THINK TANKS -

Wie kommt Wissen in die Politik? Wer macht die Diagnose? Wer den Design?

Da die Wissenschaften ganz klar die Verantwortung und Zuständigkeit für die Wertung ihrer Forschung, für die praktische Umsetzung ihrer Erkenntnis, für die Handhabung der Macht (Management) und so generell für die Gestaltung der Zukunft ablehnen (s. Wissenschaften & insbesondere der Ingenieur), fragt es sich, wer denn dafür, für die gesellschaftliche Entwicklung generell, eigentlich zuständig sei. Die Politik natürlich ... denn die Wirtschaft betont ja immer wieder, insbesondere in Zeiten zunehmender Arbeitslosigkeit, sie sei weder für die Einrichtung von Arbeitsplätzen, noch für Lehrstellen, die Umwelt oder ähnliches zuständig und ihre Aufgabe sei es, rentable Betriebe zu gründen und zu erhalten. 

Wie also passiert Politik? Wie kommen Probleme auf das politische Parket? Wie kommt das Wissen, durch das die Probleme gelöst werden sollten, zu den Politikern?

Das Problem wird durch einen parlamentarischen Vorstoss aufgeworfen, also durch eine einfach(ere oder kompliziertere) Anfrage, eine Motion oder ein Postulat, die das Problem begründet und allenfalls bereits Lösungsansätze vorschlägt.

Bereits hier besteht kein Unterschied zur Wissenschaft, denn auch in der Politik werden die Probleme weniger nach ihrer Bedeutung, als nach ihrem Interesse für Partei und Politiker (Publikationen, Finanzierung) ausgewählt, die dabei bereits abwägen, was ihnen die Auswahl der Problems bei den Wählern einträgt.

Solche etwas hemdsärmlige Aussagen lassen sich (leider) wissenschaftlich belegen. Die Untersuchungen von  http://sotomo.geo.unizh.ch/ zeigen eindeutig, dass sich jede Partei, wirklich jede, nicht nur die SVP!, vor allem um das eigene Gärtchen kümmert, bei andern Belangen allenfalls auf Opposition macht.

Während SP und die Grünen sich für 4 Schwerpunkte engagieren, nämlich den Ausbau des Sozialstaates  (was die SP betrifft, so war das mal so, früher, in den guten alten Zeiten ...), gesellschaftliche Liberalisierung, Bildung und Forschung, Schutz der Umwelt und aussenpolitische Öffnung (europäische Integration, Weltbürger), konzentriert sich ihr Gegenpol, die SVP, auf nur 3 Schwerpunkte, nämlich: Restriktionen gegen Ausländer, eine starke Armee und Polizei (= Sicherheit für die Hablichen) sowie Sparen (bei den Armen, Steuern sparen für die Reichen).

So betrachtet die vielseitigste Partei ist der Freisinn, der nebst seinem eigenen, nicht mal überbetonten ! Schwerpunkt, der wirtschaftlichen Liberalisierung, sich noch um 5 weitere Punkte interessiert. Die CVP und die LPS verzichten auf die gesellschaftliche Liberalisierung. Es wird hieraus äusserst deutlich, welche Freiheit die Parteien meinen, die dauernd von Freiheit reden. Es geht ihnen, die alle eine starke Armee und Polizei wollen,  nicht um die Freiheit des Bürgers, sondern um Freiheit und Sicherheit derjenigen, die auch etwas zu verlieren haben.

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http://sotomo.geo.unizh.ch/

weitere politische Karten s.:

http://sotomo.geo.unizh.ch/papers/parlaKarte.99-03.pdf 

http://www.parlamentsspiegel.ch/welcome/parlaspiegel/parlaspiegel-de.html


POLITISCHE ENTSCHEIDUNGSPROZESSE

Es lassen sich in Demokratien zwei Ansätze unterscheiden:

1. Pluralismustheorie - Angewandt in Legislative und oberster Exekutive (Bundesrat):

o Mittelpunkt: repräsentative staatliche Machtausübung
o Experten: Beratungsleistungen, Effizienz + Effektivität im Mitteleinsatz
o Zieldefinition: von gewählten politischen Akteuren

2. Von der Theorie technokratischer Politikberatung - angewandt in der Verwaltung (eigentliche Exekutive)

o Variante der Elitetheorie
o Mittelpunkt: technisch ausgebildete Wissenseliten bzw. technisches Modell der Problemlösung > Expertokratie, das in der Schweiz übliche Modell der Verwaltung. Problem: Die Sachexperten sind als Beamte der Treuepflicht unterstellt. Sie haben getreulich ihren, von der Politik formulierten Auftrag, zu erfüllen. Die Politiker, die den Auftrag erlassen, sind keine Sachexperten. Volkstümlicher gefasst besteht das Problem, dass sich aus der Gewaltentrennung ergibt also darin, dass diejenigen die was von der Sache verstehen, keine Politik dazu machen dürfen, und diejenigen die nichts von der Sache verstehen, die Politik formulieren und damit die Aufträge vergeben.
o Zieldefinition: Umformulierung in technisch administrative Mittel

Welche Probleme aufgegriffen werden und wie sie gelöst werden liegt also an folgenden Personen und Institutionen:

Think Tanks haben also in der Schweiz eine weitaus geringere Chance, Einflüsse auszuüben als in den USA, wo der Prozess, trotz Demokratie, doch um einiges Präsidialer abläuft:
5 Stufen – Entscheidungsprozess
1. Bestellung einer Expertengruppe durch den Präsidenten
2. Problemdefinition durch Experten
3. Konsens zw. Journalisten, Wirtschaftsvertretern etc.
4. Erstellung eines Reformprogramms auf Grundlage einer Studie
5. „Propagierung“ des Programms über Massenmedien und Präsidenten

Die Presse, insbesondere die Regierungstreue, bildet hier ein gewichtiges Element, was bei der Propaganda zum Irakkrieg äusserst deutlich wurde. Dass hier mit Lug und Betrug gearbeitet wurde war von Anfang an klar. Durch die auflagestarke konservative Pressemacht konnte jedoch die Bedrohung durch den Irak der US-Bevölkerung eben so glaubhaft vermittelt werden, wie der Trugschluss, dass ein gewalttätiger Regierungswechsel im Irak die Sicherheit der Welt und die Situation im Irak verbessern würden. Da die US-Think-Tanks alle konservativ sind, also für Machtpolitik eintreten, habe sie alle diese wenig intelligente Strategie unterstützt, und belegen, das Think-Tank vielleicht was mit Militär *, aber wenig mit Denken zu tun hat.

* Leider kein Witz, sondern zeigt den undemokratischen Charakter dieser Art Institution:

Der Terminus Think Tank entstand während des Zweiten Weltkriegs in den USA. Er umschrieb einen abhörsicheren Ort (tank), an dem zivile und militärische Experten Invasionspläne schmiedeten und an militärischen Strategien feilten (think).

Think Tanks stehen zwischen Lobby, Medium und Beratung. Wie die Vorgaben zum Irakkrieg zeigen, wird hier weniger gedacht, als ideologisiert und propagiert. Mit Wissenschaft hat dies wenig zu tun, denn hier wird, analog zum Thesenjournalismus, nach Wissen gesucht, dass die eigene Ideologie stützt, Wissen unterdrückt, dass den eigenen Standpunkt in Frage stellt. Die Irak-Lügen des Präsidenten und seiner "Panzerdenker" kosten nun den US-Steuerzahler jeden Monat rund 4 Milliarden $. Die Kosten für die Irakis sind vor allem einige Millionen Arbeitslose sowie eine total vernichtete wirtschaftspolitische Infrastruktur.

Aber nicht nur für Schurkenstaaten, auch für die eigene Bevölkerung sind derartige Propagandaorganisationen schädlich: Ob es ganz allgemein um die Reduzierung der Staatsaufgaben, Privatisierung und Downsizen von Sozialprogrammen, drastische Steuerkürzungen, angebotsorientierte Wirtschaftspolitik, Negieren von Umweltschäden, Ausstieg aus internationalen Umweltvereinbarungen, medizinische Grundversorgung, Abtreibung, Minderheitenpolitik, Geschlechterrollen ... usw. geht oder um die Rolle der Vereinigten Staaten (unipolar, dominant, weniger "apologetisch") in der Weltpolitik: die richtigen Wahrheiten dazu findet man in den "wissenschaftlichen Expertisen" der Heritage Foundation, des Cato Institutes, des Manhattan Institutes und - last but not least - des American Enterprise Institutes (AEI) - vgl.hierzu: Die Prätorianer-Garde des Imperiums.

Sie nennen sich "senior fellows", "alumnis", "scholars" - alles Titel, die auf alterwürdige, ergo seriöse akademische Tradition hinweisen. Und sie schreiben Expertisen, täglich, wie bestellt: "Warum die Luftverschmutzung weiterhin abnehmen wird" (AEI) oder "Die neue Steuerkürzung bringt 61.000 neue Jobs in Texas"(Heritage).

s. auch: Stiftungen, Think Tanks, und Neokonservative in den USA Teil III: Think Tanks, Organisationen, Fellows und Scholars von Gudrun Eussner

Funktionen konservativer Think Tanks

a) Gewährleistung eines regelmäßigen Austausches zw. Vertretern der Wirtschaft, Wissenschaft und Politik
b) dadurch Bestimmung der politischen Agenda

Einfluss der Think Tanks auf die politische Agenda (USA):

Fischer, Frank: Die Agenda der Elite SS 2003: SE Neoliberalismus in Theorie und Praxis Amerikanische Think Tanks und die Strategien der Politikberatung © Michael Meznik & Daniela Fruhmann

FAZIT: 

Think Tanks sind problematisch für das Konzept der repräsentativen Demokratie

Gegenstrategien: Einrichtung neuer politischer Foren/Institutionen, die breitere Buergerbeteiligung und damit eine Demokratisierung der beschriebenen Mechanismen ermöglichen.

Think-Tanks gibt es aber nicht nur in den USA. Zu der Situation in Deutschland finden Sie einen ausgezeichneter Überblick unter Politikberatung in Deutschland:

Der Eindruck, die mit wissenschaftlichen Methoden arbeitenden Think Tanks trügen in jedem Falle zu einer Versachlichung der Urteilsbildung in Wirtschaft, Gesellschaft und Politik bei, ist somit nur sehr bedingt richtig. Mitunter ist das Gegenteil zutreffend. Think Tanks liefern bewusst oder unbewusst Argumentationshilfen für Akteure in Politik und Gesellschaft, die einerseits sachpolitisch engagiert sind, andererseits aber auch politisch motiviert und wertorientiert sind.

In Deutschland gibt es zwischen 80 und 130 Think Tanks (weltweit rund 3000, davon 50 Prozent in Nordamerika, 20 Prozent in Europa), je nachdem wie viele praxisorientierte universitäre Forschungsinstitute man dazurechnet. Mehr als 50 Prozent der Institute wurden in den vergangenen 25 Jahren gegründet. Der Anteil staatlich finanzierter Institute ist im internationalen Vergleich sehr hoch. Zu den finanziell und personell bestausgestatteten Denkfabriken – mit Jahresetats zwischen zirka 10 und 20 Millionen Mark und 30 bis 80 Mitarbeitern im wissenschaftlichen Bereich – gehören etwa ein Dutzend Einrichtungen der staatlich finanzierten außeruniversitären Forschung im Rahmen der Bund-Länder-Förderung, der Max-Planck-Gesellschaft, der Fraunhofer Gesellschaft und der Bundesforschungseinrichtungen.

Zum Typus der großen akademischen Denkfabriken gehören die sieben großen Wirtschaftsforschungsinstitute – Deutsches Institut für Wirtschaftsforschung (Berlin), Institut für Weltwirtschaft (Kiel), IFO-Institut (München), Rheinisch-Westfälisches Institut für Wirtschaftsforschung (Essen), HWWA-Institut (Hamburg), Institut für Wirtschaftsforschung (Halle), Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (Mannheim) – die großen außen-, friedens- und sicherheitspolitischen Denkfabriken (Stiftung Wissenschaft und Politik, Bundesinstitut für ostwissenschaftliche und internationale Studien, Deutsches Übersee-Institut, Hessische Stiftung Friedens- und Konfliktforschung, Institut für Friedensforschung und Sicherheitspolitik an der Universität Hamburg), einige europapolitische Zentren (Centrum für angewandte Politikforschung in München, Zentrum für europäische Integrationsforschung an der Universität Bonn) sowie Einrichtungen der praxisorientierten Sozial-, Umwelt- und Technikforschung.

Nur wenigen nicht-staatlich finanzierten Think Tanks und Stiftungen gelang es bisher, in die Größenordnung der akademischen Forschungsriesen vorzudringen. Zu nennen sind hier die Bertelsmann-Stiftung, aber auch das von der Deutschen Post AG ins Leben gerufene Institut zur Zukunft der Arbeit in Bonn. Zur Kategorie der advokatischen, interessen- und wertorientierten Denkfabriken gehören die Forschungsakademien der parteinahen politischen Stiftungen (Friedrich-Ebert-Stiftung, Konrad-Adenauer-Stiftung, Hanns-Seidel-Stiftung, Friedrich-Naumann-Stiftung, Heinrich-Böll-Stiftung, Rosa-Luxemburg-Stiftung) oder verbandsnahe Einrichtungen wie das arbeitgebernahe Institut der Deutschen Wirtschaft und das gewerkschaftsnahe WSI der Hans-Böckler-Stiftung. Andere Einrichtungen dieser stetig wachsenden Gruppe wie das Öko-Institut, das Wuppertal-Institut, das Frankfurter Institut, das IWG Bonn oder das Oswald-NellBreuning-Institut forschen inner-halb bestimmter Leitbilder wie Nachhaltigkeit, Marktwirtschaft oder soziale Gerechtigkeit, ohne dabei organisatorisch an Parteien oder Verbände gebunden zu sein.

http://www.derarbeitsmarkt.ch/upload/archiv/ama1233.pdf

Die Freistaaten Bayern und Sachsen unterhielten zwischen 1995 und 1997 eine Zukunftskommission, Baden-Württemberg zog 1999 nach. Zu den weltweit ältesten Instituten zählen in den USA das Carnegie Endowment for International Peace (1914), die Brookings Institution (1916) und der Council on Foreign Relations (1920), in Großbritannien die Fabian Society (1884) und das Royal Institute for International Affairs (1920) sowie in Deutschland das Kieler Weltwirtschaftsinstitut (1914) und das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (1925).

 

Think-Tanks in der Schweiz:

Von technokratischer Politikberatung zur Propaganda

Eine gute Bestätigung obiger These (letzter Abschnitt des vorgehenden Paragraphen) wie der Überschrift liefert in der Schweiz  http://(pas d')avenir-suisse.ch/. Da der Verein im Dezember einen Vorschlag zur Neoliberalisierung der schweizerischen Landwirtschaft (Hans Rentsch: Der befreite Bauer. avenir suisse) herausgegeben hat, muss ich mich damit befassen, obwohl es mit Denken nicht viel zu tun hat. Es handelt sich um ein Dokument von ergreifender Dämlichkeit: Weg mit Bodenrecht, weg mit Multifunktionalität, weg mit Direktzahlungen .... und vor allem weg, und zwar möglichst schnell, mit der Hälfte bis 2/3 der Bauern! Als Vorbild müssen die Österreicher herhalten ... die als Bauern fast halb so viel verdienen wie unsere, und vermutlich auch in Österreich nicht all zu feudal leben von 1500 Euro im Monat - für 7-Tagewoche bei 14-Stundentagen.

Die traditionellen Politikberater, die Thinktanks der Schweiz, waren nebst Rechtsanwälten und Bankiers, mit dem Thinktank Wolfsberg, die Ingenieur- und Beratungsbüros. Ein ausgezeichnetes Beispiel für die Vermischung von Politik und Ingenieursarbeit liefert der Zürcher Politiker Elmar Ledergerber, an dessen Büro econzept z.B. auch die Politikerin Barbara Haering tätig ist. ECONCEPT bearbeitet Probleme der Bereiche Energie, Verkehr, Umwelt - Public Management - Arbeits- und Wohnungsmarkt, Wettbewerbsfragen -Soziale Sicherheit, Integration und Beteiligung sowie Wissenschaftsmanagement.

Einer der bekanntesten Politikberater dürfte zur Zeit Claude Longchamps sein mit seinem Institut GfS: Schweizerischen Gesellschaft für praktische Sozialforschung.

Da für die meisten dieser Beratungsbüros die Politikberatung nur ein Nebenwerwerb ist, neben der Businessberatung, dürfte keine all zu kritische Haltung gegenüber der Wirtschaft vorherrschen. Zudem sind aller Berater als Propagandisten, und das, nichts anderes sind Think Tanks, höchst ungeeignet sein, denn sie sollen dem Beratung suchenden helfen, die für ihn richtige Lösung seines Problems zu finden, und nicht Moral und Gesinnung predigen, weder liberale noch sonst eine. Tun sie dies, verlieren sie an Glaubwürdigkeit.

Sachgebiete der Beratung:  
Managementberatung
 Unternehmensführung- und Managementberatung
 Marketingberatung
 Organisationsberatung
Personalbezogene Beratung
 Personalvermittlung
 Personal- und
Personalmanagementberatung
 Coaching und Mediation
 Kommunikationsberatung
 Entlöhnungsberatung
 Psychologische Beratung oder Gesundheits-und Lebensberatung
Technikbezogene Beratung
 Informatikberatung
 Technik- oder Technologieberatung
 Logistikberatung
 Bauberatung
 Politikberatung
 Beratung in Design und Gestaltung
Beratung in Recht und Finanzen
 Finanz- und Rechnungswesenberatung
 Beratung bei Prüfungstätigkeiten
 Steuerberatung
 Rechtsberatung
Sonstige Beratung
 Beratung in anderen Bereichen
Ökologieberatung.

Die Analyse des Beratungsmarktes durch die Fachhochschule Solothurn vom April 2002, an der 3000 Unternehmen befragt wurden (Rücklaufquote 16%), hat gezeigt, dass 37 % des Umsatzes von schweizerischen Beratungsunternehmen im Bereich Management-Beratung erzielt werden, also in der klassischen Unternehmensberatung. An zweiter Stelle folgt die personalbezogene Beratung, auf die rund 22 % des Beratungsmarktvolumens entfallen. Mit einem Anteil von immerhin noch 18 % am Gesamtumsatz liegt die technikbezogene Beratung an dritter Stelle. Politikberatung ist also offensichtlich noch ein Stiefkind. Laut der Adressdatenbank von Orell Füssli gibt es in der Schweiz rund 9'000 Unternehmen, welche sich auf Unternehmensberatung spezialisiert haben. Insgesamt hatten die Beratungsunternehmen im Jahr 2001 47'000 Angestellte, wovon rund 25'000 Beratende waren. Die Angestelltenzahl der Beratungsunternehmen ist in den letzten drei Jahren deutlich gestiegen. Zwischen 1999 und 2001 erhöhte sie sich um rund 25 % - dürften aber seither wieder etwas zurückgegangen sein.

Seit 1990 herrscht in den Wirtschaftswissenschaften ein neoliberaler Grundtrend. Alle Professuren wurden mit Anhängern dieser Glaubensrichtung bestellt. Diese haben nun ein Monopol der Problemselektion, Analyse und Interpretation.

Die SP und der Gewerkschaftsbund sehen nun offenbar als Lösung, die Einrichtung eines linken ThinkTanks oder eher Denk-Netzes. Als Gegenpol zur herrschenden einseitigen Information über ökonomische Grundgesetze wäre das sicher zu begrüssen, auf der Suche nach der Wahrheit ist dies allerdings nur ein weitere Organisation die Interessen vertritt und Meinungen statt Wissen kreiert. Kurzum: Propaganda.

1. Problem, ein generelles Problem linker Think-Tanks: Die alternativen Bewegungen links sind um einiges vielfältiger, freier und komplexer als der von rechten Thinktanks gepredigte Liberalismus, dementsprechend auch schwieriger zu vermitteln. Wenn in der Schweiz von Liberalismus geredet wird, dann handelt es sich immer (noch, seit der Französischen Revolution) um: Weniger Staat (ausser dessen Polizei und Armee sei nötig zur Sicherung des Eigentums), mehr Freiheit (für Unternehmer, allenfalls Autofahrer, nicht für Künstler, Einwanderer, Arme, Denker und andere schräge Vögel).

2 Problem: Eigentlich, nach der Wissenschaftstheorie, sollten Wissenschaftler nach objektivem Wissen suchen, nicht nach Argumenten für eine bestimmte These. Es fragt sich also, warum ein Think-Tank und nicht politisch-sozial-wirtschaftliche Forschung?

Think Tanks, wie die Vorbilder aus den USA, betreiben Propaganda statt Analyse. In der Schweiz haben wir nun aber 200 Jahre Erfahrung mit dem Liberalismus verschiedenster Provenienzen, 50 Jahre Erfahrung mit sozialer Marktwirtschaft - also eigentlich ausreichend Material, um mit Fakten statt mit Thesen operieren zu können, was Überlegenheit und/oder Grenzen des liberalen Modells betrifft. Optimierung statt Propaganda. Objektive Abwägung.

3. Problem: Der Schwerpunkt Sozialwissenschaft wird kaum viel zur Lösung bringen. SP ist traditionell zuständig für mehr Gerechtigkeit und ausreichend Freiheit der Armen gegenüber den Habenden. Da hilft die Soziologie etwas. Allerdings wichtiger wäre eine Ökonomie, die nicht als System konsequent das Geld dorthin befördert, wo eh schon ausreichend davon vorhanden ist. Die Ökonomie ist es, die Handlungsempfehlungen produziert, mir ihr muss man sich auseinander setzen. Die Sozialwissenschaften produzieren nur Analysen übler Zustände, denen dann von Seiten der Ökonomie und bürgerlichen Politik mit dem Argument Eigenverantwortung begegnet wird. Unergiebig, da eine 20/80 Verteilung für die freie Marktwirtschaft Wirtschaft ideal ist. Unergiebig, da ausreichende Bestände an Arbeitslosen für diese Wirtschaft ideal ist, sie fördert Zurückhaltung, Angst, Bescheidenheit, Gehorsam, Disziplin - die traditionell von rechts hochgehaltenen Werte.

Das Modell des Büro BASS (Beat Baumann und Tobias Bauer) sieht eine linke Denkfabrik vor, die laufend Positionspapiere erarbeitet oder in Auftrag gibt die der Linken jederzeit zu einer "handlungsleitenden" Positionen verhelfen und woraus Mittel- und langfristig ein neuer linker Gesellschaftsentwurf entstehen soll.

Wir sehen hier deutlich Problem 1. Während die Rechte Ihren Entwurf hat (der zwar veraltet und untauglich ist) und diesen predigt, sucht die Linke immer noch danach.

Das Projekt der beiden Ökonomen Serge Gaillard und Armin Jans sowie des GBI-Chefideologen Andi Rieger will keine "Denkstatt", sondern ein "Denk-Netz": Eine interdisziplinäre Arbeitsgruppe, die mehrheitlich aus Wissenschaftlern zusammengesetzt ist, trifft sich fünf Mal jährlich, um sich über neue Forschungsprojekte und -programme zu informieren und darüber zu diskutieren.

Auch hier wäre zu sagen, Denk-Netzt ja, Wissenschaftler ... ein klares jein. Wissenschaftler sind Spezialisten, Politik eine Sache für Generalisten. Wissenschaftler müssen meist nur ihrem eigenen Kreis verständlich sein, Politiker für die Masse. Wissenschaftler finden kein handlungsanleitendes Wissen, da sie gar nicht danach suchen können, auf Grund der Wertfreiheit der klassischen Wissenschaften. Handlung wie Politik sind aber in erster Linie Wertung und Wertsetzung.

Versuchen wir das Problem unter den Perspektiven Diagnose und Design aufzulösen:

Wissenschaftler sind die rechten Personen, um Probleme zu erkennen und zu analysieren. Aber meist wenig geeignet, diese der Bevölkerung zu kommunizieren.

Hier kommen die Medien ins Spiel, die allerdings je nach politischer Neigung bereits sehr selektiv mit der Vermittlung wissenschaftlicher (oder anderer) Erkenntnis umgeht. Da es DIE Linke als solche nicht gibt, beschränkt sich die Gemeinsamkeit oft auf einen extrem mühsamen Soziologenstil (s. WOZ), oder auf ein Beschwören der gemeinsamen Gesinnung (work). Beide Leibblätter der Linken haben so nur sehr beschränkte Reichweite. Klar ausgedrückt: Sie kommen nicht an das Volk heran. Zudem besteht kein gemeinsam anzustrebendes Wirtschaftsmodell - und genau hier liegt der Hase im Pfeffer.

Die wissenschaftliche Perspektive ist auch immer disziplinär, also nicht ganzheitlich, also zu eng um als Handlungsanleitung zu dienen. Die philosophische Vermittlung, die Rekonstituierung der Ganzheitlichkeit, fehlt heute.

Friedliche, aber offen und hart argumentierende, Bürger-Foren wären die demokratischen Medien der Gestaltung -

nicht militaristische Thinktanks, die Brainwashing betreiben.

Es fragt sich also, was ein linker Thinktank bringt, ausser einer Verstärkung des Schlagabtausches. In Anbetracht der Situation, sollte die Linke vielleicht doch nicht auf das selbe Mittel setzen und mit Banalitäten Propaganda betreiben, sondern genau diese Schwäche der rechten Propaganda  nutzen, die allerdings auch ihre Stärke ist, denn die Masse lässt sich natürlich mit einfachen Slogans leichter ansprechen als über komplexe Zusammenhänge. Dennoch bietet gerade das simplizistische Modell der Rechten breite Angriffsflächen:

Eine amerikanische Lösung:

They hang the man and flog the woman
That steal the goose from off the common,
But let the greater villain loose
That steals the common from the goose .

English folk poem, ca. 1764

Offenbar gäbe es aber auch Modelle für wirklich unabhängige Think Tanks, wie die New American Foundation (Peter Haffner: Risikokapitalisten im Ideenmarkt. Tagesanzeiger, 3. Nov. 2003. S. 49) zeigt. Die New America Foundation ist eine unabhängige, unparteiische und nicht Profit orientiertes Institut politischer Forschung. Es geht ihm nicht um die Stärkung von Parteipolitik, sondern um die Lösung, nicht nur die Analyse, sozialer, ökonomischer und gesellschaftspolitischer Probleme. Universitäten sind dafür nicht der rechte Platz, da sie auf Spezialisierung getrimmt sind. Thinktanks, die sich darauf beschränken, Politikern Argumentationshilfe zu leisten, sind für Forscher einigermassen uninteressant. An einer Organis

ation wie der NAF sind die Mitarbeiter frei, zu schreiben über das, was sie beschäftigt. Die Themen gehen vom Gesundheitsbereich, über Arbeit und Familie bis zum Kapitalmarkt und den gemeinen Gütern (commons, Allmend). Zu diesem immer wichtiger werdenden Bereich (s. www.diskussionsforen.ch) ist auch eine neue Website in Vorbereitung, mit dem ersten Beitrag: The State of the Commons 2003-2004. Dort werden zur Zeit kritisch diskutiert:

Die Aussage des Gründers, Ted Halstead: Wir nehmen kein Geld, das an Bedingungen geknüpft ist, fast zudem kurz und prägnant das akuteste Problem unseres Wissenschaftsbetriebes, insbesondere wo solcher durch Think Tanks (oder auch die öffentliche Verwaltung selbst, BUWAL z.B.) betrieben wird.

Martin Herzog, WEBDESIGN, Rheinfelden. 19. Oktober 2003

NEWS:

Ich selbst hab mich in der Zwischenzeit beim Club of Amsterdam (Beitrag zum Summit for the Future: Trade - Asian Leadership: Global Trade in Open Source as well as Public Goods and Services: From "Economy of Power" to a sustainable "Wise Economy" "angegliedert", der vom Basler Felix Bopp in Amsterdam gegründet wurde, weil die Schweiz seit jeher ein schwieriges Pflaster für derartige Unterfangen ist. Nötig wär' so was auch für die Schweiz. Aber um wirklich "frei" zu sein dürfte er eben weder von der Wirtschaft als Interessengemeinschaft (s. economiesuisse), noch von den Hochschulen, die ebenfalls ihre Leistungen verkaufen wollen, noch von der SP (Denknetz), bei der eh nur ihre eigenen Ideologie platz hat, betrieben werden. Man muss sich zwar auch in Amsterdam über das ständige Gequängel gegen den Staat und die Propaganda der armen unverstandenen Unternehmer ärgern, ja sogar zuweilen recht dämliche Lobhudeleien auf den Reichtum anhören wie die von Richard D. North ... umgekehrt müssen sich aber auch die beteiligten Wirtschaftshonoratioren (David Butler e.g.) sich durch umwelt- und sozialbewusste Philosophen und Soziologen nerven lassen. Es stossen hier also recht beträchtliche Differenzen aufeinander - und dennoch, und das ist das Erstaunliche wie Ergiebige daran, sind produktive Gespräche möglich.
 

Ideologische Ausgrenzung in einem Thinktank macht diesen zum Knorztank,
egal ob links oder rechts.

Die aktuellen Diskussionen zwischen Swissmem (Verband der schweizerischen Maschinen-, Elektro- und Metallindustrie) und economiesuisse (dem Dachverband der schw. Unternehmer) und zunehmend mehr Mitgliedern (Aluminium-Verband, Verband für visuelle Kommunikation, ...) zeigen, dass die Interessen von global orientierten und tätigen Giganten (Banken und Pharma) eben nicht die selben sind wie die von relativ kleinen, primär auf dem lokalen Markt operierenden Unternehmen, wobei eigentlich egal ist, welcher Branche sie angehören. Swissmem scheint ein Projekt "Swissmem 2007" im Auge zu haben,  dass sich mehr um den Werkplatz Schweiz kümmert als um globale Gigantomanie. Wenn es hier gelänge, einen Thinktank zu schaffen, der sich weniger mit der Propaganda von Herrschaftsstrategien befasst und mehr mit den Chancen für kleine und mittlerer Betriebe und Menschen ohne Grosskapital ... dürften die Propagandaforen von economiesuisse wie der SP beide sang und klanglos untergehen. Immerhin gab und gibt es in der Schweiz eine Unmenge an kleinen Betrieben, die so gute Produkte herstellen, dass sie diese weltweit verkaufen können, ohne sich deshalb gleich zu Beherrschern der Welt machen zu wollen. [s. Frauen arbeiten anders, s. die ehemalige Gaba ... aber s. auf der andern Seiten auch die Strategien der globalen Herrschaftszentren).

Ueberlegt man sich, was economiesuisse eigentlich so treibt: Rote und gelbe Karten verteilen wenn der Staat Geld ausgiebt um Schäden an Umwelt und Gesellschaft zu reparieren, grüne Karten, wenn er spart und sich selbst eliminiert, wenn man sich ansieht, wie unbedarft die Empfehlungen oft sind, so wird eigentlich klar, dass es sich dabei bloss um ein gut finanziertes PR-Organ international agierender Grossfirmen handelt - das mit Denken recht wenig am Hut hat.

Die Meldungen betr. des Austritts des Baumeisterverbands zeigt allerdings die Probleme:

Man will die eigenen Interessen besser vertreten - d.h. gleichzeitig, man sucht NICHT nach einer besseren Lösung für die Schweiz als ganzes, sondern bloss nach besseren Bedingungen für die eigenen Angelegenheiten.

Das Scheitern von economiesuisse zeigt als amüsantes Beispiel, warum sich die Wirtschaft normalerweise gegen zentrale Planung wehrt und für den freien Markt eintritt (es sei denn, die zentrale Planung sei zu ihren Gunsten, sei ihr eigenes Propagandavehikel). Jeder Plan setzt Ziele und fokussiert damit auf eine spezifische Entwicklung. Die an der Entwicklung beteiligten verfolgen aber meist sehr unterschiedliche Ziele - und werden von der Entwicklung auch sehr unterschiedlich be- und getroffen. Eher tragisch als amüsant ist an dem Falle, dass die Elite (als das sehen sich die Leute ja) bewiesen hat, dass sie nicht mal fähig ist, den Überblick über das eigene System zu behalten, nämlich die Wirtschaft. Wie viel Vertrauen verdienen also deren Äusserungen über Systeme, die sie nicht mal am Rande interessieren, nämlich Politik, Gesellschaft ... oder gar Umwelt und Natur? Richtig. Keines!

Schadenfreude ist allerdings keine angebracht, da die Kritiker und Opponenten von economiesuisse ihrerseits auch nicht mehr liefern als wohlfeile Propaganda. Wir hätten aber eine ganze Menge komplexer Probleme zu lösen, gemeinsam, denn auch Links kann nichts verteilen, wenn die Wirtschaft nicht funktioniert.

Positiv ist, dass sich die eher inwärts gerichteten Kreise auch für erneuerbare Energien interessieren, die ohne intakte Strukturen auf dem Land nicht zu haben sind.

Positiv ist, dass angewandte Forschung, präziser das Ingenieurswesen, von Schneider-Ammann wieder mehr ins Zentrum gerückt wird, denn der Ingenieur (oder die Ingenieuse) wären eben die Personen, die sich um die Art von Forschung kümmern sollten, die in Anwendung geht. Hier besteht allerdings noch ein riesiges Verständnisdefizit, nicht nur bei der Industrie, sondern leider vor allem bei den ausbildenden Institutionen, mögen diese sich nun ETH, Fachhochschule oder sonst was nennen. Das Problem wurde einigermassen verständlich (I guess ...) erläutert unter: Wissenschaft - die gestaltende: poietik, Forschung - die angewandte: phronesis/prudentia - also lassen Sie sich nicht von den seltsamen griechischen Wörtern irritieren und abhalten. Die tragen nämlich eine Menge bei zur Klärung eines gegenwärtig beträchtlichen Salates in den heutigen Wissenschaften.

Negativ ist, dass es sich bei economiesuisse wie andern sog. (müsste man gross schreiben ...) Think-Tanks eigentlich meist um Interessevertretungen, also PR-Organisationen handelt. Als solche tragen sie zur Wahrheitsfindung und objektiven Optimierung von Strukturen und Prozessen, also dem eigentlichen Ziel des Denkens, rein gar nichts bei. Reto Nause von der CVP argumentiert zur Zeit sogar, dass von einem Zwist innerhalb der Rechtsparteien nur die Linken profitieren, dass pointierte und klare Positionen nötig sind. Dies ist die strategisch-taktische Argumentation. (Wobei man sich bei dieser spezifischen schon fragen muss, ob Links mit dem "seid nett miteinander", Mitte-, hübsch- und Frauenfaktor Doris Leuthard nicht ganz einfach über den Tisch gezogen wird und die C-Partei noch immer pfaffenschwarz ist im Kern.).

Hier stimmt die Kritik der SVP betr. übermässigem Aufwand, denn die SVP treibt 2/3 der Schweiz in den Wahnsinn mit bloss 12 Leuten im Sekretariat, während economiesuisse dazu 60 Angestellte braucht - aber auch nicht mehr liefert als Propaganda.

Andererseits stammt auch die einzigen positiven Kommentare von Lucrecia Meier-Schatz, ebenfalls CVP, die eine Chance für mehr Transparenz sieht: Wenn klar ist, wer warum welche Meinung vertritt, dient das nur der Glaubwürdigkeit der Sache. Das ist positiv. Recht so, das wäre der nötige Schritt von einer Politik des Taktierens und Ränkeschmiedens (dass sich nie ganz aus der Politik entfernen lassen wird, da es um Macht geht) zu einer Politik des offenen Dialogs über sachliche Argumente.

Negativ ist, dass diese Interessenvertretung der Baumeister nun vor allem über den Gewerbeverband laufen soll, denn diese Gewerbeverbände sind zumeist (ich komm' aus dem Aargau), extrem kleinkarriert, bünzlig, abgeschottet und extrem borniert in ihren Interessen (Nieder mit der Landschaftsplanung! Weg mit Einsprachen!! Freie Bahn den Betonmischern!!!) ...  Ihr Denkhorizont ist in etwa der der SVP. Sie betreiben Kirchturmpolitik (als esprit de clocher auch im Französischen bekannt), kümmern sich also gerade mal um das, was von ihrem Türmchen aus sichtbar ist (Musterbeispiel hier die bürgerlichen Beiträge zur Wissenschafts-, Forschungs- und Bildungspolitik]. Das wäre nun des Guten zuviel. Die Schweiz ist von Import wie Export abhängig. Die Schweiz war immer dort am erfolgreichsten (s. Ciba, Sandoz, Novartis, Nestle, Banken - aber auch Rotes Kreuz u.v.a.), wo sie (na ja ... einige ihrer Vertreter ..) weltoffen agiert hat. Die Schweiz lebt nicht von Grossbetrieben und Grossem Geld alleine (das war der Fehler der economiesuisse-Propaganda), aber eben doch auch davon. Sie hat die selben Probleme wie Deutschland, die Wirtschaft aus dem Inlandkonsum heraus zu entwickeln. Je stärker aber China und Indien werden, desto bedeutender der lokale und regionale Konsum lokal und regional produzierter Güter - die an die lokalen kulturellen Bedürfnisse so gut angepasst sind, dass Massenproduktion und damit Kopieren nicht möglich sind - weil es nicht rentiert. Hat die Wirtschaft bis anhin den Massengeschmack gefördert (Mc Donalds als Musterbeispiel, Presse als vielleicht heikelstes Beispiel), wird wohl bald die Umkehr folgen, und damit eine (neue) Phase der Spezialitäten. Denn, mit den arbeitsamen Chinesen in einen Wettstreit um Löhne und Produktivität treten zu wollen, dürfte das Ende des Kapitalismus bedeuten, seine Vernichtung durch Überproduktion - präzise wie dies Marx vor 150 Jahren vorausgesagt hat.

Fazit:

Nebst den wirtschaftlichen Interessenvertretungen, die offensichtlich immer nur beschränkte Ziele anstreben, braucht es eine Organisation, die Einzelinteressen wieder in das Gesamtsystem "reindenkt". [s. Von Struktur- zu Funktionspolitik] "Der Markt" denkt nicht (auch wenn einzelne Marktteilnehmer das tun), er probiert. Und die Kosten diesen Rumprobierens werden meist von den Schwächsten bezahlt - durch Lohn- oder gar Existenzverlust.

Befreit das Denken aus den "Kirchtürmen" [der Betriebswirtschaft]!


Weitere Beiträge zum Thema, aus Brainworker's Denkwerkstatt:

Chancen für mehr Internet-Journalismus

www.club-of-basel.ch (25.5.09)

M. Herzog, Basel