STRUKTURWANDEL
- RESTRUKTURIERUNGDie forstwirtschaftliche Entwicklung Oesterreichs: Durch immer mehr Rationalisierung zurück selben Problem
Probleme der Restrukturierung über Grössenvorteile (Economy of Scale)
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Daten aus Manuel Castells: Das Informationszeitalter I
Dass mit der
Industrialisierung des 19. JH die Landwirtschaft als erstes Gebiet und am
radikalsten rationalisiert wurde, darf als bekannt vorausgesetzt werden.
Allerdings zeigen sich noch zu Beginn des 20. Jahrhunderts beträchtliche
Unterschiede. Währenddem Italien und Japan noch weitgehend agrarisch sind, liegt
der Anteil der Landwirtschaft in Grossbritannien bereits zu Beginn des 20.
Jahrhunderts tiefer als heute noch in Frankreich, Japan und Italien. Auch die USA
starten auf einem relativ tiefen Niveau, haben hier also nur noch mässige
Probleme zu bewältigen.
Die landwirtschaftliche
Tätigkeit wurde durch eine industrielle ersetzt. Das wird heute noch erzählt ...
aber dass die industrielle Tätigkeit ebenfalls seit 50 Jahren im Abbau begriffen
ist, wollen viele heute noch nicht wahr haben. Zu Beginn des Jahrhunderts
dominierte die industrielle Tätigkeit noch in England, wo diese Entwicklung
jedoch schon 1950 stagnierte, während dem sie in Deutschland erst 1960 das
höchste Niveau erreichte. Dies eine Zeit die viele von uns erlebt haben ... und
der noch mehr Leute "rechter Gesinnung" offensichtlich nachträumen. Pech gehabt,
die Zeiten sind vorbei.
Ein interessanter Fall ist hier Italien, wo die industrielle Entwicklung erst 1970 kulminiert, hier allerdings dank der extravaganten Designerleistungen der Italiener.
Japan erreichte ebenfalls erst 1970 das höchste Niveau. Im Unterschied zu den andern Ländern gelang es ihm allerdings, dieses zu halten.
Diese Graphik erlaubt es die
Lieblingsthese der Liberalen zu testen: Wenn es den Reichen gut geht, geht
es auch den Armen gut. Dann stellen sie nämlich Dienstpersonal, Chauffeure,
Gärtner etc. ein und leisten sich mehr Luxus.
Pustekuchen. Diese Theorie schien nur, seltsamerweise, im eher sozialistischen Frankreich zu funktionieren. In allen andern Ländern, sogar Japan, wo der Anstieg deutlich ist, betrug die Zunahme der Arbeitsplätze in dieser Branchengruppe max. 4%.
forget it!
fauler Zauber!!
Hier nun die Entwicklung, die
wirklich Stellen schuf - aber von den Helden des Kapitals und ihren getreuen
Untertanen dauernd aufs Korn genommen wird. Die sozialen Dienstleistungen,
worunter Spitäler, Gesundheit, Bildung, Wohlfahrt (sic!), Gemeinnützige
Organisationen, öffentliche Dienste wie die Post und die staatliche Verwaltung
fallen. Und ausgerechnet in den Ländern, in denen darwinistischer Kapitalismus
herrscht, wird für solche Dienstleistungen am meisten ausgegeben ... denk mal
...
Eben so stark haben sich
allerdings die Dienstleistungen für Unternehmen entwickelt, und zwar nicht erst
seitdem "outsourcing" ein Schlagwort ist. Pionier war allerdings auch hier die
USA, Kanada und GB, die wirtschaftsliberalen Vorreiternationen. In Deutschland
und Italien kam diese Entwicklung offensichtlich nur schwer in Gang.
Unter "distributive
Dienstleistungen" fallen bei Castells Transporte, Kommunikation (sein
Kerngebiet), Grosshandel und Einzelhandel. Hier dominierte bis fast ans
Ende des vorigen Jahrhunderts Grossbritannien ... ruling the sea. Heute
sind die Unterschiede zwischen den Ländern gering.

In den USA war bis 1970 die Restrukturierung der Landwirtschaft auf ein Minimum erledigt. Der produktive, sekundäre Sektor litt unter dem 2. Weltkrieg, erholte sich prächtig im Nachkriegsboom, verlor dann aber, wie überall, min. 10%. Als Ersatz für diese Stellenverluste entwickelten sich in den USA vor allem die sozialen Dienstleistungen und die Produzentendienstleistungen.
Da Castells Daten nur bis 1990 reichen, muss die neuere Entwicklung, eine Untersuchung der neuen Strukturen und Arbeitsfelder, anhand anderer Zahlen ermittelt werden.
Allerdings sind die Vorgänge der beruflichen Strukturveränderungen wie sie Castells anhand der Studien von Eileen Appelbaum [S. 281]zu den Entwicklungen im Versicherungsgewerbe darstellt, heute noch ähnlich: Während die Maschinen hauptsächlich weniger gut ausgebildete Frauen aus ethnischen Minderheiten am unteren Ende der Beschäftigungsskala ersetzten, begannen gut ausgebildete, meist weisse Frauen weisse Männer in den unteren Expertenpositionen zu ersetzen, wurden aber schlechter bezahlt und hatten geringere Aufstiegschancen als sie die Männer gehabt hatten. Die Arbeitsplätze, die meist mehrere Qualifikationen erforderten und die Individualisierung der Verantwortung wurde häufig von ideologisch geschneiderten Titeln begleitet wie "Managementassistentin" statt "Sekretärin".
Diese Prozesse und die sich daraus ergebende Polarisierung der Arbeitskräfte in arbeitsmarkttaugliche und -untaugliche, sind nicht logische und notwendige Folge technischer Innovation, sondern vom Management geplant und gewollt.
| Wirtschaftswachstum in % von 1970 bis 1992 | Beschäftigungsanstieg in % von 1970 bis 1992 | |
| USA | 72 | 49 |
| Japan | 173 | 25 |
| EU | 81 | 9 |
Die Zahlen stammen aus einem Bericht der Europäischen Kommission von 1994 über Wachstum, Wettbewerbsfähigkeit und Beschäftigung. Der Bericht verschweigt aber, dass der grösste Teil des Beschäftigungsanstiegs aus dem öffentlichen Sektor kam. Die höhere Produktivität stiess nicht auf höhere Nachfrage, da bei den Konsumenten nicht mehr Geld, sondern immer weniger davon da war.

Japan entledigte sich seiner Bauern erst bis 1980. Die Industrie stieg erstaunlicherweise (man würde auf Grund der Problem, die Japan den USA und Europa verursacht hat, ja eigentlich anderes erwarten, recht mässig an ... konnte dieses Niveau allerdings halten, während alle andern verloren.
Trotz dieser Anhaltenden technologischen Überlegenheit, die uns als Lösung wirtschaftlicher Probleme, insbesondere der Arbeitslosigkeit vorgeflunkert wird, die uns als Ziel von Bildung und Innovation gesetzt wird, löst in Japan keines dieser Probleme. Das Wachstum stagniert, Die Löhne fallen. Teilzeitarbeit nimmt zu. Junge finden keine Anstellung mehr, arbeiten Überzeit ohne Bezahlung, verlieren Sozialleistungen. Die einzigen die florieren sind die international tätigen Grosskonzerne - und die Metropolen. Die Folgen des Entwicklungsmodells, das uns in der Schweiz, generell in Europa, immer noch als Lösung vorgelogen wird: Pharma, Banken, Globalisierung, also alles was den SMI bildet, bringt dem grössten Teil des Volkes und der Volkswirtschaft nichts - verursacht aber den sozialen Werken und damit dem Staat grosse Kosten - die natürlich, obwohl von andern verursacht, den zu überflüssig erklärten Armen angelastet werden.
Warum? Ganz einfach weil die Gewinne unter immer weniger Beteiligten aufgeteilt werden, die so mehr erhalten, während dem diejenigen, die wenig produktiven Marktwert haben, ihre Existenz nur noch über staatlich administrierte Almosen (Hartz IV & Co) sichern können. (s. freeters)

In Grossbritannien zeigte die Industrialisierung, die hier zuerst begonnen hatte, im 19. JH, nur noch einen geringen Anstieg im 20 JH, aber einen beträchtlichen Rückgang nach 1961. Diese Stellen wurden vor allem ersetzt durch soziale Dienstleistungen ...

Kanada zeigt einen ähnlichen Verlauf wie die USA und GB. Erstaunlich ist hier (gegeben die riesige Fläche des Landes), dass die Landwirtschaft bereits um 1900 auf relativ bescheidenem Niveau war und eben so stark viel wie in andern Ländern. Auch hier der Ersatz der Stellen durch soziale Dienstleistungen. Wo sich also Oekonomen mit ihren Theorien gegen die Gesellschaft wenden, dieser sogar das Existenzrecht absprechen, stehen diese Ökonomen irgendwie total neben den Schuhen.


Auffällig an Italien wie Frankreich (s. unten) ist der relativ starke Anstieg an personenbezogenen Dienstleistungen, was vermutlich vor allem dem Tourismus zu verdanken ist.

In dieser Tabelle ist die Entwicklung der Gehälter zwischen 1986 und 98 dargestellt, aufgeteilt nach Hautfarbe, Rasse und Geschlecht:
Der Anteil gut Verdienender ist generell angestiegen - vor allem aber bei den weissen Männern
Aber sogar die weisse, männliche Mittelschicht musste Haare lassen.
Bei den schwarzen Männern ist der Anteil gut verdienender gestiegen - der schlecht verdienender gesunken - bei den Latino-Männern war dieser Effekt geringer.
Bei den weissen Frauen sind die hohen Löhne gestiegen - allerdings nicht zu Lasten der Löhne der Männer, sondern zu Lasten der mittleren Verdienste (Die tiefen Löhne bei Frauen sind vermutlich bereits so tief, dass man sie sogar in den USA nicht weiter kürzen kann.)
Eine ähnliche Entwicklung zeigt sich bei den schwarzen Frauen, wo allerdings 1960-70 der Anstieg bei den besser Verdienenden zu Einbussen an Stellen bei den am schwächsten verdienenden geführt haben.
Am absurdesten ist die Entwicklung bei den Latino-Frauen, bei denen zwar die besser verdienenden auch an Zahl zulegen konnten, allerdings auch die schlecht bezahlten Stellen sich vermehrten - aber die mittleren Einbussen erlitten.

Diese Graphik wurde etwas unkonventionell angelegt (86<>98 - 98<>86), um die zunehmende Konvergenz zwischen der Arbeitsquote von Männern und Frauen deutlicher zu machen. Die höchste Beschäftigungsquote wird in der Schweiz erreicht, bei Männern wie Frauen (bei Frauen allerdings erst seit 1998. 1993, als die Rezession zuschlug stieg vor allem der Anteil arbeitender Frauen in Italien und Finnland.
Dies erklärt perfekt, warum die Schweizer Industrie plötzlich für Kindertagesstätten, Horte und dergleichen Interesse zeigt ... Es liegt ganz offensichtlich nicht an neu entdeckter Menschenfreundlichkeit ....
Am wenigsten arbeitssüchtig scheinen die Spanier und insbesondere die Spanierinnen zu sein, zumindest bis 1993, seither müssen die Männer derart <an die Säcke>, dass sie schon bald das Mittelfeld überrunden. Dafür nehmen's die finnischen Männer etwas gelassener. Deutschland und Österreich befinden sich im Mittelfeld.
FAZIT:
Die generelle Meinung der Oekonomen, insbesondere der rechten (na ja, sonst gibt's ja auch kaum mehr welche) ist, dass Einbussen an Arbeitsplätzen in einem Sektor immer durch einen andern, neuen Sektor absorbiert werden. So gingen die Bauern erst in die Industrie, dann die Industriearbeiter in die Dienstleistung. Das Hauptproblem dabei wird aber verschwiegen, oder gar als Bringschuld den Arbeitssuchenden aufgeladen: Die immer höheren Kosten, nicht bloss finanziell, sondern vor allem was Zeit betrifft, des Wissenserwerbs und der Anpassung an die sich immer rascher ändernden Bedingungen.
Gab es in der Steinzeit Jäger, Waffenproduzenten, und ab und zu einen Künstler und Schamanen, so kamen in der Eisenzeit Bauern und Hirten hinzu, mit den ersten Städten eine Vielfalt an Verwaltern, bald Schreibern, Rechtsgelehrten, Kriegern, Handwerkern und Händlern. In immer wieder neuen Schüben kamen neue Produkte, Dienstleistungen und damit Berufe hinzu - allerdings in äusserst gemächlichem Tempo.
Nehmen wir das 20. Jahrhundert, so brauchte es zwar 3 Generationen zum Abbau der ehemals dominierenden Landwirtschaft, aber nur 2 Generationen bis die Industrie ebenfalls im Abbau begriffen war und die neue Generation zwar eine Vielzahl von Wahlmöglichkeiten betr. der Berufe hatte, aber auch die fast 100% Sicherheit, dass es diesen Beruf nicht sehr lange geben wird, Ausbildung und Erfahrung damit entwertet sind.
"Flexibilität"
ist hier als Forderung sehr leicht auszusprechen - würde aber dieselbe auf
beiden Seiten erfordern, nicht bloss bei den Arbeitssuchenden, die ihre
ehemalige Ausbildung und Erfahrung immer im CV mit sich tragen und danach meist
abgewertet werden, falls dieses Ausbildung und Erfahrung nicht perfekt auf die
neue Stelle passt. Hier, in der Explosion der Berufsgattungen und
Spezialisierungen liegt der Hauptgrund für die heute relativ hohe
Arbeitslosigkeit, die trotz Austrocknung des Arbeitsmarktes herrscht - und
vorwiegend durch die Maximierung des Einsatzes von Frauen gelöst werden soll,
die nicht nur billiger, sondern auch gehorsamer sind.
Tja ... schöne Theorie, aber offenbar leider nicht ganz zutreffend, denn offensichtlich haben die Bildungspolitiker das Problem längst erkannt, weshalb die Ausbildungsberufe stark abnahmen nach 1971. Die heute verlangten, oft hochspezifischen Qualifikationen werden also nicht mehr durch die Basisausbildung vermittelt, sondern verlangen zusätzliche Ausbildung und/oder Erfahrung.
www.berufsberatung.ch etwa teilt die Berufe auf in 22 Berufsfelder (http://berufsberatung.ch/dyn/1203.asp) von denen jedes einzelne wiederum aufgespalten wird in Grundausbildung (Lehre), Weiterbildung, Spezialisierung und Hochschulausbildung.
Nehmen wir mal ein Gebiet, das nicht all zu komplex erscheint und das sehr vielen Arbeitskräften eine meist nicht sehr gut bezahlte Anstellung bietet, die Gastronomie: 14 Grundausbildungen (Koch z.B.), 28 Weiterbildungen (Küchenchef z.B.), 40 spezialisierte Berufsfunktionen (Fischkoch z.B) und 3 Hochschulberufe (Hotellier), total also 85, das Vierfache.
Versuchen wir's mit dem komplexesten Gebiet, auf dem die Berufe schneller entstehen und vergehen als sie erlernt werden können, Bildung und Soziales: 4 Grundausbildungen (z.B. Fachfrau/mann Betreuung), 89 Weiterbildungsberufe (von Rektor bis Yogalehrer), 38 Berufsfunktonen, Spezialisierungen (von Abeiltungsleiter, Sozialarabeiter bis Taj Chi Lehrer) und in diesem Falle 93 Hochschulberufe (von Anglist über Mittelschullehrer bis zum Theologen). also total 224. Das ist nicht bloss das 56-Fache der Grundausbildung, sondern zeigt exemplarisch die zunehmende Akademisierung, die jene ausschliesst, die aus der Industrie in die Dienstleistungsbranche wechseln sollten. Man redet hier zwar meistens von "Aufwertung" eines Berufes, erzielt aber vor allem Ausschluss, oft mit recht fragwürdigem Hintergrund, denn warum z.B. eine Kindergärtnerin über eine Matura verfügen muss ist doch zweifelhaft, da hier das Gemüt wohl entscheidender ist als das Wissen.
Die übliche Reaktion sog. Thinktanks (meist ohne Hirn, dafür mit um so grösserer Schnauze) die autoritär verlangen, Arbeitslose und sogar Invalide quasi zur Arbeit zu zwingen, ist also bloss dazu geeignet, diejenigen, die noch Arbeit haben besser auf Gehorsamkeit zu dressieren, indem ihnen Angst gemacht wird, nicht jedoch, die Probleme zu lösen.
Martin Herzog, Dipl. Ing. ETH, 27.8.07