Mit dem Bauern-Opfer verschwindet die Urform einer selbständigen, eigenständigen, eigenverantwortlichen Produktions- und Lebensstils
Netzwerke als hinter-listiges Selektions- und Herrschaftsmittel: Die hegemoniale Vorherrschaft des neoliberalen Markt-Totalitarismus
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Österreich wird von verschiedenen Branchen der Schweizer seit Jahren als Wirtschaftsmusterland gelobt. Offenbar sind die Österreicher inzwischen wirtschaftlich die besseren Schweizer. Offenbar ... scheinbar ... müsste man mal ansehen. Hier also ein erster heuristischer Entwurf, eine erste Auswahl von Basiswerten, die es erlauben, die Entwicklung Österreichs seit dem Beitritt zur EU zu überblicken. Für eine qualifiziertere Analyse müssen Sie sich noch etwas (voraussichtlich einige Monate) gedulden.
Zur Zeit das Interessanteste an dem Bericht sind also "die Löcher", das, was wir (in der Schweiz z.B.) über Österreich NICHT wissen. Logisch, dass sich etwas, worüber man wenig oder nichts weiss, gut zur Ideologisierung eignet, weshalb sich die meisten Ideologien ja auch auf göttliche Eingebung und transzendentale "kulturelle Normen" beziehen.
1. Die Entwicklung des BIP
| Was der EU Beitritt wirtschaftlich gebracht hat: | Kontrollfragen: Wem kam die Entwicklung wirklich zu gute, wer zahlte drauf? |
http://www.bmwa.gv.at/BMWA/Presse/Archiv2005/20050120_02.htm |
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Interessanterweise
scheint sich, statistisch gesehen, der Beitritt zur EU 1995 allerdings nicht im
geringsten auf den Gesamtdurchschnitt ausgewirkt zu haben. Das heisst,
wenn es einigen wirklich besser ging, müssen andere dafür
bezahlt haben:
Lohnmässig ist auch
Österreich seit 1994 ein Nullsummenland.
1.1 Industrie
Die
österreichische Industrieproduktion ist im Zeitraum von 1995 bis 2003 um ein
Drittel auf ein Ausmaß von 94,1 Mrd. EUR gestiegen – Hochrechnungen des IWI
prognostizieren bis Ende 2005 sogar ein Wachstum von 58% seit dem EU-Beitritt.
Die größten Sektoren weisen von 1995 bis 2003 allesamt eine sehr positive
Entwicklung auf:
Maschinen & Metallwarenindustrie (+43,5%),
Chemische Industrie (+31,8%)
Elektro- und Elektronikindustrie (+24,7%).
Die Fahrzeugindustrie als gegenwärtig viertgrößter Industriesektor kann gar ein Produktionswachstum von +74,6% verzeichnen.
Auch hier sehen die Zahlen ganz toll aus ... es sei denn, man betrachte sich die Entwicklung der Beschäftigten: 52'014 Stellen verloren, also 10.6 %.
1.2 Einfuhr-Ausfuhr
1.2.1 Agrarprodukte
Was die Landwirtschaftlichen Absatzmärkte betrifft, sind die Österreichischen Bauern in einer etwas besseren Lage als die Bauern der Schweiz, da sie nicht zwischen Tür und Angel des Duopols Migros-Coop ausgequetscht werden, sondern nebst 3 Grossen doch noch eine beträchtlicher Marktanteil von mittleren Handelsbetrieben belegt wird. Allerdings deuten Lidl, Spar, Penny deutlich darauf hin, dass die Preise die hier den Bauern bezahlt werden, absolut minimal sind. Auch was die Abnahme der Milch angeht, sind sie nicht derart von einem Abnehmer abhängig wie die Schweizer von Emmi, die 50% des Inland, und 80% des Exportkäsegeschäftes beherrscht.
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Logischerweise
kann eine Landwirtschaft, die für solche Preise produziert, auch den Export
steigern. Was in Deutschland an Löhnen eingespart wurde, machen die
österreichischen Bauern wett durch ihre billigen Nahrungsmittelexporte. Sie
tragen also einen grossen Teil der Kosten der Restrukturierung in Deutschland -
und tragen präzise dadurch zur weiteren Verbreitung derselben bei. Präzise diese
Preise sollen nun, als "Weltmarktpreise", den Rahmen setzen auch für deutsche,
schweizer und andere Bauern.

2. Die Entwicklung der Stellen und Löhne
Diese Graphik macht's
deutlich. Der Primär und der Sekundärsektor, Land-, Forstwirtschaft und
Industrie, verlieren Arbeitsplätze - auch wenn die Exporte boomen. Neue Stellen
werden im Dienstleistungssektor geschaffen. Allerdings wo ... ist in Oesterreich
eben so schleierhaft wie hier und in Deutschland ... Hier brauchts noch
Analysearbeit.


Trotz, oder wegen ? sozialer Marktwirtschaft (im Vergleich zu den liberalen Niederlanden) hat Österreich eine fast eben so tiefe Arbeitslosigkeit wie die Schweiz.

Langzeitarbeitslosigkeit und Jugendarbeitslosigkeit liegen weit unter dem Standard Europas. Schweiz ca. 4.2 %
Oesterreich gibt
beträchtliche Summen aus für die Reintegration der Arbeitslosen. Angesichts der
deutlichen Hinweise, dass die Erhöhung der Exporte durch den Beitritt zur EU
zwar das BIP und die Löhne weiter im gewohnten Mass steigen lässt, was den
Durchschnitt betrifft, aber kaum Stellen schafft, ausser in einem wenig
spezifizierten Tertiärsektor, fragt es sich, wohin die "Ueberflüssigen" in
Oesterreich verschwinden. Dafür stehen primär zwei Schlupflöcher zur Verfügung:

Leiharbeit in Österreich. Übergangslösung oder Sackgasse?
massive Steigerung = massive
Probleme, trotz Europabeitritt!

Der Bestand an überlassenen Arbeitskräften betrug im Jahresdurchschnitt 2005 36.481 und ist im Zeitraum zwischen 2001 und 2005 um 78% gestiegen. Die Arbeitskräfteüberlassung wird in der Beschäftigtenstatistik des Hauptverbandes der österreichischen Sozialversicherungsträger im Dienstleistungssektor ausgewiesen. Die Tertiärisierung des Beschäftigungssystems wird damit überschätzt. Denn wird die Arbeitsstelle der Beschäftigten untersucht, ergibt sich, dass rund 73 % der überlassenen Arbeitskräfte im Produktionssektor und lediglich 23 % im Dienstleistungssektor beschäftigt sind.

Vom Dienstleistungssektor
der "freiegestellte" Arbeitskräfte übernimmt
wird zwar dauernd
geredet ...
aber tun tut er's offenbar nicht.
http://www.bmwa.gv.at/NR/rdonlyres/CEC6878C-A001-478A-82EC-EB61F19EE05B/0/DerArbeitsmarktimJahr2005.pdf
3.1 Flächen s. Beitrag D

3.2 Produktionswerte
(Lebensmittelhandel, Molkereien)

3.3 Einkommen

3.4 Betriebsgrössen

Fazit: viele kleine Betriebe sind verschwunden, kaum grössere nachgekommen, tendenziell also Abbau, wie in der Industrie, also Umlagerung auf > Dienstleistungen.

Die
Kleinstbetriebe mit weniger als 5 ha sind praktisch verschwunden. Betriebe mit
einer Grösse bis zu 30 ha sind weiter unter Druck, solche bis 50 zur Zeit noch
stabil. Ein Zunahme erfolgte vor allem bei Betrieben zwischen 50 und 100 ha.
Für die Schweiz sind das äusserst schlechte Vorzeichen, denn die gegenwärtige Berechnung zeigt, dass der gegenwärtige Durchschnittsbetrieb mit 17 ha keinerlei Überlebenschance hat - ohne staatliche Unterstützung. Dass, für ein Minimaleinkommen von 3000 Fr. pro Monat mindestens eine Betriebsgrösse von 35 ha notwendig ist, was im internationalen Vergleich wenig ist, aber in der Schweiz heute nur 10% der Landwirte zur Verfügung steht.
Oesterreich ist seit Jahren äusserst "innovativ" in der Land- wie Forstwirtschaft. Es hat sich grosse Märkte erschlossen in Europa, speziell aber in den ehemaligen Ostblockstaaten. Oestereich ist führend in Sachen Energieholzverwertung, und gerade dran, die Schweizer Sägeindustrie durch Grossbetriebe (Stallinger in Domat-Ems/Kogler in Luterbach) zu erschlagen (Oekonomen würden sagen: zu Restrukturieren). Oesterreich hat also Probleme, verursacht aber auch Probleme. Es ist also, bei dem Stand des generellen Unwissens, weder eine generelle Ablehnung des österreichischen Modells noch eine Idealisierung angebracht.
Martin Herzog, Dipl. Forsting. ETH, Basel, 3.12.06
Die
Graphik rechts (aus: Die Volkswirtschaft 11-2007: Die Schweizer Bauwirtschaft
- zyklische Branche mit strukturellen Problemen. S. 36-40) zeigt deutlich,
dass Österreich in Sachen Infrastruktur offenbar noch "ein Entwicklungsland"
ist. Entwicklungsland in dem Sinne mal absolut positiv, da nämlich offenbar noch
nicht total verbaut wie die Schweiz. So zeigt hier die Bauwirtschaft fast so
hohe Beiträge zum BSP und Zuwächse im im Spitzenland Spanien ... Wer dort
allerdings mal die Strände und die Stadtränder von Madrid, Valencia etc.
angesehen hat, sieht sofort, dass Bauen die Lebensqualität nicht bloss erhöht,
sondern auch beeinträchtigt. Kurzum, dass in dem Bereich ganz offensichtlich
kein "nachhaltiges Wachstum" anzustreben ist.