Geld, Macht und Freiheit - Armut, Ohnmacht, Unfreiheit

Zur Ethik des neoliberalen Freiheitsbegriffs

Werte, Wohlfahrt und das Gute Leben. Philosophen und Oekonomen im Ethik-Diskurs. Erfahrung und Denken Bd 90. H. Laufhütte, R.Lüdeke (Hrsg.), Duncker & Humblot. Berlin. 2002

Schopenhauer: Neminem laede; imo omnes, quantum potes, juva: Das Verletzungsgebot - niemanden zu verletzen, das Hilfegebot - allen soweit möglich zu helfen, gelten überall als moralisch.

Beckmann/Mohrs/Werding (S. 81): Das liberale Modell vom freien, ungebundenen, 'atomistischen' Selbst ist nicht nur onthologisch falsch, sondern hat zur Konsequenz, dass die gemeinschaftlichen moralischen Grundätze moderner Gesellschaften zunehmend erodieren und somit die liberale Gesellschaft letztendlich 'zwangsläufig das Mass an Gemeinsinn zerstört, auf das sie doch zugleich auch vital angewiesen ist.

Forderung nach einstimmiger Legitimation staatlichen Handelns: Politik ist nach dieser Auffassung "die Struktur eines komplexen Austauschvorganges zwischen Individuen - eine Struktur, in deren Rahmen Personen versuchen, ihren eigenen, persönlich definierten Zielen gemeinschaftlich nachzugehen, weil sie dieses Ziel durch einfachen marktwirtschaftlichen Austausch nicht effizient erreichen können. ...

Die Bedingung der Einstimmigkeit der Zustimmung zu einer politischen Handlung schützt die Vertragsparteien vor ihnen missliebigen Kollektiventscheidungen.

negative Freiheit: Abwesenheit von Zwang

positive Freiheit: Raum der Möglichkeiten und Chancen des Verwirklichbaren. Die Budgetrestriktion ist eine wichtige ökonomische Beschränktheit für Freiheit - nebst Gesetzen und Auflagen, der es erlaubt, die vom Liberalismus geforderte "Freiheit" auch aus nicht-betrieblicher Sicht zu betrachten und zu werten:

J. Rawls 1971 (S. 116): The inability to take advantage of one's rights and opportunities as a result of poverty and ignorance, and a lack of means generally, is sometimes counted among the constraints definitive of liberty. This allows a reconcilitation of liberty and equality. (leicht gekürzt).

Es gibt eine (individuell sicher unterschiedliche) Schranke, bei deren Unterschreiten menschenwürdiges Leben und Selbstachtung in Mitleidenschaft gezogen wird, und das Leben sich nur noch nach wirtschaftlichen Zwängen richtet. Diese Schranke dürfte vom Existenzminimum unterschritten werden.

http://www.fowi.ethz.ch/ppo/stud/fnpiiss02/kok.htm

Art. 2 Leitung und Entscheide

Für Beschlüsse der KOK gilt das einfache Mehr der stimmenden Kantonsoberförster oder ihrer Vertreter.

Der Status dieser Zivilisation 2/7


Macht

C01. Macht ist das Vermögen, die eigenen Interessen in einer sozialen Beziehung auch gegen Widerstand durchzusetzen.

C02. Das Streben nach Macht ist ein fundamentales, menschliches Verhalten. Es hat seine Ursache im animalischen Revierverhalten.

C03. Macht ist das höchste, erreichbare Ziel des Lebens, denn: Macht = Besitz = Freiheit

C04. Gewalt ist das wirkungsvollste Mittel zur Machterringung und für den Machterhalt.

C05. Auch Wissen ist Macht (Bacon), aber mit Gewalt ist Macht wesentlich einfacher zu haben.

C06. Macht geht vor Recht (Bismarck).

C07. Macht kann man sich kaufen.

C08. Macht ist immer auch Macht über andere Menschen.

C09. Macht bedeutet: Stärke, Ansehen, Bewunderung, Ruhm, Einfluss, Ehrfurcht, Kredit, Potenz usw.
Macht bedeutet aber auch: Unterdrückung, Bevormundung, Knechtschaft, Folter, Unterordnung, Hörigkeit, Unfreiheit usw.

C10. Beim Überlebenskampf in der Natur ist das Revierverhalten nützlich. In der Familie, am Arbeitsplatz, in der Industriegesellschaft ist Machtstreben oft unvernünftig und kontraproduktiv.

C11. Macht hat wenig mit Verstand und viel mit Emotionen zu tun.

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Geld


D01. Geld wurde bereits in der Anfangsphase menschlicher Kultur erfunden, um den Tauschhandel zu vereinfachen.

D02. Heute ist der Materialwert des Geldes gleich Null, sein Tauschwert aber ist total und global.

D03. Alles kann man sich mit (mehr oder weniger) Geld kaufen: Macht, Freiheit und Wohlstand. Ausnahmen: Zeit, Gesundheit und Zufriedenheit.

D04. Geld und Geldvermehrung sind die Ziele dieser Zivilisation. Ihnen hat sich jeder einzelne Aspekt der Industriegesellschaft unterzuordnen.

D05. Vorsicht, wenn es um Geld geht: Gerade beim Geld wird gelogen, getäuscht und betrogen (Banken, Börse, Verträge und Bilanzen)!

D06. Geld hat heute nur einen virtuellen Wert. Deswegen ist es ein sehr labiler Wert. Tatsächlich besteht Geld nur aus Papier, Plastik oder digitale Daten im Internet.

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D09. Geld kann man nicht essen. Geld bedeutet keine totale Sicherheit.

D10. Global dominiert heute das verfügbare Geld den Ablauf des individuellen Lebens, nicht das Nahrungsangebot, Umwelteinflüsse oder das Klima.

D11. Deshalb ist der schärfste globale Konflikt der zwischen Arm und Reich.

D12. Erstaunlich, wie viel Freiheit und Wohlstand sich die Menschen der Ersten Welt für (relativ) wenig Geld leisten können.

D13. Die Zinswirtschaft war und ist die finanzielle und wirtschaftliche Grundlage in allen bisherigen Gesellschaftsordnungen: Hightech mit dem in der Steinzeit entwickelten Finanzsystem.

D14. Alle menschlichen Zivilisationen sahen und sehen (meist religiös verbrämt) die Schaffung von Mehrwert als privates und gesellschaftliches Lebensziel an.

D15. Die Gier nach Mehrwert ist die Ursache für den Glauben an permanenten Fortschritt und die Acceleration in allen Bereichen der Gesellschaft.

D16. Mehrwert ist in dieser Form in der Natur unbekannt.