Das Argument
als Grundelement kommunikativer Rationalität - Politik als argumentativer Wettstreit um die bessere LösungWenn Denkfehler zum System werden ... Neoliberalismus? Bitte spülen!
SUNK COSTS - Prohibitiver Markteintrittszoll der so genannten freien Wirtschaft
Brainworker's Beiträge zum Thema Globalisierung
GUTE ARBEIT - zur Entwicklung des 4. Sektors, des Sektors der Künstler
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Antworten:
Scheinantworten:
Lösungsansätze: |
Cash (Vontobel, Löpfe) hat versucht in den Nummern 4 (S. 27) und 5 (s.29) ein komplexes wirtschaftliches Problem von allgemeinem Interesse, das stagnierende Wachstum der schweizerischen Wirtschaft, darzustellen. [Unten eine graphische Zusammenfassung.] Der Versuch liefert einen weiteren Beleg für die in Argumentation und Komplexe Argumentation geäusserte Vermutung, unsere Politik gehe mit Komplexität eben so fahrlässig um wie unsere Wissenschaft und Wirtschaft. Kommunikation wird durch Verwirtschaftlichung banalisiert. Da komplexe Entwicklungsprobleme, wie das Problem Wachstum, weder sexi noch kommerzialisierbar sind stellt sich also immer dringender die Frage: Wer beschäftigt sich damit? Wer bringt sie vor die Bevölkerung? Wer führt den Dialog? Die einzigen die offenbar eine solch geistige Inselwelt der politischen und wirtschaftlichen Propagandisten aufzubrechen vermögen, sind ein paar aufgeweckte Journalisten.
Allerdings ... wird auch hier nicht (mehr) nach dem Sinn von Wachstum gefragt, obwohl die meisten Analysen zeigen, dass mehr Wachstum eigentlich nur noch durch mehr Arbeit, härtere Arbeit, längere Arbeitszeiten und eine Erhöhung des Pensionsalters zu haben ist, was eigentlich einer Verbesserung der Lebensqualität diametral entgegen läuft. Wollen und brauchen wir unter diesen Umständen wirklich Wachstum? [s. dazu: Welche Faktoren bestimmen die Zufriedenheit mit dem Leben in der Schweiz - und anderswo?]
Die wichtigsten Wachstumsfaktoren, wie Bevölkerungswachstum, Steigerung der Produktionsfaktoren Boden und Arbeit (ev. Erdöl?) durch stärkere Ausbeutung oder kriegerische Eroberungen, sind eben so uninteressant was die Verbesserung der Lebensqualität betrifft, oder gar negativ, was Nachhaltigkeit betrifft.
| Und verwaltet wurde dieses Land (Kakanien)
in einer aufgeklärten, wenig fühlbaren, alle Spitzen vorsichtig
beschneidenden Weise von der besten Bürokratie Europas, der man
nur einen Fehler nachsagen konnte: sie empfand Genie und geniale
Unternehmungssucht an Privatpersonen, die nicht durch hohe
Geburt oder einen Staatsauftrag dazu privilegiert waren, als
vorlautes Benehmen und Anmassung. Robert Musil: Der Mann ohne Eigenschaften. S. 33 |
Der bei Wachstum meist implizierte technische Fortschritt ist ein zweischneidiges Schwert, denn meist tritt er auf als Rationalisierung - und bedeutet damit ein Schrumpfen der Wirtschaft. Eben so oft bedeutet Fortschritt das Ersetzen eines Gutes durch ein anderes, oft besseres, aber oft zum selben Preis. Dadurch wird erstens die Inflationsrate überschätzt und zweitens auch kein Wachstum erzielt. Innovation führt nur zu Wachstum, wenn dabei neue Produkte und Angebote entwickelt werden - für deren Mehr-Kauf den Konsumenten auch ein entsprechender Einkommenszuwachs gewährt wird. ... Natürlich lässt sich eine Wirtschaft denken, eine Wirtschaftsform der wir immer näher kommen, in der Maschinen Maschinen für Maschinen produzieren und wo nur noch Geld (Shareholders), Papiere (Lizenzen, Verträge ...) und Computer (Produktionssteuerung, Verwaltung, Verteilung über Internet ...) nötig sind. Aber - wem nützt's? Da dieses Modell Says' Gebot unterläuft: Die Unternehmer verdienen, was sie ausgeben - die Arbeiter geben aus, was sie verdienen - verdient hier am Ende niemand mehr was. Auf Grund dieser Entwicklungen sehe ich ein zunehmendes Problem der Nachfrage. [s. Wenn Denkfehler zum System werden ... Neoliberalismus? Bitte spülen!] Ein weiterer, von der Wirtschaft sehr geschätzter Wachstumsfaktor ist die Erschliessung neuer Exportmöglichkeiten. Auch dies bringt der Gesamtwirtschaft aber nur etwas, wenn die Exporte durch Importe ausgeglichen werden, andernfalls eliminiert der Handelsüberschuss (Schweiz!) oder das Handelsdefizit (USA) über Stärkung [vergünstigt Import, erschwert Export = erhöht Kaufkraft im Ausland, senkt dieselbe im Inland] oder Schwächung (erleichtert Export, verteuert Import] der Währung den so geschaffenen Mehrwert. So betrachtet sind es, genau wie bei Japan, die extrem hohen Handelsbilanzüberschüsse der Schweiz, die hinter dem hohen Preisniveau stehen. So gesehen verlangt zusätzliches Wachstum, auch wenn es durch Export erzielt wird, logischerweise nach starker Verbesserung der Kaufkraft der Konsumenten im Inland, da doch einiges mehr im eigenen Land konsumiert als exportiert wird!
Der eigentliche Wachstumszwang entsteht also eigentlich erst aus dem, was uns die Ökonomen als Heilmittel anpreisen, aus der Konkurrenz, die Mitbewerber übertrumpfen und beseitigen will, die ihr eigenes Kapital, genau so wie einstmals die Feudalherren ihren Grund und Boden, über möglichst hohe Erträge und Zinsen vergrössern will. Mehr Konkurrenz taugt also als Lösung von Wachstumsproblemen genau so viel, wie ein mit Benzin gefüllter Feuerlöscher zum löschen eines Feuers, oder mehr Gewehre zur Beendigung eines Krieges. In beiden Beispielen ist die erwünschte Wirkung erreichbar, aber nur bei sehr gut überlegtem und geplantem Einsatz. Dass diese Warnung auch für die Wirtschaft gilt zeigt z.B. Gaillards Warnung vor unbedachter Liberalisierung in These 3.
Eigentlich entsteht der Wachstumszwang eigentlich aus der relativen Unzufriedenheit. Glück wird durch Hormone gesteuert, geht also nur bis zu einem gewissen Optimum ... worauf vermutlich Wahnsinn folgt (die direkte Verabreichung der Glückshormone (Opiate) über Drogen führt zur totalen Zerstörung des emotionalen Haushalts, nicht zu sicherem Glück. Diese Ursache des Glücks macht auch sofort klar, dass ein Milliardär nicht tausend mal glücklicher sein kann als ein Millionär, aber tausend mal weniger zufrieden, wenn er bloss eine Million dazu verdient. Um glücklich-er zu sein braucht es eine Steigerung in einer gewissen Relation zum vorhandenen Kapital-Glück, also Prozente. Es sind also nicht primär die Zinsen, die Schuld sind am Wachstumszwang, sondern das Streben nach einer Steigerung des "Glücks", was sich am intensivsten auswirkt bei den Überreichen. Die Rationalität diesen Strebens ist also doch eher beschränkt, denn es basiert auf Drogen. Das in der Amerikanischen Unabhängigkeitserklärung garantierte Streben nach Glück bedarf ganz offensichtlich einer andern Bewertung als der durch Geld, also einer Ökonomie und Politik des Glücks.
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Zum grossen Teil scheint dies allerdings daran zu liegen, dass in den Statistiken Kartoffeln mit Aepfeln verglichen werden. Bei Korrektur unterschiedlicher Grundlagen sieht die Sache ganz anders aus [was auch die Argumente von Cash betr. These 7 bestätigt]:
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These 1 und 6 sind verwandt, sie führen die Wachstumsschwäche auf zu hohe Belastung der Unternehmen und Käufer (These 7) zurück Während Rechts hier nur auf (s)einem Auge die Unternehmen sieht, sieht Links auf (s)einem Auge nur die Mehrheit der Kunden, also die arbeitenden Bevölkerung. Diese Perspektiven sind aber politische Grundhaltungen und Meinungen - keine wissenschaftlichen Tatsachen. Warum hat die Wissenschaft hierzu nichts zu sagen?
These 2 zeigt, dass es DIE Wissenschaft offenbar nicht gibt. Auch wissenschaftlich begründet sagen die einen dies, die andern das. Während Rechts unentwegt nach mehr Wettbewerb schreit, zur Förderung höherer Produktivität, belegen Studien offenbar, dass die Schweiz immer noch unter den Top Ten ist, was Produktivität und Wettbewerbsfähgkeit betrifft [s. Verliert die Schweiz an Wettbewerbsfähigkeit? Fakten und Trends. Beat Kappeler. NZZ am Sonntag.] Wen wundert's, das Wissenschaften bei Populisten und der Masse nicht all zu hohes Ansehen geniessen.
Das selbe Bild bei der Wirkung der Staatswirtschaft (Thesen 4 und 5). Für Rechts ist klar, dass jegliche staatliche Aktivität vom Markt besser und günstiger geleistet werden kann, für Links (und andere etwas komplexer denkende) ist aus den Resultaten von Privatisierungen längst klar geworden, dass der freie Markt von den Mächten die er freisetzt gleich wieder in Ketten gelegt wird und beileibe nicht die Resultate erzeugt, die von den rechten Ideologen gepredigt werden. Hier werden die Leistungen des Staates generell unterschlagen und meist nur der Aufwand gezeigt.
Das Problem, ob nun ein Markt angebotsgesteuert (zu teure Produktion) ist, also wirklich jegliche Produkte und Mengen abnimmt, und dies nur vom Preis abhängt; oder ob der Markt nachfragegesteuert (zu schwacher Konsum) ist, ist ebenfalls ein ungelöstes - trotz 200 Jahre Liberalismus, trotz der Tatsache, dass Trendscouting sich ganz prächtig entwickelt! Letzteres, wie die Tatsache, dass sich Güter und Dienstleistungen je länger je mehr nur noch per Event verkaufen lassen, zeigt aber auch eine kritische Frage auf: Entwickeln sich Märkte und Trends wirklich frei - oder werden sie gemacht? Dass die Angebotsthese so stark von der Wirtschaft vertreten wird und dass Trends für die Wirtschaft derart bedeutend sind deutet darauf hin, dass Trends und Märkte eher gemacht werden als frei entstehen. Das bedeutet aber, dass die wirtschaftlichen Akteure den Markt gestalten, je nach Macht. Das bedeutet aber auch, dass Akteure die andere Trends sinnvoller fänden, wie z.B. weniger Autos statt mehr, weniger Energieverbrauch statt mehr, das selbe Recht haben müssen, auf den Markt, über Politik, einzuwirken wie die wirtschaftlichen Kräfte, die von den Trends heute profitieren.
Dass die Nationalbank an allem schuld sei (These 8) - oder alles mit ihren Zinsen steuern kann, ist als Ideologie heute offenbar nur noch bei fundamentalistischen Anhängern der Freiwirtschaft verbreitet.

Hier fehlen ganz offenbar die wichtigsten Wachstumsprobleme. Wachstum ist unsere Skylla und Charybis. Fehlendes Wachstum ist ein Problem für Wirtschaft und Gesellschaft - Wachstum aber ist ein Problem für die Umwelt! Die Erde ist beschränkt, ihre Ressourcen sind beschränkt - aber die Wirtschaft muss auf Grund ihrer inhärenten Dynamik wachsen. Falls wir nicht eine Beteiligungswirtschaft erfinden, die ohne Wachstum auskommt, müssen wir mit länger anhaltenden Wirtschafts- und/oder Umweltkrisen rechnen, und das ist das Problem. Dieses lässt sich aber nicht dadurch lösen, indem wir stur daran festhalten, dass dieses Problem einfach nicht auftauchen dürfe und, durch Wachstum, zu beheben sei.
Wir sollten zwischendurch auch mal bedenken, das manche Wachstumssparte eigentlich in einem Bereich Wachstum bringt, der bereits heute eine problematische Grösse hat, wie z.B. das Gesundheitswesen, das bei unserer Art Medizin zu betreiben eigentlich eher Krankheitswesen heissen müsste. Hier sind die Krankenkassenbeiträge für tiefe und mittlere Einkommen bereits eine derartige Belastung, dass auf weiteres Wachstum gerne verzichtet würde, wäre Gesundheit nicht ein soooo begehrenswertes Gut ... (und die Bevölkerung nicht so alt).
Warum steckt unsere Wirtschaft in diesem Wachstumsproblem? Was zwingt sie zu Wachstum?
Penn- und
Balasa-Samuelson-Effekt haben also im allgemeinen zur Folge,
dass man in einer wenig produktiven Gesellschaft mit weniger Geld leben
kann,
in einer auf Produktivität ausgerichteten aber,
und das dürfte die Krux sein, viel Geld braucht
- also gar nicht mehr die Wahl hat, auf Subsistenzniveau oder sonst
irgendwie bescheiden zu leben.
Penn- und Balasa_Samuelson-Effekt sind also gleichzeitig die Peitsche, mit der uns die Wirtschaft zu immer grösseren Anstrengungen zwingt und damit verhindert, die Früchte der Arbeit zu geniessen.
Penn- und Balasa_Samuelson-Effekt sind der schlagende Beweis dafür,
dass "Wirtschaft" mit Freiheit nicht mehr am Hut als als die viel geschmähte Politik.
Sie verfügt einfach über die viel listigeren Zwangsmittel.
Diese Effekte dürften das Wachstum weitaus stärker antreiben, als der bisher (vor allem von der Freiwirtschaft) verdächtigte wichtigste Verursacher, der Zins. Denn Zins ist erst tertiär, primär ist der Wunsch nach Zins, sekundär die Produktivität, die es erlaubt, einen Zins zu erwirtschaften.
Gesättigte
Gütermärkte
sind ein wesentlicher Grund
für das dramatische Wachstum
von Gewinnen ohne Produktion!!!
[Mathias Binswanger: Wirtschaftswachstum durch "Profits without Production? in Geld & Wachstum S. 185]
Die einzige Ressource, mit der sich heute Geld
verdienen lässt, ist Geld.
Deshalb leben wir heute in der kapitalistischsten
Zeit die je existierte.
[Hans-Jörg Rudloff, Bankier]

http://www.de.capgemini.com/m/de/tl/World_Wealth_Report_2006.pdf
| Zu erwartenden Bevölkerungsentwicklung bis 2050 [Population Reference Bureau, Washington: http://www.prb.org/ (Zusammengestellt von Benno Schmidt, Tagesanzeiger 18. August 04, S. 9: Die Welt wächst, Europa schrumpft.] | ||||
| Schwellen- und Entwicklungsländer | 2004 | 2025 | 2050 | Veränderung in % von 2004 - 2050 |
| China | 1300.1 | 1476 | 1437 | + 11 |
| Indien | 1086.6 | 1363 | 1628 | + 50 |
| Indonesien | 218.7 | 275.5 | 308.5 | + 41 |
| Brasilien | 179.1 | 211.2 | 221.4 | + 24 |
| Pakistan | 159.2 | 222.8 | 259 | + 85 |
| Nigeria | 137.3 | 206.4 | 307.4 | + 124 |
| Dem. Rep. Kongo | 58.3 | 104.9 | 181.3 | + 211 |
| Südafrika | 46.9 | 44.6 | 41.7 | - 11 |
| Mali | 13.4 | 25.7 | 46 | + 243 |
| Niger | 12.4 | 25.7 | 53 | + 327 |
|
INDUSTRIELÄNDER |
||||
| USA | 293.6 | 394.4 | 419.9 | + 43 |
| Russland | 144.1 | 136.9 | 119.1 | - 17 |
| Japan | 127.6 | 121.1 | 100.6 | - 21 |
| Deutschland | 82.6 | 82 | 75.1 | - 9 |
| Frankreich | 60 | 63.4 | 64 | + 7 |
| Italien | 57.8 | 57.6 | 52.3 | - 10 |
| Australien | 20.1 | 24.2 | 26.3 | + 31 |
| Österreich | 8.1 | 8.4 | 8.2 | + 1 |
| Bulgarien | 7.8 | 6.5 | 4.8 | - 38 |
| Schweiz | 7.4 | 7.4 | 7.2 | - 3 |
- denn jeder zusätzliche Bürger will konsumieren, muss also auch produzieren.
Nebenstehende Tabelle zeigt uns einige Merkwürdigkeiten - und relativiert auch das demographische Problem der Schweiz beträchtlich. Wir sehen, dass in den nächsten 40 Jahren Indien China als Bevölkerungsreichstes Land ablösen wird. Wir sehen, welch erstaunliche Bevölkerungs-Grösse relativ kleine Staaten wie Pakistan gegenüber der ehemaligen Grossmacht und dem Grossstaat Russland aufweisen. Wir sehen, dass die USA nebst Australien das einzige Industrieland ist, dessen Wirtschaft schon alleine auf Grund des Bevölkerungswachstums weiter wachsen wird. Wir wundern uns über Bulgarien ... und wir sehen, dass die Sache mit dem Altersüberhang in der Schweiz so tragisch wohl nicht sein wird, wie oft geschildert.
Wir sehen nicht, dass der Bevölkerungszuwachs in Afrika, wie zunehmend auch in Asien, weitgehend davon abhängt, ob es gelingt, Aids und andere Seuchen unter Kontrolle zu bringen.
Wir sehen eben so wenig, wie die USA den Bevölkerungszuwachs, den sie vor
allem den Mexikanischen Zuwanderern verdankt, verdauen wird. Das gleiche gilt
für Frankreich, dessen Wachstum vor allem auf den Bevölkerungsanteil mit
arabischer Herkunft zurückzuführen ist.
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| Geburten | Überalterung |
Die Statistiken
(Graphik, mit Bewilligung des Verlags, aus: Robert Mayer:
Deutscher Konjunkturfrühling geht bereits zu Ende.
Tagesanzeiger, 27. April 2005, S. 29) zeigen die Sättigung des
nationalen Marktes besonders deutlich für Deutschland. Seit 1991
nimmt der Binnenkonsum, die Inlandnachfrage, kaum mehr zu. Die
ganzen Restrukturierungen, Investitionen (wo noch getätigt) scheinen
sich also auf den Export zu konzentrieren. Mit höheren Mengen und
tieferen Lohn-Kosten versucht die Wirtschaft, auf dem
internationalen Markt grössere Brötchen zu backen. Im Land selbst
bewegt sich aber wenig. Übersehen wird dabei, dass dem Grossteil der
Bevölkerung so die Motivation für immer neue "harte Zeiten" der
Restrukturierung verloren geht.
Export hängt eben nicht nur ab von eigener Leistung, sondern oft
noch stärker vom Wechselkurs, den die USA über den $ noch immer
weitaus stärker bestimmen als der Euro. Die Mitarbeiter haben in den
letzten 15 Jahren gewaltige Anstrengungen in Sachen
Produktionssteigerung mitmachen müssen - sehen aber wenig
Verbesserungen im eigenen Geldbeutel (im Gegensatz zu den oberen
Kadern). So dümpelt die Deutsche Wirtschaft mit einer Wachstumsrate
um 1.1% - und die Schweiz, deren grösster Abnehmer Deutschland ist,
dümpelt mit.
Für
die Schweiz liegen etwas detailliertere Zahlen vor [BfS, monatlich
publiziert in "Die Volkswirtschaft"]. Diese zeigen, dass für die
Schweiz bis 2001 die Importe parallel zu den Exporten zugenommen
haben, und dass die Konsumausgaben mit dem BIP stiegen. Seit 2001
lassen allerdings die Investitionen nach - parallel zu den Exporten
und Importen. Auch die Schweizer Wirtschaft sieht offenbar
Wachstumschancen nur noch im Export. Sehen dort die Chancen gut aus,
wird investiert. Stehen die Chancen schlecht, z.B. wegen eines
tiefen Dollars - und eines hohen Schweizerfränklis - so läuft auch
im Export nichts. Diese Zusammenhänge zeigen sich noch deutlicher
anhand der zweiten Graphik: Veränderungsraten des BIP:
Die Konsumausgaben verlaufen praktisch parallel zum BIP
- die Bruttoinvestitionen verlaufen aber parallel zu den Exporten.
Wir, unsere Arbeit, unsere Existenz, hangen also vom Export ab ... scheint es. Wenn die Investoren daran glauben, dann ist das auch so. Die Wirtschaftswelt ist aber eine gemachte Welt, kein Naturprodukt. Zudem erschlagen billige Exporte anderswo, als billige Importe, oft die lokalen Wirtschaftsstrukturen, wie im Irak geschehen seit 1991, wie es nun auch vielen Industrien in Europa und den USA droht, durch China. Billige Weltmarktpreise, auf der Basis von Ausbeutung natürlicher wie sozialer Ressourcen, ruinieren die Mitteleuropäische Waldwirtschaft (s. auch Plünderung und Holzplantagen) wie die Landwirtschaft.
Wir müssen uns also unbedingt lösen von dieser zur Zeit einseitigen Betonung der Aussenwirtschaft, und das tun, was eigentlich seit den Griechen Aufgabe der Ökonomie wäre, nämlich "Ordnung im Hause" selbst schaffen - nicht bei den Nachbarn. Aber da fällt offenbar niemandem was gescheiteres ein als: mehr Wettbewerb. Wettbewerb bedeutet in der Situation aber meist bloss: Wie erschlage, oder übernehme ich meine Konkurrenten. Dadurch entsteht nur Grösseres, Mächtigeres - aber nichts Neues. Und hier liegt eigentlich der Hase im Pfeffer:
Was
kann man den Konsumenten einer übersättigten Gesellschaft eigentlich
noch zusätzlich an Gütern oder Dienstleistungen anbieten?
Untrennbar damit verbunden ist die Frage:
Womit verdienen sich die Konsumenten das Geld, um sich noch mehr Güter und Dienstleistungen leisten zu können?
China und Japan setzen z.B. auf die Goldenen Wochen. In Japan beginnt diese mit dem Tag der Umwelt am 29. April. Wer zwei Ferientage bezieht, was gerne genutzt wird, kann durchmachen bis zum Tag der Verfassung (3. Mai), Tag des Bürgers (4. Mai) und dem Tag des Kindes. Fabriken, Restaurants und Läden sind geschlossen, aber zuvor decken sich die Japaner reichlich ein, so dass diese 20 Tage sogar ein Plus von 2 Promille generieren. Die Japaner sind allerdings chronische Ferienmuffel die sich nicht mal trauen, die ihnen zustehenden Ferien zu beziehen ... allerdings:
Sogar China, dass noch bei weitem nicht die selbe wirtschaftliche Sättigung erreicht hat, setzt auf gar 3 Goldene Wochen - um den Werktätigen Zeit zu geben, den Binnenkonsum zu stärken.
Ex Oriente Lux:
Mit Sparen alleine betreibt man keine Wirtschaft!
Auch nicht mit Wettbewerb:
Die
Wettbewerbsfähigkeit der Schweiz [imd-ranking]:
2004 war die Schweiz erstmals aus den top-ten, auf Rang 14 gefallen, und alle Wettbewerbsheilprediger sahen grosses Unheil, ja den Untergang der Schweiz voraus. Ein Jahr später wieder auf Platz 8 - Wirtschaft aber immer noch Sch.... Singapore und Hongkong sind Stadtstaaten, haben also ganz andere, effizienter "mänätschbare" Strukturen. Bleiben also bloss die USA als "grosses Vorbild". Ranking, Wettbewerb, legt immer nahe, es sei dem 1., als dem Besten, nachzustreben. Die Arbeitnehmer der USA haben aber seit über 10 Jahren nichts von Wachstum und Rationalisierung, zumal nichts Positives.
Die folgende Tabelle (aus Economiesuisse) würde von jedem Selbstverantwortungsfreak dahingehend gedeutet, dass in den USA die Selbstverantwortung, ohne staatliche Bevormundung, eben funktioniert. Dazu ist allerdings zu bemerken, dass die Hälfte der US-Haushalte zur Zeit der Pensionierung kein Vermögen besitzt, also weder Pensionskasse noch 3. Säule. Eine Wirtschaft in der die Hälfte der Bevölkerung nach einem Leben voller Arbeit (oder Arbeitssuche) mit Nichts da steht, dürfte wohl kein übermässiger Anreiz sein.
Prozentualer Anteil an Altersvorhersorge gedeckt durch:
| AHV | Pensionskasse, 2. Säule | private Vorsorge, 3. Säule | |
| Schweiz Deutschland Niederlande Grossbritannien USA |
42 85 50 65 45 |
32 5 40 25 13 |
26 10 10 10 42 |
Das Swiss Economic Forum bietet in No 1. 4. Mai 2005, S. 15-20, einen Überblick über die wichtigsten Wirtschaftscluster der Schweiz. Dieser ist zwar bloss als grober Hinweis zu gebrauchen, da die Daten offenbar aus verschiedenen Quellen stammen und die Cluster nicht voneinander abgegrenzt sind. Die Chemische Industrie hat z.B. nicht bereits einen Exportanteil von 33.2%, und die Pharma zusätzlich 42%, sondern es muss Überschneidungen geben, denn bereits die vorhandenen Zahlen zu 5 von 9 Clustern ergeben einen "Anteil" am Gesamtexport von 108.3%. Nichtsdestoweniger gibt uns die Tabelle ein paar wichtige Hinweise darauf, wie (und wo) die Schweizer Wirtschaft (noch) funktioniert.
Das profitabelste Cluster ist, wen wundert's, die Finanzindustrie. Diese deckt, vermutlich seit über einen halben Jahrhundert, das sonst nicht nur die USA, sondern auch die Schweiz, drückende Bilanzdefizit. Dies kann sie dank ihrer dominanten Position in Offshore Geschäften (33% der weltweiten Vermögensanlagen "ausser Landes." Stellenmässig gehört es quantitativ zu den unbedeutenden, was die Lohnhöhe betrifft bildet es allerdings die Spitze.
Am andern Ende steht das Bauwesen mit vergleichsweise geringem Umsatz - aber einer halben Million (logischerweise eher mässig bezahlter) Stellen und einer Vielzahl kleiner, wenig rentabler Betriebe. Hier wird längst auf Strukturwandel gedrängt. Dieser bedeutet aber: Weniger Betriebe, weniger Stellen - und nur für die verbleibenden (vielleicht) höheres Einkommen (vielleicht aber auch bloss mehr Stress).
Unsere Exportleader Pharma und Chemie betreiben auch die Mehrzahl der Betriebe im Ausland, was noch mehr für Nahrungsmittel (Nestle) zutrifft.
Der bedeutendste Exportsektor in Umfang und was Stellen betrifft, ist aber die Maschinenindustrie - weit vor Uhren oder gar Käse. Ebenfalls bedeutend was Stellen betrifft, wäre die Textilindustrie, die seit Jahrzehnten mit Globalisierungsproblemen zu kämpfen hat, massiv geschrumpft ist - aber offenbar immer noch 1720 Betrieben eine Existenz erlaubt. Einige davon haben in Nischenpositionen ein internationales Renommé erworben, wie etwa Lantal, Bern, für feuerfeste Textilien für die Luftfahrtindustrie, Akris, St. Gallen, als Lieferant für exklusive Modehäuser, Jakob Schläpfer als Lieferant von Spitzen und Stickereien für die Haute Couture - sowie unterschiedliche Produzenten von "smart textiles", die z.B. Schmutz abstossend sind oder Gewebe, dass die Wundheilung beschleunigt.
Die Stossrichtung des Swiss Economic Forums: Gefangen im Regeldickicht .... wundert wenig, und ist genau so einseitig wie ihr Ranking. Wächst die Finanzindustrie, wird der Franken stärker - und der Export auch für Musterknaben Pharma schwierig. Wächst die Pharmaindustrie und die Medizinaltechnik, steigen die Kosten der Krankenkassen. Wachsen Syngenta, Lonza, etc. steigt die Gefahr einer gentechnischen Umweltverschmutzung - oder zumindest genetischen Verarmung, parallel dazu. Wächst die Nahrungsmittelindustrie, steigt der Druck auf die Produzenten und die Schweiz läuft in Gefahr, diese, und die damit verbundene Landschaftspflege entweder zu verlieren, oder teuer anderweitig finanzieren zu müssen. Dass die Marke Nescafe zu den 25 teuersten Brands gehört (ihr Wert wird auf knapp 15 Milliarden Fr. geschätzt, Lindt z.B. ebenfalls auf 1.4 Milliarden) ist ein Erfolg für Nestle - aber ein Problem für andere Kaffeeproduzenten. Branding dient nicht nur dem Schutz und der Identifizierung, sondern auch der Verdrängung (z.B. der natürlichen Säuglingsernährung durch Flaschenfütterung ...) Geht es dem Bauwesen gut, so geht es zwar auch der Forstwirtschaft gut, was erfreulich wäre - aber der Landschaft schlecht.
Sie sehen, die "einfachen Lösungen" pinkeln sich meist grad selbst auf die Füsse.
| Branche | sw.ec.forum rating | Bilanzsumme / Umsatz | Weltmarktanteil | BIP | Anteil an Gesamtexport | Beschäftigte in der Schweiz | Beschäftigte im Ausland | Anzahl Unternehmen |
| Milliarden Fr. | % | % | der Schweiz | |||||
| Finanzindustrie | 5 | 2237 | 33 | 12 | 11915 | 342 | ||
| Pharma | 5 | 57.3 | 8 | 22.8 | 16646 | 149669 | 230 | |
| Maschinen und Elektro | 4 | 41.7 | 309185 | > 1 Million | ||||
| Uhren | 4 | 10.1 | 50 | 7.8 | 40450 | 565 | ||
| Chemische Industrie | 4 | 100.8 | 33.2 | 36600 | 245000 | |||
| Nahrungsmittel | 3 | 13467 | 30936 | 202 | ||||
| Medizinaltechnik | 3 | 4.9 | 40000 | 500 | ||||
| Textilindustrie | 2 | 3.6 | 2.8 | 18500 | 1720 | |||
| Bauwesen | 2 | 44.2 | 509000 | 78700 | ||||
| Total | 108.3 | 1013232 |
s. auch: Die grössten Betriebe der Schweiz
| Mehr als die Hälfte der Produktion der Schweiz geht ins Ausland. Mehr als die Hälfte der Exporte nach Europa. Wer da von einer "unabhängigen" Schweiz träumt, steht irgendwie neben den Schuhen. | |
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Exportieren soll man die Güter oder Dienstleistungen, bei denen das Land komparative Vorteile hat. In der Schweiz heist das heute nicht mehr Söldner, Käse und Schokolade, sondern: Uhren-Präzisionsinstrumente, Chemie und Pharma. Die Bereiche in denen also echte Wachstumschancen herrschen für die Schweiz, sind also recht begrenzt, sachlich, zugangsmässig (jobmässig), anforderungsmässig, und, nich zu vergessen, geographisch, denn es handelt sich um typische Clusterindustrien mit Ballungen in der Nordwestschweiz und im Jura.
Wege zu mehr Wachstum: Krieg, Potlach, Jubeljahre oder innovative Substitution?
s. Geschichte: Zyklische Zeit (ewiger Kreislauf/Rotation) und lineare Zeit (Streben nach dem Ziele)
Wenn die Nische voll ist, muss die Überproduktion vernichtet werden.
Bei Sättigung wie wir sie erreicht haben,
heisst die Forderung nach min. 3% Wachstum nichts anderes,
als dass wir Jahr für Jahr 3% mehr Abfall produzieren und vernichten müssen.
| Rolf Schäuble, Verwaltungsratspräsident der
Bâloise, fordert, dass mehr Unternehmer politische Verantwortung
übernehmen sollen: Die Bundesrepublik wurde bis zum Zweiten Weltkrieg weit gehend von Unternehmern geprägt. Handelszeitung Nr. 32, S. 7: Interview durch Pacal Ihle: Erfolg macht skeptisch und neidisch. Kommentar: Eben - einen besseren Grund sich das Selbe kein zweites Mal zu wünschen gibt es wohl kaum. Das gilt insbesondere für 1928/29, als der Liberalismus gleich selbst bewies, dass er nicht funktioniert. Niemand ist so schlecht über die Schweizer Politik informiert wie die Manager. Offenbar gehört es nicht in ihr Pflichtenheft. Hans Hirter, Politologe, betr. der mehrheitlichen Unterstützung der Wirtschaftsfachleute für die KOSA-Initiative. Kommentar: Eine gewinnorientierte Nationalbank kann der Schweizerischen Gesamtwirtschaft enorme Schäden verursachen - auch wenn sie nur "stillschweigend" gewinnorientiert ist. |
Der Hauptgrund, warum unser Wirtschaftssystem den stärksten Vorwurf von Marx, die Selbstzerstörung durch Überproduktion, nicht ernst nimmt, dürfte darin liegen, dass historisch betrachtet dieses Problem immer wieder durch Kriege gelöst wurde, die den Überschuss hinwegfegten und totalen Neuaufbau nötig machten. Diese lösten auch das zweite Problem des Kapitalismus, die Konzentration von Geld und Macht bei einer kleinen Minderheit, indem Schulden nach Kriegen oft nicht mehr einzutreiben waren, da oft weder Schuldner, noch Gläubiger, noch die Substanz, noch vorhanden waren. In etwas sozialerer Form haben das die vormodernen Stämme gelöst, die Überschuss oft in einer Art Potlach zerstören, also in soziale Anerkennung umwandeln. (Die repräsentative Wohnung, Kleidung, Auto etc.) sind noch Teilaspekte davon.
Einen vollwertigen Ersatz für Kriege könnten Klimakatastrophen darstellen, die zu immer höheren Kosten und immer grösseren Zerstörungen führen. Vielleicht sind darum die USA derart gegen Kioto eingestellt, weil sie, als neoliberalste Regierung der Welt, wissen, dass das kapitalistische Produktionssystem ohne temporäre umfassende Zerstörung seiner Strukturen sich selbst auffrisst. Anstatt die Sache rational zu lösen, setzt man lieber auf Gambling.
Die beliebteste Spielform ist die Substitution. Von innovativen Produkten wird ein neuer Anstoss erwartet. Wir warten also immer noch auf den neuen Quantensprung in der Wirtschaft, nachdem sich die Komputerei (vorerst) als Luftei erwiesen hat - mit Ausnahme der Finanzindustrie, die sich jeden Bit an Informationen vergolden lässt. Fauler Zauber ist es, in einer kapitalistischen Wirtschaft, die vom Kapital gelenkt wird, Innovationen von den Arbeitslosen zu erwarten. Das kann man ebenso gut vom Karren erwarten, dass er das Pferd zieht.
Auf der Basis der kondratieffschen Wirtschaftszyklen und der gegenwärtigen Entwicklung (dem Erfolg der Pharmafirmen wie der Überalterung im Westen) könnte man vermuten, dass Gesundheit zum nächsten Zyklus wird. Nikolai Dimitrijewitsch Kondratieff (1892 - 1938) gilt als Begründer der "Theorie der langen Wellen". Nach dem auf ihn zurückgehenden Modell kommt es alle 30 bis 50 Jahre zu einer Basisinnovation. Bisher waren dies:
Kondratieff: Dampfmaschine, Baumwolle.
Wichtigste Profiteure: Konstruktionsfirmen, Produktions- und Handelsfirmen durch zeitliche Beschleunigung und räumliche Ausdehnung von Produktion und Handel
Kondratieff: Stahl, Eisenbahn:
Wichtigste Profiteure: Ingenieure, Kapitalisten, Handel, Tourismus, Nutzer.
Diese neuen Transportmittel machten riesige Investitionen für Infrastruktur notwendig - die denen Arbeit bot, deren Arbeitsleistung eben durch die neuen Transportmöglichkeiten überflüssig geworden war, also hauptsächlich Bauern. Der Haupteffekt aber dieser Innovationen war der Nutzen dieser Infrastruktur und Transportmittel für die Ausdehnung und Beschleunigung von Handel und Produktion. Leichter, schneller und billiger zur Verfügung stehende Rohstoffe auf der einen, Absatz auf der andern Seite. On demand, on the spot. Der Raum wurde kleiner, die Zeit kürzer. Die Produktion effizienter, schneller, ohne körperliche Anstrengung.
Kondratieff: Elektrotechnik, Chemie.
Wichtigste Profiteure: Ingenieure, Firmengründer, Produzenten, Händler, Nutzer.
Kondratieff: Petrochemie, Automobil.
Wichtigste Profiteure: Erdöl- und Autoindustrie + Nutzer.
Diese Beschleunigung durch Transporte wie durch Mechanisierung braucht, wie die Physik lehrt, Energie. Holz reichte längst nicht mehr aus. Mitte des 19 JH waren in Mitteleuropa viele Wälder in einem fürchterlichen geplünderten Zustand. Kohle, Gas und später vor allem das Erdöl lösten das Problem vorübergehend, haben aber den Höhepunkt bereits überschritten. Die grosse Hoffnung, die saubere risikofreie Fusionsenergie krabbelt immer noch auf dem Weg zum Sandkasten.
Die Sättigung des Wachstums der Automobilpopulation ist längst erreicht, was deren Auswirkungen betrifft. Sie geht in ganz Europa geht einher mit einer wirtschaftlichen Talfahrt. Der geschätzte Sättigungspunkt sei in den USA noch weiter weg und werde erst mit 173 Millionen Autos erreicht, meinte Modis vor 10 Jahren. [Die Berechenbarkeit der Zukunft. Warum wir Vorhersagen machen können. Theodore Modis. Birkhäuser Verlag. Basel, Boston, Berlin. 1994]. Eben so wirtschaftlich fulminant wie katastrophal für Mensch und Umwelt dürfte sich die Automobilisierung Chinas erweisen.
Kondratieff: (seit ca. 1970) - Informationstechnik, Computer. Der 5. Kondratieff hat sich durch zwei Effekte vor allem ausgezeichnet:
Durch eine enorme Rationalisierung der Administration und aller anderen wirtschaftlichen Tätigkeiten die mit Daten zu tun haben, also durch eine weitere Verkleinerung des Raumes und eine weitere Beschleunigung der Zeit.
Durch das Aufpusten und Platzen eines enormen Spekulationsbalons betr. New Economy
Durch das Aufpusten von Finanztransaktionen und allen möglichen seltsamen Instrumenten des Kapitalmarktes, der die Substanz (diskontiert) verkauft, bevor sie da ist und Kapital gegen jede mögliche Entwicklung (hohe Zinsen, tiefe Zinsen, Kursänderungen, Rohstoffpreise, etc. absichert.
Wichtigster Profiteur: Finanzindustrie + Kapital, Forschung, Firmen, Nutzer (Wirtschafts- und Staatsbürokratie).
Kondratieff:: (ab ca. 2020): Gesundheit und Bildung - Molekulartechnik - Nanorobotik und Quantencomputer?
Das sich Regionen und Länder unterschiedlich entwickeln, sind also auch nich alle immer im selben Zyklus. Gerade China und Indien stehen erst am Anfang eines enormen Infrastruktur-Zyklus, in dem Strassen, Eisenbahn, Verkehr, Bildungswesen etc. aufgebaut werden muss, Dinge die der Bevölkerung der entsprechenden Länder Arbeit geben werden, sich jedoch kaum exportieren lassen vor hier aus.

Die Rediten der Aktienmörkte (Samuel Gerber: Kommt bald die Flut? Handelszeitung Nr. 52, 23.12.09, S. 21] zeigen dies Schwankungen präzise. Ebenso, dass der IT- und Computerzyklu offensichtlich sein Ende erreicht hat. Bei uns 2008 - in Japan, das hier der Schweiz schon ziemlich voraus war, bereits 1990. Da die Japaner ja auch nicht grad auf den Kopf gefallen sind, und sogar zu Beginn der 90 noch alle Manager das Japanische Erfolgsmodell (betr. Exporte) kopieren wollten, sollten wir uns vermutlich in erster Linie mal ansehen, was in Japan in den letzten knapp 20 Jahren gelaufen ist, oder eben nicht. Es schein nämlich, dass auch den Japanern noch kein neuer Kondratieff eingefallen ist - genau so wenig wie uns. An Stelle des befürchteten, an Stelle der V-Erholung öfters eintretenden double-dip, könnte sich sogar ein tripel oder quadrupel dip ergeben, der sich 10, 20 oder noch mehr Jahre hinzieht. Generell kein Grund zur Panik. Unsere Elten haben die 40er überlebt, wir die 70er, uns und unsern Nachkommen werden auch in den 2010er nicht der Himmel auf den Kopf fallen. Im schlimmsten Falle müssen wir uns eben eine Wirtschaftsform einfallen lassen, mit der alle Leben können - in der sich aber nicht mehr (für einige wenige) beliebig viel rausdrücken lässt. Japan deutet eher auf das Zweitere hin. Die teils erst drohende, teils bereits akute Grenze der Staatsverschuldung oder des Staatsbakrotts kann hier ebenfalls nicht als Zeichen gewertet werden, dass die Wirtschaft das besser gemacht hätte, denn genau sie hat ja a) immer mehr Kosten dem Staat aufgebürdet, b) immer mehr Erträge der Besteuerung entzogen. Wirtschaft muss aber in erster Linie den Menschen dienen - nicht umgekehrt.
Nikkei 225 seit 1990:
Das ist aber nicht alles. Im allgemeinen beneiden wir ja die Reichen nicht nur für ihren Reichtum, sondern auch dafür, dass sich dieser durch "Arbeit des Kapitals" statt eigene Arbeit auch noch vermehrt. Aber auch damit war nicht so viel in den letzten 10 Jahren. Einzelne verdienen zwar weiter prächtig, andere verlieren aber genau so an Pracht. (s. Die reichsten 300)
Auf Grund der vorhergehenden Kondratieffs können wir bereits sagen, dass die Idee, mit Quantencomputern einen Wirtschaftszyklus auslösen zu wollen sich höchstens für's Cabaret eignet. Es gibt sehr wenige Menschen die einen Supercomputer nutzen können, folglich eignet er sich nicht als Basis eines Wirtschaftszyklus. Die Sache mit den Banken hat sich ebenfalls als äusserst zweifelhaft erwiesen. s. Finanzkrise 08
Nanorobotik und Molekulartechnik sind technisch-chemische Spezialgebiete, können also neue Arten von Maschinen, von Heilmethoden, von Produktionsmethoden und Produkten liefern, aber es sieht doch eher weniger danach aus, als ob sie einige Milliarden Menschen beschäftigen könnten oder einer Mehrheit einen Nutzen bieten wie etwa eine Fertigungsmaschine, ein Auto, ein Computer. Falls damit leichter und energiesparsamer produziert werden kann, leisten sie wertvolle Beiträge an die Lösung des Energieproblems, das uns die ersten 4 Kondratieffs geschaffen haben.
Bleibt also Gesundheit und Bildung. Behalten Sie's in der Kombination im Kopf, nicht reduziert auf Bildung, getreu dem Grundsatz: Mens sana in Corpore sano.
Ralf Stumpf arbeitete das zu folgenden Kommentaren aus:
Ein Kennzeichen der Kondratieff-Zyklen ist, dass bereits vorhandene, aber bisher ungenutzte (und unbewusste) Ressourcen plötzlich ins allgemeine Bewusstsein treten und breite Bedeutung erlangen. Im ersten bis vierten Zyklus waren diese Ressourcen (materielle) Energie, seit dem K5 ist es (immaterielle) Information. Dadurch, dass einem System (hier: der Gesellschaft) viele neue Ressourcen zugänglich gemacht werden, kommt es zu exponentiellem Wachstum in bis dahin unerschlossenen Gebieten: anfangs langsam und fast unbemerkt, plötzlich steil und dramatisch ...
Gesundheit ist derzeit definiert als Negation von Krankheit. Ein Arzt erlernt im Studium (nach Aussage von Dr. Michael Spitzbart) "30.000 Krankheitsbilder und kein Gesundheitsbild". Unsere (Schul-)Medizin hat ihre großen Siege errungen im Kampf gegen den Tod. Doch dieser Prozess lässt sich nicht beliebig fortschreiben, sondern führt sich selbst ad absurdum (wie lange und um welchen Preis soll man ein Leben künstlich verlängern?). In den nächsten Jahren wird es darum gehen, die Lebensqualität zu erhöhen und die Gesundheitszeit zu verlängern.
Die Verkürzung der Lebensarbeitszeit, der Anstieg der Lebenserwartung und der Zuwachs privater Vermögen schafft eine frei verfügbare Zeitspanne, die aktiv, bewusst, sinnvoll und mit Genuss gelebt werden will.
Wer heute mit dem Wunsch zum Arzt geht, seine Gesundheit zu fördern und noch gesünder zu werden, findet den Arzt hilflos. Die Diagnose lautet "ohne Befund"(!), und die Medizin hat dafür (oder dagegen?) kein Mittel.
Es liegt daher nahe, dass es zu einer Zusammenarbeit verschiedener Bereiche kommt: des klassischen, (schul)medizinischen Gesundheitswesens (bei ernsthaften Erkrankungen); der alternativen, ganzheitlichen Medizin (hauptsächlich bei Erkrankungen, die weniger lebensbedrohlich als vielmehr die Lebensqualität mindernd sind), der Krankheitsprophylaxe und des Wellness/Fitness-Bereichs zur Erhaltung und Entwicklung der Gesundheit (Ernährung, Bewegung, mentale Strategien, Entspannung und vor allem Genuss und Lebensfreude).
Auf der Grundlage der dadurch vorhandenen Ressourcen (Zeit, Geld, Fitness) ist dann ein wahrer Bildungshunger zu erwarten.
http://www.ralf-stumpf.de/artikel_k6.htm
| Das Gelage als Potlach: Reichliches Essen und Trinken war seit dem 13. und blieb bis ins 17. Jahrhundert Ausweis von Ansehen und Reichtum und wurde zur Schau gestellt. Erlesene Schmausereien hoben den eigenen Lebenskreis gegen zudringliche Nachbarn ab, vor allem bei Adligen und Bürgerlichen, die weder wie die Fürsten alle Welt freihalten konnten noch wie das Volk sich freihalten lassen wollten. Der soziale Zwang zur kulinarischen Repräsentation wirkte vor allem im Kleinbürgertum verheerend, wenn das Haus lange auf ein gewaltiges Fest sparte, und danach völlig entblösst war - ähnlich wie bei Potlach-Festen australischer Stämme. [Arno Borst: Lebensformen im Mittelalter. Nikol Verlagsgesellschaft Hamburg 2004. S. 193-4] Bei aller berechtigten Kritik an derartigem - war es eben doch diese Art von Wirtschaft, die das Geld in Umlauf hielt und die Akkumulation bei den Wenigen immer wieder durchbrach. |
Wir hätten also vielleicht im 6. Kondratieff die Chance, die Wirtschaft zu ihrer eigentlichen Aufgabe zurückzuführen, nämlich uns mit knappen, erwünschten Gütern und Dienstleistungen zu versorgen, die zur Existenzsicherung nötig sind, die die Entwicklung des Seins ermöglichen, die Zufriedenheit und Glück förderlich sind. Trotz enormer Entlastung von harter körperlicher Arbeit hat bisher eigentlich jeder Kondratieff eine neue Form von Stress und härte geschaffen, die den Gewinn an Wohlstand gleich wieder wegfrassen: Im 1. durch den Manchester Liberalismus, die hemmungslose Ausbeutung der Arbeit durch das Kapital und, im 2., durch die Unternehmer. Der 3. und 4. fielen in die Zeit des Wirtschaftswunders, davon konnten alle profitieren, während der 5. vor allem durch die Finanzwirtschaft, aber auch durch industrielle und politische Verwaltung, hemmungslos zur abbauenden Restrukturierung ausgenutzt wurde, was die Flaute (vor allem bei Löhnen) seit 1990 ausgelöst hat. Was die Entlastung von körperlicher Arbeit betrifft, so wurde mit dem Computer ein Stadium erreicht, in dem die Leute sich kaum mehr körperlich bewegen, also immer fetter werden, dafür mental in den Wahnsinn getrieben werden mit inkompatiblen Programmen, Viren, Sicherungssystemen, unzählbaren Versionen, Gimmicks, die zwar bald zum Hauptmerkmal werden (s. Entwicklung beim Handy: Da man damit auch Photographieren kann, müsste ja eine Flut toller Photos im Umlauf sein??? Schon was gesehen davon? ... Also ich hab noch kein Handy. Ich warte, bis man mit dem Photoapparat telefonieren kann ...) - die kaum jemand braucht und eh nur wenige zu bedienen wissen. etc.etc.
Auch wenn die Folgen fehlender Bewegung sichtbar sind und nach mehr Sport/Bewegung rufen, der geistige Zustand ist eigentlich noch mehr in Mitleidenschaft gezogen worden durch unsere Verdummungswirtschaft ... und die war hier so erfolgreich, dass man es nicht mal merkt. Seit der Gründerzeit, der Blühte des Liberalismus, arbeitet die Wirtschaft nach dem Prinzip der Konzentration auf eine einwertige Zielfunktion. Erfolgreich, denn sie hat nicht bloss alle anderen Werte verdrängt, sondern es sogar geschafft, dass nicht sie (ihre Vertreter) als beschränkt gilt, sondern jeder, der dem Prinzip abhold ist. [s. shareholder value & Vom Wissen das dumm, und der Dummheit, die reich und mächtig macht.].
| "Ich möchte ein Ei kaufen, bitte", sagte sie
schüchtern. "Wie teuer kommt das?" Neunzehn Pfennig für eins - zehn Pfennig für zwei", antwortete das Schaf. "Dann sind zwei billiger als eins?" fragte Alice erstaunt und zog das Portemonnaie hervor. "Nur , wenn du zwei kaufst, musst du sie auch essen", sagte das Schaf. Alice hinter den Spiegeln |
In den letzten 30 Jahren hat sich sogar in der Politik die Lenkung durch wirtschaftliche Anreize immer mehr als demokratisch und wirkungsvoll durchgesetzt. In den letzten 15 Jahren sabotiert sich die Lenkung durch wirtschaftliche Anreize allerdings immer mehr selbst, da sie jede Belastung die nicht als privater Gewinn auftaucht als Beschränkung und Schädigung der Wirtschaft betrachtet. Das New Public Management, und ähnliche Steuersysteme die mit ökonomischen Anreizen arbeiten, hat trotz vieler guter Vorsätze, ebenfalls zur Verstärkung der Überbewertung materieller Güter geführt. Geld als alleiniger Massstab ist aber der falsche Massstab. Er reduziert den Menschen auf kommerzielle Aktivitäten. Die permanente Statuskonkurrenz schafft unbegrenzte Bedürfnisse, die wieder Statuskonkurrenz schaffen, die .... Dieses System schaukelt sich dauernd auf, erzeugt Wohlstand - aber längst keine Vermehrung des Wohl-Seins mehr. Die Steigerung des Wohlstands darf aber nicht mit Aufwendungen und Einbussen erkauft werden, die den Wohlstand selbst in Frage stellen.
Man sollte sich hier folgende Analogie bewusst machen und nach anderen Lösungen suchen: Ungehemmtes, ungelenktes, ungehindertes, ungesteuertes Wachstum wird in der Biologie als Krebs bezeichnet. Wachsen Teile des Organismus frei, nicht mehr durch die Kontrolle anderer Organe begrenzt, so wird das als Krebs bezeichnet. Der Krebs verdrängt lebenswichtige Organe und führt oft zum Absterben des Organismus. So ist das in der Biologie. In der Wirtschaft dürfte es wohl kaum anders sein. Laissez faire, laissez aller, funktioniert nur so lange, als ein komplexes System von Interaktionen, Kontrollen, Rückmeldungen die Priorität des Überlebens des gesamten Organismus garantiert. Fangen einzelne Organe an sich selbst als prioritär zu setzen, zerfällt der Organismus.
Wir wurden [laut Gehlen] von Wesen des Seins zu solchen des Habens. Das Selbst hat sich entleert und ist nun meist an äusserliches gebunden wie Rang, Erfolg, Leistung, Geltung, Beliebtheit, Zugehörigkeit und akzeptiert werden.
Für Gerhard Scherhorn [Geld - Werkzeug oder Lebensziel des Menschen? Gerhard Scherhorn: Die Wachstumsillusion im Konsumverhalten. Binswanger S. 213-230] liegt der Zwang zum Wachstum auf dem Streben nach positionalen Gütern, also Gütern, die unsere Soziale Position präsentieren. Dadurch wird Armut nicht zum Verschwinden gebracht, im Gegenteil, da auch Wohnung inzwischen zum dominanten Statussymbol geworden sind und durch Nachfrage nach mehr Wohnraum knapp, verschärft sich der Abstand zwischen Arm und Reich auch mit Wachstum weiter.
Immaterielle Befriedigung hingegen wird erreicht durch produktive Aktivität handwerklicher oder künstlerischer, schreibender oder konstruierender, analysierender oder organisierender Art. Immaterielle Befriedigungen ergeben sich auch in menschlichen Beziehungen, im Naturerleben, im Kunstgenuss, im Entdecken und Verstehen. Immateriell sind auch jene Befriedigungen zu nennen, die aus der Beschäftigung mit dem eigenen Körper und dem eigenen Bewusstsein resultieren, aus Körperbewegung z.B. oder aus der Meditation. [s. gute Arbeit, 4. Sektor]
Aus-Wege zu einer modernen und nachhaltigen Wirtschaft:
Fazit:
Apropos Bücher ... brauchen Sie
Werbung für halbwegs intelligente Bücher, ist Brainworker der ideale Ort.Bücher, die belegen, dass unsere Wirtschaft ohne Wachstum nicht auskommt, braucht es keine mehr. Diese Erkenntnis ist trivial, die Bücher (die ich gem. den Regeln einer Rhetorik des Schweigens nicht erwähne) also überflüssig. Was uns hingegen ziemlich fehlt, sind einige brauchbare Ideen, wie eine Wirtschaft ohne Wachstumszwang zu betreiben wäre.
Dass Wirtschaftswachstum nicht einfach mehr Wohlstand für alle bedeutet belegt Saskia Sassen in Metropolen des Weltmarkts. Die neue Rolle der global cities. [Campus Verlag Frankfurt/New York. 1997]:
Die funktional mit dem derzeitigen Wirtschaftswachstum zusammenhängende Zunahme von schlecht bezahlten Jobs impliziert eine Reorganisation des Verhältnisses zwischen Kapital und Arbeit. [S. 142]
Die Freunde des Wachstums und florierender global cities sollten ihre Bücher vielleicht erst mal lesen, bevor sie laut gackernd Rezepte legen.
Apropos Innovation:
Innovation wird selten durch getreue Handlanger geleistet, die die bestehenden Normen von Forschung und Wissenschaft getreu der Tradition anwenden - sondern von denjenigen die wissen, wo sie diese Gesetze (Paradigmen) brechen, verbiegen, wandeln müssen - und können, also durch Querschläger, die aber durch die herrschende Selektionskultur in Forschung, Wissenschaft und Wirtschaft meist ausgespuckt werden.
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14.5.08: Die Volkswirtschaft nimmt sich in No 81, 2008, ebenfalls das Wachstum als Monatsthema. Die Argumente sind allerdings sehr traditionell, brachten also zu Pfingsten auch keinerlei Erläuchtung:Hohes Kostenniveau senken: Wettbewerb im Binnenmarkt stärken durch vermehrte Importkonkurrenz
Weitere Reduktion der Wettbewerbshindernisse in der Netzwerkindustrie
Unternehmensstandort aufwerten ... u.a. durch unternehmensfreundlichen Rechtsrahmen
Lohnende Erwerbsbeteiligung gewährleisten, das nationale und internationale Arbeitskräftepotential nutzen und das individuelle Humankapital fördern.
Arbeitsmarktflexibilität, die die Arbeitslosigkeit tief hält und Sozialbudgets entlastet und Lohnabzüge begrenzt und die Arbeitsanreize hoch hält ??? [flexibler Arbeitsmarkt als Eier legende Wollmilchsau. Dass Flexibilität bloss die Kosten verlagert auf die "Flexibilisierten", wird verschwiegen.].
Abbau der Stützung der Agrarproduktion
Förderung der Vollerwerbstätigkeit der Frauen (schön billige und willige Arbeitskräfte ...)
Eliminierung der nicht-tarifären Handelshemmnisse
Bremsen der Kostensteigerung im Gesundheitswesen dank besserer Regulierung
Na
ja, zumindest Punkt 3 tönt eigentlich gut, wenn man sich allerdings
ansieht, wie die
Verteilung des "Wachstums" an Wohlstand aussieht, dann können
die meisten von uns getrost darauf pfeiffen (oder noch ganz anderes
....). Dazu werden die übrigen handgestrickten Graphiken geliefert,
wie etwa die rechts. Norwegen hat Erdöl - Luxemburg ist ein winziger
Stadtstaat, die beiden gehören mal gar nicht hin in den Vergleich,
denn derartigem kann kein Staat nacheifern. Für den Rest ist die
Angelegenheit eh äusserst relativ ..
Marc Surchat argumentiert klassisch, dass das hohe Preisniveau zu sozialer Ungleichheit führe. Tönt gut, aber die soziale Ungleichheit beruht viel mehr auf unterschiedlichen Potentialen, finanziellen Potentialen, und da ändert weder Bildung noch Wachstum irgend was dran.
Das SECO wurde offenbar erfolgreich mit Vor- und
Nachbetern der Produktivismusideologie ausgestattet. Dass dann
Daniel Lampart vom Schweizerischen Gewerkschaftsbund noch ein
bisschen Kritik anbringen darf, ändert wohl kaum etwas.
Welcher Schabernack
da getrieben wird mit Wachstum und Wettbewerb zeigt die Realität am
besten. 2008 steht die Schweiz in Sachen internationaler
Wettbewerbsfähigkeit an 4. Stelle. Bloss noch übertroffen vom
Weltbeherrscher USA, dem autoritären Stadtstaat Singapur, der über
reichlich fleissige Chinesen verfügt und Hongkong (do). Wir machen
hier also doch ausreichend die Kulis für das
1% der
Superreichen, denen praktisch die ganze Schweiz gehört
(präziser: 95% allen Eigentums im Kanton Zürich - und vermutlich
auch sonst in der Schweiz).
Man kann natürlich auch klagen, dass wir 1989 auf Platz 2 waren, hinter Japan. Aber wo ist Japan heute? Und wo die Finanzmärkte zuschlagen, da wächst kein Gras mehr. Da wäre also eher mehr Vorsicht geboten mit denselben, als zu viel des Lobes.
Die Vermögen die seit 1991 noch entwickelt wurden, gingen vollumfänglich in die Hände des 1% der Superreichen, der Rest der Bevölkerung schaut mehr oder weniger dumm drein. Was bei den Untersten zugenommen hat, denen die nichts haben, ist allenfalls der Bauchumfang, und die Anzahl - trotz Wachstum.
Scheiss auf dieses Wachstum!
Martin Herzog, Webdesign, Basel, 1.2.04;/8.5.05