___________________________________________

Freiwilligenarbeit in der Schweiz [pdf, 9 S. 1.16 mb]

[Freiwilligen-Monitor Schweiz 2007. Isabell Stadelmann-Steffen, Markus Freitag, Marc Bühlmann. Seismo Zürich 2007]

Der Freiwilligen-Monitor führt alle 4 bis 5 Jahre Befragungen durch - im Auftrag der SGG (Gesellschaft für das Gute und Gemeinnützige), gegründet 1810. Die Kosten betragen total 2.5 Millionen, und werden mit getragen vom Migros Kulturprozent, das auch Innovage (Engagement für Pensionierte) und Vitamin B sponsort.

Formelle Freiwilligkeit

Wo engagieren sich die Schweizer formell, in Organisationen?

 


Was sind die wichtigsten freiwilligen Tätigkeiten? - In etwa die selben wie in Deutschland.

 


 

Auch die Motive sind denen deutscher Freiwilliger weitgehend vergleichbar. Auch in der Schweiz kommt gerade hier der Nutzen für den Beruf zuletzt:
Interessant auch ein weiterer Aspekt der Motivation: sie hängt in erster Linie ab von Zeit - und Thema, Inhalt.


Ueber 80 % der freiwillig Tätigen sind dabei lokal orientiert. (Aus diesem Grund kann vermutlich auch der Ansatz mit der Quartierarbeit in den Städten funktionieren.)

 


 

Für formelle Einsätze sind Bildung und Einpassung nötig, genau wie bei der bezahlten Arbeit, weshalb hier genau die selben aussen vor bleiben, nämlich die Bildungsschwachen. Für diese braucht es also, falls sie sich überhaupt zu Freiwilligeneinsätzen motivieren lassen, eine sehr gut vorbereitete Arbeitsorganisation.:

 


Genau das Selbe gilt für den Beschäftigungsgrad. Wer schon viel Arbeit hat, macht auch Freiwillig noch was - wer keine hat, lässt auch dieses bleiben.


 


 

Ähnliches gilt beim Einkommen. Wer schon mit bezahlter Arbeit wenig verdient, macht sich nicht auch noch mit Gratisarbeit müde:



Nochmal die selbe Wirkung haben die Haushaltgrösse, also Anzahl Personen mit denen ein Haushalt geteilt wird wie auch speziell die Anzahl der Kinder. Wohngemeinschaften wären also definitiv dem bürgerschaftlichen Engagement förderlich.

Freiwillige Arbeit im Ländervergleich

Hier sehen wir sofort das Problem, wenn "Freiwilligkeit" auf formelle Freiwilligkeit reduziert wird - und dazu dann gleich noch als Indiz für grösseres oder kleineres Sozialkapital dient. Es ist bekannt, dass in südlichen Ländern mehr gegenseitige Hilfe erfolgt, die Kontakte noch intakter sind als bei uns, die Begegnngen häufiger und informeller. Diese Beziehungsnetze sind aber eben alle, genau, informelle Freiwilligkeit. Interessant wäre hier ein Vergleich mit Ländern Afrikas oder Ostasiens, oder der Muslime, wo genau diese informelle gegenseitige Hilfe tagtäglich in grossem Masse stadtfindet, in einem Masse, an das unsere organisierte, formelle Freiwilligkeit nicht mal am Rande hinkommt. Man nennt das in diesen Ländern einfach nicht "Freiwilligkeit", weil es eine soziale und moralische Pflicht ist, dem Nachbarn genau so, wenn nicht mehr, zu helfen als sich selbst (Zuerst der Nachbar, dann das Haus, so eine islamische Hadith).

Informelle Freiwilligkeit

Auch im informellen Bereich nimmt das Engagement mit Bildung, Familiengrösse, Einkommen und Status zu

 

Man sieht, dass sich formelle und informelle Freiwilligkeit fast ausgleichen, ein grosser Teil der Unterschiede zwischen Ländern und Regionen könnte also ganz einfach aus unpräzisen Erhebungen resultieren. Fast die Hälfte der Schweizer leistet also Freiwillige Arbeit in einer oder der andern Form.

Spenden

Soziales, Menschenrechte, Umwelt - Sport ... bei den ersteren 3 wird eindeutig lieber gespendet als mitgetschuttet.

Schwerpunkt der Entwicklungshilfe sind eindeutig die 3. Welt, Invalide/Behinderte/Kranke, Armut in der Schweiz - und nach wie vor die Umwelt. Die 3. Welt wie die Arbeitslosigkeit zeigen aber beide, dass das Problem hier mit Almosen nicht zu lösen ist. Nach wie vor holt die Schweiz aus ihrem Engagement in der 3. Welt mehr heraus als sie reinsteckt. Vermutlich dürfte das mit den Arbeitslosen ähnlich sein, da es kein besseres Argument gibt, Lohnerhöhungen zu verweigern ...


 

100 bis 300 Franken sind 1.5 bis 4.5 Promille des Medianlohnes, also auch nicht mehr als die USA oder die Schweiz in Promille des Bruttosozialprodukts abgeben. In den USA werden 860 $ pro Kopf gespendet, da dürfte die Sache mit dem "Engagement" doch etwas glaubhafter sein.

Erfreulich: Wer selbst nicht mehr mitmachen kann, spendet weiter, oft noch mehr.

Irgendwie logisch: Besser Ausgebildete spenden mehr - sie verdienen ja auch mehr. Die Relation zum Verdienst wäre interessanter.


Eindrücklich hier vor allem, wie hoch der Anteil der Spender sogar bei kleinsten Einkommen ist.

Einigermassen zu erwarten, dass vor allem links sich für die 3. Welt und Umwelt engagiert, wenig verwunderlich, dass rechts das Geld lieber behält. Man steht sich selbst halt schon am nächsten ...


Martin Herzog, Basel, 19.7.09