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Martin Herzog

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  1. Gedanken zum IQ
  2. Was ist das eigentlich, der IQ ?
  3. Intuition und Kreativität
  4. Intelligenz, Präsentation, Erfolg - Über die Dummheit
  5. Gehirn und Gedächtnis
  6. Zur Vererbung der Intelligenz
    1. Der Flynn-Effekt
  7. Die Abhängigkeit des regionalen IQs von der Wirtschaftslage

4. Intelligenz und Präsentation

Dass es sich bei der Verknüpfung von Intelligenz und Lebenserfolg um eine Fehleinschätzung handelt, das heisst eine deutliche, fast tragische, Überschätzung der Bedeutung primär abstrakter Denkprozesse und mechanisch-technischer Phänomene, zeigt die von Liedke www.newhealth.de/RI/ri3_1.php präsentierte Beschreibung von Talkshows:

Das Arbeitsvermögen ist nichts, wenn es nicht verkauft wird.

Karl Marx

Sich präsentieren, reden und sich darüber an andere so gut wie möglich "verkaufen", ist wohl seit Urzeiten eine der wesentlichen Essenzen in unserem Leben.

 

Enten legen ihre Eier in aller Stille. Hühner gackern dabei wie verrückt. Was ist die Folge? Alle Welt ißt Hühnereier.

(Henry Ford, amerikan. Industrieller, 1885-1945)

Veranstaltungen, die Sprachkommunikation in den Mittelpunkt stellen erscheinen daher, zumindest auf den ersten Blick, primär eine Bühne für Intelligenzformate mit übergewichtig deklarativen Gedächtnisfunktionen.

Das dem oft nicht so ist liegt daran, dass in vielen Fällen deren Zielsetzung eben nicht eine Qualität von Sprachinhalten verfolgt, sondern eher einer Erzeugung hoher Sprachmengen von schlichter Qualität. In einer Talkshow geht es meist nicht so sehr um intellektuelle Diskussionen oder geistige Auseinandersetzungen, sondern um Show- und Unterhaltungs-Elemente, die den Begriff Information als Aufhänger nehmen. Interessant ist somit all das, was emotionale Reize erzeugt, also positive oder negative Gefühle. Es kommt also weniger darauf an, mit klugen Fakten zu glänzen, als emotional anzusprechen und mit optischen Wirkungen auf dem öffentlichen Markt zu bestehen. Fachthemen sind da eher unwichtig.

Paturi Principle:

Success is the result of behavior that completely contradicts the usual expectations about the behavior of a successful person.

Offensichtlich fördert eine formal höhere Menge an Sprach-"Output" das Image. Somit liegen dort eher solche Teilnehmer gut im Rennen, die viel reden - wenn dabei auch weit mehr Unsinn - als jene deren Statements nur kurz dafür korrekt sind. Wer sich somit dauernd vordrängelt und rasch und viel daherschwafelt wird offensichtlich oft besser bewertet als die langsameren Konkurrenten mit wenigen dafür aber substanziierten Aussagen.

Um eine gute Position in einer Talkshow zu erreichen braucht es somit nicht den Nachweis abstrakter Intelligenz, sonder geeignete Präsentation, Ausstrahlung. Wer kein spezifisches Image aufbaut, kann von den Zuschauern nicht emotional beurteilt werden und bleibt für diese neutral, ohne Gefühlsanreize.

Und wenn ich sage, dass oft auch die weisesten und klügsten Menschen in aller Welt, im Umgange und in Erlangung äußerer Achtung, bürgerlicher und andrer Vorteile ihres Zwecks verfehlen, ihr Glück nicht machen, so bringe ich hier weder in Anschlag, dass ein widriges Geschick zuweilen den Besten verfolgt, noch dass eine unglückliche leidenschaftliche oder ungesellige Gemütsart bei manchem die vorzüglichsten, edelsten Eigenschaften verdunkelt. Nein! meine Bemerkung trifft Personen, die wahrlich allen guten Willen und treue Rechtschaffenheit mit mannigfaltigen, recht vorzüglichen Eigenschaften und dem eifrigen Bestreben, in der Welt fortzukommen, eigenes und fremdes Glück zu bauen, verbinden, und die dennoch mit diesem allen verkannt, übersehn werden, zu gar nichts gelangen.

 Woher kommt das? Was ist es, das diesen fehlt und andre haben, die, bei dem Mangel wahrer Vorzüge, alle Stufen menschlicher, irdischer Glückseligkeit ersteigen? - - Was die Franzosen den esprit de conduite nennen, das fehlt jenen: die Kunst des Umgangs mit Menschen -- eine Kunst, die oft der schwache Kopf, ohne darauf zu studieren, viel besser erlauert als der verständige, weise, witzreiche; die Kunst, sich bemerkbar, geltend, geachtet zu machen, ohne beneidet zu werden; sich nach den Temperamenten, Einsichten und Neigungen der Menschen zu richten, ohne falsch zu sein; sich ungezwungen in den Ton jeder Gesellschaft stimmen zu können, ohne weder Eigentümlichkeit des Charakters zu verlieren, noch sich zu niedriger Schmeichelei herabzulassen. Der, welchen nicht die Natur schon mit dieser glücklichen Anlage hat geboren werden lassen, erwerbe sich Studium der Menschen, eine gewisse Geschmeidigkeit, Geselligkeit, Nachgiebigkeit, Duldung, zu rechter Zeit Verleugnung, Gewalt über heftige Leidenschaften, Wachsamkeit auf sich selber und Heiterkeit des immer gleich gestimmten Gemüts; und er wird sich jene Kunst zu eigen machen; doch hüte man sich, dieselbe zu verwechseln mit der schändlichen, niedrigen Gefälligkeit des verworfenen Sklaven, der sich von jedem missbrauchen lässt, sich jedem preisgibt; um eine Mahlzeit zu gewinnen, dem Schurken huldigt, und um eine Bedienung zu erhalten, zum Unrechte schweigt, zum Betruge die Hände bietet und die Dummheit vergöttert!

Freiherr von Knigge: Über den Umgang mit Menschen. 1790

Der extravertierte pk-Typ verlegt sich da auf limbische Manöver und nutzt Charisma, körperliche "overexpression", exzentrische Kleidung , persönlich Anekdoten (kurzum der Kübelböck-Faktor). Hierbei kommt ihm zu Hilfe, dass sein Gedächtnis nicht primär auf abstrakte Fakten, sondern auf persönliche Erlebnisse fokussiert ist, die beim Publikum auf mehr Interesse stossen als Wissensfakten.

Liedke vergleicht das Verhalten in Talkshows mit der Kommunikation in der Tierwelt: Die Tierwelt benutzt ihre Kommunikation ja weit mehr als ein Mittel zur gegenseitigen Manipulation statt einer Vermittlung von Informationen, geschweige denn von Wahrheiten. Dass Intelligenz zur Manipulation benutzt wird, ist besonders bei der emotionalen/sozialen Intelligenz eine Gefahr.

Die Verwertung von Resultaten intelligenter, also meist intellektueller Tätigkeiten, scheitert aber oft bereits lange vor der körperlich-emotionalen Präsentation, nämlich am Text. Nietzsche bemerkte bereits dass sich durch eine gute Novelle oft mehr über Sozialwissenschaften lernen lässt als durch wissenschaftliche Texte der Soziologen, Ökonomen, Psychologen oder Politiker. Der Grund dafür liegt weder in der fehlenden Intelligenz der Leser, oder der falschen, weil zu einseitigen Intelligenz der Schreibenden, der Grund dafür liegt zumeist in der Zielsetzung. Der wissenschaftliche Text soll die Zugehörigkeit des Schreibenden zum Stamm einer bestimmten wissenschaftliche Disziplin belegen und verstärken und so der Karriere dienen. Verständlichkeit ist dabei Nebensache. Aus der Perspektive der Schreiber ist dieses Vorgehen aber hinsichtlich befriedigender Lebensführung in persönlicher und wirtschaftlicher Hinsicht sowie für eine aktive Teilnahme am gesellschaftlichen Leben unter den gegebenen Verhältnissen  (publish or perish) eindeutig richtig. Hierin dürfte der wichtigste Grund liegen, warum die Kluft zwischen Forschung und Anwendung immer noch recht gross ist. Die Anwender gehören ganz einfach zu einem anderen Stamm - und der Umgang zwischen den neuen Stämmen ist, auch in Poppers offener Gesellschaft, voller Hindernisse.

Selbst bei höchsten IQ's kann also der wirtschaftliche und soziale Erfolg und die öffentliche Anerkennung ausbleiben, wenn soziale und emotionale Komponenten der Intelligenz unterentwickelt sind. Verständlicher ausgedrückt hat das der Freiherr von Knigge, der weitaus intelligenter und lesenswerter ist, als man es auf Grund der Tatsache, dass er dauernd für irgendwelche Dressurmassnahmen herhalten muss, denken könnte.

Der klassische IQ vernachlässigt biologische Zielsetzungen, emotionale und motorische Informationsprozesse.

Eine praktisch anwendbare und zum Erfolg führende, "lebenstüchtige" Intelligenz kann nur aus einer mit der gegebenen Umwelt und in sich selbst harmonisierenden Kombination der unterschiedlichen Intelligenzfaktoren entstehen:
  • kinetische (motorische) Intelligenz
  • mathematische Logik
  • räumliches Denken
  • assoziatives Denken
  • Sprachintelligenz
  • musisches Verständnis
  • soziale oder emotionale Intelligenz

Alle IQs vernachlässigen die Tatsache, dass es über der Vernunft noch die Weisheit gäbe, welche Handlungen einer intuitiven ethischen Bewertung unterwerfen.

Martin Herzog Webdesign Rheinfelden he www.brainworker.ch 24.7.03

Ergänzungen vom 4.3.04:

IQ - Prüfungen - und die reelle Arbeitswelt

Analyse:

Meritocracy, Cognitive Ability, and the Sources of Occupational Success Robert M. Hauser. CDE Working Paper No. 98-07.  http://www.ssc.wisc.edu/cde/cdewp/98-07.pdf

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Über die Dummheit.

[Horst Geyer. VMA-Verlag Wiesbaden 2007 (repr. 1954)]

Definition der Dummheit:

Dummheit, die mangelhafte Fähigkeit, aus Wahrnehmungen richtige Schlüsse zu ziehen. Dieser Mangel beruht teils auf Unkenntnis von Tatsachen, die zur Bildung eines Urteils erforderlich sind, teils auf mangelhafter Schulung des Geistes oder auch auf einer gewissen Trägheit und Schwerfälligkeit des Auffassungsvermögens. (nur letzteres wird durch den IQ erfasst)

Definition Intelligenz::

Das Ganze aller Begabungen, aller Werkzeuge, die zu irgendwelchen Leistungen in Anpassung an die Lebensaufgabe brauchbar sind und zweckmässig verwendet werden, nennen wir die Intelligenz.

Jaspers

Das Mittel, dessen man sich zur Lösung von Aufgaben bedient, ist ist in erster Linie das Denken. Intelligenz ist also im wesentlichen Denkfähigkeit. Man meint damit vor allem die allgemeine geistige Leistungsfähigkeit, ungeachtet einiger Teilbegabungen oder Begabungslücken für bestimmte Teilgebiete.

Unter dem Denken versteht man die gesamte Verstandestätigkeit: Die Erkennung des Wesentlichen (Begriffsbildung, Abstraktion), die Erfassung von Beziehungen, die Trennung (Analyse) und Verknüpfung (Synthese, Kombination) von Vorstellungen und Begriffen, das Schlussfolgern und Urteilen (Stellungnehmen).

Das wichtigste Instrument des Denkens ist die Sprache. Denken und Sprechen können nicht scharf getrennt werden. > Diese Aussage liegt präzise der Sprachanalyse zugrunde.

Geistige Leistungsfähigkeit (Intelligenz im alten Sinne) hängt nicht bloss von Denkvermögen (neue Intelligenz) und Gedächtnis ab, sondern auch von zahlreichen Gefühls- und Willenseigenschaften, also von charakterlogischen Bedingungen, zum Beispiel von der Aufmerksamkeit (Interessiertheit), Grundstimmung, Antriebslage, Ausdauer, Ermüdbarkeit, Anspruchshöhe, Antriebslage (Motivation), Ablaufgeschwindigkeit seelischer Vorgänge, etc.

Klugheit unterscheidet sich von der Weisheit dadurch, dass sie nicht wie diese auf die Beschaffenheit der Zwecke, sondern, auf die der Mittel gerichtet und daher als Wahl verständiger, d.h. zum Ziel führender, der Torheit als der Anwendung verkehrter Mittel entgegengesetzt ist. [S. 36]

Klugheit ist also nicht das Selbe wie Intelligenz, da sie sich bereits als Mittel zu einem bestimmten Zweck einsetzen lässt. Sie steht zwischen Intelligenz, dem Werkzeug, und der Weisheit, die über Zweck und Ziel entscheiden. Dummheit beruht allerdings auch oft auf affektiver Intelligenztrübung, durch die Intelligenz eingesetzt als Mittel zur Erreichung törichter Ziele.

Zeitgemässe Dummheiten um 1950 und einige Beispiele:

Ein baumlanger herkulischer oldenburgischer Knecht, mit geringer intellektueller Ausstattung, geriet an ein Maschinengewehrnest, das nicht einzunehmen war. Mit dem Ruf: Das will ich jetzt wissen, stürmte er darauf los, was beim Schützen offenbar zu einer derartigen Verdatterung führte, dass er nicht mehr feuerte - und eine Granate abbekam, der Held das Ritterkreuz. Oder ein tauber Feldweibel, der heiter lächelnd, erhobenen Hauptes durch den Kugelhagel zu den Verwundeten schritt, was bei den Schützen vermutlich ebenfalls eine solche Verwunderung hervorrief, dass gezieltes Feuer ausblieb.

Louis Häusser: Ein Wanderprediger in härenem Gewand, mit struppigem Vollbart, Sandalen an den Füssen, von Jüngerinnen verfolgt, wetterte gegen Nikotin, Alkohol und "giftiges" Fleisch. Anlässlich einer psychiatrischen Behandlung kam heraus, dass er zuvor in Paris ein bekannter Sektfabrikant und Lebemann gewesen sei. Der Unterschied ist, psychologisch betrachtet, gering, denn es geht in beiden Fällen darum, "dummen" Menschen zwecks Triebbefriedigung zu imponieren, sei es durch Frack oder Abstinenz und Rohkost.  Heute wäre beides ja eh bloss eine Marketingstrategie.

Sich dumm stellen wurde erfolgreich als Strategie eingesetzt von:

Intelligenz ist von Nachteil, wenn der Vorgesetzte merkt, dass die von ihm Abhängigen ihm überlegen sind. Intelligenz könnte das umschiffen

H. Hector: Intelligenz als Nachteil (Sozialpsychologische Anmerkungen. Internationaler Kongress für Psychotechnik, Göteborg, 1951)

gedenkt seiner unglücklichen Intelligenten, die so lange nicht vorwärtskommen, bis sie endlich einen Schafskopf von Chef finden, für den sie denken dürfen, während er repräsentiert. Im Grunde laufen derartige Ueberlegungen darauf hinaus, dass eine Unsumme von Intelligenz nicht zum Zuge kommt, weil "man", der Unverstand nämlich, sie nicht zum Zuge kommen lässt. Ich persönlich bin der ketzerischen Meinung, wo wenig Wolle ist, kann nicht viel gesponnen werden. Die durchschnittliche Struktur der sozialen Ordnung stützt sich zu Recht auf den Durchschnitt menschlichen Verhaltens, also auf die Dummheit, und sie handelte selbst töricht, täte sie das nicht. (s. schizoide Persönlichkeitsstörung, Theoretiker/schizoider Charakter): 

Reine Intelligenz ohne Einfühlungsvermögen, Fingerspitzengefühl, Takt und (meinetwegen berechnende) temporäre Zurückhaltung sind asozial. (s. schizoid) Das liegt in der Natur der Sache. Denn sozial sein heisst sich einordnen und anpassen können, und das ist wiederum nicht möglich ohne Verzicht - sowohl auf triebhaftes emotionales, als auch auf intellektuell egoistisches Wollen. Aggressive Intelligenz ist nur möglich, wenn sie sich vorher ein Glacis geschaffen hat, das von der Dummheit selbst mit vereinten Kräften einschliesslich der Niedertracht nicht gestürmt werden kann. [S. 310]

Hohe Intelligenz ist meist indifferenziert gegenüber politischen Ansichten, sie machen sie oft gedankenlos mit, weil sie darin nur nebensächliche zeitgebundene Narreteien sehen - ganz ähnlich übrigens wie die Künstler, die immer und zu allen Zeiten, "bei Hofe" ihre Künste haben würdigen lassen - einerlei, ob es sich um einen Potentaten von Gottes Gnaden, um einen Präsidenten von Volkes Gnaden oder um einen Diktator von eigenen Gnaden handelt. [S. 311]

Intelligent sein bedeutet heute mehr denn je Gefahr (1952 geschrieben, gilt aber nach wie vor, wenn man Gefahr nicht politisch sondern wirtschaftlich definiert) - nicht nur für die Allgemeinheit, auch für den einzelnen. Es dürfte sich daher empfehlen, etwaige Klugheit zu tarnen. Und hier liegt die grosse, die einmalige Chance für alle Dummen in unserer Zeit: sie können so tun, als seien sie getarnte Genies. [S. 313]

Unwissenheit ist die notwendige Bedingung - ich sage nicht des Glücks - sondern des Daseins überhaupt. Die Empfindungen, die es uns angenehm oder doch erträglich machen, entstammen der Lüge und nähren sich von Illusionen.

Anatol France

Aphorismen:

Die Vernichtung der Menschheit im eigentlichen Wortsinn droht von den Klugen.
Die Dummen hätten die Atombombe ebenso wenig erfunden wie das Schiesspulver.
[S. 319]

Ein russisches Sprichwort sagt: Auch die tauben Nüsse sind Früchte Gottes - und er meint damit die geistig Armen.

Die progrediente Volksverdummung unserer Tage ist die Folge des Zusammenwirkens des Aufstiegs der Massen mit dem Abstieg der Eliten. Der Abstieg ist ein bildungsmässiger. Es fehlt die Zeit zur Autodidaktik.

Betrachtet man hinterher das, was nicht in den Nachrufen steht, die von einem überragenden Manne der Wirtschaft sprechen - so war sein Dasein ein törichter Lebenslauf, eine Erfolgshatz, das die eigentlichen Werte des Menschlichen nicht gekannt hat. [S. 323]

Der Gebildete ist grundsätzlich sein eigener Lehrer und Erzieher; er ist ein echter Autodidakt. [S. 324]

Epilog

Weil die Dummheit in der Regel mehr Glück hat als Weisheit, so ist es eigentlich schon eine halbe Dummheit, wenn man nach Weisheit trachtet. Wie oft hat der Gescheite einen Moment, wo er sich wünscht, recht dumm zu sei! Der Dumme hingegen wünscht sich nie, gescheit zu sein; er glaubt ohnedem, dass ers ist; und in dieser Meinung liegt schon eine Art von Glückseligkeit - während das Vielwissen und die ganze Gescheitheit zu gar nix gut is, als dass es einem Kopfschmerzen macht.

Johann Nestroy

Paralipomenon

Im Bewusstsein ihrer moralischen Fleckenlosigkeit geht die Dummheit mit heiteren Gebärden durchs Leben und tritt unbeschwert vor Gottes Thron: hier bin ich Herr, wie du mich geschaffen hast.

Die Klugheit beginnt und endet im Zweifeln. Sie ist sehr im Nachteil, weil auf einen Klugen ungezählte Dumme kommen, die ihn umschwärmen und peinigen, wie Insekten ein starkes Tier quälen.

Matias Claudius

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Ergänzungen vom 27. April 2005:

IQ -Schulbildung - und die Auswirkungen auf die (bezahlbare) Wohnqualität

Dass Menschen mit (zu) tiefer oder (zu) unangepasster Intelligenz jedoch ein hohes Risiko tragen, am Rande der Gesellschaft zu landen, zeigt sich z.B. in Basel (Seit dem 1.4.2005 ist das Industrie-Arbeiter-Quartier Klybeck der neue Standort von www.brainworker.ch. Die Nachbarschaft zu Deutschland und insbesondere Frankreich bietet allerdings gastronomisch beträchtliche Vorteile). Je höher das Bildungsniveau (das ja Resultat langjähriger und vielfältiger Intelligenztests ist), desto höher die Chancen, dass sich der/die Betreffende eine Wohnung im Zentrum oder in der grünen Peripherie leisten kann (Immerhin wurde Riehen per Test zu dem Ort mit der höchsten Wohnqualität der Schweiz bestimmt. S. CASH, vollständiger Artikel als pdf, 5.5 mb). Je tiefer Ausbildung (und Intelligenz), desto höher das Riksio, in einem Wohnsilo zu landen. [Die Basler Statistiker liefern hier ausgezeichnete Quartierporträts von Basel.] ... Ich muss allerdings zugeben, dass es auch in Riehen erschwingliche Wohnungen gäbe, allerdings habe ich optimiert nach gastronomischer Vielfalt (Nähe zu Frankreich und Deutschland) und städtischem Forum - nach der Provinzialität Rheinfeldens. Diese generellen Städterankings sollten also nicht zu ernst genommen werden, da die Wertungen der Lebensqualität individuell doch sehr unterschiedlich aussehen können.

Obwohl man aus den beiden Graphiken schliessen könnte, dass Ausländer eben einen tiefern IQ haben als die Schweizer, ist dem nicht so, denn:

es handelt sich meist um bildungsschwache, ungelernte, die so nicht nur geographisch, sondern auch sozial "am Rande" (der Schweiz) leben.

Weitere Belege zu meiner Kritik an kulturübergreifenden Intelligenztests (Pisa z.B.) lassen sich leicht finden. Obwohl innerhalb Basels die "Intelligenz" auch nach Mietkosten verteilt ist, sind die Unterschiede in der Region noch deutlicher. Basel zieht gut ausgebildete an - auf dem Lande fehlen sie. Wir sehen die deutliche Häufung in den Orten mit tiefen Steuern, aber gehobener Wohnqualität, wie Binningen, Botmingen, Oberwil .. Olsberg, Magden - und den Brain-Drain im ruralen Süden und Osten der Region.

Eindrücklich auch die Insel "Pratteln", zwischen Basel und Rheinfelden, eine Folge

  1. des tiefen Ausbildungsniveaus der hier angesiedelten ausländischen Hilfskräfte

  2. des Wegzugs derjenigen Einheimischen, die es sich leisten konnten,  aus diesen vorwiegend von Ausländern bewohnten Quartieren.

Das nicht gerade berauschende Niveau von Basel (besonders im Vergleich zu Zürich ...) dürfte auf ähnliche Ursachen zurückzuführen sein.

Für so etwas wie Pisa müsste also nicht bloss nach Zugehörigkeit zu eher ländlichen oder städtischen Gegenden, sondern auch nach Zugehörigkeit zu solchen Wohninseln stratifiziert werden, in denen sich reiche Städter auf dem Land, und wenig gebildete Hilfskräfte in Städten und Vorstädten sammeln. Damit scheinen die Urheber aber masslos überfordert ...

Noch tragischer aber sind die wirtschaftlichen, politischen und sozialen Folgen dieser neuen Differenzierung von Stadt und Land. In den Städten massiert sich Kapital und Wissen, mit dem rational produziert werden kann. Auf dem Land ... werden die Bauern, die, analog zum Schach, in einem Spiel mitspielen, in dem sie kaum Bewegungsfreiheit haben, mit Gemeinplätzen betr. Wettbewerb und Anpassung abgespeist.  Wenn Sie obiges oder untenstehendes Bild mit nebenstehendem, etwas kleinerem, der selben Region vergleichen (je blauer desto produktiv, je grauer, desto, eben, grau), sehen Sie deutlich die Übereinstimmung.  Intelligentere, besser geschulte, können grössere Mengen an Daten verarbeiten, behalten den Überblick über grössere Projekte, füllen ihre Formulare rascher aus und versenden ihre Bits rascher. Konnte aber auf dem Land der Bauer bis anhin, wenn auch mehr schlecht als recht, überleben, so geht er unter, wenn Produktivität, die ja nicht Arbeit, sondern erzeugtes Geld, Mehrwert, bedeutet, das Mass aller Dinge wird. Der Bauer, dem die Produktivitätsmaxime das Existenzrecht abspricht, steht vor dem selben Nichts wie der/die schlecht ausgebildete, oder falsch ausgebildete, oder vom Trend am Rande liegen gelassene. (S. Produktivität und Restrukturierung für die gesamtschweizerische Darstellung sowie weitere Kommentare).

http://www.bfs.admin.ch/bfs/portal/de/index/themen/industrie_und_dienstleistungen/uebersicht/blank/publikationen.Document.25965.html

M. Herzog, Basel, 16.6.05