Ausgabe No 5

25. Oktober 2002

NEWSFLASH       WALD - INTERNATIONAL

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Arbeitsgruppe Internationale Beziehungen des Schw. Forstvereins.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Es lebe die Erhaltung der Tropenwälder! Aber... wie?

Ein Beitrag von ITTO, EMPA und CORNARE zur nachhaltigen Nutzung von tropischen Bergwäldern in Kolumbien

 Berichte über die Zerstörung der Tropenwälder, oft untermalt mit traurigen oder gar grausamen Bildern, sind der Öffentlichkeit Europas gut bekannt. Dabei wird die schwierige Lage der indigenen Bevölkerung berücksichtig und aufgezeigt, wie die häufig hohen Gewinne ausländischer Investoren oft auf Kosten der lokalen Bevölkerung gehen. Auch wenn diese Berichte meist auf Tatsachen basieren, wird oft dabei vergessen, dass die Realität dieser Regionen um einiges komplizierter ist. Die "lokale Bevölkerung" stellt meist keine homogene soziale Gruppe dar und die für Europäer funktionierenden Massstäbe können in anderen Teilen der Welt nicht eins zu eins übernommen werden.

Die Herausforderung der nachhaltigen Nutzung der Tropenwälder ist sehr komplex. Die Lebensbedingungen der heutigen Generation sollen verbessert werden, ohne die Ressourcen der zukünftigen zu riskieren. Im Bewusstsein dieser Herausforderung haben EMPA und CORNARE (die Regionale Autonome Körperschaft der Region Rionegro – Nare in Kolumbien) der ITTO (International Tropical Timber Organization) 1999 einen Projektvorschlag vorgelegt. Das Projekt "Alternatives Finanzierungsmodel zur nachhaltigen Nutzung der Wälder in San Nicolás" wurde in November 1999 von drei Geldgeberländern des ITTO finanziert. Dabei ist die Schweiz, über das seco, der wichtigste Geldgeber.

Ziel des Projektes ist es, die Degradierung der Wälder aufzuhalten, sowie der permanenten Verschlechterung der Lebensbedingungen für die lokale Bevölkerung entgegen zu treten. Das Projekt umfasst eine Fläche von 72.000 ha im Nordwesten Kolumbiens, der Subregion von San Nicolás. Es wendet eine vom WWF-International und der EMPA entwickelte Methode an, welche nachhaltig forstliche Aktivitäten mit für Wälder anwendbaren weiteren Möglichkeiten des Kyoto-Protokolls in Tropenländern kombiniert (s. http://unfccc.int/resource/convkp.html) .

Im Projektgebiet wohnen etwa 10.000 Familien, welche direkt oder indirekt ihr Einkommen aus dem Wald beziehen. Dabei werden viele Praktiken angewandt, welche Wälder und Böden degradieren. Dies ist auf folgende Faktoren zurückzuführen:

  • Zunehmender Druck von wirtschaftlich erfolgsreichen Aktivitäten, wie Viehzucht oder Blumenanbau und Blumenexport

  • Wachstum der nahe liegenden Metropole Medellin

  • Zunahme der Armut

  • Der bewaffnete Konflikt in Kolumbien

CORNARE, die staatliche Institution, die verantwortlich ist für die nachhaltige Entwicklung im Projektgebiet, vereinbarte 1998 mit neun Gemeinden einen Zonenplan. Dieser unterteilte die 72.000 ha in Erhaltungs- und Wiederaufforstungsgebiete. Bei Wiederaufforstung handelt es sich um Gebiete wo es in Zukunft Wälder (Aufforstungen, Agroforstwirtschaft etc.) zur kommerziellen Nutzung geben soll. Bei Erhaltung geht es um den Schutz von Naturwäldern, meist allerdings Sekundarwälder. Dies ist allerdings nicht möglich, wenn wirtschaftliche Nutzung total ausgeschlossen wird. Der Zonenplan, als legale Basis für das ITTO-EMPA-CORNARE Projekt, ist bei der Frage Bewirtschaftung<>Schutz aber nicht ganz klar. Deshalb ist es Aufgabe des Projektes die Brücke zwischen dem Gesetzt und der Realität der Bauern zu schlagen. Das macht die Aufgabe noch spannender!

Das Projekt dauert von Juni 2001 bis Februar 2003. Folgende Resultate werden erwartet:

  • Regionaler Waldentwicklungsplan, ausgearbeitet mit der lokalen Bevölkerung

  • Investitions- und Finanzierungsplan für eine nachhaltige Nutzung der Wälder in San Nicolas. Dabei werden die zusätzlichen Carbonsenken im Projekt berechnet, womit zusätzliche Kredite für den Clean Development Mechanism (CDM) des Kioto Protokolls erzielt werden.

  • Verbesserung der lokalen institutionellen Rahmenbedingungen

Von grösster Wichtigkeit bei der Implementierung des Projektes ist die Teilnahme der lokalen Bevölkerung. Diese wird durch das "Regionale Forum" ermöglicht, das unter anderem Aktivitäten fördert, welche der Aufklärung, Ausbildung und der Teilnahme verschiedener sozialen Gruppen an Entscheidungsprozessen dienen. Das Forum geht dabei in drei Etappen vor:

  • Information und Sozialisierung
  • Formulierung von Projekten und Vereinbarung zukünftiger Aktivitäten
  • Aufbau angepasster Organisationsformen.

Der Erfolg des regionalen Forums ist zurückzuführen auf das hohe Vertrauen, das die lokale Bevölkerung CORNARE entgegenbringt, auf die technisch fundierten Richtlinien sowie den dauernden Kontakt zwischen Projektteam und lokaler Bevölkerung.

Niemand kann garantieren, dass in Zukunft alle Probleme der Vergangenheit gelöst sein werden. Wir können aber bereits heute mit Sicherheit sagen, dass nach Abschluss des Projektes der lokalen Bevölkerung von San Nicolás ein Handlungskonzept zur Verfügung steht, das ihnen die nachhaltige Nutzung der Wälder erlaubt. Darüber hinaus erhalten die Menschen von San Nicolás auch bessere wirtschaftliche Chancen durch die vom Projekt vermittelte Ausbildung, funktionierende regionale Organisation und Demo-Projekte.

Carmenza Robledo A.
Dr.rer.nat
Koordinatorin ITTO Projekt 54/99 (F)
EMPA
Carmenza.Robledo@empa.ch 

21.10.200

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Brasilien errichtet das weltweit grösste Tropenwaldreservat - aber andernorts geht die Waldvernichtung ungebremst weiter.

Brasilien errichtet ein neues Regenwald-Schutzgebiet von 3.8 Millionen ha an den Grenzen zu Französisch Guyana und Surinam. Der Nationalpark der Tumucamaque Berge wird also beinahe vier mal so gross wie die gesamte Fläche des Schweizer Waldes. Er wird 12% aller Primaten des Amazonas Schutz bieten, sowie 350 Vogelarten (31% der Avifauna des Amazonas), 37 Echsenarten (42% der Echsenpopulation des Amazonas), Jaguar, Riesenameisenbär, Riesengürteltier und vielen mehr.

Der Amazonas war das grösste geschlossene Waldgebiet der Welt. Seit Mitte der Siebziger Jahre sind aber 15% des Waldes vernichtet worden und der Prozess geht ungebremst weiter. Der Amazonas, inklusive der Anteile in Bolivien, Peru, Kolumbien und Venezuela, präsentiert 40% der weltweit noch vorhandenen Tropenwälder. Er ist aber stark durch die wirtschaftliche Entwicklung bedroht. Soyaproduktion, Strassenbau, Rinderfarmen und Holzdiebstahl sind die grössten Gefahren. Auch der letzte Punkt wird verständlich, wenn man sich bewusst macht, dass ein einziger Baum mehr als 1000.-$ wert sein kann, was einem Jahreseinkommen eines Bauern oder andern Minimallohnarbeiters entspricht. Für Mahagoni werden sogar bis zu 20'000 $ gelöst. Rodungen und andere Landnutzungsänderungen im Amazonasgebiet blasen zur Zeit jährlich rund 400 Millionen Tonnen CO2 in die Luft, wogegen die von Haushalten und Industrie erzeugten 90 Millionen schon bald Peanuts sind.

Brasilien hat 12% der Landesfläche für die einheimische Bevölkerung ausgeschieden. Viele dieser Stämme verteidigen nun "Ihre" Wälder nicht nur mit Inbrunst, sondern auch mit Waffen, wenn nötig. Die von einheimischen betreuten Waldgebiete sind offenbar bereits per Satellitenphotos auszumachen: Dort wo die Waldbrände aufhören, fängt der Wald der Einheimischen an.

Brasilien will die Fläche mit geschützten Wäldern in 10 Jahren verdreifachen, Kanada um 50 % erhöhen und im Kongobecken sollen 10 Millionen ha an Schutzgebieten eingerichtet werden, einschliesslich 12% von Gabuns Regenwäldern. Soweit die positiven Nachrichten. http://forests.org  nimmt dies in seinem Newsletter vom 8. September 2002 allerdings nur als Ausgangsbasis. 10% Naturschutz werden als Mythos und weitgehend unzureichend bezeichnet. Während die Schweizer Natur- und Umweltschützer inzwischen bei 10% der Fläche unter striktem Schutz + 10% als Sonderreservate (Niederwald, Mittelwald u. ähnliches) stehen, plädiert forests.org dafür, 50-70% des Waldes der wirtschaftlichen Nutzung zu entziehen.

   

Waldschutzgebiete in Kanada

Kanada plant die Verdoppelung der Schutzgebiete. Es verfügt zur Zeit über 39 Nationalpärke, von denen der erste in Banff 1885 errichtet wurde. Diesen sollen 10 weitere riesige Nationalpärke mit einer Gesamtfläche von 100'000 km2 & 5 Meeresschutzzonen zugefügt werden. Die wichtigsten sind:

  • Gulf Islands in der Westprovinz von British-Kolumbien, eine gefährdete Region mit hoher Biodiversität.
  • Ukkusiksalik im arktischen Territorium, zum Schutz von Polarbären, Karibus, Wanderfalken und Moschusochsen.
  • Torngat Mountains in der Atlantikregion von Labrador ist bekannt für seine Berge, Fiorde, Polarbären und Karibus.
  • Mealy Mountains, ebenfalls in Labrador, mit ausgedehnten Hochlandsümpfen, borealen Wäldern und wilden Flüssen.
  • Tieflandwälder der Provinz Manitoba mit der grössten Sand-Landzunge des Kanadas, Höhlen mit seltenen Fledermäusen und Frischwassersümpfe.
  • Bathurst Island in Nunavut, das wichtigste Gebiet für den Nachwuchs der Karibus.
  • Der östliche Zweig des Grossen Sklavensees im Nordwesttheritorium, mit Kliffs, Bären, Wölfen und Elchen.
 

Australien liegt in Sachen Klima wirklich am Ende der Welt

Australien hat einen äusserst schlechten Ruf, was Landdegradation und Klima betrifft. Bezüglich CO2 (Kyoto Protokoll) stellt es sich auf die Seite der USA und verweigert die Reduktion, solange Entwicklungsländer wie China nicht mit einbezogen werden. Dass Australien Kohle exportiert, ist wenig geeignet, diese Bilanz zu verbessern.

Was Rodungen betrifft, liegt Australien nun auf dem fünften Platz, hinter Brasilien, Indonesien, Kongo und Bolivien. Mit zwar nur 5% der Landmasse der Erde, trägt Australien 19% zur weltweiten Bodenerosion bei und hat als trockenster Kontinent der Erde den höchsten Wasserverbrauch pro Kopf.

Australien hat in seinem Zentrum, Ngaanyatjarra, im Outback, 98'000 km2 als 15-tes Schutzgebiet den Arborigines zur traditionellen und ökotouristischen  Nutzung überlassen. Hier leben 150 Vogel-, 103 Reptilien-, 47 Säuger- und 11 Frosch-, nebst 650 Pflanzenarten.

Australien besitzt auch einige Meeresschutzgebiete, darunter mit 5.8 Millionen ha das grösste der Welt, die Macquarie Insel. Das Heard Island und Mc Donald Island  (6.5 Mio. ha), 1000 km südwestlich vom Festland, zählen zu den unverdorbensten Naturgebieten der Erde. Auf Heard Island befindet sich auch Australiens einziger aktiver Vulkan Big Ben, der gleichzeitig der höchste Berg Australiens ist. Die schroffe und steile Küste hat offenbar im Laufe der vergangenen 100 Jahre nur 2 Schiffen die Landung erlaubt. Beide Inseln stehen auf der UNESCO World Heritage List.

 

   

Papua - Neu Guinea: Weltbank und Forstverwaltung liegen sich in den Haaren.

Wald bedeckt 60% von Papua Neuguinea. Der grösste Teil davon wird traditionell durch die Ureinwohner genutzt. Es ist der drittgrösste Waldkomplex weltweit. Im Dezember 2001 beschlossen PNG und die Weltbank für 39 Millionen $ ein Wald- und Schutzprogramm (FCP) für 6 Jahre. Ein Ziel desselben war es, die laufenden Holzerntekonzessionen sowie die Vergabe weiterer, genauer unter die Lupe zu nehmen.

Die Papua-Neuguinesische Forstverwaltung (PNGFA) beklagte sich, sie sei unzureichend angehört worden - während das Eco-Forestry-Forum, eine Kooperation von 20 Entwicklungs- und Umweltorganisationen, ehe besorgt ist, dass die Weltbank sich darauf einlässt, das FCP weicher zu formulieren, so dass die grossflächige Holzernte unkontrolliert weiter geht.

Da die Weltbank nicht gerade berüchtigt ist dafür, den Naturschutz über wirtschaftliche Belange zu stellen, muss es um die forstliche Bewirtschaftung Indonesiens echt übel bestellt sein.

Fallbeispiel: Holzerntekonzession der Firma Rimbunan Hijau

Seit 1992 besitzt die Firma eine Konzession von 432'000 ha in der Westprovinz. 1999 erhielt sie über das National Forest Board eine Konzession über 791'000 ha in Kamula Dosa. Diese Konzession stiess auf Widerstand, da sie nicht ausgeschrieben wurde, sondern als Erweiterung einer kleineren Bewilligung die öffentliche Ausschreibung umging. Diese Entscheidung steht ebenfalls im Widerspruch zu den Empfehlungen der Provinz, des nationalen Forstdienstes und vieler lokaler Landbesitzer.

Des weitern wurden auch die eher schlechten Erfahrungen mit der selben Firma nicht kritisch gewertet:

  • Die Waldeigentümer erhalten gerade 1 (ein) Prozent des Holzwertes
  • Die Holzerntefirma hat keine Strassen, Brücken und Entwässerungen installiert
  • Die errichtete Infrastruktur ist von sehr tiefer Qualität
  • Die Wohlstandsförderung pro Produktionseinheit ist die tiefste im ganzen Land.

Waldbesitzer und -Bewirtschafter werden sich sicher über Ansinnen wie sie von forest.org (s.o. Brasilien) propagiert werden, ärgern. Angesichts  solcher Beispiele, wo eine einzige Holzerntefirma Flächen bewirtschaftet, die der gesamten Waldfläche der Schweiz entsprechen, und dabei für Waldeigentümer wie lokale Bevölkerung max. 1% des Holzwertes herausspringt, dürften die etwas radikalen Ideen von forest.org etwas verständlicher machen. Um den Eindruck nicht noch zu verstärken, dass Holznutzung waldschädigend sei, ist es dringend notwendig, dass "die Waldwirtschaft" zeigt, dass sie fähig ist, ihr Geschäft nachhaltig zu betreiben, d.h. auf Umwelt und Gesellschaft gebührend Rücksicht zu nehmen. Eine einseitige Ausrichtung auf minimale Holzerntekosten wären hingegen kontraproduktiv, wie das Beispiel Rimbunan Hijau deutlich zeigt..

 

AGIB-NEWS: No news is said to be good news ...

In dem Sinne: Falls Sie etwas Geld erübrigen können und einen Beitrag leisten möchten zur Förderung der nachhaltigen Bewirtschaftung von Wäldern in Entwicklungsländern - berücksichtigen Sie bitte das Solidaritätskonto des schweizerischen Forstvereins.

Zürcher Kantonalbank 8010 Zürich, Postcheckkonto: 80-151-4,
zugunsten von 3500-6-381388-5 700 Schweiz. Forstverein Solidaritätskonto, Zürich

Dieses wird von der Arbeitsgruppe Internationale Beziehungen betrieben. Da praktisch alle der ca. 120 Mitglieder kürzer oder länger international tätig waren, verfügen wir über ein weltweites Beziehungsnetz. Da die Forstwirtschaft in den meisten der Länder in denen wir tätig waren zwar an den selben Problemen leidet wie hier, aber die wenigsten  über die selben Subventions-Möglichkeiten verfügen, sollten und möchten wir immer wieder Projekte unterstützen, an denen wir selbst mitgearbeitet haben, bei denen wir die Situation und die Leute kennen. Wie Carmenza Robledo bezüglich Kolumbien, so können auch wir Ihnen nicht versprechen, dass wir den Tropenwald retten, aber wir garantieren einen effizienten Einsatz der Spenden, vor allem in Situation bei denen Forstpersonal in materielle Not kommt und Projekte deswegen akut gefährdet sind. Wir garantieren ebenso, dass wir trotz Frust und Rückschlägen, weiter dran bleiben.

Besten Dank

Martin Herzog

Bestandteil von www.brainworker.ch/Waldforum/