Adam Smith' BiographiePsychosoziale Grundlagen: Warum Adam Smith im liberalen Markt nicht nur die Lösung für wirtschaftliche, sondern auch für soziale Ordnungsprobleme sah, wird bereits in der Theorie der ethischen Gefühle breit dargestellt:
Das natürliche Bestreben jedes Menschen, seine Lage zu verbessern, ist, wenn es sich mit Freiheit und Sicherheit geltend machen darf, ein so mächtiges Prinzip, dass es nicht nur allein und ohne Hilfe die Gesellschaft zu Reichtum und Wohlstand führt, sondern auch hundert arge Hindernisse überwindet, mit denen die Torheit menschlicher Gesetze es nur allzuoft zu hemmen suchte. [S. 546]
Der Bankrott ist vielleicht die grösste und niederschlagendste Unglück, das einen unschuldigen Menschen treffen kann, und deshalb wenden die meisten alle Vorsicht an, ihn zu vermeiden. [S. 343]
Der Mensch braucht fortwährend die Hilfe seiner Mitmenschen, und er würde diese vergeblich von ihrem Wohlwollen erwarten. Er wird viel eher zum Ziele kommen, wenn er ihren Egoismus zu seinen Gunsten interessieren und ihnen zeigen kann, dass sie ihren eigenen Nutzen davon haben, wenn sie für tun, was er von ihnen haben will. ... Nicht vom Wohlwollen des Fleischers, Brauers oder Bäckers erwarten wir unsere Mahlzeit, sondern von ihrer Bedachtnahme auf ihr eigenes Interesse. Wir wenden uns nicht an die Humanität, sondern an ihren Egoismus, und sprechen ihnen nie von unseren Bedürfnissen, sondern von ihren Vorteilen. [S. 21]
Dass Smith zwar den Menschen eindeutig als Produzenten und Händler sah, nicht als müssigen Empfänger von Wohltaten seiten des Staates oder Gottes, wird daraus klar, dennoch zeigt gerade seine Darstellung der Produktivität, dass Gastfreundschaft und Verausgabungen für Freunde, ja sogar für Staat und Gesellschaft, in seinem Denken reichlich Platz fanden.
Eben so wenig neigte Smith dazu, Arme einfach als Versager abzutun, deren sich die Gesellschaft auf dem schnellsten und billigsten Wege zu entledigen hat. Armut war in seinem Konzept nicht vorgesehen (was vielleicht erklärt, warum das Problem dann, gerade im 19. JH., sich so ausgeprägt äusserte, warum die Marktwirtschaft um das Adjektiv "sozial" ergänzt werden musste, und warum dennoch Armut heute als reiner "Kostenfaktor" abgetan wird.
Fast sozialistische Töne gibt Smith hier von sich:
Es kann sicherlich eine Gesellschaft nicht blühend und glücklich sein, deren meiste Glieder arm und elend sind. Ueberdies ist es nichts mehr als billig, dass diejenigen, welche den ganzen Körper des Volkes mit Nahrung, Kleidung und Wohnung versorgen, an dem Erzeugnis ihrer eigenen Arbeit soviel Anteil haben, um selbst erträglich wohnen, sich kleiden und nähren zu können.
Was Smith sah, war einerseits, dass sich eine starke Bevölkerungszunahme positiv auf den Markt auswirkt, denn sie heisst "Wachstum". Was er ebenfalls sah, war die Tatsache, dass Kinder zumeist von armen Bevölkerungsschichten aufgezogen werden. Was er noch nicht sehen konnte, war die Entwicklung zu einer Gesellschaft, die sich nur halb so viele Kinder leisten kann oder will, wie sie brauchte, um sich selbst zu erhalten. Die Grundgesetze waren allerdings bekannt, und dies seit den Römern. Pro letes [für die Nachkommen], da diese meist das einzige Vermögen armer Familien blieben, gab den späteren Proleten und Proletariern den Namen::
Die Armut ermutigt allerdings nicht zur Heirat, aber sie verhindert sie auch nicht gänzlich, ja sie scheint sogar der Kindererzeugung günstig zu sein. Eine halbverhungerte Bergschottin bringt oft mehr als zwanzig Kinder zur Welt, während eine wohlgenährte feine Lady ebenso oft unfähig ist, ein einziges zu gebären, und im allgemeinen durch zwei oder drei Schwangerschaften erschöpft ist. [S. 85]
In einfachen Gesellschaften, bäuerlichen Gesellschaften, macht praktisch jeder alles selber, inklusive Schmiede, Zimmermanns, Kärrner und Verwaltungarbeit, während dem in entwickelten Gesellschaften die Arbeit unter viele (Spezialisten) aufgeteilt wird. In der Landwirtschaft sind allerdings weniger Aufteilungen möglich als in der Industrie.
Der grösste Fortschritt in den produktiven Arbeitskräften und die Vermehrung der Geschicklichkeit, Gewandtheit und Einsicht, womit die Arbeit irgendwo geleitet oder verrichtet wird, scheint eine Wirkung der Arbeitsteilung gewesen zu sein. Smith schildert den Vorteil der Arbeitsteilung an dem bekannten Beispiel des Nadelmachers, der allein kaum 1 Nadel am Tage herstellen könnte, aber bei Aufteilung der Arbeitsschritte in 18 Stufen (die von 10 Leuten bearbeitet werden können) wie: Draht Ziehen, Strecken, Schneiden, Spitzen, Schleifen, Kopf herstellen, Kopf anlöten, Weissglühen, Einlegen in Papier, konnten dann mit Leichtigkeit 12 Pfund, also 48'000 Nadeln, also 4800 pro Person und Tag hergestellt werden können.
Da der Arbeitsmarkt damals ein noch unbeganntes Wesen war, geht Smith auch nicht sehr auf mögliche Probleme ein - mit Ausnahme der Erkenntnis, dass Wachstum Arbeitslosigkeit wie tiefe Löhne zu verhindern gilt, dass Löhne im Sommer fast doppelt so hoch waren wie im Winter, und dass dort, wo die Selektion erlaubt, aus 20 Juristen einen auszuwählen und anzustellen, dieser eigentlich so viel verdienen müsste wie 20 - und die andern auch finanzieren zu können. Tja, tut mir leid was die Marktgläubigen betrifft, aber solche Ansichten sind bei Smith halt auch zu finden. Marx wird sich den Problemen des Arbeitsmarktes stark widmen, und die Spezialisierung eher als Problem sehen, während dem Max Weber sie wieder loben wird.
Ein Mensch ist reich oder arm in dem Grad, als er imstande ist, sich die Bedürfnisse, die Annehmlichkeiten und die Freuden des menschlichen Lebens zu verschaffen. Nachdem aber einmal die Teilung der Arbeiten durchweg Platz gegriffen hat, kann eines Menschen Arbeit ihn nur mit einem sehr kleinen Teil dieser Dinge versorgen; den weitaus grösseren Teil muss er von der Arbeit anderer beziehen, und er wird reich oder arm sein, je nach der Quantität von Arbeit, die ihm zu Gebote steht oder die er kaufen kann. Der Wert einer Ware ist demnach für denjenigen, der sie besitzt, sie aber nicht selbst zu gebrauchen oder zu verzehren, sondern gegen andere Waren einzutauschen gedenkt, gleich der Quantität Arbeit, welche er dafür kaufen kann oder die ihm dafür zu Gebote steht. Die Arbeit ist also der wahre Masstab des Tauschwertes aller Waren.
Der wahre oder Realpreis einesDings, dasjenige nämlich, was ein Ding den, der es sich verschaffen will, wirklich kostet, ist die zu seiner Beschaffung erforderliche Mühe und Beschwerde. Was ein Ding denjenigen, der es sich verschafft hat und darüber verfügen oder es gegen etwas anderes vertauschen will, wirklich wert ist, das ist die Mühe und Beschwerde, welche er sich dadurch ersparen und dafür anderen Leuten aufhalsen kann. [S. 35]
Diese Theorie, an die sich Marx noch hielt, ist natürlich längst obsolet, als die meisten Güter heute primär von Maschinen gefertigt, transportiert, verpackt, beschriftet, ja sogar gehandelt werden. Kapitalgewinne sind heute also weitaus grösser als Löhne, in ihrem Anteil am BSP ebenso wie in ihrem Anteil an den Kosten von Produkten und Dienstleistungen. Dass diese Theorie längst nicht mehr funktioniert zeigt sich am besten anhand der working poor, denn solche dürfte es mit dieser Theorie überhaupt nicht geben.
Die Amerikanischen Gold- und Silbergruben haben den Wert der Edelmetalle auf etwa 1/3 heruntergebracht. Die in Getreide ausbedungenen Renten haben ihren Wert weit besser bewahrt als die in Geld ausbedungenen, selbst wo die Benennung der Münze keine Aenderung erlitten hat. [S. 39]
Erklärung: Die wohltuenden Effekte der Inflation für die Schuldner waren damals wohl bekannt. Staatschuldner haben also von Zeit zu Zeit die Benennung der Münzen erhöht, ohne gleichzeitig den Gehalt an Gold, Silber, Kupfer etc entsprechend zu erhöhen. Der Wert wurde also vermindert, die Schulden leichter bezahlbar. Präzise um diese Möglichkeit beraubte der Euro Griechenland, Italien, Spanien etc.
Es leuchtet also ein, dass die Arbeit ebenso der einzige allgemeine, als der einzige genaue Masstab des Werts ist oder der einzige Masstab, nach welchem die Werte der verschiedenen Waren immer und überall verglichen werden können. [S. 42]
Die gelegentlichen Schwankungen im Marktpreis des ungemünzten Goldes und Silbers entstehen aus den nämlichen Ursachen als die gleiche Schwankung im Preis aller Waren. Der häufige, durch mancherlei Zufälle zur See und zu Land verursachte Verlust dieser Metalle, der fortwährende Abgang derselben im Vergolden und Plattieren, in Borden und Stickereien, in Abnutzung des Geldes und Geschirrs, erfordert in den Länder, die keine eigenen Gruben besitzen, eine beständige Einfuhr zum Ersatz dieses Verlustes und Abgangs. Die Kaufleute welche diese Einfuhr besorgen, nehmen, wie alle anderen Kaufleute, ohne Zweifel darauf Bedacht, dieselbe auf das Mass zu beschränken, welches nach ihrem Urteil die unmittelbare Nachfrage haben wird. Doch tun sie darin trotz ihrer Aufmerksamkeit manchmal zuviel und ein andermal zuwenig. [S. 51]
Wir haben hier eine interessante Erwähnung, die manch heutiges Problem zu erklären vermag. Offenbar sorgen damals die Händler selbst für eine gewisse Mengen und damit Preisstabilität bei wichtigen Gütern (Silber, Gold). Seit den Spekulationen der Familie Hunt 1988 kennen die Händler keine solchen Rücksichten mehr. Hauptsache man verdient, sei es mit fallenden, sei es mit steigenden Preisen. 2008 hat die Spekulation (nebst der "alternativen" Verwendung als Treibstoff) auch die Preise von lebenswichtigen Gütern erfasst, in dem Falle vor allem Mais und andern Grundnahrungsmitteln (s. Warum sind Rohstoffe so billig - so teuer - so billig -). Smith war also eindeutig nicht der Meinung, dass Händler die Bedingungen für andere beliebig versauen dürfen, weil der Markt das eh von selbst wieder regelt. Händler hatten die Verpflichtung, achtsam zu handeln. In einer Zeit in der diese Achtsamkeit über Bord geworfen wurde, dürften sie also, ohne gegen diese Urprinzipien des Liberalismus zu verstossen, von der Gemeinschaft zur Einhaltung bestimmter Regeln verpflichtet werden. Umgekehrt haben die Händler natürlich auch seit jeher die Mengen begrenzt. So wurde bereits damals Pfeffer verbrannt, um zu verhindern, dass zuviel davon auf den Markt kam. Oder die Bewilligungen für Handel wurden nur sehr beschränkt erteilt (Indien/Türkei).
Steinmetze und Maurer erhalten halb oder doppelt so viel Lohn wie der gemeine Arbeiter - weil sie bei schlechtem Wetter nicht arbeiten können - bei gutem Wetter aber knapp werden.
Problematisch ist auch, dass bei tiefen Preisen die Löhne herabgesetzt werden, womit auch die Begeisterung schwindet, sich für Lehre oder Studium solcher Tätigkeiten zu verausgaben. Ist dieser Tiefpreis nur zyklisch, können daraus beim Wiederansteigen der Nachfrage beträchtliche Probleme erwachsen, da der Markt um einiges rasanter schwankt als die Ausbildungsdauer, bei hoher Marktnachfrage nach einem gewissen Beruf also kaum damit gerechnet werden darf, dass diese Nachfrage bei Abschluss von Studium oder Lehre noch besteht. (s. Informatiker, die armen Schweine unserer Zeit, völlig dem Schweinezyklus unterworfen. Dank des total ruinierten Arbeitsmarktes in Deutschland kann die Schweiz hier allerdings immer rasch "Hilfe" holen).
Die Aufteilung zwischen Arbeitslohn und Kapitalgewinn war für Smith offenbar stabil, und noch kein Grund zur Beunruhigung. Marx sah das ganz anders, wollte den Mehrwert der Arbeit zusprechen. Heute sind wir noch nicht mal so weit, dass wir darüber offen diskutieren können. Statt dessen wird links wie rechts mit unfruchtbarer Polemik und banalstem Populismus agiert: Die armen Unternehmer, die investieren sollten und von Staat wie anspruchsvollen, zu teuren Arbeitnehmern daran gehindert werden. (s. Abzockerinitiative s. 4: Einkommensrelationen.)
Bereits Smith, lange vor Tailor, war klar, dass der Mensch bei mässiger Belastung, bei guter Aufteilung von Arbeit und Ruhe, am produktivsten ist:
Die Natur fordert eine Erleichterung, die ihr bisweilen als blosse Ruhe, machmal aber auch als Zerstreuung und Vergnügung gewährt werden muss; geschieht das nicht, so sind die Folgen oft gefährlich manchmal verderblich und fast immer so, dass sie früher oder später zu dem Gewerbe eigentümlichen Krankheiten führen. ...
Es wird sich, wie ich glaube, bei jedem Gewerbe herausstellen, dass ein Mensch, der mit so viel Mässigung arbeitet, um ununterbrochen arbeiten zu können, nicht nur seine Gesundheit am längsten erhalten, sondern auch im ganzen Jahr die meiste Arbeit verrichtet haben wird. [S. 89]
Smith wendet sich also, ohne dass da ein Institut für Arbeitsphysiologie bestanden hätte, gegen Akkordarbeit und setzt sich ein für ein vernünftiges, mässiges, gesundes Arbeitstempo, das meist auch das produktivste ist. Immer schneller, immer mehr, immer länger, immer härter- ebenfalls ein Wunschtraum der Neoliberalen, kann ihm also auch nicht in die Schuhe geschoben werden.
In Krisenzeiten sind allerdings die Arbeiter und Angestellten nicht bloss billiger zu haben, sondern auch gefügiger und produktiver. Man darf sich hier also ruhig fragen, ob ein gewisser Grundbestand an Arbeitslosen nicht gewollt ist, insbesondere in Anbetracht der Zucht- und Drillmassnahmen, wie sie von sog. "Beschäftigungsprogrammen" durchgeführt werden.
Leistungslohn war damals noch Leistungslohn, denn Arbeiter in Kohleberwerken verdienten auch ungelernt mehr als gelernte Handwerker. Ebenso verdient der Fleischer meist mehr als andere Gewerbe, bezahlt aber dafür mi sozialer Verachtung. Noch stärker wirkt sich dies aus beim Scharfrichter.
Jagd und Fischfang hingegen werden sehr schlecht bezahlt, da es sich um Zeitvertreib reicher Leute handelt. So ähnliche Effekte hat heute die sog. Hausfrauisierung. Oder die Tatsache, dass heute ein Bauernhof, wenn er nicht recht gross ist, meist als Nebenjob betrieben werden muss.
Auch Schankwirte, die es mit üblem Pöbel zu tun hatten, betrieben ein unangenehmes und gering geschätztes Geschäft, das aber um so höhere Gewinne erlaubte. Aus dem Grunde sind heute vermutlich Aerzte zwar immer noch sehr angesehen, aber zum grossen Teil doch eher mässig bezahlt.
Steinkohlegräber verdienen doppelt bis 3 x so viel wie gemeine Arbeiter, auf Grund der Unannehmlichkeit und Unreinlichkeit der Arbeit. Kohlenträger bis zum Fünffachen.
Der Arbeitsmarkt funktionierte also offensichtlich noch so, wie er es theoretisch eigentlich sollt, so dass nämlich für Scheissarbeit mehr bezahlt wird als für interessante und leichte Arbeit: 1350 erliess Eduard III ein Arbeitsgesetz, dass die Löhne von Dienstboten und Arbeitern nicht mehr erhöht werden durften, also dem Mass an Weizen oder Geld gleich bleiben sollten, das zu dieser Zeit galt. Es galt als ungebührlich von denselben, mehr Lohn zu fordern als nötig. Weizen und andere pflanzliche Nahrung machten den Hauptteil der Nahrung aus. Fleisch wurde nur selten genossen, Geflügel noch seltener und Wildbrett kaum. 1554 wurde die Ausfuhr von Weizen verboten, wenn der Preis ein gewisses Mass überstieg, also knapp - und dem Volk zu teuer wurde.
Schauspieler oder Operadiven geniessen hohe Einkommen auf Grund der Seltenheit und Aussergewöhnlichkeit ihrer Begabung. Die Ueberschätzung der eigenen Fähigkeiten ist jedoch ein altes Uebel, und die Lotterie um das Glück nimmt auch darauf keine Rücksicht. Von Spekulationen mit Versicherungen rät Smith völlig ab, da doch nur sehr wenige viel Glück damit gemacht hätten. (die Stochastik war noch nicht sehr weit entwickelt, obwohl Pascal und Fermat sie bereits 150 Jahre früher in ihren Grundzügen entwickelt hatten.
Die Verachtung der Gefahr und die übermütige Hoffnung auf guten Erfolg ist in keiner Lebensperiode so stark als in dem Alter, in welchem die jungen Leute ihren Beruf wählen. Matrosen machen mehr Geld und haben mehr Hoffnung auf Beförderung als gemeine Soldaten.
Apothekergewinn ist zum Sprichwort geworden, um einen übermässig hohen Gewinn zu bezeichnen, und doch ist der scheinbar hohe Gewinn oft weiter nichts als ein billiger Arbeitslohn. Die Geschicklichkeit eines Apothekers ist viel feinerer und zarterer Natur als die eines Handwerkers, und das Vertrauen, welches man auf ihn setzt, ist von weit grösserer Wichtigkeit. [S. 119]
Nicht in jedem Falle aber zeitigt ein Studium auch ein entsprechendes Resultat im Lohn, was aber bereits im 16. JH bekannt war. Das zunehmende Problem des akademischen Proletariats, heute meist generation p genannt, bestand aber in gewissem Masse bereits damals:
Wenn eine kostspielige Maschine aufgestellt wird, so muss man erwarten, dass das auf ihr verfertigte, ungewöhnlich grosse Produkt das Kapital, welches zu ihrer Herstellung ausgelegt wurde, bis zur Zeit, wo sie abgenutzt ist, wenigstens mit den gewöhnlichen Gewinnen wieder einbringe. Ein Mensch aber, der mit viel Arbeit und Zeit zu einem derjenigen Geschäfte, die ungewöhnliche Fertigkeit und Geschicklichkeit erfordern, erzogen wurde, kann wohl mit einer solchen kostspieligen Maschine verglichen werden. Von der Arbeit, die er machen lernt, steht zu erwarten, dass sie ihm ausser dem üblichen Lohn für gemeine Arbeit noch alle Kosten seiner Erziehung zum wenigsten mit den gewöhnlichen Gewinnen eines gleich grossen Kapitals wieder einbringen werde. Auch muss dies in einer nicht zu langen Zeit geschehen, wobei ebenso die höchst ungewisse Dauer des menschlichen Lebens wie bei der Maschine ihre viel gewissere Dauer in Anschlag gebracht werden muss. ... Die wissenschaftliche Politik in Europa betrachtet die Arbeit aller Mechaniker, Handwerker und Manufakturisten als gelernte Arbeit, die der Landbauer aber als gemeine Arbeit.
Die Erziehung für die freien Künste und edlen Berufsarten ist noch langwieriger und kostspieliger. Deshalb müsste auch die Geldvergütung der Maler und Bildhauer, der Juristen und Aerzte viel reichlicher sein und ist es in der Tat. [S. 109]
Goldschmiede und Juweliere haben höhere Löhne weil sie hohes Geschick brauchen - und mit kostbaren Materialien arbeiten. An Aerzten, Rechtsgelehrten und Advokaten hängt der gesellschaftliche Rang oder gar das Leben ihrer Kunden. Allerdings - wer zu einem Schuhmacher in die Lehre geht, hat kaum Zweifel, später ein Paar Schuhe fertigen zu können - und davon leben zu können. Studiert aber einer Recht, so steht die Chance 1/20, dass es nicht dazu kommt, dass er von seinem Amt leben kann. Der eine der Glück hat, müsste also so viel verdienen, wie die 20, die es versucht haben.
Eine andere, etwas seltsame Begründung von Spitzenlöhnen in gewissen Branchen. Vor allem aber ein klarer Hinweis darauf, dass die Probleme der generation p nicht neu sind, dass Akademisierung noch nie die Lösung von Arbeitsmarktproblemen war.
Vor der Erfindung der Buchdruckerkunst bestand die einzige Arbeit durch die ein Gelehrter mit seinem Talent etwas erwerben konnte, darin, dass er öffentlicher oder Privatgelehrter wurde oder dass er anderen Leuten die wissenswerten und nützlichen Kenntnisse mitteilte, die er sich erworben hatte. (Auch diese Tätigkeiten sind in Zeiten des Internets eben "gratis", also kaum zum Erwerbsleben geeignet). So hatten die Worte Student und Bettler auch oft die gleiche Bedeutung, um so mehr als erstere von den Universitätsrektoren gleich bei der Einschreibung Erlaubnisscheine zum Betteln erhielten.Das Spinnen des Leinengarns wird in Schottland fast ebenso wie das Stricken der Strümpfe von Dienstboten betrieben, die hauptsächlich zu anderen Zwecken gemietet werden. Diejenigen, welche mit dem einen oder anderen dieser Gewerbe ihren ganzen Lebenserhalt gewinnen wollen, verdienen jämmerlich wenig. In den meisten Gegenden Schottlands ist die eine gute Spinnerin, die in der Woche zwanzig Pence verdienen kann. [S. 126]
Wir haben hier einen ähnlichen Effekt wie den der Hausfrauisierung - oder noch schlimmer, aller Tätigkeiten die aus Lust und Freude betrieben werden, so etwa Sport (warum studierte Sportlehrer bezahlen, ist doch ein Hobby), Landwirtschaft (macht spass, ist gesund, wird freiwillig betrieben, oft und immer mehr als Nebenhob. Warum also mehr bezahlen?).
Der Produktivitätsgewinn basiert auf
Viele Maschinen wurden allerdings nicht von denen entworfen, die sie benutzen: Viele Verbesserungen erfand das Genie der Maschinenbauer, als das Bauen der Maschinen ein besonderes Gewerbe wurde; manche das Genie derjenigen, welche wir Philosophen oder Theoretiker (men of speculation) nennen, und deren Aufgabe es nicht ist, etwas zu machen, sondern alles zu beobachten, und die deswegen oft imstande sind, die Kräfte der entferntesten und unähnlichsten Dinge miteinander zu kombinieren. [S. 17]
Die Arbeit von Dienstboten vermehrt keinen Wert. ... Durch Beschäftigung einer Menge von Fabrikarbeitern wird man reich; durch das Halten einer Menge Dienstboten wird man arm. [S. 331]
Smith widerlegt hier grad selbst eine der Begründungen, mit denen Reichtum oft als förderlich für alle begründet wird, nämlich dass der Reiche keine Zeit habe, also Köche, Reinigungs- und anderes Personal anstelle. Smith' Theorie geht es aber, wie der calvinistischen, um Sparen und Vermehren von Kapital, nicht um den Kreislauf primär, nicht um den Unterhalt von Armen.
Fürst, Justiz. und Militärbeamte, die ganze Armee und Flotte unproduktiver Arbeiter, sind Diener des Volkes. Geistliche, Juristen, Aerzte, Gelehrte aller Art, Schauspieler, Possenreisser, Musiker, Opernsänger, Ballettänzerinnen etc. - all diese Produkte gehen im Augenblick der Produktion zu Grunde. All diese leben von der jährlichen Landesproduktion des Bodens und der Arbeit, einem Produkt das niemals unbeschränkt ist, sondern immer Grenzen hat.
Flotten und grosse Armeen bringen in Friedenszeiten nichts hervor und erwerben in Kriegszeiten nichts. Das dürfte der Hauptgrund für den langen Frieden in Europa und Nordamerika sein.
Reiche Tafel, Schmuck, teure Villen - sind unproduktiv. Hunde, Pferde, Sammlungen - sind unproduktiv ... wenn auch oft ein Schmuck für das ganze Land (Versailles).
Zudem geben die Ausgaben, die für dauerhafte Waren gemacht werden, gewöhnlich einer grösseren Menge Menschen Unterhalt als die welche auf die verschwenderische Bewirtung gewendet werden. Von zwei- oder dreihundert Pfund Lebensmitteln, die manchmal bei einem grossen Fest aufgetragen werden, wird vielleicht die Hälfte auf den Mist geworfen und jedenfalls ein grosser Teil vergeudet und verprasst. Wären dagegen die Kosten eines solchen Gastmals dazu aufgewendet worden, Maurern, Zimmerleuten, Tapezierern, Mechanikern, usw. Arbeit zu geben, so würde eine Menge Lebensmittel von gleichem Wert unter eine noch grössere Zahl von Menschen verteilt worden sein, die dieselben groschen- und pfundweise gekauft und auch nicht eine Unze davon unnötigerweise weggeworfen hätten. Ueberdies unterhält jener Aufwand auf die eine Art produktive und auf die andere Art unproduktive Hände. [S. 350]
Das erinnert an die Wahl von Blocher in den Bundesrat, nachder er auf ein öffentliches Fest verzichtete.
Dennoch: Wenn ein reicher Mann sein Einkommen hauptsächlich in der Gastfreundschaft aufgehen lässt, so teilt er das meist davon mit seinen Freunden und Gefährten; wenn er es aber dazu anwendet dauerhafte Sachen zu kaufen, so gibt er oft das meiste davon für seine eigene Person aus und lässt keinem anderen Menschen etwas ohne Bezahlung zukommen. [S. 351]
Dies zeigt, das Smith Gestalten wie Blocher auf keinen Fall durch seine Theorie fördern wollte.
Problematisch wird die Idee der immerwährenden Vermehrung des Kapitals auch dann, wenn ein Land gebaut, ausgebaut, vollgebaut ist. Dann möchte man keinen Maurer am Werk sehen, ausser bei Reparaturen oder Ergänzungen. Diesen zugebauten Zustand haben die Briten dadurch umgangen, dass sie ihre überschüssige Jugend in den Westen schickten, wo sie "freies Land" unter sich verteilten.
Vermögen und Geld gelten in der gewöhnlichen Sprache für durchaus gleichbedeutende Wörter. [S. 424] Hier würde nun die INWO/Freiwirte lautstark widersprechen, denn Vermögen ist investiert, also produktiv, Geld jedoch passiv gebunkterte Macht. Allerdings übersehen hier die Freiwirte, noch mehr in ihren Rezepturen zur Rettung der Welt, dass Vermögen mit einen kleinen Vertrag, einer Unterschrift, einem oder zwei Stempeln, innert kürzester Frist zu Geld wird, Buchgeld, Kredit. Hier krankt auch die Abzockerinitiative, da sie "Geld" welches in Aktienpapier steckt, als vortrefflich ansieht, Geld jedoch, dass an die Heerführer der Marktschlachten ausbezahlt wird, als verwerflich.
Max Weber sah die Wurzeln des Kapitalismus bereits im Protestantismus, der seinen Anhängern nahe legte, hart zu arbeiten - und so wenig als möglich zu verbrauchen. Die logisch Folge davon ist die Anhäufung von Gütern - die dann eben als Zeichen des Wohlgefallens Gottes betrachtet wurden.
Sieht man sich die zur Zeit von Smith herrschenden Wirtschaftstheorien an, so gab es da den Merkantilismus, der die Wichtigkeit des Reichtums der Nation betonte, also nationale Oekonomien gegeneinander auspielte (was so ziemlich, ziemlich extrem, von den Nazis übernommen wurde. s. Produktionssgesinnung) und die Physiokratie, die nur Landwirtschaft als produktiv betrachtete. Erstere basiert auf der Beobachtung, dass grosse Mengen von Rohprodukten gegen bloss kleine Mengen an verarbeiteten Gütern getauscht werden - und umgekehrt, weshalb der Merkantilismus darauf sah, möglichst alles im eigenen Land zu verarbeiten.
Fazit zum Merkantilismus, der heute von Ländern betrieben wird, die kontinuierlich Handelsüberschüsse erzielen:
Wo Ueberschüsse produziert werden (können), hilft nur die Ausfuhr, dieser einen Wert zu geben und die verwendete Arbeit zu vergüten. Kapital das Ueberschüsse erzeugt, zieht also Geld aus andern Ländern ab, die über schlechtere Produktionsbedingungen verfügen - was Kapitaläufnung betrifft. Kapitalbildung wird dort also verhindert - was eben das Problem der 3. Welt war und ist.
Interessanterweise betrieb China, heute eindeutig dem Merkantilismus zuzuordnen, damals eine eben so klar physiokratische Politik: Die Politik Chinas begünstigt den Ackerbau mehr als alle übrigen Gewerbe. In China soll der Stand eines Bauern um soviel höher sein, als in den meisten europäischen Ländern der Stand eines Handwerkers höher ist als der eines Bauern. In China trachtet der Ehrgeiz eines jeden dahin, ein kleines Fleckchen Land entweder als Eigentum oder als Pachtgut in Besitz zu haben und es heisst, dass Pachtungen dort unter sehr billigen Bedingungen gewährt und den Pächtern hinlänglich gesichert werden. Die Chinesen haben wenig Achtung für den auswärtigen Handel. [S. 695]
Die Physiokratie ist Grundlage vieler heute noch mehr oder minder aktiver Wirtschaftssekten, darf aber dennoch nicht als heile Welt betrachtet werden, sondern muss eigentlich als Ursache der Forderung einer Ueberrendite dargestellt werden:
Der Hintergrund, warum die Physiokraten nur die Landwirtschaft als produktiv ansahen:
Die Klasse der Grundeigentümer trägt zu dem jährlichen Produkt durch die Ausgaben bei, welche sie von Zeit zu Zeit auf die Verbesserung des Bodens, auf die Gebäude, Abzugsgräben, Einzäunungen und andere Meliorationen macht, wodurch die Landwirte instand gesetzt werden, mit dem nämlichen Kapital ein grösseres Produkt zu erzielen und folglich auch eine höhere Rente zu bezahlen. Die erhöhte Rente lässt sich als Zins oder Gewinn betrachten, die dem Grundeigentümer für jenen Kostenaufwand oder für die Bodenverbesserung verwendete Kapital zukommt.
Die Landwirte oder Pächter tragen zu dem jährlichen Produkt durch dasjenige bei, was in diesem System ursprüngliche oder Bestandesauslagen und jährliche Auslagen heisst und von ihnen auf den Landbau verwendet wird. Die Bestandesauslagen bestehen in den Ackerwerkzeugen, dem Viehstand, der Aussaat und in dem Unterhalt der Familie, des Gesindes und des Viehs des Pächters. ...
Die Rente, welche dem Grundherrn eigentlich gebührt, ist nur der Reinertrag, der nach vollständiger Deckung aller notwendigen Auslagen, die man zur Erziehung des Bruttoertrages im Voraus machen muss, übrigbleibt. Eben um deswillen, weil die Arbeit der Landwirte ausser der vollständigen Deckung jener notwendigen Auslagen noch einen solchen Reinertrag abwirft, wird diese Klasse von Leuten in jenem System der ehrenvolle Name der produktiven Klasse gegeben. Und aus demselben Grund heissen auch ihre ursprünglichen und ihre jährlichen Ausgaben produktive Auslagen, weil sie nach Wiederstattung ihres eigenen Werts eine jährliche Wiederholung des Reinertrages hervorbringen. [S. 679]
Gewerbetreibende (und Händler, nicht mal zu reden von Politikern, Forschern, Künstler und dergleichen) gelten nicht als produktiv, weil ihre Arbeit bloss erlaubt die Auslagen für Werkzeug wieder hereinzuholen + die Kosten der Arbeit, aber nicht einen Beitrag ähnlich der Bodenrente. Dies hat sich mit den grossen Industrien und Fabriken natürlich geändert:
Die Gewinne von einem Manufakturkapital sind also nicht, wie die Grundrente, ein Reinertrag, welcher zurückbleibt, nachdem alle darauf gewandten Auslagen wiedererstattet worden sind. Das Kapital des Pächters liefert diesem ebensowohl einen Gewinn als das Kapital des Fabrikanten, aber es wirft auch noch für eine andere Person eine Rente ab, was bei dem Kapital des Fabrikanten nicht der Fall ist.
Man kann das etwa so verständlicher zusammen fassen: Ohne (doppelten) Mehrwert keine Produktivität. Die gesamte landwirtschaftliche Produktion jeden Jahres wird verzehrt. Und nicht nur sie ist ein Jahr später wieder da, sondern auch noch die Kosten für diese Produktion lassen sich rechnen, + der Entgelt für den Bodeneigentümer, die Rente. Wie heisst es in der Bibel? Sehet die Vögel unter dem Himmel an: sie säen nicht, sie ernten nicht, sie sammeln nicht in die Scheunen; und euer himmlischer Vater nährt sie doch. Seid ihr denn nicht viel mehr denn sie?{Matthäus.10,29} {Lukas.12,6 Die Natur ist uns halt eben doch überlegen. Gratis und franko (fast) ernährt sie uns - und gerade deshalb war und ist die Aneignung von Boden immer umstritten. Bis die christlichen Mönche die Kelten bekehrten, war das Land Gemeineigenum - danach gehörte ein grosser Teil davon der Kirche.
Deshalb können Nationen, die wie die englische und französische grossenteils aus Grundeigentümern und Landwirten bestehen, bei Betriebsamkeit und Genuss reich werden. Nationen, die wie die Holländer und Hamburger hauptsächlich aus Kaufleuten, Handwerkern und Fabrikarbeitern bestehen, können nur durch Sparsamkeit und Entsagung reich werden. Bei den ersteren machen natürlich Liberalität, Offenheit und Geselligkeit einen Teil dieses Charakters aus, bei den letzteren zeigt sich Engherzigkeit, Kleinlichkeit und Selbstsucht, die allem geselligen Vergnügen und Genuss feind sind. Die unproduktive Klasse findet Unterhalt und Beschäftigung nur auf Kosten der beiden anderen Klassen, nämlich der Grundeigentümer und der Landwirte. [S. 682-83]
So ähnlich, auch nicht viel intelligenter, wird heute über Bedeutung und Funktion von Wissen, Bildung, Forschung und Wissenschaft geredet: Nur was Mehrwert bringt, bringt was.
Das jährliche Boden- und Arbeitsprodukt einer Nation lässt sich nu auf zweierlei Art vermehren: entweder durch irgendeine Verbesserung in den Produktivkräften der in der Nation betriebenen nützlichen Arbeit oder zweitens durch eine Zunahme in der Quantität dieser Arbeit. [S. 692]
Sparsamkeit, nicht Fleiss ist die unmittelbare Ursache der Kapitalvermehrung. [S. 338]
Unabhängig davon, ob nun die Entwicklungspolitik eher merkantilistisch oder physiokratisch orientiert war, nahm die Produktivität dank des Engagements, der Forschung, den Investitionen und der Bedeutung des Sektors zu. Bereits Smith konnte vor 250 Jahren beobachten, dass zwar in Frankreich (das heute noch seine Bauern hoch subventioniert und relativ kleinflächig produziert) noch jeder Bauer sein Auskommen fand, indem er 2 bis 4 Familien unterstützte durch die Arbeit seiner Familie, in den meisten andern Ländern 1/2 bis 1/4 der Bevölkerung reichte, das ganze Land zu versorgen. (Heute 1%, s. Rationalisierung der Landwirtschaft).
Rationalisierung führt also zu Arbeitslosigkeit - die zur Zeit der beginnenden Industrialisierung relativ leicht aufgefangen werden konnte, gegen Ende der Industrialisierung noch mässig durch die bald dominierende Dienstleistungsbetriebe korrigiert wurde - deren Lösung heute aber ein offenes Geheimnis bleibt, das zu allerlei und oft verquerten Vorschlägen führt.
England war hier Europa weit voraus. Die Industrialisierung hatte fast 100 Jahre früher eingesetzt. Um 1921 waren in GB noch etwa 8% der Bevölkerung in der Landwirtschaft tätig, während dem es in Deutschland 31%m Frankreich 42%, in Italien sogar etwa 57% waren. (s. Restrukturierung im 20. JH)
Seltsamerweise war allerdings für die Physiokraten der Wald nicht von Belang, der erst spät bewirtschaftet wurde, als er kurz vor der Zerstörung stand (s. Wald und Forst). Für GB stellte die Vernichtung der Wälder eben auch kein all zu grosses Problem dar, da sie leicht Zimmerholz aus Skandinavien importieren konnten und zum Kochen und Heizen über ausreichend Kohle verfügten. Von da her vielleicht auch die totale Vernachlässigung der Umwelt in der alten ökonomischen Theorie. GB hatte im 16. und 17. JH bereits Weide und Ackerland getrennt. Wälder spielten vor allem für die fürstlichen Herrschaften als Jagdgebiet eine Rolle, weniger was Holz betrifft.
Kapitale Wirkungen:
Das Kapital des Grosshändlers erstattet das der Pächter und Gewerbeleute, von denen er die rohen und verarbeiteten Produkte, mit denen er handelt, bezieht, samt den gehörigen Gewinn zurück und setzt sie dadurch instand, ihr Gewerbe fortzuführen. Sein Kapital beschäftigt auch Schiffer und Fuhrleute, womit er den Wert nicht nur um den eigenen Gewinn, sondern auch noch um diese Löhne erweitert. Seine Wirkung ist jedoch in beiderlei Beziehungen um vieles stärker als die des Kleinhändlerkapitals.
Stimmt, allerdings auch umgekehrt, wernn er rationalisiert
Kein Kapital setzt aber eine grössere Quantität produktiver Arbeit in Gang als das des Pächters. Nicht nur seine arbeitenden Knechte und Mägde, sondern sein arbeitendes Vieh und produktive Arbeiter, ja es arbeitet in der Landwirtschaft die Natur selbst mit dem Menschen, und ihre Produkte haben, obgleich ihre Arbeit nichts kostet, doch ebensogut ihren Wert als die der kostspieligen Arbeiter. ... Ausser dem Kapital des Pächters und seinen Gewinn, bringen sie gewöhnlich noch die Rente des Grundeigentümers hervor. [S. 364-6]
Wenn die feilgebotene Quantität die wirksame Nachfrage übersteigt, so kann sie nicht ganz an diejenigen verkauft werden, welche den ganzen Wert der Rente, des Gewinns und der Arbeit, welche bis zur Feilbietung ausgelegt werden mussten, zu bezahlen geneigt sind. Ein Teil der Waren muss dann an diejenigen abgelassen werden, welche weniger zahlen wollen und der niedrige Preis, den diese erlegen, muss den Preis des Ganzen herunterdrücken. Der Marktpreis wird nun mehr oder weniger unter den natürlichen Preis sinken, und zwar in dem Mass, als die Grösse des Ueberflusses den Wettbewerb der Verkäufer mehr oder weniger lebhaft macht oder als es für sie mehr oder minder wichtig ist, ihre Ware auf der Stelle loszuwerden. (abh. von Verderblichkeit).
Die Quantität des Feilgebotenen richtet sich natürlich von selbst nach der wirksamen Nachfrage. Es liegt ja im Interesse aller derer, welche Boden, Arbeit und Kapital dazu verwenden, eine Ware auf den Markt zu bringen, das die Quantität derselben niemals die wirksame Nachfrage übersteige; und andererseits liegt es im Interesse der Uebrigen, dass sie niemals dahinter zurückbleibe. [S. 63]
Die ganze Quantität des Gewerbefleisses, der jährlich darauf verwendet wird, eine Ware auf den Markt zu bringen, richtet sich auf diese Weise von selbst nach der wirksamen Nachfrage. Der Gewerbefleiss verfolgt von selbst das Ziel, immer genau jene Quantität auf den Markt zu bringen, welche die wirksame Nachfrage befriedigt und zugleich nicht mehr als befriedigt. [S. 64]
Well, hier nun ist Smith längst überholt. Bereits damals haben die Holländer auf den Gewürzinseln Gewürze verbrannt - so ähnlich wie später die Walliser ihre Aprikosen. Obwohl, oder gerade weil, Pfeffer mit Gold aufgewogen wurde, musste die Versorgung knapp bleiben. Heute wird längst nicht mehr das produziert, was der Markt fordert, wessen die Menschen bedürfen, sondern es wird versucht, für ein Produkt dass eine Vermarktungschance hat, die Nachfrage zu schaffen, per Marketing. Wir leben also in einer Ueberflussgesellschaft in der Bedürfnisse gefördert, nicht primär befriedigt werden. Das gäbe uns ganz andere Möglichkeiten (auch massiv brutalere Probleme), als sie Smith & Co vorhergesehen haben.
Von der Versorgung mit lebensnotwendigen Gütern zur Produktion von Überfluss, und damit Überflüssigem:
Nächst der Nahrung sind Kleidung und Wohnung die beiden grossen Bedürfnisse der Menschen. [S. 174]
Bei wilden Völkern richt der hundertste oder etwas mehr als der hundertste Teil der jährlichen Arbeit hin, soviel Kleidung und Wohnung herzustellen, als man im Durchschnitt braucht: die übrigen neunundneunzig Teile sind oft gerade nur genug, um die Nahrungsmittel zu beschaffen.
Aber wenn bei fortschreitender Kultur des Landes die Arbeiter einer Familie für zwei Familien Nahrung schafft, dann ist nur die Arbeit der halben Gesellschaft nötig, damit die ganze mit Nahrungsmitteln versorgt werde. Die andere Hälfte oder wenigstens der grösste Teil derselben kann sich damit beschäftigen, andere Dinge herzustellen oder die anderen Bedürfnisse und Gelüste der Menschen zu befriedigen. Kleidung, Nahrung, Hausgerät .... Bequemlichkeit und Schmuck. Da sich reiche Leute nicht durch die Auswahl 1 Anzugs auszeichnen können, zeigen sie ihre Pracht in der Vielzahl und Vielfalt. Hier die Entstehung der Mode.
Wir hatten also damals bereits eine 50/50-Gesellschaft, sogar eine 2/3-Gesellschaft, in der Männer für ihre Frauen und Kinder arbeiteten, was ihnen dann im 20 JH als Unterwerfung der Frau ausgelegt wurde, die nun auch ausserhalb der traditionellen Rolle, also in der Familie, tätig werden wollte.
Als Beispiel für Marktverzerrungen analysiert Smith etwa die Bedingungen und die Gewinner beim Handel von Textilien:
Die Tätigkeit der Flachsproduzenten ausser Acht gelassen, so sind schon wenigstens drei oder vier Spinner nötig, um einem Weber fortwährend Beschäftigung zu geben, und mehr als vier Fünftel aller Arbeit, die auf die Bereitung der Leinwand gewendet werden muss, stecken allein in der Herstellung des Garns. Unsere Spinner sind aber arme Leute - gewöhnlich Weiber -, die in allen Teilen des Landes herumg ohne Unterstützung und Schutz verstreut sind. Nicht durch den Verkauf ihrer Arbeit, sondern durch den Verkauf der fertigen Arbeit des Webers machen unsere grossen Fabrikanten ihren Gewinn. Weil es ihr Interesse ist, die fertige Ware so teuer als möglich zu verkaufen, so ist es auch ihr Vorteil, das Material möglichst wohlfeil einzukaufen.
Die Gewinnmarge wurde verstärkt durch Einführzölle auf Leinwand - nicht aber auf Garn, + Ausfuhrprämien für fertige Stoffe. Dies hält den Gewinn der Spinner tief, den eigenen, den der "Fabrikanten", sprich Händler, hoch. Das Selbe spielte sich auch bei der Wolle ab. Die englische Wolle wurde, von den Produzenten, sprich Händlern, auf's höchste gelobt, mit Knappheit Angst gemacht, obwohl feines Tuch nicht aus englischer, sondern aus spanischer Wolle hergestellt wurde. So ähnlich verlief dies bei den Drogisten, die auf freie Einfuhr bestanden - verbunden mit einem Ausfuhrverbot. Es wurde also knapp die Menge eingeführt, die absetzbar war, da Ueberschüsse nicht mehr ausgeführt hätten werden können. Folge: Die Preise blieben hoch.
Wenn also Smith gegen "Beschränkungen" des Marktes ist, so vor allem gegen Beschränkungen mit recht einseitigen Interessen, und gerade im geschilderten Fall NICHT politisch bedingte Regulierungen, sondern Regulierungen die im Interesse gewisser Händlerkreise getroffen wurden.
Smith kritisiert hier die Dummheit der Bodenbesitzer, die als einzige bequem, ohne Arbeit, von Rente leben - und so oft zu faul zum denken sind, einzig darauf bedacht, ihren Vorteil zu erhalten, egal welche Folgen das für den Rest der Gesellschaft hat. Das generelle Verbot, Wolle aus England auszuführen oder Wolle aus Irland nach einem andern Land als England auszuführen, verbunden mit dem zollfreien Import von Wolle aus Spanien, führte zu äusserst tiefen Wollpreisen - und dank der billigen Verarbeitung auf dem Lande, zu prächtigen Gewinnen bei den Stoffhändlern.
> Wichtiger als die ganze Theorie, die unter andern Umständen und in weitgehender Ahnungslosigkeit von Details und vor möglichen Folgen so gelobt wurde, sind solche Kritiken von Smith, die eben auch darauf hinweisen, dass die Vermögenden halt in erster Linie an ihr (eigenes) Vermögen denken, und nicht daran, was sie mit diesem Denken, besonders seiner Umformung in Gesetze, alles anrichten können.
Beispiel ungerechtfertigter Beschränken im Handel mit der Türkei, also handelshemmende Gesetze - die durch Händler gefordert wurden: Die Mitgliedschaft bei der Companie kostete 21 £ für Personen unter sechsundzwanzig Jahren, 50£ für ältere (also 2 Monatslöhne eines Professors). Niemand der nicht Bürger von London war oder der mehr als 20 Meilen von London entfernt wohnte durfte Mitglied werden. Nur Mitglieder durften in die Türkei exportieren und aus der Türkei importieren. (Die "Türkei" war damals noch das gigantische und intakte Osmanische Imperium, nicht der heutige Rumpfstaat!) Diese Bedingungen halfen, die Preise und Gewinne durch Begrenzung der Konkurrenz und Unterversorgung der potentiellen Märkte hoch zu halten
Englisch-Ostindien Company (1600): Die grosse Zunahme ihres Vermögens hatte, wie es scheint, nur dazu gedient, ihren Beamten einen Vorwand zu grösserer Verschwendung und einen Deckmantel für grössere Veruntreuung zu geben, als sie sich selbst mit dem ungeheuren Zuwachs ihres Vermögens vertrugen. [S. 770] Dieser Company wurden die Zahlungen erlassen. Dazu erhielt sie einen Regierungskredit, als sie, durch eigenes Verschulden, kurz vor dem Bankrott stand. Die Verwandtschaft mit Begebenheiten in jüngster Zeit (Swissair, UBS & Co) ist rein zufällig ....
Nicht um den Schutz eines abstraktenMarktes ging es ihm dabei, sondern um das Wohl der Konsumenten:
Die Konsumtion ist der einzige Zweck der Produktion, und das Interesse des Produzenten sollte nur insoweit berücksichtigt werden, als es zur Förderung des Konsumtionsinteresses nötig ist. Diese Maxime ist so vollkommen einleuchtend, dass es abgeschmackt sein würde, sie noch besonders begründen zu wollen. Allein in dem Merkantilsystem wird das Interesse der Konsumenten fast beständig dem des Produzenten aufgeopfert, und es scheint, das nach demselben die Produktion und nicht die Konsumtion als Endzweck aller Industrie und alles Handels betrachtet wird. [S. 674]
> Die Vermutung von Smith hat sich später materialisiert in der - leicht absurden - Angebotstheorie, die längst die Nachfragetheorie ersetzt hat. So wird der Vorteil erhalten, Löhne, trotz Ueberschussproduktion, tief halten zu können. Hier begann die Zeit der Werbung.
3.5.1 Stadt und Land
Der wichtigste Verkehr ist der zwischen den Bewohnern der Städte und des Landes. Das Land versorgt die Stadt mit Lebensmitteln und Materialien für das Gewerbe.
> Obwohl die Stadt ihren Lebensunterhalt daraus gewinnt, war ihr das oft nicht genug, oder gerade darum fühlte sie sich abhängig, und unterwarf das Land, beutete es aus. Das Land wurde in den meisten Ländern irgendwann zur Peripherie, zur Binnenkolonie, die man ausnutzte. Heute zieht sich die Grenze zwischen Zentrum und Peripherie quer durch die Gesellschaft, wenig abhängig von Stadt und Land. Wer grosse wirtschaftliche Bewegungen kontrolliert, verdient viel, wer von seiner eigenen Hände (oder Hirnzellen) Arbeit leben muss, hat Probleme. s. Die grössten Betriebe der Schweiz, Europas, der Welt.
Mit der Verbesserung der Bodenkultur entstehen auch Werkstätten der Müller, Schmiede, Spinner, Weber, Schneider etc
Boden war dann bald Herrschaft, Schirmherrschaft über alle Bewohner und Nutzer dieses Landes. Diese kleinen Fürstentümer verhinderten ihr eigenes Verschwinden durch entsprechende Erbgesetze, also Alleinerbe meist des Erstgeborenen, genau wie generell früher (alttestamentarisch) in der Landwirtschaft. Grundeigentümer waren Schutzherren, Gesetzgeber, Wächter über Recht und Ordnung, Frieden und Krieg, denn das Landeigentum musste immer vor Übergriffen geschützt werden. (Hierin liegt übrigens auch der Grund, warum Männer erbten und nicht Frauen. Frauen mussten eigentlich immer geschützt werden - was wenig dafür spricht, dass sie ihr Land selbst hätten verteidigen können. (Ausnahmen wie Elisabeth I bestätigen die Regel).
Die Lehen des feudalistischen Systems sind so, laut Smith, nicht als der Erwerb eher ungerechtfertigter Herrschaft weniger Familien über "ihr" Land zu betrachten, sondern umgekehrt als Einbindung lokaler Fürsten unter die zentrale Gewalt des Königs oder Kaisers. Das Lehenssystem war so gesehen ein Fortschritt gegenüber den unabhängigen Kleinfürstentümer, da es für ein einheitliches Rechtssystem sorgt (was allerdings nur so lange von Vorteil ist, als das einheitliche Rechtssystem besser und gerechter ist als das der Kleinfürsten).
Diese Landherren waren aber meist kaum die rechten, um das Land auch landwirtschaftlich zu kultivieren. Also vergaben sie diese Aufgabe an Pächter, die sich selbst Eigentum erwerben konnten, also ein Interesse an Verbesserung hatten, was bei Leibeigenen nicht der Fall war. Der Leibeigene macht nur noch das, wozu er gezwungen ist. Er will so viel als möglich essen, so wenig als möglich arbeiten. Da unsere Betriebe heute ihre Angestellten oft ähnlich behandeln, kommt dann als Resultat eben die Forderung nach Rente ohne Arbeitsverpflichtung, eben dem Grundlohn.
Da der Pächter einen fairen Anteil des Bodenprodukts erhielt, meist die Hälfte, war er interessiert, dass dieses Produkt eben so hoch wie möglich sei. Präzise das selbe Prinzip herrscht heute eigentlich bei Managern, die sich so derart von den "normalen" Angestellten abheben, dass diese zwar nicht eine gerechtere Verteilung des Mehrwerts fordern, sondern einen tieferen Anteil für die leitenden Strategen und Taktiker, die Organisatoren der Nutzung, die Manager.
Pachten wurden zudem meist zumindest auf Lebenszeit des Pächters gegeben, oft sogar vererblich, so dass die eingebrachte Arbeit der Familie zugute kommen konnte. Der Pächter ist also vergleichbar dem Kaufman (oder Betrieb), der mit geborgtem Geld arbeitet.
Die Städte wurden hauptsächlich von Handelsleuten und Handwerkern bewohnt. Ihre Gewerbetätigkeit richtete sich dort bald auf Dinge, die über den täglichen Bedarf hinaus gehen, die eher höfischen Gebräuchen entsprechen. Städte förderten also die Nobilsierung der Bürger, was man gemeinhin als Zivilisierung bezeichnet (von civis: Stadt). Der innere und äussere Habitus förderte hier die Wirtschaft enorm. Geistig "höhere" Haltung erforderte "bessere" Kleidung, repräsentativere Häuser und Interieurs (statt blosser Möbel oder Einrichtung). Die Form des Auftretens gewann immer mehr Bedeutung über die dahinter stehenden Intentionen und Charaktereigenschaften. Hier entsteht das wichtigste Element des Schnösel-Prinzips, der Habitus.
Der Kaufmann ist in der Regel ein kühner Unternehmer, der Gutsbesitzer ein furchtsamer. [S. 409] Dieser einfach Einschub vermag vielleicht am besten zu erklären, warum das Wirtschaften nicht durch den Staat betrieben werden sollte. Agiert er eher als Gutsbesitzer, betreibt eine pflegliche und vorsichtige Wirtschaft, erzielt er zwar konstante, aber geringe Einnahmen. Agiert er als Kaufmann, lässt er sich auf riskante Unternehmen ein, riskiert er Wohl und Wohlstand nicht einer (reichen) Familie, nicht eines Betriebes, sondern das Staatskapital. Aus diesem Grunde sollten die Risiken bestmöglichst verteilt sein. Auch hier bringt Vielfalt nicht bloss das höchste Vergnügen, sondern auch die höchste Sicherheit.
Ein Lastwagen mit 8 Pferden und 2 Mann Begleitung transportiert 4 Tonnen, ein Schiff in der selben Zeit 200 Tonnen, mit bloss 6 bis 8 Mann Besatzung. Die Küsten waren deshalb immer schon begünstigt - allerdings auch leichter zu überfallen.(s. Piraten in der Karibik, China)
Städte die am Meer liegen haben hier einen grossen Vorteil. Sie sind von ihrem Umland unabhängig, so wie Venedig, Genua, Pisa - Rom, Amsterdam, London. Hier entstanden auch die ersten Seiden-, Samt- und Brokatmanufakturen (Lucca).
Manufakturen versorgen erst die nähere Umgebung, wenn ihre Arbeit vervollkommnet und verfeinert war, auch entferntere Regionen - mit entsprechend höheren Preisen, um die Transportkosten zu decken. Hier zeigt sich auch, warum die Schweiz bereits früh auf Uhren setzte, denn als Land mit bloss indirektem und langem Weg zu Meer war und ist es darauf angewiesen, nicht Steine und Holz zu exportieren, sondern Güter mit geringer Masse, aber hohem Wert. Und da gibt es wohl wenig, das geschicker wäre als Uhren. Hieraus erklärt sich vermutlich auch, warum das Zentrum der Chemieindustrie in Basel liegt und weder in Zürich noch Genf oder gar Bern.
Hier zeigt sich auch die Bedeutung des Binnenmarktes. Während dem dieser für China, die USA, heute die EU etc. ausreichend gross wäre, auch ohne Aussenhandel zu überleben, ist dies bei kleinen Ländern nicht der Fall. Gerade darum betreibt die Schweiz vermutlich seit Jahrhunderten Handel rund um die Welt (s. Baumwolle, Kaffee, Seide, Pharma, Chemie, Maschinen etc.)
Obgleich der Kapitalgewinn beim Gross- wie beim Kleinhandel in der Hauptstadt gewöhnlich geringer ist als in kleinen Städten und Marktflecken, so wird doch in ersterer mit einem kleinen Anfang oft ein grosses Vermögen erworben, was in den letzteren fast nie der Fall ist. In kleineren Städten und Marktflecken kann wegen der Beschränktheit des Marktes der Handel nicht immer so ausgedehnt werden, wie das Kapital sich vergrössert; daher kann an solchen Orten, wenn auch der Gewinnsatz eines Einzelnen sehr hoch ist, doch die ganze Summe desselben und folglich auch das, was jährlich beiseite gelegt wird, nie sehr viel sein. [S. 121]
Verkaufen innerhalb des eigenen Landes ist meist günstiger und sicherer - wo allerdings der Markt zu klein wird, drängt sich Export auf. Manchmal braucht es diesen Umweg, wie etwa das Beispiel Madeirawein zeigt. In Europa wenig geschätzt, wurde er nach Afrika und Indien exportiert (ist dank des hohen Alkoholgehalts und der Tatsache, dass er bereits oxidiert ist, auch haltbarer und weniger empfindlich als normaler Wein). Dort lernten ihn die Offiziere und Seeleute kennen und schätzen - und verlangten auch bald in der Heimat danach.
Ein Steinbruch konnte damals nur die nähere Umgebung beliefern - vor ca. 20 Jahren bezog Chur allerdings mal Pflastersteine aus Nordkorea, da diese samt Transport billiger waren als solche aus Europa oder gar der Gegend. Damals war bloss für hochwertige Güter die Welt der Markt, also für Silber und Gold, ev. Seide.
Den langsamen Fortschritt in Europa und den schnelleren in den USA führte Smith auf die Landwirtschaft zurück. Glaubhafter wäre, in der Gesellschaft der USA eine Gesellschaft im Aufbaustadium zu sehen, die sich zudem fast alle Ressourcen selbst geschenkt hat, also den Boden als herrenloses Gut einfach verteilte, zu Eigentum machte, Kleineigenum - allerdings Kleineigentum nur nur im Vergleich zu Argentinien und andern Südamerikanischen Ländern, die eher auf Familien als auf Individuen setzten und Latifundien erlaubten. s. Optimale Betriebsgrösse/Fläche in der Landwirtschaft
In den USA und Westindien war mehr Land vorhanden, als Kapital es zu kultivieren. Darum wurde das, was man hatte, nur auf die Kultur des fruchtbarsten und günstigst gelegenen Landes, des Landes mit Seegestade und an den Ufern schiffbarer Flüsse, verwendet.
Die Bedeutung des Bevölkerungwachstums für wirtschaftliches Wachstum wurde erkannt. In den boomenden USA verdoppelte sich die Bevölkerung (zumeist durch Einwanderung) innert 20 bis 25 Jahren, in Europa und England stagnierte diese Entwicklung damals so, dass mit einer Verdoppelung erst in 500 Jahren gerechnet werden konnte. (schwerer Irrtum)
China war ein Beispiel für eine entwickelte Wirtschaft, wo ein ganzer Tag Arbeit nicht mehr brachte als die notwendige Schale Reis am Abend, wo auch viele Wanderarbeiter kein Haus vermochten, sondern bereits damals entweder in schlechten Hütten am Stadtrand - oder in Booten auf dem Fluss lebten.
Noch ärmlicher waren allerdings die Bedingungen in Bengalen, wo selbst ärmlichste Arbeit nicht mehr für alle zu haben war und das Volk verhungerte.
Lohnarbeiter verdienen dann gut, wenn die Wirtschaft wächst, die Nachfrage nach Arbeit hoch ist. Sie kommen in Schwierigkeiten, wenn das Wachstum stagniert, noch ärger, wenn es gar zurückgeht. In Zeiten fehlenden Wachstums wird das Leben der Armen also noch erbärmlicher. Dazu kommt, dass mit fehlendem Lohn auch der Ansporn zur Arbeit, die Aufmunterung zum Fleiss verschwindet. Allerdings hatte das auch damals bereits oft eine zu starke Wirkung. Wo die Löhne zu sehr zur Arbeit anspornten, also bei Akordarbeit, wurden oft die Kräfte überanstrengt. Zimmermänner in London etwa blieben bloss 8 Jahre lang gesund.
In einem Land, das den vollen Reichtum erworben hat, den es vermöge der Natur seines Bodens und Klimas und vermöge seiner Lage zu anderen Ländern erwerben kann, in einem Lande also, welches keine weiteren Fortschritte machen kann, aber auch keine Rückschritte macht, würden wahrscheinlich Arbeitslohn und Kapitalgewinn sehr niedrig sein.
Trotz dieser zutreffenden Bemerkung lagen damals die Zinsen in China bei 12%, was zur Folge hat, dass entsprechende Gewinnmargen eingeplant wurden: Gewinne müssen ausreichend hoch sein, diese Zinsen bezahlen zu können - bezahlt dafür haben damalsi wie heute die Löhne. Auch hier schlägt Smith schon fast sozialistische Töne an, nimmt die Kritik von Marx vorweg: Die Unterdrückung der Armen muss in jedem Geschäftszweig das Monopol der Reichen begründen, die das ganze Geschäft an sich reissen und dadurch sehr grosse Gewinne machen können.
Mit Ausnahme des Getreides wurde bereits damals, messbar, alles teurer, wenn es ein Volk zu Wohlstand brachte. Heute nennt man das den Balassa-Samuelson-Effekt, der nicht nur wohltuend ist. Mit dem Fortschritt der Kultur steigt nicht nur der Nominal, sondern auch der Realpreis (s. Japan, das die teuersten Fleisch (Kobe), Fisch (Thun u. viele andere) und Gemüsesorten (quadratische Wassermelonen etc) kennt).
Auch bei den Folgen des "allgemeinen" Reichtums zeigten sich Unterschiede. So wurde zwar alles teurer (und besser) - aber die Löhne bei den Arbeitern /Angestellten brachten immer noch nur das ein, was zum reinen Überleben nötig war. Um so fieser, dass die Lebensmittel, vor allem das wichtigste, das Getreide, ebenfalls auf tiefem Preisniveau stagnierten, was leicht zu erklären vermag, warum a) Bauern am allgemeinen Wohlstand eben doch nicht immer direkt teilhaben, und warum b) die auf Existenzminimum zu Arbeit verpflichteten nicht mehr aufbegehrten (was man heute den Aldi-Effekt nennen könnte: Gut gegessen, Aufregung gedämpft) - aber auch, warum c) damals die Bauernkriege fast zur Tagesordnung gehörten.
Diese Preissteigerungen wirken sich auch auf die Nachbarländer aus, die günstiger Liefern, deren Preise aber so auch ansteigen. So wurde das Schottische Rind immer teurer, was Schottland allerdings auch notwendige Ameliorationen erlaubte.
Fazit:
Viele wünschen sich eine bessere Wirtschaftsform, die gerechtere Resultate mit weniger sinnlosem Aufwand und Stress erzeugt. Im Schwung sind zur Zeit sogar wieder Kommunismus und Sozialismus, sehr beliebt der bedingungslose Grundlohn, finanziert durch Steuern auf Kapitalgewinne oder Kapitalumlauf (Tobin Tax). Seltsamerweise fehlt den Anhängern solcher Lösungen aber offensichtlich jegliches Bewusstsein darüber, dass diese Wirtschaftsformen genau so auf Produktivität bauen wie der Kapitalismus, wobei es die Natur dann allerdings noch schwerer haben dürfte, da sie dann ja nicht zum Wohle einiger weniger leidet, die sich bloss bereichern, sondern zum Wohle der Gesellschaft, was sie wohl hinnehmen muss - wie alle anderen auch. Praktisch alle heute propagierten Lösungen basieren auf einer mehr als wohl funktionierenden Wirtschaftssystem, mit dessen Erträgen die ganze Gesellschaft nicht nur ruhig gestellt, sondern gut versorgt werden kann.
Wachstum dürfte, angesichts weitgehend überbauter Landschaft, wohl kaum eine ernsthafte Lösung sein. Das Problem, dass in gesättigten Märkten reifer Volkswirtschaften das Wachstum stark schwindet - und dafür vor allem diejenigen mit den tiefen Löhnen völlig in den Sumpf geschickt werden, war bereits Smith bekannt. Allerding sah er darin kein Problem, denn das Problem betraf damals China und nicht Grossbritannien. Wir stehen heute aber NICHT mehr vor dem Problem einer Unterversorgung, sondern vor dem von Überproduktion - mit ungerechter Verteilung. Wir haben von allem nicht nur ausreichend, sondern zu viel. Wir stehen also vor dem Problem, eine bescheidenere Wirtschaft zu entwickeln, in der nicht die einen (Arbeitslose, Ausgesteuerte, Sozialhilfeempfänger, Behinderte) auf Bescheidenheit verpflichtet und getrimmt werden, die andern so weiter machen, wie wenn nichts wäre. In entwickelten Gesellschaften gehen Zinsen wie Profitraten nach und nach gegen Null (ein alter Wunschtraum der Gesellianer)., die Märkte sind voll, die Güter und Dienstleistungen werden zu tiefstmöglichen Preisen angeboten. Marktförderung ist also nicht das Problem, sondern Ausschluss, Verteilung, ja, altes Schimpfwort der Rechten: Verteilungsgerechtigkeit.
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Um wirtschaftlich etwas in Gang zu setzen, braucht es erst mal (nebst der Nachfrage), Kapital, um das Angebot bereitstellen zu können. Hier lassen sich unterscheiden:
Es handelt sich hier wohlgemerkt um den Stand des Wissens zu Zeiten von Smith. Heute differenzieren wie die Kapitalien weitaus spezifischer. Insbesondere ist es ein Anliegen, dass auch Natur, Gesellschaft und Wissen als Kapital betrachtet werden, die bei blosser Ausnutzung, ohne Pflege (Kultivierung), an Wert verlieren und damit die Nutzung der anderen Kapitalien zunehmend erschweren.
Zinsen boten immer wieder Anlass zu gesetzlichen Regelungen, insbesondere da sie laut Bibel eigentlich verboten wären ... was geschickte Interpreten so interpretieren, dass nur UNGERECHTE ZINSEN; also WUCHER verboten sei, nicht jedoch ein faires Entgelt für die Risiken des Verlustes.
Auf diese Weise lässt sich ein auf Zins ausgeliehenes Kapital als eine vom Darleher auf den Borger übertragene Anweisung auf einen gewissen ansehnlichen Teil des Jahresprodukts betrachten, wobei die Bedingung stattfindet, dass der Borger dem Darleiher, solange das Anleihen dauert, jährlich einen kleinen Teil, welcher der Zins heisst, am Ende aber einen ebensogrossen Teil, als er ursprünglich angewiesen erhalten hat, genannt die Rückzahlung, anweisen soll.
Vor der Entdeckung des spanischen Westindiens waren zehn Prozent, wie es scheint, der gewöhnliche Zinsfuss in den meisten Ländern Euopas. Er ist seitdem in machen Ländern auf sechs, fünf, vier und drei Prozent gesunken.
Der Zins wurde im 18. JH immer tiefer. In dem Masse wie Reichtum, Landeskultur und Bevölkerung zunahmen, nahm der Zins ab. Der Arbeitslohn jedoch sank nicht. Die Nachfrage nach Arbeit wächst mit der Vermehrung des Kapitals, wie hoch auch immer dessen Gewinn sein mag und nimmt der letztere ab, so kann das Kapital nicht nur fortwährend zunehmen, sondern sogar noch schneller wachsen als vorher. Es ist mit gewerbetätigen Nationen, die im Erwerb des Reichtums fortschreiten, wie mit gewerbetätigen Individuen: ein grosses Kapital mit geringem Gewinn wächst in der Regel schneller als ein kleines mit grossen Gewinnen. Geld, sagt ein Sprichwort, macht Geld (money makes money). Hat man erst etwas gewonnen, so ist es oft leicht, mehr zu gewinnen.
Unter diesen Umständen gehört nicht immer das ganze Produkt der Arbeit dem Arbeiter. Er muss in den meisten Fällen mit dem Kapitalisten teilen. [S. 55]
Man wird vieleicht auf den Gedanken kommen, der Kapitalgewinn sei nur ein anderer Name für den Lohn einer bestimmten Art von Arbeit, der Arbeit nämlich, welche in der Aufsicht und Leitung besteht. Er ist indes durchaus verschieden, wird durch ganz andere Prinzipien bestimmt und steht mit der Grösse, der Mühe und dem Geist jener vorgeblichen Arbeit, nämlich der Aufsicht und Leitung, in gar keinem Verhältnis. Er richtet sich immer nach dem Wert des aufgewendeten Kapitals und ist je nach Grösse dieses Kapitals grösser oder kleiner.
Und hier beginnt das soziale Problem, dem sich, 100 Jahre später, vor allem Marx gewidmet hat, das heute wieder massiv ansteigt, wo das Kapital jegliche soziale Verantwortung von sich zu weisen sucht.
Kapitalgewinne, unter denen damals noch Gewinn vor Abzug der Zinsen und Steuern verstanden wurde, also tendentiell do was wie der EBIT (von Amortisationen war eben auch noch keine Rede, also eher EBITDA), mussten also deutlich höher sein. Erwünscht war etwa das doppelte des Zinsniveaus: Das Doppelte der Zinsen ist das, was die Kaufleute in Grossbritannien einen guten, mässigen, billigen Gewinn nennen. [S. 104]. Denn die Zinsen sind Schulden, die vom "Gewinn" bezahlt werden müssen. So lagen denn die gewöhnlichen Kapitalgewinne zwischen 6 und 10 %, wohlgemerkt vor Abzug der Zinsen für Fremdkapital!
Der Zusammenhang zwischen Zinskosten, Kapitalgewinn und Arbeitslohn war allerdings damals noch klar, obwohl die Versuche, diesen zu verwedeln, bereits damals eingesetzt hatten:
In einer blühenden Stadt können diejenigen, welche grosse Kapitalien anzulegen haben, oft nicht so viel Arbeiter bekommen, wie sie brauchen, und überbieten einander, um so viele als möglich zu erhalten, wodurch dann der Arbeitslohn steigt und der Kapitalgewinn fällt. In den entlegeneren Teilen des Landes fehlt es häufig an Kapital, alle Leute zu beschäftigen, und diese überbieten dann einander, um Arbeit zu bekommen, wodurch der Arbeitslohn fällt und der Kapitalgewinn steigt. [ S. 97]
Eben:
Problem: Wir haben eine Wirtschaft mit zu viel Gütern, zu viel Kapital - aber unzureichend Einkommen, d.h. Ausschluss aus dem Erwerbsleben. Wir brauchen also ein neues Modell das andere Schwerpunkte setzt als die Erhöhung des BSP. Derartige Wohlfahrtsindikatoren sind zwar längst bekannt, konnten sich aber nicht durchsetzen.
Gerade wo es um Kapitalgewinne geht, lobt zwar Smith diese ab und zu über die Massen, überschätzt vielleicht auch deren Wirkung, als Urkraft, die alle Entwicklung in Bewegung setzt:
Arbeitgeber bilden den dritten Stand. Es ist das auf Gewinn angelegte Kapital, was den grössten Teil der nützlichen Arbeit einer Gesellschaft in Gang bringt. Die Pläne und Entwürfe derer, welche Kapitalien anlegen, regeln und leiten die wichtigsten Arbeitsverrichtungen, und der Gewinn ist der allen diesen Plänen und Entwürfen zugrunde liegende Zweck. ... Kaufleute und Fabrikbesitzer sind in diesem Stand die beiden Volksklassen, die gewöhnlich die grössten Kapitalien anlegen und sich durch ihren Reichtum den grössten Teil öffentlicher Achtung erwerben. Da sie sich ihr ganzes Leben lang mit Plänen und Entwürfen tragen, haben sie häufig mehr Schärfe des Verständnisses als die meisten Landedelleute. ... Allerdings bloss Kenntniss der eigenen Interessen, die sie dann entsprechend durchsetzen: Es liegt immer im Interesse der Verkäufer, den Markt zu erweitern und die Konkurrenz zu verengen. Die Erweiterung des Marktes kann oft mit den öffentlichen Interessen ganz in Einklang sein, aber die Verengung der Konkurrenz widerstreitet demselben immer und kann nur dazu dienen, den Verkäufern dadurch, dass sie ihre Gewinne grösser macht, als sie auf natürlichem Weg ausfallen könnten, Gelegenheit zu geben, ihren Mitbürgern eine alberne Aufgabe aufzuladen von der jene allein den Vorteil ziehen. [S. 269]
Wir sehen aber auch anhande des zweiten Teils, bei dem ich ein "hört hört" als Randnotiz anbrachte, dass dieses Gewinnstreben nicht nur positive Effekte hat, sondern auch dafür verantwortlich zu machen ist, dass immer wieder grosse Teile der Bevölkerung über den Tisch gezogen werden, ja geradezu, mit den Worten von Smith, veralbert werden. Insbesondere war es Smith absolut klar, dass der Gewinnanspruch des Händlers die selbe Wirkung auf den Preis hat wie der Anspruch auf Lohn des Arbeiters. Es sind also nicht nur zu hohe Löhne, welche die Güter verteuern, sondern noch mehr zu hohe Gewinnansprüche, zu hohe Renditeforderungen der Kapitalgeber:
In der Tat tragen hohe Gewinne viel mehr zur Erhöhung des Produktionspreises bei als hoher Arbeitslohn. ... Auf die Erhöhung des Warenpreises wirkt das Steigen des Arbeitslohnes ganz ebenso wie enfache Interessen auf eine Schuldvermehrung; das Steigen des Gewinnes aber wirkt wie Zins auf Zins. Unsere Kaufleute und Fabrikherren klagen sehr über die schlechte Wirkung des hohen Lohns, der den Preis ihrer Güter hinauftreibt und dadurch den Verkauf derselben im In- und Ausland verringert; sie sagen aber nichts von den schlechten Wirkungen des hohen Gewinns; indem sie von den verderblichen Folgen des Vorteils, den sie selbst ziehen, schweigen, klagen sie desto lauter über die Vorteile anderer Leute. [S. 105]
Noch mehr gilt dies bei der, bereits von den Physiokraten verlangen doppelten Rendite, einer Rendite für den Pächter und seine Arbeiter + einer für den Bodeneigentümer.
Unterversorgung des Marktes wird meist verschwiegen, da diese viele Anbieter auf den Markt rufen würde, die zu prächtigen Preisen diesen Mangel rasch beheben würden. Ähnliche Folgen haben Monopole und Privilegien - aber auch Marktbeherrschung durch Grösse:
Ein einem Einzelnen, oder einer Handelsgesellschaft verliehenes Monopol hat dieselbe Wirkung wie ein Handels- oder Fabrikgeheimnis. Indem die Monopolisten den Markt beständig dadurch schlecht versorgt halten, dass sie die wirksame Nachfrage nie völlig befriedigen, verkaufen sie ihre Waren weit über dem natürlichen Preis und treiben ihre Vorteile, mögen sie nun in Arbeitslohn oder Profit bestehen, weit über den natürlichen Satz hinaus.
Der Monopolpreis ist jederzeit der höchste, der zu erreichen ist. Der natürliche Preis hingegen oder der Preis der freien Konkurrenz ist der niedrigste, der sich zwar nicht jedesmal, aber doch lange Zeit hindurch erzielen lässt (solange die Verkäufer ihr Geschäft nicht einstellen müssen).
Die ausschliesslichen Privilegien von Korporationen, die über die Lehrjahre und alle jene Gesetze, welche in gewissen Gewerben die Konkurrenz auf eine geringere Anzahl von Mitbewerbern beschränken, als ohne sie auftreten würden, haben, wenn auch in geringerem Grade, die nämliche Tendenz. Sie sind eine Art ausgedehnter Monopole, die oft viele Menschenalter hindurch in ganzen Klassen von Gewerben den Marktpreis einer Ware über dem natürlichen Preis erhalten und sowohl den Arbeitslohn als den Kapitalgewinn etwas über dem natürlichen Satz erhalten.
Solche Erhöhungen des Marktpreises können so lange dauern wie die politischen Einrichtungen, aus denen sie entspringen.
Leider ist hier nicht nur Smith, sondern auch Marx und sämtliche Nachfolger stecken geblieben, denn es gibt nicht nur Monopolsituationen auf Grund politischer "Geschenke", sondern, immer mehr, auf Grund der Macht der Grösse (economy of scale), des dazu notwendigen enormen Kapitalbedarfs, und weiterer Folgen solcher Machtballungen (prohibitive Wirkung der sunk costs für Neugründungen). Das jedoch sind interne Probleme des Systems, besser der Ausnutzung, die das Marktsystem erlauben - die aber nur sehr schwer zu begrenzen sind. So ist es uns bis heute nicht möglich, ein generelles und brauchbares Kriterium zur Beschränkung von Betriebsgrösse zu finden, obwohl die anstehenden Probleme gerade heute sehr deutlich sind: too big to fail (Swissair, UBS, etc).
Indem das Monopol den Satz des kaufmännischen Gewinne erhöht, entmutigt es die Kultur des Landes. Der Gewinn bei der Landkultur hängt ab von dem Unterschied zwischen dem, was das Land gegenwärtig hervorbringt, und dem, was es durch Anwendung eines gewissen Kapitals hervorzubringen instand gesetzt werden kann. Wenn dieser Unterschied einen grösseren Gewinn bietet, als aus einem gleichen in ein kaufmännisches Geschäft gesteckten Kapital gezogen werden kann, so entzieht dr Landbau den kaufmännischen Geschäften Kapitalien. Wenn jener Gewinn aber geringer ist, so entziehen die kaufmännischen Geschäfte dem Landbau Kapitalien. [S. 622]
Präzise das, was Smith hier für die Aufteilung der Investitionen zwischen Landwirtschaft und Handel beschreibt, gilt heute für die Aufteilung zwischen realer Produktion/Handel - und Finanzwirtschaft. Letztere hat das Steuer längst übernommen. Gewinne - und Risiken - sind enorm, Arbeit im Vergleich dazu höchst unergiebig. Und dennoch geht jegliche Spekulation total in die Irre, die darauf zielt, Arbeit von Menschen durch "Arbeit" von Kapital zu ersetzen, da zweiteres erstens nur denen möglich ist, die über Kapital verfügen, da zweitens die Wirtschaft nur dann was bringt, wenn auch noch jemand da ist, der kaufen kann, will, muss. Kapitalien die sich gegenseitig aufkaufen und dadurch die Preise in die Höhe treiben, produzieren eben bloss heisse Luft, abgefüllt in Ballone die dann platzen wenn's zuviel wird.
Seit der Errichtung der Englisch-Ostindischen Kompanie z.B. sind die übrigen Einwohner Englands von diesem Handel völlig ausgeschlossen gewesen und haben in dem Preis der Ostindiengüter, die sie verbrauchten, nicht nur alle die ausserordentlichen Gewinne, welche die Gesellschaft vermöge ihres Monopols an diesen Gütern machte, sondern auch die ausserordentliche Verschwendung bezahlen müssen, welche der Betrug und Missbrauch, der sich von der Verwaltung einer so grossen Gesellschaft nicht trennen lässt, notwendig verursachen musste. [S. 643]
>Ein Ausweg aus diesem Sachzwang zu Grösse und Macht wäre eben das, was zur Zeit abgeschaft wird: Progressive Besteuerung, die Zunahme der Besteuerung mit Grösse, die Abschöpfen der Skalenerträge - zur Verhinderung des Zwangs zur Grösse.
Sobald der Boden Privateigentum wird, fordert der Grundbesitzer einen Teil von fast allen Erzeugnissen, welche der Arbeiter auf demselben hervorbringen oder sammeln kann. Seine Rente bildet den ersten Abzug von dem Erzeugnis der auf den Boden verwendeten Arbeit.
Es kommt selten vor, dass derjenige, welcher das Land bestellt, die Mittel hat, sich bis zur Zeit der Ernte zu erhalten. Sein Unterhalt wird ihm gewöhnlich aus dem Kapital eines Herrn, des Pächters, vorgeschossen, der ihn beschäftigt und kein Interesse haben würde, ihn zu beschäftigen, wenn er nicht von dem Erzeugnis seiner Arbeit einen Anteil erhielte oder wenn sein Kapital ihm nicht mit Gewinn zurückerstattet würde. Dieser Gewinn bildet einen zweiten Abzug von dem Erzeugnis der auf den Boden verwendeten Arbeit.
Das Erzeugnis fast aller anderen Arbeit ist dem gleichen Gewinnabzug ausgesetzt. In allen Handwerken und Gewerben hat der grössere Teil der Arbeiter einen Herrn nötig, der ihnen das Arbeitsmaterial, ihren Lohn und ihren Unterhalt bis zur Vollendung ihrer Arbeit vorschiessen muss. Er hat an dem Erzeugnis ihrer Arbeit oder an dem Wert, welchen diese zu dem Material hinzufügt, einen Anteil, und in diesem Anteil besteht sein Gewinn.
Nur dem Selbständigen Unternehmer gelingt es, Arbeitslohn und Kapitalgewinn gleichermassen zu erwerben. Allerdings war der Fall bereits damals eher selten.
Problem der Interessenkonstellation:
Die Arbeiter wollen so viel wie möglich erhalten (was nur den Abzockern gelingt), die Arbeitgeber so wenig wie möglich bezahlen (was ihnen am idealsten bei staatlich geförderten Beschäftigungen gelingt ... was seltsamerweise nicht unter Abzockerei läuft). Arbeitgeber verhandeln Löhne untereinander im Geheimen, Arbeitgeber die sich damals organisierten wurden jedoch bestraft, was heute noch für viele Neoliberale ein Idealzustand wäre.
Der Lohn wurde damals so begründet, dass der Arbeit damit nicht nur sich selbst, sondern auch seine Frau und 4 Kinder (nötig auf Grund der hohen Kindersterblichkeit) erhalten müsse, also zusätzlich doppelt so viel wie zum Unterhalt einer Person nötig (4 Kinder = 1 Mann).
Wenn der Kapitalist Ueberschuss erzielt, wird er zusätzliche Dienstkräfte einstellen (die zwar in einem andern Teil des Buches als "unproduktiv" wieder abgeschafft werden). Der Handwerker wird sich weitere Gesellen leisten, so die Nachfrage ausreicht, noch mehr Überschuss zu erzielen.
Es wächst die Nachfrage nach denen, welche von Lohn leben, notwendig mit der Zunahme des Einkommens und des Kapitals in jedem Land, ohne dieselbe kann sie unmöglich wachsen. Die Zunahme des Einkommens und Kapitals ist die Zunahme des Nationalreichtums. Folglich wächst die Nachfrage nach denen, welche von Lohn leben, natürlich mit der Zunahme des Nationalreichtums und kann ohne dieselbe durchaus nicht wachsen.
Nicht die dermalige Grösse des Nationalreichtums, sondern sein beständiges Wachstum bringt ein Steigen des Arbeitslohnes hervor. Demnach steht der Arbeitslohn nicht in den reichsten Ländern am höchsten, sondern in den blühendsten und denjenigen, welche am schnellsten reich werden. [S. 75]
Zwei Dinge fehlen hier:
Holland, damals das reichste Land, hatte den grössten Anteil am europäischen Zwischenhandel - und dank der Ersparnisse, sprich positiven Handelsbilanz, auch die besten Möglichkeiten an Zinsen und Investitionen zusätzlich zu verdienen:
Diese Bedingungen, die damals für Holland galten, gelten heute für alle Länder die Überschüsse erwirtschaften.Das Handelskapital Hollands ist so gross, dass es fortwährend bald in die öffentlichen Fonds fremder Staaten, bald in Darlehen an Kaufleute und Spekulanten des Auslandes, bald in den umschweifigsten auswärtigen Konsumtionshandel und bald in den Zwischenhandel sozusagen überströmt. Da alle nahen Unternehmungen vollständig versorgt sind, weil alles Kapital, das mit einem leidlichen Gewinn an ihnen angelegt werden kann, bereits darin angelegt ist, so muss Hollands Kapital den entferntesten Unternehmungen zufliessen. [S. 644]
Die politische Oekonomie, als ein Gebiet der Wissenschaft eines Staatsmannes oder Gesetzgebers betrachet, hat zwei verschiedene Ziele:
Zum dritten Male hier: Hört hört ... Unter Smith' Regime wäre also nichts mit Steuererlassen für die Reichen. Interessant ist hier allerdings die Verlagerung der Volkswirtschaft in den Bereich der Staatsführung - der selbst von Smith eigentlich keinerlei Machtbefugnisse zugestanden werden, ausser die Menschen frei tätig sein zu lassen (etwas umfassender im nächsten Kapitel). Allerdings müsste man da heute schon Smith' Bemerkung hinzuziehen, dass keiner den andern dabei stören soll, und das ist heute doch massiv der Fall, vor allem bei solchen die über kein Kapital oder nur geringes Kapital verfügen. (Finanz- wie Wissenspotential).
Smith ging das Problem "Militär" ebenfalls ökonomisch an. Trainierte Krieger waren für ein wirtschaftlich organisierten Staat a) schwieriger zu bekommen als bei einem Beduinenstaat, b) teurer, aber notwendig: Ein Hirt hat sehr viel müssige Zeit; ein Ackerbauer hat, solange der Landbau sich in einem rohen Zustand befindet, einige; ein Handwerker und Manufakturist hat gar keine.
Militärische Uebungen sind die einzige oder Hauptbeschäftigung der Soldaten eines stehenden Heeres. Der Staat kann entweder zu militärischen Uebungen zwingen, alle oder einige Bürger nötigen, das Soldatenhandwerk zu ergreifen, oder er kann eine gewisse Anzahl von Bürgern ernähren und in steter militärischer Uebung erhalten. [S. 712]
Regelmässigkeit Ordnung und pünktlicher Gehorsam sind in den meisten Armeen weit wichtigere Eigenschaften für einen guten Ausgang der Schlacht als die Geschicklichkeit und Fertigkeit der Soldaten im Waffengebrauch. [S. 714]
Gerade weil Ausbildung und Ausrüstung zunehmend teurer wurden, wie die gesamte Kriegsführung, konnten sich bereits damals vorwiegend reiche Staaten leisten, überhaupt noch Krieg zu führen. Smith deshalb:
In alten Zeiten fanden es reiche, zivilisierte Nationen schwierig, sich gegen arme, unzivilisierte zu verteidigen; in neueren Zeiten fällt es den armen und unzivilisierten schwer, sich gegen die reichen und zivilisierten zu verteidigen. [S. 723]
Unter dem Zeichen wäre die Sache mit den "Schurkenstaaten" vielleicht doch etwas anders zu bewerten. ...
Die zweite Pflicht des Staatsoberhauptes, die Pflicht, jedes Glied der Nation soviel als möglich gegen die Ungerechtigkeit und Unterdrückung jedes anderen Gliedes derselben zu schützen, oder die Pflicht, eine gute Rechtspflege aufrechtzuerhalten, erfordert ebenfalls in den verschiedenen Perioden der menschlichen Gesellschaft einen sehr verschiedenen Aufwand.
Unter Jägervölkern gibt es beinahe kein Eigentum. Menschen die kein Eigentum besitzen, können einander nur an ihrer Person oder ihrer Ehre kränken.
Die dritte und letzte Pflicht des Staatsoberhauptes oder Staates ist die, solche Anstalten zu treffen und solche Werke herzustellen und zu unterhalten, die, wenn sie auch für eine grosse Nation höchst vorteilhaft sind, doch niemals einen solchen Gewinn abwerfen, dass sie einem einzelnen oder einer kleinen Anzahl von Personen auch nur die Kosten ersetzen, und deren Errichtung und Unterhaltung daher von keinem einzelnen und keiner kleinen Anzahl von Personen erwartet werden darf. [S. 738]
Nächst den öffentlichen Anstalten und Werken, die zur Verteidigung des Staates und zur Rechtspflege nötig sind, und von denen wir oben gesprochen haben, bedarf es besonders noch zur Erleichterung des Handelsverkehrs und zur Förderung des Unterrichts anderer öffentlicher Werke und Anstalten. [S. 738] Strassen, Brücken, schiffbare Kanäle, Häfen ...
Für das Recht forderte Smith bereits damals die Trennung der Rechtsprechung (Judikative) von der Herrschaft (Exekutive) und Bezahlung statt Geschenke.
Ueberall wo viel Eigentum ist, da ist auch grosse Ungleichheit. Für einen sehr reichen Mann muss es wenigstens fünfhundert Arme geben, und der Ueberfluss bei den wenigen setzt die Dürftigkeit bei der Menge voraus. [S. 724-25] Was logischerweise Unwillen erregt.
Die Ursachen oder Umstände, welche natürlicherweise zu einer Unterordnung führen oder welche vor aller bürgerlichen Verfassung einige Menschen über den grössten Teil ihrer Mitbürger erheben, scheinen folgende vier zu sein.
Die französische Revolution hat mit Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit nur die 4. Form der Ungleichheit beseitigt. Die 2. hat sich inzwischen ins Gegenteil verkehrt. Schnösel sind die geeigneteren Führer in einer Zeit, die den Charakter einer Wetterfahne begünstigt, die sich immer nach dem neusten Luft am Markt richtet und keinerlei Bedenken kennt, doch recht einseitige Interessen der Auftraggeber durchzusetzen. Nur noch Tapferkeit (oder besser Bedenkenlosigkeit) zählt hier. Weisheit, Klugheit, Gerechtigkeit nix. Gleichmut so, dass einen nichts anfechten darf im Verfolgen der Ziele, der Karriere)
Traditionell gab es Erziehung und Bildung eigentlich nur für höhere Stände, für Müssiggänger. Die gemeinen Stände mussten ihre Kinder so früh wie möglich zur Arbeit beiziehen. Und dieses Geschäft ist gewöhnlich so einfach und einförmig, dass es den Verstand nur wenig übt, während zugleich die Arbeit so unablässig und sauer ist, dass sie ihren wenig Musse und noch weniger Neigung lässt, sich mit etwas anderem zu beschäftigen oder gar über andere Dinge nachzudenken. [S. 803]
Tja, hier sind wir nun voll in der Gegenwart angekommen, und können offensichtlich die Entfremdung auch ohne Marx, sondern bereits mit Smith kritisieren. Um wie viel eintöniger wurde die Arbeit noch in den arbeitsteiligen Industrie, insbesondere nach Ford an den Fliessbändern? Um wie viel niedergedrückter die Mitarbeiter, denen praktisch im Betrieb ein Denkverbot auferlegt wird für alles, was nicht ihrer direkten Verantwortung untersteht? Obwohl die Arbeitszeiten heute weit kürzer sind, Musse auch bei solchen Tätigkeiten möglich ist, fehlt die Neigung (heute Motivation genannt).
In jeder Gesellschaft gibt es zwei Schichten der Moral. Eine enge und strenge, die von den gemeinen Leuten bewundert und befolgt wird, eine lockere und offene, wie sie die Leute von Stand schätzen. Leichtsinn, Laster, Ueppigkeit, Wohlergehen, Munterkeit, Fröhlichkeit werden oft so weit getrieben, dass es beim einen Geschlecht der Keuschheit abträglich ist,beim andern zu Falschheit und Ungerechtigkeit führt. Religiöse Sekten haben so fast immer ihren Ausgang beim Volk genommen. Ein Mann von niedrigem Stand ist in einer grossen Gesellschaft durchaus kein angesehenes Glied. [S. 815] In seiner keinen Sekte erhält er jedoch Aufmerksamkeit, und einen Grad von Wichtigkeit, den er zuvor kaum verspüren konnte. Die Wissenschaft ist das Hauptgegenmittel gegen das Gift der Schwärmerei und des Aberglaubens. [S. 816]
Fröhlichkeit und gute Laune, wie sie aus jenen Vergnügungen kommen, vertrugen sich durchaus nicht mit derjenigen Gemütsbeschaffenheit, die den Zwecken der Fanatiker am günstigsten ist und auf die sie am besten wirken können.
Wo der Staat eine oder mehrere Lehren unterstützt, erhalten diese mehr Macht über das Volk. Beschränkt sich der Staat darauf, unterschiedliche Glaubensbekenntnisse bloss daran zu hindern, einander zu verfolgen, zu beleidigen und zu unterdrücken, wird die Macht auf natürliche Weise aufgeteilt - oder sie verschwindet gar, wie man heute in vielen Ländern beobachten kann: Die Geistlichkeit jeder herrschenden Kirche bildet eine grosse Körperschaft. Sie kann so übereinstimmend handeln und ihr Interesse so sehr nach einem Plan und in einem Geist verfolgen, als wenn sie unter der Leitung eines einzigen Mannes stünde; und oft steht sie auch wirklich unter einer solchen Leitung. [S. 817]
5.4.3 Herrschsucht ist hier ein zentrales Problem des Menschen. Die Marktwirtschaft mildert es, als jeder Herrschsüchtige erst mal eine ganze Menge Geld zusammentragen muss, bevor nur irgend jemand auf ihn hört. Alles für mich, nichts für andere - diese Maxime dürfte allerdings ebenfalls dem selben Substrat entspringen.
Die Furcht (lange Zeit das wichtigste Instrument der Kirche) ist in fast allen Fällen ein schlechtes Regierungswerkzeug und sollte besonders niemals gegen eine Klasse von Menschen angewendet werden, welche auch nur den mindesten Anspruch auf Unabhängigkeit hat. [S. 819] Die französische Regierung konnte und durfte Gewalt brauchen und verschmähte daher, Feinheit und Ueberredung anzuwenden. [S. 820]
Reformation: Die Macht der Kirche war schon zu jener Zeit in dem grössten Teil Europas bloss auf das geistliche Ansehen eingeschränkt und selbst dieses geistliche Ansehen wurde sehr wankend, als es nicht mehr durch die Mildtätigkeit und Gastfreundschaft des Klerus unterstützt wurde. Die niederen Klassen des Volkes sahen nun nicht mehr, wie früher, in diesem Stand ihre Versorger im Unglück und ihre Helfer in der Not.[S. 825-26]
Die neuen Lehren wurden mit jenem schwärmerischen Eifer weitergetragen, der fast immer den Parteigeist belebt, wenn er sich gegen eine alte Autorität auflehnt. [S. 827] Die Wahl der Pfärrer wurde frei - was streitsüchtige und fanatische Geistliche begünstigte. Von den Geistlichen wurden viele, um sich ihren Einfluss bei den Volkswahlen zu sichern, selbst Fanatiker oder stellten sich wenigstens so an; sie regten das Volk zum Fanatismus auf und gaben fast immer dem fanatischsten unter den Kandidaten den Vorzug. [S. 831] sieht irgendwie aus wie eine frühe Phase SVP ....
Die Schweiz war in dieser Zeit, bis 1848, religiös derart zerstritten und unmanagebar, dass keiner der Nachbarn Lust hatte, sie "einzugliedern". Wer nicht die Religion des Kantons annahm, konnte verwiesen werden. Gerade die Erfahrunge jener Zeit mit der freien Wahl von Priestern dürfte uns vor den Schallmeiengesängen der Auguren der alten Ordnung der Väter warnen, welche diese freie Wahl zum Sinnbild von Freiheit machen, denn bei Volkswahl gewinnt leicht der Volkst(d)ümmlichste.
Die Reichen, insbesondere sind sehr dabei interessiert, diejenige Ordnung der Dinge zu erhalten, die ihnen allein den Besitz ihrer Vorteile sichern kann. Die Leute von geringeren Vermöge vereinigen sich , das Eigentum derer, welche grösseren Reichtum besitzen, zu schützen , damit auch diese sich wieder zur Verteidigung dessen, was sie, die Aermeren besitzen, vereinigen mögen. [S. 729]
s. Abstimmungen Mieterrecht, Bodenrecht und dergleichen. Angst um das Häuschen, das man zwar nicht hat, aber gerne möchte.
Die Physiokraten schlugen vor, vor allem eine Grundsteuer zu erheben, da eine solche die Armen und Nichtshabenden entlastet. In Schlesien wurden adelige Güter sogar um 3% höher veranlagt als Bauerngüter. In Sardinien und Frankreich hingegen wurden bloss die Bauern besteuert - und die Adeligen befreit, weil sie über Armeen verfügten, ihnen also nicht leicht beizukommen war. Die Situation war also etwa so wie heute hier mit der Steuerflucht. Das Resultat der Situation in Frankreich ist allerdings auch bekannt.
Mehrwertsteuer: Während die Aermeren praktisch alles Geld verbrauchen für Nahrungsmittel, bleibt den Reicheren genug für Häuser und Luxus, weshalb eine Steuer auf derartige Güter am gerechtesten wäre: Es ist eben nicht unbillig, dass der Reiche nicht nur nach Verhältnis seiner Einkünfte, sondern noch etwas über dieses, [sic]Verhältnis hinaus zu den Staatsausgaben beitrage. [S. 867]
Steuern auf Gewinne oder Kapitaleinkünfte: Nun wird's ein bisschen haarig, also etwa so, wie noch in heutigen Diskussionen über die Besteuerung von Kapitalgewinnen:Das Einkommen oder der Gewinn, der von Kapitalien herrührt, zerfällt naturgemäss in zwei Teile: in den, welcher die Zinsen ausmacht und dem Kapitalisten gehört, und zweitens in den Ueberschuss, der sich nach Zahlung der Zinsen herausstellt.
Der letzte Teil des Gewinns ist offenbar ein nicht diekt besteuerbarer Gegenstand. Er bildet den Ersatz für Gefahr und Mühe der Kapitalanwendung. Diesen Ersatz muss der Unternehmer haben, sonst kann er sein Geschäft nicht mit Vorteil fortsetzen. Würde er also nach Verhältnis des ganzen Gewinns direkt besteuert, so müsste er entweder seinen Gewinnsatz erhöhen, oder er müsste die Steuer auf die Geldzinsen überwälzen, d.h. er müsste weniger Zins zahlen. [S. 873]
Heiter. Der Unternehmer hat also quasi ein göttliches Recht auf den Gewinn, der nicht durch Steuern geschmälert werden darf. Hier findet sich nun allerdings auch bei Smith selbst ein Widerspruch, denn er sagt an anderem Ort auch, dass auch der Gewinnanspruch die Güter verteuert, nicht bloss die Löhne. Wir haben also 4 Shareholder, unter die der Profit/Mehrwert verteilt wird:
Es muss hier also über die Aufteilung des Mehrwerts gesprochen werden, alles andere ist Rabulistik, was sich leicht anhand der weiteren "Erklärungen" Smith' zeigt:
Der Geldzins scheint auf den ersten Anblick ebenso fähig zu sein, unmittelbar besteuert zu werden, als die Grundrente. Gleich dieser ist er ein reines Einkommen, welches übrig bleibt, nachdem die ganze Gefahr und Mühe bei der Kapitalanwendung vollständig vergütet worden ist.
Smith zieht den selben Schluss wie die Physiokraten, nämlich dass am besten der Boden besteuert wird, denn a) kann dieses Eigentum nicht verschleiert, versteckt, geheim gehalten werden, b) kann er nicht verschoben werden (keine Geheimkonten für Böden).
Irgendwie vorbildlich - aber wunderlich - waren für Smith damals die Schweizer. In Unterwalden, dass wegen Ueberschwemmungen und anderer Naturkatastrophen oft grosse Auslagen hatte, gaben die Bürger öffentlich an der Volksversammlung an, wie hoch ihr Vermögen sein. Das selbe in Zürich betr. des Einkommens.
Dass jeder Bürger verpflichtet wird, eine eidliche Angabe seines Vermögens zu machen, muss in diesen Schweizer Kantonen, wie es scheint, nicht für eine Härte gehalten werden. In Hamburg würde es die allergrösste sein. Kaufleute, die sich in gefahrvolle Handelsunternehmungen einlassen, zittern bei dem blossen Gedanken, dass sie alle Augenblicke gezwungen werden könnten, den wirlichen Stand ihres Vermögens bekanntwerden zu lassen. Sie sehen voraus, dass der Ruin ihres Kredites und das Misslingen ihrer Unternehmungen nur allzu oft die Folge davon sein würden. Ein genügsames und sparsames Volk hingegen , das allen solchen Unternehmungen fremd ist, fühlt keine Notwendigkeit einer Verheimlichung.
In Holland schätzen sich die Bürger selbst, wie in Hamburg.
Von Steuern auf Arbeitslohn hielt Smith allerdings noch weniger: Wenn direkte Steuern auf den Arbeitslohn nicht immer ein verhältnissmässiges Steigen dieses Lohnes bewirkt haben, so liegt der Grund darin, dass sie gemeiniglich die Nachfrage nach Arbeit sehr verminderten. [S. 894]
Eine Behauptung die auch heute noch gerne verbreitet wird: Hohe Löhne sind schuld an der Arbeitslosigkeit. Wer gratis arbeitet ist nie arbeitslos! (Was dummerweise nicht mal stimmt, denn was gratis ist ist nichts wert - und kann meist nicht mal in gemeinnützigen Tätigkeiten eingesetzt werden]
Wenn Sie sich auch langsam fragen, wer denn in Smith' System überhaupt noch Steuern bezahlen soll, hier die Antwort:
Die Personen, welche an der Spitze der Regierung stehen, belohnen gewöhnlich sowohl sich selbst als auch die unmittelbar unter ihnen stehenden lieber etwas zu freigiebig als zu kärglich. Daher könnten die Amtseinkünfte in den meisten Fällen sehr gut eine Steuer ertragen. Ueberdies sind die Personen, welche in öffentlichen, zumal einträglicheren Aemtern stehen, in allen Ländern Gegenstand des allgemeinen Neides, und eine Steuer auf ihre Einkünfte wird selbst dann, wenn sie etwas höher wäre als bei allen anderen Einkünften, vom Volk gern gesehen. [S. 896]
Interessant .... Heute haben wir doch unter denjenigen, welche gerne sich selbst und ihre direkt Untergebenen gut belohnen, vor allem Verwaltungsräte und Manager. Man darf also auch diese, mit dem Segen Smith', reichlich besteuern.
Steuern auf Güter (Mehrwertsteuer) sind übel, insbesondere wo sie lebensnotwendige Güter verteuern, also das Leben der Armen erschweren. Solche Steuern müssten umgehend durch ein Ansteigen der tiefen Löhne aufgefangen werden.
Steuern auf Luxusgüter sind problemlos, da sie bei Leuten anfallen, die Ueberfluss vermögen. Da es aber sehr wenige davon gibt, ist der Ertrag einer solchen Steuer eher mössig.
Steuern auf spezielle Güter verteuern diese, senken damit den Konsum. Bei einzelnen Gütern hält selbst Smith dies für vorteilhaft, wie etwa bei Alkohol und Bier, macht aber darauf aufmerksam, dass Bier damals ein Grundnahrungsmittel war, die Besteuerung also nur sehr mössig sein dürfe
Im letzten Kapitel, über die Staatschulden, analysiert Smith vor allem die enormen Schulden, die jeweils durch Kriege entstanden, und meint, dass es wohl kaum mehr Kriege gäbe, wüsste der Bürger, was ihn das kostet. Und präzise hierauf dürfte der inzwischen doch recht lange dauernde Frieden in Europa und den USA beruhen..
Also alles ist nicht gar so schlecht, wie manchen das oft sehen.
Zusammenfassung der wichtigsten Punkte:
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Martin Herzog, Basel, 19.4.2010