Kulturwandel
durch Unterhaltung? Die EVENTualisierung der Nachhaltigkeit.Lebensqualität bedeutet möglichst freie Wahl des Lifestyles. Je besser die Bedingungen für ein erfülltes Leben, desto höher die Lebensqualität.
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Frei nach: Jeremy Rifkin: Access. Das Verschwinden des Eigentums. Campus Verlag. Frankfurt, New York. 2000.
Rifkins Titel: Das Verschwinden des Eigentums ist auf den ersten Blick etwas irreführend, da viele sich sagen werden: Gott sei dank! Hinter dem Begriff "Access" (Zugang) versteckt sich aber das neue Problem, auf das Rifkin aufmerksam machen will. Mit dem Verschwinden des Eigentums meint er zudem ganz und gar nicht das Verschwinden des Kapitals, sondern dessen Rückzug aus allen Risiken, auf die Höhen der "Fernsteuerung". Die Betriebsrisiken, die sich in Immobilien, Maschinen und Ausrüstung materialisieren, werden immer mehr den Kleinunternehmen überlassen, deren sich das Kapital heute genau so rücksichtslos bedient wie der Arbeiter.
Diese beherrschende Stellung erlangte das Kapital durch eine immer umfassendere Monetarisierung:
Wir müssen uns eine Welt vorstellen, in der praktisch jede Aktivität ausserhalb der Familie zum bezahlten Erlebnis wird, eine Welt, in der gegenseitige Verpflichtungen und Erwartungen - vermittelt durch Vertrauen, Empathie und Solidarität - durch Vertragsbeziehungen ersetzt werden, durch Mitgliedschaften, Abonnements, Eintrittsgebühren, Vorauszahlungen und Beiträge.
Aber wenn praktisch alle Beziehungen zu kommerziellen Beziehungen werden und das Leben eines jeden Menschen 24 Stunden täglich zum Gegenstand des Kommerzes wird, was bleibt dann für nichtkommerzielle Beziehungen übrig - für die Beziehungen, die auf Verwandtschaft, Nachbarschaft, gemeinsamen kulturellen Interessen, religiöser Zugehörigkeit, ethnischer Identifizierung und brüderlichem oder staatsbürgerlichem Engagement beruhen? Wenn Zeit selbst gekauft und verkauft wird und das Leben wenig mehr als eine fortgesetzte Serie kommerzieller Transaktionen ist, die durch Verträge und Finanzierungsinstrumente zustande kommen, was passiert dann mit den traditionellen Beziehungen, die auf Zuneigung, Liebe und Hingabe beruhen? ... Wenn praktisch jeder Aspekt unseres Seins zu einer bezahlten Aktivität wird, wird das menschliche Leben selbst das ultimative kommerzielle Produkt, und die kommerzielle Sphäre wird die letzte Herrin über unsere persönliche Existenz. S. 152-153
Die Ich-Ag mit ihrem Lifetime-value ist das Mass für die Werte, die sich mit einem Menschen schöpfen lassen, wenn jeder Augenblick seines oder ihres Lebens in irgendeiner Form vermarktet wird. - Wenn also Existenzialismus vom Markt realisiert wird.
Dass sich das Kapital heute lieber von Eigentum verabschiedet ist die Folge der zunehmenden Belastung die Rationalisierung und Mechanisierung nicht nur den Arbeitern, sondern auch dem festen Kapital, dem investierten Kapital, aufbürden. Was den Verlust an Arbeitsplätzen durch Rationalisierung betrifft, so setzt auch Rifkin auf kulturelle Bereiche ... obwohl er sich in einem grossen Teil des Buches der Kritik der globalen Kulturhändler widmet.
Wahrscheinlich benötigt man im Jahr 2050 nicht mehr als fünf Prozent der erwachsenen Bevölkerung um die herkömmliche Industrie und ihre Betriebe zu leiten und in Gang zu halten. Landwirtschaftliche Betriebe, Fabriken und Büros, in denen fast niemand mehr arbeitet, werden selbstverständlich sein. Neue Beschäftigungsmöglichkeiten werden sich eröffnen, jedenfalls für die meisten Menschen, allerdings als bezahlte kulturelle Arbeit im kommerziellen Bereich. [S. 17:]
Rifkin sieht in der modernen Entwicklung des Handels ganz und gar nicht freien Markt und Wettbewerb, sondern präzise das Gegenteil, nämlich die Bildung von feudal beherrschten Vasallen zur Verhinderung von Wettbewerb und Freiheit durch Netzwerke mit Zugangsbeschränkung:
Märkte sind Orte an denen Verkäufer und Käufer zusammen kommen, um Waren und Dienstleistungen zu verkaufen und zu kaufen. Netzwerke jedoch sind ihrer Struktur nach darauf angelegt, den klassischen Handel auszuschalten und ihn durch Verbindung von Anbietern und Nutzern zu ersetzen.
Das kapitalistische System, das immer dann am besten funktioniert hat, wenn Märkte erweitert und Handelsbeziehungen ausgebaut werden konnte (also bei Wachstum), macht sich nun systematisch daran, gerade diese Kernprinzipien und damit seine institutionellen Grundlagen zu dekonstruieren. Der Kapitalismus lässt die Märkte hinter sich und erfindet sich selbst schrittweise neu: in Gestalt von Netzwerken. Dabei entwickeln sich neue Formen institutioneller Macht, die möglicherweise gefährlicher sind als alles, was der Gesellschaft unter dem langjährigen Marktregime widerfahren ist.
Zur Ware werden nicht die Dinge, sondern die Beziehungen zwischen den Verhandlungs- oder Vertragsparteien (also ein Rückschritt zu den feudalen Vogteien, die ebenfalls als "Optionen" handelbar waren, und dies bereits im Mittelalter.). Nur so erhalten sie jeweils Zugang zu materiellem und immateriellem Eigentum.
Die Trennung von Sach-Kapital und Profitstrategie-Herrschaft
Es wird immer deutlicher, dass Gewerbeimmobilien, einst als Filetstücke des auf Privateigentum beruhenden Systems und lange Zeit als Gradmesser für die Gesundheit des Kapitalismus betrachtet, im Zeitalter des Zugangs zumindest in einigen Branchen kaum mehr als Zeichen des Reichtums gelten können, vielmehr belasten sie Wertschöpfung und Gewinnsteigerung. [S. 50]
1982 machte das Sachvermögen, Grundstücke, Fabriken, Anlagen, von Bergbau und Produktionsfirmen 62.3 Prozent des Marktwertes eines Unternehmens aus, zehn Jahre später dagegen waren es nurmehr 37.9%
Materieller Besitz, bisher die Basis ökonomischer Macht, verliert an Bedeutung. Dagegen werden geistiges Eigentum, Patente, Copyrights, Warenzeichen, Betriebsgeheimnisse und Beziehungen zu den Mitteln, derer sich Mega-Anbieter, Herrscher über ausgedehnte Netzwerke, bedienen um sich ökonomische Macht zu verschaffen. Die Anbieter der neuen Ökonomie werden allerdings ihr Eigentum behalten, sie werden es verpachten und vermieten oder auch Zugangsgebühren, Abonnements- oder Mitgliedsbeiträge für seinen befristeten Gebrauch erheben. [S. 11]
In der Welt des Adam Smith gründet das Spiel des Marktes auf der Fähigkeit, Eigentum anzuhäufen, zu halten und andere auszuschliessen. In einer vernetzten Ökonomie führt das Eigeninteresse auf einen ganz anderen Weg. Wenn jedes Unternehmen in ein Netz gegenseitiger, für alle nützlicher Beziehungen eingebunden ist, das geknüpft wurde, um die Gesamtleistung aller zu optimieren, rückt der Erfolg jedes Einzelnen in greifbare Nähe - was in der Geschäftswelt auch als Winner-Winner-Strategie bezeichnet wird.
So weit so gut, tönt genau nach der partizipativen Entwicklung in der jeder nach seinen Stärken und Leistungen am Markt teilnehmen kann, welche die Freunde des freien Marktes nur durch den Staat bedroht sehen. Aber:
Wenn sie ein Netzwerk zur Organisation des Vertriebs aufgebaut haben, können die grössten transnationalen Konzerne ... sich von Betriebsanlagen und technischen Ausrüstungen, von Mitarbeitern und Spezialisten befreien. Um die Inhalte für ihre Vertriebsnetze zu produzieren, knüpfen sie strategische Beziehungen mit Anbietern aller erforderlichen Leistungen. In einer Welt wachsender Konkurrenz, immer differenzierterer Produkte und Dienstleistungen sowie immer kürzerer Produktionszyklen halten sich Konzerne an der Spitze, indem sie Finanzen und Vertriebskanäle kontrollieren und gleichzeitig den kleineren Einheiten die Last des Eigentums und des Managements materieller Vermögenswerte aufbürden. [S. 41].
Es gilt also in der heutigen schnelllebigen Wirtschaft Schulden genau so wie die Akkumulation von Sachkapital zu vermeiden: Wir müssen uns von der Vorstellung verabschieden, dass der Besitz oder sogar die Kontrolle von Kapital notwendig sind, um Marktbedürfnisse zu befrieden. Was bisher käuflich war, wird (bloss noch) zugänglich S. 15 (> Feude)
Verantwortung und Risiko werden auf die Art überwälzt.
Beispiele: Nirgendwo hat Outsourcing weitreichendere Folgen als in der Produktion. Für die Industrie, deren Ertragskraft lang Zeit am Sachanlagenvermögen gemessen wurde, haben sich die Regeln des kapitalitischen Spiels grundlegend geändert. In weniger als einem Jahrzehnt haben sich die bekanntesten Hersteller in Designstudios und Vertriebshäuser verschlankt, haben Anlagen und Eigentum aufgegeben und die Produktion aussenstehenden Vertragspartnern übertragen. Die neuen "Generalübernehmer" sind riesige Organisationen, die für andere Unternehmen Fabriken betreiben und Versorgungsnetzwerke überall in der Welt managen.
Wenn ein General das Prinzip der Anpassungsfähigkeit vernachlässigt, darf man ihm keine bedeutende Position anvertrauen. Der fähige Anführer setzt den weisen Mann, den tapferen Mann, den habgierigen Mann und den dummen Mann ein. Denn der weise Mann freut sich daran, Verdienste zu erwerben, der tapfere Mann will seinen Mut im Kampf beweisen, der habgierige Mann sucht seinen Vorteil, und der dumme Mann hat keine Furcht vor dem Tod. Sima Quian, Ergänzungen von 100 v.Chr. zu Sun Tsi (Sunzi / Sun Tzi): Die Kunst des Krieges: Das Schwert in der Scheide.
Es geht hier also nicht um Wettbewerb, sondern um Kooperation, um Denken in Systemen und um Konsensbildung. Sich im Wettbewerb zu zerfleischen wird den Dummen überlassen.
Die wachsende Kluft zwischen Buchwert und Marktwert wird immer deutlicher. Nike z.B. ist bloss noch ein virtueller Produzent. Die Arbeiten werden durch lokale Mindestlohnbetriebe ausgeführt - die Erträge entstehen durch Werbung, PR, durch die Marke (das Logo. s. Naomi Campbel: No Logo. Ergänzungen daraus hier, in Kürze.).
Fazit: Markennahmen erlauben eine viel höhere Wertschöpfung als Sachvermögen der Lizenznehmer.
Die Marktkapitalisierung von IBM betrug im November 1996 insgesamt 70.7 Milliarden Dollar, während Microsoft auf 85.5 Milliarden kam. Auf der anderen Seite besass IBM Fabriken, Anlagen und Immobilien im Wert von 16.6 Milliarden Dollar, während die festen Anlagen von Microsoft nur einem Wert von 930 Millionen Dollar entsprachen. Dream Works (Spielberg, Katzenberg, Geffen) erhielt 2 Milliarden bei der erster Aktienemission - ohne das geringste Sacheigentum.
Der Autohersteller General Motors hat im Jahr 1977 Produkte im Wert von 178 Milliarden Dollar verkauft. Damit war GM die Nummer eins unter allen Unternehmen weltweit. Die Marktkapitalisierung jedoch betrug weniger als die Hälfte dieser Summe. GM ist das klassische Beispiel eines altmodischen Unternehmens mit einem grossen Anlagevermögen, das in Fabriken, Maschinen, Ausrüstungen, Lagerhäusern und anderen festen Einrichtungen gebunden ist. Seiner Bilanz nach scheint GM gesund zu sein. In der Realität einer neuen globalen Ökonomie erweisen sich die materiellen Vermögenswerte von GM jedoch als Belastung. Chrysler dagegen ... hat sich vom grössten Teil seines Eigentums getrennt ... (entwickelte sich aber trotzdem in den letzten Jahren nicht gerade zu einer Erfolgsstory ....).
Diese Anforderung entsprechen zunehmendes Leasing und Franchising. In Südkorea sind 23% der Investition geleast, in Grossbritannien 19, Deutschland 15.9, Irland 42, Kanada 12.8, Italien 10.8, Schweden und Philippinen 20%. Ein Pionier darin war Ross Perrot.
Leasing hat sich insbesondere bei Fahrzeugen durchgesetzt. Vor einem Jahrzehnt mussten die Käufer den Gegenwert von 22 Wochenlöhnen für den Kauf eines neuen Autos aufbringen. Mitte der neunziger Jahre brauchte man für ein gleichwertiges Fahrzeug bereits den Gegenwert von 26 Wochenlöhnen. "Zudem war der Kauf des ersten Automobils für die meisten Menschen so etwas wie eine Taufe oder Konfirmation - die Aufnahme in die Gemeinde der Eigentümer. Mit dem Autokauf zeigten wir unsere Bereitschaft, die Verhältnisse zu akzeptieren, die mit der Zugehörigkeit zur besitzenden Klasse verbunden ist. Heute ist ein Drittel aller Automobile und Lastwagen auf den Strassen der USA geleast, beim Jaguar XJ sind es sogar über 90%! [S. 100]
Die wirkungsvollste feudale Einbindung von Vasallen ist das Franchising [S. 79 ff.]
| Definition: Franchising [vom engl. "Konzession"]
bezeichnet die Lizenzvergabe von ausformulierten Geschäftsformaten. Die
Kooperation zwischen juristisch selbständigen Organisationen wird
vertraglich geregelt. Der Franchise-Geber überlässt dem Franchise-Nehmer,
gegen Entgelt, die Rechte auf Nutzung des Firmennamens, auf Herstellung oder
Vertrieb eines Markenartikels und/oder von Dienstleistungen. Oft wird auch
Unterstützung bei Aufbau und Führung des Unternehmens gewährt. Der
Franchise-Geber behält weitgehende Rechte, insbesondere Weisungs- und
Kontrollrechte.
n. Meyers grossem Taschenlexikon |
Bis vor kurzem waren kleine Unternehmer nur lose an grosse Konzerne gebunden. Jedes arbeitete mehr oder weniger in seinem eigenen Bereich und besetzte exklusive, manchmal auch mit anderen geteilte Marktnischen. Mit Franchising verwandeln Branchenführer kleinere Unternehmen unaufhaltsam in lokal agierende Surrogate. Sie sind, als Subunternehmen, durch ein klar definiertes Netz von Vertragsregelungen fest mit den Grossunternehmen verbunden. Weil sie Zugang zu den Grössenvorteilen gewinnen wollen, in deren Genuss sonst nur Grossunternehmen kommen, geben lokal operierende Unternehmen ihre Unabhängigkeit auf. [S. 80]
Über 1/3 der Geschäftsmodelle in den USA beruhen auf Franchisen.
Die Besitzer eines lizensierten Schnellrestaurants ... rangieren, genau betrachtet, auf einer unklaren Position zwischen Kleingewerbetreibenden oder kleinen Angestellten und den Managern. Einerseits haben sie einige der Kennzeichen eines selbständigen unabhängigen Produzenten, andererseits werden sie mehr und mehr zu Funktionären kapitalistischer Grossunternehmen. [S. 82]
Kritik: Franchising verringert die wirtschaftliche Bedeutung des gestreuten Privateigentums an Unternehmen stetig!
Die Lizenznehmer kontrollieren die immateriellen Werte, die von zentraler Bedeutung sind, denn sie bestimmen das Wesen eines Unternehmens, und damit kontrollieren sie häufig auch, mehr oder weniger direkt, die materiellen Vermögenswerte. Oft ist der Lizenzgeber selbst Hauptmieter des Geschäftslokals und schliesst mit dem Lizenznehmer einen Untermietvertrag. In den USA sind Lizenzgeber sogar häufig Eigentümer der Grundstücke, auf denen Franchise-Niederlassungen errichtet werden. Ray Kroc, der Gründer von McDonald's sah im Besitz von Grundstück und Gebäude, in dem der Lizenznehmer sein Geschäft betreibt, die einzige Garantie dafür, das Geschäft umfassend beherrschen zu können. ... jedesmal wenn McDonald's System Inc. davon unterrichtet, dass ein Betrieb die Qualitäts- und Dienstleistungsstandards von McDonalds nicht vollständig erfüllt, kündigt die Immobilienverwaltung den Mietvertrag mit einer Frist von 30 Tagen! Damit haben wir sie tatsächlich in der Hand, und, bei Gott, wir müssen sie nicht länger verhätscheln oder mit ihnen rumspielen. Wir ordnen an, anstatt herumzugehen und sie zu bitten, mit uns zu kooperieren.
Die Aussage zeigt deutlich, dass
Selbst alltägliche Geschäftsabläufe bestimmt der Lizenzgeber. Das McDonalds Handbuch hat 600 Seiten, die etwa auch das Verhalten der Verkäufer beschreiben, wenn diese auf Kunden warten. Lizenzgeber haben das Recht zu Inspektionen ohne Anmeldung, sowie zur Befragung von Kunden. Sie setzen Preise, oder zumindest ober- und Untergrenzen fest, die Höchstzahl der Urlaubstage, die der Lizenznehmer beziehen darf (also eh auf eigene Kosten!). Der Lizenznehmer ist also eher Vasall der Mutterfirma als Selbständiger.
Theodore Kaczynski erwähnt in seinem "Unabomber Manifesto" einen Artikel aus dem Wall-Street-Journal, in dem ein Persönlichkeitstext beschrieben wird, dem sich Franchisenehmer unterziehen müssen. Durch diesen Test sollen alle ausgeschieden werden, die über zu viel Eigeninitiative und Kreativität verfügen, da solche Typen zu wenig Gefügig sind, um sich den Anforderungen des Franchisesystem gehorsam zu unterwerfen.
Am besten beobachten lassen sich die neuen Herrschaftsstrategien dort, wo sie eigentlich nur noch auf patentiertem Wissen beruhen, insbesondere bei der Gentechnik:
| Unter http://www.freepatentsonline.com/ können Sie nicht nur sehen, wie viel Unsinn so patentiert wird http://www.freepatentsonline.com/crazy.html - sondern auch prüfen, in welchem Umfang z.B die Forschung in Molekularbiologie und Gentherapie "privatisiert" wurde ... und 100'000 Resultate zum Thema "seeds". |
Hier hätten wir bereits zwei wichtige Beispiele dafür, was Rifkin mit Zugang (Access) meint. Hier werden auch die Folgen von Wettbewerb klar. Für die Gewinner, die Anbieter, öffnet sich ein Topf voller Gold, für die Verlierer, die Ausgeschlossenen, wird ein weiterer Topf am Wegrand aufgestellt, in den sie ihren Obolus zu entrichten haben. Und er wird nicht vom Staat aufgestellt.
Auch wenn es übertrieben scheint: Geht der Verkäufer auf einem Markt der Käufer durch die Kundentür, muss er die Idee aufgeben, eine Ware oder eine Dienstleistung zu verkaufen. Er muss dem Kunden Kostenfreiheit bieten. Aber wie sollte ein Verkäufer Geld verdienen, ohne zu verkaufen? Es gibt nur einen Weg: Er muss als Comanager der Kundenaktivitäten auftreten, dabei dessen Leistung und Gewinne verbessern und sich mit diesem die Erträge teilen. Noch einmal sei betont, dass der Anbieter dem Kunden kein materielles Produkt verkauft. Stattdessen verleiht er sein Wissen und seine Sachkenntnis und hilft so dem Kunden, dessen Geschäfte zu tätigen. Der Kunde wird zum Klienten und Partner. S. 124 ... Der Konsument wird mobilisiert und in ein immer dichteres Netz von andauernden kommerziellen Beziehungen eingebettet und droht vollkommen von den kommerziellen Kräften abhängig zu werden, die er kaum versteht und über die er immer weniger Kontrolle besitzt.
Systemintegratoren koordinieren einen immer grösseren Teil des kommerziellen Lebens ihrer Klienten. - Selbstgestaltung und Politik werden verdrängt.
Durch diese Degradierung der Produktion zu einer Marketingfunktion wurde in den letzten Jahren besonders die Arbeit der Ingenieure enorm entwertet. Statt "ingenieus", also genial, erfinderisch und künstlerisch tätig zu sein, müssen sie heute das liefern, was das Marketing bestellt, was sofort verkaufbar ist. Das gilt nicht nur für Wirtschaftsunternehmen, sondern genau so bei NGOs ... oder haben Sie sich noch nie gewundert, warum (und wo wohl) die Entwicklungsagenten immer weitere Brunnen bauen wollen? Oder wie sich eine paternalistische Patenschaft mit eigenständiger Entwicklung verbinden lässt?
Die kulturelle Produktion beginnt die materielle zu überflügeln: Exxon, GM, USX, Sears weichen den Giganten des kulturellen Kapitalismus: Viacom, Time Warner, Disney, Sony, Seagram, Microsoft, News Corporation, General Electric, Bertelsmann AG und PolyGram. Begonnen hat die Geschichte und der Erfolg dieser Vermarktungsstrategien mit den:
Einkaufszentren
Das erste geschlossene Einkaufszentrum war Southdale, das 1956 in Edina, einer Vorstadt von Minneapolis, USA, eröffnet wurde. Obwohl ... das dürfte US-Propaganda sein, denn eben so gut könnte man die Basare von Konstantinopel, Kairo, Bagdad; Teheran; die Galleria Vittorio Emanuele II. in Mailand oder die Burlington Arcade in London (1819) als Ursprung betrachten. (Details s. Wikipedia). Auf jeden Fall wurden diese Monster weder in der Schweiz noch in Deutschland erfunden. In Deutschland war das erste das Main-Taunus-Zentrum in Frankfurt (1964). In der Schweiz waren die ersten Ansätze etwa der Globus (Zürich 1907). wurde das Konzept von Gottlieb Duttweiler (Migros) ab 1948 [M] nach und nach eingeführt: > MM (1966 in Chur) > MMM > MMMM ... Coop kam dann meist mit was ähnlichem etwas hintendrein. Denner 1962 Schwamendingen. ...
Um die Jahrtausendwende gab es in den USA 43'000 Einkaufszentren (incl. 1800 abgeschlossene Malls), 279 in Deutschland. Ein grosser Teil der Freizeit wird hier verbracht, hier wird "Kultur" vermittelt, d.h. verkauft. Einkaufszentren ersetzen heute die Kathedralen des Mittelalters. Sinngemäss sind sie deshalb oft verbunden mit Fussballstadien, einem weiteren Kondensationspunkt postmoderner "Kultur".
Die neuen Einkaufszentren der Zukunft werden "destination entertainment centers" genannt, man reist an, weil man sich amüsieren will. Sonys neues Metreon in San Franzisco, dessen Baukosten auf über 160 Millionen Dollar geschätzt werden, ist ein "Urban Entertainment Center" auf dem neuesten Stand der Technik. Der ungefähr 32500 Quadratmeter grosse Komplex beherbergt zwölf Kinos, en 3-D-IMAX-Kino, acht gehobene Esslokale, eine "Airtight Garage" genannten Spielsalon und eine Sony Play Station, wo man Videospiele an der "Computer-Bar" bestellen kann. [S. 212]
Diese Zentren bieten einen Balkon auf die Bühne, auf der ein Mix ideal gewählter Stücke gespielt wird: Kaufhaus, Juwelier, Sportgeschäft, Video, Buchladen, Restaurant, Boutiquen, Geschäfte mit Neuheiten in genau taxierter Mischung um die ideale Einkaufsumgebung zu schaffen. Wissenschaftlich wird der rechte (profitabelste) Mix aus Einkommensniveau, ethischer Zusammensetzung, Geschlecht, Lebensstil erhoben:
Genau gesprochen, er war das geblieben, was man eine Hoffnung nennt, und Hoffnungen nennt man in der Republik der Geister die Republikaner, das sind jene Menschen, die sich einbilden, man dürfe seine ganze Kraft der Sache widmen, statt einen grossen Teil von ihr auf das äussere Vorwärtskommen zu verwenden; sie vergessen, dass die Leistung einzelner gering, das Vorwärtskommen dagegen ein Wunsch aller ist, und vernachlässigen die soziale Pflicht des Strebens, bei der man als Streber beginnen muss, damit man mit den Jahren des Erfolgs eine Stütze und Strebe abgeben kann, an deren Gunst sich andere emporarbeiten. Robert Musil: Der Mann ohne Eigenschaften. S.46.
Value and Life Style (VALS), ein Programm des Standford Research Institutes, liefert Indizes, die Alter, Einkommen und Familienzusammensetzung in Bezug auf Freizeitvorlieben und kulturellem Hintergrund setzen. In solchen Modellen wird antizipiert, welche Einkaufserlebnisse die Kunden wahrscheinlich suchen. Die Kunden werden nach Lebensstilkategorien unterschieden. Die Leistungstypen (hart arbeitenden, materialistische, gut gebildete traditionelle Kunden, die wichtigsten Luxusartikelkunden) werden bei Brooks Brothers, Bloomingdales oder Neiman Markus einkaufen gehen; die Streber (jüngere statusbewusste, auffällige Kunden) wird man bei Ann Taylor oder Ralf Laurent treffen; die Ausdauernden (kämpfende Arme) und Besitzer (konservative, angepasste Käufer der Mittelklasse mit niedrigem bis bescheidenem Einkommen) sind eher wertorientiert und werden wahrscheinlich bei K-Mart und J.C. Penney einkaufen. [S. 210]
Tourismus
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| Ziele (oben) und Herkunft von Touristen. Die Einkünfte aus Tourismus sind logischer weise ganz gleich verteilt. |
Nach Lebensmitteln und Wohnen stehen Erholungs- und Vergnügungsreisen an dritter Stelle der Ausgaben von Privathaushalten. [S. 195] Die Branche beschäftigt weltweit über 230 Millionen Menschen, also 10% der Arbeitskräfte. Die G7-Staaten stellen 30% aller Touristen der Welt.
Cook: Wenn man Erlebnisse zum käuflichen Angebot machen will, muss man ein ganz anderes Gespür für die Bedürfnisse haben. Die neuen künstlichen Räume erlauben den Touristen Besichtigung, ohne selbst in direkten Kontakt mit fremden Menschen treten zu müssen.
Man kann Erleben ohne müde oder gar schmutzig zu werden, bequem, aus sicherer Distanz. Unberührte Natur, fern der Zivilisation, Ruhe ... Flughafen in max. 20 Minuten zu erreichen, mehrer 5_Stern-Hotels mit Mietautos, Booten, Unterhaltungsmöglichkeiten rund um die Uhr, Tageszeitungen ....
Die meisten Hotels, Fluglinien, Ferienklubs, Reiseunternehmen und Kettenrestaurants gehören internationalen Konzernen die ihren Hauptsitz in den Weltstädten der G7 haben. So fliessen in Nepal 70% der Einnahmen aus dem Tourismus in den Westen, in Costa Rica 45%, Thailand 60%., weltweit 55%.
Diese Institutionen sind aber nicht nur in der 3. Welt wenig er- und verträglich für die lokale Bevölkerung und Natur. Um etwa in den exklusiven Kreis der max. 864 möglichen Mitglieder des Yellowstone Clubs aufgenommen zu werden, müssen Sie ein Vermögen von min. 3 Millionen $ besitzen und eine Aufnahmegebühr von16'000 Dollar errichten. Die Komfort-Migranten bezahlen viel Geld für solch alternative Themenpärke, an deren Rand eine wachsende Pufferzone für working poor eingerichtet werden muss. Viele der neuen "Siedler" fechten heisse Kämpfe mit lokalen Bauern, Ranchern, Minenbesitzern und Holzfällern aus, deren eigentumsorientiertes Leben davon abhängt, dass sie die natürlichen Ressourcen weiterhin ausbeuten können. Die Neuankömmlinge möchten genau diese Ressourcen am liebsten unberührt lassen, weil sie die unverdorbene Natur der Region geniessen wollen. Für die reichen Siedler ist das Landschaftserlebnis viel wichtiger, als diese nutzbar zu machen. Ähnliches darf von den Vorschlägen betr. des "Naturschutzreservats Alpen" angenommen werden, ein Vorschlag der sinngemäss von städtischen Architekten stammt ... und peinlicher- (wie auch verständlicher-)weise vom Naturschutz übernommen wurde.
Kulturindustrie ist der am schnellsten wachsende Sektor der globalen Wirtschaft. Film, Radio, Fernsehen, Plattenindustrie, globaler Tourismus, Einkaufszentren, Unterhaltungszentren, Themenstädte, Themenparks, Mode, Küche, Profisport und -spiele, Glücksspiel, Wellness, Cyberspace
Der Soziologe Daniel Bell teilt moderne Zivilisation in drei eigenständige, jedoch zusammenhängende Sphären auf: Wirtschaft, Politik und Kultur. Nach Bell ist es ein wesentliches wirtschaftliches Prinzip, alle Ressourcen zu ökonomisieren. In der politischen Sphäre ist Teilhabe der höchste Wert. In der kulturellen Sphäre besteht der Wert in Selbsterfüllung und -verbesserung. Im Laufe des letzten Jahrhunderts haben die Werte der politischen und der kulturellen Sphäre zunehmend Warencharakter angenommen.
Wenn der ältere, an der Produktion orientierte Kapitalismus Kreativität, Selbsterfüllung und den Wunsch nach Vergnügen und Spiel unterdrück hatte, so setzte der neue konsumorientierte Kapitalismus diese aufgestauten Bedürfnisse frei: Er suchte die Unterstützung der Künste, um eine alles durchdringende Konsumkultur aufzubauen. Er lockte die Künste aus der kulturellen Nische, wo sie die wichtigsten Vermittler kollektiver Werte gewesen waren, auf den Markt. Dort wurden sie zur Geisel von Werbefirmen und Marketingberatern, die angeheuert waren, um einen "Lebensstil" zu verkaufen. S. 188
Konsumption bedeutete allerdings im Englischen bis ins 19. JH hinein verwüsten, plündern, erschöpfen, verringern.
Hier setzt nun die Kritik von Rifkin an, denn: Gemeinschaften wurzeln darin, dass ihre Mitglieder Bedeutungen und Kommunikationsformen teilen. Dieses Teilen von Bedeutung und Kommunikationsform ist aber recht eigentlich die Definition von Kultur.
Weitere Definitionen von Kultur:
Kultur sind die Bedeutungsnetze, die der Mensch um sich herum spinnt, die Kommunikationsmittel Sprache, Kunst, Musik, Tanz, Text, Film, Software.
Clifford Geertz
Mensch zu sein bedeutet sich in Kommunikation mit irgendeiner menschlichen Kultur zu befinden.
Le Thayer, Medientheoretiker.
Kommunikation ist der Kern der Kultur, ja des Lebens.
Edward T. Hall, Anthropologe
Informationsspezialisten und - Ingenieure haben da einen engeren Blickwinkel, sie sehen Kommunikation vor allem als Übermittlung von Nachrichten, also als technisches Verfahren -
- während dem Kommunikation für die Anthropologie derjenige Vorgang ist, durch den gesellschaftlich Sinn geschaffen wird.
Die Semiotik (de Saussure, Ch. S. Pierce) untersucht, wie Kommunikation Bedeutung schafft, gemeinsame Werte reproduziert und Menschen in gesellschaftliche Beziehungen einbindet.
Die Strukturalisten wiederum interessieren sich dafür, wie Sprache, Mythos und andere symbolische Systeme genutzt werden, um der gemeinsamen gesellschaftlichen Erfahrung Sinn zu geben. [S. 185]
Eine industrialisierte Kultur liefert dagegen eher die Möglichkeit, Lebensstile einzukaufen .... was natürlich um einiges angenehmer, unbeschwerlicher und einfacher ist, als gemäss den existenzialistischen Grundsätzen frei handelnd, denkend und lernend zum Menschen zu werden.
Wer sich ein Hemd von Zenga, eine Lampe von Bill Blass oder ein massgeschneidertes Auto von Eddie Bauer kauft, kauft den Zugang zu einem Lebensstil - zum Bild eines Lebensstils, den er gerne führen und erfahren würde.
Der Kauf einer Marke versetzt den Käufer, die Käuferin in eine imaginäre Welt; sie haben den Eindruck, sie teilten sich die von den Designern gelieferten Werte und Bedeutungen tatsächlich mit anderen.
Die erste dieser Veranstaltungen des Lebensstilsmanagements war Hands Across America, das als grösstes Mitmach-Event der Geschichte bezeichnet wurde und grosse Aufmerksamkeit in den Medien und beim Publikum erntete. Die Idee zu dieser Veranstaltung stammte von kulturellen Nonprofit-Organisationen, die die öffentliche Aufmerksamkeit auf den Hunger in der Welt und die Hilfe für die Armen lenken wollte. Sie planten eine 6500 Kilometer lange Menschenkette durch die USA von Küste zu Küste, bei der sich die Menschen in Solidarität mit den Armen die Hände reichen sollten.
Hands Across America kam für Amerika und für Coca-Cola genau zum richtigen Zeitpunkt. Das amerikanische Interesse an Obdachlosigkeit und Hunger war die ganze Zeit hoch. Wir hatten gerade Pech mit der Einführung von New Coke und der Wiedereinführung von Classic Coke gehabt. Wir brauchten etwas, womit wir das Unternehmen wieder mit Amerika verbinden konnten. Es war perfekt. [Antoni Tortorici, Vicepräsdident für Oeffentlichkeitsarbeit bei Coca Cola.]
Heute kontrollieren sechst transnationale Konzerne über 80% der Musikindustrie mit einem Gesamtwert von 40 Milliarden US-Dollar: Sony (Japan), Polygram (Niederlande), Warner (USA), BMG (Deutschland), Thorm-EMI (Vereinigtes Königreich) und MCA (Japan).
Transnationale Franchise-Unternehmen wie McDonalds, Burger King, Pizza Hut und Dunkin Donuts verbreiten ihr Geschäftskonzept schnell in Europa, Asien und Lateinamerika. In Europa sind nur 16 Prozent der gastronomischen Betriebe Franchise-Unternehmen, in den Vereinigten Staaten dagegen sind es 50 Prozent.
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Gerade letzterer ging jedoch in die Hosen. A. W. Strunck hat in seiner Dissertation: Strategien für Mergers & Acquisistions in der Medienindustrie gezeigt, dass die Verbindung von Content mit Providern (Netzwerke & Hosting) recht missglückt ist. Rifkin argumentiert noch mit der Theorie, dass 4-6 globale Gruppen auch die neuen Medien beherrschen werden, weil sich bis vor einige Jahre die Telekommunikationsunternehmen darauf konzentrieren, die Portale zum Internet und Cyberspace zu besetzen. Dies ist aber eher Misslungen, wie die meisten Portale, da unterschiedliche Inhalte eben unterschiedliche Leute ansprechen und nicht alle auf den selben Kokolores abfahren, insbesondere sich kaum nach dem Design ausrichten (Suche: gut gestaltete Website?), sondern danach, ob sie das finden was sie thematisch suchen. Die Erwartungen an die Gewinne von Online Diensten werden in dem Buch von Rifkin noch masslos überschätzt, ebenso die Beschränkung des Zugangs. Würden diese Theorien stimmen, gäbe es Brainworker nicht.
Was aber bleibt, ist die Monopolisierung der Kulturindustrie durch die USA, ein Vorgang gegen den sich Frankreich wehrt (mit mässigem finanziellem Erfolg), gegen den sich die Muslime wehren (mit wenig akzeptierten Mitteln), gegen den sich Indien und China wehren, wobei allerdings die indischen Filme recht gewöhnungsbedürftig sind und die chinesische Kultur und Kunst zu ihrer Vermittlung und Vermarktung offenbar noch ausländischer (schweizerischer) Unterstützung bedarf (s. Mahjong. Sammlung Sigg. UBS)..
Lee de Forest, Erfinder der Vakuumröhre, gab bereits 1946 einen Kommentar ab betr. der Nutzung des neuen Mediums, den sich die ach so tollen Webdesigner von heute hinter die Ohren schreiben sollten:
Sie haben daraus eine Witzfigur der Information gemacht. ... Sie haben Zeit in kleine Teile zerrissen, die Spots genannt werden (richtiger wären Flecken), so dass das gelegentlich gute Programm durch unverschämtes Drängen zum Kauf und Ausprobieren versaut wird.
Was würde der Arme wohl heute dazu sagen ..... Zeitreise, Vakuumröhre zerschlagen ... womit der Weg frei wäre zum digitalen Zeitalter mit seinen zusammenhangslosen Informationssplittern. Das Selbe passiert im Internet durch Zerlegung in kleinste Einheiten mittels Slicing (graphisch) oder der Verwendung von xml-bits, insbesondere wenn die Information zum Dekor von Werbung verkommt..
Was als Risiko bleibt: Portale brauchen Pförtner, also Gatekeeper, und das ist ein Begriff unter dem traditionellerweise Journalisten verstanden werden. Portale gehören Institutionen und Individuen, die Regeln und Bedingungen des Zutritts bestimmen und kontrollieren, wer Zugang zur Netzwerkgesellschaft erhält und wer aus ihr ausgeschlossen bleibt. Es ist allerdings möglich, wenn auch mit einigem Aufwand verbunden, Portale im Internet selbst zu bauen ... Sie müssen nicht mal wie Portale aussehen ... solange sie so wirken. (s. Konzept Multiportal)
Die Privatisierung des kulturellen Gemeingutes und der Agora
Die kommerzielle Sphäre bietet etwas an, was sie letztlich gar nicht liefern kann: Zugang zu einem Leben in tiefer Verbundenheit und mit Möglichkeiten individueller Entwicklung. Die Wirtschaft kann viele wertvolle Dinge anbieten: materiellen Wohlstand, leibliches Wohl, bestimmte Formen des Wissens, Unterhaltung und Vergnügen, die alle unverlässlich für ein erfülltes Leben sind. Was die kommerzielle Sphäre jedoch weitaus weniger kann, ist das Entscheidende, nämlich soziales Vertrauen und Empathie, zu schaffen: die Werte und Gefühle, aus denen unsere Kultur besteht und mit denen wir uns als Menschen bilden. So lange die Geschäftswelt versucht, Zugang zu den Fragmenten der menschlichen Kultur und zu gelebten Erfahrungen in Form von Bricolagen und Persiflagen zu verkaufen, läuft sie Gefahr, die Quelle zu vergiften, aus der wir diese wesentlichsten menschlichen Werte und Gefühle schöpfen. [S- 332:]
Auf einer tieferliegenden Ebene ist also der Kampf zwischen Kultur und Kommerz ein Kampf zwischen immanenten und Nutzwerten. Während beide in den letzten Hunderten von Jahren im gesellschaftlichen Diskurs eine wichtige Rolle gespielt haben, sind erst in den letzten Jahren die immanenten Werte gegenüber den Nutzwerten in allen menschlichen Angelegenheiten sekundär geworden. Die Neigung, Nützlichkeit zum Referenzrahmen zu erklären, zeugt von der wachsenden Dominanz der kommerziellen Sphäre und vom langsamen Niedergang des kulturellen Bereichs. [S. 346: ]
Kultur existiert also in scharfem Kontrast zur kommerziellen Sphäre, in der alle Phänomene auf ihren Nutzen reduziert sind, in der Enteignung und Zweckdenken zu akzeptierten Verhaltensnormen wurden.
Das Wort market ist in der englischen Sprache erstmals im 12. Jahrhundert aufgetaucht und bezeichnete den physischen Ort, an dem Verkäufer und Käufer Waren und Vieh tauschen konnten. Dies ein deutlicher Unterschied zur Agora oder auch zum orientalischen Markt, auf dem nach wie vor die Begegnung und das Austauschen von Neuigkeiten dominieren.
Unsere heutigen "Märkte" sind Privateigentum, zu dem der Zugang beschränkt werden kann, das Teilnehmer zu Abgeltungsleistungen verpflichten - oder einfach ausschliessen kann. Das öffentliche Eigentum dagegen erlaubt keinen Ausschluss der Bürger von Nutzung!!! Dies dürfte das wichtigsten Argument gegen totale Privatisierung sein: Freiheit definiert als Nutzungsrecht.
Insbesondere was die private Aneignung der Agora als eines öffentlichen Forums betrifft, sind die Gerichtsentscheide widersprüchlich. In den USA wurde Aktivisten z.B. gestattet, im San-Bernardino Einkaufszentrum in Südkalifornien Flugblätter zu verteilen, da das heutige Einkaufszentrum eine Analogie zum öffentlichen Platz der Stadt sei. 1972 war dies den Antikriegsaktivisten noch verwehrt worden, da dies einen ungerechtfertigten Verstoss gegen die Eigentumsinteressen der Besitzer sei.
Es wird so immer schwieriger für die Bürger, mit andern Bürgern zu kommunizieren, da die Agora privatisiert wurde und weiter wird, was insbesondere dort kritisch ist, wo es um die Wissenschaft geht. s. Novartis Campus. DIE Wissenschaft sucht Wissen für die Allgemeinheit. Das ist allerdings ein Pleonasmus, denn Wissen das nur für wenige gilt oder nur wenigen bekannt ist, ist eigentlich kein Wissen, sondern privates Meinen - oder eben ein Geheimnis. Private Forschung betreibt Geheimwissenschaft, da es um Patente, wirtschaftlichen Vorsprung, Nutzung, Umsetzung geht, weit mehr als um Wissenschaft an und für sich. Also wird Forschung eingesperrt. Da Forscher sich aber, wie die meisten Menschen, nur ungerne einsperren lassen, werden in den neuen Ritterburgen, den Burgen des Wissens, Luxuskäfige eingerichtet.
Die Reaktion auf diese Verdrängung der Bürger aus dem öffentlichen Raum war rts: reclaim the street. Durch die Entwicklung zur Street Parade wurde sie allerdings total verhunzt, kommerzialisiert und apolitisch.
Da die einseitige private Aneignung von Geld aber weitaus mehr Neid ... und Probleme ... hervorruft als die private Aneignung von Wissen, verziehen sich die Aneigner immer mehr hinter Mauern und auf Burgen. Ganz extrem ist dies seit Kriegsende in Bagdad zu beobachten, insbesondere in der green zone, die als veritabler Irrgarten angelegt ist.
Gated communities
30 Millionen Amerikaner, somit 12% der Bevölkerung der USA, wohnen gegenwärtig in ca. 150'000 Common-Interest-Developments. Die erste dieser abgeschirmten Siedlungen entstand 1928 als Gründung von Charles Stern Ascher in Radbury, New Jersey. Bis 1962 gab es noch weniger als 500 davon. Die Einwohner begrüssen es, unter Gleichgestellten (ohne Neidgenossen) zu leben, geschützt durch Sicherheitskontrollen und Zugangsbeschränkungen.
Die Mitglieder sind Eigentümer der eigenen Wohnung und Miteigentümer der gemeinsamen Anlagen: Garten, Rasen, Strassen, Parkplätze, Schwimmbäder, Erholungszentren etc. Communitiy-Projekte verkaufen damit Lebensstile (auch hier wieder als kaufbar, nicht als kulturell vermittelt und persönlich entwickelt) und nicht nur Wohnhäuser. Diese Käuflichkeit hat aber zwei Schneiden:
Die gelebten Erfahrungen der Menschen werden jedoch oft auf Kosten ihrer Eigentumsrechte selbst kommerzialisiert. Die Leitlinien und Vertragsvereinbarungen, die das Leben in einer Community regulieren, setzen auf raffinierte Weise Eigentums- und Besitzrechte ausser Kraft. Diese Wohnanlagen, die man sich oft als private, als Staaten im Staat vorstellt, werden von einem kommerziellen Immobilienentwickler erbaut. Sie entwerfen die Verfassung und legen die begleitenden Regelungen und Verpflichtungen fest.
Weil der Bauträger das Eigentum an unverkauften Bauplätzen behält und ausgedehnte Stimmrechte geniesst, kann er alle Entscheidung der Vereinigung bis weit in die Entwicklung der Community hinein wirkungsvoll beeinflussen: Die Bauträger giessen einen grossteil ihrer Vorstellungen über die Art und Weise, in der die Menschen leben sollen, in Beton.
Gated communities, der Himmel der Spiesser und Sektierer: Die Vorstände der Communities üben grosse Macht über das Privatleben ihrer Bewohner aus. Die oft absurd langen Listen enthalten Bestimmungen über die Farbe der Ziegel der Gartenhäuschen, die Höhe der Mauern und Bäume, die Nutzung der Privatparkplätze (Boote abstellen verboten), Grenzen für Besuchszeiten, Verbote für Kinder, Sperrstunden für Besuche von Nachbarn. Die Siedlung Leisure World verbot Nichtmitglieder das Verteilen von Broschüren, weil diese nicht vom eigenen Verlag gedruckt waren. In Monroe, New Jersey, verklagte der Vorstand einer Community einen Hausbesitzer, weil dessen damals 45-jährige Frau weit unter der von der Vereinigung festgesetzten Altersgrenze für Einwohner lag. Der Ehemann wurde aufgefordert, entweder das Haus zu verkaufen oder von seiner Frau getrennt zu leben.
Ein weiteres Problem der Agora: Communities sind Privatgelände, müssen also nicht öffentlich zugänglich sein. Hier können höchst "eigenwillige" Subkulturen gedeihen. Selbes Problem: Migros, Coop, Chemie Basel, speziell Novartis Campus
Risiko = Chance
Anders als im Mittelalter (oder heute noch im Süden, bei den Arabern, Türken, etc) in dem offen und öffentlich gelebt wurde, lebte das Bürgertum meist hinter verschlossenen Türen. Sein Leben war ein inneres, das in kleinen Läden und Salons stattfand. Die Bourgeoisie organisierte ihr Leben nicht anders als ihre Eigentum. Jeder Aspekt des Lebens war privatisiert, kontrolliert, abgegrenzt, kategorisiert, geschützt, gehortet und den öffentlichen Blicken entzogen. Alles in dieser privaten Welt war beherrscht und organisiert. Nichts war Unordnung. [S. 267]
Sie integrierten das Konzept des Eigentums sogar in ihr eigenes Bewusstsein. "Selbstbeherrscht" zu sein, war ein erstrebenswertes persönliches Ziel eines jeden (Spiess-)Bürgers. (Einschub vom Rezensenten). Dies aufzubrechen war präzise die Absicht der 68er. Der Erfolg war allerdings mässig. Um die Mitte des 20. JH wurde das historische vom therapeutischen Bewusstsein abgelöst. Die Menschen dachten weniger darüber nach, wo ihr eigener Platz in der Geschichte sein könnte, und vielmehr daran, ihre eigene persönliche Geschichte zu leben. So weit positiv - wenn die Wurzeln in Kultur und Geschichte nicht vergessen werden, was bei den 68ern vielfach so war, trotz ausgezeichneter Vorleistungen der Existentialisten, die als Erste den Menschen als etwas erst zu Realisierendes ansahen. Da Produkte leichter herzustellen sind als Charakter, und sich leichter verkaufen lassen, wurde aus dem Sein und Werden ein Machen und Haben. Hatte die Moderne sich der Tugend (die eigentlich Werthaltung, Wertorientierung bedeutet, und keinen negativen Beigeschmack haben sollte, den sie erst durch die Sexbesessenheit der Tugendbolde erhielt) bereits entledigt, so wurde nun bald auch noch der Charakter nicht nur überflüssig, sondern der Karriere hinderlich, auf "Persönlichkeit" reduziert (... und diese oft weiter bis zur Krawatte und Anzug, die das theatralische unserer Zeit am besten Ausdrücken: Obwohl darin genau so gut oder genau so wenig ein "Charakter" stecken kann wie in Sandalen und Leinenhemden, steht der Popanz "Anzug und Krawatte", als Emblem der Seriosität, auf jeder Wallfahrt des Kapitals auf dem Podest).
Menschlichkeit und Gerechtigkeit sind die Prinzipien, nach denen ein Staat geführt wird, doch nicht die Armee; Opportunismus und Flexibilität dagegen sind militärische und keine zivilen Tugenden. Sun Tsi (Sunzi): Die Kunst des Krieges: Das Schwert in der Scheide.
Im 19. Jahrhundert war es durchaus üblich, sich das eigenen Leben als ein Produkt vorzustellen, dessen Wert mit der Zeit zunimmt. Im 20. sieht sich der Mensch als "work in progress", als Werdender, der in einem kontinuierlichen Prozess realisiert, entdeckt und aktualisiert wird. Das Selbst betrachtet sich als entfaltende Geschichte, die ständig um- und neugeschrieben werden kann. (was natürlich, auf Grund der sich häufenden Erfahrungen, genau so illusorisch und geschichtslos ist, wie die US-Idee zur gewaltsamen Verbreitung von Demokratie. Diese sich je nach Situation anpassende Einstellung müsste man eigentlich als Charakterlumpentum bezeichnen, oder zumindest als zutiefst opportunistisch. Leider fördert wirtschaftliches Denken Opportunismus, Wendehälse und Duckmäuser enorm, da jeder seine Geschäfte machen und niemand anstossen, niemanden vor den Kopf stossen will mit einer politischen oder auch anderweitigen Meinung. Das ist vermutlich der Punkt, wo die Befreiung von Zwängen und Ordnung durch die Postmoderne an ihre Grenzen stösst, nämlich, wenn der Kapitalismus sein selbst deklariertes Ziel erreicht hat, nämlich dann, wenn man sich auf nichts und niemanden verlassen kann, ausser dass jeder seinem persönlichen Profit nachrennt.). S. 272
In der Moderne wurde, als die Gesellschaft sich immer mehr an der Produktion orientierte, die Tugend an den Rand gedrängt. Die Bourgeoisie ersetzte sie durch Charakter, der Staatsbürgerschaft, harte Arbeit, Fleiss, Bestimmung, Sparsamkeit, Integrität und vor allem Erwachsen-Sein beinhaltet und damit die protestantische Arbeitsethik zur allgemeinen Norm macht.
Anfang der zwanziger Jahre kam es auf Charakter immer weniger an. Selbstverwirklichung" ruht auf "Persönlichkeit". Persönlichkeit wird jemand zugeschrieben wen sie attraktiv, kreativ, faszinierend, kräftig, magnetisch, verpflichtend, lebhaft, demonstrativ und warm ist, aus der Menge hervor sticht, Aufmerksamkeit auf sich zieht, andere zu beeinflussen vermag.
Definition Charisma: Charisma ist eine Gnadengabe (dafür steht das griechische Wort direkt ), die einem Menschen übernatürliche, übermenschliche, gottgesandte und deshalb vorbildliche Autorität verleiht und ihn gleichsam zum Führer vorherbestimmt. Die Erweiterung von Meyers Definition unter Wikipedia zeigt noch undemokratischere und noch weniger wünschbare Aspekte charismatischer Herrschaft, denn Charisma entsteht gerne bei übermässiger und kritikloser Pflege des Selbstbewusstseins, also bei Narzisten.
Die Bösewichter werden immer unkenntlicher, je mehr sie Erziehung genossen haben, je mehr Ehrgeiz sie besitzen und je wichtiger die Gesellschaft war, mit der sie umgingen.
Lichtenberg 1778 zum Thema Physiognomie
Der persönlichen Charme, das Charisma, wurde entscheidend, da der Erfolg davon abhängt, was andere über uns denken. Manieren, saubere Kleider, gepflegtes Auftreten, flüssige Konversation ( zu wissen, was gesagt werden muss und wie man es sagt( - nicht etwa das Wahre zu suchen, kritisch oder gar zynisch zu werden)), Energie, Lebenstüchtigkeit, Haltung ... seien Qualitäten, die jeder nutzen könne, um grosse Massen zu bewegen. (Orison Swett: The Masterful Personality). Was Charisma betrifft, so gibt es z.B. auch in der Schweiz eine Bewegung, die gerne von der Proporzwahl auf die Mehrheitswahl und vor allem die direkte Wahl "charismatischer" Führer umsteigen würde. Dass dies gar nicht so demokratisch ist, wie es angeboten wird, zeigt die Definition:
Das meist übersehene Problem dabei ist die doch eher unglückliche Kette von Abhängigkeiten:
Auch Image, Persönlichkeit, wurde zusehends kaufbar. Imagemacher wie Martha Stuart und Ralph Lauren stellen die Kostüme und Szenen her, die Menschen für ihre Aufführungen brauchen. Wie schnell hier Show mit Realität verwechselt wird, hat der Auftritt von Martha Stuart gezeigt, als sie wegen Steuerhinterziehung in gestreifte Kleider gesteckt wurde, und offenbar voll davon überzeugt, dass dürfe nicht sein, bei einer Person die so viel Gutes für die Menschen getan hat ....
Der Historiker Daniel Boorstin schrieb schon vor der Entfaltung des Cyberspace: Wir riskieren es, die ersten Menschen in der Geschichte zu sein, die ihre Illusionen so lebendig darstellen konnten, so durchdringend, so realistisch, dass sie in ihnen leben konnten.
Wir leben also im Showzeitalter: Charakter ist Show, Image ist Show, Mode ist Show, Business ist Mode, die Börse ist Show, die Politik ist Show ...
Aus all dem entwickelt sich nun die heute regierende Geschäftsidee des postproduktiven Showzeitalters:
Es gibt Millionen von individuellen Dramen, die als Drehbuch geschrieben und aufgeführt werden müssen. Jede bietet einen lebenslangen Markt mit einem enormen kommerziellen Potential. Die theatralischen Frauen und Männer des neuen Zeitalters, die ihre multiple Persönlichkeit pflegen wollen, können gar nicht anders: Sie müssen sich ständig Zugang zu Drehbüchern, Bühnen, anderen Autoren und zum Publikum erwerben, die der kommerzielle Bereich anbietet. Auftreten und sich immer wieder verwandeln zu können, wird zur conditio sine qua non ihrer Existenz. S. 293
Homo sapiens, Homo faber und Homo ludens - wieder eine Einheit!
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Rifkin sieht eine Ablösung der Arbeit durch das Spiel als Folge wie als Lösung dieser Probleme:
Wie wir gesehen haben, war Politik im Industriezeitalter der Kampf der widerstreitenden Parteien um die Kontrolle der Arbeit. Der Arbeitsethos ist eng mit Eigentumsverhältnissen verbunden. Arbeit hat mit der Nutzung der Natur, dem Ressourcengewinn und der Herstellung von Waren zu tun. Eigentum ist die Gestalt, welche die natürliche Welt annimmt, wenn sie aufgeteilt, bearbeitet und zur Ware gemacht wird. ... [S. 350]
Erinnern wir und daran, dass wir fast die ganze Neuzeit und Moderne durch Freiheit mit Autonomie gleichgesetzt haben und Autonomie mit der Fähigkeit, die eigenen Arbeit auf dem Markt zu verkaufen. Die Früchte dieser Arbeit - Eigentum - galten als Zeichen unserer Freiheit. Das Recht, andere von dem auszuschliessen, was wir besitzen, wurde als die beste Möglichkeit betrachtet, unsere Autonomie und unsere individuelle Freiheit zu schützen.
Aber es geht nicht nur um den garantierten Zugang zur neuen vernetzten Weltwirtschaft, bedeutsamer ist der garantierte ständige Zugang zu lebendigen und vielfältigen lokalen Kulturen. Die Marktkräfte haben das Bestreben, das kulturelle Leben in warenförmige Fragmente kommerzieller Unterhaltung, gelebter Erfahrungen, bezahlter Vergnügungen und gehandelter Beziehungen zu verwandeln.
Nun da wir uns vom industriellen auf den kulturellen Kapitalismus zu bewegen, wird der Arbeitsethos allmählich vom Spielethos abgelöst. Spielen ist das, was Menschen tun, wenn sie Kultur schaffen. Es ist die Freisetzung der menschlichen Vorstellungskraft, um gemeinsame Bedeutung zu schaffen. Spiel ist eine fundamentale Kategorie menschlichen Verhaltens, ohne die es keine Zivilisation geben würde.
Im Mittelalter waren zum Beispiel fast die Hälfte aller Tage im christlichen
Kalender Feiertage, Festtage oder freie Tage. In naher Zukunft muss nur ein geringer Teil (20%) der menschlichen Arbeitskraft für
produktive Arbeit verwendet werden - über die anderen 80 könnten wir frei
verfügen - würden nicht 20% der Bevölkerung die (oft nutzlose) Arbeit (und
natürlich das Geld) unter sich teilen, und 80% eine dann oft nutzlose Zeit.
(Dies die 20/80-Gesellschaft) Insbesondere die moderne Landwirtschaft zeigt, wie stark wir Arbeit rationalisieren können
... und in welche Probleme wir im gegenwärtigen System damit geraten.
Wir werden Zeit haben, mit der wir tun können, was wir wollen, wenn wir uns nicht von konservativen Marktpredigern einreden lassen, das zu tun was die denken, das wir es sollten, nämlich hart, billig und willig weiter zu überproduzieren und -konsumieren. (s. Moderne Wirtschaft). Wir können nun Homo ludens (dem spielerisch Tätigen) den selben Rang zuordnen wie Homo sapiens (dem vernünftigen Menschen) und dem Homo faber, dem produktiv tätigen Menschen.
Martin Herzog, Basel, 27.9.05
p.s: Jeremiy Rifkin hat als erster die 20/80 Gesellschaft publik gemacht: 20% der Gesellschaft werden in den kommenden Jahren genügen, die Weltwirtschaft in Schwung zu halten. Mehr Arbeitskraft wird nicht gebraucht. [Kommentare und Erklärungen s. search: 20/80] Der Rest muss durch Tittytainment von Unruhen abgehalten werden, also "Beschäftigungsprogrammen", "Sozialeinsätzen", "Nachbarschaftshilfe", Sport, Vereine, Praktika - s. new work.