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Webmaster und Internet-Redaktor Martin Herzog
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Hilft Bildung gegen Arbeitslosigkeit? Die (höhere) Bildungspolitik der Schweiz |
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2 Was ist das eigentlich, der IQ ?
Und hier die Antwort auf die Frage: Was sind und tun Intellektuelle? (ausser mit Grammatik Schabernack betreiben ..) |
2.1 Einfache Intelligenz
Definitionen
Am treffendsten was den IQ betrifft, ist immer noch die selbe Definition die bereits zur Studienzeit des Autors galt: Intelligenz ist das, was Intelligenztests messen. [Boring]
Der IQ, cognitive Fähigkeit, rein intellektuelle Pferdestärken hat Marktwert, Diplome sind nicht Beglaubigungen, sondern Intelligenztests, denn Intelligenz ist die Grundlage der Produktivität.
[nach: Herrnstein/Murray in The Bell-Curve]
Nach der etymologischen Bedeutung, also der Herkunft des Wortes nach, bedeutet Intelligentia (gr.): Einsichtsvermögen, Verständnis, Erkenntnisfähigkeit, Denkfähigkeit.
Generell kann man Intelligenz als die Fähigkeit zu (geplantem und sinnvollem) Denken beschreiben. (Die Klammer ist einzuführen, da diese Definition das intuitive, also ungeplante und manchmal scheinbar sinnlose, Denken ausschliessen würde. Sinnlos allerdings nur so weit, als man z.B. Träume als "sinnlos" betrachten kann).
Laut Anastasi messen Intelligenztests die Fähigkeit in unserer speziellen Kultur erfolgreich zu sein, wobei er aber die Intelligenz vermutlich etwas überschätzt (s. auch die Kommentare in Beitrag 5 zum kulturellen Einfluss auf die Intelligenz).
Anspruchsvoll ist auch die Definition von Wechsler: Intelligenz ist die Fähigkeit zur Auffindung von Ordnungen (Redundanz) in der Welt. In einer völlig chaotischen Welt gäbe es keine Orientierungshilfen, ein kluges Verhalten liesse sich nicht von einem törichten unterscheiden.
Die meisten Definitionen vergessen den Leistungsaspekt, denn bei allen Tests spielt die Zeit eine entscheidende Rolle. Der IQ bestimmt also die potentielle kognitive Leistungsfähigkeit. Diese Definition (von mir) macht zwei Dinge klarer:
Menschen mit tieferem IQ sind nicht unbedingt dümmer - sie denken und lernen bloss langsamer. Ein Mensch mit tiefem IQ der denkt ist einem Menschen mit hohem IQ der das Denken lieber lässt, immer noch überlegen. Diese Beschränktheit des Konzepts ist wirklich wichtig und bestätigt eine ähnliche Erkenntnis zur Über- oder Unterlegenheit intuitiven Denkens über rationales Denken: Wo nur Scheisse drin ist kommt auch nur Scheisse raus - ob schnell oder langsam ist dann relativ wurscht.
Es geht "bloss" um Erkenntnis. Erkenntnis treibt die menschliche Entwicklung uÜber- oder Unterlegenheit intuitiven Denkensnd den Fortschritt voran - ist aber das Geschäft einer Minderheit, was berufliche Tätigkeit betrifft. In den meisten Berufen ist das Hirn nur ein Instrument, und nicht immer das wichtigste.
2.1.1 Die Entwicklung der Intelligenz mit dem Alter
Die Intelligenz entwickelt sich bis ca. zum Alter von 9 bis 11 Jahren und bleibt dann weitgehend stabil, stimmt also mit dem Niveau, das mit 40 vorhanden ist, weitgehend überein - was aber eben präzise nicht heisst, dass der 11-jährige schon eben so klug ist wie ein 40-Jähriger, denn es fehlt im das Wissen - von der Erfahrung im Umgang mit Werten schon gar nicht zu sprechen. Die Vermittlung kultureller Werte und Normen beginnt ja in dem Alter eigentlich erst. Die Tests müssen also den entsprechenden Wissensbeständen angepasst sein.

Die Intelligenz als solche bleibt im Alter weitgehend erhalten, es sei denn, das Gehirn werde durch Arteriosklerose, Abbauprozesse, Einlagerungen (Alzheimer) etc. gestört. Man muss hier aber nun zwei Arten von Intelligenz unterscheiden, die in der Jugend parallel laufen:
fluide Intelligenz: Geschwindigkeit der Aufnahme, Verarbeitung und des Speicherns von Information. Diese lässt im Alter stark nach - lässt sich aber durch Training ebenfalls weitgehend erhalten, zumindest im "jugendlichen" Alter. Danach sollte man vielleicht eh nicht mehr so hetzen ... nicht mal im Kopf.
kristalline Intelligenz: Erfahrungswissen, kulturelle Wissensbestände, allgemeines Wissen über Problemlösungsstrategien und Gedächtnisstrategien. Diese bleiben bis ins hohe Alter erhalten, und können sich sogar steigern. Der Idealfall der Altersweisheit, die nun aus einer lebenslangen Erfahrung schöpfen kann.


Allerdings können flexible Persönlichkeiten mit hoher Wahrscheinlichkeit auch im hohen Alter, also nach 75, noch ein hohes intellektuelles Leistungsniveau aufweisen. Flexibel sein heisst hier eben auch, immer wieder dazu und umlernen, nicht auf seinem erworbenen Wissen ausruhen, sondern das Gehirn trainieren, durch Füttern mit zu bewältigenden Widersprüchen.
[Oerter/Montada: Entwicklungspsychologie S. 14, 15 / 457]
2.2 Zweifaktor-Intelligenz: Abstrakte und kinetische (motorische) Intelligenz
Cattell unterscheidet bereits zwei Faktoren der Intelligenz:
1. fluid intelligence, als allgemeine, weitgehend angeborene Fähigkeit, sich neuen Problemen und Situationen anzupassen, ohne dass es dazu umfangreicher früherer Lernerfahrungen bedarf. Man kann dies alltagssprachlich bezeichnen als schnelles Schalten, sofort-im-Bilde-sein, instinktiv das Richtige tun, Zusammenhänge auf einen Blick erfassen und ordnen. Diese Fähigkeiten lassen sich kulturfrei (culture fair oder culture reduced) erfassen.
2. crystallized intelligence: Vereinigt jene kognitiven Fähigkeiten, in denen sich angehäuftes Wissen aus bisherigen Lernprozessen kristallisiert und verfestigt hat (Bildung). Dieser Faktor beinhaltet in hohem Masse kulturspezifische Elemente.
Rainer .K. Liedtke schlägt ebenfalls ein zweifaktorielles Modell der Intelligenz vor [Relative Intelligenz www.newhealth.de/RI/ri3_1.php]. Nach seiner Meinung gibt es bereits zwei Grundarten von Gedächtnis:
das deklarative (explizite) Gedächtnis, dessen Inhalte sich sprachlich wiedergeben lassen
Fakten-Gedächtnis: für allgemeine Sachkenntnis zuständig
episodisches Gedächtnis: Erinnerungen an bestimmte Ereignisse
das nichtdeklarative (implizite) Gedächtnis, das für mechanische und motorische Fähigkeiten zuständig ist.
prozedurales Gedächtnis: motorische Routinen wie Treppensteigen, Radfahren, Tennis, ein Musikinstrument spielen
Priming: die vorbewusste Erinnerung an einen Sinneseindruck, dem man schon einmal ausgesetzt war (Wein, Küche, Gefahr, soziale oder geschäftliche Situation ...)
Auch das Erlernen motorischer Bewegungsabläufe, einer Sportart z.B, kann einen erheblichen Zeitaufwand bedingen. Mit bewusstem Lernen von Inhalten hat dies allerdings wenig zu tun. Dieses ist zwar wichtig, um die Aufmerksamkeit zu steuern und die Zielsetzung des Trainings zu erfassen, da diese Abläufe aber meist sehr rasch sind (Musik z.B.), zeigt sich der Lernerfolg erst, wenn sie im Kleinhirn, im limbischen System, automatisiert sind. Das selbe gilt für Sportarten wie z.B. Tennis. Hier wären reflexive Denkprozesse viel zu langsam. Um gewinnen zu können, ist eine automatisierte Reaktion nötig, also das Training von Reflexen.
Intelligenz ist also eine harmonische Mischung aus mindestens zwei der eher einseitigen Begabungen:
Primär abstrakte Intelligenz (pa) - überwiegend deklarative Gedächtnisfunktion: Theoretiker, Intellektueller, Brainworker - die viel wissen, aber praktisch nichts zu Stande bringen. Ihre kinetische Defizienz geht bis hin zum motorischen Spastiker (nerd). Im Extremfall sind sie hyperabstrakt, nur virtuell, ihre Arbeit Dauerplanung ohne Umsetzung.
Primär kinetische Intelligenz (pk) : Praktiker - der lieber erst mal macht, bevor er denkt. Ein Ansatz, der auch nicht immer von Erfolg gekrönt ist. Im Extremfall handeln sie ohne zu denken, sind hyperaktiv, ohne Ziel und Grund mit Daueraktivitäten beschäftigt.
Die extremen Beispiele zeigen bereits, dass eine einseitige Ausrichtung zu Defiziten und eingeschränkter Autonomie führt, die durch Kooperation mit Partnern ausgeglichen werden muss, welche ihrerseits in diesen Bereichen stärken haben. Der Gemeinplatz - Gegensätze ziehen sich an - drückt dies deutlich aus. Die gegenteilige Aussage: Gleich und Gleich gesellt sich gern, beruht auf den Problemen, die unterschiedliche Charaktere in einer Gemeinschaft zu bewältigen haben. Als Team jedoch wäre ein sich ergänzendes Paar oder Team erfolgreicher. Dies stellt auch die Vorliebe mancher Personalchefs in Frage, Personen zu suchen, die teamfähig sind, also in das bestehende Team passen. Was die Effizienz des Teams betrifft, müssten eigentlich Personen angestellt werden, die das Team dort ergänzen, wo es defizitär ist.
Die Leistung des pa sind schwer greifbar und daher schwer einzuschätzen. Materielle und sportliche Erfolge werden von der Gesellschaft leichter Wahr genommen als die Konstruktion von Ideengebäuden und abstrakten Systemen. Daher bestehen hier einige Probleme mit der öffentlichen Anerkennung der Leistungen, was zu Unsicherheit und introvertierter Abkapselung - oder extravertierter Arroganz und Zynismus - führen kann.
Während der pa-Typus bei praktischen Entscheidungen und der Umsetzung seiner Analysen, Ideen, Anregungen und Modelle oft Probleme hat, sind diese oft nützlicher Ausgangspunkt für planungsschwache praktische Macher.
| Definition der praktischen Intelligenz: Ein Lebewesen verhält sich "intelligent", wenn es ohne Probierversuche oder je neu hinzutretende Probierversuche ein sinngemässes Verhalten neuen, weder Art- noch individualtypischen Situationen gegenüber vollzieht, und zwar plötzlich und vor allem unabhängig von der Anzahl der vorher gemachten Versuche, eine triebhaft bestimmte Aufgabe zu lösen. Hist. Lex. Philosophie |
Der optimistische pk-Typ, der Bastler, kennt oder versteht oft die physikalischen Fakten und Regeln nicht vollständig, lässt sich aber nicht von vornherein von den aus einer logisch abgeleiteten abstrakten Planung zu erwartenden Fehlschläge beeindrucken. Er geht situative Probleme nicht von der analytischen Seite her an, sondern von deren prozeduralen Möglichkeiten, lässt sich also von der praktischen Frage leiten: Was kann ich in der Situation überhaupt tun? und entscheidet nach dem Prinzip: Wer nicht wagt, der nicht gewinnt.
Ein intelligentes Vorgehen unterscheidet sich aber vom unendlichen herumpröbeln dadurch, dass die Lösung zuerst im Kopf gesucht wird.
Während der pa-Typ leicht unter Minderwertigkeitskomplexen, Selbstkritik und Isolation leidet, da Wissen nie umfassend ist, folgt der pa-Typ eher den Mainstream-Erwartungen und stellt sich gerne gesellschaftlich in den Vordergrund. Anerkennung wird ihm trotzdem oft verweigert, nach dem Motto: Reich aber dumm. Er wird durch analytische Selbstkritik seines Tuns kaum belastet, was allerdings auch zu Selbstüberschätzung und Allüren führen kann. Fehlschläge werden auf der gesellschaftlichen Ebene dann allerdings genau so rasch wahrgenommen wie Erfolge.
pa-Typen neigen oft dazu, Dinge unnötig zu komplizieren, was auch eine Waffe sein kann, zur Erhaltung des eigenen Terrains, wie z.B. die, gelinde gesagt, mühsame Sprache von Beamten, Soziologen und andern Wissenschaftler, Computerfachleuten oder Linken (s. WOZ.) Sie schaffen sich damit eine eigenen, geschlossene Gesellschaft, in der sie dominieren können und dürfen.
pk-Typen andererseits benutzen gerne Vereinfachungen (Schlagworte), welche durch eine emotionale Verpackung noch besser ankommen - aber die Realität nicht mal am Rande treffend darstellen (s. Blocher und SVP, generell: Populismus).
Die unterschiedliche Ausprägung der Intelligenzen bei verschiedenen Personen führt auch zu unterschiedlichen subjektiven Wahrnehmungen,die also nicht einfach als richtig oder falsch klassiert werden können.
Hochbegabte sind dies ja meist in abstrakten Bereichen wie Mathematik, Computer- und andern Wissenschaften. Dennoch sind sie oft beruflich wie wirtschaftlich nur durchschnittlich erfolgreich. Ursachen diesen Scheiterns sind oft die Neigung, analytisches Denken überall anzuwenden, auch in Bereichen, wo es nicht funktioniert, wie in zwischenmenschlichen Beziehungen. In diesen, für das praktische Leben äusserst wichtigen Gebieten geht es aber eher darum, die Stärken und Schwächen anderer Menschen einschätzen zu können, somit sich in das Denken und Empfinden anderer hineinversetzen zu können, also um Empathie, welche auch für Führungsaufgaben entscheidend ist. Diese Bereiche nennt man soziale oder emotionale Intelligenz.
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Die rationale Seele kann langfristige Pläne machen; die emotionale Seele sieht nur den Augenblick |

Jägers bimodales Modell der Intelligenz ist da noch etwas komplexer:
2.3 Der 3. Faktor, die interpersonelle (emotionale und soziale) Intelligenz
UmarmenLetzte Woche sind meine Frau und ich ins Bett gegangen. Wir fingen an,
uns unter der Decke anzufassen, zu streicheln, zu küssen ... Ich war schon
sehr heiß und ich dachte das beruht auf Gegenseitigkeit, da die ganze Sache
eindeutig sexuell orientiert war. Aber genau in dem Moment sagte sie mir: |
Definition soziale & emotionale Intelligenz: Die Fähigkeit, sowohl eigene Gefühle als auch die Gefühle anderer wahrzunehmen, diese zu bewerten und auszudrücken, sowie die Fähigkeit den Zugang zu Gefühlen zu entwickeln um gedankliche Prozesse zu erleichern. Diese Fähigkeit basiert auf der biologisch sehr wichtigen sensorischen Fähigkeit der Deutung von Gesichtsausdruck und Körpersprache, also der nonverbalen Kommunikation.
Definition Emotionen: hinwegbewegen (lat. aus movere: bewegen und e: hinweg). Stark ausgeprägte Gefühle, erfreulicher oder schmerzlicher Art [Gefühlsbewegung] Emotionen sind meist nicht wissensbasiert sondern entstehen im limbischen System. Sie entstehen schnell und unbewusst, lassen es im Unklaren, warum uns eine Person sympathisch oder unsympathisch ist. .
Definition Gefühle: Anspannung oder Entspannung, Lust oder Unlust, Angst, Ärger, Liebe, Freude, Zorn, Mitleid, Abscheu, Interesse, Agression, Überraschung usw. Die Funktion der Gefühle ist die Aktivierung (Hemmung oder Enthemmung) des Individuums. Deshalb hängen sie stark mit dem vegetativen Nervensystem zusammen. Puls und Atmung reagieren physisch auf psychischen Zustand.
Da es stimmt, dass viele die eine IQ von 160 haben, für Leute arbeiten mit einem IQ von 100, wenn die ersteren eine geringe und die letzteren eine hohe interpersonale Intelligenz haben, dürfte die emotionale Intelligenz, für den gesellschaftlichen Erfolg zumindest, entscheidender sein als die abstrakte und auch die kinetische Intelligenz. Dies zeigt sich insbesondere, wenn man sich mal ansieht, wer eigentlich zu Geld kommt. Intellektuelle, also die richtig intelligenten, gehören da nur selten dazu. Im Gegenteil, Intelligenz scheint dem Gelderwerb geradezu hinderlich im Wege zu stehen (s. Bildungs ist offenbar dem Gelderwerb abträglich)
Interpersonale Intelligenz ist die Fähigkeit, andere Menschen zu verstehen: was sie motiviert, wie sie arbeiten, wie man kooperativ mit ihnen zusammenarbeiten kann. Wer als Verkäufer, Politiker, Lehrer, Kliniker und Religionsführer erfolgreich ist, besitzt wahrscheinlich ein hohes Mass an interpersonaler Intelligenz. Interpersonale Intelligenz ... besteht darin, ein zutreffendes, wahrheitsgemässes Modell von sich selbst zu bilden und mit Hilfe dieses Modells erfolgreich im Leben aufzutreten. Gardner 1993
Emotionale Intelligenz. bedeutet also, die rechte Fähigkeit zu besitzen, gegen die rechte Person, im rechten Mass, zur rechten Zeit, für den rechten Zweck und auf rechte Weise zornig zu sein. Dass dies bereits Aristoteles vor über 2000 Jahren wusste, zeigt, wie wenig Neues die Moderne auf der sozialen Ebene gebracht hat. Das was die Römer unter temperantia pflegten, nämlich Mässigkeit und Zügelung des Gefühlsüberschwangs, hiess bei den Griechen sophrosyne und bedeutete Sorgfalt und Klugheit in der Lebensführung. In Aristoteles Augen ist also nicht die Emotionalität an sich ein Problem, sondern die Angemessenheit der Emotionen und ihres Ausdrucks. Aufgaben der emotionalen Intelligenz sind somit:
Die eigenen Emotionen kennen
Emotionen handhaben
Emotionen in die Tat umsetzen
Empathie - wissen was andere fühlen
Umgang mit Beziehungen - die Kunst, mit Emotionen anderer umzugehen.
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Ebenso kann ein jeder leicht in Zorn geraten ... Das Wem, Wieviel, Wann, Wozu und Wie zu bestimmen, ist aber nicht jedermanns Sache und ist nicht leicht. Aristoteles, Nikomachische Ethik |
Hier liegt offensichtlich ein grosser Unterschied zwischen dem traditionellen IQ und der sozialen Intelligenz. Während ersterer eine Fähigkeit, ein Potential der Erkenntnis bestimmt, bezeichnet zweiterer eher ein Verhaltensmuster, also den Charakter. Ersterer betrifft die Analyse abstrakter Faktoren, Bei der emotionalen Intelligenz geht es um die Analyse und Abstimmung äusserer mit inneren Faktoren. Bei der sozialen Intelligenz geht es sogar darum, fremde und eigene Emotionen zu erfassen, zu verarbeiten und die Reaktion zu optimieren. Ähnlich wie bei der Konditionierung der Reflexe beim Tennis, müssten hier Reflexe auf sozial-emotionale Faktoren trainiert werden, denn die richtige soziale Reaktion kann nicht über das Gehirn gehen, da dieses im Wettlauf mit dem Mandelkern hinterher rennt.
Diese Konditionierung emotionaler Reflexe, also emotionales Lernen, hört nicht auf, so lange wir leben. Folglich besteht hier ein deutlicher Unterschied zum vererblichen klassischen IQ.
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Wenn man in den emotionalen Botschaften, die man aussendet, Fehler macht, erlebt man dauernd, dass die anderen merkwürdig auf einen reagieren - man wird abgewiesen und weiss nicht warum. ... |
2.4 Interpersonelle Intelligenz und intrapersonelle Intelligenz im Clinch:
Soziale Intelligenz und Manipulation
Soziale und emotionale Intelligenz öffnet der Beeinflussung von sich selbst und von anderen Tür und Tor, denn Einfluss beruht darauf, dass man die Emotionen hinreissen kann. Philosophen und andere Wahrheitssuchende wie Schüler Rousseaus werden hier warnen, dass die Echtheit der Gefühle wie auch der Charakter verloren gehen.
Sozialen Chamäleons macht es jedoch nicht das geringste aus, wenn ihre Worte und Taten auseinanderklaffen, wenn sie nur damit soziale Anerkennung gewinnen können.
Solche Menschen suchen nach einem Anhaltspunkt, was von ihnen gewünscht wird, bevor sie reagieren, statt einfach zu sagen, was sie wirklich denken.
Und sie nutzen ihre sozialen Fähigkeiten, um ihre Handlungsweise danach auszurichten, was die jeweilige Situation erfordert, ...
Allerdings geniessen diese Charakterzüge, sofern sie einem effektiven Management des persönlichen Eindrucks dienen, in manchen Berufen hohe Wertschätzung, namentlich bei Schauspielern, Prozessanwälten, Verkäufern, Diplomaten und Politikern. (Daniel Goleman: Emotionale Intelligenz. Carl Hanser Verlag. München, Wien 1995 - s. auch www.netschool.de/ler/lerzit14.htm S. 155)
Soziale Intelligenz, die vorwiegend dafür eingesetzt wird, andere zu eigenen Gunsten zu beeinflussen oder gar zu übertölpeln, kann vom Konzept her der Intelligenz nicht in Frage gestellt werden. Wie sich in den Zeiten des Internet-Börsenbooms wie auch in der Politik zeigt, führt Gerissenheit nicht nur bei den Arabern zu gesellschaftlichem Erfolg, sondern auch hier und in den USA. Es ist also zu betonen, dass weder die abstrakte Intelligenz noch soziale Intelligenz irgend was mit sozialem Verhalten oder aufrechter Lebensführung zu tun haben. Hier käme die noch kaum untersuchte intrapersonelle Intelligenz ins Spiel, welche darüber entscheidet, in wie weit sich persönliche Entscheidungen auch an ethischen Prinzipien und Werten orientieren oder ausschliesslich an gesellschaftlichem, wirtschaftlichem, wissenschaftlichem oder politischem Erfolg. Diesen Anforderungen, der Unterordnung von persönlichen Entscheidungen unter die Ethik, würde also erst die Weisheit genügen, aber diese hat sich seit langem in die Bücher der Philosophen verzogen.
Da sich Erfolg meist in Geld misst, stellt sich also manch Intellektuellem die Frage: Ist es wirklich intelligent, reich werden zu wollen, obwohl dies ein uralter Instinkt ist und unsere natürlichen Ressourcen kaum mehr eine Ausdehnung von Produktion und Konsum zulassen?
Wenn sich Erfolg in Geld misst, stellt sich die Frage: War Diogenes ein Versager, also ein Idiot - oder war er ein intelligenter Philosoph?
Die Antwort liegt vermutlich in der intrapersonellen Intelligenz. Lebt er nach seinen eigenen Werten und Regeln und ist danach erfolgreich, so ist er intelligent. Wählt er ein Schicksal als Prediger von Bescheidenheit und natürlicher Lebensweise und beklagt sich über das Resultat, so ist er ein Trottel. Sein einziger Wunsch an Alexander: Geh mir aus der Sonne, belegt deutlich ersteres. Für Ihn war sein Leben erfolgreich, trotz Armut, denn er lebte es gemäss den für ihn wichtigen und richtigen Werten, war also offenbar ein Romantiker.
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Sieben Intelligenzfaktoren nach Gardner:
nach: Howard Gardner: Frames of Mind: The Theory of Multiple Intelligences.
1983
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Die Intelligenzforschung hat vor allem 3 Wege beschritten und damit Intelligenz aus 3 unterschiedlichen Perspektiven beschrieben:
Funktionelles-prozesshaftes Gestaltmodell (Stern, Wertheimer, Köhler): Ein gegebenes Material wird umstrukturiert und umzentriert bis es die höchste Form eines Gleichgewichtszustandes erreicht. Also Intelligenz als eine Art iterativer Intuitionsprozess.
Faktoranalyse nach Spearman & Thurstone: Primärfähigkeiten der Intelligenz sind:
Sprachverständnis (verbal)
Wortflüssigkeit
numerisches
räumliches
logisches Verständnis
Auf dieser Basis beruhen noch heute die meisten IQ-Tests.
Hierarchisches Schichtmodell der Intelligenz: Guilford hat die hierarchische Durchgliederung von Burt und Vernon in ein dreidimensionales Ordnungssystem integriert und unterscheidet fünf funktionale Faktoren oder Fähigkeitskategorien:
Gedächtnis
Erfassung
konvergente Produktion (Synthese)
divergente Produktion (Analyse)
Beurteilung
Diese Gruppen werden durch zwei weitere Dimensionen untergliedert:
Materialfaktoren
figurale (einschl. räumliche)
symbolische (einschl. numerische)
semantische (Denkinhalte)
Grad der Komplexität, von einfacher Klassenbildung bis zur Erfassung komplizierter Relationen und Transformationen.
Guilfords Untersuchungen belegen, dass es DAS Gedächtnis oder DIE Intelligenz nicht gibt und dass soziale Faktoren einen starken Einfluss ausüben. Er ist ein entschiedener Gegner einer "allgemeinen Intelligenz". Das historische Wörterbuch der Philosophie merkt so richtig an, dass eine befriedigende Theorie der Intelligenz noch aussteht und sich vermutlich nur im Rahmen einer allgemeinen Persönlichkeitstheorie finden lässt.
Martin Herzog Webdesign Rheinfelden he www.brainworker.ch 24.7.03
An excellent presentation of multiple intelligence, in english:
What
is the theory of multiple intelligences (M.I.)?
How
does this theory differ from the traditional definition of intelligence?
What
do multiple intelligences have to do with my classroom?
How
has M.I. theory developed since it was introduced in 1983?
Who
are the critics of this theory and what do they say?
What
are some benefits of using the multiple intelligences approach
in
my school?
How
can applying M.I. theory help students learn better?
How
can I find out more about M.I. theory?
[Ergänzungen vom 30.3.07 nach: K.K. Urban: Hochbegabung. Aufgaben und Chancen für Erziehung, Schule und Gesellschaft. LIT-Verlag Münster. 2004]
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Es genügt nicht, gute geistige Anlagen zu besitzen. Die Hauptsache ist, sie
gut anzuwenden. René Descartes |
Identifikation von hoch Begabten:
Die Abgrenzung der Hochbegabten von den sonstwie Begabten erfolgt heute meist bei IQ 140, oder gar 130, umfasst also 0.38% der Bevölkerung ( 1/250).
Charakteristika:
Weinert&Waldmann 1986: Schnelligkeit beim Erwerb von Symbolen sowie deren Abstraktheitsgrad und Beziehungskomplexität; die Kompetenz und Bereitschaft zu effektiven Verarbeitung neuartiger Informationen und die Wirksamkeit verschiedener Gedächtnisfunktionen.
| durch soziales Umfeld meist positiv bewertete Eigenschaften hoch Begabter | eher negativ bewertete Eigenschaften bei Hochbegabung |
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Warnung:
NICHT jedes Kind dem es an der Schule langweilig ist, ist
deswegen hoch begabt. Meist liegt das ganz einfach daran, dass die Lehrer
langweilig sind.
NICHT jedes besserwisserische Kind ist hoch begabt, denn Besserwisserei und Rechthaberei ist meist bloss das menschliche "an den Baum pinkeln", also Revier markieren, sozialen Status durchsetzen, denn, wer am meisten redet dem wird der höchste Status zugeschrieben ...
NICHT jedes Kind das lieber rumhängt als sportlich aktiv zu sein ist deshalb hoch begabt ... sondern meist schlichtweg bewegungsfaul.
Förderungsmöglichkeiten für hoch Begabte:
Überspringen von Klassen: Gefahr dass kognitive Entwicklung sich von der Entwicklung des Gemüts entfernt
D-Zug-Klasse ("Schnellschule"): Bietet die Gefahr einer noch stärkeren, strafferen Verschulung von Unterrichtsstoffen, womit noch weniger Zeit für selbst bestimmte, schöpferische Tätigkeit und eigene Wissensproduktion der Schüler bleibt
Förderkurse
Resource-Room: Lehr und Forschungslabor für selbständiges Lernen: Lehrspiele, didaktisches Material, Bilder, Karten, Modelle, Medien, Bücher, Geräte, Sammlungen, (Schreibmaschine ... na ja) , Computer, Farbe, Papier ...
Wettbewerbe, wie z.B. Schweizer Jugend forscht
Praktika (obwohl manch Hochbegabter das eh noch jahrelang tun kann nach Abschluss des Studiums ... s. generation p)
Korrespondenzzirkel ... wofür man natürlich auch das Internet und Emails nutzen könnte. Also ich hab hier immer wieder solche Kontakte ...
fallweise Einzelförderung / Mentorenbetreuung / Einzel- oder Gruppenunterricht / Nachmittagskurse / Samstagsclubs / Werkstätten / Wochenendseminare / Vorträge, Vorlesungen ... womit die armen Intelligenten also noch mehr Zeit in der Schule verbringen als die andern ... danke, herzlichen Dank, würd' ich da sagen. Meine Strategie war: Durchschnittsnote 4.5, reicht mit einem halben Punkt über Ausreichend ausreichend, bei Fächern die interessant sind, gab's gute Noten quasi von selbst, bei den andern bringt's nix. Zeit freihalten für Dinge die interessant sind.
Offenheit in ihren verschiedenen Formen: Innovation wird dauernd gefordert ... aber von den selben Leuten die soziale Anpassung fordern. Hier ein weiteres Paradoxon unserer Zeit.
...
Die Intelligenz wird gefördert durch ein anregendes Umfeld (vor allem Bücher). Da all diese Möglichkeiten bei sozial besser gestellten eher vorhanden sind, erklärt dies auch, warum Bildung nicht zu sozialem Ausgleich geführt hat, sondern die alten Herrschaftsstrukturen zementiert. (s. Bildungswahn)
Aus der Perspektive der multiplen Intelligenz, welche die Bedeutung unterschiedlicher Intelligenztypen zeigt, ist die viel gelobte Förderung hoch Begabter oder vielleicht doch nicht der Weisheit letzter Schluss ... oder zumindest nicht voll durchdacht, da gemessen an der Vielfalt der Interessen und möglichen Stärken, also Begabungen, fast jeder auf irgend einem Gebiet hoch begabt ist. Die Auslese von förderungswürdigen hoch Begabten trägt also einerseits das Risiko, in höher bewertetes Stratum von Begabungen erst eigentlich zu schaffen.
Andererseits sind die Fähigkeiten der Menschen viel vielfältiger als das, was durch IQs und Begabungstests erfasst wird!
Insbesondere besteht die Gefahr, dass dem Kind mit einer erwünschten Begabung etikettiert und darauf festgeschult wird, statt seine wirkliche Begabung, die seinen eigenen Interessen entspricht, entdecken zu können. (Wie viele Kinder werden heute noch durch langjährigen Musikunterricht gequält, obwohl sie rein gar nichts damit zu tun haben wollen und können, da ihnen die Luft (bei Blasinstrumenten) und/oder die Fingerfertigkeit fehlt, die eine spezielle Begabung ist.)
Also: Wenn man die besondere oder spezifische Begabung fördert, fördert man die Persönlichkeit, aber wenn man nur die besondere Begabung fördert, schädigt man langfristig die Persönlichkeit.
Gemeinplätze (dazu gehören auch einige der von mir bisher geäusserten Ansichten im folgenden Text):
Wer wirklich hoch begabt ist setzt sich auf jeden Fall durch. Sozialdarwinistisches Konzept, das längst widerlegt ist.
Dahinter stecken nur überehrgeizige Eltern.
Hochbegabte sind immer etwas merkwürdig.
Hochbegabte sind sowieso schon privilegiert; sie brauchen nicht noch extra Aufmerksamkeit.
Links:
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Meine Meinung:
Hochbegabte neigen eh dazu, zu Aussenseitern zu werden. Wenn man sie bereits in Aussenseitergruppen hochpäppelt, dürfte dieser Effekt noch verstärkt werden. Hochbegabte lösen ihre Schulaufgaben rascher, brauchen weniger Zeit, bis sie was begriffen und gelernt haben. Was sie also allenfalls zusätzlich lernen müssten, ist, wie sie mit ihrer Zeit und ihrem Wissen produktiv umgehen - oder wie sie die unverdient eingesparte Zeit zu Gunsten derer einsetzen könnten, denen Lernen nicht so einfach fällt (wär' doch auch eine Idee, nicht? Zudem leben viele Hochbegabte (wie z.B. Professoren) später von Aufträgen der öffentlichen Hand, also von Steuerbeiträgen der weniger Begabten. Sie beanspruchen besser bezahlte Stellen, da sie in der Lage sind, höhere Qualifikationen anzubieten. Die Auseinandersetzung mit den weniger Begabten, die für diese höheren Löhne aufkommen und zudem die geistigen Elaborate der Hochbegabten realisieren und oft ausbaden müssen, darf im Interesse beider Gattungen, den Hochbegabten nicht erspart werden. Können sie sich während der Ausbildungszeit darum drücken, wird es sie danach um so härter treffen, denn niemand lebt sein ganzes Leben in einer behüteten Welt. Am weitesten getrieben wurde die Förderung der intellektuellen Elite ja im Marxismus. Resultat bekannt.
Eine Eliteförderung durch spezielle Schulung dürfte auch die Vielfalt der Begabungen wieder beengen. Schulen sind Bürokratien erster Klasse. Ihre Leistungsbewertung durch Noten ist äusserst formell und kennt kaum Freiheiten, normiert also Leistung, normiert also Interessen. Die traditionelle "Eliteförderung" geschah in der Familie, in begüterten und sozial höheren Klassen eben leichter und intensiver als in den ärmeren Schichten. An der sozialen Stratifikation ändert Bildung erwiesenermassen rein gar nichts, im Gegenteil, sie ist heute das beste Mittel, diese zu stabilisieren, also zu erhalten:
In Studien zur Hochbegabung (etwa in Schach, Sport, Musik etc.) wurde der Familienkontext von Kindern, die Höchstleistungen erbrachten, untersucht. Im Kontext affektiv warmer Beziehungen suchten diese Kinder Tätigkeiten zu imitieren, die ihren Eltern wichtig waren. Ihre Eltern stützten und förderten sie dabei. Sie taten dies weniger, um die Kinder zu Rekordleistungen anzutreiben als vielmehr, weil sie selbst die entsprechenden Aktivitäten gerne mit ihren Kindern gemeinsam verfolgten und sich über deren Interesse und Leistungen freuten. (Sloan 1985 / Freeman 1993)
[Zit. von Gertrud Nunner-Winkler: Die Soziale Reproduktion von Moral. In: Ulrich Willems (Hrsg.): Interesse und Moral als Orientierung politischen Handelns. Schriftenreihe der Sektion Politische Theorien und Ideengeschichte in der Deutschen Vereinigung für Politische Wissenschaften. Bd. 4. Nomos Verlagsgesellschaft. Baden-Baden. 2003. S 192]
Dieser interessen- und zuwendungsorientierte Ansatz wird im verschulten Förderprogramm für hoch Begabte umgewandelt in die Produktion hoch leistungsfähiger Produktionsmaschinen.
Eine klare Meinung zur Förderung Hochbegabter äussert der Bildungsforscher Hartmut Ditton in: Ungleichheit und Mobilität durch Bildung. Theorie und empirische Untersuchung über sozialräumliche Aspekte von Bildungsentscheidungen. [Juventa Verlag. Weinheim, München. 1992]
Einen fragwürdigen Eindruck hinterlässt die "Eliteförderung" nach den Ergebnissen unserer Untersuchung dadurch, dass sie, wie gezeigt werden konnte, auf der gezielten Privilegierung der ohnehin privilegierten und der Verstärkung sozialer Vorurteile beruht. [S. 218]
Der urbanisierte Raum (die Stadt), zeigt eine grossenteils gegensätzliche Struktur. Die Bildungsbeteiligung ist deutlich höher, aber auch die Gefahr, zu den absoluten Verlierern gezählt zu werden. Der Leistungsdruck und die Konkurrenz sind höher, und die Ausgrenzung derjenigen, die sich in der steigenden Konkurrenz nicht behaupten können, ist deutlicher. Die grössten Chancen zu den Gewinnern zu zählen, beinhaltet das erhöhte Risiko, überdeutlich zu verlieren. Eine gelungene Bildungsexpansion müsste beinhalten, dieses Gefälle abzumildern. Das spricht gegen die Elitediskussion, weil Eliteförderung allen Indizien nach gerade dieses Extremgefälle befördert. Wenn es ein ernstgemeintes Anliegen ist, den Problemgruppen besonders zu helfen, kann die Antwort nur "mehr Ausgleich" sein. Dies muss beinhalten, die Solidarität und das soziale Lernen, die Kohäsion der Sozialgruppe zu stärken, was wiederum gemeinsames Lernen erfordert. Die Aufgabe lautet dann zusammenführen, gemeinsame Erfahrungen vermitteln, statt aufzuteilen und auseinanderzudividieren. Dies ist nicht nur als moralischer Appell und demokratisch legitimierter Anspruch aufzufassen, sondern auch als "Kostenfrage" zu bewerten.
Zu oft wird argwöhnisch bedacht, was ein Verlust an Spitzenleistung bedeuten könnte, und zu selten wird in Rechnung gestellt, was aus der Produktion von Problemfällen folgt. [S. 222]
Da das Problem Hochbegabter (ich schreib's jetzt mal falsch, nach alter Manier, denn im Internet gibt's immer noch 262'000 Hochbegabte (die offenbar genau wie ich, auf die neue Rechtschreibung mehr oder weniger pfeifen) und erst 2850 "hoch Begabte"), also das Problem der Siebengescheiten ist ja zumeist, dass es ihnen langweilig wird. Dieses teilen sie allerdings mit der Mehrheit der Weltbürger. Auskunft darüber gibt bereits Schopenhauer [Parerga und Paralipomena: Nachträge zur Lehre vom Leiden der Welt]:
Zur Plage unsers Daseins trägt nicht wenig auch Dieses bei, dass stets die Zeit uns drängt, uns nicht zu Atem kommen lässt und hinter jedem her ist, wie ein Zuchtmeister mit der Peitsche. - Bloss dem setzt sie nicht zu, den sie der Langeweile überliefert hat. (Das mit der immer schnelleren Zeit ist also eine alte Mär, die auch von Jakob Burckhardt schon erwähnt wird, ebenfalls vor anderthalb Jahrhunderten.) Oder jenes Heer der erbärmlichen, die stets nur darauf bedacht, ihren Beutel, aber ihren Kopf zu füllen - auch die gab's schon.
Arbeit, Plage, Mühe und Not ist allerdings, ihr ganzes Leben hindurch, das Los fast aller Menschen. Aber, wenn alle Wünsche, kaum entstanden, auch schon erfüllt wären; womit sollte dann das menschliche Leben ausgefüllt, womit die Zeit zugebracht werden? Man versetze dies Geschlecht in ein Schlaraffenland, wo Alles von selbst wüchse und die Tauben gebraten herumflögen, auch jeder seine Heiss-Geliebte alsbald fände, und ohne Schwierigkeiten erhielte. - Da werden die Menschen zum Teil vor Langeweile sterben, oder sich aufhängen, zum Teil auch einander bekriegen, würgen und morden, und so sich mehr Leid verursachen, als jetzt die Natur ihnen auflegt. - Also für ein solches Geschlecht passt kein anderer Schauplatz, kein anderes Dasein.
Ich plädiere aber voll und ganz für die Anwendung der multiplen Intelligenz. Die Anerkennung derselben würde ein vollständiges Umkrempeln unseres Schulsystems bedeuten, denn damit wird nicht das Vermitteln abstrakter Wissensinhalte zum Hauptzweck der Schule und Ausbildung, sondern die Identifikation und Förderung der individuellen Begabungen. Der Ansatz würde die Förderung "hoch Begabter" in ein ganz anderes Licht stellen, denn auf irgend einem Gebiet ist jeder von uns hoch begabt. Und das wäre die Zukunft der Bildung, diese Hochbegabung bei jedem Einzelnen zu entdecken, zu fördern - und tätig werden zu lassen ("Marktfähig" zu machen, würden andere sagen, aber die Ausdrucksweise ist mir irgendwie dubios).
Hoch Begabte haben doch die Chance, eigene Interessen zu entfalten, in weitaus höherem Masse als der Rest der Bevölkerung. Es ist sicher richtig, einen Teil dieser Begabung in den Dienst von Wirtschaft und Gesellschaft zu stellen - aber was zur Zeit droht, ist die absolute und einseitige Vereinnahmung aller Interessen durch die wirtschaftlichen Interessen an Wachstum, totaler Monetarisierung und Verwertung der Welt:

Ob das die Welt ist, in der wir "UNSERE INTERESSEN" verfolgen können?
[mehr dazu unter: Das gegenwärtige Ordnungsmodell mit seinen 7 PARADOXIEN - die mehr als genug Stoff liefern, mit dem sich hoch Begabte auseinander setzen können, falls es ihnen langweilig wird ...]