Brainworker's Webdesign (E)

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WEB - DESIGN

Web-Design umfasst zwei dominante Aspekte moderner (wie postmoderner) Kultur, Netzwerk und Gestaltung. Je komplexer ein System, desto verzweigter die Beziehungen und desto schwieriger die Gestaltung. Diese Komplexität der reellen Welt lässt sich ideal durch das Web darstellen, da sich Sachbestände und Argumente hier in beliebig viele Dimensionen zerlegen, darstellen und vernetzen lassen.

Definition Web: World wide web, www, w3. Ein globales virtuelles Netzwerk, in dem beliebig viele Texte verlinkt, also in Beziehung gesetzt werden können. Die Grundlagen dafür, das Hypertext Transportprotokoll (http), wurden 1989 im CERN, Genf, geschaffen. Es erlaubt, Informationen auf andern Computern, irgendwo auf der Welt, präzise zu lokalisieren und zu übermitteln. Die Standardsprache für Dokumente auf dem Web ist heute html. Da sich Graphiken, Ton, Animationen und Videos leicht integrieren lassen, wurde es zum populären Medium für Publikationen auf dem Internet. Mit der Entwicklung sicherer Serverprotokolle (https), entwickelt sich das Web auch zum kommerziellen Medium, das nicht nur das Durchstöbern von Katalogen erlaubt, sondern auch den Kauf per Kreditkarte.

http://www.atis.org/tg2k/_world_wide_web.html

Das englische Wort WEB stammt aus dem deutschen Gewebe (angelsächsisch: webba = weben) und bezeichnet:

  1. Ein Stück Stoff, Gewebe, Textur

  2. Den Vorgang des Webens, eine komplizierte Fabrikation, auch im übertragenen Sinne:

    The somber spirit of our forefathers, who wove their web of life with hardly a . . . thread of rose-color or gold.

    Hawthorne.

    Such has been the perplexing ingenuity of commentators that it is difficult to extricate the truth from the web of conjectures.

    W. Irving.

  3. Das Netz der Spinne, eine Falle

  4. Ein Computernetzwerk

  5. verbundene Systeme von Dingen, Menschen, Spionen, Intrigen ....

  6. Im Englischen noch eine Serie weiterer spezifischer Bedeutungen, wie z.B. Schwimmhaut etc, die hier aber nicht von belang sind. s. http://www.hyperdictionary.com/dictionary/web

  7. Semantische Netze: Ein semantisches Netz (engl. semantic network) besteht aus Knoten, die Konzepte repräsentieren und Verbindungen (Kanten), die Beziehungen (Relationen) zwischen den Knoten herstellen.

Semantische Netze werden zur formalen Wissensrepräsentation genutzt. Semantische Netze können also in Form von verallgemeinerten Graphen dargestellt werden.

Ihr Unternehmen steckt voller Wissen: Über Ihr Unternehmen und Ihre Wettbewerber, Märkte, Strategien, Technologien und Prozesse. Dieses Wissen liegt in Form großer Mengen an Daten vor. Abgelegt in Datenbanken, Office-Dokumenten oder Emails. Daten alleine sind jedoch bedeutungslos, sie alleine liefern Ihnen noch keine Antworten auf Ihre Fragen. Um aus diesen Daten Information, und aus dieser Information Wissen generieren zu können, benötigen Sie Information von übergeordneten Zusammenhängen und Mustern. Mit Hilfe Semantischer Netzwerke können Sie diese Zusammenhänge sichtbar machen. [Details s. Knowledge Management]

Definition Design [Cf. dessein, dessin: Entwurf, Zeichnung, ursprünglich aus dem Lateinischen: designare - bezeichnen, markieren, kennzeichnen]

http://www.hyperdictionary.com/dictionary/design

Daher nun ist die erste, ja, schon für sich allein beinahe ausreichende Regel des guten Stils diese, dass man etwas zu sagen habe: o, damit kommt man weit!

Schopenhauer, Parerga und Paralipomena. Ueber Schriftstellerei und Stil § 291

Mit Design ist also nicht bloss das Aussehen eines Produktes, der Stil, sondern eigentlich meist der Prozess der Gestaltung von Produkten und Prozessen bezeichnet. Ein erfolgreicher Design muss nicht bloss ästhetisch-stylistischen, sondern in erster Linie funktionellen Ansprüchen genügen (fff: form follows function).  Während für das Marketing auf den ersten Blick zwar oft äusserliche Aspekte der Attraktivität für den Kunden dominieren, sind für die Kundenzufriedenheit dann allerdings eher funktionelle Aspekte, Handlichkeit und Benutzerfreundlichkeit entscheidend.

Design beschränkt sich auch nicht auf Konsumprodukte. Der individuelle wie kollektive Design von Wirtschaftsunternehmen, von Politikern, von Ingenieuren, Philosophen, Literaten, Bankiers, Glücksrittern, Abenteurern macht die Welt zu dem, was sie ist. [s. dazu Planung als Diagnose und Design - Konstruktivismus: Alles ist Design (nicht: Design ist alles! Gerade deshalb soll man Entwürfe ruhig als solche erkennen können, meine ich. Meinungen und Konstrukte, die sich per Design als Realität (Wahrheit) ausgeben, sind Betrug.)]

Gerade was die Funktion von Design im Web betrifft, herrscht ein weit verbreitetes Missverständnis. Ein guter Webdesign der sich darauf beschränkt, dass die Seite graphisch ganz super toll ist, aber ohne Inhalt, verpasst Sinn und Zweck des Mediums. Hyper-Text ist ein Medium der Sprache, Texte und Inhalte. Visuelle Gestaltung kann die Wirkung der Inhalte verstärken. Ersetzen lassen sich Inhalte allerdings nicht durch visuelle Effekte und tolle Graphiken, denn letztere werden, mit Ausnahme ihres Namens, von den Suchmaschinen ganz einfach ignoriert.

Ein gutes "schlechtes Beispiel" ist z.B. Lignum, das mit exzellentem Design ein Minimum an Wirkung erzielt.

Die wichtigsten Ziele, und neuartige Probleme des Web-Designs
Der Zweck, die Absicht, die erwünschte Wirkung - oder wie es früher mal hiess: fff - form follows function. Ein Prinzip das vor lauter Gestaltungseuphorie häufig vergessen geht. Die Website sollte aber etwas erreichen, der Kunde hat ein bestimmtes Ziel, einen Wunsch. Ob der nun, was sich aus den meisten Websites schliessen lässt, ein repräsentives Nüteli (ein Nichts), eine Visitenkarte, gedeckt wird, dürfte oft fraglich sein. Wer interessiert sich schon für Visitenkarten, ausser der Werbung?
  1.  
    Das Zielpublikum, wer soll angesprochen werden. Häufig orientieren sich Websites daran, was so allgemein der Brauch ist: schnell, übersichtlich, attraktiv - und vergessen dabei wieder mal das Message, das nicht nur vorhanden sein sollte, sondern auch an die anzusprechenden Besucher angepasst werden muss.
  2. Wie soll die Site aussehen: S. Punkt 1
  3. Navigation: Wie soll man sich darauf zurecht finden? Auch hier dominiert ein alter Irrtum bei den meisten, auch neuen Websites, die ja synonym oft auch Homepages genannt werden. Hier dominiert noch die Idee des Buches, wo man vorne beginnt, Kapitel um Kapitel durchliesst, und es am Ende schliesst. Die Webrealität ist eine andere. Wenn Sie heute etwas suchen auf dem Web, wie gehen Sie vor? Also ich benutze erst mal meinen Google-Suchbalken: Suchbegriff eingeben, klick, and here they are, the results. Diese Methode führt dazu, dass heute nur noch knapp 5% der Besucher grösserer Websites, wie etwa www.brainworker.ch "vorne" einsteigen, bei der Home-Page, und sich dann durchnavigieren. 95% kommen über Links die sie von sonstwo haben oder über Suchmaschinen direkt auf den Text der sie interessiert (selten auch auf eine Graphik). Wir haben also das Problem, dass von der populären Webdesign-Kultur noch nicht wahrgenommen wird:
    1. Eigentlich müsste jede Seite eines Webs so ausgelegt werden, dass sie als "Home-Page" dienen kann.
    2. Homepage-Klassiker, die sogenannten Portale, sprechen zwar Forscher und Webfreaks an, die gerne hunderttausend Angebote durchsuchen um das eine perfekte zu finden, nicht aber den Websurfer, der möglichst schnell eine Information zu seiner Frage will. Die ideale Grösse der Auswahl , psychologisch ideal, liegt aber bei bloss 5 (3 bis 8). Weniger wird als mickerig klassiert, mehr als unübersichtlich.
    3. Moderne Webtools, die sogenannten Content-Management-Systeme, sind zwar manchmal etwas leichter zu erlernen als Frontpage, führen aber zu einer Zerfledderung der Texte. Noch ärger wirken sich Fotoshop-ImageReady und Fireworks aus, denn damit werden Texte meist als Graphiken gestaltet, die so den Suchmaschinen verborgen bleiben. Des weitern werden auch die Graphiken durch Slicing zu einem derartigen Salat, dass auch sie nicht mehr benamst und als sinnvolle Einheit gefunden werden können. Und nochmals ärger sind Webpräsentationen, deren Daten in Datenbanken stecken, denn diese sind der Suche durch Google und Co. eben so entzogen, wie Texte in Bildformat. Somit ist auch Flash, ein an und für sich geniales Werkzeug, eigentlich nur als Zusatz zu gutem Text wirksam, keinesfalls als Ergänzung.

 

Die alten Probleme jeglichen Designs

Unsere Ökonomie ist schon lange keine rationaler Umgang mit Knappheit mehr, sondern Produktion und Absatz von Überschüssen. Nicht mehr Rohstoffe und Güter, ja nicht einmal mehr Dienstleistungen bilden die Spitze unserer Ökonomie, sondern der Aufbau potemkinscher Dörfer mittels Aesthetisiserung und Eventmarketing. Da sich Produkte und Dienstleistungen kaum mehr unterscheiden, muss der schöne Schein helfen. Leider beschränkt sich der Effekt dieser Strategie dann nicht mal darauf, dass der Kaiser ohne Kleider da stünde. Schlimmer:

Es sind oft nur noch Kleider da - ganz ohne Kaiser

Wenn Sie selbst den Aufwand nicht betreiben können oder wollen, um über interessante Texte auf Ihre Site aufmerksam zu machen, so sollten Sie sich bei andern gut besuchten Seiten anhängen, um Besucher von dorther auf Ihre Seite zu leiten:

Angebot von Brainworker-Diskussionsforen s. Bannerwerbung

Kann man die Dominanz der Ästhetisierung und Eventualisierung dort gelten lassen, wo es um die Welt der Waren- und Dienstleistungsindustrie geht, so führt das selbe Mittel, wenn auf die Domäne des Wissens angewandt, in die Irre. Wissen verdoppelt sich heute so ca. alle 2 Jahre. Hier braucht es deutlich NICHT den zusätzlichen Dekor, um Altes neu erscheinen zu lassen, sonder eher mehr "Bauhaus". Im Wissensbereich sind klare, kurze und prägnante Statements nötig. Die Sache ist so schon kompliziert genug. Im Wissensbereich gilt es nicht mehr, möglichst viele Worte zu machen, sondern möglichst einfache, gut konstruierte und verständliche Darstellungen.

Noch härter muss man sich verwehren gegen die Eventualisierung von Wahrheit und Wirkung. Unsere Welt lebt mit dem Problem einer Orientierungs- und Steuerlosigkeit, die vor allem auf ihre Komplexität zurückzuführen ist. Orientieren wir uns in diesem Dilemma nicht mehr an Werten sondern an ästhetisch gestalteten Inszenierungen und eilen von Event zu Event, so verlieren wir auch noch das letzte Restchen Wahrheit, das uns zugänglich wäre.

Leider richtet sich die Mehrheit nach sich selbst, also der Mehrheit, und imitiert das, was die andere Mehrheit macht. Diesem Herdentrieb verdanken wir es, dass viel wertvolles Wissen in fast unauffindbaren Datenbanken mottet, während das Web überladen ist mit manchmal sogar gut gestalteten, aber oft inhaltsleeren, Präsentationen.

  • Wenn Sie also nichts zu sagen haben, aber dies gerne gut präsentiert haben möchten, dann suchen Sie sich bitte einen Designer. Die sind geschult für so was.

  • Wenn Sie aber wichtige und interessante Informationen zur Verfügung haben, von denen Sie denken, dass sie für die Öffentlichkeit interessant sein dürften, dann sind sie hier an der rechten Stelle.

Martin Herzog, WEBDESIGN, Basel. 18.10 / 21.11.03 / 8.4.05

p.s: Wenn Sie einiges bei www.brainworker.ch nicht so comilfaut, wie man das laut Mehrheitsmeinung "richtig" macht, präsentiert finden, dann verstehen Sie nun vielleicht besser, warum dem so ist und warum das plusminus auch so bleibt.


Ueberlegungen zur optimalen Spaltenbreite

In letzter Zeit (2007/08) wurde mir des öftern nahe gelegt, die Präsentationen in Spalten zu zerlegen, zwecks besserer Lesbarkeit. Das Argument hat mich überzeugt und ich hab mich dran gemacht, den Layout mit Indesign als pdf zu gestalten und per GoLive parallel als html zu publizieren. Der Transfer per xhtml produziert allerdings eben das was typisch und ideal ist für eine Website, speziell mit dem nun automatisch möglichen "liquid design", also eine  optimiale Ausnutzung der vorhandenen Fenstergrösse des benutzten Browsers, d.h. der Layout muss dann trotzdem nochmals gemacht werden, spezifisch für das Internet.

Nun stellt sich die Frage, was wäre denn am Bildschirm die optimale Spaltenbreite? Im Normalfall, d.h. bei Zeitungen, wären das (40-)60(-80) Zeichen. Im Internet hängt dies, logischerweise, von der Schriftgrösse und der Schriftart ab. Wer selbst eine grössere Schrift eingestellt hat auf seinem Computer zieht vermutlich auch eine etwas breitere Darstellung vor, d.h. gleiche Anzahl Worte/Buchstaben.

Sujektiv wird der Vorzug einer Spaltenbreite von 640 gegeben - objektiv scheint diese allerdings keinen Einfluss zu haben, weder auf die Lesegeschwindigkeit noch auf die Genauigkeit des Lesevorgangs.

 

http://hid.fidelity.com/q31998/column.htm

Früher mal hatte ein guter Bildschirm eine Breite von 600 pixeln, dann 800, heute eigentlich meist schon um die 1200 - also das Doppelte der optimalen Lesebreite. Aus diesem Grund (und dem eher dämlichen, so viel wie möglich auf einer Seite präsentieren zu wollen ...), werden Webseiten heute eigentlich meist in 2 bis 3 Spalten aufgeteilt:

TITEL

Führungsleiste I (Navigation)          
Führungsleiste II
(Navigation)

 

TEXT

Führungsleiste III (Navigation)

Werbung

Infos

Fussleiste

Das hier nur die einfachste Variante. Oft sind sogar noch mehr Führungsleisten vorhanden, der Design noch mehr zergliedert ... einfach weil man's kann und der Platz da ist. Bereits diese einfache Darstellung zeigt jedoch das Problem. Anstatt übersichtlicher wird es verwirrender. Man muss die Informationen aus 3 Navigationsbereichen zusammensuchen. Die altebekannte Tatsache, dass die meisten Menschen kaum mehr als 5 Dinge gleichzeitig im Auge (und Hirn) behalten können, wird dabei übersehen. Ebenfalls wird der Text, der nun zwar ideale 640 pixel hat, links und rechts von Werbung oder anderem überflüssigem Schrott begleitet, was auch nicht grad zur Konzentration beiträgt.

Es empfielt sich also eher, den Text so klar darzustellen und zu gliedern wie möglich - und dabei die Einstellung von Grösse wie Breite dem Nutzer zu überlassen - und für den Ausdruck einen optimalen Layout per pdf anzubieten.