologische Vielfalt mit ihren Entwicklungsformen, das heisst ihren Wandlungs- und Ausgleichsprozessen, resultiert aus diesem Zusammenhang..
Dem muss und kann ein neues Denken folgen, in welchem sich die Fülle unserer Wahrnehmungsvermögen und geistigen Bewegungen verbindet. Damit zeichnet sich eine neue evolutionäre Ebene ab, in der eine komplexe Wirklichkeitswahrnehmung das Fundament unseres Denkens, Fühlens und Handelns bildet. So können wir unsere Ziele und Strategien in Muster und Bewegungen angepassten Wirkens verwandeln.

Menschen im kooperativen Spiel
Unsere ökologischen, ökonomischen, kulturellen, sozialen und auch persönlichen Beziehungen miteinander und mit dem Globalkomplex Erde werden sich in einem dezentral-kooperativen, wirklich neu verbundenen Denken wandeln und in neuem Handeln äußern, welches den bisher stetig steigenden Krisen- und Gefährdungsstrategien unserer modernen Geschichte wirkungsvoll begegnen kann.
Hier setzen wir bewusst den offenen, die Bedingungen und Möglichkeiten in wechselseitigen Schritten ausgleichenden Begriff ‚Spiel' an die Stelle von ‚System', das bei aller kybernetischen Raffinesse doch weiterhin faktisch starre Strukturen statt wahrhaftig fließende Gleichgewichte, eben Lebendigkeit, voraussetzt. Deshalb muss sich die Heterogenität der Bedürfnisse der Menschen und Kulturen, die Unterschiedlichkeit ihrer Traditionen und historischen Übereinkünfte, ihrer Rituale und Spielformen, aber auch ihrer Hierarchien und Machtvorstellungen in unseren Austauschsystemen, Produktionsmitteln und Strategien wie auch der Regeln von Com-petition und Anerkennung spiegeln. Denn, je größer der Pool, je größer die Anpassungsfähigkeit. Je vielfältiger das Spektrum kultureller Erscheinungen, je vielfältiger die Potenziale sich an verändernde Bedingungen anpassen zu können – desto weiter das Spektrum an Lösungsperspektiven und Anpassungsmodi.
Bioökologische und kulturelle Diversität fördert die Evolution zukunftsoffener Lebensstile in zukunftsfähigen Gemeinschaften. Hierzu brauchen wir dringend allgemeine rechtliche Rahmenbedingungen, die für faire Spielregeln sorgen, und im ständigen Diskurs zivilgesellschaftlich rückgekoppelt werden. Um Vielfalt und Lebendigkeit zur Triebkraft eines alltäglich erlebbaren schöpferischen Differenzierungsprozesses zu verbinden, müssen wir ein dynamisches, über Interaktion wandelbares System des Dialoges und Austausches schaffen.

Der Entwicklung neuer dezentraler und polyzentrischer Produktions- und Versorgungsmuster kommt hier besondere Relevanz zu.

Ökonomie muss sich an ihren lokalen und regionalen soziokulturellen Bezügen, Strategien, Traditionen und Bedürfnissen messen, und dabei ein grösstmögliches Maß an dezentraler Versorgungssouveränität und Subsistenz erreichen. Dies verlangt gleichzeitig eine globale Vernetzung und Abfederung über die Versorgung mit Gütern globaler Relevanz – mit Gemeinschaftsgütern der Menschheit. Eine optimale wie bewegliche Komplementarität zwischen pluralen Ökonomien von lokaler, regionaler und kontinentaler Bedeutung in Synergie mit interkontinentalen Versorgungsinfrastrukturen für Güter und Dienste aus globaler Arbeitsteilung bildet hierfür eine wesentlich mittragende Voraussetzung. Effizienzen müssen auch sozialökonomisch konsequent gedacht werden, mittelbare und unmittelbare ökologische Effizienzen müssen zeitliche und räumliche Wandlungen und Unterschiedlichkeiten integrieren. Dabei sind grundsätzlich die sozialen, wirtschaftlichen und politischen Prozesse zu entschleunigen, um Regeneration, Reflexion und Proaktion in allen Bereichen zu ermöglichen. Die Begrenzungen liegen nur in den stofflichen Begrenzungen unseres Lebensortes Erde, der geistig-kulturelle Raum kann mit uns unbegrenzt wachsen.

Die materiellen Rahmenbedingungen und die Verfügbarkeit von Quellen und Senken der Natur, wie
deren Regenerationszyklen bestimmen wesentlich die Gemeinschaftsgüter.
Am Gemeingut – commons – wird die Co-existenz der Menschen miteinander und mit unserer
natürlichen Mitwelt praktisch.
Gebrauch und Fürsorge bilden eine Einheit am Gemeinschaftsgut. Sie verpflichten die Gesellschaft zu pfleglicher Kenntnis der Bedingungen und Möglichkeiten und zu dankbarer Achtung des Anderen. Am Gemeingut lernen Menschen wechselseitiges Beraten statt
hierarchisches Diktieren und eine gemeinsame Verantwortung an dem sie umgebenden lebendigen
Biom.

Für die Wissenschaft heißt dies nicht nur Vermehrung des Verfügungswissens, sondern wesentlich auch Vertiefung eines Orientierungswissens. Aufgrund seiner unmittelbaren tieferen Einsicht wissen Menschen um ihre empfindliche Einbettung in die uns tragende Geobiosphäre und über unsere Verantwortung und Verpflichtungen gegenüber gegenwärtigem und zukünftigem Leben. Dem Orientierungswissen muss Verfügungswissen folgen, welches flexibel, wandlungs- und anpassungsfähig die Evolution des Lebendigen fördert. Die Organisation und Gewährleistung wandelbarer Muster dezentraler Versorgungs- und Governance-Strukturen kann viel vom Zusammenspiel bioökologischer Komplexe lernen, die uns von der lebendigen Natur der Erde, jahrmillionen erprobt, demonstriert werden.

Der Aufbau polyzentrischer, sich komplementär ergänzender Wirtschaftsstrukturen ist notwendig. > 4. Sektor. Monetär orientierte marktwirtschaftliche Wirtschaftsinstitutionen müssen sich mit zivilgesellschaftlichen sozialen, kulturellen und subsistenzwirtschaftlichen Institutionen in wechselseitiger Bereicherung verbinden. Parallel sollte Dezentralität und Unterschiedlichkeit ökonomischer, politischer und soziokultureller Institutionen über flache transparente Hierarchien innerhalb ihrer Entscheidungsorgane und -träger gestützt werden. Hierfür ist eine Verringerung monopolistischer Machtstrukturen weniger Unternehmen zugunsten einer Vielfalt von
wirtschaftlichen, marktlich wie zivil getragenen, Unternehmungen
notwendig. Deren kooperatives Zusammenspiel muss lokal bis interkontinental politisch, rechtlich und infrastrukturell gewährleistet werden. Für eine Komplementarität pluraler lokaler, regionaler und interkontinentaler Wirtschaftsstrategien müssen Institutionen zur Schaffung und Überwachung globaler Rahmenbedingungen auf allen räumlichen und strukturellen Ebenen geschaffen und gestärkt werden. Die räumliche und zeitliche Externalisierung der ökologischen, sozialökonomischen und kulturellen Lasten und Kosten muss definitiv gestoppt werden.
Geschlossene Prozess-Kreisläufe müssen verwirklicht werden, soweit nicht eine (fast) nicht versiegende Quelle (wie etwa die Sonne als Energiespender) zur Verfügung steht. Eine"Entschleunigung" wirtschaftlicher, sozialer und ökologischer Prozesse ist notwendig, um Regenerationszyklen und schöpferische Differenzierung zu ermöglichen. Alle diese Prozesse verlangen dringlichst eine Reform der internationalen Finanzsysteme und -ströme.

Die Hauptfragen, die sich uns heute stellen, sind nicht, wie und auf welche Weise zukunftsfähige Lebensformen geschaffen werden können. Die Natur kennt keine Patentrezepte für einen sicheren Erfolg. Der Erfolg ist vielmehr das Ergebnis geglückter Spiele.

Wir müssen alles tun, damit das Spielfeld wieder in eine Lage kommt, in der wieder alle dezentral (nicht notwendig im örtlichen Sinne) unter vergleichbar günstigen Bedingungen ihre je eigenen Spiele spielen und dazu über alle Grenzen hinweg sich freundschaftlich verständigen und kooperativ zusammenwirken können. Was Zukunft hat, wird sich über erfolgreiche Ergebnisse der unzähligen verschiedenen Spiele auf vielfache Weise zeigen und in ihrer sich ergänzenden Gemeinsamkeit die lebendige Zukunft der Menschheit bestimmen.

Alles in allem tönt die Sache noch recht utopistisch, verworren, ja gar esoterisch -obwohl es in der Empfehlung zu mehr Spielen endet - ein Gebot, dass der Markt definitiv erlaubt, ja fordert und nutzt, mit dem die Planung aber so ihre Probleme hat. Man kann es aber, falls man dagegen allergisch ist, auf ein paar einfache Prinzipien runter brechen, die das klassische Denken heute unbrauchbar machen:

  1. Mehrwertige Logik: Es gibt nicht nur schwarz und weiss, 0 und 1, - und +, sondern auch grau, unbestimmt, schnurzpiepegal, unbestimmbar. Genau so wie Licht weder Körper noch Welle ist, sondern ein Zwitter, also quasi eine Welle die ihr Medium, den Aeter, gleich mitträgt.
  2. Stochastik chaotischer Vorgänge: Obwohl hochkomplexe Phänomene wie das Wetter kaum berechenbar sind, lässt sich die Entwicklung zumindest kurzfristig einigermassen abschätzen.
  3. Da sich dynamische Gleichgewichte, wie sie in der Natur üblich sind, aus Bewegung, aus Entwicklung und Zusammenbruch ergeben, müssen diese sehr gut verstanden werden, bevor man sie in ihrer Dynamik begrenzt.
  4. Die Stabilität natürlicher dynamischer Systeme hängt meist ab von ihrer inneren Freiheit an Reaktionen, Vielfalt an Bestandteilen, Interaktionen, Dynamiken.

Mit am deutlichsten drückt sich dies in der Eigendynamik der heutigen Wirtschaft aus, deren mächtige Vertreter fatalistisch ein:"There is no alternative!" verkünden in Analogie zum strengen Determinismus der alten mechanistischen Weltvorstellung und dem zugehörigen Menschenbild. Ökonomisch-monetäre Zentralisierungen und ein gefährliches Gefälle in den Bereichen Wohlstand und dem Zugang zu öffentlichen Gütern (Wasser, Energie, Information, u.a.), gehen Hand in Hand mit politischen und zivilgesellschaftlichen Instabilitäten und sich verschärfenden Konfliktpotenzialen.

Das ginge nun den Medien vielleicht etwas zu weit, aber: Aufgabe von Schule, Gesellschaft - und Medien ist hier, die individuellen Idioten dazu zu bringen, ihre Scheuklappen und Blenden so weit zu öffnen, dass sie zumindest mal sehen, dass sie von lauter eben solchen Idioten umgeben sind, die primär auch nur das Eigene sehen, genau wie sie selbst - aber eben anders. Aus dieser Erkenntnis folgt leicht die Erkenntnis, dass der freie Mensch seine Idiotie überwinden muss, indem er zum Vertrag findet, sich mit andern über das Zusammenleben einigt - nicht, mit dem er möglichst viele seiner eigenen Nabelschau (Idiotie per se) unterwirft. Idioten sind nicht gesellschaftsfähig. Die Medien sollten solche also nicht noch heranzüchten, indem sie die Welt als Sammelsurium eigentlicher, willkürlicher, persönlicher Ideen und Taten darstellen, als permanente Nabelschau Prominenter, sondern wesentliche Zusammenhänge herstellen, auch wenn das manchmal mehr als 300 Zeichen braucht, also das Mass an Aufmerksamkeit überschreitet, das der Homo zappensis noch aufbringt. Der uninformierte Bürger der von Medien in seiner insularen, isolationistischen Einstellung noch bestärkt wird, ist kein Souverän, sondern ein Hanswurst.

Alternative: Nehmen wir die Welt als ein Spiel (was Börsianer eh schon immer tun), dann wäre es Aufgabe der Medien alle mit den Regeln - und Folgen dieser Spiele vertraut zu machen. Was es bei diesem Politmodell ebenso zu vermeiden gilt wie beim alten, ist, dass die einen spielen und Kosten verursachen, die andern dafür bezahlen. Wer eh bezahlen muss, also der Bürger per se, der soll auch mitspielen dürfen. Es ist anhand dieses etwas "legeren" Denkmodells eigentlich noch klarer, dass eben nicht die einen (Entwicklungsländer, Arme) zum Sparen verdammt werden können, während dem die andern, die Armut durch Ausschluss eigentlich erst verursachen, ihr Geld im Spiel verzocken - oder gar noch vermehren. Den Medien eröffnete diese Denkweise einen viel leichteren Zugang zum zahlenden Kunden, der unterhalten sein will.

Martin Herzog, Basel, 18.9.2010