Der
Lohn des KapitalsSUNK COSTS - Prohibitiver Markteintrittszoll der so genannten freien Wirtschaft
Brainworker's Beiträge zum Thema Globalisierung
Netzwerke als hinter-listiges Selektions- und Herrschafts-Mittel: Die hegemoniale Vorherrschaft des neoliberalen Markt-Totalitarismus
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Das neoliberale Modell krankt vor allem an einem Fehler: Die dauernde Flexibilität ist nicht gratis. Die Aufgabe und Neueröffnung von Firmen wie das Erlernen von neuen Fähigkeiten oder gar eines neuen Berufs verursacht beträchtliche Kosten ... allerdings bei "den Andern", oft zu Lasten des Staates.
| Dieser Haushalt ist
der beste, in welchem man nichts Überflüssiges will und nichts Notwendiges
vermisst. .. So lässt sich ein gesundes Leben und Haus-Wirtschaften mit den
einfachsten Mitteln führen. Plutarch |
Zudem selektiert der Wettbewerb, wie er durch die neoliberale Ideologie gefördert wird, weder nach Qualität der Produkte noch nach Effizienz der Produktionsverfahren, wie die Theorie so gerne hätte, sondern nach der Grösse der Kriegskasse, also nach finanztechnischen Aspekten.
Es ist gerade hier wichtig zu erkennen, dass Wirtschaftssysteme von Menschen aufgebaut werden. Wir haben die freie Wahl, wie sie aussehen sollen. Sie sind weder Naturgesetz noch göttliche Fügung und basieren schon gar nicht auf wissenschaftlich unumstösslichen Erkenntnissen. Insbesondere die neoliberale Globalisierung wurde von wirtschaftlichen und politischen Eliten der USA und Englands gefördert - nicht weil diese Theorie der Weltwirtschaft und/oder den Armen auf die Sprünge hilft, sondern weil die Industrien der USA und Englands durch ihre Grösse, den enormen "Hausmark" und den Erfahrungsvorsprung einen gewaltigen Wettbewerbsvorteil haben, den sie mit der Liberalisierung am besten nutzen können.
| Arbeitslosigkeit OECD | 1960-73 | 1973-79 | 1970-89 | 1989-95 |
| % | 3.2 | 5% | 7.2% | 7.1% |
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| globales Wachstum | 1950-73 | 1973-92 | 1993 - | |
| % | 4.9 | 3 | 1 | |
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| grenzüberschreitende Geldströme | 1978 | 1989 | 1999 | |
| Milliarden $ | 18 | 590 | 1500 | |
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| Anteil Optionen an Managementlöhnen | 1979 | 1985-90 | 1995-99 | |
| % | 22 | 50 | 99 | |
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| Lohnverhältnis Top-100-CEOs zu Arbeitern | 1970 | 1980 | 1990 | 1999 |
| 38 | 101 | 222 | 1044 | |
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Nach neoliberaler (rechter) Sicht erlaubt (nur) die Abwesenheit jeglicher Einmischung von Regierungen in nationale wie internationale Wirtschaft, die volle Entfaltung wirtschaftlicher Effizienz. Dieser Marktfundamentalismus nimmt an, dass die unsichtbare Hand der unregulierten Märkte alle Regierungskontrollen und Beschränkungen ersetzen wird und das Geld, das sich ohne Behinderungen frei bewegen kann, eine weltweit integrierte, effiziente und freie Wirtschaft schaffen kann, da es sich die produktivsten Investitionen sucht, unabhängig davon, wo sie liegen. Neoliberalismus basiert auch auf dem Gesetz von Say, das besagt, dass sich auf dem freien Markt jedes Angebot seine Nachfrage schafft, da Einkommen auch wieder ausgegeben werden müssen (Die Theorie stammt offenbar noch vor der Zeit, in der Geld immer mehr für Glücksspiele an der Börse verwendet wird, statt für Investitionen).
Die Tabelle rechts zeigt allerdings deutlich, dass es eigentlich nur die Spitzenlöhne sowie die Finanzdienste sind, für die Liberalismus rentiert. Die Arbeitslosigkeit nimmt zu - was logischerweise zu weniger Konsum und noch weniger Wachstum führt, während auf der Finanz- und Kapitalseite noch mehr vagabundierendes Kapital den Wettbewerb um die maximale Rendite antreibt und manch gute Firma mit guten Produkten in Schutt und Asche zurücklässt. Dies ist als Folge des zunehmenden Zwangs durch Wettbewerb zu Tiefst-Preiskämpfen, Marktanteilskriegen durch Schaffung von Überkapazitäten und einer Beschleunigung, bei der Neuentwicklungen bei der Auslieferung schon fast veraltet sind - und so auch die Investitionen rascher entwerten als sie sich amortisieren lassen. Dazu kommt die zunehmende Beanspruchung der Finanzmärkte, die nicht erst bei Zahlungsproblemen, sondern bereits bei enttäuschten Gewinnerwartungen, erbarmungslos und ohne Rücksicht auf anderweitige Verluste, strafen.
W. Niederberger belegt das Selbe im Tagesanzeiger vom 11.02.04 S. 31:
Zur Situation in Deutschland s. Wozniewsky: Die Einkommensentwicklung steht Kopf.
Während Bush's Kur bei den Reichen also wohl anschlägt, müssen Arbeiter mit geringer Qualifikation froh sein, überhaupt noch Stellen zu finden. (s. Beispiel Wallmart).
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Vom
Anarchismus unterscheidet sich der Liberalismus
durch die Auffassung, dass der
Staat zur Garantie von Freiheit und Eigentum als
notwendig angesehen wird. |
Falls Sie denken, die Zahlen seien halt etwas alt, der Aufschwung der USA habe das geändert ... Pustekuchen. Die Wirtschaft der USA ist zwischen 2003 und 2005 um jährlich 4 % gewachsen, die Arbeitsproduktivität um 4.1% - aber die Löhne sind in den letzten 12 Monaten gesunken. (Nominaler Anstieg 2.6%, Inflation 3.1%, Resultat: - 0.5%). Bei einem derartigen Wachstum wäre es den Unternehmen leicht möglich, auch den Mitarbeitern einen höheren Anteil zu gewähren ... allerdings gehen diese Mehrleistungen, mittlerweile auch in den USA, an die Krankenkassen (wobei allerdings nur 40% der US-Amerikaner versichert sind). Dies trifft natürlich nicht alle gleich. Die Saläre der Spitzenverdiener stiegen um 6.7%, und auch dort vor allem oben, also bei den Konzernchefs um 12.6%. Forbes errechnete für die Chefs der Top-500, unter Einbezug von Aktienoptionen, eine durchschnittliche Lohnerhöhung von 54%. Die Chefsaläre der Grossunternehmen in der Schweiz stiegen (offiziell) etwas bescheidener, aber doch massiver als die Durchschnittslöhne der US-Konzernchefs, nämlich um 17% - bei einem Durchschnittslohn von 1.67 Mio. Fr. Wenn unsere Chefs von marktgerechten Managerlöhnen reden, ziehen sie immer die höchsten Löhne der USA zum Vergleich heran. Das ist Betrug, denn die massiven Löhne der USA werden in global tätigen Firmen bezahlt, von denen wir auch einige haben in der Schweiz. Von diesen Löhnen kann auch der durchschnittliche Amerikanische KMU-CEO nur träumen. (s. Lohnvergleich & Lohnentwicklung bei Höchstlöhnen).
Martin Kilian liefert in: Der amerikanische Traum ist ausgeträumt (Tagesanzeiger, 17. Mai 2005, S. 8) weitere Daten zur Polarisierung des neoliberalen Musterlandes USA. Während sich der Durchschnittsverdienst der 100 bestbezahlten Manager der USA von 1.3 Millionen $ 1979 auf 37.5 Millionen $ 2001 erhöht hat, während sich das Gesamteinkommen des obersten einen Prozentes, dem mehr als ein Drittel des Gesamtvermögens gehört, ein Fünftel des Gesamteinkommens an sich riss, während die Einkünfte des obersten Fünftels der US-Bürger seit 1979 um 70% stieg, konnten die Familieneinkommen der Mittel- und Unterklasse nur durch eine stärkere Einbindung der Frauen in die Wirtschaft erhöht werden.
Kommentar zur Marktintegration der gesamten Familie:
Letzteres gibt zu denken, auch wenn es generell eine von Frauen geforderte, also positive Entwicklung ist: Entlastung der Hausfrau, Integration in die produktive Wirtschaft, Kinderkrippen, das lässt mich an die Bildungsideologie der Fundamentalmarxisten denken, wie sie etwa in Aden durchgeführt wurde. Kinder sollten vom Kollektiv erzogen werden, nicht von den eigenen Eltern, um sie besser an die Gesellschaft zu integrieren und weniger individualistische Regungen zu fördern. Was hier und heute bei uns geschieht ist doch das selbe, einfach umgekehrt. Die Familien werden aufgelöst. Haushalt und Erziehung wird dem Markt übergeben, der ein marktgerecht denkendes und handelndes Individuum heranzieht, eines das weiss, dass es nur existieren kann, wenn es reichlich Geld generiert um am Markt seine Existenzberechtigung behaupten zu können, zu Unterkunft, Bildung, Sicherheit, Beziehungen, Arbeit, Gesundheits- und Pflegediensten zu kommen. Erzogen die Kommunisten im Kollektiv zu Kollektivismus, erzieht der Markt durch die Mietfamilien Krippe, Schule, Betrieb zu Kleinbetrieben, Ich-Ag, zu Produktions- und Konsumationselementen, zu Mietern und Vermietern - je nach Herkunft, wie einst im Feudalismus.
Konnten 1980 noch 40% eine Rente erwarten , ist es heute noch die Hälfte davon. Wollten 1989 noch 56% der US-Firmen ihre Mitarbeiter langfristig an den Betrieb binden, waren dies 1999 noch 6%.
Kommentar zur Flexibilisierung:
Auch dieser Effekt, die Loslösung der Mitarbeiter von der Firma, hat positive wie negative Aspekte. Wer sich darauf einstellt, mit dem Eintritt in eine Firma nicht gleich "Lebenslänglich" zu fassen, lebt vermutlich entspannter. Irgendwann wird das Meiste zur Routine, und ein Wechsel täte gut. Diese Flexibilisierung hat aber zwei Effekte:
kostet sie die Firma Geld, da wertvolle Erfahrung verloren geht.
Dies führte zur Geburt des knowledge managements, mit dem bis heute weitaus mehr Schabernack getrieben als knowledge gemanaged wird.
Da die Wirtschaft sich des Ockhamschen Rasiermessers bedient um Kosten zu sparen wo es nur geht, verlangt sie von den flexibilisierten Arbeitskräften, das notwendige Wissen selbst mitzubringen. Sie delegiert die Kosten interner Schulung an die Mitarbeiter, wobei a) eine nicht all zu tiefe Arbeitslosigkeit ebenso hilft wie b) die generelle, fiese, hinterhältige und dümmliche, aber dafür um so weiter verbreitete, Behauptung, Arbeitslose, zunehmend auch Lehrlinge, seihen eben zu dumm, man sehe es ja eben gerade daran, dass sie das dem Betrieb notwendige Wissen nicht mitbrächten. Hier handelt es sich primär um Machtspiele, nicht um pisaische oder all-sche Bildungsprobleme.
Die Gebühren für Colleges und Universitäten steigen. Jährlich können sich über 2 Millionen qualifizierte Highschool -Absolventen kein Studium erlauben. Die Unter- und Mittelschicht wird von den besten Universitäten verdrängt. Heute stammen bereits 75% der Besucher der146 Spitzenuniversitäten aus dem reichsten Viertel der Bevölkerung.
Die soziale Mobilität, der Tellerwäscher-Mythos, lässt sich heute in Finnland und Deutschland leichter verwirklichen als in den USA.
Durch Teilprivatisierung der Renten sollen Mittel- und Unterschicht weitere Lebensrisiken übernehmen. Unter dem Banner der Eigenverantwortung, gestützt durch die reichenfreundliche Politik von Bush, insbesondere die Abschaffung der Erbschaftssteuer, betoniert die USA Zitadellen des Reichtums, fördert Dynastien auf der einen, Ausschluss auf der andern Seite. Das ist keine liberale oder gar linke Feststellung, diese Zustände hat sogar das erzkonservative Blatt The Economist beklagt.
| Ein ausgezeichneter Artikel zu Geschichte und Inhalt des echten Liberalismus wurde von Daniel Binswanger publiziert in Das Magazin 38 / 2007. S. 26-35 |
Fazit:
Wirtschaft ist
Krieg.
Löhne sind das Resultat von Kampf.
Da Löhne von oben her definiert werden, muss sich unten eben besser
organisieren.
Traditionell waren die Kernindustrien (Stahl, Auto, Maschinen....) natürliche Oligopole (Schumpeter). Diese können sich unter perfektem Wettbewerb, auf den der Neo-Liberalismus drängt, auf längere Sicht nicht am Leben erhalten. Bei schleppender Nachfrage müssten laut Marktgesetz eigentlich einige der schwächeren Firmen das Schlachtfeld verlassen - und neuere dürften bei fallenden Preisen und geringen zu erwartenden Profiten gar nicht einsteigen. Beides geschieht aber nicht. Warum dies?
Warum steigen weitere Produzenten in einen hart umkämpften und eigentlich unrentablen Markt ein? Weltweit betrachtet liegt es daran, dass "Übergangsländer" nicht direkt von Textilproduktion auf Hightec umsteigen können. Sie müssen die Leiter der Entwicklung Stufe um Stufe erklimmen, und dabei auch z.B. das Bildungssystem ständig anpassen. Ohne einen gewissen Schutz und Unterstützung durch die Regierung ist dies jedoch kaum möglich.
Die meisten Entwicklungsländer sind allerdings, was die Weltwirtschaft betrifft, Peanuts. Wichtiger für das versagen der Theorie ist die Frage: Warum ziehen sich etablierte Firmen nicht zurück aus einem Markt der nichts mehr hergibt? Und hier liegt der neoliberale Hase im Pfeffersumpf. Die Aufgabe einer Firma, oder die Umstellung auf andere Produkte oder Verfahrensweisen, verursacht enorme Auflösungskosten (s. sunk costs). Eine unrentable Firma kann kaum zu dem Preis verkauft werden, den für sie in besseren Zeiten bezahlt worden ist, im Gegenteil, eine Menge an Kapital (Finanz- wie Personal-, Maschinen-, Gebäude-) muss ganz einfach abgeschrieben werden. Der Umstieg ist für eine Firma genau so wenig gratis wie für einen Arbeitslosen, für den der Liberalismus das selbe Universalrezept hat: Mobilität. So versuchen alle Firmen im Spiel zu bleiben, denn dem Gewinner dieses Monopolis wirken überdurchschnittliche Monopolgewinne.
Eine economy of scale ohne Grenzen (Welthandel), ohne regionalen oder nationalen Massstab, drängt unaufhaltsam nach Vergrösserung des Marktes. (detaillierter ....) Dabei zerstören wenige Grosse viele Kleine, mit vielen Arbeitsplätzen. Die Produktivität einer modernen Säge liegt bei 2500 bis 3000 m3 pro Jahr und Kopf , eine ältere, mittelgrosse Sägerei verarbeitet 800 bis 1000m3, ein der typischen Kleinsägereien etwa 200 bis 600 m3.Eine Grosssägerei die 500'000 m3 pro Jahr verarbeitet hat ca. 15% tiefere Produktionskosten als eine die 10'000 m3 verarbeitet.
Eine neue Sägerei mit einem jährlichen Umsatz von 500'000 m3 schafft zwar 200 Arbeitsplätze - sie vernichtet aber die Existenz von 100 Kleinsägereien und damit 1000 Arbeitsplätze. Die sozialen Kosten der Restrukturierung sind 800 Arbeitslose - mit einer Berufserfahrung die dann kaum mehr gefragt ist.
Wie sich die geplante neue Grossäge im Mittelland, mit 1 Million m3 auswirken wird, können Sie sich also selbst vorstellen.
| Neoliberalismus ist Ökonomie für geistig
Beschränkte: Das neoliberale Modell behauptet, dass sich die
Wirtschaftenden um nichts als das Wohlergehen ihrer Unternehmen
zu kümmern haben. Die Abstimmung zwischen den Betrieben, die
Integration der Betriebe in Gesellschaft und Umwelt, geschehe
automatisch, koevolutiv durch den Markt, ohne Steuerung und
Kontrolle - man dürfe bloss den Wettbewerb nicht behindern.
Neoliberalisten sind Spiesser, denn sie reduzieren das Denken, die Wirtschaft, auf Wettbewerb - und eliminiert nicht nur den ganzen Reichtum an andern Werten die es ausserhalb der Wirtschaft gibt, sondern vor allem den Gegenpol des Wettbewerbs, Solidarität und gesellschaftlichen Zusammenhang. Eine ethische Einstellung, eine Werthaltung, verlangt nach einem umfassenden, ganzheitlichen Orientierungssystem. Dieses kennt der Neoliberalismus nicht, er verneint sogar die Existenz der Gesellschaft, die zugunsten des Wettbewerbs aufgespiesst und abgestochen wird. |
Wenn dies der Wunsch der Liberalisten ist, monopolistische Giganten, wie beantworten sie dann die Frage nach Freiheit und Demokratie, die dem Liberalismus im Ursprung zu Grunde lag? Wer kontrolliert diese Giganten in Bezug auf das öffentliche Wohl? Auf ihren Umgang mit Arbeitskräften und Umwelt?
Diese Art von Wettbewerb lässt zudem eine wichtige Komponente (nebst der sozialen und der Nachhaltigkeit) vermissen: Die Selektion der besten. Bei diesem Wettbewerb überlebt nicht diejenige Firma mit den wirtschaftlichsten Produktionsverfahren und den besten Produkten, sondern diejenige, die finanziell den längsten Atem hat, um bis zur Erreichung der Monopolrente durchzuhalten. Ineffiziente, konservative Firmen haben am wenigsten Schulden und am meisten Reserven, während die effizientesten Firmen oft hohe Schulden haben, da sie, mittels Finanzmarkt, in neue Technologien investiert haben.
Die neoliberale Globalisierung und die Führung durch den kurzfristig agierenden Finanzmarkt zerstört also die Bedingungen für erfolgreiche langfristige Investitionen gleich selber.
Die Hierarchie der Institutionen änderte sich in den letzten 20 Jahren zwei mal. Zuerst übernahm an Stelle von Produktion das Marketing die Führung, dann wurde auch dieses in seiner Bedeutung durch die Finanzanalysten ersetzt, als es leichter wurde mit Papierhandel Geld zu machen als mit Produktion und Verkauf reeller Güter. Auch die Strategie der Finanzierung hatte sich geändert. An Stelle der Suche nach langfristigem Wachstum wechselte man zu ungeduldigen Finanzmärkten, welche gerade im New Market die Gewinne (das Fell des Bären) der nächsten 20 Jahre bereits verkauften, bevor sie gemacht waren. Da Wertpapierhandel aber nicht aus Wohltätigkeit betrieben wird, wurden die Unternehmen mit immer mehr und immer höheren Anforderungen (shareholder rights) überhäuft und zu Ader gelassen. Seltsamerweise haben die hier am wenigsten geklagt, die sofort zu jammern anheben, wenn der Staat zur Finanzierung von Infrastrukturen wie Bildung, Gesundheit oder ähnlichem ein gewisses Verlangen auf höhere Gebühren äussert.
Das führte auch zu einer extremen Verkürzung des Planungshorizonts. Da die Situation vieler Firmen durch den Wettbewerb, speziell die sog. Orientierung am Weltmarkt, immer prekärer wurde, waren sie gezwungen, kurzfristiger zu planen. Obwohl die Finanzmärkte immer mehr Produkte anbieten und offensichtlich viel zu viel Geld vorhanden ist, das nach profitablen Anlagen sucht, darben diejenigen, die auf lokal angepasstem Niveau produzieren wollen, diejenigen, welche die meisten Arbeitsplätze anbieten, nämlich die KMUs.
Während die Figur des Rentners, als alter Mann oder Frau, der seinen
wohlverdienten Ruhestand geniesst, hohe Sympathie und Schutz geniesst, geht
leicht vergessen, dass diese Kapitalrenten, genau so wie diejenigen des
Grosskapitals, erst erarbeitet werden müssen. Zinsen wachsen nicht auf den
Bäumen - und es sind auch nicht die Banken die dafür arbeiten, sondern die
Arbeiter und Angestellten in den Betrieben. Während aber der vom Neoliberalismus
geforderte und geförderte atomistische Wettbewerb die Gewinne verdunsten liess,
forderte der Finanzmarkt gleichzeitig immer höhere Anteile. Gingen zwischen 1950
und 1980 noch bescheidene 30% des Cash Flows an die Finanzinstitute, so
waren es von 1984 bis 2000 satte 50%. Die neoliberale Ära brachte vielen
Unternehmen einen zerstörerischen Wettbewerb, tiefe Erträge, Zwang für
Investitionen - und da diese nicht mehr durch Gewinne finanziert werden konnten,
zunehmende Verschuldung.
Die bis anhin semi-kooperative Zusammenarbeit mit den Gewerkschaften geriet unter Druck, da die Firmen Lohnkosten zu sparen hatten um zu überleben. Im Nachhinein ist vielleicht zu sagen, dass das als "konstruktiv" beschriebene Verhalten der Gewerkschaft, die auf Lohnerhöhungen verzichten, um den dauernd beschworenen "zukünftigen Aufschwung" nicht zu gefährden, vielleicht diesen gerade verhindert.
Rechts nur ein Beispiel: Es ist relativ egal, ob Sie den DAX, NEMAX (noch schlimmer), SMI oder sonst einen Index betrachten, das Phänomen Jahrtausendwende zeigt bei allen mehr oder weniger das selbe Bild: Auf Grund der gepushten 00-Krise (k2000) stiegen die Investitionen ins IT-Business enorm an. Und die Erwartung wurde immer breiter geteilt, dass wer da am Anfang richtig klotze, später nur noch abzuschöpfen brauche, das Geld für sich arbeiten lassen könne, also eine Rente aus Kapitalgewinnen beziehen könne. Spätestens 1999 wurden auch konservative Anleger wie Pensionskassen von ihren Mitgliedern unter Druck gesetzt - es sei doch eine Schande, derart viel Geld einfach liegen zu lassen. Währende die professionellen Anleger 1999 begannen auszusteigen oder, noch profitabler, auf put (Verkaufoptionen) umzusteigen, ging die Hausfrauenhausse erst richtig los. Da den letzten die Hunde beissen, zahlen nun für die Verluste von 60 bis 70% auch die Arbeiter über die Pensionskassen wieder mit. Wirtschaftlich effizienter wurde durch den ganzen Rummel gar nichts. Allenfalls könnten sich die Neoliberalen freuen, da deutlich belegt wurde, dass Geldgier demokratisch eine breite Basis hat.
IMF (International Monetary Fund) und die Welt Bank übernahmen die Kontrolle über die Entwicklungspolitik in manchen Entwicklungsländern, die ihre Märkte geöffnet hatten, und rasch in Probleme mit der Zahlungsbilanz geraten waren. Gesättigt mit neoliberaler Ideologie und eine virtueller Ableger des US-Treasury Departments und der Wall Street, zwangen diese Institutionen den von ihnen abhängigen Länder weltweit eine Politik auf, welche die Wirtschaft enorm bremste. 40% der Weltbevölkerung leben in 55 Ländern die heute unter Diktat des IMF stehen. Dies im Namen der Wiederherstellung des Vertrauens der Investoren. Stieglitz: Heute verleiht der IMF Kredite nur wenn sich das empfangende Land an eine restriktive Politik hält, basierend auf Einsparungen, Steuer- und Zinserhöhungen. Es ist doch erstaunlich, dass hierzulande genau das Gegenteil empfohlen wird, auch von Rechts, zumindest was Steuern und Zinsen betrifft.
Der Autor (James Crotty) führt dies darauf zurück, dass der Neoliberalismus den Eigeninteressen der machtvollen führenden Elite, speziell der USA, entgegen kam. Dadurch wurde auch für entwickelte Staaten eine zerstörerische Dynamik in die Beziehungen zwischen dem öffentlichen und privaten Sektor eingebracht, während den weniger Entwickelten die Möglichkeit genommen wurde, ihre Wirtschaft mit staatlicher Unterstützung erst einmal zu entwickeln, bevor sie sich dem internationalen Wettbewerb stellen muss.
Während zwar global betrachtet der Anteil an Armen, die mit weniger als 2$ pro Tag leben, von 1987 bis 1998 um 39% fiel, ist dies in erster Linie China zu verdanken. In Lateinamerika und Afrika sind wenig Fortschritte zu erkennen.
Die Globalisierung des Finanzmarktes hat dazu beigetragen, dass das internationale Wachstum stagniert. Unabhängige Zentralbanken, besessen von der Inflationsangst, verlangten hohe Zinsen. Die finanzielle Regulation verstärkte die Macht globaler finanzieller Interessen. Unregulierte Finanzmärkte (s. Tobin Tax) sind spekulativ und volatil, sie sind unregelmässigen Zyklen von übertriebenem Optimismus und Pessimismus unterworfen. Da viele Investitionen als Antwort auf einen übermässigen Konkurrenzdruck getätigt wurden, verschärften sie den Zerfall der Nachfrage weiter durch Einsparung von Arbeitskräften und Entmachtung der Gewerkschaften.
Von 1960 bis 1990 hatten 7 asiatischen Tigerstaaten hohes Wachstum und tiefe Einkommensunterschiede erreicht. Die Hälfte des globalen Wirtschaftswachstums zwischen 1989 und 1997 wurde in Ostasien erzielt. Tiefe Wachstumsraten und -Profite im Norden halfen, finanzielle Ströme nach Asien zu lenken. Aber die Auswirkungen eben des selben langsamen Wachstums und die übermässige Konkurrenz verunmöglichten es, den ständig wachsenden Erwartungen weiterhin gerecht zu werden, was sie unter die Kuratel von Weltbank und IMF brachte, und auch ihr Wachstum erfolgreich (für die USA) bremste.
| Wer ein Beschäftigungsangebot ablehnt, muss
mit Sanktionen, bis zur vollständigen Streichung der
Sozialhilfe, rechnen. Bei fortgesetzter Weigerung wird die
Sozialhilfe noch stärker gekürzt. [Roland Koch] Muster des brutalstmöglichen Superlativs aus: Bastian Sick: Der Dativ ist dem Genitiv sein Tod. KiWi Paperback 863. Kiepenheuer & Witsch 2004 mehr dazu unter GUTE ARBEIT II: Hintergründe der geistigen Verwirrung um die Arbeit. |
Wir haben gesehen, dass Liberalismus auf günstige Produktion und günstige Preise setzt, bewirkt durch vollständige Konkurrenz. Er vergisst dabei, dass diejenigen die produzieren, auch diejenigen sind, die konsumieren. Ist kein Geld in der Tasche des Arbeiters, so kommt auch keines in den Beutel des Händlers - und der Produzent bleibt auf seinen Produkten sitzen.
So betrachtet ist es nichts als verlogen, wenn diejenigen Parteien, deren höchstes Ziel das Sparen ist und die Begünstigung der Reichen durch Steuererlass - damit diese mehr investieren können, dann auch noch den Staat kritisieren, wenn er arbeitslose und andere, von der Wirtschaft verschupfte, unterstützt und damit den Konsum fördert.
Für eine Entschuldung des Staates taugen Steuererlasse wenig, die dann noch mehr Überschüsse produzieren, für eine Entlastung des Staates auf dem, bei Ausgaben dominierenden sozialen Sektor, braucht es eine Wirtschaftsform, die denen die produzieren auch erlaubt, das Produzierte zu konsumieren und zu geniessen. Das war ja eigentlich der Sinn des ganzen, der liberalen Revolution des vorletzten Jahrhunderts.
Zudem - warum diese Wut auf die vom Erwerbsleben ausgeschlossenen und die Ausländer, die entweder gar nicht, oder unter Zwang, arbeiten sollen? Täglich liefert Europa der USA ... ohne zu klagen. Man unterstützt die Reichen, die eigentlich die Konkurrenz sind, und tritt auf den Armen herum, die eigentlich die Lösung des Problems "Überproduktion" wären - keine sehr intelligente Lösung, der "unsichtbaren Hand" fehlt offenbar das Gehirn, denn der Staat bezahlt ja präzise für diejenigen Einsparungen, welche die Wirtschaft durch Entlassungen macht, und hält so diese selbstverschuldete und sich selbst verstärkende deflationäre Wirkung von Restrukturierung auf. Hier wird der Esel dafür geschlagen, dass er den Sack trägt.
Da die grössten Probleme des Liberalismus die zerstörerische Konkurrenz, bedingt durch Überkapazitäten, und der Trend zum Monopol sind, geht es in erster Linie darum, durch gegenseitig respektvolle Konkurrenz (corespective competition) einen Kampf ums Überleben, jeden gegen jeden, zu vermeiden:
1 Preiskämpfe sind zu vermeiden. Die Preise müssen deutlich über den Grenzkosten liegen, besonders in Zeiten der Überproduktion und/oder dümpelnder Nachfrage. (Wald und Holz sind hier klar als spezieller Fall zu erkennen, da der Wald Holz produziert unabhängig von den wechselnden Bedürfnissen des Marktes, und ganz egal ob dieses Produkt erwünscht ist oder nicht. Folglich brauchen diese Produkte eine andere Wirtschaftstheorie als die aktuelle, die sich einerseits voll auf die Nachfrage ausrichtet, andererseits aber die Finanzierung der Nachfrage selbst sabotiert.)
2 Ein allgemeiner Trend zu Überkapazitäten ist zu vermeiden. Die Industrie muss Methoden zur Investitionskoordination entwickeln, die verhindern dass die Angebotsmenge viel höher wird als die nachgefragte Menge an Gütern und Dienstleistungen. Die Eindämmung von Überkapazitäten bildet einen Sicherheitspuffer gegen zukünftige Unsicherheiten und ein eher kooperatives Umfeld, da sie verhindert, dass einzelne Mitbewerber die Preise ins Bodenlose fallen lassen könnten.
3. Firmen brauchen loyale und flexible Arbeitskräfte, mit einem Maximum an firmenspezifischem Wissen, um auch in diesem Umfeld angemessen auf Änderungen des Marktes und auf Innovationen reagieren zu können, um Produktivität und Effizienz hoch zu halten (die Grundziele des Wettbewerbs). Flexibel wird hier also in dem Sinne gebraucht, als flexibel innerhalb der Firma, flexibel im Kopf, nicht flexibel in dem Sinne, dass sie bei jeder Krise einen andern Job suchen. Um derartige Arbeitskräfte anzuziehen stehen den Firmen folgende Anreize zur Verfügung: sichere Arbeitsplätze, Löhne die mit zunehmender Erfahrung steigen, die Akzeptanz von Gewerkschaften und ein gerechter Anteil an der Mehrwertschöpfung des Betriebes.
Die Goldene Zeit ( 1950-80) der Wirtschaft war charakterisiert durch Schumpeters "gegenseitig respektvolle Konkurrenz" (corespective competition), die auf eine Kooperation zwischen den Firmen basierte, und nicht in einem Krieg, jeder gegen jeden. Unter solchen Bedingungen konnte jede Firma sich darauf verlassen, dass keiner die Nachfrage untergraben (durch Entlassungen und Lohnsenkungen) oder die Profite vernichten würde (durch Massenproduktion und Preissenkungen). Dies sicherte eine verlässliche Oligopolrenten.
In den USA war das zwanzigste Jahrhundert bis ca. 1980 charakterisiert durch eine kleine Zahl grosser Firmen, mit zehntausenden oder hunderttausenden von Angestellten (und einem entsprechend massiven kompetitiven Vorsprung auf dem Weltmarkt, den die USA mit allen Mitteln ausnutzen will. Der Red.). Mit den Fähigkeiten die sie über Dekaden entwickelt hatten, schufen sie riesige Einkünfte, die nach dem Prinzip: Halten und Investieren, verwendet wurden. Diese Firmen hielten beides, das verdiente Geld, und die Angestellten, sie reinvestierten ebenso ins Sachkapital wie in die Ressource Mensch. So hielt sich auch die Verschuldung in Grenzen.
Auch wenn diese Goldene Zeit und der Heroismus der Grossfirmen etwas übertrieben scheint, so zeigt er doch, dass Wirtschaft die als Krieg geführt wird, nicht nur Vorteile bringt. Die Wirtschaft sollte also wieder zur Kultur werden, und ihre Bestände an Kapital pflegen. Dazu gehören nicht nur das, was vom Finanzmarkt als Kapital gehandelt wird, sondern auch die Firma, ihr Personal, ihre Maschinen, ihre Wissensbestände, ihre Lieferanten und Kunden, sowie die sie umgebende Gesellschaft und Natur. Dazu müssen die Stakeholder der Firma, also Top Management, mittlere und untere Kader, Spezialisten, Facharbeiter wie Hilfskräfte; Zulieferer und Investoren daran glauben, dass ihr Einsatz für die Firma sich lohnt. Für die Arbeiter und Kader durch sichere Arbeitsplätze und mit Erfahrung steigende Löhne, für die Zulieferer durch verlässliche Abnahmeverträge und -Preise, für die Investoren durch sichere Anlagen mit steigendem Wert. Solch stillschweigende Verträge waren üblich, bevor Flexibilität zum Schlagwort wurde.
Auch der freie Markt braucht einen Ausgleich zwischen Kooperation und Wettbewerb. Auch in kooperativen Wirtschaftssystemen kann ein harter Wettbewerb herrschen, Wettbewerb durch Werbung um Marktanteile, durch effizientere Vermarktung und Verteilung, durch neue Produkte und Kundenbindung durch Marken und zusätzliche Dienstleistungen (Migros Clubschule z.B., die, schon fast monopolistisch, 54% des Kursmarktes der Schweiz beherrscht).
Grosse Anstrengungen werden auch hier in Forschung und Entwicklung investiert, sei es um Innovationen zu schaffen (offensiver Wettbewerb) oder auch nur um mitziehen zu können, wenn Konkurrenten neue Prozesse oder Produkte einführen (defensiver Wettbewerb). Der Anreiz die Preise zu senken bleibt auch hier erhalten, denn die Firma mit den tiefsten Produktionskosten hat die besten Chancen, sollte die Kooperation versagen (womit natürlich auch jederzeit zu rechnen ist. Nichtsdestoweniger ist es ein massiver Unterschied, ob man sich auf ein eventuelles Versagen der Kooperation einstellt, oder von Anfang an auf den totalen Wirtschaftskrieg programmiert).
Eigentlich könnte und sollte der Wettbewerb ja nicht dazu dienen, über Massenproduktion und Preiskämpfe eine Deflation herbeizuführen, sondern neue Güter und Dienstleistungen anzubieten, neue Produktionsverfahren die eine sparsamere und günstigere Produktion erlauben. Auch im Oligopol können die Firmen die Preise nicht so hoch setzen, wie es ihnen beliebt, denn der Eintritt weiterer Konkurrenten in den Markt soll ja durch das Oligopol verhindert werden, also darf der Anreiz dazu, die Gewinnmarge, nicht all zu hoch sein, also teilen auch Oligopole ihre Produktivitätsgewinne durch Preissenkungen mit den Konsumenten.
Wird die Kooperation zu herzlich und der Wettbewerb zu schwach, so entsteht eine zu breite Kluft zwischen der besten zur Verfügung stehenden Technologie und den angewandten Praktiken, was zu einer Invasion des Oligopols durch besser ausgerüstete und effizienter arbeitende Firmen führen wird.
Die politische Lehre die aus all dem zu ziehen ist heisst: Die Gesellschaft kann sich nicht alleine auf den Markt verlassen, will sie sicher sein, dass mächtige Firmengruppen so handeln, dass das Resultat auch im Interesse der Mehrheit der Bevölkerung liegt. Auch Oligopole bedürfen der sozialen Kontrolle. Wichtige Punkte sind vor allem, dass die regulierenden Organisationen über ausreichend Macht verfügen, dass eine nachhaltig hohe Beschäftigung gewährleistet bleibt, eine angemessene Steuerpolitik und starke Gewerkschaften, besonders in den Kernindustrien.
Die Herausforderung, Institutionen zu schaffen die fähig sind, eine angemessene soziale Kontrolle der Märkte auszuüben, stellt sich jeder Generation neu. Als die Firmen noch nicht über die Landesgrenze hin ausweichen konnten, war es dem Kapital weniger möglich, die nationale Wirtschaftspolitik zu untergraben, wenn sie ihnen nicht gefiel. Ihr Schicksal war an das Gedeihen und Verderben des lokalen Marktes gebunden. Um zu wachsen und profitabel zu bleiben brauchte das Finanzkapital eine florierende Wirtschaft im Lande selbst, mit hoher Beschäftigung und wachsendem Konsum.
In den Kernindustrien (USA: Auto, Stahl, Kautschuk, Aluminium, ...) war ein überdurchschnittlicher Anteile von Kapital investiert, sie erbrachten den grössten Teil privater Forschungsanstrengungen und Entwicklungsarbeit und erzielten die höchsten Produktivitätsgewinne. In Einklang mit John Kenneth Galbraith's Theorie der ausgleichenden Macht, hatten sie auch die stärksten und grössten Gewerkschaften, die es ermöglichten, einen fairen Anteil an der Oligopolrente und Produktivitätsgewinnen über Lohnerhöhungen wieder der Nachfrage zuzuführen. Ähnliche Strukturen gab es in Japan, Deutschland und Ostasien.
| Einschub vom 6. Juli 2004: Falls Sie die These
der mangelnden Nachfrage durch Übersparen und Lohndruck
für typisch linksexotisch halten, sie wird auch prominent von
Heiner Flassbeck, dem Chefökonomen der UNCTAD (United
Nations Conference on Trade and Development) in Genf
vertreten [GDI_Impuls 2.04: Europa braucht Wachstum. s.
auch http://www.flassbeck.de/.
] Zitate:
Dass Sparen notwendig sei um Kredite für Investitionen tätigen zu können ist ebenfalls ein Gerücht, denn Kredite hängen alleine davon ab, ob jemand Kredit hat, nicht ob irgendwo gespart wurde. Das dazu nötige Geld wird über die Kreditvergabe der Bank ja unabhängig von Ersparnissen geschöpft. Seitdem die Mindestreserve auch kaum mehr vorhanden ist, sind hier kaum Beschränkungen vorhanden. Die einzige Beschränkung ist, dass der Kredit auf Seiten des Kreditnehmers irgendwie gedeckt sein muss, wozu aber meist Immobilien oder Wertpapiere dienen, nicht eigene Ersparnisse!!! Die Kreditvergabe wird also eingeschränkt, wenn Verlustrisiken zunehmen, keine gewinnträchtigen Investitionen in Sicht sind (womit die Banken ihr Scherflein zum Auf- und Ab der Wirtschaft beitragen. Wenn Gelder statt in produktive Firmen an die Börse oder andere seltsame "Finanzmarktinstrumente" wandern, so kann das Banksystem eine Wirtschaftsflaute auch selbst erzeugen, denn jeder Kredit schafft neue Kaufkraft. ... Man denke ... Verstärkend hinzu kommt der dämliche Billigtrend (Geiz ist geil ... Ich bin eben doch doof ....), denn billige Produkte werden von schlecht bezahlten Arbeitskräften hergestellt, die sich gar nichts anderes mehr leisten können als billige Produkte. Der Zusammenhang billige Preise - tiefe Löhne (oder gleiche Löhne für die Verbleibenden, keine Löhne mehr für die Ausgestossenen) wird von Ökonomen zwar oft und gerne bestritten, wurde aber gerade 2004 durch Migros wie Coop deutlich belegt. Coop hat ein katastrophales Jahr hinter sich, da die massiven Preisnachlässe nicht durch entsprechendes Mehr an Umsatz aufgefangen werden konnten. 3248 Stellen wurden abgebaut (1957 Vollzeitstellen), bei Migros nur etwas weniger. Bei den Wahrenhäusern fielen im Jahr des geilen Geizes 10% der Stellen weg. |
Alternative Wirtschaftskonzepte machen schon länger darauf aufmerksam, dass der Neoliberalismus in eine enttäuschende, wenn nicht katastrophale Zukunft führt, was mit den Erfahrungen der letzten 20 Jahre übereinstimmt. Bei praktisch allen Alternativen geht es darum, die Märkte besser in die Gesellschaft einzubetten und die Ziele der Wirtschaft besser mit den Zielen der Mehrheit der Bevölkerung zu koordinieren.
Um den übermächtigen Einfluss grosser Firmen und reicher Individuen (obwohl sich diese Aussage primär auf die USA bezieht, kann man bei dem Punkt doch wohl sagen: Die SVP lässt grüssen ...) auf die Politik zu reduzieren, muss der politische Prozess in Substanz und Form demokratischer werden. Wir brauchen einen neuen Sozialvertrag (contrat social). Grenzüberschreitende Kapitalströme und ausländische Direktinvestitionen sind zu kontrollieren. Bereits Keynes hat festgestellt, dass solange Kapital politisch unliebsamen Vorgaben fliehen kann, es das Kapital ist, das über die Politik bestimmt (s. Standortwettbewerb, s. Steuerwettbewerb).
Diese Vorschläge sind weder neu, weltbewegend noch revolutionär, eher reaktionär; sie zeigen aber deutlich, wie weit sich die reelle Wirtschaft von dem entfernt hat, was Liberalismus versprach: Freiheit und Wohlstand für alle. Diese Vorschläge sind eigentlich nur eine kleine Korrektur, weg vom Liberalismus mit seiner zerstörerischen Konkurrenz, zurück zu kontrollierter (Staat) oder "gemanagter" (Selbstkontrolle) Konkurrenz. Vor der neoliberalen Ära gingen (manchmal) auch hoch industrialisierte Länder gegen wettbewerbsverhindernde Kartelle vor und beschränkten Auswirkungen des freien Wirtschaftens, wenn diese dem öffentlichen Interesse zuwider liefen.
Im Zeichen der Globalisierung allerdings, ging die Macht an transnationale Firmen über, die keinerlei demokratischer Kontrolle mehr unterstehen, welche alleine garantieren kann, dass diese nicht gegen die Interessen der Mehrheit und der Öffentlichkeit verstossen. Welche neue Firma könnte etwa mit den sechs grossen Autoproduzenten konkurrieren? Wer hindert diese daran, Arbeiter und Regierungen in eine verzweifelte Konkurrenz um Arbeitsplätze, neue Technologien und höhere Produktivität zu stürzen? Dies ist bereits schwierig auf nationaler Ebenen, international fehlen solche Mechanismen vollständig. Die Schaffung solcher Formen sozialer Regulierung der transnationalen Wirtschaftssupermächte sind die grosse Herausforderung unserer Zeit, noch schwieriger in einer Zeit, da nationale Regierungen sogar ihre Armeen einsetzen, um ihre wirtschaftlichen Interessen zu fördern.
Eine erfolgreiche Förderung tiefer und mittlerer Einkommen ist im Neoliberalismus unmöglich. Kaum ein Land hat seine Wirtschaft ohne kräftige staatliche Unterstützung entwickelt (und die, die es behaupten, beweisen zur Zeit gerade das Gegenteil). Besonders Länder auf dem Weg der Entwicklung brauchen eine verlässliche Politik der Industrialisierung, müssen also Kapitalverkehr und Investitionen kontrollieren können, um eine faire Chance für einen Zugang zum Weltmarkt zu erhalten.
Die Argumente für eine voll liberalisierte Wirtschaft und Finanzmärkte sind so weich dass sie ans absurde grenzen. Liberalisierung in den USA und etwas weniger in Europa, führte zu grassierender Spekulation. Die Liberalisierung sogar kurzfristiger Kapitalflüsse in Ostasien, wo manche Länder Sparquoten von über 30% des nationalen Einkommens aufweisen, war unentschuldbar. Es half die Bedingungen zu schaffen für die Finanzkrise Ostasiens. Die Liberalisierung kurzfristiger Kapitalströme begünstigte die nördlichen Finanzinstitute und die Elite der Reichsten - schädigt aber alle andern. [ehem. Welt Bank Vizepräsident Joseph Stieglitz:] Haben die USA und der IMF die Politik der Liberalisierung der Finanzmärkte gefördert, weil wir, oder sie, glaubten, diese Politik würde Ostasien helfen oder weil wir glaubten, sie wären den finanziellen Interessen der USA und der entwickelten Industrienationen förderlich? Und wenn wir daran glaubten, dass unsere Politik Ostasien helfen würde, wo waren die Beweise? ... Es gab keine.
Die internationalen Institutionen die heute die globale Integration managen, der IMF, die Weltbank und die WTO, sind gesättigt mit neoliberaler Ideologie und fördern die Interessen globaler Finanzen und multinationaler Firmen. Sie müssen ersetzt werden durch Institutionen die eine Entwicklung für alle fördern und staatliche geleitete Entwicklungsmodelle ermutigen. Sie müssen auch das Recht der Nationen gewährleisten, die Finanzströme zu kontrollieren und sie sollten, ganz wie Ärzte, eher Leiden mildern als durch den Sparzwang der austerity programs problematische nationale Wirtschaften noch mehr in Mitleidenschaft zu ziehen.
War also der gelobte freie Markt, der belegbar in derart vielen Punkten versagt hat, zu wenig frei - oder ist die Theorie Sch...? Für Crotty liegt die Sache klar:
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Die neoliberale Wirtschaftstheorie ist falsch in all ihren Formen, der Makro- wie der Mikroökonomie, der Theorie der Finanzmärkte und der Entwicklungstheorie. Sie ist also eine irreführende und gefährliche Anleitung für den Aufbau von Institutionen und für die politische Tätigkeit der Regierungen. 1930 war die letzte durch den Markt dominierte Ära. Es gilt den neoliberalen Kurs abzulehnen und durch Institutionen zu ersetzen die sich der Sicherheit und Prosperität der Mehrheit der Bevölkerung widmen, statt der Maximierung von Reichtum und Macht nationaler Wirtschaftseliten. |
Nach:
Crotty, James: The effects of increased product market competition and changes in financial markets on the performance of nonfinancial corporations in the neoliberal era. Working Paper Series No 44. October 11, 2002. Political Economy Research Institute. University of Massachusetts Amherst. www.umass.edu/peri/
Crotty, James: Slow growth, destructive competition, and low road labor relations: A Keynes-Marx-Schumpeter Analysis of Neoliberal Globalization. p. 42. November 2000. Political Economy Research Institute. University of Massachusetts Amherst. www.umass.edu/peri/
Kommentar:
Die französische Revolution hat zur Sicherung der Freiheit vor einem Machtmissbrauch staatlicher Instanzen des Staates, die Macht in drei Hände aufgeteilt, Gesetzgebung (Legislative), Vollzug der Gesetze (Exekutive) und Kontrolle der Gesetzmässigkeit (Judikative).
In den letzten 2 Dekaden wurde aber praktisch jedem klar, dass der alte Gemeinplatz: Geld ist Macht - unleugbare Realität geworden ist. Liberalismus verlangt Freiheit, aber nicht Freiheit für Menschen, sondern Freiheit für das Kapital. Vielleicht wäre es an der Zeit, auch die Macht des Kapitals zu kontrollieren, und nebst Legislative, Exekutive und Judikative eine Allokative (äxgüsee, ich war zu faul um Latein und Griechisch zu lernen, vielleicht gibt es einen passenderen Ausdruck) einzurichten, welche sichert, dass die Macht des Geldes nicht Volk und Staat versklavt. Was kein wirtschaftliches System bisher zu lösen vermochte ist das Problem der gerechten Verteilung.
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Auch hier wird klar, dass das, was uns als "Leistung" verkauft wird, viel mehr mit List zu tun hat: Unsere Topverdiener, also Verwaltungsräte und CEOs (Betriebsleiter), erhalten ja nicht so viel Geld, weil sie so viel wissen. geschweige denn, weil sie so viel leisten würden (leisten im normalbürgerlichen Verständnis von Arbeitsleistung). Topsaläre werden bezahlt, weil diese Leute bewiesen haben, dass sie List profitabel für den Betrieb einsetzen können. Eine der wichtigsten Hinter-Listen des kapitalistischen Systems ist die Pareto-Verteilung, durch die 80% "ausgemünzt" werden, weil sie am wirklich lukrativen Geld- und Finanzmarkt gar nicht mitspielen können. |
Bereits in der letzten Phase des restrukturierungs- und merger-verursachten Booms der Arbeitslosigkeit wurden Modellrechnungen bekannt, nach denen 20% der Bevölkerung absolut ausreichen um sämtliche von der gesamten Bevölkerung benötigten Güter und Dienstleistungen anzubieten. Es wäre also bereits seit Jahren möglich, durch den Einsatz der effizientesten Technologien, alle Bedarfsgüter für die Gesamtheit der Menschen durch 20% der Arbeitskräfte zu produzieren. Ungelöst ist hier das Problem der Verteilung, wenn nur noch 20% produzieren und verdienen, womit sollen die andern 80% konsumieren? Der Traum vom Schlaraffenland ist in der Realität offenbar zu realisieren, aber nicht mit einem Wirtschaftssystem, dass Wettbewerb und jeder nach seiner Leistung über alles stellt, aber "Leistung" so seltsam belohnt, dass der Konsum ausbleibt und noch mehr Geld angehäuft wird.
Es ist heute in fast allen Staaten, auf jeden Fall in den demokratischen, Usus, dass der Staat das Gewaltmonopol hat. So sehr sich jemand über einen andern ärgert, es steht ihm nicht frei, seine Interessen selbst, per Faustrecht oder härterem, durchzusetzen. Niemand darf seinen Nachbarn aus dessen Haus oder von dessen Land vertreiben, so gern er das vielleicht täte. Aber - verschuldet sich jemand, so kann er Hab und Gut, Haus und Hof, samt Ruf, verlieren. Dem Geld kommt also heute diejenige Macht zu, die früher Faust, dann Stein, Axt, Gewehr, Kanone und Bombe inne lag - und es scheint niemanden zu stören. Die Macht des Geldes ist zudem höchst ungleich verteilt - aber sogar die wenigen verbleibenden Anarchisten suchen Macht nach wie vor im verbleibenden Rumpfstaat, statt dort wo sie ist. Die Freiwirte, immer noch unter dem Schock der grassierenden Inflation der 30er leidend (kein Witz, leider ..), suchen nach wie vor krampfhaft die Lösung aller wirtschaftlichen Probleme darin, dass das Geld im Umlauf gehalten werden soll - haben aber nicht mal am Rande eine Idee, wie all das vagabundierende Geld sinnvoll einzusetzen wäre. (Für die gerechte Verteilung predigen sie unter neues Bodenrecht noch heute ein neomittelaterliches Modell eines kommunalen Feudalismus.)
Und genau hier liegt das Problem: Zu welchem Zweck erfolgen Investitionen, welche Wirkung haben Investitionen, wer erhält die Pfründe und wer trägt die negativen Folgen der Investitionen (z.B. in arbeitssparende Verfahren, in Massenproduktion mit Preisdumping und der sich ergebenden vernichtenden Konkurrenz. )
Demokratie bedeutet eigentlich, dass die (politische) Macht beim Souverän liegt, also geteilte Macht. Wie liesse sich die höchst ungleich verteilte Macht des Geldes demokratischer handhaben? Hier sind Alternativen zum Monopol- und somit machtfördernden Wirtschaftsliberalismus dringend nötig, so dass wir zukünftig vielleicht mal einen Liberalismus schaffen, dessen freiheitliche Gesinnung auch die Freiheit der Menschen vor Zwängen beinhaltet, gerade vor Zwängen und Gewalttätigkeiten - oder ist die Beraubung der Existenzgrundlage durch Entlassung oder durch die Zerstörung von Betrieben etwa keine Gewalttat? - die durch die geballte Macht des freien Kapitals erst geschaffen werden.
Martin Herzog, Rheinfelden, 6.3.03