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Soziale Arbeit als Entwicklungsarbeit an der Gesellschaft:

Gemeinwesenarbeit ( community development):

Geschichte, Ansätze, Methoden - und die dahinter liegenden Prinzipien

[Renate Schnee, FH Campus Wien, Sozialarbeit]

Gemeinwesenarbeit (GWA) ist laut Oelschlägel (Oelschlägel 2002: 382) „eine sozialräumliche Strategie, die sich ganzheitlich auf ein Quartier, einen Stadtteil und nicht pädagogisch auf einzelne Individuen richtet.

Das Quartiersmanagement wird eingesetzt für „Stadtteile mit besonderem Entwicklungsbedarf“.

Die aus der Politik vorgegebenen Probleme werden durch die Soziale Arbeit primär dadurch bearbeitet, indem die Menschen individualisiert für ihre Probleme verantwortlich gemacht werden, ohne die möglichen strukturellen Ursachen zu beachten. Eine Abkehr von diesem System wird versucht durch die Gemeinwesenarbeit, vor allem in Form des Quartiersmanagements. Hier entstand eine eine neue Denkweise Sozialer Arbeit, vergleichbar dem transnationalen sozialräumlichen Arbeiten aus sozialer Entwicklungs- und agency-Perspekte.

Wir finden hier u.a. Formen der Aktivierung des Selbsthilfepotentials durch Nachbarschaftshilfe und Bildungsangebote. (s. Rezo: Gemeinwesenarbeit, speziell Wissenstausch, wird hier demnächst weiter bearbeitet).

Dieser Ansatz zieht eine Abkehr von rein betreuenden und fürsorglichen Formen von Sozialer Arbeit hin zur Organisation der Interessen vor Ort und der Bündelung von Ressourcen auf kommunaler Ebene nach sich.

In diesem sozialplanerischen Ansatz werden beispielsweise anhand von quantitativen Indikatoren oder sozioökonomischen und kriminalistischen Daten „Sozialräume“ festgelegt und „bearbeitet“. Dass dabei der Sozialraum als unveränderbare und statische Komponente bzw. als Container betrachtet wird, wurde allerdings ebenfalls längst angezweifelt. Die Erfassung der Dynamik der Entwicklung, damit des Aufkommens von Lösungen - aber auch neuer Probleme - unterliegt wieder den selben Problemen wie das Erfassen eines sozialen Problemes generell: Es ist kein wissenschaftlicher Fakt sondern Betroffenheit der Einen - Abwehr der Anderen, die für den Aufbau unterstützender Netzwerke für die Bewohner bezahlen sollten.

Heute ist Gemeinwesenarbeit laut dem Fachlexikon der sozialen Arbeit ein „eigenständiges Arbeitsfeld und ein Arbeitsprinzip sozialkultureller Arbeit im weitesten Sinne. GWA als Arbeitsfeld, das heißt zu diesem Zwecke eingerichtete Institutionen, eingestellte Personen“, die „klassischen GWA-Projekte in sozialen Brennpunkten, Trabantenstädten, neuerdings auch in Arbeitervierteln.“ In diesen so genannten „Stadtteilen mit besonderem Erneuerungsbedarf entwickelt sich GWA weiter in Richtung Stadtentwicklung zum Quartiersmanagement. GWA als Arbeitsprinzip meint eine grundsätzliche Herangehensweise an soziale Probleme unter sozialräumlichen, aktivierenden, methodenintegrativen und vernetzenden Merkmalen“ (Oelschlägel 2002: 382).

Kurzdefinition Gemeinwesenarbeit von Renate Schnee:

Individuelle soziale Problemlagen von Menschen im Gemeinwesen haben einen strukturellen Hintergrund. In der Gemeinwesenarbeit, die ein Arbeitsprinzip der Sozialen Arbeit ist, geht es um Linderung, Verhinderung oder Beseitigung der Probleme von Menschen, die in einem sozialgeografisch definierten Raum leben (in einem Stadtteil, einem Dorf, einem Grätzl, ...).
Gemeinwesenarbeit verknüpft auf Grund der Problemzusammenhänge soziale Ziele mit ökonomischen, räumlichen, baulichen, ökologischen, rechtlichen und kulturellen Zielen.

Definition Gemeinwesen: Ein Gemeinwesen ist ein soziales Gefüge, in dem Menschen und Systeme gemeinsame Merkmale haben und in Interaktion zueinander stehen. Ein Gemeinwesen kann ein spezieller Stadtteil sein genauso wie die Angehörigen einer bestimmten kategorialen Gruppe (Philippinische MigrantInnen, Obdachlose, AlleinerzieherInnen,...) oder einer virtuellen Gemeinschaft (Internetcommunity).

Die Lebenswelten spezifischer Zielgruppen (z.B. Kinder, Jugendliche, verschiedene Nationalitäten, Alleinerziehende,...) gestalten sich über das Gemeinwesenterritorium hinaus zu Inseln, wo die Menschen ihren Verpflichtungen (Arbeit, Schule, Einkauf,...) nachkommen oder einen Teil ihrer Freizeit verbringen. Dieser Raum, der all diese Wege und Handlungen der Menschen erfasst, ist ihr Sozialraum.

Gemeinwesenarbeit aktiviert, nutzt und stärkt vorhandene Ressourcen im (Wohn)Gebiet, sowohl persönliche Ressourcen einzelner Menschen, soziale Ressourcen durch Beziehungen und infrastrukturelle bzw. materielle und ökologische Ressourcen.

Geschichte der Gemeinwesenarbeit

Der Beginn der Settlement-Bewegung ist in Chicago zu verorten, wo initiiert von Jane Adams und der Universität von Chicago in den hauptsächlich von MigrantInnen, die unter katastrophalen Lebens- und Arbeitsbedingungen lebten, bewohnten Slums Räume geschaffen wurden, wo neben unmittelbarer Hilfe, sozialer und kultureller Bildung auch Forschungsarbeit betrieben wurde, die als Grundlage für sozialpolitische Forderungen diente. Letzteres äußerte sich in Forderungen nach einer Demokratisierung aller Lebensbereiche; weitere Forschungsschwerpunkte waren Armut, Wohn-, Arbeits-, Gesundheitsbedingungen von MigrantInnen, Typhus, Tuberkulose, Suchtprobleme, Kindersterblichkeit, Hebammenwesen, Analphabetentum bei Kindern und Jugendlichen, organisierte Prostitution u. a. Die Ergebnisse dieser sozialpolitischen Interventionen waren die Erzwingung einer Müllabfuhr durch die Stadt, die Gründung von Gewerkschaften zur Vertretung der Interessen von ArbeiterInnen, Streiks, öffentliche Bäder und Turnhallen, Volksküchen und Kinderspielplätze, Kleintheater, diverse Weiterbildungskurse, eine Sommeruniversität, ein öffentliches Forum zur Diskussion von Tages-, Lokal- und Weltpolitik u. a. (Bryan et al 2003).

> Hier wäre also der richtige Ort für das Oeffentliche philosophische Forum für Gegenwartsfragen ... das es so gesehen in irgend einer Form eben in jeder Stadt geben müsste.

Nebst Jane Addams und ihrem Chicago Hull-House waren es auch die Barnett's, die mit Toynbee Hall die Armenpflege dorthin verlegten, wo die Armut stattfand: Die Idee, als Zugehörige/r einer andern Gesellschaftsschicht mitten unter den Armen zu leben, war damals wirklich radikal, zumal in einer tief gespaltenen Gesellschaftsordnung die unterschiedlichen sozialen Klassen streng getrennt unter ihresgleichen lebten, mit wenig Einblick in die Lebenssituation der jeweils anderen. "Toynbee Hall" wurde als soziales Experiment berühmt und von Sozialreformern aus der ganzen Welt besucht.

Wie bei Addams war das wichtigste Ziel die Aktivierung des Selbsthilfepotentials der Betroffenen durch Nachbarschaftshilfe und Bildungsangebote und - andererseits, die Forderung an die Regierung, Sozialgesetze zu erlassen.
Seit Toynbee Hall gab es Neugründungen von Arbeiterwohnheimen mit Nachbarschaftshilfe in Europa und Japan.

In Brasilien wurde das Konzept insbesondere von Paolo Freire weiter entwickelt, der Erziehung zur Befreiung einsetzen wollte, was eine dialogische Unterrichtssituation voraussetzt: Der Lehrer bestimmt nicht mehr die Lehrinhalte, sondern diese ergeben sich in einem dialogischen Prozess zwischen Lehrer und Schüler. Dazu ist beiderseitige Empathie erforderlich.

In den USA war es vor allem Saul Alinksy der Community Organizing (Mitglieder-Anwerbung und -Organisation) förderte:

Er war bei Streiks dabei, sammelte Spenden für die Internationalen Brigaden, schaltete sich ein, wenn Leute aus der Wohnung geschmissen wurden und lernte viel vom Gewerkschaftsführer John L. Lewis, gegen den er als Student agitiert hatte und kehrte schließlich in die Slums zurück, "in die Brutstätte aller faschistischen Bewegungen der Millionenstadt". (Alinsky, 1999) Er wollte den Faschismus an der Heimatfront bekämpfen, im ‚Höllenloch des Hasses'.

Alinsky war der Meinung, dass es dazu professionelle OrganisatorInnen brauche, die nicht nur bestimmte Techniken beherrschten, sondern die vor allem das Vertrauen der Bevölkerung gewinnen müssten, die deren Sprache sprechen und die Menschen zusammenbringen könnten. Aufgabe des Organizers sei, entscheidende Impulse zu geben, damit eine machtvolle Organisation des Volkes geschaffen wird, welche die Interessen der Betroffenen durchzusetzen imstande ist.

Tendeziell also das, was heute (in der Schweiz) unter Gassenarbeit verstanden wird (engl: streetwork, restlicher, "ausserschweizerischer" deutschsprachiger Raum: Strassenarbeit (bei uns ist's halt etwas enger ...): Strassenarbeit) - aber erweitert um Integration durch Bildung eigener Organisationen, Interessenvertretungen, Aktionen etc.

Es gibt zur Zeit etwa 6.000 Community Organizations, die sich vorwiegend in den letzen 25 Jahren gebildet haben.

Anders als z.B. in Europa, wo ausgeprägte administrative Kriterien beim Aufbau einer Organisation berücksichtigt werden, ist beim Aufbau von Community Organizations ein sozialer und kommunikativer Prozess im Vordergrund, bei dem es immer darum geht, dass Menschen ohne Macht Macht bekommen, sowohl als Individuen, als auch als Gemeinschaft.

Community Organizing:

  1. Aufbau von tragfähigen und handlungsfähigen Beziehungen unter den Mitgliedern im Stadtteil, in der Nachbarschaft
  2. Entwicklung und Training von Führungspersonen aus dem Stadtteil (Leadern)
  3. Machtanalyse
  4. Gemeinsame Entwicklung von Strategien und Taktiken, die auf die Erfahrung und die Fähigkeiten der Betroffenen aufbauen
  5. Durchführung von Aktionen und Kampagnen
  6. Auswertung der Aktionen

Wesentliche Ansätze in der Gemeinwesenarbeit

1. Integrative Gemeinwesenarbeit

  1. - basiert auf der, hierzulande meist vertretenen Grundannahme: Der gesellschaftliche Rahmen ist ok, die Verteilung von Macht ist gerecht geregelt.
  2. Interventionsstrategien basieren also auf kooperativen Taktiken, sachlichen Kompromissen, vernünftigen Gesprächen.
  3. Ziel ist die harmonische Anpassung verschiedener Interessen an ein abstraktes Gemeinwohl.
  4. Partizipation: hier wird Beteiligung an der Umsetzung von bereits getroffenen Entscheidungen gemeint.
  5. Es herrscht hoher Konsens, wenig Widerstand.

> In der Schweiz nennen wir so was, obwohl unsere bevorzugte Einstellung für die Andern, die sich anpassen sollen: autonomen Nachvollzug - seitdem die EU die Entwicklungslinien vorgibt.

2. Aggressive Gemeinwesenarbeit

Macht macht Ungleichheit

Grundannahme: Fundamentalkritik an der kapitalistischen Gesellschaftsordnung.
Die Betroffenen müssen animiert werden, solidarisch Widerstand zu leisten.

Je grösser die Forderungen werden, sich anzupassen, das ganze Geld, Zeit, Engagement für berufsorientierte Weiterbildung und Integration aufzuwenden - bei immer geringerem Erfolg, desto mehr werden die Ansätze sich von 1 zu 2 wenden, auch wenn die staatlich finanzierte Sozialarbeit dies mit allen Mitteln (der Repression) zu verhindern sucht.

3. Katalytisch-aktivierende Gemeinwesenarbeit

  1. Grundannahme: Menschen sind in der Lage, sich selbst zu helfen.
  2. Interventionen:
    1. Aktivierung statt Fürsorge; Strategien, die einen Komplex von Initiativen auslösen; Aufdeckung von Interessensgegensätzen und Konflikten;
    2. kleinräumiger Lebensweltbezug. Orientierung an den geäußerten Themen und Bedürfnissen der Betroffenen; Ressourcenorientierung im Gemeinwesen; Gruppenselbsthilfe initiieren; Vernetzung und Vermittlung im Gemeinwesen anbieten.
  3. Partizipation: soll in überschaubaren Bereichen stattfinden, mit relativ wenig Risiko, dafür kleinen Erfolgen und positiven Lernerfahrungen. Demokratische Kultur fördern.
  4. Ziel: Nicht die Menschen "erziehen", sondern die Lebensbedingungen verändern.

Die Gestaltung von Lebenswelten mit den Menschen eines (Wohn)Gebiets setzt einerseits dort an, wo sich der Lebensalltag der Menschen abspielt und andererseits in der Vermittlung zu anderen Systemebenen (Verwaltung, Politik, Wirtschaft).

Soziale Netzwerke werden geschaffen und gestärkt. Dazu werden BewohnerInnen aktiviert und VertreterInnen aus Politik und Verwaltung animiert, um in Kooperation mit den Betroffenen in Aushandlungsprozessen zufriedenstellende Lösungen zu entwickeln.

4. Gemeinsames Prinzip ist die systemische Orientierung und Therapie

Denkweisen bei der Entwicklung der Gemeinwesenarbeit:

  1. Systemisches Denken hilft uns beim Begreifen und Bearbeiten von komplexen Problemlagen in der Gemeinwesenarbeit
  2. Kontextuales Denken
    Jedes menschliche Verhalten ist nur aus dem Kontext heraus zu verstehen, in dem es auftritt. Auch was im Inneren einer Person vorgeht, hat nur im Fluss der Interaktion Bedeutung.
  3. Denken in Beziehungen
    Unsere Betrachtung richtet sich auf Menschen und deren Bedürfnisse im System. Nicht die Menschen an sich (nicht isolierte Phänomene), sondern deren Verhalten und Wirkungen auf das System (Wechselbeziehungen) sind ausschlaggebend.Erkennen vollzieht sich über Unterscheidung. Wir erkennen nur Dinge, die sich (von der jeweiligen Umgebung, untereinander, von uns, von unsern Annahmen, von unseren Erfahrungen etc.) unterscheiden.
  4. Respekt vor der/m GeprächspartnerIn und Mitarbeit

Die systemische Therapie entwickelte sich in den Nachkriegsjahren aus der Familientherapie.
Beide verdanken sich den sogenannten Systemwissenschaften.
Dazu rechnen die allgemeine Systemtheorie, die Informationstheorie, die Kommunikationstheorie, die (mathematische) Spieltheorie, die Chaostheorie und vor allem die Kybernetik, die alle nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges zunächst in den USA zu erblühen begannen. Ihre Gründungsväter waren großenteils dorthin eingewanderte Europäer wie Norbert Wiener, Gregory Bateson, John von Neumann, Ernst von Glasersfeld, Heinz von Förster und Paul Watzlawick.

Die Chaostheorie wurde dann allerdings ebenfalls nötig, da man rasch merkte, dass viele Systeme, insbesondere komplexe Systeme, gänzlich unberechenbar, also nicht vorhersehbar reagieren. Dies betrifft alle mathematisch chaotischen hochkomplizierten Dinge wie Weltmärkte, Börsenkurse, das Wetter oder die menschliche Gesellschaft.

Die Gemeinwesenarbeit ist täglich mit zunehmender Komplexität von Systemen, die keine zufriedenstellenden Erklärungen und Hilfestellungen mehr bieten, konfrontiert. Hohe Vernetzung, steigende Komplexität, starre Strukturen, überforderte MitarbeiterInnen, scheinbar handlungsunfähige KlientInnen. Wie können in der Gemeinwesenarbeit Möglichkeiten geschaffen werden, mit gesellschaftlichen
Systemen und nach Veränderung strebenden Anforderungen besser umzugehen?

Heinz von Foerster hat für diverse Funktionsweisen von Organisationen die Begriffe"Trivialmaschine" und "Nicht-Triviale-Maschine" entwickelt:

Wir haben also auch hier dominant das Problem, das man generell als dasjenige der Postmoderne bezeichnen darf: Es gibt keine herrschende Theorie, kein allgemein gültiges Paradigma, Glauben, Ordnung, Kathegorien, Ontologie oder gar "Transzendentalien" (höchste Metaebenen). Erklärungen s. Ontologie und Kathegorienlehre in der Postmoderne? Oder: Was ist heute überhaupt noch wichtig?

Erich Fromm hat es in seiner "Kunst des Liebens" auf seine Art formuliert:

"Wenn nicht das Richtige zu denken der Wahrheit letzter Schluss und der Weg zum Heil ist, besteht auch kein Anlass, mit anderen zu streiten, deren Denken zu anderen Formulierungen geführt hat."

Paul Watzlawick leitet aus der Idee des Konstruktivismus zwei Konsequenzen ab.

"Erstens die Toleranz für die Wirklichkeiten anderer - denn dann haben die Wirklichkeiten anderer genauso viel Berechtigung als meine eigene. Zweitens ein Gefühl der absoluten Verantwortlichkeit. Denn wenn ich glaube, dass ich meine eigene Wirklichkeit herstelle, bin ich für diese Wirklichkeit verantwortlich, kann ich sie nicht jemandem anderen in die Schuhe schieben."

Weil sich komplexe Systeme nicht von aussen steuern lassen, sondern bloss anstossen, irritieren, was man meist therapieren nennt, ergibt sich notwendigerweise ein iterativer, lenkender, beobachtender, korrigierender Prozess:

  1. Irritation: Organisationen streben jedoch nach Erhaltung des alten Zustandes.
  2. Gemeinsame Vision
  3. Netzwerkintelligenz
  4. Dialogischer Lernprozess mit Ergebnissoffenheit
  5. Prozessorientierung, Schaffen von Rahmen und Strukturen
  6. Intermediäre Instanz / Vermittlung (Moderation)

Charakterisierung der GemeinwesenarbeiterInnen - als SystemtherapeutInnen:

Anforderungen an GemeinwesenarbeiterInnen:

Methodenvielfalt

Ein große Chance und Kunst in der Gemeinwesenarbeit ist die Möglich- und Notwendigkeit, aus einer Fülle von methodischen Herangehensweisen entsprechende Handlungsmöglichkeiten mit den betroffenenen AkteurInnen jeweils der Situation entsprechend, zu schöpfen. Aktivierende Verfahren dienen zum Herstellen von Bewusstmachen von gemeinsamer Betroffenheit und Suche nach gemeinsamen Lösungsmöglichkeiten. Vom professionellen aktivierenden Gespräch mit einzelnen und Gruppen (dazu gibt es im Skriptum gleich folgend auf grund der enormen Notwendigkeit als grundsätzliche Ausstattung von GemeinwesenarbeiterInnen einige Anleitungen), über Beobachtungsmethoden, aktivierende Befragung, Zukunfts- und Planungswerkstätten, BürgerInnenforen, Runde Tische und dazugehörend Methoden aus der Medien- und Öffentlichkeitsarbeit, aus der Organisationsentwicklung und vielen weiteren kreativen und künstlerischen Bereichen wie Perfomance usw.

Das wesentlichste Element ist die Haltung der GemeinwesenarbeiterInnen zu den Menschen, die eine unterstützende, fördernde, partnerschaftliche, dialogische Haltung ist und nicht eine des/der Wissenden gegenüber Unwissenden.

Regeln im Gespräch:

Aktivierende Befragung:

Wir haben hier eine sehr gute Darstellung des sokratischen Prinzips, das Wissen mit-teilt.

Im praktischen Teil wird das Skript allerdings etwas esotherisch - und da kann ich nicht mitgehen. Zu viele Jahre investiert in den Kokolores mit Alternativgeld und Tauschkreisen. Auch was die Macht der Medien und besonders der NPOs (Nicht-Profit-Organisationen) betrifft, überschätzt Schnee diese massiv. Der grösste Teil der NPOs ist von staatlicher Unterstützung abhängig, ihre "Freiheit" also äusserst relativ, ihre "Macht" mehr als beschränkt. Beziehung zur Macht zu haben heisst noch lange nicht, Macht zu haben. Auch Gefängnisinsassen haben eine Beziehung zur Macht, eine sehr direkte sogar. Zu gestalterischer Freiheit die sich durchsetzen kann, also Macht, kommen sie nur, wenn sie sich als Zivilgesellschaft besser organisieren.

Vom Rest halt ich noch weniger: Umgehen der Probleme die auf Geld zurückzuführen sind durch bargeldlose Tauschkreise. Da hab ich 6 Jahre Erfahrung - und die haben mir gereicht. (s.

Martin Herzog, Basel, 22.9.09