Strukturierte Produkte & Derivate/Derivative
[Swiss Derivative Guide 2009
Swiss Derivative Map 2007/08]
Ein Strukturiertes Finanzprodukt ist ein Produkt, bei dem Finanzanlagen, wie
beispielsweise Obligationen oder Aktien, mit Derivaten (meist Optionen)
kombiniert und in einem eigenständigen Wertpapier verbrieft werden. Der
Rückzahlungswert eines Strukturierten Produktes hängt von der Entwicklung eines
oder mehrerer Basiswerte ab.
Derivatives sind bereits als Begriff ein bisschen irreführend, denn im
englischen, woher der Begriff kommt (und weshalb niemand so recht weiss ob nun
von Derivaten (eher in der Biochemie gebräuchlich, gerade Petrochemie) oder
Derivativen zu reden sei ...), bezeichnet er die mathematischen
Differentiale.
Während nun zweitere eine ziemlich präzise und berechenbare Angelegenheit sind,
die der grösste Teil der Mathematik eben, sind nun die Derivative der
Finanzwirtschaft, wie die Börse und damit ihre zugrundeliegenden Werte, alles
andere als präzise und berechenbar, sondern von allen whimsicalities
(also Launen) der Märkte abhängig.
Dieser Markt hat sich in den letzten Jahren gewaltig entwickelt. Die
BIZ schätzte das
ausstehende Volumen auf 600 Billionen Dollar. Alleine 2007 hat sich die
BIZ-Schätzung um 50% erhöht. Nebst Forwards, Futures und Swaps zählen vor allem
Optionen zu den bedeutendsten Vertretern dieser Gattung. Derivative erlauben
eine präzise Anpassung der Investition an das vom Kunden vorgezogene
Risikoniveau:
| Einteilung der Risikoklassen nach Anlagestrategie |
| Risikoklasse |
Risiko |
Anlagestrategie |
| 1 |
tief |
Festverzinsliche |
| 2 |
moderat |
Einkommensorientierte |
| 3 |
mittel |
Ausgewogene |
| 4 |
erhöht |
Kapitalgewinnorientierte |
| 5 |
hoch |
Anlage in Aktien |
| 6 |
sehr hoch |
Hebelprodukte |
|

http://www.4finance.ch/literatur/derivatgeschichte.pdf |
E
igentliche
Ursache der Krise ist eine Unterschätzung der Risiken, getrieben von
Ueberschätzung der Gewinnchancen, einem Uebertreiben der Gewinnsucht. Historisch
tiefe Volatilität brachte immer weniger Prämien, so dass an der Risikoschraube
gedreht wurde. Zuletzt wurde das titelspezifische Risiko von bis zu fünf
Basiswerten gebündelt. Anstatt Diversifikation entstand aber bei diesen
Konstrukten genau das Gegenteil. Wenn ein Wert davon einbricht, bricht das ganze
Paket ein, wertmässig (worst-of-five. s.
Multi-Barrier-Reverse-Convertibles). Stammte insbesondere nur eines der
fünf Basiswerte aus dem Finanzsektor hatte das verheerende Wirkungen auf den
Kursverlauf des Instrumentes.
Wie hoch das Risiko heute geschätzt wird zeigen die Preise der
Credit Default Swaps
(CDS),
die die
Bonität quasi in Geld festlegen, statt in AAAs
Es wird damit gerechnet, dass abendteuerliche Strukturen an Marktanteilen
verlieren, bewährte Instrumente aber weiter an Bedeutung gewinnen werden.
Dies insbesondere auf Grund der Kernvorteile Strukturierter Produkte:
- Risikosteuerung: Auszahlungsprofil lässt sich optimal an
Bedürfnisse und Markterwartung eines Anlegers abstimmen.
- Marktzugang: Strukturierte Produkte erlauben einen einfachen und
kosteneffizienten Zugang zu Märkten, in denen viele Anleger früher nur sehr
umständlich investieren konnten, wie etwa Investitionen in Rohstoffmärkte
oder Schwellenländer.
- Geschwindigkeit: Dank der kurzen Zeit in der die Produkte
bereitgestellt werden können, kann auch sehr rasch auf Trends und Chancen an
den Finanzmärkten reagiert werden. Dîe Bedürfnisse der Anleger lassen sich
mit einem breitgefächerten Angebot optimal bedienen.
- Bequemer Einsatz: Mit strukturierten Produkten lassen sich
einfach und bequem Anlagestrategien umsetzen, die bis vor kurzem
institutionellen Anliegern und Hedge Funds vorbehalten waren. Zudem verfügen
Strukturierte Produkte nie über Nachschusspflicht, was Einsatz und
Risikoüberwachung stark vereinfacht.
http://www.svsp-verband.ch/download/news_content/264_cdokumente_und_einstellungengeissbuehlerdesktopswiss_derivative_map_2008.pdf
Nach, vielmehr mit 2008 ging die Begeisterung dann doch etwas flöten:

Derivate sind Finanzinstrumente, deren Wert sich von andern, darunter
liegenden Finanzwerten ableitet. Der wichtigste Begriff hier ist
die Option: Ein Geschäft mit Wahlrechten
options: Häufig auch Oberbegriff von Derivativen:
Das Recht, ein
Papier zu einem späteren Zeitpunkt zu kaufen oder zu verkaufen
Eine Option ist ein Termingeschäft, bei dem der Verkäufer der Option dem
Käufer am Tage des Abschlusses das Recht einräumt:
- an einem bestimmten Tag (europäische Option)
- oder innerhalb eines bestimmten Zeitraumes (US-Option)
- einen im Voraus vereinbarten Basiswert (underlying)
- zu einem beim Abschluss festgelegten Preis (Strike, Ausübungspreis)
- zu kaufen (call-option) oder zu verkaufen (put-option)
Der Käufer kann den Kauf oder Verkauf auch unterlassen, verliert dann einfach
das für die Option ausgegebene Geld, den Optionspreis - der Verkäufer allerdings
muss dann die entsprechenden Wertpapier kaufen oder verkaufen, zum festgelegten
Preis ... was zu beträchtlichen Verlusten führen kann, insbesondere wenn er sie
noch gar nicht hat. Dies hat mit zum Absturz der Bearings Bank geführt, da
Nick Leasson erst auf
steigenden Nikkei 225 gesetzt hatte, der aber, besonders nach dem Kobe Erdbeben,
ins Bodenlose fiel und er die Produkte weit überteuert einkaufen musste, dann
setzte er auf fallenden Japanese Government Bond
Future -
der hingegen stieg. Das führte zum Untergang von
Barings, der
ältesten Investment Bank von England. Man darf also die in Derivativen
festgehaltenen Verpflichtungen nicht unterschätzen, denn "pacta
sunt servanda". Ein: Ja eigentlich hab ich mir das anders
vorgestellt ... hilft da nicht raus.
Eine Voraussetzung für diesen Handel war ein allgemein anerkanntes Modell der
Preisfindung, das durch Fischer Black & Myron S. Scholes 1973 geschaffen wurde.
Mit der Möglichkeit, den Preis einer Option anhand eines mathematischen Modells
exakt zu berechnen, nahm das Interesse an Optionen ab 1976 sprunghaft zu. In den
USA findet der Handel mit Optionen vor allem an der Terminbörse statt, besonders
an der Chicago Board Options Exchange
(CBOE), in Europa nimmt die Deutsch-Schweizerische
Eurex hier eine
dominierende Stellung ein.
Das Black-Scholes
Modell:

V: Wert einer Option
- S0:
Aktueller Aktienkurs, wobei fraglich ist zu welchem
Zeitpunkt dieser beobachtet wird
- K: Basispreis ist
festgelegt und eindeutig
- r: Zinssatz, neben
zeitlichen Unterschieden auch hinsichtlich der Wahl des
Zinssatzes gleicher Laufzeit nicht eindeutig
- σ: Die Volatilität ist
schwierig zu bestimmen
- T: Zeitkonvention,
Gegenstand von Festlegungen

Der Einfluss der Volatilität lässt sich graphisch relativ leicht zeigen:
Je höher die Schwankungen der Preise, desto grösser die Chance, dass
sehr niedrige oder sehr hohe Preise erreicht werden, die Kauf (call)
oder Verkauf (put) auslösen.

Volatilität bedeutet Unsicherheit, niemand weiss wirklich, was läuft,
weshalb die Absicherung mehr kostet. In Zeiten in denen alles "normal"
und "ruhig" verläuft, sieht niemand viel Grund, viel Geld für
Absicherung auszugeben. Diese Unruhigen Zeiten sind auch die Zeiten, in
denen Extremspekulanten (day
trader) Geld verdienen (oder verlieren ....) können. |
Der Optionspreis wird ausschliesslich durch 6 Parameter bestimmt:
- die Volatilität
- der Kurs/Preis des Basiswertes
- das Zinsniveau
- die Restlaufzeit
- der Ausübungspreis
- die Dividenden
Die erwartete Rendite des Basiswertes spielt hier keine Rolle.
Die ersten vier sind sehr variabel und werden durch Kennzahlen gemessen, die
mit griechischen Buchstaben gekennzeichnet sind:
Sensitivitäten und Kennzahlen -
die sog. „Griechen“
Delta
Δ: Zeigt die
absolute Veränderung des Optionspreises für eine gegebene
Veränderung des Basiswertes um eine Einheit: So bedeutet ein
Delta von 0,5, dass eine Veränderung des Basiswertes um zwei
Euro eine Veränderung des Optionspreises von einem Euro
hervorruft. Es ist üblich, diese zwischen 0 und 1 liegende Zahl
mit 100 zu multiplizieren.
Gamma
Γ: Das Gamma einer Option gibt an, wie stark sich das
Delta des Optionsscheins ändert (bezeichnet also das
mathematische Integral), wenn sich der Kurs des
Basiswerts um eine Einheit ändert und alle anderen Größen sich
nicht verändern. Sowohl für Long-Call-Optionen als auch für
Long-Put-Optionen gilt: Gamma ≥ 0. Die Kennzahl findet auch bei
Absicherungsstrategien in Form des
Gamma-Hedging Berücksichtigung.
Theta
Θ: Das Theta einer Option gibt an, wie stark sich der
theoretische Wert einer Option ändert, wenn sich die
Restlaufzeit um einen Tag verkürzt. Für Call und Put Option ist
das Theta immer negativ, da eine kürzere Restlaufzeit immer
einen geringeren theoretischen Wert bedeutet, also die Werte
positiv korrelieren.
Das Vega (manchmal auch Lambda
Λ, da Vega
eigentlich gar kein Buchstabe des griechischen Alphabets ist)
einer Option gibt an, wie stark sich der Wert der Option ändert,
wenn sich die
Volatilität des Basiswerts um einen
Prozentpunkt ändert.
Rho
Ρ: Das Rho einer Option gibt an, wie stark sich der Wert
der Option ändert, wenn sich der risikofreie Zinssatz am Markt
um einen Prozentpunkt ändert. Für Call-Optionen ist Rho positiv,
für Put-Optionen negativ.
 |
 |
| Wird erworben, wenn ein potentieller Käufer von
steigenden Kursen ausgeht und sich gegen zu hohe Preise absichern will. |
Wird erworben, wenn der Käufer von fallenden Kursen ausgeht, ev. von
totaler Wertvernichtung, wo er am meisten verdient, da er die
entsprechenden Aktien auch dann noch zu dem vorher festgelegten Wert
verkaufen kann. Der Käufer der Option (= potentieller Verkäufer der
Aktien die dahinter stehen) sichert sich also gegen zu tiefe Preise ab. |
 |
 |
| Der Verkäufer der Option hingegen erwartet stagnierende bis leicht sinkende
Kurse. Steigen die Kurse allerdings über den erwarteten Bereich, muss er
teure Aktien günstig abgeben.
|
Der Verkäufer der Option hingegen erwartet stagnierende bis leicht steigende Preise und
sichert sich diese. Verlieren allerdings die Akten an Wert, muss er
vielleicht für viel Geld wertlose Aktien erwerben. |
KOMMENTAR:
Wir sehen hier sehr schön, warum dieses Spiel <Spekulation>
genannt wird: Es werden Erwartungen gehandelt, oft mit der Absicht,
Gewinne zu machen, oft bloss, Verluste zu vermeiden, also sein
Kapital abzusichern. Keine dieser Absichten könnte aus ethischen
Gründen "böse" genannt werden. Die Börse ist also keine Erfindung
des Teufels - aber da hier das selbe Geld verwendet wird mit dem
Bewertungen an den Märkten passieren, von denen wir leben
(Nahrungsmittel, Rohstoffe, etc.), da hier mit dem selben Geld
gespielt wird, mit dem Investitionen getätigt werden sollten, da
hier das selbe Geld angelegt wird, das als Spargeld für Notzeiten
zur Verfügung stehen sollte, können Verwerfungen und Verbiegungen
der Wertstrukturen am Markt entstehen, die dann ganz andere treffen
als ihre Verursacher. So sind einmal die Preise so tief, dass die
Produzenten aussteigen (Bauern) - und dann so hoch, dass die
Konsumenten nicht mehr bezahlen können. Grundproblem hier ist die Multifunktionalität
des Geldes, d.h. der ungewollte aber doch vorhandene negative
Einfluss einer Verwendungsart von Geld auf eine andere (Tauschmittel,
Wertmassstab, Wertaufbewahrungsmittel). Unser Geld
ist zu banal für solch komplexe Anwendungen und müsste dringend
anders gestaltet werden. Man müsste z.B. Spekulationsgelder der
Börse als Blaugeld bezeichnen
(weil man schon ziemlich besoffen sein muss, um sich mit so was
auseinander zu setzen / weil es einem im Glücksfall viele blaue Tage
(Freitage) verschaft, im Unglücksfall aber auch ein blaues Ausge),
so dass klar wird, dass Börsenwerte nicht wirklich das selbe
ausdrücken wie reelle Werte sondern bloss
Erwartungswerte. Einige (recht alte) Grundideen dazu s.
unter
Die Oekologie des Geldes. Dass Geld zudem ein sehr
untaugliches Mittel ist, den Wert des Lebens zu messen und darüber
zu bestimmen, wie ein Menschenleben zu gestalten ist, käme
hier noch hinzu. (Fazit &, z.B.
Kranke
Kassen)
Anhand der geschätzten Entwicklung (sehr starke Korrelation mit
M2) der Geldmenge M3 in den USA, die seit März 2006 nicht mehr
veröffentlicht wird (ja warum wohl ...), zeigt sich das
Problem:
Trotz relativ tiefen Produktionswachstums steigt die Geldmenge
überproportional weiter. Inflation wurde bisher nur verhindert, da
dieses Geld in den quasi "virtuellen" Märkten der Finanzwirtschaft
(eben quasi als <Blaugeld>) angelegt wurde. Allerdings führt es dann eben dort zu Inflation, zu
einer Inflation der Werte. Hier schlägt aber die Realität recht
schnell zurück, wenn nämlich die Bürger, die nicht über bisher immer
steigende virtuelle Einkommen verfügen diese hohen virtuellen
Erwartungen mit ihren niedrigen reellen Löhnen bezahlen sollen.
Resultat: Immobilienkrise, Reis-, Weizen-, Mais- etc. Krise. Man
kann, wie das zur Zeit intensiv geschieht, hier nach mehr Kontrolle
rufen - man könnte aber auch bloss darauf aufmerksam machen, dass
die Finanzmärkte bloss Erwartungsmodelle bauen, die dann eben oft
von der Realität zu Kartenhäusern erklärt werden und zusammenfallen.
Viel mehr ist da nicht ... Auch hier ist das Böse recht banal.

|
Die Schweizer Nationalbank zeitigt da ein vorsichtigeres
Verhalten. Aber auch hier wird eine gewisse Diskrepanz deutlich: Während dem
sich der Bedarf an Bargeld (M1) offensichlich in den letzten 5 Jahren
stabilisiert hat (quasi Nullwachstum der Löhne) und die Spareinlagen sogar
zurückgegangen sind (M2), nimmt M3, die Termineinlagen, auch hier
grösseren Raum ein. Und gerade diese dürften zum grössten Teil in
Aktienmärkten, Hedgefonds und Derivaten aktiv sein. Auch auf Grund dieser
Voraussetzung sollten in der Schweiz eigentlich keine grösseren Probleme zu
erwarten sein (... ausser jenen, die sich eben in einer international abhängigen
(= globalen) Wirtschaft ergeben. ... Allerdings sind im Vergleich dazu die
350 Milliarden Geldwert der in Bankdepots liegenden
Strukturierten Produkte doch leicht beängstigend, denn die können eben
relativ leicht von "Blaugeld" zu "normalem" Geld werden und so ziemlich unerwünschte Wirkungen
zeitigen.

... andererseits ist der Anteil Strukturierter Produkte am
gesamten Finanzkapital, d.h. bereits bloss an dem, das verbrieft
auf Banken deponiert ist, eigentlich minim:

Womit allerdings auch in der Schweiz zu rechnen ist, ist ein
Nachgeben von Immobilienpreisen in gewissen Regionen (bis 25%.
25% und mehr heisst, dass das heutige Preisniveau um den Betrag
über dem steht, der für 2010 geschätzt wird, was vor allem in
den bisherigen Boomlagen der Fall ist. )

Generell hat die Schweiz aber hier noch einigermassen Schwein, wofür vor allem die immer zahlreicheren hochqualifizierten Deutschen Einwanderer verantwortlich sind, denn die kaufen im Durchschnitt Häuser, also präziser Stockwerkeigentum für 890'000 Fr., während der Durchschnittsschweizer sich nur670'000 leisten kann, der Durchschnittseinwanderungstürke sogar bloss 450'000 Fr. [Handelszeitung 28. Jan. 09. S. 30: Zuwanderung lässt Eigenheimpreise steigen.] Dass dies allerdings nicht allen Schweizern einen guten Eindruck macht, dürfte ebenfalls verständlich sein.
"Moneyness" von Optionen
-
at the money: Aktienkurs und Ausübungspreis der Option
stimmen überein - die call wie put-Option verfällt (wird unterlassen), da
sich die Ausübung nicht lohnt, der Inhaber der Option also die Aktien nicht
zu einem günstigeren Kurs kriegt als der Markt ohnehin bietet. Der
Optionsverkäufer hat verdient ohne Leistung.
- out of the money: Liegt der Aktienkurs am Tag der Ausübung
(call) unterhalb des Ausübungspreises, hat der call keinen Wert und
wird nicht ausgeübt (da die Aktie am Markt eh billiger ist). Der
Optionsverkäufer hat verdient, ohne Leistung.
- in the money: Notiert der Aktienkurs höher als der
Ausübungspreis, so wird deren Inhaber darauf bestehen, die Aktie zum vorher
festgelegten Wert zu kaufen. Dem Optionsverkäufer entgeht die entsprechende
Wertzunahme.
Weitere Hebel Produkte
Eignen sich zur kurzfristigen spekulativen Umsetzung von eigenen
Markterwartungen:
Der Hebel wird errechnet, indem man den aktuellen Kurs
des Basiswerts durch den aktuellen Preis der Option
dividiert. Bezieht sich die Option auf ein Vielfaches oder
einen Bruchteil des Basiswerts, muss dieser Faktor in der
Rechnung entsprechend berücksichtigt werden. Man spricht hierbei
vom Bezugsverhältnis.

Omega Ω: Man erhält durch Multiplikation des Deltas mit dem aktuellen
Hebel eine neue Hebelgröße, die sich in den Kurstabellen meist
unter der Bezeichnung Omega oder Lambda („Hebel
effektiv“) findet. Eine Option mit einem aktuellen Hebel von 10
und einem Delta von 50% hat also „nur“ ein Omega von 5, der
Schein steigt also etwa um 5%, wenn die Basis um 1% steigt. Auch
hier ist jedoch wieder zu beachten, dass sowohl das Delta und
das Omega und die meisten anderen Kennzahlen sich ständig
ändern. Trotzdem bietet das Omega ein relativ gutes Bild von den
Chancen der entsprechenden Option.
Strukturierte Produkte
Strukturierte Produkte sind Kombinationen vo Derivaten und
herkömmlichen Anlagen wie Aktien und Obligationen. Die einzelnen Elemente werden
in einem Finanzinstrument kombiniert und als Wertpapier verbrieft. Der Einbezug
derivativer Komponenten bewirkt, dass auch das Strukturierte Produkt über
derivative Eigenschaften verfügt.
http://www.scoach.ch/DE/MediaLibrary/Document/RZ_Anlage_20seiter_CH.pdf
Strukturierte Produkte lassen sich in 3 Haupttypen klassieren:
Partizipation:
Zertifikat:
Zweitverbriefung eines Wertpapieres, Schuldverschreibung. (Das "zweit..." macht
deutlich, warum diese Märkte so viel Kapital absorbieren können).
Tracker-Zertifikate:
lineares Auszahlungsprofil, wenn
also die Basiswerte um 5% steigen (oder bei tracker bear
fallen), erhalten Sie auch 5%. Tracker werden benutzt, um Anlegern einen
effektiven Zugang zu einer bestimmten Branche, Region (z.B.
Standort Basel bei
der BKB) oder Thema zu
bieten. Ein Tracker auf einen breit diversifizierten Aktienkorb
reduziert das Risiko, in dynamischen Branchen aufs falsche Pferd zu
setzen. Als Basis dienen Aktien, Indizes, Währungen, Rohstoffe, Zinsen -
oder Kombinationen derselben. Tracker können Märkte mit einer einzigen
Transaktion abdecken (E-commerce, Netzwerkausrüstung, Infrastruktur,
erneuerbare Energien, Rohstoffe ..), aktuelle Anlagethemen wie
Nachhaltigkeit aufnehmen, Zugang zu Rohstoffmärkten oder aufstrebenden
Ländern (emerging
markets) ermöglichen. Der Korb erlaubt auch individuell
angepasst Gewichtung einzelner Werte. Die Laufzeit beträgt üblicherweise
5 Jahre. Denkbar sind auch Tracker die anhand von Indikatoren dynamisch
von kaufen auf verkaufen wechseln. Die Laufzeit beträgt 1 bis 5 Jahre.
* Bei einer Anlagesumme von weniger als 10'000 Franken ist es meist
nicht effizient, einzelne Aktien zu kaufen, da die
Mindestcourtage die Transaktionskosten erhöht.
Weiteres über emerging markets:
Emerging Markets,
Warnungen,
Biodiesel,
Infrastruktur (Wohnungen, Strassen, Wasser, Abfallentsorgung, Energie ...,
Transporte und Logistik, ...
Bonus-Zertifikate:
Auch hier werden die Dividenden durch einen Preisabschlag erstattet. Im
Gegensatz zum Tracker-Zertifikat, das meist verwendet wird um mehrere
Aktien zu einem Korb zu verbinden, basiert das Bonus-Zertifikat meist
auf einer einzigen Aktie.
Bieten einen bedingten Kapitalschutz, der entfällt, wenn eine bestimmte
Grenze (knockout) unterschritten wird.
Das Bonus-Zertifikat eignet sich für Anleger die überzeugt sind, dass
ein Basiswert die Talsohle erreicht hat, also während der Laufzeit nie
mehr die knock-out-Schwelle erreichen wird. Er ist bereit, die künftige
Dividendenzahlung zugunsten einer attraktiven Bonuszahlung aufzugeben,
die ihm auch bei einer Seitwärtsbewegung zugute kommt und bei fallenden
Kursen einen gewissen Kapitalschutz bietet. Dieser versagt jedoch bei
stark fallenden Kursen. Wird die Knockout Schwelle erricht, trägt der
Inhaber des Zertifikats (in dem Falle zu Gunsten des Inhabers der
Aktie), das volle Kurs- (sprich Verlust-) Risiko.
Outperformance-Zertifikate:
Erlauben
eine überproportionale Partizipation an steigenden Kursen - die auch
hier durch Verzicht auf die Dividende bezahlt wird. Die erhöhte
Partizipation setzt zudem erst mit dem Strike ein. Wird dieser bei
Verfall des Zertifikats unterschritten, trägt der Inhaber den Verlust.
Diese Form ist also zu empfehlen, wenn eine Aktienbewert als günstig
empfunden wird und ein Kursanstieg zu erwarten ist. Die Laufzeit beträgt
im Normalfall mehr als 1 Jahr. Sie sind zu empfehlen bei steigenden Kurse
und der Einschätzung einer Aktie als unterbewertet. Der Anleger trägt
allerdings das selbe Risiko wie ein Aktienbesitzer wenn die Kurse abwärts
gehen.
Outperformance-Bonus-Zertifikate:
Eine
Kombination der beiden oben, finanziert über hohe Dividendenrentiten.
Teilschutz bis zum knock-in.
Airbag-Zertifikate:
Verfügen über
einenpartiellen Kapitalschutz, der Kursverluste abfedern kann. Wird also
eingesetzt wo zwar Hoffnung besteht auf steigende Kurse, aber
Kursrückschläge in Kauf genommen werden müssen. Dämpft nur bei moderaten
Ausschlägen, starke schlagen auch hier voll durch.
Twin-Win-Zertifikate:
Eine positive Rendite ist mit steigenden wie fallenden Kursen
möglich, bei fallenden allerdings nur, solange sie eine gewisse Schwelle
(durch long- und short-put gedeckt) nicht unterschreiten! Das
Auszahlungsprofil hängt auch hier stark ab von der Dividendenrendite (es
gibt nichts gratis, vor allem nicht von Banken ...).

Renditeoptimierung:
Hier verzichtet der
Anleger ab einer gewissen Schwelle (cap) auf das Gewinnpotential des
Basiswertes. Dafür erhält er das Paket für einen geringeren Einstandswert
(Diskount Zertifikat) oder mit deutlich höheren Coupons (reverse
convertibles). Den grössten Schaden hinterliess die Finanzkrise bei den
Multi-Barrier-Reverse-Convertibles, die dummerweise vor der Krise am meisten
"en vogue" waren.
Discount-Zertifikate:
Sollte man nur von den Aktien erwerben, die man auch direkt erwerben
würde. Bei stark sinkenden Kursen können Verlust kaum mehr abgefedert
werden. Der Discount kann auch hier nur gewährt werden dank der
Dividende. Es handelt sich also nicht um eine Ausverkaufsaktion.
Hier der Auszahlungsmodus eines Discount-Certifikates, das seine Wirkung
besonders bei stagnierenden Kursen entfaltet.
Reverse
convertibles-Zertifikate(Aktienanleihe): Eigentlich das Selbe wie ein
Discount Zertifikat, nur anders verpackt. Bei schwachem Kurs erhält der
Inhaber die Papiere geliefert (sichert also den Emitenten gegen
Wertverfall ab indem er sich verpflichtet, den unterliegenden Titel bei
fallenden Kursen zu übernehmen). Darum reverse-convertible, denn beim
convertible kauft der Anleger das Recht, bei steigenden Kursen eine
Aktie zu erwerben - hier übernimmt er die Pflicht, eine solche bei
fallenden Kursen zu kaufen. Er wird das natürlich nur tun, wenn er
zumindest von stagnierenden Kursen ausgeht. Fällt die Aktie nicht,
behält er die Prämie. Gerade dieses Derivat führte 2001-2 zu grossen
Verlusten und wurde deshalb weiter entwickelt zum:
Barrier-Discount-Zertifikate:
mit einem down-and-out-Put als Verlustbarriere, d.h. Kapitalschutz ....
die allerdings nur so lange funktioniert, als der Kurs nicht zu tief
fällt. Sonst resultiert auch hier die Pflicht zur Uebernahme des -
entwerteten - Papiers.
Multi-Barrier-Reverse-Convertible-Zertifikate:
Ist die Konjunktur auf dem aufsteigenden Ast, die Volatilität also tief,
fallen die Risikoprämien ... und damit die Lust der Anleger. Deswegen
wurden riskantere Multi-Barrier-Reverse-Convertibles geschaffen die
mehrfache Risiken abdecken, normalerweise 3 oder 5. Nach dem Prinzip
"worst of" entscheidet der Kursverlauf des lausigsten Titels im Paket.
Der Anleger muss sich dann genau diese Titel liefern lassen (wie immer
gegen Bezahlung natürlich ...). Dieses Risiko wurde in den "guten
Jahren" etwas vergessen, kann aber in Rezessionszeiten zu beträchtlichen
Verlusten führen.
Entscheidend für die Anleger ist hier auch die Besteuerung. Während dem
bei Discount-Zertifikaten der Gewinn als Kapitalgewinn gilt und nicht
besteuert wird (bei unterjährigen Produkten), muss bei den
Reverse-Convertibles der verzinsliche Teil des Coupons als Einkommen
versteuert werden.
Express-Zertifikate /
Sprint-Zertifikate /
Uebersicht Typen: Diese verfügen über ein vordefiniertes
Gewinnpotential, das bereits bei einer Seitwärtsbewegung des Basiswertes
erreicht wird. Der Zeitpunkt der Auszahlung ist vom Erreichen einer
Barriere beim Basiswert abhängig, der automatisch zur Kündigung führt
(weshalb die Dinger auch "autocallables" genannt werden. Damit wird eine
Zielrendite erreicht die über dem Kapitalmarktzins liegt - aber nicht
mehr als die angestrebte Rendite. Bei negativer Entwicklung der
Börsenmärkte drohen auch hier Verluste.

Capped-Bonus / Capped Outperformance-Zertifikate

Kapitalschutz
Hier kann der Anleger auf eine bestimmte
Mindestrückzahlung (floor) zählen und partizipiert gleichzeitig an der
positiven Wertentwicklung. (Geht allerdings der Aussteller des Zertifikats
kaput, ist das Kapital samt Schutz dennoch flöten. S. Lehman Brothers. Das
kann sogar bei noch traditionelleren Gefässen passieren wie etwa den
Total (oder Absolut)-Return-Fonds, von denen CS gerade 6 liquidieren
musste, mit beträchtlichen Verusten für die Anleger). Der UBS ging's
allerdings nicht besser, auch sie musste ihre "Absolute-Return-Fonds"
liquidieren. Gerade hier zeigen die Bewegungen,
warum selbst absolute return zum relative desaster werden kann
(wenn auch nicht gleich absolute desaster). Ende 2007 lagen bei
der UBS 2.369 Milliarden Franken in diesen Fonds - jetzt, Nov. 08, sind es
noch 280 Millionen. Mit dem Rückzug des Kapitals mussten natürlich
auch wieder die unterliegenden Aktien abgestossen werden, was dann gleich
nochmals zum Preiszerfall bei denselben beitrug. Als zusätzliche
Absicherung bietet nun z.B.
DWS
zusätzliche eine Depot-Sicherheit an, die dem Zugriff der Konkursverwalter
entzogen ist. Auch dies natürlich nicht gratis ... Günstiger wäre
auch hier eine Diversifikation, also nicht alle Eier in einen Korb legen,
sondern Produkte unterschiedlicher Anbieter mischen.
Alle
Kapitalschutzprodukte sind ein Kompromiss zwischen garantierter Rückzahlung
(floor: meist bei 95%) und Beteiligung an der Wertsteigerung der
unterliegenden Aktie (Partizipationsrate, meist 100%). Je höher der floor
und das Zinsniveau, je tiefer die Volatilität, desto höher die
Partizipation. Kapitalschutzprodukte werden vor allem eingesetzt als
Absicherung gegen kurzfristige Kursrückschläge, bei Investitionen in Märkten
in denen der Investor zu wenig Erfahrung hat und als Beimischung zu
Obligationen-Portfolios.
mit Cap: Erhöhung der Partizipation oder des
Kapitalschutzes durch Begrenzung
mit Coupon:

mit Knockout (shark notes): Sobald der Kurs
die Bariere berührt, verfällt die Option als wertlos. Dem Anleger bleibt
der Zero-Bond, also die Rückzahlung des vollen Kapitals (aber,
wohlgemerkt, nur solange der Aussteller der Note noch zahlungsfähig ist
...).


Offensichtlich fällt mancher Entscheid für Derivative präzise auf die falschen. So etwa bei Hebelproduktein, Diskontzertifikaten und Kapitalschutz. [Bilanz 17, 2009, S. 84]. Kapitalschutzprodukte müssten dann gekauft werden, wenn die Börse hoch steht, es also absehbar ist, dass mal wieder der Zyklus nach unten zeigt. Hebelprodukte dagegen sind in der Baisse angezeigt, da sie ihre Wirkung nur dann positiv entfalten, wenn die Kurse steigen, was bei einer Hausse zwar lange so war, empirisch ... aber eben nicht mehr für sehr lange anhalten dürfte, ebenso empirisch. Mit einem Diskontzertifikat kann der entsprechende Wert zu einem, eben dem Diskont entsprechenden Wert, günstiger eingekauft werden. Bei Nullentwicklung wird also dennoch verdient.
Wer bei einer Hausse immer weitere Steigerung erwartet, verursacht a) eine Blase, beteiligt sich b) an der sog. Hausfrauenhausse, wird c) also zu denjenigen gehören, die für die sog. Börsenexzesse bezahlen. Das Dumme daran ist bloss, dass man nie weiss, wann eine Hausse dem Ende zuneigt ... Fest steht nur: Die letzten beissen die Hunde.
Bedeutung und Verteuerung der credit
default swaps:
Aus
diesem Grund sind Kredit-Rating der Emittenten äusserst wichtig, um so
wichtiger, je mehr der ganze
Finanzmarkt in einer Krise steckt [S. 93: CDS -
Credit Default
Swaps]. Mit Bear Sterns begannen sie zu steigen und erreichten einen
ersten Gipfel beim Bankrott, der allerdings dann von den scheiternden
Lehmann und AIG in den Schatten gestellt wurde.
Dazu
kommt die
Deflation auf den Rohstoffmärkten, die erst kurz zuvor, spekulative, nie
gekannte Höhen erreicht hatten.
Checkliste Derivatekauf [Handelszeitung Nr. 49, 3. Dez. 08, S. 49]
| Anlagegrundsätze: |
Spezifisch für alle strukturierten Produkte im allgemeinen: |
Produktspezifisch: |
- Markterwartung
- Basiswert
- Risikostreuung
- Funktion im Gesamtportfolio
- Nutzung aller Informationsquellen
Jeder Anleger sollte sich vor dem Kauf im Klaren darüber sein, wie das Produkt funktioniert |
- Chancen und Risiken
- Emittent
- Emittentenrisiko
- Bedingungen für die Zertifikate
|
- Uebereinstimmung mit Anlagevorstellungen (Laufzeit, Risikoneigung etc.)
- Erreichbarkeit des Anlageziels
- Voraussetzung für Gewinn
- Marktszenarien, die Verluste bringen könnten
- Einflussfaktoren betr. des Wertes der Zertifikate
- Kaufen und Halten bis zum Verfall, Verkaufen vor Ablauf
- Risiko eines Totalverlustes
- Gebühren bei Erwerb und Verkauf vor Laufzeitende
- Handelsplätze, Handelszeiten, Handelsbedingungen
|
Persönliche Randbemerkung: Wer Verluste einfährt und nach Schuldigen sucht, sollte sich erst fragen, wem er die Schuld gegeben hätte, wären Gewinne eingefahren worden. Die Krokodilstränen vieler armer, unbedarfter "Anleger" sind da nichts anderes als bloss nervig.
Eine vollständige Checkliste lautet, nach dem Crash (Erich Solenthaler: Zu wenig gerechnet, als alles rund lief. Tagesanzeiger 19.10.09):
- Alles von A bis Z gelesen? Auch die mathematischen Formeln und Auszahlungsdiagramme? - Und verstanden?
- Würden Sie die Basiswerte kaufen?
- Berücksichtigen die strukturierten Produkte ihre Markterwartung. Das ist eigentlich die zentrale Bedeutung derselben.
- Wie verhält sich das Produkt bei verschiedenen Marktszenarien: Es kann immer anders kommen, als man denkt, und auch daran sollte man denken.
- Stimmt die Laufzeit?
- Gelten Bedingungen während der ganzen Laufzeit - oder erst bei Ablauf des Produkts?
- Welche Faktoren beeinflussen den Marktwert? Basiswert, Zinsniveau, Volatilität ...
- Muss das Produkt bis zum Ende der Laufzeit gehalten werden?
- Ist die Risikoklasse bekannt? 4 Stufen mit abnehmendem Risiko:
- Hebel
- Partizipation
- Renditeoptimierung
- Garantie
- Was steht auf dem Spiel? (Value at Risk)
- Ist das Emittentenrisiko abgeklärt? Bei Insolvenz desselben droht Totalverlust, auch wenn das Produkt <Kapitalschutz> heisst. s. Lehman.
- Sind die gesamten Kosten bekannt? Bis zu 2% Kosten sind in den meisten Zertifikaten versteckt.
Fazit Derivative:
Strukturierte Produkte sind nicht per se des Teufels, denn alleine die
Tatsache, dass andere eine Gewinnchance anbieten zeigt klar, dass sie etwas
anderes erwarten als der Anleger, nämlich eine Entwicklung bei der sie gewinnen,
oder zumindest weniger verlieren als ohne diese Absicherung (durch put oder
call).
Strukturierte Produkte zeigen aber deutlich DAS Problem der Finanzwirtschaft,
ja der heutigen Oekonomie generell: Es geht nur um Geld. Alles wird auf der
Basis von Erwartungen in Geld berechnet. Die reale Welt bleibt aussen vor. Ob
die Bevölkerung bei den angestrebten Preisen noch mitkommt, also diese bezahlen
will oder kann, ist dem Markt egal ... bis sie es nicht mehr tut, wie im Falle
der Immobilienkrise in den USA. Hier liegt die Schwäche des Systems, denn es ist
irreal, es ist eine konstruierte Scheinwelt, die zur Vervollständigung ihres
Weltbildes und der Kontrolle ihrer oft zerstörerischen Wirkung dringend der
Politik und anderer gesellschaftlicher Einflüsse bedarf.
Insbesondere ist die Geschwindigkeit der Vorgänge hier ein Problem. Während
dem sich Firmen an der Börse sehr schnell kaufen und verkaufen (und ruinieren
oder huchjubeln) lassen, ist dies in der reellen Welt schwieriger. Da bestehen
Strukturen, Verträge, Beziehungen, Mitarbeiter, Abhängigkeiten und vielleicht
doch einige Verantwortungen die über das Generieren von Geld hinaus gehen. Zudem
verursachen in der rellen Welt Strukturänderungen, Verkauf, Integration
(Mergers) eine Menge Kosten und Probleme, welche die Börse dann erst mit
beträchtlicher Verspätung zur Kenntnis nimmt (woran natürlich wieder einge gut
verdienen ..).
Chuck und sein Gaul" oder: "Wie das amerikanische Finanz-System
funktioniert", d.h. wie man reich wird:
Der junge Chuck will mit einer eigenen Ranch reich werden.
Als Anfang kauft er einem Farmer ein Pferd ab.
Er übergibt dem Farmer seine ganzen 100 Dollar und dieser verspricht,
ihm das Pferd am nächsten Tag zu liefern.
Am nächsten Tag kommt der Farmer vorbei und teilt Chuck eine schlechte
Nachricht mit:
"Es tut mir leid, Kleiner, aber das Tier ist in der Nacht tot
umgefallen."
Meint Chuck: "Kein Problem. Gib mir einfach mein Geld zurück."
Geht nicht", eröffnet ihm der Farmer. "Ich habe das Geld gestern
bereits für Dünger ausgegeben."
Chuck überlegt kurz. "Na dann", fängt er an, "nehme ich das tote
Biest
trotzdem."
"Wozu denn?" fragt der Farmer.
Ich will es verlosen", erklärt ihm Chuck.
"Du kannst doch kein totes
Pferd verlosen!", staunt der Farmer.
Doch Chuck antwortet: "Kein Problem! Ich erzähl' einfach keinem, dass
es
schon tot ist..."
Monate später laufen sich Chuck - fein in Anzug und schicken Schuhen -
und der Farmer in der Stadt über den Weg.
Fragt der Farmer:
"Chuck! Wie lief's denn mit der Verlosung des
Pferde-Kadavers?"
"Spitze", erzählt ihm Chuck. "Ich habe über 500 Lose zu je 2 Dollar
verkauft und meine ersten 1.000 Dollar Profit gemacht."
"Ja... gab's
denn keine Reklamationen?"
"Doch - vom Gewinner", sagt Chuck. "Dem habe ich dann einfach seine 2
Dollar zurückgegeben."
Heute verkauft Chuck strukturierte Finanzprodukte bei einer
Investmentbank.
Eigentlich ganz einfach reich zu werden! |
Dazu ist zu sagen, dass diese Geschichte zwar vorkommt, wie etwa bei den
Verkäufen von Strukturierten Produkten von Lehmann ... als diese längst
zahlungsunfähig war.
April 09: Derivative nach der Finanzkrise: Das Interesse an strukturierten Produkten hat mit der Finanzkrise, und entsprechenden Verlusten enorm gelitten, obohl die Dinger eigentlich genau für solche Problem gestrickt sind. Mit Calls und Puts profitieren "Anleger" überproportional von sinkenden oder fallenden Kursen, mit dem Kauf von langristigen Calls in der Nähe des gegenwärtigen Preises behalten Anleger die Cash benötigen quasi ein Recht darauf, ihre Anlagen wieder zum selben Preis zu erwerben, können diese aber während der Laufzeit der Calls versilbern, also in Cash verwandeln, der in Deflationsphasen die sicherste Anlage ist. Da die Volatilität allerdings zur Zeit überdurchschnittlich hoch ist, sind auch die eben davon abhängigen Preise für die Warrants relativ hoch ... obwohl die Nachfrage generell eher tief ist. (Man sollte den Kokolores von Angebot und Nachfrage das den Preis bestimmt also nicht als allein seelig machende Regel nehmen. Es gibt noch eine ganze Menge weiterer Faktoren, die beim Preis mitspielen.
Empfohlen werden zur Zeit Derivative im Bereich Erdöl, da hier die Knappheit eindeutig die Preise wieder in die Höhe treiben wird. Um langfristige Zertifikate quasi ohne zeitliche Beschränkung zu schaffen müssen diese <gerollt> werden. Dies geschieht durch den Verkauf eines ablaufenden Zertifikats und den Erwerb eines nächsten, mit längerer Laufzeit. Sind die neueren Kontrakte teurer, wird dies als contango bezeichnet, günstigere als <backwardation>, also positive Roll-Rendite. Hier sind die Investitionen, aufgrund der steigenden Contango-Situation, unbedingt mit einer Fristenstrukturkurve zu prüfen. Bei Gas investieren hier Strategieindizes etwa in Ergasaktien, wenn eine Contangosituation herrscht, in Ergasfutures wenn eine Backwardation vorherrscht. Die Situation entsteht bei Gas besonders gerne, da es sich schlecht lagern lässt.

Auswege aus der Contango-Falle bieten offenbar auch Spothandel und *enhanced products": Allerdings wird auch hier davor gewarnt, dass es kein Gratisfrühstück gebe ... s. Rohstoffe