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Die fundamentalistische Intransigenz (Unversöhnlichkeit, mangelnde Bereitschaft zu Konzessionen) des Kapitalismus:

Die Selbstüberschätzung der Kapitalmärkte (= Finanzmärkte)

1: Klaus Spremann, Pascal Gantenbein: Kapitalmärkte. Lucius & Lucius. UTB 2517. Stuttgart 2005
2: Andrew. M. Chisholm: An introduction to Capital Markets. Products, Strategies, Participants.  John Wiley & Sons, LTD. Chichester. 2002
3: Vontobel, Werner: Die heimlichen Spielregeln der Finanzmärkte: Vom unheimlichen Aufstieg der Banken und Versicherungen. Ueberreuter. Frankfurt/Wien. 2002.
4: R. E Bailey: The Economics of Financial Markets. Cambridge University Press 2004]

Es hat den Anschein, als ob auf einmal die Finanzwirtschaft das alleinige Sagen in den Unternehmen und in der Wirtschaft habe.

1, S. vii

Kapitalismus kann aus drei Gründen als Fundamentalismus betrieben werden:

  1. Er hat ein Ziel: Geheiligt sei Vater Kapital, Sohn Zins, heiliger Geist Profit.- und die Kirche des Shareholder Values.

  2. Der Markt hat immer recht

  3. Er ist elitär und bedient sich einer Sprache, die, wie damals Latein, nur von einer kleinen Elite gesprochen wird: Wir sprechen im Namen des Marktes.

    ( humoristische Einlage: s. die Antwort von Anderson Consulting auf die Frage: Warum überquerte das Huhn die Strasse?)

Nicht-Kapitalismus ist der grösste Feind: Russland, Kuba, die Sozialisten, die Linken ... Die grössten Kapitalisten, die am meisten Geld erübrigen können, haben sich im Paris Club, Group of 10 (G10) vereint, der sich 1962  agreed to lend money to the International Monetary Funds (IMF). Belgium, Canada, France, Italy, Japan, The Netherlands, Sweden, Germany, UK, USA.

Definition:

Finanzmärkte sind also Märkte oder marktnahe Organisationen für den Handel von Kapital. Der Handel mit Kapital bedeutet die Weitergabe von Finanzkontrakten:

Ein Anleger oder Kapitalgeber verkauft seine Rechte an einen anderen Anleger oder Kapitalgeber.

Handel ist eine Transaktion, bei der A von B die Güter Cs raubt, und zum Ausgleich B das Geld aus der Tasche von D stiehlt, das E gehört.

Ambros Bierce

Wie kam es dazu, dass der Westen diese Ordnungsform mit religiöser Inbrunst  verteidigt, obwohl seine Schwächen bereits vor 150 Jahren erkannt wurden?

Die wichtigste Grund liegt im massiven Kapitalbedarf moderner Wirtschaft (modern, denn obwohl wir seit über einem halben Jahrhundert in der Postmoderne leben, ist eine postmoderne, d.h. immaterielle, Wirtschaftsordnung noch nicht mal am fernsten Horizont sichtbar.

Enorme Geldbeträge müssen aufgebracht werden, bevor nur die Produktion eines Produktes beginnen kann. Die Entwicklung eines neuen Medikamentes kostet Merck, Novartis oder Pfitzer eine Milliarde Dollar. Das Einstudieren eines neuen Programms des Kanadischen Cirque du Soleil 170 Millionen Dollar. Creative Technologies, Anbieter von MP3-Spielen aus Singapur, muss erst 100 Millionen Dollar für Werbung ausgeben, um Absatzchancen in den USA zu schaffen.

Ohne Kapitalmärkte wären Investitionen diesen Ausmasses kaum möglich. Das Zusammenbringen einer ausreichenden Zahl an Investoren, die zu Überzeugen und vertraglich zu binden wären, bedingte einen enormen Aufwand an Zeit und Geld. (Transaktionkosten der Finanzierung).

No fixed capital can yield any revenue but by means of a circulating capital. The most useful machines and instruments of trade will produce nothing without the cirulating capital which affords the materials they are employed upon, and the maintenance of the workmen who employ them.

Adam Smith

Beim Kapital das auf Kapitalmärkten gehandelt wird, handelt es sich um Verträge. Fremdkapital-Kontrakte mit einer Laufzeit von weniger als einem Jahr werden am so genannten Geldmarkt gehandelt (Wertpapiere, Noten, Bills). Anleihen mit einer Laufzeit von mehr als einem Jahr werden am Kapitalmarkt (im engern Sinne) gehandelt. Sehr lange Laufzeiten (10 bis 15 Jahre) gibt es vor allem bei Staatsanleihen. Mittlere von ca. 5 Jahren sind bei Betrieben üblich. Vom Staat darf erwartet werden, dass er in 15 Jahren noch existiert und nicht bankrott ist, beim Betrieb will man da doch nicht über 5 Jahre hinaus gehen. Bei noch kürzeren Laufzeiten werden die Handelskosten für die Papiere entscheidend, ganz extrem gilt dies im Falle von Daytrading.

Die wichtigsten Vermittler sind meist eine Kombination aus Investment und Kommerzbank: Morgan Stanley, Goldman Sachs. Citybank, Deutsche Bank, Credit Suisse, JP Morgan Chase. Die Grenzen werden allerdings zunehmend fliessender in den modernen Finanzmärkten. Kommerzbanken nahmen traditionell Spargelder an und vergaben Kredite. Sie übernahmen das Kredit- oder Verlustrisiko, wozu sie die Kreditwürdigkeit der Entleiher sorgfältig prüften und das Risiko durch Portfolios milderten. Investmentbanken unterzeichneten neue Ausgaben von Securities (IPOs und dergleichen) und handelten mit Aktien und Obligationen auf dem Sekundärmarkt. Von einem Sekundärmarkt spricht man, wenn bereits im Markt vorhandene Papiere getauscht werden.

Dieser Sekundärmarkt (Handel von second hand Produkten statt Investition) ist weitaus grösser als der Primärmarkt und bindet, als Occasionshandel, eine Unmenge an Geld, das für reelle Investitionen fehlt. (s. Kritik Vontobel: Spielregeln der Finanzmärkte). Die Kritik wird damit abgetan, dass dieser Occasionshandel Liquidität erzeugt - und sich der Kapitalgeber so mit einer geringeren Rendite zufrieden geben und damit ein grösserer Teil an die Mitarbeiter weitergegeben oder zum Schutz der Umwelt verwendet werden kann. (S. 20). ... "Könnte" wäre vermutlich ehrlicher, denn, ehrlich, welcher Manager oder Vorstand gibt den Arbeitern schon was weil er kann .... wenn er nicht muss? Welcher Betrieb wendet Geld auf für Umweltschutz, wenn er nicht durch ein Gesetz dadurch verpflichtet wird? Ganz ohne wenn und aber - das Resultat der letzten 20 Jahre war, dass sich die Kapitaleigentümer immer grösseren Anteil am Mehrwert angeeignet haben - und nicht im Traum daran denken, davon was abzugeben:

Diese Graphik, publiziert von Tagesanzeiger4.6.07, S.33, zeigt präzise, was auf dem Aktienmarkt läuft: Wertsteigerung durch Aktienrückkäufe, Wachstum durch Uebernahmen, Uebernahmen durch Finanzjongleure (leveraged buyouts). Nicht die Bohne von Investitionen, Innovationen und all dem Bärenkokolores, der den Wirtschaftsgläubigen aufgebunden wird.

Der Unternehmer denkt:
  • Scheiss auf die Umwelt
  • Scheiss auf die Mitarbeiter
     
  • Scheiss auf den lokalen Konsum

Der Unternehmer sagt:
  • Staatliche Vorschriften verhindern Wachstum
  • Wir müssen den Sozialstaat an die heutigen Möglichkeiten anpassen. Die Anspruchshaltung *  ist nicht mehr tragbar. Wir müssen wieder lernen, mehr Eigenverantwortung zu tragen!
  • Wir stehen eh im globalen Wettbewerb, da exportieren wir halt dorthin, wo noch jemand Geld hat.

* Man darf dabei die Alternative, den Gegenpol nicht vergessen. Der wäre nämlich die Anspruchshaltung des Kapitals auf rücksichtslose Herrschaft eines kapitalbasierten Sozialdarwinismus. Dieser wurde 1968 zwar erkannt und korrigiert - was aber seither erfolgreich verdrängt wurde.

Im übrigen wird an Stelle der Anspruchshaltung auch gerne das Wort "Vollkaskomentalität" benutzt: Die Bürger würden lieber Sozialleistungen beziehen als zu arbeiten. Dieses ist noch amüsanter, wenn Sie sich bewusst machen, dass der grösste Teil der Börsenaktivitäten eben nichts anderem dient als der Versicherung des Kapitals gegen alle möglichen Risiken (s. Risikoscheu) - und insbesondere darin, lieber das Geld arbeiten zu lassen als sich selbst die Hände schmutzig zu machen. Renditen und Zinsen verdienen nicht viel mehr Ehrfurcht als Sozialleistungen, denn auch diese gehen zu Lasten anderer - zunehmend eben gerade zu Lasten der Arbeitslosen und Unterbezahlten - wie des Staates, der dennoch in dieser ungerechten Un-Ordnung für Ruhe sorgen soll..

Kapitaleigentümer leben von Kapitalerträgen - Arbeitnehmer haben keine Einkünfte ausser eben aus der Arbeit.

 Werden Stellen oder Löhne abgebaut, bedeutet das: Abbau von Existenzen.

Das sog. shareholder right darf also nicht das Augenmass verlieren:

Es gibt kein Recht auf Totschlag, also Existenzvernichtung, durch Anspruch auf Finanzerträge!

Wer mit dem Geld anderer arbeitet, sei es Fremdkapital (Schulden/dept) oder "Eigenkapital" (Aktien) der geht Verpflichtungen ein auf Rückzahlung, + Risikovergütung oder Erfolgsanteil. Wer sein Geld als Forderung verleiht, hat eine relativ hohe Sicherheit, es wieder zu erhalten sowie einen fixierten Zuschlag, meist Risikoprämie genannt. Diese Forderungen gelten unabhängig vom Geschäftsverlauf des Entleihers. Wer sein Geld als Beteiligung verleiht, hat weder die Sicherheit, sein Geld wieder zu sehen, noch eine feste Zusage auf jährliche Auszahlungen (Dividenden).

Ein populärer Irrtum:

Kredit kriegt nicht,
wer Geld braucht.

Kredit kriegt,
wer Geld vermehren kann.

 

Beteiligungen

equity = Eigenkapital

   

Forderungen

debt =
Fremdkapital

Wertpapiere, öffentlicher Handel, Märkte

Aktien

Anleihen

   

Hybride, Mezzanine

 
Privates Kapital, bilaterale Verträge, keine Fungibilität

private equity

   

Bankkredit, Darlehen

Wer Angst hat, Geld zu verlieren, kann niemals Unternehmer werden. Es wäre dasselbe wie ein Pilot, der Angst vor schlechtem Wetter hat.

Peter de Savary

Die Nachfrage nach Kapital steigt bei guter wirtschaftlicher Entwicklung, also Wachstum. Hier spielt vor allem die Demographie eine Rolle, also die Bevölkerungsentwicklung und der Konsumbedarf. Wird die Zukunft trübe eingeschätzt, so wird gespart und die Realwirtschaft leidet an Überkapazitäten und kann finanziell keine Innovationen realisieren, leidet zudem an Risikoaversion, womit die trüben Zeiten dann eben kommen. In dem Zustand wird man dann auch auf die Schulden des Staates aufmerksam (gemacht), der beginnt auch noch zu sparen, und die trüben Zeiten verdichten sich zur Misere. s. auch Wachstum - Wachstumsgesetze

Obige Tabelle sollte auch helfen, ein Missverständnis betr. Schulden zu klären. Schulden sind nicht der Untergang oder gar der Teufel, denn des einen Schulden sind des andern Rente. Auch unsere "armen Alten" hätten nichts zu beissen, könnten sie nicht zum Teil zumindest von den Zinsen/Renten ihres Kapitals leben. Natürlich sind Schulden lästig, aber Kapitalmangel auch. Die Überschwängliche Begeisterung für Beteiligungskapital (equity) gegenüber Fremdkapital (Schulden) wie sie insbesondere bei den Freiwirten zu finden ist, ist nicht berechtigt, denn auch Beteiligungen haben, nebst Vorteilen, auch ihre Tücken.

Zentral für das Verständnis der Finanzmärkte ist deren Orientierung und Ausgleichsmechanismus: Werte basieren auf ERWARTUNGEN (also eigentlich immer einem Blick in die Glaskugel - was erklärt, warum Aktienkurse oft fallen obwohl eigentlich gute Resultate erzeugt wurden: einfach weil die Resultate weniger gut waren als erwartet, als das, wofür der Preis bereits bezahlt wurde.) - Preisdifferenzen zwischen gleichwertigen Angeboten mit unterschiedlichen Preisen werden gnadenlos ausgenutzt, bis der Wert "stimmt" (> arbitrage), also Markteffizienz herrscht.

Andererseits sind die kurzfristigen und oft irrationalen Forderungen der Shareholder oft auch für das Management und die Gründer einer Firma eine Zumutung. Man will kurzfristig und immer mehr Wertzuwachs - die mittel- und langfristige Planung bleibt auf der Strecke. Der Eigentümer, der sich Kapital am Aktienmarkt beschaffen will, muss sich also im Klaren sein, dass er zukünftig auch als Impressario im Börsentheater erfolgreich spielen muss, da schon manch gute Firma an unangemessenen Erwartungen und Reaktionen der Aktionärsherde zugrunde ging.

Das heisst nun allerdings auch wieder nicht, dass eine Bank(Schuld-)finanzierung verlässlicher wäre. Firmen wechseln von Beteiligungen auf Schulden, wenn der relative Steuervorteil zu Gunsten von Schulden spricht. Unter solchen Umständen können die Firmen ihr Schulden erhöhen - und gleichzeitig die Kapitalkosten minimieren. Rein finanzwirtschaftlich spielt es zudem für den Betrieb keine Rolle, ob er sich Geld über Eigenkapital (Aktien) oder Kredit (Schulden) verschafft, besagt das Modigliani-Miller Theorem.

Auch Banken richten aber oft recht unbedacht erfolgreiche Firmen zu Grunde.  Im Falle der M+S wurde von einer Bank sogar ein Kredit verweigert, der tiefer war als die Schulden dieser Bank bei der Firma. Auch hier ein Beleg dafür, dass Banken weitaus eher als Mächte, undemokratische Mächte, denn als Marktpartner zu betrachten sind.

 

Die historische Entwicklung der Finanzmärkte

Money speaks a language all nations understand.

Aphra Behn

Wir können 3 Phasen der Entwicklung der Finanzmärkte unterscheiden:

  1. Geld ist das Schmiermittel für den Gütertausch. Die Finanzmärkte unterstützen die Realwirtschaft. Das galt bis vor ca. 50 Jahren. Der Ursprung liegt im mittelalterlichen Städtebau (Italien) und Fernhandel (Fugger z.B). Einen enormen Schub erhielt die Kreditfinanzierung im 19 JH, der Gründerzeit, als riesige Geldbeträge notwendig wurden zur Erstellung der Infrastruktur des nun liberalisierten Handels: Eisenbahnen, Elektrizität, Industrie, Chemie, Maschinenbau. Dadurch fand die Aktiengesellschaft weite Verbreitung.

    Geschichte und Herkunft der Bezeichnung Börse:

    Die Bezeichnung Börse stammt bereits aus dem Mittealter. Das Patriziergeschlecht van der Buerse betrieb vom Ende des 13. bis Ende des 15. JH. die Herberge zur Börse in Brügge. Am selben Platz, der ebenfalls zur Börse genannt wurde, befanden sich die Konsulate von Venedig, Genua und Florenz (damals noch Stadtstaaten). Fremde Kaufleute trafen sich also entweder in der Herberge oder in den Konsulaten, um ihre Geschäfte abzuwickeln. 1453 erscheint zum ersten Mal der Ausdruck Börsenkaufmann. Gehandelt wurden Wechsel, eine italienische Besonderheit. Als die Händler von Brügge nach Antwerpen umsiedelten, eröffneten sie auch dort ein Haus unter dem Namen Börse, nun in einem eigens dafür eingerichteten Gebäude, in dem Wechselgeschäfte betrieben wurden.

    Wechsel, Wechselbrief:

    Der Umtausch von Münzen oder Warengeld (Metalle oder andere Wertträger) gehörte bereits in der altorientalischen und römischen Welt zum kaufmännischen Alltag. Der Handel erfolgte damals zumeist in den Tempelbanken, ein Zustand, der vor Jesus niemand gestört zu haben scheint.

    Bankenmässige Dienstleistungen wurden vor dem 12. JH in Genua; im 13. in Lucca, Venedig, Barcelona, Lille; im 14. in Brügge, Strassburg, Lüttich und Konstantinopel angeboten. Es handelte sich meist um Depositen- und Kreditgeschäfte mit lokalen Kaufleuten, Maklern, Handwerkern. In deren Auftrag wurden auch bargeldlose Zahlungen mit Hilfe von Gut- und Lastschriften, eben Wechseln, durchgeführt. Häufig war dieser Handel nur lokal, da die Geldtransfers nur mündlich durch die Kontoinhaber oder deren Vertreter angeordnet werden konnten. Es entstand aber auch ein Netzwerk international agierender Händler mit Niederlassungen im Oberdeutschen und Rheinischen Raum:12. JH Augsburg; 13. JH Nürnberg, Nördlingen; 14. JH Regensburg, Basel, Strassburg, Köln u.a.; 15. JH Wien, Breslau, Krakau.

    Wechselbriefe kamen in Genua während der kommerziellen Revolution des 12./13. JH auf. Ihre Vorläufer sind notariell beglaubigte, formelle Zahlungsverpflichtungen, die zur Vermeidung riskanter Geldtransporte anlässlich von Messen (Champagnermessen) erstellt wurden, wie die lettres de foire.  Informelle Wechselbriefe dienten nur Transaktionen innerhalb der Firma. Sie sicherten die Liquidität an verschiedenen Standorten derselben. Erst seit dem 14. JH. werden sie auch ausserhalb des eigenen Hauses verwendet. Nach Le Goff hatten Wechselbriefe vor allem 4 Funktionen:

    1. sicheres Überweisungsmittel für Geld
    2. Zahlungsmittel im Handel
    3. Kredit
    4. Ausnutzung von Kursdifferenzen an verschiedenen Orten (Devisenhandel)

    Bedeutung der Wechsel bei Warenkreditgeschäften:

    Exporteur E in Stadt A liefert Waren an Importeur I in Stadt B - und zieht einen Wechsel auf letzteren, der den anweist, den geschuldeten Betrag nach festgelegter Zeit an einen Dritten, den Begünstigten (Präsentant) P zu überweisen. Den Wechsel verkauft E an einen Partner vor Ort (R: Remitent), der ihm damit einen Kredit gewährt und indirekt den Warenverkauf an I finanziert. Auf diese Weise blieb E die Liquidität für weitere Geschäfte erhalten und er musste nicht erst auf den Eingang der Zahlungen warten.

    Der Käufer des Wechsels sandte diesen an P, der R den Betrag gutschrieb oder Schulden damit tilgte. P präsentiert den Wechsel bei Ablauf dem Bezogenen I.

    Eine weitere bargeldlose Zahlungsmöglichkeit waren ab Mitte des 15. JH die sog. fede di credito, Quittungen über Einzahlungen bei den Banken Siziliens und Neapels, die übertragen werden konnten.

    Aussteller und Wechselnehmer verständigten sich allerdings auch oft über einen über der Münzparität liegenden Kurs (bei Währungswechsel), womit sie das Zins- und Wucherverbot umgingen. Einige Historiker und Wirtschaftsfachleute sehen darin die eigentliche Bedeutung der Wechsel. Es gab auch sog. Trockenwechsel, denen kein Geldtransfer zugrunde lag, sondern bei Vorlegen des Wechsels ein Rückwechsel ausgestellt wurde. Es handelt sich also um eine Kreditgewährung. Die Zuschläge, als Entlohnung für die bereit gestellte Liquidität, beliefen sich auf 12 bis 14%. Von Wucher wurde in dem Falle nur gesprochen, wenn die jeweiligen Wechselkurse (Risikoanteile) bereits vor der Gewährung des ersten Darlehens von den Beteiligten festgesetzt wurden, also das Marktrisiko umgangen wurde.

    Der Ansatz ist interessant, als gerade bei der Diskussion um den Shareholder Value die Idee hochkam, der Geldgeber sei auf jeden Fall durch ein markübliches Entgelt zu entschädigen und erst der Beitrag der über die Entschädigung für Risiko hinaus gehe, die sog. Überrendite, entspreche dem. Der Shareholder Value hat also, ganz ohne auf Geld und Zinsen zurückgreifen zu müssen, den Wucher salonfähig gemacht.

    Der erste Handel mit Finanzkontrakten fand 1698 in London statt, durch John Castaing. Der erste grosse Börsenkrach geschah 1720 in London, als die Spekulationsblase der South Sea Company platzte. Ein weiterer grosser 1845 mit der Eisenbahn. Der organisierte Handel begann in London um 1801. Die ersten Warenterminhandel hatte allerdings schon 1570 stattgefunden, ebenfalls in London, an der Royal Exchange. Die erste öffentliche Anleihe der USA wurde 1790 aufgelegt, als die Regierung 80 Millionen $ zur Refinanzierung des Revolutionskrieges benötigte. (Dass die USA Kriege auf Kredit führen, ist offenbar nicht erst seit Irak der Fall).

    1. Börsengeschichte aus deutscher Perspektive
    2. Die grossen Krisen
    3. Chicago Board of Trade, history
    4. Abschaffung von Bretton Woods, Goldstandard > Zunahme der Unsicherheit, Währungsrisiken und Zinsänderungsrisiken - die heute mit Futures an der Börse abgesichert werden können, aber dabei natürlich beträchtliche Geldmengen binden.
    5. In der Schweiz gibt es seit 1663 börsenähnliche Gebilde wie das Sensale, eine Vereinigung von Geschäftsmitgliedern. Moderne Börsen entstanden 1850 in Genf, 1873 in Zürich und 1876 in Basel. Seit 1996 wird auch in der Schweiz elektronisch gehandelt.
  2. Banken und Spezialisten wollen im Finanzmarkt Geld verdienen, Gewinne machen. Die Realwirtschaft hinter den Papieren interessiert sie nicht. Manager realer Firmen müssen diese schrittweise und langsam entwickeln, der Finanzmarkt verarbeitet Informationen enorm viel schneller und verlangt eine Reaktion fast in Sekundenschnelle. Finanzmärkte und Realwirtschaft trennen sich. Daraus ergibt sich aber auch ganz klar, wie unrealistisch viele Forderungen der Finanzmärkte sind (Ebners 17% Rendite als Musterbeispiel): Sie haben mit der reellen Welt nichts mehr zu tun - aber dummerweise einen recht zerstörerischen Einfluss auf die Abläufe in den realen Märkten, indem sie das Entwicklungstempo masslos übertreiben
  3. Man muss an der Börse nicht mehr wissen als die andern Teilnehmer. Es reicht zu wissen, was die andern wissen, d.h. sogar, was die andern denken zu wissen - um ihre Reaktion vorherzusagen. Damit werden Gewinne gemacht ...
    In der dritten Phase ist die Finanzwirtschaft hoch entwickelt. Junge Banker und Versicherungsfachleute möchten eigentlich nur noch in der Branche arbeiten, da hier alle wichtigen Entscheide getroffen werden. Die Realwirtschaft versucht, sich an Signalen zu orientieren, die von den Finanzmärkten ausgehen. Massenpsychologie dürfte aber mehr zum Verständnis der Kursentwicklungen beitragen als betriebswirtschaftliches Wissen. Zur Zeit, nach dem Wüten von Katrina, sind z.B. die Preise vieler Versicherungsaktien abgestürzt - weil die Anleger offenbar vergessen haben, dass Versicherungen eigentlich dazu da sind, Geld für Schadensfälle anzuhäufen, nicht zur Verteilung an die Aktionäre. Potentielle Risiken sind wohl nirgends so gut geschätzt, wie in der Versicherungsindustrie, also im Preis der Aktie enthalten. Folge: Durch Überreaktion von Pfeifen kommen die Fachleute günstig an Aktien.

Der Börsenhandel hat durch die Computerisierung enorm an Umfang und Geschwindigkeit zugenommen.1960 mussten in New York täglich zwischen 10 und 12 Millionen Aktien die gehandelt wurden als Papiere von hunderten von Trägern zwischen den Auktionshäusern hin und her getragen werden. Der Handel musste deswegen täglich verkürzt, und am Mittwoch ganz eingestellt werden. Zur Lösung dieser Probleme wurde eine zentrale Wertschriftensammelstelle eingerichtet: 1968 Euroclear Brüssel, 1970 CEDEL in Luxemburg und die SEGA (Schweizer Effekten Giro AG) in Zürich und 1973 DTC (Depository Trust Company)  in London. Diese Clearingstellen hatten folgende Aufgaben:

  1. Abwicklung der Transaktion (settlement)

  2. Aufbewahrung von Wertschriften (custody)

  3. Ausleihe von Wertschriften (securities, lending)

  4. Zahlungsverkehr

Zudem wurden die Transaktionen zusammengefasst und nur noch die Saldi ausgeglichen. Als Intermediäre dienen hier noch zusätzlich die NSCC (National Securities Clearing Corporation), die seit 1999 mit der DTC unter dem Dach der DTCC (Depository Trust & Clearing Corporation) zusammengefasst ist.

1997 Xetra, Frankfurt, Übergang von Papier zu vollelektronischem Handel.

Das jährliche Handelsvolumen an der New Yorker Börse, dem "Big Board", schnellte von 11 400 Millionen Aktien 1980 auf 169 000 Millionen Aktien 1998 empor. Das Handelsvolumen beträgt im Durchschnitt etwa 45 Milliarden USD pro Tag. Den höchsten Tagesumsatz ihrer Geschichte erzielte die NYSE am 24. Juli 2002 mit 2,8 Milliarden gehandelter Aktien
 

Die Funktionen der Finanzmärkte

  1. Clearing and settling payments: Feststellen, wer wem wieviel schuldet - und Schulden begleichen.

  2. Pooling ressources and subdividing shares: Mehrere Investoren zusammenbringen - und eine Einigung über die Verteilung der Erträge erzielen.

  3. Ressourcen über Zeit und Raum entwickeln und transportieren: Das Grundprinzip des Kapitalismus ist ja, Erträge nicht gleich zu verzehren, sondern zu sparen, zu re-investieren - um weitere und höhere Erträge zu generieren, um den Wert der Investition zu steigern. Hier entsteht der unhaltbare, da nicht nachhaltige Wachstumszwang. Hier entsteht auch das Problem mit der Erbschaft, insbesondere der Erbschaftssteuer, deren Abwesenheit feudalistische Plutokratien ermöglicht.

  4. Risiken managen: Pooling, hedging #, Diversifikation (Portfolios) etc.

    Portfolios dienen der Reduktion einseitiger Risiken nach dem Motto: Don't put all eggs in one basket! Im Judentum wurde offenbar schon vor 2000 Jahren vorgeschlagen, ein Mann solle seinen Reichtum in drei gleich grosse Teile zerlegen.

    1. Ein Teil wird liquide angelegt (Staatsanleihen).

    2. Der zweite Teil in Immobilien und

    3. der dritte in Geschäften (Aktien).

    Mathematisch berechenbar gemacht wurde die Analyse durch Markowitz und Tobin

  5. Information bereitsstellen: Handel liefert Informationen, zu welchem Preis Werte abgegeben werden / beschafft werden können. Dies ist die zentrale Funktion von Märkten, für die in der Planwirtschaft kein brauchbarer Ersatz vorhanden ist.

  6. Brauchbare Anreizsysteme entwickeln - also z.B. dazu, dass Manager wirklich die Interessen der Anleger vertreten. 

Probleme der Preisbildung auf Grund von Erwartungen:

Die Information über den "richtigen" Preis (nicht den gerechten ...) ist DIE Kernfunktion des Marktes. Am Markt wird verhandelt zwischen einer Vielzahl (im Idealfall) von Anbietern und potentiellen Käufern, die sich über den angemessenen Preis einigen. Auf Grund dieser Preise wird entschieden, ob ein Angebot sich ausweiten lässt oder ein Auslaufmodell ist.

Preise haben immer ein doppeltes Gesicht, ein Janusgesicht. Sie sind einerseits Kosten - andererseits (meist für jemand anders) aber Erlöse.

Preise sind unzuverlässig, wo sie auf Erwartungen, also eine <prognostische Sicht der Zukunft> (= Spekulation) basieren. Dazu kommt, dass Preise immer von Angebot und Nachfrage abhängen, gerade an der Börse aber, die Nachfrage sehr stark von der Meinung der Meute abhängt, also Massenpsychologie eine entscheidende Rolle spielt. Aktien werden nicht danach ausgewählt, was einem persönlich am meisten zusagt, sondern danach, von welcher Aktie man erwartet, dass sie von vielen als versprechend beurteilt und gekauft wird - denn nur dann steigt ihr Preis!

Bekannte Anomalien:

  • Der Januar-Effekt (Jahresende): Aktien kleiner Firmen steigen vor allem in der ersten Hälfte des Januar.
  • Der September-Effekt: Eine Aktie die Ende August verkauft und Anfang September wieder gekauft wird hätte seit 1890 das Vierfache erzielt im Vergleich zu Aktien die das ganze Jahr gehalten worden wären.
  • Woche-des-Monats-Effekt: Ueberdurchschnittliche Renditen werden vor allem in den ersten zwei Wochen des Monats erzielt.
  • Monday blues (blauer Montags)-Effekt: An Montagen werden überdurchschnittlich viele negative Ergebnisse erzielt.
  • Tageszeiteffekt: Am Montag Morgen sind die Erträge unterdurchschnittlich während der ersten 45 Minuten - dann aber überdurchschnittlich während der selben Zeit für den Rest der Woche.
  • Der Wettereffekt: Aktienkurse korrellieren positiv mit schönem Wetter
  • Small-Firm-Effekt: Kleine Firmen scheinen höhere Gewinne zu erzeugen als durch die Modelle vorhergesagt (CAPM). Der Effekt verschwand allerdings, sobald der bekannt wurde.
Edmans, Garcia und Norli zeigten, dass die Aktienkurse nach einem verlorenen Fussballspiel bei den Verlierernationen um 0.38% fallen. Das wären bereits in der Schweiz Buchverluste im Umfang mehrerer Milliarden. Der Grund ist allerdings kein reeller wirtschaftsbezogener, sondern die Stimmung der Akteure. Nach einer Niederlage sehen sie die Zukunft düster, und bewerten auch die Aktien entsprechend. Das ist die "Weisheit" der Börse.

Das Waadtländer Versicherungsgericht hat dennoch die CS gebüsst, weil sie ein Finanzinstrument mit dem ev. Sieg der Schweizer an der WM verband, weil dies eine verbotene Wette sei.

Nun fragt es sich aber doch irgendwie, warum man nur das Wetten auf den erwiesenen Effekt von Fussballspielen verbieten soll, nicht aber dasjenige auf das Resultat von Kriegen, insbesondere Wirtschaftskriegen? Die Leistung der Börse beruht ja praktisch auf nichts als Wetten darüber, wer die zukünftige Entwicklung der Wirtschaft besser einschätzt:

  • Der Einfluss des Wetters auf den Preis von Kaffee, Kakao oder Orangensaft
  • der Einfluss des US-Handelsdefizits (oder eines weiteren Krieges ...) auf den Dollar (geht er runter mit dem steigenden Handelsdefizit - oder geht er rauf, weil Anleger in Krisenzeiten lieber Dollars als Aktien halten? 

... das sind alles nur Spekulationen auf Grund unvollständiger Informationen - die so dem Risikoausgleich eben so dienen - wie sie als Lotterie benutzt werden können.

Hohe Volatilität heisst also nichts anderes als äusserst unsichere Vorhersagen, mit grosser Streuung, was bei den Glücklichen zu grossen Gewinnen, bei den schlechten Schätzern zu eben so grossen Verlusten führt.

Das ist die "Leistung" der Börse.

Die wichtigsten Produkte der Finanzmärkte

  1. Equity- (Eigenkapital), stock- (Aktien)-markets: Der Sekundärmarkt der Firmenanteile

  2. Bond markets (Obligationen): langfristige Verpflichtungen. Bonds (Schuldverschreibung, Obligationen) sind langfristige Anlagen wie sie  von Regierungen, Verwaltungen, Finanzinstitutionen und Firmen herausgegeben werden um an Schuld-kapital zu kommen. Es handelt sich meist um normale (plain vanilla) Obligationen mit festem Zins, Coupons zu fixen Terminen und bestimmtem Ablaufdatum, an dem sie zum Nennwert zurückgekauft werden.

  3. Money markets / Geldmärkte: Diese erleichtern den Handel mit Tages- und Termingeld, kurzfristigen Anlagen wie etwa Staatsanleihen, die Verpfändung von Wertpapieren zur Erhaltung der Liquidität.

  4. Commodity markets (Rohstoffmärkte): Gerade diese führen in jüngster Zeit (Sommer 08) zu erheblichen Verwerfungen, Problemen, ja Krisen, da, angeleitet von den Erdölpreisen die zukünftige Knappheit auch bei Mais, Weizen, Soya und andern Landwirtschaftsgütern zu massiven Preissteigerungen geführt hat, was die Versorgung notleidender Regionen mit Nahrungsmitteln noch problematischer macht. s. Warum sind Rohstoffpreise so tief? (2003) - und heute (2008) so hoch?

  5. Physical assets markets / Immobilien: Da Boden nicht vermehrbar ist und Hauspreise mit der Wirtschaftsleistung des Standorts (der verkehrsmässig leicht erreichbaren Region) steigen, wurden diese lange als sichere Investition angesehen. Allerdings hat die Verbriefung der Hypothekarschulden dazu geführt, dass Kredite wie Weggli verkauft wurden ... und nicht mehr eingetrieben werden konnten (s. Hypothekarkrise). Zusätzlich dürfte es auch daran liegen, dass die breite Schicht der Hausbesitzer und besonders der Möchtegern- Hausbesitzer, seit 15 Jahren keine Lohnerhöhung mehr erhält, und durch die extrem steigenden Kosten der Energieversorgung sehr rasch an den Rand der finanziellen Leistungsfähigkeit geriet.

  6. Foreign Exchange: Im Jahr 2000 überstieg das tägliche Handelsvolumen an Devisen zum ersten Mal 1.5 Billionen Dollar. 1/3 davon wurde von den Giganten JP Morgan Chase, Citigroup und Deutsche Bank gehandelt. Einiges davon ist rein spekulativ, ein gewichtiger Teil dient aber der Absicherung von Währungsrisiken über hedging. Gehandelt werden vor allem Dollar, Euro, Schweizer Franken, Yen und Pound Sterling.
    Eurocurrency:
    Hat mit dem Euro nichts zu tun, sondern bezeichnet jede Währung die ausserhalb ihres "Hausmarktes" gehandelt wird. Ein Dollar der in England gehandelt wird ist genau so ein Eurodollar wie ein Euro der in den USA gehandelt wird. Diese Märkte entstanden vor allem 1950-60, als alternative Anlegemöglichkeit für die Arabischen Ölmilliarden, die schon damals nicht alles Geld in den USA haben wollten. Die wichtigsten Händler sind Barclays, Schweizer und Deutsche Banken.

  7. Derivative: Zwei Hauptgruppen

    1. Optionen: Kaufen <> verkaufen: Long <> short = call <> put = kaufen <> verkaufen - in der Zukunft.

    2. forward/futures: Kaufpreis, Verkaufspreis bereits festlegen vor Abschluss des Vertrages

    Die Sache ist allerdings kompliziert, da auch Derivative auf Derivative ausgestellt werden können. Diese Dinger haben also einen Wert an sich - der gehandelt werden kann. Is ja logisch: Wenn Sie z.B. heute ein Anrecht darauf besässen, 1000 Tonnen Mais zum Preis von 2007 zu kaufen, wäre das Geld wert. Futures erlauben, wie generell die Börse, Preise bereits frühzeitig zu schätzen. Wäre da nicht der Effekt der Massenpsychose, würde es sich um die <Weisheit der Vielen> handeln ....

Market view Possible strategy
Rising interest rates
  • short (sell) bonds or money market paper
  • sell treasury bill or bond futures
  • buy forward rate agreement (FRA)
  • sell interest rate futures
  • pay fixed, receive floating on a Swap
  • buy caplets (calls on FRAs) or caps
  • buy exchange-traded interest rate puts
  • sell floorlets (puts on FRAs) or floors
  • sell exchange-traded interest rate calls
  • sell receiver swaption
Falling interest rates
  • buy bonds or money market paper
  • buy treasury bill or bond futures
  • sell forward rate agreement
  • buy interest rate futures
  • pay floating , receive fixed on a swap
  • buy floorlets (puts on FRA) or floors
  • buy exchange-traded interest rate calls
  • sell caplets (calls on FRAs) or caps
  • sell exchange-traded interest rate puts
  • buy receiver swaption
  • sell payer swaption

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Hedging dient dem Schutz gegen fallende, steigende, gleich bleibende Preise, Zinsen (s. Beispiel rechts), Volatilität, zur Absicherung der Wechselkurse - oder zu dem, was im boomenden Kapitalmarkt immer mehr zum Selbstzweck wird: Geld verdienen mit professioneller Spekulation. Der Vorteil von Hedges bei Aktien liegt darin, dass man die Aktien, auch wenn riskant, nicht abstossen muss, wobei Steuern fällig würden, sondern sie im Wert absichern kann .

Eine Call-Option (long) ist das Recht, das Unterliegende (Aktie, Geld, Zinssatz, whatsoever ..) zu kaufen, eine Put-Option (short) ist das Recht, diese zu verkaufen - ohne Verpflichtung.  Es wird also nur eine Prämie bezahlt. Eine Europäische Option kann erst beim Zeitpunkt des Ablaufs ausgeübt werden, eine Amerikanische Option auch schon davor. Der Verkauf dieser Optionen ist riskant, da sich das Risiko des Käüfers auf den Verlust der bezahlten Prämie beschränkt, dasjenige des Verkäufers jedoch nicht beschränkt ist. Wer also z.B. Dollars 2006 short für Fr. 1.10 anbietet, in Erwartung dass dieser noch tiefer als 1.10 fällt, muss die angebotene Menge liefern, auch wenn der Dollar dann 1.50 kostet. Der bisher katastrophalste Fall bisher war die Barings Bank, eine renommierte, alteingesessene Institution, der ältesten Handelsbank Grossbritanniens, die bereits den Krieg gegen Napoleon finanziert hatte, aber von Nick Leeson in den Ruin getrieben wurde, da er 1.4 Milliarden $ verspielt hatte, als er auf einen steigenden Nikkei 225 setzte, der aber im Gefolge des Erdbebens von Kobe abstürzte.

Ein vernünftig handelnder Anbieter sollte also die angebotene Ware haben, zu einem günstigen Preis beschafft, und sie loswerden wollen. Spekuliert er darauf, dass er sie zum Zeitpunkt der Nachfrage günstiger einkaufen kann als der gebotene short-Kurs, kann er massiv auf die Nase fallen, da seine Verluste enorm sein können. Bei long wird der Optionsnehmer eh nur Zuschlagen, wenn der Marktkurs bei Optionseinlösung höher ist als der in der Option festgelegte Kurs. Dem Anbieter können dabei beträchtliche Gewinne entgehen. 

Hedges sind also eine Art Versicherung, wie die meisten Derivative (Terminkontrakte, deren Preis von einem Basiswert (underlying) abgeleitet ist. Man sagt, es hänge von der richtigen Nase ab. Im Zeitalter der Computer: Vom richtigen Computermodell. Hier zeigt die Hypothese der Markteffizienz, insbesondere die Aussage, dass sich die Kursentwicklung von Experten nicht besser abschätzen lässt als von Laien, bereits Wirkung - allerdings nicht was Laien betrifft. Wenn sich aber beide Experten, der Verkäufer und der Käufer eines hedges wirklich Mühe geben, die Entwicklung des zugrunde liegenden Wertes, sei es Aktie, Devisenkurs oder Zins, möglichst gut abzuschätzen, dann ist es nur noch Zufall, welcher gewinnt, womit auch die Gesamtrendite dieses Geschäftszweigs, die Summe aus Gewinnen und Verlusten, gegen Null geht.

Warum also werden sie trotzdem angeboten? Die Bank für internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) schätzt, dass ein Volumen an 250 Billionen $ (12 Nullen, nicht US-billions) an solchen Produkten im Umlauf sind. Während einige, wie speziell die Freiwirte, hier immer den Untergang der Welt vor sich sehen, vergessen sie, dass dem vielleicht schon so ist, aber anders rum als sie denken. Mit dem Geld versichern sich diejenigen die Geld haben, dass das Geld bei ihnen bleibt. Mit dem Geld, dass Sie für ein strukturiertes Produkt (Kombination von Derivativen, Aktien und Obligationen) ausgeben, kaufen sich die Leute das "underlying", die dafür nötigen Wertpapiere, und bewirtschaften sie so, dass sie a) Ihnen das erwünschte Resultat garantieren können, b) etwas mehr dabei heraus holen, dass sie sich dann in die eigene Tasche stecken können.

Das ist aber nicht alles. Wie's funktioniert hat sich deutlich am Hedge Fund Amarant gezeigt (bereits bankrott). Die Fondsmanager argumentieren, sachlich eigentlich richtig, dass die Spekulationen mit ihren Tools ein Nullsummenspiel seien. ... Vergessen wird dabei, dass Finanzinvestoren gewaltige Imperien aufbauen und durch "Besitzen" auch Einfluss auf diese Geschäfte ausüben können. Brian Hunter, ein ehemaliger Enron-Händler, baute für Amarant eine derart dominante Stellung im Erdgasmarkt der USA auf, dass er die Preise nach Belieben selbst bestimmen konnte. Zwischen Frühling und Sommer 2006 kontrollierte er zwischen 30 und 50& der Ergaskontrakte in den USA. Zudem werden 75% dieser Energiekontrakte werden an nicht transparenten Börsen gehandelt. Die Aufsicht darüber musste auf Antrag der ehemaligen Enron eingestellt werden. Die "Gewinne" wurden so nicht von den Mitspekulanten bezahlt, sondern von den Abnehmern des Erdgases, den Haushalten. Die Finanzmärkte spielen also nicht bloss mit dem eigenen Geld, sondern auch mit dem von Leuten die sich solche Spiele eigentlich nicht leisten können.

Die wichtigsten Kategorien strukturierter Produkte sind:

Motive um am Finanzmarkt zu agieren:

Motive um in forward and futures zu investieren:

  • Seltsames, wenn nicht gar Absurdes, zu Investitionen in Teak-Plantagen

    In diesem Zusammenhang ist die Entwicklung am Falle von Prime Forestry unbedingt im Auge zu behalten. Prime Forestry hat nicht zuviel versprochen, sondern realistische Angaben gemacht, die allerdings mit Risiken verbunden sind, wie alles was mit Natur zu tun hat (Brand, Käfer, Klima, Krieg ...). Deshalb wurde der Konkurs verhängt, weil die Anleger keine Rückzahlungsgarantie hatten. Präziser: Die EBK erachtet die erfolgten Baumkäufe als bewilligungspflichtiges Finanzprodukt, Prime Forestry spricht von einer Sachanlage. 2004 hatte die EBK Prime Forestrys Argumentation noch gestützt. [s. BAZ ]

    Von Prime Forestry wurde verlangt, die Rückzahlung zu garantieren, was bedeutet, dass man ca. 80% des Geldes in Kapitalschutz-Produkten hätte anlegen müssen - statt in Plantagen. Sicherheit in Ehren, aber wenn das Geld sich selbst versichert und vermehrt - und riskante Investitionen. wie etwa in Teak, nicht mehr möglich sind, wenn jeder der ein Geschäft tätigen will, nicht bloss das Geld für Investitionen, sondern gleich die doppelte Menge braucht, damit er die Investitionen am Finanzmarkt gleich noch absichern kann, dann erledigt sich der Kapitalismus - langsam aber sicher - von alleine. Oder wie stellen Sie sich das vor, wenn die Mehrheit davon leben wollte, virtuelles Geld auf virtuellen Konten hin und her zu schieben um virtuelle Werte zu erzeugen? Irgend wann gibt's da nur noch virtuelles Brot und virtuelles Wasser dazu.

Diese Bewertungen von Preciouswood sind zudem mit Vorsicht zu geniessen. Es handelt sich um die selbst veranschlagten "Buchwerte". Da pro ha 200 bis 250 m3 an handelbarem Holz geerntet werden können, und die Teakpreise für Durchmesser die in 20 Jahren erreicht werden min. 500$ im Schnitt betragen, scheint die Schätzung mehr als vorsichtig, um nicht zu sagen, vermutlich für das lokale Steueramt gedacht ... oder die günstige Übernahme der Konkursmasse von Prime Forestry. Precious Woods z.B. scheint 2005 selbst massive Probleme gehabt zu haben, da seine Plantagen in Brasilien von illegalen Holzfällern besetzt wurden, denen niemand Einhalt zu bieten vermochte ... Bereits ein reifer Eichenwald (der bis dahin halt etwas länger braucht) hat einen Hiebswert von mindestens 60'000 Fr./ha. Würde man das Holz nach dem Energiewert verkaufen, läge er in dem Falle zur Zeit sogar bei über 300'000 Fr/ha. Teak ist aber um einiges teurer als Eiche. Aber auch für Teak wäre, bei einem Heizölpreis von 80 Fr./100 l, bereits der Energiewert bei 65'000 Fr für die rund 300 m3 die nach 20 Jahren auf einer ha stehen (sollten).

Man mag von Prime Forestry halten was man will, aber so ein bisschen kommt es mir schon vor, als wäre die Firma hier von einigen über den Tisch gezogen worden ... während indes einige Geschäftemacher im Teakbusiness munter weiter wursteln, die um einiges dubioser sind.

2400 (Prime Forestry Panama) der 3000 Anleger die insgesamt 60 Millionen Franken angelegt haben, wurden von Carol Franklin in eine neue, eigene Firma - Forests for Friends AG, Affoltern - übernommen für 560'000 Fr.  Dazu mussten die Anleger nochmals 590.- Fr. pro Zehntelhektar bezahlen. So bekommen sie, wenn alles gut geht ... bis 2026 ... ihr Geld zurück + einen jährlichen Wertzuwachs von 3%. Also auch hier war nix mit 12 bis 14%, ja nicht mal mit 8% ... und seltsamerweise wären die 20 Jahre ja eigentlich genug, um grad neu zu pflanzen. Wenn man sich im Gegenzug ansieht, wo echte Renditen raus schauen, also 30 bis 60% wie beim Kaufen auf Kredit, zerfleddern und neu zusammenpappen von Firmen, kann man schon gallig werden.

Fazit:         Holz wird quasi verschenkt!

... und das haben die Finanzmärkte längst gemerkt und sich engagiert. Calpers, die weltgrösste Pensionskasse, will 2.4 Milliarden $ in nachhaltige Forstwirtschaft investieren. Harvard und Yale, die erfolgreichsten Investoren überhaupt, machen das schon lange. Die Ueberlegungen sind folgender Art:

  • Die Holzpreise sind seit 1987 um 27% gestiegen.
  • Wald wächst, trägt also eh jedes Jahr Zinsen.
  • Die Weltbevölkerung wächst immer noch, die Nachfrage nach Papier-, Bau-, Industrie- und Möbelholz steigt damit. China etwa kann seinen Bedarf jetzt schon bloss zur Hälfte decken, Indien ist fast völlig auf Importe angewiesen, insbesondere was Teak betrifft.
    • Aus diesem Grund werden von den Investoren allerdings auch Wälder bevorzugt, aus denen Holz leicht in diese Regionen transportiert werden kann, also Australien und Neuseeland, wie leider auch Tasmanien, wo dadurch die Urwölder zerstört werden.
  • Holz ist ein CO2-neutraler Brennstoff. Durch die Verstromung von Holzabfällen oder durch den Handel mit CO2-Zertifikaten lassen sich zusätzliche Einnahmen erzielen.
  • Finanzinvestoren machen heute die Preise - nicht mehr die Holz- und Papierindustrie.
  • ...

Vorsicht ist geboten bei Direktanlagen, denn nach 18 Jahren können zwar hohe Renditen winken - aber auch totaler Verlust. Empfohlen werden also eher börsenkotierte REITS Die Renditen sind allerdings nur noch für Anlagen die vor 4 bis 5 Jahren gekauft wurden bei 8-10%, für heutige Anlagen eher bei 3-4%, was vor allemd daran liegt, dass die Landpreise noch stärker stiegen als die Holzpreise, die Landeigentümer also ihren Teil abzwacken. Heute bestimmen die Landpreise die Rendite von Holz-Investments. [Robert Saul. GMO].

Fonds:

  • Timberland-Index
  • Aquila Capital
  • Timbex-Zertifikat SG
  • UBS CH0024564863
  • HSBC Trinkhaus DE000TB0KWA8

[Christian Kaiser und Erich Solenthaler: Lebender Rohstoff mit Zinseszinseffekt. Holz als alternative Anlage wird publikumsfähig. Die Aussichten für den Rohstoff sind gut. Aber die Bewertungen sind schon hoch. Tagesanzeiger 07.04.2008. S. 29
 


 

Bereicherungen an der Börse basieren also auf unprofessionellem Umgang mit vorhandenen Daten. Eine wirklich effizient arbeitende Börse wäre kaum mehr als eine Versicherungsleistung, die entsprechend zu entschädigen wäre. Gewinne dürften an und für sich, bei vollständiger Information, gar nicht auftauchen. Dass wir dem Ideal langsam näher kommen, sich also das Problem der dominierenden Finanzmärkte bald von selbst lösen wird, zeigt die Entwicklung:

Der Median der Renditen zwischen 1900 und 2004 lag zwischen 5 und 10%,
also doch eher weit weg von den 17% der "Visionen" Ebners.

Historisch liegt der Unterschied der Rendite zwischen risikoreicheren Aktien und eher sicheren Anleihen zwischen 4 und 5% zwischen 1950 und 2000. Inzwischen ist zwar das Risiko höher geworden, aber der Markt gibt nicht mal mehr die 4 oder 5% als Risikoprämie her.

Der US-Aktienmarkt konnte zwischen 1872 und 2000 eine Überrendite bei Aktien gegenüber Bonds von 5.57% bezahlen. Aufgrund der Realwirtschaft berechnet, hätten aber nur 3.54% drin gelegen. Die Finanzmärkte haben also 2% mehr Rendite beansprucht als es der Entwicklung der Realwirtschaft entsprochen hätte.

Die Unterschiede sind aber nur in den letzten 50 Jahren entstanden, in denen sich die Finanzwirtschaft von der Realwirtschaft gelöst hat. Auch wären zur Boomzeit des Shareholder Values nicht 17% zu erwarten gewesen, sondern 4 bis 5, maximal 7% (Fama und French), bei einer Wachstumsrate von 3%. Auf Grund der realwirtschaftlichen Entwicklung liegen keine Risikoprämien von mehr als 3% drin ... folglich erhöht man den Druck auf die Lohnkosten, um dort noch ein paar Prozent auszupressen.

Die wichtigsten Gründe für das Sinken der Rendite sind:

  1. weniger ausgeprägte Wirtschaftszyklen (weniger Wachstum & weniger Inflation) = tiefere Volatilität = tieferes Risiko = tiefere Prämien

  2. Geringe Produktionsschwankungen in der Industrie

  3. Arbeitsproduktivität gleicht sich international an

  4. Höhere Investitionen trotz sinkender Preise der Investitionsgüter - was allerdings durch Ueberproduktion/Ueberhitzung zurückschlagen kann.

Eine ähnliche "Beruhigung" hat sich nach 1960 eingestellt, nach dem Nachkriegsboom. Die "Rezepte" diese Wachstumsprobleme zu beheben waren in etwa die selben wie heute: Mehr sparen, tiefere Löhne, höhere Einkommensunterschiede - als Motivation für die Helden der Wirtschaft. 1965/66 erreichte die erste Rezession Deutschland, 1967/68 folgte die erste Welle wilder Streiks. In Frankreich stieg zur selben Zeit die Arbeitslosigkeit von 300'000 auf 500'000, jeder zweite davon unter 25 - und zum ersten Mal viele gut ausgebildete Techniker, Ingenieure und wissenschaftliche Kader - was substantiell zu den 68er Unruhen beitrug.

So betrachtet bezahlen nicht die Investoren, sondern, seit 15 Jahren, die Arbeiter, die Risikoprämien der Investitionen,
... durch entgangene Lohnerhöhungen und Entlassungen.
D. h. im letzteren Fall bezahlt, wenn wir's genau ansehen, der Staat also die Risikoprämien der Kreditgeber
- nicht die Kosten für "faule und/oder zuwenig ausgebildete" Arbeitslose.

Dies grad doppelt in sog. "guten Jahren" wie 2005, wenn an der Börse wieder mal so richtig abgesahnt wird:

Etwas äusserst Seltsames ist also möglich, nämlich dass die Gewinne "unvernünftig" hoch werden. Eine der linken Ideologie unverdächtige Quelle, Lombard Odier Darier Hentsch kritisiert eben dies in der Handelszeitung Nr 35 vom 30.8.06, S. 39: Wir sind gegenwärtig Zeugen des dritten Höhepunkts der Gewinne im Verlauf der letzten 18 Jahre. Die beiden vorangegangenen waren in den Jahren 1991 und 2000. ... Auch wenn wir den positiven Folgen der Globalisierung wie tiefere Lohnstückkosten und niedrigere Steuersätze für Unternehmen Rechnung tragen, denken wir trotzdem nicht .. dass der laufende Zyklus im Vergleich zu anderen verschieden ist. ... Das Wachstum muss auf vernünftigere Niveaus sinken.

Apropos Pensionskassen: Pensionäre sind nicht die besseren Shareholder. Im Verteilkampf zwischen Kapital und Arbeitern, also Löhnen, stehen sie, dummerweise, auf der Seite des Kapitals, vertreten also dank der Pensionskassen eigentlich die falsche Seite.

Die Market-Efficiency Hypothese ... so effizient wie der Wetterbericht

1: Der Kurs entspricht dem aktuellen Stand an Informationen, die irgendwo verfügbar sind.

Ich habe immer genau das Gegenteil von dem getan, was sie sagten.
So wurde ich Milliardär.

Nicolas Hayek

Man bezeichnet diese halbgare Aussage als Informationseffizienz- oder market efficiency hypothesis (meh).

2: Überraschende Informationen sind rein zufällig

3: Experten sehen die Zukunft nicht besser voraus als Laien, haben neue Informationen nicht früher als Laien, können also zukünftige Renditen nicht besser abschätzen.

 

Die Hypothese scheint logisch, wurde aber offensichtlich formuliert in einer Zeit, in der die Informationsflut noch ein Fremdwort war, man also annehmen konnte, dass vorhandene Information auch zur Kenntnis genommen und verarbeitet wird. Dem ist aber längst nicht mehr so, also haben die Experten Vorteile, wenn auch nur was Punkt 1. betrifft:

  1. Experten wissen, welche Faktoren was bewirken, welche Faktoren von Bedeutung sind und welche eher weniger. Experten wissen auch, wo sie sich die Informationen beschaffen können. Vor allem wissen sie die Anlegerpsychologie zu ihren Gunsten zu nutzen - und behalten die Nerven. Werfen Hinz und Kunz, die nach einer langen Hausse selbst sich als Börsengenies gefühlt haben, beim Absturz der Kurse die Aktien auf den Markt, so setzt der Fachmann zeitig auf short, und verdient weiter.

    Unterschiedliche Anlegertypen sehen auch auf unterschiedliche Informationen. Der theoretisch ideale Anleger nutzt diejenigen Informationen, die ihn den reellen diskontierten Zukunfts-Wert bestmöglich schätzen lassen, der Spekulant nutzt diejenigen Informationen, von denen er vermutet, dass sich der Horst der Anleger danach richten wird - denn diese machen die Börsenkurse, nicht die Realität. Die Psychologie spielt hier also eine zunehmende Rolle beim Börsenkonsumverhalten - womit die resultierenden Preise eigentlich kaum mehr etwas Brauchbares über den wirklichen wirtschaftliche Potential des Betriebes aussagen. Hier, in der Berücksichtigung von Psychologie, findet sich der Unterschied zwischen Investition und  Spekulation.

  2. Experten haben Zugang zu den Daten. Eine wichtige Funktion der Banken ist ja die Forschung. Die dort erzielten Resultate sind als Informationen wohl "irgendwo" verfügbar, werden aber, anders als in der staatlichen Forschung, nicht zur Verfügung gestellt.

Wirtschaftliche Prognosen sind etwa so komplex wie eine Wettervorhersage, vielleicht noch komplexer, denn letztere sind meist präziser. Die treffende Aussage für den Laien heisst, analog zur Wettervorhersage: Entweder das Wetter ändert, oder es bleibt wie es ist - entweder die Kursentwicklung bleibt beständig - oder sie ändert. Dazu kommt, dass in Sachen Börsenverhalten die Anleger einiges naiver sind als Wetterfrösche, glaubte doch die Mehrheit beim Millenniumsboom, die Börsenkurse gingen nie mehr runter ... mit der New Economy, während wohl niemand darauf setzen möchte, dass in der Schweiz oder Deutschland nun immer die Sonne scheint und es nie mehr kalt und nass wird ...

Ein weiterer Fehler obiger Aussage ist die Dualität: richtig-falsch. An der Börse geht es längst nicht mehr um richtige oder falsche Entscheide, was die reelle Entwicklung der Firmen betrifft, sondern darum, die Entwicklung des Kurses etwas präziser abzuschätzen als die Konkurrenten. Eine Erhöhung der Prognosegenauigkeit von weniger als einem Prozent kann Milliarden bringen. Genau wie die Meteorologie ist die Kursentwicklung von vielen zufälligen Bewegungen abhängig - und nutzt darum die grössten und schnellsten Computer der Welt für das Testen stochastischer Modelle. Bereits Computer die "bloss" reelle Abläufe im Millisekundentakt abbilden, gehören zu den 100 grössten (UK, Schweiz, Deutschland), für den Bau von Modellen die auf Zufallsprozessen beruhen ist offenbar nur der allergrösste geeignet, d.h. präziser, die notwendige Leistungsfähigkeit vermutlich noch nicht erreicht, die es erlauben würde, Muster im Chaos der Zufälligkeiten erkennen zu können:

Die schnellsten Grosscomputer - dem Zufall auf der Ferse [Rmax in Gigaflops. [Apropos mega, giga, 1000 Giga wären ein Tera. kilo=1000, mega=1000  kilo (= 1 Million), giga=1000 mega = (1 Milliarde), Tera= 1000 giga (= 1 Billlion),  Peta=1000 tera (= 1 Billiarde) = 1015

Blue Gene ist also bereits ein 136 Teraflop Rechner, oder, ein 0.136 Pe(n)taflop Rechner. Der Umfang der Daten wird derart absurd, dass über das Peta hinaus bereits das Exabyte nötig wird, eine Zahl mit 18 Nullen. 16 davon wurden 2006 auf der Welt an Daten produziert und, vor allem, kopiert. Das ist 3 Millionen mal der Inhalt sämtlicher bisher geschriebener Bücher, oder 6 Tonnen Bücher pro Kopf der Weltbevölkerung.] Die Schweiz ist mit ETH-Lausanne auf Platz 9 dabei, mit ETH-Zürich auf Platz 57. Mit "Monte Rosa" hat sie nun allerdings seit ebenfalls einen Rechner mit 141 Teraflops, also der Leistung von Blue Gene, und damit einer der 5 leistungsstärksten Europas. 2012 soll der erste Petaflop-Rechner folgen:

  1. 1 Million Gigaflops = 1 Petaflop:  Roadrunner US-Army, Los Alamos - zur Erforschung der Atombombe ... denn der Iran ist ja sooo gefährlich .... (wie anno dazumals der Irak ...)

  2. 136800  IBM's Blue Gene:  hydrodynamics, quantum chemistry, molecular dynamics, climate modeling and financial modeling. Simulationen der Proteindynamik, der Vorgänge im Gehirn ...

  3. 91290 BGW - eServer Blue Gene Solution: IBM Thomas J. Watson Research Center Yorktown Heights, United States
  4. 51870 Columbia Supercomputer: Nasa:

  5. 35860 Earth Simulator, Japan

  6. 27910 Barcelona Supercomputing Center: Naturwissenschaften, Erdwissenschaften, Programmierung, ...

  7. 27450 Universität Groningen
  8. 22938 Lawrence Livermore National Laboratory: Nuclear Weapons
  9. 18200 Computational Biology Research Center, AIST Tokyo, Japan
  10. 18200 Universität Lausanne: eServer Blue Gene
  11. 14170 Cray: Sandia National Laboratories United States/2005
  12. 13880 Los Alamos Nuclear Research
  13. 11814 Japan Atomic Energy Research Institute
  14. 10310.00 China Meteorological Administration
  15.   5900 Cray XT3, ETH Zürich: Meteo, Paul Scherrer Inst. (Simulationen Nukleare Abläufe), Astronomie, Chemie, Umwelt. und Materialwissenschaften. Einige hätten scheint's Linux Networx vorgezogen, der etwas weniger absturzgefährdet sei  ... Da einige aber seit bald 20 Jahren gewohnt sind mit der Cray zu arbeiten ....
  16.   3783.1 Korea Meteorological Administration
  17.   3755.00 Bank, UK. BladeCenter HS20 Xeon 3.06 GHz,
  18.   3755.00 Credit Suisse-First Boston
  19.   3755.00 Financial Services (H) New York, United States
  20.   3755 Bank Germany/2004

top 500

Der Computer ist die logische Weiterentwicklung des Menschen:
Intelligenz ohne Moral.
(John Osborne, engl. Dramatiker, 1921-1994)

Und das, nachdem der erste grosse Speicher von Bluewin, Ramac, der am 13. September 1956 auf den Markt kam, fünf Megabite an Speicherplatz bot, die für 250'000 Dollar pro Jahr nur verliehen, nicht verkauft wurden. Das Gerät war so gross wie ein Kühlschrank, wog eine Tonne und machte einen infernalischen Lärm.

Firma Umsatz in Mio. Fr.
  1. HP
  2. IBM
  3. Also Holding
  4. EDS
  5. Dell
  6. Microsoft
  7. Telecurs Holding
  8. Siemens
  9. TechDat
  10. Interdiscount
1500
1350
1050
  995
  700
  592
  587
  577
  550
  492
 

Interessant ist hier auch, dass die wichtigsten Arbeitgeber für Softwareentwicklung nicht etwa in den Softwarehäusern selbst sitzen, sondern in den Banken. Der Grösste Softwareentwickler der Schweiz ist die IT-Abteilung der UBS mit 2500 Stellen, gefolgt von CS mit 1500 Entwicklern. IBM folgt erst an 3. Stelle!

Hier haben wir ein Problem. Diese Leute bilden die Welt ab in ihren Modellen, aber nur so weit, als sie sich in Geld-Wert fassen lässt, und verkaufen sie. Sozialutopisten, Gutmenschen, Politiker, Philosophen, ja die ganze Gesellschaft, kommen dann zu Fuss hinterher gehinkt - und wundern sich, welch seltsame Welt hier beschrieben wird, wie seltsam die funktioniert ... und wie "seltsam" jeder Überschuss immer wieder in die selben Töpfe fliesst.

Was uns da fehlt ist eine eben so präzise Modellierung der Welt - aber nicht durch die Geldlinse gesehen.

Ich nenne diesen Modellbau (seit 1990 übrigens ...) Weltbildforschung. Die dazu passende Methodik wäre die Webphilosophie.


Wer also Angst hat, der Forschung gingen die Fragen aus, der irrt. Wer denkt, dass da die Computer irgendwann intelligenter werden als die Menschen, der hat vielleicht recht (denn Intelligenz bedeutet nur die Geschwindigkeit, mit der Muster erkannt werden, und da sind uns die Dinger bereits auf den Fersen). Da bleibt uns dann nur noch Klugheit und Weisheit ... aber .. haben wir die selbst?

 

Computerexporte: Asia-Pacific 28 Milliarden $ - Ostasien 15 Milliarden
Computerimporte

http://www.sasi.group.shef.ac.uk/worldmapper/index.html

Dass auch Experten keine Glaskugel haben, mit der sie die Zukunft besser sehen als die Laien ist klar. Dass aber die erfolgreichsten Portfolio-Manager in Yale und Harvard sitzen, dürfte auch kein Zufall sein. Jack Meyer fuhr 2004 für Harvard eine Rendite von 19.2% ein, David Swensen für Yale aber auf 10 Jahre eine durchschnittliche Rendite von 17.4% (15.9% in Harvard) - und dies zudem mit weniger riskanten Anlagen.

Asset allocation is driven mostly by quantitative analysis. But the second major job of an endowment manager is picking the right asset managers -- a matter of judgment, more art than science.

Märkte sind meist zyklisch, weil nicht nach Wissen, sondern nach Mut und Übermut geurteilt und gehandelt wird. Bestes und bekanntes Beispiel Software und Internet. Da gingen bis 2000 die Kurse nur noch nach oben, und niemand wusste recht warum, oder niemand wollte glauben, dass das wirklich nur daran lag, weil einfach alle diese Aktien kauften. Preise und Erwartungen waren also masslos übertrieben - und fielen danach in ein genau so übertrieben tief gesehenes Loch. Stahl zeigt deutlich eine zyklische Entwicklung vom Hoch in den späten 80ern, zu einem zehnjährigen (!) Tief, wieder zu einem (vermutlich eher kurzfristigen) Hoch. Öl und Gas hatten ihre besten Zeiten in den 80ern längst hinter sich, holen nun aber massiv auf, da die Knappheit nun eine echte wird (do Minen und Gold - die allerdings beide massiv von der Entwicklung in China und Indien abhängen. Auch bei sich entwickelnden gigantischen Wirtschaften geht es nicht immer nur aufwärts. Medien tauchen in einer werbemässig hyperaktiven Zeit rasch auf - um eben so rasch wieder zu verschwinden. Telecom wurde vermutlich mit dem Internet nach oben gespült, und durch übertriebene Erwartungen wie jenes gleich wieder versenkt. Man sieht daran die beschränkte Gültigkeit der Maxime: langfristig halten. Diese stimmt meist ... sofern die Firma nicht untergeht oder der gesamte Trend in einer Sachgasse verläuft (was z.B. UMTS droht). Wer also mit Anlagen Geld verdienen will, muss ab und zu, und erst noch zum richtigen Zeitpunkt, wechseln. Vernünftiger wird dadurch die ganze Angelegenheit allerdings nicht, denn das verlängert und verschärft bloss die eh irrationalen konjunkturellen Schwankungen des Marktes. Aber wer behauptet schon, der Markt sei rational ...? Oder?

Für Technologieaktien ist mit einem neuen Wachstum zu rechnen, ebenso bei Telecom und Industriegütern - es sei denn, wir gehen total bachab. Pharma, Biotech etc. werden zwar hoch gelobt, und der Mensch sei bereit, für die Gesundheit alles zu geben - ... Allerdings dürfte die heutige Form der Förderung dieser Industrie über Krankenkassenbeiträge bereits heute schon einem beträchtlichen Teil der Gesellschaft zu denken geben. Je klarer es wird, dass Versicherungen und Banken viel Aufwand mit wenig Resultat betreiben, desto schneller sind wir diese Provisionenjäger los. [Meine Meinung deckt sich hier gar nicht mit der im Cash publizierten, aus der diese Zahlen stammen: Fredy Gilgen: Ein neuer Dreh fürs Depot: Die letzten fünf Jahre gehörten Oel- und Stahlaktien. Nun schlägt wieder die Stunde der Techtitel. CASH 20. Oktober 2005. S. 34-5]

Nur was hoch steigt, kann tief fallen ...

 

 

Es ist aber nicht nur die Qualität der Vorhersage, sondern auch die unterschiedlichen Möglichkeiten, entsprechende Vorhersagen bezahlen zu können und seine "Investitionen" absichern zu können.  Leo Müller hat in "Wie Reiche immer reicher werden" (Cash 24. Nov. 2005. S. 10-11) gezeigt, dass im Börsencrash um die Jahrtausendwende die Kleinanleger massive Verluste einfuhren, die vermögenden Investoren ungeschoren davonkamen - während die Vermögen der Superreichen von 1997 bis 2004 um 50% wuchsen. Ihnen stehen fähigere Berater zur Verfügung. Die Bank wird sich kaum trauen, ihnen Ladenhüter anzudrehen. Sie können sich mit Hedge Funds, die kleinen Anlegern verschlossen bleiben, gegen Verluste absichern - und vor allem, sie befolgen die Grundregel: Lege nie alle Eier in einen Korb. Zudem haben sie relativ krisenresistente Vermögensteile wie Ländereien, Liegenschaften, Kunst - während der Durchschnittsanleger seinen ganzen Einsatz auf Aktien von 3 Unternehmen platziert, 27% davon sogar in Aktien von nur 1 einzigen Unternehmen.

 


Kritik

Der Finanzsektor:

Die Zwerge gruben in ihrer Gier zu tief. Dabei weckten sie Dinge auf, die man besser hätte Ruhen lassen.

Gandalf über die Minen von Moria.

  1. ist ineffizient: Mehr als die Hälfte der Fusionen waren ein Misserfolg.

  2. neigt zur Korruption: Manager entscheiden nicht primär auf Grund betriebwirtschaftlicher Kriterien (und schon gar nicht auf Grund volkswirtschaftlicher Kriterien), aber um so eher auf der Basis eines rein privaten Nutzenskalküls. Sie sind ja die Heerführer der preisorientierten Egoisten.

  3. Verschlingt immer grössere Teile des Bruttosozialprodukts

  4. setzt falsche Anreize: Die Dominanz des rein finanzwirtschaftlichen Denkens hat zu einer Verseuchung, ja fast zum Ruin des betriebswirtschaftlichen Denkens geführt. (Während die Dominanz des betriebswirtschaftlichen Denkens leicht die Volkswirtschaft ruiniert.)

  5. verleitet dazu, Pfründen zu suchen und zu verteidigen, statt Leistung zu erbringen.

  6. scheut das Risiko. In der Schweiz werden nur 0.1% des BIP, resp. 30.2 Millionen Fr. als Seedkapital den Firmen zur Verfügung gestellt, die erst im Aufbau sind. (Finnland 0.3, Israel 0.9).

Ursachen:

Wachstum wird um so schwächer, je höher der Stand des bereits erreichten Wohlstands ist und je enger (räumlich, energiemässig, bevölkerungmässig, absatzmässig etcetc) der Spielraum für weitere Entwicklungen.

Die Kapitalmärkte handeln mit dem Grundstock der Produktion, mit der Substanz. Da nur sehr wenige in dem Bereich tätig sind, sind die Umsätze und Gewinne entsprechend hoch. Löhne und Gebühren der Banken und Rechtsanwälten sind höher als bei Ärzten und Ingenieuren, deren Ausbildung meist anspruchsvoller ist. Hier wirkt die Macht der Position, nicht die Leistung.

Es gibt in der Wirtschaft einzelne Sektoren, die den Drang haben, sich immer weiter auszubreiten und die wachsende Anteile des BSP für sich beanspruchen. Die Ausdehnung dieser Sektoren greift verfälschend in die übrige Wirtschaft ein und hemmt deren produktive Kraft. Diese Sektoren werden durch niemanden - insbesondere nicht durch den Wettbewerb - daran gehindert, den Bürgern und Konsumenten immer mehr Geld aus der Tasche zu ziehen. Dafür war und ist eigentlich der Staat berüchtigt, zunehmend sind es aber die vom Finanzmarkt verlangten "Risikoprämien", Vergünstigungen (Steuerbefreiung), und, nicht zu vergessen, die Krankenkassen. Oft wäre jedoch eine staatliche Wirtschaft effizienter, was sich gerade bei den Verwaltungskosten der Invaliden wie der Krankenkassen gezeigt hat.

Dank der Diskontierung zukünftiger Gewinnerwartungen wird der Mehrwert, das Bruttosozialprodukt der Zukunft, bereits heute gehandelt. Diejenigen die ihn erbringen müssen dies zu möglichst tiefen Löhnen tun, da sie sonst den Börsenwert schmälern.

Die Erwartungen der Börse sind häufig nur psychologisch bedingt. Steigt der Kurs einer Aktie, laufen viele mit, weil sie denken, die andern werden wohl wissen, warum sie die Aktie kaufen. Spekulation lässt sich von Investition immer weniger trennen. Ein sachlich hervorragend laufender Betrieb, den an der Börse niemand kennt, wird verscherbelt, während dem ein namentlich bekannter Betrieb, über den man gutes hört (obwohl nichts läuft), zu oft exorbitanten Preisen gehandelt wird. So stieg das Kurs-Gewinn-Verhältnis der im New Market gehandelten Firmen von den sonst üblichen 15 bis auf das Doppelte. Es fanden sich ausreichend Fachleute, Ökonomen, die begründeten, warum dem so sein müsse. Hoffentlich haben die damals auch ein paar Aktien gekauft ...

 

Die Verlagerung der Inflation von den Geld- auf die Finanzmärkte: Um 2000 waren nur etwa 15% der Weltbevölkerung in ein Rentensystem eingebunden. Der forcierte Ausbau der privaten Rentensysteme, die nun Bush sogar als Ersatz für die AHV fordert, führt zur Anhäufung enormer Mengen an Geld, das nach Investitionsmöglichkeiten sucht. Wo die Nachfrage hoch ist, da steigen die Preise. Das Geld fehlt also nicht nur im Konsum, es treibt die Preise der Aktien in die Höhe, ohne Wert zu erhöhen. Es handelt sich also um die typische Inflationserscheinung, diesmal beim Preis der Unternehmen. Da die Unternehmer aber ihre Risikoprämie auf Grund des Wertes ausbezahlt haben wollen, drückt diese Überbewertung nochmals auf die Löhne, die ja in Konkurrenz zum Shareholder Value stehen.

Präzise diese Inflation hat nun 2008 im Immobilienmarkt der USA zugeschlagen - und zu einer weltweiten Finanzkrise geführt.

Ziel der neuen Impressarios am Börsentheater:

Das Unternehmen in den Augen der Investoren möglichst gut aussehen zu lassen
ist oft wichtiger, als reelle operative Gewinne zu erzielen.

Folgen:

Bildung leistet einen immer kleineren Beitrag zur Wohlstandsvermehrung - Gerissenheit wird immer besser belohnt.

Es gibt kaum wirtschaftspolitische Entscheidungen mehr, bei der die Regierung nicht auf die Reaktion der globalen Finanzmärkte Rücksicht nehmen muss. Japans Regierungschefs werden z.B. fast täglich in den Finanzblättern darüber belehrt, was der Finanzmarkt von ihnen erwartet

Die Macht der Finanzmärkte ist augenfällig, obwohl es in der freien Marktwirtschaft per Definitionem keine Macht geben dürfte.

Der Staat wird über den Tisch gezogen. Er muss dem Kapital Freiheit, Sicherheit und Eigentum garantieren, erhält dafür aber immer weniger an Steuern, Arbeitsplätzen und Unterstützung beim Aufbau gemeiner Ressourcen, spez. Bildung (Lehrlinge und Personal). Die Kosten der Restrukturierung (AL) werden dem Staat aufgebürdet, für die Profite loben die Eigentümer ihre "Leistung". Dabei wäre es für Wohlstand und BSP egal, ob der Staat oder die Privatwirtschaft Leistungen erstellt, wenn dies nach dem Prinzip des optimalen Managements geschieht.

Beispiele:

Firmen - Think Tools: Ausgabepreis der Aktie: 270 Fr, Eröffnungspreis 700 (Mittel 401), Kosten der Kapitalbeschaffung 60 Millionen (Banken und Rechtsanwälte 39 Millionen, Handel 20 Millionen), das Dreifache des gesamten Umsatzes. Das Unternehmen erhielt 110 Millionen, die allerdings kaum gebraucht wurden, denn davon war das meiste nach Konkurs noch da. 36 Millionen gingen an die Altaktionäre, vor allem Albrecht von Müller. Der Verlust betrug 19.8 Millionen.

Noch nie war so viel Geld so sinnlos investiert worden. Die Werte sackten von 16 Milliarden im September 2000 auf 6 Milliarden im Mai 2001 zusammen. Der NASDAQ von Anfang 2000 bis Anfang Februar 2002 von 5000 auf 1700 )-60%). Der Neue Markt Frankfurt verlor 86%, 150 Milliarden Euro. NEMAX 210 Milliarden auf 58. Die volkswirtschaftlichen Kosten von 17 untersuchten IPOs  betrugen eine halbe Milliarde Fr., was 25% der Summe entspricht, die effektiv in die Firmen floss, aber 50% dessen, was die Firmen gebraucht hätten, also effizient und sinnvoll investieren konnten. Zum Vergleich: Die Kosten einer Kreditfinanzierung betragen 2 bis 3% der Kreditsumme.
Die Kosten pro geschaffenem Arbeitsplatz betrugen 200'000 Fr.

Länder - Argentinien: Wurde Deutschland für den 1. Weltkrieg zu 3% des BSP für Reparationskosten verurteilt, musste Argentinien, nachdem es das Vertrauen der Finanzmärkte verloren hatte, jährlich Strafzinsen in Höhe von 5 bis 6% des BSP and die Kreditoren abliefern. Argentinien hatte im letzten Jahrzehnt des 20 JHs eine beachtliche Wachstumsrate von 5.6%, die Inflation von zweistelligen Raten auf 7.8% gesenkt. Weil es den Gläubigern den Wechselkurs garantieren wollte, hatte es 1991 den Kurs des Peso an den Dollar gebunden. Wegen der immer noch beträchtlichen Unterschiede der Inflationsraten von Argentinien und den USA wurde der Peso so zu hoch bewertet, was die Importe verbilligte, die Exporte verteuerte, und die Aussenhandelsbilanz aus dem Lot brachte. Trotz des garantierten Wechselkurses verloren die Anleger das Vertrauen. Die Investitionen gingen zurück, Rezession, Arbeitslosigkeit, soziale Unruhen - und steigende Zinsen waren die Folge. Argentiniens Schulden wurden zu Zinsen von 14 bis 33 % gehandelt, 8 bis 27% mehr, als ein Schuldner in den USA bezahlen muss, ein Strafzins von 10 bis 15 Milliarden, oder 4 bis 7% des BSP, den Argentinien leisten muss.

Aber das war nicht alles. Das Argentiniens Schulden auf Grund der währungsbedingt günstigen Importe und teuren Exporte eher weiter stiegen als fielen, musste es sein Tafelsilber, die Produktionsanlagen, verkaufen, oft zu Schleuderpreisen. Argentinische Betriebe werden nur zum 8-10-fachen ihres Gewinns gehandelt, während in den Industriestaaten ein Kurs-Gewinn-Verhältnis von ca. 18 gilt (das während des Booms des Neuen Marktes dazu noch fast auf das doppelte stieg).

Das selbe Spiel wurde mit Südkorea getrieben, einem Asian Tiger. Strategie:

  1. Man lockt das Opfer mit günstigen kurzfristigen Krediten in die Falle

  2. Die Gläubiger verlieren das Vertrauen und erwarten kurzfristig mehr Rückzahlungen, als Cash vorhanden ist.

  3. Die Gläubigerbanken lassen durchsickern, dass sie selbst pleite gingen, wenn sie ihre Guthaben abschreiben müssten.

  4. Der IWF rettet die Welt, indem er mit den Notenbanken und Regierungen der Industriestaaten Garantien für die Schulden übernimmt.

    Das Problem: Nicht mehr die Gläubiger haften nun für ihre Schulden, sondern die ganze Nation per Austerity, Sparen, höhere Zinsen (20 bis 30%), Abwertung des Won um die Hälfte. Abwertung der Börsenkurse auf die Hälfte. Korea muss also doppelt so viel exportieren, um die Schulden zu bezahlen oder 4 mal so viel unternehmerische Substanz (halber Wert lokal x halber Wert der Lokalwährung) um Auslandschulden zu bezahlen.

Fazit:

Die globale Welt wird nicht von Regierungen, sondern von Finanzorganisationen beherrscht.

Die heilige Dreifaltigkeit der Vertrauensbildung an Finanzmärkten lautet:

Der Finanzmarkt konkurriert, wie die Pharma (s. high-alpha-Strategien), nicht über Preise, sondern über Propaganda und Machtpositionen. Die Freunde des freien Marktes übersehen bei ihrer Euphorie, dass  Wettbewerb unter ungleichen nicht zu Freiheit, sondern zur Dominanz der stärkeren führt. Die Stärkeren begründen das immer damit, dass eine Führung durch Starke auch für das schwache Volk besser sei. In der Politik haben solche Argumente, dank nun doch über 100 Jahren Erfahrung mit Demokratie, nur noch bei einigen spinnerten Minderheiten Chancen. In der Wirtschaft allerdings wurde das Problem noch nicht erkannt, dass Marktbeherrschung vor allem den Interessen der Herrschenden, wenig aber den Interessen der Beherrschten, dient.

 

Immer höhere Versicherungsprämien
- immer weniger Lust auf Risiko -
das ist es, was die Finanzmärkte zeigen.
Abgeschoben wird das Problem aber auf
"Regulierungswut des Staates"

 

Ein Bankier ist ein Mensch, der seinen Schirm verleiht, wenn die Sonne scheint und der ihn sofort zurückhaben will, wenn es zu regnen beginnt.

(Mark Twain, amerik. Schriftsteller, 1835-1903)

An der Uni Zürich wird dieser Zusammenhang erst untersucht. Bereits heute ist aber klar, dass bis zu 90%, im Durchschnitt 50%, des Handelsvolumens eines Börsengangs die Folge von Derivaten ist, also Absicherungskäufen von Banken, als Grundlage für ihre Finanzprodukte. Es sind also manchmal weniger die heissen Gerüchte und News zu einem Unternehmen als vielmehr die umfangreichen Absicherungskäufe von Banken, welche die Aktienkurse verändern. [CASH 34, 29. Sept. 2005, S. 34: Foyer, HB]

 

Auswege:

Martin Herzog, Basel, 17. August 2005

 

Die Frage, ob die Schweizer risikoscheu, unproduktiv, zu wenig innovativ oder flexibel seien, und darum das Wachstum stagniere, lässt sich einfach beantworten. Das liberale Musterland, die USA, "vergibt" einem Unternehmer das Scheitern, den Bankrott, die Schulden in bloss 1 (in Worten EINEM) Jahr. Die Engländer, treue Bundesgenossen, in 2 Jahren. In der Schweiz jedoch kann man für das Scheitern 20 Jahre lang zur Kasse gebeten werden - erhält also "lebenslänglich" als Strafe.

 

Unter den Bedingungen fragt es sich insbesondere, wo denn hier das Risiko der Banken bleibt, für das sie sich doch fürstlich bezahlen lassen? Dass jemand 20 Jahre lang seine Schulden nicht bezahlen kann, dürfte wohl doch ein extremer Ausnahmefall sein. Auch dies hier bestätigt obige These, dass die Finanzmärkte selbst weitaus risikoscheuer sind, als sich ein Unternehmer leisten kann. Deshalb krieg jemand der Geld braucht auch keines von der Bank, sondern nur derjenige, der bereits erfolgreich bewiesen hat, dass er Geld vermehren kann.

Inzwischen kam da noch was dazu, die sog. Geier-Fonds (Vulture Fonds). Die schlagen zu, wenn das Opfer bereits am Boden liegt, sich aber noch ausweiden lässt. Beispiel: Sambia lieh sich 1979 rund 15 Millionen Dollar von Rumänien, konnte die Schuld aber nicht tilgen. Also einigte man sich auf eine Reduktion auf 3 Millionen .. aber nur fast, denn da schlug der Geier zu. Debt Advisory International kaufte die Forderung Rumäniens für weniger als 4 Millionen, also ein bisschen mehr für Rumänien, verklagte aber dann Sambia bei einem Londoner Gericht auf 40 Millionen ... erhielt teilweise  recht und zog 20 Millionen Dollar ein, die eigentlich für einen Schuletat gedacht waren.  Selbst Finanzspezialisten schlagen in dem Fall einen andern Namen vor: Wurmfonds, da es den Betreibern offenbar an jeglichem Rückgrat mangelt.

 

Apropos Risikoscheu ... die Idee, sich gegen alles und jedes, sogar gegen das Leben(sende) abzusichern, floriert schon in keinem Lande so wie in der Schweiz:.  Beachten Sie insbesondere, dass hier nicht mal die reichsten Islamischen Staaten aufscheinen. Das Gottvertrauen ist im Islam offenbar doch um einiges höher als im Christentum ....

 

Versicherungen Exporte: Auch hier eine Weltherrschaft Europas, wie bei der Pharmaindustrie: 44.5 Milliarden $. Der Betrag ist direkt dem vergleichbar, den ganz Ostasien für Computerexporte einnimmt - allerdings mit dem Unterschied, dass für die Produktion von Computern mehr Arbeitskräfte gebraucht werden. Versicherungen Importe: Man beachte den doch erstaunlichen Umfang Chinas (3 Milliarden)

http://www.sasi.group.shef.ac.uk/worldmapper/index.html

 

 

p.s:
 

Steuerhinterziehung: Wikileaks hat hier ein paar interessante Dokumente der Bank Bär publiziert, in denen ein Insider schildert, welche Möglichkeiten hier geboten werden:

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Einige wichtige Begriffe der Marktwirtschaft, erklärt anhand des Elefantenmarktes:

100 Dollar in 110 Dollar zu verwandeln ist Arbeit. 100 Millionen Dollar in 110 Millionen Dollar zu verwandeln ist unvermeidlich.

Edgar Bronfman

Liberale Elefantenjagd: Wirtschaftswissenschaftler jagen keine Elefanten, weil sie wissen, daß Elefanten sich selbst stellen würden, wenn man ihnen nur genug dafür bezahlt.

Unternehmensberater jagen keine Elefanten. Und viele haben noch niemals überhaupt irgend etwas gejagt. Aber sie haben schon vielen bei der Jagd zugeschaut. Deshalb kann man sie gegen hohe Stundensätze engagieren, um sich auf vielen bunten Folien lauter gute Ratschläge geben zu lassen, wie man Elefanten und alle möglichen anderen Tiere jagen soll.

Börsenhändler jagen keine Elefanten. Börsenschwindler verkaufen sie die Elefanten, die noch nicht gefangen wurden und versprechen Liefertermine, die mindestens eine Woche vor Eröffnung der Jagdsaison liegen. Noch ehrliche Börsenneulinge suchen kurze Elefanten, da sie sie ja eben short verkauft haben.

Maschinenbauingenieure jagen Elefanten, indem sie nach Afrika gehen, jedes graue Tier fangen, das ihnen über den Weg läuftund es Elefant nennen, wenn das Gewicht weniger als 15% von dem eines vorher gefangenen Elefanten abweicht.

Eine Bank ist eine Institution, die einem Geld leiht, wenn man beweisen kann, dass man es nicht braucht.

Bob Hope

In den fetten Jahren waren die Banker immer da, um uns zu helfen. Aber in schlechten Zeiten haben sie sich ganz schnell zurückgezogen.

Lee Iacocca

Nutzungsverträge: Software-Vertriebsbeauftragte verschicken das erste graue Tier, das  sie fangen können, per UPS und legen eine Rechnung über einen Elefanten bei. Vor dem Auspacken muß der Kunde ein Revers unterschreiben, daß er keinerlei Rechte auf Eigentum an dem Elefanten erwirbt, er keinen Anspruch hat, daß der Elefant wie ein Elefant  funktioniert und daß die ElefantenHotline über eine 0190-Telefonnummer zu erreichen ist.

Innovation: Gerissene Software-Vertriebsbeauftragte schicken nach einer Woche Briefe hinterher, in denen sie ein Upgrade auf Elefant2.0 (jetzt neu in der afrikanischen und indischen Version!) anpreisen.

Management: Manager jagen Elefanten, indem sie lange Meetings abhalten. Dann fangen sie eine Maus und präsentieren sie als Elefanten, der nach einem Business Reengineering besonders lean geworden ist.

Young Professionals fangen eine Mücke und präsentieren sie als ihre Vision eines Elefanten.

High Potentials haben schon einmal bei der Elefantenjagd zugesehen.

Topmanager haben Erfahrung im Jagen von Eseln und können das Jagen von Elefanten deshalb gut delegieren. 
Wer über die Finanzindustrie nachdenkt, verliert den Verstand. Wer nicht darüber nachdenkt sein Haus.

Kurt Imhof

viral marketing: Virenprogrammierer jagen Elefanten, indem sie eine Maus ans Kap der guten Hoffnung schicken und in Kairo auf die in Panik geratene Herde warten.

Globalisierung: Microsoft kauft einen Elefanten aus dem Zoo von Seattle, kopiert ihn massenhaft, läßt durch die Computerpresse jedem einreden, daß er auch einen bräuchte und exportiert mit dem nächsten MS-Office-Update allein 14 Mio. Stück nach Afrika.

nach: http://www.hornecker-online.de/lustiges/lustiges.htm#Elefantenjagd

Finanz-Foren im Internet:

Die Entwicklung der Börse basiert auf den Meinungen der Teilnehmer ... jeder darf seine Meinung haben ... aber hier kann eine falsche Meinung teuer zu stehen kommen.

Geld ist besser als Armut, wenn auch nur aus finanziellen Gründen.

Woody Allen