Arbeit für Markt, Staat oder Gesellschaft: 1., 2. und 3. Arbeitsmarkt__________________________________________________
Freiwilligenarbeit als Arbeit für die Zivilgesellschaft, als Sozialzeit - gemeinnützige Arbeit als Strafe für Versagen, als Fron? [pdf, 29 S., 1.6 mb]
| Unter dem Thema Zivilgesellschaft/ Bürgergesellschaft sind hier im Juli 2009 bisher 8 Texte entstanden (weitere in Bearbeitung) mit einem Umfang von über 150 Seiten, alle als pdf abrufbar. Das mag nach viel und Aufwand tönen, für den Leser ... aber dahinter stehen über 2000 Seiten an weiteren pdfs und Büchern. Die Zivilgesellschaft, wie die Postmoderne, sind die zwei wichtigsten ungekannten Wesen, die unsere Gegenwart stark prägen, über die wir also eigentlich einiges (mehr) wissen sollten. |
[Münzel, z.H. BfS: Bericht zur Freiwilligenarbeit
in der Schweiz. Neuchatel 2004.
do: Studie zum Bericht zur Freiwilligenarbeit in der
Schweiz
Olympe. Feministische Arbeitshefte zur Politik: Freiwilligenarbeit. Wie frei - wie willig? Heft 15. Dez. 2001. Zürich
]
Fangen wir mit was einfachem an, Eigenarbeit:
Eigenarbeit ist weiter gefasst und begrifflich anders gelagert als frei-gemeinnützige Arbeit: zur Eigenarbeit zählen „lästige“ reproduktive Tätigkeiten wie Einkaufen und Wäsche waschen, aber auch Tätigkeiten zur „Selbstentfaltung“ wie Hobbies, Beziehungsarbeit, Qualifikationserwerb.
Eigenarbeit als unbezahlte Arbeit (Wert der unbezahlten Arbeit), ist also Arbeit zum eigenen Nutzen, auch wenn unentgeldlich fällt sie somit nicht unter die Kategorie der Freiwilligenarbeit und Gemeinnützigkeit, da sie weder das eine (weil notwendig, wie Hausarbeit, Kindererziehung) noch das andere (weil selbstbezogen) ist. Also die wären wir mal los, zumindest für den Moment ... d.h. wir überlassen sie weiterhin den Frauen:
Laut Mascha Madörin werden 94% der unbezahlten Arbeit im Haushalt und im Rahmen von Familien und erweiterten Verwandtschaftssystemen geleistet. Bezahlte und unbezahlte Tätigkeit von Frauen und Männern in Millionen Stunden pro Jahr (1997; Median der Bruttostundeneinkommen in Fr./Std. (1998). Sortiert nach Gesamtaufwand für Frauen:
In der Schweiz, was weltweitem Durchschnitt entspricht, kommt für eine Frau auf eine Stunde bezahlte, 2 Stunden unbezahlte Arbeit - bei Männern auf eine Stunde unbezahlte Arbeit, zwei Stunden bezahlte. Die Männer waren also "geschickter" darin, sich im monetarisierten Bereich auszubreiten - was allerdings weniger auf Geschick, als fehlendes "Handicap" *(Kinderkriegen und aufziehen) zurückzuführen sein dürfte. Wen wundert's dass die Geburtenziffern schwinden, wo Kinder eben zu Kostenfaktor und Handicap werden. |
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Frei-gemeinnützige Arbeit wird gegenwärtig unter vielen Titeln angesprochen:
Volunteering bezeichnet die etablierte anglo-amerikanische Form von Freiwilligenarbeit: sie umfasst alle Stufen freiwilligen, gemeinnützigen Mithelfens, die keineswegs mit einem Ehrenamt verbunden zu sein brauchen; Volunteering gilt als wichtiges Element der „mixed economy of welfare“
Solidarität ist ein altes Phänomen des Einstehens für Gleichgestellte und war als Ausdruck lange Zeit eng mit der Arbeiterbewegung verbunden; heute erfährt der Begriff eine Ausweitung, wonach Solidarität weniger den Gleichgestellten als vielmehr den Schlechtergestellten gilt
Bürgerschaftliches Engagement hat eine stark politische Konnotation, auch wenn damit jede Art von freiwilligem Engagement angesprochen sein soll;bürgerschaftliches Engagement wird als Entwicklungselement einer „Bürgergesellschaft“ angesehen (vgl. Deutscher Bundestag, 2002), in welcher der Bürger als citoyen (Staatsbürger) und weniger als bourgeois (Wirtschaftsbürger) aktiv wird.
Eva Nadai:
In den letzten Jahren ist in der Diskussion der Begriff des bürgerschaftlichen Engagements» immer häufiger verwendet worden. Inhaltlich wird bürgerschaftliches Engagement praktisch synonym mit öffentlichem unbezahltem Engagement generell verwendet. Dazu gehören beispielsweise: klassische und neue Formen des sozialen Engagements, der gemeinschaftsorientierten Eigenarbeit (z.B. Nachbarschaftshilfe, Genossenschaften etc.), der gemeinschaftlichen Selbsthilfe und anderer gemeinschaftsbezogener Aktivitäten (bis hin zum Sportverein), politische Beteiligung. Engagement als Pflichtleistung wird immer wieder Thema im Rahmen von Diskussionen über einen obligatorischen Gemeinschaftsdienst. Gesellschaftlich notwendige Aufgaben, die aber nicht marktfähig sind, sollen auf dem Weg einer allgemeinen Verpflichtung neu verteilt werden. Solche Gemeinschaftsdienstmodelle stellen den Versuch dar, Solidarität und eine gerechtere Arbeitsteilung mittels Zwang herbeizuführen. Von Freiwilligenarbeit kann jedoch bei einem Obligatorium nicht mehr die Rede sein.
Mit den Begriffen Freiwilligenarbeit und Ehrenamt werden zwei ganz unterschiedliche Ebenen der unbezahlten Arbeit eingeführt, die Basisarbeit einerseits, die freiwillig und unentgeltlich zugunsten eines Gegenübers geleistet wird und die Tätigkeit für eine Organisation andererseits oder das Amt, in welches eine Person meist gewählt oder berufen wird. Man hört auch hierzulande immer öfter den Begriff «bürgerschaftliches Engagement», ein Import aus unserem nördlichen Nachbarland, der den Beitrag der Freiwilligenarbeit zum Funktionieren des Räderwerks «Zivilgesellschaft» betont. Im französischsprachigen Teil der Schweiz ist diese Unterscheidung wenig gebräuchlich. Der Terminus «travail honorifique» wird selten verwendet, man spricht von «Bénévolat» oder vom «Volontariat», im Italienischen vom Begriff «Volontariato». [S. 8]
Ich hatte hier bereits eine Kritik, bevor der Beitrag recht eigentlich veröffentlicht wurde, weil ich mit der "Gemeinnützigkeit" so brutal umgehe. Ein Klärung des Begriffs führt allerdings auch nicht zu einer "besseren" Einstellung meinerseits, denn ... Wer entscheidet darüber, was gemeinnützig ist? Wissen Sie's? Es ist das Steuergesetz und das Steueramt. Gemeinnützig ist, was der Gemeinde (Kanton, Staat) die Ausgaben von Steuern erspart. Der Hintergrund der Gemeinnützigkeit ist also a) monetär, was ihn schon mal als nicht sehr geeignet erscheinen lässt, für die Verleihung von Heiligenscheinen. b) Wird Gemeinnützige Tätigkeit per Dekret dort ausgeführt wo der ordentliche Aufgabenbereich des Gemeinwesens liegt, also z.B. Kehrichtverwertung, Abwasserreinigung, Wasserversorgung, Schul- oder Unterrichtstätigkeit, Krankenpflege, Natur-, Heimat- und Tierschutz, Führung von Spitälern, Bibliotheken oder Museen, Organisation des öffentlichen Verkehrs sowie Durchführung von Ausstellungen. Sie ersehen bereits aus dieser unvollständigen Liste, dass es sich bei einem grossen Teil dieser Tätigkeiten um Tätigkeiten handelt, die heute fast immer von Berufsleuten ausgeführt werden. Von den Ausgaben des Staates leben eine Vielzahl von Angestellten des Staates selbst wie in den für den Staat tätigen Betriebe. Selbst in der sich recht neoliberal gebenden Schweiz beträgt die Staatsquote (sauber gerechnet, also inklusive AHV und Pensionsgelder), Anteil der staatlichen und staatlich bedingten wirtschaftlichen Aktivität an der wirtschaftlichen Gesamtleistung einer Volkswirtschaft, um die 50%. Gemeinnützigkeit kann also den Arbeitsmarkt lädieren - und präzise hier liegt das Problem, das ich hier zu lösen suche. Gemeinnützigkeit die zu sehr im Sinne des Steueramtes arbeitet, könnte also zu massiven Schäden im Arbeitsmarkt führen. Des weitern löst diese "moralische Ersatzdienstleistung", egal wie freiwillig oder verordnet Freiwillig, die dahinter stehenden Probleme nicht, denn "die Schuldfrage", die Frage nach den Ursachen des Problems, warum jemand in die Lage kommt, freiwilligen Frohndienst leisten zu müssen, wird damit total vermieden, was eine Lösung eben so total verhindert.
Gemeinnützige Arbeit hingegen, obwohl im genau gleichen Feld "nichtmarktorientierter Tätigkeiten", ist Strafarbeit, Fronarbeit, Zwangsarbeit, die normalerweise als Ersatz für kleine Geldstrafen geleistet werden kann. Im Kanton Zürich werden auch Einsätze von Sozialhilfebezügern so genannt, weil verpflichtend. Hier müssten die Betroffenen allerdings mal rückfragen, womit sie sich denn straffällig gemacht haben - gegenüber einem Markt, der willkürlich nach Leistung, Passung und Effizienz ausliest, also auf Individuen keine Rücksicht nimmt.
Nach der Logik der Opportunitätskosten würde gemeinnützige Arbeit am kostengünstigsten
von Arbeitslosen oder Rentnern erledigt. Dem entgegen steht der
Verdacht von Arbeitsämtern - in Deutschland wie in England -, dass ein starkes
ehrenamtliches Engagement von Arbeitslosen deren Arbeitsfähigkeit einschränkt.
Ein Blick darauf, wer sich überhaupt engagiert, zeigt jedoch, dass es ohnehin
diejenigen sind, welche auch am Erwerbsleben Anteil haben. s. Statistik.
Arbeitszwang als "Motivation" gegen das Liegestuhl-Syndrom (Leserbrief, nicht abgedruckt, zu den "neuen Workfare Methoden im Kanton Zürich, die bereits in andere Kantone ausstrahlen): Wie geraten Sozialhilfeempfänger in diesen "Liegestuhl"? Ihnen wurde vom Markt die wirtschaftliche Nützlichkeit abgesprochen durch Restrukturierung, betriebswirtschaftliche Einsparung von Arbeitskräften, persönliche Willkür, Gruppenterror und Anpasserfaschismus, sowie masslos übertriebene Anforderungen vieler Stellenausschreibungen. Warum werden die Betroffenen verdächtigt, müssen ihre Arbeitswilligkeit und -Fähigkeit beweisen - nicht aber die eigentlichen Verursacher ihre Fähigkeit, Wirtschaft nicht nur betriebswirtschaftlich profitabel, sondern auch volkswirtschaftlich verantwortungsvoll zu betreiben? Warum werden die Sozialhilfeempfänger in corpore der Faulheit verdächtigt, obwohl sie hunderte wenn nicht tausende erfolgloser Bewerbungen hinter sich haben müssen und ihre privaten Ersparnisse völlig Verbraucht sind, bevor sie sich überhaupt beim Sozialamt melden können? Sie haben nichts - Wer aber nichts hat, hat offenbar auch keine Rechte, verdient keinen Respekt, darf verachtet und verleumdet - und unter Applaus des Volkes zu Frondiensten verpflichtet werden. Der Markt, in den sie sich integrieren sollten, steht aber nur selten auf gehorsame Sklaven, sondern auf aufgestellte, zufriedene, strebsame, leistungswillige, also gesunde, selbstbewusste und starke Persönlichkeiten. Das Konzept: <Wer Sozialhilfe bezieht, soll sich nicht wohl fühlen>, ist kontraproduktiv, also dämlich. Warum also werden diejenigen, auf deren Kosten gespart wird, mit Zwangsarbeit bestraft, die eigentlichen Verursacher jedoch mit noch höheren Löhnen und Steuererlassen belohnt? Auch diejenigen, die (noch) nicht betroffen sind, sollten sich vielleicht mal überlegen, warum es Arbeitslosigkeit und Sozialfälle in einer Gesellschaft des Überflusses eigentlich gibt? Könnte es nicht sein, dass erstere vor allem der Lohndrückerei und Inflationsverhinderung dienen, zweitere der Disziplinierung auf Arbeit um jeden Preis, auch wo sinnvolle Arbeit entweder schwer zu finden ist - oder sich finanziell nicht auszahlt? |
Hier sind all die im Kanton Zürich so beliebten Programme, in denen von Sozialhilfe abhängige ihre Arbeitswilligkeit beweisen müssen, nun sogar bevor sie sich anmelden können, reiner Hohn und eine bodenlose Frechheit. Warum muss nicht "der Markt" beweisen, dass er Arbeitskräfte überhaupt will, Arbeitskräfte wie es sie gibt, nicht wie sie mit Topanforderungen (für jeden Scheissjob ein Diplom ...), publiziert werden. s. Leserbrief in Kasten oben.
Auch andere sozialpolitische Massnahmen, wie Beschäftigungsprogramme für Erwerbslose, kommunale Programme, wie das Projekt «Arbeit statt Fürsorge» in der Stadt Zürich, oder Einsatzplätze für Zivildienstleistende machen der Freiwilligenarbeit die Einsatzmöglichkeiten streitig. Fachleute weisen bereits auf die zunehmende Tendenz zur Konkurrenzierung im sogenannten zweiten Arbeitsmarkt hin. Dieser weise bereits Merkmale von Mechanismen der Privatwirtschaft auf: Es entsteht eine Art Hierarchisierung, denn Programmanbieter, seien es öffentliche oder private, suchen sich für ihre Projekte die fähigsten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus, da auch diese Projekte gewissen Effizienzkriterien genügen müssen. Man nennt das "creaming off", als den Rahm abschöpfen. Diejenigen die eh am wenigsten Probleme haben werden begünstigt. (Ein ausgezeichnetes negatives Beispiel dafür s. Basler Stadthelfer).
Auf der andern Seite wurde die Ineffizienz, ja Kontraproduktivität der sog. "Beschäftigungsprogramme" ja längst belegt.
Ich brauch hier nur den Tagesanzeiger vom letzten Mittwoch aus dem Altpapier hervorzugrübeln, da steht wieder mal so eine Musteranalyse drin: Was Beschäftigungsprogramme bringen (H. Schöchli, Mi. 8. Juli, S. 2.) Soziolnomisch werden da mal 5 Klassen von Betroffenen (oder Beglückten?) definiert:
Wir haben also von 5 Kategorien eine einzige, bei der das Zeugs was bringt das über Panem et Circenses, also eben "Beschäftigung", hinaus geht, und genau diese Kategorie (IV) soll nun auch in den Arbeitsmarkt integriert werden; - aber keine einzige bei der der wichtigste Effekt nicht heisst: TAGESSTRUKTUR. Auch hier werden die Leute, einfach weil sie keine Arbeit finden, für total bekloppt gehalten, unfähig, sich einigermassen organisiert durch den Tag zu bringen. Der höchste Sinn von Beschäftigungsprogrammen ist also immer noch, wie 1996, die Tagesstruktur: Aufstehen, Frühstücken, Zähne putzen, Arbeitsweg, Arbeit suchen, Arbeit machen, Mitagessen, Arbeit suchen, Arbeit machen (oder vermeiden, es darf bei Beschäftigungsprogrammen nie zu schnell gehen, sonst geht eben diese Arbeit aus). Feierabend - als Erlösung. Würde jedoch ein Projekt konzipiert zur lehrreichen Unterhaltung gelangweilter Arbeitsloser - es dürfte kaum eine Chance haben, denn der Hauptzweck von dem Karsumpel ist ja, dass die Leute so rasch wie möglich raus wollen - also Arbeit suchen.
Genau diese sog. Beschäftigungsprogramme zeigen recht gut wo der Hase im Pfeffer liegt. Die Tätigkeiten die sie anbieten sind nämlich entweder stocklangweilig, virtuell, nutzlos und belämmernd - oder konkurrieren noch bezahlte um noch bezahlte Stellen, womit zunehmend im Bereich Gesundheit, öffentliche Sauberkeit und Ordnung etc. gerechnet werden muss. So werden sie nicht nur von Gewerbeverbänden, sondern zunehmend auch von Gewerkschaften angegriffen, weil sie bezahlte Arbeit durch Gratisarbeit (na ja, staatlich subventionierte Arbeit) ersetzen.
In einer fast völlig monetarisierten Gesellschaft ist es eben schwierig, sinnvolle Arbeit zu finden, die nicht vom sog. "Markt" erledigt wird oder zumindest werden könnte. Gerade die bei SVP beliebten Beispiele von Strassen reinigen und Dreck einsammeln kann das Problem deutlich machen. Das selbe Projekt hat in New York zur Entlassung von hunderten ehemaliger Mitarbeitern der Stadt gesorgt.
Der Zivilschutz ist ein Katastrophenladen, nicht weil der Katastrophen so toll verhindert und aufräumt, sondern weil er keine Ahnung hat, was er mit den Dienstpflichtigen anfangen soll. Ähnlich der Zivildienst. Ähnlich die sog. Freiwilligenprogramme. Einer der lächerlichsten Vorwürfe der hier in Basel vor ca. 1 Jahr durch die Presse ging: Reiche Damen, die was gutes tun wollten, nähmen den andern die teuren Plätze in diesen Programmen weg. Ja mei ... da wär doch die Frage eher: a) Warum sind die Plätze knapp? Gibt es keine notwendige Freiwilligenarbeit mehr? Wer hat das erhoben? Wenn nicht, warum nicht? b) Warum sind die Plätze teuer? Offenbar nicht wirtschaftlich organisiert.
Isidor Wallimann [in: Eisen, Lange, Wallimann (Hrsg.): Soziale Arbeit und Oekonomie. Politische Oekonomie. Arbeitsmärkte. Sozialpolitik. Grenzen der Oekonomisierung. Soziale Oekonomie. Gemeinwesenentwicklung. Bürgergesellschaft. Luchterhand. 2000. S. 267-71]Die Soziale Arbeit und der zweite Arbeitsmarkt: Nutzen nicht nachgewiesen, Mittel verschwendet, politisch repressiv.Schon bereits beim Titel würd ich sagen "autsch". Der hat da das selbe wie ich vor ein paar Wochen schon vor Jahren ausgesprochen. Man wird dafür aber heute noch niedergemacht. Früher wäre die Arbeitslosigkeit vor allem Ausländern aufgelastet worden (noch früher den Bauern). In beiden Fällen hatten die periodischen Arbeitgeber natürlich den Eindruck, sie seien Wohltäter, da sie den Leuten einen Zusatzverdienst gewähren ... so lange es eben geht. Das mit dem "Zusatz" funktioniert aber eben je länger desto weniger. War Frauenarbeit, und damit der Frauenlohn vor 100 Jahren verpönt, weil es das notwendige Einkommen des alles erhaltenden Haushaltsvorstandes bedrohte, gelingt es heute nur einer Minderheit, einen ganzen Haushalt ohne Mitarbeit, d.h. auch lohnerwerbsmässige Mitarbeit der Partnerin durchzubringen. (Frauen die Männer unterhalten sind trotz Emanzipation doch eher selten ... Männer ohne Lohn finden sich sehr rasch alleine wieder. Da is es dann mit der Gleichberechtigung auch nicht so weit her.) Je überschüssiger das Humankapital erscheint, weil es als Ueberschuss deklariert und überschüssig gemacht wird, desto eher kann mit der Auslagerung der Qualifiierungs- und Bildungskosten auf Individuum und Oeffentlichkeit vorangeschritten, Humankapital und Lohnarbeit beim Einkauf verbilligt, und Profite gesteigert werden. [S. 269] Der zweite Arbeitsmarkt setzt da ein, wo die Methode der Ausgrenzung durch Arbeitslosigkeit vorangeschritten, wo durch Aussperrung doe ökonomische und soziokulturelle Existenzsicherung von Massen gefährdet ist. [S. 269] Probleme der Beschaeftigungsprogramme: Dabei ergibt sich für den zweiten Arbeitsmarkt aber eine äusserst ungünstige Kosten-Nutzen-Rechnung:
Zusatz: Innerhalb von Gruppen mit ähnlichem Schicksal, z.B. Alter über 50, verbreitet sich dann gar keine Hoffnung mehr, sondern genereller Defätismus: Wir haben eh keine Chance mehr. Dieser wird zwar durch Zwang bekämpft, aber gemäss Richtlininien von den Betreuern eigentlich geteilt. Schabernack.
Alternativen zum 2. Arbeitsmarkt:
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| Präzise das selbe Lied aus Deutschland. Ob sich das Ding nun "Neue Arbeit" nennt oder "gemeinnützige Arbeit" (Dekra), das Ziel ist zwar Hilfe und Qualifizierung, die Arbeit aber unqualifizierte Hilfsarbeit, die entweder als "Praktikum" vergeben wird - oder mit Zuschüssen für die Unternehmen auf bis zu 1€ verbilligt wird. Sinnlose Arbeit führt aber nicht zu Qualifizierung, sondern zu Depressionen. 6 Monate "gemeinnütziger Einsatz" mit Kartons füllen dürfte auch den Anspruch: - Ein Eignungsprofil erstellen - kaum erfüllen, es sei denn, es handle sich um Eignungsprofile für wirklich ganz extreme Fälle. Wenn man allerdings rund 10% der Bevölkerung zu "extremen Fällen" macht, ganz einfach weil sie aus dem Erwerbsleben ausgeschlossen wurden, dann ist was faul im enstprechenden Staate. |
So wichtig informelle Hilfe in sozialen Netzwerken auch ist, so sollte doch deutlich zwischen organisierter Freiwilligenarbeit und informellen persönlichen Hilfeleistungen unterschieden werden. Diese beiden Formen unbezahlter Arbeit werden von verschiedenen Gruppen geleistet und sind unterschiedlich motiviert (Wilson & Musick 1997; Bühlmann & Schmid 1999). Informelle Unterstützung findet in der Regel im Rahmen bestehender sozialer Beziehungen statt und ist gesteuert durch die ungeschriebenen Reziprozitätsregeln des sozialen Tausches, bei dem eine moralische Verpflichtung besteht, eine Leistung zeitverschoben zu erwidern (Bourdieu 1998). Dies gilt für organisierte Freiwilligenarbeit idealiter nicht: Die Rotkreuzfahrerin darf von ihren Fahrgästen, die Präsidentin des Krippenvereins von den Eltern der betreuten Kinder keine Gegengabe erwarten – auch wenn bei länger dauernden Beziehungen symbolische Gaben vielleicht doch irgendwann erfolgen. Wenn unbezahlte Arbeit politisch gesteuert werden soll, dann müssten folglich die Anreizstrukturen für informelle Hilfe und organisierte Freiwilligenarbeit anders gestaltet sein.
Während dem institutionalisierte Freiwilligenarbeit, vor allem von Männer für Sportvereine geleistet wird,
engagieren sich Frauen vor allem bei der informellen Freiwilligenarbeit, primär bei der Kinderbetreuung und generell der Nachbarschaftshilfe:
Genau dieser Bereich wird zur Zeit voll torperdiert durch eine Vernehmlassung des Bundesrates. Wer Kinder mehr als 20 Stunden pro Woche betreut, braucht künftig eine Prüfung und eine staatliche Genehmigung - egal ob Kindermädchen, NachbarIn, Onkel oder Tante (nur die Grosseltern haben eine Ausnahmegenehmigung, andere werden mit bis zu 5000 Franken gebüsst.
Nächster Schritt vermutlich ein Test auf <Elternfähigkeit>, im Alter von 12 Jahren. Bei Nichtbestehen erfolgt Kastration, die allenfalls verzögert werden kann, durch Teilnahme an einem Kurs über Elternschaft, mit Diplom.
Der Formalisierungsgrad ist in den verschiedenen Engagementbereichen sehr unterschiedlich ausgeprägt. In der politischen und beruflichen Interessenvertretung, in Schule und Kindergarten, wo es um demokratisch legitimierte Mitbestimmung geht, spielen Ämter und Funktionen, für die der Einzelne mit einem Mandat ausgestattet wird, eine große Rolle (Rosenbladt 2000: 75f.). Am anderen Ende des Spektrums stehen Bereiche wie der Umwelt-, Natur- und Tierschutz, der soziale Bereich und der Gesundheitsbereich, in denen informelle Formen der Mitarbeit dominieren.
Hier kam ein neuer Akteur ins Spiel, der als NGO oder NPO heute den Bereich der Zivilgesellschaft organisatorisch dominiert: Mit den NGOs hat ein neuer Akteur die internationale Arena betreten, der relativ unabhängig von Staat und Privatwirtschaft zivilgesellschaftliche Perspektiven in den politischen Prozess einbringt.
Nicht nur das, NGOs bringen auch Themen aufs Tapet, die der Politik oder sogar den Medien zu heiss sind: NGOs artikulieren als neue Akteure Interessen und Themen, die von den staatlichen Akteuren und den Unternehmen bis dahin nicht wahrgenommen bzw. nicht berücksichtigt wurden.
NGOs arbeiten mit grenzüberschreitenden Formen des Konsumentenboykotts, Protests, zivilen Ungehorsams, symbolischer Aktionen, Mobilisierungen und Kampagnen, und dies auf internationalem Parkett. Sie sind in der Lage, globale Öffentlichkeit herzustellen.
NGOs gelten oft gar als Säule der Demokratie, da sie auch, unabhängig von politischen Parteien und ihrem Gezänk, politische Gegenentwürfe einbringen, so etwa Alternativen im und zum gegenwärtigen Globalisierungsprozess.
Erweiterte Zeithorizonte können als wesentlicher Beitrag von NGOs zur ökologischen Demokratie angesehen werden. NGOs agieren als Teil längerfristig orientierter „Wissensgemeinschaften“, die zwischen Laien und Experten, zwischen Aktivisten und Professionellen, zwischen lokalen und globalen Einheiten Verbindungen herstellen.
NGOs machen komplexe und oft auch komplizierte Zusammenhänge ihren Mitgliedern, und damit oft einer recht breiten Öffentlichkeit verständlich. Sie haben es längst hingekriegt, eine ökologische Demokratie zu schaffen (was allerdings von Gegnern oft mit Oekodiktatur und Verhinderungstaktik gleichgesetzt wird).
NGOs haben allerdings auch Probleme, insbesondere was ihren Zugang zum politischen Lobbying betrifft, was natürlich nur solange gilt, als ihnen die Medien nicht bereits direkt zuhören. Wo diese dies tun, birgt allerdings die meist generelle Ressourcenschwäche für viele NGOs die Gefahr, in eine hohe Medienabhängigkeit zu geraten. Noch schärfer sind diese Probleme bei NGOs, die von öffentlicher Finanzierung abhängen, denn man soll ja die Hand die einen füttert nicht beissen::
Staatliche und internationale Institutionen entscheiden in vielen Fällen darüber, ob es einen „Bedarf“ an NGOs gibt, ob sie in transnationale Verhandlungssysteme einbezogen werden, ob ihre Expertise geschätzt oder ignoriert wird. Stärker noch als auf nationaler Ebene sind NGOs von öffentlicher Alimentierung abhängig.
Dieses Problem spitzt sich zu mit der rapide steigenden Finanzierung von NGOs durch den Staat speziell in ppp (public private partnership) und pspp (public social private partnership). Die NGOs geraten hier in eine Abhängigkeit, die nicht mal formell auf Papier festgehalten werden muss. Es ist das selbe Prinzip wie das, das Zeitungen dazu zwingt, das zu schreiben, was ihre Leser lesen, also bezahlen wollen. Dazu kommt, dass die Strukturen so komplex und verzwirnt sind, dass kein Aussenstehender, und sehr wenige Insider, überhaupt noch wissen, wer nun eigentlich die Fäden zieht. Aber gezogen wird, da war und ist bei jedem Filz so.
Umgekehrt kann allerdings auch die Vielfalt widersprüchlicher Aktivitäten unterschiedlichster NGOs Probleme verursachen: :
Die Hineinnahme von NGOs führt zwar zu einer breiteren Interessenberücksichtigung bei internationalen Verhandlungen, aber die Komplexitätssteigerung durch die große Zahl und Vielfalt der NGOs hat auch eine Schattenseite. Die neuen Akteure machen – so einige Beobachter – politische Übereinkünfte noch schwieriger und mindern unbeabsichtigt die politischen Regulierungschancen. Diese Zersplitterung beeinträchtigt nicht nur die Erfolgsmöglichkeiten von NGOs, sondern birgt auch die Gefahr einer hoch spezialisierten Politik auf internationalem Parkett. Die NGOs verlieren dann häufig den Kontakt zur lokalen Basis.
Der Trend spricht dennoch für ein beschleunigtes NGO-Wachstum.
Das Ehrenamt war lange Zeit Kern der Selbstorganisation politischer, sozialer und geselliger Vereinigungen.
Noch heute ist es doch einigermassen erstaunlich, dass jeder fünfte Deutsche ein Ehrenamt inne hat. Die Begeisterung für dergleichen ist allerdings dummerweise reziprok zu der Zeit, die dafür zur Verfügung steht: Je beschäftigter, desto Amt: Sofern Personen ein Haushaltsnettoeinkommen über 5.000 DM erzielen, sind rund 50 % in dieser Gruppe engagiert, in der unteren Einkommensklasse (unter 1.500 DM) sind es hingegen nur 21,5 %. Eine ähnlich große Bedeutung hat der Bildungsabschluss. Somit ergibt sich zusammengenommen: „Die Gruppe mit der höchsten Engagementquote von 73 % sind Personen mit Hochschulreife und mit einem Haushaltsnettoeinkommen von 8.000 DM und mehr“ (Dathe/Kistler 2002: 50). Kombiniert man diese beiden Variablen mit dem Faktor „Umfang des Freundes- und Bekanntenkreises“, so kommt man zu dem Ergebnis, dass auch dieser „weiche“ Faktor einen großen Einfluss auf das Engagement hat.




Dass Freiwilligkeit DIE Grundbedingung ist für Freiwilligenarbeit scheint banal ... aber in der "real (oder reell, ich halt die Unterscheidung für hauchdeutschen Pipifax) existierenden Freiwilligkeit" wird genau diese Grundlage dauernd unterlaufen:
Die Freiwilligkeit des Engagements ist das zentrale Charakteristikum der in Frage stehenden Tätigkeiten. Die IAVE-Deklaration umreisst diese Bedingung mit freiem Willen, persönlicher Motivation, eigener Entscheidung und Wahlmöglichkeiten (Paulwitz 1996: 13). Freiwilligkeit als definierendes Element zu bezeichnen, scheint banal zu sein, ist aber insofern wichtig, als sich Tendenzen zur Vermischung von Freiwilligenarbeit mit ganz oder teilweise erzwungenen Formen unentgeltlicher Arbeit abzeichnen (Bovay & Tabin 1998). So z.B. bei gemeinnütziger Arbeit im Rahmen von alternativen Formen des Strafvollzugs oder beim Zivildienst – diese Formen lassen sich allerdings noch einfach abgrenzen, weil die Freiwilligkeit des Engagements eindeutig nicht gegeben ist. Schwieriger ist dies bei sogenannten Gegenleistungsmodellen im Bereich von Arbeitslosigkeit oder Sozialhilfe, bei denen Freiwilligenarbeit eine der Möglichkeiten darstellt, bessere Unterstützungsleistungen zu erhalten. Insofern diese «positiven» Anreize in der Regel verknüpft sind mit negativen Sanktionen für Personen, die keine «Gegenleistung» erbringen wollen (z.B. Kürzung der Sozialhilfe auf das Minimum), besteht jedoch keine echte Wahlfreiheit mehr (Wyss 2002). Ebenfalls nicht wirklich auf freier Wahl basieren diverse Modelle für einen Gemeinschaftsdienst (vgl. 2.3).
Der Bereich freiwilliger Tätigkeiten wird usurpiert mit Zwecken, welche der Markt nicht mehr gewährleisten kann, insbesondere also die Vollbeschäftigung. Staatlich organisierte und verpflichtende Freiwilligkeit ist eben nicht freiwillig und dient nicht mehr der persönlichen Entwicklung, sondern der Erfüllung staatlicher Aufgaben, für die weder er noch die Wirtschaft Löhne zu zahlen bereit sind:
Die Förderung von Bürgerarbeit als nicht marktgängigen, gemeinwohlorientierten Tätigkeiten, die von «Gemeinwohlunternehmern» organisiert werden, soll Teil der Bemühungen bilden, die Krise der Arbeitsgesellschaft zu meistern. Derartige Tätigkeiten sollen immateriell wie materiell anerkannt werden (z.B. durch öffentliche Ehrungen, Vergünstigungen für die Nutzung öffentlicher Dienstleistungen, Anrechnung bei den Renten und ähnliches). Besonders brisant ist der Vorschlag, dass Personen, die unter dem Existenzminimum leben, mit einem «Bürgergeld» in der Höhe der Sozialhilfe entschädigt werden sollen. Hier wird die bereits angesprochene Grauzone zwischen Freiwilligkeit und Zwang tangiert, von der besonders sozial schwache Menschen wie Arbeitslose oder Sozialhilfeempfänger betroffen sind. Insofern Bürgerarbeit ziemlich direkt für verschiedene arbeitsmarkt- und sozialpolitische Ziele instrumentalisiert wird – Entlastung des Arbeitsmarkts, Integration von Arbeitslosen und Sozialhilfeempfängern, Verlagerung von sozialen Dienstleistungen vom Staat auf die Bürgerinnen und Bürger –, steht sie in einem diametralen Gegensatz zu den Intentionen des Konzepts des bürgerschaftlichen Engagements als selbstbestimmtes Handeln, das sich durchaus auch gegen staatliche Politik richten kann.
Gesellschaftliche Arbeiten die wichtig sind, aber offenbar nicht so wichtig, dass der Markt sie einer Bezahlung für würdig erachtet, sollen freiwilig auf diejenigen verteilt werden, die staatliche Kostenfaktoren sind, weil die effiziente Wirtschaft mal grad wieder sparen muss.
Engagement als Pflichtleistung wird über Milizämter hinaus immer wieder Thema im Rahmen von Diskussionen über einen obligatorischen Gemeinschaftsdienst. Im Kontext der Debatte zu einem Umbau der Arbeitsgesellschaft in Richtung «Tätigkeitsgesellschaft» bzw. der Umverteilung von Arbeit werden immer wieder verschiedene Modelle eines obligatorischen Gemeinschaftsdienstes propagiert (vgl. Übersicht in Nadai & Gerber 1997). Gesellschaftlich notwendige Aufgaben, die aber nicht marktfähig sind, sollen auf dem Weg einer allgemeinen Verpflichtung neu verteilt werden. Je nach politischer Perspektive können unterschiedliche Aspekte im Vordergrund stehen: die Sicherung von sozialen, kulturellen und ökologischen Dienstleistungen, die Umverteilung unbezahlter Arbeit zwischen den Geschlechtern, die Umwertung von gesellschaftlich unterbewerteten Aufgaben oder aus einer subjektbezogenen Perspektive der Entwurf neuer Lebens- bzw. Zeitverwendungsmodelle. Die möglichen Einsatzfelder werden in der Regel eher vage definiert (z.B. sozial, menschlich und ökologisch bedeutsam), wobei der Grundsatz gelten soll, dass damit nicht professionelle Tätigkeiten konkurrenziert werden. Über die zeitliche und organisatorische Ausgestaltung einer solchen Dienstpflicht gibt es unterschiedliche Vorstellungen, ebenso über die Frage der Entschädigung für die Dienstpflichtigen. Unabhängig von den konkreten Formen stellen Gemeinschaftsdienstmodelle den Versuch dar, Solidarität und eine gerechtere Arbeitsteilung mittels Zwang herbeizuführen. Von Freiwilligenarbeit kann bei einem Obligatorium sicher nicht mehr die Rede sein – jedenfalls nicht für den Teil der gemeinnützigen Arbeit, der im Rahmen der Dienstpflicht erbracht wird. Ob ein obligatorischer Dienst dazu geeignet ist, das Bewusstsein für die persönliche soziale Verantwortung zu wecken und damit auch gemeinnütziges Engagement über die Dienstzeit hinaus zu fördern, wie sich dies diverse Autoren erhoffen, bleibe dahingestellt.
[Studie S. 25]
Der Abschnitt beinhaltet eine ganze Serie wertvoller möglicher Einsätze - aber eben auch grundzipiell das Problem, das Freiwilligkeit hier verordnet werden soll:
Die Liste sollte ergänzt, und effektiv für die Planung von derartigen Programmen eingesetzt werden. Vergl. real existierende Einsätze.
[Harald A. Mieg & Theo Wehner: Frei-gemeinnützige Arbeit. Eine Analyse aus Sicht der Arbeits- und Organisationspsychologie ISSN 0944-565X Nr. 33, Dezember 2002. Harburger Beiträge zur Psychologie und Soziologie der Arbeit]
Die Motivation der freiwillig Tätigen ist oft Freude an der Tätigkeit:
Über 80% der Personen, die sich in Vereinen und Organisationen freiwillig betätigen, tun dies, weil ihnen die Tätigkeit Spass macht. 74% betrachten ihr Engagement als gute Möglichkeit, zusammen mit anderen Menschen etwas bewegen zu können. 69% möchten anderen Menschen helfen und 61% beurteilen das Zusammenkommen mit Menschen als wichtige Motivation.Im Folgenden gehen wir einigen spezifischen Motivationslagen nach. Das erste und
wichtigste Motiv, das es zu beleuchten gilt, ist die Gemeinwohlorientierung
beziehungsweise Altruismus. In zahlreichen Untersuchungen hat Bierhoff die
Bedeutsamkeit einer altruistischen Persönlichkeitsstruktur nachgewiesen (vgl.
Bierhoff, 1990; Bierhoff, Klein & Kramp, 1990): Die altruistische Persönlichkeit
zeichnet sich durch soziale Verantwortung und Mitgefühl aus.
Die dominant intrinsische Motivation wird gefährdet, wenn wir sie extrinsischer Kontrolle oder Belohnung unterwerfen (vgl. Stukas, Snyder & Clary, 1999); dies ist besonders der Fall bei Bezahlung.
Multifunktionelle Motivation der Freiwilligen · Hilfsbereitschaft |
(1) Frei-gemeinnützige Arbeit ist multifunktional hinsichtlich der beteiligten
Motive. Mit ihr lassen sich Hilfemotivation, soziale Anbindung, Kompetenzerwerb
und andere Bedürfnislagen verbinden. Frei-gemeinnützige Arbeit kann
durchaus eine Ausgleichfunktion gegenüber der Erwerbsarbeit gewinnen.
(2) Eine notwendige Bedingung für individuell frei-gemeinnütziges Engagement
ist die persönliche Sinnhaftigkeit der Arbeit. Der persönliche Sinn wird
bedroht durch Bezahlung dieser Arbeit, da sie dann in den Rang von
Erwerbs- und Auftragsarbeit sinkt. Persönliche Sinnhaftigkeit einer Arbeit
widerstrebt auch der Einführung einklagbarer Qualitätsstandards.
(3) Prekäre Organisation: Die Organisation von frei-gemeinnütziger Arbeit ist
prekär, schon allein aufgrund der Freiwilligkeit des Engagements, das im
Prinzip jederzeit widerrufbar ist - und sei es nur, dass der oder die Freiwillige
den persönlichen Aufwand reduziert. Das Wachstum von Organisationen, die
auf Freiwilligenarbeit ruhen, ist kaum rational steuerbar.
Demnach zeichnen sich typische Freiwillige so aus: sie haben einen größeren Bekannten- und Freundeskreis; leben in einem Haushalt mit 4 und mehr Personen; haben einen höheren Bildungsabschluss; sind erwerbstätig; haben oder hatten eine höhere berufliche Position. Das Prinzip scheint zu sein: wer ohnehin (sozial) beschäftigt ist, ist auch bereit, zusätzlich frei-gemeinnützige Arbeit zu leisten.
Frei-gemeinnützige Arbeit passt zu einer egozentrischen, eigennutz-orientierten Perspektive ebenso wie zu einer Orientierung an Rollenerwartungen oder der Gemeinschaft. Wichtiger als die jeweilige Motivation ist die Bedingung, dass die „Fiktion der Gerechtigkeit“ (Mieg, 1994a), d.h. der Glaube an den Sinn und Nutzen der selber erbrachten frei-gemeinnützigen Arbeit, nicht gestört wird. Bei gestörter Fiktion der Gerechtigkeit, wenn zum Beispiel das Gefühl des Ausgenutztseins aufkommt, verringern gerade diejenigen ihre Verantwortungsleistung, die aus einer sozialen Motivation heraus handeln. Wer freiwillig bei einem Stadtentwicklungsprojekt mithilft, um als „guter Bürger“ der Gemeinschaft zu nützen, wird sein Engagement überdenken, wenn sich herausstellt, dass das Projekt in erster Linie einem bestimmten Stadtpolitiker zur Profilierung hilft. s. A21

Folgende Graphik zeigt mal, dass Freiwilligenarbeit nur einen sehr kleinen Anteil bildet der total geleisteten unbezahlten Arbeit - die allerdings meist zur Erhaltung und Verbesserung des eigenen Lebens, inklusive Familie, geleistet wird:
Unbezahlte Arbeit erstmals als volkswirtschaftliche Grösse gemessen [BfS Nov. 04]
3.1.1 Rückgang der Freiwilligenarbeit:
Zum Internationalen Tag der Freiwilligen vom 5. Dezember 2008 publiziert das Bundesamt für Statistik (BFS) eine Kurzfassung der aktuellsten verfügbaren Eckdaten für die Schweiz. Ein Vergleich zwischen 1997 und 2007 zeigt einen Rückgang der freiwillig Tätigen in der Schweizer Wohnbevölkerung; strukturell hat sich hingegen kaum etwas verändert. Das freiwillige Engagement für Vereine und Organisationen ging von 27% auf 24% zurück; dasjenige für unbezahlte Hilfeleistungen im privaten Umfeld von 23% auf 21%. Dabei bestehen grosse Unterschiede zwischen den Sprachregionen und den Kantonen.
Der Rückgang an freiwilligem Engagement, insbesondere im Bereich Miliz, hat mehrere Gründe:
Vor allem die grossen, traditionellen Organisationen aus allen Bereichen klagen darüber, dass die zahlreichen Vorstandsfunktionen in den Zentralorganisationen, in den Kantonal- und Regionalverbänden und in den einzelnen Vereinen nur schwer besetzt werden können. Auch ist die Überalterung bei den Vorständen und Komitees ein Thema. (Allerdings meist nicht innerhalb der Vorstände ...)
[Münzel: Bericht zur Freiwilligenarbeit in der Schweiz. 2004. S. 19]
[Medienmitteilung BfS, 1.12.08
Freiwilligenarbeit in der Schweiz. BfS 2004]
s. auch Spenden
Obwohl gerade bei der Freiwilligkeit klar ist, dass Bezahlung das Konzept untergräbt, entsteht immer wieder der Wunsch, sogar gerade aus Freiwilligenorganisationen heraus, den Wert ihrer Arbeit in Geld zu messen (wobei sie sich dann gerne etwas verschätzen ...). Hier muss auch angemerkt werden, dass gerade das in diesen Kreise so gelobte Bürgergeld, eigentlich nichts anderes bewirken würde, als eine Umwandlung der Freiwiligenarbeit in bezahlte Arbeit - ohne Leistungskontrolle:
«Wenn Engagement zu ‚Arbeit’ wird, wird es damit en Rationalitätskriterien von ‚Arbeit’ wie Effektivität und Effizienz, Leistungserbringung und gesellschaftlicher Nützlichkeit unterworfen.» (Jakob 2001: 175)
Nach der Marktkostenmethode berechnet, beträgt der Wert der unbezahlten Arbeit in der Schweiz rund 215 235 Millionen Franken. Das sind 57,9 Prozent des Bruttoinlandproduktes (BIP). Gemäss dem Opportunitätskostenansatz, also mit potentiellen Marktlöhnen verglichen, beträgt der Wert der unbezahlten Arbeit in der Schweiz 139 347 Millionen Franken, was 37,5 Prozent des BIP entspricht. Bei beiden Methoden ist die Wertschöpfung der Frauen viel höher als diejenige der Männer und der Anteil der Haus und Familienarbeit an der gesamten Wertschöpfung bei weitem der grösste.
Studie zum Bericht zur Freiwilligenarbeit in der Schweiz Von Guido Münzel
Die Freiwilligenarbeit befindet sich im Wandel. Zwar werden die Bürger/-innen Europas immer häufiger Mitglieder in Vereinen, doch sie meiden die Mitgliedschaft in traditionellen Organisationen. Kirchen, Parteien und grosse soziale Wohlfahrtsinstitutionen erfüllen deshalb längst nicht mehr die Rolle des Horts, wo das freiwillige Engagement erlernt und eingeübt wird.
Die Aus- und Weiterbildung der Freiwilligen selber wird immer wichtiger. Der Schweizerische Sozialausweis empfiehlt zudem das Ausweisen der geleisteten Arbeit mittels Zertifikaten wie dem Schweizerischen Sozialzeit-Ausweis.
Die Professionalisierung der Freiwilligenarbeit beinhaltet z.B. Freiwilligenmanagement» bei der Rekrutierung,
Betreuung oder Ausbildung von Freiwilligen, wie professionelle Personalführung: Dazu gehören die Arbeitsorganisation, das Erstellen eines Pflichtenhefts,
die Arbeitsplatzgestaltung, die Begleitung der Freiwilligen, sowie Weiterbildungsmöglichkeiten. Die
Werthaltung dahinter: Freiwillige sollen wie bezahlte Mitarbeitende geführt, die Führungspersonen
für diese Aufgabe geschult werden. Zur Wertschätzung gegenüber den Freiwilligen gehört auch
eine Dialog- und Feedbackkultur.
Die Aus- und Weiterbildung der Freiwilligen selber wird immer wichtiger. Da Freiwillige mit
hoher Motivation anspruchsvolle Einsätze leisten, für die sie nicht immer genügend qualifiziert
sind, benötigen sie in besonderem Masse fachliche und persönliche Unterstützung. Bei der
Auswahl der Freiwilligen wird nicht nur auf deren Wünsche und Bedürfnisse, sondern ebenso
auf die relevanten Fähigkeiten und Kompetenzen geachtet. Weiterbildungsangebote werden
vor allem durch die regionalen Benevol-, Vermittlungs- und Koordinationsstellen sowie von den
kirchlichen Fachstellen angeboten. Auch die Volkshochschulen haben Einführungskurse für
Freiwillige in ihr Kursprogramm aufgenommen.
Die Professionalisierung der Freiwilligenarbeit ist nicht unumstritten. Der Wandel im Umgang mit den Freiwilligen führe zu einer gewissen Rationalisierung der Freiwilligenarbeit, der diese näher zu den Strukturen der Erwerbsarbeit bringe, sagen Fachleute.
Die Folge, damit die Kritik sind klar. Auch hier werden nun "die Brauchbaren" ausgelesen, Arbeitslose, Sozialhilfeempfänger und IV-Abhängige sind in der Folge also häufig nicht mal mehr für Freiwilligenarbeit brauchbar. Pflichtenheft, Arbeitsplatzgestaltung etc. deuten auch sehr wenig auf "freiwillig", sondern eher auf rationalen und effizienten Einsatz von "gratis". Die freie Mitarbeit, ja insbesondere Mitgestaltung der Bürger droht damit zum grossen Teil wieder unter zu gehen. Diese Kritik wird im nächsten Kapitel noch deutlicher, unter dem Aspekt der "neuen Freiwilligkeit". Gerade hier, in der betriebswirtschaftlichen Optimierung der Freiwilligen dürfte mit ein starker Grund für die Abnahme an freiwilligem Engagement liegen. Qualifizierung, Loyalität, Verpflichtung etc, hierarchischer Hickhack, Ausnutzung, Mobbing - und dann noch gratis, das ist dann eben doch etwas viel. s. Gründe für Austritt & Selbstausbeutung in sozialen Institutionen.
Dass sehr viele Bezahlen, sich informieren lassen, aber kaum mitdenken, und schon gar nicht protestieren, macht grosse NGOs immer mehr zu Propagandazentren, die ihre Funktion als bürgergesellschaftliche Organisation nur noch rudimentär erfüllen. (s. Professionalisierung II)
Freiwillige Arbeit verlangt heute nach einem sinnvollen und autonomen Engagement autonom, bei dem der/die Freiwillige weitgehend selbstbestimmt und informell arbeiten kann.
Die «neuen Freiwilligen» orientieren sich an der unmittelbaren Betroffenheit. Der Wandel der Vorstellungen von Solidarität führt also zu
Partizipationsmustern, für welche der Begriff «solidarischer Individualismus» geprägt wurde.
Da sich eine unüberblickbare Zahl von Institutionen und Organisationen für die knappe
Ressource der Freiwilligen interessiert, müssen sie eigentliche Marketingstrategien entwickeln,
um freiwillige Mitarbeitende zu gewinnen. Sie müssen zudem professionelle Fachkräfte
bereitstellen, um die Freiwilligen auszubilden, zu betreuen und bei der Stange zu halten.
Freiwilligenarbeit hat für die Organisationen nicht zuletzt auch Kostenfolgen.
Geringe Formalisierung, Partizipation, zeitlich beschränkte Einsätze sind heute gefragt. Was in der Vorkriegsgeneration als Motiv noch genügte, nämlich das Eingebundensein in einem Dorfverein oder in der Kirchgemeinde, kann zu Beginn des dritten Jahrtausends vor allem Jugendliche nicht mehr ansprechen. Auch die sozialen Bürgerbewegungen seit den siebziger Jahren haben die Entwicklung in Richtung von problemspezifischem, zeitlich befristetem Engagement geprägt.

Die Meinung, «dass es in früheren Zeiten
mehr Solidarität gegeben habe als in der Gegenwart, ist nichts weiter als eine sozio-optische
Täuschung, deren Hintergrund jene Zwiespältigkeit ist, dass Solidarität als Antwort auf neue
Probleme eigentlich einen neuen Typus von sozialer Bindung beinhaltet».
Die Menschen fühlen sich vielmehr zu selbstbestimmten, autonomen Organisationsformen
mit geringer Formalisierung hingezogen. Die Freiwilligenarbeit in sozial-kulturellen
abgegrenzten traditionellen Vereinsmilieus ist immer weniger gefragt. Die «neuen Freiwilligen»
orientieren sich an der unmittelbaren Betroffenheit. Das altruistische «Sichaufopfern» ist einer
kritischen, wählerischen Mentalität des sich Engagierens von Fall zu Fall gewichen, das jederzeit
verändert werden und sich den jeweiligen Lebensumständen des Einzelnen flexibel anpassen
kann.

Die wichtigsten Gebiete von Freiwilligeneinsätzen in der Schweiz.
Detailliertere Daten zu den Motiven s. Freiwilligenarbeit CH.
Interessant hier der Anteil Aktiver und engagierter Freiwilliger im Vergleich zu Mitgliedern total. Meistens ist dieser Anteil sehr klein. Und je kleiner, desto schärfer die Hackordnung. Menschenrechts- und Umweltverbände sind offensichtlich nicht Organisationen, die nach Mitwirkung streben, sondern eher nach Verbreitung einer Botschaft, also Propaganda. In der Politik wären aber, gerade mit der zunehmenden Bedeutung der Zivilgesellschaft. mehr solche Organisationen nötig, die Mitreden erlauben - basierend auf besserem Verständnis der Komplexität. Dieses Thema wird demnächst bearbeitet unter: Sachorientierte Bürgerforen statt ideologiegesteuerter Parteien.
[Freiwilligen-Monitor Schweiz 2007. Isabell Stadelmann-Steffen, Markus Freitag, Marc Bühlmann. Seismo Zürich 2007]
Die wichtigsten Gebiete der Freiwilligeneinsätze in Deutschland.
Detailliertere Daten zu den Motiven s. Freiwilligenarbeit D.
Reparaturarbeiten? Am zusammenklappenden Kapitalismus?
Hier stösst die Freiwilligen-arbeit auf das Problem, dass es bereits einigermassen unklar ist, was Arbeit bedeutet, schon ohne freiwillig (s. auch: Hintergründe der geistigen Verwirrung um die Arbeit)
Definitionen und Inhalt der Arbeit:
Arbeit = zweckrationales Handeln
Arbeit = Mühe
Arbeit = entlohnte Tätigkeit (stimmt dort, wo es um "Leistung" geht)
Arbeit = Güterproduktion
Arbeit = Güterproduktion, bei der der Produzent durch eine dritte Person ersetzbar ist
Arbeit = gesellschaftlich notwendige Tätigkeit (Ernährung, Recht, Ordnung, Gesundheit, Bildung ....)
Arbeit = Tätigkeit für andere
Arbeit = Tätigkeit im Rahmen des gesellschaftlichen Leistungsaustausches (Altenarbeit, Beziehungsarbeit)
Was Freiwilligenarbeit angeht, die als Gegenleistung für Sozialhilfe in Frage kommt, so ist verständlich, dass sie denen, die dafür bezahlen, etwas an "Mühe" abnehmen sollte. Auf Grund des Konkurrenzverbots kommt Güterproduktion nicht in Frage, selbst Dienstleistungen jedoch nur in beschränktem Masse. Ein weites Feld besteht jedoch bei den gesellschaftlich notwendigen Tätigkeiten - die eben vom Markt nicht mehr gewährleistet werden. Hier wäre ein Leistungsaustausch möglich ... aber man müsste sich halt schon mal ein bisschen den Kopf darüber zerbrechen, welche Leistungen denn hier eben möglich und nötig wären, und dennoch vom Markt nicht erbracht werden.
> Generell wird Freiwiligenarbeit durch Forderung nach gesellschaftlicher Integration eigentlich überfrachet, denn: Was sich am Markt nicht bewährt, ist nichts wert. Freiwilligenarbeit befasst sich praktisch immer mit Dingen, die der Markt nicht bringt, ist also nur von beschränktem Wert, zumindest monetär. Sie schafft also trotz allem nicht die selbe Anerkennung wie bezahlte, qualifizierte Berufsarbeit, da durch den Markt als minderwertig, nicht profitträchtig deklariert.
Freiwilligenarbeit kann zudem nur bei Vorhandensein eines monetären Einkommens geleistet werden. Wird allerdings die Freiwilligenarbeit Bedingung für das "Einkommen" - ist sie eben nicht mehr freiwillig, sondern "administrierte Wiedergutmachung oder Fron".
Freiwillige
Arbeit wird aber offenbar doch als Tätigkeit in einem starken, nicht-entfremdenden Sinne
empfunden (Arendt, 2001; Leontjew, 1977) - als „autonome Arbeit“ (Gorz, 2000).
Aus Sicht der Arbeitspsychologie ist dies an das Vorhandensein von „vollständigen
Aufgaben“ gebunden. Betrachten wir jedoch die Kennzeichnung vollständiger
Aufgaben, nämlich als (nach Ulich, 2001, S. 201):
· selbstständiges Setzen von Zielen
· selbstständige Handlungsvorbereitung
· Auswahl der Mittel
· Ausführungsfunktion mit möglicher Handlungskorrektur
· Zielerreichungskontrolle
Hier wird sofort klar, warum ich (grosser Anhänger jeglicher Autonomie) diese im Titel zwischen Gänsefüsschen gestellt habe. Eine autonome Mitgestaltung ist ein Oxymoron, da Mitgestaltung ja bereits beinhaltet, dass man das mit andern machen muss, also nicht wirklich autonom sein kann dabei. Dennoch gibt es ausreichend Möglichkeiten für ein ausreichendes Mass an Autonomie, insbesondere in einer Gesellschaft die eigentlich an Ueberproduktion leidet (s. Moderne Ökonomie: Umgang mit Knappheit oder mit Überschuss, Überfluss und Überdruss?)
Der Philosoph George Santayana formulierte schon vor 100 Jahren das eigentliche Ziel von Wohlstand: Musse haben für Kunst, Studien, Konversation, für das freie Leben, nicht eine immer umfassendere Einspannung in den Produktionsprozess, für den 1/5 der Arbeitskräfte, oder, anders gesagt, 1/5 der Arbeitszeit, offensichtlich genügen würden.
Gefahren für die gegenwärtige Zivilisation:
Niemand wäre Sklave, jeder hätte eine Grundausbildung und eine Chance, sein Potential zu demonstrieren; aber er wäre vermutlich verdammt zu einer dieser Beschäftigungen, die in den alten Republiken den Sklaven zugeordnet wurden. Zumindest zu Beginn seiner Karriere fände er sich an der untersten Ebene menschlicher Existenz, wo er womöglich sein ganzes Leben lang bleibt. In andern Worten, die Bürger einer sozialen Demokratie wären alle Arbeiter; sogar diejenigen, die zu Führern aufsteigen, würden in einer echten Demokratie im Rang aufsteigen und, was Erziehung und Gewohnheiten betrifft, zur selben Klasse gehören wie die anderen.
> Dies ist der Status in dem wir uns befinden. Wie wir uns daraus erlösen:
Vor Arbeit ihre eigene Belohnung wird muss sie weniger dauerhaft, abwechslungsreicher, an individuelle Charaktere und Fähigkeiten angepasster werden. Sonst hört sie nicht auf, menschliche Fähigkeiten zu unterdrücken und zu verbiegen. Ein Staat der nur aus solchen Arbeitern und Bauern bestünde, wie sie die Mehrheit moderner Nationen bildet, wäre ein völlig barbarischer Staat.
Wir haben in unserer gegenwärtigen Wirtschaftsordnung die Realisation einer unvernünftigen Vernunft, den Oekonomismus, eine idealisierte Produktion, also Produktivismus.
Aus dieser Ideologie heraus produziert das gegenwärtige System zunehmend Nonsense: Die Betriebe arbeiten effizienter und effizienter, d.h. machen immer mehr Geld mit immer weniger Personal. Arbeitskräfte werden überflüssig, Arbeitskräfte kriegen Zustände (psychische). Arbeitskräfte kriegen den Rappel. Arbeitskräfte landen beim Arbeitsamt und dann beim Sozialamt und dann bei der IV (Invalidenversicherung). Der IV geht das Geld aus, sie schickt Invalide auf einen Markt, der nicht mal die Gesunden will. Und alle die sich hier versammeln werden der Arbeitsunwilligkeit verdächtigt, sollen durch sog. Beschäftigungsprogramme, Einsatzprogramme, Motivationswochen etc. dazu motiviert werden, sich besser, schneller ... billiger zu bewerben als die andern.
Oskar Negt verneint dies als Utopie. Laut ihm kann freie gemeinnützige Arbeit kein Ausgleich für Sch...Arbeit und Sch...Bedingungen im "normalen" System sein:
(1985) zu: Die Befreiung von der Arbeit (der Fremdbestimmung) und die Befreiung der Arbeit (vom Entfremdungspotenzial) sind als ein und derselbe Prozess zu denken und zu gestalten. Es geht mithin um eine Neubewertung sämtlicher Arbeitstätigkeiten, die für ein politisches Gemeinwesen und für eine Erwerbsarbeitsgesellschaft zentral sind. In diesem Bewertungsprozess dürfen wir auch die Funktionen der Erwerbsarbeit „als Dreh- und Angelpunkt für die Lebensorientierung der einzelnen und für das Gemeinwesen“ (vgl. Senghaas-Knobloch, 1999, S. 119) nicht aus dem Blick verlieren. Neben der Funktion der Existenzsicherung, der psychosozialen Orientierung, der Nutzung sozial-staatlicher Arrangements kann also auch die bezahlte Arbeit - und nicht nur die frei-gemeinnützige Arbeit - der Funktion bürgerschaftlicher Integration dienen. So lautet unser Fazit (vgl. Wehner et al., 2002, S. 50): Frei-gemeinnützige Arbeit kann kein Refugium und kein Ort des Ausgleichs für Entfremdungserlebnisse, mangelnd wertgeschätzte Lohnarbeitsverhältnisse oder ein sozial ungerechtes Gesellschaftssystem sein - auch dann nicht, wenn die Beschäftigten ihre Erwerbsarbeit nicht negativ bewerten.
Negt sagt dies allerdings nicht, weil er Lohnarbeit das höchste findet, sondern weil die Lösungen anderswo zu suchen wären:
Die Gewerkschaft muss ihr politisches Mandat erweitern. Das bedeutet nicht, dass sie zu einer Ersatzpartei werden soll, sondern dass sie sich ihres historischen Auftrages für die gesamte gesellschaftliche Entwicklung bewusst wird. Die Gewerkschaften stehen nicht nur für die lebendige Arbeitswelt, sondern auch für Gestaltungswillen in der Gesellschaft.
Wir sollten also weder von Freiwilligenprogrammen (noch von der Gewerkschaft) all zu viel erwarten, aber immer bereit sein, Probleme mal wieder in die eigenen Hände zu nehmen. Und das wäre dann eben die Grundlage der Zivilgesellschaft:
Der Bereich frei-gemeinnütziger Arbeit ist eine wesentliche Grundlage des so genannten Dritten Sektors. Der Dritte Sektor umfasst die Tätigkeiten von Non- Profit-Organisationen, seien es Verbände, Stiftungen, Kirchen, Bürgerinitiativen oder Nicht-Regierungsorganisationen.
Diese Arbeit gehört also zum Bereich institutionalisierter Freiwilligenarbeit. Hier hat gerade der Milizgedanke in der Schweiz historische wie politische Wurzeln. Öffentliche Aemter werden meist mehr oder minder freiwillig gesucht - obwohl der Amtszwang rechtlich besteht. Dass Gemeinden aus dieses drastische Mittel zurückgreifen müssen, kommt aber in letzter Zeit doch ab und zu vor (Zürich, Uri, ...). Der Grund dafür liegt in der schwindenden Attraktivität des Milizamtes: Das Prestige ist gesunken; die finanziellen Entschädigungen sind zu gering.
Während dem bei uns in der Schweiz die Begeisterung für öffentliches Engagement zu schwinden droht, entwickelt sich in Deutschland und andern Europäischen Ländern wie auch der USA das Konzept der Bürgergesellschaft oder Zivilgesellschaft:
Mit diesen Strukturen ist gleichzeitig der Aspekt der Mitwirkung angesprochen, der unter den Stichworten Zivilgesellschaft und Bürgergesellschaft verhandelt wird. Im Kern geht es bei dieser Diskussion um ein erweitertes Verständnis der Rolle der Bürgerinnen und Bürger, die sich nicht auf die Ausübung ihrer formalen politischen Rechte beschränken, sondern sich in der politischen Sphäre zwischen Markt, Staat und partikularistischen Gemeinschaften aktiv an der Gestaltung des Gemeinwesens beteiligen sollen.
Leitbild für diese «Bürgergesellschaft» ist ein Gemeinwesen, in welchem sich Bürgerinnen und Bürger nach demokratischen Regeln immer wieder selbst organisieren und die Gesellschaft mitgestalten
Bearbeitet unter:
[Enquete-Kommission «Zukunft des Bürgerschaftlichen Engagements» (2002): Bericht Bürgerschaftliches Engagement auf dem Weg in eine zukunftsfähige Bürgergesellschaft. Opladen: Leske + Budrich, S. 15] 432 S
Diese Studie hat einen derartigen Umfang wie Tiefe, dass sie in einem eigenen Bericht verarbeitet werden muss: Freiwilligkeit und bürgergesellschaft in Deutschland
Center for Civil Society Studies: Die umfassendsten Studien weltweit zum bürgerschaftlichen, freiwilligen Engagement wurden und werden vom Johns Hopkins Center for Civil Society Studies durchgeführt. Dort finden sich auch die neusten Studien zur Situation in der Schweiz:
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Tito Tettamanti, Roger Köppel, Robert Nef (Liberales Institut) ... das dürfte reichen um klar zu machen, welch Geistes Kind diese Organisation ist.
Hier ein paar Blüten aus dem Dossier "Preis der Gerechtigkeit" (2005):
Die Realität: s. Einkommensverteilung
Fazit betr. Verein Zivilgesellschaft:
Eine Organisation für die Gerechtigkeit bloss Demagogie bedeutet, dürfte sich kaum empfehlen als Träger oder Förderer der Zivilgesellschaft.
Links zu internationalen Freiwilligenorganisationen:
Martin Herzog, Basel, 10.7.09