Teilnahme an der Gestaltung der Gesellschaft, so wie wir sie haben wollen: Die Bürgergesellschaft_________________________________________
Die individuelle Ebene:
Das emotionale Anerkanntwerden ist konstitutiv für die Ausbildung von Gemeinsinn. [S. 74] Aber eine intakte Individualität stellt sich nur ein bei Gelingen der unterschiedlichen Sozialisationsprozesse. Im Wettbewerb schwankt der Mensch andauernd zwischen Erfolg (Anerkennung) und Misserfolg (Ablehnung), der nur noch schwach durch die Beständigkeit der famliären Bande (oder Liebe) aufgefangen wird.
Moralische Verletzung resultiert aus der Versagung solidarischer Anerkennung durch Demütigung und Respektlosigkeit, sie entsteht, wo das Gefühl von Personen, ein einer Gemeinschaft von sozialer Bedeutung zu sein, verletzt wird. [S. 79]
Ein intaktes Selbstbewusstsein enststeht intersubjektiv nur aus der Erfahrung von Anerkennung. Der Satz kommt hier so beiläufig, ist aber wichtiger als er aussieht. Anerkennung ist einer der wichtigsten Faktoren, die in unserem Hirn lymbische Drogenschübe zwecks Belohnung, positiver Markierung, freisetzen, und uns so konditionieren. Die wichtigste und häufigste Erfahrung die in unserer Zeit von den meisten irgendwann, oft mehrfach, gemacht werden muss, ist die Erfahrung, dass die eigenen, oft mühsam erarbeiteten Fähigkeiten und Qualifikationen in der Wertschöpfungsgemeinschaft nicht mehr gebraucht werden, wertlos sind, was zu Ausgrenzung und Stigmatisierung führt - sowie zur Annullierung der Konditionierung auf viele der Dinge, die eigentlich positiv bewertet werden sollten (Bildung, Erfahrung, Arbeit etc.).
Es gibt als Folge viele, die darum den Markt als ganzes verwerfen, was ein Irrtum ist, denn in irgend einer Form taucht er überall wieder auf, und kann überall missbraucht werden, auch in der Planwirtschaft. Die Frage ist also kaum durch einfache populistische Lösungen zu beantworten (Kommunismus, Sozialismus, Kommunitarismus oder sonst ein Ismus), sondern jedes vorgeschlagene System muss auf Schwachstellen untersucht und entsprechend korrigiert werden. Abgesehen davon, dass unterschiedliche Bedürfnisse und Wünsche eh unterschiedliche Systeme mit unterschiedlichen Steuerungsmitteln (also nicht ausschliesslich Geld!) fordern. Hier herrscht in der "freien Marktwirtschaft" eine absolute Intolleranz gegenüber alternativen Systemen, also Totalitarismus, der sich am besten im Verhalten der grossen und reichen USA gegenüber dem winzigen und eigentlich unbedeutenden Kuba zeigt.
Die politische und wirtschafliche Ebene:
Vorteil: Der Markt ist nicht interessiert an Personen. Versorgung und Konsum können also erhalten werden, auch wenn der König oder Staatschef sauer ist auf irgend einen andern König oder ein anderes Land. Es herrscht die strategische Rationalität der Tauschoperationen gegenseitig desinteressierter Individuen, der ökonomische Kalkül.
Nur die politische Macht lässt sich demokratisieren, nicht das Geld. [S. 33]
Gegenüber Hayek scheint es wieder einen Schritt vorwärts zu gehen. Wie aber konnte es so weit kommen, dass wir einen abstrakten Kalkül (Buchhaltung & Co) als absolute, herrschende Orientierung für unser Leben annahmen?
Klöster waren die ersten komplexen wirtschaftlichen Strukturen. Sie entwickelten Management und Buchhaltung, sie erhoben Anspruch auf Eigentum von Land, Land das zuvor niemand besessen hatte, das gemeinsam genutzt wurde, und sie verbrieften dieses Eigentum. Widersprüche machten sie mit einem eigens geschaffenen Recht und Rechtsanwälten nieder. Reichte das nicht, dann halfen gläubige Ritter (oder Gläubiger, Ritter?)
Verdammnis brachte nicht Erwerb oder Reichtum per se, aber das Nicht-Teilen mit andern, speziell den Armen. Almosen waren also verpflichtend, wie heute immer noch im Islam.
Buchhaltung und Verwaltungsverfahren wurden später übernommen und weiter entwickelt von den Städten wie Venedig, Florenz und Genua in Italien - aber auch in Holland und Deutschland (Fugger). Hier liess sich Eigentum schützen. Weniger glücklich waren die reisenden Händler. Die Pflicht zu spenden ging oft so weit, dass die Händler im 10. JH. (rep. von Todeschini) meist zu den pauperes, den Armen gezählt wurden, da ihnen vom Gewinn kaum etwas blieb. (So ähnlich geht es vielen Stammesführern in traditionellen Stammesgesellschaften, da ihr Status von ihnen verlangt, immer grosszügig Geschenke zu verteilen, Stammesmitgliedern aus der Not zu helfen, sich als primus inter pares nicht zu sehr über die anderen zu erheben.)
Auch Mönche waren arm ... nicht so allerdings die Klöster, die Ländereien genau so rafften und zu Eigentum machten, wie später die Siedler in Amerika. Die traditionellen Stämme kennen und kannten kein Eigentum an Boden. Dies wurde erst mit der Christianisierung eingeführt. ... Zuvor durfte jeder nutzen, was er brauchte. Mehr rentierte ja auch nicht, da dann sofort die Ansprüche der weniger Glücklichen kamen, denen im Stamm nicht auszuweichen war und ist (ausser man habe eine gut bewaffnete und bezahlte Söldnertruppe ..)
Die Herrschaften der Kleinstädte wurden allerdings bald zu Despoten, weshalb Hobbes später den Leviathan (Staat) als notwendige Lösung ansah, die zersplitterten Mächte wieder zu einen. Macht und Angst waren die billigsten und damit probatesten Mittel, genau wie heute wieder, bloss das heute nicht der Staat, sondern das Geld die Macht hat. Hobbes sah den Menschen getrieben von Wettstreben und Ruhmsucht, also Leidenschaften, die der grundsätzlich boshaften Veranlagung entspringen. Konflikte, den andern zu unterdrücken und Macht gewinnen, das ist der übliche Zustand des Menschen: Friede und Übereinstimmung sind nur temporär. [S. 61] Als dritte Triebfeder kommt indes noch der „Argwohn“ hinzu. Der Mensch ist also kein zoon politikon, wie bei Aristoteles, sondern durch Verlangen, Furcht und Vernunft gekennzeichnet und wird geleitet durch ein verderbliches Zusammenspiel des „Wölfischen“ und des Rationalen in ihm, nicht durch Nächstenliebe. Er ist prinzipiell egoistisch und asozial. Auch Willensfreiheit besitzt er nicht. (wiki).
Für Hobbes war also nicht das summum bonum des Aristoteles erstrebenswert, sondern es ging rein ums Überleben. Es wundert also wenig, dass die gegenwärtige Wirtschaft, und ihr gehorsamer Untertan, die Politik, nicht zivilisierter sind, obwohl wir bereits ein Vielfaches von dem Erzeugen, was zum Überleben wirklich nötig ist.
Wir finden hier also genau die Sprüche, mit denen wirtschaftsliberale heute noch Wirtschaft und Wettbewerb heilig sprechen, alles Soziale, jegliche gesellschaftliche Organisation (mit Ausnahme des Schutzes des Eigentums) verdammen.
Die katholische Lebenseinstellung war allerdings der Wirtschaftsentwicklung nicht grad förderlich: Leben und Leben lassen, Festen ... und danach büssen, Geld ausgeben wenn man's hat, sparen wenn's denn sein muss, das sind heute orientalische oder südländische Un-Tugenden, die mit austerity zwangszweise therapiert werden sollen, durch Weltbank, IWF und ähnliche US-beherrschte Wirtschaftsterrororganisationen. Für die Entwicklung des Kapitalismus war aber eine Kultur des Sparens, also Verzichtes, und dennoch massiver Gewinnerwartungen nötig, also eine Zins- und Zinseszinskultur, eine Rentnerkultur, die dann prompt der Protestantismus liefert.
Im 12. bis 15. JH explodierten die Märkte förmlich. Es könnte gut sein, dass hierin der wahre Grund liegt, warum der Katholizismus nicht mehr taugte, sondern der Erwerb selbst Gottes Wohlgefallen finden musste.
Mit Benthams Utilitarismus wurde aus Glück Nützlichkeit, und öffentliches Glück ist die Summe individueller Vergnügen, womit jegliche Beziehung zur klassischen (philosophischen) Begriff des Glücks verloren ging. [S. 109]
Dazu kam dann bald, das nur als nützlich angesehen wurde, was Geld einbrachte, womit der circulus vitiosus des ökonomischen Kalküls geschlossen wäre.
Für F.Y. Edgeworth sah die Dinge zwar ziemlich anders als Smith und seine Nachfolger, blieb aber ohne entsprechenden Einfluss (er sprach halt weder die Wirtschaft noch ihre Kapitäne heilig).
Wirtschaftliche Aktivitäten entstehen aus Begegnungen zwischen Menschen, und je nach Character und Sympathie der Beteiligten, kommt das Resultat heraus. [S. 121]
Das Ergebnis von Markt ist also nicht per se gut, sondern abhängig von Charakter und Zielen derer, die am Markt aktiv werden. Tönt vernünftig, sollte die smith'sche Ideologie, besonders in ihrer neoliberalen Form (Alles was der Markt tut ist gut, hauptsache, er tut ... und man verdient was dabei.) eigentlich längst ersetzt haben.
1. Sektor - Landwirtschaft: Früher 100% - heute reichen 2 bis 5% um die ganze Nation zu versorgen
"Überflüssige" kamen in der aufkommenden Industrie unter. Arbeitslose konnten zurück auf den Bauernhof geschickt werden, der immer noch die Subsistenz, also das reine Überleben garantierte. Davon träumt's der heutigen Wirtschaft immer noch ...
2. Sektor - Industrie: Früher 30-50%, vor allem in der Mitte des 20. JH. Heute reichen 20-50%.
Überflüssige kamen im 3. Sektor unter, der vielfach eh zyklischen Bedarf (saisonal, spez. Bauwirtschaft und Gastronomie, die auch die höchsten Kosten bei der Arbeitslosigkeit verursachen) aufweist, also die Betroffenen gleich am Wandern hielt, flexibilisierte.
3. Sektor - Dienstleistungen: heute in den USA 78%, in Deutschland 72% und in der Schweiz 65%.
Dieser Sektor muss in der postindustrielle Phase mehr und mehr Arbeitsplätze schaffen, und droht nun sogar in den privaten Bereich der Bürger überzuschwappen, den:
4. Sektor - Bürgerarbeit an der / für die Zivilgesellschaft:
Die heutige Familie ist eine "Verhandlungsfamilie auf Zeit", in der sich verselbständigende Individuallagen ein widerspruchsvolles Zweckbündnis zum geregelten Emotionalitätsaustausch auf Widerruf eingehen. (Beck 1986)
Was für eine Definition von Liebe ... ob damit wohl irgendwer bei irgendwem landet?
Güter, die der Markt nicht liefern kann, aber für die Lebensqualität dennoch erforderlich sind. Beziehungen, Pflege der commons, Kultur etc. Da der Sektor allerdings (noch) nicht monetarisiert ist, und, inshallah, dies nie wird, ist seine Eignung zweifelhaft. Man braucht sich das bloss praktisch vorzustellen: Wenn der Ehemann seine Frau für's Kochen, Putzen ... etc. bezahlt, was ist sie dann? Eben, eine Putzfrau ... oder noch schlimmer. Zudem austauschbar, je nach Marktlage und Wunsch - allerdings entsprechend nebenstehendem Zitat von Beck. Wenn für Freundschaft bezahlt wird, was ist das dann anderes als Korruption und Prostitution? Wenn für Nachbarschaftshilfe bezahlt wird, Geldwert berechnet wird, was ist der Nachbar dann, was bin ich dann für den Nachbarn? Ein Preisfaktor. Man könnte das beliebig ausbauen, versuchen Sie's mal selbst. Aber ich denke, bereits die paar kleinen Beispiele machen es klar, das Monetarisierung ihre Grenzen hat, haben muss.
Die meisten sozialen und politischen Probleme entstehen aus Orientierungslosigkeit, im Extremfall Anomie. Diese wurde bis zur Reformation durch die Kirche verhindert, dann durch den Staat, heute durch den Glauben an die inner Vernunft der Marktgesetze (die unsichtbare Hand ...).
Die ausschliessliche Herrschaft einer einzelnen Denkweise, in dem Falle eher Ideologie genannt, heisst Totalitarismus. Eine zivilisierte Herrschaft hingegen weiss, dass die Beherrschten, oder in dem Falle eher geführten, angeleiteten, organisierten, vielseitige und widersprüchliche Interessen haben, die nicht mit einer (EINER)Formel zu lösen sind. Andere Prinzipien als Austausch und Preise müssen also, nicht nur parallel zur Wirtschaft, sondern auch innerhalb der Wirtschaft selbst Platz finden, soll diese zivilisiert werden.
Globalisierung verursacht für die einen ein Problem der Herrschaft, für die andern Gewinne aus eben der Auflösung von Kontrolle. Die Globalisierung und wirtschaftliche Anonymisierung durch Finanzmärkte hat die Beziehung zwischen Raum und Vermögen, ja sogar zwischen Vermögen und Namen aufgelöst. Wer weiss denn heute noch, wem das Haus gehört, in dem er als Mieter wohnt? Wem die Firma, in der er arbeitet? Verwaltung soundso, Ag xy.
Die Wirtschaft agiert längst global, während dem die Politik immer noch auf ihren nationalen Spielraum verwiesen bleibt (Ausnahme USA, die dürfen überall reinspucken). Internationale Finanzmärkte können ein Land in kürzester Zeit ruinieren (s. Finanzkrise 08), aber da ist kein Feind, dem man den Krieg erklären könnte. Dennoch wird das Land, das angegriffene, das verloren hat, zu Knappheit und Sparen verdammt (austerity - ausser es heisse USA). Die Steuern müssen tief bleiben, die Löhne müssen tief bleiben, sonst streikt das Kapital. Kein Zoll schützt mehr schwach produktive Bereiche, was insbesondere der Landwirtschaft zu schaffen macht, obwohl sie unglaubliche Produktivitätssteigerungen geschafft hat, mit entsprechenden Problemen, wenn man Kühen ihre eigenen Artgenossen verfüttert (Tiermehl/bse)
Ökonomie ist Teil der zivilen Gesellschaft, war also mal, ein zivilisierender Faktor. Ökonomie ersetzte die urzeitlichen, individuellen, sich selbst versorgenden und verteidigenden Wehrbauern. Sie schuf gegenseitige Abhängigkeiten, sie basiert(e) auf gegenseitigem Vertrauen zwischen Menschen, die immer näher zusammen lebten und arbeiteten.
Die Frage die sich heute stellt lautet, ob es möglich und sinnvoll ist, einen Markt zu konzipieren, der alle mit einschliesst. [S. 163] Angesichts der Fakten, die in Frankreich und China zeigen, was die Ausgeschlossenen mit den Ausschliessenden so machen, wenn es ihnen reicht, scheint die Frage allerdings rhetorischer Art.
In letzter Zeit hat der Markt die Gesellschaft und Kultur angesteckt und desertifiziert - die Idee wäre nun, durch soziale Unternehmen einen Umkehrprozess einzuleiten, wieder <gute Märkte> herzustellen.
Keynes bezeichnete Massenarbeitslosigkeit und Armut in einer reichen Gesellschaft als Scham. Heute, wo wir 3 mal reicher sind und drei mal mehr Arbeitslose haben (zumindest in Deutschland), ist sie also 9 x beschämender. Dies insbesondere, da Arbeitslosigkeit bei den einen Ursache von Reichtum bei den andern ist. (s. Produktivität, Effizienz, Restrukturierung etc.
Genovesi war sich noch sicher, dass der Markt zu Begegnung und Integration beiträgt. Das hat sich mit Smith zwar nicht geändert, aber kurz danach:
Es ist Allgemeinwissen, dass Smith den Markt als Ort ansieht für gesellschaftliche und menschliche Entwicklung, wo die Leute auf gleicher Ebene mit Gleichen Handel treiben. Des weitern etabliert der Markt, für Smith und andere Meister der Schottischen Aufklärung (Hutcheson,Ferguson), die Vorbedingungen um, frei von persönlichen Interessen, wahre Freundschaft und Beziehungen sich entwickeln und blühen zu lassen. Märkte machen es in der Tat möglich, aus dem alten Schema von Freund-Feind, Sklave-Herr, auszubrechen. [S. 102]
Es war für Smith also, genau wie für seine Nachfolger und Gegner, absolut klar, dass das Wirtschaften selbst, aber bereits die Theorie dahinter, auf die Beteiligten abfärbt. Muss der Mensch für ein Wirtschaftssystem egoistisch, streberhaft, selbstsüchtig, ja grausam sein, dann wird er auch so: getrieben von Wettstreben und Ruhmsucht, argwöhnisch, egoistisch, von Leidenschaften und Zwängen beherrscht, nicht wirklich willensfrei.
Antonio Genovesi: Love is an instinctive passion, that lasts very little among the wedded pair. But friendship is a reasonable affect, coming from consideration and choice. I don't pretend that the two persons are perpetually unloved one another; it is too hard, if not impossible. But they can, and ought to be friends. The two are friends by nature and by choice, and among friends every tood and every bad is put in common. Nothing fosters the friendship more than to share sincerely with the friend every pleasure and displeasure, and in this way the two hearts become one (Diceosina, pp. 282-3). [zit. S. 92]
Even among peoples that are corrupted by luxury and bad custom there is no one, a chief of family or whoever person, who does not feel a inner pleasure in doing good things to other people, in making others happy. It is a caracterstic of man of not being able of enjoying a given good without sharing it with somebody else. Some say that it is selve-love or pride (superbia) to sohw our happiness to others. I don't think so: it seems to me that there iin us an inner need of corresponding each other our happiness. (Lezioni, I.ch.16, §2. footnote). [zit. S. 93]
Dies allerdings waren die alten stammeswerte und der Grundzug katholischer Wirtschaft. Dem Sparen, Anhäufen und profitablen Reinvestieren von Kapital abträglich, also unbrauchbar.
Mit der Formulierung waren Bruni und Zamagni eigentlich noch optimistisch, denn heute "gerät" kaum mehr jemand so als Rad in die Maschine, sondern man muss sich bereits zuvor, bald ab Geburt, bemühen, den Anforderungen der Marktmaschinerie gerecht zu werden. Mechanisisierte, computerisierte, automatisierte Produktion macht persönlichen Einfluss unmöglich. Der Mensch ist nur noch dazu da, die Räder am Laufen zu halten, ohne darüber urteilen zu dürfen, ob am Ende überhaupt was sinnvolles rauskommt. Massenproduktion, auch wenn per Einzelanfertigung, führt zu Entqualifizierung und Entpersönlichung.
Der homunculus oeconomicus residiert heute in jedem, der seine inneren Dispositionen und seinen Charakter nach den Bedürfnissen des Marktes kalkuliert und ausrichtet. Die instrumentelle Rationalität dominiert, wo gedacht wird: Mit dem oder dem Charakterzug bin ich besser dran. s. Problem Introversion-Extraversion, Charaktertests - und wie damit umgehen.
Wer so ausschliesslich den (wirtschaftlichen) Nutzen sucht, müsste eigentlich als Idiot bezeichnet werden, eben weil er, wie jener, keinen Unterschied mehr macht, vor allem nicht zwischen Privatem und Öffentlichem, Eigennutz und Bürgernutzen. Insbesondere aber ist er ein sozialer Idiot, da er auch Verhalten und Wahl anderer so manipulieren muss, dass sein Produkt gekauft wird. Dazu wird heute vor allem die Hirnforschung eingesetzt. Wenig wundert, dass als erstes Resultat einer solchen "Forschung" festgestellt wird, Entscheidungsfreiheit, freien Willen, Meinungsfreiheit gäbe es eigentlich gar nicht.
Den Schönheitswettbewerb des Kapitals kann nur bestehen, wer effizient handelt, fortwährend in seine globale Wettbewerbsfähigkeit investiert und eine vielversprechende Rendite in Aussicht stellt. [S. 239]
HIER nun DIE Ergänzung, die beim ganzen Gelaber über Bildung, lebenslänglich etc, ab der Geburt oder schon vorher, unterdrückt wird. Wissen ist für den Markt total uninteressant, solange es keine Rendite verspricht. Und da das Wissen inzwischen eine Halbwertszeit von 2 Jahren hat, muss die Rendite (s. Bildungsrendite: Reiter Ausbildung) hoch und schnell sein.
Streben nach Gewinnmaximierung ist OK - aber Streben nach maximaler Durchsetzung der eigenen Partikularinteressen bedeutet eine potentielle Missachtung von (möglicherweise legitimen) Ansprüchen anderer. Bürger werden motiviert nicht nur durch hohe Gewinne, sondern vor allem durch sinnvolle Beschäftigung, in arbeitsteiliger Kooperation unter fairen Konkurrenzbedingungen. Konfrontation, machtdurchsetzenden Abhängigkeit stehen sie ablehnend gegenüber.
Der "entfesselte", von jeglichem ethisch-politischen "Balast" "befreite" Markt, hat, wie wir mehrfach sehen konnten, endete totalitäre Strukturen, da das, was unter dem Deckmantel absoluter Freiheit postuliert wird, nichts anderes als ein System völliger Fremdbestimmung ist. [S. 265]
Anstelle von Glück, oder auch nur Zufriedenheit, steht heute die Wettbewerbsfähigkeit als oberstes Ziel des Strebens eines Menschen.
Wie bereits mehrfach erwähnt, hat unsere Wirtschaft ja auch längst nicht mehr viel mit materieller Knappheit zu tun (ein Hohn, bei der Überflussgesellschaft, deren gewichtigstes gesundheitliches Problem eben das Übergewicht ist), aber dafür um so mehr mit Knappheit an Sozialkapital, bedingt durch ungerechte Verteilung.
Die Produktivitätsteigerungen der OECD-Länder betragen um die 3%. Steigt der Verbrauch auch um 3%, produzieren wir in 20 Jahren doppelt so viele Abfälle, konsumieren doppelt so viele Rohstoffe und Energie. Für ein derartiges Konsumwachstum fehlen auch die Ideen - also produziert man Derivative und andere Produkte der Finanzmärkte, mit denen sich Geld gleich selbst vermehren lässt ... aber dummerweise, wie Geld das eben so tut, dann ab und zu auf die realen Märkte mit inflationären Preisblasen derart einschlägt, dass danach niemand so recht weiss, stecken wir nun in einer Inflation oder Deflation ... oder spinnen wir ganz einfach?
Um Inflation zu verhüten, wird der Mehrwert also vorwiegend an die Wenigen verteilt, die in die Märkte investieren, die nicht grad die ganze Wirtschaft zum Zusammenbruch bringen, geht mal wieder was schief. Auch Firmen, Aktien, Geld und Kapital gehören zu den sog. positionellen Gütern, Gütern die knapp sind, deren Besitz also eine hohe soziale Position bestätigt. Es liegt in der Natur dieser Dinger, dass sie nur in beschränktem Masse vorhanden sind, also nur einige (wenige) sie sich leisten können, andere eben nicht. Und genau das macht sie interessant - aber schädlich für den sozialen Zusammenhalt, wenn ein gewisses Mass überschritten wird ... also z.B. gewisse Baugebiete per se nur noch Reichen zur Verfügung stehen. (s. Luxus)
FAZIT:
Ob Sonneschein, ob Sterngefunkel:
Im Tunnel bleibt es immer dunkel.Erich Kästner
Unterschiedliche Regeln für unterschiedliche Subsysteme waren immer von Vorteil, machen die Subsysteme ja erst eigentlich zu solchen.
Anstand ist vieleicht ein etwas altes Wort, auf das heute nicht mehr viel Wert gelegt wird, gerade im Umgang miteinander. Ich verwende es dennoch, weil es in der hier benutzten Literatur verwendet wurde. Sie können an Stelle von Anstand aber auch an Gerechtigkeit denken:
Eine Gesellschaft in der es eine starke Ungleichverteilung des Wohlstandes gibt, in der also nur wenige von dessen Steigerung profitieren, immer mehr Menschen aber Armut erfahren müssen, ist keine anständige Gesellschaft - auch wenn sie über eine gerechte Grundstruktur verfügt. [S. 60]
Es bedarf der Gewissheit, sein eigenes Leben leben zu können:
Wo immer mehr Menschen aus den globalen Wertschöpfungsprozessen ausgeschlossen und zu Standortshemmnissen degradiert werden, wo diese keiner sinnvollen Tätigkeit mehr nachgehen können, von Armut bedroht und vom ständig steigenden Wohlstand eingeschlossen werden; wo ihnen am Ende noch die demokratische Teilhabe- und Bürgerrechte versagt werden, weil diese sich als ineffiziente Restposten der Nationalstaaten erweisen - wo all dies geschieht, da droht systematische Demütigung. [Margalit, zit. S. 61]
Umgekehrt, also Zivilisation ohne Wirtschaft, geht es allerdings auch nicht. Ineffizient organisierte Länder sind immer früher oder später untergegangen ... ausser sie lägen irgendwo mitten in der Wüste, Gebirge, Tundra oder Wald (und hätten keine Bedeutung für einen grossen, mächtigen Staat als Grenzland ... s. Tibet) - und hätten kein Erdöl.
Die Teilhabe am gesellschaftlichen Mehrwert bedingt, dass dieser geschaffen wird. Erst dann kann er verteilt werden. Bei aller Kritik geht es also nicht ohne kreative, schöpferische - und schaffende, produzierende Wirtschaft. Das Problem ist allerdings, wie man diese organisiert, strukturiert, korrigiert, modifziert, anpasst, bändigt - kurzum: zivilisiert.
Kohlberg: Stufen moralischer Entwicklung
Muss ich das kommentieren? Vielleicht schon mal. Sie ersehen an der Rangfolge vor allem, auf welcher Geistesebene die gegenwärtig grassierenden Rufe nach mehr und härteren Strafen für alles Mögliche stehen.
Jedem steht zweierlei zu:
Insbesondere der letztere Aspekt, die berufliche Spezialisierung, steht für die lange Zeit, über ein Jahrhundert, befreiende Wirkung der Marktwirtschaft. In den letzten 20 Jahren unterscheidet diese jedoch nach Bürgern, die sich produktiv einsetzen lassen, und eben den anderen, aus welchem Grund auch immer (Fehlende Bildung ist hier nur ein Vorwand). Arbeitslosigkeit ist ökonomische Verbannung (Michael Waltz).
Civil welfare, die Wohlfahrtsgesellschaft, und social quality markets sind Begriffe, die es noch nicht ins Internet geschaffen haben, geschweige denn in eine breitere Öffentlichkeit. Bruni/Zamagni schlagen vor, wie Beck und viele andere, als Ersatz für den 1., den 3. und 4. Arbeitsmarkt auszubauen, den Markt der "zivilen Güter", die vom 1. Markt nicht hergestellt werden können, also: Beziehungen, Verdienst (nicht monetär, sondern an der Gesellschaft), einige öffentliche Güter, Allmend.
Die Hälfte ist ein Witz, denn wenn man Beziehungen und Anerkennung auch dem Markt unterstellt, sind sie verkauft, also prostituiert. s.o.
Richtigerweise betonen beide dass weltweit nichtmonetarisierte Märkte am Zunehmen begriffen sind. Dies eine logische Folge des Ausschlusses aus Gelderwerb. Wo kein Geld vorhanden ist, verlegt man sich wieder auf direkten Tausch. Im Vergleich zu dem was allerdings an den Börsen getauscht wird, sind das Peanuts.
Sie verweisen auch darauf, dass wir immer mehr selbst engagiert werden in Produktion und Verkauf, als Prosumenten (Produzenten-Konsumenten) so etwa in der Selbstbedienung, wo wir den Job der Verkäufer übernehmen; wenn wir Geld am Automaten abholen übernehmen wir den Job des ehemaligen Schalterangestellten der Bank. Wo wir Überweisungen selbst tätigen per Internet den eines Bankangestellten. Wenn wir in einem Selbstbedienungsrestaurant essen, übernehmen wir den Job des Kellners etcetc. Dies führt zu günstigeren Preisen für die Kunden... und höheren Gewinnen für die Organisatoren dieser Märkte ... und einer gewissen Beschäftigung, ohne die es den meisten Leuten eh langweilig wäre. Allerdings sind tiefere Kosten noch lange kein Einkommen, sondern bloss Einsparungen bei notwendigen Ausgaben. Der Rest muss immer noch irgend woher kommen.
Als weitere Lösung sehen Bruni und Zamagni einen Übergang vom Wohlfahrtsstaat zur zivilen Wohlfahrt, also der Wohlfahrtsgesellschaft. J. Buchanan wies darauf hin, dass Wohlfahrtsprogramme in einer Demokratie nur überleben, wenn sie allen einen Nutzen bringen, präziser: Solange die Mehrheit darin einen Nutzen, zumindest potentiellen Nutzen für sich selbst sieht. Eine bloss selektive Begünstigung würde die Solidarität, und damit die demokratische Stabilität untergraben. Ansätze dazu werden aber immer und immer wieder wieder unternommen, speziell etwa die Begrenzung der Sozialhilfe auf solche, die noch Arbeit haben, also Sozialhilfe eigentlich gar nicht nötig haben (sollten: working poor sind hier eine für die Marktwirtschaft blamable Ausnahme), oder,sehr beliebt, auf die "eigenen Bürger". Im übrigen gebiert Not meist Hass.
Bruni /Zamagni sehen 3 Formen wie die Sozialhilfe zu leisten wäre:
Der Sozialqualitätsmarkt ruht auf 3 Pfeilern:
Sie sehen daraus, warum das Modell unbekannt blieb, denn es ist offensichtlich genau so theoretisch wie theoretisch daneben, denn wie soll ein besserer Dienst sich finanzieren, wenn er keinen höheren Preis erzielen kann? Recht haben die Leute darin, dass der Staat eigentlich nicht Dienstleister direkt finanzieren sollte, da:
- dies zur Begünstigung einiger führt, ohne wirkliche Selektion auf Grund von Qualität
- genau wie in den normalen Märkten Preisdumping eine gern verwendete Strategie ist um Konkurrenten in den Ruin zu treiben, entstünde hier ein Qualitätsdumping.
Die Autoren nehmen hier die lokale und regionalen Assoziationen von Kleinbetrieben zum Vorbild, die viele Produkte Italiens auf der ganzen Welt verbreitet haben:
Corporate responsibility/citicenship als Austausch zwischen Wirtschaft und Bürgergesellschaft, zwischen 1. und 3. Sektor:
Wilhelm Röpke hielt mit Nachdruck fest: ... dass Menschen, die auf dem Markte sich miteinander im Wettbewerb messen und dort auf ihren Vorteil ausgehen, indem sie um die Gunst des Konsumenten (oder Anbieters; T.M.) rivalisieren, um so stärker durch die Bande der Gemeinschaft verbunden sein müssen, andernfalls auch der Wettbewerb aufs schwerste entartet. [zit, S. 281]
We must be good citicens - support good works and charities and bear our fair share of taxes. We must encourage civic impromement and better health and education. We must maintain in good order the property we are privileged to use, protecting the environment and natural resources. [S. 265: Johnson&Johnson]

corporate citicenship als Oberbegriff der Kooperation zwischen 1. und 3. Sektor ist im deutschen Sprachraum unterentwickelt. Innovative und praktisch umsetzbare Ideen von Partnerschaften werden kaum diskutiert. Man beschränkt sich auf Spenden- und Sponsoring in den Bereichen Sport, Kultur, Wissenschaft, politische Parteien und Oekologie. Unterstützung für Themen wie die Schaffung und Erhaltung von Arbeitsplätzen, die Einhaltung von Sozialstandards liegen meist noch knapp drin. Die Wahrnehmung sozialer gesellschaftlicher Verantwortung, also das Ziel der <Sozialen Unternehmung>, scheint jedoch nicht integrierbar. Unternehmerisches Handeln wirkt jedoch immer in den zivilgesellschaftlichen Bereich hinein. Von Unternehmen wird zunehmend verlangt, dass sie soziale Verantwortung wahrnehmen. Sie werden so zu Gratwanderern zwischen Stakeholder und Shareholderinteressen.
Einige Möglichkeiten:
Die Grundlage der Ethik der Sorge, Fürsorge, Pflege, also eigentlich, um ursprünglichen Verständnis des Begriffs eine Ethik der Kultur basiert auf:
Der historische Hintergrund von Gilligans Stadien moralischer Entwicklung:
| Zustand | Ziel |
|---|---|
| prä-konventionell | das Ziel ist individuelles Überleben |
| konventionell | Selbstaufopferung ist gut |
| post-konventionell | Prinzip der Gewaltlosigkeit: verletze niemanden, auch nicht dich selbst. |
Der Befähigungs-Ansatz, Fähigkeiten-Ansatz oder auch Verwirklichungschancen-Ansatz dient der Darstellung und Messung der individuellen und gesellschaftlichen Wohlfahrt. Er ist die theoretische Grundlagen für den Human Development Index und den Human Poverty Index, über die in den Weltentwicklungsberichten und andern Armutsuntersuchungen jeweils Rechenschaft abgelegt wird. Dazu gehört nun eben nicht bloss Geld, sondern:
instrumentelle Freiheiten:

Eine verfügbare Verwirklichungschance (Handlungsmöglichkeit) bezeichnet Sen als „functioning“ (Funktion, Fähigkeit). „Eine Fähigkeit (functioning) ist etwas Erreichtes, während eine Verwirklichungschance (capability) das Vermögen ist, etwas zu erreichen. Fähigkeiten sind, in einem gewissen Sinn, enger mit den Lebensbedingungen verknüpft. Verwirklichungschancen sind hingegen Begriffe von Freiheit in dem positiven Sinn: welche Möglichkeiten man zu dem Leben hat, das man führen möchte.
Als Beispiele für Indikatoren zum Messen der Fähigkeiten nennt Sen:
Erste Bedingung für irgend eine Verwirklichungschance ist also die Teilhabe, oder, negativ ausgedrückt: Das Verbot von Ausschluss.
Zweite Bedingung für Verwirklichungschancen ist eine zumindest halbwegs faire Verteilung der Ressourcen, also Zugang zu notwendigem Kapital.
Effiziente Produktion alleine reicht aber nicht, es müssen auch Wege da sein, Einkommen fair zu verteilen an alle Teilhaber. Der Markt selbst kann längerfristig nicht funktionieren, wenn ganze Bevölkerungsteile, in Ermangelung von Einkommen, daran nicht teilhaben, also die Konsumenten fehlen.
Fair trade z.B. und andere soziale Unternehmen nutzen die Marktmechanismen für soziale Zwecke. (Haben allerdings oft auch beträchtliche Probleme. s. Selbstausbeutung)
Glück wurde in einem ersten Schritt auf Nützlichkeit reduziert, und dann noch monetarisiert, mit dem Resulat, dass heute nicht mehr Frühlingsdüfte, eine kühle Brise von den Bergen, ein Strandspaziergang, eine intensive Beziehung, Gesundheit etc. Konstituenten des Glücks sind, sondern fast alleine die Wettbewerbsfähigkeit. Wer die besseren Chancen am Markt hat, darf sich glücklich schätzen .... Der Kampf ums Überleben soll den Menschen in den Markt drängen - nicht mehr der Markt ihm das Überleben sichern, damit er sich der Entwicklung des Lebens, des Seins widmen kann.
Wir leben also in einer totalen Verkehrung all dessen, was in der Philosophie je als Weise, ja bereits als Vernünftig galt. Alle Theorie (Existentialismus) wie Praxis besagt, dass das Überleben dem Leben vorausgeht, das Dasein dem Sein. Dennoch ist es eine äusserst seltsame Theorie, die aus Überfluss heraus immer noch das Primat des Ueberlebens als Grundlage nimmt, und nicht die Förderung des wahren Lebens, des glücklichen Lebens - in der guten Ordnung. Unsere Wirtschaft basiert also auf atavistischen Annahmen, auf Zwang, Ungerechtigkeit, einem äusserst bekloppten und unfreundlichen bis unmenschlichen Menschenbild (s. Homo oeconomicus). Da wir mit der Theorie bisher so ziemlich an den Rand gekommen sind, spricht eigentlich nichts dagegen, es mal mit einer etwas menschenfreundlicheren zu versuchen.
Die Chancen stehen gut, und die Not drängt, denn mit Wachstum ist schon fast Sense, zumindest in den hochentwickelten Wirtschaften (s. Japan, das noch etwas von der Mitarbeit am Aufbau Chinas und der Region profitieren kann, aber eigentlich den Zenith des wirtschaflich machbaren, förderbaren Glücks genau so erreicht, ja überschritten hat wie die Schweiz, die USA, Deutschland etc.)
s. Geld macht nicht glücklich: Das Easterlin-Paradox
- Kreativität schon: Der 4. Sektor / Beschreibung
Es gibt zur Zeit also kein Modell, schon gar nicht irgend ein Rezept, dass man nur noch politisch umsetzen müsste. Es bleibt nichts als ... denken, ausprobieren, korrigieren, verbessern - im Sinne der Mikrorevolutionen. Was daran am meisten hindert sind die Hanswurste die behaupten, wir hätten eigentlich gar keine Probleme sondern lebten in der besten aller Welten. Aber die haben vermutlich zu viel Rindfleisch gegessen und ihr Hirn ist von bse eingewickelt.
Mit ein paar ganz einfachen Grundfragen können wir den Faden auf der Suche nach dem Glück wieder aufnehmen:
[Birkhölzer; Kistler; Mutz: Der Dritte Sektor. Partner für Wirtschaft und Arbeitsmarkt.
Bürgergesellschaft und Demokratie Bd 15. VS Verlag für Sozialwissenschaften. Wiesbaden 2004.]
Economie sociale ist ein französischer Begriff und in Deutschland generell nicht willkommen, also ungebräuchlich und extrem missverständlich (oft synonym zu economie plurielle (hier richtig!), Sozialwirtschaft, soziale Oekonomie, Nonprofit-Sektor, Drittes System, zivilgesellschaftlicher Sektor). Sozialökonomie" gibts dem zu Folge auf Deutsch gar nicht. Da waren also offenbar einfach ein paar Basler Sozialhelfer stolz drauf, dass sie Französisch können. Wiki benutzt treffender die Uebersetzung <Solidarische Oekonomie>. Vielleicht geschickter die Verwendung der nicht ganz so generellen Form "Soziale Unternehmen". Auf jeden Fall decken sich die Ziele der hier geschilderten Sozialen Unternehmungen eigentlich völlig mit dem, was in Frankreich unter "économie sociale" läuft (- aber Sozialökonomie wäre eben Volkswirtschaft):
"Soziale Oekonomie", Solidarische Oekonomie, the social enterprise / Sozialbetrieb / soziale Unternehmung:
Soziale Unternehmen:
Soziale Unternehmungen sollten dienen als:
Sozial-integrative Zielsetzungen die von solchen zu Unternehmungszielen erklärt werden:
Bei den Erfolgsfaktoren gibt es eine ganze Reihe, sogar viel mehr, als die sonst üblichen wie Gewinn, Wachstum, Wettbewerbsfähigkeit, Marktanteil etc., ABER, wohl gemerkt, Wirtschaftlichkeit gehört dazu. Ohne einen wirtschaftlich rentablen Betrieb gehen die ganzen heroischen Ziele mit unter.
Erfolgsfaktoren sozialer Art:
Wirtschaftliche Faktoren:
Die Solidarische Oekonomie unterscheidet sich von der üblichen Wettbewerbwirtschaft durch folgende Punkte:
In den romanischen Ländern wird von der économie sociale erwartet, dass sie
In den nichtromanischen Ländern, vor allem Deutschland, wird die Vermischung von genossenschaftlichen Ideen (als Förderung der Mitglieder im Wege der Selbstilfe und gegenseitiger Nutzen der aktiv Beteiligten) mit Ideen der Gemeinwirtschaft und der Gemeinnützigkeit (Leistungen zugunsten Dritter, passiv Begünstigter) kritisiert. Sie gerät damit unter den Sozialismusverdacht. Die deutschen Genossenschaften wehren sich also, weil sie in der Uebernahme sozialpolitischer Aufgaben eine Gefahr für ihre Wettbewerbsfähigkeit sehen, denn sie sind meist marktorientierte Unternehmen. Die freien Träger der Wohlfahrtspflege sehen ein Problem, weil sie umgekehrt plötzlich als Unternehmen dastehen könnten - und ihre Privilegien (Steuerbefreiung) verlieren könnten. (Genossenschaften, genau wie Aktiengesellschaften, werden im Normalfall nicht von Steuern befreit, ausser sie schütten ihre Gewinne ebenfalls zu gemeinnützigen Zwecken aus.)
Die Erleichterung der Kapitalbeschaffung staatsfreier selbstorganisierter Innovationen muss gewährleistet bleiben, da jede Form die neue Arbeitsplätze schaffen kann, sei sie auch freiwillig-kollektiv, diesen Beitrag zur Reintegration leisten können soll. Ausgrenzung und Massenarbeitslosigkeit könnten also zu dem führen, was man im Westen überhaupt nicht wollte, einer Wiederbelegung kollektiver Wirtschaftsformen.
Beschäftigungskrise:
s. Schuhmann 1996: Die Globalisierungsfalle
Gemeinwesenarbeit ist in ihrem Altag ständig mit den sich verschärfenden Folgen globaler Entwicklungen konfrontiert. Gemeinwesenarbeit befasst sich stets mit den Problemlagen in den Städten, da hier die Interessengegensätze und sozialen Polarisierungen am stärksten aufeinander prallen. Beispiele sind Programme der sozialen Stadterneuerung. Die relevanten Politikbereiche (Arbeitsmarkt-, Wirtschafts-, Sozial-, Kultur-, Stadtentwicklungs- und Sozialpolitik) sind dabei angehalten, ressortübergreifend zu gebietsbezogenen Lösungen zu kommen
Die Erschliessung von Optionen produktiver Teilhabe und die Schaffung von Formen lebensdienlicher Oekonomien, die geeignet sind, die Handlungsfähigkeit der Menschen zu erhalten und in nachhaltiger Weise zur sozialen Integration und Existenzsicherung de lokalen Bevölkerung beizutragen. Nicht die Arbeit geht uns aus, sondern die an den Kriterien der Profitabilität im Weltmarkt orientierte Erwerbsarbeit. Im gleichen Zuge entsteht da, wo sich der Markt mangels Rentabilität zurückzieht, wo der Staat aufgrund wachsender öffentlicher Armut keine Handlungsmöglichkeiten bei steigendem Handlungsbedarf hat und, wo dringende Zukunftsaufgaben organisiert werden müssen, ein wachsender Bedarf an Arbeit, die sich nach gesamtgesellschaftlichen, nicht nach einzelbetriebswirtschaftlichen Kosten und Nutzen bemisst: Wohn- und Wohnumfeldbereich, Produktinovation, vorsorgender und nachsorgender Umweltschutz, wohnortnahe Versorgung mit Waren und Dienstleistungen des täglichen Bedarfs - also alles unrentabel (Kleinläden an der Ecke etc. - also Unrentables, das vom Wettbewerb elimiert wird.
In dem Ansatz haben die meisten Städte heute ihren Schwerpunkt. Die Verwaltungsstrukturen in Basel zeigen das deutlich. Je nachdem, welche Organisation oder Person jedoch die eine oder andere Schaltstelle besetzt, wird die Strategie jedoch wieder recht einseitig, was nur oberflächlich gegen die Komplexität und Verzwacktheit der Aufgabe hilft: Die komplexe Problemlage in den sich herausbildenden überforderten Nachbarschaften und Vierteln, gekennzeichnet durch niedrige Einkommen, hohe Arbeitslosigkeit, schlechte Bausubstanz, einen Mangel an Nachbarschaftshilfe, lässt sich - so die Annahme - nur mit einem integrativen Ansatz lösen. Eine Lösungsstrategie bedarf des Zusammenwirkens von sozialer Arbeit, Wirtschaftsförderung, Stadtplanung, Bildungs- und Kulturarbeit. wiki: Quartiersmanagement. Was im gesamten Deutschsprachigen Bereich ziemlich zu vermissen ist, ist Bildungs- und Kulturarbeit im Bereich der Ausgeschlossenen, vor allem denjenigen, die bereits vom Sozialamt aufgegeben wurden, also denen, die älter als 43 sind ... (leider kein Scherz!).
Martin Herzog, Basel, 31.7.09