Webmaster und Internet-Redaktor

Martin Herzog

hewww@brainworker.ch

search/Index/Themen

sitemap

home

Hilft Bildung gegen Arbeitslosigkeit?

Gedanken zum IQ

Die (höhere) Bildungspolitik der Schweiz

Das tertiäre Bildungssystem der Schweiz

Wie entwickelt sich die ETH?

Die Ingenieure und ihr Arbeitsmarkt

Dipl. Forsting. ETH - Currculumsentwicklung

Weiterbildung in der Schweiz

Weiterbildung in Deutschland

Dialektik im Internet

Lernen im Internet

Selbst Lernen

3. Intuition und Kreativität

  1. Gedanken zum IQ
  2. Was ist das eigentlich, der IQ ?
  3. Intuition und Kreativität
  4. Intelligenz, Präsentation, Erfolg
  5. Gehirn und Gedächtnis
  6. Zur Vererbung der Intelligenz
    1. Der Flynn-Effekt
  7. Die Abhängigkeit des regionalen IQs von der Wirtschaftslage

Intuition ist das, was eine Frau befähigt, zwei und zwei zusammenzuzählen und zu jedem Ergebnis zu kommen, das ihr passt.

Bonmot

Definition INTUITION: Intuition (lat. intueri, hineinsehen) ist ein psychologischer und philosophischer Begriff der den Prozess der direkten Wahrnehmung und Erfassung von Fakten, des Seins oder von Beziehungen zwischen Dingen bezeichnet.

Intuition ist direktes Begreifen, ohne Verwendung von bewusstem Nachdenken. Es handelt sich um eine kognitive Funktion, ein psychisches Organ, dass die Wahrheit in ihrer Gesamtheit greifen kann. Intuition schreitet nicht wie analytisch-wissenschaftliches Vorgehen vom Teil zum Ganzen, sondern erfasst direkt das Ganze.

Catholic encyclopedia: Intuition [ www.newadevent.org/cathen/08082b.htm  :

Intuition, also unbewusstes Denken, hilft dem Forscher durch Ideen (Gedankenblitze) und Gefühle, wo er sich selbst durch bewusstes Denken nicht mehr helfen kann. Für Rousseau war Intuition die souveräne Intelligenz, die mit einem Blinzeln die Wahrheit aller Dinge erkannte, im Gegensatz zum leeren und enttäuschenden Bücherwissen.

Durch Logik beweisen wir, aber durch Intuition entdecken wir.

[Poincaré]  http://pespmc1.vub.ac.be/ASC/INTUITION.html

In wundervoller Schärfe sah er, mit Ausnahme des Geldverdienens, das er nicht nötig hatte, alle von seiner Zeit begünstigten Fähigkeiten und Eigenschaften in sich, aber die Möglichkeit ihrer Anwendung war ihm abhandengekommen; und da es schliesslich, wenn schon Fussballspieler und Pferde Genie haben, nur noch der Gebrauch sein kann, den man von ihm macht, was einem für die Rettung der Eigenheit übrigbleibt, beschloss er, sich ein Jahr Urlaub von seinem Leben zu nehmen, um eine angemessene Anwendung seiner Fähigkeiten zu suchen.

Robert Musil: Der Mann ohne Eigenschaften. S. 47

Nur Intuition bringt uns in direkten Kontakt mit der Realität und gibt uns ein wahres Bild der Dinge. Die Einflüsse unserer Bedürfnisse, common sense und diskursiver Rationalität deformieren die Realität. Mathematische Gleichungen können durch quasi mechanisches Abarbeiten gelöst werden und brauchen so nur Geduld, Übung und das, was wir als Intelligenz bezeichnen. Der Instinkt jedoch, der zur Gleichung führt, kann nicht gelernt werden, er ist ein Talent und keine Wissenschaft.

Ein Erfinder (s. Sorokin) formulierte es so: Wenn die Notwendigkeit für eine gewisse Erfindung kommt, so werfe ich alles dazugehörige aus dem bewussten Denken raus, höre auf darüber nachzudenken und überlasse es dem subjektiven Teil des Gehirns. Dort reift sie spontan bis sie rauskommt.

Das "spontane" Resultat ist auch für den Forscher ein beglückendes Erlebnis. Die besten Beispiel sind etwa die Entdeckung der Gravitation durch Newton, bei der müssigen Beobachtung eines fallenden Apfels, oder Archimedes eureka-Erlebnis.

Auf Grund dieses unplanbaren, überraschenden, nicht rational ableitbaren Momentes, wird das Resultat intuitiver Erkenntnis auch als Inspiration, Enthüllung, übersinnliche oder gar mystische Erfahrung bezeichnet. Plato nannte es gar göttlichen Wahnsinn.

Bei grossen Entdeckern der Naturwissenschaften ging die intuitive Inspiration, ganz im Gegensatz zu dem was die Wissenschaftstheorie so gerne hätte, meist dem induktiven oder deduktiven logischen Beweis voraus. Galileo wie Newton zeichneten erst ihre Einsichten geometrisch auf - und machten sich erst hinterher an die Experimente, um das Resultat einsichtig und den Laien verständlich zu machen.

Noch wichtiger ist die Intuition in Dichtung, Literatur, Musik, Malerei und Skulptur, wo sie als produktives Prinzip auch widerspruchslos anerkannt wird. Da jedoch unser Hirn bei Innovationen generell eher durch Emotionen als durch Vernunft angeregt wird, basieren seine Aktivitäten dabei mehr auf Ästhetik und Intuition als auf rationaler Analyse. Auch für Mozart fügten sich seine Kompositionen aus Krümeln spontan zusammen zu einem Ganzen, und wuchsen, um in seinem Kopf endlich die endgültige Form anzunehmen.

Spielerisch-intuitive Phasen sind beim eigenen Denken, als Einbezug der Intuition, und beim gemeinsamen Denken (Politik als partizipative Planung) unumgänglich, soll unterschiedlichen Perspektiven Raum geboten werden.

Unentbehrlich ist Intuition als Werkzeug zur Erweiterung beengter Perspektiven. Intuition ist der vom Willen unbeeinflusste spielerische Umgang des Hirns mit den ihm zur Verfügung stehenden Daten. [Eigene Definition. Man beachte insbesondere den Schluss: Intution ist nicht per se jeglichen wissenschaftlichen oder andern perspektivischen Argumenten überlegen. Die Qualität der Intuition hängt auch hier ab, von dern ihr zugrunde liegenden Daten! Wer seinem Gehirn als Nahrung nur Schrott zuführt, wird auch intuitiv nur Schrott gebähren]. Intuition ist eine notwendige spielerische Phase im Umgang mit zum Teil widersprüchlichen Daten. Damit erhält sie auch und gerade für jede partizipative Gestaltung eine herausragende Bedeutung. Partizipative Gestaltung ist zugleich Politik, interpersonelles Denken, also ein Versuch, gemeinsam zu denken, der einen spielerischen Umgang mit den von verschiedenen Teilnehmern eingebrachten Wissensbeständen, Meinungen und Wünschen erfordert.

Aber auch die wichtigsten, heute noch gültigen philosophischen Erkenntnisse, die wichtigsten human- und sozialwissenschaftlichen Theorien, wurden gemacht, als es weder Labore, noch Statistiken, noch systematische Beobachtungsreihen oder sonstiges Material für empirische oder rationale Ableitungen von Gesetzen und Regeln gab. So trägt Intuition zum wissenschaftlichen Fortschritt bei, obwohl oft weder beweisbar noch falsifizierbar, denn sie legten den Grundstein zu den meisten Wissenschaften, sogar zu mathematischen Axiomen.

(Fast) Ausschliesslich intuitiv ist religiöse und ethische Erkenntnis, da es sich hier um übersinnliche, ausserempirische, absolute und göttliche Wahrheiten handelt. Die meisten Begründer von Religionen wie Buddha, Zarathustra, Laotze, die Propheten der Bibel und Mohammed hatten eine charismatische Begabung mystischer Erfahrung.

nach: Sorokin: The Integral Theory of Truth and Reality [ www.intuition.org/sorokin.htm ] und  http://www.stangl-taller.at/TESTEXPERIMENT/testintelligenz.html

Eine Form dauernder Intuition ist wohl das Fliessen, der Zustand ohne den kaum ein Schriftsteller ein Buch und kaum ein Maler ein Bild schaffen kann. Im Zustand des Fliessens hat das bewusste Denken, Planen und Organisieren aufgehört. Die Arbeit läuft unter voller Aufmerksamkeit eigentlich automatisch. Der Zustand wird durch nichts anderes als vollkommene Konzentration erzeugt. In diesem Zustand laufen komplexe Denkreaktionen harmonisch ab, ohne durch bewusstes und zielstrebiges Denken beeinflusst zu werden. Dieser Zustand ist für die meisten kreativen Tätigkeiten erforderlich.

Die kreativ-intuitive Lösungen von Problemen

Definition: Kreativität ist flüssiges, flexibles, originelles Denken, das nach alternativen Aufgaben- und Problemlösungen sucht, also meist divergentes Denken, wobei die Leistung nicht nur neu, sondern auch nützlich, problemangemessen und ästhetisch sein sollte. Kreative Lösungen zeichnen sich dadurch aus, dass gedanklich normalerweise weit entfernt liegende Elemente so verknüpft werden, dass das Ergebnis als subjektiv neu empfunden wird, daher sind kreative Problemlösungen meist auch als Umstrukturierung von Bekannterem zu begreifen.

Intelligenz dagegen ist logisches, schlussfolgerndes, bewertendes Denken, das eine richtige Aufgaben- und Problemlösung sucht, also meist konvergentes Denken.

Bei kreativer (intuitiver) Problemlösung lassen sich 5 Phasen unterscheiden:

  1. Problematisierung: Probleme erkennen, Widersprüche aufspüren, Selbstverständliches in Frage stellen, Lücken im Wissen aufdecken, als sicher betrachtetes Wissen ablegen.

  2.   Mache einen Umweg,
     wenn Du es eilig hast.

    Konfuzius

    Inkubation: Wir eingeleitet durch eine Phase der Entspannung, in der das Problem abgelegt und scheinbar vergessen wird. In dieser Phase orientieren sich die Gedanken quasi von selbst neu. Dabei entstehen neue Anschauungen, Symbole und Einsichten, die zum Heureka-Erlebnis führen können. Dieser Kern der Intuition ist noch wenig erforscht.

  3. Heuristische Regression: Die spontan auftauchenden Lösungsvorschläge (Inspiration, Intuition) des Gehirns werden spielerisch auf ihre Tauglichkeit untersucht. Die Freiheit von Normen und Konventionen ist in dieser Phase unerlässlich. Die Phase wird durch die Auswahl der aussichtsreichsten Lösungsidee beendet.

  4. Elaboration: Der gewählte Lösungsansatz wird systematisch ausgearbeitet und verständlich präsentiert.

  5. Diffusion: Die Lösung wird angewandt und ins Alltagsgeschehen eingepasst, in gewissem Sinne also popularisiert.

Kreativität wird durch Strukturen wie Stundenpläne und vorgegebene Arbeitsabläufe beengt. Intuition braucht Musse, und zwar dann, wenn der richtige Zeitpunkt gegeben ist, und dieser ist präzise dann gegeben, wenn das Hirn über alle notwendigen Informationen verfügt - nicht dann, wenn Agenda oder Stundenplan eine Pause vorsehen. 

Hier besteht eine deutliche Parallele zum strukturempfindlichen Lernen, bei dem ebenfalls die Gehirnstrukturen sich an neue Informationen anpassen müssen.

Darum können kreativ Arbeitende nicht in standardisierte Abläufe eingepresst werden. Da die Inkubation und intuitive Lösung dann erfolgt, wenn das Hirn von andern Tätigkeiten entlastet ist, wird vermutlich manch kreativ arbeitender in der Nacht vor dem Einschlafen ab und zu wieder aus dem Bett springen, weil genau dann die Gedanken sich zu ordnen beginnen und neue Ideen gebären. Ohne Niederschrift sind diese am Morgen aber, ähnlich den Träumen, meist wieder weg.

Anderen hilft eine halbe oder ganze Stunde auf dem Sofa liegen, andern wieder Spazieren im Wald oder ein Gespräch mit Kollegen.

Inspiration ist ein Kind der Musse. Wo keine Musse, da fehlt auch die Inspiration. Folgerichtig haben wir hier ein Problem in unserer Gesellschaft, die nur dauernden und ständig sich steigernden Aktivismus lobenswert findet. Eine Gesellschaft, die ihre Erfinder ans Fliessband setzt, ist selber schuld, wenn die Ideen ausbleiben.

Ein Kind des Strebens nach rationaler Intuition dürfte auch der Trend zur Meditation sein. Die Musse, die Neuorganisation des Gehirns, soll domestiziert und planbar werden. Sport, Musse, Erholung, Esoterik - alles soll der Beschleunigung der Produktion dienen. Kein Diogenes fragt heute nach dem Warum.

Für Arthur Schopenhauer war die Musse die sine qua non, die Grundbedingung jeden Philosophierens:

Zum Philosophieren sind die zwei ersten Erfordernisse diese: erstlich, dass man den Mut habe, keine Frage auf dem Herzen zu behalten; und zweitens, dass man alles Das, was sich von selbst versteht, sich zum deutlichen Bewusstsein bringe, um es als Problem aufzufassen. Endlich muss, um eigentlich zu philosophieren, der Geist wahrhaft müssig sein; er muss keine Zwecke verfolgen und also nicht vom Willen gelenkt werden, sondern sich ungeteilt der Belehrung hingeben, welche die anschauliche Welt und das eigene Bewusstsein ihm erteilt.

Parerga und Paralipomena: Kapitel I, Ueber Philosophie und ihre Methode. § 3.

Parerga und Paralimpomena sind übrigens nichts derart anspruchsvolles wie die Begriffe tönen mögen. Sie bedeuten nämlich bloss: Zugaben und Ergänzungen. Generell ist Schopenhauer eigentlich recht amüsant zu lesen, wenn man sich auf seinen Stil mal etwas eingestellt hat.

Erich Fromm erklärt die Notwendigkeit des Sabbats in Haben oder Sein ähnlich: Am Sabbat lebt der Mensch, als hätte er nichts, als verfolge er kein Ziel ausser zu sein, das heisst keine wesentlichen Kräfte auszuüben - beten, studieren, essen, trinken, singen, lieben. Der Sabbat ist ein Tag der Freude, weil der Mensch an diesem Tag ganz er selbst ist.

Offenbar spielen auch physiologische Effekte eine Rolle bei Musse und Intuition. Anlässlich von Fernsehpräsentationen Claudia Guderian's Buch: Die Magie der Couch, war etwa zu hören, dass im Liegen die rationale linke Hirnhälfte (bei Rechtshändern) zur Ruhe gelegt wird, und die eher intuitive, ganzheitliche, rechte Hirnhälfte die Führung übernimmt. Deshalb die Couch des Psychologen! ... Deshalb ist meine Couch so durchgelegen .. Scherz beiseite. Wenn Sie also beurteilen wollen, ob Sie es mit bloss rationalen oder intuitiven Denkern zu tun haben, prüfen Sie, ob Ihr Berater über eine Couch verfügt und die auch benutzt! Für Hirnleistungen ist die Couch offenbar entscheidender als z.B. Jogging ... was natürlich noch lange nicht jede Couch-potato zum Denker macht.

Martin Herzog Webdesign Rheinfelden he www.brainworker.ch 24.7.03

 

Unter Intuition versteht man die Fähigkeit gewisser Leute, eine Lage in Sekundenschnelle falsch zu beurteilen.

(Friedrich Dürrenmatt, schweizer. Schriftsteller, 1921-1990)

Apropos Brainworker ... diese haben Lust am (selber) Denken, sind also keine Scholastiker. Die kreative Kombination von Rationalität und Intuition bei Kritik, beim Aufdecken von Problemen und bei der Suche nach Lösung ist ihr Lebenszweck, ihr Tantra. (s. http://www.adeovaleo.com/creativity_triggers/brainworker.shtml)