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Entwicklung

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Martin Herzog

Inselstrasse 62

4057 Basel

Tel/Fax: (061) 831 80 15

 

mailto:hewww@brainworker.ch

Entwicklung: Zyklen - Evolution & Revolution

 

Lineares Wachstum:

Von linearem Wachstum reden wir, wenn zum Grundbetrag jedes Jahr gleich viel dazu kommt (Addition).

 

Exponentielles Wachstum:

Wird der Grundbetrag jedes Jahr um gleiche prozentuale Relation verändert (Multiplikation).

Während sich 50'000 Fr., zu 4% angelegt mit Zins und Zinsenszins innert 18 Jahren verdoppeln, braucht es für eine Verdreifachung bloss weitere 10 Jahre.

Das lineare Wachstum hinkt hier hinterher: Verdoppelung in 25 Jahren, Verdreifachung in 50 Jahren.
 

Unterschiedliche Wachstumsraten im internationalen Vergleich über die letzten einhundert Jahre

Land

BIPreal pro Person am Periodenanfang

BIPreal pro Person am Periodenende

Wachstumsrate  BIP pro Jahr

Wachstumsrate Bevölkerung aktuell

Japan

 USD 842

USD 16'144

3.00 %

0.5

Brasilien

436

3'417

2.39 %

2.2

Kanada

1'330

17'070

2.15 %

1.1

Westdeutschland

1'223

14'288

2.07 %

-0.7

Schweiz

2'979

15'650

2.07 %

-0.2

Vereinigte Staaten

2'244

18'258

1.76 %

0.9

China

401

1'748

1.71 %

1.2

Mexiko

649

2'667

1.64 %

2.6

Vereinigtes Königreich

2'693

13'589

1.36 %

0.1

Argentinien

1'284

3'302

1.09 %

1.5

Indonesien

499

1'200

1.01 %

2

Pakistan

413

885

0.88 %

3.1

Indien

378

662

0.65 %

2

Bangladesch

349

375

0.08 %

2.17

Die Entwicklung von Wirtschaft und Bevölkerung verlief ebenfalls zum grössten Teil exponentiell. Während bei praktisch allen wirtschaftliche entwickelten Ländern das Bevölkerungswachstum gegen 0 tendiert oder gar darunter fällt - und dafür die Wirtschaft um 2 bis 3% wächst (Ausnahme der lateinamerikanische "Tigerstaat" Brasilien), tendiert bei den Ländern, welche die industrielle Entwicklung noch vor sich haben der Bevölkerungszuwachs gegen 2 bis 3 % - und dafür das Wirtschaftswachstum - pro Kopf wohlgemerkt! - gegen 0. Während der Bevölkerungszuwachs an Grenzen stösst und in vielen entwickelten Ländern zum Stillstand gekommen ist, ist die Wirtschaft nach wie vor weit entfernt von einer wachstumsfreien Alternative:
Logistisches Wachstum

P: Populationsgrösse

t: Zeit

a: Fertilität

b: Konkurrenz

Nur Explosionen verlaufen exponentiell. Exponentiell ist aber alles Wachstum, das in % angegeben wird, also Bankkonten, Wertschriftenerträge, Umsatzzahlen etc.

Bei "normalen", irdischen Wachstumsvorgängen ist irgend wann der Platz (Boden) verbraucht, das Nahrungssubstrat, die zur Verfügung stehende Licht, Wasser, Mineralien, Rohstoffe... Deshalb verflacht sich die anfänglich ebenfalls exponentielle Wachstum um so stärker, je näher es an die Auslastungsgrenze kommt, z.B. die vollständige Sättigung eines Marktes.

Die so genannte S-Kurve ist "normalste" Form von Wachstum auf der Erde ist die logistische. Sie berücksichtigt, dass jegliche Entwicklung irgendwo an Grenzen stösst. Q(unendlich) steht für die Tragfähigkeit oder Kapazität, z.B. max. Viehbestand pro ha, oder der Vorrat einer Ressource auf der Erde. Nach einem langsamen Anstieg Beschleunigt sich die Entwicklung exponentiell, flaut aber auf Grund der Begrenzung wieder ab und stagniert auf dem maximal erreichbaren Niveau. Die Formel wurde von P.F. Verhulst entwickelt. Weitere Formeln und Erklärungen / Lotka-Volterra: Räuber-Beute-Modell für zyklische Entwicklungen.

Das Buch: Die Berechenbarkeit der Zukunft. Warum wir Vorhersagen machen können. Theodore Modis. Birkhäuser Verlag. Basel, Boston, Berlin. 1994, ist über 10 Jahre alt. Es ist also interessant, mal einen Rückblick zu machen um zu sehen, wie sich die Vorhersagen bewährt haben:

  1. Die Rolle der Frau in leitenden Positionen steigt stetig an, wird aber einen 50-Prozent-Anteil auf natürlichem Weg erst um das Jahr 2000 erreichen und bis zum Jahr 2010 auf 60% steigen.Die Aussage ist doch einigermassen revisionsbedürftig und zeigt deutlich, dass man die Zufälligkeit von Entwicklungsprozessen und ihre Sensibilität auf Umweltfaktoren nicht dadurch reduzieren kann, indem man sich einer komplizierten Formen bedient.

Modis erwähnt an anderem Ort, dass die "Ausbrüche von Feminismus" sich vor allem in Zeiten der Hochkonjunktur ereignen, eine Beobachtung die übereinstimmt  mit der Rocklänge als reziprokem Faktor der Konjunktur: Je kürzer die Röcke, desto besser die Konjunktur. Bisherige Spitzen 1930 und 1980, nächste 2025.

  1. Modis echnet damit, dass sich der Energiebedarf der USA im gleichen Mass weiter entwickeln wird und erst ca. 2040 in die Sättigungsphase gelangt. Auch hier dürften äussere Einwirkungen, wie China und die Klimaveränderung, eventuell doch zu einem anderen Verlauf führen.

  2. Die exklusive Verwendung von logistischen Modellen zur Beschreibung von Wachstumsvorgängen ist aber ebenso verfehlt wie die Erwartung exponentiellen Wachstums in der Wirtschaft, denn, so unwahrscheinlich das nach der mathematischen Formel aussehen mag, auch logistisches Wachstum endet nicht immer auf einem Plateau, sondern in einer Rückentwicklung, Alterung, also in einer Kurve die entweder der Normalverteilung, oder, bei zyklischen Wachstumsvorgängen, einer Sinuskurve ähnelt.

Beispiele logistischen Wachstums:


Zyklische Entwicklung der Konjunktur:

Weder die Natur noch die Wirtschaft entwickeln sich im Normalfall linear. Viel typischer sind Zyklen und Spiralen: Zwei Schritte vorwärts, einer zurück. Das liegt zum Teil an äusseren Einflüssen (Jahreszeiten, Budgetabschluss, politische Wahlperiode) zum Teil an inneren (Verfügbarkeit an Krediten, Entwicklung neuer Produkte, Aufbau neuer Infrastruktur ....). Nach dem Jahreszyklus, der in der Schweiz z.B. die Arbeitslosenzahlen stark beeinflusst, kennt die Wirtschaft

  1. den kurzfristigen, drei bis vierjährigen, Kitchin-Zyklus,
  2. den mittelfristigen, acht bis zehn Jahre dauernden, Juglar Zyklus und
  3. den langfristigen,  Kuznets-Zyklus von 20, 30, bis 40 Jahren.
  4. Der längste wäre dann noch der Kondratieff-Zyklus von 50 und mehr Jahren. Die Existenz solcher Zyklen ist seit der Mitte des 19. Jahrhunderts bekannt (Jevons).

Ueber die Ursachen streiten sich die Experten, noch mehr über die Vermeidbarkeit. Solange es diese Zyklen allerdings noch gibt, scheint es müssig, bei jedem Abschwung den Untergang des Abendlandes kommen zu sehen. Abschwünge sind nun mal zwingender Teil von Zyklen, so wie der Tag nicht ohne die Nacht, der Sommer nicht ohne den Winter, und die Ebbe nicht ohne die Flut zu haben sind.

Der kurzfristige Kitchin-Zyklus wird zurückgeführt auf das Investitionsverhalten bei Ausrüstungen die der Produktion dienen. Kommt ein neues Produkt oder Verfahren auf den Markt (Komputer, Internet z.B:), entsteht eine hohe Nachfrage bei beschränktem Angebot, also hohe Preise - was Investitionen auslöst. Da die Mehrheit der Akteure auf die selbe Art auf die selben Informationen reagiert, führt dies zu einer Ueberproduktion und damit zu Preiszerfall, sobald alle Investitionsgüter bereitgestellt sind und produzieren. Auf Grund der Ueberproduktion wird auf Lager produziert, was den Abschwung verlängert. Als Korrektur versuchen die Monetaristen (Keynes z.B) den Anstieg durch Geldverknappung und höhere Zinsen zu bremsen, den Abstieg durch tiefe Zinsen und mehr Geld zu verhindern. Der Erfolg bleibt fraglich. Die Stabilisierung der Märkte wird auch durch den spekulativen Devisenhandel beeinträchtigt. Hier liegt der Ansatzpunkt der Globalisierungsgegner, die Devisenspekulationen durch die Tobin-Tax weniger attraktive machen möchten. Eine Besteuerung des wichtigsten Faktors, der Innovation, also des Fortschritts, wurde noch kaum in Erwägung gezogen. Die erschwerten Zulassungsbedingungen für neue Produktionsverfahren und Produkte, gerade z.B. Gentech, dürften aber in diesem Sinne wirksam sein, mögen ihre direkten Absichten auch andere sein.

Der mittelfristige Juglar-Zyklus entsteht durch den selben Prozess bei Ueber-Investitionen in Kapitalgüter, der Kuznets-Zyklus durch zeitweiligen Ueberschwang bei der Produktion von  Infrastruktur, also Häusern und Firmen.

Der langfristige Kondratieff-Zyklus wird nach Schumpeter auf Innovationen zurückgeführt, welche grössere Infrastrukturvorhaben auslösen, wie etwa die Eisenbahn, Strassen.

Der Hauptgrund liegt also beim externen Faktor Innovationen, der sich kaum regulieren lässt. Kompliziert macht die Zyklen natürlich auch, dass sie sich überschneiden, manchmal also verstärken, manchmal gegenseitig neutralisieren. Für Vorhersagen sind gerade die längerfristigen kaum brauchbar, da weder die Dauer also die Wendpunkte, noch die Stärke sich mit einiger Präzision vorhersagen lässt. So wurde vielleicht der IT-Boom von 1999/2000 von vielen Investoren für eine neue Kuznets- oder Juglar-Kurve gehalten. Ihre kurzfristige Kitchin-Dimension hat dementsprechend massive "Neubewertungen" am Aktienmarkt verursacht.

 

Katastrophe / Absturz / Revolution:

Prozesse bei denen unter bestimmten Bedingungen gleichzeitig verschiedene Zustände auftreten können, die unvorhersehbar und manchmal mit katastrophaler Wirkung ineinander überwechseln können, sind nicht auf die Politik begrenzt. Zuerst wurde dies für die Chemie beschrieben (übersättigte Lösung die auskristallisiert, überhitztes Wasser das sich plötzlich in Dampf verwandelt etc.). Derartige Revolutionen, Divergenzen, Bimodalitäten, Unvorhersehbarkeiten, plötzliche Sprünge gibt es also auch in der Natur, die ja offenbar keine Sprünge machen soll. Sie werden dargestellt als Katastrophen-Knick:

 

Beispiele:

 a) Wissenschaftler und Verrückte (Erklärung dazu betr. IQ: Genie oder Spinner?): Wissenschaftliche Resultate nehmen zu in Abhängigkeit vom bereits vorhandenen Wissen, wie auch von Engagement und Enthusiasmus der Wissenschafter. Bei wenig Engagement (x verbleibt links) werden die Wissenschaften nur wenig Fortschritt machen. Ist jedoch ein enormer Enthusiasmus nicht von fortschreitender Erkenntnis begleitet, verbleiben die Resultate auf tiefem Niveau. Ein Wissenschafter der bei relativ geringem Wissensstand Behauptungen macht, die zur höheren Ebene (z +) gehören, wird als Spinner betrachtet. Entschieden ist die Sache jedoch erst, wenn die gesamte Ebene abgesteckt ist. Die Katastrophenfalte hilft also, Rückschritte zu erkennen, sie hilft allerdings nicht bei der Prognose, ob neues Wissen nun wirklich zutrifft, also wahr ist, denn die dazu notwendige Ebene der Erkenntnis muss erst erreicht werden. "Die Zeit wird es zeigen," sagt der Volksmund dazu.

Apropos Zeit: Mit Trend- und Meinungsforschung besitzen wir eine neuen Glaskugel, die uns den Blick in die Zukunft erlauben soll. Der Mensch ist frei, ist frei einem Trend zu folgen oder es zu lassen. Trends sind also ein Zeichen für Herdentrieb - sonst gäbe es sie nicht. Durch wirkliche individuelle Handlungsentscheidungen würde jeder Trend unterlaufen, sei es in Mode oder Wirtschaft. Die Trendforschung, als self-fulfilling prophecy, verstärkt den Trend, indem sie ihn erst bewusst macht. Darum werden gewisse politische Zahlen veröffentlicht und andere nicht, darum kommt es drauf an, wann wirtschaftliche, politische und gesellschaftliche "Trends" publik werden. Weil Trends nur so lange anhalten wie sie die Meinung deutlich beeinflussen, sind sie genau so vergänglich wie Regen oder Sonnenschein.

b) Bäume und Raupen: Nimmt gleichzeitig mit der Population der Raupen auch diejenige der Raupenfeinde zu, so kann sich der Wald und seine Bewohner kontinuierlich entwickeln, d.h. altern. Erreichen die Raupen eine hohe Populationsdichte, ohne dass ihre Antagonisten (Räuber, Krankheiten...) auf dem selben Niveau sind, dann wird die kontinuierliche Entwicklung gebrochen. Da ältere Bäume empfindlicher sind als junge sterben sie zuerst, und das Durchschnittsalter des Waldes fällt auf die stabile z- Ebene zurück.

c) Polarität - Kompromiss - Kooperation: Anhand des Modells lässt sich auch die unter Entwicklung und Dialog aufgezeigten Möglichkeiten der Lösung von Konflikten zeigen. Leider ist hier der Normalfall das Entweder-Oder, das Ja oder Nein, Schwarz oder Weiss. Für viele Abstimmungen eine Belastung und vermutlich einer der wichtigsten Gründe für Stimmabstinenz. Bei dieser Entweder-Oder-Entscheidung müssen die Verlierer alleine Kompromissfähigkeit zeigen, indem sie ihre Meinung anpassen. Eine höchst instabile Lösung, vor allem bei knappen Entscheiden. Die normale Form des Kompromisses wäre an der Wurzel der Falte zu finden, dort wo der instabile in den stabilen Bereich übergeht. Die kooperative Lösung würde eine Loslösung von der Polarität bedingen und dadurch die Suche nach einer Lösung begünstigen, die für beide optimal ist.

Martin Herzog, Rheinfelden, 5.4.2002

Wucher und Krebs

Eine besondere Form von Wachstum und Entwicklung ist der Krebs. Während in "normalen" Zellen die Teilung und das Wachstum über eine Vielzahl, heute noch weitgehend unverstandener Mechanismen gelenkt, gefördert und gebremst wird, entledigt sich die Krebszelle der "Bremssysteme". C. Norden und Y. Barral drücken das in ihrem Artikel zu den neuesten Forschungsmethoden [Weist und Licht-Mikroskopie den Weg?  ETH-Bulletin 298, Sept. 2005, S. 29-33]: Onkogenese [Krebsbildung] ist ein Prozess, bei dem die Zelle Robustheit gegen ein erhöhtes Potential, sich zu teilen, eintauscht. Oder, laut Meyers grossem Taschenlexikon: Krebs ist eine "bösartige" Gewebeneubildung, die sich durch programmwidrige Zellvermehrung auszeichnet. Sie kommt entweder durch erhöhte Zellteilungsraten mit einer Störung der Zellreifung sowie durch vermindertes Absterben (programmierten Zelltod) zustande. Hierbei versagen die unter physiologischen Bedingungen wirksamen regulierenden Systeme die die Zellteilung, Zell-, Gewebedifferenzierung und -Abbau aufeinander abstimmen.

Die (meist) tödliche Wirkung von Krebs beruht darauf, dass

  1. Krebsgewebe seine eigentliche Funktion verliert und

  2. die Krebsgeschwüre in ihre Umgebung einwuchern und dabei gesunde Organe zerstören,

  3. sich eventuell durch Ablösen von Zellen zu Metastasen führen, die den Krebs über den Blut- oder Lymphstrom im Körper verbreiten.

Interessant daran ist vor allem, dass es zwar medizinisch kaum eine tragischere Horrorvorstellung gibt, als von einem nach wie vor unheilbaren Krebsleiden befallen zu sein - wirtschaftlich das unkontrollierte Wuchern und Wachsen aber nur positiv gesehen wird, so dass links wie rechts alle darin wetteifern, wer denn wohl diesen Wucher besser unterstützen könne. Dabei hat der so geförderte Wirtschaftskrebs, die global wettbewerbsfähige Grossfirma, aber lokal und regional genau den selben Effekt wie ein Geschwür in einem Organismus: Sie verlieren ihre eigentliche Funktion (die Versorgung der Menschen mit knappen Gütern) und verdrängen lebensnotwendige Organisationen und Funktionen. [Details s. Selbst im Schach werden 50% der Figuren zu Bauernopfern .]

Der Wucher ist in der Wirtschaft das Selbe wie die Wucherung in der Biologie. Es wird Geld verlangt für eine Leistung die keine ist, oder es wird zumindest substantiell mehr Geld verlangt, als marktüblich ist. Letztere Definition ist allerdings schwach, da "der Markt" ja von "den Wucherern" recht eigentlich gestaltet wird, und Wucher, der bereits als normal anerkannt wird, sich noch zur "Überrendite (svp: shareholder value performance)" steigern lässt, ohne auf mehr als verbalen Widerstand zu stossen.

Die Wirtschaftsanarchisten, die einen schwachen Staat wollen (der Nachtwächter-Staat, der ihr Eigentum schützt, reicht ihnen ...), die keine Gesellschaft kennen, die sogar noch die Verhandlungssysteme der Sozial-Anarchisten ablehnen, die alles entfernen wollen, was dem Wachstum im Wege steht, sind also nichts anderes als Krebserreger oder, da meist systemintern strategisch aktiv, gar Onkogene.

Der Wunsch nach Wachstum ohne Lenkung oder Kontrolle ist aus der Perspektive so absurd, dass sich diejenigen, die der Theorie anhängen, vielleicht mal auf ihren Geisteszustand untersuchen lassen sollten. Der Widerstand gegen Wachstum, als Rückkoppelung und Bremse des krebsartigen Wucherns, ist Bestandteil jedes natürlichen Regelungssystems. So gehören demokratische Referenden, Gewerkschaften, wie auch das immer wieder angegriffene Verbandsbeschwerderecht, aber auch die Information der Öffentlichkeit, als Beitrag zur öffentlichen Meinungs- und Mehrheitsbildung eben zu den notwendigen Korrekturfaktoren, die krebsartiges Wuchern verhindern und systemisch integriertes Wachstum erst eigentlich ermöglichen.

M. Herzog, Basel, 11.9.05

19.6.07: Der erste Stein des Verbandsbeschwerderechts ist gefallen. St. Gallen schafft das kantonale Verbandsbeschwerderecht ab.*  Zürich macht sich sorgen, dass nun auch hier das selbe passieren kann. Im Aargau und Baselland sind ähnliche Initiativen der SVP hängig. Hier zeigt sich wiederum präzise, welche Art von "Freiheit" diese Partei verteidigt: Die Freiheit, die Schweiz so rasch, so umfassend und vollständig, so hoch, so schnell und so profitabel wie möglich zu verbauen. Die härtesten Gegner der EU - immer im Namen der Freiheit - erledigen die Basisdemokratie, die einem Betritt in erster Linie entgegen steht, gleich selbst und sorgen für Rechts-, Staats-, Autoritätsgläubige Strukturen ... die sich problem-, da widerstandslos in die EU-Bürokratie einbinden lassen. Sie sind die Totengräber der direkten Demokratie.

Ein Leserbriefschreiber macht allerdings darauf aufmerksam, dass in der 24-seitigen Abstimmungsbroschüre das Wort "Verbandsbeschwerde" ein einziges Mal auf Seite14 erwähnt ist, während dem die Abstimmung unter dem Motto: "Nachtrag zum Gesetz über die Verwaltungsrechtspflege" lief. Der Schreiber nimmt, vermutlich nicht zu unrecht, an, dass hier die Stimmbürger über den Tisch gezogen wurden und einer Abschaffung der Verbandsbeschwerde nie zugestimmt hätten.