Wie kam sie abhanden, was bedeutet Gute Arbeit und wo können wir sie wieder
schaffen? Die Idee, dass es doch so was wie GUTE ARBEIT geben müsste, kam bei der Kritik der falschen Gleichsetzung von Politik mit Zwang und von Wirtschaft mit Freiheit. Die meisten "wettbewerbsfähigen" Betriebe sind heute hierarchisch organisierte Kampfmaschinen die versuchen, den Markt zu beherrschen. Dort wo die Freiheit steht, finden sich entweder unrentable und darum meist unterfinanzierte öffentliche Betriebe, wie NGOs (Nichtregierungsorganisationen) und NPOs (Nonprofit Organisationen), oder es herrscht atomistischer Wettbewerb, jeder gegen jeden, wie in der Landwirtschaft und Fischerei.
Diese Entwicklung ist beileibe nicht neu. Max Weber und Karl Marx haben Sie schon vor über einem Jahrhundert kritisiert, als sie noch am Anlaufen war: "In einer höheren Phase der kommunistischen Gesellschaft, nachdem die knechtende Unterordnung der Individuen unter die Teilung der Arbeit verschwunden ist; nachdem die Arbeit nicht nur Mittel zum Leben, sondern selbst das erste Lebensbedürfnis geworden; nachdem mit der allseitigen Entwicklung der Individuen auch die Produktionskräfte gewachsen sind und alle Springquellen des genossenschaftlichen Reichtums voller fliessen - erst dann kann der enge bürgerliche Rechtshorizont ganz überschritten werden und die Gesellschaft auf ihre Fahnen schreiben: Jeder nach seinen Fähigkeiten, jedem nach seinen Bedürfnissen!" (Marx/Engels 1962, S. 21)
Unpersönlichkeit, Funktionalismus und Formalismus haben sich aber nicht nur in der Wirtschaft festgesetzt, sondern auch in der Verwaltung. Und auch hier bedeutet eine höhere Effizienz nicht immer bloss Gutes: Die traditionelle bürokratische Verwaltung stellt die Antithese zur kommunitaristischen Vorstellung einer "guten Gesellschaft" dar. Sie ist konstruiert für Unpersönlichkeit, Unabhängigkeit, Expertentum und effizienten Gesetzesvollzug. Somit haben die Bürger wenig Einfluss. Die Verwaltung vollzieht nur den Willen der gesetzesgebenden Körperschaften, dadurch kann das Volk wenig Schaden anrichten.
s. Postmoderne
Gute Arbeit ist Arbeit, die sinnvoll ist. Sinnlose Arbeit, der Einsatz für einen sinnlosen Zeck oder sinnlose Produkte ist Marterqual, insbesondere wenn der Mensch diese Sinnlosigkeit bewusst wahr nimmt:
Die Götter hatten Sisyphos dazu verurteilt, unablässig einen Felsblock einen Berg hinaufzuwälzen, von dessen Gipfel der Stein von selbst wieder hinunterrollte. Sie hatten mit einiger Berechtigung bedacht, dass es keine fürchterlichere Strafe gibt als eine unnütze und aussichtslose Arbeit.
Antwortet ein Mensch auf die Frage, was er denke, mit <nichts>, stellt diese Antwort, wenn sie ernst aufrichtig gemeint ist, den sonderbaren Seelenzustand dar, in dem die Leere beredt wird. ... Dann stürzen die Kulissen ein. Aufstehen, Strassenbahn, vier Stunden Büro oder Fabrik, Essen, Strasssenbahn, vier Stunden Arbeit, Essen, Schlafen, Montag, Dienstag, Mittwoch, Donnerstag, Freitag, Samstag, immer derselbe Rythmus - das ist sehr lange ein bequemer Weg. Eines Tages aber steht das <WARUM> da, und mit diesem Überdruss, in den sich Erstaunen mischt, fängt alles an.
Die Tragik von Sisyphos, Kafkas und Dostojewskis Menschen liegt in ihrer Bewusstheit des Geschehens und der Unfähigkeit, es zu ändern (die klassische Definition der Tragik also): Dieser Mythos ist tragisch, weil sein Held bewusst ist. Worin bestünde tatsächlich seine Strafe, wenn ihm bei jedem Schritt die Hoffnung auf Erfolg neue Kraft gäbe? Heutzutage arbeitet der Werktätige sein Leben lang unter den gleichen Bedingungen, und sein Schicksal ist genau so absurd. Tragisch ist es aber nur in den wenigen Augenblicken, in denen der Arbeiter bewusst wird. ... Es gibt jedoch kein Schicksal, das durch Verachtung nicht überwunden werden kann.
http://www.diskussionsforen.ch/zynismus/
Die Zyniker sicherten sich ihre Unabhängigkeit durch Bedürfnislosigkeit. Diese trieben sie so weit, dass sie oft auch Kultur, Kunst, Familie, Staat, Güter, Wissenschaft und öffentliche Sitte negierten.
Präzise das Gegenteil von Befreiung, also die Erschaffung von Abhängigkeit, findet statt, wenn Menschen nicht mit dem Zufrieden sind, was sie zum Leben brauchen. So beginnt die Produktion von irgend was, das Ruhm und Ehre verschafft und sich anhäufen lässt. Am besten eignet sich dazu Geld. Dieses hat das Ideal der Bedürfnislosigkeit durch die Monetarisierung heute fast aller Lebensbereiche untergraben. Zudem unterwirft Geld sämtliche Werte einer Nivellierung aller Werte, ärger als dies die Zyniker je im Sinne hatten (s. Simmel: Philosophie des Geldes. S. 263 ff.): Einer solchen Nivellierungstendenz kommt in einzigartiger Weise die Fähigkeit des Geldes entgegen, ansonsten inkommensurable Werte auf eine einzige "Wertform" zu reduzieren und dadurch auf dasselbe "prinzipielle Niveau" zu bringen. Die "Pflanzstätten des Zynismus" seien daher die Umschlagplätze grosser Geldmengen wie etwa die Börsen; je mehr das Geld zum Mittelpunkt des Interesses werde, umso spöttischer und leichtfertiger gehe man mit den "höheren Lebensgütern" um, die wie Wahren des Wochenmarktes einen Preis erhielten. Wie Oscar Wilde definiert Simmel den Zynismus vom Begriff des Preises her: "Der Begriff des Marktpreises für Werte, die ihrem Wesen nach jede Schätzung ausser der an ihren eigenen Kategorien und Idealen ablehnen, ist die vollendete Objektivierung dessen, was der Zynismus in subjektivem Reflex darstellt.
Die beinahe kritiklose Übernahme der Marktgesetze als Natur- oder Gottgegeben führt zu einer Kampfwirtschaft und Kampfgesellschaft, in der vor allem Grösse, Macht und Geschwindigkeit entscheiden. Gerechtigkeit als humaner Wert ging unter. Effizienz, basierend auf der sehr effizienten Pareto-Verteilung, hat diese höchst ungerechte Vermögens- wie Lohnverteilung stabilisiert, wenn nicht gar noch ungerechter gestaltet [s. http://www.brainworker.ch/Arbeit/lohn_des_kapitals.htm]. Die Höhe von Löhnen wird z.B. in weitaus höherem Masse durch die Branchenzugehörigkeit (und weitere Seltsamkeiten, wie etwa die Körpergrösse) bestimmt, als durch Leistung. Die härtesten Jobs (im Wortgebrauch des Normalverbrauchers also die höchste Leistung) bringen die tiefsten Löhne. Leistung wird in finanziellen Erträgen gemessen, und die sind meist skalenabhängig (von der Grösse abhängig) - und/oder von der Exklusivität des Marktes, der bei weitem nicht so offen und frei ist, wie dem Volke glauben gemacht wird. Deshalb ist Strukturwandel eine Scheinlösung, denn wenn unter Banken und Chemie wirklich Konkurrenz herrschte, wären die Löhne dort eben nicht mehr so hoch wie sie heute sind [... aber die tieferen deswegen auch nicht besser].
Diese Fehlsteuerung durch kritikloses Akzeptieren von Marktmacht wird massiv unterstützt durch den Finanzsektor, dem auch der eigentliche Wachstumszwang entspringt. Seit ca. 1990 wächst nun eine Generation heran, der eigentlich klar ist, dass sich Geld nur mit Geld verdienen lässt, in der dieser Rohstoff aber äusserst ungleich verteilt ist. Da Geld (Kapital) im Laufe immer weiter greifender Rationalisierung Arbeit weiter ersetzt, kommen die Arbeitslosen nicht bloss in finanzielle Engpässe zu, sondern ein sozial vielleicht noch grösseres Problem, die Langeweile. Der soziale Friede wird also nicht bloss durch Abfederung wirtschaftlicher Benachteiligung, sondern immer mehr auch durch hypnotisierend-dümmliche Unterhaltung (tittytainment) garantiert. Wie weit wir damit bereits sind, zeigt die Notwendigkeit, Güter und Dienstleistungen über Events, also durch die Inszenierung von Erlebnissen, vor allem von Gemeinschaftserlebnissen, verkaufen zu müssen.[http://www.brainworker.ch/Wald/nachhaltigkeit3.htm ].
Bad jobs sind also nicht bloss dreckig, hart, anstrengend, fremdbestimmt und gesundheitsschädigend, sie sind auch schlecht bezahlt, verschaffen wenig soziale Anerkennung, belasten die Arbeitnehmer mit hoher Unsicherheit und fast dem gesamten Unternehmerrisiko, wie insbesondere bei der Arbeit auf Abruf.
Arbeitsteilung ist nichts Neues, denn bereits Platon sah darinbeträchtliche Vorteile [http://www.gottwein.de/grthem/arbeitsteilung.htm ]
Das wichtigste Ziel, das die Herrschenden verfolgen müssen, ist die Einheit der Polis. Den wichtigsten Beitrag dazu leistet das Prinzip der "Arbeitsteilung", das die Polis zu der Summe differenzierter und sich mosaikartig ergänzender Individualleistungen statt zu einer "verfilzten" amorphen Masse werden lässt.
Xenophon begründet die Erwartung, dass das Essen aus der Küche des Großkönigs besser schmeckt als das normaler Küchen damit, dass dort spezialisierte Fachleute am Werk sind.
Spezialisierung und Arbeitsteilung, von Marx beklagt, von Max Weber gelobt, sind definitiv zweischneidige Schwerter. Sie ermöglichen es vielen Menschen, dem atomistischen Wettbewerb zu entgehen und einen Beruf zu wählen können, der ihnen einen kleinen pesönlichen Vorsprung gibt. Nach Durkheim ist Arbeitsteilung also eine Folge der Konkurrenz um die Ressourcen.: "Die Arbeitsteilung ändert sich im direkten Verhältnis zum Volumen und zur Dichte der Gesellschaft; schreitet sie ständig im Laufe der sozialen Entwicklung fort, so sind die Gesellschaften regelmäßig dichter und im allgemeinen umfangreicher geworden." (S. 302). "Wenn sich die Arbeit in dem Maß mehr teilt, in dem die Gesellschaften umfangreicher und dichter werden, dann nicht darum, weil die äußeren Umstände mannigfaltiger sind, sondern weil der Kampf um das leben heißer ist." (S. 306)
"Der Arbeitsteilung kommt die Aufgabe zu, das "Problem der Konkurrenz" zu lösen bzw. es zu mildern (ermöglicht Koexistenz von SiegerIn und Besiegtem/r.; S. 311) Die "Logik" hinter der These: Es kommt erst dann zu Konkurrenz, wenn sich gleichartige Individuen um gleiche (ähnliche) Ressourcen bemühen (müssen). Sind gleichartige Individuen in ihren Bedürfnissen (nach Ressourcen) verschieden, so gibt es keinen "rationalen" Grund, sich zu bekämpfen. Sie sind aber dann verschieden, wenn sie bezüglich der Ressource Arbeit ihre Bedürfnisse ändern, teilen, sich spezialisieren - es kommt zur Arbeitsteilung. (S. 310)
Die Arbeitsteilung führt zu gegenseitigen Abhängigkeiten unter den Individuen - führt zu organischer Solidarität. Auf Grund dieser Abhängigkeiten steigt die moralische Integration; das Kollektivbewußtsein verliert seine Bedeutung.
Jedes Subsystem bildet eigenen, spezifische Handlungslogiken, Rationalitätsmuster, und Motivlagen aus. In prozessualer Hinsicht bedeutet dies, daß das eigene Feld nun von allem "Fremden" gereinigt werden muß - die Beseitigung traditioneller Mischverhältnisse. Die Handlungslogiken sind zwischen den einzelnen Teilsystemen nicht austauschbar ("strukturell blockiert")
http://infosoc.uni-koeln.de/fs-soziologie/texte/MakroWS97/AT_Soz_Konfl/AT_soz_Diff.html
Unsere komplexe Wirtschaft bietet ein weitaus breiteres Feld an Tätigkeiten als es in einer Gesellschaft möglich wäre, die nur aus Kleinbetrieben aufgebaut ist. In der Schweiz kennen wir (na ja, das BBT zumindest) heute 250 Berufsausbildungen und 330 höhere Ausbildungen. Wenn alle Spezialisierungen mit einbezogen werden, dürfte es etwa das Dreifache sein. Diese Spezialisierung hat aber nicht nur Vorteile, wie die Wettbewerbsbeschränkung.
Sie benötigt für den reibungslosen Ablauf der Wirtschaft einen Grundstock an Arbeitslosen. Während meiner ersten Kurse zur Wirtschaftslehre [Würgler] an der ETH, so etwa 1976, wurde noch gelehrt, dass ein Grundstock an 0.2% Arbeitslosen nötig sei. Wir fanden das damals recht zynisch, heute wären wir froh um einen solch geringen Anteil. Allerdings dürfte sich auch der theoretisch notwendige Grundstock an Arbeitslosen, parallel zu den zunehmenden Diplomen, erhöht haben, insbesondere aber durch die generelle Flexibilisierung. Ein grosser Teil der Arbeitslosen der Schweiz ist seit jeher auf klimatisch bedingte saisonale Entwicklungen bei der Bauindustrie, Tourismus, Gastgewerbe, Land- und Forstwirtschaft wie Gartenbau zurückzuführen. Etwas gedämpft findet sich daher diese zyklische Freistellung/Wiederanstellung auch bei der Holz und Metallbranche. Da sich heute offenbar kein Professor mehr traut, solche Zahlen zu publizieren, müssen wir schätzen. In den Jahren 2000-2001 lief der Arbeitsmarkt ziemlich heiss und es wurde lauthals nach höheren Kontingenten an Fremdarbeitern und Informatikern gerufen. Der Bestand an Arbeitslosen war also offenbar zu tief, mit damals 1.5-1.7% angemeldeten (SAKE 2.5-2.7, inkl. nicht angemeldeten). Eine effiziente Wirtschaft braucht einen Bestand an Arbeitslosen als Wechselarbeiter, zum saisonalen Ausgleich wie zur Verkürzung des (Zeit-)Aufwands bei Stellenbesetzungen, als friktionale Arbeitslosigkeit von mindestens 2.5%. In den USA scheint dieser Prozentsatz noch etwas höher zu liegen. Die Arbeitslosigkeit erreichte dort ihr Maximum mit 10.8% nach 1981-82, 7.8% nach der 1990-91-Rezession und "bloss" 6.5% nach der Rezession von 2000-2001. 6% Arbeitslosigkeit wurden in den USA lange Zeit als optimaler Wert angesehen!
https://www.targetglobalcampus.com/news/2003_11_17.cfm
Zynisch? Nicht unbedingt, solange man das als wirtschaftliche Notwendigkeit akzeptiert und diesen, auf der Ersatzbank wartenden, zumindest eine gesicherte Existenz gewährt. Richtig zynisch wird's erst, wenn, trotz der wirtschaftlichen Notwendigkeit dieses Grundbestandes, die Betroffenen mit "Selbstverantwortung" beworfen werden, obwohl aus der saisonalen Entwicklung eigentlich bereits klar ist, dass nicht jeder äussere Einfluss (wie etwa das Klima) sich durch Selbstverantwortung neutralisieren lässt. Wenn das schon den Firmen nicht gelingt, wie soll es den Einzelnen gelingen? Je weiter sich die Ausbildung spezialisiert, je flexibler die Wirtschaft auf die Nachfrage antworten will, desto höher wird dieser Grundstock werden - und er kann nichts dafür.
Jeder Spezialist arbeitet in unserer arbeitsteiligen Gesellschaft wie ein Organ in einem Organismus. Kann sich jedoch ein Herz nicht mal für 2 Minuten erlauben, mal lieber als Fettgewebe auf der faulen Haut zu liegen, kann sich ein Hirn nicht darauf umstellen, lieber mal ein knuspriges Hühnchen als unvergorene Gedanken zu verdauen, so liegen die Dinge bei der Arbeit doch etwas besser. Unser Bildungssystem ist heute so flexibel, dass es beinahe vollständig durchlässig ist. Man kann also mit minimalem Aufwand an Zeit und Geld zusätzliche Qualifikationen erlernen. Schwieriger sieht es allerdings mit den dazu verlangten Erfahrungen aus. Und hier wird leider von Stellenanbietern ziemlicher Schabernack getrieben. Oftmals hab ich Ausschreibungen gesehen, bei denen sofort klar war (weil ich den Chef kannte), dass der Stelleninhaber einfach seine Ausbildung und das, was er selbst in den letzten 20 oder 30 Jahren gemacht hat, zu Papier brachte, und das Selbe nun von Neubewerbern verlangte. Da ein Dreissigjähriger aber nie die selbe Erfahrung und das selbe Wissen haben kann wie ein Fünfzigjähriger, gewinnt der, der die beste Show bietet. [Wer älter oder intelligenter ist als der Chef, also mehr "Autorität" ausstrahlt, hat eh kaum eine Chance].
Die Frage nach der Guten Arbeit führt aber auch zur Erkenntnis, dass, Gottseidank, eine solche, auch wenn es sie gäbe, für jede(n) etwas anderes bedeutet. Nebst den charakterlichen Stärken und Schwächen, wie den persönlichen Zielen, die uns unterscheiden, besteht nach wie vor immer noch ein beträchtlicher Unterschied zwischen dem was Frauen und dem was Männer als GUTE ARBEIT betrachten:
Bekanntlich erfolgt die Berufswahl immer noch sehr geschlechtsspezifisch: Viele Berufe werden fast nur von jungen Männern, andere fast nur von jungen Frauen gewählt. 1995 - 2000. Hier ist kritisch anzumerken, dass ein beträchtlicher Anteil der tieferen Löhne bei Frauen auch auf diese Wahl weniger rentabler Branchen zurückzuführen ist. Bei den Frauen dominieren z.B. folgende Tieflohnbranchen: Verkauf, Coiffeuse, Pflege, Service, Gartenbau; während bei den häufigsten Männerberufen eigentlich bloss Gärtner mit relativ bescheidenen Durchschnittslöhnen rechnen müssen (wobei es sich aber immer noch um eine sehr Gute Arbeit handelt, was die andern Aspekte des Berufs betrifft!).


http://www.bbaktuell.ch/pdf/bba57a.pdf


Gute Arbeit lässt sich z.B. anhand der Bedürfnishierarchie nach Maslov
beurteilen:
Wir sehen hier bereits, dass der Aspekt, der für mich einer der wichtigsten ist, nämlich die Freiheit (Selbstachtung, Selbstverwirklichung), für die Mehrheit offenbar erst an vierter oder fünfter Stelle kommt.
1. Der wichtigste Aspekt ist die Deckung physischer Bedürfnisse, d.h. eine Arbeit haben, welche die Existenz garantiert.
Dazu gehören die angemessene und gerechte Entlohnung für die Arbeitsleistung (Bezahlung, Höhe des Lohnes), das Übereinstimmen von Können - Belastung, geistig wie körperlich http://www.fhl.li/mitarbeiter/sge/skripten/personal2000_teil3.pdf.
2. Fast eben so wichtig und motivierend ist die Sicherheit, womit vor allem die
Sicherheit vor Arbeitsplatzverlust gemeint ist.3. Soziale Bindungen: Zwischenmenschliche Kommunikation ist entscheidend für Lernen und persönliche Entwicklung.
Hier sind nun eine ganze Reihe von Faktoren von Bedeutung. Einer der wichtigsten ist die richtige soziale Steuerung, d.h. dass der Mitarbeiter von Kollegen, dem Team, Vorgesetzten und Kunden erfährt, wie er und seine Leistung eingeschätzt wird. Aus Fehlern lernt man ... aber nur, wenn man sie erkennt, oder sie einem mitgeteilt werden, und man die Chance hat, Alternativen zu entwickeln. Hier liegt ein Schwerpunkt von Arbeitsorganisation und Training. Hier lassen sich allenfalls einige Aspekte der Betriebsherrschaft abfangen und demokratisieren und das Selbstbewusstsein stärken, was insbesondere zur Bekämpfung von Mobbing wichtig ist. Die Tatsache aber, dass insbesondere Grossbetriebe aber hierarchisch organisierte Zwangsorganisationen und Kampfverbände sind, lässt sich so nicht wegreden. Oft wird das allerdings gar nicht versucht, im Gegenteil. Man erinnere sich an einige Trainingsbeispiele für Drücker aus dem Bereich Finanzberatung, wie sie vor einigen Jahren publik wurden: Der Kunde ist ein Schwein. Der Kunde hat Dein Geld. Du wirst ihm zusetzen, bis er es rausrückt!
http://www.checkbox24.de/zufriedenheit/arbeitszufriedenheit.html
Weitere Aspekte zu diesem Thema wären Sozialkompetenz, Organisationsstruktur, Betriebsnormen/Betriebsphilosophie, Führungsstil und Kommunikationskultur.
4. Selbstachtung: Sinnvolle Arbeit motiviert - Mobbing schadet Mitarbeitern und Betrieben heute vermutlich mehr als Streiks.Obwohl dieser Punkt bei Maslov erst an vierter Stelle kommt, kann er eben so überlebenswichtig sein wie auch entscheidend für die Qualität der Mit-Arbeit, der Kooperation im Betrieb. Es ist anzunehmen, dass der/die MitarbeiterIn einigen Aufwand getrieben hat, bis er/sie durch Ausbildung und Erfahrung in den Stand kam, einen Arbeitsplatz besetzen zu können. Viel Zeit und Geld wurden investiert. Der Job sollte nun dem eigenen Persönlichkeits- und Ausbildungsprofil möglichst gut entsprechen - aber auch endlich die Rendite bringen. Dazu gehört auch, dass die Aufgabe als wichtig wahr genommen wird, dass die Arbeit sinnvoll ist und Gehalt hat.
Mobbing liesse sich, leicht zynisch, wie folgt definieren: Mobbing ist die Rache der Untergebenen an Kollegen und Kolleginnen, dafür dass man selbst Untergebene(r) ist. Durch Mobbing versuchen sich einzelne in eine höhere Position zu stellen, da sie dadurch zeigen können, dass auch sie jemanden beherrschen, also Chef sind. Mobbing ist damit eines der Mittel mit dem sich das Kapital die Macht erhält, ohne selbst in Erscheinung treten zu müssen. Mobbing ist ein systemischer Effekt, der Herrschaft erhält und Freiheit untergräbt ... von unten, nicht von oben. Mobbing ist Dummheit.

http://www.mirko-wendland.de/skripte/aundo/aundo03.html
5. Selbstverwirklichung
Dieser Punkt dürfte unter der Spezialisierung am meisten gelitten haben. Kreativität, Verantwortung, Selbständigkeit sind zwar als Schlagworte in vielen Stellenausschreibungen enthalten. Beim dritten oder vierten kreativen Vorschlag zur Arbeitsgestaltung der vom Chef mitleidig im Papierkorb oder in der Schublade entsorgt wird, schwindet aber bei den meisten eben die Lust an Kreativität. Auch die Sache mit der Selbständigkeit ist eine lästige. Je mehr Arbeitslose, je härter die Zeiten für Arbeitnehmer, desto mehr machen Chefs auf Härte: Ich bestimme - Sie führen aus! [Wie damit umzugehen ist?] Sobald allerdings was schief geht, heisst es dann schon: Mitdenken, Selbstverantwortung. Aber meist ist diese leider erst dann erwünscht. Die Balance zwischen Auftrag ausführen und selbständig Denken ist in den meisten Betrieben mehr als Suboptimal, zu Lasten von Unternehmen wie von Angestellten..
Eine erfüllende, ganzheitliche Arbeit, ohne Entfremdung, ist die beste Motivation: Spezialisierung führt leicht dazu, dass der Einzelne seinen Beitrag kaum mehr als Beitrag zu einem ganzen und geschlossenen Werk (Produkt) sehen kann. Dem wird zum Teil heute mit Produktions- oder Planungsinseln begegnet. Der Ermüdung durch die Monotonie immer gleicher Arbeit wird durch job enlargement begegnet. D.h. vor- und nach gelagerte Arbeitsschritte werden integriert. Beim job enrichment werden auch Entscheidungsbefugnisse an die Ausführenden übertragen. Durch job rotation ergibt sich eine dritte Möglichkeit, der Monotonie der Spezialisierung ein bisschen zu entrinnen.
Autonomie: Die Möglichkeit der Autonomie (4. Sektor), also selbst über die Ausführung der Arbeit zu entscheiden (was, wann, wie, ...) wird als starker Motivator angesehen - sofern die Mitarbeiter tatsächlich Wert auf Autonomie und die damit oft verbundene größere Verantwortung legen. Fertigungs-Segmentierung, teilautonome Gruppenarbeit und andere arbeitsorganisatorische Konzepte betonen diesen Faktor. Auch die Übertragung von indirekten Tätigkeiten, wie z. B. Wartung oder Instandsetzung erhöhen die Autonomie (neben dem Anforderungswechsel). Führen Mitarbeiter diese indirekten Tätigkeiten selbst durch, dann können sie damit den reibungslosen Ablauf ihrer produktiven Kernaufgaben besser beeinflussen.
http://www.uni-muenster.de/Biologie/Main/aktuell/SozKompArbeitszufr.pdf
Da die hierarchische Organisation der Grossbetriebe dort eh meist versagt, wo es um Selbstwert und Selbstverwirklichung der Angestellten geht, da die hierarchisch organisierte Wirtschaftskampforganisation aber auch immer mehr die wichtigsten Bedürfnisse, also physische Existenz und Sicherheit der Mitarbeiter zur Disposition stellt, ist die Entwicklung des 4. Sektors dringend.

Dass mehr Bildung kein Mittel gegen Arbeitslosigkeit ist, sondern eher die Folge davon, wurde bereits in http://www.brainworker.ch/Bildung/bildung&arbeitslosig.htm dargelegt. Mehr Bildung erhöht den Konkurrenzdruck und die Weiterbildungskosten - nicht aber die Zahl der Arbeitsplätze, oft zwar den Lohn, aber selten die Rendite.
Bildung verringert sicherlich das persönliche Risiko arbeitslos zu werden ... aber eben nur individuell, für Einzelne, nicht für die Gesamtwirtschaft. Besser qualifizierte verdrängen weniger Qualifizierte, that's all the secret: http://www.finance.gov.mk/gb/bulletins/07-08-04/statii5.pdf
In http://www.brainworker.ch/Bildung/weiterbildung_CH.htm wurde zudem belegt, dass nur wenige Betriebe Weiterbildung finanzieren. Die Arbeitnehmer haben durch den zunehmenden Zwang zur Flexibilität auch immer höhere Kosten zu tragen. [s. auch Bildungszwang/Bildung als nächste Zwangsabgabe].
Die
ILO (International Labour Organization) hat dies das Trainings-Paradoxon
genannt. Da die Arbeitskräfte aus dem 1. Sektor bereits abgewandert sind und
seit längerem nun auch aus dem 2. Sektor in den 3. wandern, stellt sich die
Frage, wer die Kosten dieser Umbildung bezahlt. Während aber durch Globalisierung,
Strukturänderung und Flexibilisierung die Anforderungen an die Ausbildung immer
höher werden, sinken gleichzeitig die Einnahmen. Dies ist nicht nur bei den
Unternehmen, auf Grund des schärferen Wettbewerbs, der Fall, sondern auch bei
der öffentlichen Hand, dort vor allem auf Grund des Steuerwettbewerbs.
Dieses Trainings-Paradoxon verursacht nun nicht bloss den Arbeitskräften individuelle Probleme, sondern auch der Volkswirtschaft. Die Anreize in Bildung zu investieren sind gering, da die Kosten (direkte Weiterbildungskosten + Einkommenseinbusse + Freizeitverzicht + Belastung familiärer Beziehungen) recht hoch sind, die Rendite aber eher tief (zumeist so tief, dass sie nirgends publiziert wird). Die Schweiz kennt im Gegensatz zu Deutschland auch kein Recht auf Bildungsurlaub. Ebenso ist die Anzahl an Betrieben die Weiterbildung fördern unterdurchschnittlich für europäische Verhältnisse (negativer Sonderfall Schweiz in dem Falle).
Ein weiteres massives Problem ist die fehlende Orientierung. Wer kennt die Weiterbildungsbedürfnisse? Wer weiss, was in zwei oder drei Jahren an Wissen gefragt ist? Niemand. Erinnern Sie sich, wie unisono die gesamte Wirtschaft der Schweiz vor 3 bis 4 Jahren den Mangel an Informatikern beklagt hat. Diejenigen die damals ins Studium eingestiegen sind, können sich heute ihr Diplom gleich vom Arbeitsamt stempeln lassen.
Nebst der Orientierung schwindet auch die Haltbarkeit des Wissens. Wenn Sie eine Ausbildung von 5 Jahren absolvieren (Batchelor + Master z.B.), dann sind die Dinge die sie in den ersten 2 Semestern gelernt haben, gerade noch etwa 1/4 wert, d.h. zum grossen Teil veraltet.
F. Haselbeck. ZfU Thalwil empfiehlt: Am Anfang jeder Ausbildung müssen die grundlegenden Fähigkeiten erarbeitet werden, die ein Leben lang gebraucht werden: lesen, schreiben, rechnen und allgemein bildende Fächer wie Lernen lernen, Probleme lösen, Kreativität, Flexibilität, Teamwork oder Denkarbeit. In einer zweiten Phase der Ausbildung gilt es herauszufinden, wo die eigenen Stärken liegen, um dort ein Basiswissen zu erarbeiten. Heute - und in Zukunft verstärkt - wird die Durchlässigkeit zwischen den einzelnen Ausbildungsprofilen und Berufen bedeutend besser sein als im Vergleich zu früher. Auf Grund von Untersuchungen wird angenommen, dass im Schnitt künftig jeder Mensch vier verschiedene Berufe bis zu seiner Pensionierung ausüben wird.
Empfehlung: Die Grundausbildung verkürzen und berufsbegleitendes Weiterbilden wesentlich verstärken. So wird die «lernende Organisation» im Unternehmen Realität. Für den Stelleninhaber ist in der Regel eine am Bedarf orientierte Just-in-time-Weiterbildung am sinnvollsten. Längere Lernblöcke bieten sich an, wenn grössere Veränderungsschritte (Berufswechsel) zu bewältigen sind. Die vertikale Karriere tritt allmählich in den Hintergrund und wird von der Know-how-Karriere abgelöst. Zusätzliches Wissen auf unterschiedlichen Gebieten erleichtert den Aufstieg auf der sozialen Leiter und bewegt das Salär mit nach oben.
http://www.zfu.ch/service/fartikel/fartikel_01_alpha.htm
Ein weiteres Problem ist die Verstärkung sozialer Ungleichheit durch Bildung.
Intelligente fahren (meist) besser, und für Kinder aus Akademikerfamilien
ist es z.B. 13 x wahrscheinlicher ist als für
Kinder von Eltern ohne nachobligatorische Ausbildung, dass sie selbst ein
Studium abschliessen Dafür ist es für Kinder, mit Eltern, die selbst keine
nachobligatorische Ausbildung erworben haben, 13 mal wahrscheinlicher als für
Kinder aus Akademikerfamilien, dass sie ebenfalls ohne Ausbildung durchs Leben gehen
müssen werden. Auf der
einen Seite stehen jene mit schwacher Grundausbildung, die auch während der
Arbeit kaum weitergebildet werden. Auf der anderen Seite jene mit einer hoch qualifizierten Grundausbildung, die sich kontinuierlich während ihres
gesamten Arbeitslebens weiterbilden. Solche "Kastensysteme" sind einer
Demokratie aber eigentlich unwürdig.
Die schwach Ausgebildeten erfüllen jene Arbeiten, die reine Hilfsarbeiten sind.
In wenigen Tagen ist man dafür angelernt. Häufig sind dies Tätigkeiten, bei
denen Mitarbeiter durch neue Technologien später freigesetzt werden. Das
bedeutet ein ständiger Kampf an der untersten Skala der Einkommen. Der
Working-poor balanciert sich so an der Überlebens-Grenze entlang.
Soziale Ungleichheit im Bildungswesen: http://www.studienwahl.de/fmg.htm
Positiv zu vermerken wäre hier allenfalls noch, dass die
Durchlässigkeit bei de r Bildung heute recht optimal gelöst ist. Wer also sein
Studienziel ändert oder später seine Bildung erweitern will, dem steht ein recht
offenes und ziemlich umfassendes Bildungssystem zur Verfügung.
Ich habe hier einen grossen Teil der Arbeit: Möglichkeiten und Grenzen der Technisierung der Arbeitswelt. Tom Schneider. März /April1998 http://socio.ch/arbeit/t_tschneid1.htm direkt übernommen, weil sich hier zufällig eine äusserst interessante Parallele zu den Überlegungen unter Freiheit, Macht, Herrschaft und Gewalt wie Politik und Wirtschaft: Management der Kollektivgüter ergibt. Dort wurde die Entwicklung des freien 4. Sektors empfohlen, eine rein zufällige Übereinstimmung, denn ich hätte die Sektoren gerade so gut anders herum nummerieren können, aber sinngemäss sind sie trotzdem sehr nahe verwandt, als freie, eher künstlerische Tätigkeit, mit dem Schwerpunkt auf dem Werk, nicht der Organisation.
Tom Schneider analysiert das Rationalisierungspotential der 3 Sektoren und entwickelt einige interessante Perspektiven zum 4. Sektor (gekürzt. Kommentare in unterschiedlicher Schrift):
Die aktuelle Entwicklung zeigt eine relativ ungehemmte Rationalisierung in allen Bereichen. Das Rationalisierungspotential ist insbesondere im Bereich der unflexiblen niedrig-qualifizierten Arbeiten verhältnismässig hoch.
Primärer Sektor: Land- und Forstwirtschaft: Der moderne Bauernhof ist relativ stark automatisiert, der menschliche Arbeitseinsatz beschränkt sich häufig auf die Kontrolle und Steuerung der automatisierten Prozesse; als Beispiele seien das Melken der Kühe oder das Ernten von Weizen angeführt. Das Beispiel der "Tierfabriken" sowie die grossen Landwirtschaftsbetriebe z.B. der USA zeigen weiter die Möglichkeiten der Massenproduktion von Lebensmitteln. Auch wenn in solchen Betrieben das Rationalisierungspotential bereits zu einem grossen Teil ausgeschöpft ist, könnte für die Zukunft durch die Verfeinerung der Produktionstechniken die Möglichkeit einer leichten Verminderung des Arbeitsangebotes vor allem im unteren Qualifikationsbereich erwartet werden.
Einen Einblick in die heutige Lage des Angebotes höher qualifizierter Arbeit im primären Sektor bietet das Vorlesungsverzeichnis der Eidgenössischen Technischen Hochschule; die ETH bietet Lehrgänge zu den Agrar- und Lebensmittelwissenschaften (Abteilung VII) und den Forstwissenschaften (Abteilung VI) sowie weiteren verwandten Gebieten an; wie in vielen anderen Bereichen zeigt sich somit auch im primären Sektor eine Erhöhung des Niveaus bei der Ausübung der entsprechenden Berufe. Dieses hochstehende Ausbildungsangebot und die intensive wissenschaftliche Auseinandersetzung auf diesem Gebiet sind mit ein Grund für das heutige, - auch bezüglich der Technisierung - hohe Niveau im primären Sektor, gepaart mit der relativen Bedeutungslosigkeit im Beschäftigungsmarkt.
Weitere Verluste des Arbeitsangebotes könnten durch die weitergehende Forschung im Agrarbereich, vor allem im biochemischen, gentechnologischen Bereich erzielt werden: Durch eine weitere Ertragssteigerung könnte die Nachfrage nach Agrarprodukten in noch höherem Masse durch die grossen, wenig personalintensiven Landwirtschaftsbetrieben befriedigt werden. [s. Texte zu Bildung: Forstingenieur/Kulturingenieur]
Für den SEKUNDAER-SEKTOR (Industrie) ist einerseits die sehr weitgehende Automatisierung, andererseits der nicht zu unterschätzende Unterhalt von Bedeutung. Die Automatisierung könnte eine zusätzliche Steigerung erhalten, indem die zunehmend verfeinerte Robotik und die künstliche Intelligenz (KI) konsequent angewendet würde - wobei unter künstlicher Intelligenz nicht die Nachbildung der menschlichen Kreativität verstanden werden darf, sondern vielmehr die Fähigkeit zur selbständigen logischen Entscheidfindung, gegebenfalls unterstützt durch eine audiovisuelle Eingabemöglichkeit. Mit einer kombinierten Anwendung von Robotik und KI könnte innerhalb eines Produktionsprozesses gegenüber heute ein grösserer Teil der anfallenden Arbeiten maschinell erledigt werden, Kontrolle, Reparatur und Wartung eingeschlossen. Der Anteil der von Menschen durchgeführten Arbeiten könnte sich im Extremfall auf die reine Kontrolle des Prozesses, das Eingreifen bei nicht vorhergesehenen Störungen sowie bei Arbeiten, zu welchen die Robotik noch nicht imstande ist, beschränken - letzteres sind zumeist Unterhaltsarbeiten, welche eine grosse Flexibilität verlangen, wie z.B. das Entfernen von sporadisch anfallenden Ablagerungen/Verschmutzungen, welche nur unter grösserem Aufwand entfernt werden können. Ein anschauliches Beispiel für die Möglichkeiten der Automatisierung bietet die Raumfahrt; im Weltraum muss gezwungenermassen weitestgehend auf menschliche Arbeitskräfte verzichtet werden.
Für den Menschen beschäftigungspolitisch von Bedeutung würden also in erster Linie die Entwicklung des Produktionsprozesses sowie analytische Aufgaben bleiben, welche ein grösseres Mass an Kreativität verlangen. Qualifikationsmässig niedrigere Arbeiten sind zwar kurz- und mittelfristig für den reibungslosen Betrieb von grosser Bedeutung, könnten aber relativ einfach durch Maschinen ersetzt werden, sofern sich die Arbeit auf einen spezifischen Einsatzzweck beschränkt. Arbeiten niedriger Qualifikation, welche eine hohe Flexibilität verlangen, werden erst längerfristig, aber kaum vollständig ersetzbar sein.
TERTIAER-SEKTOR (Dienstleistungen): Zu dieser Kategorie ist beispielsweise das Schalterpersonal zuzählbar. Diese häufig routinemässig ausführbaren Arbeiten werden bereits heute von den Arbeitgeber stark rationalisiert und wenn möglich maschinell ausgeführt. Als Beispiel sind die auf der Strichcode-Erkennung basierende Kassen und die automatische Kleingeldausgabe zu nennen, welche den Aufwand an einer von Menschen bedienten Kasse auf ein Minimum beschränkt. Weiter sind Kassen möglich, bei denen der Kunde die eingekauften Waren selber registriert; hier sind zusätzlich Diebstahlsicherungen, welche zeitgleich mit der Registrierung deaktiviert werden, ebenso denkbar wie die mittels eines Automaten durchgeführte Bezahlung. Weitere heute automatisierte, ehemalige Schalterarbeiten wie die Geldausgabe bei Banken werden von den Arbeitgebern häufig aktiv gefördert, indem beispielsweise bei Schalterauszahlungen eine Gebühr gefordert, oder beim elektronischen Zahlungsverkehr gar ein Bonus gutgeschrieben wird, in Form eines Geldbetrages (z.B. Zürcher Kantonalbank) oder in Form von Sammelpunkten (z.B. Schweizerischer Bankverein). Ähnliche unflexible niedrig-qualifizierte Arbeiten wären in analoger Form automatisierbar.
Weiter in die Kategorie der flexiblen niedrig-qualifizierten Arbeiten zu zählen sind Berufe wie z.B. Chauffeure. In Bereich des Schienenverkehrs wäre dieser Beruf theoretisch komplett automatisierbar; bereits seit geraumer Zeit werden solche Systeme bei Metros angewandt und vielerorts geplant (VAL z.B. in Lille oder Météor der Pariser Metro). Beim Flugverkehr sind vollautomatische Lenksysteme in vielen Bereichen bereits die Regel, weitergehende Entwicklungen sind auch hier denkbar.
Bei den Arbeiten im Produktions- und Unterhaltsbereich innerhalb von Dienstleistungsbetrieben gelten die gleichen Aussagen wie im sekundären Sektor. Vor allem bezüglich den Reinigungsdiensten werden im Bereich der Robotik relativ grosse Anstrengungen getätigt, mit zum Teil viel versprechenden Entwicklungen, die bei entsprechender Forcierung der Bemühungen schon bald Marktreife erlangen könnten. Dies würde bezüglich den niedrig-qualifizierten Arbeiten gewisse Auswirkungen auf den Beschäftigungsmarkt im Gastgewerbe und im Gesundheitswesen mit sich ziehen.
II.3.3 Unkreative höher-qualifizierte Arbeiten
Bei den höher-qualifizierten Arbeiten muss der Begriff der Flexibilität durch den Begriff der Kreativität ersetzt werden, da Berufe höherer Qualifikation bereits meist eine gewisse Flexibilität voraussetzen, nicht aber Kreativität.
Zu den unkreativen höher-qualifizierten Berufen können die meisten Ingenieurberufe gezählt werden, da hier bei variierender Aufgabenstellung ein - geregelter - Lösungsweg gefunden werden muss. Mit Ausnahme der Ingenieurwissenschaften, welche zu den kreativen Arbeiten zu zählen sind, könnten die in Ingenieurberufen im Alltag anfallenden Probleme in der Regel durch logische Entscheidfindung gelöst werden; ein Programm mit KI wäre also theoretisch in der Lage, aufgrund eines vorgegebenen Problems selbständig zu einer Lösung zu gelangen . Als hierfür geeignete Berufssparten seien die Beispiele Bauingenieurwesen oder Verfahrenstechnik genannt. Menschliche Arbeitskräfte wären hier noch bei ausserordentlichen Problemen und zur Kontrolle des Prozesses nötig.
Weitere unkreative höher-qualifizierte Berufe sind die Geologie, das Archivwesen, Finanzbuchhaltung sowie die Jurisprudenz; in letzter Sparte werden seit geraumer Zeit relativ weitgehende Versuche durchgeführt, wobei allerdings die Erwartungen - im gesamten Bereich der unkreativen höher-qualifizierten Arbeiten, und speziell bei der juristischen Entscheidfindung - nicht allzu hoch angesetzt werden dürfen. Der Mensch hat immer die abschliessende Bearbeitung durchzuführen, doch kann bereits heute in einem gewissen Rahmen eine erste Beurteilung durch den Computer erstellt werden, was für den Menschen eine Entlastung vor allem von Routinefällen darstellt
Ebenfalls zu dieser Kategorie können solche Berufe gezählt werden, welche ein Einfühlungsvermögen in andere Menschen verlangen, also zum Beispiel die Pädagogik oder die Psychologie.
Quartiärer Sektor (Freie Dienstleister für Soziales, Kunst und Kultur)
Zwischen den Branchen und Arbeitsmärkten wird es beträchtliche Verschiebungen geben. Es bestehen Prognosen, wonach im Jahre 2020 nur noch 1% der Beschäftigten in der Agrarwirtschaft, 15% in der Produktion und 34% in den uns bekannten Dienstleistungen arbeiten werden. Das heisst: 50% der Beschäftigten können dann im sozialen Bereich oder in Kunst und Kultur eingesetzt werden. Dies ist möglich, weil die Informatik zunehmend mehr Leute in den klassischen, jetzt vor allem administrativen Arbeitsplätzen freisetzt. Es ist eine ähnliche Bewegung im Gang wie das früher in der Landwirtschaft war: die Traktoren kamen, die Pferde verschwanden.
Unter dem Begriff des quartiären Sektors sollen im Folgenden Berufe verstanden werden, welche nicht direkt einsehbar als materiell produktiv charakterisiert werden können. Dieser Begriff umfasst somit sämtliche künstlerischen Berufe: Schauspieler, Musiker, Literaten, aber auch Philosophen, Theologen, Architekten und weitere.
Im Unterschied zum tertiären Sektor ist nicht nur der Dienst am Kunden (oder im Falle der Wissenschaften der Dienst an der Gesellschaft), sondern auch die eigene Erfüllung wichtig. Die Produkte des quartiären Sektors können zwar wie diejenigen der anderen Sektoren konsumiert werden, doch ist das Produkt im quartiären Sektor untrennbar mit dem Ersteller verbunden.
Somit kommt der quartiäre Sektor dem Idealbild der Arbeit als Mittel zur Selbstverwirklichung von selbst aus am nächsten. In unserer Diskussion um die Technisierung der Arbeitswelt ist dieser Bereich deshalb insofern interessant, als dass er möglicherweise ein Auffangbecken bilden könnte, wenn sich die Beschäftigungslage durch weitergehende Rationalisierungen in zu hohem Masse nicht nur vom primären und sekundären in Richtung des tertiären Sektors, sondern weiter eben in Richtung des quartiären Sektors bewegen würde.
Eine ökonomische Schranke im Produktionsprozess bildet die bei der Technik-unterstützten Produktion gegenüber der von Menschen durchgeführten Arbeiten verringerte Flexibilität. Dieser Sachverhalt prädestiniert in erster Linie die Massenproduktion für maschinelle Produktionsabläufe, während bei kleineren Serien weiterhin (flexiblere) menschliche Arbeitskräfte eingesetzt werden
Niedrig-qualifizierte Arbeiten könnten längerfristig weiter rationalisiert und automatisiert werden, wobei diese Tendenz durch die Widerstände der Gewerkschaften, der bezüglich der Technik skeptisch eingestellten Bevölkerungsteilen, sowie kurz- (aber nicht länger-) fristig auch durch ein eventuell in weiteren Staaten eingeführte ökologisch-motivierte Steuersystem gehemmt würde. Von weitergehenden Automatisierungen betroffen wären in erster Linie unflexible, niedrig-qualifizierte Arbeiten. Nur zu einem Teil automatisierbar sind flexible niedrig-qualifizierte Arbeiten, wobei besonders flexible Arbeiten weiterhin annähernd gänzlich von Menschen durchgeführt werden müssen. Aus psychologischen Gründen wird auf Berufe, in welchen der zwischenmenschliche Kontakt gewünscht wird, ebenfalls nicht verzichtet werden können, auch wenn in diesem Bereich weitere, allerdings nicht umfassende Bestrebungen zur Automatisierung befürchtet werden müssen.
Das Ziel, die Arbeit zu einem Mittel der individuellen Entfaltung umzugestalten, konnte bis heute nicht erreicht werden. Insbesondere in wirtschaftlichen Krisenphasen werden viele Arbeitnehmer zu mehr Flexibilität gezwungen oder verlieren ihre Stelle. Für die Zukunft kann zwar eine Verlagerung hin zu den kreativen höher qualifizierten Arbeiten erwartet werden, was als grundsätzlich positiv gewertet werden darf, da diese Arbeiten einen grösseren Spielraum für die individuelle Entfaltung bieten. Doch kann durch eine fortschreitende Technisierung und Rationalisierung auch eine allgemeine Verknappung des Arbeitsangebotes nicht ausgeschlossen werden, was den Druck auf die Arbeitnehmer erhöhen und somit das Wohlbefinden im Beruf schmälern würde.
1. Lösungsansatz:
Keine ProduktionsmachtWie im Kapitel II.4 beschrieben, kämen die unter dem quartiären Sektor zu verstehenden Berufssparten - die künstlerischen Berufe - am ehesten dem Ideal der Arbeit als Mittel zur Selbstverwirklichung nahe. Eine Vergrösserung des Beschäftigungsangebotes in diesem Sektor würde für viele die Möglichkeit bieten, einen sie selbst erfüllenden Beruf ausüben zu können. Gleichzeitig würde diese Gruppe, welche heute meist zweitberuflich im primären, sekundären oder tertiären Sektor tätig ist, den Arbeitsmarkt in eben diesen Sektoren entlasten.
Heute werden Grossveranstaltungen mit namhaften Beiträgen gesponsert; kleinere Veranstaltungen hingegen müssen mit wenig oder gar keinen privaten Mitteln auskommen, meist ist es der Staat, der kulturelle Institutionen unterstützt. Beispielsweise mittels einer ausgebauten Möglichkeit der Steuerabzugsmöglichkeiten könnten Firmen, aber auch wohlhabende Private zu vermehrtem Sponsoring bzw. zu mehr Spenden an künstlerische Organisationen bewegt werden, wobei durch grössere Abzugsmöglichkeiten kleine kulturelle Institutionen bevorzugt behandelt werden sollten. Dadurch könnte der quartiäre Sektor eine Expansion erfahren, womit der allgemeine Arbeitsmarkt entlastet würde. Ausserdem könnte eine Erhöhung der Zufriedenheit der entsprechenden Berufstätigen - was ein wesentliches Anliegen der Gesellschaft sein sollte - gesteigert werden.
2. Lösungsansatz:
Alle Macht den Konsumenten (?)Das Konsumverhalten beeinflusst in hohem Masse die gesellschaftliche Entwicklung. In vielen Fällen beherrscht die Gewohnheit das alltägliche Verhalten, womit Richtungswechsel in der Frage der zukünftigen Entwicklung nur schwer durchsetzbar sind. Dennoch zeigen sich in manchen Fällen soziale Bewegungen, welche zu einem grundsätzlichen Wandel der Verhältnisse führen können. Ein bemerkenswerte Beispiel ist die Rückkehr vieler Konsumenten zu Bio-Produkten. Da biologisch orientierte Landwirtschaftsbetriebe in der Regel mehr Arbeitskräfte benötigen als vergleichbare konventionelle Betriebe, könnte dieser Wechsel des Konsumverhaltens eine leicht positive Wirkung auf die Beschäftigungslage zeitigen.
Nach der Fusion der Grossbanken SBV und UBS und den damit verbundenen organisatorischen Rationalisierungsmassnahmen konnte eine Welle der Entrüstung beobachtet werden, welche in der Aufforderung gipfelte, das Geld bei kleineren Banken anzulegen, als Protest gegen den fusionsbedingten Arbeitsplatzabbau.
Es kann gemutmasst werden, ob in der Bevölkerung das Potential vorhanden wäre, um eine breite Konsumentenbewegung auszulösen, welche das Ziel der Arbeitsplatz-Erhaltung hätte. Konkret könnten die Konsumenten bewusst kleinere Betriebe unterstützen, welche im Vergleich zu grossen Unternehmen (u.a. durch die bescheideneren finanziellen Möglichkeiten) weniger technisiert und rationalisiert arbeiten, und somit eine grössere Beschäftigungsnachfrage haben (vgl. Dicke 1995). Eine solche Unterstützung käme heute kleineren, wirtschaftlich unter Druck stehenden Betrieben zugute, womit bestehende Arbeitsplätze gesichert würden und unter Umständen sogar neue Stellen geschaffen werden könnten. Eine solche Bewegung würde in der Initialphase von Bio-Konsumenten und von gewerkschaftlich- und (im Sinne von Kapitel III.5.3) konservativ-denkenden Kreisen getragen. Mit einer breiten Unterstützung der KMU durch die Konsumentenschaft könnte die Tendenz zu weiteren Rationalisierungen eventuell abgeschwächt werden.
Empfehlungen:
Wenn Ihnen die Erhaltung des brasilianischen Urwalds wichtig ist, lassen Sie brasilianisches Filet, Palmöl und ähnliches im Geschäft liegen, auch wenn es vier mal billiger ist als einheimische Produkte. Es ist nicht so billig, weil effizienter produziert, sondern weil seine Produktion Umwelt, d.h. Urwald, zerstört.
Wenn Ihnen freie Meinung und generell die Vielfalt der Presse wichtig sind, kaufen Sie deren Produkte und Dienstleistungen. [z.B. www.brainworker.ch/webdesign.htm ]
Der dümmliche Versuch, mit dem Werbeslogan "Geiz ist Geil" moralische Wertung per se zu untergraben, zeigt vielleicht am deutlichsten, dass das Ende der Dominanz des Kapitals über Natur, Gesellschaft und Moral nahe ist; womit endlich auch Kapitalismus, Plutokratie und Macht der Grösse ihrem Brüderchen, dem autoritären Kommunismus, ins Grabe folgen; womit Geld seine Macht als alleiniges Steuer- und Werthäufungsmittel abgeben muss und wieder zum banalen Tauschmittel wird; womit auch der Wachstumszwang ein Ende hat.
* Das Fragezeichen im Titel steht für gewisse, vermutlich nicht ganz unberechtigte, Zweifel, dass "der/die Konsument(in) gewillt und fähig ist, zukunftsorientiert und nachhaltig zu konsumieren. Eine übermässige Befreiung von Politik dürfte also kontraproduktiv sein.
Konsumieren wird also in Zukunft komplizierter - dafür wird das Produzieren im 4. Sektor amüsanter.
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Webmaster und Internet-Redaktor. Martin Herzog.
hewww@brainworker.ch
15. August 2004