Moderne WirtschaftPost scarcity oder Nachknappheit beschreibt eine hypothetische Form von Wirtschaft oder Gesellschaft, oft in Science Fiction verwendet, in der Güter, Dienstleistungen und Informationen frei oder praktisch frei zur Verfügung stehen. Dies basiert auf einem Überschuss an Basisressourcen (Materie, Energie, Intelligenz), verbunden mit hochentwickelten automatisierten Systemen die Rohstoffe zu Gütern verarbeiten, mit denen die Produktion so einfach ist wie das Kopieren von Software.
Auch ohne neue Technologien darf man annehmen, dass genügend
Energie, Rohstoffe und biologische Ressourcen zur Verfügung stehen
um allen Menschen auf der Erde einen komfortablen Lebensstil zu
ermöglichen (Probleme: Erdöl (peak oil), Wasser, Fisch (gerade die delikatesten wie Heilbutt, Goldbutt, Forelle, Aal, Dorsch, Rotzunge, Seehecht, Seezunge, Petersfisch und Thuna; Languste, sind bereits heute so überfischt, dass man die Bestände für einige Jahre ruhen lassen sollte , , Boden ...).
Nichtsdestoweniger würde ein hypothetisches politisches oder
wirtschaftliches System das diesen Lebennstil jederman erlaubt nicht
als Nachknappheitssystem bezeichnet, solange die Produktion nicht
ausreichend automatisiert ist und praktisch keine Arbeit mehr
nötig ist. (Natürlich gäbe es immer noch ausreichend
kreative Freiwilligenarbeit wie Schriftstellerei oder die
Produktion neuer freier Software.)
Anthony Giddens z.B. begrenzt den Begriff der Nachknappheit nur für Bedingungen wie sie in einigen modernen Industrienationen gegeben sind und der Fokus auf Lebenspolitik stärker betont ist als der auf Produktivität und Wirtschaftswachstum.
Der Begriff ist etwas absurd was die Standardökonomie betrifft, da sich diese per Definitionem mit der Versorgung mit knappen Gütern auseinander setzt. Eine späte Phase des theoretischen Kommunismus, wie bei Marx beschrieben, beschreibt den Zustand recht gut:
„In einer höheren Phase der kommunistischen Gesellschaft, nachdem die knechtende Unterordnung der Individuen unter die Teilung der Arbeit, damit auch der Gegensatz geistiger und körperlicher Arbeit verschwunden ist; nachdem die Arbeit nicht nur Mittel zum Leben, sondern selbst das erste Lebensbedürfnis geworden; nachdem mit der allseitigen Entwicklung der Individuen auch ihre Produktivkräfte gewachsen und alle Springquellen des genossenschaftlichen Reichtums voller fließen – erst dann kann der enge bürgerliche Rechtshorizont ganz überschritten werden und die Gesellschaft auf ihre Fahne schreiben: Jeder nach seinen Fähigkeiten, jedem nach seinen Bedürfnissen!“(Karl Marx, Kritik des Gothaer Programms 1875.)
Details zum Begriff <Nachknappheit> nach Bookchin:Bereits existierend sind die Fab Labs: Ein FabLab (engl. fabrication laboratory – Fabrikationslabor) ist eine offene, demokratische High-Tech-Werkstatt mit dem Ziel industrielle Produktionsverfahren für Einzelstücke und Privatpersonen zur Verfügung zu stellen. Typische Geräte sind 3D-Drucker, Laser-Cutter, CNC-Maschinen, Tiefziehen oder Fräsen, um eine große Anzahl an unterschiedlichen Materialien und Werkstücken bearbeiten zu können. FabLabs erlauben die unkomplizierte Anfertigung von hoch individualisierten Einzelstücken oder nicht mehr verfügbaren Ersatzteilen (Rapid Manufacturing).
Für die Rohmaterialien werden (das ist reine science fiction) selbstreproduzierende automatische Fabriken eingesetzt die in Asteroidengürteln seltene Metalle und andere Stoffe einsammeln. Neue Energiequellen sind die Fusion oder Sonnenenergiesatelliten.
Diese vernachlässigbaren Reproduktionskosten werfen die Frage auf: Wie viel sollte man bezahlen für etwas, das undendlich oft kopiert werden kann, zu minmalen Kosten? Hat der Käufer das Recht, selbst wieder Kopien herzustellen? Einige sind der Meinung, dass der Käufer keinerlei Rechte auf Kopien und Weiterverwertung hat (Digital Rights Management ), andere haben die Meinung, dass alle Information frei verteilt werden sollte (copyleft)
Viele Vertreter der open software versuchen Programme zu schaffen, die frei zur Verfügung stehen - aber fast die selben Leistungen bringen wie die kommerziellen Programme (Windows Office - openoffice)
Richard Stallman, der Gründer des GNU project der die Gratissoftware GNU operating system geschaffen hat und Mitbegründer des free software movements ist, ewähnt die Schaffung einer Nachknappheitsgesellschaft ausdrücklich als eines seiner Motive:
Auf lange Sicht sind Gratisprogramme ein Schritt in Richtung der Nachknappheitswelt, in der niemand hart arbeiten muss um zu überleben. Die Menschen werden frei sein sich solchen Tätigkeiten zu widmen die Spass machen, wie Programmieren, nachdem sie die notwendige Zeit von ca. 10 Stunden pro Woche für eine notwendige Aufgabe aufgebracht haben wie Rechtssprechung, Familienrat, Robotterreparatur und Asteroidenerforschung. Es wird nicht nötig sein, sich mit Programmieren den Lebensunterhalt zu verdienen.
In den Sozialwissenschaften ist auch das Phänomen der Gabenwirtschaft oder Gabenkultur bekannt, in der wertvolle Güter und Dienste ohne Vereinbarung über sofortige oder künftige Gegengaben abgetreten werden (kein quid pro quo)
Im Idealfall zirkulieren Gaben und Dienstleistungen gleichzeitig in der Kommune. Die Organisation einer Gabenökonomie steht im Widerspruch zu einer Bartergesellschaft oder Barterwirtschaft (s. Tauschvereine), in der auf Wertgleichheit beim Tausch geachtet wird.
Es bestehen unterschiedliche soziale Theorien zu Geschenkwirtschaften. Einige betrachten die Gaben als Form reziproken Altruismus (wie Du mir, so ich Dir). Andere sehen, ähnlich wie beim Potlach, die Steigerung des sozialen Staatus als Gegenleistung. Das Teilen der Nahrung in Jägergesellschaften ist eine Absicherung gegen fehlendes Jagdglück. Es zeigt, dass man sich um die andern kümmert, als informelle Versicherung (Erwartung der selben Leistung im umgekehrten Fall), oder als Steigerung des eigenen Status.
Viele Gesellschaften kennen Absicherungen die verhindern, dass Gaben in Handelsgüter oder Kapital verwandelt werden. So muss bei den Uduk aus Nordostafrika jede Gabe die die Grenze eines Clans passiert konsumiert werden. Investitionen sind verboten. (Investitionen schaffen Potential, Vermögen, also Macht). Geschenkte Tiere müssen gegessen werden und dürfen nicht zur Zucht verwendet werden.
In vielen Geschenkökonomien sind die Empfänger gehalten, eine Gegenleistung zu erbringen (genau wie beim Sozialamt ...). Stammesführer sind immer verpflichtet, Stammesmitgliedern zu helfen, bleiben also meist arm. Im Gegenzug sind allerdings die Stammesmitglieder verpflichtet, den Führer politisch, militärisch, durch Loyalität, und, wenn möglich, durch Gegengaben zu unterstützen. Missbrauch wird sozial bestraft, im harmlosesten Fall durch einen schlechten Ruf (der allerdings teuer zu stehen kommen kann, wie gerade Griechenland und Portugal zeigen).Eine anarchistische oder anarcho-kommunistische Gesellschaft basiert auf der Abschaffung
des Privateigentums, der Verteilung der Güter nach individuellen
Bedürfnissen, der vollständigen Auflösung von
Gütertauschbeziehungen, der Rotation von Arbeit und einer
beträchtlichen Reduktion der Arbeitszeit. Dazu kommt allerdings eine Physiologie der Freiheit - der Freiheit als Kommunikationsprozess.
Gerade was allerdings Arbeitszeitverkürzung und Selbstverwaltung
betrifft, so geht die Forderung tiefer als die nach dem reinen
Wortinhalt, die die Natur der Prozesse bestehen liesse und die
Qualität der Arbeitszeit kaum zu verbessern möchte.
Wenn Arbeiterräte und Selbstverwaltung der Produktion die Arbeit nicht in eine freudvolle Aktivität verwandeln, Freizeit in eine herrliche Erfahrung, und den Arbeitsplatz in eine Gemeinschaft, dann bleiben sie rein formelle Strukturen, in der Tat, Klassenstrukturen.
Während dem sich Sozialisten in hierarchischen Körperschaften organisieren, basieren die Anarchisten ihre Gruppen auf Affinität. Ein Kollektiv aus Freunden das nicht weniger interessiert ist an seinen sozialen Beziehungen als an seinen sozialen Zielen.
Wichtig ist für die Anarchisten
die direkte Aktion und die Spontaneität, also Widerstand gegen
Zentralisierung und Verstaatlichung.
Bis vor kurzem wurden die Versuche
die Widersprüche zwischen Urbanisierung, Zentralisierung,
bürokratischem Wachstum und Verstaatlichung zu lösen als
vergebliches Anschwimmen gegen den "Fortschritt" angesehen. Dieser
Widerstand konnte als chimerisch und reaktionär abgetan werden. Der
Anarchist galt als verlorener Visionär, als sozial Ausgestossener,
erfüllt von einer Nostalgie nach dem Bauerndorf oder der
mittelalterlichen Siedlung. Sein Streben nach einer
dezentralisierten Gesellschaft und für eine humanistische
Gemeinschaft in der die Bedürfnisse des Individuums im Einklang
stehen mit der Natur - das spontane individuum, unverbogen durch
Autorität - wurden als Reaktion von Romantikern, abgehalfterten
Künstlern oder verschrobenen Intellektuellen angesehen.
Die Zeit war nicht nett mit diesen widersprüchlichen Ideen. Was immer gültig gewesen sein mag an den libertären wie nicht libertären Anschauungen, die historische Entwicklung hat jeden Widerspruch gegen anarchistisches Gedankengut bedeutungslos gemacht. Die moderne Stadt und der Staat, die massive Kohle-Stahl-Technologie der industriellen Revolution, die späteren rationaleren Systeme der Massenproduktion und Fliessbandsysteme der Arbeitsorganisation, die zentralisierte Nation, der Staat und sein bürokratischer Apparat - alle sind an ihre Grenzen gekommen. Was immer sie als progressive oder befreiende Funktion hatten, sie wurden regressiv und unterdrückerisch. Sie sind nicht nur regressiv weil sie den menschlichen Geist erodieren und die Gemeinschaft ihres Zusammenhanges, ihrer Solidarität und ihres ethisch-kulturellen Standards entblössen; sie sind regressiv aus einem objektiven Standpunkt, denn sie untergraben nicht nur den menschlichen Geist und die menschliche Gemeinschaft, aber die Ueberlebensfähigkeit des Planeten und alles Lebens auf ihm.Es kann nicht ausreichend betont werden, dass das anarchistische Konzept einer Gemeinschaft im Gleichgewicht, einer Face-to-Face-Demokratie, einer humanen Technologie und einer dezentralisierten Gesellschaft - all diese reichen libertären Konzepte - nicht nur wünschbar, sondern nötig sind. Sie gehören nicht bloss zu den grossen Visionen menschlicher Zukunft, sie sind heute die Bedingung für das menschliche Ueberleben.
Heute sind die Anforderungen allerdings anders.
Flexibilität zählt. Knöpfe müssen in tausend Formen
und Farben produziert werden können, Textilien variieren endlos in
Muster und Farbe um die Illusion von Innovation und Neuheit zu
schaffen. Badezimmer werden gefüllt mit Pudern, Cremes, Parfums,
Seifen, Düften - Küchen mit dutzenden (meist unbrauchbarer
wie unbenutzter) Apparate.
1954 wurde in der Schweiz eine Werkzeugmaschine
für Ford gebaut, die ebenso Löcher von der Grösse eines
Nadelöhrs bohren kann wie Löcher in Faustgrösse.
Die Präzision stimmt auf 1/1000 Zoll. Die Bedeutung
solcher Maschinen mit dieser Einsatzspannweite kann nicht
überschätzt werden, denn damit kann eine grosse Vielfalt an
Produkten am selben Standort erzeugt werden.
Umgekehrt hat die alte Maschine, die präzise ein Ding tut, immer noch ihren Platz in der Massenproduktion.
Eine anarchistische Wirtschaftstheorie muss also berücksichtigen,
dass es a) unterschiedliche Menschen mit b) unterschiedlichen
Begabungen und Wünschen gibt, die c) gerne unter unterschiedlichen
Arbeitsbedingungen arbeiten. Selbständigkeit ist ebensowenig
jedermanns Sache wie die Arbeit am Fliessband oder die Unterordnung in
einen Grosskonzern.
Eine postmoderne und damit wirklich freie Wirtschaftsordnung muss also eine "Vierfelderwirtschaft" sein:
Die prinzipiell möglichen Wirtschaftsformen müssen unter a) ganzeitlichen und b) humanen Aspekten optimiert und eingesetzt werden.
Keiner der vier Eckpunkte muss also revolutionär, gesetzlich, moralisch oder finanziell niedergemacht werden, denn alle haben irgendwo, irgendwie, für irgendwas ihre Bedeutung. ABER - Koordination und Kooperation müssen verbessert werden., übergeordnete Ziele müssen leicher Zugang finden. s. Peter Ulrich: Integrative Wirtschaftsethik
Vollautomatisch und problemlos läuft allerdings auch dieses Modell nicht, denn das ist ja in etwa das, was Lula in Brasilien von 2002 bis 2008 getan hat. Brasilien floriert - aber der Tropenwald geht dabei drauf für Viehweiden, Fleisch für Europa und die USA. Sozial war er erfolgreich, die Armut ging von 40 auf 20% zurück.

Eine umfassende Demokratie müsste eigentlich Betroffenen überall Mitspracherechte einräumen, wo für sie und über sie entschieden wird. Heute haben sie diese nur im politischen Bereich, selbst in den "besten" Demokratien. Ueber Arbeits- und Produktionsprozesse wie die stützenden Strukturen entscheidet das Kapital und wehrt sich mit Händen und Füssen gegen einen politischen Einfluss.
Auch dort wo Betriebsräte einen gewissen Einfluss haben
(Deutschland u.a.) oder Betriebe gar selbstverwaltet werden (ehemals in
Jugoslawien), kann der Betrieb nicht als autonome soziale Organisation
angesehen werden. Die soziale Kontrolle ist äusserst gering - der
Einfluss der Konkurrenz, Rohstoffmärkte, Wirtschaftslage, also des
Marktes, äusserst hoch.
Ironischerweise basierten die Sowjets ihr System auf der Fabrik,
entzogen den Kommunen und Regionen die Macht um sie auf die Nation zu
verlagern, d.h. von der Basis an die Spitze. Das sowjetische System
bestand aus einem ausgearbeiteten Ueberwurf sozialer Beziehungen,
gewoben entlang der Linien der nationalen Klassen.
> Nicht erwähnt wird hier die kommunistische Partei, die
sich über Politik und Volk stellte, also die letzten Entscheide
vorbehielt. Nicht die Dikatur der Arbeiterklasse, sondern die Dikatur
von Proleten war die Folge.
Vielleicht der einzige Zeitraum in dem ein System der Selbstverwaltung der Arbeiterklasse als Modell der Klassenorganisation funktionierte, war Spanien, als die Anarcho-Syndikalisten eine grosse Zahl an Arbeitern und Bauern unter ihrem Banner vereinigen konnten.
Ein absolutes Scherzprodukt einer Räterepublik hat Gaddaffi in Libyen entwickelt. Er hielt sich präzise an die Theorie, alles wird schön, ohne Selektion, durch direkte Vertretung von unten nach oben durchgegeben - aber zuoberst setzt er den Revolutionsrat drauf (das ghaddafische Modell der kommunistischen Partei), mit sich als Revolutionswächter, der, ähnlich wie im Iran, der einzige ist, der beurteilen kann, was der Revolution dient und was nicht. Damit wird der ganze Unterbau natürlich obsolet.
Als letzter
Schluss ist es unmöglich, Mensch und Natur zu
harmonisieren ohne eine menschliche Gesellschaft zu schaffen die in
dauerndem Gleichgewicht mit ihrer natürlichen Umgebung lebt.
Eine Technologie für das Leben muss auf der Gemeinschaft
basieren; sie muss der Gemeinschaft angemessen sein, auf regionalem
Niveau. Auf
diesem Niveau schafft die gemeinsame Verwaltung der Fabriken auch
Solidarität zwischen den verschiedenen Gruppen in der Gemeinde (Beispiel: Gerade schliesst in Biberist eine Papierfabrik, die eigentlich alles richtig gemacht hat: Keine
veralteten und aufwändigen Verfahren, optimale Produktivität,
sogar Gewinne - aber nicht in der Höhe, wie sie heute weltweit
möglich sind. Folglich schliesst der ausländische Besitzer
die Firma. Ein lokaler hätte sie erhalten, hätte er
verantwortlich gedacht im Sinne der Region (und die Firma nicht
längst ins Ausland verkauft). Bookchin fährt also
"anarchoromantisch" weiter: .... Das
könnte dazu dienen, die Gemeinschaft zu konföderieren nicht
nur auf der Grundlage gemeinsamer spiritueller und kultureller
Interessen aber auch auf Grund der gemeinsamen Bedürfnisse.
Abhängig von den Ressourcen und den Eigenheiten der Regionen,
könnte eine rationaler humanistischer Ausgleich geschaffen werden
zwischen Autarkie (dem anarchischen Ideal), industrieller
Konföderation (dem jetzigen Zustand) und einer nationalen
Arbeitsteilung. Oder ist die Gesellschaft bereits so komplex dass
eine fortgeschrittene industrielle Zivilisation im Widerspruch zu
dezentralisierter Lebenstechnologie steht? Meine Antwort auf diese
Frage ist ein kategorisches Nein.
Die
Gewässerverschmutzung hat einen Grad erreicht, der dem Leben im
Wasser keine Chance mehr lässt (das war vor 30 Jahren, die
Wasserqualität hat sich seither massiv gebessert, mit Ausnahme an
Mikrostoffen, Hormonen etc., die natürlich durch mechanische
Reinigung nicht entfernt werden.
Der
Mensch könnte als hochgradig destruktiver Parasit beschrieben
werden der seinen Wirt (die Erde) mit dem Tode bedroht - und
damit natürlich auch gleich sich selbst.
Das Ungleichgewicht dass der Mensch in der Natur erzeugt hat wird durch
das Ungleichgewicht verursacht, dass er in der sozialen Welt verursacht
hat.
Als Effekt der industriellen und häuslichen Verbrennung hat sich
die Konzentration von Kohlendioxid in der Atmosphäre um 25%
erhöht in den letzten 100 Jahren, es ist gut möglich, dass
sie sich bis zum Ende des Jahrhunderts noch verdoppelt. (Eine
Befürchtung, mit der er offensichtlich ziemlich recht hatte). Der
berühmte Treibhauseffekt ist ein Resultat davon.
Die Krise wird verstärkt durch massive Zunahme der Luft und
Wasserverschmutzung, bei einer zunehmenden Anhäufung nicht
abbaubarer Abfälle (von radioaktiven nicht mal zu reden),
Bleirückstände, Pestizide, Additive in Nahrungsmitteln; die
Ausdehnung der Städte auf das Land; Stress, bedingt durch Staus,
Lärm, Massenleben; und durch eine wilde Zerfurchung der Erde als
Resultat von Bergbau, Holzernte und Grundstückspekulationen.
Heute ist der Kapitalismus gar ein Parasit der Zukunft, ein Vampir, der
von Technologie und den Ressourcen der Freiheit lebt. Die
Probleme der Notwendigkeit und des Ueberlebens sind deckungsgleich mit
den Problemen der Freiheit und des Lebens.
Gesellschaft arbeitsteilig ?
Der Kleinbürger steht, vor
Erfurcht erschüttert, vor den bürgerlichen Ablagesystemen -
den Reihen von Ordnern, gefüllt mit Rechnungen, Buchhaltung,
Versicherungsverträgen, Steuerformularen und den unvermeidlichen
Dossiers. Er ist gebannt durch die "Expertise" industrieller
Manager, Ingenieure, Möbelverkäufer, finanzieller Manipulatoren,
und der Architekten des Marktkonsenses. Er ist total mystifiziert
durch den Staat - die Polizei, Gerichte, Gefängnisse,
Verwaltungsbüros, Sekretariate, den ganzen stinkenden kranken
Haufen von Zwang, Kontrolle und Unterwerfung. Die moderne Gesellschaft
ist unglaublich komplex, komplex über den menschlichen Verstand
hinaus, wenn wir ihre Grundlagen akzeptieren - Eigentum, "Produktion um
der Produktion willen", Wettbewerb, Kapitalakkumulation, Ausbeutung,
Finanzen, Zentralisierung, Zwang, Bürokratie und die Herrschaft
des Menschen über den Menschen.
Es müsste also unbedingt versucht werden, die Ausnutzung von
Umwelt und Gesellschaft zu vermeiden, Oekosystem und
Gesellschaftssystem in Uebereinstimmung zu bringen. Resultat dieser
Ueberlegungen war das Schlagwort small is beautiful und die Förderung angepassterTechnologien.
> Die Verdichtung der
Städte und Extensivierung der Alpen und der Landschaft generell
geht hier genau den umgekehrten Weg. s. Städtediktat - Alpenreservat
Eine einigermassen selbstversorgende Gemeinschaft, sichtbar
abhängig von ihrer natürlichen Umgebung für das
Ueberleben, würde einen neuen Respekt schaffen für die
organischen Beziehungen die es tragen.
Hier ging die Geschichte leider einen andern Weg als die angestrebte dörfliche Selbstversorgung. Hier kommt auch eine Knappheit hinzu, die von Bookchin um 1960 noch massiv unterschätzt wird: Die Knappheit des verfügbaren Raumes. Seit Beginn des 3. Millenniums leben mehr als 50% der Menschen weltweit in Städten, und zwar eben NICHT in Städten wie die Griechenlands, die übersichtlich, menschlich, in die Natur eingebettet waren, sondern in Städten wie Jede Woche wird auf der Erde eine neue Millionestadt gebaut - mit 2 Millionen Einwohnern. 300 Millionenstädte gibt es bereits, von Shanghai mit 18 Millionen Einwohnern bis zu Köln, das grad mal wieder knapp die Million geschafft hat. Die meisten liegen weder in Europa noch den USA (sondern in China und Indien), und die meisten haben Namen, die uns ungekannt sind: Tijanjin 12 Mio, Shenzen 8.7, Nanjing 7.6, Wuhan 4.1 Mio, Ahmedabad 3.8, Busan 3.7, Kano 3.6, Pune 3.1, Lakhnau 2.6, Bekasi 1.6, Caloocan 1.4, Guarulhos 1.2, Schubra al Chaima 1. Haben Sie eine Ahnung, wo die so ungefähr liegen? Nicht die Förderung der sozialen Beziehungen oder gar die Einbettung von Mensch und Stadt in die Natur sind das Ziel, sondern es geht darum, zur möglichst bedeutenden Schaltstelle (Knoten) in den globalen Netzwerken und Strömen zu werden, um möglichst aus herrschender Position ein Maximum an Gewinnanteilen herauszuholen.
Nicht das Dorf oder die Kleinstadt ist die Struktur, die Menschen sozialisiert, sondern Betonkanister, immer höher getürmt, immer enger geschachtelt. s. Hochhäuser Wenn die Strukturen der Umwelt auf den Mensch Einfluss haben, dann entwickelt sich der Mensch seit einer Generation Richtung Betonkistenmensch, ganz egal ob in Dorf, Stadt oder Grossstadt angesiedelt. Die Integration in Produktion oder gar Natur ist völlig flöten gegangen. |
Die alltägliche Misere der Gesellschaft wird beleuchtet durch die Möglichkeiten der Realisierung von Wünschen und Freiheit. Je grösser diese Möglichkeiten, um so weniger tolerabel die tägliche Misere. ... Der französische Traum, wie der amerikanische Traum, wurden erodiert und entmystifiziert. Die bürgerliche Gesellschaft hatte alles gegeben was sie konnte - zu den einzigen Bedingungen unter denen sie in der Lage war, etwas zu "geben" - eine Fülle schäbiger materieller Güter, erworben durch bedeutungslose geisttötende Arbeit. Diese Erfahurung, nicht die Avantgarde und ihre Programme, war die treibende Kraft der 68-er Unruhen.
Der Revolution ihre Spontaneität zu nehmen, das Kontinuum zwischen Selbstmobilisation und Selbstemanzipation, das Selbst aus dem Prozess herauszunehmen um über politische Organisationen und Institutionen die aus der Vergangenheit geborgt sind zu vermitteln, das heisst ihre freiheitlichen Ziele zu verderben. Wenn die Revolution nicht von unten startet, wenn sie nicht das Fundament der Gesellschaft erweitert, handelt es sich nur um einen Umsturz. Wenn nicht eine Gesellschaft daraus entsteht in der jedes Individuum sein eigenes Leben kontrolliert, sonder das tägliche Leben die Individuen kontrolliert, dann ist das eine Konterrevolution. Soziale Befreiung kann nur dann auftreten, wenn es sich parallel dazu um Selbstbefreiung handelt - wenn die Massenbewegung eine Selbstbewegung ist die einen hohen Grad an Individualisierung und Selbstbewusstsein beinhaltet.
Das Bewusstsein erreicht seine Höhe in unserer Zeit durch
revolutionäre Aktion. Zu revoltieren, die Revolte zu leben, ist
die vollständige Widerherstellung des individuellen
Revolutionärs, ein Wechsel der so weit reicht und so radikal ist
wie die Neugestaltung der Gesellschaft.
In diesem Prozess in dem angehäufte Erfahrung verworfen wird,
neue Erfahrungen integriert und re-integriert werden, wächst ein
neues Selbst aus dem alten. Aus diesem Grund ist es idiotisch zu
behaupten, das Verhalten der Menschen nach der Revolution vorhersagen
zu wollen aufgrund ihres Verhaltens vorher. Sie werden nicht mehr die
selben Menschen sein.
Es ist richtig, dass eine echte Einicht in Handlung münden
muss, in eine Wiederherstellung des Selbst durch Erfahrung in der
realen Welt, diese Wiederherstellung erhält nur eine sinnvolle
Richtung, wenn wenn es von der Existenz zum Möglichen
fortschreitet, von dem "was ist" zu dem "was sein könnte.
Präzise diese Dialektik meinen wir mit psychischem Wachstum.
Um die Sache noch etwas anders darzustellen, der Revolutionär
wird geschaffen durch den Zusammenbruch all des bürgerlichen
Universellen - Eigentum, Klasse, Hierarchie, freies Unternehmertum,
Arbeitsethik, Patriarchat, die Kernfamilie und so weiter, ad nauseam
(lat: bis zum Kotzen). Aus all diesen Wracks beginnt das Selbst sein
Selbstbewusstsein zu verwirklichen und das Streben beginnt wieder
ganzheitlich (integral) zu werden.
![]() |
| global +, alliance sud, Frühling 2011. S. 10 |
Aus diesen Ursprüngen entstanden viele Gruppen der Kommunitarier und generell eine stärkere Anerkennung der Bedeutung des Gemeinwerkes, gerade auch als gemeinschaftliches Werk.
> WARNUNG: Hier muss politisch ein äusserst scharfer Schnitt gemacht werden zwischen den traditionellen grünen Parteien, die meist ja eher rotgrün sind, und den neuen Grünliberalen, die ich gerne als Schrebergartengrüne bezeichne. Letztere setzen sich zwar genau so ein wie die grünGrünen, wenn es um die Natur geht, sind aber im sozialen Bereich eher braun, also mehr bürgerlich, überbürgerlich, bünzlig sozusagen, traditionell, konservativ, phantasielos.
Wie glühend und erhebend die revolutionären Ideen der
Vergangenheit auch gewesen sein mögen, die grosse Mehrheit des
Volkes, bedrückt durch materielle Not, musste die Bühne der
Geschichte nach der Revolution verlassen, zurück an die Arbeit,
und das Management der Gesellschaft an die neuen Freizeitgesellschaft
der Ausbeuter übergeben. Jede Anstrengung, den Reichtum der
Gesellschaft bei dem niedrigen Entwicklungsstand gleichmässig zu
verteilen, hätte die Knappheit nicht überwunden, sondern eher
zum generellen Merkmal einer ganzen Gesellschaft gemacht, und damit die
Bedingungen für neue Kämpfe um die materiellen Dinge des
Lebens , neue Formen des Eigentums und ev. ein neues System der
Beherrschung geschaffen. Eine Entwicklung der Produktivkräfte ist "die absolut notwendige Voraussetzung [des Kommunismus] schrieb Marx an Engels um 1846, "denn
ohne sie wird Knappheit verallgemeinert, und mit der Knappheit der
Kampf um Lebensnotwendiges und all die alten dreckigen Geschäfte
würden so notwendigerweise wieder aufleben." Praktisch alle
Utopien, Theorien und revolutionären Programme des frühen 19.
Jahrhunderts stiessen auf das Problem der Notwendigkeit - wie Arbeit
und Rohstoffe bei einem relativ tiefen Stand technologischer
Entwicklung zuzuordnen seien. Diese Probleme durchdrangen die
revolutionären Gedanken ähnlich stark wie die Ursünde
die christliche Theologie.
> allerdings scheinen Anarchisten wie Kommunisten die Arbeit geheiligt zu haben:
Schufterei wäre im Sozialismus eine Pflicht, eine
Verantwortung, die jede arbeitsfähige Person auf sich zu nehmen
hat. Sogar Proudhon förderte diese säuerliche Moral wo er
schrieb: "Ja, das Leben ist ein Kampf. Aber diese Kampf findet
nicht statt zwischen Mensch und Masse - sondern zwischen Mensch und
Natur; und es ist darum eines jeden Pflicht, sich daran zu beteiligen."
Bakunin (1814-76) z.B. dachte, dass die Ueberlieferung (Tradition) jedes
Individuum mit antisozialen Neigungen dazu verpflichten würde,
sich den kollektiven Werten und Bedürfnissen zu unterwerfen - ohne
die Gesellschaft zu zwingen, dementsprechenden Zwang anzuwenden.
Kropotkin (1842-1921), der mehr Einfluss hatte auf die Anarchisten in dieser
spekulativen Phase, beschwor die menschliche Neigung zur gegenseitigen
Hilfe - primär ein sozialer Instinkt - als Garantie für die
Solidarität in einer anarchistischen Gesellschaft (ein Konzept das
er ableitete aus seinen Studien der Tiere und sozialer Evolution - die
heute auch weitgehend bestätigt sind.)
Marktwirtschaft (Market economies) oder Planwirtschaft (planned economies) können in einer Nachknappheitswirtschaft überflüssig werden, da Gabe oder Tauschwirtschaft ihren Platz einnehmen können, wenn die Knappheitsgetriebenen früheren Typen der Wirtschaft verschwinden. Nachknappheitsgesellschaften können auch ihre Märkte haben, beschränkt auf den Tausch von Energie und andern Ressourcen, sogar nichtmateriellen wie Status oder Reputation, Immobilien, oder Geschick und Erfahrung.
Viele Varianten der Science fiction sehen das Konzept des Eigentums
sich auflösen oder gar verschwinden, da die Menschen die Bindung
an alle Dinge verlieren, mit Ausnahme derer, mit denen gewisse
Gefühle verbunden sind, da sie wissen, dass sie immer Ersatz
erhalten oder schaffen können. Geldsysteme sind kein Faktor mehr.
Einige sehen darin eine Befreihung von Mühe und Geiz - andere
warnen, dass die Produktion durch Maschinen und Computer die
menschlichen Fähigkeiten verkümmern lassen können, oder
dass die Menschen gar die Fähigkeit verlieren, ihre eigene Zukunft
zu kontrollieren.
Einige Dinge werden knapp bleiben, sogar in der Nachknappheitsgesellschaft. Nur eine Person kann gleichzeitig Führer einer Gruppe oder eines Landes sein ( > Die Schweiz beweist das Gegenteil, zur Zeit nicht grad überzeugend, aber immer noch). Es gibt nur 44 Fabergé Eier auf der Welt.
Bevölkerungswachstum kann ebenfalls zu unvermeidbarer Knappheit führen. s. Malthus Verzehrt der Mensch, nur der Mensch allein, alles was sich auf der Erde aufgrund der verfügbaren Sonnenenergie, Land und Wasser produzieren lässt, so liesse sich die Erde mit 20 bis 30 Milliarden Menschen bevölkern. Es gäbe dann aber nur noch Menschen - und ihre Weiden (Algen, Pilze, Käfer etc.). Zur Zeit scheint diese Gefahr allerdings nicht mehr so gross, da alle mehr oder weniger "entwickelten" Staaten über Bevölkerungsschwund klagen.
Knapp ist auch der Boden. Zur Zeit vermöchte er noch alle zu ernähren, aber bei zunehmendem Fleischverbrauch in China und andern bisher schwach entwickelten Ländern käme hier eine Steigerung des Produktionsbedarfs, der die Ressourcen erschöpfen und erschüttern könnte (s. Vernichtung des brasilianischen Regenwaldes zwecks Viehzucht, Vernichtung ostasiatischer Regenwälder zwecks Anbau von Oelpalmen u.ä).
Noch knapper ist allerdings Wasser, vor allem in den ariden Gebieten der Wendekreise (Nordafrika, Nah- und Mittelost, Nordindien, Mexiko, Texas etc.), mit zunehmender globaler Erwärmung aber auch an Orten, die bisher gut mit Schmelzwasser versorgt wurden in den Trockenzeiten (Ostchina, Afganistan, Pakistan, Indien. Schweiz, Oesterreich. Andenvorlande etc.
Um 1840 konzentrierte sich die
industrielle Revolution um 3 Kerngebiete der Wirtschaft:
Textilproduktion, Stahl und Transporte. Die Erfindung der Arkwright Spinnmaschine (eigentlich Waterframe genannt), Watts Dampfmaschine und Cartwrights power loom (eine Webmaschine) erreichte das Fabriksystem die Textilindustrie; in
der Zwischenzeit hatte auch eine Serie schlagender Innovationen in der
Stahlherstellung die Herstellung von bester Qualität zu
günstigen Preisen erlaubt, die für die Ausdehnung von Fabrik
und Eisenbahn nötig waren.
Die Landwirtschaft erwachte erst aus ihrem jahrhundertealten
Schlaf. Obwohl riesige Flächen für die
Nahrungsmittelproduktion gerodet worden waren, waren Bodenanalysen
immer noch eine Neuheit. So gewichtig war die Tradition und
Konservatismus, dass ein grosser Teil der Ernte nach wie vor von Hand
ausgeführt wurde, obwohl mechanische Erntemaschinen bereits seit 1822 zur Verfügung standen. Gebäude, trotz ihrer
Masse und Dekors, wurden primär durch Muskelkraft errichtet; der
Handkran und Hebeseilzug waren die einzigen Hilfsmittel.
Im Rohstoffabbau war ein grosser Schritt der erste "continuous miner", ein gigantisches Abbaugerät, geeignet für Dauereinsatz. Die Blätter hatten einen Durchmesser von 9 Fuss und Schnitten mit jedem "Biss" 8 Tonen Kohle aus dem Flöz. Die neusten Entwicklungen gehen in die Richtung der Radarsteuerung - und machen den Mineur so nach und nach völlig überflüssig. (Wieso gibt es so was nicht für kaputte Atomkraftwerke?)
Die Weisheit dieser neuen Entwicklungen ist allerdings
fragwürdig - oder sind sie geeignet für ein System von
kleinräumiger Produktion, basierend auf regionaler Wirtschaft,
strukturiert nach menschlichem Mass?
Technik für den Menschen - oder Menschen für die Technik?
Die Frage ist (nein, nicht grad Sein oder Nichtsein, aber) ob eine
zukünftige Gesellschaft sich um die Technologie herum organisieren muss -
oder ob die Technologie heute ausreichend formbar ist, so dass sie rund
um die Gesellschaft, für die Gesellschaft, organisiert werden kann. Immerhin hat die neue
Technologie nicht nur elektronische Komponenten in Miniaturformat
produziert, sondern auch hochgradig vielseitige Mehrzweckmaschinen.
In den 20ern und weit in die 30er hinein, war die öffentliche
Meinung positiv gegenüber technologischer Innovation eingestellt
und identifizierte den menschlichen Wohlstand mit dem industriellen
Fortschritt der Zeit. Für viele Menschen schien es eine
direkte Verbindung zu geben, eins zu eins, zwischen technologischem und
sozialem Fortschritt.
Die Generation der 30er wurde zum willfährigen reaktionären
Sektor der Gesellschaft (- während die 60er die radikalste Jugend
hervorbrachte). Die Psyche der ganzen Generation war
durch Mangel geprägt, durch die Depression und Unsicherheit der
30er Jahre (während dem die 60er als erste einen Geruch von
Nachknappheit, ja Ueberschuss in die Nase kriegte. Die Jugend der
weissen Mittelklasse konnte so problemlos ihre falschen Privilegien
abwerfen
Die Aengste der 50er gingen Richtung Orwell's
Ueberwachungsgesellschaft. Das Ziel der Regierung sei es, die
amerikanische Jugend zu polierter Konformität mit dem
Establishment zu erziehen (kein Wunder mit Gestalten wie McCarthy).
Im Gegensatz zu ihren depressionsgeängstigten Eltern waren die
jungen Leute enttäuscht durch die gärende Konsumbegeisterung
die befriedet, aber nie befriedigt.
Mit dem Aufkommen der Computer betreten wir eine völlig neue Dimension industrieller Kontrollsysteme. Der Computer kann aller Routinearbeiten übernehmen, die die Gehirne der Mitarbeiter noch vor einer Generation voll in Anspruch nahmen.
Informelle Kleidung und Benehmen (Rocker, Hippies, Punks etc) ist
auch eine Reaktion gegen die standardisierte Natur des modernen,
institutionalisierten Lebensstils. Die Vorliebe für direkte Aktion (Anarchisten der Tat, RAF, Strassendemos generell) ist eine Reaktion
gegen die Bürokratisierung und Zentralisierung der Gesellschaft.
Die Tendenz zum Scheitern, zum Herausfallen aus der Gesellschaft,
Arbeitsmüh und Hamsterrad (besser: rat race),
reflektiert einen zunehmenden Ueberdruss gegenüber der hirnlosen
industriellen Routine wie sie durch die moderne Massenproduktion in der
Fabrik, dem Büro oder der Universität gezüchtet wird.
Der intensive Individualismus weist auf eine deutliche soziale
Dezentralisierung hin - einen persönlichen Rückzug aus der
Massengesellschaft.
Molekulare Bewegungen schaffen eine Atmosphäre genereller
Gesetzlosigkeit, täglich zunehmenden persönlichen
Ungehorsams, eine Tendenz, nicht mehr mit dem existierenden System
mitzulaufen, ein anscheinend bedeutungsloser aber doch kritischer
Versuch die Beschränkungen in allen Fazetten des täglichen
Lebens zu umgehen. Die Gesellschaft wird unordentlich, undiszipliniert,
dionysisch - ein Zustand der sich am deutlichsten anhand der
offiziellen Verbrechensraten zeigt.
Allerdings ein ernsthafteres
Problem als die Haltung der Eigentümer ist die Grösse der
Firmen selbst - ihre enormen Proportionen, ihr Standort in einer
Region, ihre Dichte in Bezug auf Gemeinde oder Wasserstrassen, ihr
Verbrauch an Rohstoffen und Wasser, und ihre Rolle in der nationalen Verteilung der Arbeit.
Ausnutzung von Natur und Gesellschaft
Dank ihrer inhärent kompetitiven Natur, hetzt die
bürgerliche Gesellschaft nicht nur Menschen gegeneinander, sondern
auch die Masse der Menschheit gegen die natürliche Umgebung.
Der Ausdruck "Konsumgesellschaft" vervollständigt die Beschreibung der gegenwärtigen sozialen Ordnung als Industriegesellschaft. (Das war wohlgemerkt vor 50 Jahren, heute sind wir längst eine Dienstleistungsgesellschaft und die industrielle Produktion ist quasi Nebensache (s. Restrukturierungsfolgen), Die Primärproduktion schafft heute in entwickelten Ländern weniger als 2% der Stellen, die industrielle Verarbeitung zwischen 20% Italien und 40% (Deutschland, Exportweltmeisterzweiter), die Mehrheit der Arbeitsplätze befasst sich heute mit Dienstleistungen (soziale, Verteilung (Logistik), Dienstleistungen für Betriebe, personenbezogene und staatliche).
Die Aussage stimmt immer noch, denn ein grossteil der "Dienstleistungen" besteht darin, den längst überfressenen Konsumenten immer wieder die selben Dinge in neuer Verpackung als "Innovation" zu verkaufen. Bedürfnisse werden durch die Massenmedien zugeschnitten um einen öffentlichen Bedarf an total nutzlosen Gütern zu schaffen die sorgfältig so gebaut wurden, dass sie nach einer vorbestimmten Periode nicht mehr zu brauchen sind (Extremfall: Garantiedauer + 1 Tag, so erlebt anhand eines Printers, dessen Reparatur dann teurer war als ein neuer Printer).
Die Massenproduzenten: Früher USA und England - gestern Deutschland - heute China - produzieren Massen ... an Abfall.
Früher waren es eben die USA, die mehr als die Hälfte des Weltbedarfs an Konsumschrott produzierte. Da sie gleichzeitig 1/9 ihrer industriellen Kapazität der Produktion von Kriegsmaterial widmen (keine Vergangenheit, stimmt immer noch), kann es sich die USA leisten auf der Erde (und andern Nationen, sog. Verbrecherstaaten) herumzutrampeln und ökologische Netze zu zerreissen, die für das menschliche Ueberleben vital wären. (Zur Zeit Weigerung der Unterstützung von Massnahmen gegen die globale Erwärmung).
Wenn die gegenwärtigen Vorhersagen stimmen, wird sich der Stromverbrauch in den restlichen 30 Jahren des Jahrhunderts (redet also 1970) verfünffachen, zumeist produziert durch Kohle und Kernkraftwerke. Diese kolossale Bürde an radioaktiven und andern Abfällen lässt sich kaum beschreiben.
Die folgende Graphik zeigt, dass sich auch in den USA der Energieverbrauch doch nicht im prognostizierten Mass vervielfachen konnte. Er hat sich, dank der Oelkrise, nur in etwa verdoppelt. Allerdings kommt unter heutiger Problemsicht erschwerend hinzu, dass die USA, genau wie China, einen grossen Teil ihrer Elektrizität aus Kohle, Erdöl und Gas erzeugen, also Unmengen an CO2 in die Luft puffen.
Bookchin zeigt hier, ganz ähnlich wie zur selben Zeit der Club of Rome, dass übertriebene Schwarzseherei kein Problem löst, auch keine Gemeinschaft bildet, also eigentlich nichts hinterlässt.
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In den nächsten 5 Jahren wird der Holzverbrauch um 20% steigen;
die Papierproduktion jährlich um 5%, Karton 3%, Plastik 7%.
Die Sache mit dem Papier war nicht gar so tragisch, der Verbrauch
entwickelte sich nur linear, verdoppelte sich (auf 1970 bezogen) bis
1995 und nahm dann sogar wieder leicht ab (der elektronischen
Speicherung sei dank ... oder dem zunehmenden Analphabetismus?)
Die
Sache mit dem Holz noch weniger, der Holzverbrauch blieb ziemlich
stabil - mit Ausnahme des Weichholzes (Zellulose, Papier), das mit einer
beträchtlichen Preiserhöhung reagierte.
Die verschwenderische Natur moderner industrieller Aktivität wird am besten illustriert durch den Niedergang der wiederverwertbaren Flaschen (1960 54 Milliarden - 26 Billionen heute (wobei allerdings nicht klar ist, ob das nun 1970 oder bei einer der Revisionen des Buches war. Anyhow, die Entwicklung ist dennoch klar).
Ihr Platz wurde durch Einwegflaschen übernommen die in der
selben Periode von 8 auf 21 Milliarden zunahmen, Dosen von 38 auf 53
Billionen. Diese Einwegflaschen sind ein enormes Abfallproblem. Der
Planet, als Mineralklumpen betrachtet, kann diese gedankenlose
Vermehrung von Abfall verkraften. Die Erde, als komplexes Netzwerk von
Leben gesehen, kann dies sicherlich nicht.
Schlimmer als von Bookchin geahnt, hat sich der Kunststoffverbrauch geändert. Da einige Kunststoffe in der Natur kaum abbaubar sind, da Plastiktüten sehr leicht fliegen, ist heute der Plastikbaum (Dornakazien gespickt mit Plastiktüten), Plastikböden (aber auch Blech- und Aludosenböden (s. Altstadt Hadibou, Sokotra, ca 2 cm dick gepflästert) ein massives Problem. Bekannteres Beispiele etwa der riesige Müllstrudel im Pazifik (Great Pacific Garbage Patch) in dem ca. 100 Millionen Tonnen Kunststoff vor sich hindümpeln - auf einer Fläche vier Mal so gross wie Deutschland. Eben so berüchtigt, wenn auch deutlich kleiner, Thilafushi Rubish Island auf den Malediven.
Vom ökologischen Standpunkt aus, hat der Mensch seine
Umgebung gefährlich übersimplifiziert. Die moderne Stadt
präsentiert einen regressiven Siegeszug des Synthetischen
über das Natürliche, des Anorganischen (Beton, Metall, Glas)
über das organische, roher, elementarer Stimuli über solche
die in weiter Spanne variieren. Die Vorstadtgürtel die sich nun in
den industrialisierten Gebieten der Welt entwickeln sind nicht nur eine
Beleidigung für die Augen, ihre Luft ist chronisch verdreckt,
lärmig, und sie sind praktisch immobilisiert durch Verstopfung.
Der Prozess der Simplifizierung menschlicher Umwelt, der sie zunehmend
elementarer und roher macht, hat kulturelle und physische Dimensionen.
Die Notwendigkeit enorme städtische Populationen zu manipulieren -
sie zu transportieren, zu ernähren, zu erziehen und Millionen
dicht gepackter Menschen zu unterhalten - führt zu einem
ernsthaften Niedergang ziviler und sozialer Standards. Eine
Massenkonzeption menschlicher Beziehungen - totalitär,
zentralistisch und straff reguliert in ihrer Orientierung - tendiert
dazu, über die eher individualistischen Konzepte der Vergangenheit
zu domninieren. Bürokratische Techniken des
Sozialmanagements ersetzen den humanistischen Ansatz. Alles was
spontan, kreativ und individuell war wird standardisiert, reguliert und
vermasst. Der Platz des Individuums wird durch die auferzwungenen
Einschränkungen immer enger.
Nahrungspflanzen müssen auf eine Art kultiviert werden, die
Mechanisierung erlaubt - nicht um den Menschen die Plackerei zu
ersparen sondern um Produktivität und Effizienz zu erhöhen,
Investitionen zu maximieren (Gewinne gemeint), und die Biosphäre
auszunutzen. Dementsprechend muss das Terrain zu einer Ebene planiert
werden - zum Boden einer Fabrik sozusagen. Das Pflanzenwachstum muss
genau reguliert werden um die engen Spezifikationen der
Verarbeitungsindustrie zu erfüllen (Fruchtdurchmesser,
Qualität, Wassergehalt, Aussehen ...). Pflügen, Düngen,
Sähen und Ernten muss in grossem Massstab stattfinden, meist in
Widerspruch zur natürlichen Oekologie einer Gegend. Grosse
Flächen müssen mit dem selben Produkt bestellt werden
(Monokultur) - eine Form der Landwirtschaft, die allerdings nicht nur
die Mechanisierung erleichtert, sondern auch Schädlingsbefall und
-Verbreitung.
Landwirtschaftliche Entwicklung
Erst als kommerzielle Landwirtschaftsysteme und
hochgradig städtische Gesellschaften sich entwickelten, wurde die
Natur erbarmungslos geplündert. Der heutige Mensch ist nicht mehr
damit vertraut, wie seine Güter produziert werden, und seine
Nahrung hat kaum mehr Aehnlichkeit mit den Pflanzen und Tieren von
denen sie stammt. Eingeschachtelt in sanitär erschlossene
städtische Milieus (fast institutionalisiert was Form und
Erscheinung angeht), wird dem modernen Menschen sogar die
Zuschauerrolle im Landwirtschafts- und Industriesystem verwehrt das
seine materiellen Bedürfnisse befriedigt. Er ist reiner Konsument,
ein gefühlloses Gefäss.
Die klassischen Utopier realisierten
völlig, dass der erste Schritt zur Ganzheitlichkeit die Entfernung
der Widersprüche zwischen Land und Stadt waren. Wenn wir
es als gegeben hinnehmen, dass das Land und die Gemeinschaft physisch
reintegriert werden muss, dass die Gemeinschaft in einer
landwirtschaftlichen Matrix existieren muss, welche die
Abhängigkeit des Menschen von der Natur explizit macht, so haben
wir das Problem, wie wir diese Transformation vollziehen ohne die
Gemeinschaft mit schmerzhaften Anpassungsprozessen zu belasten.
Mechanische Pflanzgeräte sind heute für praktisch alle Arten
an Nutzpflanzen vorhanden. Erntegeräte wurden entwickelt für
unterschiedliche Baumgärten, Beeren, Reben, Gemüse und
Feldfrüchte. Scheunen, Futtertröge und Lagervorrichtungen
wurden revolutioniert durch Erdbohrer, Treibriemen, luftdichte Silos,
automatische Mistreinigung, Klimasteuerung etc. Erntegut wird
automatisch enthülst, gewaschen, gezählt, haltbar gemacht
durch Kühlung oder Dosenkonservierug, verpackt und in Kisten
für Transport und Verteilung bereit gestellt.
Der Boden wird sorgfältig analysiert und nur für die Pflanzen
genutzt, für die er optimal geeignet ist. Jede Anstrengung wird
unternommen Stadt und Land zu vereinen - ohne die unterschiedlichen
Beiträge zu opfern die jede zur menschlichen Erfahrung beitragen
kann.
Obwohl Stadt und Land ihre Identität und ihre hoch gepriesene und
geförderte Einzigartigkeit behalten, erscheint die Natur
überall in der Stadt, und die Stadt scheint die Natur gestreichelt
und einen sanften, menschlichen Abdruck in der Natur hinterlassen zu
haben.
> Na ja ... als zärtlich kann man die
Verbauung der Landschaft in der Schweiz (s. Beispiel Basel) und ähnlich dicht bebauten
Landschaften nun wirklich nicht mehr bezeichnen, und was umgekehrt an
Natur noch in den Grosstädten vorhanden ist, ist, meiner Meinung
nach, ich hab das tagtäglich vor Augen in Basel, doch eher ein
Witz, ein zwar gut gemeinter, aber doch eher erfolgloser Versuch. s. Tarngrün Unter solchen Bedingungen ist jeder weitere Quadratmeter der Verbaut wird ein Verlust, der einen gallig macht (auch eine Form von grün ...), persönlich (s. Quartierpolitik Kleinhüningen), oder generell: So dürfte für die meisten Basler die Ueberbauung der Tramminseln und des offenen Geländes zwischen den Hallen 1 und 3 der schweizerischen Mustermesse (s. inzwischen bewilligtes Projekt Messeplatz) eine willkommene Erweiterung sein, eine Abrundung der Austellungshallen. Was aber die meisten vermutlich nervt, nämlich beim Aussteigen aus dem Tram von Regen begossen oder von der Sonne ins Schwitzen gebracht zu werden, fällt nun dahin. Und viel mehr passiert dem Städter nicht mehr - in Sachen Natur. Er wird völlig denaturiert sozusagen, bewegt sich nur noch im Schutz von Mauern und Decken - allenfalls des Bleches seines SUV.
Der Prozess der Simplifizierung wird ausgedehnt durch eine übertriebene regionale (in der Tat eher nationale) Arbeitsteilung. Riesige Gebiete des Planeten werden zunehmend reserviert für spezifische industrielle Aufgaben - oder zu Lagern von Rohmaterial. Andere werden zu Zentren städtischer Bevölkerung, zumeist beschäftigt mit Klein- und GrossHandel. Städte und Regionen (in der Tat Länder und Kontinente) werden mit spezifischen Produkten identifiziert - Pitsburgh, Cleveland und Youngstown mit Stahl, New York mit Finanzen, Bolivien mit Zinn (und Koks), Arabien mit Erdöl, Europa und die USA mit industriellen Gütern (abgelöst durch China), und der Rest der Welt mit Rohstoffen aller Art.
> Die Antwort der Geschichte auf solche Probleme war auch hier nicht die der Anarchisten, die kleine, humane, verbundene Wohn- und Produktionsräume wollten, sondern die globale Trennung, gerade durch globale Netzwerke. Die Knoten der Verwaltung sind bei den reichen, den reichen Städten, den reichen Volkswirtschaften - die Knoten der Versorgung mit billigen Rohstoffen sind bei den Armen, in Afrika, Asien, Südamerika -oder draussen in der Landschaft. So ähnlich das neue Konzept der ETH für die Schweiz: Geld verdient wird in den Städten - die Alpen werden als Erholungs- und Naturraum exkultiviert.
Der Punkt ist, dass der Mensch die organische
Entwicklung zerstört. Durch die Erschaffung grosser
Agglomerationen aus Beton, Metall und Glas, durch die Ueberlagerung und
Unterminierung der komplexen, subtil organsierten Oekosysteme die auf
lokalen Differenzen in der Natur bauen - kurzum, durch das Ersetzen
einer hochkomplexen natürlichen Umgebung mit einer
simplifizierten, anorganischen Einfalt - degradiert der Mensch die
biotische Pyramide die die Menschheit über zahllose Jahrtausende
trug und ernährte.
Kommunismuskritik
Hierarchie, Sexismus und Verzicht verschwinden nicht mit "demokratischem Zentralismus", einer "revolutionären Führung", einem "Arbeiterstaat", und einer "Planwirtschaft". Im Gegenteil, Hierarchie, Sexismus und Verzicht funktionieren um so effizienter, wenn der Zentralismus sich "demokratisch" gibt, wenn Führer als "Revolutionäre" auftreten, wenn der Staat den Arbeitern zu gehören scheint, und wenn die Produktion von Gütern "geplant" erscheint.
Eigentlich ist alles, was als Planwirtschaft in
sozialistischen Theorien auftritt, längst durch den Kapitalismus
vollendet worden; von da her die Kapazität des Staatskapitalismus,
grosse Teile der marx'schen Doktrin als offizielle Ideologie zu
übernehmen. Darüber hinaus hat der Fortschritt der Technologie
in den entwickelten Industriestaaten den wichtigsten Grund für die
Existenz des "Sozialistischen Staates" längst eliminiert,
nämlich die Notwendigkeit, die produktiven Kräfte so rasch als
möglich zu vermehren. Noch länger herumzutrödeln mit den
Themen "Planwirtschaft" und "Sozialistischer Staat", die auf einer
früheren Ebene des Kapitalismus bei einem tieferen Stand der
technologischen Entwicklung aufkamen, wäre sektiererischer
Kretinismus (Blödheit). Das revolutionäre Projekt muss
Schritt halten mit den enormen sozialen Möglichkeiten unserer Zeit.
Marxismuskritik
Marxismus hat das Ideal der Freiheit zunehmend kompromittiert, es schmerzvoll mit Uebergangsstadien und politischen Opportunitäten qualifiziert, bis er zuletzt zur Ideologie der nackten Macht wurde, pragmatisch effizient, sozial zentriert, praktisch ununterscheidbar von den Ideologien des modernen Staatskapitalismus.
Massenarbeitslosigkeit machte Arbeitsplätze
und die soziale Organisation von Arbeit zum zentralen Thema der
sozialistischen Propaganda in den 30ern. Anstatt die Botschaft zu
fokussieren auf die Befreiung des Menschen von Mühsal und Plage,
beschrieben die Sozialisten ihren Sozialismus als Bienenhaufen
industrieller Aktivität, brummend mit Arbeit für alle.
Nach tausenden von Jahren qualvoller Entwicklung sind die westliche
Nationen (potentiell alle Länder) heute mit der Möglichkeit
materieller Fülle konfrontiert, einer fast arbeitslosen Aera, in
der die meisten Mittel die zum Leben nötig sind durch Maschinen
produziert werden können.
Zum ersten Mal in der Geschichte hat die Technologie die
Grenzenlosigkeit erreicht. Das Potential für technologische
Entwicklung, für Maschinen, welche die Arbeit übernehmen, ist
unbegrenzt. Technologie hat endlich die Grenze vom Reich der (eher
zufälligen) Entdeckungen zu dem der Erfindungen, dem der
gewollten, systematischen, freien Gestaltung und Innovation
überschritten.
> Innovation wurde ebenfalls dressiert. Sie ist heute eigentlich
nur, wenn auch das bedeutendste, Vehikel des Wachstums. Wollen wir aber
vom Wachstum mehr haben als nur mehr Arbeit und Stress, sollten wir uns
also überlegen, welche Art von "Innovationen" uns wirklich zusagen
würden. Dauernd neue Verpackungen der selben Produkte dürften
wohl kaum dazu gehören.
Alle erfolgreichen Revolutionen der Vergangenheit waren partikularistische Revolutionen von Minderheiten, die ihre spezifischen Interessen über jene der Gemeinschaft stellen wollten. (Padanien wäre hier ein Modellbeispiel, ebenso die Trennung zwischen dem reichen Flandern und Armen Vallonien in Belgien. Dummerweise beruht eine grosse Zahl von regionalen Freiheitskämpfen auf dem selben Muster).
Wenn eine Revolution durch die Selbstaktivität und Selbstmobilisation ihrer Revolutionäre nicht eine neue Gesellschaft erzeugt, wenn sie im Prozess kein revolutionäres Selbst formt, wird die Revolution ein weiteres Mal an jenen vorbei gehen, die ihr Leben jeden Tag leben müssen und wird das Alltagsleben unberührt lassen. Aus der Revolution muss ein Selbst erwachsen, dass vom täglichen Leben vollen Besitz nimmt, nicht wiederum ein Alltagsleben das das Leben voll in Besitz nimmt. Die fortgeschrittenste Form des Klassenbewusstseins wird so zum Selbstbewusstsein - die Konkretisierung der grossen befreienden Universalien im täglichen Leben. ... Wie die Bewegung an der er teilnimmt, muss der Revolutionär versuchen die Bedingungen die er für die Gesellschaft erfüllt haben will, wiederzuspiegeln - zumindest in dem heute möglichen Masse.
Oft finden Menschen es intuitiv nicht mehr tolerierbar, sozialen, ökonomischen und kulturellen Bedingungen unterworfen zu sein, die, bloss eine Dekade zuvor, passiv noch akzeptiert wurden. (s. black liberation, women's liberation, youth liberation, children's liberation, gay liberation, arab liberation .... liberation from nuclear swindle ...
Das wird gesteigert durch die Irrationalität des kapitalistischen Systems selbst. Wenn doch elektronisch gesteuerte und automatische Maschinen die Arbeit auf ein Minimum (s. 20/80-Gesellschaft) reduzieren kann, dann gibt es für die Menschen nichts bösartigeres als ein Leben in Armut.
Mit dem Versuch, Knappheit, Mühsal, Armut und Unterwerfung gegen das wachsende Potential für Nachknappheit, Erholung, Fülle und Freiheit aufrecht zu erhalten, situiert sich der Kapitalismus immer stärker als überaus irrationale, ja in der Tat künstliche Gesellschaft der ganzen Geschichte.
Es ist wenig überraschend, dass Subkulturen sich entwickeln, die natürliche Ernährung betonen gegenüber der künstlichen der Gesellschaft, eine erweiterte Familie gegen die monogame, sexuelle Freiheit gegen Repression, Tribalismus statt Atomisierung, Gemeinschaft gegen Verstädterung, gegenseitige Hilfe gegen Wettbewerb, Kommunismus gegen Eigentum, und, zum Schluss, Anarchie gegen Hierarchie und Staat. Es ist ein Akt der Auflehnung gegen ein Leben in bürgerlichen Fesseln, die ersten Samen des utopischen Lebensstils sind gepflanzt. Verneinung wird zu Bejahung; Ablehung der Gegenwart zu Annahme der Zukunft, und dies noch in den verrottenden Gedärmen des Kapitalismus.
Der revolutionäre Prozess
Der revolutionäre Prozess lässt sich nicht vom revolutionären Ziel trennen. Eine
Gesellschaft die auf Selbstverwaltung baut muss durch Selbstverwaltung
verwirklicht werden. Dies erfordert das Schmieden des Selbst (ein
Schmieden durch den revolutionären Prozess) und eine Art der
Verwaltung die das Selbst ergreifen kann. Definieren wir Macht als die
Macht von Menschen über Menschen, kann Macht nur zerstört
werden durch den Prozess, in dem der Mensch die Macht über sein
eigenes Leben ergreift. und in dem er sich nicht bloss selbst
"entdeckt", sonder, was wichtiger ist, seine Selbstheit in all ihren
sozialen Dimensionen formuliert.
Die bürgerliche Statt, durch die ihr eigene Natur und Struktur,
fördert Zentralisation, Vermassung und Manipulation. Anorganisch,
gargantuesk (riesig), und organisiert wie eine Fabrik, verhindert die
Stadt die Entwicklung einer organischen (natürlich gewachsenen),
runden Gesellschaft.
Etwa sieben Prozent der amerikanischen Arbeitskräfte trägt
nichts bei zu einer produktiven Arbeit, also der Erhaltung oder
Verbesserung eines rationalen Verteilungssystems. Ihre Arbeit
beschränkt sich auf Unterstützung der Güterwirtschaft -
Akten, Rechnungen, Buchhaltung für den Profit und Verlust,
Verkaufsförderung, Werbung, Detailhandel, Finanz, Börse,
Staatsverwaltung, Militär- und Polizeiarbeit etc, ad nauseam (bis
zum Kotzen). Ein eben so hoher Anteil an den produzierten Gütern
und Dienstleistungen ist reiner Abfall, den Menschen in einer
vernünftigen Gesellschaft nie konsumieren würden. (was man
allerdings von Hamburgern auch mal behauptet hat, zumal für
Länder mit einem gewissen gastronomischen Anspruch wie Italien,
Frankreich und die Araber)
Er (der Mob) schüttelt die verinnerlichten Strukturen der Autorität, der lang kultivierten konditionierten Reflexe, und der Muster der Unterwerfung, gestützt durch Schuld die einen effizienter an das System bindet als jede Furcht vor Polizeigewalt oder juristischen Folgen. Im Gegensatz zur Anschauung der Sozialpsychologen die in der direkten Aktion die Unterwerfung des Individuums unter ein beängstigendes Kollektiv, genannt Mob, stehen Masseunruhen für die ersten tastenden Versuche der Menge in Richtung Individuation (Ausdruck persönlicher Wünsche gegenüber einer Uebermacht - im Schutze der Masse). Die Masse wird in dem Sinne "entmasst" als sie sich gegen automatische Reaktionen absichert, die durch die bourgeoise Familie, Schule und Massenmedien vorgeformt wurden. Im gleichen Zug wird die Strasse wieder entdeckt und Anstrenungen, sie zu befreien. Am Schluss ist es wirklich auf der Strasse, wo die Macht aufgelöst werden muss: denn auf der Strasse wird das Alltagsleben ausgehalten, erlitten und angenagt, und die Macht muss dort konfrontiert und bekämpft werden, muss in die Domäne, wo das tägliche Leben genossen, geschaffen und genährt wird, zurückkehren. Die aufständische Masse markiert den Beginn nicht nur einer spontanen Aenderung von einer privaten zu einer sozialen Revolte, aber auch die Rückkehr von der Abstrakten sozialen Revolte zu Angelegenheiten des täglichen Lebens. Zum Schluss sehen wir, wie in der Aufklärung, das Auftreten eines immensen und dauernd wachsenden Stratums von deklassierten, eine Sammlung von Individuen aus jedem Stratum, die ins Lumpenproletariat gefallen sind.
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Lumpenproletariat bei Marx: Zu diesem „Auswurf, Abfall, Abhub aller Klassen“ zählte Marx „Vagabunden, entlassene Soldaten, entlassene Zuchthaussträflinge, entlaufene Galeerensklaven, Gauner, Gaukler, Tagediebe, Taschendiebe, Taschenspieler, Spieler, Zuhälter, Bordellhalter, Lastträger, Literaten, Orgeldreher, Lumpensammler, Scherenschleifer, Kesselflicker, Bettler, kurz, die ganze unbestimmte, aufgelöste, hin- und hergeworfene Masse, die die Franzosen la bohème nennen“ (MEW 8, 160f). Im Kommunistischen Manifest beschrieben Marx/Engels die subproletarischen Gruppen als „passive Verfaulung der untersten Schichten der alten Gesellschaft“. Wenn sie auch in der von den Autoren erwarteten proletarische Revolution „stellenweise in die Bewegung hineingeschleudert“ werden würden, so würden sie doch ihrer ganzen Lebenslage nach „bereitwilliger sein, sich zu reaktionären Umtrieben erkaufen zu lassen“. |
Die chronisch verschuldete und sozial nicht gesicherte Mittelklasse unserer Zeit ist ein bisschen mit der chronisch insolventen und kapriziösen Nobelklasse des vorrevolutionären Frankreich. Viel Treibgut gebildeter Menschen, denen es nicht gelang "sich einzurichten", ohne Zugang zu einer Karriere, ohne tragfähige soziale Wurzeln, entstand damals wie heute. Am untersten Ende beider Strukturen finden wir eine grosse Zahl chronisch armer Vagabunden die von den Wellen der Wirtschaft hin und her geworfen werden, Menschen mit Teilzeitarbeit oder überhaupt keiner Arbeit, bedrohliche, nicht beherrschbare Sansculottes, die von öffentlicher Unterstützung leben und von dem, was die Gesellschaft wegwirft. (Die Tafeln lassen grüssen ...)
Die neuen Deklassierten des 20. JH werden geschaffen durch Bankrotte und alle sozialen Formen die auf Plackerei basieren. Der Revolutionär wird geschaffen durch den Zusammenbruch all der grossen bürgerlichen Universalwerte wie Eigentum, Klasse, Hierarchie, freies Unternehmertum, Arbeitsethik, Patriarchat, Kernfamilie etc., ad nauseam. Aus all diesem Abraum, beginnt das Selbst sein Selbst-Bewusstsein aufzubauen und der Wunsch seine Integrität wieder herzustellen. Wenn die ganze Struktur der Institution instabil wird, wenn jedem ein Sinn von Bestimmung fehlt, sei es in der Arbeit oder den sozialen Beziehungen, dann wird die Peripherie der Lumpen zum Zentrum und die Deklassierten beginnen die fortschrittlichsten Arten an sozialem und persönlichem Bewusstsein zu entwickeln. Aus diesem Grund kann Kunst nur dann Bedeutung haben, wenn sie "lumpenisiert" ist, d.h. aus dem Lumpenproletariat stammt. Der Lump wird charakterisiert durch seine Negativität als Reflexion der allgemeinen sozialen Probleme. Sein Bewusstsein gleicht dem eines Satyrs und sein Spott wird erworben durch die Distanz von der bourgeoisen Gesellschaft. Dieser Spott aber deutet auf die Selbsttranszendenz der repressiven Ideologien von Plackerei und Verzicht. Die Akte der Unordnung, die die Lumpen vollziehen, werden zum Kern einer neuen Ordnung und ihre Spontaneität zeigt die Mittel, wie diese verwirklicht werden kann.
Zum ersten Mal in der Geschichte treffen sich Objekt und Subjekt in
der revolutionären Verwandtschaftsgruppe - das
anarchisch-revolutionäre Kollektiv von Brüdern und
Schwestern. Theorie und Praxis werden vereint unter der gezielten
revolutionären Tat. (ein weiterer Ansatz zur Teleologie, diesmal
allerdings nicht beschworen, erkannt oder dergleichen, sondern
gewählt). Gedanken und Intuitionen können sich zu neuen
revolutionären Visionen verbinden. Bewusstes und Unbewusstes kann
in die revolutionäre Feier integriert werden. (Was bei Unbewusstem
vermutlich doch nicht so einfach ist, da einfach niemand was
darüber und davon weiss ...). Die Befreiung mag nicht
vollständig sein - für uns, am Ende - aber sie kann
totalistisch jede Facette des Lebens und der Erfahrung umfassen. Ihre
Erfüllung könnte unsere wildesten Visionen
überschreiten, aber wir können fortschreiten zu dem was wir
sehen und uns vorstellen. Unser Sein ist Werden, nicht Stasis
(unveränderlicher Bestand). Unsere Wissenschaft ist die Utopie,
unsere Realität ist der Eros, unser Wunsch ist die Revolution. [Ja
mei, poetisch diese Anarchisten ...]
Die Vielzahl der Arten in einem Oekosystem und ihre Variabilität mit den Umweltbedingungen ist das bestimmende Element der Stabilität eines Oekosystems. Je grösser die Varietät der Jäger und der Beute, um so stabiler die Population; je vielfältiger die Umgegung in Sachen Flora und Fauna, um so weniger besteht das Risiko ökologischer Instabilität. Stabilität ist eine Funktion von Variabilität und Diversität: Wird die Umwelt simplifiziert und die Vielfalt an Tieren und Pflanzen reduziert, nehmen die Bestandesschwankungen zu und können unkontrollierbar werden.
Bedingungen nachhaltiger landwirtschaftlicher Produktion
Eine wirklich ökologische Praxis der
Nahrungsmittelproduktion basiert auf der Annahme, dass der Bauer alle
Merkmale und Feinheiten des Geländes auf dem seine Pflanzen
wachsen. Er muss ein umfassendes Wissen haben der Physiographie
(Topologie, Wasser, Bodendurchlässigkeit, Sonnenbestrahlung
etcetc.), seiner Vielfalt an Böden - Ackerland, Waldland,
Weideland - Gehalt an Mineralien und organischen Stoffen und seiner
mikroklimatischen Bedingungen. Und er muss engagiert die Wirkung neu
eingebrachter Tiere und Pflanzen beobachten. Er muss sein Gefühl
für die Möglichkeiten des Bodens und dessen Bedürfnisse
entwickeln, womit er selbst organischer Teil der landwirtschaftlichen
Situation wird.
Vielfalt nutzen statt einebnen
Wie ein Mosaik lassen sich die organisch gegebenen
Energiemuster zusammensetzen aus dem Potential der Region. So
können sie die Bedürfnisse einer dezentralisierten
Gesellschaft in ihrer ganzen Breite erfüllen. In sonnigen Breiten
könnten wir uns mehr auf Sonnenergie verlassen als auf
Brennstoffe. In Gegenden mit einer turbulenten Atmosphäre
könnten wir uns mehr auf den Wind verlassen; und auf passenden
Küstenstreifen oder Inseln mit einen guten Netzwerk an
Flüssen käme der Hauptteil unserer Energie aus
hydroelektrischen Installationen. In allen Fällen würden wir
ein Mosaik aus nicht brennbaren, brennbaren und nuklearen Energien
nutzen.
Ein neuer Typ der Gemeinschaft, sorgfältig
angepasst an die charakteristischen Ressourcen der Region, muss die
ausufernden Stadtgürtel ersetzen. Die objektiven Gründe
für Dezentralisierung enden nicht mit Brennstoffen. Die
Gültigkeit der Dezentralisation kann für fast alle
logistischen Probleme unserer Zeit aufgezeigt werden. Insbesondere die
Verschmutzung wird durch eine exzessive Bevölkerungsdichte halt
ebenfalls exzessiv, was sich insbesondere in den Städten Chinas
zeigt.
Oekosysteme und Gesellschaftssysteme
Erlauben Sie mir noch einmal zu den
ökologischen Prinzipien der Ganzheit und Ausgeglichenheit als
Produkt der Vielfalt zurückzukommen. Den ersten Schritt zu einer
Antwort auf die Anwendung diesen Prinzips liefert Herbert Read's "The Philosophy of Anarchism." Fortschritt misst sich durch den Grad an Differenzierung innerhalb der Gesellschaft, also durch die erreichte Komplexität. Gehört das Individuum zu einer Einheit, zu einer korporativen
Masse, wird sein Leben beschränkt, langweilig und mechanisch. Ist
das Individuum selbst eine Einheit, mit Raum und Potential für
unabhängige Aktionen, dann ist es Unfällen und wechselhaften
Chancen stärker ausgesetzt, aber es kann sich entfalten und
ausdrücken. Es kann sich entwickeln - entwickeln im einzigen
wirklichen Sinn des Wortes - sich entwickeln im Bewusstsein seiner
Stärke, Vitalität und Freude. Unglücklicherweise ist
Read's Gedanke nicht voll entwickelt, bildet aber dennoch einen
interessanten Ausgangspunkt. Was uns zuerst anspringt ist, dass
Oekologen wie Anarchisten die Spontaneität betonen. Der Oekologe,
falls er mehr ist als Techniker, lehnt eine Herrschaft über die
Natur ab. Er spricht statt dessen von der Lenkung/Beeinflussung einer
ökologischen Situation, von Management, eher als von der
Neuschaffung eines Oekosystems.
Martin Herzog, Basel, 4.4.2011