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Schweiz-er-Innen finanzieren Risiken und Gewinne der Pharma. |
[Die Pharmaindustrie und die Biotechnologie: Analyse der Veränderungen in der Industriestruktur. Dissertation Tilman Urs Spaethe. 272 S. 2001: ]
Die Arbeit von Spaethe, in der das Wort "Wissen" sage und schreibe 695 mal vorkommt, mag einige der Probleme zwischen "öffentlichem" und "privatem" - meist als wissenschaftliches und technisches Wissen apostrophiert - klären helfen, darum hier die wichtigsten Erkenntnisse. Anhand des Konzepts von Sutton wird untersucht, ob sich durch hohe Ausgaben in Forschung und Entwicklung eine dominante Position im Markt erobern und damit das Ausscheiden aus demselben verhindern lässt. In der Studie werden dazu drei Blöcke analysiert: I) Die Technologie, II) das Marketing und II) die Finanzierung.
WISSEN:
Pharma und Biotechnologie verfolgen eine
Strategie des teuren Wissens. In der Schweiz mit einigem Erfolg - während Maleck, Brennecke, Syska in ihrer
Vorlesung über Bioökonomie an der Uni Mannheim, über traditionelle
Bewertung der Biotech_industrie, schon fast zum Schluss kommen, dass diese für
Deutschland aussichtslos sei, was angesichts der Zahlen (Verlust vor Steuern)
sowie der annähernden Bedeutungslosigkeit für den Arbeitsmarkt nicht unbedingt
abwegig ist (s. folgende Graphik)
Man nimmt, was man kann: Der Markt führt auch nicht einfach so, quasi aus seiner natürlichen gutmütigen Veranlagung heraus dazu, dass das günstigste Angebot auf denselben kommt. So produziert etwa Novartis das Wundermittel Lucentis, welches den Verlust der Sehkraft bei altersabhängiger Makula-Degeneration (AMD) verhindert, und sogar die Sehkraft verbessert. Da dieses Medikament von Genentech lanciert worden ist - die dann von Roche übernommen wurde - und sich für 2000 Franken pro Dosis verkauft, hat Roche-Genentech nun absolut nicht die geringste Lust, Lucentis durch das eigene Avastin zu ersetzen, das die selben Eigenschaften hat, obwohl eigentlich als Krebsmittel entwickelt - aber nur 55 $ kostet. Das US National Institute of Health erwägt nun, die Medikamente in einer selbst finanzierten Studie zu vergleichen - also Avastin die Zulassung zu verschaffen. Ein Revolutionärer Ansatz, eines Staates, dem sonst kaum linksrevolutionärer Geist nachgesagt werden kann.MARKTWISSEN: "
Der Markt" generiert nur dort Wissen, wo es rentiert, wo es sich produktiv einsetzen oder verkaufen lässt, das heisst dort, wo Preis und Menge stimmen. Gerade was die Pharmaindustrie betrifft, fallen so immer mehr äusserst wichtige Bereiche durch die Maschen, wie etwa Mittel gegen Malaria und verschiedenste andere Tropenkrankheiten, die zwar viele betreffen, aber meist solche, die kein Geld haben. Hier versagt der Markt wieder mal substantiell - und die Kosten trägt der Staat, z.B. über den
Orphan Drug Act: In den USA wurde aufgrund der Bedenken, daß die hohen Testkosten die Entwicklung von jenen neuen Arzneien einschränken würden, die nur eine Minderheit von Patienten betreffen, 1983 das ‘Orphan-Drug-Act’ verabschiedet. Es autorisiert eine siebenjährige exklusive Marketingperiode für die erste Firma, die eine Zulassung für eine Krankheit erhält, die weniger als 200.000 Personen pro Jahr betreffen. Weitere Entgegenkommen sind die Gewährung von Steuerkrediten in Höhe von 50% der Kosten der klinischen Tests, direkte Subvention sowie beschleunigte FDA Zulassung für als Orphan-Arzneien deklarierte Arzneien. Dies Gesetz versucht somit die Bedeutung innovativer Arzneien zu erhöhen. Das Gesetzt zeigte Wirkung: In den ersten neun Jahren führte es zu einer Entwicklung von 60 Orphan-Arzneien. Bis September 1992 wurden von der FDA 494 Arzneien der Orphan-Arznei-Status verliehen.
416 Ein ähnliches Gesetz existiert bereits in Japan, in der EU wird es untersucht.Ein Patent bietet das Exklusivrecht für eine Innovation, eine Art Monopolstatus für begrenzte Zeit, zwischen 17 Jahren in den USA und 20 in Europa. Patenten werden in der Pharmaindustrie eine größere Bedeutung für die Zunahme von Innovationen beigemessen, als in den meisten anderen Industrien. Der Grund ist darin zu sehen, daß nach der Vermarktung einer neuen chemischen Struktur, die Kosten der Imitation normalerweise recht gering sind. Dazu kommt, dass ein Teil der Patentzeit ist oft schon abgelaufen ist, bevor die Arznei überhaupt am Markt ist.
Preisgestaltung:
GEHEIMES WISSEN:
Das öffentliche Wissen, wie es vom Staat gefördert und über Schulen und
Hochschulen vermittelt wird, soll den Lernenden den Einstieg in die Arbeitswelt
erleichtern - und ihnen, so der Bildungsanspruch, ermöglichen, sich in der
komplexen Welt zurecht zu finden. Die Privatwirtschaft fördert Wissen nur, wenn
sie es vermarkten kann, oder wenn es ihr hilft, Vermarktbares herzustellen. Sie
will es also möglichst wenig verbreiten - hätte aber doch gern, dass
Stellenbewerber darüber verfügen. Hier haben wir das
Dilemma, dass die Privatindustrie von den Bewerbern immer mehr Wissen fordert -
aber selbst von dem für sie eigentlich relevanten Wissen eigentlich nichts
preisgeben möchte. Dies macht die Berufswahl und -Ausbildung nicht
einfacher. (s.
Spezialisierung)
Der Kompromiss war bisher, dass die Privatwirtschaft vor allem technologisches Wissen anhäufte und für sich behielt, der Staat wissenschaftliches Wissen schuf und frei zur Verfügung stellte. Wie die meisten Kompromisse ist auch dieser faul, da dies zu einer Vernachlässigung staatlichen Technologiewissens auf der einen, wissenschaftlichen Wissens auf der andern Seite führte. (s. Patente, 2, 3) Insbesondere was die Patentierung von Gensequenzen betrifft, können Patente problematisch sein, da Gene und Gensequenzen meist nicht bloss für eine Wirkung zuständig sind, sondern komplex interagieren mit andern - ein Feld das noch kaum verstanden wird. (4)
Verstecktes, verborgenes Wissen gehört eigentlich in die Kategorie List, da es denen, die darüber verfügen, meist dazu dient, es für persönliche Vorteile auszunutzen. Das mag der Ursprung der Aussage sein: Wissen ist Macht. Je kürzer die Zeit zwischen Entdeckung und Kodifizierung des neuen Wissens ist, desto geringer der Wettbewerbsvorsprung. Je schneller der Innovationszyklus, um so weniger wahrscheinlich wird das Wissen explizit erfaßt. Und präzise dies ist die Frage, der sich diese Dissertation widmet: Wie gut sind Forschungsausgaben dazu geeignet, einen Wettbewerbsvorteil zu verschaffen?
Dass in der Pharmabranche kooperiert wird - obwohl in der Öffentlichkeit nur über Wettbewerb schwadroniert wird, kommt rasch an den Tag, wenn man etwa durch Basels Industriequartiere spaziert und sich die Beschriftungen der Firmen etwas ansieht. Dass sogar mit der staatlich-öffentlichen Forschung kooperiert wird ist gerade in der Chemie und Biochemie einen alte Tradition.
Die Verwunderung darüber, wie sich betriebliches Geheimwissen mit öffentlicher Forschung vertragen löst sich aber leicht, wenn man bedenkt, wie leicht es ist, einen theoretischen Zusammenhang zwar sachlich richtig, aber dennoch so zu beschreiben, dass er praktisch absolut nutzlos und nicht anwendbar ist.
KNOWLEDGE MANAGEMENT:
Da unkodifiziertes, stilles Wissen nur durch persönliche
Kommunikation übertragen werden kann, ist es folglich schwerer und teurer zu
übertragen. Diese Kosten erklären auch das Interesse der 90er an der
vermehrten Kodifizierung von "stillem
Wissen" (tacit knowledge), dem offiziell wichtigsten Ziel des
knowledge managements.
Klar und vollständig formuliertes Wissen ist bei Personalwechsel weitaus günstiger zu erhalten und
zu vermitteln als Wissen (Kunst), das der
direkten Unterweisung durch den Meister bedarf. Wie die Praxis zeigt, dient knowledge management aber in erster Linie den Interessen des Betriebes. Wissen
wird als effektiv gehandhabt, manipuliert, und zwar in dem Sinne, dass es für
Aussenstehende unbrauchbar zur Anwendung gemacht wird. [Leider auch in Bereichen
die für die Öffentlichkeit, für die Entwicklung unserer eigenen Gesellschaft
wichtig wäre. s. [Knowledge
Management und Entwicklungs-Zusammen-Arbeit (EZ)]
KRITISCHES WISSEN: Sie sehen in den folgenden Auszügen, mit welch unglaublichen Kosten diese Art von Forschung verbunden ist, wie viel Wissen unterschiedlichster Provenienz dafür nötig ist. Spaethe macht aber auch deutlich, wie begrenzt trotz allem das Wissen innerhalb der unendlich vielen Teilbereiche bleibt. Niemand hat den Überblick ... und noch weniger haben den die Gegner der Bio- und Gentechnologie. Zusätzlich zum Problem, dass die Angelegenheit schon ultrakomplex und -kompliziert ist, kommt noch die Tatsache, dass bewusst unklar kommuniziert wird, um andern die Nutzung von Wissen zu erschweren. Wir dürften hier, in Bio- und Gentechnologie, also den Bereich haben, in dem die Kritik am wenigsten Wissen verfügt, um glaubhaft argumentieren zu können. Dazu kommt, dass Kritiker des bestehenden Wirtschaftssystem, generell meist als "Linke" bezeichnet, meist keinen blassen (oder wirklich nur einen sehr blassen) Dunst von Wirtschaft haben und sich des öftern ins eigene Bein schiessen mit ihren Vorschlägen (Wirtschaftskonzept SP, Nationalbankgelder für die AHV, etcetc.). Um kein Haar besser dran sind die Wissenschaftsjournalisten, die sich eh meist darauf beschränken, wieder mal eine neue Entdeckung - oder auch nur ein neues Forschungsinstitut - hochzujubeln. Hier darf sich die öffentliche Forschung nicht darauf beschränken, spin-offs zu generieren im rentablen Bereich, sondern muss versuchen, einen Überblick zu wahren und insbesondere das von den Betrieben verschwiegene, geheime Wissen aufdecken, auf jeden Fall dort, wo es um potentielle Gefahren geht. (s. Chancen und Risiken der Gentechnologie)
WETTBEWERBSVERHINDERUNG (s. Sutton ff.):
Die empirisch belegte Tatsache, dass bei alternden Märkten immer mehr Betriebe verschwinden (bis zu 90% und darüber), lässt sich vor allem durch Suttons Eskalalationsmechanismus umgehen.
Dieser zeigt, dass die Eliminierung eines Betriebes durch Wettbewerb sich durch Werbung - aber auch durch Forschung & Entwicklung - verhindern lässt. Diese Ausgaben erhöhen zudem die sunk costs für potentielle Wettbewerber, und verdrängen diejenigen, die diese Kosten nicht aufbringen können.
MACHT UND GRÖSSE
(economy of scale):
Dass sich die Konzentration (= Marktanteil des größten
Marktteilnehmers) auch durch scharfen Preiswettbewerb erhöhen kann, zeigt
deutlich, dass es für Wettbewerb ein Optimum gibt, denn bei zu viel Wettbewerb
verschwinden die Wettbewerber ... und damit auch der Wettbewerb, und die Grossen
dominieren noch mehr.
MACHT UND GRÖSSE DURCH KOOPERATION:
Der (für nicht-Waldbauern) extreme Zeitbedarf, die damit verbundenen Kosten und Risiken machten das notwendig, was von der liberalen Theorie eigentlich dauernd verdammt wird, nämlich Kooperation. Präzise wie in Post-Kapitalismus: Effiziente Netzwerke statt teuerer Strukturen auf der einen - Motivation durch Sachzwang und Angst auf der andern Seite vermutet, werden hier Netzwerke nicht primär zur Förderung der Kommunikation eingesetzt, sondern um Wissen zu verheimlichen, um Andere auszuschliessen. - Und natürlich dienen die Netzwerke ebenso zur Absicherung durch Pooling von Risiken.


aus: Maleck, Brennecke, Syska in ihrer Vorlesung über Bioökonomie an der Uni Mannheim
56 Diese Vorstellung basiert auf der traditionellen Unterscheidung von Wissenschaft und Technologie, und der Vorstellung, daß es einen sukzessiven, geordneten Fluß einer wissenschaftlichen Innovation zur industriellen F&E und Herstellung gibt, was zu marktfähigen, neuen Produkten und Prozessen führt, auch lineares Modell genannt.Die Molekularbiologie, aus der die neuen Techniken der Gentechnik hervorgingen, war ein neuer Forschungsstrang. Er fand seinen Ursprung innerhalb der Forschung des öffentlichen Sektors und wurde substantiell innerhalb dieses Sektors entwickelt. Die Basistechnologien und die folgenden Forschungsergebnisse wurden der Forschungsgemeinschaft grundsätzlich zugänglich gemacht. Die Milstein-Kohler Technologie wurde publiziert, aber nie patentiert. Die Boyer-Cohen Technik (Genentech) wurde 1980 zwar patentiert, doch verfolgte die Stanford Universität als Administrator des Patents eine liberale Patentpolitik. Übernommen und kommerzialisiert wurden diese Forschungsergebnisse jedoch zu Beginn nicht von den etablierten Pharmafirmen, von welchen man annehmen könnte, sie wären an diesen wissenschaftlichen Durchbrüchen besonders interessiert, sondern von oder in Verbindung mit Universitätswissenschaftlern. Neue Biotechnologiefirmen, sogenannte Start-ups, wurden ausdrücklich dafür gegründet, diese Technologie auszuschöpfen. Viele von ihnen waren akademische Spin-offs. So entstand eine neue Identität: Die des Wissenschaftsunternehmers. Die Gründung eines Spin-offs durch Wissenschaftler wurde dadurch ermöglicht, daß der Abstand zwischen wissenschaftlichem Fortschritt und ihrer kommerziellen Anwendung relativ kurz war.46 In vielen Fällen war eine neue wissenschaftliche Entdeckung schon fast ein neues Produkt. Die Nähe zwischen Entdeckung und Erfindung sowie die Geschwindigkeit, mit der die Kommerzialisierung den Durchbrüchen in bestimmten Gebieten folgte, waren bedeutende Merkmale der neuen Biotechnologie.47
Die Biotechnologie hat in gewisser Weise die Unterscheidung zwischen Grundlagenforschung und angewandter Forschung zum Einsturz gebracht. Die Universitätsforschung war ein notwendiger Input für die Fortschritte in der Biotechnologie, doch wurde die Kommerzialisierung der Wissenschaft von Biotechfirmen initiiert. Folglich ist die Grundlagenforschung in den Biowissenschaften simultan kommerziell relevant geworden.
Die Biotechnologie, aus dem wissenschaftlichen Bereich heraus entstanden, wurde als radikaler technologischer Wandel angesehen. Nun wird eine Innovation, die im wissenschaftlichen Bereich, d.h. durch Grundlagenforschung kreiert wurde, generell in der Wachstumsliteratur als nicht-rivalisierendes (‚nonrivalrous‘) Gut angesehen, das von einer unlimitierten Anzahl potentieller Anwender zu Grenzkosten von Null frei nutzbar ist.
Verständliches (übertragbares) und unverständliches (schwer übertragbares) Wissen:
Zum einen existiert eine zweiwegige Interaktion zwischen diesen Bereichen, zum anderen gibt es Beweise dafür, daß, obgleich die Biotechnologie aus dem wissenschaftlichen Gebiet heraus entstand und
generell jedem zugänglich zu sein schien - die grundlegenden Biotechnologien wurden entweder nicht patentiert oder es wurde eine liberale Patentpolitik gehandhabt [siehe Abschnitt II.2.2, S. 30] - letztendlich dennoch nicht von jedem Individuum in vollem Umfang verstanden werden konnte. Der Grund hierfür ist bei den Charakteristika der damaligen Wissenselemente zu finden, die dazu führten, daß (auch nicht patentiertes) Wissen ausschließbar war.Man sagt, er muß die .absorptiven Fähigkeiten. besitzen, das Wissen zu entkodifizieren. Dies verlangt, daß er eine Wissensbasis besitzt, die zumindest gewisse Überschneidung mit der Wissensbasis von Agent A aufweist. Beim Wissensempfänger muß also eine bestimmte Wissensbasis existieren, um eine neue Technologie wie die Biotechnologie, verstehen zu können.
D.h., mit der Zeit nimmt die Kodifizierung eines Wissenselementes zu. Der Kodifizierungsgrad steigt im Laufe der Zeit, d.h. mit dem Alter und dem kumulativen Investment in Suchanstrengungen, er ist nicht gleichverteilt. Während die alten bzw. ersten Teile einer neuen Disziplin kodifiziert werden, sind die neueren Teile, die man als die Wissensfront betrachtet, in einem weniger kodifizierten, stillerem Stadium. Dies hat Auswirkungen auf die Ausschließbarkeit und die Übertragbarkeit sowie die Übertragungswege:
Kodifiziertes Wissen wird dadurch internalisiert, daß man es mit seinem Hintergrundwissen, seiner Wissensbasis, verknüpft. Da es sich um kodifizierte Information handelt, kann es durch Kopien, Lesen von Artikeln etc. übertragen werden. Stilles Wissen überträgt sich jedoch durch sozialen Kontakt.
Da unkodifiziertes, stilles Wissen nur durch persönliche Kommunikation übertragen werden kann, ist es folglich schwerer und teurer zu übertragen. Das entspricht nach wie vor der Situation um die Jahrhundertwende, als für ein berufsbildendes Praktikum im Maschinenbau oder der Chemischen Industrie fast doppelt so viel bezahlt werden musste wie für ein volles Studium an der ETH. Die Sache mit den Lernprozessen, die von vorhandene Strukturen abhängen und um so aufwändiger sind, je grösser die notwendigen Umstrukturierungen, wird dort erklärt.
Diese Kosten erklären auch das Interesse der 90er an der vermehrten Kodifizierung von "stillem Wissen" (tacit knowledge), dem offiziell wichtigsten Ziel des knowledge managements. Klar und vollständig formuliertes Wissen ist weitaus günstiger zu erhalten und Nachfolgern von Stelleninhabern zu vermitteln als Wissen (Kunst), das der direkten Unterweisung durch den Meister bedarf.
72 Sie bewegen sich daher entlang gewisser Bahnen. Die kontextspezifische Akkumulation von Wissen kann dazu führen, daß Spillover aufgrund dieser Pfadabhängigkeiten nur eingeschränkt stattfinden.Eine Implikation der Akkumulation von Wissen und der absorptiven Fähigkeiten ist, daß Firmen verschiedene Identitäten aufbauen und keine freie Wahl zwischen allen verfügbaren Technologien haben. Sie können nur wählen, was dem nahe ist, was sie schon wissen und machen.
Zwar ist ein Pfadwechsel möglich, doch ist dieser mit Lernaktivitäten und Kosten verbunden. Firmen mögen daher entscheiden, weiterhin ihre alten Technologien anzuwenden. Je größer die Firmen und die Verpflichtung gegenüber anderen Technologien, desto weniger wahrscheinlich ist ein Pfadwechsel.
Die Entwicklung spezifischen Wissens, gebunden an spezifische Entwicklungsbahnen der Praxis, macht das Problem der Spezialisierung in der Bildung verständlicher.
73 Nur jenes Wissen wird aufgenommen, welches dem ähnlich ist, welches man besitzt.Demnach mag sich eine Firma durch die Entwicklung einer Technologie innerhalb einer engen Bandbreite von Alternativen und Weiterentwicklung unter Umständen zwar eine Monopolposition aufbauen, welche aus den steigenden Erträgen und Spezialisierungsvorteilen resultieren kann, doch ist dieses gefährdet, wenn eine Technologie entsteht, die außerhalb ihrer Wissensbasis liegt. Die Bewegung entlang unterschiedlicher Bahnen kann dazu führen, daß ein technologischer Wandel eine etablierte Industrie bzw. Firma herausfordert. Eine Organisation muß, wenn sie von neuen Technologien erfährt, diese auch interpretieren können. Die fundamentale Herausforderung ist dabei begrenzte Rationalität: Man kann nicht alles verstehen, was es als Wissen bzw. Information gibt. Die absorptiven Fähigkeiten sind am größten, wenn das, was gelernt wird, mit dem verbunden ist, was schon gelernt wurde.
Die Einführung neuerer und besserer Technologien, d.h. ein Pfadwechsel, kann dabei teuer sein. Zum einen entstehen durch die Akkumulation von Wissen bzw. den Aufbau einer Wissensbasis mit der Zeit Kosten, die versunken sein würden, wenn man zu einer völlig neuen Technologie überginge. Zum anderen müssen Firmen in formelle und informelle F&E Aktivitäten investieren. Ihre Jobprofile müssen erneuert werden und Teile des Fixkapitals müssen u.U. nachgerüstet werden. Ebenso sind Lernaktivitäten mit beträchtlichen Ausgaben verbunden
Traditionell wurde Wissen als öffentliches Gut betrachtet, weshalb es dem Wissenserschaffer‘ unmöglich ist zu verhindern, daß es von anderen ökonomischen Agenten genutzt wird, die nichts dafür bezahlen. Die Diskussion über das stille Wissen und absorptive Fähigkeiten offenbart, daß dem Wissen eine ‚natürliche‘ Ausschließbarkeit innewohnen kann. Wissen wird nicht kodifiziert kreiert, es ist immer zumindest teilweise still im Geist dessen, der es kreiert.
Markt und Staat stellen zwei unterschiedliche Wege der Ressourcenallokation für (wissensuchende) Aktivitäten dar. Im Markt basieren Allokationen auf erwarteten Erträgen der Marktaktivitäten von Kaufen und Verkaufen. Dies führt Agenten dazu Aktivitäten zu betonen, die Erträge erwirtschaften können - entweder sofort auf dem Markt oder indirekt durch die Verbesserung der Kompetenzen der Agenten. D.h. Firmen können entscheiden, in Grundlagenforschung zu investieren, falls sie glauben, es habe direkte Relevanz. Die Allokation, die auf staatlicher Verteilung beruht, basiert oft auf anderen Kriterien wie öffentlichem Gut, langfristiger Wohlfahrt und Gleichheit. Das dominante Paradigma identifiziert nur zwei Kategorien, nämlich die staatliche Unterstützung der Grundlagenforschung (W-S) und die technologischen Aktivitäten der Firmen (T-M). Es war die Annahme einer Bewegung von Forschungsergebnissen von W-S zu T-M, auch das lineare Modell technischen Wandels genannt. Die anderen zwei Typen, wissenschaftlich-marktorientiert (W-M) und technologisch- staatlich (T-S), wurden vernachlässigt. Beispiele illustrieren die Bedeutung dieser Umgebungen: Der Quadrant WM schließt Aktivitäten wie Vertragsforschung von wissenschaftlichen Forschern mit ein. Diese Aktivitäten haben nicht zuletzt in der Biotechnologie viel Aufmerksamkeit bekommen. Der Quadrant TS schließt Aktivitäten mit ein, die speziell entwickelt wurden, Voraussetzungen für später notwendige wissenschaftliche Programme zu entwickeln. Ein Beispiel ist das Human Genom Projekt, welches explizit entwickelt wurde, die DNA zu analysieren.
In der Biotechnologie war es gerade die Verbindung zwischen Grundlagenforschung und angewandter Forschung, zwischen Wissen und Techniken und die Nähe zwischen Wissenschaft und Technologie, die sowohl zur Etablierung der Biotechfirmen führte als auch zu den weitverbreiteten Verbindungen der Akteure in der Biotechindustrie. Die große Anzahl akademischer Unternehmer sowie die großangelegten, strategischen Forschungsallianzen in der Biotechnologie sind Zeugnis davon, daß in diesem Gebiet, zumindest teilweise, ‘die grundlagenwissenschaftlichen und angewandten Fragen die selben sind’.
83Für die Biotechnologie liefern neben
McKelvey (1996) auch Faulkner et al. (1995) [siehe Abschnitt V.1.1, S. 43 unten] Beweise dafür, daß das strenge lineare Modell keine Anwendung findet, wonach kodifizierbares, formales Wissen aus der Wissenschaft und fertigkeitsbasiertes und daher eher stilles Wissen aus der industriell-technologischen Umgebung kommt.Wissenschaft ist Wissen und Technologie ist die Übersetzung von Wissen in Maschinen, Prozesse und/oder Instrumente.‘84 Sowohl Wissenschaft als auch Technologie bauen auf Wissen auf.
Im Fall der Biotechnologie war der Abstand zwischen klassischer Wissenschaft und Kommerzialisierung der Biotechnologie so gering, daß ein wissenschaftlicher Durchbruch schon fast ein neues Produkt war. Wissenschaftler aus dem wissenschaftlich-staatlichen Gebiet, die das Potential der Biotechnologie erkannten, bewegten sich in den ökonomischen Bereich. Bei der Gentechnik bedeutet der Übergang vom wissenschaftlich-staatlichen (W-S) in den wissenschaftlich-marktorientierten Bereich (W-M), daß das wissenschaftliche Wissen eingesetzt wird, um mit ihm Erträge zu erwirtschaften. Dies verlangt, daß das Wissen ausschließbar ist: Entweder muß es patentierbar sein oder aber es muß natürliche Ausschließbarkeit vorliegen. Um zu untersuchen, ob natürliche Ausschließbarkeit vorlag, gilt es die Bedeutung von stillem Wissens und die Wissensbasis festzustellen.
Wie
Zucker et al. (1998) zeigen, nutzen die Wissenschaftler ihr natürlich ausschließbares Wissen, um im ökonomischen Gebiet tätig zu werden. Zucker et al. weisen eine enge Verbindung zwischen intellektuellem Humankapital, welches durch Forschung entlang der Wissensfront kreiert wurde, und der Gründung von Firmen in dieser Industrie nach. Ihre Studie beweist, daß der Zeitpunkt und die Lokation neuer Biotechfirmen und neuer Untereinheiten in existierenden Firmen, hauptsächlich durch die Präsenz eines Wissenschaftlers zu einer bestimmten Zeit und an einem bestimmten Ort erklärt werden kann, der aktiv zur Grundlagenwissenschaft beitrug. Die Präsenz von Universitäten und ihre staatliche Finanzierung beeinflußten das Ergebnis nicht. Für die Biotechnologie wird somit nachgewiesen, daß die besten Wissenschaftler eine Schlüsselrolle in der Formation neuer und der Transformation existierender Industrien spielten und dabei wissenschaftlich und finanziell profitierten.Zucker et al. (
1998) weisen somit nach, daß obgleich die Biotechnologie der wissenschaftlichen Seite entsprang, es nicht zu vollen Spillover auf den ökonomischen Bereich kam. Statt dessen waren es die Wissenschaftler selber, die ausschließbares stilles Wissen verkörperten, den Wert ihres Humankapitals erkannten und es für die Kommerzialisierung der Biotechnologie nutzten
Zwischendurch muss man fast annehmen, dass Spathe "stilles Wissen" permanent mit Verschweigen, oder unfähiger Beschreibung verwechselt.
Viele Forscher wählten zu Beginn einen Mittelweg. Während sie zum einen an der Universität weiter lehrten, gründeten sie zusätzlich eine Biotechfirma, um ihr Wissen zu kapitalisieren. Bedeutend für die Übertragung von technologischer Information in diesem Gebiet war dabei der direkte persönliche Kontakt, um die stillen Wissenselemente aufnehmen zu können. Die Bedeutung von Arbeitsbeziehungen auf ‚Werkbankniveau‘ für diese Übertragung
Aufgrund der relativen Immobilität des sozialen Netzwerkes blieben einige Technologien somit lokalisiert,
96 denn die Kosten der Übermittlung neuen Wissens, insbesondere stillen Wissens, über einen geographischen Raum sind nicht trivial.Dieses Ergebnis ist für die Definition eines F&E-Pfades als ‚Wissenspfad‘ bedeutend, da es beweist, daß nicht allein die F&E-Ausgaben, sondern auch eine bewußte Wissensstrategie (‚Wissenseskalation‘) das Gewinnniveau beeinflussen können.
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Für die wissenschaftsbasierten Unternehmer waren die Fixkosten der Akquisition des Wissens zu Beginn niedrig. Sie profitierten von den Ausgaben der staatlichen Forschung und ihrer anhaltenden Verbindung zum wissenschaftlich-staatlichen Gebiet.
Für die Pharmaindustrie hingegen war es teurer, das biotechnologische Wissen zu akquirieren. Denn das Wissen umfaßte zu Beginn beträchtliche stille Elemente, die nur schwer, d.h. in Personen verkörperter Form, akquiriert werden konnten. Ein weiterer Grund dafür war, daß die Pharmafirmen in dem Gebiet der Gentechnik noch keine Wissensbasis hatten.
Obgleich die Pharmaindustrie finanzstärker war als die Biotechindustrie, war es nicht die Pharmaindustrie, die die Biotechnologie kommerzialisierte. Da die Pharmaindustrie eine andere Wissensbasis besaß und ein Großteil der Wissens-elemente stille Elemente waren, mußte die Pharmaindustrie ungleich höhere Ausgaben machen, um das Wissen über die Gentechniken zu akquirieren. Statt zum Wettbewerb kam es zu einer Zusammenarbeit zwischen diesen beiden Akteuren, wenngleich sie dabei unterschiedliche Ziele verfolgten. Es entstand eine ‚symbiotische Beziehung‘ zwischen der Biotech- und Pharmaindustrie.
Je stärker Wissensteile oder Erfahrungen kodifiziert sind, desto ökonomischer kann das Wissen transferiert werden. Kodifiziertes Wissen kann durch Kopien, Lesen von Artikeln etc. übertragen werden, stilles Wissen überträgt sich hingegen in personen-verkörperter Form. Zur Übertragung stillen Wissen kann es kommen, wenn Basisprinzipien durch Lehre und Trainings gelehrt und von Individuen gelernt werden. Eine Studie der Weitergabe der Hybridoma-Technologie, d.h. der Produktion monoklonaler Antikörper, zeigte, daß das Ungesagte tatsächlich ein Teil der wissenschaftlichen Praxis war.
Für die Ausschließbarkeit bedeutet dies, daß die Ausschließbarkeit des stillen Wissens im Anfangsstadium höher ist, mit der Reife des Wissens die Ausschließbarkeit jedoch abnehmen wird, da das Wissen kodifizierter sein wird und mehr Individuen den Code gelernt haben werden.
Wie erwähnt, waren neue Biotechfirmen die wichtigste Quelle der Biotech-F&E in den ersten Jahren der Industrie, d.h. zwischen 1976 und 1981, wohingegen die großen etablierten Firmen in ihrer Reaktion auf die Gentechnik insgesamt langsamer waren
Die
Vereinbarungen mit Universitäten fokussieren hauptsächlich das Ziel, mit dem Grundlagenwissen vertraut zu werden. Zudem bekommen Pharmafirmen dadurch oft die Möglichkeit, eine neue Entdeckung des Forschungszentrums als erste lizensieren zu können.134 Die meisten Vereinbarungen der etablierten Firmen mit anderen Firmen, vor allem mit Biotechfirmen, tendieren hingegen dazu, produktspezifisch zu sein. Sie fokussieren ‘downstream’ Aktivitäten des Innovationszyklus. Sie zielen darauf ab, besondere Entdeckungen der Biotechfirmen, beispielsweise die Synthese eines Enzyms oder Hormons, zu entwickeln und zu kommerzialisieren. Minderheitsbeteiligungen am Kapitalstock einer Biotechfirma sind dabei ein Mittel, die internen Forschungsaktivitäten der Biotechfirma zu überwachen und Fähigkeiten in der angewandten Laborforschung auszubauen. Zudem soll dadurch eine enge Verbindung mit der Biotechfirma geschaffen werden, die eine Möglichkeit bietet, Konkurrenten bei der Kommerzialisierung zuvorzukommen.Einerseits zielen große Firmen, die substantielle interne Fähigkeiten haben, darauf ab, Biotechfirmen in speziellen Gebieten der Biotechforschung zu akquirieren. Hiermit sollen Lücken in der eigenen Wissensbasis geschlossen werden. Andererseits versuchen Pharmafirmen dadurch aufzuholen, falls sie erst spät in die Biotechnologie eingestiegen sind und noch keine substantiellen Funds in interne Biotech-F&E investiert haben.
Dennoch, je mehr man sich in Richtung des Grundlagenwissens des Forschungsspektrums begibt, um so besser geben Universitäten Zugang zu Grundlagenwissen.
Und je mehr man sich in Richtung angewandte Forschung mit spezifischer Produktorientierung bewegt, um so besser bieten Biotechfirmen Zugang zu Ressourcen, die Universitäten nicht bieten.
Dieser Anteil des Nicht-Überlappens wird als wichtig genug angesehen, Minderheitspartizipierung mit Biotechfirmen und Arrangements mit Universitäten als komplementär zueinander anzusehen.
Während informelle Kontakte relativ abgenommen haben, haben formale Verbindungen relativ zugenommen. Dies unterstützt die Idee, daß informelle Verbindungen, die darauf ausgerichtet sind, persönliche Kontakte mit externen Experten herzustellen, besonders in einer neu entstehenden Technologie bedeutend sind - in einer Phase, in der das Wissen noch still ist. Wenn der Kodifizierungsgrad zugenommen hat, werden formale Kontakte jedoch bedeutender.

142 Ein Beweis dafür wurde von Zucker et al. (1998) geliefert, die feststellten, daß zu Beginn der Kommerzialisierung der Biotechnologie das stille Wissen, das einige wenige Wissenschaftler besaßen, ausschlaggebend war. Sie besaßen neues Wissen nahe der Wissensfront. Mit der Reife des Wissens wird die Ausschließbarkeit jedoch abnehmen, da das Wissen kodifizierter sein wird und mehr Individuen den Code gelernt haben. Diese spätere Phase des Lebenszyklus ist mit dem Eintritt von Imitatoren verbunden, die anfänglich nicht an der Wissensfront waren, das Wissen aber allmählich durch diffusionsorientierte Maßnahmen (Ausbildung, Training) oder durch die Kodifizierung von Wissen bekamen.Während dieser Phase ist das Angebot an Wissenschaftlern, die in der neuen Disziplin qualifiziert sind, knapp, und die Wissenschaftler haben ein temporäres Monopol auf die Ausnutzung dieses Wissens. In dieser Stufe beruht der Wettbewerbsvorteil auf dem Besitz des neuen Wissens.
Auch diese Entwicklung läßt sich bei der Biotechnologie nachweisen. Das Wissen verbreitete sich letztendlich so weit, daß es ein Teil der Wissenschaftsroutine wurde, die an großen Forschungsuniversitäten gelernt werden konnte.
Eine mögliche Gegenstrategie, um Wettbewerbsvorteile zu behalten, ist, die Wissensfront so schnell wie möglich zu bewegen.
146 Bewegt sich die Wissensbasis schnell, so wird sie niemals vollständig in expliziter Form erfaßt sein. Der Forscher, der für eine gegebene Technologie einmal zuständig ist, bleibt die Schlüsselquelle, nicht nur für das Originalkonzept, sondern auch für undokumentierte Verfeinerungen der Technologie, die später gemacht werden. Je schneller der Innovationszyklus, um so weniger wahrscheinlich wird das Wissen explizit erfaßt.147 Dies führt dazu, daß sich die Unterschiedlichkeit der Wissensbasis innerhalb einer Population von Firmen bezüglich einer gegebenen Technologie erhöht und die Möglichkeit einer Imitation reduziert wird.Auch hier handelt es sich eigentlich um eine Verschleierung des Wissens, also eine als List. Dies findet sich auch bei manchen "Wissenschaften". Lange waren Computerexperten eben in erster Linie Experten, weil niemand die Nutzung dieser Viecher klar erklären konnte oder wollte. Diese Expertise als Ausschluss vom Wissen war recht eigentlich der Grund zur Reformation in religiösen Belangen, indem Luther darauf bestand, die verbindlichen Texte in verständlicher Sprache zu formulieren und so dem Volk, den von der Anwendung betroffenen, selbst zugänglich zu machen. Ähnliche Verhältnisse herrschen heute in der Rechtssprechung und der Oekonomie.
155 Hinzu kam, daß, obgleich der Ansatz der Biotechnologie wissensintensiver war, der Arzneientdeckungsprozeß dennoch zu großen Teilen auf empirischen Untersuchungen beruhte,Da die Arzneien der ersten Generation der Biotechnologie in Verbindung mit Pharmafirmen hergestellt und vermarktet wurden und die Pharmafirmen mit der Zeit auch interne absorptive Fähigkeiten aufbauten, entstand eine Gefahr, wenn der downstream Partner die Vereinbarung beendete und kritisches Produktions-Know-how mitnahm, während ein großer Teil des Know-hows dabei nicht durch Patente erfaßt werden konnte.
Die Biotechnologie ersetzte letztendlich nicht die konventionelle Synthese, Fermentation oder Extraktionstechnologien auf industrieweiter Basis. Der Übergang zur Prozeßtechnologie hatte drei Vorteile: Erstens ist eine Prozeßtechnologie im Vergleich zu einer Produkttechnologie leichter zu schützen.158 Zweitens bedeutete die Tatsache, daß es Probleme bei der Verwendung der Biotechnologie als neue Produktquelle gab, nicht, daß Arzneimittelfirmen nicht an der Biotechnologie interessiert waren. Ganz im Gegenteil: Abnehmer fanden Biotechfirmen bei großen Firmen, die aufgrund des teueren und langen traditionellen Entdeckungsansatzes [siehe hierzu auch Kapitel D, Abschnitt VI.1 ‚Veränderungen auf der Kostenseite‘, S. 178 ff.] neue Wege suchten.
Die bedeutendsten Veränderungen und der Beitrag der Biotechnologie werden in den nächsten Abschnitten aufgezeigt. Von besonderer Bedeutung ist dabei aufzuzeigen, wie:
a) Erstens durch die Entwicklung der Biotechnologie neue Gebiete entstanden und ermöglicht wurden, denn dies hat Auswirkungen darauf, ob die Biotechnologie der zweiten Generation als Pfad bzw. systematische Suche charakterisiert werden kann.
b) Zweitens, sich die Biotechnologie mit verschiedenen anderen Wissensbereichen verband (Elektrotechnik, Computer). Dies kann als Versuch bewertet werden, durch Verbindung verschiedener Wissensgebiete natürliche Ausschließbarkeit zu kreieren.
c) Drittens, sich die Bereiche noch weiter entwickeln, d.h. die Suche nach Verbesserungen des Wissens bzw. der Technologie ein Ziel ist.
d) Viertens, daß das Wissen zu unterschiedlich und weit gestreut ist, daß keiner erwarten kann, alle Gebiete intern abzudecken.
Früher galt für die Synthese potentieller Wirkstoffe „ein Wissenschaftler, eine Woche, ein Molekül‘.
179 Durch Kombinatorische Chemie ist es möglich, mehr als 50.000 und mehr aktive Komponenten innerhalb weniger Monate zu synthetisieren – eine Anzahl, wofür 30 Chemiker ungefähr 10 Jahre mit konventionellen Methoden gebraucht hätten.180 Das heißt, Pharmafirmen können bei der Suche nach neuen Wirkstoffen auf Substanzlager mit hunderttausenden bis zu Millionen Substanzen zurückgreifen. Je mehr Substanzen hergestellt werden und später auf ihre pharmakologische Wirksamkeit - bezüglich einer Krankheit - hin überprüft werden, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit für einen ‚Treffer‘.VI.5.2 Kooperation der Biotechfirmen untereinander
Powell (
1996) weist nach, daß zudem die Verbindung der Biotechfirmen untereinander zunahm und daß die netzwerkähnliche Organisationsstruktur in der Biotechnologie mehr ist als nur ein vorübergehendes Phänomen, das auf der relativen Unreife des technologischen Paradigmas gründet. Eine Untersuchung von Powell (1996) ergibt, daß Biotechfirmen nicht von Kollaborationen ablassen, wenn sie größer und älter werden.193 Das Alter selber ist nicht wichtig, doch generiert die Anzahl der Jahre mehr externe Verbindungen. 1988 lag das Mittel bei 7,5 an externen Bindungen, 1995 schwach über 10. Das Ausmaß eines Firmennetzwerks ist dabei ein starkes Indiz für das Überleben einer Firma. Zudem stellt Powell fest, daß die Firmen ihr Portfolio an Unternehmen nicht ändern, wenn sie älter werden.194 Dies deutet darauf hin, daß Kollaborationen nicht nur verwendet werden, um Mangel an internen Fähigkeiten zu kompensieren. Statt durch Kollaborationen Wissen aufzubauen und dann alleine weiterzumachen, zeigt dies, daß die Angeschlossenheit wichtig war. Die Bedeutung der Angeschlossenheit ist darüber hinaus gemäß der Untersuchung von Powell höher als die der Größe. Anders formuliert, eine Firma stärkt ihre Position, indem sie an ein nützliches Netzwerk angeschlossen ist, das Ressourcen zur Verfügung stellt, nicht aber, indem sie an Größe zunimmt. 195 Die Verbindung zu anderen Biotechfirmen, d.h. die Angeschlossenheit erhöhte somit die Ausschließbarkeit.
Hier formuliert Spaetze fast wortwörtlich eine Wirkung von Netzwerken, die erst gerade vor ein paar Tagen hier publiziert wurde - vor der Lektüre dieser Dissertation:
Das grösste Problem mit Netzwerken ist, dass sie dazu benutzt werden können, was meist der Fall ist, um Wissen zu verheimlichen und Wissen zu verbiegen - was präzise eigentlich die alleinige Macht des Wissens ausmacht: Das Netz eignet sich gut für Heimlichkeiten und Ränkespiele.
Der Unterschied ist, dass das, was ich aus der Perspektive gesellschaftlicher Entwicklung als Problem ansehen, von der Wirtschaft präzise in dem Sinne, zum Vorteil des eigenen Nutzens, verwendet wird. Noch schneller wurde selten eine meiner Theorien bestätigt ... : (s. > Netzwerke)
Der Wert der Biotechnologie wird heute mehr in ihrer Anwendung als Forschungswerkzeug gesehen und weniger in ihrem Potential, neue biologische Produkte herzustellen.

Forschung und Entwicklung als Strategie der MarktdominanzJohn Sutton: Technology and Market Structure’ 1996 in der European Economic Review,
Es wurde empirisch beobachtet, dass die Anzahl an Unternehmen erst ansteigt, wenn sich ein neuer Industriezweig etabliert (Gort und Klepper 1982). Ab einem gewissen Zeitpunkt (der Marktsättigung) kommt es aber zum Ausscheiden von immer mehr Firmen (der sog. Restrukturierung). In extremen Fällen können 90% oder mehr der Firmen dabei verschwinden, sogar bei robustem Wachstum. Wir haben hier präzise den Grund dafür, warum Bauern, Handwerker, Detailhändler, also alle Berufe die auf relativ leicht erwerbbarem Wissen, im Laufe der Zeit am stärksten unter Druck kommen. Der Zusammenhang zwischen Marktgrösse und Konzentration unterscheidet sich je nach Wirtschaftsbereich und hängt zudem stark von den sunk costs ab. Sutton konnte auch zeigen, dass diese Mechanismen bei Wirtschaftszweigen mit starker Werbung und/oder Forschung und Entwicklung nicht spielen.
Eine Erhöhung der Konzentration kann bewirken werden durch:
Es zeigt sich hier klar, dass Wettbewerb optimiert, nicht maximiert werden muss:
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1998) befaßt sich in Kapitel 8 seines Buches auch mit der traditionellen Pharmaindustrie. Zum einen untersucht er die Beschaffenheit des F&E-Prozesses und fragt, ob dieser eine Eskalationsstrategie zuläßt. Er kommt zu dem Ergebnis, daß dies nicht der Fall ist. Dies hängt mit der Art und Weise zusammen, in der nach neuen Arzneien gesucht wird. Der Suchprozeß, einem Trial & Error-Prozeß ähnlich, entspricht keiner systematischen Suche, sondern wird von Sutton mit einer Lotterie verglichen. Eine Firma, die mehr ausgibt, wird daher keinen mehr als proportionalen Vorteil gegenüber ihren Rivalen genießen. Sutton folgert daraus, daß es sich bei der traditionellen Pharmaindustrie somit um eine Low-Alpha Industrie handelt. Das bedeutet, daß die Konzentration in der Pharmaindustrie nicht auf die Technologie der Arzneisuche zurückgeführt werden kann. Auf der Suche nach einer Erklärung für die hohe Konzentration in der Pharmaindustrie, beginnt Sutton die Bedeutung des Marketings zu untersuchen. Er stellt zum einen fest, daß Marketingleistungen sehr effektiv sein können, den Umsatz einer Arznei zu erhöhen. Und zwar bis zu einer bestimmten Grenze, die durch die therapeutische Effektivität bestimmt wird. Über diesen Sättigungspunkt hinaus, sind weitere Werbeanstrengungen jedoch ineffektiv. Falls diese Grenze erreicht ist, gelangt man in den Fall exogener Sunkkosten.John Sutton (
Neben diesem Marketingaspekt glaubt Sutton, daß die Konzentration in der Pharmaindustrie durch einen weiteren Punkt begünstigt wird. Dieser betrifft die Variabilität der Erträge, d.h. die Finanzierung. Da ein großer Anteil des Umsatzes der Pharmafirmen von einigen wenigen Produkten abhängt, sehen sich insbesondere kleine Firmen mit wenigen Produkten einer starken Fluktuation der Einnahmen ausgesetzt, wenn die Patente dieser Produkte ablaufen. Dieser ‚Portfolioeffekt‘, so glaubt Sutton, dürfte kleine Firmen benachteiligen und Konzentrationstendenzen unterstützen. Allerdings geht Sutton auf diesen Finanzierungseffekt nicht weiter ein.
Da die Betreibung eines Außendienstes mit hohen Kosten verbunden ist, und die Erschließung neuer geographischer Märkte mit dem Aufbau zusätzlicher Außendienste einhergeht, erhöhen sich die exogenen Sunkkosten. Die Auswirkung dieses Punktes, der aufgrund zunehmender Globalisierung interessant wird, wird zusätzlich untersucht. d) Während
Sutton (1998) auf die Auswirkung von Preiswettbewerb auf die Konzentration nicht eingeht, spielt die Härte des Preiswettbewerbs eine zentrale Rolle in seinem Buch ‚Sunk Costs and Market Structure‘ (1991). Verkaufsstrategen haben neben dem Marketing als weitere Entscheidungsvariablen den Preis. Die Untersuchung des Preiswettbewerbs ist bedeutend, da in jüngster Zeit die Preise jener nicht-innovativer Arzneien unter Druck stehen, die keinen therapeutischen Vorteil bieten.
D.h., je mehr die Biotechnologie als Forschungswerkzeug verwendet wird und das Wissen in Maschinen gebündelt ist, desto weniger absorptive Fähigkeiten müssen bei dem Anwender vorliegen. Der Anwender muß die Geräte lediglich bedienen können, nicht aber das Wissen haben, wie sie hergestellt wurden und wie sie exakt funktionieren.
Zu erwartende Auswirkungen der neuen Technologieplattformen auf F&E:
200
Einerseits steht zu erwarten, daß erstens die Anforderungen an neue Arzneimittel hinsichtlich Qualität, Sicherheit und Wirksamkeit weiter steigen werden. Dies wird einen Teil der Einsparungen aufzehren.
Zweitens wird das Umsatzpotential pro Medikament sinken, da neue Arzneimittel spezifischer sein werden – also auf kleinere Patientengruppen innerhalb der gleichen Grunderkrankung zugeschnitten sind - und die Präzision und Wirksamkeit dieser Arzneien zunehmen wird.
Darüber hinaus werden neue diagnostische Verfahren die Fähigkeiten verbessern, Krankheiten zu antizipieren, anstatt auf sie nur zu reagieren.201
Andererseits bieten die neuen Technologien (elektronische Revolution) und insbesondere die Gentechnik (gentechnologische Revolution) zahlreiche Möglichkeiten, erfolgversprechende Wirkstoffe entwickeln zu können und die Suche nach neuen Wirkstoffen zu beschleunigen, was die Ertragslage positiv beeinflussen wird. Sie eröffnen die Chance, die Erfolgsquote in der Pharmaforschung zu erhöhen und die durch eine weitere Automatisierung und Miniaturisierung gewonnenen Effizienzvorteile zu einer Verkürzung der Entwicklungszeiten einzusetzen.202 So könnten längerfristig die Arzneientdeckungs- und Entwicklungskosten pro Substanz, neben der Beschleunigung des Prozesses, nicht zuletzt durch den Einsatz neuer Technologien gesenkt werden.203
Zudem wird die Anzahl der Krankheiten, die behandelbar sind, zunehmen. Insgesamt ist daher zu erwarten, daß die Vorteile überwiegen.
D.h., solange die Pharmafirmen Zugang zu diesen Technologien bekommen, wird ihr Versuch, die Effizienz und die Profitabilität der Entdeckung durch diese Technologien zu erhöhen erfolgreich sein. Wird es möglich sein, die Technologien zu verbessern, wird es zu einer Senkung von βF&EP-B kommen.
Die Tatsache, daß die Entwicklung einer neuen Arznei (wie z.B. Aspirin) früher nicht mehr als dem Gehalt eines Forschers entsprach, hat sich geändert. Heutzutage sind mehr als DM 600 Millionen nötig, um die finanzielle Garantie für die Entwicklung einer einzigen Arznei zu gewährleisten, und diese Kosten zeigen noch einen Aufwärtstrend,
205 da die technische Entwicklung weiter geht. Sowohl in der kombinatorischen Chemie als auch beim Hochdurchsatz-Screening sind neue und noch leistungsfähigere Systeme in der Entwicklung. Mit dem Übergang zu den neuen Technologien nimmt daher die Bedeutung einer Eskalationsstrategie im Bereich Technologie zu. Die Pharmaindustrie entwickelt sich damit zu einer High-Alpha-F&E Industrie.
Die bisherigen Entwicklungen und der enorme Wissenszuwachs in dieser Schlüsseltechnologie zeigen bereits heute, daß auch große Arzneimittelhersteller angesichts dieser schnellen Entwicklung nicht mehr alle Technologien im eigenen Unternehmen unterhalten können. Große Pharmahersteller wie Merck, Roche oder Glaxo vereinbaren Dutzende solcher Allianzen pro Jahr, um sich den Zugriff auf die neuen Forschungswerkzeuge, die ‘enabling technologies’, zu sichern.
209 Zunehmend werden kleine hochspezialisierte Biotechfirmen, die vielfach an der Spitze der Entwicklung stehen, zu Kooperationspartnern für die klassischen forschenden Arzneimittelhersteller. Schon heute investieren sie einen beträchtlichen Teil ihrer Forschungsbudgets in Kooperationen mit externen Partnern.Die Neigung zum Outsourcing führt nicht nur dazu, daß viele Pharmafirmen auf die gleichen Firmen zugreifen, d.h., versuchen, Zugang zu ähnlichen Technologieplattformen zu bekommen, sondern sie erhöht auch die Abhängigkeit von den Biotechfirmen. Für die weitere Entwicklung ist daher bedeutend, wie sich die Biotechfirmen weiter entwickeln werden und ob Pharmafirmen weiterhin mit ihrer Unterstützung rechnen können. Bislang waren die Biotechfirmen auf die Finanzierung durch die Pharmafirmen sowie denZugang zu ihrem Marketingnetzwerk angewiesen. Dies könnte sich ändern, da die wissenschaftlich- technologischen Fortschritte nicht nur die F&E selber beeinflussen, sondern auch die Vermarktung von Arzneien und die Finanzierung. Das
Marketing wird eine geringere Barriere darstellen, falls innovative Arzneien weniger Marketingunterstützung benötigen und Biotechfirmen es schaffen, mehr innovative Arzneien hervorzubringen. Zudem könnte die Individualisierung der Arzneien die Art und Weise der Vermarktung der Arzneien völlig verändern. Darüber hinaus dürften sich für die Biotechfirmen das Risiko und die Finanzierung von Aktivitäten verbessern, denn auch diese werden durch die neuen Entwicklungen beeinflußt. Zunehmendes Wissen und schnellere Technologien erlauben nicht nur, die Forschung effizienter und weniger risikoreich zu machen. Ebenso werden durch die Fortschritte die teure Phase der vorklinischen und klinischen Tests verändert. Es ist zu erwarten daß sich durch diese Entwicklungen die Kosten und Zeit senken werden, eine Arznei auf den Markt zu bringen. Damit dürfte es auch kleinen Firmen leichter fallen, diesen Teil der Innovationskette vorzunehmen, d.h. vorwärts zu integrierenDie Ausgaben für Marketing nehmen in der Pharmaindustrie eine ähnliche Dimension wie die Ausgaben für F&E ein
Marketing für verschreibungspflichtige Medikamente ist nur an ärztliche oder pharmazeutische Fachkreise erlaubt. Eine verbreitete Marketingtechnologie ist die Werbung und Information durch geschulte Pharmaberater, die diese Fachkreise regelmäßig besuchen, auch
Detaillierung genannt.Beim Endverbraucher darf nur - unter erheblichen Einschränkungen - für rezeptfreie und freiverkäufliche OTC-Medikamente geworben werden. Für diese Publikumswerbung wurden 1997 in Deutschland 890 Millionen Mark ausgegeben. Den größten Anteil davon hatte das Fernsehen mit 58,1% gefolgt von den Publikumszeitschriften mit 36,6%.
Das hatte folgende Konsequenzen für die Pharmafirmen: Da verheißungsvolles Wissen in verschiedenen Gebieten neu entstand, kam es zu keiner völligen Konvergenz der Pharmafirmen mit den Biotechfirmen. Für die Pharmafirmen erwuchs eine Notwendigkeit, eine größere Bandbreite an Feldern zu integrieren, als adäquat in den F&E-Programmen einer Firma untergebracht werden konnte. Da sich die Wissensfront bei den Biotechfirmen der zweiten Generation ständig weiter bewegt und neue Technologien (weiter) entwickelt werden, erhöht sich der Innovationsdruck der Pharmafirmen sogar noch. Pharmafirmen lagern F&E aus und gehen Kooperationen mit Biotechfirmen ein, um sich den Zugang zu Wissen und Technologien zu sichern
Graph: Maleck, Brennecke, Syska in ihrer Vorlesung über Bioökonomie an der Uni Mannheim
Die Abbildung 54 unten zeigt die zunehmende Bedeutung der Firmengröße für die Finanzierung in der Pharmaindustrie. Diese wuchs, da a) die Bedeutung des internen Poolings stieg b) die Fixkosten der Forschung stiegen und c) die Bedeutung des Marketing zunahm, nicht zuletzt aufgrund der teuren und langen Zulassungsphase und abnehmender Forschungsmöglichkeiten.
Steigende Kosten und Risiken, sinkenden Renten, insbesondere für nicht-innovative Arzneien: Diese Faktoren machen die Finanzierung schwieriger, d.h. sie erhöhen
β ~ [Abbildung 58]. Bezüglich der Finanzierung haben es kleinere Firmen zudem schwerer [Abbildung 59]. Diese Faktoren unterstützen somit die Konzentrationstendenzen.
Eine Reihe von Industriebeobachtern stellt fest, daß der Markt nicht länger mittelgroße Unternehmen unterstützt, die nicht imstande sind, die zunehmend steigenden Forschungsausgaben beizubehalten.
439 Selbst eine Forschungskooperation mehrerer kleiner Firmen wird als problematisch angesehen, da der resultierende Präparatenachschub eine Gruppe von zwanzig bis dreißig Firmen vom Gewinn her kaum befriedigen könnte.440Es wurde vorhergesagt, daß diejenigen Firmen, die sich die höheren Ausgaben nicht leisten könnten, zurückbleiben und Kandidaten für eine Fusion würden, weshalb es zu weiterer Konsolidierung kommen sollte.
441 Analysten sagen voraus, daß zwischen 2000 und 2005 die größten 10 Firmen einen Weltmarktanteil von 50 bis 60% halten werden [siehe zum derzeitigen Konzentrationsniveau Kapitel A, Abschnitt II.3 ‚Entwicklung 3: Fusionen zwischen Pharmafirmen‘, S. 5].442 Eine Vermutung, die durch folgende Graphik gleich gelegt wird:Graph: Maleck, Brennecke, Syska in ihrer Vorlesung über Bioökonomie an der Uni Mannheim
452 Doch ein einziges Medikament, das die Gesundheitsbehörde FDA zuläßt, kann einer Firma zum Durchbruch verhelfen.
Nur Geschäftsideen mit hohen Wachstumschancen und großem Marktpotential gelten als finanzierungswürdig, da die Kapitalgeber mit einem Wertzuwachs von 40 bis 100 Prozent pro Jahr rechnen.
Obgleich einige Firmen viel Geld einbringen können, bleibt das Geschäft mit der Biotechnologie riskant. Hohe Betriebsverluste waren bei Biotech-Firmen normal. Die meisten Labors besaßen noch gar keine Produkte.
Nur zehn von 317 börsennotierten Unternehmen waren 1998 in den USA profitabel.
468 Eine Untersuchung kommt zu dem Ergebnis, daß diejenigen Firmen, die mehr Allianzen eingingen, überproportional mehr Komponenten produzierten als jene mit weniger Allianzen.469 Die Bedeutung dieser symbiotischen Beziehung wurde weder von Biotechfirmen noch von Pharmafirmen zu Beginn der Biotechnologie vorhergesehen. Doch wurden die Opportunitätskosten des Verzichts auf eine Partnerschaft klarer. Jede Pharmafirma ohne Partnerschaften geht das Risiko ein, nicht mehr imstande zu sein, eine ausreichend große Pipeline aufzubauen und auf dem globalen Markt konkurrieren zu können.Einen Ausweg aus diesem Dilemma suchen sie nun unter anderem durch Allianzen, Zukäufe und Fusionen.
Beispielsweise konnte eine Pharmafirma, die diagnostische Produkte zu kommerzialisieren hoffte, die Kosten und Risiken der Entwicklung eines spezifischen monoklonalen Antikörpers gleichzeitig durch F&E Kontrakte (oder anderen Formen des Technologietransfers) mit einer Pharmafirma teilen, die an der Anwendung des Antikörpers als Arznei gegen Krebs interessiert war.
Eine verbreitete Geschäftsvereinbarung ist in diesem Fall der sogenannte ‚Optionsvertrag‘: Hier macht die größere Pharmafirma zunächst eine Vorauszahlung, gefolgt von einer Serie von Folgezahlungen an die kleinere Firma. Diese Eventualzahlweise gibt der Pharmafirma das Recht, aber nicht die Verpflichtung, weitere Investitionen zu machen, wie die Finanzierung klinischer Studien oder der Herstellung.480 Dieser Ansatz hat für die Pharmafirmen den Vorzug, daß er mit verhältnismäßig wenig Risiko verbunden ist. Eine Pharmafirma kann zunächst vielversprechende Kandidaten mit einer Anschubfinanzierung unterstützen. Zeigt sich, daß einige der Kandidaten nicht die gewünschten Ergebnisse erzielen, d.h. vereinbarte ‚Meilensteine‘ nicht erreichen, zieht man sich von der Finanzierung zurück und konzentriert sich weiter auf die erfolgreichen Kandidaten. Dies ist als eine Art Risikostreuung der großen Firmen anzusehen, die auf diese Weise das Risiko der kleinen extern poolen.
Für die Biotechfirmen war vorteilhaft, daß sich die etablierten Pharmafirmen in dem Moment als Kapitalquelle auftaten, als sich die VC-Gesellschaften (venture capital) aus ihrem Engagement zurückzogen. Der Fokus der meisten Biotechfirmen liegt weiterhin auf dem upstream Bereich. Die hohen Downstream-Barrieren, zum einen die teuren klinischen Untersuchungen, zum anderen die Ausgaben, die für einen Außendienst und andere Marketing und Werbungsanstrengungen nötig sind, gilt es noch zu überschreiten. Da Pharmafirmen jedoch auf die innovativen Leistungen der Biotechfirmen angewiesen sind, erhalten Biotechfirmen Zugang zu diesem Netzwerk, so daß der Aufbau eines eigenen Dienstes kein Kriterium ist, um am Markt überleben zu können. Da die Biotechfirmen externe Finanzierung - oft von mehreren Pharmafirmen gleichzeitig - erhalten, sinkt zudem die Bedeutung des Internen Poolings. Größe ist für die Biotechfirmen in diesem Zusammenhang weiter kein Kriterium, um am upstream Markt existieren zu können
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Kritischer ist jedoch die Lösung der Patentfrage. Obgleich die Gewährung eines Patents für Firmen nicht der einzige Weg ist, Ausschließbarkeit herzustellen und den ökonomischen Wert ihrer Innovationen abzuschöpfen
489 und es generell eine Diskussion bezüglich der optimalen Patentlänge gibt,490 wird die Gewährung eines Patents von Firmen, die sich in der Biotechnologie engagieren als bedeutend angesehen. Der Ausbau der Bio- und Gentechnologie verlangt Investitionen in Milliardenhöhe und ist mit hohen wirtschaftlichen Risiken belastet. Eine Lösung der Patentprobleme im Bereich der Biotechnologie wird daher als notwendig erachtet. 491 Insbesondere sind Patente bedeutend, die sich auf die Arzneiherstellung beziehen – mehr als Patente auf Bio-‚Technologien‘ - doch sind Regelungen in diesem Gebiet defizitär. Grund dafür ist die generelle Festlegung, daß natürliche Stoffe nicht patentierbar sind.492 Gene nehmen für die Arzneimittelherstellung jedoch eine zunehmende Bedeutung ein. Der Gedanke geht in die Richtung, daß nur wenn Gene mitpatentiert werden, die Firmen Anreiz haben, teure Produkte zu entwickeln. Jedes Gen kann jedoch viele verschiedene Proteine produzieren. Es ist daher schwierig, die Funktion eines Gens abzugrenzen. Bei zu weit gefaßten Gen-Patentregeln entsteht somit das Problem, daß andere Arzneihersteller dann u.U. hohe Lizenzgebühren für den Zugriff auf diese Gene zahlen müßten, und es somit schwer und teuer werden könnte, neue Präparate zu entwickeln.493 Aufgrund der ungelösten Patentfrage kann die Gewährung eines Patents einige Jahre in Anspruch nehmen, bis die Probleme (von den Patentstellen bzw. politisch) gelöst worden sind. Zum anderen können Patentstreitigkeiten sich für eine kleine Firma negativ auswirken. Eine Firma, die nicht über ausreichend Kapital verfügt, diese Zeit zu überbrücken, mag nicht imstande sein, diese Verzögerung zu überstehen. Wird das Patent jedoch gewährt, erhöht sich aufgrund der technologischen Fortschritte in der Testphase die exklusive Nutzungsdauer wieder, was sich positiv auf die Ertragslage auswirkt.
Während es den Biotechnologiefirmen zu Beginn (Finanzierungsphase 1) zugute kam, daß der Abstand zwischen Grundlagenforschung und Kommerzialisierung gering war und sie keine große Molekülbibliothek brauchten, um Aussicht auf einen Erfolg zu haben, bedurfte es dennoch eines gewissen Startkapitals. Fremdkapital war eine unwahrscheinliche Quelle, da zum einen die Assets der Biotechfirmen hauptsächlich immateriell waren, inkorperiert in Humankapital und ohne Sicherheiten, und da die Technologie zum anderen revolutionär neu war: sie versprach zwar ein sehr großes Potential, doch war der Ausgang ungewiß. Auch ausreichend Kapital zur Innenfinanzierung existierte bei diesen neuen Startups keines. Es waren VC- Firmen [venture capital], die einerseits das Potential erkannten und andererseits bereit waren, das Risiko zu übernehmen. Sie poolten das Risiko extern, indem sie in verschiedene Firmen investierten und zudem eine aktive Rolle bei der Etablierung der Firmen spielten. Die Pharmafirmen begannen erst später, auf die Fortschritte der Biotechnologie auf breiter Basis zurückzugreifen (Finanzierungsphase 2). Die großen Firmen waren zwar in einer besseren Position, hohe Ressourcen für die benötigte Zeit festzulegen, um einen Ertrag auf das Investment zu bekommen. Kleine Start-ups tendierten jedoch zu größerer Flexibilität: Sie reagierten schneller bei der Entwicklung der Biotechnologie und besaßen einen Wissensvorsprung. Sie nutzten sowohl Produktnischen als auch Forschungsnischen aus, in denen sie einen Wettbewerbsvorteil hatten. Biotechfirmen wurden Anbieter von Produkten sowie F&EDiensten. Pharmafirmen finanzierten Biotechfirmen, um Zugang zu diesem Know-how zu bekommen und kooperierten mit den Biotechfirmen bei der kapitalintensiven Zulassungs- und Marketingphase. Hierdurch konnten Biotechfirmen viele finanzielle Einschränkungen überwinden. Dennoch konnten sie sich weiterhin nur selten aus ausreichendem eigenen Cash-flow (interner Finanzierung) selber finanzieren und Eintrittsbarrieren in den Downstream-Markt wie das Marketing überwinden. Derzeitige Entwicklungen (Finanzierungsphase 3) versprechen, daß dies in Zukunft erleichtert werden wird. Die neuen Technologien versprechen Verbesserungen bei den Faktoren
Kosten, Kapitalbindung, Risiko und Ertrag. Eine Handvoll ehemals kleiner Biotechfirmen war bei ihrem Versuch schon erfolgreich, vollintegrierte Unternehmen zu werden. Viele Firmen folgen den Biotechunternehmen wie Amgen und Genzyme und planen, voll integrierte Pharmafirmen zu werden. Sie ändern ihren Ansatz dahingehend, nicht nur hauptsächlich Arzneien zu entdecken, sondern ihre Produkte auch zu vermarkten. In der Vergangenheit hatte sich dies als schwierig herausgestellt. Zwei der erfolgreichsten Biotechfirmen, Genentech und Chiron, mußten zur Erreichung dieses Ziels beträchtliche Teile an große Pharmafirmen verkaufen. Roche besitzt 69% von Genentech und Novartis knapp unter 50% von Chiron, und ein weiterer Start-up der achtziger Jahre, Genetics Institute, wurde vollständig von American Home Products übernommen.496Wenn Biotechfirmen sich behaupten können, werden Pharmafirmen sich ernstzunehmenden Konkurrenten ausgesetzt sehen. Noch haben große Pharmafirmen Vorteil im Marketing. DieVerbesserung des Cash-flow Profils wird es den Biotechfirmen erleichtern, das Marketing (insbesondere in weniger umkämpften Nischenmärkten) selber zu übernehmen. Biotechfirmen werden dann nicht mehr darauf angewiesen sein, einen Teil ihres Gewinns den großen Pharmafirmen zu überlassen, um Zugang zu ihrem Marketingnetzwerk zu bekommen. Hinzu kommt, daß das Know-how zur Verbesserung sich oftmals in der Hand der Biotechfirmen befindet. Während sie in der Vergangenheit dieses Wissen an die Pharmafirmen im Austausch gegen Kapital und/oder Hilfe bei den Tests und dem Marketing bereitstellten, werden sie darauf in Zukunft weniger angewiesen sein. Vom Zugang der Pharmafirmen zu den Technologien und dem Wissen der Biotechfirmen wird auch abhängen, wie der Eskalationsprozeß sich darstellen wird.
Es steigt die Bedeutung einer Eskalation, um sich – bei abnehmender Anzahl von Pharmafirmen aufgrund von Fusionen – gegenüber anderen Biotechfirmen durchzusetzen. Das Ausmaß nimmt zu, in dem eine Firma, die mehr für F&E ausgibt bzw. gegenüber ihren Rivalen die Wissensfront vorwärts bewegt, die Marktkonstellation destabilisieren kann. Dies deutet darauf hin, daß sich die Gebiete der Biotechindustrie, in denen die Biotechnologie als Forschungswerkzeug benutzt wird, in Zukunft in Richtung einer high-α-Industrie bewegen werden. Die große Anzahl der Biotechfirmen darf dabei nicht darüber hinwegtäuschen, daß die meisten von ihnen unterschiedliche Segmente des Marktes bedienen und innerhalb dieser Märkte die Konkurrenz groß ist. Das bedeutet, daß in Zukunft die Konzentrationstendenzen innerhalb der Märkte, die die Biotechfirmen der zweiten Generation bedienen, zunehmen werden.
Nicht nur, daß sich dadurch die Biotechfirmen, die sich als Arzneientdecker verstehen (die sogenannten
biopharmazeutischen Unternehmen), sich zunehmend emanzipieren können und zu Konkurrenten der Pharmaunternehmen werden können. Die Veränderung der F&E Strukturen zeigt auch, daß die etablierten Pharmaunternehmen die originäre Innovationskraft nicht mehr zu ihren Kernkompetenzen zählen können. Die meisten der großen Firmen gehen aus der Erkenntnis Vereinbarungen mit Biotechfirmen ein, daß, wie groß auch das Forschungsbudget sein mag, F&E nicht mehr alleine intern durchgeführt werden kann. Daher kommt es zum ‘Outsourcing’ der F&E der großen Firmen an die Biotechfirmen. Die Bedeutung nimmt dabei zu, sich die bedeutenden Technologieplattformen zu sichern mit entsprechender Auswirkungauf die F&E-Ausgaben.Profitieren werden die Biotechfirmen davon, daß das Know-how zur Verbesserung sich oftmals in ihren Händen befindet. Während sie in der Vergangenheit dieses Wissen und die Technologien an die Pharmafirmen im Austausch gegen Kapital und Hilfe bei Testphase und Marketing bereitstellten, werden sie darauf in Zukunft weniger angewiesen sein. Dies wird ihnen auch einen Vorteil verschaffen, wenn die Bedeutung einer Eskalationsstrategie zunimmt.
Für die Biotechfirmen der ersten Generation war die Firmengröße keine Voraussetzung, um am Markt zu existieren. Zwar war ihr Ansatz durch ein höheres Alpha (α) als beim traditionellen Arzneientdeckungsansatz klassifiziert, doch war der biotechnologische Ansatz wissensintensiver. Wichtiger als eine hohe Kapitalausstattung war die Existenz ausschließbaren Wissens bei den Biotechfirmen und fehlender absorptiver Fähigkeiten bei den Pharmafirmen.
Dies ermöglichte, daß sich kleine Biotechunternehmen am Markt etablierten, ohne zu Beginn von den großen kapitalstärkeren Pharmafirmen herausgefordert zu werden. Darüber hinaus war die Bedeutung von Fixkosten gering, da diese Firmen von der Nähe zur Universitätsforschung profitierten. Im Marketing hatten die Biotechfirmen einen Vorteil, da sie innovative Arzneien hervorbrachten und Behandlungen von Krankheiten ermöglichten, die vorher nicht oder nur eingeschränkt heilbar waren.
Pharmafirmen, die an den Produkten der Biotechfirmen interessiert waren, um ihre Pipelines zu füllen, ermöglichten ihnen Zugang zu ihrem Marketingnetzwerk.
Obgleich eine Eskalationsstrategie im Marketing bei innovativen Arzneien zunächst wirksamer ist als bei nicht-innovativen, ist bedeutender, daß bei innovativen Arzneien das Sättigungsniveau schneller erreicht ist und insgesamt eine geringere Marketingunterstützung nötig ist (Information statt Überzeugung). Zusätzlich profitieren die Biotechfirmen davon, daß der Preiswettbewerb bei innovativen Arzneien geringer ausfällt.
Auf der Finanzierungsseite sicherten zunächst VC-Gesellschaften die Finanzierung, später die Pharmafirmen, und poolten das Risiko extern. Es war kleinen Biotechfirmen somit möglich, am Markt zu existieren, obgleich sie nur eine geringe Größe aufwiesen. Dies ermöglichte es den Biotechfirmen der ersten Generation, sich am Markt zu etablieren.
II.1.2 Biotechfirmen der zweiten Generation
Neben den Biotechfirmen der ersten Generation entstanden die Biotechfirmen der zweiten Generation, die dadurch charakterisiert sind, daß sie sich jeweils auf bestimmte Stufen der Innovationskette konzentrieren (Molekülproduktion durch Kombinatorische Chemie, Screening, Testphase, Genomdatenbanken etc.), statt wie die Firmen der ersten Generation zu versuchen, einige Medikamente hervorzubringen und durch die Pipeline zu schleusen.
Firmen begannen, die grundlegenden Biotechnologien mit anderen Gebieten zu verbinden (Nanotechnik, Informatik etc.). Die Biotechnologie bietet hier als Querschnittstechnologie eine große Anzahl an Möglichkeiten. Es stellt sich die Frage, wie diese Firmen sich weiter entwickeln werden.
Obgleich die Anzahl der Firmen sehr groß ist, die die Biotechnologie verwenden, agieren diese Firmen in unterschiedlichen Märkten. Innerhalb dieser einzelnen Märkte ist die Anzahl der Biotechfirmen gering. Entlang eines jeden Pfades wird eine Eskalationsstrategie bedeutend werden. Man darf früher oder später innerhalb dieser Pfade daher einen Verdrängungswettbewerb erwarten. Dies wird um so bedeutender, je weiter das Potential der Biotechnologie, sich mit anderen Gebieten zu verbinden, ausgeschöpft ist und die Entwicklung entlang neuer Pfade keine Alternativemehr darstellt. Eine Verdrängung kann auf zwei Arten stattfinden:
Zum einen durch eine Erhöhung der Fixkosten in der klassischen Art, wie es Sutton (1996, 1998) darstellt,
zum anderen durch Ausbau des Wissens entlang eines Know-how-Pfades. Je mehr ausschließbares Wissen eine Biotechfirma hervorbringt, um so wichtiger wird es, sich entlang der Wissensfront zu bewegen.
Ist das Wissen über die jeweilige Technologie hingegen schon weit verbreitet und kommt den absorptiven Fähigkeiten keine Bedeutung zu, zählt allein, ausreichende Finanzierung zu haben, womit ein klassischer Sutton-Pfad vorliegen würde. Während im ersten Fall auch kleine Firmen ein Möglichkeit haben werden, am Markt zu bestehen, wird eine klassische Eskalationsstrategie finanzstärkere, und damit meist größere Firmen, bevorzugen. Die weitere Entwicklung der Biotechfirmen der zweiten Generation wird somit davon abhängen, ob sie weiterhin ausschließbares Wissen hervorbringen. Denkbar ist in Zukunft auch eine Kooperation der jeweiligen Spezialfirmen, um eine Technologiebasis zu bilden, von der aus neue Arzneien entwickelt werden können und die Entwicklung hin zu einer biopharmazeutischen Firma.
II.1.3 Biopharmazeutische Biotechfirmen
In der Vergangenheit waren die Biotechfirmen der ersten Generation nicht imstande, die hohen Kosten (Testphase, Marketing) zu übernehmen. Nur eine symbiotische Beziehung mit den Pharmafirmen erlaubt ihnen, am Markt zu existieren. Falls die Technologien die an sie gestellten Erwartungen erfüllen und die Arzneientdeckung und -entwicklung in Zukunft billiger und schneller wird, können kleine biopharmazeutische Firmen schneller ihren Cash-Flow aufbauen, den sie für die Finanzierung zukünftiger Produkte benötigen. Damit wird ein weiteres Argument für große Pharmafirmen wegfallen, nämlich ihre Fähigkeit, auch teure Mißerfolge zu überstehen. Zudem werden die Verbesserungen des Cash-flow Profils den Biotechfirmen erlauben, weiter vertikal zu integrieren. Damit werden sie sich zu Konkurrenten der Pharmafirmen entwickeln. Die jüngsten Entwicklungen stellen somit eine Veränderung zu der symbiotischen Beziehung dar, wie sie in der Vergangenheit vorzufinden war. Auf finanzielle Hilfe sind Biotechfirmen immer weniger angewiesen. Statt Partner der Pharmafirmen zu sein, werden sie zunehmend zu Konkurrenten der Pharmafirmen werden.
Zum anderen Allianzen mit anderen Biotechfirmen. An dieser Stelle sein an die Arbeit von Powell (1996) erinnert, der feststellt, daß in früheren Stufen der Biotechnologie die Anzahl der Allianzen mit dem wirtschaftlichen Erfolg der Firmen in Verbindung zu bringen war. Folglich wird aufgrund der Vielzahl der Technologien und der Tatsache, daß das Wissen so weit gestreut ist, die Pharmaindustrie weiterhin durch zahlreiche Allianzen charakterisiert sein. Sie werden sich im Typ jedoch ändern: Jene mit den Spezialfirmen, d.h. der zweiten Generation werden zunehmen, jene mit den Biotechfirmen der ersten Generation, bzw. den biopharmazeutischen Unternehmen hingegen abnehmen. Zwischen ihnen wird es, statt wie früher zu einer symbiotischen Beziehung, zum Wettbewerb kommen.
Die traditionelle Pharmaindustrie traf jahrzehntelang auf ein Umfeld, in dem große Firmen einen Vorteil genossen: In dem Gebiet Technologie folgte sie zwar keinem Ansatz, bei dem eine Eskalationsstrategie fruchtbar war (low-α), doch benötigte der Trial & Error Ansatz eine große Molekülbibliothek (hohe Setupkosten). Da aufgrund des technologischen Ansatzes vermehrt nicht-innovative Arzneien hervorgebracht wurden, stieg die Bedeutung des Marketing (hohe Fixkosten sowie gewisse Eskalation bis zur Sättigungsgrenze). Des weiteren unterstützte ein zunehmend harter Preiswettbewerb die Konzentrationstendenz. Auf der Finanzierungsseite erhöhten eine geringe Trefferquote und die Bedeutung internen Poolings sowie die hohen Fixkosten die Vorteile großer Firmen.
Auch hier das selbe Fazit:
Je mehr Wettbewerb - desto weniger Firmen überleben.
Je weniger Firmen, desto höher die Konzentration.
Je höher die Konzentration, desto tiefer die Beteiligung
- desto weniger Arbeitsplätze
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Die Branche beschäftigt zur Zeit in der Schweiz 14'332 Mitarbeiter in 218 Unternehmen wovon 137 mit der Entwicklung von Medikamenten beschäftigt sind. Der Umsatz belief sich 2006 auf 4.7 Mrd ... bei einem Verlust von 24 Mio. Die Bedeutung für den Arbeitsmarkt ist also minimal ... abgesehen von dem für Spezialisten ... bei denen man allerdings mal den "Ausschuss" überprüfen sollte, denn sobald ein Spezialist seine Firma verliert, riskiert er ganz einfach überflüssig zu werden. Des weitern zeigen auch diese Zahlen, dass die Branche von der Krankenkasse abhängt, da sie immer noch mehr und meist noch teurere Medikamente kreiert (häufig für noch überflüssigere Lifestyle-Therapien als eh schon).
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Da die traditionelle Pharmaindustrie aufgrund des technologischen Ansatzes immer weniger innovative und immer mehr nicht-innovative Arzneien hervorbrachte, stieg die Bedeutung des Marketing.
Darüber hinaus entstand ein zunehmend harter Preiswettbewerb unter diesen nicht-innovativen Arzneien, v.a. den Generikaarzneien. Die Bewegung in Richtung Markt ist als Reaktion auf diese Tendenzen zu sehen. Pharmafirmen versuchten dadurch, die Nachfrage nach ihren Produkten zu erhöhen, während die Preise fielen.
Die neuen Technologien versprechen, daß mehr innovative Arzneien generiert werden dürften, womit die Bedeutung des Marketing als Instrument der Überzeugung sowie die des Preiswettbewerbs abnehmen dürfte. Eine Zunahme der Produktmöglichkeiten wird zudem die Notwendigkeit schmälern, aufgrund abnehmender exklusiver Nutzungsdauer, Arzneien schnell global vermarkten zu müssen. Firmen haben die Möglichkeit, neue, innovative Arzneien hervorzubringen, anstatt Me-too Arzneien zu kreieren. Auf der
Finanzierungsseite senkt eine höhere Trefferquote zudem die Bedeutung internen Poolings.

Graph: Maleck, Brennecke, Syska in ihrer Vorlesung über Bioökonomie an der Uni Mannheim
Obwohl es sich ganz offensichtlich um einen gewinnträchtigen Bereich handelt, ersetzt dieser andererseits traditionelle Pharmaproduzenten - und schafft zudem weniger Arbeitsplätze, dafür fast nur Hochqualifizierte. Beides macht das Interesse der Schweizer Bildungspolitik am Biocluster Basel verständlich.
Obwohl auch hier natürlich immer von "Wettbewerb" und "freiem" Markt geredet wird, handelt es sich ganz offensichtlich um einen Markt, an dem nur der überlebt, der die hier beschriebenen Herrschaftsstrategien anwenden kann, also über ausreichend Kapital verfügt.
So ähnlich muss es auch bei den Banken zu und her gehen, denn auch da lässt sich durch exklusives Wissen ein schöner Batzen abholen. Warum wohl werden Bankfachleute meist intern geschult und nicht an Universitäten oder Hochschulen? Oder schon mal einen Dr. Banco gesehen? Ausgerechnet die zwei Bereiche, die uns von den Wirtschaftspropheten dauernd als Vorbilder um die Ohren gehauen werden, basieren also auf Strukturen, die von andern bereichen der Wirtschaft kaum imitiert werden können.
Während dem das Bankgeheimnis I, das meist diskutierte, andere Staaten um ihre Steuern prellt, gibt es ein Bankgeheimnis II, das gar nicht diskutiert wird: Wer sind die Gewinner? Wer sind die Verlierer bei den Börsenspielen? Hier hört man nur von "grossen" Gewinnern oder Verlierern - aber es steht zu vermuten, dass es bei zweiteren sehr viele Kleine sind, die von besser informierten über den Tisch gezogen werden.
Was die Pensionskassen betrifft, einflussreiche Spieler, fordert die staatspolitische Kommission des Ständerates (SPK) nun einstimmig, dass Pensionskassenverwalter ihre eigenen Geschäfte offen legen. Denn diese können, genau wie Banken, mit ihren enormen Beständen an Wertpapieren die Entwicklung des Marktes gezielt beeinflussen ... zumindest kurzfristig, aber um sich zu bereichern reicht das ja.
Martin Herzog, Dipl. Ing. ETH, Basel, 26.8.06
LINKS:
Swiss biotech association (Branchenverband)
http://www.swisslifescience.com/ Datenbank
http://www.nccr-nano.org/nccr/ Die Biotech-Cluster bieten auch für Nanotechnologie grosse Vorteile. Ueberblick
lake geneva biocluster Dass Bertarellis Serono, No 3 weltweit, ihren Hauptsitz in Genf hat, erklärt das Geneva Biotech Cluster vermutlich. Dass auch Grosse vor Unbill nicht geschützt sind zeigen die Meldungen der letzten Zeit (Handelszeitung vom 27.6.06): Aderlass beim Kader, Topjobs, die nicht besetzt werden können, keine neuen Blockbuster in der Pipeline, unklare Strategie: Beim Genfer Biotechnologieunternehmen häufen sich die Probleme. Das Vertrauen schwindet....) Wenn ein solcher Gigant lokal untergeht, dürfte das für das gesamte Cluster ungute Folgen haben - vor allem auch für die Fachleute mit ihrem hochgradig spezifischen Wissen. Wenn die ETH ihre Ausbildungsstrategie (Evaluation 2002) zu stark auf solche Strukturen ausrichtet, tut sie damit ihren Studenten vermutlich nicht den grössten Gefallen.
toolpoint - ein Netzwerkzentrum für medizinische Diagnosegeräte
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REACH: Registration, Evaluation, Authorisation and Restriction of Chemicals. Seit 1. Juni 2007 in Kraft. Für alle Stoffe von denen pro Jahr mehr als 1 Tonne hergestellt wird, müssen die Eigenschaften und Gefahren beschrieben und die gesamte Produktionskette darüber informiert werden. Schätzungen besagen, dass von den ca. 30.000 Stoffen, die jährlich mit mehr als einer Tonne produziert werden, bis 2006 nur 140 ausreichend auf ihre Wirkung hin untersucht wurden. Zudem ist wegen der Geheimhaltung von Rezepturen in der Regel nicht bekannt, welche Stoffe in Konsumgütern Verwendung finden und so zu einer Belastung von Gesundheit und Umwelt führen können. [wiki] Der Aufwand ist also beträchtlich. Dennoch werden eine Menge an "Chemikalien" weiterhin "geheim" bleiben, da sie nur in sehr sehr kleinen Mengen hergestellt werden ... gerade diejenigen, die sehr wirksam sind.
Was die Börse betrifft, so ist die Schweiz das Zentrum der Biotechnologie-Branche Europas. Sogar die italienische Newron Pharmaceuticals beschaffte ihr Börsenkapital von 118 Millionen Fr. nicht in Italien, sondern hier über den swx. Addex verschaffte sich 40 Millionen. Actelion stieg um mehr als das Doppelte, Cytos + 140%. 2007 sollen Apoxis und HBM Bioventures folgen. Wertsteigernde Produkte werden erwartet von Arpida, Basilea und Speedel.
p.s: Der Impfstoffmarkt
Da sich im Falle einer Pandemie Impfstoffe nicht ausreichend rasch mit der traditionellen "Hühnerei-Produktionsmethode" herstellen lassen, setzt man bei dem 11 Milliarden-Dollar Markt (eine Verdoppelung in 5 Jahren erwartet!) zunehmend auf Biotechnologie. Deshalb hat sich Novartis Chiron gekrallt und die holländische Crucell die innovative Pipeline von Berna Biotech. Der Schwerpunkt der zürcher Cytos liegt bei therapeutischen Vaccinen, also Impfungen gegen Krebs, Alzheimer ... und ev. die Nikotinsucht, Fettleibigkeit, Zuckerkrankheit ... .
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