Der Geist, seine Elemente und Inhalte:

4. Wissen und Wissenschaft

1. Theorie - 2. Idee und Gedanke - 3. Aesthetik -5. Wahrheit

[nach: Historisches Wörterbuch der Philosophie: Wissen.]

Wissen (griech. episteme; lat. scientia; engl. knowledge, science; frz. connaissance, savoir, science; ital. conoscenza, scienza). Der Begriff geht auf die germanische Sprachwurzel vid zurück, die 'sehen und 'Licht ausdrückte.

Dies ist um so bemerkenswerter, als das begriffliche Zentrum des komplexen, durch Ausdrücke wie Gnosis, Sophia (Weisheit) oder Phronesis (D bei Brainworker) gebildeten Wortfeldes von Wissen in der Antike und im Mittelalter durch zwei Termini markiert wird, die nicht zu jener Wortfamilie gehören: Episteme (s.d.) und scientia.

Wissen bedeutet teils eine Fähigkeit, und zwar zum einen die Fähigkeit, einen Gegenstand so aufzufassen, wie er wirklich beschaffen ist, und zum anderen die Fähigkeit, mit den Gegenständen des Wissens erfolgreich umgehen zu können, teils den epistemischen Zustand, in dem man sich aufgrundder erfolgreichen Ausübung seiner Erkenntnisfähigkeit befindet, und teils auch den Inhalt, auf den eine erkennende Person sich dabei bezieht, sowie die Aussage, in der man das Ergebnis eines Erkenntnisvorgangs sprachlich zum Ausdruck bringt.

> Diese so banal erscheinende Aussage erhält gerade heute, im Zeichen der völligen Versplitterung und Auflösung des Korpus' des Wissens, eine enorme Bedeutung.

Ein Großteil der Fälle, die wir heute als Wissen betrachten, würde in der Antike deshalb lediglich als begründete Meinung aufgefaßt; ohne Wissen, so heißt es in Platons Staat, sind auch «die besten Meinungen blind».

Für die Stoa steht Wissen im Dienst der richtigen Lebensführung.

Vorgeschichte, d.h. vorgriechisch-vorphilosophische Auffassung: Wirkliches Wissen erfordert einen direkten, täuschungsfreien Zugang zur Wirklichkeit. Wissen kann deshalb nur aus persönlicher Erfahrung hervorgehen.

Parmenides: Sicheres Wissen. ermöglicht nur der Bereich der Wahrheit oder «Evidenz» (alhteia), dem unveränderliche Sachverhalte angehören.

Die den beiden Bereichen jeweils zugeordneten Aussageformen «es ist» und «es ist nicht» (estin h oyk estin) bilden ein kontradiktorisches Paar; auf einen Aussagegegenstand trifft entweder das eine oder aber das andere zu, und es gibt keinen dritten Weg.

Das berühmte tertium non datur ist also schon recht alt - und hat extrem lange gebraucht, um überwunden zu werden. In vielen Köpfen steckt heute noch schwarz (oder muss ich dem jetzt "coloured) sagen?)/weiss-Denken

Die Sophisten bestreiten die Möglichkeit falscher Meinungen und damit auch die erkenntnistheoretisch elementare Unterscheidung zwischen Meinung und Wissen. Daraus resultiert allerdings eine recht problematische Diskussionskultur, in der einfach derjenige recht hat, der besser, überzeugender redet - unabhängig von der Wahrheit und Relevanz seiner Argumente.

PROTAGORAS (490-411 BC) vertritt die Auffassung, daß jede Sache stets genau so beschaffen ist, wie sie jemandem zu sein scheint, d.h., daß alle Meinungen wahr, Irrtümer und Täuschungen also ausgeschlossen. An die Stelle der sokratischen Wahrheits-Suche tritt bei Protagoras die sophistische Rhetorik.

Für PLATONS (428/27-348/47 BC) Überlegungen zu den Formen von Wissen gelten drei konstitutive Merkmale:

  1. die praktische Ausrichtung, d.h. das generelle Ziel der Wissens-Suche,
  2. das spezielle, epistemische Ziel der Wissens-Suche,
  3. die Methode und damit auch die dramaturgische Form der Wissens-Suche.

Das generelle Ziel der Wissens-Suche ist für Platon das richtige Handeln. Zu wissen, wie man handeln soll, ist wiederum eine Voraussetzung für das gelungene Leben, für das menschliche Glück. In einem weiteren Sinne bedeutet der Ausdruck episteme bei Platon, der mit diesem Wort die Bedeutung von sophia aufnimmt, die Fähigkeit einer Person, über ihre Auffassungen Rechenschaft geben zu können.

Die Methode der Wissens-Suche ist die Dialektik, die in Platons Frühwerk in der Form des sokratischen Elenchus auftritt. Eine Meinung auf dialektische Weise zu prüfen bedeutet, Rechenschaft zu fordern und zu geben. Die höchste Form von Wissen ist die Dialektik. In methodischer Hinsicht ist auch die Dialektik eine Kunstfertigkeit (texne), nämlich die Fähigkeit des dialektischen Fragens und Antwortens.

Das spezielle Wissen der Künste, das technische Wissen, besteht dabei in der Fähigkeit, das Wesen (oysia) einer komplexen Sache, d.h. den Zusammenhang ihrer Elemente im Rückgriff auf die Kenntnis der Grundbausteine des jeweiligen Gegenstandsbereichs erklären zu können.

Diese eher praktische Definition die Wissen mit Können verbindet, wäre etwa das Ziel der Masterausbildung:

Wahr – im epistemologisch relevanten Sinne – sind Meinungen für Platon genau dann, wenn sie «mit einem Logos verknüpft sind», also eine Erklärung zum Ausdruck bringen und in diesem Sinne gerechtfertigt sind. Mit anderen Worten: Erklärung bzw. Rechtfertigung impliziert Wahrheit.

In einem engeren Sinne versteht Aristoteles unter Wissen aber das bewiesene Wissen, das auf deduktiver Begründung und auf der Kenntnis von Ursachen beruht. Dieses apodeiktische (oder: demonstrative) Wissen ist Gegenstand der Analytica posteriora.

Da jedes Wissen aus Vorkenntnissen hervorgeht (s. strukturveränderndes Lernen), können die Prinzipien aber auch nicht voraussetzungslos erkannt werden.

Die wissenschaftliche Arbeit solle «zunächst die Phänomene sichten und zuerst die Schwierigkeiten durchgehen und sodann am besten alle anerkannten Meinungen», jedenfalls aber «die meisten oder die wichtigsten» prüfen, um die Probleme zu lösen und den Wahrheitsgehalt der Meinungen zu klären. Diese Aufgabe können die Wissenschaften erfüllen, indem sie

Aristoteles unterscheidet verschiedene Kriterien der Genauigkeit von Wissenschaften: Eine Wissenschaft ist um so genauer:

Darüber hinaus gilt grundsätzlich, daß jeder Gegenstandsbereich eine jeweils angemessene Form von Wissen und speziell einen bestimmten Grad an Genauigkeit erlaubt und erfordert

Die genaueste und höchste Form von Wissen ist für Aristoteles die Metaphysik, die Erste Philosophie, da sie die Ursachen und die Prinzipien selbst untersucht. – In der Ethik greift Aristoteles auf die Theorie des Wahrheit zurück, unterscheidet den Bereich der Praxis von dem der Poiesis und ordnet beiden bestimmte Wissens-Formen zu. Die Fähigkeit, die das menschliche Handeln leitet, ist die Klugheit, die Phronesis. Da sich das Handeln freilich stets auf Einzelfälle bezieht, ist die Klugheit nicht deduktiv-explanatorisch. Sie, die Klugheit, ist aber auch keine Kunst (techne), da sie sich nicht mit Artefakten befaßt. Sie ist die zur festen Einstellung ausgebildete Fähigkeit, mit Gründen gut zu handeln (Hexis = Habitus, früher mal Charakter genannt).

Epikureer und Stoiker thematisieren in erster Linie die Sicherheit und Dauerhaftigkeit kognitiver Zustände.

Die kataleptische Vorstellung (mit Zustimmung) nimmt eine Zwischenposition ein: Sie ist die Form von Erkenntnis, die zwischen dem (perfekten) Wissen des Weisen und der bloßen Meinung liegt, wobei die Stoiker unter Meinung in erster Linie falsche Meinungen (Vorstellungen) verstehen, nämlich solche, die Resultat unsicherer (übereilter) Zustimmung sind. Wissen im starken Sinne kommt jedoch erst durch die kontrollierte, täuschungsresistente Einstellung zustande, die es den Weisen ermöglicht, «ihr Leben in angemessener Weise führen und in allem gut handeln» zu können.

Augustinus (354-430): Er modifiziert die alte, über CICERO und SENECA bekannte Definition der Weisheit als Wissen von den göttlichen und menschlichen Dingen, indem er die «sapientia» den ersteren und die «scientia» den letzteren zuordnet und beide in ihrer höchsten Form mit Christus selbst identifiziert.

Robert Grosseteste (1170-1253): So kann Wissen gebraucht werden:

  1. allgemeinhincommuniter») für jede Erfassung einer Wahrheit veritatis comprehensio»),
  2. im eigentlichen Sinnproprie») für die Erfassung der Wahrheit dessen, was sich zumeist auf ein und dieselbe Weise verhält;
  3. im eigentlicheren Sinnmagis proprie») für die Erfassung der Wahrheit dessen, was sich immer auf ein und dieselbe Weise verhält und
  4. im höchst eigentlichen Sinnmaxime proprie») für die Erfassung des Unveränderlichen durch Erfassung seiner Gründe

Wissen besagt somit die Ursachenerkenntnis wobei diese Kenntnis als demonstratives Wissen aus wahren, ersten, selbst nicht mehr beweisbaren, sondern aus sich heraus offenkundigen Sätzen erfolgt - also dem was Kant Wissen a priori nannte.

DUNS SCOTUS (1266-1308) legt den Wissens-Begriff («ratio scientiae») in vier Bestimmungsmomente auseinander. Wissen ist

  1. eine sichere Erkenntniscognitio certa»),
  2. bezieht sich auf notwendig Wahresverum necessarium»),
  3. kann aus einem zuvor evidenten Notwendigen Evidenz erlangen,
  4. wobei die evidente Erkenntnis des Späteren durch einen syllogistischen Schluß verursacht ist.

OCKHAM (1285-1347)zieht daraus die Konsequenz, daß nur dasjenige wissenschaftlich wißbar ist, was auch bezweifelt werden kann - womit er eigentlich bereits Popper's Falsifikationismus vorwegnimmt, 600 Jahre vor Popper!

Nikolaus von Kues (1401-64): Für den Menschen gibt es kein präzises Wissen, sondern nur Mutmaßung («coniectura») und die Reflexion auf die Struktur des Geistes. Diese Aussage nähert sich bereits einem sehr starken Skeptizismus, der beträchtliche Probleme nach sich ziehen kann. Von Kues erlag dieser Gefahr nicht, da a) für ihn als Kardinal der Glaube immer noch substantiell war - wenn er auch in eine enorme Pfründenjagd ausartete, also ziemlich materiell ausgeprägt war. Nikolaus nutzte aber den Skeptizismus produktiv dafür, Dokumente als Fälschungen zu entlarven und das Recht um historische Erkenntnisse, speziell des germanischen Rechts, zu erweitern.

In der Fortführung dieser Lehre, verbunden mit einer Stufenontologie der Schöpfung, die mit der Steigerung von «esse», «vivere», «sentire» und «intellegere» (Sein, Leben, Empfinden, Verstehen) operiert, konstruiert CH. de BOVELLES 1510 die Komplementarität von Welt und Mensch bzw. «mens» (Geist): «Die Welt ist das Größte an Substanz, das Kleinste an Wissen. Der Mensch ist an Wissen das Bedeutendste, an Substanz das Geringste.

P. RAMUS (1515-72) erfolgenden intensiven Erörterungen der wissenschaftlichen Methodik und des Status der Wissenschaften. Denn zum einen mußte zwischen der Verankerung des Wissens im Intellekt und der reinen Methode unterschieden werden, zum anderen zwischen «scientia» und «ars». Es drohte die Spaltung des Wissenschaftsbegriffs in (kontemplative) «scientia» und (anwendungsorientierte) «ars».

> Diese Spaltung zeichnete sich also bereits vor 500 Jahren ab, setzte sich stark durch mit der Industrialisierung, droht aber erst heute tragisch zu werden, als Geistes- und Sozialwissenschaften ebenfalls nur noch dann "zu gebrauchen" sind, wenn sie einen kräftigen Beitrag zum Bruttosozialprodukt liefern. Man muss sich das wirklich bewusst machen, denn eine Entwicklung die sich über 500 Jahre angebahnt hat, wird sich wohl kaum in wenigen Jahren umkehren lassen, auch dann nicht, wenn der <Teufel> quasi vor der Tür steht, was er heute in Form von Umweltzerstörung, Zerstörung natürlicher Ressourcen, Zerstörung sozialer, geistiger Ressourcen, Zerstörung natürlicher, sozialer, kultureller, sprachlicher, etcetc Vielfalt (und nicht wirklich als Terrorist) echt tut..

Auf Zabarellas (1533-89) Unterscheidungen berufen sich Entwürfe von systematischen Wissen-Ordnungen, die vornehmlich in Deutschland in den Jahren um 1600 entstehen. Er unterschied hauptsächlich zwischen synthetischen und analytischen Wissenschaften.

Anfänge der 'Neuen Wissenschaft. – Aus den aristoteleskritischen und empirischen Tendenzen der Renaissance ergeben sich seit der zweiten Hälfte des 16. Jh. neue Ansätze, Wissen konsequent auf sinnliche Erkenntnis zu gründen. B. TELESIO (1508/9-88) versucht, selbst mathematisches Wissen auf Sinnlichkeit zurückzuführen; von dieser Basis ausgehend verbindet T. CAMPANELLA (1568-1639) Sensualismus und Metaphysik auf engste Weise. Unter Rückgriff auf die alte etymologische Herleitung der «sapientia» (Weisheit) von «sapere» (schmecken) im Sinne der unmittelbaren Wahrnehmung einer Sache, wie sie ist, stellt Campanella die «sapientia» als ein partikulares Wissen im Sinne eines Schmeckens einer Sache bzw. eines Teils derselben durch die Wahrnehmung der «scientia» gegenüber, die das universelle Wissen im Sinne eines Schmeckens des Ganzen und der ihm ähnlichen Dinge ist, die wir durch jenen Teil spüren, den wir wahrnehmen ; denn der Geist funktioniert als ein «discursus mentalis», der von Ähnlichem zu Ähnlichem voranschreitet . – Bei F. BACON scheint sich erstmals die moderne Auffassung von Wissen als Macht über die Natur auszudrücken.

Descartes' (1696-1650) spätere Bemühungen um die Begründung sicheren Wissen beziehen sich im wesentlichen auf das stoische Kriterium, dem zufolge einer Erkenntnis nur dann Wissens-Status zukommt, wenn sie durch keinerlei Argumente zweifelhaft gemacht werden kann. Auch Descartes definiert Wissen als begründete Überzeugung («persuasio»), die niemals durch stärkere Gründe erschüttert werden kann.

P. GASSENDI (1592-1655), daß die Konsequenz der Aristotelischen Konzeption von Wissen als «sichere, evidente und durch einen notwendigen Grund oder Beweis erlangte Erkenntnis irgendeiner Sache» nur lauten könne: «Daß es kein Wissen gibt, und besonders kein Aristotelisches». Auch hier bricht wieder Skeptizismus durch, allerdings gemässigt durch den Glauben an Gott, die mechanische Physik und Vertrauen auf Epikur. Er schuf damit eine erste Formulierung des Energieerhaltungssatzes und des Trägheitsgesetzes. Dass beide heute Newton zugeschrieben werden zeigt bloss, dass gewisse Dinge eben einfach ans Licht kommen, durch die Zeit, die Geschichte, quasi "gebacken" werden. Hätte Newton einen Unfall gehabt, vor er seine Thesen formuliert hätte, hätte dies eben ein anderer getan.

B. SPINOZA (1632-77) übersetzt die scholastische Distinktion der vier Verständnisweisen von Wissen in eine Differenzierung von Weisen der «perceptio» («Erfassung») und unterscheidet

  1. jene, die wir vom Hörensagen haben («ex auditu»),
  2. jene, die wir durch unbestimmte Erfahrung haben («ab experientia vaga»),
  3. jene, wo das Wesen einer Sache aus einer anderen Sache erschlossen wird, aber nicht adäquat, und
  4. jene, wo eine Sache allein aus ihrem Wesen oder der Erkenntnis ihrer nächsten Ursache begriffen wird.

Scientia oder Wissen im Sinne einer Verstandesdisposition – im 18. Jh. ist hierfür noch der Ausdruck Wissenschaft geläufig – ist nach CH. WOLFF (1679-1754) die «Fertigkeit des Verstandes, alles, was man behauptet, aus unwidersprechlichen Gründen unumstößlich darzuthun»
Hierfür ist nach A. G. BAUMGARTEN (1714-62) eine dreifache distinkte Erkenntnis erforderlich, nämlich:

  1. die Erkenntnis der Prinzipien («principia»),
  2. des aus ihnen Abgeleiteten («principiata») und
  3. der Verbindung von beidem. Dies gilt auch für die göttliche Erkenntnis als der «summa scientia»

Kant (1724-1804) bezeichnet mit Wissen entweder eine empirische oder eine rationale Gewißheit, wobei letztere entweder intuitiv bzw. evident (Mathematik) oder diskursiv (Philosophie) sein kann. Während die bloß empirische Gewißheit nur eine assertorische ist und damit dem Modus des Glaubens entspricht, ist die rationale durch das mit ihr verbundene Bewußtsein der Notwendigkeit apodiktisch, kann aber zugleich auch empirisch sein, «sofern wir nämlich einen empirisch gewissen Satz aus Principien a priori erkennen».

J. G. HERDER (1744-1803) kritisiert, daß Kant die Vernunft isoliere; Meinen, Glauben und Wissen seien «keine drei Stufen, sondern Arten des Fürwahrhaltens»; Spezifikum des Wissens sei hierbei das genaue Unterscheiden.

Anders als Novalis (1772-1801) bestimmt F. SCHLEGEL (1772-1829) das Verhältnis von Glauben und Wissen: Glauben enthalte immer «etwas Ungewisses» und sei «das Mittlere» zwischen Wissen und Nichtwissen, weshalb er auch nicht «das erste und letzte» der Philosophie sein könne, diese sei vielmehr «schlechthin ein Wissen», und zwar ein «Wissen von ganz eigener Art, ein unendliches Wissen», welches «nicht bewiesen» werden könne, sondern nur der intellektuellen Anschauung als dem «Bewußtseyn von dem Bewußtseyn des Unendlichen» zugänglich sei.

SCHLEIERMACHER (1768-1834), für den Wisen und Sein notwendig aufeinander bezogen sind: «Wissen und Sein giebt es für uns nur in Beziehung auf einander. Das Sein ist das Gewußte, und das Wisssen weiß um das Seiende».

Hegel (1770-1831): Demgemäß hat die Logik «als die Wissenschaft des reinen Denkens ... zu ihrem Elemente diese Einheit des Subjectiven und Objectiven, welche absolutes Wissen ist»

Bereits für A. SCHOPENHAUER (1788-1860), der Wissen als abstrakte Erkenntnis begreift , ist es das «Ende und Ziel alles Wissens ..., daß der Intellekt alle Aeußerungen des Willens ... in die abstrakte Erkenntniß aufgenommen habe»

Eine weitergehende Depotenzierung des Wissens erfolgt bei F. NIETZSCHE (1844-1900): «Unser Wissen ist die abgeschwächteste Form unseres Trieblebens; deshalb gegen die starken Triebe so ohnmächtig»

Nitzsche machte vor allem, und erfolgreich, darauf aufmerksam, das Wissen an und für sich nichts bewirkt, nichts tut - es sei denn, ein Mensch oder eine Gruppe fasse willentlich einen Entschluss, mit eben diesem Wissen was anzufangen, es anzuwenden. Es ist nicht der Geist, der handelt, sondern der Mensch. Es ist nicht der Geist, der die Welt verändert (obwohl er natürlich substantiell dazu beiträgt) - sondern der seine Intentionen mit starkem Willen durchsetzende Mensch.

J. F. FRIES (1773-1843) bestimmt Wissen als «vollständige Gewissheit» und vertritt die Auffassung, daß «Wissen ... zur vollständigen Gewissheit» führe. Sie ist als eine von drei «Ueberzeugungsweisen» zu unterscheiden vom Glauben und 'Ahnden bzw. Meinen; letztere sind im Vergleich zum Wissen unter dem Aspekt der Gewißheit nur «mangelhafte» Zustände.

Fries differenziert sodann näher sowohl genetisch als auch systematisch zwischen verschiedenen Arten von Wissen, wobei er Kants Dualismus von apodiktischem, notwendigem Wissen und empirischem bzw. historischem Wissen besonders betont. Apodiktisches Wissen entsteht durch Konstruktion mit Hilfe mathematischer Begrifflichkeit oder durch Verstandestätigkeit im Sinne eines philosophischen Umgangs mit Begriffen.

Philosophisches Wissen stellt im Unterschied zur mathematischen Konstruktion keine neuen Tatbestände dar, sondern ist eine in gedanklicher Anstrengung gewonnene Sammlung präzisierter Überzeugungen, deren Rohform bereits im «gemeinen Wissen und Denken» vorliegt.
Historisches Wissen
speist sich aus der Anschauung bzw. der Sinnestätigkeit, aus der durch Anwendung von Begriffen jenes Wissen wird, wie es in den Naturwissenschaften entsteht, wo das anschaulich Gegebene allgemeinen Regeln zugeordnet und diesen gemäß erklärt wird.

F. BRENTANO (1838-1917) unterscheidet zwischen aktuellem und habituellem Wissen, wobei er unter letzterem den «Glauben an die Wissenschaft» versteht, ohne den es gar nicht möglich sei, «einen wissenschaftlichen Bau aufzuführen»

Wundt (1832-1920): Zunächst unterscheidet er Glauben, Meinung, Vermutung und Wissen und gibt folgende Nominaldefinition: «Das subjektive Fürwahrhalten nennen wir Glauben, das objektive bezeichnen wir als Meinung oder, sofern es sich auf Zukünftiges bezieht, als Vermutung. Aus Meinung und Vermutung entsteht endlich, sobald sich mit ihnen die Überzeugung ihrer tatsächlichen Wahrheit verbindet, das Wissen.»

GADAMER (1900-1960) unterscheidet zwischen theoretischem Wissen, dem «Wissen der Wissenschaft», das «Wissen vom Unveränderlichen» ist und «jeder lernen kann, sowie «sittlichem Wissen», in dem jeder von dem, was er weiß, unmittelbar betroffen ist. Aus diesem erwachsen die Geisteswissenschaften: Sie streben moralisches Wissen an, in dem der Mensch sich «als ein Handelnder» begreift. Dieses Wissen des Menschen vom Menschen will «nicht feststellen, was ist», es soll «sein Tun leiten»

Wittgenstein (1889-1951) stellt den Glauben als unbegründete bzw. unbeweisbare Gewißheit über das Wissen: «Wir wissen, daß die Erde rund ist. Wir haben uns endgültig davon überzeugt, daß sie rund ist. Bei dieser Ansicht werden wir verharren, es sei denn, daß sich unsere ganze Naturanschauung ändert. 'Wie weißt du das? – 'Ich glaube es». Damit bettet er aber die Rechtfertigung von Wissens-Ansprüchen in Lebensformen ein (Glauben), die selbst nicht mehr gerechtfertigt werden können, so daß eine Auszeichnung als Wissen nur eine Binnenregelung in den Grenzen eines Glaubenssystems ist. Aehnliches gilt für die Unterscheidung zwischen Wissen in der Art des Kennens von etwasknowledge by acquaintance») und Wissen über etwas knowledge by description»), die nicht weiter begründbar sind (Russell, James und Helmholtz (1821-94), der begriffliches Wissen dem Kennen von Dingen gegenüber stellt - welches «den allerhöchsten Grad von Bestimmtheit» aufweisen könne.

Eine andere wichtige Unterscheidung ist die wissenschaftstheoretische zwischen explizierbarem und implizitem (stillem) Wissen. Im Gegenzug zur Vorstellung der politisch-sozialen Steuerbarkeit des wissenschaftlichen Fortschritts hat M. POLANYI die Konzeption des «tacit knowledge» vertreten (implizites Wissen), das Ausschlag gab für die Anstrengungen des knowledge managements.

Die Philosophie der Wissenschaften verenge sich «auf die beiden Extreme des Wissens.» («aux deux extrémités du savoir»): auf das Studium allzu allgemeiner Prinzipien durch die Philosophie und auf die Untersuchung der allzu partikulären Ergebnisse durch die Wissenschaftler.

Vor diesem Hintergrundhat M. FOUCAULT den Wissens-Begriff in eine allgemeine Theorie der historischen Analyse von «Aussagen» bzw. «Diskursen» aufgenommen und ihn machttheoretisch perspektiviert und radikalisiert: Die Menge von in einer diskursiven Praxis («pratique discursive») regelmäßig gebildeten und für die Konstitution einer Wissenschaft unerläßlichen Elementen könne man Wissen nennen. ... Foucaults machthistorische Wendung des Wissens-Begriffs setzt bewußt Praktiken, Institutionen und Theorien auf ein und dieselbe Analyseebene, um die jeweils singuläre Strukturiertheit eines «konstitutiven historischen Wissen» zu erschließen, das in zusammenhängender Form eine – vergangene – Epoche durchzieht.

Wissenschaft

Die Geschichte des Wissenschafts-Begriffs führt auf ein komplexes Wortfeld zurück, in dessen Zentrum die Termini episteme und scientia stehen, die ebenso 'Wissenschaft wie 'Wissen) bedeuten können. Dabei handelt es sich zunächst vorrangig um erkenntnisanthropologische Kategorien der Beschreibung psychischer Haltungen (habitus)

Von der Stoa wird erstmals der gerade für das neuzeitliche Wissenschafts-Verständnis grundlegende Terminus System zur Definition von Kunst oder Wissenschaft verwendet, die im Gegensatz zum theoretisch ausgerichteten aristotelischen Wissenschaftsideal eine eher praktische Orientierung aufweist.

So ist nach der in der Spätantike vielzitierten stoischen Bestimmung das Ganze einer Kunst oder Wissenschaft (tekne) – bei STOBAEUS ist von episthme die Rede – ein «System von Erkenntnissen, welche zu einem bestimmten, für die Menschen im täglichen Leben förderlichen Ziel gemeinsam eingeübt worden sind». Diese Definition könnte gleichzeitig als Definition von Bildung gelten. Interessant ist heute vor allem zu vermerken, dass die sog. <Praktiker> a) sich gerne selbst mit dem Titel auszeichnen, b) von Theorie rein gar nichts halten - aber dennoch dauernd allgemein gültige Aussagen machen wollen. Da sich Theorie aber gerade dadurch definiert, dass sie eine Schau des Ganzen ist, und immer, so (noch) nicht verifiziert oder falsifiziert, überprüfbar ist, also überhaupt kritisch angegangen - und widerlegt werden kann. Da Meinungen persönliche, perspektivische Anschauungen und Wertungen, die sich den Wissenschaften eh entziehen) sind, ist das bei solchen meist nicht möglich, deshalb die Meinungsfreiheit.

Wichtig an Theorie wie Wissen ist die Kohärenz! Die getroffene Aussage darf nicht nur für einen kleinen, ganz bestimmten Einzel-Fall zutreffen, sondern muss eine, zumindest über einen gewissen Zeitraum konstant geltende, Gesetzmässigkeit darstellen, eine doctrina oder disciplina.

Die Abhängigkeit der Wissenschaft von abstrakten Zeichen etablierte sich von Anfang an, denn Zeichen dienen der Kommunikation - aber nur, wenn ihre Bedeutung eine gemeinschaftlich geteilte ist. (Fies sind in dem Zusammenhang spirititische Sekten, welche die anerkannte Bedeutung auflösen und für sich im Hintergrund eine Art Geheimsprache entwickeln - die sie für die wahre halten. Da sie so von der Mehrheit nicht mehr verstanden werden, ist das vor allem fies gegenüber den eigenen Mitgliedern. (s. Anthroposophie)

Augustinus (354-430) : «Jede Lehre handelt von Dingen oder von Zeichen, aber die Dinge werden durch die Zeichen gelernt».

Bereits THOMAS VON AQUIN (1225-74) lehrte im "finsteren Mittelalter" eine Definition von Wissenschaft, mit der die meisten heute absolut glücklich wären, glücklicher als mit der aktuellen, nach der Wissenschaft vor allem Innovationen zu liefern hat, die "nachhaltiges" Wachstum garantieren, also das perpetuum mobile:

.... daß alle Wissenschaften und Künste letztlich auf das eine Ziel der Vervollkommnung oder Glückseligkeit des Menschen ausgerichtet sind.

Leider löste sich die Wissenschaft in Zweige und heute unzählige Disziplinen auf, von denen nur noch ein geringer Teil obige Forderung erfüllen würde. Da die Wissenschaft(en), alle Wissenschaften am Anfang in der Philosophie aufgehoben waren, konnte kein Teilwissen dominieren. Die Aussage galt also noch: Dabei bezeichnen «scientia, sapientia, philosophia, doctrina, disciplina, ars, methodus et facultas» der Sache nach dasselbe und konnotieren jeweils nur, bestimmte Aspekte betonend, eine gedankliche Unterscheidung.

J. A. COMENIUS (1592-1670)bezeichnet Wissen um den Nutzen einer Sache als den «höchsten Grad der Wissenschaft und den Gipfel der Weisheit».

G. W. LEIBNIZ (1646-1716) gehört zu jenen, die sich gegen die einseitige Hervorhebung des praktizistischen Wissenschafts-Ideals wenden.

Neuzeitliche Wissenschaft und Logik: Bildete die syllogistische Logik in der aristotelischen Tradition das Kernstück der Theorie der Wissenschaft, so wird ihr von den Repräsentanten der neuen Naturwissenschaft – wenn überhaupt – nur noch eine beschränkte methodische Funktion zuerkannt, indem sie gegenüber der vorrangig auf Begründung zielenden aristotelischen Wissenschafts-Konzeption das Moment der Invention und Entdeckung neuer Wahrheiten in den Vordergrund rückt.

F. BACON (1561-1626) sieht die Wissenschaften gerade als «Methoden zur Erfindung neuer Werke» und kritisiert die heuristischen Unfruchtbarkeit der syllogistischen Logik. Dennoch wird Wissenschaft, ganz ausgeprägt mit dem linguistic turn zu einem System logisch verknüpfter Sätze.

Im Anschluß an P. RAMUS (1515-72) und unter Rückgriff auf die stoische Definition der techne (Kunst) wird der Begriff System um 1600 zu einer zentralen Kategorie der wissenschaftstheoretischen Diskussion.

Wissenschaftslehre

Bis 1804 konzipiert Fichte die Wissenschaftslehre als philosophische Deduktion der «Grundsätze aller möglichen Wissenschaften»

SCHELLING faßt die Wissenschaftslehre als primär theoretische Disziplin auf, deren Aufgabe es sei, «die absolute Übereinstimmung des Gegenstandes und der Vorstellung, des Seyns und Erkennens zu erklären».

W. WUNDT betrachtet Fichtes deduktive Wissenschaftslehre als «ein Ding der Unmöglichkeit» und reserviert den Ausdruck für die induktive «Gewinnung einer Weltanschauung» aus den Ergebnissen der «Einzelwissenschaften».

J. H. LAMBERT (1728-77) spricht von der Wissenschaft. als dem «System oder Reich der Wahrheit» bzw. dem «System aller Begriffe, Sätze und Verhältnisse, die nur immer möglich sind». In diesem formalen Sinn ist Wissenschaft. nach I. KANT (1724-1804) «der Inbegriff einer Erkenntniß als System» und für J. G. FICHTE (1762-1814) explizit ein System von Sätzen.

Die Aussage von Wittgestein: «Die Gesamtheit der wahren Sätze ist die gesamte Naturwissenschaft - fasst also diese Auffassungen, 200 Jahre später, eigentlich bloss nochmals zusammen.

B. BOLZANO (1781-1884) macht darauf aufmerksam, dass Sprache zumindest ein unabdingbarer Baustein der Wissenschaften ist:: «s'il est vrai que la science ne soit pas seulement une langue, il est vrai aussi que sans une langue la science ne serait pas».

Und genau hier liegt das Problem des Wissenserwerbs offen. Wer immer eine Wissenschaft erlernen will oder muss, muss zuerst deren Sprachsystem erlernen. Da dies die erste Phase ist, die Ausbildungsphase des Bachelors, kann von den Absolventen also nicht viel mehr verlangt werden, als dass sie einigermassen verstehen, worum es in der betreffenden Wissenschaft überhaupt geht:

I. KANT (1724-1804) in der Vorrede zu den Metaphysischen Anfangsgründen der Naturwissenschaft. Was Wissenschaft zur Wissenschaft macht, ist zunächst, daß das «nach Principien geordnete Ganze der Erkenntniß» systematisch und damit kein bloßes «Aggregat» ist. ... Wissenschaftliches Wissen ist zudem – in Korrespondenz zur aristotelischen Lehre von der Ursachenerkenntnis – beweisendes und bewiesenes Wissen.

J. G. FICHTE (1762-1814) arbeitet die Philosophie zu einer Wissenschaftslehre im Sinne einer rein apriorischen Fundamentalphilosophie aus.

Für den frühen F. W. J. SCHELLING (1775-1854) ist die Philosophie die «absolute Wissenschaft» bzw. «Wissenschaft des Absoluten».

HEGELS (1770-1831) Wissenschaft der Logik (Ex. 1841) versteht sich ebenfalls als Fundamentalwissenschaft. Die Uneinlösbarkeit des apriorischen Anspruches der Wissenschaft der Logik wie die Überordnung einer spekulativen Naturphilosophie über die empirische Naturwissenschaft erfahren allerdings zunehmend scharfe Kritik.

Das Schicksal der Philosophie bestimmt sich bereits hier: Die Philosophie war in der europäischen Tradition der klassische Ort, an dem die Wissenschaften sich ein wissenschaftliches Bewußtsein ihrer selbst bilden konnten. Galt sie als Garant der Einheit der Wissenschaften und auch als universitärer Ort dieser Einheit, so führt die Ausgliederung der sich ausdifferenzierenden Einzelwissenschaften aus der Philosophie dazu, daß diese die Funktion einer integrativen Metawissenschaft auch wissenschaftsorganisatorisch verliert. Tatsächlich büßt die Schulphilosophie mit dem «Auswanderungsprozeß der Wissenschaften aus der Philosophie» im Verlauf des 19. Jh. diesen Status weitgehend ein und restituiert sich selbst weithin als eine Fachwissenschaft im Kanon der Geisteswissenschaften. In der zweiten Hälfte des 20. JH versuchen immer mehr Philosophen doch wieder Einfluss auf die Wissenschaften zu erhalten, über die damals boomende (wie folgenlose ...) Wissenschaftsphilosophie und Wissenschaftstheorie.

Andere Wege schlagen die großen philosophischen 'Einzelgänger des 19. Jh. ein:

Der Ethiker S. KIERKEGAARD (1813-55) etwa wendet sich (sichtbar schon im Titel seines späten Hauptwerkes <Abschließende unwissenschaftliche Nachschrift>) dezidiert vom Objektivitätsideal der Wissenschaft ab, geht es ihm doch darum aufzuzeigen, welche Bedeutung der subjektiven Aneignung des eigenen Lebens, der eigenen Existenz zukommt.

Daß der «wissenschaftlich idealistische Standpunkt ... nie in das Leben einfließen» kann, hatte beispielsweise J. G. FICHTE (1762-1814) unmißverständlich ausgesprochen.

Bereits der frühe K. MARX (1818-83), der den antispekulativen Wissenschafts-Impuls Kierkegaards teilt und eine neue Form menschlicher Gattungsreflexion intendiert, begreift Wissenschaft als Moment gesellschaftlicher Praxis. Ein Aspekt der 100 Jahre später von Habermas & Co aufgegriffen wird - aber leider versandet, obwohl er vielversprechende Ansätze enthält.

F. ENGELS (1820-95) vertritt die These, daß die Philosophie als «Wissenschaft vom Gesamtzusammenhang» überflüssig wird, «sobald an jede einzelne Wissenschaft die Forderung herantritt, über ihre Stellung im Gesamtzusammenhang der Dinge ... sich klarzuwerden».

F. NIETZSCHE (1844-1900), der die «Emancipation» der Einzelwissenschaften «von der Philosophie» genau beobachtet, verbindet Wissenschaft zur Kunst, was über den Goetheanismus, Theosophie, Anthroposophie zu einigen eher seltsamen Resultaten geführt hat, was richtig wäre, würde man sich auf Forschungsheuristik beziehen, in der ohne konstruktive Kunst nichts läuft. s. Basteln, Tüfteln, Improvisieren  ... La Dialectique du Bricolage

Daß die Vereinigung von Wissenschaft und Kunst eine avancierte Form von Rationalität liefern solle, war auch die Überzeugung von Denkern wie J. W. GOETHE (1749-1832) und C. G. CARUS (1789-1869). Nietzsche bleibt beim Vergleich von Philosophie und Wissenschaft, wie F. HÖLDERLIN (1770-1843), der Verwandtschaft der Philosophie mit Kunst und Religion eingedenk.
s. Aesthetik

Verständnis seit dem späten 18. Jh. durch das neue Konzept von Wissenschaft als einem unabschließbaren Forschungsprozeß abgelöst. Das Wissenschaftlerideal des «philosophe» und des Gelehrten machen dem des Forschers Platz. Im 19. Jh., in dem der Forschung eine konstitutive Fundierungsfunktion für die Wissenschaft zuwächst, etabliert sich auch der Terminus Forschung (engl. research, investigation; frz. recherche, investigation)

Im zweiten Drittel des 19. Jh. ist der moderne Begriff in erster Näherung dadurch beschreibbar, daß Wissenschaft nur noch als ein konditional formuliertes, hypothetisch- deduktiv organisiertes System von Propositionen über einen begrenzten Erfahrungs- und Gegenstandsbereich aufgefaßt, also der Anspruch auf strenge Allgemeinheit, unbedingte Notwendigkeit und absolute Wahrheit aufgegeben wird, kann der ihn herbeiführende Prozeß schlaglichtartig durch Momente wie «Reflexionscharakter, Positivierung, Entmetaphysierung, Autonomisierung, Operationalisierung, Problematisierung, Konditionalisierung, Hypothetisierung, Propositionalisierung, Intersubjektivierung und abstrahierende Theoretisierung» gekennzeichnet werden.

J.F. Fries (1773-1843): «Die Erkenntnis aus Principien ist Wissenschaft, und die höchste logische Form der Unterordnung alles Besondern unter sein Princip ist System» ... .«seiner Form nach ein System ..., seinem Gehalt nach eine Wissenschaft.»

«Dem ganzen System aller Wissenschaften liegen drey einfache systematische Formen, des kategorischen, hypothetischen, und konjunktiven Systems zu Grunde». «Eine Wissenschaft heißt:

Ist Wissenschaft per definitionem immer System, so ist Theorie das Ideal von Wissenschaft, in dem empirische Empfindungen (Historie), innere Anschauung (Mathematik) und begriffliche Erkenntnis (Philosophie) in der Erklärung des Einzelnen aus dem Allgemeinen ineinanderlaufen: «Das logische Ganze unsrer Erkenntnis ist die Vereinigung dieser drey Formen, d.h. Theorie».

Neben dieser dreifachen formalen bzw. logischen Unterscheidung von Wissenschaft kennt Fries auch eine vollständige erkenntnistheoretische Unterscheidung aller Wissenschaften in empirische bzw. «Wahrnehmungswissenschaften» (wie z.B. Geschichte und Geographie) und «Vernunftwissenschaften», d.h. Philosophie und Mathematik. Diese zerfallen noch einmal in «reine und angewandte», wobei «reine Vernunftwissenschaften» nur «reine Erkenntnisse a priori» enthalten, «angewandte Vernunftwissenschaften» bzw. «theoretische Wissenschaften» oder auch «Erklärungswissenschaften» Einzeltatsachen aus notwendigen Gesetzen erklären, sich also neben Erkenntnis a priori auch auf Empirisches beziehen müssen.

Nomothetik und Idiographie

Differenzierung W. WINDELBANDS (1848-1915) von Natur- und Geisteswissenschaften nach dem «formalen Charakter ihrer Erkenntnisziele» wichtig; jene sind demnach als «nomothetische» oder «Gesetzeswissenschaften», diese als «idiographische» oder «Ereigniswissenschaften» anzusprechen.

H. RICKERT (1863-1936) übernimmt diese methodologische Rahmung im wesentlichen, akzentuiert dabei aber die individualisierende Methode der Geisteswissenschaften stärker werttheoretisch und stellt daher den Naturwissenschaften die «historischen Kulturwissenschaften» gegenüber.
Der Wissenschafts-Begriff des Marburger Neukantianismus orientiert sich demgegenüber vor allem an der Mathematik und den sog. 'exakten, d.h. mathematischen Wissenschaften.

E. CASSIRER (1874-1945): «Das 'Faktum der Wissenschaften ist und bleibt ... seiner Natur nach ein geschichtlich sich entwickelndes Faktum». Wissenschaft geht mit der 'Symbolisierung wissenschaftlicher Erkenntnis einher. So behandelt CASSIRER später Wissenschaft als eines unter mehreren Symbolsystemen (wie Mythos, Religion und Kunst), die nicht aufeinander zurückführbar sind.

Helmholtz (1821-94): «Das Endziel der Naturwissenschaften ist, ... sich in Mechanik aufzulösen». Experimente sind für HELMHOLTZ «die eigentliche Basis der Wissenschaften.» Helmholtz' Bestimmungen von Wissenschaften sind bis weit ins 20. Jh. hinein äußerst einflußreich geblieben; die bei ihm erkennbare Auflösung des klassischen Wissenschafts-Begriffs ist für die mathematischen Naturwissenschaften des 19. Jh. allgemein charakteristisch.

Empiristische und positivistische Tradition einschließlich Empiriokritizismus.

Beim älteren «Empirismus» hatte die einseitige Leitung durch Beobachtung zu einer «unfruchtbaren Anhäufung zusammenhangloser Fakten» geführt. Nach Comtes Drei-Stadien-Gesetz ist die positive Wissenschaft nach Theologie und Metaphysik als dritte und höchste Form der Naturerklärung aufzufassen. In seiner streng hierarchischen Wissenschafts-Klassifikation steht die Mathematik als «Anfangswissenschaft» («science initiale») mit ihren Zweigen Arithmetik, Geometrie und Mechanik an oberster Stelle und bildet «den wahren Ursprung des ganzen Wissenschaftssystems». Mit abnehmender Allgemeinheit ihrer Aussagen und zunehmender Komplexität ihrer Gegenstände folgen der Mathematik als weitere unter den «sechs Grundwissenschaften» («six sciences fondamentales») die Astronomie, die Physik, die Chemie, die Biologie und die Soziologie nach; diese stellt nach Comte «das einzig wesentliche Ziel der gesamten positiven Philosophie» dar.

Leitend für Herschel (1738-1822) ist die Unterscheidung von «abstrakter Wissenschaft» als allgemeiner Gründekenntnis und «natürlicher Wissenschaft» als allgemeiner Ursachenkenntnis.

Wie etwa auch D. HUME (1711-76) führt HERSCHEL beide Wissenschaften auf verschiedene Erkenntnisquellen zurück: jene auf Vernunft in einem weiten Sinne («memory, thought and reason»), diese auf äußere Erfahrung («observation» and «experiment», die als gänzlich theoriefrei konzipiert wird.

«There are no scientific subjects. The subject of science is the human universe; that is to say, everything that is, or has been, or may be related to man».

«Die Wissenschaft schafft nicht eine Tatsache aus der anderen, sie ordnet aber die bekannten». Die Höherentwicklung von Wissenschaft ist also lediglich durch eine immer verbesserte Darstellung der Tatsachen im Sinne einer Steigerung der Einfachheit und Ökonomie gekennzeichnet.

Herschel greift hier einerseits auf Ockhams Messer zurück - andererseits aber bereits vor auf Toulmin und Kuhn, mit denen eher der Theorienwandel als die Theorie an und für sich von Interesse, d.h. von Bedeutung für den wissenschaftlichen Fortschritt ist.

Whewell (1794-1866): «Man is the Interpreter of Nature, and Science is the right Interpretation». In seinem Versuch, den von Bacon inaugurierten Induktivismus mit einem kantianischen Apriorismus wissenschaftstheoretisch in Einklang zu bringen, unterscheidet er «two principal processes by which science is constructed», nämlich die Explikation von BegriffenExplication of Conceptions») und die Sammlung von TatsachenColligation of Facts»).Da es für Whewell keine Tatsachen ohne Theorie gibt, wird wissenschaftlicher Fortschritt primär nicht durch die Sammlung von Fakten, sondern durch die Anwendung grundlegender wissenschaftsleitender Ideenfundamental ideas») erzielt.

The object of Science is Knowledge, the objects of Art, are Works. In Art, truth is a means to an end; in Science, it is the only end. Hence the Practical Arts are not to be classed among the Sciences».

Kunst nutzt also Wissen um ihr Werk zu schaffen, hat aber nicht primär das Wissen zum Ziel, sondern das Werk - das (allenfalls) Wissen vermittelt. Aus diesem Grund fallen die Künste, die in Mittelalter, Renaissance und Aufklärung an zentraler Stelle stunden, von hier an aus dem Kanon der Wissenschaften. Der Wissenschaftler, bis anhin eher ein Schimpfwort, wird nun selbst zum Begriff, wie der Forscher.

Whewell war sich bereits bewusst, daß Wissenschaft zwar nur auf der Basis von Tatsachen («faits») entwickelt werden könne, bei deren Erwerb aber nicht voraussetzungslos verfahre, sondern in ihren Beobachtungen und vor allem Experimenten stets durch vorgefaßte theoretische Überzeugungen («idées») geleitet werde.

Ausgang des 19. Jh. verbreitete sich der übliche 'fin-de-siècle-Pessimismus, dazumals bezüglich eines möglichen Endes der naturwissenschaftlichen Entwicklung. Ende des 20. Jahrhunderts interessierte das ja eigentlich kein Schwein mehr, und man machte sich eher Sorgen um ein mögliches Ende des Wachstums, das längst zu einem absurden Begriff, dem nachhaltigen Wachstum, mutiert war.

«Pour que la science soit possible, il faut s'arrêter quand on a trouvé la simplicité»

H. POINCARÉ: La science et l'hypothèse. Paris 1902

Die längst gefordert Ganzheitlichkeit von Theorien und Wissen formulierte erneut Duhems These (heute oft auch 'Duhem-Quine-These genannt): Es ist nicht möglich, isolierte Teile wissenschaftlicher Theorien der empirischen Überprüfung zu unterwerfen. Zur Veranschaulichung seines wissenschaftstheoretischen Holismus verwendet Duhem die Metapher des Organismus: «la science physique, c'est un système que l'on doit prendre tout entier; c'est un organisme dont on ne peut faire fonctionner une partie sans que les parties les plus éloignées de celle-là entrent en jeu, les unes plus, les autres moins».

Das 19. Jh. war ein «naturwissenschaftliches Zeitalter», ein «Jahrhundert der mechanischen Naturauffassung». Bei aller 'Modernisierung des Wissenschafts-Begriffs im Verlaufe des 19. Jh. – war noch im frühen 20. Jh. ein (gewöhnlich nicht mehr näher präzisierter) Systemcharakter von Wissenschaft allgemein präsent. Gegen Ende des 20- JH. musste dieser jedoch gerade in den Natur- und Umweltwissenschaften neu belebt werden.

Es rücken der bereits von PEIRCE artikulierte Praxisbezug und Handlungscharakter von Wissenschaften, später auch verstärkt die soziale und kulturelle Bedingtheit sowie die institutionelle Verfaßtheit von Wissenschaften wie auch die – bereits von Whewell, Mach, Duhem u.a. anerkannte – historische Bedingtheit und Veränderbarkeit von Wissenschaften in den Vordergrund. Nicht nur die Notwendigkeitsbedingung für Wissenschaften) wird aufgegeben, sondern oft wird dann auch die Wahrheitsbedingung problematisiert. Schließlich weicht auch die im späten 19. und frühen 20. Jh. noch weitgehend anerkannte Auffassung, Wissenschaften sei in ihrer Entwicklung durch einen stetigen und kumulativen Fortschritt gekennzeichnet, mit den radikalen Umbrüchen in den 'Leitwissenschaften Physik, hier insbesondere der Relativitätstheorie und der Quantenmechanik, und Mathematik, deren Grundlagenstreit noch nicht überwunden scheint, einer eher die Transformationen und Brüche von Wissenschafts-Entwicklung betonenden Auffassung.

Wissenschaft bietet also genau die Sicherheit nicht mehr, mit deren Vorschieben sie andere Wissensformen, insbesondere den Glauben, an den Rand gedrängt hatte. Daraus entstand ein enormer Orientierungsverlust, der zumindest das selbe Ausmass hatte, wie die heute anstehende Erkenntnis, dass nichts ewig wächst, am wenigsten die Wirtschaft.

Für die Entwicklung eines phänomenologischen Begriffs von Wissenschaft in Deutschland sind besonders N. HARTMANN und H.-G. GADAMER wichtig geworden.

HARTMANN versucht, auf der Grundlage seiner Schichtenlehre und der Methode der Kategorienanalyse die «alte Aufgabe der Naturphilosophie» der Einheitsstiftung erneut anzugehen. Eine wichtige Rolle mißt er dabei den «Organologischen Kategorien» und der für den Bereich des Organischen besonders angebrachten Kritik der traditionellen Teleologie bei.

O. NEURATH (1882-1945): «Die modernen Wissenschaftler werden durch folgendes gekennzeichnet: irdischer Sinn, der Ruf nach empirischer Kontrolle und die systematische Verwendung der Logik und Mathematik».

L. WITTGENSTEINS (1889-1951) Tractatus logico philosophicus: «Die Gesamtheit der wahren Sätze ist die gesamte Naturwissenschaft.

L. WITTGENSTEIN und R. CARNAP (1891-1970): Durch die Philosophie werden Sätze geklärt, durch die Wissenschaften verifiziert.

Mit der semantischen Wende wurde Philosophie zur Sprachanalyse: Eine Philosophie, die «von allen unwissenschaftlichen Bestandteilen gereinigt» bzw. metaphysikfrei ist und nur noch syntaktische Analyse der Wissenschafts-Sprache sein soll, behandelt CARNAP unter der Bezeichnung «Wissenschaftslogik».

Dennoch konnte Schlick (1882-1936) immer noch sagen: «Die philosophische Tätigkeit der Sinngebung ist ... das Alpha und Omega der wissenschaftlichen Erkenntnis»

Carnap unterschied die Bereiche der Wissenschaft als

Der Operationalismus bzw. Operativismus (s.d.) H. DINGLERS (1881-1954) nimmt seinen Ausgang ebenfalls bei der «exakten Wissenschaften»; er meint damit «diejenigen Wissenschaften, welche die Forderung aufstellen, daß ihre Aussagen vollständig begründet werden sollten». Von einer «echten Wissenschaft.» spricht Dingler daher auch dann, wenn sie das Kennzeichen «absoluter Sicherheit» trägt.

In der Weiterführung von Dinglers Lehre durch den Konstruktivismus der Erlanger Schule wird dagegen zunächst auch dessen absoluter Begründungsanspruch perpetuiert. Später wird dieser Anspruch durch eine gewisse Historisierung auf der Grundlage der Unterscheidung von normativer und faktischer Genese abgeschwächt oder aus methodologischen Gründen aufgegeben, ohne dabei von den «wissenschaftskonstituierenden Einsichten» Dinglers abzugehen. Besonders die analytische Philosophie hat solche Einsichten in Abrede gestellt und dem Operationalismus bzw. Konstruktivismus einen unzureichenden Begriff von Wissenschaft vorgeworfen und vice versa.

Die alte Sicherheit des Wissens war aber nicht mehr zu gewinnen. Der kritische Rationalismus begnügt sich bereits damit, dass sein « Abgrenzungskriterium» vorhanden sein muss: «Ein empirisch-wissenschaftliches System muß an der Erfahrung scheitern können».

Popper (1902-94): Falsifikation bestimmt die Wissenschaft., und nicht durch Induktion, sondern durch «Versuch und Irrtum» schreitet sie voran. «Unsere Wissenschaft ist kein System von gesicherten Sätzen, auch kein System, das in stetem Fortschritt einem Zustand der Endgültigkeit zustrebt. Unsere Wissenschaft ist kein Wissen [epistémé]: weder Wahrheit noch Wahrscheinlichkeit kann sie erreichen».

Kuhn's historische Theorie beschrieb Wissenschaften eher als temporär sich entfaltende Pakete aus Glauben und Methodik.

Bereits G. PICHT (1913-82) verortet die fehlende Verantwortungsfähigkeit darin, daß Wissenschaft. «im Zuge ihrer Emanzipation von der Philosophie jene Bereiche möglicher wissenschaftlicher Erkenntnis aus dem Auge verloren hat, die erst sichtbar werden, wenn die Wissenschaft ihre eigenen Weltbezüge zum Gegenstand wissenschaftlicher Erkenntnis macht. Von der Philosophie hat sich die Wissenschaft emanzipiert, aber die Probleme der Philosophie ist sie nicht losgeworden».

Wissenschaftswissenschaft:

So gibt etwa eine «Projektgruppe Wissenschaftswissenschaft.» ein «Memorandum zur Förderung der Wissenschaftsforschung.» heraus, wobei das Programm von OSSOWSKA und OSSOWSKI u.a. um die «Ethik der Wissenschaft» und den Bereich «Technologietransfer» ergänzt wird. Dabei sei ihre «kritische Reflexion auf die Stellung der Wissenschaft in unserer Gesellschaft» von der Prämisse geleitet, «daß Wissenschaft nicht allein mit dem Verweis auf Erkenntniserweiterung gesellschaftlich legitimiert ist, sondern mit dem Beitrag solcher Erkenntnisse zur Realisation außerwissenschaftlicher, primär sozial- und gesellschaftspolitischer Ziele». Leitend für die Wf. solle zum einen eine «Fokussierung auf Wissenschaftsentwicklung», zum anderen auf «Steuerbarkeit» sein]; erstere führt im Zuge der Historisierung des Wissenschaftsverständnisses auch bald zu einer eigenen «historischen Wf.»

Le Roy fasst das so ähnlich in zwei Thesen zusammen:

  1. La nouvelle critique est une réaction contre l'ancien positivisme, trop simpliste, trop utilitaire, trop encombré de principes a priori.

Auch begriffsgeschichtlich wirkmächtig wird E. HUSSERLS (1859-1938) Wissenschaft. Sie ist einerseits eine Verteidigung lebensweltlicher Ansprüche gegen eine weltanschauliche Verwissenschaftlichung.

Die Fragen nach dem Sinn des menschlichen Daseins, nach der Vernünftigkeit menschlichen Handelns fallen aus dem Zuständigkeitsbereich der Wissenschaften und drohen aufgrund der einseitigen Orientierung an den Wissenschaften keiner vernünftigen Beantwortung mehr fähig zu sein.

Die Kritische Theorie (eigener Beitrag) wendet sich z.B.in der Szientismuskritik Lorenzens an einer technologisierten, nutzenorientierten gegenwärtigen Gesellschaft sowie als Ideologiekritik und Kritik der am Empirismus und Positivismus ausgerichteten Wissenschafts- und Erkenntnistheorien.

FOUCAULT (1926-84) hebt den Zusammenhang von Wissenschaft, Macht und gesellschaftlichen Unterdrückungsmechanismen hervor.

FEYERABEND (1924-94), fordert a) die Befreiung der Wissenschaften von Denkbeschränkungen des Methodenkanons, b) die Demokratisierung der Wissenschaften.

In der neueren Diskussion findet man vor allem den Versuch, die verschiedenen Aspekte der Wissenschaft zu verbinden, um das Verhältnis von Wissenschaft, Mensch und Gesellschaft neu zu bestimmen:

Im Anschluß an den methodischen Konstruktivismus wird es auch im «methodischen Kulturalismus» als ein «Defizit der Wissenschaftstheorie» angesehen, das Kulturprodukt Wissenschaft nicht als Handlung zu verstehen und darum deren normativen Charakter nicht erfassen zu können. Wissenschaftstheorie müsse, um diesen Aspekt zu berücksichtigen, zur Wissenschaft werden.

Hier beisst sich die berühmte Katze allerdings mal wieder in den Schwanz, denn, wird die Wissenschaftstheorie zur Wissenschaft, so hat sie ihr Paradigma, ihre Methodik, ihre Struktur - über die sie nicht mehr hinausgehen darf, will sie Wissenschaft bleiben. Was Feyerabend eigentlich gefordert, aber so nie gesagt hat, war (in meinen Worten, nach 3 Jahren in seinen Vorlesungen an der ETH):

Wissenschaft muss immer wieder zur Philosophie zurückkehren, zum nicht methodisch, nicht autoritär, nicht disziplinär beschränkten Denken, wenn sie sich selbst betrachtet, sich selbst entwickeln will.

Martin Herzog, Basel, 4.2.2010